Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Welchen Sinn haben im Sand eingegrabene Autoreifen?
Jul 28, 2023
Show notes
Kostengünstige Randmarkierung für Felder
Ich habe das Foto dem Mitarbeiter einer Umweltorganisation in Dakar geschickt, den ich einmal kennengelernt habe. Er kennt die Stelle, die das Foto zeigt, und sagt: Die Reifen dienen dort zur Begrenzung eines Sportplatzes. Sie stellen einfach die Randmarkierung dar. In trockenen Ländern wie Senegal sind eingegrabene alte Autoreifen eine relativ kostengünstige und gleichzeitig stabile Möglichkeit, um auf einer sandigen Fläche ein Feld abzugrenzen. Kostengünstig deshalb, weil an ausgedienten Autoreifen meist kein Mangel herrscht.
Autoreifen bieten Schutz gegen Erosion
Gäbe es Alternativen? Aufgrund der Wasserknappheit spricht vieles dafür, keinen Rasen anzulegen, den man aufwändig bewässern müsste. Bei uns würde man um den Sportplatz vielleicht einen Zaun bauen, aber solche Sportplatzzäune müssen ja einiges aushalten: Fußbälle, die gegen sie prallen, oder Jugendliche, die drüber klettern. Auch solche Zäune sind teuer. Außerdem ist in trockenen Gegenden der Boden verstärkt der Erosion ausgesetzt – auch da bieten die eingegrabenen Autoreifen einen guten Schutz. Zwar halten sie nicht ewig – die Autoreifen haben die Neigung, sich im Laufe der Zeit nach oben zu arbeiten und irgendwann ganz aus dem Boden herauszukommen – aber dann kann man sie ja relativ einfach wieder einbuddeln.
Wenn Sie also vor allem in südlichen Ländern solche Reihen von eingegrabenen Autoreifen sehen, dienen diese fast immer zur Abgrenzung von Flächen – seien es Fußballfelder oder Grundstücke.
Auf Spielplätzen in Deutschland anzutreffen
Bei uns sieht man solche Reifen allerdings auch manchmal: Nämlich auf Spielplätzen – da dienen sie zum Abfedern einer Wippe oder auch als eigenständige Spielelemente, sodass Kinder z.B. von einem eingegrabenen Reifen zum nächsten hüpfen können.
Kornkammer Europas: Warum wächst in der Ukraine so viel Getreide?
Jul 21, 2023
Show notes
Schwarzerde-Böden gehören zu den weltbesten Ackerböden
Das liegt vor allem an den Schwarzerde-Böden, die zu den besten Ackerböden der Welt gehören. Sie sind locker, schön krümelig, humusreich, kalkhaltig, oft sehr tiefgründig – und in der Ukraine weit verbreitet.
Mehrere günstige Umstände kommen hierfür zusammen: Die natürliche Landschaft weiter Teile der Ukraine besteht aus Steppe, denn die Ukraine liegt weit weg vom Ozean, hinter den Karpaten. Es regnet viel weniger als in Mitteleuropa, und im Winter ist es ziemlich kalt.
Außerdem ist die Ukraine bis auf die Karpaten ganz im Westen weitgehend flach. Auf diesen Flächen wurde noch in der letzten Eiszeit viel Löss abgelagert. Löss kennen wir auch aus weiten Teilen Deutschlands: Es ist ein kalkhaltiges, relativ lockeres Sediment, nicht zu lehmig, nicht zu sandig. Das ist schon mal ein gutes Ausgangsmaterial.
Unter Steppenbedingungen entwickelten sich aus diesem Löss die für die Ukraine so typischen sehr humusreichen Schwarzerde-Böden. Der viele Humus kommt daher, dass die Gräser und die andere Steppenvegetation, die im Frühjahr wächst, sich im Sommer, Herbst und Winter nur teilweise zersetzt und abgebaut wird: Im Sommer ist es oft zu trocken, im Winter zu kalt. Dadurch reicherte sich über die Jahrtausende organischer Humus im Boden an.
Hinzu kommt ein äußerst aktives Bodenleben. Denn gerade wegen der starken jahreszeitlichen Schwankungen gibt es eine Reihe von Tieren, die immer wieder zwischen Oberfläche und Untergrund pendeln und den Boden durchmischen und durchwühlen. Das sind nicht nur Würmer, sondern auch Murmeltiere oder Feldhamster.
Fruchtbare Böden führen zu hohen Getreideernten
All diese Faktoren führen zu diesen extrem fruchtbaren Böden, die hohe Getreideernten ermöglichen. Deshalb haben sich auf diesen Böden schon vor tausenden von Jahren Menschen niedergelassen, um Ackerbau zu treiben. Sie haben dafür auch Brände gelegt; das hat an vielen Stellen den Boden zusätzlich mit Asche und Nährstoffen angereichert.
Die Ukraine ist zwar nicht das einzige Land mit solchen Böden, in Europa findet man größere Flächen auch in der ungarischen Puszta und in Rumänien, aber die Ukraine hat innerhalb Europas flächenmäßig die größte Schwarzerde-Fläche. Und nach Osten geht dieser Steppengürtel noch viel weiter. Er zieht sich über Kasachstan und Teile Russlands bis in die Mongolei. Die Ukraine bildet aber das westliche, europäische Ende dieses weitgestreckten Gürtels und ist gerade deshalb innerhalb Europas die Kornkammer schlechthin.
Warum gibt es so viele Insektenarten?
Jun 03, 2023
Show notes
Insekten: 500 Millionen Jahre Zeit zur Entwicklung
Das sind allerdings Hochrechnungen, gerade in den Tropen sind viele noch gar nicht bekannt. Wissenschaftlich beschrieben sind nur knapp eine Million Insektenarten. Doch warum gibt es gerade bei den Insekten eine so unglaubliche Vielfalt? Forscher haben dafür mehrere Erklärungen – die sich vermutlich ergänzen.
Zum einen gibt es Insekten schon sehr lange. Es gab sie schon vor mehr als 500 Millionen Jahren – lange bevor es Fische, Saurier oder Säugetiere gab. Und weil es sie schon so lange gibt, hatten sie viel Zeit, sich in der Evolution auseinanderzuentwickeln und in viele Arten aufzuspalten.
Kurzes Leben – schnelle Generationenabfolge: Evolution schreitet rasch voran
Begünstigt wurde das auch dadurch, dass Insekten verglichen mit anderen Tieren nur ein kurzes Leben haben. Die Generationsabfolge ist somit viel schneller, es gibt oft mehrere Generationen im Jahr und mit jeder Generation kann es zu kleinen genetischen Veränderungen kommen. Die Evolution der Insekten kann deshalb sehr viel schneller voranschreiten als die der Säugetiere.
Hox-Gene: kleine Änderungen im Erbgut ordnen Körperbauteile neu
Es gibt noch einen weiteren Grund für die vielen Insektenarten: Das ist der Körperbau. Insekten sind Gliederfüßer, sie haben somit – technisch gesprochen – einen modularen Aufbau aus Kopf, Beinen, Flügeln, Antennen. Der grundlegende Aufbau ist bei allen Insekten ähnlich. Welche Extremität sich wo genau entwickelt, wie lang sie wird und wozu sie genau genutzt wird – das ist von Insekt zu Insekt jedoch unterschiedlich.
Grundsätzlich lässt aber dieser modulare Körperbau unglaubliche viele Variationen zu. Der Körperbau wird dabei von einer bestimmten Gruppe von Genen – sogenannten "Hox-Genen" – gesteuert. Hier führen schon kleine Veränderungen im Erbgut zu neuen Anordnung der Körperbauteile. So können immer wieder neue Körperbaupläne entstehen und somit neue Insektenarten, die sich dann auf neue ökologische Nischen spezialisieren und auseinanderentwickeln können.
In diesem Punkt – dem modularen Körperbau – unterscheiden sich Insekten von Quallen oder Würmern, die zwar auch evolutionär schon sehr alt sind, von denen es aber nicht so viele Arten gibt.
Das sind also die drei wichtigsten Faktoren, die Forscher für die große Zahl an Insektenarten verantwortlich machen:
Es gab sie schon recht früh in der Evolution
Die Generationenfolge ist sehr schnell
Schon kleine genetische Veränderungen führen zu immer neuen Varianten in ihrem Körperbau.
Wie lüftet man richtig?
May 26, 2023
Show notes
"Richtig lüften" heißt vor allem: Stoßlüften. Dazu macht man das Fenster weit auf; das ist besser als das gekippte Fenster. Davor warnen Umweltamt und Verbraucherzentrale, weil dabei die Wände rund um das Fenster abkühlen und sich Kondenswasser bilden kann.
Wie lange soll man lüften?
Das Ziel beim Lüften ist ein möglichst umfassender Luftaustausch, ohne die Wände abzukühlen. Im Winter reichen dafür drei bis fünf Minuten. Im Sommer dauert es länger, nämlich bis 20 Minuten, bis die Luft komplett ausgetauscht ist. Denn es gilt: Je geringer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen ist, desto länger dauert der Luftwechsel. Deswegen lüftet man im Sommer am besten morgens und abends, wenn die Luft noch kühler ist.
Wie oft sollte man lüften?
Das hängt von den Umständen ab: Wenn die Wohnung tagsüber leer steht, reicht es, morgens und abends zu lüften. Ist man aber tagsüber zu Hause, produziert man sehr viel Luftfeuchtigkeit, den man atmet, schwitz, duscht vielleicht auch – in diesem Fall ist ein Luftaustausch drei bis viermal am Tag sinnvoll.
Gelten für verschiedene Räume unterschiedliche Lüftungsempfehlungen?
Ja, Räume haben verschiedene Lüftungsbedürfnisse. Im Badezimmer entsteht durch Duschen eine hohe Luftfeuchtigkeit, die in den Wänden und den Handtüchern steckt. Diese Feuchtigkeit sollte am besten direkt rausgelüftet werden. Die Badezimmertür bleibt dabei besser geschlossen, damit die feuchte Luft nicht in den Rest der Wohnung gelangt. Ähnlich ist das in der Küche.
Im Schlafzimmer gilt ebenfalls eine besondere Lüftungssituation, denn während wir schlafen atmen und schwitzen wir eine große Menge Feuchtigkeit aus und Decke und Matratze speichern die Feuchtigkeit.
Ein weiterer Trick für weniger Feuchtigkeit in der Wohnung ist, Handtücher draußen zu trocknen. Das funktioniert auch im Winter, es dauert dann lediglich länger.
Welche Richtwerte gibt es für die Luftfeuchtigkeit in Räumen?
60 Prozent Luftfeuchtigkeit sollte man nicht überschreiten. Ein guter Richtwert liegt zwischen 40 und 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit bei einer Temperatur zwischen 18 und 22 Grad Celsius.
Messen lassen sich die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur mit einem Hygrometer. Dabei sollte man darauf achten, nicht nur in der Mitte des Raumes zu messen, sondern auch die Außenwände zu kontrollieren. Werte im Bereich von 70 bis 80 Prozent sind hier kritisch, weil sich dann Schimmelpilze bilden können.
Wie sinnvoll sind Triggerwarnungen?
May 22, 2023
Show notes
Helfen Triggerwarnungen Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, wirklich?
Das Wort "Triggern" wird umgangssprachlich oft gleichbedeutend verwendet mit "es nervt". Psychologisch ist das aber klarer definiert. Es bedeutet, dass traumatische Erfahrungen wieder wachgerufen werden.
Ich habe mir das von einem Traumaexperten erklären lassen. Dr. Christian Lüdke ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut und behandelt seit vielen Jahren Verbrechensopfer, die Terroranschläge, Amokläufe oder Geiselnahmen miterlebt haben. Er sagt: Traumatisierte Menschen können an sogenannten Flashbacks leiden, bei denen sie sich plötzlich an das traumatische Ereignis erinnern und die Situation wieder durchleben. Diese Flashbacks werden durch unbewusste Reize ausgelöst. Diese Reize, die zum Auslöser für Flashbacks werden, nennt man Trigger.
Diese sind immer unbewusst. Sie sind nicht im Ereignis selbst gespeichert, sondern im Nervensystem. Kleine Reize können Trigger werden: Der Geruch eines bestimmten Parfums, ein Geräusch oder eine bestimmte Umgebung.
In vielen Fällen ist das also sehr individuell – so individuell, dass die Medien darauf letztlich keine Rücksicht nehmen können. Wir wissen ja nicht, welche Musik bei welchen Menschen einen Flashback triggert.
Aber natürlich gibt es auch Fälle, in denen der Auslöser sehr viel Ähnlichkeiten hat mit der traumatisierten Erfahrung. Etwa wenn ein Vergewaltigungsopfer eine Vergewaltigung in einem Film sieht – deshalb liegt der Gedanke nahe zu sagen: Diese Menschen schützt man, wenn man vorher darauf hinweist, dass sie in einem Film mit Beschreibungen einer Vergewaltigung konfrontiert werden und ihnen so die Gelegenheit gibt, auszuschalten.
Schützen Triggerwarnungen davor, dass Menschen die traumatischen Situationen innerlich wieder durchleben müssen?
Das Problem ist: Eine Triggerwarnung kann auch das Gegenteil auslösen. Christian Lüdke hat mir erklärt, dass bei Triggerwarnungen ein Nocebo Effekt entstehen kann. Das ist wie bei einer Placebo-Pille, nur umgekehrt. Bei Placebo denken wir, etwas hilft – und dann hilft es auch. Bei einer Triggerwarnung kann es passieren, dass ich Angst bekomme, weil mir die Warnung ankündigt, dass ich Angst bekommen könnte. Die Triggerwarnung weckt eine negative Erwartung, die zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
Gerade Wörter wie "Achtung" oder "Warnung" können selbst Ängste auslösen. Christian Lüdke rät deswegen, eine Triggerwarnung möglichst wegzulassen und dafür den Titel präzise zu formulieren. Beispiel: Es gibt im Podcast SWR2 Wissen eine Folge über "Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe". Hier ist der Titel schon so aussagekräftig, dass eine zusätzliche Triggerwarnung nicht nötig gewesen wäre. Wer diese Folge anklickt, ist sich bewusst, was kommen kann.
Auch Triggerwarnungen bei Inhalten mit Spinnen oder Spritzen hält er für übertrieben. Solche Warnungen sollten nicht inflationär eingesetzt werden. Einen Hinweis braucht es nur, wenn der Inhalt überrascht. Der Hinweis sollte nicht als Warnung formuliert werden, sondern einfach neutral über den Inhalt informieren. Wörter wie "Achtung", "Warnung" oder "Angst" lässt man lieber weg. Zum Beispiel: "Hinweis, in dieser Sendung geht es um …“
Bestärken funktioniert besser als warnen
Menschen funktionieren laut dem Psychotherapeuten Christian Lüdke eher durch positive Erwartungen als durch Warnungen. Es ist psychologisch gesehen wirksamer zu bestärken, als zu warnen. Deswegen ist ein Hinweis sinnvoll. Ein Beispiel hierfür ist die Triggerwarnung, die beim Podcast "Ein Mensch verschwindet – Daniel Küblböck" eingesetzt wird. Dort heißt es:
"Bevor wir beginnen, möchte ich euch auf Folgendes hinweisen: Es werden in dieser und anderen Folgen Suizid, psychische Erkrankungen, Homophobie, Gewalt und Transfeindlichkeit thematisiert. Falls ihr auf diese Themen sensibel reagiert, hört den Podcast vielleicht lieber mit einer vertrauten Person, mit der ihr die Folgen auch unterbrechen könnt, um euch über das Gehörte zu unterhalten."
Dieser Hinweis regt dazu an, nicht direkt abzuschalten, sondern ermutigt den Hörenden, eine Situation zu schaffen, in der er die Sendung hören kann.
Warum verschwinden Socken in der Waschmaschine?
May 09, 2023
Show notes
Es ist kein schwarzes Loch, aber es gibt einen kleinen Spalt zwischen Gummidichtung und Trommel – in den werden einzelne Socken beim Schleudern manchmal reingedrückt. Der mysteriöse Sockenschwund beim Waschen war sogar schon Gegenstand der Forschung: 2016 wurden 2.000 Briten nach ihren Erfahrungen gefragt – im Schnitt gingen pro Person 15 Socken im Jahr verloren.
Was kann man gegen den Sockenschwund tun?
Wie oft Socken verschwinden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Menge der Wäsche: Wer so viel wie möglich in die Maschine stopft, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, am Ende nur noch Solo-Socken in der Trommel zu finden. Der Tipp, die Maschine nur zu Dreiviertel zu beladen, schützt zwar vor Sockenverlust, erhöht aber die Stromrechnung – in Zeiten explodierender Energiepreise leider keine gute Idee.
Grundsätzlich neigen alte Waschmaschinen häufiger zum Sockenfressen als neuere Modelle – wer mit einem Oldtimer wäscht, muss also besonders vorsichtig sein. Eine simple Schutzmethode ist es, die Socken einfach in ein Wäschenetz zu stecken, dann kann keine abhandenkommen. Oder man klammert Paare am Bund zusammen. Es gibt sogar schon Socken mit Druckknopf, die man zusammengeheftet in die Maschine geben kann. Wem das zu umständlich ist, der kann einfach nur noch Socken in derselben Farbe tragen – wenn da mal eine verloren geht, fällt es wenigstens nicht auf.
Sollten Küche und Bad möglichst keimfrei sein?
Apr 12, 2023
Show notes
Menschen brauchen verschiedene Mikroorganismen
Man würde es nie schaffen, in einem modernen Haushalt irgendetwas wirklich steril zu bekommen. Das macht auch keinen Sinn und wäre energetisch viel zu aufwendig.
Manche Mikroben machen krank – vor denen muss man sich schützen
Der Mensch braucht viele verschiedene Mikroorganismen, um gesund zu leben. Die Kunst ist, die guten Mikroorganismen bzw. die, die für den Menschen gesundheitsförderlich sind, zuzulassen. Aber die Krankheitserreger muss man ausschließen und unter Kontrolle haben. Das ist manchmal nicht so einfach.
Müssen wir über gute und schlechte Keime reden?
"Gut" und "böse" mag ich eigentlich nicht, denn die Mikrobe ist weder gut noch böse. Man kann eher sagen: Es gibt Mikroben, die unter bestimmten Bedingungen für den Menschen förderlich sind. Und andere sind Krankheitserreger
Was ist bei der Ernährung von Nagetieren wichtig?
Apr 05, 2023
Show notes
Trockenfutter allein reicht nicht für Kaninchen und Meerschweinchen
Kaninchen und Meerschweinchen haben einen ganz anderen Stoffwechsel und Magen-Darm-Trakt auch als Hund, Katze oder Mensch. Er ist so komplex, dass die sehr darauf angewiesen sind, eine korrekte Futterzusammensetzungen zu bekommen. Fertigfuttermittel, die es im Laden zu kaufen gibt, sind in der Regel Trockenfutter. Das besteht aus verschiedenen Pellets und ist überhaupt nicht ausreichend für Kaninchen oder Meerschweinchen, denn die brauchen einen gewissen Rohfaseranteil. Das heißt Heu, das sie immer zur Verfügung haben müssen. Und sie brauchen Frischfutter wie Gurke, Salat oder Möhre, die Vitamine etc. enthalten. Einfach nur Körnerfutter zu füttern ist also komplett falsch. Das darf man auf gar keinen Fall machen.
Man wird ein bisschen in die Irre geleitet, weil das Trockenfutter im Tierfutterhandel so zur Verfügung steht. Aber es ist eben nur ein Teil. Man kann gerne ergänzend mal eine Handvoll Trockenfutter dazu füttern, aber der größte Teil des Futters sollte aus dem frischen Futter bestehen.
Zähne der Nager müssen sich am Futter abreiben können
Die Zähne wachsen bei Kaninchen und auch bei Meerschweinchen kontinuierlich, sodass die sich immer zu einem gewissen Grad abreiben müssen. Sonst kommt es zu dramatischen Fehlstellungen. Das passiert aber automatisch, wenn die Tiere immer Heu in ausreichender Menge zur Verfügung haben. Wobei es aber auch eine Erkrankung ist, wenn der Zahn-Abrieb nicht adäquat erfolgt oder es zu Fehlstellung kommt. So kommt es relativ häufig zu komplizierten Schiefstellungen, ein Zahn wächst auf einmal ganz lang oder in die falsche Richtung. Daher sollte man die Maulhöhle seines Kaninchens oder Meerschweinchens regelmäßig anschauen und beobachten, sodass einem gleich auffällt, wenn da ein Zahn schief und krumm steht. Denn die anderen Zähne werden automatisch in Mitleidenschaft gezogen und das muss man korrigieren,
Sind Nagetiere als Haustier für Kinder geeignet?
Apr 05, 2023
Show notes
Meerschweinchen und Kaninchen sind anspruchsvoll in der Haltung
Aus tierärztlicher Sicht sind Kaninchen und Meerschweinchen für Kinder eher weniger geeignet. Allerdings können Kinder so lernen, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Da ist es praktisch, dass diese Kleintiere auf relativ kleinem Raum gehalten werden können.
Allerdings zählen diese Nager von den Haltungsbedingungen und dem Aufwand her zu den kompliziertesten Tierarten. Zwar muss das Kaninchen im Gegensatz zum Hund nicht viermal täglich Gassi geführt werden. Aber es braucht eine adäquate Haltung und Auslauf. Man muss sich mit dem Futter auseinandersetzen, damit das Tier gut ernährt wird.
Damit das Kaninchen zahm wird, braucht es viel intensiven Kontakt; die Kinder müssen also auch die Gelegenheit haben, das Kaninchen zu streicheln. Außerdem muss man das Tier regelmäßig durchchecken, nach den Zähnen und den Krallen schauen, damit einem da nichts entgeht.
Wenn man ein nur halb zahmes Tier hat, das nicht zu einem kommt und sich nicht anfassen lässt, entgeht einem schnell, wenn an den Pfoten, den Krallen oder in der Maulhöhle irgendetwas ist.
Erwachsene tragen die Verantwortung für das Wohl der Tiere
Keinesfalls darf man den Kindern Kaninchen schenken und dann sich selbst überlassen. Den Erwachsenen muss klar sein, dass sie die komplette Verantwortung für die Tiere haben – auch wenn die Kinder die Verantwortung im Umgang mit den Tieren lernen sollen.
Die Tiere, sowohl Meerschweinchen als auch Kaninchen, sollte man auch nie alleine halten. Da muss man schauen, dass die Tiere gut harmonieren. Es kann zu Problemen führen, wen man zwei Böckchen oder zwei Kaninchenmänner zusammen hält. Gerade, wenn noch ein weibliches Tier im Rudel ist, führt das häufig zu Revierkämpfen.
Nager brauchen Auslauf
Der Käfig darf auch nicht zu klein sein, daher sollte man keinen kleinen Käfig aus der Zoohandlung kaufen. Die Tiere brauchen Auslauf; Kaninchen noch mehr als Meerschweinchen. Das muss nicht zwingend im Garten sein, wenn man keinen zur Verfügung hat. Das geht auch im Kinderzimmer, wenn der Raum dreimal täglich zum Meerschweinchen-Lauf-Zimmer wird.
Die Tiere sind relativ sauber und lernen recht schnell, immer an die gleiche Stelle zu kötteln, sodass man nur an einer Stelle eine Zeitung hinlegen muss, um das hinterher wieder weg zu räumen. Es ist aber nicht so, dass sie das ganze Zimmer verwüsten.
Man muss sich allerdings bewusst sein, dass die Tiere Arbeit machen und wenn man sie im Haus hält, auch ziemlich viel Schmutz
Wie heiß sollte das Wasser sein, mit dem man den Tee brüht?
Mar 29, 2023
Show notes
Unstrittig ist: Bei höheren Temperaturen werden mehr Bitterstoffe freigesetzt – das sind die vor allem im grünen Tee vorhandenen Katechine. Mit kochendem Wasser übergossener Tee schmeckt also tendenziell bitterer – aber auch schlechter?
Das ist weniger eine Frage der Wissenschaft als der Geschmacksnerven. Für beides gibt es Argumente:
Gründe für die 70-Grad-Regel
Prof. Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz befasst sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Essens und Trinkens – und ist Feinschmecker. Er hält an der alten 60-bis-70-Grad-Regel fest:
"Es gibt ja tolle Jahrgangstees aus China, die man im klassischen Teeladen gar nicht bekommt. Die sind so fein und so erdig, fast champignon-artig. Die sollte man natürlich nicht mit einem sehr heißen Wasser überbrühen, denn dann sind die schönen tollen Aromen weg."
Vilgis spricht dabei von hochwertigen Tees. Ähnliches gilt auch z.B. für den japanischen Gyokuro-Tee. Dessen Sträucher wird ständig beschattet, wächst also langsam, um ein intensives Aroma zu erzeugen. Entsprechend ist der Ertrag niedrig und der Preis sehr hoch. Das sind Liebhabertees, die man in der Regel auch nicht kannenweise trinkt. Wenn einem danach der Sinn ist, sollte man bei diesen Tees tatsächlich kein kochend heißes Wasser verwenden. Denn dies würde die feinen Aroma-Nuancen kaputt machen, die diese Tees kennzeichnet.
Ansonsten rührt der Rat zur niedrigen Temperatur noch aus der chinesisch-japanischen Tradition, die gleichen Teeblätter mehrmals aufzubrühen. Und klar ist: Wenn der zweite Aufguss noch nach etwas schmecken soll, darf der erste nicht zu heiß sein, denn sonst holt er schon alles an Geschmack heraus, was drin steckt.
Gründe gegen die 70-Grad-Regel
Doch die wenigsten Alltagskonsumenten "recyceln" ihren Tee auf diese Weise, und die wenigsten konsumieren auch die genannten sehr teuren Tees. Abgesehen davon ist es auch um ein Vielfaches umständlicher, das Wasser erst aufzukochen, um es dann kontrolliert auf 70° C abkühlen zu lassen. Die Erfahrung lehrt: Da fängt man nebenbei etwas anderes an – und wenn man sich ans Wasser erinnert, ist es schon lauwarm. Es gibt zwar inzwischen Wasserkocher, die man auf eine bestimmte Temperatur programmieren kann – aber die sind teuer und auch nur etwas für Liebhaber.
Sie sind auch gar nicht nötig, meint Teehändler Ernst Janssen. Er plädiert aus noch ganz anderen Gründen für das "100-Grad-Ziel":
"Der Handel hat früher 70° C empfohlen, um möglichst viel Tee zu verkaufen. Der Hintergedanke: Je schwächer der Tee schmeckt, desto mehr Pulver ist nötig. Ich sage heute Verbrauchern: Kaufen Sie lieber weniger, aber dafür besseren Tee, und nehmen Sie kochendes Wasser. – Denn damit werden auch alle möglichen Keime zerstört. Über jede Teeplantage fliegen auch mal Vögel und lassen etwas hernieder. Deshalb sagt man: 100° C Aufbrüh-Temperatur für ein sicheres Lebensmittel."
Janssen beruft sich dabei auch auf das Bundesinstitut für Risikobewertung, das zumindest bei Kräutertees aus hygienischen Gründen ebenfalls unbedingt zu kochendem Wasser rät. Einen Unterschied gibt es allerdings: Grüner Tee wird nach der Ernte ohnehin mit heißem Wasserdampf behandelt, um die Oxidation zu unterbinden (das was den Grünen zu Schwarzem Tee machen würde). Zumindest hygienischen Gründen dürfte kochend heißes Wasser somit nicht unbedingt nötig sein.
Geschmacklich wiederum gibt es kein richtig oder falsch. Es kommt darauf an, was man vom Tee erwartet. Manche mögen ihn eben ein wenig bitter.
Ein weiteres Argument der 100-Grad-Fraktion: Wenn die bitteren Katechine im Grüntee wirklich so gesund sind, wie ihnen oft nachgesagt wird, wäre es ja gerade gut, wenn sich viele davon im Tee lösen. Ob die Katechine aber überhaupt so gesund sind, ist eine andere Frage …