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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Wie sind fleischfressende Pflanzen in der Evolution entstanden? Oct 12, 2026
    Show notes

    Gegen Fraßdruck: Carnivorie aus Abwehrmechanismen entwickelt

    Vermutlich hat sich die Carnivorie – also die Fähigkeit von Pflanzen, Fleisch zu fressen und zu verdauen – aus Abwehrmechanismen entwickelt. Die Pflanzen haben demnach nicht das "Jagen" neu erlernt als Innovation, sondern sie haben gelernt, ihre Feinde zu fressen. Pflanzen stehen immer unter Fraßdruck: Da sind Blattläuse, die an ihnen rumsaugen, Raupen, die an ihnen fressen. Pflanzen können das detektieren und zum Beispiel Reize losschicken, Hormonbotschaften senden, Abwehrmechanismen in Gang setzen und Enzyme ausschütten. All das kann helfen, Fraßfeinde abzuwehren. Auf nährstoffarmen Böden, wo also Nährstoffmangel herrscht, hat sich im Lauf der Evolution diese Kaskade an Prozessen, Strukturen und Mechanismen dahingehend gewandelt, dass die Pflanzen Tiere anlocken, töten, verdauen und die Nährstoffe aufnehmen können. Das ist aktuell der Stand des Wissens.

    Gibt es Fossilien, die diese Entwicklung belegen?

    Das ist schwierig. Idealerweise gäbe es Fossilien, die solche Zwischenstufen zeigen. Aber fleischfressende Pflanzen sind mit ein paar Ausnahmen oft krautig. Das heißt, sie haben keine hölzernen Strukturen und der Fossilbeleg ist mau, um es nett zu sagen. Es gibt einige in Bernstein eingeschlossene Inklusen, die ein paar frühe Carnivoren zeigen. Uns fehlen jedoch die wirklichen Bilder, die uns zeigen, wie das ausgesehen haben könnte. Aber man kennt natürlich diese Mechanismen und weiß, dass die auch schon früher stattgefunden haben müssen. Carnivorie ist übrigens etwas, was wir in der Biologie als konvergente Erscheinung bezeichnen. Sie ist mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Diese Pflanzen sind auch gar nicht näher miteinander verwandt. Es gibt zum Beispiel Pflanzen, die mit Gleitfallen arbeiten, wo Tiere ausrutschen und hineinfallen. Die sind gleich mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Schnappfallen nur einmal, Klebefallen mehrfach, Saugfallen nur einfach. Man kann sich verschiedenste evolutionäre Ursprünge und Prozesse vorstellen, wie das passiert sein könnte. Es ist nicht einfach, die Evolution da nachzuvollziehen.

    Welchen Boden braucht ein Naturgarten? Oct 12, 2026
    Show notes

    Der Boden spielt im Naturgarten eine wichtige Rolle. Im Naturgarten möchte man am liebsten einen Boden, der nicht so nährstoffreich ist – anders, als man es vielleicht sonst denkt. Oft geht man davon aus, dass viele Nährstoffe gut seien für alle Pflanzen. Viele unserer Wildpflanzen mögen aber eher einen nährstoffarmen Boden, weil sie sich dort besser durchsetzen können.

    Weniger Nährstoffe, mehr Artenvielfalt

    Wenn der Boden sehr nährstoffreich ist, setzen sich andere Pflanzen durch. Dann ist alles schnell zugewachsen So haben viele Wildstauden, die nicht so konkurrenzstark sind, keine Chance. Das heißt: In einem Naturgarten würde ich nicht stark düngen oder mulchen, sondern im Zweifel einen etwas nährstoffärmeren Boden anstreben.

    Kann man bei Menschen allein durch Suggestion Brandblasen hervorrufen? Oct 11, 2026
    Show notes

    Solche Fälle sind dokumentiert, fast immer war dabei Hypnose im Spiel. Das Prinzip: Dem hypnotisierten Menschen wird ein kalter Gegenstand auf die Haut gedrückt, zum Beispiel eine Münze oder einfach ein Finger. Gleichzeitig wird ihm gesagt, dass es sich um etwas sehr Heißes handele, eine glimmende Zigarette zum Beispiel. Dann entwickelt die Versuchsperson an der Stelle eine Brandblase, und dies oft erst, nachdem sie längst aus der Hypnose aufgewacht ist. In anderen Variationen wird nichts auf die Haut gedrückt, sondern nur über Sprache suggeriert, dass sich die Haut verbrennt.

    Beliebtes Experiment im 19. Jahrhundert, aber schlecht dokumentiert

    Solche Experimente gab es in verschiedenen Variationen schon im 19. Jahrhundert. Allerdings sind viele dieser alten Berichte nicht so sorgfältig dokumentiert, dass man sie als wissenschaftlich sehen könnte. Ich habe eine Studie aus den 1960er-Jahren gefunden, die alle Berichte von solchen Experimenten, die es bis dahin gab, gründlich untersucht hat. Fast ein Drittel dieser Experimente konnten wissenschaftlich nicht verwendet werden, entweder weil der Versuchsaufbau nicht dokumentiert war oder weil der Hypnotiseur das Experiment allein durchgeführt hat und es keine Zeugen gab. Bei einigen weiteren Versuchen wiederum war nicht ganz klar, ob die vermeintlichen Brandblasen wirklich durch Suggestion entstanden sind, oder ob es sich nicht um ganz normale Hautirritationen gehandelt hat, die einfach durch intensive Reibung oder auch durch eine Kontaktallergie entstanden sind.

    Es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen

    Was sich ebenfalls herausstellte: Diejenigen Versuchspersonen, bei denen das Ergebnis weitgehend unstrittig ist, hatten fast alle psychische Auffälligkeiten. Sie wurden im damaligen psychologischen Vokabular als "hysterische" Persönlichkeiten dargestellt. Heute benutzt die Psychologie ein etwas differenzierteres Vokabular, aber zumindest lässt das darauf schließen, dass diese Versuchspersonen, bei denen es geklappt hat, besonders empfänglich für suggestive Botschaften waren. Zum Beispiel ist der Fall eines Patienten dokumentiert, der im Krieg schwere Verletzungen durch Granatsplitter davongetragen hat. Er sollte nun unter Hypnose dieses schreckliche Geschehen noch einmal durchleben. Dabei wurde ihm unter anderem suggeriert, er sei wieder von einem geschmolzenen Metallstück getroffen worden. Gleichzeitig hat der Hypnotiseur mit einer kleinen metallischen Feile die Haut berührt. Auch bei diesem Patienten fing die Haut zunächst an, sich zu röten. Die Hypnose wurde abgebrochen, aber im Verlauf der weiteren Stunde entwickelte sich an der entsprechenden Stelle wieder eine typische Brandblase. Kurz – und das hat sich auch in späteren Experimenten bestätigt – es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen. Bei all diesen Versuchen ging es wirklich immer nur um solche Brandblasen bzw. – um es noch vorsichtiger zu sagen – brandblasenähnliche Hautirritationen. Es wäre falsch, diese Experimente als Beispiel für alle möglichen wundersamen Manipulationen zu nehmen, also zu glauben, man könnte auf die gleiche Weise bei Menschen durch Suggestion Messerschnitte erzeugen oder spontan einen Finger brechen oder ähnliches.

    Gibt es eine Erklärung, wie das bei den Brandblasen funktioniert?

    Es gibt eine gewisse Vorstellung, die aber in keinem konkreten Fall bewiesen wurde. Natürlich ist es ein ungewöhnliches und unerwartetes Phänomen. Ein "Wunder" in dem Sinn wäre es aber nur dann, wenn man Körper und Geist als zwei völlig getrennte Wesenheiten betrachtet. Aber das sind sie ja nicht. Gerade die psychosomatische Medizin hat gezeigt, wie eng manchmal geistig-psychische Phänomene und körperliche Vorgänge zusammenhängen. Und zwar gilt das in besonderem Maße einerseits für neurologische und immunologische Vorgänge, also für alles, was mit unseren Nerven einerseits und der Immunabwehr andererseits zu tun hat. Und eine Brandblase ist letzten Endes auch so ein Vorgang. Eine Brandblase ist ja im Grunde schon eine Heilungsreaktion, die der Körper selbst in Gang setzt, um die durch die Hitze zerstörten Zellen abzustoßen und zu erneuern. Das Experiment zeigt, dass es möglich ist – zumindest bei manchen Personen – über den Umweg des Geistes dem Körper zu suggerieren, dass es an der Haut etwas zu reparieren gibt.

    Was ist im Herbst zu tun für Artenvielfalt im Garten? Oct 10, 2026
    Show notes

    Naturgarten: beste Pflanzzeit startet im September

    Tatsächlich startet im September die beste Pflanzzeit. Im Herbst ist inzwischen die Zeit, in der man am besten pflanzen kann. Im Frühjahr sind die Böden teilweise schon zu trocken. Das heißt: Sobald es ein bisschen nasser wird, öfter regnet und nicht mehr ganz so heiß ist, kann man anfangen, sich Gedanken zu machen: Was möchte ich pflanzen? Welche Wildpflanzen können meinen Garten im besten Fall ergänzen? Diese Pflanzen kann man dann sehr gut im Herbst in die Erde bringen. Das geht sogar bis in den November hinein. Solange kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, kann man Wildpflanzen auf jeden Fall pflanzen. Man kann im Herbst auch Blumenzwiebeln stecken, damit man im nächsten Frühjahr schon für die ersten früh fliegenden Insekten, zum Beispiel die ersten Erdhummeln, die unterwegs sind, etwas im Angebot hat. Die haben dann schon Hunger und freuen sich über ein paar Krokusse oder Traubenhyazinthen, die bereits blühen. Im Oktober beginnt die Zeit, in der man Gehölze zurückschneiden kann. Wir sollten ja zwischen Anfang März und Ende September wegen der Vogelbrutzeit nicht schneiden oder zumindest nur sehr eingeschränkt. Das heißt: Wenn man noch etwas schneiden will, kann man damit im Oktober beginnen.

    Wie "radikal" kann man den Naturgarten im Herbst aufräumen?

    Im Prinzip muss das Aufräumen fast gar nicht sein, aber man darf natürlich auch in einem Naturgarten im Herbst etwas tun. Wenn man Gehölze zurückschneiden will, kann man das auf jeden Fall machen. Wenn Laub liegt, gerade auf dem Rasen, kann man es gerne zu einem Haufen zusammenrechen oder unter die Sträucher legen. Das kann ein guter Überwinterungsort für Insekten und Igel sein; die freuen sich darüber. Man sollte nicht alles in die Biotonne werfen, sondern auch etwas im Garten lassen. Das ist ein guter Mulch für die Pflanzen. Das heißt: Man kann schon ein bisschen aufräumen, aber man sollte es nicht übertreiben.

    Warum werden Röcke fast nur von Frauen getragen? Oct 09, 2026
    Show notes

    Der Rock im heutigen Sinn kam im 15. Jahrhundert auf

    Röcke wurden nicht immer vor allem von Frauen getragen. Auch der Kilt – der Schottenrock – blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Mittelalter waren Röcke gängig, sowohl bei den Bauern als auch bei den Rittern. Streng genommen waren diese Waffenröcke aber eher in der Taille geschnürte Kleider bzw. überlange Hemden. Der Rock im heutigen Sinn, der erst in der Taille anfängt, kam etwa im 15. Jahrhundert auf.

    Hose vor allem bei den Reitervölkern verbreitet

    Da wegen der Einfachheit der Herstellung der Rock scheinbar selbstverständlicher ist – im einfachsten Fall ist es ein um den Leib gewickeltes Tuch – wäre es interessanter zu fragen, wie und warum die Hose ins Spiel kam. Die ist ja viel komplizierter und aufwändiger. Das allerdings weiß man nicht genau, aber sie war offenbar von Anfang an ein eher männliches Kleidungsstück. Woher das kommt – daher kann man spekulieren. Verbreitet waren Hosen offenbar vor allem bei Reitervölkern – das könnte ein Hinweis sein. In der Tat sind Hosen beim Reiten praktischer als Röcke. Und weil vermutlich die Männer bei all diesen Völkern – Skythen, Mongolen usw. – mehr auf Pferden unterwegs waren, würde dies erklären, warum es zu einem männlich assoziierten Kleidungsstück wurde.

    Römer hielten Hosen für unziemliche Barbarenkleidung

    Das heißt nicht, dass die Hose in der Geschichte immer ein Statussymbol bzw. die Kleidung der Mächtigen war. Schlagen wir nach bei Asterix: Da sind es die imperialen Römer, die die Röcke tragen, während die scheinbar so provinziellen Gallier in Hosen herumlaufen. Und so war das wirklich: Für die Römer waren Hosen letztlich unziemliche Barbarenkleidung. Daran sieht man: Das Image der Kleidungsstücke ändert sich mit der Zeit.

    Lange verpönt: Hosen für Frauen

    Wenn wir heute überlegen, warum Röcke "typisch Frau" sind, hätten wir vor fünfzig Jahren auch umgekehrt fragen können: Warum tragen nur Männer Hosen? Hosentragende Frauen galten lange Zeit als unschicklich. Noch 1970 mussten weibliche Bundestagsabgeordnete, die mit Hose oder Hosenanzug den Plenarsaal betraten, damit rechnen, aus dem Saal verwiesen zu werden.

    Männer in Röcken sind heute noch immer eher selten

    Die Frauen haben sich emanzipiert, dürfen jetzt beides tragen – bei den Männern ist es noch ungewöhnlich. Modeexperten sagen zwar, das ändere sich ein wenig, auch bei Männern kämen Röcke zunehmend in Mode – aber eine Massenerscheinung ist es offensichtlich noch nicht.

    Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Efeu zu schneiden? Oct 08, 2026
    Show notes

    Efeu ist eine tolle heimische Pflanze, die sehr spät blüht. Das ist sehr wertvoll für Insekten, die im Spätsommer noch fliegen, weil sonst einfach nicht mehr so viel blüht. Es gibt sogar eine spezialisierte Efeu-Seidenbiene.

    Rückschnitt an der Fassade: brütende Vögel nicht stören

    Gerade an Fassaden sollte man den Efeu nicht im Sommer schneiden, weil die Gefahr besteht, dass dort Vögel brüten und man die stört. Deswegen würde ich das eher auf den Herbst verlegen, ein bisschen nach der Blüte. Der Efeu wird dann zwar nur wenige oder gar keine Beeren in dem Jahr tragen, was schade ist für die Vögel. Aber wenn die Pflanze zurückgeschnitten werden muss, dann ist das eben so. Der September ist zum Zurückschneiden noch etwas zu früh, da würde ich noch warten. Die Vögel sind da zwar nicht mehr so aktiv, was die Brutzeit angeht. Aber wenn der Efeu im Spätsommer anfängt zu blühen, würde ich warten und diese Blüten den Insekten überlassen. Im Oktober kann man den Efeu dann herunterschneiden.

    Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk neutral sein? Oct 07, 2026
    Show notes

    Was bedeutet "neutral"?

    Es wird manche überraschen, aber das steht so nirgends. Wir bekommen immer wieder Publikumspost, in der uns eine Hörerin oder ein Zuschauer vorwirft, wir würden unsere Neutralitätspflicht verletzen – wenn etwa ein journalistischer Beitrag über gesellschaftlich strittiges Thema einen bestimmten Tenor hat oder zu einem Ergebnis kommt, das manchen nicht gefällt. Dann heißt es, wir seien nicht "neutral". Liest man sich aber die juristischen Grundlagen für die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch, dann taucht das Wort "neutral" gar nicht auf. Aus guten Gründen, weil das Wort "neutral" auch ein wenig nebulös ist. Die "Neutralität" der Schweiz meint etwas anderes als die "Neutralität" des Schiedsrichters. "Neutral" kommt aus dem Lateinischen "Ne utrum", auf Deutsch: "keins von beidem". Aber was bedeutet das konkret? Versteht man unter Neutralität, dass man keine Position bezieht? Oder noch schärfer, dass man sich aus Auseinandersetzungen komplett heraushält? Oder bedeutet es nur, dass man keine Partei ergreift? Darüber kann man lang philosophieren, muss man aber in dem Fall gar nicht, weil die Rechtsgrundlagen, die den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definieren, genauere Begriffe verwenden als "Neutralität" . Kurz, welche sind das? Das ist zum einen der Medienstaatsvertrag, der zwischen allen Bundesländern geschlossen wurde. Daneben gibt es Staatsverträge bzw. Gesetze für die einzelnen Rundfunkanstalten. Zum Beispiel gibt es für den Südwestrundfunk, den SWR, einen Staatsvertrag zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

    Wie muss der ÖRR berichten?

    Da steht nichts von Neutralität, aber dort stehen andere Begriffe, die präziser sind. Beispielsweise steht im Medienstaatsvertrag, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Gewährleistung einer "unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung" verpflichtet sind. Sie sollen die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit" achten. Und "in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen."

    Staatsvertrag des SWR führt die Pflichten weiter aus

    Ähnliche Begriffe finden sich im Staatsvertrag des SWR. Dort heißt es, Berichterstattung und Informationssendungen sind "gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein." Und es heißt: "Die Redakteurinnen und Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet."

    Pflicht zur Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Berichterstattung

    Und diese Begriffe sagen ja eigentlich viel klarer, worum es geht. Wenn wir es aufdröseln, fordert der Auftrag somit also zunächst Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht abhängig sein vom Staat, von einer Regierung, von Parteien oder anderer Interessengruppen. Niemand soll durch großzügige Spenden oder umgekehrt politischer Einflussnahme die Berichterstattung beeinflussen dürfen. Einfacher gesagt: Der Auftrag fordert nicht Neutralität, sondern zunächst vor allem Unabhängigkeit der Berichterstattung. Das bedeutet aber nicht, dass die, die dort arbeiten, einfach machen können, was sie wollen und ihre eigenen Interessen propagieren, denn – und das war ja das andere Begriffscluster – die Berichte sollen wahrheitsgetreu, sachlich und objektiv sein. Wenn man also schon mit "neutral" kommt, entspricht die gebotene Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher der der Schiedsrichters - unabhängig, unparteiisch, aber gleichzeitig beauftragt, zu "sagen, wie es wirklich ist". Schiedsrichter werden oft auch als die "Unparteiischen" bezeichnet - so gut wie nie aber als "die Neutralen". Aus guten Gründen - den gleichen Gründen, weshalb der Begriff auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk missverständlich sein könnte.

    Warum Schiedsrichter nur bedingt "neutral" sind

    Neutralität könnte ja so verstanden werden, dass die Berichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keine Position beziehen und zu keinem Ergebnis kommen dürften, das etwa einer Partei besser gefällt als einer anderen. Das dürfen sie aber sehr wohl, vorausgesetzt, die Berichte sind wahrheitsgetreu und objektiv. Wenn der ehemalige US-Präsident Donald Trump behauptet, er habe die Wahl 2020 gewonnen, dann darf ich als öffentlich-rechtlicher Journalist sagen, dass er dafür noch keine Belege vorgelegt hat. Ich berichte dann zwar nicht "neutral" in dem Sinn, denn ich nehme ja sehr wohl eine inhaltliche Bewertung von Trumps Behauptung vor. Das tue ich aber unabhängig und wahrheitsgetreu. Und das ist auch in Ordnung.

    Wann ist Berichterstattung "ausgewogen"?

    Oder: Wenn Politikerin X behauptet, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Politiker Y behauptet das Gegenteil, wenn sich die überwältigende Mehrheit in der Wissenschaft einig ist, dann ist der Auftrag, dass wir uns an der Wissenschaft orientieren und nicht aus falsch verstandener "Neutralität" beide Positionen als gleichberechtigt darstellen. Denn das wäre false balance – eben: falsche Ausgewogenheit. Da bin ich beim nächsten Schlüsselbegriff. Ausgewogenheit steht tatsächlich auch im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn da sonst nichts weiter stehen würde, könnte man "Ausgewogenheit" so verstehen, als müssten alle Beiträge immer alle erdenklichen Meinungen wiedergeben. Dass das aber nicht gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Passagen genauer anschaut. Im Medienstaatsvertrag heißt es, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen. Hier bezieht sich die Ausgewogenheit erstmal auf die Themenauswahl. Es gibt viele Themen, die interessant und wichtig sind, die soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgewogen abbilden. Und es gibt zu diesen Themen jeweils verschiedene Meinungen, die ebenfalls ausgewogen abgebildet werden müssen. Was heißt das nun wieder?

    Ausgewogenheit im Gesamtangebot, nicht in jedem einzelnen Beitrag

    Im Staatsvertrag für den Südwestrundfunk heißt es: "In allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind die verschiedenen Auffassungen im Gesamtangebot ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen." Wichtig ist dabei das Wort Gesamtangebot: Das heißt, nicht jeder einzelne Beitrag muss alle Auffassungen zu Wort kommen lassen, sondern die Forderung richtet sich an die Summe der Beiträge. Deshalb darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch sehr pointierte Kommentare senden, also ausgewiesene Meinungsbeiträge, die für sich genommen vielleicht als einseitig erscheinen können – entscheidend ist aber eben das Gesamtangebot. Und es steht ja nicht nur "ausgewogen" da, sondern auch "angemessen". Mit anderen Worten: Nicht jede Auffassung muss im gleichen Maße abgebildet werden. Die Einzelmeinung eines politischen Hinterbänklers verdient deshalb nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die einer Ministerin oder eines Fraktionschefs der Opposition, die ja als Teil einer Regierung sprechen oder eben die Haltung ihrer Partei wiedergeben. Und genauso ist es "angemessen", dass Positionen, die sich auf Fakten und auf Wissenschaft stützen, im Programm berücksichtigt werden und eine unbelegte Verschwörungserzählung gar nicht. Das mag, je nach Sichtweise, nicht "neutral" sein, aber es ist wahrheitsgetreu, sachlich, objektiv, und es ist trotzdem ausgewogen und angemessen.

    Wie groß muss eine Kugel sein, auf der alle Menschen stehen können? Oct 06, 2026
    Show notes

    Die erste Frage dazu ist: Wie dicht gedrängt würden die Menschen stehen? Standardmäßig rechnen Behörden, zum Beispiel bei Pop-Konzerten oder auch in der U-Bahn, mit 2 bis 4 Menschen pro Quadratmeter. Bei sehr dichtem Gedränge – zum Beispiel in einer Gondel im Skigebiet oder im Bus morgens zur Hauptverkehrszeit – können bis zu 8 Menschen auf einem Quadratmeter Platz haben.

    4 Personen pro Quadratmeter: Erddurchmesser von 25 km würde genügen

    Rechnen wir etwas komfortabler mit vier Personen pro Quadratmeter – das ist immer noch gedrängt genug. Auf der Welt leben heute rund 8 Milliarden Menschen – die würden dann eine Fläche von 2 Milliarden Quadratmetern beanspruchen. Das klingt riesig – aber wie groß ist nun die dazugehörige Kugel? Das lässt sich leicht ausrechnen. Denn wenn r der Radius einer Kugel ist, dann beträgt die Oberfläche 4πr². Wenn man nun die Fläche kennt, kann man die Formel entsprechend umstellen und die Größe der Kugel errechnen. Heraus kommt: Sie hätte einen Durchmesser von etwa 25 km. Dort gäbe es zwar nichts zu essen und zu trinken und für die Entsorgung der Notdurft müsste man sich auch etwas einfallen lassen, aber rein vom Platz her ginge das. Anderseits: Die reale Erde mit ihren 12.000 Kilometern Durchmesser ist bis auf Weiteres vielleicht doch etwas gemütlicher.

    Was passiert bei einem Tinnitus im Ohr? Oct 05, 2026
    Show notes

    Von der Schallwelle zum Nervensignal

    Hinter einem Tinnitus steckt meist eine Störung im Innenohr. Aber fangen wir von vorne an: Wie funktioniert Hören? Von außen gelangen Schallwellen in unser Ohr. Im Gehirn kommen aber keine Schallwellen an, sondern elektrische Nervensignale. Irgendwo müssen also die Schallwellen in Nervensignale übersetzt werden. Das passiert im Innenohr. Dafür sind die Hörsinneszellen zuständig: Sie verwandeln akustischen Schall – also Luftbewegungen – in ein elektrisches Signal. So wie ein Telefonhörer: Der verwandelt auch Schallwellen in elektrische Wellen, um sie dann durch die Telefonleitung weiterzuleiten. Am anderen Ende der Leitung werden diese elektrischen Wellen rückübersetzt in Schallwellen.

    Tinnitus: Wenn Nervenzellen grundlos "feuern"

    Auch wenn es im Ohr anders aussieht als in einem Telefonhörer – das Prinzip ist ähnlich. Bei dieser Übersetzung kann es aber zu Fehlern kommen. Das heißt, wenn es an dieser Schnittstelle zwischen Schall und "Elektrik" auch nur zu kleinen Störungen kommt, kann es passieren, dass sich die Signale verselbständigen. Dann feuern die Nervenzellen, ohne dass es ein akustisches Eingangssignal gab. Es gibt aber neben dem Innenohr noch eine zweite Schnittstelle, nämlich im Gehirn selbst. Um einen Höreindruck zu bekommen, muss das Gehirn auch die eingehenden elektrischen Nervensignale interpretieren, das heißt, einen bestimmten Wahrnehmungseindruck erzeugen: "Wenn die und die Hörnerven feuern, dann interpretiere ich das für mich als Klingeln, Rasseln, Summen oder Rauschen." – Auch an dieser zweiten Schnittstelle kann es Störungen geben, sodass das Gehirn eingehende Signale überinterpretiert und einen Höreindruck aus dem Nichts erzeugt.

    Mögliche Ursachen: Hörschäden durch laute Musik

    Ein Grund für einen Tinnitus kann ein Hörschaden sein. Ein Beispiel: Jemand hat zu laut Musik gehört und damit seine Hörsinneszellen geschädigt. Das Gehirn merkt nun: "Bestimmte Töne oder Frequenzen kommen offenbar nicht mehr bei mir an – oder nur viel schwächer als sonst." – Das Gehirn versucht dann, das auszugleichen und interpretiert in die schwachen Signale etwas hinein, was gar nicht da ist. Es dreht seinen "inneren Verstärker" auf und lässt Höreindrücke entstehen, die keinen Bezug haben zu irgendwelchen äußeren Schallquellen. Das ist der seltenere Fall, aber der unangenehmere. Denn wenn das Gehirn selbst diese Störungen erzeugt, handelt es sich meist um einen chronischen Tinnitus. Die Störungen im Innenohr dagegen – bei der Übersetzung von Schall in Nervenimpulse – gehen meist nach einer Weile wieder weg.

    Wie definiert die Wissenschaft Klimawandel? Oct 04, 2026
    Show notes

    Klima: langjähriges Mittel der meteorologischen Verhältnisse

    Eine beliebte Frage, die uns gerade von "Klimaskeptikern" immer wieder gestellt wird, oft verbunden mit dem Hinweis, dass der Klimawandel doch ein Hirngespinst sei – schon allein, weil er sich wissenschaftlich gar nicht sauber "definieren" lasse. Das stimmt aber nicht. Richtig ist: Es gibt keine "Formel" und keinen "Schwellenwert" in dem Sinn, dass man etwa sagen würde: "Ab 0,5°C Erwärmung liegt Klimawandel vor". Das hängt damit zusammen, dass sich Klimawandel nicht so leicht messen lässt wie Blutdruck oder Fieber. Es ist ja eine abstrakte Größe. Klima ist definiert als das langjährige Mittel der meteorologischen Verhältnisse – in einer Region oder weltweit. Die wichtigsten Faktoren sind dabei Temperatur und Niederschlag (man kann auch noch den Wind dazunehmen) – und wie sie sich jeweils übers Jahr verteilen. Das ist wichtig: In zwei Orten A und B kann übers Jahr genauso viel Regen fallen – aber in Ort A verteilt sich der Regen gleichmäßig übers Jahr, im anderen geht alles innerhalb eines Monats runter. Dann handelt es sich um zwei unterschiedliche Klimate.

    Was heißt "langjährig" genau?

    Der Weltklimarat legt sich hier nicht genau fest, sondern spricht von mehreren Jahrzehnten oder länger. Denn wenn mal ein Jahr wärmer ist als das vorherige, ist das noch kein "Klimawandel". Ein üblicher Zeitraum, mit dem man oft rechnet, sind 30 Jahre. Wenn ich also feststelle, in den letzten 30 Jahren hat es in Mallorca weniger geregnet als in den 30 Jahren zuvor, dann kann ich von einem Klimawandel auf Mallorca sprechen. Aber die 30 Jahre sind auch nicht in Stein gemeißelt; je nach Fragestellung kann es sinnvoll sein, auch kürzere oder längere Zeiträume zu betrachten. Man muss es dann nur jeweils offen sagen, wie man rechnet. Es ist auch nicht so, dass es definierte 30-Jahres-"Perioden" gibt. Die Klimaforscher haben vielmehr statistische Methoden, um auch aus einer Reihe von Jahreswerten die langfristigen Trends herauszulesen.

    Klimawandel: statistisch nachweisbare dauerhafte Änderung

    Wenn man das alles zusammenfasst, dann erhält man die Definition für Klimawandel, die auch der Weltklimarat verwendet. Demnach liegt Klimawandel dann vor, wenn sich die Durchschnittswerte und die Schwankungsbreite der genannten Größen – Temperatur, Niederschlag, Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern. Diese Definition des Klimawandels sagt übrigens noch nichts über die Ursachen aus – also ob ein Klimawandel natürlich oder vom Menschen gemacht ist. Vieles spricht dafür, dass der Mensch einen starken Anteil hat an der Erwärmung. Aber das ist nicht Teil dieser Definition.

    Wird durch die Uneindeutigkeit der Definition die These vom Klimawandel angreifbar?

    Nein. Es gibt viele Begriffe, die wissenschaftlich nicht eindeutig und scharf definiert sind: "Pubertät" ist so ein Wort, aber auch für einen Begriff wie "Sommeranfang" gibt es bekanntlich mehrere Definitionen. Für die Astronomen beginnt der Sommer am 21. Juni. Für die Meteorologen aber schon am 1. Juni. Und dann gibt es noch den phänologischen Sommeranfang, der sich von Jahr zu Jahr ändert, je nachdem, wie weit die Natur wetterbedingt ist. Nun kommt aber niemand auf die Idee zu sagen: Pubertät und Sommer wären Hirngespinste, nur weil es verschiedene Definitionen gibt. Genauso kann man sinnvoll über Klimawandel sprechen und zum Beispiel zeigen, dass es im langjährigen Mittel heute auf der Erde ungefähr 1 Grad wärmer ist als in einem entsprechenden Zeitraum vor 200 Jahren.

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