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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Werden bei Vollmond mehr Kinder geboren? Oct 01, 2023
    Show notes

    Mehr Geburten bei Vollmond sind nur ein Gerücht

    Das hört man oft – es stimmt aber nicht. Das hat mir der Deutsche Hebammen-Verband bestätigt: Es gibt keine Häufungen zu Vollmond.

    Häufungen an Freitagen – wegen gezielter Geburtseinleitung

    Und anders als früher gibt es auch keine Häufungen mehr an Wochenenden; allerdings gibt es Häufungen an Freitagen. Das liegt daran, dass 30 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen oder die Geburten medizinisch gezielt eingeleitet werden. Das passiert überdurchschnittlich häufig an Freitagen: Wenn ein Wochenende ansteht versuchen die Ärzte gerne, das vorher zu erledigen. Denn am Wochenende ist das Personal teurer.

    Die Kurve kratzen – woher kommt der Ausdruck? Sep 28, 2023
    Show notes

    Abkürzung nehmen und andere übertreffen

    "Die Kurve kratzen" kann man verbinden mit "den Rang ablaufen" – oder den "Rank", wie man eigentlich hätte sagen müssen. Das hat nämlich nichts mit dem Rang im Theater zu tun. In beiden Fällen geht es vielmehr um eine Abkürzung, die man wählt, indem man die Kurve entweder sehr eng nimmt oder sogar innerhalb der Kurve eine Gerade wählt, um vor einem anderen da zu sein. Das ist beim "Rank ablaufen", beim "Rang ablaufen" der Fall. Dann übertrifft, übertölpelt, betrügt man jemanden. Das hat sich so entwickelt.

    Wenn der Kutscher mal wieder am Bordstein hängen blieb

    Beim "Kurve kratzen" geht es um etwas Ähnliches. Da wird die Kurve "geschnitten", wie man ja auch sagt. Das hat sich sehr gut dadurch gehalten, dass man früher die Bordsteine sehr klar hören konnte, wenn jemand mit einem Wagen bzw. mit einer Kutsche sehr eng daran vorbeifuhr. Dann gab es schreckliche Kratzgeräusche. Prellsteine an Häusern weisen auch noch darauf. Aber das ist sekundär. Die "Kurve kriegen" hängt auch damit zusammen. Das ist eine Weiterentwicklung. In jedem Fall geht es um die schnelle Entfernung von einem Ort, sich schnell vorwärts bewegen oder etwas geschafft haben, indem man es besonders schnell durch diese Abkürzung erreicht hat.

    Warum zucken wir manchmal mit dem Auge? Sep 27, 2023
    Show notes

    Augenzucken: keine Gefahr, aber ein Warnzeichen

    Das kann verschiedene Gründe haben, und es ist nicht immer so leicht zu erkennen, woran es genau liegt. Normalerweise zuckt nur das rechte oder linke Auge, und dann auch nur das obere oder untere Augenlid. Auch wenn es für andere oft gar nicht zu sehen ist, kann es sich unangenehm anfühlen.

    Was können die Ursachen sein?

    Möglichkeit 1 ist Stress! Wenn wir gestresst sind, dann können unsere Muskeln verkrampfen. Und das Augenlid ist ein besonders empfindlicher Muskel. Wenn es müde ist, dann fängt es an zu zucken. Genauso ist auch der Kiefer angespannt, wenn es uns psychisch nicht so gut geht. Diese Anspannung überträgt sich auf das Augenlid. Wenn wir dann noch zu wenig schlafen, bekommen die Augen keine Pause und sind erschöpft. Das kann auch bei einer unerkannten Sehschwäche so sein oder nach einer Operation an den Augen. Dann sind die Muskeln rund um unser Auge viel stärker belastet als normalerweise und fangen an zu zucken.

    Zu viel Kaffee und zu wenig Vitamine

    Die zweite Möglichkeit ist, dass das Zucken am Auge eine Mangelerscheinung ist. Muskelkrämpfe entstehen nämlich durch fehlende Stoffe im Körper. Wenn sich jemand vegan ernährt, kann das zum Beispiel zu einem Vitamin-B12-Mangel führen. Während einer Schwangerschaft benötigt der Körper dagegen mehr Magnesium als sonst. Wenn der Körper zu wenig von einem der beiden Stoffe bekommt, können Muskeln anfangen, unkontrolliert zu zucken. Auch gereizte und trockene Augen bei Allergien oder nach viel Zeit an einem Bildschirm können ein Grund sein. Außerdem sind Menschen, die viel Kaffee trinken oder rauchen, häufiger von Augenzucken betroffen, weil der Körper durch Koffein und Nikotin schlechter durchblutet wird.

    Muss man sich Sorgen machen, wenn die Augen zucken?

    Meistens hört das Zucken schnell wieder auf und ist ungefährlich. Nur wenn das Auge sehr häufig zuckt oder sogar entzündet ist, sollte man zum Arzt gehen. Ein möglicher Grund dafür könnte nämlich ein Fremdkörper im Auge sein. Auch wenn ein zuckendes Auge also nicht unbedingt gefährlich ist, kann es vor anderen kleineren Problemen warnen.

    Wie sehen kognitive Landkarten aus? Wie stellen wir uns Landschaften im Kopf vor? Sep 25, 2023
    Show notes

    Geografische Räume im Kopf abspeichern

    Mit dem Begriff "kognitive Karte" – englisch "mental map" – wird die Art bezeichnet, wie wir geografische Räume – also Orte, Landschaften, Länder – im Kopf abgespeichert haben – unsere innere Landkarte. Wenn ich mir die Route zu meiner Arbeit oder in meinen Lieblingsurlaubsort vorstelle oder sie aus dem Kopf zeichnen würde, oder die wichtigsten Orte in meinem Landkreis! – Wie sieht das aus? Natürlich bei jedem anders, aber es gibt paar universelle Effekte bei solchen mentalen Landkarten.

    Verzerrung: vertraute Gebiete nehmen in der Vorstellung mehr Raum ein

    Der erste ist die Tendenz zur Verzerrung. Eine echte Landkarte hat in der Regel einen ein­heitlichen Maßstab: Gleiche Abstände auf der Karte entsprechen gleichen realen Entfernungen. In kognitiven Karten ist das anders. Vertraute Gebiete nehmen in ihnen einen deutlich größeren Raum ein als fremde. In der kognitiven Karte eines Frankfurters erscheint Frankfurt sehr viel größer als in der kognitiven Karte einer Neapolitanerin. Einfach deshalb, weil der Frankfurter viele Plätze, Straßen und Viertel seiner Stadt kennt und diese Details entsprechend viel Platz in seiner kognitiven Karte beanspruchen. Viele kennen die berühmte Karikatur mit der Überschrift "The New Yorker" des Grafikers Saul Steinberg. Das ist ein Musterbeispiel für eine kognitive Karte: Im Vordergrund sieht man die Straßen von Manhattan, dahinter den Hudson River, dahinter den Rest der USA: Eingegrenzt von kanadischer und mexikanischer Grenze ragen ein paar Berge in die Höhe. Dieser Rest der USA ist etwa so groß dargestellt wie die Häuserblocks zwischen 9th Avenue und Hudson River. Hinter den USA schließlich beginnt, kaum breiter als der Hudson River, der Pazifik. Und am Horizont, gerade noch erkennbar als kleine Flecken: China, Japan und Russland.

    Begradigung: "krumme" Flüsse werden gerade

    Auch in diesem Bild sind die Verhältnisse also völlig verzerrt, aber es zeigt noch einen weiteres Merkmal kognitiver Karten, nämlich die Tendenz zur Begradigung von Linien. Zeichnen Sie einmal die wichtigsten Straßen, Täler und Flüsse Ihrer Umgebung aus dem Kopf und vergleichen Sie Ihr Bild mit der Darstellung im Straßenatlas! Oder zeichnen Sie die Umrisse von Europa. – Sie werden feststellen, dass Sie viele Linien "begradigt" haben. Darüber hinaus haben Sie vermutlich etliche dieser geradlinigen Abschnitte "eingenordet", sie also als waagerechte oder senkrechte Linien in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Richtung ausgerichtet, obwohl sie vielleicht in Wirklichkeit in Nord-West- oder Süd-Süd-Ost-Richtung verlaufen. Ein schöner Test übrigens: Stellen Sie sich ein Schiff vor, dass durch den Panamakanal vom Pazifik in den Atlantik fährt. Fährt es von Westen nach Osten oder von Osten nach Westen? Für die meisten Menschen ist die Antwort überraschend: Wer vom Pazifik zum Atlantik fährt, bewegt sich im Panamakanal von Osten nach Westen. Das erwarten wir nicht, denn vor unserem geistigen Auge ist der Pazifik links, also im Westen, und der Atlantik ist rechts. Wenn man also im Kanal Mittelamerika durchquert, müsste man doch von links nach rechts fahren. Aber: Mittelamerika ist eben nicht einfach eine gerade Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika, sondern macht in der Höhe von Panama einen Bogen, der genau dort die Verhältnisse umgekehrt.

    Übergroß: zentrale Punkte ragen heraus

    Neben diesen zwei Effekten – Verzerrung und Begradigung – haben kognitive Karten noch eine dritte Eigenschaft: Gewisse markante Merkmale einer Gegend sind übergroß repräsentiert. Das, was wir für wesentlich oder "typisch" halten oder auch wichtige Orientierungspunkte, stechen in unseren kognitiven Karten stark hervor. Und wenn wir eine Großstadt bereisen, nehmen in unserer kognitiven Karte die Innenstadt und die zentralen Plätze einen übergroßen Raum ein im Vergleich zur Peripherie der Stadt, die meist um ein Vielfaches größer ist. Interessant ist bei kognitiven Karten, dass wir sie aus zwei Arten von Informationen zusammensetzen. Zum einen unseren persönlichen Erfahrungen, also wie wir eine Gegend selbst buchstäblich er-fahren haben. Zum anderen aus unserem geografischen Wissen, das wir uns vor allem anhand von Landkarten aneignen: Wir haben eine Vorstellung, wie Europa aussieht, Nicht, weil wir persönlich die Küste vermessen hätten, sondern weil wir Europa schon oft auf einer Karte gesehen haben.

    Kognitive Karte entsteht aus Erfahrungen und Überblickswissen

    Und wenn wir in einem Zug von Freiburg nach Berlin unterwegs sind, dann besteht diese Reise in unserem Kopf nur zu einem Teil aus dem, was wir entlang der Strecke tatsächlich sehen, den Bahnhöfen, Wäldern, Mülldeponien und Fabrikparkplätzen. Zu einem mindestens ebenso großen Teil fließen unsere geografischen Kenntnisse in die kognitive Karte unserer Reise ein: Wir wissen, dass unsere Reise erst durch die Rheinebene führt, dann an diversen deutschen Mittelgebirgen vorbei ins Norddeutsche Tiefland bis an die Spree. Wir wissen, dass wir von Südwesten nach Nordosten reisen, und zumindest die Älteren von uns werden vielleicht daran denken, dass sie unterwegs die ehemalige deutsch-deutsche Grenze passieren. Unsere kognitive Karte besteht somit aus einer Überlagerung von primären Erfahrungen und sekundär angeeignetem Überblickswissen. Das alles zeichnet kognitive Karten aus.

    Ist Wirtschaftswachstum gleichzusetzen mit Wohlstand? Sep 15, 2023
    Show notes

    Wirtschaftswachstum bedeutet: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt. Wie das gemessen wird, haben wir schon geklärt. Nun misst das Bruttoinlandsprodukt zwar die ökonomische Leistung eines Landes. Aber das heißt nicht, dass ein wachsendes BIP ein Gradmesser dafür ist, wie gut es einer Gesellschaft geht. Denn die Wirtschaftsleistung kann auch durch Katastrophen angekurbelt werden – zum Beispiel, wenn Stürme Häuser zerstören und sie deswegen neu gebaut werden müssen. Auch Kriminalität trägt zu einem wachsenden BIP bei, weil Polizeieinsätze Geld kosten und in die Rechnung einfließen. Und Umweltschützer kritisieren, dass es für das Bruttoinlandsprodukt keinen Unterschied macht, ob durch die Produktion von Waren die Umwelt geschädigt wird. Das BIP ist eine komplexe Rechnung ohne Bewertung von Gut und Böse, wenn man so will. Trotzdem werden die Daten unter anderem von der Politik genutzt, um den Wohlstand einer Nation zu bewerten. Dafür wird das Durchschnittseinkommen pro Kopf genommen, mit dem sich die Situation verschiedener Länder vergleichen lässt. Das BIP sagt allerdings nichts darüber aus, wie gerecht das Einkommen über die Menschen verteilt ist. Zusammengefasst: Es gibt viele Gründe, das Bruttoinlandsprodukt oder die Schlüsse, die manche daraus ziehen, kritisch zu sehen.

    Warum ist das BIP dann überhaupt eine so wichtige Größe?

    Das liegt daran, dass wir keine bessere Datengrundlage haben als das Bruttoinlandsprodukt. Zufriedenheit, Sicherheit und andere Faktoren, die beim Thema Wohlstand eine Rolle spielen, lassen sich nicht objektiv messen. Die Konjunkturdaten haben zwar auch einen Unsicherheitsfaktor, aber der ist deutlich geringer. Außerdem werden die Daten für das BIP regelmäßig erhoben, alle drei Monate. Die Politik oder auch Unternehmen können die Quartale miteinander vergleichen, bewerten und handeln. Und die nackten Zahlen spielen eben auch eine wichtige Rolle – zum Beispiel, wenn es darum geht, einzuschätzen, wie viele Schulden ein Land aufnehmen und auch wieder zurückzahlen kann.

    Wenn man die Nachrichten verfolgt, hat man oft den Eindruck, das Bruttoinlandsprodukt müsste immer weiter wachsen – und wenn das mal nicht klappt, ist die Politik direkt in Alarmstimmung. Aber hier in Deutschland geht es uns doch gut – muss die Wirtschaft dann überhaupt noch wachsen? Würde es nicht reichen, wenn sie stagniert?

    Rein theoretisch ist eine Volkswirtschaft vorstellbar, in der dauerhaft alles gleichbleibt: Die Menschen in einem Land arbeiten immer gleich viel und stellen gleich viel her. Aber: Zum einen gibt es einen technischen Fortschritt, der es erlaubt, mehr zu produzieren. Auf Wachstum zu verzichten würde also bedeuten, dass wir entweder auf technischen Fortschritt verzichten oder dass die Bevölkerung weniger arbeitet. Jetzt ist Deutschland aber nicht allein auf der Welt und wenn alle anderen Länder auf Wachstum setzen, wir aber nicht, dann würden wir schnell abgehängt werden – zum Beispiel was Forschung und Innovationen angeht. Das würde wiederum Arbeitsplätze und damit auch Wohlstand gefährden. Kommt eine Volkswirtschaft unfreiwillig ins Nullwachstum, dann nennt man das eine statische Wirtschaft. Es gibt aber auch eine Bewegung, die diesen Zustand bewusst herbeiführen will: Das heißt dann Postwachstumsökonomie. Die Befürworter davon räumen aber auch ein: Dafür müssten wir unser Leben ganz schön umkrempeln: Nur noch 20 Stunden arbeiten statt 40 und in der restlichen Zeit selbst Obst und Gemüse anbauen, Gegenstände tauschen und reparieren und auch auf vieles verzichten. Nur, würde das wirklich funktionieren – wenn alle mitmachen? Viele Ökonomen haben daran ihre Zweifel: Wenn die Menschen weniger arbeiten, zahlen sie weniger Steuern – dann hat auch der Staat weniger Geld für Schulen, die Verwaltung und auch für Sozialleistungen und die gesetzliche Rente. Global gesehen kommt dazu: Die Weltbevölkerung wächst und sie kann nur versorgt werden, wenn weltweit mehr Lebensmittel und Waren produziert werden. Deshalb: Auch wenn es in Deutschland Befürworter einer Postwachstumsökonomie gibt – für arme Länder mit starkem Bevölkerungswachstum ist das keine Option.

    Spinne am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen – woher kommt das? Sep 13, 2023
    Show notes

    Spinnen war für die meisten Frauen eine Feierabendtätigkeit. Da war es dann auch "erquickend und labend", denn so heißt es weiter: "Spinne am Abend – erquickend und labend." Wer allerdings am Morgen schon spinnen musste, so die Forschungsmeinung bis vor einigen Jahren, der hatte offenbar keine andere Möglichkeit, zu Geld zu kommen. Damit konnte man also nur wenig Geld verdienen, insofern bedeutete das "Kummer und Sorgen". Das ist aber nur eine sekundäre Erklärung, die man sich so zurechtgelegt hat.

    Aberglaube: Spinne als böses Omen

    Ursprünglich geht es um Aberglauben. Die Spinne wird als eine Art Omen, als schlechtes Vorzeichen bewertet. Das findet man ähnlich auch in anderen europäischen Sprachen, beispielsweise im Französischen oder auch im Englischen, wo es heißt: A spider in the morning is a sign of sorrow. – Also: Eine Spinne am Morgen ist ein Vorzeichen von Sorgen, von Nöten. Das ist also die eigentliche Erklärung: Der Volksaberglaube, dass eine Spinne ein böses Vorzeichen wäre.

    Woher kommt der Ausdruck "Hals- und Beinbruch"? Sep 13, 2023
    Show notes

    Keine Herleitung aus dem Jiddischen

    Ich war lange der Annahme, dass diese Redewendung auf eine aus dem Jiddisch-Hebräisch kommende Formel zurückzuführen sei – "hazlóche un bróche" heißt so viel wie Glück, Erfolg und Segen. Das war der Stand der Forschung vor einigen Jahren. Inzwischen habe ich mit einem Jiddisten, also einem Spezialisten für das Jiddische, gesprochen. Der sagt, dass das ganz undenkbar sei; er sieht da überhaupt keinen Zusammenhang.

    Viel Glück: Brüche wünschen auch Engländer und Segler

    In der Tat sagen wir ja schon lange "das ist kein Beinbruch" um auszudrücken: Das ist nicht schlimm. – Und das Brechen des Halses ist als Drohung oder als Problem sprichwörtlich geworden. Insofern brauchen wir den Übergang oder den Umweg über das Jiddisch-Hebräische gar nicht. Im Englischen kennt man "break a leg", wörtlich "Brich dir ein Bein" – ein Ausdruck, mit dem man Glück wünscht und der mit dem Jiddischen gar nichts zu tun hat. Auch beim Segler-Ausdruck "Mast- und Schotbruch" gibt es keine Verbindung zum Jiddischen. Der Ausdruck "Hals- und Beinbruch" kommt also ganz direkt aus deutscher Tradition.

    Warum bewegen sich Wolken manchmal in verschiedene Richtungen? Aug 30, 2023
    Show notes

    3 "Stockwerke": Wolken sind in unterschiedlichen Höhen unterwegs

    Das passiert meist dann, wenn sich Wolken in unterschiedlichen Höhen befinden, es also sowohl tiefhängende Wolken gibt als auch welche in höheren Luftschichten. Denn die Windrichtung ändert sich mit der Höhe. Ganz grob kann man dabei in der Atmosphäre drei "Stockwerke" unterscheiden. Ich fange mal im "Dachgeschoss" an, das befindet sich 9 bis 12 Kilometer über der Erde. Dort sind vor allem Cirruswolken unterwegs. Das sind die feinen Federwolken vor meist blauem Himmel, also die typischen Schönwetterwolken. Diese Wolken bewegen sich etwa in der Höhe, in der auch Flugzeuge fliegen und ihre Kondensstreifen hinterlassen. In dieser Höhe weht in unseren Breiten ein sehr starker Wind, der sogenannte Jetstream; er weht relativ kontinuierlich von West oder Nordwest. Entsprechend bewegen sich Cirruswolken und Kondensstreifen ebenfalls meist in diese Richtung.

    Nordhalbkugel: Winde wehen tendenziell von West nach Ost

    Dass der Jetstream grob Richtung Osten weht, hängt mit der Erddrehung zusammen. Ganz grob gesagt: Eigentlich "will" der Wind vom warmen Äquator zum kalten Nordpol, also von Süden nach Norden. Aber wegen der Erddrehung werden alle Wind auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt. Deshalb weht der Jetstream am Ende von West nach Ost. Wie das genau zusammenhängt, habe ich in einer anderen 1000-Antworten-Folge erklärt: "Warum weht der Wind überwiegend aus dem Westen?

    Hoch- oder Tiefdruckgebiet? – Winde wehen in verschiedene Richtungen

    Zurück zum Jetstream auf 9.000 bis 12.000 Metern Höhe. Darunter befindet sich ein relativ ausgedehntes Stockwerk. Das ist das, wo sich die Dynamik des Wetters hauptsächlich abspielt. Dort bewegen sich nämlich die Hoch- und Tiefdruckgebiete, die wir von den Wetterkarten als kreisförmige Gebilde kennen. Sie erscheinen deshalb kreisförmig, weil sich hier der Wind tatsächlich kreisförmig um sie herumweht. Um Hochdruckgebiete weht er dabei im Uhrzeigersinn, um Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn – zumindest auf der Nordhalbkugel der Erde. Entsprechend bewegen sich auch da die Wolken. Oft weht der Wind auch hier aus Westen, oft aber auch aus anderen Richtungen – je nachdem, wie die Hoch- und Tiefdruckgebiete gerade unterwegs sind und wo sich in dieser Gemengelage gerade mein Standort befindet. Wenn wir jetzt eine Situation haben, in der es Wolken in beiden Stockwerken gibt, also zum Beispiel Cirruswolken oben in Flughöhe und Haufenwolken darunter, dann kann es sein, dass die Winde in den verschiedenen Höhen in unterschiedliche Richtungen wehen und entsprechend auch die Wolken sich in unterschiedliche, vielleicht sogar entgegengesetzte Richtungen bewegen. Aber es gibt noch ein weiteres Stockwerk. Das ist das, was uns am nächsten ist – nämlich die ersten 1.000 bis 1.500 Meter über der Erdoberfläche. Das ist das "Erdgeschoss" der Atmosphäre. Diese Schicht ist dadurch gekennzeichnet, dass die Winde sich an der Erdoberfläche reiben und dadurch abgebremst werden. Ich hatte gesagt, dass die Winde auf der Nordhalbkugel wegen der Erddrehung immer nach rechts abgelenkt werden – dieser Effekt wird auch als Corioliskraft bezeichnet – und der ist umso größer, je schneller der Wind weht. Wird der Wind in Bodennähe also abgebremst, wird er nicht mehr so stark abgelenkt. Im Vergleich zu dem Stockwerk darüber weht der Wind deshalb weiter nach links, und das kann als Winkel bis zu 45° aus machen. Genau das machen sich Ballonfahrer zunutze, denn das ist eine der wenigen Möglichkeiten, wie ein Heißluftballon zumindest ein bisschen navigieren kann: Will ich weiter nach rechts, werfe ich Ballast ab, sodass ich in Schichten aufsteige, in denen der Wind weiter nach rechts weht. Wenn ich weiter nach links will, lasse ich Gas ab, sodass ich sinke.

    Unterschiedliche Windverhältnisse lassen Wolken in verschiedene Richtungen driften

    Betrachten wir jetzt nochmal unsere Wolken: Im Erdgeschoss der Atmosphäre weht der Wind bis zu 45° schräg im Vergleich zum Wind im ersten Geschoss. Und im Dachgeschoss kann er nochmal ganz anders wehen. Deshalb können die Wolken in den verschiedenen Luftschichten in unterschiedliche Richtungen driften.

    Wie entsteht ein Akku-Brand? Aug 27, 2023
    Show notes

    Hohe Energiedichte

    Lithium-Ionen-Akkus haben eine hohe Energiedichte, deshalb sind sie so gut geeignet für leistungsstarke Geräte wie E-Bikes, Notebooks oder auch für selbstfahrende Rasenmäher. Die hohe Energiedichte hat jedoch eine Schattenseite, und das ist die zwar statistisch geringe, aber eben doch vorhandene Brand- und Explosionsgefahr, wenn im Akku die Dinge außer Kontrolle geraten, es zu einem Kurzschluss kommt und sich die viele Energie sozusagen auf einen Schlag entlädt.

    Bei Beschädigung droht Kurzschluss

    Dabei passiert Folgendes: Wie jede normale Batterie hat ein Akku zwei Kammern, eine auf der Anoden- eine auf der Kathodenseite. Zwischen diesen beiden Kammern strömen die Ladungsträger – in dem Fall die Lithium-Ionen – hin- und her, in die eine oder in die andere Richtung, je nachdem, ob der Akku gerade genutzt oder wieder aufgeladen wird. Damit das kontrolliert passiert, befindet sich zwischen den Kammern der sogenannte Separator, eine halbdurchlässige Trennwand. Halbdurchlässig bedeutet, die Ladungsträger im Akku – also die Lithium-Ionen – können den Separator durchdringen, aber nur langsam und wohldosiert. Wenn der Separator beschädigt ist – sei es durch übermäßige Hitze, sei es, weil er auf einen harten Boden gefallen oder einfach durch einen Produktionsfehler –, wird diese Trennwand für die Lithium-Ionen durchlässiger als sie sein sollte. Das heißt im Klartext: Es gibt einen Kurzschluss. Der führt dazu, dass die Lithium-Ionen sehr schnell durch den Akku wandern und es sehr schnell zu chemischen Reaktionen kommt, bei denen in kurzer Zeit sehr viel Energie freigesetzt wird. Das führt zu einer Kettenreaktionen: Je heißer der Akku wird, desto eher geht erstens der Separator noch mehr kaputt und desto schneller laufen zweitens die Reaktionen ab, sodass durchaus Temperaturen von über 1.000 °C entstehen können. Man muss sagen: Das Risiko, dass ein Akku Feuer fängt, ist insgesamt gering, kleiner als 1:1.000.000. Aber dadurch, dass es inzwischen viele Millionen Lithium-Ionen-Akkus gibt, kommt es eben immer mal wieder vor.

    Wie kann man Akku-Brände vermeiden?

    Es gibt ein paar Vorsichtsmaßnahmen, mit denen sich das Risiko verringern lässt. Dazu gehört, Akkus immer mit den Geräten zu laden, die dafür vorgesehen sind. Und zwar bei Temperaturen zwischen 10 °C und 30 °C. Ist es zu kalt oder zu warm, erhöht sich die Kurzschluss-Gefahr. Wenn Lithium-Ionen-Akkus länger nicht genutzt werden – also etwa beim E-Bike in der Winterpause – den Akku vom Gerät entfernen und einigermaßen kühl lagern, und zwar am besten, wenn er halb voll geladen ist. Ist der Akku zu leer, besteht bei längerer Lagerung die Gefahr einer Tiefentladung – auch das erhöht beim Wiederaufladen die Brandgefahr. Wird der Akku aus einer kalten Garage geholt, lässt man ihn am besten bei Zimmertemperatur sich aufwärmen. Und beim ersten Wiederaufladen empfiehlt es sich, in der Nähe zu bleiben und immer mal wieder gucken, ob alles in Ordnung ist.

    Wie löscht man einen Akku-Brand?

    Hat der Akku jedoch einmal Feuer gefangen, lautet die Regel: Nicht versuchen, ihn mit Wasser zu löschen! Denn das kann die eigentliche Explosion erst auslösen. Wegen der großen Hitze können sich nämlich Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Und freier Wasserstoff ist hochgefährlich, dann kommt es zur Knallgasreaktion. Besser geeignet ist Löschpulver, was in guten Feuerlöschern auch enthalten ist. Und am besten gleich die Feuerwehr rufen.

    Wie wird das Wirtschaftswachstum gemessen? Aug 13, 2023
    Show notes

    Um das Wirtschaftswachstum auszurechnen, muss erstmal das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ermittelt werden – denn das ist die Definition: Das Wirtschaftswachstum beschreibt, wie stark das Bruttoinlandsprodukt gewachsen ist – zum Beispiel innerhalb eines Quartals im Vergleich zum Vorquartal. Das BIP kann natürlich auch schrumpfen. Wie aber rechnet man das Bruttoinlandsprodukt aus? Unter das BIP fällt alles, was in unserer Volkswirtschaft innerhalb dieses Zeitraums an Waren und Dienstleistungen produziert wurde. Genauer gesagt, der geschaffene Mehrwert. Das bedeutet: Wenn ein Brötchen verkauft wird, dann werden davon unter anderem die Kosten für das eingekaufte Mehl und andere Zutaten abgezogen. Damit nicht doppelt gezählt wird. Die Wertschöpfung der einzelnen Wirtschaftsbereiche wird zusammengerechnet und dann kann man vergleichen, wie sich die Wirtschaftsleistung verändert hat. Wichtig: Natürlich wird wegen der Inflation alles teurer, also auf dem Papier auch "mehr wert". Aber Preissteigerungen werden beim Wirtschaftswachstum rausgerechnet. Ist die Summe der Werte aller Waren und Dienstleistungen gestiegen, zeigt sich, um wie viel Prozent – und das ist dann das Wirtschaftswachstum. Das klingt relativ einfach – aber es ist in der Praxis ein ganz schöner Aufwand: Und den betreibt das Statistische Bundesamt: Es erstellt hunderte amtliche Statistiken, auch mit Hilfe der Statistischen Landesämter. Dafür werden zum Beispiel Unternehmen regelmäßig aufgefordert, Zahlen zu melden. Welche Firmen das konkret sind, wechselt und es ist geheim. Aber die Statistikämter stellen nach eigenen Angaben sicher, dass die Auswahl repräsentativ ist. Sagen wir mal, es wäre eine Firma dabei, die Baumaschinen herstellt. Dann geht es bei den Daten zum Beispiel darum, wie viel Umsatz mit den hergestellten Maschinen gemacht wurde und welche Kosten dabei angefallen sind. Das Bruttoinlandsprodukt wird aber auch von anderer Seite her nochmal gemessen: Und zwar: Wie wurden die Waren und Dienstleistungen verwendet – für den Konsum, als Investition in einem Unternehmen oder als Exportartikel. Nehmen wir einen Laptop: Der kann für den privaten Gebrauch gekauft werden, als gewerblich genutztes Gerät oder er könnte ins Ausland exportiert werden. Das ist wichtig, wenn man wissen will, worauf ein Wirtschaftswachstum konkret zurückgeht. Am Ende werden diese beiden Rechenwege miteinander abgeglichen – also, was wird in der Summe an Waren und Dienstleistungen produziert und: wie werden sie verwendet. Das hilft, um das Bruttoinlandsprodukt so genau wie möglich zu berechnen. Die erste Berechnung für das BIP wird immer 30 Tage nachdem ein Quartal abgelaufen ist veröffentlicht. Das Ergebnis hören, sehen oder lesen wir dann in den Nachrichten.
    Was viele aber nicht wissen: Danach wird mehrfach neu gerechnet – einfach, weil viele amtliche Statistiken erst später vorliegen. Übrigens: In das BIP fließen hauptsächlich die Werte an Waren und Dienstleistungen ein, die auch auf dem Markt gehandelt werden. Das heißt, wenn jemand zu Hause seine Eltern oder Kinder betreut, statt eine Betreuungseinrichtung zu nutzen, dann fließt diese Leistung nicht in das Bruttoinlandsprodukt ein. Wohl aber staatliche Leistungen wie Polizei, Justiz oder Verwaltung. Der Wert dieser Dienstleistungen wird vor allem über die Personalkosten im Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt.


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