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    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Warum müssen manche Menschen niesen, wenn sie in die Sonne schauen? Nov 09, 2023
    Show notes

    Photischer Niesreflex: Ein Viertel der Menschen sind Sonnennieser

    Photischer Niesreflex heißt diese Eigenschaft in der Fachsprache. Es ist nur eine Minderheit – etwa ein Viertel aller Menschen – die davon betroffen ist. Ob man dazugehört, ist offenbar sehr stark genetisch bedingt. Vor einigen Jahren haben US-Forscher gezeigt, dass es zwei Genvarianten gibt, die darüber entscheiden, ob man ein Sonnennieser ist oder nicht. Das ist eine Eigenschaft ähnlich wie die Fähigkeit, Spargelgeruch im Urin zu riechen – auch dafür sind bestimmte Gene notwendig. Wenn man die nicht hat, riecht der Urin nach einem Spargelessen nicht anders als sonst. Das Sonnen-Niesen scheint ebenfalls so eine Eigenschaft zu sein, die man, genetisch bedingt, entweder hat oder nicht. Was passiert in der Nase, wenn man dieses Gen hat und in die Sonne guckt? Ganz genau ist das nicht geklärt, aber die vorherrschende Lehrmeinung ist, dass bei diesen Menschen zwei Nerven sehr nah beinander verlaufen, nämlich der Sehnerv und der Trigeminus – "Drillingsnerv". Dieser Drillingsnerv hat mehrere Äste, darunter einen, der zum Augapfel führt und einen anderen, der zum Oberkiefer führt und beim Niesen eine wichtige Rolle spielt. Eine Hypothese sagt, dass es bei Sonnenniesern zu einer Art Kurzschluss kommt: Wenn die Augen-Nerven stark gereizt werden, springen diese Signale auf den Oberkieferast des Trigeminus über und dadurch wird der Niesreflex ausgelöst. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sonnennieser per se lichtempfindlicher sind – auch dafür gibt es Hinweise. Auf jeden Fall tritt der Reflex fast immer nur dann auf, wenn die Betroffenen unvermittelt starkem Licht ausgesetzt sind – sobald das Auge reagiert und z.B. die Pupille sich verengt, hört das Niesen wieder auf. Kann die Kettenreaktion zwischen Auge und Nase auch gefährlich werden? An sich nicht. Ein evolutionärer Sinn ist zwar nicht zu erkennen, aber offenbar gehen auch keine Gesundheitsgefahren davon aus. Es ist eher eine harmlose genetische Anomalie. Gefährlich wird es allenfalls z.B. für Kampfpiloten; für die könnte ein solcher Reflex zumindest problematisch sein. Normale Piloten dagegen schauen selten spontan in die Sonne und fliegen normalerweise auch keine Manöver, bei denen ein kurzes Niesen gefährlich sein könnte.

    Woher kommt das Wort "Putsch"? Nov 09, 2023
    Show notes

    Schweizer Wort für "Stoß" oder "Vorstoß"

    Das Wort stammt Aus der Schweiz: Im Schweizer Dialekt bedeutet "Putsch" das, wonach es klingt: "Stoß" oder "Zusammenprall". Als Ausdruck für einen schnellen militärischen Vorstoß wurde das Wort schon im 16. Jahrhundert verwendet, aber auch allgemein im Sinne von "Vorstoß" – durchaus also auch im positiven Sinn: Wenn jemand mit einem Unternehmen oder einer Initiative vorpreschte, bezeichnete man das als Putsch, und dann eben auch im politischen Sinne von "Volksauflauf" oder "Revolte".

    Züriputsch 1839 sorgt für internationale Verbreitung

    Die ersten politischen Putsche (der original Schweizer Plural lautet übrigens: Pütsch), die als solche bezeichnet wurden, fanden auch in der Schweiz statt. So gab es 1830 den Freiämter Putsch, 1856 den Neuenburger Putsch und dazwischen 1839 den Züriputsch – durch den hat sich das Wort über die Schweiz hinaus verbreitete: Die französischen Zeitungen berichteten von "le putsch" und die englischen von "the putsch".

    Was passiert beim Niesen im Körper? Nov 01, 2023
    Show notes

    Niesen ist ein Reflex

    Das Niesen ist physiologisch ein explosives Atmen – es sind also die gleichen Körperpartien beteiligt wie beim normalen Atmen auch: das Zwerchfell, die Atemmuskeln in Bauch und Brust. Mit zwei wesentlichen Unterschieden: Das Atmen können wir zumindest teilweise kontrollieren und die Luft zumindest vorübergehend anhalten – beim Niesen geht das kaum; es ist ein Reflex. Zweiter Unterschied: Die normale Atmung ist ruhig, das Niesen geschieht explosionsartig. Physiologisch passiert Folgendes: Es beginnt damit, dass die Nervenzellen in der Nasenschleimhaut irgendeinen Reiz empfangen. Das können Allergene sein, Pollen, Katzenhaare, die Exkremente von Hausstaubmilben. Die Schleimhaut kann durch eine Erkältung gereizt sein oder auch einfach durch Sonnenlicht – manche Menschen müssen ja niesen, wenn sie in die Sonne gucken.

    "Nieszentrum" im Gehirn gibt die Kommandos

    Die Nerven leiten diese Reizinformation ins Gehirn weiter. Im Übergang vom Hirnstamm zum Rückenmark gibt es ein Areal, von dem man ausgeht, dass das die Niessteuerung übernimmt – deshalb bezeichnet man es auch als "Nieszentrum". Das gibt dann seine Kommandos. Erstes Kommando: Einatmen! Meist denken wir beim Niesen nur an das große "Hatschi!" – aber dem geht immer ein kräftiges Einatmen voraus. Dabei wird zugleich ein Druck aufgebaut. Als nächstes folgt ein Kommando an die Ausatemmuskeln. Die ziehen sich dann schlagartig zusammen und katapultieren die eingeatmete Luft nach draußen – und zwar mit orkanartigen Geschwindigkeiten von 160 km/h. Gleichzeitig bekommen meist auch die Augen noch das Kommando: Schließen! Warum wir die Augen beim Niesen schließen, ist nicht ganz klar, vermutlich wird auf diese Weise verhindert, dass Krankheitserreger in die Augen gelangen.

    Niesen dient dem Reinigen der Nase

    Der Niesreflex insgesamt dient somit vor allem der Reinigung der Nase: Wir befreien sie damit von Partikeln und Erregern, die wir mit dem normalen Atmen nicht loswerden.

    Wie kriegen Waschmittel den Dreck aus der Wäsche? Oct 29, 2023
    Show notes

    Die wichtigsten Bestandteile in Waschmitteln sind Tenside. Das sind die Stoffe, die den Schmutz lösen und die Wäsche sauber machen.

    Mit Tensiden gegen Grenzflächenspannung des Wassers

    Tenside tun das, indem sie die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen. Wasser hat an der Oberfläche tatsächlich eine Spannung. Die zeigt sich zum Beispiel darin, dass manche Insekten übers Wasser laufen können. Diese Grenzflächenspannung führt aber auch dazu, dass Wasser in die Feinstrukturen von Gewebe nicht immer richtig eindringt. Wenn Tenside sich im Wasser lösen, setzen sie diese Grenzflächenspannung herab. Dadurch dringt das Wasser leichter in das Gewebe ein und die Fasern werden besser mit der Waschlösung benetzt.

    Tenside sind im Wasser löslich und können Fett binden

    Diese Fähigkeit verdanken Tenside ihrem chemischen Aufbau. Ihre Moleküle sind ähnlich aufgebaut wie die von Seifen. Sie bestehen aus einem polaren und einem unpolaren Ende. Polar heißt, dass ein Ende des Moleküls elektrisch positiv oder negativ geladen ist. Ein unpolares Ende dagegen ist elektrisch neutral. Und das Tensidmolekül besitzt eben beides, elektrisch geladene und neutrale Enden. Genau deshalb können sie die Flecken aus unseren Klamotten rauslösen. Der polare Teil des Tensids sorgt nämlich dafür, dass das Tensid im Wasser löslich ist. Er ist wasserliebend. Denn Wassermoleküle sind ebenfalls polar. Wasser kann aber kein Fett lösen, denn Fettmoleküle sind unpolar. Mit Wasser können wir deshalb kein Fett aus Textilien herauswaschen. Mit Tensiden geht das aber, denn Tenside haben ja auch einen unpolaren Teil. Der wiederum kann Fett binden.

    Schmutz in Mizellen: Abtransport per Wasser

    Mehrere Tensidmoleküle zusammen können so den Schmutzpartikel wie eine Kapsel umschließen und "einpacken". Dabei entsteht eine sogenannte Mizelle – eben ein Schmutzteilchen, das von Tensiden umhüllt ist. Sie kann vom Wasser leicht abtransportiert werden.

    Bleichmittel erforderlich, wo Tenside an ihre Grenzen stoßen

    Aber nicht alle Flecken können von Tensiden entfernt werden. Bei Obst-, Gemüse- oder Kaffeeflecken wird es schon schwieriger. Manchen Waschmitteln werden deswegen Bleichmittel zugefügt. Die zerfallen in wässriger Lösung und setzen atomaren Sauerstoff frei. Der zerstört die Farbstoffe aufgrund seiner stark oxidierenden Wirkung. Empfindliche Fasern können allerdings auch angegriffen werden. Fein- und Buntwaschmittel enthalten deshalb in der Regel keine Bleichmittel.

    Enzyme gegen Eiweiß, Fett und Stärke

    Und es gibt noch einen dritten Player im Waschmittel-Game: die Enzyme. Die entfernen Schmutzstoffe wie Eiweiß, Fett und Stärke, indem sie diese spalten und abbauen. Die Wäschepflege wurde durch die Enzyme sehr viel umweltschonender, weil sie eine niedrigere Waschtemperatur brauchen. Temperaturen über 60 °C zerstören die Enzyme nämlich. Dank Waschenzymen wird also viel Energie gespart.

    Warum kann eine Reizblase in den Wechseljahren auftreten? Oct 23, 2023
    Show notes

    Östrogen regelt das Funktionieren von Scheide und Blase

    Man muss sich vorstellen, dass sowohl die Scheide als auch die Blase abhängig sind vom Hormon. Östradiol ist gut für die Scheide, aber es ist auch sehr gut für die Blase. Das Funktionieren von Scheide und Blase, der Schutz vor Infektionen, der Schutz vor diesem Reizgefühl geht eigentlich nur, wenn genug Östradiol da ist bzw. Östrogene da sind, um genau zu sein. Es muss gar nicht Östradiol sein, es kann auch Östriol sein. Es muss einfach genug Östrogen da sein.

    80 Prozent der Frauen bekommen Beschwerden

    Das Dramatische ist: Dieses Problem haben 100 Prozent aller Frauen. Also nicht alle Frauen kriegen eine Reizblase, aber alle haben diesen niedrigen Östradiolspiegel, diese niedrigen Östrogene, die sich dann auswirken. Und ungefähr 80 Prozent haben Beschwerden. Aber es wird nur ein ganz kleiner Teil der Frauen behandelt.

    Wie wirkt sich der Östrogen-Mangel in den Wechseljahren aus? Oct 18, 2023
    Show notes

    Hitzewallungen und Nachtschweiß

    Das sind die klassischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, aber auch Gelenkbeschwerden. Viele Frauen stehen morgen auf und stellen fest, dass es in den Gelenken zwickt und sie sich nicht mehr so bewegen können wie bisher. Das kann am Hormonmangel liegen. Wir wissen, dass die Hitzewallungen und der Nachtscheiß hervorragend auf eine Hormontherapie ansprechen. Das steht gar nicht mehr zur Diskussion.

    Vorsicht Osteoporose: Knochen brauchen Östrogene

    Was viele nicht wissen: Auch der Knochen braucht Östrogene. Wenn die abfallen, besteht die Gefahr, dass man im Verlauf des weiteren Lebens eine Osteoporose entwickelt. Damit verbunden ist die Gefahr von Knochenbrüchen. Auch da kann die Hormonersatztherapie viel Gutes bewirken.

    Sind die Hormone bei einer Hormonersatztherapie pflanzlich oder chemisch? Oct 18, 2023
    Show notes

    Pharmaindustrie setzt Grundstoffe aus der Natur ein

    Die sind auf jeden Fall erst einmal pharmazeutisch hergestellt. Was viele Leute gar nicht wissen: Die Pharmaindustrie bedient sich in vielen Fällen eines Tricks. Sie nimmt nämlich Grundstoffe aus der Natur. Dann muss man keine Vollsynthese machen. Wenn ich zum Beispiel Rotklee nehme oder Traubensilberkerze, dann ist das kein Östradiol; es hat eine chemisch andere Struktur. Aber es kann auch mit dem Östrogenrezeptor in Interaktion treten.

    Yamswurzel ersetzt keinesfalls Progesteron

    Eine kleine Anekdote: Ich hatte mal die Gelegenheit, Carl Djerassi (1923 - 2015) kennenzulernen, den Erfinder der Pille,. Dem verdanken wir eigentlich auch die Hormontherapie. Ich habe ihn gefragt, warum so viele Menschen Yamswurzel nehmen. Da wurde er ganz aufgeregt, nahm einen Zettel heraus und kritzelte wild Strukturformeln darauf. Dann sagte er: "Wissen Sie, wenn Sie Yamswurzel mögen, dann können Sie die essen. Aber Progesteron wird da ganz sicher nicht draus. Das kann Ihr Körper nicht. Dafür brauchen Sie die pharmazeutische Industrie." – Das fand ich ungemein lehrreich. Bestimmte pflanzliche Präparate haben also eine schwache östrogenartige Wirkung. Aber die Yamswurzel ersetzt auf keinen Fall Progesteron.

    Woher kommt der Ausdruck "unter die Haube kommen"? Oct 18, 2023
    Show notes

    Giordano Bruno sagte einmal: "Se non è vero, è ben trovato." Also: "Ist es auch nicht wahr, so ist es doch gut erfunden." – Und diese Geschichte mit der Jagd scheint doch auch ein bisschen weit hergeholt. Viele Gästeführer reagieren enttäuscht und fürchten, ihre Geschichten nicht mehr weitererzählen zu können. Aber das sollen sie meiner Meinung nach ruhig tun. Sie sollten allerdings dazu den Status der Wahrhaftigkeit oder Wahrscheinlichkeit angeben.

    Nur verheiratete Frauen durften Hauben tragen

    Es ist im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit völlig üblich, dass unverheiratete bürgerliche Frauen keine Brautkronen oder Brauthauben tragen durften – etwa in Franken, wo ich zu Hause bin. Die Haube war die Zier einer verheirateten Frau und nur durch den Akt der Verheiratung war die Frau berechtigt, die Haube zu tragen.

    Was war das Stanford-Prison-Experiment? Oct 08, 2023
    Show notes

    Wie intelligente, geistig gesunde Menschen zu Sadisten werden

    Hierzulande ist das Stanford-Prison-Experiment vor allem durch den Film "Das Experiment" mit Moritz Bleibtreu bekannt geworden. Das Stanford-Prison-Experiment hat gezeigt, wie auch intelligente und zuvor als geistig völlig gesund eingestufte Menschen sich Rollen aneignen und zu Unmenschen werden können. Und so ging es los:
    Männliche Studenten für eine psychologische Untersuchung des Gefängnislebens gesucht. Tagesverdienst 15 $.

    Quelle: Zeitungsanzeige

    So stand es in einer Lokalanzeige im kalifornischen Palo Alto 1971. 70 junge Männer meldeten sich; es waren Studierende der Elite-Uni Stanford. Nach einem Losverfahren wurden sie aufgeteilt. Die eine Hälfte wurde zu "Gefangenen" erklärt, die andere zu "Wärtern". Um diese Rollen so realistisch wie möglich auszufüllen, wurden die sogenannten "Gefangenen" zu Hause verhaftet und dann in ein nachgebautes Gefängnis in der Uni gebracht.

    "Wärter" sollen im "Gefängnis" für Ordnung sorgen, die Situation eskaliert

    Die Gefangenen wurden behandelt, wie es damals in den USA üblich war. Sie gaben ihre Kleider ab, wurden entlaust, ihnen wurden Nummern zugewiesen. Den Wärtern wurde die Aufgabe gegeben, diese Gefangenen zu bewachen und für Ordnung zu sorgen. Doch genau das Gegenteil trat ein. Die Situation eskalierte rasch. Schon am ersten Tag war zu beobachten, dass die Wärter die Gefangenen Liegestützen machen ließen und dabei ihren Fuß auf den Rücken der Gefangenen stellten. Die Aggressionen auf beiden Seiten waren schon am ersten Tag deutlich spürbar.

    Deindividuation: Menschen ihrer Individualität berauben

    Auslöser für die Eskalation war das, was Sozialpsychologen Deindividuation nennen, erklärt die Mannheimer Professorin Dagmar Stahlberg. Die Teilnehmer werden durch die Situation ihrer Individualität beraubt. Nur noch die Rolle zählt. Dagmar Stahlberg: "Das heißt, die Wärter haben diese Uniform an. Die Gefangenen in dem Experiment mussten von vornherein alle individuellen Kleidungsstücke, alles abgeben, wie es im richtigen Gefängnis ist. Dadurch verliert man dieses persönliche Verantwortungsgefühl. Das führt dann in solchen Situationen ganz stark dazu, dass soziale Normen, die normalerweise unser Verhalten kontrollieren, außer Kraft gesetzt werden."

    Aufstand an Tag 2: harte Strafen oder Vorzugsbehandlung

    Am Morgen des zweiten Tags kam es zu einem Aufstand unter den Gefangenen, auf den die Wärter wiederum mit harten, sadistischen Strafmaßnahmen reagierten. Sie spritzten Trockeneis in die Zellen der Gefangenen, zogen sie nackt aus oder ließen sie Kloschüsseln mit den bloßen Händen putzen. Anderen Gefangenen billigten sie eine Vorzugsbehandlung zu. Ein bisschen besseres Essen, wobei Vorzug auch einfach heißen konnte: Sie durften sich waschen, Zähne putzen und, wann sie wollten, aufs Klo gehen. Dies sollte auch dazu dienen, die Gefangenen untereinander zu spalten.

    Experimentleiter Zimbardo wird selbst mitgerissen und bricht nach 6 Tagen ab

    Zwei Wochen sollte der Versuch dauern, nach sechs Tagen jedoch sah sich Phil Zimbardo dazu gezwungen, ihn abzubrechen. Der Grund war nicht nur die Eskalation. Zimbardo begann vielmehr zu spüren, dass er selbst seine Neutralität verlor. Dagmar Stahlberg: "Er musste dieses Experiment abbrechen, weil er gemerkt hat, dass die Macht der Situation so groß ist, dass bei ihm selbst auch diese Gefühle entwickelt worden sind. Also das Gefühl, man muss die jetzt in ihre Schranken weisen, man muss die fertig machen, diese Gefangenen, die ungehorsam sind und sich nicht den Regeln unterwerfen."

    Stanford-Prison-Experiment wird heute kritisch gesehen

    Die Aussagekraft des Experiments wird heute in der Fachwelt infrage gestellt. Da der Versuchsleiter selbst Teil des Rollenspiels war, habe er möglicherweise darauf Einfluss genommen, wie die Versuchspersonen ihre Rollen ausübten. Spätere Interviews mit Beteiligten ergaben auch, dass Zimbardo den "Wärtern" Vorgaben gemacht und ihnen schon im Vorfeld erklärt hat, was das Experiment am Ende beweisen soll. Das ergaben Recherchen des französischen Filmemachers und Buchautors Thibault Le Texier.

    Gesellschaftliche Diskussion und Veränderungen als Folge des Experiments

    Später wurde es nur noch selten wiederholt, und dabei kam es teilweise zu abweichenden Ergebnissen. Trotzdem hatte das Experiment reale Folgen. In den USA setzte eine Diskussion ein, die Gefängnisse anders zu gestalten und Gefangene weniger ihrer Persönlichkeit zu berauben, um die Gefahr solcher Eskalationen zu mindern.

    Gruppenverhalten und Situationszwänge: Wie sich Sadismus entwickeln kann

    Die allgemeine Erkenntnis, wie sehr Gruppenverhalten und Situationszwänge normale Menschen zu Sadisten machen können, hat auch zu Veränderungen bei uns geführt. Sie werden etwa bei der Offiziersausbildung der Bundeswehr berücksichtigt, um die angehenden Befehlshaber zu sensibilisieren. Der deutsche Film "Das Experiment" übertreibt übrigens: Ganz so drastisch, wie dort dargestellt, war es in Wirklichkeit nicht. Philip Zimbardo selbst hat juristisch sogar durchgesetzt, dass der Film nicht beanspruchen darf, von einer "wahren Begebenheit" zu handeln. SWR 2021

    Der kann mich mal kreuzweise – woher kommt die Redensart? Oct 05, 2023
    Show notes

    Obszöne Form der Beleidigung

    "Am Arsch lecken" hieß früher "im Arsch lecken" – eine ganz böse Art und Weise, um jemanden zu beleidigen und herabzusetzen. In vielen Redensarten begnügt man sich nicht damit, immer das Gleiche zu sagen, sondern man möchte es noch steigern. Wenn man also jemanden im Arsch lecken kann, dann will man das noch ein bisschen deutlicher machen: Leck mich fett – das ist durchaus modern geblieben. Auch da geht es darum, dass jemand intensiv den Arsch des anderen zu lecken habe. Beim kreuzweise Lecken handelt es sich um eine Steigerung des ursprünglichen Ausdrucks. Hier kommt möglicherweise, aber das ist nur hypothetisch, in der Kreuzform auch noch eine christliche Komponente hinzu, was besonders widerlich ist. Denn wenn ich schon hier im Arsch bin und das dann auch noch in Form eines Kreuzes tue, dann ist das so was von gotteslästerlich – nicht zu singen und zu sagen.

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