Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Warum sind Planeten immer rund?
Dec 23, 2024
Show notes
Schwerkraft wirkt gleichmäßig in alle Richtungen
Wegen der Schwerkraft. Planeten und Sonnen sind entstanden, weil sich Materie zusammenballte: Kosmischer Staub und Brocken zogen sich gegenseitig an, bildeten Klumpen und je größer die Klumpen wurden, desto größer wurde jeweils ihre Schwerkraft. Und weil die Schwerkraft in alle Richtungen gleich wirkt, ist die Kugel die Form, bei der die Gravitationskräfte im Gleichgewicht sind.
Zur Veranschaulichung ein Vergleich: Auf einem großen Platz in einer Stadt passiert plötzlich etwas Spannendes. Eine Akrobatikgruppe baut sich auf. Diese Attraktion "zieht" nun das Publikum "an". Was passiert? Die ersten Zuschauer ringen sich in einer ersten Reihe dicht um die Show. Alle, die nachströmen, versuchen ihrerseits, möglichst nah heranzukommen. Sie bilden nacheinander einen zweiten Ring, einen dritten und so weiter. Wenn der Platz frei zugänglich ist, also keine Hindernisse im Weg stehen, wird die Menschenmenge ziemlich kreisförmig werden. Würde nämlich der Kranz an einer Stelle etwas dünner sein, würde also eine Lücke in der Reihung entstehen, würde sie schnell geschlossen – weil jemand merken würde, dass dort ein Platz frei ist, wo man besser sieht und sich dorthin begeben würde. Man kann also sagen: Die Attraktion in der Mitte des Platzes übt eine "Anziehungskraft" aus, die bis in die letzte Reihe eine ausgleichende Wirkung hat.
Genauso wirkt die Anziehungskraft eines Planeten – nur dass sich das Geschehen im dreidimensionalen Raum abspielt. Anstelle des Kreises entsteht eine Kugel. Der beschriebene Ausgleichseffekt ist dabei umso größer, je mehr Masse der Planet hat. Denn umso stärker wirkt die Gravitationskraft.
Kleine Himmelskörper ähneln eher Kartoffeln
Kleine Himmelskörper wie Asteroiden können ziemlich unregelmäßig sein, sie ähneln oft mehr einer Kartoffel als einer Kugel. Dagegen haben die großen Planeten Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun eine fast perfekte Kugelform.
Erde ist keine perfekte Kugel
Die Erde ähnelt zwar auch stark einer Kugel. Aber wenn man genau nachmisst, gibt es an der Oberfläche nicht nur die Gebirge, sondern schon im Schwerefeld der Erde gibt es Beulen und Huppel. Das rührt im Wesentlichen daher, dass im Erdinneren viel in Bewegung ist. Es gibt heißere und kühlere Strömungen im Erdinneren, deshalb ist die Schwerkraft von Ort zu Ort unterschiedlich, und das wirkt sich natürlich auch auf die Oberfläche aus. Deshalb ist auch der Meeresspiegel nicht überall gleich hoch.
Die zweite Einschränkung ist: Die Erde ist an den Polen etwas abgeflacht. Das wiederum kommt durch die Eigenrotation: Weil sich die Erde ständig um sich selbst dreht, sorgt die Zentrifugalkraft dafür, dass die Erde am Äquator ein bisschen dicker ist.
Welche Käserinde kann man mitessen?
Dec 22, 2024
Show notes
Auf Käserinde können sich Listerien bilden
Aber ich fange mal mit den Ausnahmen an: Schwangere, Kleinkinder sowie ältere Menschen bzw. solche mit geschwächtem Immunsystem sollten bei Käserinde generell zurückhaltend sein, weil sich auf dieser Rinde bestimmte Listerien bilden können. Aus dem gleichen Grund wird diesen Personengruppen ja auch von Rohmilchkäse abgeraten.
Für die meisten Menschen ist aber sowohl Rohmilchkäse unbedenklich als auch entsprechend die Käserinden.
Paraffin- und Kunststoffüberzüge sind ungenießbar
Es gibt aber bei den Rinden selbst eine Ausnahme: Käserinden, die man tatsächlich nicht mitessen sollte, erkennt man von außen in der Regel recht eindeutig: Das sind die, die mit einer wachsartigen Paraffin- oder Kunststoffschicht überzogen sind – bei Gouda oder Leerdamer findet man das, manchmal ist der Käselaib auch noch mit einer bunten Schrift bedruckt.
Bei solchen Käsen mit einer künstlichen "Haut", die leicht zu erkennen ist, sollte man die Rinde nicht mitessen. Abgesehen davon müssen solche Käse auch entsprechend gekennzeichnet werden, etwa mit dem Hinweis "Rinde nicht zum Verzehr geeignet".
Salz fördert die Bildung der Käserinde
Alle anderen Käserinden dagegen sind – wie gesagt, für die meisten Menschen – unbedenklich. Die Käserinde entsteht in der Regel, indem der Käse bei der Herstellung mit Salz bestreut, in ein Salzbad eingelegt oder mehrmals mit Salzlake eingerieben wird. Das entzieht dem Käse an der Oberfläche Wasser und dadurch entsteht diese dichte Rinde.
Rinde beim Käse hat mehrere Funktionen
Sie schützt das Innere des Käses vor Austrocknung
Sie schützt den Käse vor unerwünschtem Pilzbefall
Das Salzbad verbessert das Aroma – die Rinde wirkt also aromatisch in den Käse hinein
Rinde von Schimmelkäse ist immer essbar
Mitgegessen werden können auch alle Rinden von Schimmelkäse – also Camembert, Brie oder Blauschimmelkäse. Auch wenn sie sich pelzig anfühlen: Das sind zwar Schimmelpilze, aber keine giftigen. Das Gleiche gilt für Käse mit einer Rotschmierenrinde – zum Beispiel Münsterkäse oder Limburger. Hier wird die Rinde mit – ebenfalls ungiftigen – Bakterienkulturen bestrichen, das gehört einfach zum Aroma.
Jede Käseoberfläche, die aus aromatischen Gründen behandelt wurde, ob mit Schimmelpilzen, Bakterien oder auch mit Asche, können gesunde Erwachsene bedenkenlos essen.
Konservierungsstoff und Antimykotikum: Vorsicht bei Natamycin
Es gibt allerdings manche Käse, die zusätzlich mit einem Konservierungsstoff behandelt werden, nämlich mit Natamycin. Diese Behandlung soll verhindern, dass sich giftiger Schimmelbefall bildet – den kann es ja neben den gewünschten, aromatischen Schimmelpilzen auch mal geben; das will man durch die Natamycin-Behandlung vermeiden.
Natamycin ist an sich gesundheitlich unbedenklich – sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es passiert einem nichts, wenn man das isst. Aber: Natamycin ist ein Antimykotikum, das auch gegen Pilzerkrankungen eingesetzt wird. Und wenn wir unnötig viel davon zu uns nehmen, könnte das die Gefahr erhöhen, dass Pilze resistent werden. Deshalb liest man manchmal die Empfehlung, bei solchen Käsesorten trotzdem die Rinde einen halben Zentimeter dick abzuschneiden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält das aber für übertrieben. Die Gefahr, dass sich durch den Verzehr von Käserinde Natamycin-resistente Pilze bilden, sei vernachlässigbar.
In jedem Fall aber müssen Käse, die mit Natamycin behandelt werden, entsprechend gekennzeichnet werden, zum Beispiel durch den Hinweis "enthält Konservierungsstoffe". Das gilt übrigens auch für unverpackten Käse.
Biokäse wird übrigens grundsätzlich nicht mit Natamycin behandelt.
Fazit: Wenn man nicht zu einer Risikogruppe gehört und wenn es keinen Hinweis gibt, dass die Käserinde nicht zum Verzehr geeignet ist, kann man sie in der Regel bedenkenlos mitessen.
Warum klumpt Käsefondue?
Dec 20, 2024
Show notes
Es ist ein bekanntes Phänomen, dass es bei der Kombination "Wein im Käsefondue" zur Klumpenbildung kommt und leider keine homogene Masse entsteht. Denn der Käse besteht im Wesentlichen aus Milchproteinen. Das Hauptprotein nennt man Kasein; da steckt das Wort "Käse" drin. Kasein ist sehr stark wasserhassend. Es besteht aus vielen Aminosäuren, die das Wasser gar nicht mögen. Die mögen viel lieber Fett.
Zu viel Wasser im Fondue sorgt für Klumpen
Wenn man den Käse schmilzt, ist fast kein Wasser mehr drin. Dann kann sich eine homogene Masse bilden, ähnlich einem Teig. Wenn Sie nun aber Wein zum Käse geben, ist wieder zu viel Wasser enthalten. Dann klumpen die hydrophoben Aminosäuren, die also das Wasser nicht mögen, zusammen.
Etwas Schnaps kann helfen
Ein bisschen Schnaps kann dann helfen. Man kann etwas Kirschwasser in das Fondue geben, denn der Schnaps hat mehr Alkohol als der Wein – und Alkohol wirkt fettlösend.
Kann man ohne Sprache denken?
Dec 19, 2024
Show notes
Urmenschen: Faustkeil und Jagd erfordern Denkvermögen
Es ist keine Frage, ob, sondern was man ohne Sprache denken kann. Wenn wir in der Menschheitsgeschichte zurückgehen, dann hat sich Sprache, wie wir sie heute kennen, frühestens vor etwa 200.000 Jahren entwickelt. Da waren unsere direkten Vorfahren noch alle in Afrika; und in Europa waren schon die frühen Neandertaler unterwegs.
Aber bereits Millionen Jahre vorher haben die Urmenschen Werkzeuge benutzt, die sie selber hergestellt haben, allen voran natürlich die Faustkeile. Um einen Faustkeil herzustellen, muss man schon ein bisschen was denken. Die frühen Menschen haben auch schon in Gruppen Tiere gejagt. Auch dabei mussten sie systematisch vorgehen; das erfordert ebenfalls Denken.
Auch Babys denken. Aber was genau?
Man kann sich der Frage nähern, wenn man sich statt der frühen Menschheit die frühe Kindheit ansieht: Wir alle würden vermutlich einem kleinen Baby, auch wenn es erst ein paar Monate alt ist und nicht sprechen kann, zubilligen, dass es irgendetwas denkt; dass irgendetwas in seinem Kopf vorgeht. Die Frage ist eben: Was?
Schnürsenkel binden: erfordert Grips, aber keine Sprache
Oder betrachten wir uns einmal selbst: Was denken wir denn so den lieben langen Tag lang? Wir denken viel in Bildern und Vorstellungen, die eigentlich keine Sprache benötigen. Wenn Sie an Ihren Urlaub zurückdenken, werden Sie das nicht in Worten tun, sondern in Bildern. Es gibt auch komplizierte Gedanken, bei denen die Sprache herzlich wenig taugt. Das wird schnell klar, wenn Sie sich vorstellen, Sie müssten jemandem nur mit Worten erklären, wie man einen Schnürsenkel bindet oder wie man auf dem Fahrrad das Gleichgewicht hält. Solche Dinge erfordern Grips, aber nicht unbedingt Sprache.
Die hohe Form der Abstraktion
Andererseits gibt es natürlich bestimmte Formen des Denkens, bestimmte kognitive Leistungen, die ganz klar an Sprache gebunden sind. Das betrifft alles Abstrakte, alles, was man eben nicht in Bildern denken kann, und damit natürlich auch einen großen Teil von wissenschaftlichem Denken.
Wir können also davon ausgehen, dass kleine Kinder auch ohne Sprache eine Art intuitive Physik haben: Sie wissen und lernen zu verstehen, dass ein Schnuller, den man loslässt, auf den Boden fällt. Dazu brauchen sie keine Sprache. Sprache ist aber nötig, um aus diesem oder ähnlichen Vorgängen eine Gravitationskraft oder etwas noch Komplizierteres wie einen Energieerhaltungssatz abzuleiten. Denn Wörter wie Kraft und Energie sind hochabstrakte Begriffe. Abstrakt heißt dabei: Wir stellen Analogien her. Und da hilft uns die Sprache ganz wesentlich, indem sie uns die Möglichkeit gibt, z.T. ganz unterschiedliche Phänomene wie heißes Wasser oder die Bewegung von Körpern mit den gleichen Begriffen zu beschreiben – in dem Fall "Energie" – und auf diese Weise Beziehungen zwischen Dingen herzustellen, die wir sonst nie in Verbindung bringen würden. Das ist die hohe Form der Abstraktion.
Bildliche Verneinung eines Sachverhalts ist nicht vorstellbar
Man kann aber auch viel einfacher bei der ganz elementaren Logik ansetzen. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich folgenden Satz vor Ihrem geistigen Auge vor: "Ich fahre heute nicht mit dem Auto zur Arbeit." Was sehen sie vor ihren Augen? Vermutlich sich selbst, wie Sie mit dem Auto zur Arbeit fahren. Wir können uns einen Sachverhalt bildlich vorstellen, aber wir können uns nicht die Verneinung eines Sachverhalts vorstellen. D.h. um so einen einfachen logischen Vorgang wie Negation "denken" zu können, scheinen wir die Sprache dann doch zu gebrauchen.
Warum haben wir das Gefühl, Influencer wirklich zu kennen?
Dec 19, 2024
Show notes
Gefühl von Nähe durch regelmäßige Medien-Kontakte und lockere Atmosphäre
In den 1950ern haben sich Menschen bereits eine ganz ähnliche Frage gestellt. Ihnen ging es dabei allerdings noch nicht um Influencer, wie wir sie heute kennen, sondern um Fernsehstars. Denn damals gab es immer mehr Menschen, die einen Fernseher hatten. In den Fernsehshows standen vor allem einzelne Personen im Mittelpunkt. Das waren zum Beispiel Moderatorinnen und Moderatoren in einer Talkshow. Oder auch fiktive Personen in Filmen. Und damals hat man schon festgestellt: Die Menschen vor dem Fernseher hatten das Gefühl, eine Beziehung mit den prominenten oder fiktiven Personen zu haben. Die Zuschauenden fühlten sich durch den regelmäßigen Kontakt und die vermittelte lockere Atmosphäre den Prominenten so nahe, als ob sie wirklich miteinander befreundet wären.
"Parasoziale Interaktion": Phänomen bereits seit den 1950ern bekannt
Diese Erkenntnis formulierten 1956 zwei Amerikaner – Donald Horton und R. Richard Wohl. Sie nannten den Effekt "parasoziale Interaktion". Diese Studie ist bis heute die Grundlage für das Erforschen solcher Beziehungen. Besonders spannend war die Erkenntnis auch deshalb, weil eigentlich angenommen wurde, dass Zuschauer sich sehr stark mit den Figuren aus dem Fernsehen identifizieren, sich also an ihre Stelle denken. Das ist aber weniger der Fall als angenommen. Sie verhalten sich eher so, als seien diese Figuren reale Freundinnen und Freunde.
Gefühlte Nähe, ausgelöst durch Bindungshormon Oxytocin, bleibt eine Illusion
Und so ist es auch heute mit Influencern. Auch zu denen bauen viele Menschen eine "parasoziale Beziehung" auf. Ein wichtiger Unterschied zu Beziehungen mit realen Freundinnen und Freunden ist, dass die Interaktion meist nicht wechselseitig ist. Die gefühlte Nähe ist eine Illusion. Doch die Hormone, die diese Gefühle auslösen, sind ganz real. Das sogenannte Bindungshormon Oxytocin wird bei persönlichen Kontakten zwischen Menschen freigesetzt und sorgt für ein Gefühl von Bindung und Vertrauen. Dieses Oxytocin wird auch bei parasozialen Beziehungen und Interaktionen freigesetzt.
Was die Fernsehstars früher machten, um das Gefühl von Intimität aufkommen zu lassen, machen auch die Influencer heute: Ihre Sprache, die lockere Haltung und ihre Spontanität wirken wie in einer privaten Unterhaltung.
Influencer und Fan: Social Media ermöglicht wechselseitige Beziehungen
Was sich jedoch seit den 1950ern geändert hat: Durch die sozialen Medien kann manchmal aus einer einseitigen Beziehung auch eine wechselseitige werden. In Kommentaren unter YouTube-Videos, TikToks oder Posts auf Instagram schreiben die Fans mit ihren Idolen. Aber häufig bleibt ein solcher Kommentar auch unbeantwortet. Dass Influencer häufig sehr private Einblicke in ihren Alltag geben – oder es zumindest vorgeben – spielt beim Aufbau von parasozialen Beziehungen auch eine wichtige Rolle. Allerdings sollte klar sein: Sobald wir Medien nutzen, interagieren wir parasozial mit den Influencern, Fernsehstars und fiktiven Figuren.
Beziehung ohne Verpflichtungen
Ob daraus eine parasoziale Beziehung entsteht, hängt auch von der Persönlichkeit derer ab, die die Medien nutzen. Man hat herausgefunden: Menschen, die eher introvertiert sind oder weniger reale soziale Kontakte haben, neigen eher zu parasozialen Beziehungen. Solche Beziehungen haben nämlich einen Vorteil: Es sind Beziehungen ohne Verpflichtungen. Man hat das Gefühl, "Freunde" zu haben, ohne dass es mit irgendeiner Verantwortung verbunden wäre. Gleichzeitig ist der Influencer ein scheinbar verlässlicher Beziehungspartner in einer Welt voller Veränderungen und vermittelt so ein Stück Stabilität. Darum ist eine parasoziale Beziehung für alle Menschen relevant, egal wie alt sie sind. Doch besonders interessant sind diese Beziehungen für Menschen, die Orientierung in einer unsicheren Phase suchen, also zum Beispiel für Jugendliche in der Pubertät.
Wie entsteht Schaum und warum verschwindet er wieder?
Dec 18, 2024
Show notes
Die zwei Seiten der Seife
Schaum ist zum Beispiel im Spül- oder Badewasser eine Ansammlung von Seifenblasen. Für eine Seifenblase brauchen wir Seife, oder auch Tenside, wie sie im Spülmittel enthalten sind.
Was ist das besondere an Tensiden? Wir wissen, dass es zwei verschiedene Arten von Flüssigkeiten gibt: solche, die sich gut mit Wasser vermischen – Alkohol zum Beispiel – und solche, die sich gar nicht mit Wasser vermischen – dazu gehört Fett und Speiseöl.
Die Seifen oder Tenside haben nun die Besonderheit, dass sie zwei Seiten haben: Eine "wasserliebende" Seite und eine eher "fettige" Seite, die sich vom Wasser abwendet.
Wenn man einen Tropfen Spülmittel ins Wasser gibt, dann breitet sich der sofort als ganz dünner Film über die Wasseroberfläche aus. Bei diesem Seifen-Film zeigt nun die wasserliebende Seite der einzelnen Moleküle nach unten zum Wasser, und die fettige Seite zeigt weg vom Wasser, also nach oben. Wenn wir diese Oberfläche aufmischen, entsteht der Schaum in Form vieler Seifenblasen.
Seifenblasenhaut besteht aus drei Schichten: Seife – Wasser – Seife
Das kann man sich veranschaulichen, wenn man an die Seifenblasen denkt, die Kinder erzeugen: Sie tauchen den "Blasring" ins Seifenwasser, sodass sich in dem Ring eine dünne Haut aus Seifenwasser bildet. Der Unterschied zur Oberfläche des Spülwassers ist, dass bei der Haut im Blasring der Seifenfilm das Wasser von beiden Seiten umgibt – wie bei einem Sandwich. Außen ist der Seifenfilm, innen das Wasser. Und wenn man reinpustet, entsteht die Seifenblase.
Die Haut einer Seifenblase besteht also aus drei Schichten: Innen und außen die Seife, also das Tensid, dazwischen das Wasser. Dass das eine fast perfekte Kugel wird, liegt daran, dass eine Kugel die sparsamste Form ist: Bei einer bestimmten Menge an eingeschlossener Luft benötigt eine Kugel die geringste Oberfläche.
Funktioniert auch ohne pusten: Bläschen in Schaumbad und Spülwasser
Wenn man Wasser einlässt, bringt man die Seifenwasseroberfläche in Unruhe. Dabei gelangt Luft unter die Wasseroberfläche. Diese Luft bleibt dort nicht lange, sondern steigt in Form von Blasen auf. Wenn diese Luftblasen die Wasseroberfläche durchdringen, machen sie das Gleiche, wie wenn man Seifenblasen pustet: Sie nehmen den Seifenwasserfilm an der Oberfläche mit und formen ihn zu einer Blase.
Der Schaum besteht nun allerdings nicht aus schönen Kugeln. Das liegt daran, dass beim Schaum die vielen Seifenblasen, die zunächst entstehen, sofort zusammenwachsen. Und dann geht die Natur wieder sparsam vor. Sparsam heißt, dass die vielen Seifenblasen versuchen, gemeinsame Grenzen zu bilden. Und so entstehen viele unregelmäßig geformte Blasen im Schaum.
Wenn die Blase platzt
Dass der Schaum wieder verschwindet, liegt daran, dass die Haut der Bläschen nun mal aus Seifenwasser besteht. Dieses Seifenwasser fließt langsam nach unten, sodass die Blasen zerfallen.
Beim Bierschaum sind Eiweiße im Spiel
Beim Bierschaum ist das physikalische Prinzip ähnlich, allerdings entsteht da der Schaum nicht nur durch Unruhe an der Bieroberfläche im Glas, sondern durch die aufsteigenden Luftbläschen. Bier enthält ja Kohlensäure. Diese Luftbläschen führen beim Aufsteigen eiweißhaltige Substanzen mit, die im Bier sind.
Das ist der zweite Unterschied: Die Haut der Bläschen im Bierschaum besteht nicht aus Seifenwasser, sondern aus einer eiweißhaltigen Substanz. Das ist bei Lebensmitteln fast immer so. Wenn wir Reis kochen oder Eier schlagen – fast immer, wenn es beim Kochen schäumt, sind Eiweiße im Spiel. Aber die Physik ist die Gleiche.
Grinsen wie ein Honigkuchenpferd – Woher kommt das?
Dec 17, 2024
Show notes
Honigkuchen, Pfefferkuchen, Lebkuchen
Man braucht nur auf einen der beliebten Weihnachtsmärkte zu gehen, um sie zu sehen. Freilich muss es einer mit traditionellem Angebot sein wie beispielsweise der Nürnberger Christkindlesmarkt. Hier gibt es noch Honigkuchen in Hülle und Fülle und in vielerlei Formen zu kaufen. Bekannter sind sie allerdings unter dem Namen Pfefferkuchen oder Lebkuchen. Immer geht es um ein Gebäck, das üblicherweise mit Honig sowie Gewürzen wie Zimt, Anis, Nelken, Piment und Kardamom verfeinert ist. Besonders zu Weihnachten diente es als Geschenk für Kinder und andere Naschkatzen.
Wirkt leider dümmlich: Dauergrinsen
Eine der beliebtesten Formen dafür war ein Pferd, nicht selten als Schaukelpferd dargestellt. Und den Kopf dieser leckeren Honigkuchenpferde ziert bis heute ein lustiges Dauergrinsen aus weißem Zuckerguss. So ein Grinsen lässt Menschen aber leider nicht fröhlich, sondern eben nur dümmlich oder gar frech aussehen.
Warum plätschert Wasser lauter als Öl?
Dec 16, 2024
Show notes
Öl und Wasser unterscheiden sich in ihrer Viskosität
Der Eindruck entsteht dadurch, dass Wasser in der Natur häufiger plätschert als Öl. Wasser ist laut in der Brandung, in Wasserfällen – da gibt es keine Entsprechung mit Öl. Wasser kann auch laut sein, wenn man duscht oder mit einem Schlauch irgendwohin spritzt – das macht man mit Öl in der Regel nicht. Insofern lässt sich die Frage zum Teil dadurch erklären, dass man selten in einer Situation ist, in der Öl Krach machen könnte.
Richtig ist aber auch: Wenn wir statt mit Wasser mit Salatöl duschen würden oder mit einem Schlauch Öl gegen eine Wand spritzen würden, gäbe das durchaus ein Geräusch, wäre aber sicher etwas leiser. Wenn man Öl aus einer Flasche in den Abguss schüttet (was man natürlich aus Umweltgründen nicht tun sollte), wäre das Geräusch deutlich leiser, als wenn man Wasser auskippt. Das wiederum hängt mit einer physikalischen Eigenschaft zusammen, in der sich Wasser und Öl wesentlich unterscheiden, nämlich der Viskosität.
Viskosität ist das, was man im Alltag als Zähflüssigkeit bezeichnet
Öl ist viskoser – also zähflüssiger – als Wasser, weil sich die einzelnen Ölteilchen im flüssigen Öl stärker aneinander reiben. Wasser besteht aus H2O, es ist ein relativ kleines Molekül. Öl besteht aus längeren Kohlenwasserstoffketten. Wenn die sich als Flüssigkeit bewegen, reiben sie sich stärker aneinander.
Diese Reibung bremst zum einen den "Fluss" der Flüssigkeit, deshalb fließt sie "zäh". Das bedeutet, dass sie Energie aus der Flüssigkeit nimmt. Während also ein fallender Tropfen Wasser beim Aufprallen so richtig kräftig platscht, verteilt sich beim Öl die Energie gewissermaßen in der Flüssigkeit – das bremst sofort die Bewegung und dadurch entsteht auch weniger Geräusch.
Wenn man die Viskosität in Zahlen ausdrückt, dann ist Olivenöl z.B. hundertmal viskoser als Wasser. Honig ist sogar 10.000 Mal viskoser. Aber das Beispiel Honig zeigt auch: Es kommt stark auf die Temperatur an. Wenn man Honig erhitzt, wird er immer flüssiger. Das gilt für eigentlich alle Flüssigkeiten, ob Honig, Öl oder Wasser. Je wärmer sie sind, desto geringer wird die Viskosität. Auch wenn wir es nicht merken: Selbst Wasser ist in der Nähe des Gefrierpunkts fast doppelt so zähflüssig wie bei Zimmertemperatur – nur ist Wasser eben generell so "fluide", dass wir diesen Unterschied im Alltag kaum wahrnehmen. Aber wenn man es genau misst, dann ist auch heißes Wasser, wenn man damit herumspritzt, lauter als kaltes.
"Früher war mehr Lametta!" – Woher kommt das?
Dec 16, 2024
Show notes
Mehr als ein Loriot-Zitat
Nach Wilhelm Busch ist es erst wieder Loriot gelungen, als Künstler mit geflügelten Worten in allen Schichten volkstümlich zu werden. "Nicht nur zur Weihnachtszeit" hat zwar durch Bölls Satire eine neue, drohende Bedeutung bekommen, doch ist die Redewendung deutlich weniger populär als "Früher war mehr Lametta!"
Opa Hoppenstedts Stoßseufzer
Das muss man aus den Zeitumständen heraus verstehen, denn so etwa ab 1960 setzte sich die Überzeugung durch, man solle es mal "ohne viel Lametta" versuchen. "Ohne viel Lametta" hatte als Redensart fürs Schlichte aber keine Chance gegen Opa Hoppenstedts Stoßseufzer, der bis heute deutschlandweit Heiterkeit auslöst. Ähnlich die Ankündigung "Dicki möchte ein Gedicht aufsagen." Oder das Gedicht selbst: "Zicke Zacke, Hühnerkacke." Oder: "Ach, Kinder, ist das gemütlich!" – und "Es hat Puff gemacht." gehören ebenfalls zum Vorrat adventlichen Frohsinns.
Billige Stanniolstreifen als Eiszapfenersatz
"Weihnachten bei den Hoppenstedts" ist selbst schon sprichwörtlich geworden, während Lametta seine unangefochtene Stellung am Weihnachtsbaum und im Volksmund nicht erfolgreich verteidigen konnte. Zu billig wirkten die Stanniolstreifen am Baum als Ersatz für Eiszapfen aus Glas.
Ordensträger – mit Lametta behängt
Freilich hält sich weiterhin in der Soldatensprache die Bezeichnung "Lametta" und "viel Lametta" für den Behang von Ordensträgern. Auch die Dekoration selbst, die Litzen, Orden, Schützenschnüre, heißt so. Mitte der 1930er-Jahre wurde bereits die Parodie eines durch Claire Waldoff interpretierten Liedes beliebt, die Hermann Görings Ordensprunksucht durch den Kakao zog:
Rechts Lametta, links Lametta, Und der Bauch wird imma fetta, Und in Preußen ist er Meester – Hermann heeßt er!
Quelle: Lied von Claire Waldoff
Weil es sich um Dekoration handelte, die man oft als billig, protzig, altmodisch und damit verzichtbar empfand, ergab sich die abfällige Redewendung "das ganze Lametta" für überflüssigen Kram jeder Art.
Ist jede Schneeflocke einzigartig?
Dec 15, 2024
Show notes
Im letzten Stück wird die Schneeflocke als guter Freund dargestellt, der zu Besuch kommt und den man gern hat. Es klingt fast, als wäre die Schneeflocke ein Individuum. Tatsächlich soll sogar jede Schneeflocke einzigartig sein und keine wie die andere. Aber stimmt das wirklich? Wie unterschiedlich sind Schneeflocken? Um das herauszufinden, lohnt es sich zu verstehen, wie Schneeflocken überhaupt entstehen.
Der erste Eiskristall
In den meisten Fällen bilden sich Schneeflocken mithilfe von Staubpartikeln in der Luft. Wasser unter null Grad gefriert nämlich nicht automatisch. Es braucht einen sogenannten Kristallisationskeim, um den es fest werden kann. Der ist häufig ein Staubpartikel. Wenn unterkühlte Tröpfchen in den Wolken auf solche Staubpartikel treffen, gefrieren sie an ihnen und es entstehen Eiskristalle. Ein Eiskristall, der für den Menschen sichtbar ist, besteht bereits aus einer Trilliarde Wassermolekülen, einer unvorstellbar großen Anzahl.
Die Schneeflocke formt sich
Am ersten Eiskristall gefrieren dann weitere Wassertröpfchen. Die Eiskristalle bilden so kleine Formen – zum Beispiel Plättchen, Nadeln oder Sterne. Dabei gibt es sehr viele verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Moleküle zusammenfinden können. Es ist deshalb fast unmöglich, dass es zwei identische Schneeflocken gibt.
Irgendwann sind die Schneeflocken so groß und schwer, dass sie zur Erde fallen. Sie können dabei bis zu drei Stunden unterwegs sein. Auf ihrer Reise wird ihre Form noch weiter verändert, denn die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur beeinflussen die Gestalt der Schneeflocke.
Nicht identisch, aber ähnlich
Trotzdem sehen sich viele Schneeflocken sehr ähnlich, wenn sie bei uns ankommen. Fast alle besitzen beispielsweise eine sechseckige Grundstruktur. Das hängt mit dem Aufbau der Wassermoleküle zusammen. Die einzelnen Atome im Wassermolekül sind nämlich unterschiedlich geladen und ordnen sich daher in einem speziellen Winkel an. Einige Forscher haben sogar schon versucht, die verschiedenen Formen von Schneeflocken zu kategorisieren.
Doch trotz aller Ähnlichkeit gilt: Jede Schneeflocke ist einzigartig. Und je genauer man hinschaut, desto mehr Besonderheiten kann man sehen.