Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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"Passt wie die Faust aufs Auge" – Woher kommt das und ist es positiv oder negativ gemeint?
Dec 06, 2024
Show notes
Früher als nicht passend empfunden
Diese Redewendung ist schon sehr alt; sie ist spätestens im 15. Jahrhundert gebräuchlich. Damals sagte man es noch ein bisschen anders: "Das reimt sich wie Faust und Auge". Und Faust und Auge – das reimt sich weder wie "Haus, Maus, aus" noch passt es zusammen. Reimen heißt durchaus auch zusammenpassen.Damals war die Sache also eindeutig: Es passt nicht. Die harte Faust, das zarte Auge.
Ironische Verwendung seit dem 17. Jahrhundert
Damit hat man dann aber gespielt und die Redensart ironisch verwendet, zum Beispiel bei Abraham a Sancta Clara, also im 17. Jahrhundert. Wenn man also den richtigen ironischen Ton verwendet, dann kann man auch das Gegenteil damit meinen.
Passt: heute fast immer positiv interpretiert
Wenn ich heute z.B. in Schulen unterwegs bin, um Kindern etwas über Redensarten und Sprichwörter zu erzählen, dann haben die fast nur noch die positive Bedeutung im Sinn. Und als ich einmal mit der Boxsportlerin Regina Halmich beim Mittagsbuffet saß, da sagte die: "Das ist doch auf jeden Fall gut, wenn ich jemandem mit der Faust aufs Auge haue. Das ist ein wirkungsvoller Schlag."
Wachsen Haare schneller, wenn man sie rasiert?
Dec 06, 2024
Show notes
Das hört man immer wieder, ist aber erwiesenermaßen falsch. Die Haare wachsen an der Haarwurzel, also im Körper, unterhalb der Hautoberfläche. Und was ich mit meinem Haar außerhalb des Körpers mache, interessiert die Haarwurzel nicht; sie bekommt davon auch nichts mit.
Haare – tote Materie ohne Informationsfluss
Haare sind tote Materie. Daher fließt auch keine Information von der Haarspitze zurück in die Haarwurzel. Anders ist das etwa bei einem Grashalm: Ein Grashalm ist lebendes Material. Wenn ich ihn abschneide, wächst er zwar nicht unbedingt schneller, bildet aber unterirdisch mehr Seitentriebe; ein gemähter Rasen wächst dadurch dichter. Bei den Haaren ist das nicht so. Die verzweigen sich bekanntlich auch nicht, sie spalten sich höchstens mal auf, wenn sie allzu lang und brüchig werden.
Nach der Rasur sind nachwachsende Haare oft dicker
Warum sich das Gerücht von den nach der Rasur schneller wachsenden Haaren trotzdem so hartnäckig hält, hat vielleicht folgenden Hintergrund: Wenn Haare nach dem Rasieren nachwachsen, fühlen es sich oft rau an und die nachwachsenden Haare sind oft dicker und sehen dunkler aus als vorher, vor allem nach einer Erstrasur. Das hat aber folgenden Hintergrund: Wenn sich ein junger Mann zum ersten Mal rasiert, sind die jungen Barthaare an der Spitze noch relativ dünn und weich. Wenn er dieses Haar aber an einer relativ dicken Stelle abschneidet, sieht das nachwachsende Haar kräftiger aus als vorher . Das heißt aber nicht, dass es schneller wächst.
Wie misst man die Höhe von Bergen?
Dec 05, 2024
Show notes
Satelliten und GPS kommen bei der Vermessung zum Einsatz
Heute kann man das mit Satelliten und GPS ziemlich genau messen, aber diese Höhenmessungen per Satellit gibt es erst seit den 1990er-Jahren.
Gute Ergebnisse früher durch Luftdruckmessung und Winkelberechnung
Schon früher waren aber die Höhen der Berge bereits recht genau auf den Karten verzeichnet. Dabei kamen drei Methoden vor allem zum Einsatz:
Die erste ist die Luftdruckmessung. Es ist bekannt, dass der Luftdruck mit der Höhe abnimmt. Wenn man den Luftdruck sehr genau misst, kann man damit oft auf ein bis zwei Meter genau die Höhe bestimmen.
Die zweite Methode ist die Landvermessung. Die ist richtig aufwendig und wird nur alle paar Jahrzehnte gemacht. Dabei nimmt man einen Ausgangsnullpunkt an der Meeresküste. Von dort wird ein engmaschiges Netz von Nivellementpunkten gelegt. Die Nivelliergeräte, die man dazu braucht, hat jeder schon mal gesehen; die werden auch bei Straßenbauarbeiten verwendet. Das sind diese Zielfernrohre, die auf einem Stativ montiert sind. Diese Fernrohre sind immer horizontal gerichtet. Ein Arbeiter stellt sich an eine Stelle und richtet das Fernrohr zu seinem Kollegen, der 50 Meter weiter steht und eine Messlatte neben sich hat. So können die beiden den Höhenunterschied zwischen diesen beiden Punkten feststellen. Auf diese Weise kann man sich in mühsamer Kleinarbeit ein Messnetz legen – von der Küste bis ins Landesinnere.
Bei steilen Bergen kommt eine weitere Technik zum Einsatz: Man kann Höhen durch Winkelberechnungen bestimmen. Dabei peilt man die Spitze an, liest den Winkel ab und kann dann mit Sinus, Cosinus und so weiter die Höhe des angepeilten Berges ausrechnen.
Bei sehr hohen Bergen helfen Geokoordinaten und Luftaufnahmen
Allerdings funktioniert das nur, wenn man die horizontale Entfernung zwischen den Punkten kennt. Wenn man sich in frühere Zeiten zurückversetzt, ist das bei sehr hohen Bergen eine Herausforderung: Es geht entweder, wenn man die genauen Geokoordinaten kennt oder Luftaufnahmen zur Verfügung hat; die konnte man früher ja auch schon mit Flugzeugen machen.
Bevor es Flugzeuge gab, war das allerdings schwierig, deshalb hat man da diese Peilmessungen immer von verschiedenen Punkten aus rund um den Berg durchgeführt. So hatte man mehr Daten, aus denen sich die Berghöhe ableiten ließ. Auf diese Weise hat man schon 1856 die Höhe des Mount Everests auf knapp 10 Meter genau gemessen – obwohl damals noch niemand auf dem Berg stand.
Schweizer und Franzosen definieren die Meereshöhe anders als die Deutschen
Unser NN – unser Normalnull – in Deutschland ist traditionell der Meeresspiegel in Amsterdam, genauer: das mittlere Hochwasser. Die Schweizer und Franzosen orientieren sich aber am Meeresspiegel in Marseille. Der Unterschied beträgt dabei nur 27 cm. Das kann aber zu Pannen führen wie vor einigen Jahren am Hochrhein in Laufenburg, wo vom Schweizer Rheinufer aufs badische Rheinufer eine Brücke gebaut wurde. Die Ingenieure haben diesen Unterschied von 27 cm beim Bau der Brücke zwar berücksichtigt; dummerweise haben sie dabei aber die Vorzeichen vertauscht. So hatten sie plötzlich einen halben Meter Unterschied zwischen der Brückenführung auf der badischen und der Schweizer Seite. Das wäre ein bisschen blöd gewesen, deshalb mussten sie auf beiden Seiten nachträglich Korrekturen anbringen.
Wie ändern Chamäleons ihre Farbe?
Dec 05, 2024
Show notes
Man könnte fast sagen: Sie machen das wie ein klassischer Farbfernseher. Da entsteht die Farbe im Bild durch die Farbmischung: Auf einem Fernsehbildschirm gibt es rote, grüne und blaue Bildpunkte, die je nach Bedarf zu einer Farbe gemischt werden.
Haut besteht aus verschiedenen Zelltypen
Die Haut des Chamäleons besteht aus verschiedenen Zelltypen mit jeweils unterschiedlichen Farbstoffen. Es gibt Hautzellen mit rötlich-gelben Pigmenten, Carotin beispielsweise. Dann gibt es einen zweiten Zelltyp, der enthält dunkle, braune Farbstoffe, sogenannte Melanine. Beim dritten Zelltyp ist es etwas anders. Der enthält nicht direkt einen Farbstoff, aber dafür bestimmte Kristalle, die das Licht nach Bedarf unterschiedlich stark brechen oder reflektieren können. Dadurch kann das Chamäleon einen bläulichen Farbton erzeugen.
Das ist so ähnlich wie beim Himmel und dem Meer, die blau erscheinen, obwohl kein blauer Farbstoff drin ist; dieser Effekt entsteht rein durch Lichtbrechung. Auch das Chamäleon hat Zellen, die das Licht so brechen können, dass ein bläulicher Eindruck entsteht. Und das, zusammen mit den rötlichen und den bräunlichen Pigmenten, gibt ihm ein breites Spektrum an Farben. Es sind nicht alle Farben möglich, rosa zum Beispiel ist etwas schwierig, aber das Spektrum ist doch recht groß.
Verteilung des Farbstoffs innerhalb der Zellen ändert sich beim Farbwechsel
Das An- und Abschalten der Farben funktioniert auf sehr raffiniert Weise: Die Menge des jeweiligen Farbstoffs in den Zellen verändert sich gar nicht. Was sich verändert, ist, wie sich der Farbstoff in der Zelle verteilt. Das heißt, wenn das Chamäleon eine rot-gelbe Farbe annehmen soll, dann breiten sich diese entsprechenden Farbstoffe in ihren Zellen schön aus. Wenn dieser Rot-Gelb-Ton abgeschaltet werden soll, dann gibt es ein Nervensignal, das diese Hautzellen ansteuert. Dieser Nervenimpuls sorgt dann dafür, dass der Farbstoff in der Zelle nicht verschwindet, aber sich zusammenzieht, zusammenballt, also nur noch einen kleinen Punkt in der Zelle ausmacht und nach außen keine Wirkung mehr hat.
Signal zum Farbwechsel kommt über Nervenimpulse
Aber wissen nun die Hautzellen, welche Farbe gefrade gefragt ist? Die Hautzellen bekommen die Signale über Nervenimpulse. Der Vorteil ist, dass das sehr schnell geht, wie ein Reflex. Das heißt, in Bruchteilen von Sekunden können sie die Farbe ändern.
Nicht Tarnung, sondern Kommunikation steht im Vordergrund
Anders als man immer glaubt, dient die Färbung nicht in erster Linie der Tarnung. Die wichtigste Funktion der Färbung ist eigentlich die Kommunikation mit anderen Tieren. Das kann man beobachten, wenn man fragt, wann sich die Farbe von Chamäleons am schnellsten ändert. Das tun sie nicht, wenn die Umgebung wechselt, sondern wenn sie einem Artgenossen begegnen; dann geht das ruck, zuck!
Sie benutzen die Farbe auch zur Temperaturregelung. Also wenn es ihnen etwas zu kalt ist und sie es etwas wärmer brauchen, wird die Haut dunkler, sodass sie mehr Sonnenwärme absorbiert.
Wie wird Intelligenz gemessen?
Dec 05, 2024
Show notes
Material für Intelligenztest muss grundsätzlich bekannt sein
Intelligenztests sind nach einem bestimmen Schema aufgebaut. Sie enthalten Material, das jeder kennt, beziehungsweise darf man nur Intelligenztests bei Menschen vorgeben, die das Material kennen: Zahlen, Buchstaben, Wörter. Dann aber muss man dieses Material auf neue Art und Weise kombinieren, zum Beispiel Zahlenreihenfolgen feststellen: In der Schule hat man natürlich mit Zahlen gerechnet – subtrahiert, addiert, multipliziert, dividiert. Im Test gilt es, Zahlenreihen fortzusetzen, zum Beispiel 2, 3, 5, 9 und so weiter. Man muss also schauen, was als nächstes kommt oder welche Gemeinsamkeiten zwischen Begriffen bestehen, die man bisher nicht gesehen hat.
Daraus wird der Intelligenzquotient abgeleitet?
Ja. Wichtig dabei ist, dass der Intelligenzquotient kein absoluter Wert ist. Ich kann nicht sagen, dass jemand 0 Intelligenz hat, sondern das ist immer im Vergleich zu einer Gruppe zu sehen, die vorher definiert wurde.
Die mittlere Anzahl der Aufgaben, die in einer Gruppe gelöst wird, setzt man gleich mit dem Intelligenzquotienten 100. Wer mehr Aufgaben gelöst hat als der Durchschnitt, der ist eben etwas überdurchschnittlich intelligent. Und wer sehr viel mehr als der Durchschnitt gelöst hat, ist hochbegabt.
Intelligenz ist ein relativer Wert
Wenn es also nur einen einzigen Menschen auf der Welt gäbe, dann könnte man sein Gewicht und seine Größe feststellen, indem man ihn mit anderen Gegenständen vergleicht. Intelligenz kann man aber nur messen, wenn man Menschen mit anderen Menschen vergleicht. Sie ist also ein relativer Wert.
Wer hat die Schule erfunden?
Dec 04, 2024
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Weit gefasster "Schul"-Begriff: Faustkeil herstellen, Mammut jagen, Acker bestellen
Es hat vermutlich niemand die Schule in dem Sinn erfunden, wie man Glühbirnen erfindet oder Blitzableiter. Sondern das hat sich allmählich entwickelt. Denn letztlich von dem Moment an, in dem es so etwas wie Kultur gab – wo also Menschen nicht nur ihre angeborenen Fähigkeiten benutzten, sondern wo man auch bestimmte Errungenschaften, Fähigkeiten, Techniken von einer Generation an die nächste weitergab – muss es ja jemanden gegeben haben, der dieses Wissen weitergegeben und den Kindern gezeigt hat, wie man einen Faustkeil herstellt, wie man ein Mammut jagt oder, später, wie man einen Acker bestellt. Das waren vielleicht die Eltern oder aber bestimmte Spezialisten in der Gemeinschaft, die etwas besonders gut konnten. Die Frage ist, ob man das schon als "Schule" bezeichnet.
Erste Schulen bei den Sumerern
Wenn man von Schule im engeren Sinn spricht, also einer Einrichtung, in der Kinder a) gemeinsam und b) regelmäßig unterrichtet werden, wo sie also zu bestimmten Zeiten hingehen, selbst da weiß man weiß nur: Es gab solche Schulen bereits bei den Sumerern. Das heißt im 3. bis 4. Jahrtausend vor Christus. Das weiß man aus alten Texten. Dummerweise hatten aber die Sumerer die Schrift damals gerade erst erfunden.
Es ist also kein Wunder, dass in früheren Texten keine Schulen erwähnt sind, einfach weil es vorher gar keine Texte gab. Aber man kann immerhin sagen: In dem Moment, in dem die Schrift erfunden war, gab es bereits Schulen. Die ältesten Zeugnisse stammen hier aus der Fundstätte bei Mari, das liegt am Euphrat, an der syrisch-irakischen Grenze. Da hat man Ziegelkonstruktionen gefunden, die aussehen, als könnten es Schulbänke gewesen sein. Und aus späterer Zeit datieren dort auch Schrifttafeln, die sich jedenfalls so lesen, als seien es Schultexte. Aber das ist natürlich immer Deutungssache – klar ist nur: Schulen gibt es schon sehr lange.
Schulpflicht ab 1717 in Preußen
Die Schulpflicht kam erst sehr viel später. Das entscheidende Datum ist das Jahr 1717. Da hat Friedrich Wilhelm I. die allgemeine Schulpflicht in Preußen eingeführt. Hier ein Zitat, leicht gekürzt, aus dem Generaledikt des preußischen Königs:
"Wir vernehmen missfällig und wird verschiedentlich von den Inspectoren und Predigern bei uns geklaget, daß die Eltern absonderlich auf dem Lande, in Schickung ihrer Kinder zur Schule sich sehr säumig erzeigen, und dadurch die arme Jugend in große Unwissenheit, sowohl was das Lesen, Schreiben und Rechnen betrifft, als auch in denen zu ihrem Heil und Seligkeit dienenden höchstnötigen Stücken aufwachsen lassen. Weshalb wir um diesem höchst verderblichen Übel auf einmal abzuhelfen in Gnaden resolviret dieses Unser General-Edict ergehen zu lassen und darum allergnädigst und ernstlich zu verordnen, daß hinkünfftig an denen Orten, wo Schulen sein, die Eltern bei nachdrücklicher Straffe gehalten sein sollen, Ihre Kinder gegen zwei Dreier wochentliches Schul-Geld von einem jeden Kinde, im Winter täglich und im Sommer, wann die Eltern die Kinder bei ihrer Wirtschaft benötigt sein, zum wenigsten ein oder zweimal die Woche, ... in die Schul zu schicken. Falls aber die Eltern das Vermögen nicht hätten: So wollen Wir, daß solche zwei Dreier aus jedes Orts Allmosen bezahlet werden sollen."
Quelle: Friedrich Wilhelm I.
Das galt zunächst nur in Preußen, aber diese Einführung einer Schulpflicht war Vorbild für die anderen deutschen Landesteile, die später nachzogen. Und auch für das Ausland.
"Sich nicht ganz grün sein" und "dasselbe in Grün" – warum grün?
Dec 04, 2024
Show notes
Grün steht für Positives
Die Farbe Grün ist eine wunderbare Farbe, die ich über den grünen Klee loben könnte. Oder ich könnte sagen: "Ach du grüne Neune" oder "auf keinen grünen Zweig kommen".
Das Grün steht eher für etwas Positives. Für das Grünen im Frühjahr etwa, wenn die Natur wieder ausschlägt. Das ist alles sehr positiv.
Jemandem grün sein kommt auch von dieser positiven Bedeutung der Farbe. Wenn ich jemandem grün bin, dann bin ich ihm gegenüber sozusagen wachstumsorientiert, es ist in einen positiven Bereich hineingehend. "Komm an meine grüne Seite" sagt man ja auch. Das kommt wirklich aus dieser landwirtschaftlich geprägten Zeit, in der das Grünen eine unglaublich starke Wirkung hatte, gerade auch im Vergleich zu heutigen Zeiten, wo uns das nicht mehr so wichtig ist.
Aber wenn man bedenkt, dass gerade im Mittelalter und etwas später Zwischeneiszeiten existierten – da war das Grünen ein ganz wunderbarer Vorgang und deswegen fast durchweg positiv besetzt.
Dasselbe in Grün ist Jacke wie Hose: ununterscheidbar
Das Gleiche in Grün oder dasselbe in Grün hat einen anderen Hintergrund; hier geht es um Kleidung. Wenn man den Rock und die zugehörige Hose oder die Weste und den Rock aus dem gleichen Stoff hatte, sagte man: Das ist das Gleiche in Grün. Warum nun gerade Grün? Das war einfach eine der beliebten Farben und man sagte dazu, das ist Jacke wie Hose, also eigentlich das Gleiche, es ist ununterscheidbar.
Teile und herrsche – divide et impera: Woher kommt der Gedanke?
Dec 03, 2024
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Auf der einen Seite steht eine bedingungslose Unterwerfung nach dem Motto: "Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein." Wenn man ein römischer Freund war, musste man mit den Römern auch durch dick und dünn gehen. Wenn man dagegen kein römischer Freund war, war das ziemlich ungemütlich.
Römisches Reich: Aufgaben mussten delegiert werden
Nachdem die Römer ihre Herrschaft aber wirklich etabliert hatten, bliebt ihnen nichts andere übrig, als sehr vieles abzugeben und Aufgaben zu delegieren. Denn Sie müssen bedenken, dass das Römische Reich riesengroß war. Es reichte von Schottland bis in die arabische Wüste, nach Nordafrika usw. Dieses große Gebiet war mit vormodernen Mitteln nicht so einfach zu beherrschen. Darum mussten die Untertanen das Reich unterstützen.
So haben die Römer quasi das Prinzip der Subsidiarität erfunden. Das heißt, sehr viele Dinge wurden an der Basis erledigt, und zwar von sich weitestgehend selbst organisierenden Gemeinden und Städten, von denen es heute ja noch sehr viele gibt. Und die Zentrale, der Kaiser oder die Statthalter, griffen eigentlich nur ein, wenn es Probleme gab.
Hat sich diese Subsidiarität bis in das moderne Europa erhalten?
Ja, durchaus. Man spricht ja in der EU vom Subsidiaritätsprinzip. Ich glaube, da könnte man von den Römern noch einiges lernen.
Woher kommt "Klappe zu, Affe tot"?
Dec 03, 2024
Show notes
Herkunft nicht eindeutig zu klären
Die Redewendung ist tatsächlich etwas seltsam. Man hat viel darüber nachgedacht und es gab sogar ein Lied, das nach dem Mauerbau in der DDR in Auftrag gegeben wurde mit genau diesem Text: Klappe zu, Affe tot – als hätte man den Weltfrieden mit dem Mauerbau gerettet.
Es gibt aber die Überlegung, dass es vielleicht mit dem Affen gar nichts zu tun hat. Auch in anderen Redewendungen kommt der "Affe" vor. Es geht aber um das niederdeutsche "Apel", was so viel wie "offen" bedeutet. Man könnte daher denken, dass es vielleicht so viel heißt wie "ganz zu".
Also: Klappe zu und "apel tot" im Sinne von: Das Offene ist auch nicht mehr offen. Das wäre eine doppelt verschlossene Sache, eine, die wirklich ganz abgeschlossen ist.
Wurzeln möglicherweise im Niederdeutschen
Ich muss aber zugeben, dass es sich um eine Redewendung handelt, über die die Gelehrten streiten. Das ist gar nicht so selten. Wenn man sich überlegt, dass auch diese Redewendung relativ alt ist, dann kann das irgendwann einmal jemand aufgebracht haben, der natürlich genau wusste, warum, und sein Umfeld wusste das auch. Aber die haben das nicht immer aufgeschrieben. Es kann also mit dem Niederdeutschen zu tun haben, aber es ist nicht so ganz klar zu entscheiden, ob es wirklich das Niederdeutsche ist oder nicht.
Wie kann man den Augen etwas Gutes tun?
Dec 01, 2024
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Auge bleibt bis ins junge Erwachsenenalter anpassungsfähig
Plastizität, also sich anpassen – das macht das Auge bis zum jungen Erwachsenenalter, also 23 bis 25 Jahre, sehr gut. Früher hat man gedacht, das sei mit zwölf Jahren vorbei. Aber unsere Studie hat ergeben, dass es auch etwas ausmacht, ob man zum Beispiel studiert – oder einen Beruf hat, bei dem man nur wenig liest.
Es gab immer wieder Hinweise, dass es möglich sein könnte, die Sehschärfe durch spezielle Augenübungen zu verbessern. Es zeigte sich aber, dass man nur gelernt hatte, mit einem bestimmten Test umzugehen. Irgendwann kennt man die Reihen auswendig – dann geht’s auch ohne Brille besser.
Wer eine Brille für die Ferne braucht, hat die Erfahrung sicher schon mal gemacht: Wenn man im Schwimmbad einen Tag lang die Brille nicht trägt, hat man das Gefühl, dass man sie eigentlich gar nicht so sehr braucht. Wenn man aber nachmisst, ist die Sehschärfe nicht besser geworden.
Frische Luft und Augenübungen tun gut
Das heißt aber nicht, dass wir nichts für unsere Augen tun sollen. Den Augen tut es gut, wenn man viel draußen ist. Draußen ist die Luft viel feuchter als drinnen; das verträgt man besser. Wenn man am Bildschirm sitzt, sollte man immer wieder Pausen und Augenübungen machen: mal nach links, rechts, hoch und runter schauen, mal bewusst zwinkern. Das tut den Augen gut. Die Sehschärfe kann man dadurch allerdings nicht über das Maximum hinausbringen, was man bereits hat.