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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Fest, flüssig, gasförmig – Gibt es weitere Aggregatzustände? Dec 01, 2024
    Show notes

    Es gibt schon noch mehr, aber das sind diejenigen, die unter Alltagsbedingungen auftreten, in denen wir es mit "normalen", also intakten Atomen beziehungsweise Molekülen zu tun haben. Was diese drei Zustände unterscheidet, ist die Art, wie die Moleküle zusammenhängen.

    • Im gasförmigen Zustand sind die einzelnen Moleküle nicht miteinander verbunden; jedes Molekül fliegt in seinem eigenen Tempo durch die Gegend, unabhängig davon, was die anderen machen.
    • In Flüssigkeiten sind die Moleküle zwar miteinander verbunden, können sich aber gegeneinander verschieben. Das heißt, sie wechseln sozusagen ständig ihre Nachbarn. Sie bleiben zwar nicht an einem Ort, aber sie entfernen sich auch nicht aus dem Verbund.
    • Bei Festkörpern dagegen sind die Moleküle ortsfest und oft in einer Art Gerüst angeordnet. Die Moleküle wackeln zwar ein bisschen – das ist die Brownsche Molekularbewegung – aber sie bewegen sich nicht davon, sondern bilden ein relativ starres Gitter. Dadurch ist die Materie fest und zerfließt nicht.

    Weitere Aggregatzustände: Plasma und Neutronensterne

    Diese drei Aggregatzustände sind uns vertraut, weil normale Moleküle auch keine anderen Alternativen haben: Entweder sie sind miteinander verbunden oder nicht. Oder eben ein bisschen. Immer vorausgesetzt, wir haben es mit normalen intakten Molekülen und Atomen zu tun. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, können auch andere Materieformen auftreten bzw. man kann sie technisch erzeugen – zum Beispiel: Plasma. Ein Plasma ähnelt einem normalen Gas. Mit dem Unterschied, dass die Atome und Moleküle zerfallen sind in geladene Teilchen. Auch die Elektronen sind nicht mehr im Atomverbund, sondern fliegen eigenständig umher. Ein solches Plasma hat deshalb besondere Eigenschaften – es kann beispielsweise Strom leiten oder Licht emittieren – deshalb betrachten es viele auch als einen eigenen Aggregatzustand. Solche Plasmen kann man unter irdischen Bedingungen noch relativ leicht erzeugen – sonst gäbe es ja keine Plasmabildschirme. Neutronensterne sind ein Beispiel für einen Materiezustand, der nur unter Extrembedingungen im Weltraum vorkommt. Neutronen kennen wir normalerweise als Teil von Atomen. Sie bilden zusammen mit den Protonen den Atomkern, während die Atomhülle aus Elektronen besteht. Die Materie in einem Neutronenstern besteht dagegen nicht aus Atomen, sondern aus lauter Neutronen. Wie kann das sein? Neutronensterne entstehen, wenn ein relativ schwerer Stern in sich zusammenfällt. Der Druck kann dann so groß werden, dass auch die Atome kollabieren. Dabei werden auch die Elektronen mit den Protonen zu Neutronen zusammengepresst, sodass von den Atomen nur die Neutronen übrig bleiben. Dass das eine besondere Materieform ist, merkt man schon am Gewicht: Ein Kubikzentimeter eines Neutronensterns wiegt nämlich 100 Millionen Tonnen! Plasma und Neutronensterne sind somit zwei Beispiele für Materieformen jenseits der klassischen Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig.

    Schmeckt frisch gezapftes Bier besser als Flaschenbier? Nov 30, 2024
    Show notes

    Worauf es wirklich ankommt: Flasche oder Fass

    Was besser schmeckt, ist natürlich Geschmackssache, aber es gibt in der Tat einen kleinen Unterschied. Und auch wenn der Ausdruck "frisch gezapft" lecker klingt, der Vorgang des Zapfens spielt gar keine Rolle. Entscheidender ist, wo sich das Bier vorher befindet – in einer Flasche oder einem Fass. Der Unterschied besteht darin, dass Fassbier ein bisschen mehr Kohlensäure enthält – etwa 5 Prozent. Es bilden sich also mehr Bläschen; dadurch wirkt es im Mund frischer, es bizzelt mehr. Oder, wie der Fachmensch sagt: Es hat eine höhere "Rezenz".

    Bierfass hält mehr Druck aus

    Fassbier enthält mehr Kohlensäure, weil das Fass den entsprechenden Druck aushält, während in der Flasche ein zu starker Gasdruck Probleme beim Verschluss hervorrufen kann. Die Gefahr ist dann größer, dass die Flüssigkeit bzw. der Schaum den Kronkorken heraussprengt – vor allem wenn das Bier geschüttelt wird. Deshalb setzt man dem Flaschenbier etwas weniger Kohlendioxid zu als dem Fassbier.

    Wenn das Fassbier schal schmeckt

    Dennoch kann es vorkommen, dass Fassbier gar nicht so sehr bizzelt, sondern im Gegenteil sogar etwas lascher wirkt. Das kann zwei Gründe haben:
    1. Es könnte an der Schankanlage liegen: Je mehr sich ein Fass leert, desto mehr Luft enthält es im Verhältnis zum Bier. In diese Luft können dann bereits im Fass immer mehr Gasbläschen entweichen – jedenfalls dann, wenn nicht gleichzeitig ein entsprechender Druck im Fass aufrecht erhalten wird. Eine gute Schankanlage sorgt für den nötigen Druck. Aber die Fässer, die man als Privatmensch beim Getränkehändler kaufen kann – da ist kein Druck dahinter. Deshalb kann es passieren, dass das Bier umso schaler schmeckt, je leerer das Fass bereits ist. Das ist eine Erklärung dafür, dass auch Fassbier mitunter wenig „rezent“ schmeckt.
    2. Ein anderer Grund könnte sein, dass es eben nicht ganz frisch gezapft ist, sondern dass z.B. auf einem Fest die Leute an der Bar das Bier auf Vorrat gezapft haben und es schon eine Weile herumstand, wenn man es bestellt.

    Woher stammt der Begriff Gotik? Nov 30, 2024
    Show notes

    Barbarischer Baustil, da ohne Bezug zur Antike

    Er stammt von dem Wort "Goten"; eine germanische Bezeichnung für die Leute, die von Gotland kamen. Die Gotiker selber haben sich nicht als gotisch bezeichnet; das war eher ein Schimpfwort, denn der Geschmack war ab der Renaissance wieder ganz auf die Antike ausgerichtet. Da empfand man diese Baukunst – der einzige Stil in Europa, der sich nicht von der Antike herleiten lässt – als barbarisch. Das Wort "barbarisch" steckt auch in "gotisch", während "romanisch", "römisch" sich auf die Antike bezieht. Gotisch ist der barbarische Baustil in der nachgotischen Zeit gewesen und eigentlich ein Schimpfwort, aber die allgemeine Bezeichnung für den Stil.

    Keine Eigenbezeichnung für den gotischen Stil

    Für die Gotiker war das einfach ihr Stil; es gab keine Stilbezeichnung. Später, noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, hielt man den gotischen Stil für den adäquaten Kirchenstil. Es gibt noch im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Kirchenfenster. Und ein Kirchenfenster war ein gotisches Maßwerkfenster. Eine Eigenbezeichnung für den eigenen Stil gab es also nicht.

    Sich grün und blau ärgern – woher kommt das? Nov 29, 2024
    Show notes

    So sehr ärgern, als sei man geschlagen worden

    Das ist eine Übertagung, da es hier eigentlich um eine Drohung geht: "Ich werde dich grün und blau schlagen". Das hieß natürlich, jemanden so zu hauen, dass er Hämatome, also Blutergüsse davonträgt, die sich im Laufe der Zeit dann auch noch verfärben. Das ist sehr unschön. Wenn sich jemand nun grün und blau ärgert, dann hat er das auf diese Ärgersituation übertragen. Er ärgert sich so sehr, als hätte ihn jemand grün und blau geschlagen.

    Wie misst man die Entfernung von Sternen? Nov 29, 2024
    Show notes

    Geometrische Parallaxe

    Es gibt viele Methoden, die aufeinander aufbauen. Die erste ist die sogenannte geometrische Parallaxe. Das ist das, was Sie mit beiden Augen machen, wenn Sie z.B. die Entfernung von einem Tisch, der etwa 5 Meter vor Ihnen steht, abschätzen. Sie können das deshalb so genau machen, weil Ihre Augen zwei unterschiedliche Bilder in Ihr Hirn senden. Die Augen haben einen Abstand von 6 oder 7 Zentimetern. Und wenn wir mal das linke oder rechte Auge zukneifen, sehen wir, wie die Bilder hin- und herspringen. Unser Hirn verarbeitet diese beiden unterschiedlichen Bilder zu einem Entfernungseindruck. Und genau das machen wir in der Astronomie auch. Die Erde bewegt sich um die Sonne herum. Das heißt, im Herbst oder im Frühjahr hat sie eine andere Position. Das führt dazu, dass zumindest die nahen Sterne ebenfalls ein wenig verrutscht scheinen. Je näher der Sern an uns dran ist, umso mehr "verrutscht" er. Das kann man benutzen, um die Entfernung zu messen. Der Bereich, den wir damit überdecken können, hat durchaus einen Durchmesser von 2.000 Lichtjahren.

    Leuchtkraft

    Für größere Entfernungen klappt das aber nicht mehr; da muss man andere Methoden anwenden, die auf den vorherigen aufbauen. Man hat ja mit der geometrischen Methode schon mal ein Volumen von ein paar Tausend Sternen. Dann stellt man fest, dass Sterne von einem ganz bestimmten Typ gelblich leuchtend, so wie die Sonne, und die Leuchtkraft haben. Jetzt sehe ich einen ganz weit entfernten Stern, der genauso gelb leuchtet wie unsere Sonne, also genau die gleichen Charakteristika hat, mir aber lichtschwächer erscheint. Dann kann ich das sofort umrechnen, denn in Wahrheit ist er ja eigentlich so hell, ich sehe ihn aber nur so schwach, der muss so und so weit weg sein.

    Ist das abhängig von der Größe des Sterns? Wenn der Stern hundertmal so groß ist, kann er ja weiter weg sein, um gleich hell zu leuchten.

    Aber wenn er hundertmal so groß ist, würde er – das sagt die Physik – gar nicht mehr gelb leuchten, sondern blau. Ein gelb leuchtender Stern ist immer gleich groß, das heißt, zu jeder Farbe gibt’s genau einen Sterntyp.

    Woraus besteht die Welt? Nov 28, 2024
    Show notes

    Teilchen und Kräfte

    Die Fragen aller Fragen ... Dabei kommt es auf den Blickwinkel an. Das erste und vielleicht anschaulichste Modell wäre, sich die Welt als aus Teilchen zusammengesetzt zu denken. Die Frage "Woraus besteht die Welt?" zielt ja auf irgendeine Form von "Substanz", und bei Substanz denken wir zunächst an Materie. Wir wissen, dass es vor allem die Atome gibt, aber die Atome bestehen ihrerseits aus kleinsten Teilchen. Im Kern befinden sich die Protonen und die Neutronen, und in der sogenannten Elektronenhülle sind die Elektronen. Die Elektronen sind nach allem, was man weiß, tatsächlich kleinste Teilchen. Aber die Protonen und die Neutronen sind aus noch kleineren Teilchen, den sogenannten Quarks, aufgebaut. Von denen gibt es verschiedene Sorten. Aber diese Elektronen und Quarks sind die wesentlichen Teilchen, die die Materie, die wir kennen, aufbauen. Es reicht aber nicht zu sagen, dass es diese Teilchen gibt und sie das Universum aufbauen. Sondern sie tun es nach bestimmten Regeln. Da wirken Kräfte, wie z.B. die Gravitationskraft, also die Massen-Anziehungskraft. Oder es gibt die Kraft, die die Atomkerne zusammenhält. Die Protonen und Neutronen hängen ja im Kern so fest zusammen, als seien sie miteinander verklebt.

    Gravitonen und Teilchenzoo

    Jetzt wäre die nächste Frage: Woraus besteht der Kleber? Das ist ja kein echter Klebstoff, sondern das sind Kräfte. Und all diese Kräfte müssen irgendeine Grundlage haben, müssen auch aus etwas bestehen. Die Teilchenphysiker denken sich das so, dass diese Kräfte auch in Form von Teilchen übertragen werden. Zum Beispiel: Das Photon im Lichtteilchen ist das Teilchen, das die elektromagnetische Kraft überträgt. Und ähnlich stellen sie sich das bei der Gravitationskraft vor. Wenn sich also Erde und Mond anziehen, dann deshalb, weil – so die Hypothese – zwischen den beiden Himmelskörpern Gravitonen unterwegs sind, die diese Anziehungskraft übertragen. Mit der Zeit haben die Physiker einen beachtlichen – sie nennen das Teilchenzoo – zusammengetragen. Es kommt aber noch etwas hinzu: Diese vielen Teilchen bewegen sich in etwas, was wir Raum und Zeit nennen. Woraus bestehen die nun wieder? Auch da sagen uns die Physiker, Raum und Zeit sind nicht etwa eine unabhängige Größe, also kein sozusagen geometrisches Gerüst im "luftleeren Raum". Sondern Raum und Zeit werden ihrerseits von der Materie "aufgespannt". Das ist die eine Blickweise. Das Universum besteht aus im weitesten Sinne Teilchen – bzw. eben Energie. Energie und Materie sind ja nach Einstein nur zwei Seiten derselben Medaille.

    Das Universum besteht aus vielen Rätseln

    Manche Physiker meinen inzwischen auch, dass sie der Wahrheit noch näher kommen, wenn sie sich das Universum nicht als aus Energie oder Materie zusammengesetzt vorstellen, sondern aus Information im Sinne der Informationstheorie, also aus Bits. Auch das ist eine Möglichkeit, das Weltall zu beschreiben. Aber im Grunde sind das alles verschiedene Brillen, um in den Kosmos zu blicken. Wenn Sie also fragen, woraus das Universum besteht, dann gibt es darauf eigentlich nur eine mit Sicherheit richtige Antwort: Es besteht aus vielen Rätseln.

    Gab es Sounddesign schon in frühen Hochkulturen? Nov 28, 2024
    Show notes

    In der Maya-Stätte Chichén Itzá gibt es ein bemerkenswertes Phänomen: Wenn man dort vor der großen Pyramide in die Hände klatscht, entsteht ein Geräusch, das an den Ruf des Quetzals erinnert – ein heiliger Vogel bei den Mayas.

    Händeklatschen vor Maya-Pyramide erzeugt "Ruf des Quetzals"

    Bei diesem Phänomen handelt es sich um die Theorie des amerikanischen Akustikers David Lubman. Der hat sich bei der großen Maya-Pyramide an die steile Treppe gestellt, in die Hände geklatscht und das Echo mit einem Mikrofon aufgenommen. Dabei stellte er fest, dass dieses Geräusch auffallende Ähnlichkeit mit dem Ruf des Quetzals hat, eben jenes Vogels, der in den Nebelwäldern Guatemalas unterwegs ist. Seine Aufnahmen stehen auch im Netz, und die Ähnlichkeiten sind tatsächlich frappierend.

    Pyramidenstufen zerlegen Echo des Klatschgeräuschs

    Die Erklärung ist etwas kompliziert: Wenn ich in die Hände klatsche, enthält das Klatschgeräusch im Grunde alle Tonfrequenzen. Es ist kein klarer Ton; ähnlich wie weißes Licht eine Mischung aller sichtbaren Lichtfrequenzen ist. Und so wie ein Prisma das weiße Licht in seine Bestandteile zerlegt, zerlegen die vielen Stufen der Pyramide das Echo des Klatschgeräusch ebenfalls in seine Bestandteile. Denn an jeder einzelnen Stufe wird das Klatschgeräusch zurückgeworfen. Wenn ich aber unten an der Pyramide stehe, sind die einzelnen Stufen unterschiedlich weit von mir weg. Im Ergebnis führt das dazu, dass die hohen Frequenzanteile schneller wieder bei mir sind als die tiefen, und so entsteht dieser abfallende Ton, der an den Vogel erinnert. Ob die Mayas die Pyramiden absichtlich so gebaut haben, dass dieser Ruf des Quetzal-Vogels entsteht, ist umstritten. Es gibt dafür keine schriftlichen Hinweise, die die hinterlassen hätten, insofern könnte es auch ein unbeabsichtigter Nebeneffekt sein. Anderseits gibt es vergleichbare akustische Effekte auch an anderer Stelle auf dem Gelände Chichén Itzá, etwa bei dem großen Ballspielplatz.

    Griechische und römische Theater: Akustik-Phänomene weltweit

    Bekannt sind natürlich auch die griechischen Theater. Die sind oft kreisförmig an einen Hügel gebaut. Dort hatten bis zu 15.000 Zuschauer Platz gehabt und die Akustik – das kann man heute noch erleben, wenn man solche Theaterbauten besucht – war fantastisch. Da hätten die Schauspieler keine Mikrofone gebrauchen können – die waren selbst in den letzten Reihen gut verständlich. Die Römer wiederum haben im Theater an ganz bestimmten Stellen Vasen aus Bronze aufgestellt. Die Vasen dienten als Resonanzverstärker. Die Stimmen der Schauspieler waren dadurch sehr klar und deutlich verständlich.

    Höhle von Hypogäum auf Malta

    Es gibt aber noch ältere Beispiele, etwa die Höhle von Hypogäum auf Malta. Sie ist 4 ½ tausend Jahre alt. Dort gibt es eine Kammer, in der sich auf Kopfhöhe eine Aushöhlung befindet. Die sorgt dafür, dass die tiefen Anteile der Stimme verstärkt werden. Wenn ein Sprecher spricht, dann wirkt seine Stimme tiefer, dröhnender und somit imposanter. Das Prinzip ist das gleiche wie wenn man über eine offene Flasche bläst und dadurch einen Ton erzeugt. Technisch wird so etwas als „Helmholtz-Resonator“ bezeichnet.

    Menschen verstanden Raumakustik schon sehr früh

    Man kann noch weiter zurückgehen, in die Steinzeit. In England und Frankreich gibt es Hügelgräber mit langgezogenen Grabkammern. Auch diese haben einen ähnlich resonanzverstärkenden Effekt, der vor allem dann zum Tragen kommt, wenn man am Eingang zu diesen Grabkammern trommelt. Dann entsteht zusammen mit dem Echo aus der Kammer ein richtig lauter Klangteppich. Ein weiteres Beispiel sind die Höhlenmalereien in Frankreich – z.B. in Lascaux – oder in den Pyrenäen. Dort haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Malereien sich immer genau an den Stellen befinden, wo es am meisten dröhnt, wo es also ein intensives Klangerlebnis gibt. Zwar wurden diese Höhlen nicht gezielt nach akustischen Kriterien gebaut, aber all diese Beispiele zeigen, dass die Menschen schon ganz früh sehr viel von Raumakustik verstanden.

    Dehnt sich das Universum schneller als Lichtgeschwindigkeit aus? Nov 27, 2024
    Show notes

    Dass die Lichtgeschwindigkeit eine Grenze ist, hat auch etwas mit Einstein zu tun, aber nur mit seiner speziellen Relativitätstheorie. Dort wird gesagt: In einem Raum ist die maximale Geschwindigkeit, mit der sich Information oder Licht ausbreiten kann, irgendwo begrenzt, auf eben genau diese 300.000 Kilometer pro Sekunde. Aber für den Weltraum an sich gilt im Rahmen dieser allgemeinen Relativitätstheorie, dieser Schwerkrafttheorie, dieser Satz nicht. Das Universum an sich kann sich, wie eben erläutert, anhand der Gummihaut, durchaus schneller ausdehnen als das Licht. Das heißt, das Licht muss auf seinem Weg durch das Universum gegen dieses Ausdehnen ankämpfen. Es kann sein, dass es tatsächlich Bereiche gibt, die sehr weit von uns entfernt sind und die sich von uns mit einer größeren Geschwindigkeit entfernt haben, sodass uns von dort Licht niemals erreicht, weil es gegen dieses Ausdehnen nicht genügend ankämpfen kann.


    Welches war das erste Weltreich der Geschichte? Nov 27, 2024
    Show notes

    Kein Reich, das je die ganze Welt beherrscht hätte

    Das hängt von der Definition ab. Der Begriff "Weltreich" weckt die Vorstellung eines Reiches, das die ganze Welt beherrscht hat. Ein solches Reich hat es nie gegeben. Schon allein deshalb, weil bis Kolumbus die alte Welt – sprich Eurasien – und die neue Welt – Amerika – zwei politisch völlig getrennte Hemisphären waren. Auch das Afrika südlich des Sahel gehörte bis zur Kolonisierung nie zu einem der großen Imperien, an die wir so denken – also etwa dem Reich Alexanders des Großen, dem Römischen Reich, dem Umayyaden- oder dem Mongolenreich.

    Britisches Empire umfasste rund ein Viertel der Weltbevölkerung

    Wenn man sich die Grenzen dieser Reiche auf einer Weltkarte ansieht, so waren die zwar groß, aber umfassten geographisch trotzdem immer nur einen kleinen, umrissenen Teil des Globus. Erst in der Neuzeit gab es Imperien, die sich über alle Kontinente erstreckten – vor allem natürlich das Britische Empire. Aber auch zur Zeit seiner größten Ausdehnung war es weit davon entfernt, die ganze Welt zu beherrschen. Mittel- und Südamerika, Russland, China – da hatten die Briten nichts zu sagen, vom Rest Europas ganz zu schweigen. Anders gesagt: Nie beherrschte das sogenannte Britische Weltreich mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung. Insofern gibt es kein klares Kriterium, welche Größe eine Macht haben muss, um die Bezeichnung "Weltreich" zu verdienen.

    Weltreich: durch Eroberung weite Teile der "bekannten" Welt angeeignet

    Trotzdem wird dieser Begriff nun einmal verwendet. Was wir in der Regel damit meinen, sind Imperien, die sich über einen großen Teil der damals jeweils bekannten Welt erstreckten. Wobei auch diese Definition den Schönheitsfehler hat, dass sie die jeweils eigene Sichtweise zum Maßstab macht. Denn was heißt schon "der damals bekannte Teil der Welt"? Amerika war ja zur Zeit des Römischen Reiches auch schon bekannt – nur eben nicht den Römern, aber zum Beispiel den Maya.

    Perserreich umfasste Gebiet zwischen Balkan, Sudan und Pakistan

    Wenn man sich aber auf diese Definition einlässt – eine Macht, die vor allem auch durch Eroberung weite Teile der ihr damals bekannten Welt angeeignet hat – dann könnte man als erstes Weltreich der Geschichte das Perserreich ausmachen. Es erstreckte sich um Anfang des 5. Jahrhunderts vor Christus vom Balkan bis nach Pakistan und im Süden bis in den Sudan. Historisch ist diese Zeit auch deshalb bedeutsam, weil damals zum ersten Mal in der Geschichte der Gegensatz Ost/West, Orient/Okzident und letztlich auch Europa/Asien eingeführt wurde. Der Westen – das waren eben die Griechen – bekämpfte das Perserreich in den berühmten Schlachten bei Marathon und Salamis, und schließlich war es Alexander der Große, der die Perser bei Issos besiegte und sich ihr – damals allerdings schon geschrumpftes – Reich einverleibte. So wurde dieses "erste Weltreich" der Perser ziemlich bald durch das zweite – das Alexanderreich – abgelöst, das allerdings nicht lange hielt.

    Warum sind Ampeln rot-gelb-grün? Nov 26, 2024
    Show notes

    Signalfarben Rot und Grün sind meist gut zu unterscheiden

    Am Anfang war nur Rot und Grün. Warum die beiden Farben? Der wichtigste Grund ist wohl, dass das die beiden wichtigsten Signalfarben sind. Es sind die Farben, auf die unser Auge am stärksten reagiert und die es gleichzeitig – wenn wir nicht gerade rotgrün- oder farbenblind sind – am besten unterscheiden kann. Physiologisch kann man das gut erklären: Für die Farbwahrnehmung in unserem Auge sind bestimmte Sinneszellen auf unserer Netzhaut zuständig, nämlich die sogenannten Zapfen.

    Verschiedene Zapfentypen

    Von denen gibt es drei verschiedene Sorten, die heißen L-, M- und S-Zapfen. Was diese drei Zapfentypen vor allem unterscheidet, ist die Lichtfrequenz, auf die sie besonders stark reagieren. Das heißt, die L-Zapfen reagieren besonders stark auf rotes Licht, die M-Zapfen auf grünes Licht und die S-Zapfen auf blau-violettes Licht. Allerdings ist es so, dass die – nennen wir sie jetzt einfach: Rot- und Grün-Zapfen – sehr viel empfindlicher sind als die Blauzapfen. Das bedeutet umgekehrt, dass uns Rot und Grün als besonders intensive Farben erscheinen, die sehr stark wirken. Und weil unterschiedliche Zapfen zuständig sind, können wir diese Farben gleichzeitig gut unterscheiden – es sind ja auch Komplementärfarben. Man kann jetzt spekulieren, warum die Natur unser Auge so eingerichtet hat. War es zum Beispiel für unsere Vorfahren wichtig, dass sie sofort gesehen haben, wenn irgendwer verletzt war und geblutet hat, sodass wir deshalb auf Rot so stark reagieren? Oder können wir Rot und Grün deshalb so gut auseinanderhalten, um rote Früchte zwischen grünen Blättern schnell zu finden? Das ist aber Spekulation.

    Signalfarben schon zu den Anfängen der Eisenbahn

    Das mit den Signalfarben begann schon lange vor den elektrischen Ampeln. Wenn man zum Beispiel an die Anfänge der Eisenbahn denkt: Da wurden noch farbige Scheiben oder Flaggen benutzt, auch Rot und Grün. Oder Gaslaternen, vor die eine rote oder grüne transparente Glasschreibe montiert war. Oder auch ganz durchlässiges Glas; das war dann eben ein weißes Signal. Gelb wurde damals extra noch nicht genommen, weil man das leicht mit Weiß oder auch mit Rot verwechseln konnte, wenn die Gaslaterne mal nicht so stark geflackert hat. Da wurde das Gelb schnell mal sehr rötlich, das war unpraktisch. Im Vordergrund standen damals schon Rot und Grün und das wurde übernommen, als die ersten elektrischen Lichtsignalanlagen gebaut wurden, eben die Ampeln. Die allererste von dieser Sorte stand 1914 in Cleveland, Ohio. Auch die war schon rot und grün.

    Weiß verschwand als Signalfarbe

    Das Weiß hat sich in der Seefahrt gehalten, ansonsten aber ist es als Signalfarbe verschwunden, denn als das elektrische Licht kam und elektrische Lampen Einzug hielten in die Städte, da gab’s auf einmal so viele weiße Lichter, dass sich weiße Signallampen nicht mehr genug von anderen Lichtern in der Umgebung unterschieden haben. Das war die Chance für das Gelb. Denn das elektrische Licht war so hell, dass es möglich war, ein gelbes Licht zu erzeugen, das sich klar und deutlich vom Rot abgegrenzt hat. So hat man dann, als die ersten dreifarbigen elektrischen Ampeln kamen, das Gelb zwischen das Rot und das Grün gesetzt – wo es im Spektrum der Regenbogenfarben auch hingehört. So haben wir seit 1920 in Amerika und kurz darauf in Deutschland dreifarbige Ampeln in Rot, Gelb und Grün.

    Rot, Grün und Gelb auch im politischen Spektrum: SPD, FDP und Grüne

    Wenn die evolutionären Theorien stimmen, dass wir deshalb auf Rot und Grün so stark reagieren, weil das was mit Blut zu tun hat bzw. mit dem Grün der Pflanzen, und wenn wir dann daran denken, dass das Rot der SPD bzw. überhaupt aller linken Parteien ursprünglich für das Blut der geschundenen Arbeiter stand und dass die Farbe der Grünen natürlich etwas mit dem Grün in der Natur zu tun hat, dann gibt es da schon Verbindungen. Die FDP hat sich das Gelb nicht ausgesucht, weil es irgendeine symbolische Bedeutung hat, sondern weil die Werbestrategen irgendwann in den 1970ern erkannt haben, dass mit der Signalfarbe Gelb die Wahl-Plakate stärker ins Auge stechen. Insofern hätten die Farben auf der Straßenampel und die politischen Ampelfarben letztlich die gleichen evolutionären Ursprünge.

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