Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Sprichwort, Redensart, geflügeltes Wort: Was ist der Unterschied?
Nov 21, 2024
Show notes
Sprichwort: vollständiger Satz
Ein Sprichwort ist ein vollständiger Satz. Meist mit einem lehrhaften Inhalt in gehobener Sprache und sehr beliebt. Eine Redewendung dagegen ist ein Bestandteil von Sätzen. "Schwein haben" zum Beispiel ist kein vollständiger Satz, also kein Sprichwort – ich weiß ja nicht, wer Schwein hat. Ich brauche also noch ein Subjekt.
Geflügelte Worte: Quelle bzw. Urheber sind bekannt
Geflügelte Worte können sowohl Sprichwörter wie auch Redewendungen sein. Ein wichtiges Merkmal ist, dass in der Regel eine erste Quelle und damit ein Urheber bekannt ist. "Des Pudels Kern" oder "Ich kenne meine Pappenheimer" – das sind Goethe und Schiller mit "Faust" bzw. "Wallenstein".
Hängt das Ergebnis eines IQ-Tests von der Tagesform ab?
Nov 21, 2024
Show notes
Variationen von 2 bis 4 Punkten sind normal
Bei solchen Test gibt es immer kleine Schwankungen. Wenn Sie drei Tage hintereinander einen Intelligenztest vorgelegt bekommen, der sehr ähnlich ist, werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit nie punktgenau das gleiche Ergebnis haben. Denn die Tagesform hat ebenso Einfluss wie die Frage, ob man gerade Hunger hat oder ob man schlecht gelaunt ist. Daher ist es kein Wunder, wenn der IQ mal um 2 oder 3 Punkte variiert. Das wird einkalkuliert.
Tagesform kann Einfluss haben, das Ergebnis aber nicht grundlegend ändern
Wenn man einen IQ von 110 hat, dann kann der genauso gut bei 107 oder 113 liegen. Manche Menschen haben ihr Optimum am Morgen, andere am Abend. Die Tagesform muss nicht, kann aber einen Einfluss haben. Sie wird aber nicht einen hochintelligenten Menschen zu einem Schwachsinnigen machen und umgekehrt.
Der IQ wird sich um 3 oder 4 Punkte maximal ändern. Menschen, die professionell Intelligenztests vorgeben, wissen natürlich, dass es nicht sinnvoll ist, nur punktgenau zu interpretieren. Sondern die wissen, dass Intelligenzmessung fehleranfälliger ist als die Messung der Körpergröße oder auch des Körpergewichtes. Aber sie ist viel genauer als irgendwelche Einschätzungen.
Wie entstand die Currywurst?
Nov 20, 2024
Show notes
Herta Heuwer nutzt 1949 in West-Berlin verregneten Septemberabend
In Berlin spielt der wohl bekannteste “Schöpfungsmythos“. Genauer: 1949 im West-Berliner Charlottenburg. Dort soll die Imbissbudenbesitzerin Herta Heuwer an einem verregneten Septemberabend aus Langeweile und mangels Kundschaft die erste Soße ihrer Art aus Currypulver, Tomatenmark und Worcestershire-Soße gemischt und zu einer Wurst serviert haben. Ihr Geheimrezept schütze sie laut eigner Aussage zehn Jahre später mit einem Patent. Es war aber kein Patent, sondern sie hat 1959 lediglich eine Marke schützen lassen, und zwar für das Fantasie-Wort „Chillup“, das sich aus Chili und Ketchup zusammensetzt, und nicht für das Gericht. Aber immerhin: Der Vorgang ist belegt.
Max Konnopke inspiriert Ost-Berliner Lieferengpass zu neuer Soße
Wenige Monate später gab es die Currywurst auch in Ostberlin, bei „Konnopke’s Imbiß“ in Prenzlauer Berg. Max Konnopke soll dabei unabhängig von der West-Berlinerin eine eigene Soßenvariation aufgrund der knappen Ketchup-Lieferung kreiert haben. Beide Geschichten machen somit Berlin zur international bekannten Geburtsstätte der Currywurst.
Autor Uwe Timm will sich an Currywurst-Genuss bereits 1947 erinnern
Die Hamburger beziehen sich in ihrem Selbstbewusstsein als Currywurst-Erfinder auf die Novelle „Entdeckung der Currywurst“ von Uwe Timm aus dem Jahr 1993. Aus diesem Text geht die Romanfigur Lena Brückner als Erfinderin der Currywurst hervor. Der Autor will sich daran erinnern, als Kind bereits 1947 Currywurst in Hamburg gegessen zu haben – also zwei Jahre vor Herta Heuwer. Außer dieser Erinnerung gibt es hierfür jedoch keinen Beweis.
Fürstliche Wurstsoße schon 1946 in Niedersachsen?
Eine weitere These: 2018 meldete sich Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in der Bild-Zeitung zu Wort. Dem Fürsten gehört das Schloss Bückeburg in Niedersachen und auf diesem Schloss war in den Nachkiegsjahren ein Koch namens Ludwig Dinslage beschäftigt. Der soll bereits 1946 eine Currywurst zubereitet haben. Der Anlass: Britische Offiziere der Rheinarmee waren zu Besuch auf dem Schloss, Dinslage musste improvisieren und hat eine Soße aus Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz hergestellt. Die Briten wären begeistert gewesen. Zumindest berichtete das der Koch 1984 der „Westfalenpost“. Ob es so war, lässt sich heute nicht mehr nachprüfen.
Fazit: Currywurst ist eine Erfindung der Nachkriegszeit
Immerhin besteht so viel Einigkeit: Die Currywurst entstand irgendwo als spontane Idee in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist auch naheliegend, da erst mit der britischen und US-amerikanischen Besatzung die Hauptzutaten – Ketchup und Curry – in deutschen Küchen breiter bekannt wurden: das Ketchup durch die GIs und das Curry durch die Briten.
Gut möglich also, dass zu dieser Zeit mehrere kreative Köche auf die gleiche Idee kamen.
Warum haben manche Kathedralen zwei Türme, andere nur einen?
Nov 20, 2024
Show notes
Regel mit vielen Ausnahmen: Bischofskirchen 2 Türme, Bürgerkirchen 1 Turm
Die Zweiturmfassade war von Anfang an eine "Fassade des Anspruches"; da wurde sozusagen die Bedeutung des Ortes aufgezeigt. Deshalb hat sich für Kathedralen fast immer die Zweiturmfassade durchgesetzt, während die Bürgerkirchen sich meist mit einem Turm zufriedengaben.
Aber es gibt natürlich berühmte Beispiele wie die Bürgerkirche St. Sebald in Nürnberg, die in Konkurrenz zum Bamberger Dom zwei Türme aufweist. St. Sebald und St. Lorenz, beide große Nürnberger Bürgerkirchen, haben zwei Türme. Das ist mit einem gewissen Anspruchsdenken oder Anspruchsauftreten verbunden.
In der Regel haben also Bischofskirchen und große Klosterkirchen zwei Türme und Bürgerkirchen einen Turm. Aber von dieser Regel gibt es ganz viele Ausnahmen.
Zahl und Größe der Türme drückt Anspruchshaltung der Gemeinde aus
Vorschriften gibt es keine. Und an solche Vorschriften hätte man sich im Mittelalter auch gar nicht gehalten. Wenn eine Gemeinde anspruchsvoll genug war zu sagen: "Wir wollen hier mit zwei Türmen operieren", dann konnte ihr das keiner verwehren. Wer hätte es ihr untersagen sollen? Der Bischof war froh, wenn die Gemeinden Kirchen bauten.
Und Ulm hat zwar nur einen Turm, aber der ist dafür umso größer. Und der Stephansdom in Wien hätte eigentlich zwei Türme bekommen sollen, aber man hat sich dann mit einem besonders prachtvollen zufriedengegeben.
Stammen wir alle von Augustus ab?
Nov 20, 2024
Show notes
Römer waren im Südwesten eine Minderheit
Die Frage "Wie viel Römer steckt in uns?" kann man zunächst historisch angehen: Die Römer waren hier im Südwesten Deutschlands zahlenmäßig immer eine Minderheit, auch wenn sie zeitweise geherrscht haben. In den römischen Armeen wiederum waren ja nicht nur Römer: Da waren Iberer darunter, Afrikaner, Menschen vom Balkan, alle möglichen anderen Völker, die die Römer als Barbaren bezeichnet haben. Von daher haben die Römer nicht viel an Genen hinterlassen.
In den letzten 2000 Jahren gab es sehr viel an Völkerbewegung. Wir haben oft die Vorstellung, dass die Menschen früher jahrhundertelang in ihren Dörfern gelebt, sich dort vermehrt haben und nie weggezogen sind. Aber so war es nicht. Früher gab es wie auch heute große Wanderungsbewegungen, Migration, Flucht und Vertreibung. Insofern steckt wohl in uns allen, wenn man das 2000 Jahre zurückverfolgen könnte, alles mögliche: Römer, Germanen, Kelten, Inder, Chinesen, Afrikaner.
Ich habe darüber mit Joachim Burger gesprochen; er ist Professor für Paläogenetik an der Uni Mainz. Er hat mich auf einen ganz entscheidenden Punkt hingewiesen: Wenn man sagt "direkte Nachfahren der Römer" – was bedeutet das denn?
Warum viele von uns von Augustus abstammen dürften
Nehmen wir Augustus. Der hatte eine Tochter. Die hatte wiederum Kinder. Angenommen, diese Kette ist bis heute tatsächlich ungebrochen. Also gibt es irgendwo Nachfahren von Augustus. Aber ist das etwas Besonderes? Denn gleichzeitig sind es ja Nachfahren von Tausenden, wenn nicht Millionen anderer Menschen, die in der Antike gelebt haben.
Wir sind alle verwandt
Das kann man leicht ausrechnen: Jeder von uns hat zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern usw. Mit jeder Generation wächst die Zahl der direkten Vorfahren um den Faktor 2. Wenn wir pro Generation 25 Jahre rechnen und 2000 Jahre zurückgehen, haben wir 80 Generationen. Und in jeder von ihnen verdoppelt sich die Zahl der Vorfahren. Da hätte rein rechnerisch (2 hoch 80) jeder von uns Tausende von Trilliarden direkte Vorfahren.
Da sieht man sofort: Das kann nicht sein, so viele Menschen hat’s nie auf der Welt gegeben. Das bedeutet wiederum, dass sich natürlich in den Generationen dazwischen auch wieder mal mehr oder weniger entfernte Verwandte begegnet sind und gepaart haben. Anders gesagt: Wenn Sie in der Antike rechnerisch Milliarden mal mehr direkte Vorfahren haben als es damals Menschen gab, dann gehört vermutlich mindestens die halbe Menschheit der Antike zu Ihren direkten Vorfahren – sofern diese Menschen Kinder hatten.
Wenn man das wiederum genetisch betrachtet, bedeutet es: Wir alle haben möglicherweise ein paar Augustus-Gene, nur ist davon bei jedem von uns nicht mehr viel übrig. Jedes Elternteil gibt immer nur die Hälfte seiner Gene weiter. Da ist es auch völlig schnuppe, ob jemand Kaiser ist oder Bauer.
Kaiser, Bauern, Seefahrer: Augustus-Gene sind milliardenfach verdünnt
Die "Augustus-Gene", sollte es sie geben, sind milliardenfach "verdünnt". Und selbst wenn Sie so ein Nachfahre von Augustus wären, wären sie über eine andere Linie gleichzeitig der Nachkomme einer kaukasischen Bäuerin und eines normannischen Seefahrers und vieler hunderttausend anderer Urahnen, von denen sie genauso abstammen wie von Augustus.
"Da stehen einem die Haare zu Berge!" – Woher kommt die Redensart?
Nov 19, 2024
Show notes
Angstreaktion: aufgestellte Haare
Das ist relativ gut zu erklären. Denken Sie einmal daran, wenn Ihnen zum Beispiel am Strand jemand überraschend über den Rücken streicht. Dann stellen sich Ihre Härchen auf den Armen auf. Das ist eine ganz normale Reaktion des Körpers auf Angst, aber auch auf Kälte und ähnliches.
Diese Schreckreaktion kennen Sie ja auch von Tieren. So soll man die Katze auch nicht gegen den Strich bürsten. Den Tieren stellen sich die Haare auf, wenn sie wütend oder gereizt sind.
Wenn jemand die Haare zu Berge stehen, ist damit diese körperliche Reaktion gemeint.
Viele Nuancen: Redensarten lassen sich der Situation anpassen
Die Bedeutung muss also nicht immer auf Aggression hinweisen. Das ist das Schöne dabei: Man kann Redensarten sehr gut der Situation anpassen. Je nachdem, wo man sie verwendet, werden sie im Zusammenhang sehr gut verstanden; das ist wunderbar. Sie können also manchmal fünf, sechs, sieben verschiedene Nuancen der Bedeutung einsetzen.
Wie viele Atome gibt es im Universum?
Nov 18, 2024
Show notes
Wir sprechen in der Astronomie beziehungsweise in der Astrophysik von +/- 2, das bezieht sich auf den Exponenten. Die Zahl der Atome im Universum beläuft sich etwa auf eine Zahl im Bereich zwischen 10 hoch 84 und 10 hoch 89.
Galaxien zählen und die Atome in den Sternen hochrechnen
Niemand hat die Atome bisher gezählt und man kann sie auch nicht zählen. Aber man kann die Galaxien zählen und man weiß, wie viele Sterne sich in einer Galaxie befinden. Diese Zahl geht in die Hunderte von Milliarden. Außerdem weiß man, wie viele Atome sich in einem Stern befinden; man kennt etwa die Zahl der Atome in der Sonne. Diese muss man hochrechnen und kommt dann auf diese gigantischen Zahlen. Allerdings mit einer entsetzlichen Fehlerquote.
"Bier auf Wein, das lass sein!" – Stimmt das?
Nov 18, 2024
Show notes
Reihenfolge der Getränke spielt keine Rolle
Das hat wohl eher mit Kultur als mit Wahrheit zu tun. Wein war immer das höherwertige Getränk. Deswegen bedeutet Bier nach Wein zu trinken so eine Art kulturellen Abstieg. Das dürfte hinter diesem Spruch stecken, der an und für sich keine Bedeutung hat, denn wissenschaftlich ist das nicht haltbar. Es ist völlig egal, in welcher Reihenfolge man diese Getränke zu sich nimmt.
Menge des Alkohols ist entscheidend
Auch das Durcheinander ist übrigens nicht entscheidend. Entscheidend für die Frage, wie stark der Kater am nächsten Morgen ausfällt, ist alleine die Menge an Alkohol, die man zu sich nimmt.
Die Franzosen haben eine Entsprechung, die lautet: kein Rotwein nach Weißwein. Jeder weiß aber, dass ein französisches Menü den Bruch dieser Weisheit erzwingt, denn in der Regel kommt in der Menüfolge der Rotwein nach dem Weißwein.
Gelten außerhalb des Universums andere physikalische Gesetze?
Nov 14, 2024
Show notes
Multiversum: andere Universen sind vorstellbar
Es ist vorstellbar, dass es ganz andere Universen gibt, das läuft unter dem Schlagwort Multiversum. In unserem eigenen Universum allerdings sind wir der wissenschaftlichen Meinung, dass die Gesetze überall schon immer galten und auch überall gleichmäßig gelten. Das heißt jedoch nicht, dass wir sie alle schon kennen.
Aber die Gesetze, die auf unserer Erde gelten, obwohl wir sie noch nicht alle kennen, gelten auch an anderen Stellen im Universum, sodass wir uns durchaus als ein Produkt eines normalen Prozesses unseres Universums vorstellen können. Wir gehen auch davon aus, dass Leben auf anderen Planeten in unserem Universum stattfinden kann.
Ferne Galaxien: kein Hinweis auf Notwendigkeit neuer Gesetze
Wenn wir ferne Galaxien beobachten und erklären, wie diese Sterne aufgebaut sind, wie sie sich bewegen, welche Farben sie haben, dann passt das konsistent zu den physikalischen Gesetzen, die wir bereits kennen. So gibt es keine Notwendigkeit, neue Gesetze anzuwenden.
Wenn es tatsächlich noch andere Universen gibt, wäre die Frage, wie man mit diesen in Kontakt treten könnte, um ihre Existenz wissenschaftlich messen zu können. Bis dahin bleibt es eine reine Gedankenkonstruktion und eine Frage der Philosophie.
Wie atmen Küken im Ei, bevor sie schlüpfen?
Nov 13, 2024
Show notes
Luftblase im Ei versorgt das Küken mit Sauerstoff
Was machen wir, wenn wir ein Frühstücksei kochen und verhindern wollen, dass es beim Kochen platzt? Wir stechen es an, an der stumpfen Seite. Warum? Weil da eine Luftblase ist. Diese Luftblase kann sich ausdehnen, wenn sie erhitzt wird, und dann droht sie zu platzen. Genau diese Blase dient dem Küken als Luftreservoir. Dort atmet es.
Während das Küken im Ei heranwächst, wird die Luftblase immer größer, weil aus dem Ei Flüssigkeit verdunstet. Damit wächst der Luftanteil im Ei, und so hat auch das Küken mit der Zeit ein immer größeres Luftreservoir zur Verfügung.
Eierschale hat 10.000 Poren
Trotzdem klingt es vielleicht seltsam: Das bisschen Luft in dieser doch recht kleinen Blase soll reichen, um ein Küken bis es schlüpft – also drei Wochen lang – mit Sauerstoff zu versorgen? Wie soll das gehen? Denn die Eierschale selbst ist luftdurchlässig. In der Eierschale eines normalen Hühnereis befinden sich 10.000 Poren, über die ein ständiger Luftaustausch stattfindet. So kommt Sauerstoff ins Ei und somit auch in diese Luftblase.
Wann und wie das Küken schlüpft
Mit der Zeit wird es im Ei natürlich eng. Dann hämmert das Küken das Ei von innen auf und schlüpft. Draußen gibt es dann in jedem Fall genügend Luft.