Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.
"Ach du grüne Neune!" – Woher kommt der Ausdruck?
Nov 10, 2024
Show notes
Über die Herkunft sind sich die Sprach- und Sprichwortforscherinnen und -forscher nicht ganz einig. Eine Idee lautet, dass es von einem Berliner Lokal kommen könnte. Tatsächlich ist es wohl auch im 19. Jahrhundert in Berlin aufgekommen. Dieses Lokal hatte eine Adresse, die man über den Grünweg erreichte, und es hatte die Nummer 9. Dort sei es immer sehr hoch hergegangen, sodass man es sich als Ausdruck der Empörung hätte vorstellen können.
Viele Redensarten um die Farbe Grün
Man muss aber wissen, dass es sehr viele Redensarten mit dem Ausdruck "grün" gibt: Auf keinen grünen Zweig kommen, ich bin dir grün, ein grüner Junge sein usw. Es kann auch negativ behaftet sein, etwa in dem Ausdruck "grün und gelb vor Neid sein".
Die Neun gehört zu den symbolischen Zahlen. Dahinter könnte demnach auch eine Zahlenmystik stehen. Aber wie gesagt: Hier stochert die Sprichwortforschung im Nebel.
Gibt es Schwangerschaftsdemenz wirklich?
Nov 10, 2024
Show notes
Kognitive Leistung verschlechtert sich vor und nach der Geburt
Ja, an der Schwangerschaftsdemenz ist tatsächlich was dran. Es gibt Untersuchungen darüber, dass in der Schwangerschaft im letzten Trimenon, also im dritten Schwangerschaftsdrittel, und vor allem nach der Geburt, also postpartal, die kognitive Funktion tatsächlich etwas schlechter ist im Vergleich zu Frauen, die nicht schwanger sind oder nicht entbunden haben.
Ursachen: 4 mögliche Faktoren lassen sich benennen
Die Prioritätensetzung: Eine hochschwangere Frau oder eine Frau, die stillt, hat den Fokus auf dem Kind. Das ist auch richtig so, auch in der Schwangerschaft: Im letzten Trimester beginnt der Nestbau. Da konzentriert man sich also auf andere Sachen, es rückt anderes in den Fokus, man hat andere Prioritäten. Die Natur hat es gut eingerichtet, dass man dann nicht an andere Sachen denkt, zum Beispiel Berufliches.
Der Schlafmangel, vor allem nach der Geburt, wirkt sich aus.
Die Hormone spielen eine Rolle.
Auch Schmerzen direkt nach der Geburt können Ursache sein.
Diese Faktoren können tatsächlich die kognitiven Funktionen etwas einschränken.
Komplette Normalisierung einige Zeit nach der Geburt
Die gute Nachricht ist: Bei der Kontrolle bzw. bei den Langzeitergebnissen, bei denen man die Frauen noch mal getestet hat, war eine eine komplette Normalisierung festzustellen. Man kann also auch zehn Kinder bekommen und wird sicher nicht dümmer.
SWR 2022
Warum erinnern sich Mütter schlecht an die Kindheit der eigenen Kinder?
Nov 09, 2024
Show notes
Stilldemenz: Konzentration der Mutter ist ganz aufs Kind gerichtet
Das ist ganz unterschiedlich, aber das sind tatsächlich spannende Fragen. Wenn die Kinder noch ganz klein sind, sind die Beanspruchung des Körpers und die Aufmerksamkeit so stark auf das Kind gerichtet, dass man hier auch von einer Stilldemenz spricht. Man kann also tatsächlich sehen, dass in den Wochen und Monaten nach der Geburt eines Kindes die Anzahl der synaptischen Kontakte in einem Gehirn, das in einem Körper sitzt, der ein Kind zur Welt gebracht hat, erniedrigt sind. Das bedeutet, dass die Lernfähigkeit und damit auch das Erinnerungsvermögen in dieser Zeit eingeschränkt sind und die volle Aufmerksamkeit eben anderen Aufgaben gilt.
Das hält allerdings nicht lange an und ist, zur Beruhigung der Betroffenen, vollkommen reversibel. Man kriegt alles wieder, was man in die Kinder investiert hat.
Vieles kann mithilfe von Fotos oder Gesprächen doch noch erinnert werden
Man merkt das auch daran, dass man das, was man aktiv nicht erinnert hat, doch noch gespeichert hat – wenn man Filme aus der Zeit sieht, Fotos anschaut oder wenn Freunde vorbeikommen, die man lange nicht gesehen hat. Die sagen: "Als der noch klein war, war doch dies und jenes passiert." Und auf einmal denkt man: "Stimmt, da war doch was." Und dann kann man die ganze Episode auch wiedergeben. Es ist also viel mehr da, als wir bewusst abrufen können.
Aber in der Tat: Direkt nach der Geburt, aber vor allem auch, wenn man zwei Kinder hat, eins vielleicht noch in den Windeln auf dem Arm, das andere rennt schon weg – das sind Situationen, die die Aufmerksamkeit voll auf die Situation richten und nicht darauf, in der Situation etwas abzuspeichern. Das heißt, unsere Aufmerksamkeit ist ständig geteilt zwischen dem, was wir selber tun, und der Beobachtung, was die Kinder gerade machen beziehungsweise den Alltag zu bewältigen. Bei geteilter Aufmerksamkeit ist es immer extrem schwierig, stabile Erinnerungen zu bilden.
Im Vergessen liegt eine Chance fürs Kind
Für den Nachwuchs ist es eine große Chance, wenn die Eltern nicht in jedem Moment vor Augen haben, wie die Kinder früher waren. Denn dann sehen sie die Kinder so, wie sie jetzt sind – und nicht immer nur den kleinen Tollpatsch aus den frühen Kindertagen.
"Donald Trump hat keine Kriege geführt." – Stimmt das?
Nov 05, 2024
Show notes
Angriff auf Chemiewaffenfabriken in Syrien und viele Drohnenangriffe
Nein, das wird an Stammtischen zwar gelegentlich behauptet, und richtig ist, unter seiner Regierung sind die USA in kein Land neu einmarschiert. Das ist aber eigentlich auch schon alles.
Donald Trumps Amtszeit war kürzer als die seiner Vorgänger, und er hatte auch das Glück, dass es in den vier Jahren keine Situation gab wie 2001 mit 9/11, einem von Al Quaida in Afghanistan aus koordinierten Terrorangriff. Aber es ist keineswegs so, dass die USA unter Trump keine Bomben abgeworfen hätten. 2018 ließ er Chemiewaffenfabriken in Syrien angreifen. Vor allem aber gab es unter Trump wie unter seinem Vorgänger Barack Obama tausende Drohnenangriffe gegen mutmaßliche Terroristen vor allem in Afghanistan.
Obama hat diese Praxis begonnen, aber Trump hat sie massiv ausgeweitet. Dazu gibt es Zahlen vom "Bureau of Investigative Journalism", das Drohnenschläge erfasst. Demnach gab es in den vier Jahren unter Trump mehr als 12.000 Drohnenangriffe. Das sind sieben Mal so viele wie in den acht Jahren unter Obama.
Auch den Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) hat Trump weitergeführt.
Trump hat Truppen aus Konfliktregionen abgezogen
Richtig ist, dass Trump US-Truppen aus verschiedenen Konfliktregionen abgezogen hat – vor allem in Syrien. Friedlicher und sicherer ist Syrien dadurch aber nicht geworden, im Gegenteil. Auch in Afghanistan hat Trump den Abzug der Streitkräfte noch angeordnet, durchgeführt hat ihn sein Nachfolger Joe Biden. Das Ergebnis war die Machtübernahme durch die Taliban.
Friedensbilanz eher durchwachsen
Wie sieht also seine Friedensbilanz insgesamt aus? Trump hat Nordkorea mit völliger Zerstörung gedroht – in der Hoffnung, damit Machthaber Kim Jong Un einzuschüchtern und zu einem Atomabkommen zu bewegen. Das hat bekanntlich nicht geklappt. Nordkorea testet weiter seine Atomraketen.
Zugute gehalten wird Trump, dass es unter der Vermittlung seiner Regierung zu diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und zwei Golfstaaten gekommen ist, nämlich Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ob das so ein großer Fortschritt ist, ist Ansichtssache. Militärisch waren diese beiden Staaten für Israel nicht wirklich eine Bedrohung. Relevanter wären diplomatische Beziehungen mit Saudi-Arabien, aber gerade die sind unter Trump nicht zustande gekommen, obwohl er es gerne gehabt hätte.
Donald Trump und sein Erzfeind Iran
Trump ging es auch weniger um Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, sondern vor allem um die Bildung eines Bündnisses gegen seinen Erzfeind Iran. Trump war es, der das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt hat – mit dem Ergebnis, dass der Iran sein Atomprogramm wieder hochgefahren hat und nach Einschätzung von Beobachtern inzwischen so viel waffenfähiges Uran angereichert hat, dass das Land bald über eigene Atomwaffen verfügen könnte. Ob die Welt damit friedlicher geworden ist, ist zumindest fraglich.
Trumps Friedensverständnis zeigt sich auch im Russland-Ukraine-Konflikt: Als die russische Armee unter Putin die Ukraine angegriffen hat, kam von Trump keinerlei Kritik. Im Gegenteil zeigte er Verständnis für Putin und nannte ihn "genial".
Auch Friedensbilanz im eigenen Land berücksichtigen
Warum wird in den USA nicht immer der Kandidat mit den meisten Stimmen Präsident?
Nov 01, 2024
Show notes
Der Grund liegt im Wahlmännersystem in den USA. Denn in Amerika wird der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom sogenannten Electoral College. Das findet erst 41 Tage nach dem offiziellen Wahltag statt. Die sogenannten Wahlmänner oder Wahlfrauen werden an diesem Tag von den jeweiligen Bundesstaaten nach Washington geschickt, um den Präsidenten zu wählen.
Wie viele Wahlmänner der Bundesstaat zu Verfügung hat, hängt davon ab, wie viele Bürger dort leben. In Kalifornien leben fast 40 Millionen Amerikaner*innen und dieser Bundesstaat hat deshalb auch 55 Wahlleute. Wyoming aber zum Beispiel hat nur knapp 600.000 Einwohner*innen und deshalb auch nur 3 Wahlleute.
Das heißt, die großen Staaten sind wichtiger?
Ja, in den meisten Staaten gehen alle Stimmen der Wahlleute nur an einen Kandidaten. Nämlich den Kandidaten, der im jeweiligen Bundesstaat die meisten Stimmen bekommen hat. Im Fall von Kalifornien wären es also 55 Stimmen. Es ist dementsprechend auch nicht wichtig, ob ein Kandidat den Bundesstaat nur knapp gewonnen hat oder – rein fiktiv – 99 Prozent der Stimmen bekommt. Der Kandidat bekommt alle Stimmen aus dem Bundesstaat – nach dem The-winner-takes-it-all-Prinzip.
Wie kann es rechnerisch sein, dass jemand weniger Stimmen hat und trotzdem Präsident wird?
Weil alle Stimmen der Wahlleute nur an einen Kandidaten gehen, fallen ja ganz viele Wählerstimmen praktisch weg, die eigentlich den anderen Kandidaten gewählt haben. Zum Beispiel würde es ausreichen, wenn ein Kandidat mit nur 51 Prozent der Wählerstimmen die elf bevölkerungsreichsten Bundesstaaten gewinnt. Dann ist er trotzdem Präsident und es kommt nicht mehr darauf an, wie in den anderen 39 Bundesstaaten gewählt wurde.
Wann ist dieses Wahlsystem entstanden?
Das geht zurück bis ins Jahr 1787 – auf die Verfassung der USA. George Washington, Benjamin Franklin und Alexander Hamilton, die Gründungväter der Verfassung, haben damals nur weißen Männern mit protestantischem Glauben das Wahlrecht zugesprochen. Das waren damals nur rund 10 Prozent der Bevölkerung. Sie waren aber nicht überzeugt von dem Bildungsgrad und der Integrität der Bürger. Deshalb haben sie eine Art Absicherungsmechanismus in das Wahlsystem eingebaut – das Electoral College. Damit sich der Wille des Volkes zumindest nicht direkt auf die Politik auswirken kann. Mittlerweile dürfen zwar deutlich mehr Menschen in den USA wählen, aber das Electoral College ist geblieben.
Wie oft ist es passiert, dass der Kandidat mit weniger Wählerstimmen Präsident geworden ist?
Insgesamt ist das in der Geschichte der USA schon fünf Mal passiert. Das letzte Mal 2016, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde.
SWR 2020
Die Heizung ein Grad kälter stellen – bringt das was?
Oct 31, 2024
Show notes
Ja, das bringt was. Das sind die berühmten sechs bis sieben Prozent, die man spart, wenn man die Raumtemperatur um ein Grad senkt. Man sollte mit dem Heizungsbauer darüber reden, wie die Heizung eingestellt ist.
Heizung wichtige Stellschraube beim Energiesparen
Zwei Drittel des Endenergieverbrauchs der privaten Haushalte werden für Wärme aufgewendet – also für die Heizung. Und da kommt noch Warmwasser drauf.
Beleuchtung, kochen, Kommunikationselektronik – das sind alles Peanuts im Vergleich zur Heizenergie. Deswegen ist es so wichtig, dort anzusetzen.
Warum haben wir "die Faxen dicke"?
Oct 31, 2024
Show notes
Vom Fickesfackes zu den Faxen
Es gibt ein altes deutsches Wort, das heißt "fickfacken"; das bedeutet, sich hin und her bewegen. Es hat auch mit "nicht lange fackeln" zu tun. Wenn jemand nicht lange fackelt, dann bewegt er sich nicht lange hin und her. Und das Hin- und Herbewegen empfand man oft als Lavieren, als etwas Unangenehmes sogar. Deswegen gab es irgendwann Fickesfackes als Bezeichnung von Streichen, die jemandem gespielt werden, als etwas sehr, sehr Unangenehmes.
Weil Fickesfackes dann doch ein bisschen lang war, hat man nur noch von Fackes gesprochen. Das verkürzte sich zu den Faxen und hat sich bis heute gehalten.
Damals aber, also vor locker 300 Jahren, wusste man vom Faxgerät noch nichts.
"Beutelschneiderei" – Wo hat dieser Ausdruck seinen Ursprung?
Oct 30, 2024
Show notes
Die Leute hatten früher ihre Wertsachen in Beuteln bei sich. Und Beutelschneider waren geschickt genug, um einem anderen den Beutel abzunehmen. Es gibt übrigens auch heute noch Leute, die einem die Hosensäcke oder die Rucksäcke in der U-Bahn aufschneiden.
Es ist also ein "altes Handwerk", fast schon ehrenwert.
Sieht man von der ISS aus Sternbilder?
Oct 30, 2024
Show notes
So viele Sterne, dass einzelne Sternbilder nicht mehr zu sehen sind
Sternbilder sieht man, wenn in der Nacht der Mond scheint, sodass es hell genug ist. In einer mondlosen Nacht, auf der dunklen Seite der Erde, wenn der Mond gerade nicht am Himmel steht, sieht man so viele Sterne, dass man die einzelnen Sternbilder nicht mehr erkennen kann.
Außerdem muss man relativ schnell sein, um sie zu erkennen, denn die Raumstation dreht sich so schnell um die Erde, dass alles sehr schnell an einem vorbeifliegt, also auch die Sternbilder. Die verschwinden sehr schnell.
SWR 2015
Warum ist die Erdnuss keine Nuss?
Oct 30, 2024
Show notes
Gesellige Hülsenfrüchte mit holziger Hülle
Botaniker teilen Pflanzen gern nach Verwandtschaft ein. Wenn man fragt: Mit welchen anderen Pflanzen ist die Erdnuss verwandt? – dann steht die Erdnuss den Bohnen und Erbsen viel näher als zum Beispiel der Haselnuss oder der Walnuss. Das kann man auch daran erkennen, wie Erdnüsse "verpackt" sind. Sie befinden sich nämlich – ähnlich wie Bohnen und Erbsen – in einer länglichen Hülse; in der Regel zusammen mit einer weiteren Erdnuss. Es sind somit Hülsenfrüchte. Der Unterschied zu Bohnen und Erbsen ist im Wesentlichen, dass diese Hülse holzig ist und man sie – anders als bei Bohnen – nicht mitisst.
Echte Nüsse sind Einzelgänger: jeder Samen mit eigener Schale
Echte Nüsse dagegen sind immer "einzeln" verpackt. Jede Nuss ist ja ein Samen, und jeder Samen hat bei echten Nüssen wie der Haselnuss eine eigene Schale. Deshalb sagen Botaniker: Die Erdnuss ist keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht.
Man kann aber Früchte auch danach einteilen, wie sie aussehen und beschaffen sind. Und da kann man die Erdnuss dann doch als Nuss bezeichnen. Denn sie befindet sich zwar in einer Hülse, aber anders als bei anderen Hülsenfrüchten bleibt diese Hülse grundsätzlich verschlossen – genau wie die Schale der Nuss. Die Erdnuss reift außerdem in der Erde, sie schmeckt nussig und man kann sie roh essen – anders als Erbsen und Bohnen. Und Erdnüsse enthalten viel Fett – genau wie echte Nüsse.
Deshalb kann man sagen: Für Botaniker mag die Erdnuss keine Nuss sein – aber man kann Früchte auch danach einteilen, wie sie aussehen und wie man sie verwendet. Und in diesem Sinn ist sie dann doch eine Nuss.