Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Woher kommt der Ausdruck "Schema F"?
Apr 04, 2024
Show notes
Frontrapport – Formular beim preußischen Militär
Die Redewendung geht zurück auf das preußische Militär. "Schema" war damals ein Ausdruck für ein Formular. Und "F" stand für "Frontrapport".
Das Schema F wurde 1861 von der preußischen Armee eingeführt. Auf diesem Formblatt wurde erfasst, wie eine Truppeneinheit ausgestattet ist, wie viele Soldaten und Waffen sie hat. So wurde sichergestellt, dass sie an der Front mit voller Kriegsstärke einsetzbar war. Dazu gab es einen Vordruck, eben den Frontrapport – und deshalb "Schema F".
Das ist zumindest die gängige Erklärung zur Herkunft des Ausdrucks. Da das Wort Schema gleichbedeutend war mit Formular, ist aber auch nicht überraschend, dass auch andere Formulare Schema F genannt wurden.
"Instruktion über das Scheibenschießen" von 1855
Schon 1855 gab es ebenfalls in der preußischen Armee eine Gebrauchsanweisung für bestimmte Gewehre. Wörtlich heißt sie "Instruktion über das Scheibenschießen der mit Zündnadel-Gewehren bewaffneten Infanterie-Bataillone". Und in dieser Anleitung findet sich auch das Wort "Schema F" als ein Berichtsformular, in dem man festhielt, welche und wie viel Munition man beim Üben mit diesem Gewehr benutzt hat.
Möglicherweise stammt unser "Schema F" also auch daher. Dagegen spricht allerdings, dass dies eine sehr spezielle Gebrauchsanweisung war. Deshalb ist fraglich, ob das wirklich Eingang gefunden hat in die allgemeine Umgangssprache. Deshalb gilt die Erklärung mit dem Frontrapport als die wahrscheinlichere.
Doch so oder so: Das Schema F stammt offenbar aus der Militärsprache.
Tatsächlich zeichnete sich für die preußische Armee damals schon Krieg ab: 1864 kam es zum Deutsch-Dänischen Krieg und 1866 zum sogenannten Deutschen Krieg zwischen Preußen und dem Deutschen Bund unter der Führung Österreichs.
Warum hören viele nicht, dass sie falsch singen?
Apr 03, 2024
Show notes
Kaum Training des eigenen Gehörs im Alltag
Das kann daran liegen, dass sie generell nicht gut darin sind, feine Tonhöhenunterschiede wahrzunehmen. Das liegt in vielen Fällen daran, dass sie es gar nicht gewohnt sind, darauf zu achten. Nehmen wir das Klischee: Gesänge im Stadion oder auf einer Party. Da achten die wenigsten auf die Korrektheit der Intonation, auch nicht die der anderen, weil es darum nicht geht.
Schiefe Töne kann man durch Übung erkennen – so gut wie ein Profi
Wer es nicht gewohnt ist, darauf zu achten, hat entsprechend wenig Übung darin, schiefe Töne zu erkennen. Wenn man das aber übt, geht das eigentlich recht schnell. Es gab vor ein paar Jahren eine Studie vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, die sogar zu dem Ergebnis kam, dass Laien im Grunde genauso gut hören, wenn jemand falsch singt, wie eine ausgebildete Musikerin. Sogar bei kleinen Kindern kann man zeigen, dass sie schiefe Töne oft recht gut erkennen können.
Es gibt wenige Menschen mit einer angeborenen Amusie – die können zum Beispiel keine Melodien erkennen oder wiedergeben. Aber von denen abgesehen können die meisten Menschen schiefe Töne bei anderen durchaus wahrnehmen.
Eigene Stimme hören wir über die Luft und den Körper
Das ist dann auch eine gute Voraussetzung, um die Treffsicherheit der eigenen Stimme richtig einzuschätzen. Aber wenn es um den eigenen Gesang geht, ist die Situation ein bisschen anders, da wir unsere eigene Stimme anders hören als die von anderen. Wir hören unseren eigenen Gesang nämlich nicht nur über die Luft, sondern auch über den Körper – gerade unsere Schädelknochen vibrieren nämlich mit, wenn wir reden oder sprechen. Auch diese Schwingungen kommen im Innenohr an. Weil das ein etwas anderes Hören ist, kann es passieren, dass wir schiefe Töne bei anderen zwar schnell erkennen, bei uns selbst aber nicht so gut.
Wechsel zu "bequemeren" Tonlagen während des Singens
Hinzu kommt, dass wir zum eigenen Gesang buchstäblich weniger Abstand haben. Wir sind quasi zu beschäftigt, um uns selbst objektiv zuzuhören. Und dann passiert es, dass zum Beispiel die Melodie eines Liedes immer weiter ansteigt und die Töne Höhen erreichen, die ungemütlich werden, wo es uns anstrengt. Viele Leute reagieren dann unbewusst, indem sie die Töne etwas tiefer singen – aber eben damit auch falsch.
Auch das ist eine Übungssache. Es gibt viele Apps, die Tonhöhen anzeigen. Mit denen kann man sehr schnell sehen, ob der Ton, den man singt, auch der ist, den man singen will. So kriegen die meisten Menschen recht schnell ein Gefühl – zumindest dafür, zu erkennen, dass sie schief singen. Und das ist der erste Schritt, um zu üben, die Töne richtig zu treffen.
Kann man "gutes Singen" objektiv beurteilen, oder sind das soziale Normen?
Beides. Ob man Töne richtig trifft oder nicht, ist ein objektives Kriterium. Ein weiteres ist, ob man mit der richtigen Atmung und Haltung singt, sodass es nicht anstrengt und man das beste aus seiner Stimme herausholt. Aber ob eine Stimme an sich schön ist oder nicht, ist ziemlich subjektiv. Am Ende kommt es darauf an, ob jemand es schafft, uns mit seiner Stimme zu berühren. Das hat wenig mit starren Regeln zu tun als viel mehr damit, ob es jemand schafft, seinet Stimme einen einerseits emotionalen, gleichzeitig aber auch authentischen, glaubwürdigen Ausdruck zu verleihen.
Wie lange dauert der Sonnenuntergang am Nordpol?
Mar 20, 2024
Show notes
Am Äquator ist die Sonne im Nu hinterm Horizont verschwunden. Bei uns dauert die Dämmerung schon etwas länger – und noch länger dauert der Untergang, wenn wir weiter nach Norden fahren, nach Skandinavien oder Schottland. Ab dem Polarkreis geht die Sonne an manchen Sommertagen gar nicht mehr unter. Und am Nordpol herrscht bekanntlich eine Extremsituation.
Dort steht die Sonne ein halbes Jahr lang durchgehend am Himmel – ein halbes Jahr lang ist "Tag", gefolgt von einem halben Jahr "Nacht". Diese Polarnacht beginnt am Tag der Wintersonnenwende, nämlich um den 23. September herum.
Ein Sonnenuntergang, der länger als ein Tag dauert
Ich sage: "um … herum", weil der Sonnenuntergang tatsächlich länger dauert als einen Tag, nämlich etwas mehr als 32 Stunden – also einen ganzen Tag und noch 8 Stunden dazu! So viel Zeit vergeht von dem Zeitpunkt an, in dem die Sonne den Horizont gerade so berührt bis zu dem Moment, wo sie ganz dahinter verschwunden ist.
Das kommt daher, dass die Sonne in einem sehr flachen Winkel absinkt. Selbst am Sommeranfang, am 21. Juni, steht die Sonne nur 23,5° über dem Horizont. Dann hat sie drei Monate Zeit, von diesem ohnehin schon niedrigen Punkt wieder Richtung Horizont abzusinken.
Man kann sich vorstellen, dass auch die Schlussphase sehr lange dauert. Und währenddessen dreht sich die Erde ja auch am Nordpol um sich selbst. In der Konsequenz bedeutet das: Während des Sonnenuntergangs am Nordpol streift die Sonne einmal ringsum den gesamten Horizont – und braucht dann noch weitere 8 Stunden, um endgültig zu verschwinden.
Könnte man etwas unsichtbar machen, wenn man es mit ultravioletter Farbe bestreicht?
Mar 12, 2024
Show notes
Nein, aber die Idee klingt natürlich bestechend. Andererseits: Wenn es möglich wäre, hätte das wohl schon mal jemand gemacht. Wo also ist der Haken? Andersherum gefragt: Wann ist etwas überhaupt sichtbar?
Sichtbar sind entweder Objekte, die selber Licht erzeugen und ausstrahlen – wie die Sonne oder eine Glühlampe – oder Objekte, Oberflächen, die Licht reflektieren. Fast alles, was wir täglich sehen, sind Oberflächen, die Sonnenlicht reflektieren.
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
Und weiter:
Man muss unterscheiden, dass es zwei Arten von „sehen“ gibt. Nämlich das physikalische Sehen – es kommt Licht und dringt in unser Auge ein. Das ist der physikalische Teil des Sehens. Aber was uns bewusst wird, bedarf einer Verarbeitung durch das Gehirn; das will ich als das „Wahrnehmen“ bezeichnen. Das ist nun wichtig, wenn wir fragen: Was ist unsichtbar und was ist sichtbar?
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
Entsprechend, erklärt der Materialwissenschaftler, gibt es auch zwei Varianten der Unsichtbarkeit. Variante 1 bedeutet: Unsichtbar im Sinne von durchsichtig, transparent.
Luft zum Beispiel oder eine hochtransparente Glasscheibe können wir physikalisch nicht sehen, weil von dort kein Licht zu uns zurückkommt.
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
Und gleich die Einschränkung: Luft strahlt durchaus. Sie sendet elektromagnetische Wellen durch den Raum. Doch diese können wir nicht sehen, denn unsere Augen sind nur für einen winzigen Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums überhaupt empfänglich. Wir sehen keine Radiowellen – deren Wellenlänge ist viel zu lang. Wir sehen keine Röntgenstrahlen – die sind viel zu kurz.
Unsere Augen sind eigentlich ziemlich beschränkt. Sie sehen nur die Farben des Regenbogens, und der ist ein dünner Strich in der Landschaft der elektromagnetischen Wellen. Würden wir die Wellenlängen der Regenbogenfarben in Schallwellen übersetzen, dann entspräche der Abstand zwischen dem inneren und äußeren Rand des Regenbogens gerade mal einer Oktave. Mehr nicht. Alle Lichtfrequenzen, die größer oder kleiner sind, sehen wir nicht.
Alle diese diversen Strahlenbereiche, da strahlt Luft zum Beispiel im Mikrowellen- oder im Infrarotbereich. Wenn Sie Luft von Raumtemperatur vor eine kalte Wand blasen würden, dann würden Sie im Infrarot sehen, dass die Luft Wärme abstrahlt, Infrarotlicht abstrahlt. Dass wir Luft nicht sehen, ist also nur ein Phänomen des ganz kleinen Ausschnitts an Strahlung, den unser Auge wahrnimmt.
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
Bleibt die Frage: Warum sind manche Stoffe dann durchsichtig – transparent – während andere das Licht reflektieren? Was ist es, was das Licht gewissermaßen im Stoff zur Umkehr zwingt? Es sind Elektronen, so der Experimentalphysiker Metin Tolan:
Wenn elektromagnetische Wellen – Licht – auf einen bestimmten Stoff treffen, werden sie absorbiert oder nicht absorbiert. Das hängt von den Elektronen im Stoff ab. Wenn die Elektronen richtig mitschwingen können, wenn die richtig angeregt werden, werden die elektromagnetische Wellen absorbiert, die Elektronen verschlucken sie sozusagen. Im Glas können die Elektronen nicht so angeregt werden, deswegen ist das Glas durchsichtig.
Quelle: Metin Tolan, Experimentalphysiker
Glas oder auch Luft sind also durchsichtig, weil es keine Resonanz gibt – die Elektronen sind so eng an die jeweiligen Atome gebunden, dass sie sich von den Lichtstrahlen nicht stören oder gar zum Mitschwingen verleiten lassen. Deshalb geht das Licht einfach durch, ohne seine Energie abzugeben. Aber diese Stoffe sind bekanntlich eher die Ausnahme.
Bei Metallen ist es genau nicht so. Da sind die Elektronen nicht so fest gebunden, die sind frei beweglich. Deshalb können Sie mit elektromagnetischen Wellen diese Elektronen natürlich auch ganz leicht anregen – und deshalb sind Metalle nicht durchsichtig. Diese Erklärung ist stark vereinfacht, aber das ist der Effekt.
Quelle: Metin Tolan, Experimentalphysiker
Zoomen wir uns nun wieder etwas heraus aus der Tiefenstruktur der Moleküle, der Atome und Elektronen. Denn da war ja noch die zweite Art der Unsichtbarkeit, von der Hans Kricheldorf gesprochen hat: In dieser Variante gelangen von einem Objekt zwar Lichtstrahlen in unser Auge – wir können es also physikalisch sehen – aber nicht wahrnehmen, einfach deshalb weil wir zwischen Objekt und Hintergrund keine Grenze erkennen können.
Stellen Sie sich vor, dass Sie ein weißes Blatt Papier auf einen weißen Hintergrund kleben, der genau das gleiche Licht abstrahlt wie das weiße Papier. Jetzt gehen Sie 10 Schritte zurück, sodass Sie den Rand des Papieres nicht mehr sehen. Dann sehen Sie physikalisch das Papier, es strahlt Ihnen nämlich weißes Licht ins Auge – aber Ihr Gehirn kann es nicht mehr wahrnehmen. Und das ist der Witz von Tarnanstrichen oder Tarnüberzügen. Das machen Lebewesen in der Natur oder die Bundeswehr beim Einsatz.
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
In der Frage , ob man etwas mit ultravioletter unsichtbar machen kann, werden nun genau diese beiden Varianten von Unsichtbarkeit vermischt.
Beim Tarnen können Sie mit Anstrichen etwas erreichen, aber Sie können nicht durch Anstriche etwas komplett durchsichtig machen, so als ob es Luft wäre. Wenn Sie etwas Sichtbarem das reflektierte Licht wegnehmen wollen, würde die Sichtbarkeit für unser Auge nicht verschwinden. Denn wenn Sie einer Oberfläche, die Sie jetzt sehen, weil sie Licht reflektiert, diese Strahlung wegnehmen, dann ist sie einfach schwarz, aber als schwarzes Objekt natürlich sichtbar.
Quelle: Hans Kricheldorf, Professor für makromolekulare Chemie
Die "ultraviolette" Farbe wäre natürlich genauso schwarz.
Woran merken Frauen den Beginn der Wechseljahre?
Mar 05, 2024
Show notes
Unregelmäßiger Zyklus, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen
Hitzewallungen bekommen Frauen typischerweise erst, wenn die Eierstockfunktion nicht mehr viel macht. In der Zeit davor haben sie Hitzewallungen vielleicht nur ab und zu, vielleicht zum Zeitpunkt der Regelblutung. Typischerweise werden die Blutung ganz am Anfang ein bisschen unregelmäßiger. Der Zyklus verkürzt sich ein bisschen: Früher waren es 28 Tage, dann sind es plötzlich nur noch 26 und dann werden die Zyklen zunehmend unregelmäßiger. Und dann kommen diese Symptome wie Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Das ist der Klassiker, der in dieser ganz frühen Phase der Wechseljahre auftritt.
Viele Stressfaktoren in der Lebensmitte: Kinder, Eltern, Job – und Klimakterium
Es kann auch sein, dass die Frauen häufiger Migräne haben. Sie fühlen sich vielleicht nicht wohl, bemerken eine gewisse Ängstlichkeit, die sie vorher gar nicht hatten. Und ab und zu mal eine Hitzewallung. Aber die stehen häufig in dieser frühen Phase gar nicht im Vordergrund. Das Gemeine daran ist, dass das in eine Phase des Lebens fällt, wo so viel passiert. Es geht dann eben nicht nur um eine hormonelle Veränderungen, sondern man hat in der Lebensmitte vielleicht noch kleine Kinder oder die Kinder sind gerade in der Pubertät. Da stellt sich die Frage: Was mache ich dann mit meinem Leben – von Burn-out bis Bore-out gibt es einfach alles. Oder die Beziehung steht plötzlich noch mal zur Diskussion. Dann gibt es die Eltern, die kränker werden, der Job ... All das läuft parallel zu diesen hormonellen Veränderungen. Deshalb ist das manchmal schwer auseinanderzuhalten und Frauen denken oft gar nicht darüber nach, dass ihre Symptome eigentlich was mit dem Klimakterium zu tun haben könnten, sondern sie denken: Mein Gott, das ist der Job, ich kann nicht mehr, es ist alles viel zu viel geworden. – Das mag sein, aber vielleicht spielen die Hormone dann eben auch eine Rolle.
Kehren Vögel an die alte "Adresse" zurück?
Mar 01, 2024
Show notes
Da gibt es momentan noch Unsicherheiten. Wir setzen aber große Hoffnung in das globale Beobachtungssystem, das wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln. Wenn das in zwei Jahren an der Internationalen Raumstation sitzt, können wir zum ersten Mal weltweit und auf dem ganze Zug eine Schwalbe beobachten. Dann können wir herausfinden, wohin die Schwalben gehen, die eben nicht mehr zurückkommen.
Das ist für den Schutz der Tiere sehr wichtig, weil wir dann zum ersten Mal verstehen: Was passiert denen? Bleiben sie irgendwo über dem Mittelmeer in einem schlechten Wetter hängen und stürzen ab? Kommen sie nicht über die Sahara? Sind die Insekten im Sudan nicht mehr da oder werden die irgendwie Pestizid behandelt? Was passiert den Schwalben wirklich?
Gibt es Vögel, die immer zum selben Nistkasten zurückkehren?
Ja. Es ist sehr spannend, wie die den wiederfinden. Wir haben bereits einige Hinweise darauf, wie diese Navigation zwischen Kontinenten Jahr für Jahr funktionieren kann. Es ist faszinierend, dass eine Schwalbe zum selben Nest zurückkehrt und zwischendurch in Südafrika war.
SWR 2014
Wie ist die Krawatte entstanden?
Mar 01, 2024
Show notes
Kroatische Söldner kämpften mit Halstuch für König Ludwig XIII.
Die Spur führt an den französischen Hof und zwar genau in die Zeit, in der die "Drei Musketiere" spielen: 1635, Ludwig XIII., Kardinal Richelieu, Dreißigjähriger Krieg.
Just in jener Zeit heuerte der König Kämpfer aus dem Ausland an, darunter ein paar Tausend Söldner aus Kroatien. Diese kroatischen Reiter sollen nun auffallend geknotete Halstücher getragen haben. Allerdings sahen die noch nicht so aus wie der herabhängende Schlips von heute, sondern waren eher zu einem breiten Fächer geknotet.
Beim Nachfolger von Ludwig XIII. – dem "Sonnenkönig" Ludwig XIV. – haben sich diese geknoteten Halstücher zunehmend durchgesetzt. Das ist zumindest die Legende. Vielleicht wurde da auch das ein oder andere dazugedichtet.
Kroaten sind Namensgeber der heutigen Krawatte
Unstrittig ist nur, dass die "Kroaten" – die sich selbst "Hrvati" nennen – zum Namensgeber dieses Tuches wurden, das wir heute als "Krawatte" kennen.
Manche Historiker weisen allerdings darauf hin, dass die Ursprünge des Schlipses weiter zurück reichen. Grundsätzlich sind Halstücher von alters her Insignien der gehobenen Stände, beliebt seit dem Altertum auch speziell bei Soldaten. Aber die spezielle Variante, die schließlich Krawatte genannt wurde, ist wohl erst im 17. Jahrhundert entstanden. Es hat weitere 200 Jahre gedauert, bis im 19. Jahrhundert aus dem Halstuch der "Hrvati" der Langbinder wurde, den wir heute kennen, also der herabhängende zweiendige Schlips.
Welches ist das härteste Metall?
Feb 29, 2024
Show notes
Wenn wir wirklich von reinen Metallen sprechen, also nicht von Legierungen wie Stahl oder von Metalloxiden, dann sind die härtesten Metalle Osmium bzw. Chrom. "Bzw." bedeutet: Es kommt darauf an, welche Definition von "Härte" man anwendet.
Umgangssprachlich wissen wir ja ganz gut, was wir mit "hart" meinen: Je härter etwas ist, desto mehr tut’s weh, wenn man sich den Kopf daran stößt. Früher hat man Härte vor allem relativ definiert: Man hat mit einem Material ein anderes gekratzt. Und das Material, das das jeweils andere geritzt hat – also Kratzer hinterlassen hat – war das härtere Material.
Chrom – unter den Metallen das "Ritzstärkste" nach Mohs
Demnach ist Gips härter als Kreide oder Talk, Glas ist härter als Gips, Quarz ist härter als Gold, Rubin ist härter als Quarz und am allerhärtesten sind Diamanten. So entstand eine Skala von 1 bis 10 – man spricht von "Mohs-Härte". Talk hat demnach Härte 1, Diamant Härte 10 und Chrom hat hier eine Härte von 8,5. Chrom ist also deutlich dem Diamanten unterlegen, aber unter den Metallen eben das härteste im Sinne von das "Ritzstärkste".
Heute wird Härte meist etwas anders definiert. Härte bezeichnet den Widerstand, den ein Material einem eindringenden Körper entgegenzusetzen hat. Wenn ich einen Stein auf ein Autoblech werfe, dringt er zum Ärger des Besitzers recht tief ein und verursacht eine bleibende Delle. Ein Autoblech ist somit nicht so hart wie beispielsweise eine Stahlplatte. Und so gibt es genau definierte Verfahren, um die Eindringtiefe in ein Material zu messen. Das ist die sogenannte "Brinell-Härte".
Ähnlich dicht, aber härter als Platin: Osmium und Iridium
Es gibt eine Reihe von ziemlich harten Metallen, die chemisch in die Gruppe der Platin-Metalle gehören. Die haben die Eigenschaft, dass sie ziemlich dicht sind; ein Kubikzentimeter Platin wiegt ungefähr 20 Gramm – also das Zwanzigfache von Wasser. Man kann sich vorstellen, dass die Dichte eines Metalls auch damit zu tun hat, wie hart es ist. Platin ist ja schon recht hart, aber es gibt ein paar Elemente, die sich im Periodensystem der Elemente nicht weit weg vom Platin befinden und ähnlich dicht sind, aber viel härter.
Osmium – das härteste Metall nach Brinell
Zu diesen Elementen gehören Osmium, Iridium und Wolfram; die sind alle sehr dicht. Osmium ist das dichteste Material, das es überhaupt gibt und das härteste Metall – wenn man diese Brinell-Härte anwendet, also Härte nach Eindringtiefe misst.
Dass diese Metalle so dicht sind, bedeutet ja nichts anderes, als dass die einzelnen Atome sehr dicht und kompakt beieinander liegen. Und genau aus dem Grund haben sie auch eine hohe Schmelztemperatur: Osmium und Wolfram schmelzen erst bei über 3.000° C.
Diese hohe Schmelztemperatur war auch einer der Gründe, dass zunächst Osmium, später auch Wolfram, als Leit-Metalle bei den frühen Glühlampen zum Einsatz kamen – also als Glühfäden. Wir kennen die bekannte Glühlampen-Firma Osram – der Name leitet sich aus dieser Verbindung ab: Osmium und Wolfram.
Haben die Rothschilds eine besondere Macht?
Feb 27, 2024
Show notes
Nein – jedenfalls keine, die über die "Macht" anderer kleiner Banken hinausgeht. Die "Rothschilds" als geschlossenen Familienverbund gibt es so auch gar nicht mehr. Der Mythos Rothschild ist Bestandteil vieler antisemitischer Verschwörungstheorien. Um zu verstehen, woher er kommt, muss man zurück ins 19. Jahrhundert, als die Rothschild-Banken tatsächlich einen gewissen Einfluss hatten.
Mayer Amschel Rothschild – ein jüdischer Kaufmann
Das hat angefangen mit dem Frankfurter Kaufmann Mayer Amschel Rothschild, der in der Frankfurter Judengasse – also im Getto – geboren ist. Für Juden galten da strenge Regeln: Sie durften das Getto nachts nicht verlassen, sie durften außerhalb des Gettos keine Grundstücke besitzen und so weiter.
Mayer Amschel Rothschild machte für sich das Beste daraus, er handelte mit Münzen und Antiquitäten, kam dadurch zu einem gewissen Wohlstand. Er stieg ins Bankgeschäft ein und war damit extrem erfolgreich. Ihm gelang es nicht nur, wichtige Banken und Adelige als Kunden zu gewinnen, sondern auch Fürsten wie den Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel. Zusammen mit anderen Kaufleuten hat er auch als Heereslieferant Unternehmungen durchgeführt.
Das "Haus Rothschild" im 19. Jahrhundert
Rothschild setzte schließlich eigene Staatsanleihen auf. Das heißt, er sammelte von Anlegern Geld, das er auch an Staaten wie Dänemark oder Großbritannien verliehen hat. Und Rothschild hat seine Söhne in die Geschäfte eingebunden. Einer von ihnen, Nathan Mayer Rothschild, hat sogar schon 1805 in London eine eigene Bank gegründet, bevor 1810 in Frankfurt das Bankhaus Mayer Amschel Rothschild und Söhne entstand. Später kam es zu weiteren Bankgründungen. Die Banken der Rothschilds bilden auch weltweit gesehen eine äußerst finanzstarke Unternehmensgruppe im 19. Jahrhundert. Und natürlich war damit auch ein gewisser Einfluss verbunden.
Verschwörungslegenden: Die jüdischen Rothschilds als "Friedensgewinnler"
In dieser Zeit wurden die Rothschilds Objekt von Verschwörungslegenden. Und dass es sich um ein jüdisches Bankhaus handelte, hat dem nur noch weiter Vortrieb geleistet. Ich will diese Legenden hier gar nicht wiederholen. Man muss sich nur klarmachen: Der Einfluss der Rothschilds war vor allem ein finanzieller – sie konnten Geld an Regierungen verleihen. Das heißt aber natürlich nicht, dass sie denen auch sagen konnten, was diese zu tun und zu lassen haben.
Die Familie Rothschild: Verschwörungsmythen aus dem 19. Jahrhundert
Gelegentlich wurde den Rothschilds nachgesagt, dass sie den ein oder anderen Krieg verhindert hätten. Es wurde unterstellt, dass sie aus geschäftlichen Gründen kein Interesse an Krieg und Rezession hatten und sich deshalb geweigert hätten, einzelnen Herrschern Geld für Kriege zur Verfügung zu stellen. Auch das wurde ihnen damals negativ angekreidet, aber ob ihr Einfluss wirklich so weit ging, ist heute schwer zu sagen.
Was von den Rothschild-Unternehmen übrig blieb
Die Söhne von Mayer Amschel Rothschild gingen also ins Ausland und gründeten eigene Bankhäuser und Investmentgesellschaften. Das hat sich mit der Zeit zerfasert: Manche Unternehmen haben sich aufgelöst, andere wurden verstaatlicht und wieder andere gingen an die Börse, sodass sie mehrheitlich gar nicht mehr im Besitz irgendwelcher Rothschild-Nachkommen sind. Es gab in den letzten 200 Jahren zahlreiche Generationswechsel, und wie man sich vorstellen kann, gibt es in so einer Familie auch immer wieder Zerwürfnisse.
Jüdisches Leben in Deutschland – Historische Aufnahmen im Archivradio
Geblieben sind heute im Grunde noch drei Finanzgruppen, eine britisch-französische unter dem Namen "Rothschild & Co.", die nach wie vor im Bereich Investmentbanking und Vermögensverwaltung aktiv ist. Dann eine zweite unabhängige britische Investmentgesellschaft "RIT Capital Partners", für die auch der im Februar 2024 verstorbene Baron Jacob Rothschild gearbeitet hat.
Und schließlich die Schweizer Gruppe Edmond de Rothschild, die sich mehr auf Immobilien, Hotels und Weingüter konzentriert und der es gar nicht gepasst hat, dass sich das Unternehmen des britisch-französischen Familienzweigs – Paris Orleans SA – umbenannt hat in Rothschild & Co. Die Schweizer meinten, es gäbe nur Platz für eine Firma mit dem Namen Rothschild.
Mythos statt Macht: Die große Zeit der Privatbanken ist vorbei
Einzelne Mitglieder der Familie Rothschild besitzen auch privat nach wie vor große Vermögen, aber damit noch keine besondere "Macht". Ihre verbliebenen Banken sind längst Zwerge im Vergleich mit den heute wirklich großen Bankhäusern und Finanzunternehmen. Sucht man wiederum nach Verbindungen in die Politik, kann man vereinzelt das ein oder andere finden. Etwa, dass der französische Präsident Emanuel Macron mal eine Zeitlang als Investmentbanker bei Rothschild & Co. gearbeitet hat – so wie andere Politiker bei anderen Firmen gearbeitet haben.
Die ehemaligen Schlösser von Mitgliedern der Rothschild-Familie sind – auch wenn sie teilweise noch "Rothschild" heißen – größtenteils längst verkauft. Das Palais Rothschild in Frankfurt etwa ging schon vor der NS-Zeit infolge der Weltwirtschaftskrise in den Besitz der Stadt Frankfurt über und beherbergt heute das Jüdische Museum – in dem man sich übrigens auch über die Geschichte der Rothschilds informieren kann.
Warum zieht es "wie Hechtsuppe"?
Feb 26, 2024
Show notes
Man liest oft, "es zieht wie Hechtsuppe" komme von "hech sup(p)ha", ein angeblich jiddisch-hebräischer Ausdruck für "Windsbraut, starker Sturm". Allerdings finden sich die Worte so nirgendwo, wie der Jiddist Simon Neuberg bestätigt, schon gar nicht als Bezeichnung für schlecht schließende Fenster.
Würzige Fischsuppe muss kräftig ziehen
In Wirklichkeit bezog man sich im Deutschen auf die Ähnlichkeit von einer traditionell scharf gesalzenen und gepfefferten Fischsuppe mit einem scharfen Luftzug. Das hat damit zu tun, dass Fischsuppe ziehen muss, damit sich der Geschmack der Fische der Brühe mitteilt. Deswegen sagte man auch, wenn es durch Fensterritzen zog: "Das zieht wie eine Fischsuppe."
Das hat sich dann um 1800 weiterentwickelt. Da war der Hecht ein besonders toller Fisch. Und so war "es zieht wie Hechtsuppe" statt "es zieht wie Fischsuppe" einfach eine verstärkende Variante.