Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Warum sind wir "bass erstaunt"?
Aug 05, 2024
Show notes
(Nicht) geeignet für Bassisten-Witze
Darüber wurden schon viele Bassisten-Witze gemacht, aber "bass erstaunt" hat nichts mit tiefen Tonlagen zu tun.
Vielmehr bedeutete das Wort "bass" früher einfach so viel wie "sehr" oder "stark". Und noch früher, im Mittelalter, bedeutete bass das Gleiche wie "besser", war also eine Steigerungsform von "gut".
Gut, besser, am besten – so wird das Wort heute gesteigert. Früher benutzte man statt "gut" eher das Wort "wohl". Vor allem als Adverb wie in: "Das kann ich mir wohl vorstellen!" – Die Steigerungsform zu "wohl" war "bass". Das hat sich verselbständigt und "bass" wurde zu einem eigenen Adverb mit der Bedeutung "sehr", "äußerst", während sich als Steigerung von "gut" und "wohl" die Wortform "besser" durchsetzte. Oder eben "wohler": "Ich würde mich wohler fühlen, wenn die deutsche Sprache einfacher wäre."
Nicht nur erstaunt: andere Verwendungen von "bass"
Als "bass" die Bedeutung von "sehr" oder "äußerst" bekam, konnte man eben auch "bass erstaunt" sein, also ziemlich. Aber das Wort kam auch in anderem Zusammenhang vor. Davon zeugt das Gedicht "Das Hemmed" (Das Hemd) von Christian Morgenstern: "Kennst du das einsame Hemmed?" heißt es dort. "Ders trug, ist baß verdämmet!" – Das Hemd ist einsam, weil sein Träger tot ist, verdammt. Und zwar nicht nur ein bisschen verdammt, sondern "baß verdämmet", also ziemlich verdammt. Das Gedicht ist von 1887, damals wurde das Wort "bass" offenbar noch in anderen Zusammenhängen eingesetzt. Heute dagegen kommt es nur noch in Verbindung mit "erstaunt" vor – viele benutzen den Ausdruck, wissen aber gar nicht, warum. Eigentlich bass erstaunlich!
Der Bass in der Musik hat dagegen andere Wurzeln. Er kommt, wie viele musikalische Ausdrücke, aus dem Italienischen. "Basso" ist das italienische Wort für "niedrig" oder "tief". Das kann man natürlich auch auf Töne beziehen. Tiefe Töne sind schließlich das, was ein Bass hervorbringt – egal ob gesungen, gestrichen oder gezupft.
Warum sieht man in Frankreich viel mehr Wassertürme als bei uns?
Jul 29, 2024
Show notes
In Frankreich stehen ungefähr 16.000 Wassertürme – in Deutschland sind es vielleicht 2.000. Das hat zum Teil historische Gründe. Die meisten Wassertürme sind Bauwerke des 19. Jahrhunderts und sehen oft auch schön aus. Sie sind während der Industrialisierung entstanden, als die Städte gewachsen sind und es dort einen großen Bedarf an sauberem Trinkwasser gab.
Die Türme haben geholfen, einen konstanten Wasserdruck in den Leitungen aufrecht zu erhalten. Das funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Wenn ich Wasser von einem Punkt aus einer bestimmten Höhe durch eine Leitung herablasse, "will" das Wasser am anderen Ende der Leitung wieder diese Höhe erreichen. – Die Gebäude, in die die Leitungen münden, liegen niedriger. Deshalb steht das Wasser am Ende der Leitung – also am Wasserhahn – unter einem entsprechend konstanten Druck. Das war die Idee hinter den Wassertürmen.
Deutsche waren Vorreiter beim neuen Erdspeicher-Verfahren
Heute kann man das aber mit elektrischen Pumpwerken einfacher und billiger lösen. Wassertürme sind aber teuer: Sie müssen instand gehalten werden, man muss sicherstellen, dass sich kein Unbefugter Zutritt verschafft, Sicherheitsvorschriften sind zu beachten. Da sind Erdbehälter mit Pumpen im Verhältnis vier bis fünf Mal günstiger. In gebirgigeren Gegenden tun es auch Wasserbehälter auf einer Anhöhe über der Stadt.
Franzosen setzten auf Türme aus Stahlbeton
Zurück zur Geschichte der Wassertürme: Die Deutschen waren Anfang des 20. Jahrhunderts Vorreiter bei diesen neuen Erdspeicher-Verfahren und sind deshalb früher auf Erdspeicher umgestiegen. Dagegen setzten die Franzosen weiter auf Wassertürme, zumal man damals mithilfe des aufkommenden Stahlbetons solche Türme relativ schnell und schlicht bauen konnte. So gibt es in Frankreich heute in der Tat mehr solcher Türme – oft sind das aber keine schönen Backsteinbauten wie bei uns, sondern diese sehr funktionalen Betonbauten.
Wassertürme dienen heute anderen Zwecken
Was den deutschen und den französischen Wassertürmen aber gemeinsam ist: Die allerwenigsten werden noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Eben weil man heute andere, billigere Techniken hat. Die Wassertürme, die man heute noch sieht, stehen oft unter Denkmalschutz oder dienen einer anderen Verwendung – als Veranstaltungsort, Planetarium, Hotel, Fitnesscenter, als Fernsehturm wie auf dem Heidelberger Königstuhl oder einfach als Baudenkmal wie der bekannte Wasserturm in Mannheim.
Wie gefährlich ist es, wenn Medikamente heiß werden?
Jul 28, 2024
Show notes
Asthmaspray kann Wirkung verlieren, Pillen sind weniger empfindlich
Wenn zum Beispiel ein Asthmaspray zu lange in der direkten Sonne steht, dann heizt es sich sehr stark auf und dadurch kann es die Wirkung verlieren. Zumindest ist nicht mehr sichergestellt, dass immer genau die richtige Menge Wirkstoff raus kommt – das kann bei einem Asthma-Anfall gefährlich werden.
Tabletten oder Kapseln hingegen sind relativ unsensibel, die haben in der Regel keine großen Probleme mit hohen Temperaturen. Es wird aber trotzdem empfohlen, sie bei höchstens 25° zu lagern – einfach als Vorsichtsmaßnahme.
Welche Medikamente sind besonders betroffen ?
Vor allem die Medikamente, die ganz generell kühl gelagert werden sollen. Dabei bedeutet kühl tatsächlich im Kühlschrank. Insulin zum Beispiel – das gilt aber das ganze Jahr über und nicht nur im Hochsommer.
Auch Zäpfchen sind empfindlich – die bestehen aus Fett und lösen sich bei Hitze auf. Aber auch Cremes und Salben können schmelzen und sich in ihre Bestandteile auftrennen.
Wenn ein Medikament einmal geschmolzen ist, sollte man es übrigens auch dann nicht mehr verwenden, wenn es wieder abgekühlt und fest geworden ist. Der Wirkstoff könnte sich nämlich in der flüssigen Form ungleichmäßig verteilt haben und dann haben das Zäpfchen oder die Salbe nicht mehr die gewünschte Wirkung.
Wie merke ich, dass ein Medikament seine Wirkung verloren hat ?
Die meisten Veränderungen sind von außen nicht erkennbar. Aber wenn man sieht, dass die Tabletten spröde werden oder sich verfärben, wenn Salben oder Säfte die Konsistenz verändert haben, also wenn man irgendeine Veränderung an den Medikamenten wahrnimmt, dann sollte man lieber einmal in der Apotheke nachfragen, bevor man sie weiter nimmt. Das Gleiche gilt, wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Medikament vielleicht doch zu heiß geworden ist. Lieber einmal zu viel nachfragen.
Wie gehe ich mit Medikamenten bei großer Hitze um?
Alles, was nicht sowieso in den Kühlschrank muss, sollte in der Wohnung an einen halbwegs kühlen Ort. Das könnte zum Beispiel der Hausflur sein. Bei den paar extrem heißen Tagen muss man sich aber noch keine Sorgen machen, gerade Tabletten halten das aus. Es muss also nicht vorsichtshalber die komplette Hausapotheke in den Kühlschrank umziehen.
Wichtig ist aber: Die Medikamente sollten nicht in der prallen Sonne liegen und auch nicht in einem geparkten Auto gelagert werden – das erreicht schnell Temperaturen, die auch die stärkste Tablette nicht aushält.
Falls man aber in die Hitze muss und seine Medikamente mitnehmen muss, dann sollte man die auf jeden Fall in eine Isoliertasche oder Styroporbox packen.
Braucht man heute keine Blitzableiter mehr?
Jul 28, 2024
Show notes
Bei Wohnhäusern sind meist keine Blitzableiter vorgeschrieben
Doch. An den Empfehlungen und Richtlinien hat sich nichts geändert. In der Regel sind aber gerade bei Wohnhäusern keine Blitzableiter vorgeschrieben. In den Vorschriften gibt es eine Blitzschutz-Pflicht nur für besonders gefährdete Bauten. Damit sind dann wirklich entweder besonders exponierte Gebäude gemeint oder solche Bauten, bei denen ein Blitzschlag zu großen Schäden führen können. Das können auch alte denkmalgeschützte Häuser sein.
Schaden durch Blitzeinschlag ist bei modernen Gebäuden kalkulierbar
Natürlich kann ein Blitz auch in einem Neubau erheblichen Schaden anrichten. Aber er ist in der Regel kalkulierbar. So fangen moderne Häuser nicht mehr so schnell Feuer wie Fachwerkhäuser oder Häuser mit Strohdach. Die Gefahr, dass bei einem Blitzschlag gleich das ganze Haus abbrennt, ist heute deutlich geringer als früher. Allerdings haben wir heute auch viel mehr elektrische Geräte im Haus – Fernseher, Computer – sodass hier die Blitze, wenn sie einschlagen, oft einen größeren Schaden anrichten. Da geht dann nicht nur das Gerät kaputt, sondern der Blitz kann die ganze Elektroinstallation lahmlegen, wenn kein Blitzschutz vorgesehen ist. Dazu gehört übrigens nicht nur der Blitzableiter auf dem Dach, sondern auch der Überspannungsschutz in der Elektroanlage.
Das alles ist für die normalen Wohnhäuser aber nicht vorgeschrieben, und das mag ein Grund sein, warum viele Hausbesitzer oder auch Architekten sagen: Blitzableiter brauchen wir nicht.
Blitzschutz ist Kostenfaktor beim Hausbau
Es ist ja auch eine Kostenfrage. Früher gab es Anreize, zum Beispiel einen Nachlass bei der Brandschutzversicherung für Häuser mit Blitzschutz. Den gibt es heute in der Regel nicht mehr. Wenn es wirklich stimmt, dass immer weniger Häuser einen Blitzableiter haben, liegt es vielleicht genau daran: Dass es die Hausbesitzer Geld kostet. Und dann schauen die sich um und denken: Na ja, um mein Haus herum gibt’s Bäume oder andere Häuser, die noch höher sind, da wird der Blitz sich nicht gerade mein Haus aussuchen – und wenn, dann geht im schlimmsten Fall zwar die Elektrik kaputt, aber das zahlt ja die Versicherung. – Hier vermute ich den Grund dafür, dass Blitzableiter heute weniger verbreitet sind als früher, auch wenn ich dazu keine harten Zahlen gefunden habe. Aber wenn es stimmt, mögen das die Gründe sein: Eine geringere Risikowahrnehmung, die nur zum Teil sachlich wirklich gerechtfertigt ist.
Danke an: Klaus Stimper, Universität der Bundeswehr, und Jochen Stoiber, Architektenkammer Baden-Württemberg.
Können Spinnen hören?
Jul 27, 2024
Show notes
Spinnen haben keine Ohren – nach heutigem Forschungsstand
Spinnen haben nach heutigem Stand keine Ohren. Sie können trotzdem im weitesten Sinn so etwas wie "hören". Man kann sich das vorstellen, wenn wenn man überlegt, wie unsere Ohren funktionieren. Die registrieren Luftschwingungen – Schall ist ja nichts anderes als Luftschwingungen – und zwar mithilfe von ganz feinen Härchen im Innenohr.
Spinnen registrieren kleinste Schwingungen und Vibrationen
Spinnen haben ebenfalls ganz viele feine Härchen, allerdings nicht in einem Ohr, sondern an den Beinen und auch sonst am Körper. Auch diese Härchen registrieren kleinste Schwingungen bzw. Vibrationen – seien es Bewegungen auf dem Ast, auf dem sie sich gerade befinden, oder der Hauswand, aber eben auch Luftschwingungen.
Das heißt nicht, dass sie hören können in dem Sinn, dass sie so etwas wie einen Klang wahrnehmen. Aber sie können die Art von Luftschwingungen, die für uns einen Klang erzeugen, durchaus registrieren. Und das teilweise sogar über eine Entfernung von mehreren Metern, wie Forscher an Springspinnen herausgefunden haben.
Ob sie dann weglaufen, ist noch eine andere Frage, aber sie können sie registrieren. Als Sinnesorgan ist es jedoch eher ein Tastsinn als ein Hörsinn. Das heißt, sie haben zwar keine Ohren, aber verschiedene andere Sinnesorgane, die wir nicht haben und die wirklich feinste Bewegungen registrieren.
Kann es sein, dass bei Spinnen doch noch Ohren entdeckt werden?
Ich hatte ja gesagt, nach "heutigem Stand" haben sie keine. Denn bei Insekten, also Fliegen, Mücken dachte man auch lange, dass sie keine Ohren haben. Erst vor ein paar Jahren hat man dann entdeckt, dass sie doch welche haben.
Das Kuriose bei den Insekten: Diese Hörorgane sitzen an ganz verschiedenen Orten – also nicht unbedingt am Kopf, sondern auch mal an den Flügeln oder unten am Bauch. Manchmal natürlich auch am Kopf. Das hat man erst vor wenigen Jahren entdeckt. Deshalb: Wer weiß, vielleicht entdeckt man ja bei den Spinnen auch noch Ohren.
Sind Algen Pflanzen?
Jul 26, 2024
Show notes
Viele Unterschiede zwischen Algen und Pflanzen
Es gibt verschiedene Definitionen, aber in der Regel werden die Algen nicht zu den Pflanzen gezählt. Unstrittig ist auf jeden Fall die evolutionäre Verbindung: Es waren Grünalgen, aus denen vor Urzeiten die ersten Landpflanzen hervorgegangen sind. Das waren damals vor allem Moose. Unstrittig sind auch die Gemeinsamkeiten: Algen betreiben Photosynthese, genau wie Pflanzen – sie nutzen also Sonnenlicht, um zu wachsen. Speziell die Grünalgen nutzen dafür auch die gleichen Arten von Zellbestandteilen, nämlich die Chloroplasten.
Aber es gibt eben auch große Unterschiede: Algen sind viel einfacher gebaut als Landpflanzen, Algen haben keine Wurzeln, keinen Stamm oder Stängel. Das alles brauchen sie nicht, denn sie sind ja von Wasser umgeben.
Die Fortpflanzung läuft auch anders ab: Pflanzen sind „Embryophyten“. Sie bilden Samen, über die sie sich vermehren. Algen dagegen vermehren sich hauptsächlich über Zellteilung und über Sporen. Und bei den Algen gibt es auch viele einzellige Arten.
Meist denken wir zuerst an die großen Algen, die an die Strände gespült werden oder im Wasser treiben und die man in die Hand nehmen kann. Das sind die sogenannten Makroalgen. Aber für die Meeresökologie fast noch wichtiger sind die einzelligen Algen, die Mikroalgen, die man mit bloßem Auge gar nicht erkennt. Das wird auch Phytoplankton genannt.
Mikroalgen: Einzellige Algen unterscheiden sich klar von Bakterien
Diese einzelligen Algen haben mit Landpflanzen noch weniger Ähnlichkeit. Früher hat man die eher mit Bakterien verwechselt. Noch immer kursiert der Ausdruck Blaualge für bestimmte Einzeller, die aber in Wirklichkeit keine Algen, sondern Bakterien sind und heute als Cyanobakterien bezeichnet werden. Der Unterschied zwischen Bakterien und einzelligen Algen ist ganz klar: Algen haben einen Zellkern, Bakterien nicht. Das ist ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.
Algen sind Protoctisten
Weil sich nun Algen sowohl ganz klar von Bakterien als auch recht stark von Landpflanzen unterscheiden, werden sie in der Biologie einer Art „Zwischenreich“ zugeordnet, nämlich den Protoctisten – das ist ein eigenes biologisches Reich irgendwo zwischen den Bakterien und den noch höheren Organismen, also Pflanzen, Tieren und Pilzen. Zu diesen Protoctisten gehören zum Beispiel auch Wimperntierchen und Schleimpilze.
Es gibt allerdings auch Definitionen, wonach Algen in einem weiteren Sinn doch zu den Pflanzen gerechnet werden. In dieser Logik bestehen Pflanzen aus Landpflanzen einerseits und Algen andererseits. Das hat auch damit zu tun, dass die Algenkunde traditionell aus der Botanik, also der Pflanzenwissenschaft, hervorgegangen ist. In der Natur sind die Übergänge nun mal fließend – insofern sind verschiedene Definitionen möglich. Nach der vorherrschenden sind Algen aber keine Pflanzen.
Warum vergeht die Zeit im Alter schneller?
Jul 25, 2024
Show notes
Schon viel erlebt
Zum einen setzen wir die Zeit, die wir erleben, ins Verhältnis zu der Zeit, die wir schon erlebt haben. Für einen Zehnjährigen ist ein Jahr ein Zehntel seiner gesamten Lebenszeit, für eine Fünfzigjährige ist das selbe Jahr nur ein Fünfzigstel – sie hat schon 49 andere erlebt. Das ist ein Grund, warum uns das fünfzigste Lebensjahr kürzer vorkommt als das zehnte.
Hinzu kommt: Die Zeit erscheint uns im Rückblick umso länger, je mehr passiert ist. Das bestätigt der Psychologe Marc Wittmann, der sich in Freiburg intensiv mit dem Phänomen Zeiterleben beschäftigt:
Je mehr Inhalte im Gedächtnis, auch emotionale Inhalte – wenn ich zurückblicke auf den letzten Tag, die letzte Woche, das letzte Jahr – desto länger kommt mir dann auch dieses Zeitintervall vor.
Quelle: Marc Wittmann
In den ersten 30 Jahren passiert mehr Neues
Und das gilt auch fürs ganze Leben. In den ersten dreißig Lebensjahren passiert viel: Wir werden groß, Schule, Ausbildung, oft eine Reihe von Partnerschaften. In den zweiten dreißig Jahren kann sich auch noch einiges tun, aber in der Regel weniger. Wir bleiben so groß wie wir sind, die Persönlichkeit ist schon ausgebildet, unser Alltag ändert sich über lange Zeit oft nur wenig.
Im Alter passiert weniger "zum ersten Mal"
Deshalb kommen Menschen im Rückblick die ersten 30 Jahre länger vor. Denn da passiert so viel, auch emotional. Vieles passiert zum ersten Mal, erste Liebe, erster Sex, erste eigene Wohnung, erster Urlaub ohne Eltern, der erste Job, alles aufregend. Je älter wir werden, desto mehr haben wir schon von der Welt gesehen, desto weniger passiert "zum ersten Mal". Es gibt weniger einschneidende Ereignisse. Auch das erklärt, warum die Zeit im Alter scheinbar schneller vergeht.
Kürzere Zeitspannen werden ähnlich lang erlebt
Zumindest gilt das, wenn wir auf längere Zeitspannen zurückblicken, etwa auf die letzten fünf oder zehn Jahre. Bei kürzeren Zeitspannen trifft das nicht unbedingt zu. Eine Woche oder einen Tag empfindet eine 20-Jährige nicht unbedingt länger als ein 60-Jähriger. Da kommt es sehr stark darauf an, was in dieser Zeit konkret passiert.
Langweilige Zeiten sind in der Erinnerung kurz
Und dabei gibt es noch ein interessantes Phänomen. Psychologen unterscheiden nämlich zwischen der Zeit, die aktuell vergeht, und der Zeit, auf die wir zurückblicken. Ein aufregender zweiwöchiger Urlaub mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen vergeht gefühlt recht schnell – in der Erinnerung nehmen diese zwei Wochen aber viel mehr Raum ein, als wenn man die selben zwei Wochen im Büro verbracht hätte. Umgekehrt: zwei Stunden im Wartezimmer einer Arztpraxis können sich endlos hinziehen – im Gedächtnis bleiben sie dagegen allenfalls als kurze Momentaufnahme. Anders ausgedrückt: Langweilige Zeiten sind in der Erinnerung kurz und kurzweilige in der Erinnerung lang – und das gilt für Jung und Alt gleichermaßen.
Warum nimmt ein feuchter Schwamm Wasser besser auf als ein trockener?
Jul 15, 2024
Show notes
Kapillareffekt: Wasser wird ins Gewebe gezogen
Ein Schwamm oder ein Lappen kann nur deshalb Wasser aufnehmen, weil sich zwischen den Fasern im Gewebe kleine Hohlräume befinden, in die Wasser eindringen kann. Auf der Mikroebene passiert das über den sogenannten Kapillareffekt. Das Wasser wird regelrecht ins Gewebe hineingezogen. Das heißt, es heftet sich an die Fasern, zieht dann andere Wassermoleküle nach und dringt so immer weiter ins Gewebe vor. Das gleiche Prinzip kann man beobachten, wenn man sich versehentlich Wasser, Wein oder Tee auf die Hose kippt – die Flüssigkeit bleibt nicht, wo sie ist, sondern breitet sich im Gewebe schnell aus.
Wassermoleküle heften sich gerne an andere Wassermoleküle
Genau das passiert auch bei einem Schwamm. Und es funktioniert noch viel besser, wenn der Schwamm schon etwas feucht ist, wenn sich an den Fasern also bereits etwas Wasser befindet. Denn dieses Wasser zieht das andere Wasser nach. Ein Wassermolekül heftet sich nämlich an ein zweites Wassermolekül viel leichter als an anderen Substanzen. Deshalb tun sich Wassermoleküle leichter, in einen schon feuchten Lappen einzudringen als in einen trockenen.
Feuchte Fasern quellen auf
Ein zweiter Grund ist, dass trockene Schwämme und Lappen starr sind. Es ist kein Wasser drin, deshalb sind die Fasern zusammengeschrumpft. Wenn sie erstmal Wasser aufgenommen haben, quellen sie auf. Dadurch werden zum einen die Hohlräume größer, zum anderen wird der Schwamm bzw. Lappen biegsam und elastisch. Dann kann man das Gewebe viel besser zusammendrücken. Auch deshalb können sie Wasser, das sich auf einer Oberfläche angesammelt hat, besser aufnehmen.
Warum sind Böden im Süden oft so rot?
Jul 01, 2024
Show notes
Klima und Oxidation spielen eine Rolle
Das hat mit dem Klima zu tun, und zumindest am Mittelmeer auch mit den dort typischen Gesteinen. Diese leuchtend roten Böden kann man in Italien sehen, in Spanien, auf dem Balkan bis runter nach Griechenland – aber nicht nur da, auch noch weiter südlich in den Tropen, vielerorts in Afrika, Südamerika oder Südostasien.
Die erste Erklärung ist: Die rote Farbe ist oxidiertes Eisen. Es handelt sich also um das gleiche Rot wie bei einem verrosteten Stück Eisen. Aber es gibt verschiedene Arten, wie diese Böden entstehen können.
Eisenhaltige Mineralien aus kalkhaltigen Böden oxidieren
Die roten Böden in den Mittelmeerländern entstehen vor allem dort, wo der Untergrund aus Kalkgestein besteht. In den Bergen in den Mittelmeerländern gibt es ziemlich viel Kalkstein. Kalk entsteht aus Meeresablagerungen, und die ganze Gegend zwischen den heutigen Alpen und Afrika war früher ein großes Meer, das Tethys-Meer. Als Afrika und Europa kollidierten, wurden diese Meeressenken zu Gebirgen aufgefaltet. Deshalb gibt es in den europäischen Mittelmeerländern so viel Kalkstein.
Nun enthält Kalk eigentlich nicht besonders viel Eisen. Aber in Kalksteinen sind immer auch kleine Mengen eisenhaltige Minerale eingeschlossen.
Wie die "Terra Rossa" entsteht"
Im Lauf vieler Jahrtausende passiert nun Folgendes: Kalk ist dafür bekannt, dass er sich unter bestimmten Bedingungen in Wasser auflöst – so entstehen z.B. Tropfsteinhöhlen. Das passiert auch an der Oberfläche. Und wenn sich das Kalkgestein im Wasser auflöst und abtransportiert wird, bleiben eisenreiche Mineralien zurück, die sich im Lauf der Jahrtausende anreichern. Das ergibt einen eisenreichen Lehm, der verwittert. Hinzu kommt das besondere Mittelmeerklima: Im Winter ist es feucht und kalt, im Sommer heiß und trocken. Dieser Wechsel aus feucht und trocken begünstigt die „Rostbildung“ – also dass das Eisen in den Böden oxidiert und diese rote Farbe bildet. Das ist die gängige Erklärung, warum die Böden am Mittelmeer oft so rot sind. Sie werden entsprechend auch „Terra Rossa“ genannt – rote Erde.
Sahara-Staub kann zur Rotfärbung beitragen
2010 gab es eine Studie, die noch einen anderen Faktor ins Spiel brachte: Nämlich Staub aus der Sahara. Der weht in letzter Zeit öfter mal zu uns – und die Mittelmeerländer sind viel näher an der Sahara, bekommen also noch mehr von diesem Staub ab. Diese Theorie kann allerdings nicht erklären, warum sich diese roten Terra-Rossa-Böden vor allem dort bilden, wo der Untergrund aus Kalk- oder Karbonatgestein besteht. Denn dem Saharastaub ist ziemlich egal, was für Gesteine im Untergrund liegen. Insofern tragen vermutlich beide Faktoren – der Saharastaub und die Kalkverwitterung – zur Bildung dieser roten Böden bei.
Ferralsole im tropischen Regenwald
Gehen wir jetzt noch weiter in den Süden, in die feuchten Tropen, vor allem in die tropischen Regenwaldgebiete, finden wir dort auch rote Böden – aber die sind teilweise viel tiefer als die am Mittelmeer. Da kommt es auf den Kalk im Untergrund nicht mehr an. Denn da hat das heiße feuchte Klima für eine so intensive Gesteinsverwitterung gesorgt, dass über 250 bis 300 Millionen Jahre alle möglichen Tonminerale ausgewaschen wurden und Eisen und Aluminium im Boden zurückgeblieben ist – was dann wieder oxidiert ist. Diese Böden werden heute als Ferralsole bezeichnet – weil in ihnen Eisen (lat. Ferrum) und Aluminium im Boden (lat. Solum) angereichert ist.
Rotliegend: Als Mitteleuropa noch am Äquator lag
Vergleichbare Verwitterungsbedingungen gab es "hierzulande" vor Urzeiten auch mal: Das belegen alte Gesteinsschichten in Mitteleuropa, die vielerorts bis heute erhalten sind und in der internationalen Geologie mit dem deutschen Begriff "Rotliegend" bezeichnet werden – wegen ihrer Färbung. Doch diese Gesteine sind 250 bis 300 Millionen Jahre alt und stammen aus dem Erdzeitalter des Perm, als das heutige Mitteleuropa in der Nähe des Äquators lag.
Wie muss man sich König Davids Harfe vorstellen?
Jun 26, 2024
Show notes
Winkelharfe für die Armbeuge
Die antike Harfe, auf die bei David Bezug genommen wird, ist an vielen Stellen abgebildet. Auch in der Literatur des Mittelalters finden sich zahlreiche Abbildungen von antiken Harfen.
Wir müssen uns ein relativ kleines Instrument ich Dreieckform vorstellen, ohne die große Stange, die wir heute bei den Harfen kennen; die mündet oben im Kapitell. Das Instrument hatte nicht so viel Zug, deshalb konnte es als Winkelharfe gebaut werden. Es war nur über eineinhalb Oktaven diatonisch besaitet. Es gab also nur für die Ganztöne eine Saite oder ein Saitenpaar. Dieses Instrument kann man in die Armbeuge setzen und solche Instrumente sind bis weit ins Mittelalter hinein gespielt worden.
Zimbeln sind Instrumente, die ganz hell klingen. Das sind Glöckchen, die gespielt werden. Das kennen wir aus dem Mittelalter; dort werden diese Glöckchen immer wieder beschrieben.