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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Verschwinden Bakterien aus Spüllappen und Schwamm in der Waschmaschine? Jun 25, 2024
    Show notes

    Lappen lassen sich besser waschen

    Sie können Keimwachstum in Spüllappen und insbesondere in Spülschwämmen nicht verhindern. Die Mikroben wachsen in kürzester Zeit immer wieder hoch. Die Waschmaschine ist wahrscheinlich das Beste, was sie tun können. Spüllappen bei 60°C und Vollwaschmittel in Pulverform waschen, genauso die Handtücher. Das reduziert die Keimzahl massiv. Aber steril ist das Ding danach auch nicht. Das heißt, nach ein paar Tagen müssen Sie es wieder in die in die Waschmaschine tun.

    Auf Spülschwamm am besten ganz verzichten

    In der Küche hat ein Schwamm zum Reinigen eigentlich nichts zu suchen – auch wenn die Leute ihn lieben; das weiß ich mittlerweile. Tücher sind besser, weil sie einfach besser in der Waschmaschine performen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen Schwamm und Bürste nehmen Sie die Bürste – die ist besser.

    Gleichen sich Kurz- und Weitsichtigkeit im Alter aus? May 22, 2024
    Show notes

    Weitsichtigkeit ist hier nicht der richtige Begriff; wir müssten von Alterssichtigkeit sprechen. Wer normal sieht, sieht in der Ferne scharf und in jungen Jahren auch in der Nähe, weil die Linse elastisch ist und sich auf die Nähe einstellen kann. Wer kurzsichtig ist, sieht in der Nähe scharf, in der Ferne unscharf. In der Jugend kann er viel näher herangehen. Das ist ein Vorteil. Aber wenn er diese Einstellungsfähigkeit verliert, dann bleibt er trotzdem kurzsichtig.

    Kurzsichtigkeit wird durch Alterssichtigkeit nicht ausgeglichen

    Die Weitsichtigen sehen in der Ferne gut, aber eigentlich ist der Scharfpunkt gar nicht in der Ferne, sondern dahinter. Ich muss mich als Weitsichtiger also schon anstrengen, um in der Ferne scharf zu sehen. Wenn die Alterssichtigkeit einsetzt und die Einstellungsfähigkeit der Linse erlischt, dann sehe ich auch in der Ferne unscharf. Bei Kurzsichtigkeit hat man im Alter also wenigstens noch den Vorteil, dass man Dinge in der Nähe sehen kann. Aber es gleicht sich eben leider überhaupt nicht aus.

    Wie oft muss ich die Bettwäsche wechseln, um vor Milben sicher zu sein? May 18, 2024
    Show notes

    Bettmilben sind nur für Allergiker wirklich ein Problem

    Gesundheitlich sind Milben nur dann ein Problem, wenn jemand tatsächlich allergisch auf die Ausscheidung dieser Tiere reagiert.

    Bettzeug gut lüften, Bettwäsche alle ein bis zwei Wochen wechseln

    Was Sie gegen Milben tun können: Sie sollten das Bett morgens, nachdem sie aufgestanden sind, nicht gleich machen. Lassen Sie es erst mal offen liegen zum Auslüften. Das ist ganz wichtig. Wenn Sie können, hängen sie es raus in die Sonne, an die frische Luft, sodass es gut durchtrocknet. Eine typische Frage ist immer: Wie häufig muss sich die Bettwäsche wechseln? Das hängt ein bisschen von der eigenen Hygiene ab. Alle ein, zwei Wochen – je nachdem, wie Sie schlafen.

    Faustregeln für die Betthygiene

    Ganz wichtig: Tiere gehören nicht ins Bett. Und gegessen wird eigentlich auch nicht im Bett. Das sind ein paar Faustregeln für die Betthygiene. Grundsätzlich holt man sich im Bett durch die Bettwäsche keine Infektionskrankheit.

    Wann ist Israelkritik antisemitisch? May 14, 2024
    Show notes

    Kritik an konkreten Handlungen ist legitim

    Wie jede Regierung, so muss sich die israelische Regierung Kritik gefallen lassen – von der Opposition im eigenen Land und ebenso vom Ausland. Auch die Bundesregierung kritisiert die israelische Politik immer wieder mal, trotz des, historisch bedingt, besonderen Verhältnisses zum jüdischen Staat. Der entscheidende Punkt ist: Diese Kritik bezieht sich auf konkrete Entscheidungen oder Handlungen der israelischen Regierung. Etwa auf den jüdischen Siedlungsbau in der Westbank, der auch aus deutscher Sicht völkerrechtswidrig ist. Oder wenn es Pläne gibt, die Unabhängigkeit der Justiz zu beschränken. Solche konkrete Kritik ist völlig legitim. Auch wenn sich Israel gegen Terror aus dem Gazastreifen mit massiven Gegenangriffen wehrt, ist es legitim, die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zu stellen – egal, wie man sie dann für sich beantwortet.

    3-D-Regel zur Überprüfung: Wann ist Israelkritik antisemitisch?

    Doch es gibt bestimmte Argumentationsmuster, bei denen Israelkritik antisemitische Züge bekommt. Als Faustregel gilt dabei die sogenannte 3-D-Regel. Der israelische Politiker Natan Scharanski hat sie entwickelt. Die drei D stehen für Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung. Wenn Israelkritik eins dieser drei Merkmale enthält, dann gilt sie nach dieser Regel als antisemitisch.

    Doppelstandards: Von Israel mehr erwarten als von anderen

    Doppelstandards bedeutet, dass Israel politisch-moralisch mit anderen Maßstäben gemessen wird als andere Staaten. Wenn Israel in der Kritik viel schlimmer erscheint als andere Regierungen, denen man ihre Menschenrechtsverletzungen durchgehen lässt. Schlimmer als Diktaturen, die Oppositionelle umbringen lassen. Schlimmer als ein Terrorregime, das wahllos Zivilisten ermordet oder Frauen ein selbstbestimmtes Leben verweigert. Kurz: Wenn man von Israel Dinge erwartet, die man von anderen nicht erwartet, dann ist das nach der 3-D-Regel ein guter Anhaltspunkt zu sagen: Die Kritik ist antisemitisch, denn sie wendet doppelte Standards an. Dafür steht das erste D.

    Dämonisierung: Israel als "teuflische Macht" und "Grundübel"

    Das zweite D steht für Dämonisierung. Wenn Israel als teuflische Macht dargestellt wird, als das Grundübel schlechthin, dann ist das keine Kritik mehr, die sich auf konkrete Politik bezieht. Auch wenn Israel mit dem NS-Regime gleichgesetzt wird, ist nicht nur der Vergleich historisch absurd (zur Erinnerung: Die Nazis haben in Vernichtungslagern Millionen Menschen systematisch ermordet, haben den 2. Weltkrieg angefangen und duldeten keinerlei Opposition). Ein solcher Vergleich zielt ausschließlich darauf ab, das Land zu dämonisieren (und nebenbei den Holocaust zu relativieren). Manchmal erscheint Israel auch als böser Akteur in irgendwelchen Verschwörungserzählungen. Das ist dann immer ein Hinweis darauf, dass sich Leute auf Israel als Hassobjekt fixieren – was dann eben Hass ist und keine Kritik. Natürlich könnten sich Menschen, die diesen Verschwörungserzählungen anhängen, auf den Standpunkt stellen, sie haben nichts gegen Juden, aber sie dürften doch wohl die angebliche Wahrheit über Israel sagen. Die Frage, die sich diese Leute meist nicht stellen: Warum glauben sie oder beschäftigen sie sich mit solchen Verschwörungstheorien genau dann, wenn sie mit Israel zu tun haben? Warum hört man nie Verschwörungstheorien über Österreich oder Island? Diese Fixierung auf Israel als jüdischem Staat gilt deshalb als starkes Indiz für antisemitische Prägung, auch wenn sie den Betroffenen selbst nicht bewusst sein mag.

    Delegitimierung: Existenzberechtigung Israels infrage stellen

    Das dritte D steht für Delegitimierung. Dazu ein Vergleich: Viele kritisieren die Politik der Bundesregierung – aber kaum jemand stellt deshalb Deutschland als Staat infrage oder sieht sich als "Deutschland-Kritiker". Manche Israelkritik läuft aber darauf hinaus, Israel als Staat die Legitimation abzusprechen – als hätte das Land keine Existenzberechtigung. Dies ist aber historisch und völkerrechtlich schlicht falsch. Und tatsächlich gibt es Formen von Israelkritik, die vielleicht nicht explizit sagen, dass Israel kein Existenzrecht hat, die aber im Ergebnis darauf hinauslaufen. Wenn Israel Ziele der Hamas oder der Hisbollah angreift, kann man immer diskutieren, ob das im konkreten Fall zielführend und verhältnismäßig ist. Aber wer Israel grundsätzlich dafür verurteilt, dass es versucht, sich gegen Angriffe wirksam zu verteidigen, stellt indirekt das Existenzrecht des jüdischen Staats infrage. Das sind also die drei D: Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung. – Viele offizielle Stellen haben diese Kriterien übernommen, als Anhaltspunkte dafür, wo hinter vermeintlicher Israelkritik eine antisemitische Einstellung erkennbar ist.

    Antisemitismus: Einstellung, die alles Jüdische negativ bewertet

    Antisemitismus, verstanden als eine Einstellung, die alles Jüdische negativ bewertet oder zumindest mit einem Vorbehalt versieht. Seien es die Juden als Kollektiv oder auch jüdische Einrichtungen von der Synagoge bis zum Staat Israel. Nach diesem Verständnis ist es deshalb auch antisemitisch, wenn Juden in Deutschland für die Politik Israels verantwortlich gemacht werden. Auch an diesem Punkt handelt es sich nicht mehr um normale Israelkritik, sondern um eine antisemitische Gleichsetzung völlig verschiedener Gruppen, deren Gemeinsamkeit primär im Jüdischsein besteht.

    Ob ein Mensch Antisemit ist, ist schwer zu belegen

    In öffentlichen Debatten geht es oft heiß her und da wird schnell mal jemandem nach einer bestimmten Äußerung Antisemitismus vorgeworfen. Dabei empfiehlt es sich jedoch, zu unterscheiden zwischen der Äußerung und der Person. Ob jemand als Mensch ein Antisemit ist oder eine Antisemitin, ist ein sehr weitgehender Vorwurf und meist schwer zu belegen.Zum einen ist es immer schwierig, in die Köpfe von Menschen hineinzuschauen und zu erkennen, was sie wirklich denken. Zum anderen gibt es Menschen, die sich wirklich nicht als Antisemiten sehen. Doch plötzlich rutscht ihnen eine Bemerkung heraus, die einen antisemitischen Inhalt transportiert, weil sie das vielleicht selbst irgendwo aufgeschnappt haben. Zu diskutieren, ob jemand in Wahrheit Antisemit ist oder nicht, hilft in der Diskussion oft nicht weiter, zumal die Diskussion dann schnell sehr persönlich wird. Aber festzustellen, dass eine Äußerung antisemitisch ist – dafür gibt es klare Indizien wie eben die 3-D-Regel.

    Grenzen der 3-D-Regel

    Aber auch bei dieser Regel bleiben manchmal Unsicherheiten: Nehmen wir eine gebürtigen Palästinenserin, die von der israelischen Politik unmittelbar betroffen ist – die vielleicht im Westjordanland den israelischen Siedlungsbau erlebt oder deren Angehörige in Gaza bei einem israelischen Angriff ums Leben kamen. Aufgrund ihrer persönlichen Betroffenheit ist sie auf Israel schlecht zu sprechen, während sie sich für die Menschenrechtsverletzungen Chinas, Russlands oder der Taliban weniger interessiert. Von außen betrachtet, wendet sie also doppelte Standards an und so könnte man ihr streng nach der 3-D-Regel Antisemitismus vorwerfen. Nur wird damit ihr Verhalten nicht angemessen eingeordnet. Eindeutiger wird es dagegen, wenn sie in Deutschland vor einer Synagoge demonstriert, eine israelische Fahne verbrennt oder Morde an jüdischen Zivilisten bejubelt – das ist dann Antisemitismus in Reinkultur.

    Wie macht man alkoholfreies Bier? May 08, 2024
    Show notes

    Wasser, Malz, Hopfen und Gerste stecken auch im alkoholfreien Bier

    Die gute Nachricht für Biertraditionalisten ist: Zur Herstellung von alkoholfreiem Bier werden keine anderen Zutaten verwendet wie für "normales" Bier. Also Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Das Prinzip beim Bierbrauen ist ja: Man nimmt Getreide, meistens Gerste, und macht daraus Malz. Dazu weicht man die Gerste in warmem Wasser ein. Sie keimt dann kurz und wird wieder getrocknet. Bei diesem Prozess wandeln natürliche Enzyme die Stärke im Getreidekorn in Zucker um. Dann gibt man Hefe dazu, die wiederum den Zucker vergärt, also den Zucker in Alkohol umwandelt. Und nebenbei entstehen alle möglichen Aromastoffe, die das Bier ausmachen.

    Vakuum-Destillation: Alkohol wieder aus dem Bier herausholen

    Will man alkoholfreies Bier haben, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit: Man holt aus dem entstandenen Bier den Alkohol wieder heraus. Das Standardverfahren dafür ist die Vakuum-Destillation oder "Rektifikation". Man lässt dabei den Alkohol verdampfen – und zwar nicht, indem man das Bier erhitzt, dann würden ganz viele Aromastoffe mit flöten gehen. Sondern man macht das bei niedriger Temperatur im (fast) Vakuum. Ein paar Aromastoffe verdampfen dann zwar mit, aber die kann man hinterher wieder ins Bier zurückführen.

    Hefepilze während des Brauens abtöten

    Die zweite Möglichkeit ist, von Anfang an dafür zu sorgen, dass gar nicht erst so viel Alkohol ins Bier reinkommt. Ich sage bewusst "nicht so viel", denn auch im "alkoholfreien Bier" ist Alkohol drin – es darf nur nicht mehr als ein halbes Prozent sein. Das kann man dadurch erreichen, dass man die Gärung vorzeitig abbricht. Dazu wird das Gebräu noch während der Gärung kurz stark erhitzt. Das tötet die Hefepilze ab, sodass sie aufhören, Zucker in Alkohol umzuwandeln. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass mehr Zucker im Bier bleibt – deshalb schmecken manche alkoholfreien Biere etwas süßer. Daher wendet man das Verfahren auch vor allem bei solchen Bieren an, die eh ein bisschen süß sein dürfen, Weizenbiere zum Beispiel. Bei herberen Bieren wie Pils nutzt man eher die Vakuum-Destillation.

    Membranen und Umkehrosmose nutzen

    Eine weitere Möglichkeit ist, mitmilfe von dünnen Membranen und dem Verfahren der Umkehrosmose Alkohol und Wasser aus dem Bier herauszupressen – die Aromastoffe bleiben in der Lösung und werden hinterher wieder mit Wasser verdünnt.

    Alle Verfahren erfodern zusätzliche Energie bei der Herstellung

    Alle Verfahren haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle beinhalten einen zusätzlichen energieaufwändigen Schritt. Denn entweder muss man das Bier zusätzlich erhitzen oder ein Vakuum erzeugen oder es mit Druck durch eine Membran pressen. Allerdings: In der Gesamtbilanz der Bierherstellung fällt dieser zusätzliche Energieaufwand fürs alkoholfreie Bier nicht wirklich ins Gewicht.

    Benutzen wir wirklich nur zehn Prozent unseres Gehirns? May 08, 2024
    Show notes

    Von Scientology verbreitetes Gerücht

    Vermutlich benutzen wir hundert Prozent – wenn auch nicht immer gleichzeitig. Falls Sie das Gerücht im Kopf haben, Einstein hätte gesagt, wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirnpotenzials, vergessen Sie’s! Weder gibt es einen Beleg, dass Einstein das gesagt hat, noch stimmt es inhaltlich. Das Gerücht hat der Gründer von Scientology, Ron Hubbard, in die Welt gesetzt. Es wird heute noch von Scientology verbreitet, verbunden mit der mehr oder weniger explizit ausgesprochenen Botschaft: "Scientology hilft Ihnen, auch die restlichen 90 Prozent Ihres Gehirns zu nutzen!" – Das ist nur ein hohles Versprechen.

    Ständig neue Verbindungen zwischen Nervenzellen durchs Lernen

    Dass an den "10 Prozent" nichts dran ist, kann man sich leicht klarmachen:
    1. Es gibt viele Patienten, bei denen – zum Beispiel durch einen Unfall oder einen Schlaganfall – Teile des Gehirns geschädigt sind. Würden wir wirklich nur 10 Prozent nutzen, dann würden die meisten Hirnschädigungen ohne Folgen bleiben. In Wirklichkeit führt aber fast jede Hirnschädigung zu irgendwelchen Einschränkungen. Das heißt im Umkehrschluss, dass all die betroffenen Hirnregionen vorher zu etwas gut gewesen sein müssen.
    2. Wir können uns das Gehirn vorstellen als ein großes Knäuel von Milliarden von Nervenzellen. Diese Milliarden von Nervenzellen sind untereinander wiederum durch Milliarden von Verbindungen vernetzt. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass das Hirn sehr plastisch ist: Sobald wir etwas lernen, bilden sich neue Verbindungen zwischen Nervenzellen. Und sobald wir diese Verbindungen nicht mehr nutzen, fangen sie ziemlich schnell an zu verkümmern. Auch das spricht dafür, dass wir wirklich alle Bereiche des Gehirns nutzen. Denn alles, was wir nicht nutzen, wird mit der Zeit abgebaut und wäre dann gar nicht mehr vorhanden.

    Immer nur die Gehirnteile nutzen, die gerade gebraucht werden

    Aber natürlich sind nicht sämtliche Teile des Gehirns immer ausgelastet. Nicht alle Nervenzellen feuern immer und ständig. Das wäre auch gar nicht gut. Wir würden dann nämlich ständig herumzappeln, könnten uns auf nichts mehr konzentrieren und hätten keine Kontrolle mehr über uns. Insofern ist es schon ganz in Ordnung, dass wir zu jedem Zeitpunkt immer nur die Teile des Gehirns nutzen, die wir für eine konkrete Aufgabe gerade brauchen. Somit ist auch schon die Grundannahme falsch, die dem "Zehn-Prozent-Gerücht" zugrunde liegt. Denn es ist eben nicht so, dass das geistige Potenzial um so größer ist, je mehr Gehirnanteile aktiv sind. Unter Umständen wächst das geistige Potenzial auch gerade mit der Fähigkeit, bestimmte Aktivitäten, die von einer Aufgabe eher ablenken, auch mal herunterzufahren.

    Prozentangaben sind nicht sinnvoll

    Und wie viel "Gehirn" ist nun normalerweise aktiv? Das lässt sich relativ schwer in Prozent angeben. Das unterscheidet das Gehirn von einer Festplatte: Beim Computer kann ich leicht feststellen, dass ich nur ein Viertel meines Speichers benutzte und drei Viertel ungenutzt sind. Aber das Gehirn ist ja keine Festplatte, und man darf es sich auch nicht so vorstellen, dass einzelne in sich geschlossene Hirnareale aktiv wären und alle anderen ruhten. Sondern das Gehirn arbeitet oft so, dass viele entfernte Bereiche sich miteinander vernetzen. Erinnerungen zum Beispiel, Gedächtnisinhalte sind nicht an einem bestimmten Ort gespeichert, sondern entstehen eher durch Aktivitätsmuster, bei denen ganz entfernte Teile des Gehirns aktiv sind. Deshalb sind Prozentangaben schwierig und nicht sehr sinnvoll.

    Wie oft sollte man den Kühlschrank reinigen? May 06, 2024
    Show notes

    Ein- oder zweimal im Monat sollte man den Kühlschrank mit Spüli-Wasser auswischen. Man kann auch Essigwasser oder Zitronensäure nehmen. Man sollte die Dichtungen nicht vergessen und bei der Lagerung der Lebensmittel darauf achten, dass nichts offen ist.


    Dom, Münster, Kathedrale, Basilika – Was sind die Unterschiede? Apr 28, 2024
    Show notes

    Kathedralen sind Bischofssitze

    Ein Dom ist ein großes, historisch bedeutsames Kirchenhaus. Das gleiche gilt für eine Kathedrale, aber Kathedrale ist eigentlich kein architektonischer Begriff, sondern sagt nur, dass es sich bei der jeweiligen Kirche um einen katholischen, orthodoxen oder – in Großbritannien – anglikanischen Bischofssitz handelt. Kathedra ist griechisch und heißt "Sitz". Nicht jeder Dom ist also eine Kathedrale. Der Kölner Dom oder der Dom zu Speyer sind gleichzeitig Kathedralen, aber der Frankfurter Kaiserdom zum Beispiel nicht.

    Unterschied zwischen Dom und Münster meist regional

    Jetzt zum Münster. Da steckt das Wort Monasterium drin. Also Kloster. Und das war auch die ursprüngliche Bedeutung, eine Kirche mit angeschlossenem Kloster. Aber heute wird der Begriff Münster auch für andere große Stifts- und Pfarrkirchen verwendet, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. Große Kirchen, die anderswo Dom heißen würden, heißen hier eher Münster. Ob eine Kirche Dom oder Münster heißt, hängt also in der Regel vor allem von der Region, nicht der Religion ab.

    Basilika: mindestens drei Schiffe

    "Basilika" ist nun wieder ein architektonischer Begriff. Er bezieht sich auf eine bestimmte räumliche Anordnung einer Kirche, die aus dem Römischen kommt. Eine Basilika ist eine Kirche mit mindestens drei Schiffen, wobei das mittlere Schiff höher ist als die beiden seitlichen und einen eigenen Lichteinfall hat.

    Unabhängig von der Architektur: Basilika kann auch Ehrentitel sein

    Das Wort Basilika wird aber auch vom Vatikan als Ehrentitel für bestimmte Kirchen verliehen – unabhängig davon, wie sie gebaut sind.

    Einen Zahn zulegen – woher kommt das? Apr 25, 2024
    Show notes

    Falsche Info zum Ursprung der Redewendung hält sich hartnäckig

    Man hört es auf Burgen, in Freilandmuseen oder bei Stadtführungen. Es ist fast unausrottbar, denn immer wieder wird behauptet, es gehe hierbei um den Kräuel, eine Art Zahnstangenaufhängung für Töpfe. Wenn man den nach unten hänge, dann werde das Essen schneller gar. Das hört sich gut an. Das Problem: In keiner Sprache der Welt ist sprachlogisch "nach unten" "mehr". "Zulegen" bedeutet aber "mehr".

    Mehr Dampf auf den Kessel!

    Dieser Aufhängemechanismus ist sehr alt. Die Redensart kommt aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts in Schwang, und zwar mit der Industrialisierung und mit den Lokomotiven. Der Volksmund stellte sich vor, dass an einem Zahnrad ein Zahn mehr zu mehr Geschwindigkeit antriebe. Viele Lokomotiven, die damals das Zeichen der Moderne waren, hatten einen Halbzahnkranz am Bodenblech, mit dem man mithilfe eines Hebels den Dampfdruck regulieren konnte. Und wenn man da einen Zahn zulegte, den Hebel also nach vorne schob, dann hatte man mehr Dampf und mehr Geschwindigkeit.

    Wozu ist Gähnen gut? Apr 10, 2024
    Show notes

    Die klassische Antwort ist: Wer gähnt, ist müde. Das stimmt zwar meist, aber erstens gibt es auch Ausnahmen und zweitens erklärt das aber ja noch nicht, was der wahre Auslöser ist.

    Theorien, warum wir Gähnen müssen: Ist Sauerstoff der Grund?

    Da ist die Wissenschaft seit Jahrzehnten dabei, Antworten zu finden. 2010 gab es sogar einen Internationalen Gähn-Kongress in Paris. Dort haben sich die Fachleute zwei Tage lang über die verschiedenen Studien und Theorien ausgetauscht. Davon gibt es nämlich einige: Besonders bekannt ist die Sauerstoff-Hypothese. Gähnen ist wie ein tiefes Atmen, wir führen dem Körper besonders viel frische Luft und damit viel Sauerstoff zu. Also könnte man vermuten, dass genau das der Sinn ist: Wir gähnen, um einen Sauerstoffmangel zu beheben.

    Was gegen die Sauerstoff-Hypothese spricht

    Allerdings wurde diese These schon 1987 von dem US-Psychologen Robert Provine widerlegt: Bei seiner Studie erhielt ein Teil der Probanden reinen Sauerstoff, die anderen normale Luft. Am Ende kam dabei raus, dass beide Gruppen gleich viel gähnen mussten – die Sauerstoffzufuhr ist also eher ein positiver Nebeneffekt.

    Dient Gähnen der Temperatur-Regulation des Gehirns?

    Alternativ gibt es noch die Gehirnkühlungs-Hypothese. Das heißt: Gähnen dient der Thermoregulation im Gehirn. So haben vergleichende Untersuchungen an Vögeln, Ratten und Menschen gezeigt, dass das Gähnen die Gehirn- und Körpertemperatur senkt. Außerdem zeigen Studien, dass wir weniger gähnen, wenn es draußen sehr kalt oder zu warm ist. Im Winter wäre der Kühleffekt zu stark und würde das Gehirn verwirren. Im Hochsommer kann es hingegen vorkommen, dass Körpertemperatur und Umgebungstemperatur gleich hoch sind – wodurch keine Kühlung stattfinden kann.

    Gähnen macht munter. Stimmt das?

    Da ist sich die Forschung uneinig. Eigentlich belegt eine Studie aus der Schweiz, dass die Hirnaktivität vor und nach dem Gähnen gleich ist. Dennoch sind viele Forschende überzeugt, dass die Aufmerksamkeit durch Gähnen gesteigert wird. Denn beim Gähnen strecken und dehnen wir ja auch bestimmte Körperpartien und das heißt wiederum, dass bestimmte Muskeln aufgeweckt werden. Aber Gähnen ist eben auch nicht immer nur ein Zeichen von Müdigkeit. Es gibt noch weitere Situationen. Zum Beispiel wenn man Hunger hat – oder gestresst oder aufgeregt ist. Bei mir war das zum Beispiel in der Schule oft der Fall. Vor einem Vortrag musste ich immer minutenlang gähnen – egal, wie viel ich davor geschlafen hatte. Irgendwann habe ich dann herausgefunden, dass es stressbedingt ist. Außerdem wissen wir alle: Gähnen ist ansteckend. Wenn jemand anderes gähnt, muss man selbst oft auch gähnen. Die Soziologie sagt: Gähnen könnte der Stimmungsübertragung und Synchronisation von Gruppen dienen. Sprich: Wenn alle gleichzeitig müde oder wach sind, dient das dem Zusammenhalt. Der Auslöser für das ansteckende Gähnen könnten die sogenannten Spiegelneuronen sein. Doch nicht nur das Gähnen anderer Leute ist ansteckend: Es reicht schon, wenn man darüber liest oder spricht.

    Warum die Wissenschaft so wenig über das Gähnen weiß

    Gähnen ist medizinisch, beziehungsweise allgemein wissenschaftlich, wenig erforscht, weil wir dadurch ja weder große gesundheitliche Nachteile noch Vorteile haben. Also ob jemand gähnen muss oder nicht, macht für den Körper erstmal keinen großen Unterschied. Deshalb steht das Phänomen des Gähnens nicht ganz oben auf der Prioliste der medizinischen Forschung. Eine Ausnahme gibt es natürlich dennoch: Häufiges Gähnen kann auch ein Warnzeichen sein. Starke Müdigkeit kann schließlich auch ernstere Ursachen haben, wie zum Beispiel Mangelernährung, Depressionen oder andere schwere Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Grundsätzlich sollte man sich aber von ein, zwei Gähnern nicht verunsichern lassen.

    Was man dem Gähn-Drang entgegensteuern kann

    Eine wissenschaftliche Lösung gegen das Gähnen gibt es nicht. Ein paar Tricks sollen dennoch funktionieren:
    • Bewusst durch die Nase ein- und ausatmen – so bleibt der Mund zu.
    • Sobald man den Drang bemerkt, mit dem Finger auf die Zungenspitze tippen.
    • Zähne fest zusammenbeißen, dabei aber weiter über die Lippen atmen.

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