Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.
Ist der Muttertag eine Erfindung der Nazis?
May 05, 2025
Show notes
Ehrung für im US-Bürgerkrieg engagierte Mutter
Nein. Den Muttertag, den wir heute kennen, hat 1907 eine engagierte Christin in den USA eingeführt: Anna Marie Jarvis. Eigentlich war es ein Gedenktag für ihre eigene verstorbene Mutter. Die war über die Region hinaus bekannt, denn sie hat im Bürgerkrieg Wohltätigkeitsveranstaltungen organisiert und sich mit anderen Müttern um die Verwundeten des Kriegs gekümmert. 1907 hat Anna Jarvis für ihre Mutter also eine entsprechende Gedenkveranstaltung in ihrer Heimat in West Virginia organisiert. Im Jahr drauf wurde darauf eine Veranstaltung für alle Mütter. Und 1909 wurde dieser Muttertag bereits landesweit gefeiert.
In Deutschland zeigen Blumenhändler Interesse an dem Feiertag
Es war somit zuerst ein methodistischer Feiertag, der dann aber auch vom US-Kongress übernommen wurde. Das schwappte dann auch nach Europa. In Deutschland war es tatsächlich der Blumenhandel, der Werbung für den Muttertag machte. so wie später dann auch für den Valentinstag.
Nazis erklären Muttertag zum offiziellen Feiertag und führen Mutterkreuz ein
Was die Nazis betrifft: Sie haben den Muttertag zwar nicht eingeführt, aber sie haben ihn zum offiziellen Feiertag erklärt und das Mutterkreuz eingeführt. Aber das ist Geschichte, als Feiertag wurde er nach dem Krieg wieder abgeschafft.
Der Muttertag fällt zwar immer auf einen Sonntag, ist bei uns aber kein gesetzlicher Feiertag. Insofern ist der Muttertag, den wir heute haben, auch kein Relikt der Nazis, sondern es gab ihn schon lange vorher. Die Nazis haben aber auch Christi Himmelfahrt zum Feiertag gemacht – und das ist ja geblieben. Das ist ja der Tag, der in Deutschland auch als Vatertag gilt, auch wenn das in keinem Gesetz so drinsteht.
Woher kommt der "Zapfenstreich"?
May 05, 2025
Show notes
Schlag auf den Zapfhahn sollte Zechgelage beenden
Die erste Frage: Wieso Zapfen? Was für ein Zapfen wird da gestrichen? Da geht es nicht um Tannenzapfen, sondern um den Zapfhahn von Bier-, Wein- oder Schnapsfässern. Auch das Wort "Streich" hatte früher eine andere Bedeutung: Damit war kein sanftes Streichen gemeint, sondern ein Schlag, so wie im englischen "strike". Auch der Ausdruck "jemandem einen Streich spielen" rührt daher – dass man also jemandem im übertragenen Sinn einen Schlag verpasst.
Profos sorgte für Disziplin unter den Soldaten
Gehen wir zurück ins 16./17. Jahrhundert, in die Zeit der Landsknechte. Das waren Söldner, die von den damaligen Herrschern eingesetzt wurden, gerade auch im Dreißigjährigen Krieg. Denen musste abends klar gemacht werden, dass sie mit dem Trinken aufhören und schlafen gehen sollen. Um das deutlich zu machen, kam der "Profos". Das war ein Militärbeamter, der vor allem dafür da war, die Disziplin der Söldner aufrechtzuerhalten. Der Profos schlug mit seinem Säbel auf die Zapfhähne der Fässer, um, wie es in Grimms Wörterbuch heißt, "den Zechgelagen der Soldaten Einhalt zu thun". Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, wurde diese Aktion von einem Trommler per Trommelwirbel eingeleitet.
Preußen: Zapfenstreich wird feierlich – erweitert um Abendlied und Gebet
200 Jahre später wurde das weiter ausgeschmückt, und zwar in den napoleonischen Kriegen, also Anfang des 19. Jahrhunderts. Da veranlasste der preußische König Friedrich Wilhelm III., dass der Zapfenstreich um ein Abendlied und ein Gebet erweitert wurde.
1838 wurde aus dieser Tradition der Große Zapfenstreich als musikalischer Aufmarsch. Erstmals aufgeführt wurde er 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren.
Tattoo: militärisches Tamtam in Schottland und in der Schweiz
Wer schon mal in der schottischen Hauptstadt Edinburgh war, kennt vielleicht das große "Military Tattoo". Das ist ein großes militärisches Tamtam, von dem es auch in Basel eine Kopie gibt, das Basel Tattoo. Viele fragen sich, warum das so heißt: Was hat das mit einer Tätowierung zu tun? Die Antwort ist: gar nichts. Im englischen Wort "Tattoo" steckt ebenfalls der Zapfen: "Tap Toe" hieß das ursprünglich, also: Zapfen zu.
Aus "Tap Toe" wurde "Tattoo". Das Wort "Tattoo" im Sinne von Tätowierung dagegen hat einen ganz anderen Ursprung, das kommt ursprünglich aus dem Samoanischen, also der Sprache, die im polynesischen Samoa gesprochen wird.
Warum heißen Zahlen, die durch 2 teilbar sind, "gerade" Zahlen?
May 02, 2025
Show notes
Der Begriff "gerade" Zahl hat – das wird viele überraschen – sprachlich überhaupt nichts mit geraden Linien zu tun oder dass ungerade Zahlen als irgendwie "krummer" angesehen wurden.
Etymologie: rathjo – rathjan – girat
Die "Geradheit" von Linien bzw. von Zahlen geht auf zwei völlig verschiedene Wortstämme zurück. Die "geraden" Zahlen lassen sich zurückführen auf das gotische Wort "rathjo", was einfach "Zahl" bedeutete, und daraus wurde dann ein Verb (ge-)rathjan – zählen. Daraus hat sich im Althochdeutschen "girat" gebildet, was so viel hieß wie zählbar, gleichzählig.
Warum sich die Wortbedeutung dann später reduziert hat auf "gerade" im Sinne von "in zwei gleiche Hälften teilbar", das weiß offenbar niemand so richtig.
Eine Möglichkeit könnte sein: Die Vorsilbe ge- bedeutet in den germanischen Sprachen (ähnlich wie co- oder com- im Lateinischen) immer, dass etwas miteinander verbunden wird (bestes Beispiel: gem-einsam). Rathjan war "zählen", ge-rathjan könnte dann die sinngemäße Bedeutung bekommen haben "paarweise zählen", woraus sich girat "paarweise zählbar" entwickelt hat. Aber vielleicht war es auch ganz anders, darüber habe ich keine verlässlichen Quellen gefunden.
Interessant wird es, wenn man noch weiter zurückgeht und fragt: Woher kommt denn dieses gotische Wort "rathjo"? Und der eine oder die andere ahnt es vielleicht schon: Das ist vermutlich eine Entlehnung aus dem lateinischen "ratio", also Vernunft, Berechnung. Die Pointe dabei ist, dass wir ja in der Mathematik einerseits gerade Zahlen haben, andererseits aber auch die Gruppe der rationalen Zahlen. Aber etymologisch sind sie eigentlich identisch, gehen auf das gleiche Wort zurück. Ein anderes Wort, wo sich der Wortstamm im Deutschen noch findet, ist die "Rate".
"Gerade" Linie hat anderen Wortstamm: schnell und schlank
Die "gerade" Linie wiederum kommt von einem andern Wort, nämlich "rado" – was so viel wie "schnell" und "schlank" bedeutet hat, damit verwandt ist auch unser Wort "Rad". Man kann also sagen: Die "gerade" Linie ist mit dem "Rad" verwandt, die "gerade" Zahl dagegen mit der Rate. Das sind zwei völlig verschiedene Wortstämme, ein "Teekesselchen", wenn man so will.
Woraus produzieren Bienen "Waldhonig"?
Apr 29, 2025
Show notes
Der Name "Waldhonig" täuscht ein bisschen. Bäume blühen zwar auch – aber um ihre Pollen zu verbreiten, brauchen die meisten von ihnen keine Insekten. Das geht über die Luft. Nur wenige Bäume wie die Linde oder der Ahorn werden von Insekten bestäubt. Dann heißt der Honig auch entsprechend, also z.B. Lindenblütenhonig.
Bienen schmarotzen bei anderen Insekten und holen sich deren Honigtau
Waldhonig ist etwas ganz anders. Den Waldhonig produzieren die Bienen nämlich nicht aus Nektar, gehen also nicht direkt an die Blüten. Sie schmarotzen vielmehr bei anderen Insekten, die an Bäumen sitzen. Das sind vor allem Blattläuse. Diese Läuse sitzen an der Rinde, den Blättern oder den Nadeln und zapfen mit ihren Mundwerkzeugen die Pflanzensaft-Leitungen des Baumes an. Weil dieser Pflanzensaft süß ist, sind auch die Ausscheidungen der Blattkäfer ziemlich süß. Das ist der sogenannte Honigtau. Von den Bienen oder Ameisen wird der Honigtau freudig empfangen.
Blattläuse und Bienen: Waldhonig wird von zwei Insektenarten verdaut
Genau genommen ist jeder Honig mehrfach verdaut. Honigbienen lagern die aufgenommene Flüssigkeit in ihrer Honigblase zwischen. Die Honigblase ist ein Abschnitt des Darms, in dem dem Inhalt Wasser entzogen wird und Enzyme beigesetzt werden. Im Stock angekommen, "würgt" die Biene die vorverdaute Flüssigkeit hoch und gibt sie an eine andere Arbeiterin weiter, die den Prozess wiederholt. Zuvor hat der Pflanzensaft bereits den Verdauungstrakt der Blattlaus durchquert. Deswegen ist das Besondere beim Waldhonig, dass er von zwei verschiedenen Insektenarten verdaut wird, bevor er im Honigglas landet.
Wie hängen Sprache und Intelligenz zusammen?
Apr 27, 2025
Show notes
Intelligenz ist an Symbole gebunden. Sprache ist ein Symbol. Und ohne die Fähigkeit, Symbole zu haben, könnten wir nicht die Intelligenz zeigen, die wir haben, um uns in bestimmte komplizierte Inhalte einzudenken. Das unterscheidet uns von Tieren.
Tiere können Laute produzieren und miteinander kommunizieren, aber sie haben keine flexible Sprache, die es ihnen ermöglicht, neue Begriffe zu entwickeln. So haben wir als Menschen beispielsweise die Möglichkeit, alles ins Gegenteil zu verkehren, indem wir einfach die kleine Silbe "un" voranstellen. Möglich – unmöglich usw.
Viel Sprechen und ein großer Wortschatz fördern die Intelligenz von Kindern
All das ermöglicht eine geistige Flexibilität, die an die Sprachfähigkeit gebunden ist. Daher die klare Antwort: Wir hätten nicht die Intelligenz, die wir haben, wenn wir uns nicht sprachlich gut ausdrücken könnten, wenn uns die Sprachfähigkeit nicht in die Wiege gelegt worden wäre. Und wir wissen auch, dass Menschen nur dann ihre Intelligenz entwickeln können, wenn sie die Möglichkeit hatten, sich sprachlich weiterzuentwickeln.
Es gibt nicht viele Möglichkeiten, Intelligenz zu fördern und Unterschiede zu kompensieren. Wenn man allerdings mit Kindern früh viel spricht und ihren Wortschatz erweitert, hat man ihnen die besten Möglichkeiten mitgegeben, eine optimale Intelligenz zu erreichen.
Wenn man sprachlich schlampig ist, die grammatikalischen Möglichkeiten einer Sprache nicht ausnutzt, dann entwickelt man nicht die Intelligenz, die man vielleicht entwickeln könnte, da man das Potenzial mitbringt.
Worauf muss ich beim Hundefutter achten?
Apr 25, 2025
Show notes
Für gesunde Hunde reichen Alleinfuttermittel
Was das Futter angeht, bin ich als Tierarzt relativ entspannt. Für das gesunde Tier gilt: Was der Hund verträgt, ist auch gut für ihn. Wichtig ist, dass es ein Futter sein muss, das für die alleinige Ernährung gedacht ist, also ein Alleinfuttermittel. Das heißt Dosenfutter oder Trockenfutter. Das ist meist so ausgelegt, dass das Tier rein theoretisch sein Leben lang nur dieses Futter fressen müsste und mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt wäre, die das Tier so braucht.
Bei gesundheitlichen Problemen kann geeignetes Futter ergänzt werden
Außerdem gibt es Ergänzungsfuttermittel. Solches Futter kann gezielt bei bestimmten Erkrankungen gegeben werden – wenn die Niere oder die Leber erkrankt ist oder bestimmte Stoffe fehlen. Mit diesen Futtern muss man also aufpassen, wenn man ein gesundes Tier hat. Aber das gesunde Tier kann man mit einem Futter, das ihm schmeckt und das es verträgt, gut ernähren.
Was ist von BARF zu halten?
BARF (Bones And Raw Foods) ist angelehnt an die natürliche Ernährung von Wölfen; so soll mit rohem Fleisch bedarfsgerecht gefüttert werden. Prinzipiell ist der Gedanke ganz gut. Allerdings muss man sich mit diesem Futter auseinandersetzen. Denn einem domestizierten Hund, der in einer Familie lebt, würde das rohe Fleisch vorne und hinten nicht reichen. Er bräuchte Vitamine, Spurenelemente, Öle und ein paar Kohlenhydrate.
Um eine BARF-Portion korrekt zu berechnen, muss man sich mit diesem Futter auseinandersetzen oder jemanden haben, der das für einen übernimmt. Dafür muss man prüfen: Wie aktiv ist mein Hund? Was hat er für einen Stoffwechsel? Was verträgt er? Dann wird konkret ausgerechnet, wie viel an Spurenelementen et cetera drin ist.
BARF ist daher die Fütterungsart, bei der potenziell die meisten Fehler passieren können, weil es zu viele Varianten gibt. Zwar haben vielleicht auch Futtermittel, die es fertig im Laden zu kaufen gibt, ihre Nachteile. Aber es ist alles drin, was das Tier braucht.
Warum fallen wir nachts nicht aus dem Bett?
Apr 23, 2025
Show notes
Kinder fallen gelegentlich aus dem Bett, weshalb man sie oft in Gitterbetten legt. Erwachsene dagegen brauchen das nicht. Da scheint es tatsächlich einen unbewussten Lernprozess zu geben. Eigentlich bewegen wir uns im Schlaf kaum, weil unsere Muskeln "lahmgelegt" sind. Deswegen können wir auch relativ gefahrlos träumen, denn nicht alles, was wir im Traum tun, übersetzen wir in reale Bewegungen. Nur die Augen bewegen wir, vor allem natürlich in der REM-Phase. REM steht für Rapid Eye Movement, also für die typischen schnellen Augenbewegungen in dieser Schlafphase.
Bewegung im Halbschlaf
Ansonsten bewegen wir uns im Schlaf selbst so gut wie nicht. Das mag überraschen – schließlich wachen wir oft in einer anderen Position auf, als wir einschlafen. Oder wir beobachten unseren Partner, wie er sich von einer Seite auf die andere wälzt. Das alles passiert aber nicht im eigentlichen Schlaf, sondern in einer Art Halbschlaf. Das heißt, wir wachen auf – manchmal mehrmals pro Stunde – schlafen aber gleich wieder ein und vergessen diese Episoden deshalb auch sofort wieder. Genau diese Momente sind es, in denen wir uns bewegen. Sei es, weil wir frieren und die Decke suchen, oder weil irgendwas drückt.
Es kommt auch vor, dass wir etwas träumen und dann tatsächlich eine Bewegung machen. Faktisch sind wir in diesen Momenten aber mehr wach als dass wir schlafen. Und deshalb sind wir auch in der Lage zu merken, wenn wir dem Bettrand nahe kommen oder wenn ein Arm schon über die Bettkante hängt. Dann können wir das – meist unbewusst – gleich korrigieren.
Grenzen des Bewegungsrahmens unbewusst spürbar
Genauso übrigens, wenn jemand gehandicapt ist und sich deshalb zum Beispiel nicht auf eine bestimmte Seite drehen sollte. Etwa weil ein Arm oder Bein in Gips ist. Auch dann passiert in der Regel nichts – wir machen keine Bewegung, die uns schaden oder die schmerzhaft werden könnte, weil wir unbewusst die Grenzen unseres Bewegungsraums spüren und rechtzeitig gegensteuern.
Kinder aber können all das noch nicht so gut. Denn das ist eine Lernsache. So wie Kinder laufen lernen oder Fahrradfahren lernen ohne umzufallen, lernen sie mit der Zeit, sich im Bett zu bewegen, ohne rauszufallen. Der Unterschied ist vielleicht, dass man sich das Fahrradfahren am Anfang bewusst aneignet und die Bewegungen dann später ins Unbewusste übergehen, während das Nicht-aus-dem-Bett-Fallen von Anfang an eher unbewusst erfolgt.
Wie sollte die Ernährung bei Psoriasis aussehen?
Apr 21, 2025
Show notes
Gemüse und Obst sind gut geeignet
Psoriasis bzw. Schuppenflechte ist eine Erkrankung, die teilweise genetisch mitbedingt ist. Es kommt dabei zu einer starken Entzündung der Haut mit Rötungen und Schuppungen.
Und das auch schon das Thema: die Entzündung. Man muss versuchen, durch die Ernährung alles wegzulassen, was durch die Ernährung Entzündungsprozesse steigern könnte. Man sollte also auf eine antientzündliche Ernährung achten.
So sollte man zum Beispiel Gemüse roh oder gegart essen und Obst. Denn Obst und Gemüse enthalten sehr viele entzündungshemmende Stoffe. Die nennt man auch sekundäre Pflanzenstoffe. Sie befinden sich vor allem unter der Schale. Beeren sind sehr wichtig. Rohkost sollte man allerdings wegen der Verträglichkeit möglichst nicht abends verzehren.
Fleischkonsum reduzieren
Den Fleischkonsum sollte man sehr stark einschränken. Höchstens zweimal in der Woche ist Fleischverzehr zu empfehlen, denn Schwein und Kalbfleisch enthalten entzündungsfördernde Stoffe. Deswegen sollte man möglichst auf Geflügelfleisch zurückgreifen.
Fisch und Meeresfrüchte sind sehr wichtig, insbesondere Lachs, Hering und Makrele. Sie liefern viele Omega-3-Fettsäuren und auch Vitamin D. Leinöl enthält sehr viele entzündungshemmende Stoffe. Auch Vitamin-E-reiches Weizenkeimöl ist denkbar. Bei den Nüssen eignen sich vor allem die Walnüsse, etwa im Salat, im Müsli oder einfach so.
Was sagt die Archäologie über David und Salomo?
Apr 17, 2025
Show notes
Inschrift "Beth David" aus Tel Dan belegt Davids Existenz
Bei David tun wir uns schwer, irgendetwas archäologisch sicher nachzuweisen. Es gibt seit etwa 30 Jahren eine Inschrift, die in Tel Dan gefunden wurde, mit der Aufschrift "Beth David", also Haus Davids. Diese Kombination "Beth" plus Personenname wurde im Vorderen Orient häufig verwendet, um ein bestimmtes Territorium zu beschreiben. Deshalb ist heute ziemlich akzeptiert, dass es diese Person David gegeben hat.
Aber richtig verbinden können wir eigentlich mit ihm nichts. Denn wenn man David biblisch betrachtet, dann war das ursprünglich ein Söldnerführer, der eine relativ große Truppe um sich geschart hat, die für Unruhe sorgte und das Land halbwegs kontrolliert hat. Als die Auseinandersetzungen mit den Philistern immer schwieriger wurden, hat man diese "Freischärlertruppe" angeheuert. David scheint da ganz gute Vertragsverhandlungen geführt zu haben.
David setzte sich dauerhaft als König durch
Normalerweise hat man solche Söldner für einen begrenzten Zeitraum angeheuert, für irgendeinen Kriegszug. David hat da offensichtlich herausgeschlagen, dass er dauerhaft als König eingesetzt wird und damit eben ein festes Territorium hat, für das er zuständig ist, dessen Sicherheit er garantiert, aber das ihn auch entsprechend versorgen muss.
Kein Strahleheld, aber Vereinigung verschiedener Stämme
Das zieht sich bei vielen Texten durch. David war nie der große Strahleheld, wie wir das normalerweise mit ihm verbinden. Es gibt eine ganze Reihe Texte, wo erzählt wird, dass David bedroht wird, dass er von allem mit Steinen beworfen wird, dass er teilweise fliehen muss, weil er mit seiner Herrschaft nicht durchkommt.
Aber was ihm gelungen ist – und da war er wirklich Glückspilz der damaligen Zeit: Er hat die verschiedenen Stämme, die im Alten Testament erwähnt werden, vereint. Das war ein mehr oder weniger wilder Haufen, der manchmal zusammengehalten hat, mal nicht. Ihm ist es gelungen, auch durch einigen Druck, diese Stämme zu vereinigen und damit ein stabiles Reich zu gründen.
Salomo schaffte Strukturen
Salomo oder war der erste, der richtige Strukturen geschaffen hat. Wir kennen zwar den Tempel und den Palast nicht, weil wir dort nicht graben können. Das ist heute der Haram al-Sharif in Jerusalem, das drittwichtigste Heiligtum des Islam. Es ist völlig unmöglich, dort irgendwelche Grabungen zu machen.
Wir haben aber sehr genaue Beschreibungen, wie der Tempel ausgesehen hat im Alten Testament, und man kann das rekonstruieren. Das lässt sich auch gut mit etwa zeitgleichen Funden zusammenbringen. Das scheint also in seiner Basis, auch wenn er später überarbeitet wurde, ein alter, authentischer Text zu sein, der beschreibt, wie dieser Tempel ausgesehen hat.
Wirtschaftlich autark durch Kupferbergwerk
Salomo hatte offensichtlich auch das große Glück, dass er wirtschaftlich einigermaßen autark war. Das wird im Alten Testament nicht genannt, aber wir wissen durch archäologische Funde, dass in dieser Zeit südöstlich des Toten Meers in Feinan, dem biblischen Punon, Kupferbergwerke eröffnet wurden. Das gab ihm Möglichkeiten für eine Ausgestaltung des Tempels. Er hatte plötzlich reichlich Metall zur Verfügung, konnte das auch handeln – nach Ägypten oder in andere Länder.
Es war eine Zeit, in der der traditionelle Kupferhandel, der von Zypern her kam (im Namen "Zypern" steckt ja "Kupfer"), mehr oder weniger zusammengebrochen war. Wenn man dennoch Kupfer brauchte, musste man auf die Funde von Feinan zurückgreifen. Also da scheint sich manches, was im Alten Testament gar nicht klar gezeigt wird, durch die archäologischen Funde doch zu einem Puzzle zusammenzufügen lassen, das halbwegs stimmig ist.
Woher kommt das Schweinefleischverbot?
Apr 17, 2025
Show notes
Erste Belege in Palästina aus der nachexilischen Zeit
Erste schriftliche Belege stammen aus der nachexilischen Zeit, also dem 5., 4. oder 3. Jahrhundert. Solche Verbote haben aber auch kulturgeschichtliche Wurzeln. So gibt es bei uns z. B. kein Verbot, Schlangenfleisch zu essen, und trotzdem isst niemand dieses Fleisch.
Durch die Archäologie können wir feststellen, dass es beim Schweinefleischverbot unterschiedliche Praktiken gab. Wir haben in fast allen Ortschaften Schweineknochen nachgewiesen. Interessant dabei: Im Philistergebiet – die Philister sind ja vom Mittelmeerraum her eingewandert – haben wir eine relativ hohe Prozentzahl an Schweineknochen, während wir in vielen Orten des Gebietes, das später Israel wurde, schon im 12. bzw. 11. Jahrhundert eine ganz geringe Anzahl an Schweineknochen haben; sie liegt bei etwa ein bis zwei Prozent.
Wurzel des Verbots: Schwein als Nahrungsmittelkonkurrent
Zum einen ging es einfach um den Geschmack. Dazu kommt aber sicher, dass das Schwein ein Nahrungsmittelkonkurrent für die Menschen ist. Es geht also nicht um Reinheit, sondern schlicht um Nahrungsmittelkonkurrenz. In einem Land, in dem man sich mühsam durch Ackerbau über Wasser halten muss, stellen Schweine eine große Gefahr dar, weil sie die Felder verwüsten könnten. Daher wollte man ganz bewusst möglichst wenige Schweine haben. Vor allem im Jordangraben gab es Wildschweine, die reichlich Schaden angerichtet haben. Der Wunsch, diese Gefahr einzudämmen, stellt wohl die historische Wurzel des Schweinefleischverbots dar.