Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Wie wird das Alter des Universums berechnet?
May 24, 2025
Show notes
Edwin Hubble: Das Universum dehnt sich aus
Die wichtigste Entdeckung, die wir je gemacht haben über die Entwicklung des Universums, war die von Edwin Hubble. Die stammt von 1928/1929 und besagt, dass sich der Raum im Universum ausbreitet. Der Abstand zwischen den Galaxien vergrößert sich also immer weiter. Allerdings nicht zwischen allen Galaxien. Aber ab einem Abstand von ungefähr 24 bis 25 Millionen Lichtjahren kann man bemerken, dass das Universum expandiert.
So kann man eine einfache Überlegung anstellen: Wenn das Universum expandiert, dann war es gestern kleiner und vorgestern war es noch kleiner. So kommt man auf die Frage: Wann war es so klein wie ein Atom?
"Heißer Urknall": Universum muss auf Atomgröße einst sehr heiß gewesen sein
Auf diese Art und Weise kommt man in ein Modell hinein, das man den "heißen Urknall" nennt. Denn wenn das ganze Material, aus dem das Universum existiert – alle Galaxien, alle Sterne, alles, was überhaupt an Materie und Energieform da ist – in einem so winzigkleinen Etwas zusammengezwängt war, muss das sehr heiß gewesen sein. Deswegen "heißes Urknallmodell".
Jetzt muss man sprachlich überlegen, wie man den wirklichen Anfang beschreibt. Da ist die Grenze der naturwissenschaftlichen Beschreibung erreicht, denn die Naturwissenschaften sind eine Auseinandersetzung; es geht um Ursache und Wirkung. Und diese allererste Ursache, die das Universum gewissermaßen in seiner Existenz geworfen hat, die darf selbst keine Ursache gehabt haben. An der Stelle wird es philosophisch.
Die wesentliche Sache ist, dass auf der einen Seite Beobachtungen gemacht worden sind: Die Expansion des Universums führte zum heißen Urknallmodell. Und dieses heiße Urknallmodell hat dann Vorhersagen gemacht, die sich alle bestätigt haben. Daher spricht man heutzutage eigentlich nur noch von diesem heißen Urknallmodell. Es gibt kein anderes Modell, das ähnlich erfolgreiche Vorhersagen gemacht hätte.
Alter des Universums lässt sich aufgrund seiner Temperatur bestimmen
Kommen wir zum Alter: Wir definieren in der Physik das Alter des Universums gewissermaßen aus seiner Temperatur. Der heiße Urknall ist zwar nur ein Modell; das allerdings ist extrem gut bestätigt. So wurde also die Vorhersage gemacht, dass das Universum früher sehr heiß war und heute relativ kalt sein muss. Das heißt: Die Temperatur des Universums ist ein Maß für sein Alter. So hat sich zum Beispiel 400.000 Jahre nach dem Beginn des Universums die Strahlung von der Materie entkoppelt, wie es so schön heißt. Das heißt, wir können zu jeder Temperatur eine gewisse Art von Physik angeben, die wir gut beschreiben können.
So kommt man zur Altersbestimmung des Universums, wonach das Universum 13,7 Milliarden Jahre alt sein muss, weil es am Anfang so heiß war und heute so kalt ist. So kann man aus der heutigen Temperatur auf das Alter des Universums schließen.
SWR 2008
Warum gibt es in der Nordsee Gezeiten, in der Ostsee nicht?
May 24, 2025
Show notes
Nordsee: Wassermassen aus Richtung Schottland
Wenn man auf eine Europakarte guckt, sieht man sofort: Von der Nordsee gibt es vor allem nördlich von Schottland eine sehr breite Öffnung zum Atlantik. Von dort kommen bei Flut die Wassermassen. Die Ostsee dagegen ist fast ein Binnenmeer, sie hat nur eine relativ schmale Verbindung zur Nordsee.
Ostsee ist durch Meerenge geschützt
Ebbe und Flut wechseln sich ja bekanntlich ungefähr in einem 6-Stunden-Rhythmus ab. Denn ausgelöst werden die Gezeiten durch die Anziehungskraft des Mondes bzw. der Fliehkraft auf der Erde. Und in diesen 6 Stunden gibt es keine Chance, dass diese Kräfte so viel Wasser durch die relativ schmale Meerenge zwischen Dänemark und Skandinavien in die Ostsee "ziehen", dass es für eine ordentliche Flut ausreicht.
Es gibt zwar Gezeiten an der Ostsee, aber da bewegt sich der Meeresspiegel nur innerhalb von 10 bis 15 Zentimetern.
Auswirkungen von Tschernobyl noch heute in der Ostsee messbar
Dieser geringe Wasseraustausch macht sich noch anders bemerkbar: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gelangten durch die radioaktive Wolke viele radioaktiven Teilchen in die Nord- und Ostsee. In der Nordsee war die Belastung nach ein paar Monaten schon wieder abgeklungen; in der Ostsee dagegen sind heute noch erhöhte Mengen an Cäsium messbar.
Folgen Männer am Grill ihrem Steinzeit-Instinkt? Gibt es ein Grill-Gen?
May 23, 2025
Show notes
"Evolutionsgeschichten" lassen sich schwer beweisen
Klar: Die genetische Bestimmung des Mannes ist das Anfachen der Glut, das Wenden des Steaks und natürlich das gleichzeitige Verlangen nach einem kühlen Bier. Tatsächlich hat sich die Evolutionsbiologie lange recht leicht damit getan, sich solche Geschichten auszudenken. Der Mann am Grill – das Relikt des steinzeitlichen Jägers, der seine Familie versorgt hat, der leise und vor allem schweigsam mit seinen Jagdgenossen erst auf die Beute gelauert und sie, als sie erlegt war, dann ebenso schweigsam auf dem Feuer gegart hat. Nur das Bier hat damals noch gefehlt …
Nein, im Ernst: Bücher, die aus der Evolution erklären, warum Männer dies nicht können und Frauen jenes nicht, verkaufen sich zwar prima, aber das Problem mit dieser Art von Evolutionsgeschichten ist, dass sie sich selten beweisen lassen.
Mal ein anderes Beispiel: Vor zwanzig Jahren hätte man sich überlegen können, welche steinzeitlichen Rollenmuster dazu führen, dass Fußball scheinbar ganz klar Männersache ist. Vielleicht weil in so einem Fußballspiel die steinzeitliche Kämpfernatur zum Vorschein kommt? Inzwischen hat sich die Frage aber fast schon erübrigt, denn in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der weiblichen Fußball-Freaks verdoppelt – im Stadion wie auch vor dem Bildschirm. Und wenn jeder dritte Fan eine Frau ist – was soll dann noch die Frage nach der Evolution?
Tückischer Zirkelschluss
Und so kann es auch beim Grillen sein. Oft steckt dahinter eine gefährliche Logik: Der Mann am Grill ist das Abbild des Steinzeitjägers. Und woher weiß man , dass in der Steinzeit die Männer auf die Jagd gingen? Ist doch logisch, sonst würden sie heute nicht am Grill stehen. Zirkelschluss nennt man so etwas – und das ist in der Wissenschaft immer tückisch. Deshalb empfiehlt es sich, nach anderen Spuren zu suchen.
Zum Beispiel: Wenn immer nur die Männer gejagt hätten – wie passt das dann dazu, dass durchaus steinzeitliche Frauen mit Messern und anderen Waffen bestattet wurden? Und wie erklären sich die weiblichen Handabdrücke neben den Höhlenmalereien der Steinzeit? Viele dieser Malereien zeugen davon, dass die Maler ihre Beutetiere sehr genau beobachtet haben. Wenn sich weibliche Handabdrücke neben diesen Tierabbildungen zeigen, könnte das dafür sprechen, dass Frauen bei der Jagd zumindest dabei waren. Die interessante Frage ist also vielleicht gar nicht: Warum stehen Männer so gerne am Grill? – Sondern eher: Warum ergötzen sie sich an solchen Geschichten aus der Steinzeit?
Warum sind Juli und August am heißesten, obwohl die Sonne im Juni am steilsten steht?
May 21, 2025
Show notes
Im Juni hat sich noch nicht so viel Wärme angesammelt
Die Hitzewelle kommt, gemessen am Sonnenstand, erst mit einer gewissen Zeitverzögerung. Denn die Temperatur hängt ja nicht nur davon ab, wie viel Energie die Sonne im jeweiligen Moment auf die Erde strahlt; vielmehr heizen sich Erde und Atmosphäre im Lauf der Sommermonate auf. Im Mai und Juni liefert die Sonne bereits einiges an Wärme und kann vor allem das Meer erwärmen.
Unser Klima hier in Europa ist stark geprägt von den Westwinden, die vom Atlantik herkommen. Bis zum Juni hatten die westlichen Wassermassen noch nicht so viel Gelegenheit, sich richtig aufzuheizen, deshalb ist es im Juni bei uns zwar schon warm, aber noch nicht so heiß wie im Juli. Im Mai und Juni, wenn die Sonne relativ steil über uns steht, heizt sich das Wasser jeden Tag weiter auf.
Wärme ist in den Meeren gespeichert
Im Juli und August wiederum steht die Sonne zwar nicht mehr ganz so steil wie am 21. Juni, der Einstrahlwinkel und die Tage sind schon wieder etwas kürzer – aber im Juli und August sind die Luftmassen zusätzlich aufgeheizt durch die Wärme, die vor allem in den Meeren gespeichert ist und die das Meer an die Luft gibt. Dadurch erreichen die Temperaturen erst im Juli / August ihr Maximum. Dann ist die Summe aus aktueller Einstrahlung und gespeicherter Wärme am größten.
Die Summe macht's: Im Sommer ist es zwischen 14 und 16 Uhr am wärmsten
Nach dem gleichen Prinzip lässt sich auch erklären, weshalb es, gerade im Sommer, nachmittags zwischen 14 und 16 Uhr am wärmsten ist – und nicht um 12 Uhr mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Denn vormittags und über Mittag heizt die Sonne die Atmosphäre und die Erdoberfläche immer weiter auf. Bis zum Nachmittag kommt immer mehr Strahlungsenergie dazu. Erst am späten Nachmittag, wenn sich die Sonne wieder senkt, also immer weniger Strahlkraft hat, kommt die Erde langsam dazu, abzukühlen.
Diese Verzögerung ähnelt also der im Jahresverlauf, nur dass beim jahreszeitlichen Hitzemaximum im Juli und August vor allem das Meer eine wichtige Rolle spielt, während der Tagesrhythmus mit der Hitze am Nachmittag mit dem Meer nicht so viel zu tun hat. Da geht es mehr um die unmittelbare Wärmespeicherung im Boden und in den bodennahen Luftschichten.
Wie misst man im Meer den Seegang, also die Höhe der Wellen?
May 20, 2025
Show notes
Früher – bis vor 50 Jahren – haben die Seeleute das einfach mit Augenmaß gemacht. Sie haben auf die Wellen geschaut und aufgrund ihrer Erfahrung den Seegang geschätzt. Heute gibt es verschiedene Methoden.
Messung mithilfe von Bojen
Am wichtigsten sind Messungen mithilfe von Bojen, die an einer Art elastischer Leine am Meeresboden verankert sind. In den Bojen wiederum befinden sich Beschleunigungssensoren. Die messen ständig, ob und wie weit die Bojen sich im Wellengang nach oben und unten bewegen, und das Gleiche horizontal. Anhand dieser Bewegungen kann man den Seegang messen, das heißt nicht nur wie hoch die Wellen sind, sondern auch, in welche Richtung sich die Wasseroberfläche bewegt.
Normalerweise werden diese Daten über einen Zeitraum von 20 Minuten erfasst. In diesen 20 Minuten kommen mal höhere und mal niedrigere Wellen, aber nur die höheren sind von Interesse. Das heißt konkret: Von allen Bewegungen – auf und ab – wird das oberste Drittel genommen, und aus diesem Drittel wird der Mittelwert gebildet. So ist die Wellenhöhe definiert, wie sie dann auch im Seewetterbericht angegeben wird.
Wird das denn ständig gemacht?
Ja, und zwar nicht nur für die Schifffahrt, sondern zum Beispiel auch für die Betreiber von Ölplattformen oder Windparks. Für die sind diese Hinweise wichtig – gar nicht so sehr für die Windräder – die drehen sich ja hoch überm Meer. Aber für die ganze Logistik und Wartung. Für die Leute, die zwischen den Offshore-Windkraftanlagen unterwegs sind und dort anlegen wollen, kann hoher Seegang zu einem Hindernis werden.
Aber das mit den Bojen funktioniert ja vermutlich nur in Küstennähe?
Je nachdem, wie man Küste definiert. Wenn wir über deutsche Meeresgebiete reden, sprechen wir über Ost- und Nordsee. Da ist der Meeresgrund bis auf ganz wenige Stellen nicht tiefer als 200 Meter. Das heißt konkret, dass es 6 Messpositionen in der Nordsee gibt und weitere 3 in der Ostsee.
Was es auch schon in Ansätzen gibt, sind Radar- oder Lasermessgeräte an Land. Dabei schickt man zum Beispiel von einem Gebäude an Land aus Radarstrahlen in bestimmten Winkeln aufs Meer. Diese werden von der Wasseroberfläche reflektiert. Anhand der Zeit, die der Radarstrahl braucht, um wieder zur Radarstation zurückzukommen, können die Computer dann ausrechnen, wie weit weg die Welle war und entsprechend, wie hoch sie gewesen ist.
Draußen auf offener See, z.B. im Atlantik, wie macht man es da?
Da wird der Wellengang noch überwiegend vom Schiff aus per "Augenmaß" geschätzt, ansonsten kommen da auch Satellitenaufnahmen zum Einsatz. Die liefern allerdings nur ein sehr grobes Bild.
Immerhin: Gerade diese Satellitenbeobachtungen haben vor ein paar Jahren erst zutage gebracht, dass es auf dem offenen Meer fast jeden Tag riesige sogenannte Monsterwellen gibt – nicht zu verwechseln mit Tsunamis, die bei Erdbeben entstehen. Diese Monsterwellen entstehen durch Überlagerung von normalen Wellen, die zusammenschwappen und sich dann zu bis zu 40 Meter hohen Wellen auftürmen. Davon hatten früher auch immer wieder Kapitäne berichtet, aber erst vor wenigen Jahren konnte mit Satelliten bewiesen werden, dass fast jeden Tag irgendwo in den Ozeanen solche Monsterwellen entstehen.
Danke an: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
Warum wird es nachts dunkel?
May 19, 2025
Show notes
Die Frage ist längst nicht so banal, wie sie vielleicht klingt. Sie hat über Jahrhunderte die Naturforscher beschäftigt, und zwar aus folgender Überlegung heraus: Nachts sind wir zwar auf der sonnenabgewandten Seite – aber da sind ja immer noch die vielen Sterne. 100 Milliarden in unserer Milchstraße, Abermilliarden weitere in anderen Galaxien – und alle leuchten.
Klar: Diese Sterne sind viel weiter weg als unsere Sonne. Aber wenn man annimmt – wie es noch Galileo getan hat –, dass das Universum unendlich groß und unendlich alt ist, unendlich viele Sterne hat und die Sterne einigermaßen gleichmäßig verteilt sind – dann müsste es eigentlich in jeder Richtung gleichermaßen hell sein. So wie wenn man mitten im Wald steht und aus dem Wald nicht rausschauen kann, weil in jeder Richtung ein Baum steht.
Olberssches Paradoxon
Dieser Widerspruch ist schon Johannes Kepler aufgefallen: Hätte das Universum unendlich viele Sterne, dürfte es keine dunklen Stellen am Nachthimmel geben. Ein deutscher Astronom namens Heinrich Wilhelm Olbers hat dieses Problem systematisch aufgearbeitet ("Olberssches Paradoxon"). Es kamen dann verschiedene Ideen, wie sich dieser Widerspruch beseitigen lässt. Man hat gemutmaßt, dass vielleicht irgendein Nebel das Licht behindert oder dass die Sterne eben doch ungleichmäßig verteilt sind. Aber all diese Erklärungen haben näheren Überprüfungen nicht standgehalten.
Edwin Hubble entdeckte: Das Universum dehnt sich aus
Die wahre Erklärung kennen wir erst seit knapp hundert Jahren dank der Entdeckung von Edwin Hubble: Das Universum dehnt sich aus. Es ist eben nicht unendlich groß und entsprechend gibt es auch nicht unendlich viele Sterne. Vielmehr sind sie im Weltall dünn genug gesät, dass sie nur einen Bruchteil des Firmaments bedecken – und deshalb ist es nachts dunkel.
Warum zerfällt meine Sauce Hollandaise, wenn ich sie über warmen Spargel gebe?
May 13, 2025
Show notes
Temperatur bei warmen Emulsionen möglichst stabil halten
Das ist ein Phänomen, das oft bei warmen Emulsionen auftritt. Sie haben eine gewisse Stabilität bei einer bestimmten Temperatur. Wenn Sie die Temperatur zum Beispiel im Wasserbad verändern, verändern Sie die Molekülgeschwindigkeiten und Sie verändern auf molekularer Ebene Kräfte. Dann kann es passieren, dass die Sauce Hollandaise gerinnt.
Um das zu vermeiden, könnte man etwas weniger Butter zugeben oder etwas mehr Eigelb. Da muss man immer eine gute Balance der Bestandteile finden, damit diese Emulsion stabil bleibt.
Auf das richtige Verhältnis der Bestandteile kommt es an
Das hat sehr viel mit Molekularküche zu tun, weil man wissen muss, wie viele Emulgatoren man hat. Man kann sich behelfen, indem man zum Beispiel noch etwas Wasser zugibt – also versucht, die Mischung etwas zu verdünnen. Das sind aber immer nur kleine Rettungsanker, die man nutzen kann. Eigentlich möchte man das ja nicht. Man muss also immer auf das richtige Verhältnis der Bestandteile achten.
Wachsen Nachtschattengewächse wie Tomaten vor allem im Dunkeln?
May 12, 2025
Show notes
Alle Pflanzen wachsen vor allem nachts
Das ist ein weit verbreitetes Gerücht – aber knapp daneben! Es stimmt nur insofern, als grundsätzlich alle Pflanzen vor allem nachts wachsen, am stärksten in den frühen Morgenstunden. Tagsüber bilden sie mithilfe von Sonnenlicht Zuckermoleküle, die sie nachts in Biomasse verwandeln – für Tomaten gilt das genauso wie für Gras, Kartoffeln oder Bäume. Es ist aber keineswegs so, dass Tomaten es am liebsten dunkel mögen. Im Gegenteil, genau wie andere Nachtschattengewächse – Auberginen oder Paprika – brauchen sie viel Sonnenlicht – verregnete Sommer sind eher schlecht.
Bezeichnung "Nachtschattengewächs" führt in die Irre
Es wäre ja auch ein seltsamer Name: Seit wann gibt es nachts einen Schatten? Wenn die Namensgeber hätten ausdrücken wollen, dass die Pflanzen im Dunkeln wachsen, hätte "Nachtgewächs" oder eben "Schattengewächs" ja völlig genügt. In Wahrheit aber leitet sich der Name von einer anderen Pflanze ab, dem "Schwarzen Nachtschatten".
Nachtschaden statt Nachtschatten
Dieser Name wiederum stammt aus dem späten Mittelalter und hat mit Schatten gar nichts zu tun. Vermutlich hieß es früher Nachtschaden – das ist ein altes Wort für Alptraum. Es gibt zwei Theorien. Die eine sagt: Der Name stammt daher, dass man glaubte, die dunklen Beeren des Schwarzen Nachtschattens helfen gegen Alpträume. Oder auch gegen Schäden, die einem Hexen zugefügt haben. Die andere Theorie sagt das Gegenteil: Man vermutete, dass diese Pflanzen Düfte ausströmen, die einem die Alpträume bereiten – vielleicht auch nur im übertragenen Sinn von Kopfweh. Für beide Theorien finden sich Belege in historischen Quellen.
Warum können Babys tauchen, ohne sich zu verschlucken?
May 11, 2025
Show notes
Säuglingen haben angeborenen Tauchreflex
Vereinfacht könnte man sagen: Weil sie das im Bauch der Mutter, wo sie im Fruchtwasser geschwommen sind, so gelernt haben. Säuglinge haben noch einen angeborenen Tauchreflex. Dagegen muss man älteren Kindern, wenn sie tauchen, zuerst erklären, dass sie unter Wasser die Luft anhalten müssen. Sie müssen das also bewusst tun; Säuglinge tun es automatisch. Sobald sie ins Wasser getaucht werden, wird dieser Reflex ausgelöst – das heißt, die Luftröhre wird verschlossen, die Atmung hört auf – aber es passiert noch mehr: Der Herzschlag wird langsamer – nicht etwa schneller vor Aufregung – sondern langsamer, um den Sauerstoffbedarf zu reduzieren; und die Blutversorgung im Körper reduziert sich aufs Nötigste.
Wodurch wird der Reflex ausgelöst?
Es scheint mehrere Auslöser zu geben, aber der erste ist wohl tatsächlich: Wenn die Gesichtshaut mit Wasser, vor allem mit kaltem Wasser in Berührung kommt. Dann wird bei Babys dieser Reflex ausgelöst.
Das kann man als Relikt ansehen aus der Zeit, als sie noch im Bauch der Mutter waren. Denn da werden Babys einerseits mit Sauerstoff über die Nabelschnur versorgt, trotzdem aber üben sie in den letzten Schwangerschaftswochen auch schon das Atmen, das heißt sie machen mit der Lunge Atembewegungen. Manchmal verschlucken sie sich dabei und bekommen Schluckauf – oft zur großen Freude der werdenden Mütte. Aber im Grunde machen sie diese Atembewegungen, ohne wirklich zu atmen.
Über diesen Weg, so scheint es, wird der Tauchreflex ausgebildet, der nach der Geburt noch eine Weile erhalten bleibt, sodass die Babys unter Wasser automatisch die Atmung einstellen.
Voraussetzung für Unterwassergeburt und Babyschwimmen
Dieser Reflex verschwindet ungefähr ab dem 4. bis 6. Lebensmonat. Aber er schafft die Voraussetzung zum einen für die sogenannte „sanfte“ Unterwassergeburt. Zum anderen für das von manchen propagierte Babyschwimmen, bei dem man ja auch nicht möchte, dass die Babys sich verschlucken, wenn sie unter Wasser sind.
Ist grüner Spargel gesünder als weißer?
May 09, 2025
Show notes
Grüner Spargel wächst oberirdisch und bildet Chlorophyll aus
Der Unterschied zwischen weißem und grünem Spargel ist die Anbaumethode. Grüner Spargel wächst oberirdisch, also an der Sonne. Deshalb bildet er grünes Chlorophyll aus. Wenn man den Spargel dagegen in angehäuften Erddämmen aufzieht oder unter Folie, bekommt er keine Sonne ab und bleibt weiß.
Im Verhältnis zum Nährwert hat Spargel viele Mineralstoffe und Vitamine
Sowohl weißer als auch grüner Spargel sind in dem Sinn „gesund“, dass sie viele wertvolle Inhaltsstoffe enthalten – und grüner Spargel enthält von manchen noch ein bisschen mehr. Man muss aber genau hinschauen, denn warum ist Spargel überhaupt gesund? Weil er im Verhältnis zu seinem Nährwert relativ viele wichtige Mineralstoffe und Vitamine enthält. Ich betone: Im Verhältnis zu seinem Nährwert.
Da Spargel zu mehr als 92 Prozent aus Wasser besteht, hat er nur 150 bis 200 Kilokalorien pro Kilogramm. Und in den wenigen Bestandteilen, die nicht "Wasser" sind, konzentrieren sich hohe Mengen an Kalium, Kalzium und Stickstoff. Kalium ist gut für die Nerven, Kalzium gut für die Knochen und Stickstoff wirkt harntreibend und somit entwässernd und entgiftend. Außerdem enthält Spargel die Vitamine A, C, E und K. Das alles enthält der Grüne Spargel auch, allerdings – da er vor der Ernte mehr Sonnenlicht abbekommen hat – zum Teil etwas mehr als der weiße Spargel. Ich tue mich aber schwer damit zu sagen, er sei deshalb "gesünder".
Wie gesund Spargel ist, hängt letztlich vom gesamten Speiseplan ab. Man kann sich auch ohne Spargel gesund ernähren. Und wenn man sich nicht gesund ernährt, dann ist es letztlich egal, ob man statt weißem grünen Spargel isst; das macht dann keinen Unterschied. Bei der Entscheidung im Zweifel also lieber nach dem Geschmack gehen.
Vorsicht bei Gicht
Allerdings ist Spargel nicht uneingeschränkt gesund, denn er enthält auch Substanzen, die im Körper zu Harnsäure umgewandelt werden. Da kann es passieren, dass überschüssige Harnsäure kristallisiert und sich in den Gelenken absetzt. Das wiederum kann Menschen, die eine Anfälligkeit für Gicht haben, Schmerzen bereiten.