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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Ist Albanisch mit anderen Sprachen verwandt oder bildet es eine Sprachinsel? Jun 03, 2025
    Show notes

    Albanisch gehört zu den indoeuropäischen Sprachen

    Das Albanische ist durchaus mit anderen Sprachen verwandt; und zwar mit den anderen indoeuropäischen Sprachen Europas, also mit dem Lateinischen, dem Deutschen, dem benachbarten Serbokroatischen, mit dem Griechischen usw. Allerdings hat das Albanische keine sehr engen Verwandten. Das Deutsche etwa hat ja enge Verwandte wie das Schwedische, das Niederländische oder auch das Englische, die alle ebenfalls zur germanischen Sprachfamilie gehören. Auch das Lateinische hatte nahe Verwandte, wie etwa das Oskische und Umbrische. Diese Sprachen starben aber schnell aus.

    Albanisch bildet eine Sprachinsel

    Dagegen haben wir für das Albanische überhaupt keine nahen Verwandten. Das Albanische ist also ein eigener Zweig innerhalb der indoeuropäischen Sprachfamilie und insofern durchaus etwas Besonderes. Man kann sich auch vorstellen, dass es früher noch andere Sprachen gab, die mit dem Albanischen näher verwandt waren. Man spekuliert deshalb darüber, weil es zu Römerzeiten etwa illyrische Inschriften gab. Es gibt die Idee, dass diese früher mit dem Albanischen verwandten Sprachen vielleicht ausgestorben sind, als die Slawen aus dem Nordosten einwanderten und sich dort das Bulgarische gebildet hat und die Griechen aus dem Süden weiter nach Norden vorgedrungen sind. Die Rumänen etwa sprechen ja eine romanische Sprache.

    Wie gelingt ein erholsamer Mittagsschlaf? Jun 03, 2025
    Show notes

    Achtung Tiefschlaf!

    Beim Mittagsschlaf kommt es darauf an, wie lange wir schlafen. Wenn wir mittags nur 15 Minuten schlafen, fallen wir in den Leichtschlaf; der ist recht erholsam. Er führt dazu, dass wir in den nachfolgenden drei Stunden besser konzentriert und leistungsfähiger sind. Wenn wir aber länger als 20 Minuten schlafen, dann fallen wir in den Tiefschlaf. Der ist erholsamer. Aber gleichzeitig geht dann unser Kreislauf komplett runter – unser Puls, unserer Atmung. Nach einer Tiefschlafeinheit über anderthalb oder zwei Stunden brauchen wir deutlich länger, um wieder hochzukommen. Das kann sogar bis zu drei Stunden dauern.

    15 Minuten Powernapping erfrischt

    Sie haben also mehr davon, wenn Sie sich den Wecker auf 15 Minuten stellen. Wenn Sie allerdings noch auf eine Feier gehen wollen bis 3 Uhr nachts – da würde ich empfehlen, ein langes Mittagsschläfchen zu machen und tatsächlich vorzuschlafen. Aber wenn man nur einen kleinen "Refresher" braucht, also ein kleines Wiederbelebungsschläfchen, dann bitte einen Powernap von 15 Minuten machen.

    Wie entstehen am Strand die typischen Wellenmuster im Sand? Jun 01, 2025
    Show notes

    Diese wellenartigen Muster, die man bei Ebbe am Strand sieht, kennt jeder. Dafür gibt es einen wissenschaftlichen Fachbegriff: Rippelmarken. Diese Muster kommen auch in Wüsten vor. Und in Schneeverwehungen bilden sich manchmal ebenfalls solche wellenförmige Muster aus. Rippelmarken entstehen auf ähnliche Weise wie Dünen.

    Wie entstehen Dünen?

    Voraussetzung ist eine Fläche mit Sand. Über diese Fläche streicht der Wind. Er nimmt einzelne Sandkörner auf, transportiert sie weiter oder schubst sie an. Unter den Sandkörnern gibt es leichtere und schwerere, damit auch schnellere und langsamere. Die behindern sich gegenseitig ein bisschen: Die langsamen Sandkörner stehen den schnelleren im Weg und bremsen sie aus. Auf diese Weise entstehen erste kleine Cluster, also Anhäufungen von Sand am Boden. Wo sich eine kleine Erhebung gebildet hat, behindert diese weitere Sandkörner, die angeweht werden. Die bleiben an der Erhebung liegen und die Erhebung wird noch größer. Dieser Prozess verstärkt sich also von selbst. Immer mehr Sand prallt an die Erhebung, bleibt liegen und so weiter – bis eine ordentliche Düne heranwächst.

    Jeder Sandhaufen wird ab einem bestimmten Punkt instabil

    Allerdings geht das nur bis zu einem bestimmten kritischen Punkt. Denn jeder Sandhaufen wird ab einem bestimmten Punkt instabil, und zwar vor allem dann, wenn der Wind drüberweht. Man kann sich das leicht vorstellen: Wenn die Düne immer höher wird, ist die Spitze einer Düne gleichzeitig immer stärkerem Wind ausgesetzt (Stichwort: Düseneffekt). Ab einem bestimmten Punkt also kann die Düne nicht weiter wachsen. Jetzt passiert aber noch etwas: Hinter der Düne kommt es zu Wind-Verwirbelungen. Die wiederum blasen den Sand hinter der Erhebung weg und schaffen somit eine zusätzliche Vertiefung. Ab einer bestimmten Entfernung hinter der Düne hören diese Wirbel aber auf, sodass sich in einigem Abstand die nächste Erhebung bilden kann.

    Rippelmarken entstehen, wenn Wasser über den Sand strömt

    Nach dem gleichen Prinzip entstehen die kleinen Rippelmarken, die man bei Ebbe am Strand sieht. Der Unterschied ist: Bei den Dünen ist es Wind, der drüberströmt, bei den Rippelmarken am Strand ist es das Wasser. Ein zweiter Unterschied ist: Dort, wo der Wind immer mehr oder weniger in die gleiche Richtung weht, sind die Erhebungen asymmetrisch: Auf der Luv-Seite steigt die Düne langsam an, auf der Lee-Seite fällt sie relativ steil ab. Die meisten Rippelmarken am Meer sind dagegen symmetrisch, weil das Wasser in beide Richtungen strömt: erst zum Strand hin, dann wieder zurück. Dadurch gleicht sich das aus.

    Warum sind Gewitterwolken dunkel? May 31, 2025
    Show notes

    Dunkle Wolken sind Ergebnis des Lichteinfalls

    Wer im Flugzeug über die Wolken fliegt, weiß, dass Wolken von oben weiß sind, weil die Sonne drauf scheint. Von unten aber sind manche dunkler als andere. Wolken bestehen aus vielen winzigen Wassertröpfchen und Eiskristallen und die haben selbst keine Farbe. Dunkle Wolken sind also nicht "schmutzig", sondern das Ergebnis des Lichteinfalls. Schönwetterwolken sind kleiner und nicht so mächtig. Wenn auf so eine Wolke Sonnenlicht fällt, wird es an den einzelnen Tröpfchen gebrochen und gestreut. Aber die Lichtstrahlen kommen trotzdem noch unten an. Außerdem ist die Wolkendecke bei schönem Wetter so locker, dass das Sonnenlicht auch seitlich noch einfallen kann – also erscheinen diese Wolken weiß.

    Mächtige Gewitterwolken lassen kaum Licht durch

    Gewitterwolken dagegen sind mächtig, oft mehrere Kilometer dick und bilden meist eine geschlossene Decke. Deshalb kommt dort das Licht von oben nicht mehr durch. Es wird zwar auch an den vielen Tröpfchen gestreut, aber je mehr Tröpfchen im Weg sind, desto weniger Licht kommt unten an. So wie im Meer ab einer bestimmten Tiefe auch kein Licht mehr hinkommt.

    Orange: Farbe, Frucht, Niederlande – wie hängt das zusammen? May 30, 2025
    Show notes

    Ist die Farbe Orange nach der gleichnamigen Zitrusfrucht benannt – oder umgekehrt? Und warum werden die Niederländer im Fußball oft als "Oranje" bezeichnet? Und dann gibt es ja noch die Stadt Orange in Südfrankreich – was hat die mit all dem zu tun? Das ist kurios, weil das Wort Orange und seine Bedeutungen zwei verschiedene Wurzeln hat, die überhaupt nichts miteinander zu tun hatten, dann aber verschmolzen sind.

    Wie Naranga zur Orange wurde: aus dem Sanskrit ins Französische

    Das mit der Frucht und der Farbe ist schnell erklärt: Die Orange als Frucht stammt aus Asien. Darauf weist ja auch der Alternativname Apfelsine hin: "chinesischer Apfel". Die Orange kam im Mittelalter nach Europa, zuerst als Bitterorange, dann als die süßere Orange, die wir heute kennen. Mit der Frucht kam auch der Name. Dieser Name lässt sich über die gesamte Seeroute nachvollziehen: Im indischen Sanskrit hieß sie Naranga, im Arabischen Naransch, im Spanischen Naranja, in Frankreich fiel das N dann weg und es wurde zu so etwas wie Auranja und schließlich Orange. Nachdem diese Zitrusfrucht in Europa Fuß gefasst hatte, wurde sie namensgebend für die Farbe. Auch das lässt sich schon im Mittelalter nachweisen, dass königliche Kleidungsstücke als "orangefarben" bezeichnet wurden. Mit der Zeit wurde aus dem Wort "orangefarben" die Farbe Orange. Warum ist aber jetzt Orange auch eine Art Nationalfarbe der Niederlande? Die einfache Antwort findet man im Namen des Königshauses. Die niederländischen Könige stammen aus dem Adelshaus Oranien-Nassau. Oranien spricht sich niederländisch Oranje und französisch Orange – da ist das Wort wieder. Der Witz ist allerdings, dass der Name mit der gleichnamigen Frucht und der Farbe gar nichts zu tun hat, sondern zurückgeht auf die Stadt Orange – die liegt bekanntlich nicht in den Niederlanden, sondern im Süden Frankreichs, in der Provence, an der Rhône.

    Wilhelm I. von Oranien – Gründungsvater der Niederlande

    Um diese Stadt Orange herum bildete sich im Mittelalter eine gleichnamige Grafschaft und später das Fürstentum Orange. Durch eine Heirat Anfang des 16. Jahrhunderts verbindet sich dieses Fürstentum schließlich mit einem anderen Adelsgeschlecht, nämlich dem Haus Nassau, dem große Teile der heutigen Niederlande gehörten. Und aus diesem Fürstentum geht schließlich im 16. Jahrhundert Fürst Wilhelm I. von Oranien hervor – er war gleichzeitig Graf von Nassau-Dillenburg. Dieser Fürst hatte eine bedeutende Stellung im Reich. Er wurde nämlich vom spanischen König zum Statthalter in den Niederlanden ernannt – die Niederlande waren damals unter spanischer Herrschaft. Wilhelm hat dann aber die Seiten gewechselt und die Niederlande erstens vereinigt und zweitens in den Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien geführt. 1581 erklärten die Niederlande ihre Unabhängig von Spanien – deshalb betrachten die Niederländer Wilhelm von Oranien als Gründungsvater der Nation. Bis heute stellt das Haus Oranien-Nassau den König bzw. die Königin. So kommt Orange/Oranje zu den Niederlanden.

    Name eines keltischen Wassergotts als Ursprung der französischen Stadt Orange

    Die Niederländer spielen daher in orange-farbenen Trikots. Mit der Pointe, dass dieses Orange mit der Frucht bzw. Farbe eigentlich gar nichts zu tun hat. Wie gesagt, der Name der Frucht leitet sich aus dem Arabischen bzw. aus der indischen Sprachen ab. Die Stadt Orange in Frankreich hieß ursprünglich nämlich Arausio, benannt nach einem keltischen Wassergott. Hatte also mit Orangen nichts zu tun. Mit der Zeut wurde daraus Orenga.

    Homophonie bei Orange und Leberkäs

    Es sind sprachhistorisch also zwei Fäden, die sich miteinander verbinden. Denn es passiert nun das, was Sprachforscher Homophonie nennen: Wörter, die ähnlich klingen, werden einander angeglichen. Ein Beispiel für dieses Phänomen habe ich schon mal in einem anderen Beitrag beschrieben, wo es um die Frage ging: Woher der Leberkäse seinen Namen hat. Auch der Name hat mit weder mit Leber noch mit Käse was zu tun. Und so ähnlich war es mit Orange. Die Stadt liegt ja an der Rhône – einer auch im Mittelalter wichtigen Handelsroute, die vom Mittelmeer ins Landesinnere führte. Als die Orange nach Europa kam, war sie dort natürlich auch bekannt. Und das hat wohl mit dazu beigetragen, dass der Name der Stadt von Orenga langsam zu Orange mutierte und auch irgendwann so geschrieben wurde. Das passierte nämlich nachweislich erst mit der Zeit, nachdem dieses Wort durch die eingeführte Frucht aus Asien bekannt wurde. Damit ist die Geschichte immer noch nicht zu Ende. Vielmehr schließt sich jetzt der Kreis, denn auch unser Wilhelm von Oranien, der niederländische Staatsgründer, kam auf die Idee, sich die Farbe zu eigen zu machen, auch wenn sein Fürstentum nur zufällig so hieß wie die Frucht. So integrierte er die Farbe in die Flagge seiner Unabhängigkeitsbewegung im Kampf gegen Spanien.

    Orange auch in Irland von Bedeutung

    Die Farbe Orange kam also im Prinzip nur wegen des Klangs zum Haus Oranien. Die Orange hatte mit dem Fürstentum Oranien ursprünglich gar nichts zu tun hatte, und doch hat sich Wilhelm bewusst dafür entschieden, sich diese Farbe zu eigen zu mache. Und sie wurde damit nicht nur eine Farbe für die Niederlande, sondern – das war ja auch ein Kampf Protestanten gegen Katholiken – orange wurde auch die Farbe für die protestantische Bewegung. So kam das Orange auch in die irische Flagge. Wobei dort das Grün wiederum für die katholische Bewegung steht. Der Name der Frucht und der Farbe haben also einen komplett anderen Ursprung als die französische Stadt und das niederländische Königshaus – und doch wuchs alles zusammen. Ein bisschen so, wie der Bär irgendwann zum Wappentier von Berlin wurde, obwohl der Name Berlin nichts mit Bären zu tun hat.

    Warum schmeckt der mitgebrachte Urlaubswein zu Hause ganz anders? May 29, 2025
    Show notes

    Es gibt eine Reihe von Gründen für dieses berühmte Urlaubsweinphänomen, denn es geht ja vielen Menschen so. Man bringt etwas mit, was einen vor Ort einfach umgehauen hat, trinkt es zu Hause und denkt: Um Gottes Willen, was ist denn das?

    Licht- und Duftreize wirken besser in entspannter Atmosphäre

    Eine Erklärung ist simpel. Im Urlaub, in der Sonne, in guter Umgebung sind ihre Sinne gereizt bzw. sehr viel aufgeschlossener gegenüber Geschmacksreizen, auch für Licht- und Duftreize. Man ist einfach im Urlaub viel aufnahmefähiger. Das führt dazu, dass man diese Stoffe im Wein, den Duft, das Aroma viel stärker wahrnimmt als man das zu Hause unter Stress, im Alltag, bei grauem Wetter tut. Ein zweiter Grund ist: Vor Ort haben Sie häufig ein anderes Essen, zu dem der Wein gut passt. Zu Hause probieren Sie den zu Ihrem Vesper und dazu passt er einfach überhaupt nicht. Ein drittes Phänomen habe ich erlebt: Wenn Sie bei Winzern direkt vor Ort einkaufen, in einer nicht so renommierte Gegend, dann kann es Ihnen passieren, dass Sie einen Wein probieren. Aber in der Flasche, die Sie mitnehmen, ist was anderes drin. Aber das Urlaubsphänomen ist im Wesentlichen tatsächlich sonnenbedingt. Medizinerinnen und Neurologen können erklären, warum Sonne und diese Urlaubsgelassenheit das Empfinden völlig verändern.

    Warum fällt Vatertag auf Christi Himmelfahrt? May 28, 2025
    Show notes

    Herrentag: Vatertagstradition in Deutschland kommt aus dem Berliner Raum

    Das ist eine deutsche Besonderheit – den Vatertag gibt es zwar in vielen Ländern, aber zu anderen Terminen. Bei den meisten findet er am 3. Sonntag im Juni statt – das haben die USA so eingeführt und der Termin wurde dann auch in anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Türkei oder Ungarn übernommen. In Italien, Portugal und Spanien findet der Vatertag am 19. März statt, dem sogenannten Josefstag. Die deutsche Besonderheit kommt daher, dass hier der Vatertag unabhängig davon entstanden ist und traditionell eben an Christi Himmelfahrt begangen wurde. Das war vor allem im Berliner Raum so. Von dort kommt auch die Tradition, dass die Männer an dem Tag unter sich sind und zusammen etwas unternehmen, damals auch gerne als Ausflug zu Pferde. Um Berlin herum ist aus den alten Zeiten auch noch der Begriff "Herrentag" gebräuchlich. Da sind auch alle Männer eingeschlossen, nicht nur die Väter.

    Hitler und Goebbels machen Christi Himmelfahrt zum gesetzlichen Feiertag

    Wann das genau und wie zum ersten Mal stattfand, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass 1934 Hitler und Goebbels Christi Himmelfahrt zum gesetzlichen Feiertag erklärt haben. Dadurch hat sich der Vatertag an diesem Termin noch mehr festgesetzt, zumal ja dann viele den Freitag als Brückentag nutzen und sich freinahmen.

    USA: Vatertag wird 1910 eingeführt und 1974 zum offiziellen Feiertag erklärt

    In den USA dagegen kann man eine klare Jahreszahl nennen, der dortige Vatertag wurde 1910 eingeführt, also kurz nach der offiziellen Einführung des Muttertags. Der Vatertag wurde in den USA auf den 3. Sonntag im Juni gelegt – ein Datum, das dann wiederum andere Länder übernommen haben. 1974 wurde dieser Vatertag von der Regierung Nixon sogar zum offiziellen Feiertag erklärt. Anders als bei uns: Hier ist zwar Christi Himmelfahrt offizieller Feiertag, aber eben als Himmelfahrt, nicht als Vatertag – von Vatertag ist in keinem Gesetz die Rede. Das ist reine Konvention.

    Nach Geschmack: Männertag mit Alkohol oder Familientag

    Doch trotz der unterschiedlichen Termine in verschiedenen Ländern gibt es vom Grundsatz gar nicht so viele regionale Unterschiede: Dass die Männer im Pulk losziehen, mit Bollerwagen oder ohne, mit mehr oder weniger Alkohol an Bord, das ist weit verbreitet. Genauso wie aber auch viele Väter den Tag inzwischen bewusst in der Familie verbringen – oder auch mit der Familie etwas unternehmen, was den Männern Spaß macht: Kletterpark, Rafting oder ähnlich – aber das ist letztlich mehr eine individuelle Typfrage als dass es sich um regionale Besonderheiten handelt. Ich glaube, wenn man ehrlich ist, ist für die meisten heute der Vatertag vor allem ein freier Tag und der Start in ein ordentlich verlängertes Wochenende.

    Was bedeutet "Staatsräson"? May 27, 2025
    Show notes

    Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte 2008 in der israelischen Knesset: Die Sicherheit sei "Teil der deutschen Staatsräson". Merkels Nachfolger, Bundeskanzler Olaf Scholz, hat das nach den Angriffen der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wiederholt. Diese Sätze gingen so durch die Medien, dass viele das Wort "Staatsräson" fast nur im Zusammenhang mit Israel kennen. Dabei führt das auf eine falsche Fährte.

    Keine moralische Überzeugung, sondern von nationalen Interessen motiviert

    Deutschland leitet seine Solidarität gegenüber Israel auch aus der deutschen Vergangenheit ab, dem Holocaust. Und so entsteht der Eindruck, dass Staatsräson so etwas bedeutet wie eine selbstauferlegte moralische Verpflichtung. Dabei bedeutet das Wort eigentlich genau das Gegenteil. Nämlich gerade keine moralische Überzeugung, sondern eine rein vom nationalen Interesse geleitete.

    Begriff "Staatsräson" geht zurück auf Machiavelli und Botero

    Der Begriff ist schon 500 Jahre alt und geht auf die Herrschaftstheorien von Niccolò Machiavelli (1469 - 1527) und Giovanni Botero (1544 - 1617) zurück. Staatsräson war bei Botero das, was dazu dient, die staatliche Herrschaft aufrechtzuerhalten. Eine besondere Bedeutung erhielt das Konzept nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), im Westfälischen Frieden (1648). Dort haben die vom Krieg gebeutelten Staaten vereinbart, dass sie gegenseitig in Ruhe lassen – trotz ihrer vor allem religiösen Unterschiede. Katholiken hier, Protestanten dort – kein Staat sollte mehr versuchen, seine religiösen, politischen oder sonstigen Vorstellungen einem anderen Volk mit Gewalt aufzuzwingen. Vielmehr haben die bestehenden Staaten in ihren jeweiligen Grenzen eine Existenzberechtigung. Und die Staaten waren sich einig, dass es im Sinne eines Kräftegleichgewichts sogar gut ist, wenn es mehrere Machtzentren in Europa gibt. Das bedeutete im Klartext auch eine Machtverschiebung innerhalb der Staaten: Nicht mehr die Kirchen sollten das staatliche Handeln bestimmen, sondern das, was für den Erhalt der Staaten gut und nützlich war, eben: Die Staatsräson, als nationales Interesse.

    Staatsräson kann in Konflikten stehen mit anderen Werten

    Das war die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs, der deshalb auch nicht immer nur positiv gemeint war. Denn die Staatsräson kann ja hier und da im Konflikt stehen mit anderen Werten – etwa dem Rechtsstaat oder der Freiheit der Bürger. Hier ein Ausschnitt einer Bundestagsdebatte von 1956. Der SPD-Abgeordnete Carlo Schmid – einer der Väter des Grundgesetzes – spricht über das in der Verfassung verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung.
    Wir wollten, dass in diesem Staat die Staatsräson nicht als die oberste Autorität für das Handeln von Staat und Bürger anerkannt wird.

    Quelle: Carlo Schmid, SPD-Abgeordneter, 1956

    Mit anderen Worten. Das Recht, den Dienst an der Waffe zu verweigern, stehe über der Staatsräson, die eher eine starke Bundeswehr verlangt. Aus Staatsräson ist die Bundesrepublik nach dem Krieg der NATO beigetreten und hat sich für das Zusammenwachsen Europas eingesetzt – dass das im nationalen Interesse ist, darin waren sich alle Bundesregierungen seit dem Krieg einig. Und so bekräftige das auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1985:
    Eine der wichtigen Lehren, die wir aus unserer Geschichte in diesem Jahrhundert ziehen konnten, ist zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland geworden: Die Bindung an die Wertegemeinschaft freiheitlicher Demokratien und die Verpflichtung auf die politische Einigung Europas.

    Quelle: Helmut Kohl, Bundeskanzler, 1985

    Staatsräson kann auf Werten beruhen – muss es aber nicht

    Kohls Satz macht deutlich: Eine Staatsräson kann auf Werten beruhen. Aber Staatsräson und Werte sind trotzdem zunächst verschiedene Dinge. Mit Diktatoren Geschäfte zu machen oder mit Autokraten militärische Bündnisse zu schmieden, lässt sich schwerlich mit freiheitlich-demokratischen Werten begründen. Und doch kann es Staatsräson sein, es zu tun – weil es im nationalen Interesse ist, Handelspartnerschaften zu pflegen oder sich um der eigenen Sicherheit zuliebe mit Ländern zu verbünden, die nicht das gleiche Wertesystem teilen. Kurz: Wenn ein Staat vor einer schwierigen Entscheidung steht – etwa: Verhandle ich mit Geiselnehmern? Veröffentliche ich brisante Informationen? – und am Schluss die oberste Priorität für die Entscheidung ist, dass der Staat und seine Institutionen aufrechterhalten bleiben, dann ist das "Staatsräson". Es ist also gerade kein Synonym für "Werteorientierung".

    Deutschland: Besondere Auslegung des Begriffs in Bezug auf Israel

    Dass Merkel und ihr Nachfolger Scholz den Begriff im Zusammenhang mit Israel gebrauchen, ist aus Sicht von Marietta Auer daher bemerkenswert. Sie ist Rechtswissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Rechtstheorie in Frankfurt und sagte im Bayerischen Rundfunk:
    Eigentlich sagt Staatsräson ja: Das Überleben des eigenen Staates steht über allem. Und das Interessante an dieser Konstruktion ist, dass das Überleben eines anderen Staats zur eigenen Staatsräson gemacht wird.

    Quelle: Marietta Auer, Rechtswissenschaftlerin

    So habe bisher kein anderer Staat den Begriff Staatsräson ausgelegt.

    Was würde passieren, wenn der Mond weg wäre? May 26, 2025
    Show notes

    Ohne Mond keine verlässlichen Jahreszeiten

    Ohne den Mond hätten wir keine verlässlichen Jahreszeiten. Denn der Mond stabilisiert die Erdachse. Gäbe es ihn nicht, geriete die Erdachse alle paar Millionen Jahre kräftig ins Trudeln. Mit verheerenden Auswirkungen auf das Klima. Forscher haben ausgerechnet: Ohne Mond könnte die Erdachse zwischendurch auch mal um fast 90 Grad kippen. Dann könnte ganz schnell mal der Nordpol in den Tropen liegen. Das würde bedeuten: Jede Erdhälfte hätte ein halbes Jahr lang pralle Sonne und anschließend ein halbes Jahr lang finsterste Nacht. Der Mond dagegen hält die Erdachse einigermaßen in Position, sodass es solche extremen Verhältnisse nicht geben kann.

    Wichtige Rolle bei der Evolution

    Ohne den Mond wären die Kontinente vielleicht noch immer unbelebt und alles Leben würde sich im Meer abspielen. Denn der Mond bringt uns Ebbe und Flut, und somit auch die Überschwemmungsgebiete an der Küste, im Übergang zwischen Wasser und Land. Große Flächen, die zweimal am Tag geflutet werden und zwischendurch trockenfallen. Diese Übergangsbereiche spielten in der Evolution eine wichtige Rolle: Hier entwickelten sich die Amphibien, die später weiter an Land krochen und aus denen sich schließlich Echsen, Saurier und Säugetiere entwickelten. Ohne Mond wären Ebbe und Flut viel schwächer, und diese ganzen Überschwemmungsgebiete hätte es in der Form nicht gegeben.

    Ohne den Mond wären die Tage kürzer

    Ohne den Mond wären auch die Tage kürzer. Heute braucht die Erde 24 Stunden, um sich einmal um sich selbst zu drehen. In ihrer Frühzeit drehte sie sich viermal so schnell; ein Tag dauerte entsprechend nur 6 Stunden. Es war der Mond, der die Erde gebremst hat: Durch die Gezeiten, die er auslöst, durch Ebbe und Flut und dieses ganze Hin- und Hergeschwappe, verliert die Erde ständig an Dreh-Energie und rotiert infolgedessen immer langsamer. Ohne den Mond wäre es nachts auch nicht nur dunkel, sondern stockdunkel, und zwar jede Nacht. Nur die Sterne könnten uns noch den Weg leuchten. Ohne den Mond wäre die Erde auch einsamer – so ohne Begleiter. Das Traurige an der Geschichte: Der Mond entfernt sich von uns. Jedes Jahr driftet er 4 cm weiter hinaus ins Weltall. Eines fernen Tages wird er so weit weg sein, dass es keine totale Sonnenfinsternis mehr geben wird.

    Warum ist jemand "vom Hafer gestochen"? May 25, 2025
    Show notes

    Hafer: beliebtes Futter für Pferde

    Diese Redensart kommt von Beobachtungen, die man früher bei Pferden gemacht hat, vermutlich in der frühen Neuzeit, etwa im 16. und 17. Jahrhundert: Wenn Pferde sehr viel Hafer zum Fressen bekommen hatten, wurden sie ganz aufgedreht. Manche erklären das heute mit bestimmten Substanzen, die im Hafer sind und die angeblich eine vitalisierende, aufputschende Wirkung auf die Pferde gehabt hätten. Allerdings hinkt diese Erklärung, denn der Hafer enthält zwar psychisch wirkende Inhaltsstoffe, aber erstens wirken die nicht sehr stark, und zweitens geht die Wirkung eher in eine andere Richtung: Wenn Hafer überhaupt einen Effekt hat, dann beruhigt er eher und hilft, Stress besser zu bewältigen. Und auch das ist nur schwach belegt. Vor allem aber: Wenn man die Redewendung auf die Inhaltsstoffe des Hafers zurückführt, hat man immer noch nicht das "Stechen" erklärt – warum "vom Hafer gestochen"?

    Spelziger Hafer piekt im Po

    Eine andere Erklärung ist daher plausibler: Der Hafer, den die Pferde früher bekommen haben, war nicht entspelzt – er war also noch von den unverdaulichen Spelzen umhüllt. Wenn die wieder ausgeschieden werden, piekt das am Darmausgang. Wenn die Pferde also viel Hafer bekommen haben und die Spelzen am Po pieksten, machte sich das in einem recht lebhaften Verhalten bemerkbar. Deshalb: Vom Hafer gestochen.

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