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    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Warum werden wir rot vor Scham? Jun 29, 2025
    Show notes

    Rotwerden ist ein Zeichen dafür, dass unser Gesicht stärker durchblutet wird. Und das passiert bei Stress oder wenn wir uns schämen – z.B. in einer peinlichen Situation. Es fällt ja auf, dass wir das gar nicht steuern können. Das liegt daran, dass das Ganze über das vegetative Nervensystem läuft. Das vegetative Nervensystem reguliert Abläufe im Körper, die wir normalerweise nicht bewusst kontrollieren können, wie z.B. den Herzschlag oder die Atmung. Und genauso ist es hier. Das Schamgefühl selbst entsteht im Emotionszentrum des Gehirns, dem limbischen System. Von hier aus empfängt das vegetative Nervensystem die Signale und leitet sie an den ganzen Körper weiter. Diese Nervenimpulse sorgen dafür, dass sich die feinen Blutgefäße im Gesicht weiten – dadurch strömt mehr Blut in Wangen und Stirn, manchmal auch in Hals und Ohren oder den ganzen Kopf. Bei Menschen mit heller Haut lässt sich das besonders gut erkennen.

    Ist Rotwerden immer ein Zeichen für Scham?

    Nein, nicht nur Scham führt zum Erröten: Andere Auslöser können Sport, starke Temperaturschwankungen und Bluthochdruck sein. In diesen Fällen hat das Rotwerden einen klaren physiologischen Sinn, z.B. den Temperaturausgleich.

    Welche Funktion hat das Rotwerden bei Scham?

    Die Schamesröte hat vor allem eine soziale Funktion. Mit ihr signalisieren wir unserem Gegenüber: "Das ist mir peinlich." oder "Ich erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe." oder: "Komm mir nicht zu nah!" Wir kommunizieren also über Körpersprache. Eine Studie aus den Niederlanden fand sogar heraus, dass wir durch Schamesröte mehr Empathie in anderen auslösen können: So betrachteten Versuchspersonen diejenigen Menschen wohlgesinnter, die in einer unangenehmen Situation rot wurden, als die Menschen, die keine Röte zeigten.

    Eigentlich ist Rotwerden also sinnvoll. Kann es auch zum Problem werden?

    Wer übermäßig viel Angst vorm Erröten hat, leidet laut Psychologie an einer Erythrophobie. Ein Teufelskreis beginnt: Die Angst vorm Erröten führt nur umso schneller dazu, dass Betroffene rot werden. Daraufhin schämen sie sich noch mehr und erröten umso stärker. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer sozialen Phobie, einer bestimmten Form der Angststörung. Betroffene meiden dann schambehaftete Situationen und sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Helfen können z.B. Medikamente zur Lösung der Angstzustände und eine kognitive Verhaltenstherapie. Ziel ist dann, Stress auslösende Situationen im Alltag wieder zu meistern. Und eine Neubewertung des Rotwerdens an sich – eben als eine ganz natürliche Körperfunktion, für die wir uns nicht schämen müssen.

    Was bedeutet der Hahn auf einem Kirchturm? Jun 28, 2025
    Show notes

    "Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen"

    Das geht zurück auf die berühmte Geschichte im Neuen Testament, in der Jesus dem Petrus prophezeit: "Du wirst mich dreimal verleugnen, ehe der Hahn kräht". Und so ist es dann ja auch gekommen.

    Mahnmal für Aufrichtigkeit

    Jesus wird gefangen genommen, Petrus wird gefragt, ob er zu ihm gehört, streitet es dreimal ab – und anschließend kräht der Hahn. An diese Geschichte erinnert der Hahn auf den Kirchtürmen – man könnte ihn also als Mahnmal für Aufrichtigkeit interpretieren. Abgesehen davon zeigt er – sofern er beweglich ist – praktischerweise auch den Wind an, dient also als Wetterhahn. Und wenn jemand sich windet und wie Petrus aus Opportunismus seine Identität verleugnet und man sich nicht auf ihn verlassen kann, sagt man ja auch: Der dreht sich wie der Hahn im Wind.

    Je nach Region: Hahn steht auf katholischen und evangelischen Kirchtürmen

    Es ist übrigens nicht so, wie oft behauptet wird, dass der Hahn immer ein Erkennungszeichen einer katholischen Kirche ist. Das hängt vielmehr von der Region ab. In Süddeutschland steht der Hahn tatsächlich hauptsächlich auf den katholischen Kirchtürmen – wie auch sonst in weiten Teilen der Welt. Auf den evangelischen ist dagegen ein Kreuz angebracht. Nur in Norddeutschland ist es zum Teil umgekehrt. Dort haben die katholischen Kirchen auch Kreuze – während der Hahn dort wiederum Kennzeichen reformierter Gemeinden ist.

    Warum krähen Hähne bei Sonnenaufgang? Jun 28, 2025
    Show notes

    Hahnenschrei: Inbegriff des Tagesbeginns

    Hähne krähen nicht nur bei Sonnenaufgang, sondern über den Tag hinweg immer wieder. Nur nachts legen sie eine Krähpause ein. Deshalb fällt es morgen umso mehr auf; zu Sonnenaufgang ist ja noch nicht viel los. Hähne krähen somit in die Stille hinein. Deshalb ist das Krähen zum Inbegriff des Tagesbeginns geworden. Das Krähen dient dabei hauptsächlich als Imponiergehabe. Die Hähne markieren auf diese Weise ihr Revier, signalisieren ihren potentiellen Rivalen ihre Kampfbereitschaft und den Hennen, wie stark und toll sie sind. Gockel-Verhalten eben.

    Hähne folgen ihrer inneren Uhr und nicht dem Tageslicht

    Lange glaubte man, dass die Tiere mit dem Krähen beginnen, wenn sie die ersten Sonnenstrahlen registrieren. Aber offenbar brauchen sie die Sonne gar nicht. Tatsächlich fangen sie oft ja auch schon vor der Dämmerung, also vor den ersten Sonnenstrahlen an zu krähen. Es gab 2013 eine Studie japanischer Wissenschaftler. Die haben Hähne unter Laborbedingungen beobachtet. Einige dieser Hähne haben sie einem konstanten Dämmerlicht ausgesetzt, sodass sie objektiv gar nicht mehr die Tageszeit erkennen konnten. Und trotzdem haben sie zuverlässig frühmorgens gekräht. Das deutet darauf hin, dass sie hauptsächlich ihrer inneren Uhr folgen – das funktioniert sogar über Wochen hinweg.

    Bei hellerem Licht wird häufiger gekräht

    Natürlich wird diese Innere Uhr wie bei Menschen auch regelmäßig durch das Tageslicht geeicht – aber die Hähne brauchen am jeweiligen Morgen kein Licht als Startsignal. Trotzdem hat das Licht insgesamt einen gewissen Einfluss. Die Forscher haben geschaut, was passiert, wenn sie die Lichtverhältnisse variieren, es also mal ein bisschen heller, mal ein bisschen dunkler werden lassen. Da zeigte sich schon, dass die Hähne bei hellerem Licht häufiger krähten. Ein Hahn wird offenbar auch dann zum Krähen animiert, wenn er einen anderen Hahn krähen hört. Das kann durchaus auch früh morgens der Fall sein. Auf dem Land fällt das auf: Wenn einer anfängt, kräht bald der zweite hinterher. Aber einer muss ja den Anfang machen – und das funktioniert offenbar über die innere Uhr, also den biologischen Tag- und Nachtrhythmus.

    Kann man luzides Träumen trainieren? Jun 27, 2025
    Show notes

    Klarträume treten kurz vor dem Aufwachen auf

    Wir wissen, dass die meisten Klarträume kurz vor dem Erwachen auftreten, weil da das Gehirn aktiver wird. Denn es ist tatsächlich so: Damit man dieses zusätzliche Bewusstsein hat, dass man träumt, muss das Gehirn ein bisschen aktiver sein. Das heißt, die Übergangsphase fördert das tatsächlich. Jetzt möchte man natürlich nicht nur das Bewusstsein haben und dann sofort aufwachen. Ich kann mich an meinen ersten trainierten Klartraum erinnern. Darüber habe ich mich so gefreut, dass ich sofort aufgewacht bin. Man hat tatsächlich zwei Dinge miteinander zu verknüpfen. Es geht darum, das Bewusstsein zu trainieren, um es früher im Traum zu erlangen.

    Realitätscheck: Träum ich oder bin ich wach?

    Die Technik, die man am meisten einsetzt, weil es am leichtesten geht, allerdings auch Training verlangt, sind sogenannte Realitätschecks. Man fragt sich fünf- bis zehnmal über den Tag verteilt: Träum ich oder bin ich wach? Dann kontrolliert man kurz die Umgebung, die man sieht, ob sie den physikalischen Gesetzen der Wachrealität entspricht. Und im Wachzustand kommt man immer zum Schluss, dass man wach ist. Es geht hier also nicht darum, die Realität zu hinterfragen, sondern diese Übung dient dazu, dass man sich die Frage regelmäßig direkt im Traum stellt.

    Traumbewusstein trainieren und luziden Traum verlängern

    Denn wenn man sich die Frage früher im Traum stellt und plötzlich merkt: Okay, ich kann ja höher hüpfen. Oder ich kann dies oder jenes machen, was im Wachzustand nicht möglich ist – dann kommt man früher auf den Gedanken, dass es ein Traum ist. Dadurch wird der luzide Traum länger. Denn viele berichten gerade am Anfang, dass die luziden Träume zunächst sehr kurz sind. Da braucht es noch ein bisschen Training, um tiefer in dieses Fragen „Ist es ein Traum oder bin ich wach?“ hineinzukommen. Die Grundidee ist es also, sich zufällig über den Tag verteilt fünf bis zehn Mal diese Frage zu stellen. Wenn Sie das tagsüber regelmäßig machen, fängt ihr Traumbewusstsein auch an, die Frage zu stellen. Und dann wird es interessant. Wenn jemand viel träumt, eine gute Traumerinnerung hat und auch schon luzide Träume hatte, denke ich, dass die Frage nach zwei bis vier Wochen, wenn man regelmäßig übt, schon früher im Traum gestellt werden kann: Träum ich oder bin ich wach?

    Infektionsgefahr im Krankenhaus: Wie sollte ich Kleidung nach einem Klinikaufenthalt reinigen? Jun 25, 2025
    Show notes

    Wenn Sie fürchten, dass sich auf der Kleidung Keime befinden, waschen Sie die Wäsche bei 60°C mit einem Vollwaschmittel. Dabei werden die Bakterien zerstört. Das wird noch unterstützt, wenn sie die Wäsche im Sommer beim Trocknen der Sonne aussetzen; die Sonne tötet auch einen Teil der Bakterien ab. Auch das Bügeln trägt dazu bei.

    Auf Vorwäsche verzichten und Vollwaschmittel verwenden

    Auf eine Vorwäsche sollten sie dabei verzichten, denn die Vorwäsche verteilt die Bakterien eher in der Maschine und bringt sie auch auf Kleidungsstücke, die vorher nicht belastet waren. Bei Schuhen reicht es aus, die Sohle mit Wasser und Seife abzuwischen. Haben Sie keine Angst vor diesen Krankenhauskeimen. Was man in den Medien dazu liest macht oft Angst. Diese Krankenhauskeime sind aber häufig im Privatbereich kein Problem. Sie sind ein Problem des Krankenhauses.

    Kann man die Nase abschalten? Jun 24, 2025
    Show notes

    Das ist leider ganz schwierig. Die Nase gehört zu den Sinnessystemen, die nie schlafen, die 24 Stunden aktiv sind und auch während der Nacht arbeiten. Denn mit jedem Atemzug nehmen Sie auch Duftmoleküle auf. Das heißt, solange Sie atmen, riechen Sie auch. Sie müssen ja atmen, damit Sie überleben können. Deswegen kann man das Riechen im Vergleich zu den Augen nicht abstellen. Die Augen kann man zumachen, die Ohren kann man sich zuhalten. Aber das Atmen lässt sich leider – oder manchmal Gott sei Dank – nicht abstellen.

    Wäscheklammern oder Mundatmung sind kaum Alternativen

    Leider gibt es auch keine guten Tricks. Sie können natürlich mit einer Wäscheklammer die Nase zumachen. Die Atmung durch den Mund ist auch nicht so gesund, wie wenn man durch die Nase atmet. Denn die Nase hat ja nicht nur etwas mit dem Riechen zu tun, sondern sie ist durch die Schleimhäute auch ein Staubfilter, wärmt die Luft an und hat viele andere Funktionen. Daher sollte man über die Nase atmen. In manchen Extremsituationen hilft natürlich nichts anderes; da hält man sich die Nase am besten einfach zu.

    Woher kommt der Begriff "Seemannsgarn"? Jun 23, 2025
    Show notes

    Taue wurden von Seeleuten repariert

    Mein Vater war selbst Seemann; deshalb weiß ich sehr genau, woher das kommt. Mein Vater hat nämlich Taue spleißen müssen. Das tut man auf dem Festland eher selten. Es geht dabei darum, Taue in einer komplizierten Art und Weise der Flechttechnik wieder zu verbinden. Diese Taureparatur oder neue Taue flechten hat man miteinander an Bord gemacht und sich dabei Geschichten erzählt – Döntjes, wie man im Norden sagt. Es war also genau wie in den Spinnstuben. Deshalb hat man auch auf dem Festland "Garn spinnen" gesagt und meinte genau das Gleiche: irgendwelche Geschichten erzählen, die zwar nicht immer wahr waren, aber jedenfalls nett.

    Abenteuerliche Geschichten sorgten für Unterhaltung bei der Arbeit

    Bei den Seeleuten war das natürlich noch viel mehr. Man fuhr ja früher nicht in Urlaub, sondern war hauptsächlich daheim. Die Seeleute kamen aber viel rum und erzählten dann manchmal ganz unglaubliche Geschichten, wie sie eben auch beim Spleißen oder Taureparieren erzählt und ausgedacht wurden. Und so sagt man dann eben auch "Seemannsgarn spinnen".

    Warum nimmt man den eigenen Körpergeruch nicht wahr? Jun 22, 2025
    Show notes

    Adaptation: Wir gewöhnen uns an Gerüche

    Hier gilt das gleiche wie für alle Düfte, die man permanent um sich hat: Man nimmt sie irgendwann nicht mehr wahr. Das ist auch beim Parfüm so: Man trägt es auf, riecht es nach ein paar Minuten schon gar nicht mehr, sprüht nach – und am Schluss stinkt man wie ein Iltis. Die anderen merken es, man selber nicht. Wie alle Sinnessysteme hat unsere Nase die Fähigkeit, sich an bestimmte Reize zu gewöhnen und abzuschalten. Sie meldet dann dem Gehirn gar nicht mehr, dass Düfte in der Luft sind. Denn was die ganze Zeit da ist, muss dass Gehirn nicht ständig erfahren, sonst wird es völlig überlastet. Man nennt das Adaptation. In mancher Hinsicht ist das ein Geschenk, denn wenn es besonders stinkt, kann man sicher sein, dass man sich mit der Zeit auch daran gewöhnt und man diesen Duft nicht mehr riecht.

    Hunde laufen Zickzack, um die Spur nicht zu verlieren

    Hunde können das übrigens auch. Wenn sie einer Beute folgen, laufen sie irgendwann Zickzack. Denn wenn sie immer in der Duftspur blieben, würden sie sich ebenfalls an den Geruch gewöhnen und den Hasen nicht mehr riechen können. Sie laufen also ein Stückchen raus, nehmen eine Prise frische Luft und kommen wieder zurück. Wenn wir einen Raum, in dem es stinkt, verlassen und wieder zurückkommen, bemerken wir auch den Geruch wieder.

    Weinen Tiere vor Schmerz oder Rührung? Jun 21, 2025
    Show notes

    Da gehen die Meinungen auseinander. Die meisten Verhaltensbiologen sagen eher, dass Tiere zwar durchaus Schmerz und Gefühle empfinden und auch so etwas wie Trauer fühlen können, dass sie aber deswegen nicht weinen. Das „Heulen“ vor Schmerz oder Rührung ist nach gängiger Lehrmeinung eine spezifisch menschliche Eigenschaft.

    Krokodilstränen: kein Ausdruck von Trauer

    Es gibt Krokodilstränen – also nicht nur in der Redensart, wo die Krokodilsträne ja der Inbegriff der Heuchelei ist – sondern Krokodile produzieren tatsächlich Tränen. Das war lange nicht klar, weil sich Krokodile ja viel im Wasser bewegen und deshalb immer wieder irgendwelche Tropfen an ihnen herunterkullern. Vor ein paar Jahren haben Forscher den Nachweis erbracht, dass das, was man schon seit Jahren für Krokodilstränen hielt, tatsächlich welche sind. Die entscheidende Frage ist aber: Was löst diese Tränen aus? Das hat wahrscheinlich nichts mit Trauer oder Schmerz oder sonstigen Gefühlsausbrüchen zu tun, sondern mit Druck. Die Krokodile produzieren die Tränen nämlich beim Fressen. Da sperren sie bekanntlich ihr Maul weit auf. Dies drückt nach hinten aufs Auge bzw. die dort befindlichen Tränendrüsen.

    Tränen: Auge befeuchten, reinigen, mit Nährstoffen versorgen

    Tiere haben also Tränendrüsen, aber hauptsächlich, um die Augen zu befeuchten, zu reinigen und um die Hornhaut mit Nährstoffen zu versorgen – wie beim Menschen auch. Wir produzieren ja auch ständig Tränenflüssigkeit, ohne dass wir gleich weinen. Die Wissenschaft unterscheidet übrigens zwei Arten von Tränen. Das eine sind die sogenannten reflektorischen Tränen. Die produzieren wir, wenn wir z. B. Schmutz im Auge haben oder beim Zwiebelschneiden. Das ist die ganz normale Tränenflüssigkeit. Wenn wir aber weinen, dann sind das emotionale Tränen. Die haben eine etwas andere chemische Zusammensetzung; insbesondere enthalten sie mehr Proteine, mehr Mineralstoffe und eine erhöhte Konzentration an Serotonin. Das ist ein Botenstoff im Gehirn, der unter anderem bei Schmerz ausgeschüttet wird. Man kann Tränen also chemisch unterscheiden.

    Emotionale Tränen bei Tieren?

    Standardlehrmeinung ist, dass Tiere keine emotionalen Tränen produzieren. Aber beweisen kann man es nicht. Denn nur weil man es noch nie wissenschaftlich beobachtet hat, kann man ja nicht ausschließen, dass es solche Tränen in ganz bestimmten Situation nicht doch gibt. Es gibt einen schönen Film: "Die Geschichte vom weinenden Kamel". Das ist ein ganz ruhiger, halb fiktiver, halb dokumentarischer Film, der in der Mongolei spielt – eine deutsch-mongolische Produktion. Es geht um Nomaden in der Wüste Gobi. Die haben ein Kamel, das ein Fohlen zur Welt bringt, allerdings unter so starken Schmerzen, dass es das Fohlen verstößt und nicht säugen will. Das Fohlen droht also zu verhungern. Am Ende gelingt es mithilfe von Musik, speziell einer mongolischen Geige, die Kamelstute in eine Stimmung zu versetzen, die dazu führt, dass sie ihr Junges doch wieder annimmt. Und in dem Moment kullert der Kamelmutter tatsächlich eine Träne aus dem Auge. Das ist ein sehr rührender Moment. Natürlich ist das ein Film, aber eben mit einem hohen dokumentarischen Anteil. Die Regisseure beteuern, dass diese Reaktion des Kamels, diese Tränen echt waren. Das sei nicht inszeniert gewesen – also keine Zwiebel oder sonst was –, sondern eine authentische Reaktion. Insofern: Wer weiß? Früher haben die Wissenschaftler gesagt, Tiere haben keine Gefühle. Heute sieht man das anders. Und möglicherweise ist auch bei den Tränen der Tiere das letzte Wort noch nicht gesprochen.

    Woher kommt der Brauch der Sonnwendfeuer in den Alpen? Jun 20, 2025
    Show notes

    Alpen haben Zeitgliederungsdimension

    Alpen haben immer auch etwas mit dem Kalender zu tun. Schon in prähistorischer Zeit waren die Alpen zum Beispiel eine ganz gute Möglichkeit, die Zeit einzuordnen – nicht umsonst gibt es Gipfel in den Alpen, die etwa Mittagsspitze heißen. Ich kenne Bauern, etwa im Engadin in der Schweiz, die sich auf einen bestimmen Punkt auf ihrer Alb stellen, und dann können die einem auf zehn Minuten genau sagen, wie viel Uhr es ist. Die Alpen haben also alleine durch die Konturierung des Horizonts eine Zeitgliederungsdimension. Dass man natürlich Winter- und Sommersonnenwende in den Alpen ganz genau beobachtete, ist klar. Und dass man das dann mit bestimmten Festen markierte, ist ebenfalls klar. Höhenfeuer zu entzünden ist eine Möglichkeit, diese Feste zu begehen.

    Johannistag am 24. Juni – Achse durchs Kirchenjahr

    Speziell beim 24 Juni, von dem Sie sprechen, ist die Sache ein bisschen komplizierter. Heute ist ja am 21. Juni Sommersonnenwende, allerdings war es nach altem Kalender tatsächlich der 24. Dieser 24. Juni ist auch der Johannistag, also der Tag Johannes des Täufers. Dieser Johannes bildet sozusagen die Achse durchs Kirchenjahr. Wenn Sie das Jahr zyklisch anordnen, eine Achse durchs Jahr legen, dann kommen Sie vom 24. Juni auf den 24. Dezember.

    Feuer- und Lichtsymbolik

    Johannes, so steht's in der Bibel, geht Christus sechs Monate voraus; dieses Fest weist sozusagen auf Weihnachten. Und die Feuer, die am Johannistag entzündet werden, jenseits dieser kalendarischen Feuer, sind auch christliche Symbolik. Denn Johannes sagt ja von sich, er sei noch nicht das Licht der Welt, er solle nur Zeugnis von dem Lichte geben. Oder ein anderes Johanneswort: Er selber taufe mit Wasser; nach ihm aber werde einer kommen, der mit Feuer und Geist taufe. Diese Feuersymbolik, die Lichtsymbolik wird im Johannesbild schon vorausgenommen. Und dass wir an Weihnachten ganz stark in der Dunkelheit des Winters mit der Lichtsymbolik arbeiten, dass auch der christliche Gott von sich sagt: "Ich bin das Licht der Welt" – das ist die zweite Dimension dieser Sonnwendfeuer oder Johannisfeuer. Sehr interessant wäre in diesem Zusammenhang die Frage, wie zum Beispiel die Nationalsozialisten versucht haben, diese christlichen Bräuche ins Heidnische zurückzutransponieren.

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