Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Ja, Wimpern wachsen. Und sie fallen bekanntlich auch aus. Wenn sie nur ausfallen würden, ohne nachzuwachsen, wären sie irgendwann alle weg.
Unsere Wimpern erneuern sich ungefähr dreimal im Jahr. Das heißt, eine Wimper wächst 100 bis 200 Tage, bevor sie ausfällt – das ist natürlich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber das heißt auch, dass Wimpern relativ langsam wachsen, nämlich ungefähr einen Millimeter in drei Wochen.
Kopf- und Barthaar wächst schneller
Zum Vergleich: Kopf- und Barthaare wachsen wesentlich schneller, etwa fünf- bis zehnmal so schnell, je nach Typ.
Aber das sind nur Mittelwerte. Denn Haare – egal ob Wimpern oder Barthaare – wachsen nicht gleichmäßig. Am Anfang wachsen sie relativ schnell, dann fängt das Wachstum an zu stagnieren. Schließlich verkümmert die Haarwurzel und das Haar fällt aus. Bei langen Kopfhaaren dauert dieser Zyklus relativ lange; er geht über Jahre. Bei Wimpern geht es schneller; die erneuern sich alle drei bis vier Monate.
Warum gibt es keine Berge über 9.000 Meter?
Aug 01, 2025
Show notes
Mount Everest mit 8.849 Metern höchster Berg über dem Meeresspiegel
Der derzeit höchste Berg der Erde ist der Mount Everest mit einer Höhe von 8.849 Metern. Ob es in der Erdgeschichte jemals höhere Berge gegeben hat oder ob es künftig höhere Berge geben wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Dennoch: Sehr viel höher dürften sie nicht gewesen sein, denn es gibt tatsächlich eine Obergrenze für die Höhe von Gebirgen.
Eines vorab: Es geht um Berge an Land, also um die Gipfelhöhe über dem Meeresspiegel. Man könnte die Höhe von Bergen auch so verstehen, dass damit die Höhe von der Basis gemeint ist – in diesem Sinn ist der Mauna Kea auf Hawaii der höchste Berg. Zwar liegt sein Gipfel nur auf einer Meereshöhe von 4.200 Metern – aber der größte Teil dieses Vulkans liegt unter der Wasseroberfläche. Und wenn man vom Meeresgrund rechnet, ist er über 10.000 Meter hoch. Ich rede hier aber nur über die Gipfel von Bergen an Land: Warum sind die nie höher als 9.000 Meter?
Plattentektonik: Mount Everest wächst jährlich
Was den Mount Everest betrifft: Der wächst immer noch; er wird jedes Jahr ein paar Millimeter höher. Der Everest ist Teil des Himalayas. Dort stoßen zwei riesige Kontinentalplatten aufeinander. Nämlich die südliche indische Platte und die nördliche eurasische Platte. Der Druck der Kollision schiebt die Gesteine immer weiter übereinander und lässt so das Gebirge weiter anwachsen.
Erosion, Erdbeben und Schwerkraft lassen Berge schrumpfen
Gleichzeitig gibt es aber Gegenspieler – Kräfte, die die Berge wieder schrumpfen lassen.
Zum einen gibt es die Erosion. Also Wind, Regen und sorgen dafür, dass das Gestein zerbröselt und abgetragen wird oder dass immer wieder ganze Hänge und Bergflanken abrutschen. Je exponierter der Gipfel, desto stärker wirken diese Kräfte.
Ein weiterer Faktor sind Erdbeben. Wo Kontinentalplatten kollidieren und sich übereinander schieben, kommt es regelmäßig zu Erdbeben. Und auch diese führen meist zu einem Absinken, wie es etwa durch Messungen beim Beben in Nepal im Jahr 2015 gut dokumentiert werden konnte.
Und es gibt noch eine weitere Gegenspielerin, die verhindert, dass Berge ins Unendliche wachsen: Die Schwerkraft!
Massige Berge werden durch hohen Druck plastisch
Die Schwerkraft, also die Anziehungskraft der Erde, ist hauptverantwortlich dafür, dass sämtliche Gebirge auf der Erde eine natürliche Höhengrenze haben.
Denn ein Berg ist ja nicht nur hoch, sondern auch schwer – er bildet eine gewaltige Masse, die die Erdkruste nach unten drückt. Ab einer mittleren Höhe von 5.000 Metern wird dieser Druck so hoch, dass das Gestein in der Tiefe plastisch wird. Es ist dann noch fest – also kein glutflüssiges Magma – kann sich aber trotzdem verformen und sogar fließen. Allerdings ganz langsam und zäh.
Durch den Druck des eigenen Gewichtes beginnt also das Gestein in der Tiefe seitlich abzufließen. Und damit ergibt sich eine natürliche, sozusagen physikalisch-chemische Höhenbegrenzung. Die Folge: Selbst für die höchsten Bergspitzen ist bei etwa 10.000 Metern Schluss!
Olympus Mons auf dem Mars ist über 20 Kilometer hoch
Ganz anders dagegen auf dem Mars: Der Olympus Mons erreicht hier eine Höhe von über 20 Kilometern! Der Hintergrund: Auf dem kleineren Mars ist die Schwerkraft deutlich geringer. So kann sich hier viel mehr Gestein übereinander türmen, bis es durch den Druck seines Gewichtes plastisch wird.
Woher weiß man, wie die Milchstraße von außen aussieht?
Aug 01, 2025
Show notes
Bisher keine "Originalaufnahmen" der Milchstraße von außen
Manchmal sieht man Bilder, die unsere Milchstraße von außen zeigen. Doch hier handelt sich nie um "Originalaufnahmen". Es sind allenfalls mehr oder weniger realistische Projektionen auf der Basis dessen, was die Astronomie heute über die Verteilung der Sterne weiß. So wie die Menschen schon vor dem Satellitenzeitalter Landkarten zeichnen konnten, ohne dass sie die Erde "von oben" hätten sehen können. Um solche Karten zu zeichnen, genügen ja die Informationen, die man auf der Erde sammelt.
So ist das mit der Milchstraße auch. Astronomen können in den Himmel blicken, sie können die Sterne und ihre jeweiligen Entfernungen von der Erde bestimmen. Mit diesen Informationen können sie Himmelskarten zeichnen und mithilfe von Computern ausrechnen, wie die Milchstraße von außen aussehen müsste. Aber fotografiert hat das natürlich noch niemand – außer vielleicht außerirdische Zivilisationen, von denen wir aber noch nichts wissen.
Wird es irgendwann solche Aufnahmen geben?
Zumindest bei den Sonden, die heute unterwegs sind, dürfen wir keine große Hoffnung haben. Am ehesten kämen dafür ja die Voyager-Raumsonden in Betracht, die 1977 auf ihren Weg ins All geschickt wurden. Aber die haben es bisher gerade mal an den Rand des Sonnensystems geschafft.
Voyager 1 hat im Jahr 1990 ein sogenanntes "Familienporträt" unseres Sonnensystems aufgenommen. Es zeigt immerhin 6 der 8 Planeten. Aber das ist im Moment das Höchste der Gefühle in Bezug auf "Blicke von außen" auf die Erde.
Erst 2013 hat Voyager 1 die Heliosphäre verlassen – den inneren Bereich des Sonnensystems, insofern ist in den nächsten Jahren vielleicht noch mehr zu erwarten.
Dass Voyager-Sonden irgendwann auch mal die Milchstraße verlassen könnten und ein Foto von außen machen – das werden wir leider nicht erleben. Rein rechnerisch müssten die Sonden bei ihrer jetzigen Geschwindigkeit noch viele Milliarden Jahre unterwegs sein und höchstwahrscheinlich werden sie auch dann die Milchstraße nicht verlassen, sondern zu einem Teil von ihr werden – sprich, wie die Sonne und all die anderen Sterne der Milchstraße auch um deren Zentrum kreisen.
Warum sind Tränen salzig?
Jul 31, 2025
Show notes
Weil es ohne das Salz gar keine Tränenflüssigkeit gäbe. Die Tränenflüssigkeit entsteht in den sogenannten Tränendrüsen, die sich sich oberhalb des Auges befinden. Um Flüssigkeit zu erzeugen, müssen sie irgendwo Wasser herbekommen. Da es keine "Wasserleitung" im Körper gibt, kann das Wasser nur aus dem umliegenden Gewebe kommen. Und um das Wasser anzuziehen, sondert die Tränendrüse Salz ab. Nicht reines Kochsalz, sondern eine Mischung aus verschiedenen Elektrolyten – auch Kalium ist viel drin.
Flüssigkeit wird geleitet durch Osmose
Dieses Salz zieht Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe; genau wie eine aufgeschnittene Tomate Wasser verliert, wenn man sie salzt. Das ist der Effekt der sogenannten Osmose: Flüssigkeit drängt immer dorthin, wo die Salzkonzentration höher ist. Und das passiert auch in der Tränendrüse: Sie sondert Mineralsalze ab, diese Salze ziehen die Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe, die sich dann in der Drüse sammelt und als Tränenflüssigkeit ausgeschieden werden kann.
Die Tränenflüssigkeit dient allerdings nicht in erster Linie dem Erzeugen von Tränen. Der eigentliche Zweck der Tränenflüssigkeit ist es vielmehr, die Hornhaut feucht zu halten, sie mit Nährstoffen zu versorgen und auch zu reinigen – sozusagen als Scheibenwischerflüssigkeit des Augenlides. Ein Teil dieser Tränenflüssigkeit verdunstet, ein anderer Teil verschwindet auf der Innenseite des Auges im Tränenkanal bzw. im Tränensack. Richtige Tränen, die uns über die Wange kullern, entstehen nur bei einer Überproduktion, also wenn die Hornhaut z.B. durch Schmutz oder durch kalten Wind besonders gereizt wird – oder natürlich beim Weinen. Dann produziert die Tränendrüse mehr Flüssigkeit als über den Tränenkanal wieder verschwinden kann – das Auge "läuft über": Das sind dann die Tränen.
Aber warum produzieren wir überhaupt Tränen, wenn wir traurig sind?
Das weiß bis heute niemand so richtig. Es ist nicht erkennbar, dass das Weinen irgendeine physiologische Funktion hat im Sinne eines unmittelbaren "Überlebensvorteils". Deshalb glauben viele, dass es ein angeborenes Kommunikationssignal ist. Die Erzeugung von Tränen diene vor allem dazu, anderen zu signalisieren: Ich bin jetzt wirklich richtig traurig bzw. – denn Freudentränen gibt es ja auch – freudig erregt.
Tränen wären somit eine Art Authentizitätsbeweis – ein trauriges Gesicht kann jeder machen, aber willentlich Tränen zu erzeugen, das schaffen die wenigsten. Wie ein alter Schlager sagt: "Tränen lügen nicht". Wenn jemand weint, dann wissen die anderen: Der tut nicht nur so, mit dem ist jetzt wirklich was los. Aber wie gesagt, das ist nur eine Theorie – handfeste Beweise gibt es dafür nicht.
Enthalten erhitzte Nahrungsmittel mehr Kalorien?
Jul 30, 2025
Show notes
Keine Sorge, Sie werden nicht dicker, wenn Sie Essen erhitzen. Natürlich führen Sie beim Kochen Energie zu, aber bei dieser Energie handelt es sich um thermische, also um Wärmeenergie. Wärme verwandelt sich nicht zurück in Fett, sondern bleibt als thermische Energie erhalten.
Ein einfaches Beispiel: Sie bringen einen Liter Wasser zum Kochen, von 20°C auf 100°C. Dabei benötigen Sie 80 kcal. Denn genau so ist die Kalorie definiert: Es ist die Energiemenge, die man braucht, um ein Gramm Wasser um ein Grad zu erhitzen.
Energie steckt in Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett – nicht in der Hitze
Wenn Sie das heiße Wasser schlürfen, nehmen Sie dadurch 80 kcal mehr auf, als wenn das Wasser kalt wäre. Aber diese Kalorien wandern als Wärme in ihren Körper. Ihnen wird warm. Sie gewinnen jedoch keine Energie, die Sie zum Beispiel in Muskelkraft umsetzen können.
Bei allen Diätbetrachtungen können Sie diese Wärmeenergie, die sie beim Kochen zuführen, also getrost ignorieren. Hier ist immer nur die chemische Energie entscheidend, die Sie über die Nahrung zuführen. Und die steckt in den Kohlenhydraten, in den Eiweißen und im Fett – aber nicht in der Hitze.
Beim Garen werden Zellen aufgebrochen
Die Temperatur spielt also an sich keine Rolle – aber der Garvorgang als solcher kann schon einen Unterschied machen. Nehmen wir Gemüse. Gemüse ist im Rohzustand hart, im gegarten Zustand weich. Das liegt daran, dass beim Garen die Zellen im Gemüse aufgebrochen werden. Dadurch wird das Gemüse leichter verdaulich. Leichter verdaulich heißt:
Der Körper braucht weniger Energie, um das Gewebe aufzubrechen
Der Körper kann die im Gemüse enthaltenen Kalorien leichter aufnehmen
Das Kochen bewirkt also, dass der Körper mehr Kalorien aufnimmt als beim rohen Gemüse – auch dann, wenn das bereits gekochte Essen wieder abgekühlt ist.
Auf die Umstände kommt es an
Nehmen wir noch ein anderes Beispiel: Rohe Nudeln enthalten pro 100 Gramm etwa 380 kcal, gekochte Nudeln nur noch 150 kcal, also weniger als die Hälfte. Die Erklärung ist leicht: Wenn man 100 Gramm Nudeln zum Kochen bringt, nehmen diese Nudeln beim Kochen Wasser auf und wiegen hinterher mehr als das Doppelte. Da die Kalorienangaben sich aber immer auf 100 Gramm beziehen, enthalten 100 Gramm gekochte Nudeln weniger Kalorien – weil mehr als die Hälfte des Gewichts aus Wasser besteht.
Man kann also nicht pauschal sagen, dass gekochtes Essen kalorienreicher oder kalorienärmer ist. Es kommt immer auf die genauen Umstände an.
Beim Gemüse ist die Frage, ob roh oder gekocht sicher relativ unwichtig gegenüber der Frage: In wie viel Fett brate ich es und mit welchen Saucen serviere ich es?
Warum fliegen Fliegen immer wieder auf unsere Haut?
Jul 29, 2025
Show notes
Schweißig oder geduscht: Menschen riechen für Fliegen lecker
Fliegen sind häufig auf der Suche nach Nahrung, und wir riechen für die Fliegen unglaublich attraktiv. Die Fliegen gehen also nach Körpergerüchen, auch nach Schweißgerüchen. Sie haben hochempfindliche Sinnesorgane. Sie fliegen nicht nur an Menschen, die nach Schweiß riechen, sondern sie können auch bei Menschen, die regelmäßig duschen und sehr auf ihre Hygiene achten, von den normalen Körperdüften extrem angezogen werden.
In der Wohnung beispielsweise sind wir konkurrenzlos attraktiv. Es sind keine anderen Tiere da, die auch gut riechen. Wenn wir uns aber beispielsweise eine Wiese im Sommer anschauen, die von Kühen übersäht ist, dann sehen wir: Es gibt noch viele andere Tiere, die ungleich attraktiver auf Fliegen wirken.
Buschfliegen im Outback Australiens umschwärmen Menschen
Das kann auch uns Menschen passieren, wenn wir in Gegenden sind, in dem es keine oder wenig Großtiere gibt. Beispielsweise gibt es im australischen Outback Buschfliegen, die einen Menschen zu Hunderttausenden umschwärmen, in Nasen und Gehörgänge kriechen können oder auch in die Augen, was sehr unangenehm ist.
Wenn wir das also mit anderen Ländern vergleichen, werden wir hier in Deutschland noch relativ wenig von den Fliegen belästigt.
Woher kommt der Ausdruck "jwd"?
Jul 25, 2025
Show notes
Berliner Dialekt und Humor
Das kann ich leicht erklären, denn mein Vater ist in Berlin groß geworden. Dort gab es in alten Zeiten Zustellbezirke. Die wurden erst eingeführt, als Berlin immer größer wurde. Dann gab es zum Beispiel den Zusatz "s. w." Das war dann einfach der Südwesten.
In dieser Art sagte man dann irgendwann "janz weit draußen". Und hiervon hat man die Abkürzung ähnlich wie diese Postzustellungsbezirke genannt, nämlich "j. w. d."
Warum werden Nasen immer größer?
Jul 22, 2025
Show notes
Nase wächst noch nach der Pubertät
Wie jedes Körperteil wächst auch die Nase meistens bis zum Ende der Pubertät. Bei Mädchen endet die in der Regel mit 16, bei Jungen etwas später, mit 19 Jahren.
Doch bei der Nase ist dann noch nicht Schluss. Das belegen Studien. Das Institut für Medizinische Genetik in Zürich untersuchte zum Beispiel 2.500 Gesichter. Fazit: Die Durchschnittsnase nimmt nach dem 30. Lebensjahr um 0,8 Zentimeter an Länge zu.
Eine ähnliche Vergrößerung sah das Forschungsteam bei Ohren. Die vergrößern sich im gleichen Zeitraum um etwa einen Zentimeter.
Nase und Ohren enthalten Knorpel- und Bindegewebe. Die Nase besteht aus einem Nasenknorpel, der mehrere einzelne Knorpelelemente enthält. Das elastische Knorpelgewebe und das Nasenskelett geben der Nase ihre Form. Das straffe Bindegewebe findet sich in der Nasenhaut und um die Knorpel herum. Es verbindet die einzelnen Knorpelelemente der Nase.
Im Alter wird das Gewebe im Körper schwächer, auch das Bindegewebe in der Nase. Eigentlich sorgt das Strukturprotein Kollagen für die Zugfestigkeit und Spannkraft des Gewebes. Aber die Kollagenproduktion nimmt mit steigendem Alter ab. Ein 40-jähriger Mensch hat bereits 10 bis 20 Prozent des Kollagens in seiner Haut verloren. Beim Kollagenverlust wird das früher straffe Bindegewebe zwischen Knorpelelementen der Nase weicher und dehnt sich aus. Das Resultat: Die Nasenspitze senkt sich ab.
Auch das Knorpelgewebe verliert seine Eigenschaft: Die Elastizität. Der Knorpelzellverbund lockert sich also mit der Zeit wie ein Gummi, das sich bei langem Gebrauch ausdehnt. Der eigentlich stützende Nasenknorpel stützt dann eben nicht mehr und das schlaffe Bindegewebe drumherum kann sich noch mehr ausdehnen. So wird die Nase im Alter um ein paar Millimeter größer. Bei den Ohren ist es genauso: Das Gewebe erschlafft, dehnt sich aus und hängt durch die Schwerkraft nach unten. Deshalb haben alte Menschen größere Nasen und Ohren.
Akromegalie führt zu Überproduktion eines Wachstumshormons
Bei einigen Menschen kann man doch sagen, dass die Nase nach der Pubertät wächst. Das Phänomen heißt "Akromegalie". Der Begriff kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich etwa "Vergrößerung der Extremitäten". Ein gutartiger Tumor an der Hirnanhangdrüse führt zur Überproduktion eines Wachstumshormons. Dadurch wachsen Knochen und Gewebe weiter. Das ungewöhnliche Wachstum kann nicht nur die Nase betreffen, sondern auch Hände, Füße, das Kinn und sogar die Zunge. Akromegalie ist jedoch selten: Pro Jahr erkranken etwa drei bis fünf Menschen pro einer Million Einwohnerinnen und Einwohner daran.
Forschende aus China arbeiten übrigens an einer biometrischen Erkennung anhand der Nasenlöcher – die sollen fast so individuell wie ein Fingerabdruck sein. Blöd nur, dass die Nase stets größer wird.
Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk "neutral" sein?
Jul 22, 2025
Show notes
Was bedeutet "neutral"?
Es wird manche überraschen, aber das steht so nirgends. Wir bekommen immer wieder Publikumspost, in der uns eine Hörerin oder ein Zuschauer vorwirft, wir würden unsere Neutralitätspflicht verletzen – wenn etwa ein journalistischer Beitrag über gesellschaftlich strittiges Thema einen bestimmten Tenor hat oder zu einem Ergebnis kommt, das manchen nicht gefällt. Dann heißt es, wir seien nicht "neutral".
Liest man sich aber die juristischen Grundlagen für die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch, dann taucht das Wort "neutral" gar nicht auf. Aus guten Gründen, weil das Wort "neutral" auch ein wenig nebulös ist. Die "Neutralität" der Schweiz meint etwas anderes als die "Neutralität" des Schiedsrichters.
"Neutral" kommt ja aus dem Lateinischen "Ne utrum", auf deutsch: "keins von beidem". Aber was bedeutet das konkret: Versteht man unter Neutralität, dass man keine Position bezieht? Oder noch schärfer, dass man sich aus Auseinandersetzungen komplett heraushält? Oder bedeutet es nur, dass man keine Partei ergreift?
Darüber kann man lang philosophieren, muss man aber in dem Fall gar nicht, weil die Rechtsgrundlagen, die den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definieren, genauere Begriffe verwenden als "Neutralität" .
Kurz, welche sind das? Das ist zum einen der Medienstaatsvertrag, der zwischen allen Bundesländern geschlossen wurde. Daneben gibt es Staatsverträge bzw. Gesetze für die einzelnen Rundfunkanstalten. Zum Beispiel gibt es für den Südwestrundfunk, den SWR, einen Staatsvertrag zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Wie muss der ÖRR berichten?
Da steht nichts von Neutralität, aber dort stehen andere Begriffe, die präziser sind. Beispielsweise steht im Medienstaatsvertrag, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Gewährleistung einer "unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung" verpflichtet sind. Sie sollen die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit" achten. Und "in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen."
Staatsvertrag des SWR führt die Pflichten weiter aus
Ähnliche Begriffe finden sich im Staatsvertrag des SWR. Dort heißt es, Berichterstattung und Informationssendungen sind "gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein." Und es heißt: "Die Redakteurinnen und Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet."
Pflicht zur Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Berichterstattung
Und diese Begriffe sagen ja eigentlich viel klarer, worum es geht. Wenn wir es aufdröseln, fordert der Auftrag somit also zunächst Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht abhängig sein vom Staat, von einer Regierung, von Parteien oder anderer Interessengruppen. Niemand soll durch großzügige Spenden oder umgekehrt politischer Einflussnahme die Berichterstattung beeinflussen dürfen. Einfacher gesagt: Der Auftrag fordert nicht Neutralität, sondern zunächst vor allem Unabhängigkeit der Berichterstattung.
Das bedeutet aber nicht, dass die, die dort arbeiten, einfach machen können, was sie wollen und ihre eigenen Interessen propagieren, denn – und das war ja das andere Begriffscluster – die Berichte sollen wahrheitsgetreu, sachlich und objektiv sein.
Wenn man also schon mit "neutral" kommt, entspricht die gebotene Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher der der Schiedsrichters - unabhängig, unparteiisch, aber gleichzeitig beauftragt, zu "sagen, wie es wirklich ist".
Schiedsrichter werden oft auch als die "Unparteiischen" bezeichnet - so gut wie nie aber als "die Neutralen". Aus guten Gründen - den gleichen Gründen, weshalb der Begriff auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk missverständlich sein könnte.
Warum Schiedsrichter nur bedingt "neutral" sind
Neutralität könnte ja so verstanden werden, dass die Berichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keine Position beziehen und zu keinem Ergebnis kommen dürften, das etwa einer Partei besser gefällt als einer anderen. Das dürfen sie aber sehr wohl, vorausgesetzt, die Berichte sind wahrheitsgetreu und objektiv. Wenn der ehemalige US-Präsident Donald Trump behauptet, er habe die Wahl 2020 gewonnen, dann darf ich als öffentlich-rechtlicher Journalist sagen, dass er dafür noch keine Belege vorgelegt hat. Ich berichte dann zwar nicht "neutral" in dem Sinn, denn ich nehme ja sehr wohl eine inhaltliche Bewertung von Trumps Behauptung vor. Das tue ich aber unabhängig und wahrheitsgetreu. Und das ist auch in Ordnung.
Wann ist Berichterstattung "ausgewogen"?
Oder: Wenn Politikerin X behauptet, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Politiker Y behauptet das Gegenteil, wenn sich die überwältigende Mehrheit in der Wissenschaft einig ist, dann ist der Auftrag, dass wir uns an der Wissenschaft orientieren und nicht aus falsch verstandener "Neutralität" beide Positionen als gleichberechtigt darstellen. Denn das wäre false balance – eben: falsche Ausgewogenheit.
Da bin ich beim nächsten Schlüsselbegriff. Ausgewogenheit steht tatsächlich auch im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn da sonst nichts weiter stehen würde, könnte man "Ausgewogenheit" so verstehen, als müssten alle Beiträge immer alle erdenklichen Meinungen wiedergeben. Dass das aber nicht gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Passagen genauer anschaut. Im Medienstaatsvertrag heißt es, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen. Hier bezieht sich die Ausgewogenheit erstmal auf die Themenauswahl. Es gibt viele Themen, die interessant und wichtig sind, die soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgewogen abbilden. Und es gibt zu diesen Themen jeweils verschiedene Meinungen, die ebenfalls ausgewogen abgebildet werden müssen. Was heißt das nun wieder?
Ausgewogenheit im Gesamtangebot, nicht in jedem einzelnen Beitrag
Im Staatsvertrag für den Südwestrundfunk heißt es: "In allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind die verschiedenen Auffassungen im Gesamtangebot ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen." Wichtig ist dabei das Wort Gesamtangebot: Das heißt, nicht jeder einzelne Beitrag muss alle Auffassungen zu Wort kommen lassen, sondern die Forderung richtet sich an die Summe der Beiträge. Deshalb darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch sehr pointierte Kommentare senden, also ausgewiesene Meinungsbeiträge, die für sich genommen vielleicht als einseitig erscheinen können – entscheidend ist aber eben das Gesamtangebot.
Und es steht ja nicht nur "ausgewogen" da, sondern auch "angemessen". Mit anderen Worten: Nicht jede Auffassung muss im gleichen Maße abgebildet werden. Die Einzelmeinung eines politischen Hinterbänklers verdient deshalb nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die einer Ministerin oder eines Fraktionschefs der Opposition, die ja als Teil einer Regierung sprechen oder eben die Haltung ihrer Partei wiedergeben. Und genauso ist es "angemessen", dass Positionen, die sich auf Fakten und auf Wissenschaft stützen, im Programm berücksichtigt werden und eine unbelegte Verschwörungserzählung gar nicht. Das mag, je nach Sichtweise, nicht "neutral" sein, aber es ist wahrheitsgetreu, sachlich, objektiv, und es ist trotzdem ausgewogen und angemessen.
Warum schmeckt aufgewärmtes Essen besser?
Jul 21, 2025
Show notes
Beim Erwärmen intensivieren sich Aromen
Die Frage lässt sich nur schwer wissenschaftlich beantworten. Denn schließlich gilt beim Geschmack: Er ist subjektiv. Doch manchen Menschen schmeckt aufgewärmtes Essen einfach besser. Ob Gulasch, Linsen oder die Bolognese vom Vortag.
Verantwortlich für den veränderten Geschmack beim Aufwärmen sind weitere chemische Reaktionen. Weitere, weil beim Kochen bereits Reaktionen im Essen ablaufen. So zum Beispiel die Maillard-Reaktion: Beim Kochen reagieren Aminosäuren und reduzierende Zucker unter der Hitze zu neuen Verbindungen. Beispielsweise zu Röstaromen. Beim Aufwärmen intensivieren sich diese Röstaromen durch weitere Reaktionen oder anders verteilte Aromastoffe.
Parallel dazu läuft oft eine Karamellisierung ab. Vor allem bei Speisen mit viel Kohlenhydraten: Unter Hitze brechen die Zuckermoleküle auf, das Wasser verdampft und die verbleibenden Atome ordnen sich zu neuen Geschmacksrichtungen. Das macht das Essen herzhaft und umami-artig.
Fleisch wird zarter, Kartoffeln werden cremiger
Ob uns etwas schmeckt, hängt jedoch nicht nur vom Aroma ab, sondern auch von der Textur. Beim wiederholten Erwärmen von Fleisch – etwa beim Schmorbraten – zersetzt sich das Kollagen im Fleisch weiter und der Braten wird umso zarter.
Auch bei stärkehaltigen Speisen wie Kartoffeln verändert sich die Textur. Beim erneuten Erhitzen verändert sich die Struktur der Stärke – Kartoffeln werden weicher, cremiger. Außerdem sind aufgewärmte Kartoffeln sind gut für die Darmflora.
Kohl schmeckt milder, wenn Senföle entweichen
Eben geht mit einem Teller Witwe Bolte in den Keller, Dass sie von dem Sauerkohle Eine Portion sich hole, Wofür sie besonders schwärmt, Wenn er wieder aufgewärmt.
Quelle: Wilhelm Busch: Max und Moritz
Gute Nachrichten für die Kohlhasser unter uns: Bei Speisen mit Blumen- oder Rosenkohl entweichen die Senföle, dadurch schmecken sie milder. Manches verdient also eine zweite Chance – zumindest beim Kochen.
Vorsicht bei nitrathaltigen Speisen
Doch es gibt auch Essen, bei dem man vorsichtig sein sollte: Spinat, Rote Beete, Kohl und Fenchel enthalten Nitrat. Beim Aufwärmen wird aus Nitrat Nitrit. Für einen Erwachsenen ist die Menge meist ungefährlich, für Babys und Kleinkindern nicht. Denn das Nitrit hemmt die Sauerstoffzufuhr ins Blut.
Na dann, guten Appetit!