Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Warum jucken Wunden, wenn sie heilen?
Oct 29, 2025
Show notes
Wenn es juckt, kommunizieren die Zellen
Menschliche Zellen kommunizieren miteinander, und das Jucken ist im Grunde das "Rauschen" in dieser Kommunikation – gerade, wenn sich Zellen neu bilden.
Die Situation: Die Haut ist verletzt, Zellen sind zerstört. Die Wunde hat geblutet, jetzt ist das Blut geronnen, Gewebezellen bilden sich neu. Doch sie müssen sich abstimmen, damit das neue Gewebe eine Struktur bekommt mit Oberhaut und Unterhaut und so weiter.
Dazu muss jede neue Zelle wissen: Welcher Typ von Zelle soll ich werden? Wann soll ich aufhören, mich zu vermehren? Dazu tauschen die Zellen Signale aus, und das läuft über chemische Botenstoffe. Die wiederum reizen bestimmte Nervenrezeptoren an der Haut. Beim Gehirn kommt das als "Jucken" an.
Jucken kann ein wichtiges Signal sein – oder einfach nur lästig
Doch warum hat es die Natur so eingerichtet, dass Wunden jucken? Denn es führt ja dazu, dass wir uns kratzen, was aber für die Wundheilung meist nicht gut ist. Insofern hat das Jucken vordergründig keinen "Sinn". Aber es juckt ja nicht nur, wenn Wunden heilen, sondern auch z. B. wenn die Haut von Flöhen oder Läusen befallen ist. Auch hier weist das Jucken darauf hin, dass irgendwas an der Haut nicht in Ordnung ist. Wenn unsere Vorfahren darauf mit Kratzen reagierten, haben sie unter Umständen Ungeziefer an der Haut entfernt.
Insofern ist der Juckreiz an sich schon ein sinnvolles Alarmsystem. Der Preis dafür ist aber, dass es manchmal auch dann juckt – wie im Fall der Wunden – wenn es überhaupt nichts bringt, wenn es einfach nur lästig ist.
Warum schließen wir beim Niesen die Augen?
Oct 28, 2025
Show notes
Zusammenkneifen der Augen beim Niesen ist ein Reflex
Vermutlich, damit keine Krankheitserreger in die Augen gelangen. Es ist schwierig nachzuweisen, warum sich in der Evolution bestimmte Dinge entwickelt haben. Denn die Evolution ist ja kein denkendes Wesen, ist kein Ingenieur, den man fragen kann, was er sich bei einer bestimmten Vorrichtung gedacht hat.
Man kann davon ausgehen: Dass wir die Augen beim Niesen reflexhaft zusammenkneifen – gar nicht anders können – hat sich sicher nicht ohne Grund so entwickelt.
Zwei mögliche Erklärungen
Was aber ist der Nutzen heute? Vor allem zwei Gründe werden immer wieder diskutiert:
Beim Niesen entsteht ein enormer Druck. Um diesem Druck entgegenzuwirken, schließen wir die Augen. Wir würden damit sozusagen verhindern, dass die Augäpfel aus der Augenhöhle gedrückt werden. Die meisten Experten halten diese Erklärung allerdings für ziemlich unwahrscheinlich. Denn die Augen sind zwar mit den Atemwegen verbunden, allerdings nur über den schmalen Tränenkanal; über den kann dieser Druck gar nicht so schnell ans Auge abgeführt werden.
Das Zukneifen der Augen verhindert, dass Krankheitserreger, die wir herausniesen, in die Augen gelangen. Diese Erklärung halten die meisten Experten für plausibler.
Wie funktioniert der Geruchssinn?
Oct 26, 2025
Show notes
Duftmoleküle schwirren durch die Luft
Alles was riecht, gibt Düfte in Form von winzigen Molekülen in die Luft ab, die wie Staubkörner überall herumschwirren.
Beim Einatmen gelangen mit unserer Atemluft die Duftmoleküle in unsere Nase. In der obersten Etage befinden sich die Riechzellen. Davon hat der Mensch 20 Millionen. Jede dieser Riechzellen hat einen kleinen Nervenfortsatz, der durch den Schädelknochen hindurch in unser Gehirn zieht. Darum hat der Schädel auch kleine Löcher.
Kontaktaufnahme mit Riechzelle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip
Wenn nun ein Duftmolekül wie zum Beispiel der Vanille in der Luft herumschwirrt, dann würde dieses Duftmolekül Kontakt mit einer der Riechzellen aufnehmen. Die Riechzellen sind Spezialisten: Die einen haben sich auf Vanille spezialisiert, die anderen auf Moschus und die Dritten auf Buttersäure. Sie besitzen Sensoren bzw. Rezeptoren, wie wir die nennen – das sind die "Schlösser". Und das Duftmolekül ist der passende Schlüssel dazu.
Wenn also das Vanilleschloss aufgesperrt wird, sendet die Zelle ein Signal ins Gehirn und sagt: "Ich, die Vanillezelle, habe ein Molekül gerochen! Jetzt ist Vanille in der Luft."
Wie funktioniert der Geruchssinn bei Duftkombinationen?
Wenn man einen Wein hat, dann sind da vielleicht schon 100 verschiedene Zellentypen im Einsatz. Insgesamt haben wir 350 verschiedene; damit decken wir die ganze Duftwelt ab.
Wie viele unterschiedliche Gerüche können wir wahrnehmen?
Bei 350 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren ist die Kombination unendlich groß. Es ist ähnlich wie beim Alphabet: Wir haben 350 "Buchstaben" zur Verfügung. Und die "Duftwörter" können 100 oder 150 Buchstaben lang sein; so viele verschiedene Duftstoffe können also zusammengemischt sein. Und damit haben wir natürlich eine unglaubliche Zahl von Möglichkeiten, verschiedene Düfte wahrzunehmen.
Wo in Deutschland entspricht unsere Uhrzeit dem Sonnenstand?
Oct 24, 2025
Show notes
Deutschland von Ost nach West: gute halbe Stunde Unterschied beim Sonnenstand
Es kommt darauf an, wo in Deutschland man lebt. Wir haben alle mal in der Schule gelernt: Mittags um 12 Uhr steht die Sonne am höchsten. Die Wahrheit ist: Das stimmt fast nirgends in Deutschland. Im Sommer trifft das für keinen einzigen Ort zu, im Winter nur für eine Stadt. Ich sage gleich, welche.
In Deutschland gilt überall die gleiche Zeit, wir haben nur eine Zeitzone fürs ganze Land. Das ist im Winter die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und im Sommer die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Allerdings erreicht die Sonne keineswegs überall gleichzeitig ihren Höchststand. Denn die Erde dreht sich von Westen nach Osten. Deshalb sind die östlichsten Gegenden Deutschlands den westlichsten Zipfeln eine gute halbe Stunde voraus, was den Sonnenstand betrifft. Die Sonne geht im Osten früher auf, erreicht früher ihren Höchststand und geht früher unter.
Sonne erreicht im Winter in Greenwich um 12 Uhr ihren Höchststand
Wie weit östlich ein Ort liegt, kommt im Längengrad zum Ausdruck. Die Längengrade oder "Meridiane" sind die gedachten Linien, die vom Nordpol zum Südpol verlaufen. Die Zählung beginnt in Greenwich (London): Durch das Observatorium in Greenwich läuft der sogenannte Nullmeridian. Dort hat die Sonne nach britischer Zeit tatsächlich mittags um 12 Uhr ihren höchsten Punkt erreicht, jedenfalls in der Winterzeit. Dort beginnt also die Zählung der Längengrade nach Osten und nach Westen, in beide Richtungen jeweils 180 Grad.
Deutschland erstreckt sich über 9 Längengrade
Geht man also auf dem Globus vom Nullmeridian nach Osten, dann stößt man beim 6. Längengrad auf die westlichste Ecke Deutschlands; die liegt bei Aachen. Die östlichste Ecke bei Görlitz liegt auf dem 15. Längengrad. Deutschland erstreckt sich also von West nach Ost über 9 Längengrade.
Das bedeutet: Überall in Deutschland gilt dieselbe vereinheitliche Uhrzeit. Doch die entspricht fast nirgends der natürlichen Sonnenzeit am jeweiligen Ort. Also der Zeit, die gelten würde, wenn man sich dort streng nach der Sonne richten würde. Diese natürliche Sonnenzeit, die dem wahren Sonnenstand entspricht, heißt deshalb auch wahre Ortszeit.
Die Erde dreht sich 15° pro Stunde
Jetzt habe ich gesagt: Die östliche Gegend in Deutschland liegt bei Görlitz auf dem 15. östlichen Längengrad. Dieser Längengrad ist deshalb interessant, weil der 15. Längengrad quasi die zentrale Achse der Mitteleuropäischen Zeitzone ist und 15 Längengrade auf dem Globus genau einer Stunde Zeitverschiebung entsprechen. Das kommt daher:
Ein Kreis hat 360°, also hat auch die Erde 360 Längengrade – eben von London aus je 180 nach Osten und nach Westen. Wenn sich die Erde einmal um sich selbst gedreht hat, also einmal um 360°, dann ist ein Tag vergangen, also 24 Stunden. So kann man leicht ausrechnen: 360° geteilt durch 24 Stunden macht 15° pro Stunde. Die Erde dreht sich also in jeder Stunde 15 Grad weiter. Das heißt umgekehrt: Immer, wenn man sich 15 Längengrade weiter nach Osten bewegt, ist man eine Stunde weiter, was den Sonnenstand betrifft.
15. Längengrad berührt Deutschland in Görlitz und Neißeaue
Und das bedeutet: Wenn der Nullmeridian in Greenwich der Mittelpunkt der englischen Ortszeit ist – dann bildet der 15. östliche Längengrad die zentrale Achse unserer Zeitzone, der Mitteleuropäischen Zeit. Dieser 15. Längengrad berührt Deutschland aber nur ganz im Osten, eben in Görlitz und in der kleinen Nachbargemeinde Neißeaue. Das sind die einzigen Orte in Deutschland, in denen im Winter wirklich die Sonne genau mittags um 12 Uhr Ortszeit am höchsten steht. (Es gibt noch kleinere Schwankungen, die lassen wir hier aber außen vor. Wer sich dafür interessiert, findet sie unter dem Stichwort "Zeitgleichung") Ansonsten zieht sich der 15. Längengrad in unseren Breiten vor allem durch Polen, Tschechien und Österreich.
Linie Aurich – Dortmund – Pirmasens
Im Rest von Deutschland – westlich von Görlitz – hinkt die Uhrzeit dem Sonnenstand immer hinterher: Die Sonne erreicht fast überall erst nach 12 Uhr ihren höchsten Punkt. Es gibt sogar Gegenden im Westen Deutschlands, die astronomisch eigentlich schon näher an der Greenwich-Zeit sind, also an der Londoner Ortszeit.
Welche das sind, kann man leicht ermitteln. Denn wenn 15 Längengrade einer Stunde entsprechen, dann entspricht eine halbe Stunde 7,5°. Der Längengrad 7,5° zieht sich von Ostfriesland bei Aurich über Dortmund bis in die Pfalz bei Pirmasens. Alles, was westlich dieser Linie liegt, ist, was den Sonnenstand betrifft, näher an Greenwich als an Görlitz. Gäbe es keine Ländergrenzen, würde man diese Orte also eher der britischen Zeit zuordnen.
Doch im deutschen Westen hört die Mitteleuropäische Zeit noch gar nicht auf. Frankreich und Spanien benutzen sie ebenfalls, obwohl sie geografisch größtenteils in der britischen Zeitzone zuzuordnen wären.
MESZ entspricht der mittleren Sonnenzeit in Kiew
Bisher haben wir nur über den Winter geredet. Im Sommer, wenn die Uhren eine Stunde vorgestellt sind, ist es noch krasser. Dann gibt es in Deutschland keinen einzigen Ort mehr, in dem die Sonne mittags um 12 Uhr am höchsten steht, sondern frühestens um 13 Uhr. In Aachen ist der Sonnenhöchststand im Sommer fast um 13:40 Uhr.
Der Grund: Unsere Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) entspricht dem, was im Winter die Osteuropäische Zeit ist. Die entspricht dann nicht mehr dem Sonnenstand in Görlitz, sondern dem in Kiew. Das gilt wieder nicht nur für uns, sondern auch die Uhren im Westen Spaniens zeigen immer Sommer eine Zeit an, die dem Sonnenstand in der zentralen Ukraine entsprechen.
Wie schnell fallen Regentropfen?
Oct 23, 2025
Show notes
Neulich hatten wir mal die Frage: Wie schnell fällt ein Mensch vom Himmel? Die Antwort war: 200 km/h, in Extremfällen sogar 500 km/h. Davon ist ein Regentropfen weit entfernt, und zwar aus zwei Gründen: Er ist viel kleiner und leichter – dadurch erfährt er einen deutlich höheren relativen Luftwiderstand. Und wenn er doch mal größer ist und schneller werden könnte, wird der Tropfen genau durch diesen Luftwiderstand in einer Weise verformt, die ihn eher noch weiter abbremst.
Die Tropfenform ist ein Mythos
Das hat nichts mit der sogenannten "Tropfenform" zu tun – dass also Regentropfen unten rund sind und oben spitz, so wie das Tropfensymbol auf der Wetterkarte. So sehen Tropfen höchstens mal kurz aus, wenn der Wasserhahn ganz langsam tropft. Im Normalfall aber sind kleine Tropfen kugelrund, und größere werden durch das Fallen von unten plattgedrückt. Sie gehen in die Breite – und eben das bremst sie noch weiter.
So kommt es, dass Regentropfen ungefähr zehnmal langsamer fallen als Menschen im freien Fall. So ein typischer Topfen mit 1 bis 2 Millimetern Durchmesser hat eine Geschwindigkeit von, ganz grob, 20 Stundenkilometern. Aber das hängt eben vor allem von der Größe ab.
Bei Niesel- oder Sprühregen sind die Tropfen klein und langsam, fallen vielleicht nur mit fünf Stundenkilometern. Bei einem Gewitter- oder Platzregen sind sie groß und etwas schneller und können 30 bis 40 Stundenkilometer erreichen. Es hängt auch von den Windverhältnissen ab. Je nachdem, wie der Wind weht – aufwärts oder abwärts – kann er die Regentropfen bremsen oder beschleunigen.
Wie lang ist so ein Tropfen unterwegs?
Das hängt davon ab, wie hoch er startet. Nehmen wir an, der Tropfen fällt aus einer typischen Stratuswolke; die hängen relativ tief auf 1.000 Meter Höhe. Wenn wir von einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ausgehen, dann braucht er ganz grob 3 Minuten. Wenn die Wolke höher hängt, entsprechend länger.
Ist alleine essen ungesund?
Oct 22, 2025
Show notes
Forschung zum Alleinessen: Folgen für die Gesundheit sind individuell
Dem Magen und dem Darm ist natürlich egal, ob beim Essen neben uns jemand sitzt oder nicht. Schlagzeilen darüber, dass allein essen ungesund sei, liest man dennoch immer öfter. Ganz abzuweisen sind diese Aussagen jedenfalls nicht. Die Forschung weiß: Ob allein essen ungesund wirkt, entscheidet sich am persönlichen Kontext.
Alleinessen wird zum beliebten Trend
Im Bordbistro des ICE, in der Mittagspause im Homeoffice oder noch schnell vor dem Schlafengehen. Fest steht: Wir essen immer häufiger allein. Das ist lästig und ungesund, aber wen wundert‘s, werden manche sagen. Die moderne Arbeitswelt und Social Distancing zwingen uns ja dazu.
Nicht ganz, sagen die anderen: Allein essen vermag ganz eigene kulinarische Erfahrungen zu ermöglichen. Das berichten zumindest zahlreiche Internetblogs. Mit der nötigen Portion Achtsamkeit heißt Alleinessen dann auf einmal "Solo-Dining" und wird zum beliebten Trend. Nicht mal davor, allein ins Restaurant zu gehen, wird sich noch gescheut. Das zeigen Daten von Online-Reservierungsportalen. Gesundheitliche Bedenken? Eher nicht, sagen die Blogger.
Es kommt auf unsere Ernährungsgewohnheiten an
Systematische Forschung dazu gibt es allerdings auch. Die sagt: Ob allein essen der Gesundheit schadet, hängt zunächst davon ab, wie wir uns ernähren. Eher gesund oder nicht so gesund eben. Das fand eine Studie heraus. Man konnte zeigen, dass Personen, die sich insgesamt gesund ernähren, das auch beim Alleinessen tun. Wer sich jedoch überwiegend ungesund ernährt, tut das sowohl allein als auch in Gesellschaft. Diese Menschen essen zudem häufig allein und unregelmäßig.
Dafür, dass Menschen mit ungesunder Ernährung öfter allein essen, lassen sich bisher nur schwer gemeingültige Aussagen formulieren. Es ist nämlich selbst im Einzelfall nicht immer zu klären, was zuerst da war: Das Alleinessen oder die ungesunde Ernährung. Wenn andere nicht dabei sind, fällt es mir schließlich leichter, meiner sündigen Phantasie, zwei Eisbecher mit Sahne hintereinander zu verdrücken, Taten folgen zu lassen. Hin und wieder ist das gesundheitlich kein Problem. Wird diese Vorliebe allerdings zwanghaft, dann esse ich auch bevorzugt allein, um dem Verlangen nachzugehen. Ein Teufelskreis.
Ein Zusammenhang zwischen Alleinessen und Erkrankungen ist erwiesen
Legt man eine Studie an, bei der viele Menschen befragt werden, kann man einen solchen Effekt auf die Gesundheit tatsächlich nachweisen. Eine viel beachtete Studie aus Südkorea fand Folgendes heraus: Verglichen mit Personen, die immer mit anderen essen, sind Personen, die oft allein essen, häufiger fettleibig und haben öfter einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Diese Menschen sind damit auch anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ II. Indem es ein ungesundes Essverhalten begünstigt, kann Alleinessen somit tatsächlich krank machen.
Mögliche Folgen auch für die psychische Gesundheit – aber es bleibt komplex
Auch eine Wirkung auf das psychische Wohlbefinden gibt es. Denn Alleinessen setzt ja das Alleinsein voraus. Ein ebenfalls zunächst bedenkenloser Zustand. Unfreiwillig allein zu sein – und allein essen ist ja ein Merkmal davon – kann allerdings nachweislich einsam machen. Auf Dauer ist auch das ungesund.
All das passiert aber nicht ohne Weiteres. Schadhafte Essverhalten oder gar Essstörungen sind komplex in ihrer Entstehung und häufiges Alleinessen ist dabei nur eine von vielen möglichen Zutaten. Hier gilt: Genauso, wie jeder Mensch unterschiedlich gern mit sich allein ist, hängt auch das Verhältnis zum Alleinessen von persönlichen Einstellungen und der jeweiligen Esskultur ab. Zum Beispiel: Für junge Erwachsene in Frankreich hat das gemeinsame Essen den größten Stellenwert. Jungen Erwachsenen in Deutschland ist das gemeinsame Kochen am wichtigsten. In den meisten Esskulturen haben junge Menschen heute aber insgesamt weniger Vorbehalte, allein zu essen, als ältere. Das erklärt warum der Trend zum Alleinessen vor allem in der jüngeren Generation beliebt ist.
Ist gemeinsam essen immer gesünder? Quatsch mit Soße
Wie individuell das Ganze ist, wird zuletzt am Wissenstand über gemeinsames Essen nochmal deutlicher. Hier weiß man, dass gemeinsame Mahlzeiten länger dauern, meistens fetthaltiger sind und öfter aus Fleisch bestehen als die, die man allein isst. Auch die Portionen sind größer. Zwangsläufig gesünder ist gemeinsam essen also nicht. In Gesellschaft zu essen und unter Leuten zu sein spricht jedoch auch für ein großes soziales Netz und das, so weiß man, ist wiederum gut für die Gesundheit.
Fazit
Ob das Dinner for one ungesund ist, bleibt von Mensch zu Mensch unterschiedlich zu bewerten. Als freiwilliger Trend ist allein essen unproblematisch. Ungewollt oder unter Zwang kann das allerdings ungesund sein.
Warum haben viele Comicfiguren nur vier Finger?
Oct 22, 2025
Show notes
Disney-Zeichner sparten Zeit
Viele Comicfiguren haben nur einen Daumen und drei weitere Finger. Natürlich sind vier Finger leichter zu zeichnen, aber das ist nicht der einzige Grund. Denn bei Comic-Heften wäre das wirklich ein vernachlässigbarer Aufwand.
Ich habe mal zwei Comic-Zeichner gefragt – nämlich Markus Witzel ("Mawil") und Felix Görmann ("Flix"). Die haben mir erklärt, dass die Tradition der "vier Finger" auf die frühen Zeichentrickfilme der 1920er- und 1930er-Jahre zurückgeht, vor allem auf die alten Disneyfilme. Die waren ja, verglichen mit heutigen Animationsfilmen, noch sehr einfach gezeichnet. Und da die Zeichner für die Filme viele Bildabfolgen zeichnen mussten, haben sie tatsächlich Zeit gespart, wenn sie einen Finger weggelassen haben.
Für alle wesentlichen Ausdrucksformen reichen vier Finger
Man kann über die Gestik mit Daumen und Zeigefinger schon ziemlich viel ausdrücken, den Mittelfinger bräuchte man nur für irgendwelche obszönen Gesten, als Stinkefinger, der aber in diesen klassischen Comics nicht vorkommt. Mit den Trickfilmen hat das also angefangen – und später haben die Figuren die vier Finger beibehalten.
Heute hat der Verzicht auf einen Finger oft stilistische Gründe. Man findet die 4-Finger-Hand vor allem bei den Figuren, die eher skizzenhaft gezeichnet sind, wie ein Cartoon. Auch Calvin aus "Calvin und Hobbes" hat nur vier Finger. Ebenso "Hägar der Schreckliche". In diesen Fällen, so sagen mir die Comic-Experten, würde es sogar überladen oder unharmonisch aussehen, wenn eine an sich einfache, knubbelige Figur plötzlich fünf filigrane Finger hätte.
Bei den Comics dagegen, die schon aufwändiger gezeichnet sind und mehr von den Details leben, haben die Figuren dann meist auch fünf Finger. Asterix zum Beispiel hat fünf Finger. Tim aus "Tim und Struppi" hat ebenfalls fünf Finger, weil Hergé ein sehr genauer Zeichner war.
Warum heißt Tee in manchen Ländern "Chai" oder "Cha"?
Oct 21, 2025
Show notes
Verschiedene Varianten von "Tee" gehen aufs Chinesische zurück
Das ist ein interessantes Phänomen und erzählt viel über die Kolonialgeschichte. Tee heißt auf Persisch Chai, ähnlich klingt der Name im Arabischen oder im Türkischen – Çay. Aber Chay heißt er auch in Russland, der Ukraine und in den Balkanstaaten. Doch dann gibt es plötzlich eine Sprachgrenze. Auf Deutsch heißt er eben Tee, auf Englisch "tea". Auf Französisch, Spanisch, aber auch auf Schwedisch und Finnisch wird das Getränk zwar unterschiedlich geschrieben, aber überall mehr oder weniger immer als "Tee" ausgesprochen. So lassen sich fast alle Länder der Welt in zwei Schubladen sortieren. In der einen spricht man das Getränk "Te" oder so ähnlich aus. In der anderen ist es eine Variante von Chay, Cay oder Cha. Das ursprüngliche chinesische Wort war aber das gleiche, so erklärt es der Kieler Tee-Historiker Martin Krieger.
Tee und Cha – das sind unterschiedliche chinesische Dialekte. Einige Kaufleute lernten Tee als "Tee" kennen, andere als "Tschai" oder "Tscha". Auf diese Weise entwickelten sich diese beiden Bezeichnungen für Tee und gingen um die Welt.
Quelle: Prof. Martin Krieger
"Chai" kam auf dem Landweg über Indien, Persien und Russland
Die Faustregel lautet: Dort, wo man Chai oder Tschai sagt, kam der Tee einst auf dem Landweg über Indien und Persien oder eben Russland an. Denn Cha war eigentlich sogar das gängigere Wort in China. Und als der Tee in Persien ankam, hatte er einen i-Auslaut verpasst bekommen, sodass aus "Cha" dann "Chai" wurde. Auf diesem Weg gelangte der Tee mit Karawanen noch weiter bis in die Türkei, den Balkan und den ganzen arabischen Raum. Deshalb heißt er fast überall dort Chai oder so ähnlich.
"Tee" erreichte Westeuropa per Schiff
Doch nach Westeuropa kam der Tee nicht auf dem Landweg, sondern über die Kolonialschiffe der Niederländer, Briten und Dänen. Die Niederländer waren die ersten, die Tee in großem Stil importieren, und deren Hauptanlaufstelle war in den Anfängen des Kolonialhandels die chinesische Südküste. Dort wurde die chinesische Sprache Min Nan gesprochen und in dieser Sprache klingt das Getränk eher wie Tee. Das haben dann auch die Briten und Dänen übernommen. Deshalb verrät der Name des Getränks in der Regel, ob ein Land den Tee ursprünglich über den Landweg oder den Seeweg bezogen hat.
Hörtipp: SWR2 Wissen - Tee in der Weltgeschichte
Gegen die Regel: In Portugal heißt der Tee "Cha"
Doch es gibt eine interessante Ausnahme dieser Faustregel. Zwar ist ganz Westeuropa "Tee"-Land, doch ganz im Südwesten Europas, in Portugal, heißt der Tee plötzlich wieder "Cha". Das kommt daher, dass die Portugiesen in der Nachfolge von Vasco da Gama die ersten Europäer, die Schiffe ins ferne Asien schickten, noch vor den Niederländern. Sie beherrschten die asiatischen Meere im 16. Jahrhundert, ihr wichtigster Umschlagsplatz in China war aber Macau, und dort hieß der Tee nun mal "Cha", wie im überwiegenden Teil Chinas. Deshalb ist Portugal auf der europäischen Tee-Landkarte ein sprachlicher Ausreißer.
Herbata und arbata: Polen, Litauen und Belarus leiten vom Lateinischen ab
Ein anderer findet sich Polen, Litauen und Belarus. Diese Länder passen teemäßig in keine der beiden Schubladen Tee oder Chai, sondern dort heißt der Tee herbata oder arbata. Da steckt das lateinische "Herba" drin – zu Deutsch "Kraut". Und tatsächlich war "Herba Thea" eine frühe botanische Bezeichnung für die Teepflanze. Die gibt es zwar nicht mehr, aber in Polen, Litauen und Belaraus hat sie sich gehalten, nur dass aus Herba Thea eben "Herbata" wurde.
Wie entstand der Kuss?
Oct 20, 2025
Show notes
Entstehung des Kusses ist unklar
Ja, wenn man das so genau wüsste, wer wen als erstes küsste ... Man kann nur spekulieren, denn unsere Vorfahren, die die Küsse erfunden haben, haben ihre Motive ja leider nicht aufgeschrieben.
Eine traditionelle Mutmaßung lautet, das es ein Relikt aus archaischen Zeiten sei. Wir kennen ja im Tierreich viele Fälle, wo Mütter ihre Jungen mit dem Schnabel füttern, bei Vögeln zum Beispiel, und dass das Küssen daher rührt. Allerdings ist das wahrscheinlich viel zu sehr um die Ecke gedacht. Denn mit den Vögeln sind wir nicht so eng verwandt, zwischen uns und denen liegt doch evolutionär eine große Lücke.
Auch Tiere zeigen Zuneigung durch Berührung
Die intensivsten Küsse bei uns Menschen gibt es ja bekanntlich auch nicht zwischen Mutter und Kind, sondern zwischen sich liebenden Partnern. Da findet man natürlich auch im Tierreich ein paar Verhaltensweisen, die zumindest vergleichbar sind: Elefanten wickeln ihre Rüssel umeinander, Pferde beknabbern sich zärtlich, Affen stupsen ihre Nasen aneinander. Da geht es schon um Zuneigung. Generell beschnüffeln sich viele Tiere im Vorfeld eines Sexualkontakts, wobei das dann eher eine asymmetrische Geschichte ist: Da geht also nicht Nase an Nase, sondern Nase an Hinterteil. Den leidenschaftlichen Liebeskuss, mit Mund zu Mund, wie wir Menschen ihn kultiviert und zur Reife gebracht haben, den findet man im Tierreich nicht.
Unter den Menschen ist der Kuss nicht überall verbreitet. Man findet ihn zwar auf allen Kontinenten. Aber Anthropologen haben vor ein paar Jahren festgestellt, dass für die Mehrheit der – vor allem indigenen – Kulturen der romantische Kuss unüblich ist. So ist zum Beispiel in den Kulturen südlich der Sahara das Küssen wenig verbreitet. Somit ist es offenbar keine angeborene Verhaltensweise. Gleichzeitig ist es aber doch so weit verbreitet, dass man schon fragen kann, was das Küssen eigentlich soll?
Idealer Ausdruck von Intimität
Vieles spricht dafür, dass es vor allem eine sexuelle Signalfunktion hat, es bringt ein intimes Verhältnis zum Ausdruck. Denn beim Küssen sind ja vor allem Lippen und Zunge beteiligt. Dort befinden sich unglaublich viele sensorische Rezeptoren – viel mehr als normalerweise auf der Haut. Man merkt das, wenn man etwas zwischen den Zähnen hat oder auf einem Zahn eine Unebenheit spürt. Die fühlt sich mit der Zunge immer wahnsinnig groß an, obwohl die Störung objektiv ganz klein ist. Das liegt auch daran, dass die Dichte der Sensoren auf der Zunge, aber eben auch auf den Lippen, so groß ist. Somit sind Küsse vom Gefühl her sehr intensiv und ideal dafür geeignet, Intimität auszudrücken.
Wie konnte das Inka-Reich so groß werden?
Oct 19, 2025
Show notes
Das Inka-Reich war das größte in Amerika. In der Alten Welt gab es noch das Mongolenreich oder Reich Alexanders des Großen. Das Römische Reich war von seiner Ausdehnung her längst nicht so groß wie das der Inka.
Wie konnte es also so groß werden? Die Inka hatten kein großes stehendes Heer und zunächst auch keinen so großen Drang, sich auszudehnen. Als sie in das Tal von Cusco eingewandert sind, mussten sie zunächst einen kleinen Staat aufbauen. Schließlich hatte man ein Reich, das vom heutigen südlichen Kolumbien bis südlich von Santiago de Chile reichte.
Diplomatie, Geschenke und geschickte Heiratspolitik
Angesichts der Topographie, der hohen Berge, hätte man dieses Gebiet gar nicht mit einem Riesenheer erobern können. Vielmehr hat man das wohl durch Diplomatie erreicht. Man heiratete geschickt. Wenn der Inka-König als der große Herrscher anerkannt war, was durch bestimmte Mechanismen geschah, hatte er mehrere Frauen und entsprechend viele Kinder. Die Frauen wurden vom König „verteilt“ und es wurde geschickte „Geschenkpolitik“ betrieben. Von Bedeutung waren wertvolle Textilien, die von den sogenannten Sonnenjungfrauen in ihren Klöstern hergestellt wurden. Diese Textilien wurden ebenfalls verschenkt und die Gegengabe war die Subordination, also die Unterordnung unter den Häuptling.
Ausdehnungsbewegung begann im 14. Jahrhundert
Früher nahm man an, dass diese Entwicklung unter dem Vater und Großvater des letzten Königs Atahualpa (der von Francisco Pizarro ermordet wurde) geschah und dass diese drei Generationen es also geschafft haben sollen, das Reich so weit auszudehnen. Das ist jedoch so unwahrscheinlich, dass man als Archäologe feststellen muss, dass das so schnell nicht funktioniert haben kann.
Konkret: Die Inka wurden 1532 von den Spaniern erobert. Man war lange davon ausgegangen, dass sie ein Reich hatten, das nicht mal 100 Jahre alt war. Doch inzwischen kann man noch mal 100 Jahre dazurechnen. Im 14. Jahrhundert entstand also die Ausdehnungsbewegung.