Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Warum haben manche Menschen ein absolutes Gehör?
Oct 04, 2025
Show notes
Was ist der Unterschied zwischen einem absoluten und einem relativen Gehör?
Absolutes Gehör bedeutet, dass ich zu jemandem sagen kann "Sing mal ein G!" – und die Person trifft dann genau den richtigen Ton. Das ist eine besondere musikalische Gabe.
Selbst die meisten Musikprofis verfügen nur über ein relatives Gehör. Das heißt: Wenn man ihnen die Note C vorspielt, können sie daraus andere Töne ableiten. Sie können dann zum Beispiel problemlos ein E singen, denn sie wissen, dass zwischen einem C und einem E eine Terz liegt.
Menschen mit einem absoluten Gehör brauchen diesen Bezugston nicht; sie können auf Anhieb ein A oder ein C anstimmen.
Was ist bei Menschen mit einem absoluten Gehör anders?
Es ist noch nicht hinreichend geklärt, was im Gehör und im Gehirn von Absoluthörern anders abläuft. Aber es ist belegt, dass es Unterschiede gibt.
Eine Studie der York University in Toronto von 2019 weist darauf hin, dass bei Absoluthörern Teile des Hörzentrums im Gehirn um die Hälfte größer sind als bei Personen ohne absolutes Gehör. Das Hörzentrum ist für die Verarbeitung von Tonhöhen und Lautstärken zuständig. In der Studie hat bei Menschen mit absolutem Gehör ein deutlich größerer Hirnbereich auf die Tonfolgen reagiert. Außerdem schalten sich bei ihnen auch Hirnzellen benachbarter Hirnareale ein, wenn sie einen Ton hören. Diesen Vorteil scheinen Absoluthörern zu nutzen, um gehörte Töne sehr schnell und präzise bestimmen zu können.
Ist ein absolutes Gehör angeboren oder ist es auch erlernbar?
Die meisten Forscher und Forscherinnen gehen davon aus, dass ein absolutes Gehör durch eine Kombination von Veranlagung und Training zustande kommt. Es gibt eine Langzeitstudie mit Kindern ab 6 Jahren. Über Jahre hinweg hat man immer wieder Hirnscans der Kinder gemacht. Dabei stellte sich heraus: Es gibt im Gehirn tatsächlich anatomische Marker für das absolute Gehör, und diese Marker sind genetisch veranlagt.
Eine andere, kalifornische Studie von 2006 kam zu dem Ergebnis, dass diejenigen Studienteilnehmenden, die schon mit vier bis fünf Jahren ihren ersten musikalischen Unterricht hatten, wenn sie älter sind auch zu denen gehören, die beim Absoluthören die Bestwerte erreichen.
Mit dem absoluten Gehör ist es also ein bisschen wie mit der Fähigkeit, eine neue Sprache ohne Akzent zu sprechen. Erwachsenen gelingt das meist nicht mehr. Und die meisten Forscher gehen davon aus, dass Erwachsene auch kein absolutes Gehör erlernen können.
Die andere Frage ist: Kann jedes Kind mit dem richtigen Training ein absolutes Gehör bekommen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen glauben, das geht. Andere vermuten, dass das nur Menschen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung können. Und manche Forscher gehen noch weiter, sie sagen: Nur spezifisch veranlagte Menschen sind in einer begrenzten frühkindlichen Phase in der Lage, ein absolutes Gehör zu entwickeln.
Wie viele Menschen besitzen ein absolutes Gehör?
Experten schätzen die Zahl der Absoluthörer in Europa und Nordamerika auf 1 von 10.000 Menschen. In Asien dagegen gibt es Regionen, in denen fast jeder Zweite ein absolutes Gehör hat. Und da sieht man wieder den Einfluss der Kindheit, denn das wird auf die jeweilige Muttersprache zurückgeführt. Mandarin ist eine sogenannte Tonsprache. Bei ihr hängt die Bedeutung der Wörter von der Tonhöhe ab. Wer also mit dieser Sprache aufwächst, schult sein Ohr darin, Klänge genau zu unterscheiden. So kann das Wort "ma", je nach Tonverlauf, "Mutter", "Hanf", "schimpfen" oder "Pferd" heißen.
Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass wir ein absolutes Gehör nicht ohne Hörtraining entwickeln können.
Woher hat der Leberkäs seinen Namen?
Oct 03, 2025
Show notes
Kas: eine kompakte essbare Masse
Darüber hat sich schon mancher gewundert ... und zu Recht, denn das Wort hat weder etwas mit Leber zu tun noch mit Käse. Fangen wir hinten an, beim Kas oder Käs.
Ein Kas ist im Bayrischen der Name für eine kompakte essbare Masse. So gibt es dort auch einen Quittenkas, eine marmeladenähnliche Süßspeise aus Quitten. Das hat nichts mit Käse zu tun.
Mannheim meets München
Komplizierter wird es beim ersten Wortbestandteil: Warum "Leber"? Da gibt es verschiedene Erklärungen, aber am plausibelsten erscheint mir die, wonach das Wort auf das schöne deutsche Wort "Laib" zurückgeht. Der Leberkäs erinnert ja an die kompakte Form eines Brot-Laibs. Jetzt geht die Geschichte in verschiedenen Varianten weiter. Einer Variante zufolge wurde aus dem Laib-Kas im Bayrischen so etwas wie "Loabi-Kas", woraus dann in einer Pseudo-Verhochdeutschung der Leberkäse wurde.
Vielleicht muss man aber auch gar nicht den Umweg über das Bayrische gehen, denn der Erfinder des Leberkäs soll vor etwas mehr als 200 Jahren ein Metzger aus Mannheim gewesen sein, den es zusammen mit seinem Kurfürsten Karl Theodor nach München verschlagen hatte. Stellen wir uns nun einen Metzger in München vor, der nach wie vor seinen Mannheimer Dialekt spricht. Da kann dann aus dem "Laib Kas" schnell der "Lääb Käs" werden. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Leberkäs.
Bayrischer Leberkäs darf keine Leber enthalten
Und nun wird es besonders skurril. Denn heute heißt das Zeug nun mal Leberkäse, und unsere Behörden scheren sich nicht darum, dass der Name mit Leber gar nichts zu tun hat, sondern sie sagen, wo "Leberkäs" drauf steht, da muss auch Leber drin sein.
Wenn Sie etwa beim Metzger "Stuttgarter Leberkäse" kaufen, muss der mindestens 5 Prozent Leber enthalten. Aber – um die Skurrilität noch zu toppen – es gibt auch eine Ausnahme: Wenn Sie original bayerischen Leberkäs kaufen, ist es genau umgekehrt: Der darf wiederum gar keine Leber enthalten. Alle anderen dagegen müssen – oder sie werden unter der neutralen Bezeichnung Fleischkäse verkauft.
Das ist viel gut gemeinter Verbraucherschutz – und das alles wegen eines Worts, das mit Leber ursprünglich überhaupt nichts zu tun hatte. Abgesehen davon, dass, selbst wenn Leber drin ist, sie den Geschmack ja nun nicht wirklich entscheidend prägt.
Hat die Bundesrepublik Deutschland nach 1945 einen Friedensvertrag unterzeichnet?
Oct 02, 2025
Show notes
Alles Notwendige ist völkerrechtlich geregelt
Vor allem in rechtsextremen Kreisen wird oft behauptet: Da es nach dem Krieg keinen offiziellen Friedensvertrag gab, bestünde das Deutsche Reich in den Grenzen von vor dem Krieg weiter – also mit großen Teilen vom heutigen Polen und Tschechien. Doch das ist nicht so, sagt zum Beispiel der Völkerrechtsexperte Claus Kreß von der Universität Köln.
Einen Friedensvertrag – zwar nicht dem Wort, aber der Sache nach – gibt es, wenn auch mit großem zeitlichem Abstand.
Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln
Richtig ist: Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat Deutschland zwar kapituliert, aber keinen Friedensvertrag abgeschlossen. Das lag daran, dass es in der Nachkriegszeit zunächst keine deutsche Regierung mehr gab, die einen solchen Vertrag hätte abschließen können.
Zwei deutsche Staaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Ab 1949 gab es zwei deutsche Staaten, auch dann war aber noch eine Weile umstritten, ob das deutsche Reich in diesen Staaten (oder wenigstens in der Bundesrepublik) völkerrechtlich gesehen weiterexistiert, ob also die Bundesrepublik überhaupt in der Lage wäre, einen Friedensvertrag für das Deutsche Reich abzuschließen. Im Völkerrecht war man sich dann irgendwann einig: Ja, das würde gehen. Aber dann kam das Problem hinzu: Wenn die Bundesrepublik einen Friedensvertrag geschlossen hätte, hätte die DDR ihn nicht akzeptiert. Die DDR pochte anfangs zwar auch auf einen Friedensvertrag – aber mit zwei deutschen Staaten, was wiederum für die Bundesrepublik nicht akzeptabel war.
Wiedervereinigung und Zwei-plus-vier-Vertrag
Deshalb wurde dieser völkerrechtliche Schlussstrich erst viel später nachgeholt, nämlich nach dem Fall der Mauer, als 1990 beide deutsche Staaten mit den ehemaligen alliierten Siegermächten die Wiedervereinigung im sogenannten Zwei-plus-vier-Vertrag geregelt haben.
Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 kam es mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zu einer Regelung von Fragen, die seit dem Zweiten Weltkrieg noch offen waren. Insbesondere gaben die vier Mächte ihre noch bestehenden Rechte im Hinblick auf Deutschland als Ganzes auf.
Quelle: Prof. Claus Kreß, Universität Köln
Zwei-plus-vier-Vertrag regelt Festlegung der Grenzen
Im Zwei-plus-vier-Vertrag steht alles drin, was in einem Friedensvertrag auch geregelt ist: Insbesondere die Grenzen des jetzt wiedervereinigten Deutschlands. Mit der Festlegung der Grenzen verzichtete das neue Deutschland endgültig auf die ehemaligen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie. Durfte Deutschland das? Claus Kreß sagt ganz klar: ja!
"Zu der Frage, wie es sich mit Grenzveränderungen verhält, sagt das Völkerrecht, dass staatliche Grenzen zwar völkerrechtlich ein hohes Gut und als solches geschützt sind, insbesondere gegen Gewaltanwendung. Aber es gibt dem Grundsatz nach kein völkerrechtliches Verbot für einen Staat, im Rahmen einer friedensvertraglichen Regelung Gebiete, die früher zu ihm gehörten, abzutreten. Völkerrechtlich spricht man bei einer solchen Abtretung von einer Zession. Der entscheidende Punkt ist, dass der Gebietsübergang einvernehmlich geschieht. Dann ist eine solche Gebietsregelung möglich. Einvernehmlich bedeutet: Einvernehmlich zwischen dem das Gebiet abtretenden Staat und demjenigen Staat, zu dem dieses Gebiet nun gehören soll." (Claus Kreß)
Da Polen und Tschechien auch einverstanden waren, war das somit in Ordnung. Insofern: Der Zwei-plus-vier-Vertrag ist kein Friedensvertrag – aber regelt alles Notwendige. Ein weiteres Papier, auf dem fett "Friedensvertrag" steht, in dem aber letztlich nur das Gleiche nochmal steht, ist deshalb nicht nötig.
Wie halten Tiefseefische den enormen Wasserdruck aus?
Oct 01, 2025
Show notes
Schwimmblase wird mit Muskelkraft gehalten
Grundsätzlich bereitet der Wasserdruck keine Probleme; er ist innen so hoch wie außen. Probleme entstehen erst dann, wenn man die Tiefe ändert, also wenn man auf- und wieder absteigt. Speziell Tiefseefische, die in den oberen Bereichen zwischen 1.000 und 2.000 Metern leben und in der Nacht an die Oberfläche kommen, haben Probleme, diesen Druckunterschied auszugleichen.
Die Schwimmblase der Fische läuft Gefahr, beim Aufsteigen zu zerplatzen. Sie wird deshalb mit Muskelkraft zusammengehalten.
Mit Sauerstoff gefüllte Schwimmblase hilft durch sauerstoffarme Zonen
Gleichzeitig müssen diese Tiefseefische noch durch eine Zone mit sehr wenig Sauerstoff. Die liegt meistens zwischen 500 und 800 Metern. Die Fische lösen das, indem sie vorher Sauerstoff in ihre Fischblase hineingeben und ihn wieder ausatmen, während sie durch die sauerstoffarme Zone schwimmen.
Warum ist Vulkanasche so fruchtbar?
Sep 29, 2025
Show notes
Poröse Aschepartikel speichern Wasser
Das hat mehrere Gründe: Vulkanasche besteht meistens aus sehr porösen Partikeln, z. B. kleine Stücke von Bims – also Glasgehäuse, in denen sich Löcher befinden. Dort, wo es nicht so viel regnet, z. B. auf den östlichen Kanarischen Inseln, kann sich die Feuchtigkeit über Nacht aus den Wolken am Boden niederschlagen und wird tagsüber in diesen porösen Partikeln gespeichert. So steht das Wasser den Pflanzen tagsüber sehr viel länger zur Verfügung als wenn es auf polierte Sandkörner träfe; da würde die Feuchtigkeit schnell versickern.
Silikatschmelze setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei
Asche, also Partikel unter 2 Millimetern oder auch größere Partikel, die wir Lapilli nennen, besteht vor allem aus Glas. Das ist abgeschrecktes Magma, abgeschreckte Silikatschmelze. Das ist nicht sehr stabil und wird durch das Grundwasser leicht "angelöst", um es vereinfacht auszudrücken. Dabei werden sehr viele für das Wachstum von Pflanzen wichtige Elemente frei.
Woher kommt "der Teufel ist ein Eichhörnchen"?
Sep 27, 2025
Show notes
Teuflisch: rot, schwarz, flink
Der weit verbreitete Spruch hängt damit zusammen, dass das Eichhörnchen immer schon im Aberglauben negativ besetzt war. Denn zwei Faktoren verbinden es mit dem Teufel: Die Farbe – rot oder schwarz – und die Geschwindigkeit.
Die Geschwindigkeit ist ganz typisch für den Teufel und wird ihm immer wieder zugesprochen. Es gibt sehr viele Jagdgeschichten, Jägerlatein zum Teil, wo jemand auf ein Eichhörnchen zielt und dann immer daneben schießt. Und plötzlich ist das Tier ganz wo anders – mit teuflischer Geschwindigkeit, wie man früher gesagt hat.
Das hat dazu geführt, dass man sagte "der Teufel ist ein Eichhörnchen"; er kann sich ganz schnell ändern. Es kann aber auch heißen "du kannst dich täuschen". Und man hat es auch verwendet, um Leute, die abergläubisch sind, auf den Arm zu nehmen. Dann sagte man "der glaubt, dass der Teufel ein Eichhörnchen ist".
Werfen europäische Laubbäume auch in den Tropen ihre Blätter ab?
Sep 26, 2025
Show notes
Licht und Temperatur beeinflussen die Bäume
Jeder Laubbaum hat einen individuellen inneren Jahresrhythmus, nach dem er austreibt und seine Blätter abwirft. Wann ein Baum das tut, hängt dabei zuerst von der Tageslänge ab, d.h., von der Anzahl der Stunden pro Tag, in denen er Licht ausgesetzt ist. Viele Pflanzen können die Tageslänge exakt messen und steuern mithilfe dieser "physiologischen Uhr", wann und wie schnell sie wachsen, wann sie Ruhephasen oder die Samenkeimung einleiten. Da innerhalb des Jahres die gleiche Tageslänge – mit Ausnahme des kürzesten und des längsten Tages – zweimal auftritt, müssen die Bäume zwischen zu- und abnehmender Tageslänge unterscheiden können. Denn Ende Februar sind die Tage ungefähr so lang, wie sie Ende Oktober waren. Dabei hilft den Bäumen die Temperatur. Würden sich die Bäume allerdings nur nach ihr richten, würden sie schon an einem warmen, sonnigen Wintertag austreiben und die jungen Triebe müssten erfrieren
Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei versetzten Pflanzen
Versetzt man Pflanzen in Klimagebiete mit abweichender geografischer Breite, führt das häufig zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Die Blüten- oder Triebbildung wird manchmal zu spät ausgelöst, die Samenreife bleibt aus. Ihren inneren jahreszeitlichen Rhythmus behalten die Pflanzen allerdings bei, wobei er aber dem Umfeld angepasst wird. Bei Samen, die englische Siedler im 19. Jahrhundert mit nach Neuseeland genommen hatten, kam es zu Verzögerungen im Entwicklungsablauf. Sie trieben nicht im englischen Frühling aus, sondern dann, als es in Neuseeland wärmer wurde.
Ein sommergrüner Baum aus Mitteleuropa verliert also überall irgendwann sein Laub, selbst im Gewächshaus bei gleichbleibender Beleuchtung und Temperatur. Allerdings könnte sich die Vegetationsperiode verlängern, sodass die Blätter einige Wochen länger grün blieben.
Äquator ist zu heiß für mitteleuropäische Laubbäume
Am Äquator jedoch stellt sich die Laubfrage gar nicht erst: Unseren an ein mitteleuropäisches Klima gewöhnten Laubbäumen ist es dort viel zu heiß. Sie würden sehr schnell absterben.
Danke an Prof. Stefan Ruge von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg
Woher kommt die Redewendung "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing"?
Sep 24, 2025
Show notes
Herrscher und deren Heldentaten preisen – gegen Geld
Wenn man sich in die Zeit zurückversetzt, in der es Minnesänger gab oder in die Zeit des bürgerlichen Oswald von Wolkenstein – die waren so etwas wie feile Federn. Die hatten selten eine feste Anstellung und mussten von Hof zu Hof ziehen. Dort hat man Lieder gesungen. Das waren nicht "Alle meine Entchen“, sondern sehr oft handelte es sich um richtige Gesänge, die einen Herrscher, einen Grafen, einen Fürsten priesen und Geschichten von seinen Heldentaten erzählten.
Der Sänger musste den Ruhm dieses Adligen in seinen Liedern verewigen und dafür bekam er dann etwas Geld, eine Unterkunft, eine Ehrengabe, vielleicht auch einen schönen Ring oder so etwas. Das hat sich übertragen, sodass man gesagt hat: Wes Brot ich ess ... – am Hofe eines Herzog von Württemberg zum Beispiel – dann sing ich lieber nichts Schlechtes über diesen, sondern etwas Positives. Denn würde ich den kritisieren, kriegte ich natürlich nichts zu essen.
Woher kommt der Ausdruck "okay"?
Sep 23, 2025
Show notes
Okay – international weit verbreitet
Interessant ist, dass es wohl kein anderes Wort gibt, das international so verbreitet ist. Denn "okay" hört man nicht nur in den USA, sondern weltweit: in Südamerika, in der arabischen Welt und in Asien. Es ist damit eines der weltweit am häufigsten verwendeten Wörter überhaupt, und trotzdem weiß niemand genau, warum und wie der Ausdruck entstanden ist. Das macht das Wort so interessant, dass ein US-amerikanischer Sprachwissenschaftler, Allen Metcalf, darüber ein 200-seitiges Buch geschrieben hat "OK – The improbable story of Americas Greatest Word".
Erster eindeutiger Beleg aus dem Jahr 1839
Der Frage sind aber Wissenschaftler schon früher nachgegangen. Die heute noch gängige Erklärung wurde in einem Aufsatz von 1941 veröffentlicht. Demnach stammt der älteste eindeutige Beleg für diesen Ausdruck aus dem Jahr 1839. Da taucht das Kürzel o.k. in der Boston Morning Post auf, und zwar als Abkürzung für "all correct". Nun beginnt, wie alle Englischlehrer wissen, das Wort "all" mit einem "a" und "correct" mit "c", also müsste man "all correct" ja eigentlich mit "a.c." abkürzen. Aber es gab wohl damals an der US-amerikanischen Ostküste die Mode, Abkürzungen zu benutzen, die orthographisch betont falsch sind. So gab es das Kürzel "ky" für "know yuse" statt "no use". Und so setzte der Redakteur der Boston Morning Post eben o.k. für all correct. Und das hat er nicht nur einmal gemacht, sondern immer wieder.
Hinweise auf früheres Insiderkürzel, aber kaum Belege
War das also nur die Marotte eines einzelnen Redakteurs? Manches spricht dafür, dass es schon vorher ein Insiderkürzel war, so wie heute jeder SMS-Schreiber weiß, was ein LG am Ende einer Meldung bedeutet – nämlich "Liebe Grüße". Und so könnte es sein, dass "o.k." damals schon stärker in Gebrauch war. Man weiß es aber nicht, denn es gibt nur wenige schriftliche Belege.
Teil einer US-Präsidentschafts-Wahlkampagne
Bekannt ist aber, dass der Ausdruck ein Jahr später in einer Wahlkampagne verwendet wurde. Der amtierende US-Präsident Martin van Buren trat 1841 zur Wiederwahl an. Van Buren stammte aus einer Stadt namens Kinderhook. Er hatte den Spitznamen "Old Kinderhook" und kokettierte damit. Wie man nun mit einem gewissen Scharfsinn sofort bemerkt, lässt sich "Old Kinderhook" ebenfalls mit "O.K." abkürzen. Und das hat er sich dann in seiner Wahlkampagne zu eigen gemacht: "Old Kinderhook is OK" – das war die Botschaft seiner Wahlkampfstrategen, was zumindest dafür spricht, dass damals jeder mit diesem Kürzel etwas anfangen konnte. Van Buren verlor die Wiederwahl, wurde dann zwar doch nicht Präsident, aber zumindest hat die Kampagne geholfen, den Ausdruck weiterzuverbreiten.
Parallel zu diesem Wahlkampf wurde damals die unbewiesene Geschichte verbreitet, dass schon sein Vorgänger, US-Präsident, Andrew Jackson, "o.k." als Abkürzung für "all correct" verwendet hat. Und diese Geschichte, egal ob wahr oder erfunden, soll die Mode dann noch weiter verstärkt haben.
Kürzel in der Telegrafie üblich und hilfreich
Wie auch immer: Die weltweite Karriere des Ausdrucks kam vor allem durch die Telegrafie. So wie heute das SMS-Schreiben eine Fülle von Abkürzungen in die deutsche Sprache gebracht hat, war es auch beim Telegrafieren hilfreich, zumindest für häufig verwendete Botschaften Kürzel zu verwenden. Und "o.k." für alles klar, alles verstanden, war da natürlich sehr praktisch.
Weitere Theorien
Und es gibt noch weitere Theorien. Manche sagen, das "O.K." bei den Telegrafen bedeutete eigentlich open key – also so viel wie "empfangsbereit", und hatte mit dem anderen okay – all correct – gar nichts zu tun.
Außerdem gibt es die Theorie, das Wort stamme aus der Sprache der Choctaw-Indianer, wo okeh so viel bedeutet wie "jawohl!", "so ist es!".
Darüber hinaus gibt es allerlei Legenden von einem angeblichen deutschen Qualitätskontrolleur namens Otto Krüger, Oskar Keller, Otto Krause – diese Geschichte gibt es in verschiedenen Varianten. Das soll ein gründlicher Deutscher gewesen sein, der bei Ford oder bei anderen Firmen gearbeitet hat. Und wenn er etwas geprüft und für gut befunden hat, soll er das mit seinen Initialen "O.K." abgezeichnet haben. Diese Geschichte hat sich im deutschsprachigen Raum lange gehalten, doch Belege dafür gibt es keine.
Ohne Beleg: Die "Buchdrucker-Hypothese"
Das gleiche gilt für eine weitere Hypothese, auf die uns zahlreiche Nutzer aufmerksam gemacht haben. Demnach soll die frühe Buchdruckerbranche in New York von deutschen Buchdruckern dominiert gewesen sein. Sie hätten ein druckfertiges Werk mit dem Kürzel "o.K." abgesegnet - das habe für "ohne Korrektur" gestanden. Eine verlässliche Quelle dafür habe ich allerdings nicht gefunden. Gegen diese Hypothese spricht zum einen, dass der älteste schriftliche Beleg nun einmal 1839 aus Boston stammt, wo deutsche Auswanderer um diese Zeit nur eine untergeordnete Rolle spielten.
Der bedeutendenste deutsche Buchdrucker vor diesem Zeitpunkt Johann Christoph Sauer, der im 18. Jahrhundert in Germantown (Philadelphia) Bibeln druckte. Sollten er oder andere seiner Zunft "o.K." verwendet haben, wäre zu erwarten, dass es dafür eine Beleg oder einen klaren Hinweis gibt. Und selbst wenn es ein internes Kürzel gewesen wäre - wie gelangte es dann in die breite nicht-deutschsprachige Öffentlichkeit?
Insofern gehört auch diese Hypothese zu den zahlreichen Mutmaßungen, für die es allerdings wenig Belege gibt.
Warum verlieren wir im Herbst mehr Haare als sonst?
Sep 21, 2025
Show notes
Man muss sich das so vorstellen: Kein Haar wächst ewig. Bei den meisten Menschen wächst ein Haar 2 bis 6 Jahre lang. Diese Zeit des Wachstums heißt auch "Anagen". Danach gehen die Haarfollikel – also die Stellen in der Haut, aus der die Haare herauswachsen – in eine Ruhephase über – das "Telogen". Sie hören dann auf, Haare zu produzieren, das Haar dünnt dann an der Haarwurzel aus, verliert an Halt – und fällt irgendwann aus. Spätestens dann, wenn das Haarfollikel in die nächste aktive Phase übergeht, ein neues Haar produziert, verdrängt das neue Haar das alte.
Dieser Erneuerungsprozess passiert grundsätzlich immer und ständig – ungefähr ein Siebtel unserer Haarpracht, sofern vorhanden, befindet sich im Schnitt jeweils in dieser Erneuerungsphase, in der das Wachstum aufhört, Haare ausfallen und neue nachkommen.
Warum verstärkt sich der Haarausfall im Herbst?
Im Spätsommer und Herbst gehen überdurchschnittlich viele Haarfollikel in diese Ruhephase über. Und zwar deshalb, weil das Haar und die Haarwurzel im Sommer überdurchschnittlich stark belastet wird, vor allem durch viel Sonne und UV-Strahlung, zum anderen durchs Baden in gechlortem Wasser oder in Salzwasser. Vor diesen Belastungen schützen sich die Haarfollikel, indem sie im Sommer in die Ruhephase gehen, und nach ein paar Wochen – also im Herbst fallen dann vermehrt Haare aus.
Möglicherweise gibt es auch andere Gründe – eine hormonelle Umstellung im Herbst, aber diese Zusammenhänge sind weniger klar.
Individuell ist das aber sehr unterschiedlich. Die einen merken von diesem saisonalen Haarausfall gar nichts, bei anderen bleiben dagegen im September auffallend mehr Haare in der Bürste oder im Abfluss der Dusche zurück. Das Phänomen gibt es übrigens auch nochmal weniger ausgeprägt im Frühjahr. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Körper, wenn die Tage länger werden, weniger vom Hormon Melatonin produziert, das beim Haarwuchs eine Rolle spielt. Aber diese Zusammenhänge sind noch nicht so gut erforscht.
Gibt es Möglichkeiten, den saisonalen Haarausfall zu stoppen?
Wenn man den saisonalen Haarausfall verhindern will, geht das eigentlich nur, indem man das Haar weniger stresst, also weniger der Sonne aussetzt – sprich: Mütze tragen. Und wenn man weniger im Meer oder im Schwimmbad baden geht. Aber wozu? Man muss sich klarmachen: Bei diesem saisonalen Haarausfall handelt es sich NUR um einen Erneuerungsprozess. Anstelle der ausgefallenen Haare kommen ja in der Regel wieder neue nach. Der Versuch, den herbstlichen Haarausfall zu verhindern, bringt also nicht viel; man verschiebt dadurch den Haarausfall bestenfalls ein paar Wochen oder Monate nach hinten. An der Haarpracht selbst ändert das langfristig aber nichts.