Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Gibt es Tiere mit nur einem Nasenloch?
Nov 28, 2025
Show notes
Delfine haben ein Blasloch
Ja, wenn man den Begriff "Nase" etwas weiter fasst: Delfine. Man spricht bei Delfinen nicht von einer Nase, sondern von einem Blasloch, das sie oben am Kopf haben. Das Blasloch hat die gleiche Funktion wie bei Menschen die Nase: Es dient zur Atmung, und es hat sich aus der Nase von Landsäugetieren entwickelt.
Delfine und andere Wale sind evolutionär Säugetiere, die wieder ins Wasser gegangen sind. Ihre Vorfahren hatten Nasen im Gesicht – allerdings ist diese Nase im Laufe der Evolution und der Anpassung an das Leben im Wasser nach hinten bzw. oben gewandert. Speziell bei den Zahnwalen – zu denen auch die Delfine gehören – sind dabei die ursprünglich zwei Nasenlöcher zu einem Blasloch zusammengewachsen.
Viele Fische haben vier Nasenlöcher
Im Gegensatz dazu haben viele Fische sogar vier "Nasenlöcher" – allerdings ist die Fischnase etwas völlig anderes: Sie dient zwar dem Geruchssinn – also der Wahrnehmung chemischer Stoffe im Wasser. Aber Fische atmen nicht durch ihre Nase. Bei Walen ist es genau umgekehrt: Sie atmen zwar durch ihre Blaslöcher, aber im Wasser ist das Loch geschlossen, sodass sie damit nichts riechen können.
Fast alle anderen Tiere hat die Evolution mit zwei Nasenlöchern ausgestattet. So wie wir auch zwei Ohren und zwei Augen haben. Warum ist das so? Weil zwei Augen uns eine Tiefenwahrnehmung ermöglichen – wir sehen die Welt dreidimensional. Die beiden Ohren rechts und links haben eine ähnliche Funktion – sie erlauben ein räumliches Hören. Auf diese Weise können wir Schallquellen relativ zuverlässig orten – wir wissen meist sofort, woher ein Geräusch kommt, sprich, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten müssen.
Ostamerikanischer Maulwurf riecht "stereo"
Anders ist es beim Riechen. Wir riechen die Welt nicht wirklich "stereo". Wozu also zwei Nasenlöcher? Offenbar, weil wir es mal konnten, unser Geruchssinn aber verkümmert ist. Denn zumindest bei einigen Tieren ist nachgewiesen, dass sie tatsächlich stereo riechen. Dazu gehört der ostamerikanische Maulwurf. Maulwürfe sind bekanntlich blind. Dafür ist ihre Nase umso besser. Vor einigen Jahren haben Forscher gezeigt, dass diese Tiere ihre Beute wie beispielsweise Regenwürmer nur dann effektiv finden, wenn beide Nasenlöcher offen sind. Sobald eins zu ist, verlieren sie die geruchliche Orientierung. Ähnlich, wenn auch etwas schwächer ausgeprägt, wurde das bei Wanderratten nachgewiesen.
"Bis in die Puppen" feiern – woher kommt das?
Nov 27, 2025
Show notes
Friedrich II. und seine Götterstatuen im Berliner Tiergarten
"Bis in die Puppen" ist eine ganz lustige Berliner Redensart. König Friedrich II. hat, als er inthronisiert wurde, am Großen Stern im Tiergarten Götterstatuen aufstellen lassen. Die Berliner waren ein bisschen respektlos und sagten, dass seien die Puppen des Königs. Der spielt sozusagen mit diesen Puppen und lässt sie dort aufstellen.
Die Berliner unternahmen gerne von der Stadtmitte aus einen Spaziergang "bis in die Puppen". Das waren so zwei, drei Kilometer, also schon eine ganz schöne Strecke. Deshalb hat sich das zunächst als Redensart herausgebildet für eine lange Strecke, eine große Entfernung.
Aus "lange Strecke" wird "langer Zeitraum"
Nun gibt es recht häufig die Entwicklung, dass ein langer Zeitraum auf eine lange Wegstrecke oder umgekehrt eine lange Wegstrecke auf einen langen Zeitraum übertragen wird – und das war hier eben auch so. So sagte man in Berlin irgendwann "bis in die Puppen" wenn man meinte "etwas sehr lange tun".
Warum sagt man: "Dir fällt kein Zacken aus der Krone"?
Nov 25, 2025
Show notes
Brautkrone sollte makellos sein
Ursprünglich geht es hier um den Brautkranz. Der Brautkranz ist ja oft mit schönen Steinen oder Perlen geziert. Da galt es als besonders übles Zeichen, wenn ein Stein aus dieser Brautkrone herausfiel. Da hat sich in deutschen Landen, vor allem in Thüringen und Sachsen, auch ein Spruch herausgebildet: "Da wird dir nicht gleich eine Perle aus der Krone fallen." Das heißt also: "Stell dich nicht so an, das wird jetzt sicher nicht so schlimm."
Adelskrone: Auf die Zahl der Zacken kommt es an
Das hat sich dann verbunden mit den Kronen, die es tatsächlich gab. Man weiß ja, dass eine Königskrone mehr Zacken hat als eine Grafenkrone. Hat man also einen Zacken weniger oder zwei, dann ist man auch im Rang niederer. Diese beiden Wendungen haben sich verbunden. Und so konnte man dann sagen: "Da wird dir schon kein Zacken aus der Krone fallen."
Bei Regen gehen oder rennen: Wie wird man weniger nass?
Nov 23, 2025
Show notes
Eine knifflige Frage. Einerseits läuft man beim Rennen in ziemlich viele Tropfen hinein, andererseits ist man beim langsameren Gehen insgesamt länger im Regen. Was macht also unterm Strich mehr aus?
Gehen wir mal davon aus, dass es gleichmäßig regnet, dass also der Regen nicht stärker oder schwächer wird – dann ist es auf jeden Fall besser, wenn man rennt. Warum? Aus folgender Überlegung: Wir gehen ja davon aus, dass es gleichmäßig regnet. Das heißt, zu jedem Zeitpunkt befindet sich eine bestimmte Menge an Tropfen in der Luft.
Je langsamer man geht, desto mehr Tropfen bekommt man ab
Jetzt stellen wir uns vor, wir könnten die Szene, wie beim Film, einfrieren. Das heißt, wir halten die Zeit an, alles steht still und alle Regentropfen bleiben in der Luft stehen. Ich könnte dann die Tropfen zählen, die auf der gesamten Strecke, die mein Körper zurücklegen muss, in der Luft sind. Nehmen wir an, das sind 10.000 Tropfen, die vor mir in der Luft sind, dann muss ich durch diese 10.000 Tropfen durch, und zwar völlig unabhängig davon, ob ich gehe oder renne. Wenn ich langsam gehe, sind es natürlich andere Tropfen, die mich nass machen, aber in der Summe sind es über die Strecke gesehen immer diese 10.000 Tropfen, die mich von vorne treffen. Von daher also kein Unterschied, ob ich gehe oder renne.
Aber es kommen ja noch die Tropfen hinzu, die mich von oben treffen. Wenn ich nun aber schnell renne, brauche ich natürlich weniger Zeit. Und in dieser kurzen Zeit fallen weniger Tropfen auf meinen Kopf als wenn ich langsam gehe. Insofern lautet die Antwort: Je langsamer ich gehe, desto mehr Tropfen bekomme ich ab.
Mit Schirm besser nicht rennen
Wenn ich einen Schirm habe, ist es umgekehrt – da ist es natürlich besser, ich gehe langsam. Denn wenn ich langsam genug gehe, werde ich ja überhaupt nicht nass; dann prasselt der Regen entweder auf den Schirm oder aber die Tropfen fallen in einem genügend großen Abstand vor mir auf den Boden.
Wenn ich dagegen mit einem Schirm renne, dann werde ich ab einer bestimmten Geschwindigkeit nass – denn dann sind einige der Tropfen noch in der Luft, wenn ich in sie hineinrenne. Wenn ich mit Schirm renne, laufe ich also doch Gefahr, etwas nass zu werden, während ich, wenn ich langsam gehe, komplett trocken bleiben kann.
Werden alte Römerstraßen heute noch für den Verkehr genutzt?
Nov 21, 2025
Show notes
Via Appia – längste gerade Straße in Europa
Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die Via Appia in Italien, auf deren Verlauf heute die italienische Fernverkehrsstraße SS7 von Rom nach Brindisi führt. Der erste Abschnitt von Rom nach Terracina ist typisch römisch schnurgerade, und das über 62 km – das ist die längste gerade Straße in Europa.
Natürlich fahren die Autos heute nicht mehr auf der alten Pflasterung, sondern die alte Via Appia ist über weite Teile asphaltiert. Und dort, wo sie noch im Originalzustand ist, verläuft die moderne Fernstraße etwas versetzt davon.
Spuren alter Römerstraßen auch in Trier, Mainz und Frankfurt
Auch in Deutschland hat das römische Straßensystem seine Spuren hinterlassen, sowohl innerhalb der Städte als auch im Fernverkehr. In den Städten sind die Spuren oft stärker. Denn wenn in einer Stadt ein Netz von Straßen besteht, werden auch die Gebäude entlang dieser Straßen gebaut; dadurch bleibt ein solches System lange bestehen. Denn das Straßennetz zu ändern hieße ja in der Regel, ganze Häuserzeilen abzureißen; das macht niemand gerne.
In Trier z.B. gibt es ein grobes Raster von Straßen – Saarstraße, Kaiserstraße, Feldstraße oder die Paulinstraße im Norden, die auf die Porta Nigra zuführt – das sind Überbleibsel aus dem alten römischen Straßennetz.
In Mainz folgt vor allem die B40 einer alten Römerstraße; das gilt etwa im Süden, wo die B40 auf die Autobahn A63 mündet. Auch die Theodor-Heuss-Brücke, die nach Mainz-Kastel führt, steht an einer Stelle, wo schon zu römischen Zeiten eine Brücke stand. Wenn man von Mainz nach Frankfurt über die A66 fährt, fährt man ebenfalls über weite Abschnitte auf der alten Römerstraße. Verlängert man auf der Landkarte den letzten gerade Abschnitt der A66 mit einem Lineal, dann sieht man, wie sich diese Straße in der heutigen Frankfurter Heerstraße fortsetzt und schließlich in einer Siedlung endet, die noch heute "Römerstadt" heißt.
Optimal Streckenführung schon bei den Römern
Diese Straße zwischen Mainz und Frankfurt zeigt darüber hinaus, dass auch außerhalb von Siedlungen Fernstraßen gelegentlich entlang alter Römerstraßen verlaufen, und zwar logischerweise vor allem dann, wenn die Fernstraßen zwei alte römische Städte verbinden. Das muss nicht deshalb sein, weil die modernen Straßenbauer sich die alten Römer zum Vorbild nehmen, sondern einfach, weil die Römer ihre Straßen bereits sehr gut geplant haben. Denn wenn es darum geht, zwei Städte A und B zu verbinden, gibt es meist eine optimale Streckenführung – das ist heute nicht viel anders als bei den Römern. Insofern ist der Verlauf oft ähnlich. Nur dass die Römer manchmal in den Bergen auch steilere Anstiege in Kauf nahmen, während beim Bau von Autostraßen die Steigungen begrenzt sind. Deshalb machen moderne Straßen manchmal kleine Umwege, schlängeln sich an Stellen, wo die Römerstraßen direkter und geradliniger verlaufen.
Was ist Zeit?
Nov 21, 2025
Show notes
Pragmatische Definition: Zeit ist, was Uhren messen
Physikalisch gesehen ist Zeit das, was Uhren messen. Das mag unbefriedigend klingen, aber diese Definition entspricht nicht nur unserem Alltagsverständnis, sondern auch Einsteins Relativitätstheorie.
Einstein hat gesagt, Zeit ist relativ. Damit meinte er, dass Uhren, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen, unterschiedlich schnell ticken. Das hat man auch nachgewiesen: Wenn man eine hochpräzise Uhr in einem Flugzeug einmal um die Erde fliegen lässt, dann geht diese Uhr langsamer, als wenn sie an Ort und Stelle geblieben wäre. Sie geht nicht deshalb langsamer, weil sie im Flugzeug durch irgendetwas gebremst worden wäre, sondern weil die Zeit in schnell bewegten Körpern wirklich langsamer vergeht – relativ zu einem statischen Beobachtungspunkt.
Zeit ist in diesem Sinn also wirklich das, was Uhren messen. Auch die Maßeinheit der Zeit, die Sekunde, ist nur auf diese Weise definiert. Die "Uhr" ist in diesem Fall allerdings ein Cäsium-Atom: Ein Cäsium-Atom "schwingt" rund 9 Milliarden Mal in der Sekunde und deshalb sagt die Physik einfach: Das ca. 9,192 Milliarden-Fache dieser Schwingungsdauer definieren wir als "Sekunde".
Wie kann man das tiefere Wesen der Zeit beschreiben?
Die Frage ist: Muss man sich die Zeit als etwas vorstellen, was immer kontinuierlich "fließt"? Die Physik weiß heute: Zum einen ist die Zeit – ähnlich wie der Raum – nichts, was unabhängig von allem einfach da wäre. Wir stellen uns die Zeit oft wie ein Raster zwischen Vergangenheit und Zukunft vor, das "da ist", und dann "passiert" darin irgendetwas. Auch da hat Einstein gezeigt, dass das nicht so ist.
Sowohl Raum als auch Zeit werden durch die Materie und die Energie im Weltall erst aufgespannt. Zum mutmaßlichen Beginn des Universums, beim sogenannten Urknall, versagen diese physikalischen Gesetze und es ist völlig unklar, ob es überhaupt eine Zeit vor dem Urknall gab oder ob die Zeit als solche erst mit dem Urknall angefangen hat zu existieren.
Die Frage "Was war vorher?" ergäbe dann auch keinen Sinn mehr, denn wenn es keine Zeit gibt, gibt es auch kein "vorher" und "nachher". Ein weiteres Phänomen der Zeit ist, dass sie möglicherweise im Kleinen "gequantelt" ist. Das heißt, bildhaft gesprochen, verrinnt die Zeit nicht gleichmäßig, sondern sie tropft in winzig kleinen Zeitportiönchen, die viel kürzer sind, als wir das wahrnehmen können.
Unterschied zum Raum: Man kann sich in der Zeit nicht rückwärts bewegen
Ein weiteres Merkmal ist der sogenannte Zeitpfeil. Die Zeit kennt in unserem Empfinden nur eine Richtung. Die Zeit können wir nicht anhalten, nicht zurückdrehen, sie fließt von der Vergangenheit in die Zukunft und trennt Ursache und Wirkung. Die Vergangenheit ist das, was geschehen ist und sich nicht mehr ändern lässt, die Zukunft ist offen. Das ist erstaunlich, weil in der klassischen Physik – auch bei Einstein – die Zeit keine Richtung hat.
Die Bewegungsgesetze gelten vorwärts wie rückwärts. Wenn ich eine Billardkugel filme, wie sie auf dem Billardtisch rollt, könnte ich den Film auch rückwärts laufen lassen, ohne dass es auffallen würde. Anders ist es, wenn ich eine Glasscheibe filme, die zerbricht – hier sehe ich sofort, wenn der Film rückwärts läuft: Die Scherben setzen sich wieder zur Scheibe zusammen.
Das liegt an der sogenannten Entropie: Ereignisse entwickeln sich so, dass die Welt insgesamt tendenziell unordentlicher wird. Und wenn sie doch irgendwo ordentlicher wird – etwa, wenn wir den Abwasch machen – dann geht das nur, weil wir anderswo – in dem Fall im Abwasser – Unordnung schaffen. Diese Zunahme der Unordnung ist es, die physikalisch der Zeit eine Richtung gibt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Energie des Universums muss am Anfang extrem "geordnet" gewesen sein – sonst gäbe es nicht die Möglichkeit, immer ungeordneter zu werden.
Wenn man das aber zu Ende denkt, ist es vorstellbar, dass das Universum in vielen Milliarden Jahren irgendwann einen maximal ungeordneten Zustand annimmt. Das wäre dann eine Art Strahlenbrei. In diesem maximal ungeordneten Zustand würde sich der Zeitpfeil sozusagen auflösen, das Universum wäre so monoton, dass sich zumindest im Kleinen die Vergangenheit nicht mehr von der Zukunft unterscheidet; es gibt keine Ursachen und keine Wirkung.
Warum heißt die Krankheit Krebs "Krebs"?
Nov 20, 2025
Show notes
Tumoren: breiten sich aus und sind hart
Das geht auf die alten Griechen zurück. Bereits bei Hippokrates wurden solche Geschwülste mit dem griechischen Wort für Krebs bezeichnet: "Karkinos". Hippokrates erklärt das damit, dass gerade Tumoren in der Brust äußerlich gewisse Ähnlichkeiten haben mit Krebsbeinen – von der Art, wie sie sich ausbreiten, aber auch, weil Geschwülste im Vergleich zum umliegenden Gewebe ja relativ hart sind.
Das ist wohl die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte, allerdings halten sich auch die etymologischen Wörterbücher etwas bedeckt. Man weiß nicht hundertprozentig, ob Hippokrates den Begriff wirklich geprägt oder nur übernommen hat. Auf jeden Fall hat der Name der Krankheit tatsächlich mit dem Tier zu tun.
Warum werden weiche Kekse hart und harte Kekse weich, wenn sie rumliegen?
Nov 19, 2025
Show notes
Feuchtigkeit verdunstet mit der Zeit
Das liegt daran, dass sich mit der Zeit die Feuchtigkeitsunterschiede zwischen dem Gebäck und der Umgebung ausgleichen. Die weichen Kekse sind weich, weil sie noch viel Feuchtigkeit enthalten, und zwar mehr Feuchtigkeit als die Luft in der Umgebung. Wenn sie lange herumliegen, verdunstet diese Feuchtigkeit und sie werden hart.
Das Gleiche gilt für Brot. Frisches Brot besteht zu 40 Prozent aus Wasser; außerdem hat es noch eine Kruste. Da wandert die Feuchtigkeit zunächst von innen nach außen. Deshalb wird das Brot zwar innen zunächst härter, die Kruste aber lätschig. Im weiteren Verlauf verdunstet die Feuchtigkeit dann auch von dort, und das komplette Brot wird steinhart.
Trockenes Gebäck zieht Feuchtigkeit an
Genau umgekehrt ist es bei den Gebäcksorten, die von Anfang an ziemlich trocken sind, wie Zwieback, Knäckebrot oder normale Butterkekse. Die sind so trocken, dass sie – wieder in Folge des Feuchtigkeitsausgleichs – Wasser von der umgebenden Luft aufnehmen, und damit werden sie weicher.
Das gilt auch besonders für Salzstangen. Hier spielt die besondere Eigenschaft des Salzes eine Rolle: Salz ist "hygroskopisch", d.h. es zieht Feuchtigkeit an. Deshalb werden Salzstangen, aber auch generell die Kruste von Laugengebäck bzw. Brezeln, so schnell weich.
Bei Zucker ist es ähnlich. Zuckerkristalle ziehen auch Feuchtigkeit an, wenn auch nicht so stark wie Salz. Das führt ebenfalls dazu, dass gezuckertes Gebäck an der Oberfläche leicht weich und vor allem klebrig wird.
Gallier und ihre Druiden: Sind die Kelten bei Asterix realistisch dargestellt?
Nov 18, 2025
Show notes
Nein, denn der Comic vereinfacht sehr stark. In den Heften finden sich viele Bemerkungen aus den historischen Überlieferungen, aber die Kelten waren natürlich ganz anders gekleidet. Richtig ist, dass sie Hosen trugen, aber eben auch entsprechende Hemden und Mäntel. Das kommt im Comic ein bisschen kurz. Aber der soll ja auch unterhalten und nicht Geschichte unterrichten.
Wie sahen die Druiden aus? Trugen sie Rauschebart und Sichel wie bei Asterix?
Leider wissen wir nicht, wie ein Druide aussah. Es ist historisch überliefert, dass es Druiden gab. Wir tun uns aber sehr schwer, diese Druiden in den Gräbern nachzuweisen. Es gibt zwar ein paar Gräber, in denen man besondere medizinisch nutzbare Instrumente gefunden hat, aber wie genau ein Druide aussah, kann man aufgrund dieser wenigen Funde nicht sagen.
Was weiß man über die Funktion, die die Druiden bei den Kelten hatten?
Die Druiden waren Priester und Kultdiener und haben die Religion organisiert. Meist waren sie von adeliger Herkunft.
Der einzige Druide, dessen Name wir kennen, ist Diviciacus – einer der großen Haeduer-Fürsten. Er ist Druide, fällt aber mit dem Schwert in der Hand – ist also auch Krieger. Die Druiden waren nicht das, was wir uns unter einem Klerus oder einer Geistlichkeit vorstellen, sondern haben aktiv am politischen Leben mitgewirkt.
Ist "Eifersucht" tatsächlich eine Sucht?
Nov 17, 2025
Show notes
"Krankhafte Verbitterung": Eifersucht kommt aus dem Althochdeutschen
Es gibt den alten Satz "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft." Aber das ist nicht mehr als ein konstruiertes, wenn auch schönes Wortspiel. Wenn man nach den Wurzeln des Wortes sucht, dann liegen die in einer Zeit, in der die Begriffe "Sucht" und "Eifer" noch nicht die gleiche Bedeutung hatten wie heute.
Im Althochdeutschen bedeutete "eibar" so viel wie "scharf, bitter", zum Teil auch in der Bedeutung "schmerzhaft". Und das Wort "Sucht" war ursprünglich weiter gefasst. "Suht" im Althochdeutschen war eine allgemeine Bezeichnung für Krankheit, verwandt mit dem heutigen Wort "Seuche". Der Begriff "Eifersucht" bedeutete ursprünglich also so viel wie "krankhafte Verbitterung" oder "Bitterkeit".
Ähnlichkeit mit klassischem Suchtverhalten: Kontrollverlust
Ob der Zustand trotzdem zu einer Art Sucht werden kann? Diese Frage stellt sich vor allem bei der krankhaften Eifersucht, bei der der Betreffende also ein wahnhaftes Misstrauen an den Tag legt und wie besessen nach Anhaltspunkten für eine mögliche Untreue sucht.
Hat das was mit Sucht zu tun? Da muss man sagen: Nur sehr entfernt. Die wichtigste Ähnlichkeit mit klassischem Suchtverhalten ist der Kontrollverlust: So wie der Drogensüchtige weiß, dass er sich schadet, aber trotzdem nicht anders kann als die Droge zu konsumieren, weiß der krankhaft Eifersüchtige oft auch, dass sein Misstrauen übertrieben ist und mit der Realität wenig zu tun hat. Trotzdem kann er nicht anders.
Eifersucht: keine echte Sucht, aber Verbindungen und Parallelen
Die zweite Ähnlichkeit ist, dass sich der Eifersüchtige ähnlich wie der Drogenabhängige in diesen krankhaften Zustand allmählich hineinsteigert. Aber es gibt auch große Unterschiede: Der Drogenabhängige erlebt, wenn er die Droge konsumiert, vorübergehend eine Belohnung – so funktioniert ja die Abhängigkeit: über das Belohnungssystem im Gehirn. Mit der Droge aktiviert er sein Belohnungssystem – er bekommt ein kurzfristiges Hochgefühl, um dann hinterher umso tiefer abzustürzen.
Die Eifersucht dagegen stellt gar keine, nicht einmal eine kurzfristige Belohnung dar; die Betroffenen leiden von Anfang an und erleben kein Hochgefühl. Das ist ein wichtiger Unterschied. Weitere Vergleiche sind schwierig, denn was genau im Gehirn bei Eifersucht passiert, ist noch nicht so genau erforscht.
Weitere Ähnlichkeiten gibt es bei den Entstehungsbedingungen: Bestimmte Faktoren, die Drogensucht begünstigen, begünstigen auch krankhafte Eifersucht. Also z.B. ein schwaches Selbstwertgefühl. Man weiß auch, dass Alkoholiker eine erhöhte Anfälligkeit für krankhafte Eifersucht haben.
Insofern ist Eifersucht zwar keine echte Sucht wie Drogensucht, Spielsucht oder Computersucht, aber es gibt durchaus Verbindungen und Parallelen.