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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Wie misst man Temperaturen am absoluten Nullpunkt? Nov 14, 2025
    Show notes

    Der absolute Nullpunkt liegt bei -273,15° C. Das weiß man aber nicht deshalb, weil man den mal irgendwann mit einem Thermometer gemessen hätte, sondern man hat den absoluten Nullpunkt zunächst nur berechnet. Im 17. Jahrhundert beobachtete man, dass sich ein Gas, wenn man es erwärmt, ausdehnt. Wenn man es abkühlt, zieht es sich zusammen. Das folgt einem ziemlich einfachen Gesetz: je niedriger die Temperatur, desto kleiner das Volumen. Als man diesem Zusammenhang auf die Schliche kam, rechnete man aus: Wie kalt müsste das Gas denn sein, damit das Volumen auf Null zusammenschrumpft? So kam man auf einen Wert von -240°C – wohlgemerkt ohne dass man diese Temperatur auch nur annähernd irgendwo „gemessen“ hätte. Das war für das Jahr 1699 schon eine ganz gute Schätzung. Bald war aber klar, dass die Rechnung so nicht gehen kann. Denn man kann sich zwar vorstellen, dass das Volumen eines Gases schrumpft – aber dass es auf Null geht, also gar nicht mehr vorhanden ist, ist erstens unlogisch und zweitens realitätsfremd. Denn jedes Gas wird beim Abkühlen ab einer bestimmten Temperatur etwas ganz anderes machen, nämlich seinen Aggregatzustand ändern – sich also verflüssigen oder sogar gefrieren.

    Temperatur: Bewegung von Teilchen

    Man hat den absoluten Nullpunkt dann auf eine andere Art ermittelt. Temperatur ist physikalisch ein Ausdruck für die Bewegung von Teilchen – beim Gas die Bewegung der einzelnen Moleküle, in einem Festkörper das Zappeln der Atome. Alle Atome haben eine Eigenbewegung, und auch diese Eigenbewegung wird immer langsamer, je kälter es wird. So sagte man: Der absolute Nullpunkt wäre dann erreicht, wenn die Eigenbewegung aufhört, wenn sich die Atome nicht mehr bewegen, also alles total eingefroren ist. Da hat man erst mal nur rechnerisch den Wert -273,15° Celsius ermittelt. Parallel entwickelte man Verfahren, um immer kältere Temperaturen zu erreichen. Man hat Gase verflüssigt, sogar Wasserstoff und Helium, was wirklich eine große Leistung war: Man muss Helium auf 4 Grad über dem absoluten Nullpunkt – also -269° Celsius runterkühlen, damit es sich verflüssigt. Das ist gelungen. Man kann heute im Labor Temperaturen von Bruchteilen von Graden über dem absoluten Nullpunkt erzeugen. Aber man weiß auch, man kann diesem Nullpunkt zwar beliebig nahe kommen, aber erreichen kann man ihn nicht.

    Mehr Messgenauigkeit durch Platindraht und radioaktives Kobalt

    Wenn man diese Temperaturen erzeugt – woher weiß man, wie kalt das Helium ist? Wie misst man das? Das geht natürlich nicht mit der Art von Thermometern, die wir kennen. Die beruhen darauf, dass sich eine Flüssigkeit unter Temperatureinfluss ausdehnt bzw. zusammenzieht. Bei so tiefen Temperaturen ist aber Quecksilber, oder was man sonst nehmen kann, längst gefroren. Tiefere Temperaturen kann man bestimmen, indem man einen Platindraht dazu tut und den elektrischen Widerstand misst. Auch das ist ein physikalisches Gesetz: Je kälter der Draht, desto schwächer der Widerstand. Aber auch diese Methode hat Grenzen. Wenn man dem absoluten Nullpunkt schon ganz nah ist, etwa bei 0,1 Grad über dem Nullpunkt, dann nutzt man spezielle Kristalle, die radioaktives Kobalt enthalten. Das Kobalt zerfällt mit einer bestimmten Rate zu Nickel, dabei entsteht Gammastrahlung. Und je weniger Gammastrahlung man misst, desto näher ist man dem absoluten Nullpunkt gekommen.

    Warum sind Schaumblasen in der Badewanne stabiler als Seifenblasen? Nov 08, 2025
    Show notes

    Seifenblasen sind Einzelgänger, Schaumblasen treten im Verbund auf

    Im Grunde sind Schaum- und Seifenblasen physikalisch das gleiche Phänomen. Der Unterschied liegt darin, dass man bei normalen Seifenblasen vor allem an diese isolierten Blasen denkt, die Kinder gerne durch Pusten herstellen oder die von einer Seifenblasenmaschine erzeugt werden. Solche Blasen sind einzeln, während im Schaum die Seifenblasen ja in einem Verbund sind, mit ganz vielen anderen Seifenblasen zusammenhängen. Um zu verstehen, warum es Seifenblasen überhaupt gibt und warum sie zerplatzen, muss man sich klarmachen, wie sie aufgebaut sind. Die Wand einer Seifenblase besteht aus drei Schichten. In der Mitte besteht sie aus Wasser. Das Wasser wird aber außen und innen umhüllt von den Tensiden – d.h. von den Seifenmolekülen. Also eine Sandwich-Struktur, bei der das Wasser durch die Tensidschicht eingeschlossen, quasi in Schach gehalten wird und daran gehindert wird, einen Tropfen zu bilden oder andere Dinge zu benetzen.

    Warum platzen Seifenblasen?

    Zum einen zerfallen sie ganz natürlich, weil die Seifenflüssigkeit langsam nach unten läuft. Die Blase wird dadurch oben immer dünner und irgendwann reißt sie. Die andere Möglichkeit ist durch Berührung. Wenn ich mit dem Finger eine Seifenblase berühre, passiert Folgendes: Sobald der Finger die äußere Tensidschicht durchdringt, kommt er direkt mit der Wasserschicht in Berührung. Wegen seiner Oberflächenspannung „schmiegen“ sich die Wassermoleküle aber an den Finger, sie benetzen ihn – ähnlich wie wenn man einen Finger auf eine Wasseroberfläche legt – und verdrängen dadurch die Tensidmoleküle. Oder die Tensid-, also die Seifenmoleküle, fließen dem Wasser, das den Finger benetzt, hinterher und reißen hinter sich ein Loch auf. So oder so, am Ende reißt die Wand auf und bringt die Blase zum Platzen. Wie empfindlich eine Seifenblase ist – das wissen wir alle – hängt auch davon ab, wie dick die Wand der Blase ist. Deswegen sind – wenn man Seifenblasen bläst – die großen Blasen empfindlicher, weil dort die gleiche Menge Seifenflüssigkeit ein größeres Volumen umschließt, dadurch ist die Wand zwangsläufig dünner. Genau wie Luftballons immer empfindlicher werden, je mehr man sie aufbläst.

    Schaumblasen: kleiner, dickere Tensidschicht, nicht isoliert

    Chemisch gesehen sind Schaumblasen und normale Seifenblasen ähnlich aufgebaut, aber es gibt ein paar Faktoren, warum sie gegen Berührungen weniger empfindlich sind. Zum einen sind sie in der Regel kleiner, nicht so aufgeblasen, dadurch sind die Wände dicker. Vor allem aber sind beim Schaum die Blasen nicht isoliert, sondern hängen mit ganz vielen anderen Blasen zusammen. Die gesamten Seifenmembranen im Schaum bilden letztlich eine große Oberfläche, über die sich die Seifenflüssigkeit verteilen kann. Wenn man an einer Stelle eine Schaumblase berührt und die Oberfläche infolgedessen etwas dünner wird, dann gibt es im Schaum immer noch genügend Nachschub an Seifenwasser. Deshalb sind die Schaumblasen insgesamt weniger empfindlich gegenüber Berührungen. Es ist aber nicht immer so, dass Seifenblasen sofort zerplatzen, wenn man sie berührt. Es gibt Varieté-Nummern, wo die Künstler oder Clowns mit Seifenblasen jonglieren – diese Blasen haben eine dickere Wand. Seifenblasen halten es sogar aus, wenn ein Regentropfen durch sie durchfällt.

    Führt Kälte zu Erkältungen? Nov 06, 2025
    Show notes

    Nasse Badehosen auf zugigen Fluren und schlotternde Studenten im Keller

    Nein, weder Kälte noch die berüchtigte "Zugluft" lösen Erkältungen aus. Das ist durch viele Experimente belegt. Zum Beispiel gab es schon 1950 einen Versuch in England: Probanden mussten in nassen Badehosen auf einem zugigen Flur ausharren, stundenlang. In nassen Socken auf und abgehen. Anschließend infizierte der Forscher seine Versuchspersonen mit Erkältungsviren. Doch Probanden in der Kälte wurden nicht häufiger krank als Kontrollpersonen, die es warm gehabt hatten. Im selben Jahr führten amerikanische Forscher ganz ähnliche Versuche durch, um den Zusammenhang von Kälte und Erkältung zu zeigen: Spärlich bekleidete Studenten mussten in einem Keller frieren. Eine zweite Gruppe durfte immerhin Winterbekleidung tragen, musste dafür allerdings zwei Stunden in eine Kühlkammer. Das Ergebnis: Beide Gruppen zeigten keine erhöhten Erkältungsraten. Im Jahr 2005 waren es wieder britische Forscher, die Kälte als Ursache für Erkältung aufzeigen wollten. Jetzt mussten Probanden ihre Füße mit Eis unterkühlen. Eine Kontrollgruppe hatte genau gleiche Bedingungen – bis auf das Eis. Diesmal gab es in der Kältegruppe eine minimal erhöhte Erkältungsrate. Doch für einen wissenschaftlichen Beweis für Erkältung durch Kälte war das Ergebnis zu schwach.

    Mehr Viren in der kalten Jahreszeit unterwegs

    Dass es im Winter mehr Erkältungen gibt liegt daran, dass dann mehr Viren unterwegs sind. Aber das ist eher Folge der vermehrten Ansteckungen und nicht Ursache. Ein Grund für die Erkältungssaison könnte ein durch Winterdepression in dunkler Jahreszeit geschwächtes Immunsystem sein. Bewiesen ist das allerdings nicht.

    Nasenschleimhäute schlecht durchblutet und trocken

    Die plausibelste Theorie bezieht sich auf die Nase, die in der Winterluft – auf Wärmebildern kann man das erkennen – auskühlt. Die empfindlichen Schleimhäute sind in der unterkühlten Nase schlecht durchblutet. Hier zirkulieren weniger Abwehrzellen als in einer warmen Nase. So können Erkältungsviren leichter ins Gewebe eindringen. Für Empfindliche ist es also durchaus eine Option, mit einem Nasenwärmer durch die kalte Winterluft zu gehen. Auch trockene Luft in überheizten Winterräumen ist Stress für Nasenschleimhäute. Und wer mehr Zeit in Innenräumen verbringt, hat mehr Gelegenheit zum Austausch von Viren. Der Klassiker: das Wartezimmer beim Arzt. Beihilfe zur Epidemie im besonders schweren Fall. Ein gutes Argument gegen die simple Vorstellung, dass Kälte für Erkältungen verantwortlich ist, liefern Menschen, die Kälte gegen Erkältungen einsetzen. Das ist wahrlich keine Strategie für Warmduscher. Aber: Das winterliche Eisbaden – das sagen vor allem die eingefleischten Kältefans – härtet ab und schützt vor der Erkrankung. Und tatsächlich: Gezieltes Kältetraining stärkt das Immunsystem. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

    Kann man auf Fotos Sonnenaufgang von Sonnenuntergang unterscheiden? Nov 04, 2025
    Show notes

    Sonnenuntergänge tendenziell kräftiger rot und orange

    Egal ob die Sonne auf- oder untergeht: Es sieht auf Fotos immer spektakulär aus. Aber kann man auf Fotos tatsächlich erkennen, ob die Sonne gerade auf- oder untergeht? Jein. Man erkennt es zwar nicht an jedem einzelnen Foto, aber wenn man ganz viele Fotos von Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen vergleicht und analysiert, kann man tatsächlich eine Tendenz feststellen.

    Sonnenuntergang: Abends wird's dreckig

    Sonnenuntergänge sind nämlich in der Regel viel kräftiger rot und orange gefärbt als Sonnenaufgänge. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Luft abends in der Regel schmutziger ist als morgens. Wie kommt das? Im Laufe des Tages heizt sich die Erde auf und dadurch wird die unterste Luftschicht wärmer, dehnt sich aus und wird dadurch leichter. Leichte Luft steigt nach oben, dadurch entsteht ein Aufwind und der transportiert Aerosole, die sich in Bodennähe angesammelt haben, in die Höhe. Aerosole sind kleinste Teilchen; da ist alles dabei: Ruß aus Fabriken, aus Verbrenner-Motoren und aus Schornsteinen, aber auch kleinste Kristalle von Meeressalz und kleine Teilchen aus Saharastaub.

    Schmutzpartikel lassen weniger blaues Licht zu unserem Auge

    Bevor das Licht einer untergehenden oder aufgehenden Sonne unser Auge erreicht, muss es durch diese Luftschicht durch, also an den Aerosolen vorbei. Vereinfacht kann man sagen: Je mehr Schmutzpartikel in dieser Luftschicht sind, desto weniger blaues Licht kommt bei uns an. Denn Sonnenlicht besteht aus unterschiedlichen Farben und wenn die Luft besonders dreckig ist, also abends, wird das relativ kurzwellige blaue Licht besonders stark gestreut. Es wird also von den Aerosolen in der Luft in andere Richtungen abgelenkt, auch in Richtung Weltraum. Rotes Licht dagegen hat eine größere Wellenlänge als blaues und lässt sich von den Schmutzteilchen in der Luft weniger ablenken. Dadurch schafft es rotes Licht leichter durch die Atmosphäre und in unsere Augen. Das passiert abends noch stärker als morgens. Deshalb sind die Farben abends oft kräftiger als morgens. Ist das immer so? Nein. Die Atmosphäre ist dynamisch. Wenn es zum Beispiel kurz vor dem Sonnenuntergang geregnet hat, dann ist die Luft relativ sauber und die Farben wirken nicht viel kräftiger als morgens. Aber ganz grundsätzlich kann man sagen: Die Farben von Sonnenuntergängen sind in der Regel kräftiger als bei Sonnenaufgängen.

    Doppler-Effekt spielt keine Rolle – die Lichtstreuung ist's

    Was man immer wieder liest, ist, dass angeblich der Doppler-Effekt eine Rolle spielen soll. Man kennt das von Sirenen: Wenn ein Polizeiauto oder ein Krankenwagen auf einen zufährt, dann klingt die Sirene heller. Und wenn das Auto vorbeigefahren ist, klingt sie immer tiefer. Bei Licht ist es ähnlich: Bewegt sich eine Lichtquelle von uns weg, werden die Wellen ein kleines bisschen in die Länge gezogen, das Licht verschiebt sich ins Rote. Jetzt könnte man denken: Bei Sonnenuntergang "dreht" sich die Erde "von der Sonne weg", daher die Rotverschiebung. Theoretisch stimmt das. Aber wenn man es ausrechnet, spielt dieser Effekt faktisch keine Rolle. Denn damit dieser Effekt bei Lichtstrahlung eintritt, müsste sich die Erde viel schneller bewegen als sie es tut. Entscheidend für die leichten Farbunterschiede bei Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang ist wirklich die Lichtstreuung in der Amosphäre.

    Warum erinnern sich Alzheimer-Patienten an ihre Kindheit, aber nicht ans letzte Frühstück, Eckart von Hirschhausen? Nov 03, 2025
    Show notes

    Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen. Es gibt ältere und neuere Teile. Zum Beispiel erinnern sich viele an Gerüche aus der Kindheit – die sind im Hippocampus abgespeichert. Das ist ein sehr tiefer, ursprünglicher Teil vom Gehirn. Es ist der Teil des Gehirns, der aber auch für die Bildung und das Abrufen neuer Erinnerungen zuständig ist. Bei Alzheimer-Demenz ist die Region des Hippocampus besonders früh betroffen. Musik wiederum hat die Eigenschaft, dass sie sehr stabile Erinnerungen schafft. Und die Musik, die wir so zwischen 15 und 25 gehört haben, die bleibt sehr lange im Gedächtnis erhalten. Man vermutet, dass sich in dieser Zeit die Identität maßgeblich entwickelt. Ein Mann, den ich für meine Doku getroffen habe, der gar nicht mehr wusste, wohin er gereist ist, wusste noch, wie Bob Dylan klingt und wie das Lied weitergeht. Das hängt damit zusammen, dass Erinnerungen, die schon lange her sind, also vor allem solche aus der Kindheit, oft stabiler sind und stärker in mehreren Hirnarealen verankert. – Wahrscheinlich sind sie also auch außerhalb des Hippocampus abgespeichert, weil sie über die Jahre hinweg oft wiederholt und abgespeichert wurden. Die Erinnerungen sind nicht notwendigerweise sonderlich detailreich oder lebhaft. Stattdessen wurden sie in den Wissensbestand über das eigene Leben und die Identität aufgenommen. Deshalb sind diese Gedächtnisinhalte robuster als die Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit. Wenn eine Person, die an Alzheimer erkrankt ist, also jeden Morgen seit 40 Jahren dasselbe Frühstück isst, wäre das wohl eine eher stabile Erinnerung. War es ein spontanes Frühstück, wäre eine Anekdote aus den Jugendjahren wahrscheinlich viel klarer. Das ist auch ein wichtiger Hinweis auf eine therapeutische Dimension, denn wir können unser Musikgedächtnis nicht nur trainieren, indem wir Musik hören, sondern auch aktiv werden, singen, tanzen, musizieren – und auch wenn man das als Jugendlicher nicht gemacht hat, das lohnt sich in jeder Lebensphase.

    Was bedeutet das für die Therapie?

    Wir bilden ja beim Erinnern immer wieder neue Erinnerungen. Wir rufen also Dinge aus dem Gedächtnis auf, stellen uns Dinge dazu vor und speichern dann beides wieder ab. Da gibt es den Reminiszenz-Effekt. Der ist auch therapeutisch wichtig, indem Menschen, die sich an bestimmte Dinge über einen Alltagsgegenstand, ein Musikstück oder über ein Foto erinnern können, sich dann auch wieder an andere Dinge erinnern können. Auch eine gute Heimversorgung versucht darauf einzugehen, dass man dann zum Beispiel die Tapeten aus der Zeit hat oder auch Fotos von den großen Stars aus der Zeit. Insofern ist dieser Reminiszenz-Effekt therapeutisch wichtig, weil er Sicherheit und Vertrauen geben kann. Manche Alzheimer-Betroffene "springen" gedanklich zurück in die Zeit, in der sie sich noch sicher und orientiert gefühlt haben. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"

    Woher kommt der Begriff "Alzheimer", Eckart von Hirschhausen? Nov 03, 2025
    Show notes

    Die Diagnose "Alzheimer" ist schon über hundert Jahre alt. Der Name geht auf den deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer zurück. Der erkannte 1906 auffällige Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Sprachprobleme bei einer Patientin. Nach ihrem Tod fand er bei der Obduktion die heute charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Das war die Geburtsstunde der Diagnose "Alzheimer-Krankheit" – benannt nach ihrem Entdecker. Der Begriff "Demenz" ist noch älter als "Alzheimer". Den gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert – als Fachbegriff für den geistigen Abbau bei alten Menschen. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt Demenz nämlich so viel wie "ohne Geist" oder "Verlust des Geistes". Dass sich die verschiedenen Formen von Demenz aber auch in ihren Ursachen unterscheiden, hat die Forschung erst im Laufe des 20. Jahrhundert allmählich erkannt.

    Wann haben sich diese Begriffe in der Alltagssprache durchgesetzt?

    Das ging erst so in den 1970er- und 1980er-Jahren los. Die nicht mehr ganz Jungen unter uns werden sich erinnern: Früher hat man oft auch flapsig gesagt, jemand ist "verhuscht" oder "verkalkt" – man hat sich die Ablagerungen im Gehirn landläufig so vorgestellt wie Kalkablagerungen in Wasserleitungen. "Verkalkt" trifft es aber eigentlich nur bei einem Teil der vaskulären Demenzen, bei denen sich Kalzium abgelagert hat. Ansonsten müsste man "vereiweißt" sagen, denn es sind Proteine, die da verklumpen. Erst in den 1970er-Jahren erkannte man zum Beispiel, dass viele ältere Menschen mit sogenannter "seniler Demenz" in Wirklichkeit an Alzheimer litten. Ab den 1980er-Jahren haben auch Prominente beitragen, etwa die Schauspielerin Rita Hayworth oder der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan, der seine Alzheimer-Diagnose öffentlich gemacht hat. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"

    Alzheimer und Demenz – was ist der Unterschied, Eckart von Hirschhausen? Nov 03, 2025
    Show notes

    Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Urteilsvermögen nachlassen. Insgesamt gibt es über 50 Formen von Demenz. Alzheimer ist also nur eine Form von Demenz, aber bei weitem die häufigste. Sie macht etwa zwei Drittel aller Fälle aus. Die Krankheit tritt meist nach dem 65. Lebensjahr auf und gehört zu den neurodegenerativen Demenzen, das heißt, dass sie durch fortschreitenden Nervenzellenabbau hervorgerufen wird. Außerdem wird Alzheimer mit Beta-Amyloid und Tau-Ablagerungen im Gehirn in Verbindung gebracht, die fehlerhaft verarbeitet wurden. Die Symptome von Alzheimer sind vor allem Gedächtnis- und Orientierungsverlust und kommen meist erst schleichend mit dem Alter auf.

    Welche anderen Formen von Demenz gibt es noch und wie unterscheiden die sich von Alzheimer?

    Es gibt neben Alzheimer auch andere Formen von Demenz, die von anderen Störungen im Gehirn ausgelöst werden. Den zweitgrößten Anteil der Demenzerkrankungen nach Alzheimer machen die vaskulären Demenzen aus. Für die sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Diese Art von Demenz tritt beispielsweise nach Schlaganfällen oder in Verbindung mit Bluthochdruck auf. Die Symptomatik beginnt je nach Ursprung oft schleichend, so wie Alzheimer auch. Es kommt aber häufig zu stufenweiser und schlagartiger Verschlechterung. Im Vordergrund stehen meist nicht Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität. Und es gibt auch Mischformen zwischen Alzheimer und vaskulären Demenzen, die machen etwa 10 bis 15 Prozent der primären Demenzen aus. Alle bisher genannten Demenztypen, bei denen wirklich eine Störung im Gehirn vorliegt, bezeichnet man auch als primäre Form. Das sind auch die häufigsten und grundsätzlich irreversibel. Ihr Krankheitsverlauf lässt sich oft lediglich herauszögern. Daneben gibt es aber auch sekundäre Formen von Demenz. Die machen etwa 10 Prozent der Demenzerkrankungen aus und haben den Ursprung außerhalb des Gehirns. Die werden also beispielsweise durch Stoffwechselfehler, Vitaminmangel oder Infektionen ausgelöst – das haben wir auch bei der Post-Covid-Diskussion gehabt, dass auch Virenerkrankungen das Hirn angreifen können. Sekundäre Demenzen sind behandel- und oft heilbar. Wenn die Demenzerkrankung beispielsweise auf Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch zurückzuführen ist, können die Demenzsymptome in manchen Fällen sogar vollständig bekämpft werden – indem man die Grunderkrankung bekämpft.

    Gibt es noch weitere Arten von Demenz?

    Es gibt eine Demenzform, die gerade besonders ins Licht der Wissenschaft rückt, das ist die Frontotemporale Demenz, auch FTD genannt. Das ist die Form von Demenz, an der auch Bruce Willis erkrankt ist. Hier bleibt das Gedächtnis noch recht lange erhalten, stattdessen verschlechtern sich hier oft Impulskontrolle, Sprache bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen. Wie der Name schon sagt, sterben bei dieser Krankheit vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab, von wo aus vor allem Emotionen und Sozialverhalten gesteuert werden. Deshalb zeigt sich hier die Symptomatik vor allem darin, dass die Krankheit das Sprachvermögen und die Persönlichkeit verändert, Betroffene werden beispielsweise vermehrt reizbar, unberechenbar, taktlos oder ungehemmt. FTD kann auch bei jüngeren Menschen auftreten – da ist die Risikogruppe zwischen 50 und 60.

    Können denn auch junge Menschen an Alzheimer-Demenz erkranken?

    Alzheimer-Demenz kommt in den allermeisten Fällen zwar erst ab dem 65. Lebensjahr vor, aber es gibt auch die sogenannte früh-beginnende Alzheimer-Demenz. Die betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Alzheimer-Erkrankten weltweit und kann Menschen schon in den 30ern und 40ern betreffen. Häufig hat das dann genetische Ursachen oder wird von äußeren Faktoren wie Hirnverletzungen oder Umweltfaktoren ausgelöst. Ansonsten sind die Gene nicht der entscheidende Auslöser für eine Demenz, sondern unser Lebensstil, und da kann man viel tun: Nicht rauchen, bewegen, Gemüse – wie immer – eine pflanzenbasierte Ernährung ist gut fürs Herz und gut fürs Hirn. Diabetes behandeln und hohe Blutfette senken hilft auch bei der Vorbeugung. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"

    Warum können wir uns Handgeschriebenes besser merken? Nov 02, 2025
    Show notes

    Schreiben mit dem Stift aktiviert das Gehirn

    Wenn wir mit der Hand schreiben, passiert im Gehirn mehr, als wenn wir nur tippen. Denn über 30 Muskeln und 15 Gelenke arbeiten dabei zusammen – das ist echte Feinarbeit für unser Gehirn. Und genau diese Bewegung hilft uns beim Merken. Die Schreibbewegungen aktivieren das feinmotorische Areal und das visuelle Gedächtnis. Das Gehirn muss viel tun. Wir können uns deshalb gut an den Text erinnern.

    Wenig los im Gehirn: Getipptes A unterscheidet sich nicht sehr vom getippten Z

    Wenn wir Maus und Tastatur benutzen, sind die Bewegungen einfach und wiederholen sich. Egal, ob wir ein A oder ein Z tippen: Die Bewegung ist immer gleich und im Gehirn ist weniger los. Wenn wir also beim Schreiben gleichförmige, repetitive Bewegungen ausführen, merken wir uns den Text nicht so gut.

    Embodied Cognition: Denken, Fühlen und Bewegung hängen eng zusammen

    Für den positiven Merkeffekt ist es nicht notwendig, analog mit Stift und Papier zu schreiben. Denn es geht um die Motorik. Und die kann man genauso gut mit einem digitalen Stift auf einem Tablet ausführen. Hauptsache die Hand ist so richtig in Bewegung. Forscher sprechen dabei von "Embodied Cognition". Das bedeutet: Denken, Fühlen und Bewegen hängen eng zusammen. Somit ist nicht nur die Schreibbewegung für unseren Merkprozesses relevant Auch das Gefühl, den Stift in der Hand zu halten und übers Papier zu streichen, hilft beim Erinnern. Noch besser können wir uns Dinge merken, wenn Gefühle im Spiel sind, denn starke Emotionen setzen Hormone und Botenstoffe frei und im Gehirn ist wieder richtig was los. Genau das hilft beim Erinnern.

    Beim Lesen längerer Texte analog wohl vorteilhafter als digital

    Aber wie ist das beim Lesen? In Deutschland ist das noch wenig erforscht. Doch es gibt Hinweise: Wer sich in einen längeren Text vertiefen will, kommt mit Papier besser klar. Das zeigt auch der Alltag: Besonders junge Leute greifen gerne zum "echten" Buch. Das überrascht. Schließlich ist das genau die Generation, die für lange Bildschirmzeiten bekannt ist. Für kurze Texte oder zum schnellen Überfliegen macht es keinen Unterschied. Da ist digital genauso gut wie gedruckt. Wir halten fest: Wenn man sich an etwas erinnern will, sollte man lieber kritzeln statt tippen und blättern statt scrollen.

    Ist im Winter weniger Sauerstoff in der Atmosphäre? Nov 01, 2025
    Show notes

    Globaler Ausgleich

    Einen messbaren Unterschied bzw. einen, der sich auf uns auswirkt, machen die jahreszeitlichen Schwankungen nicht aus. Aber es ist trotzdem eine interessante, wenn auch eher mathematisch-spielerische Frage. Denn es stimmt: Wenn es weniger Grün gibt, dann produzieren die Pflanzen im Schnitt weniger Sauerstoff. Die Frage ist, ob sich das auswirkt. Da gibt es mehrere Antworten. Die eine ist: Wenn man die ganze Erde betrachtet, dann gleicht sich das etwas aus, denn wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist, ist auf der Südhalbkugel Sommer. Zumindest rein rechnerisch dürfte die Erde global im Großen und Ganzen nicht mehr oder weniger Sauerstoff im Winter oder im Sommer produzieren.

    Tag-Nacht-Schwankung größer als die zwischen Sommer und Winter

    Aber wie sieht es lokal aus, wenn man durch den Park läuft? Gibt es da mehr Sauerstoff oder weniger? Hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Denn nicht nur die Pflanzen produzieren Sauerstoff, sondern Sauerstoff wird auch verbraucht. Von Pflanzen, von Tieren und von Mikroorganismen im Boden. Deren Aktivität ist im Winter aber auch reduziert. Das heißt, die Pflanzen produzieren zwar ein bisschen weniger Sauerstoff, aber es wird auch ein bisschen weniger Sauerstoff verbraucht. Das gleicht sich aus. Vor allem aber: Dieser gesamte Sauerstoffwechsel der Biosphäre ist, gemessen an dem, wie viel Sauerstoff überhaupt in der Atmosphäre ist, minimal. Wir haben 21 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre. Und was wir täglich davon umsetzen – rein in die Pflanzen, raus aus den Pflanzen – das ist vernachlässigbar. Letztlich sind die Schwankungen zwischen Tag und Nacht – nachts verbrauchen Pflanzen ja auch Sauerstoff – größer als die zwischen den Jahreszeiten. Aber trotzdem ist es ein schönes Rechenspiel. Wenn Ihnen also das nächste Mal beim Laufen im Winter die Luft wegbleibt, dann können Sie es leider nicht mehr auf die Bäume schieben, die im Winter weniger Sauerstoff produzieren.

    Warum flackern Kerzen? Oct 30, 2025
    Show notes

    Gleichgewicht bei Wachszufuhr erforderlich

    Wenn es nicht der Wind ist, dann kommt das Flackern meist daher, dass an der Flamme ein Ungleichgewicht zwischen Verbrennung und Brennstoffnachschub besteht. Auslöser ist dabei häufig ein zu langer Docht. Eine Kerze funktioniert ja so: Die Flamme erhitzt das Wachs im Docht, das dann in der Flamme verdampft und vor allem verbrennt – das Gelbe in der Flamme ist ja nichts anderes als die verglühenden Wachsteilchen. Das Wachs, das verbrennt, wird ersetzt durch nachströmendes flüssiges Wachs von unten. Im idealen Fall, bei einer ruhigen Kerze, besteht dann ein Gleichgewicht: Die Flamme verbrennt immer gerade so viel Wachs, wie nachströmt. Zum Flackern kommt es, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist.

    Wachsdefizit löst Flackern aus

    Nehmen wir an, der Docht ist zu lang: Dann kann eine Situation entstehen, in der die Flamme eine relativ große Menge Brennstoff zur Verfügung hat, nämlich alles Wachs, was sich in dem langen Docht befindet. Wenn sie viel Brennstoff hat, flammt sie stärker auf. Weil dadurch aber in kurzer Zeit viel Wachs verbrannt wird, entsteht in dem langen Docht ein Defizit, denn das flüssige Wachs kann von unten gar nicht so schnell durch den langen Docht nachströmen – und plötzlich ist die Flamme unterversorgt, bricht kurzfristig zusammen, wird also sichtbar schwächer. In der Zwischenzeit strömt aber weiter flüssiges Wachs in den Docht, und so wird aus dem Defizit an Wachs im Docht kurz darauf wieder ein Überschuss. Die Flamme flammt erneut auf, und so geht das hin und her – das ist vergleichbar mit dem Stottern eines Automotors, der nicht richtig eingestellt ist.

    Docht kürzen hilft nur kurzfristig

    Man kann Abhilfe schaffen, indem man den Docht ein bisschen kürzt. Aber das hilft oft nur kurzfristig, denn bei den Kerzen, bei denen das einmal passiert, dass der Docht zu lang wird, passiert das in der Regel immer wieder, weil die Dicke des Dochts nicht optimal gewählt ist.

    Kerze ins Gefrierfach

    Unter bestimmten Umständen kann es helfen, die Kerze vor dem Anzünden ins Gefrierfach zu legen. Denn wenn die Kerze kalt ist, braucht das Wachs mehr Energie, um zu schmelzen. So strömt auch nicht so viel Wachs in den Docht nach; die Kerze brennt langsamer ab. Im besten Fall kommt dadurch das Verhältnis von Verbrennung und nachströmendem Wachs wieder ins Gleichgewicht, sodass die Kerze nicht mehr flackert. Aber eine Garantie ist das nicht.

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