Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Spontan würde man wohl sagen: klar! Einmal eine Geldmünze gedrückt oder eine Metallfeder in den Kugelschreiber geschoben – und die Hand riecht offenbar nach Metall. Zumindest hat es den Anschein, als würde in diesen Fällen ein irgendwie gearteter "Metallgeruch" auf die Hand übergehen. Fragt man allerdings Fachleute aus der Chemie, dann beharren die darauf: Metalle sind geruchlos.
Geld stinkt nicht – das wusste man schon im alten Rom. Und biologisch-chemisch gesehen ist das korrekt. Denn der Geruchssinn beruht darauf, dass einzelne freie umherfliegende Moleküle auf die Riechzellen in unserer Nase treffen. Flüchtige Moleküle, die in der Luft sind oder aus anderen Materialien ausgedünstet werden. Aber ein Metall ist im Wesentlichen eine starre feste Struktur, wo kaum etwas ausdünstet.
Es riecht, wenn Schweiß mit Eisen oder Kupfer reagiert
Wenn aber Metalle nicht riechen, wonach riecht dann die Hand, die gerade noch eine Münze gehalten hat? Was da riecht, ist eine chemische Verbindung, die erst beim Kontakt zwischen der Haut und dem Eisen entsteht. Das hat die Wissenschaft auch erst vor etwa 7 Jahren nachgewiesen. Auf jeder Haut befinden sich sogenannte Lipidperoxide – man kann es auch profan sagen: Das sind die sauren Bestandteile von ranzigem Schweiß. Das Eisen verwandelt diese Schweißreste in organische Moleküle. In der Chemie kennt man sie als Aldehyde und Ketone; die riechen ganz anders. Auch mit Kupfer kann das passieren. Wir glauben, dass wir Metall riechen. In Wahrheit riechen wir nur chemisch veränderte Schweißreste. Die riechen wir nicht nur auf unserer Haut, sondern auch das Metall riecht danach, wenn wir diese Metallgegenstände anfassen.
Metallisches Aroma von Blut kommt vom Eisen
Evolutionsbiologisch ist das insofern interessant, weil sich dieses besondere Aroma noch bei einer weiteren Substanz entfaltet, nämlich bei Blut. Das ist jedem schon mal aufgefallen: Wenn man sich in den Finger schneidet und das nächste Pflaster oder Zellstofftuch nicht in Reichweite ist, steckt man den Finger in den Mund. Das schmeckt dann leicht metallisch. Warum? Weil das Blut – insbesondere die roten Blutkörperchen – Eisen in Form von Hämoglobin enthalten. Wenn dieses Eisen mit Haut in Berührung kommt – das passiert bei offenen Wunden – kommt es zur gleichen Reaktion und es entsteht dieses typische pseudo-metallische Aroma. Wir Menschen sind nicht so gut darin, Blut bzw. offene Wunden zu riechen, aber Hunde zum Beispiel können das ganz gut. Das hängt mit der gleichen Reaktion zusammen.
Phosphorverbindungen riechen nach Knoblauch
Der sogenannte "metallische" Geruch ist erstmal immer ähnlich. Es gibt aber noch einen anderen "Metall-Geruch", der nach Angaben der Forschung eher mit Gusseisen und Stahl in Verbindung steht. Manche Menschen haben das Empfinden, als würde das Eisen nach Knoblauch riechen; das klingt merkwürdig. Aber auch da ist es nicht das Eisen an sich, sondern es sind Phosphorverbindungen. Gusseisen und Stahl enthalten sowohl Phosphor als auch Kohlenstoff, und die reagieren, wiederum unter Einwirkung von Schweiß zu organischen Phosphorverbindungen. Und vor allem zwei davon – Methylphosphin und Dimethylphosphin – riechen tatsächlich nach Knoblauch.
Warum heißt der Kontinent "Amerika" und nicht "Kolumbia"?
Jan 26, 2026
Show notes
Kontinent "Amerika" erhält seinen Namen in den Vogesen
Der Kontinent Amerika bekam seinen Namen nicht von irgendwelchen Entdeckern, sondern er wurde in den Vogesen getauft – und zwar vom Kartografen Martin Waldseemüller und seinem elsässischen Arbeitskollegen Matthias Ringmann. Waldseemüller ist in Freiburg im Breisgau aufgewachsen und lernte dort an der Uni den elsässischen Altphilologen Matthias Ringmann kennengelernt. Als Christoph Kolumbus zum ersten Mal den Atlantik überquerte, haben die beiden gerade in Freiburg studiert.
Nach dem Studium zogen die beiden ins Kloster St. Didel nach Lothringen, blieben dort als Wissenschaftler und Lehrer und arbeiteten weiter zusammen.
Martin Waldseemüller und Matthias Ringmann zeichnen 1507 Weltkarte
1507 zeichnete Martin Waldseemüller mit Unterstützung von Matthias Ringmann eine Weltkarte – die erste Weltkarte, in der das, was wir heute unter dem Namen Amerika kennen, als eigener großer Kontinent eingezeichnet war. In diese Landmasse eingetragen steht, relativ klein, der Name, den die beiden sich für diesen Kontinent ausgedacht haben: America. Das taten sie in Würdigung des italienischen Seefahrers Amerigo Vespucci (1451 - 1512).
Warum aber haben sich für die Namensgebung Amerigo Vespucci ausgesucht und nicht Kolumbus? Weil Kolumbus, obwohl er viermal "drüben" war und auch amerikanisches Festland betreten hat, immer davon ausging, dass er irgendwo in oder vor Asien ist. Er hat nie gedacht, dass er in Indien wäre, das ist ein Gerücht. Aber dass er einen neuen bis dahin im Westen unbekannten Kontinent betreten hatte, war ihm auch nicht klar.
Würdigung: Amerigo Vespucci wusste mehr als Christoph Kolumbus
Amerigo Vespucci hingegen, der nach Kolumbus an der südamerikanischen Küste entlangsegelte, hat das schon geahnt. Seine Reisebereichte waren es, auf die sich Martin Waldseemüller beim Zeichnen seiner berühmten Weltkarte stützte. Deshalb war es aus Sicht von Waldseemüller und Ringmann folgerichtig, dass sie den neuen Kontinent nicht nach Kolumbus "Columbia" nannten, sondern nach Amerigo Vespucci "America".
Die weibliche Form America – statt Americo – war vermutlich eine Anlehnung an die bereits bekannten Kontinente: Europa, Afrika und Asia.
Kolumbus hat diese "Schmach" übrigens nicht mehr miterlebt, er starb 1506, also ein Jahr vor Entstehung der Weltkarte.
Die Karte verbreitete sich – auch dank des Booms der Druckkunst – ziemlich schnell in Gelehrtenkreisen, sodass sich Amerika als Name durchsetzte.
Simón Bolívar bringt "Kolumbia" vergeblich ins Spiel
300 Jahre später versuchte zwar der bolivianische Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar, den Namen "Kolumbia" noch einmal zu beleben und rief die unabhängige Republik Columbia aus; die reichte von Peru bis Panama reichte. Aber dieses Großkolumbien zerfiel nach gerade mal zehn Jahren. Nur das heutige Kolumbien hat den Namen behalten; der große Kontinent hieß weiter und bis heute Amerika.
Eines von vier erhaltenen Originalen der Waldseemüller-Karte kann man im Museum im Ritterhaus in Offenburg besichtigen. Es wurde 1993 in der Historischen Bibliothek der Stadt wiederentdeckt. Es ist das einzige für die Öffentlichkeit zugängliche Exemplar.
Olivenöl, Palmfett oder Butterschmalz: Welches Bratfett kann man guten Gewissens verwenden?
Jan 25, 2026
Show notes
Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Pflanzenöle zum Braten durchaus geeignet. Allerdings gilt die Faustregel: Je gesünder ein Öl ist, desto weniger verträgt es hohe Temperaturen. Denn gesund ist ein Öl dann, wenn es viele ungesättigte Fettsäuren enthält. Aber genau die – vor allem die hochwertigen Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren – beginnen schon bei relativ niedrigen Temperaturen zu oxidieren.
Raffiniertes Öl verträgt auch höhere Temperaturen
Das ist auch daran erkennbar, dass das Fett in der Pfanne anfängt zu rauchen. Das ist bedenklich, denn dabei entsteht aus den Fettsäuren das giftige und tatsächlich krebsfördernde Acrolein. Aus diesem Grund sind Rapsöl oder Leinöl – obwohl an sich sehr gesund – zum Braten kaum geeignet. Bei den meisten anderen Pflanzenölen dagegen muss man weniger Bedenken haben. Auch mit Sonnenblumenöl und kaltgepresstem (nativen) Olivenöl kann man gut braten, denn es ist relativ hitzestabil – zumindest bis zu einer Temperatur von 180 Grad. Aber das reicht in der Regel völlig aus.
Man muss dann nur – mehr als bei anderen Fetten – die Pfanne im Auge behalten und darauf achten, dass das Fett nicht zu heiß wird. Ist das Olivenöl raffiniert – also nicht kaltgepresst – verträgt es noch höhere Temperaturen. Das gilt ebenfalls für andere Öle wie Erdnussöl, Sesamöl oder für Kokosfett oder Palmfett. Die aber enthalten mehr gesättigte Fettsäuren, sind also ernährungsphysiologisch nicht so wertvoll.
Faustregeln für Ökobilanz
Wenn man auf seine Ökobilanz achten will, gibt es zwei Faustregeln. Die erste lautet: Naturbelassene Öle sind besser als verarbeitete – also insbesondere gehärtete Fette. Da das Härten von Fett bei hohen Temperaturen stattfindet, muss dafür zusätzliche Energie aufgewendet werden.
Die zweite Faustregeln: Pflanzliche Öle sind besser als tierische Fette. Es ist zwar richtig, dass die Massenherstellung von Palmöl ein großes Problem darstellt, weil dafür vor allem in Südostasien riesige Regenwaldflächen gerodet werden, aber daran ist nicht das Palmöl an sich schuld.
Im Gegenteil: Die Ölpalme ist eine unglaublich ertragreiche Pflanze – das heißt, wenn man ausrechnet, wie viel Öl man pro Hektar Fläche bekommt, dann ist die Ölpalme sehr effizient. Denn um die gleiche Menge Raps- oder Sonnenblumenöl herzustellen, bräuchte man ein Vielfaches der Fläche. Gerade weil die Ölpalme so ertragreich ist, wird sie ja angepflanzt.
Dass noch immer so viele Regenwälder gerodet werden, liegt nicht speziell am Palmöl, sondern am weltweit rasant wachsenden Bedarf an Pflanzenöl insgesamt, und zwar hauptsächlich wegen der Nachfrage nach Biosprit, also Energiepflanzen. Würden die Menschen das Palmöl nur zum Kochen verwenden, wäre der Regenwald längst nicht so bedroht. Allerdings: Da Palm- und Kokosöl meist einen weiten Weg zu uns zurücklegen und meist als gehärtete Fette zum Einsatz kommen, trübt schon allein das ihre Ökobilanz.
Was ist der Unterschied zwischen Schönheit und Attraktivität?
Jan 24, 2026
Show notes
Die beiden Begriffe "Schönheit" und "Attraktivität" werden tatsächlich oft durcheinandergebracht, Das passiert vor allem, wenn man versucht zu erklären, dass vieles von dem, was wir schön finden – vor allem Menschen, Gesichter – evolutionsbedingt sei.
Attraktivität hat mit Symmetrie zu tun, die Entscheidung fällt unbewusst
Forschungen haben schon lange gezeigt, dass Menschen symmetrische Gesichter, aber auch symmetrische Körper attraktiver finden als asymmetrische, gerade bei der Partnerwahl. Das wird damit erklärt, dass die Symmetrie der Körper ein Indikator für Gesundheit ist. Demnach finden wir von Natur aus symmetrische Körper attraktiver als andere. Denn die Chance, dass wir mit einem symmetrisch gebauten Partner gesunde Nachkommen zeugen, ist größer. Das ist Attraktivität.
Schönheitsbegriff ist umfassender
Viele Dinge, die wir schön finden, haben aber mit Partnerwahl und Evolution nichts tun – ob es nun um Musik geht, Kunst oder Architektur. Das ist der erste Unterschied: Schönheit ist viel umfassender.
Darüber hinaus gibt es noch einen fundamentalen Unterschied. Wenn wir etwas schön oder nicht schön finden, ist das immer ein bewusstes Urteil. Wir stellen es fest. Attraktivität dagegen steht dafür, wie wir unbewusst auf etwas reagieren. Attraktiv heißt ja vor allem anziehend. Wovon wir uns angezogen fühlen, hat viel mit Evolution zu tun.
So wie die Wespe sich vom Zwetschgenkuchen angezogen fühlt, springen Mensch auf bestimmte Signalreize bei der Partnerwahl an, bestimmte Körperproportionen oder Gerüche. Beim Menschen springt dann auch das Lust- oder Belohnungszentrum im Gehirn an. Das ist das Hirnareal, das auch aktiv ist, wenn wir eine Tafel Schokolade vor uns sehen oder Sex haben. Dieses Belohnungszentrum – das ist vor allem der Nucleus Accumbens – sitzt ziemlich in der Mitte des Gehirns und gehört zu den evolutionär eher älteren Hirnregionen.
Schönheitsurteil wird bewusst gefällt
Wenn wir dagegen Gesichter oder Musik beurteilen und sagen sollen, ob das schön ist oder nicht, ist eine ganz andere Hirnregion aktiv: die in der Großhirnrinde, im orbitofrontalen Cortex. Die Großhirnrinde ist evolutionär jünger. Dieser orbitofrontale Cortex ist bei Prozessen aktiv, in denen wir bewusst etwas entscheiden.
Das zeichnet Schönheitsempfinden aus: Wir lassen etwas auf uns wirken und stellen bewusst fest, ob es uns gefällt oder nicht. Natürlich kann es sein, dass wir uns dabei auch von der Attraktivität leiten lassen. Es kann aber auch sein – um bei dem Beispiel zu bleiben – dass wir ein Gesicht zwar auf den ersten Blick attraktiv, aber trotzdem nicht schön finden, weil es vielleicht zu glatt erscheint, zu uninteressant, zu unnatürlich oder was auch immer.
Dazu gibt es interessante Experimente. Testpersonen – das waren alles heterosexuelle Männer – wurden Bilder von Gesichtern gezeigt. Die Bilder zeigten sowohl Frauen- als auch Männergesichter. Die Männer sollten zum einen beurteilen, wie schön sie die Gesichter finden. Gleichzeitig hat man gemessen, wie lange sie die Bilder jeweils anguckten. Und es wurde die Aktivität im Belohnungssystem beobachtet. Das Ergebnis war interessant: Bei der Frage nach der Schönheit waren die Männer fair. Sie fanden sowohl männliche als auch weibliche Gesichter schön oder nicht schön. Aber nur die weiblichen Gesichter haben sie länger angeschaut und auch nur bei denen war das Belohnungssystem aktiv. Messbar attraktiv waren für die heterosexuellen Männer bei diesem Versuch also nur weibliche Gesichter, schön dagegen konnten Gesichter beider Geschlechter sein.
Attraktivität und Schönheit können also miteinander zusammenhängen. Aber Schönheit im Sinne von ästhetischem Erleben ist etwas grundlegend anderes.
Warum sind die Tasten am Klavier so seltsam angeordnet?
Jan 22, 2026
Show notes
Normalerweise ist der Schritt von einer Taste zur nächsten in einer Farbe ein ganzer Ton, manchmal aber nur ein halber. Würden stets die weißen Tasten einen ganzen Ton Abstand einhalten und dazwischen die schwarzen Tasten einen halben Ton Abstand repräsentieren, könnten dann nicht alle Tonarten mit dem gleichen Fingersatz gespielt werden?
Im Prinzip eine reizvolle Idee. Es gab auch immer wieder Versuche, genau solche chromatischen Tastaturen einzuführen, aber die haben sich nicht durchgesetzt. Ich persönlich würde da vielleicht auch die Orientierung verlieren, denn diese Grüppchen von je 2 oder 3 schwarzen Tasten helfen ja, sich auf dem Klavier zurechtzufinden und sofort zu sehen: Wo ist das C? Wo ist das F?
Klaviertastatur ist historisch gewachsen
Der Hauptgrund, dass sich eine solche gleichförmige Tastatur nicht durchgesetzt hat, ist wohl eher, dass die Klaviertastatur historisch gewachsen ist. Die Geschichte der Tastatur hängt eng zusammen mit der Geschichte unseres europäischen Musiksystems, vor allem auch der Tonarten. Das ist ziemlich vertrackt, sodass ich die Geschichte hier wirklich nur grob skizzieren kann.
Angefangen hat es mit einer Tastatur, die überhaupt keine schwarzen Tasten hatte, sondern nur aus den heute weißen Tasten bestand. Die heißen auch diatonische Tasten, also C, D, E, F, G, A, H – die Töne der C-Durtonleiter. Das ist keine gleichmäßige Abfolge, sondern da sind zwei Halbtonschritte drin, vom E zum F und vom H zum C.
Warum also diese Abfolge? Diese Töne ergeben sich aus dem Quintenintervall. Die Quinte ist nach der Oktave das wichtigste, weil harmonischste Intervall in der Musik. Wenn man bei einem Ton anfängt, sagen wir beim F, und dann quintenweise hochgeht, erhält man F, C, G, D, A, E und H. Wenn man das noch in die richtige Reihenfolge bringt, ergibt sich die bekannte Tonleiter, die an zwei Stellen einen Halbtonschritt hat, eben beim E und beim H.
Das ist die Erklärung, wie sich diese Tonabfolge akustisch begründen lässt, das heißt, wie es zu den heute weißen Tasten kam.
Weitere Tonarten: dorisch, phrygisch, lydisch
Im Mittelalter gab es neben dem, was wir heute als C-Dur bezeichnen, noch die anderen Kirchentonarten: dorisch, phrygisch, lydisch und so weiter, die im Grunde die gleiche Abfolge von Tönen benutzen, nur ist hier die Stellung der Halbtöne an anderer Stelle. Die dorische Tonleiter fängt nicht mit dem C an, sondern mit dem D. Aber die Töne, die vorkommen, sind an sich die gleichen.
Das heißt, die ursprüngliche Klaviatur, die nur aus den heute weißen Tasten bestand, war ausreichend, um sich in diesem Tonsystem zu bewegen. Man hatte mit den heute weißen Tasten alle Töne, die man brauchte.
Neue Klangräumen erforderten weitere Tasten
Musikerinnen und Musiker wollen damals wie heute immer neue Klangräume entwickeln. Zum Beispiel wollten sie den mehrstimmigen Stücken und Gesängen zusätzliche Stimmen einfügen; da war wieder die Quinte ganz wichtig.
Gehen wir vom F aus eine Quint nach unten, dann landet man beim B. Das gab es in den frühen Tastaturen nicht, deshalb wurde das um das Jahr 1500 herum eingefügt: Die erste schwarze Taste, das B. Und kurz darauf wurden ganz konsequent alle sonst noch fehlenden Halbtonschritte als schwarze Tasten eingefügt.
So ist die Klaviatur, wie wir sie heute kennen, entstanden. Daran haben sich auch Komponistinnen und Komponisten orientiert. Das ist sicher auch ein Grund, warum sich andere Tastaturen später nicht mehr durchsetzen konnten – einfach weil Beethoven oder Chopin ihre Stücke so komponiert haben, dass sie auf der traditionellen Tastatur spielbar sind. Würde man eine neue Tastatur einführen, müssten sich alle Pianistinnen und Pianisten umstellen, beziehungsweise die Stücke wären vielleicht gar nicht mehr spielbar.
12 Halbtöne pro Tonleiter müssen genügen
Die Tastatur ist heute keine reine Quintenstimmung. Es war ein Problem, dass man eigentlich noch viel mehr Tasten gebraucht hätte. Denn zum Beispiel befinden sich das Fis und das Ges auf der Klaviatur auf der gleichen Taste, obwohl es streng genommen zwei verschiedene Töne sind. Aber da hat man sich dann schon früh gesagt: Damit es nicht zu kompliziert wird und wir in jeder Oktave 30 bis 40 Tasten brauchen, ignorieren wir diese feinen Unterschiede und begnügen uns mit 12 Halbtönen pro Tonleiter.
Danke an Annette Otterstedt vom Staatlichen Instrumentenmuseum Berlin für die Hilfe bei der Beantwortung der Frage
Wie ökologisch lebten die Inkas?
Jan 21, 2026
Show notes
Inka trieben keine Überweidung und setzten auf Vorratshaltung
Oft werden die Inka als Ökowegweiser für unsere heutige Gesellschaft gesehen. Das Ressourcen-Management der Inka war selbstsuffizient und nicht im Übermaße ausbeuterisch und damit, wie man heute sagt, nachhaltig. Es gab keine Überweidung, die Landwirtschaft wurde experimentell betrieben, man hat sich drauf eingestellt, Vorräte zu halten, über alle Klimaperioden hinweg. Es wurden Hungersnöte vermieden, man hat aus der Geschichte gelernt.
Die Vorgängerkulturen sind untergegangen deswegen, die Maya auch. Sie waren schon untergegangen, als die Spanier kamen. Die Azteken sind dafür bekannt, dass sie exzessiv Menschenopfer betrieben haben. Das haben die Inka nicht so exzessiv gemacht, wenn sie auch Bergopfer gebracht haben.
Ihr intensiver Anbau in diesen steilen Andenbergen, die sie mit Terrassen übersät haben, was die Erosion verhindert hat, machte eine intensive Bewässerung nötig. Man musste die Bewässerungskanäle drei-, viermal im Jahr reinigen und bearbeiten. Die Inka haben dafür gesorgt, dass sie in Notzeiten durch tausende Speicher mit Mais, Kartoffeln, Quinoa und anderen Nahrungsmitteln gut versorgt waren.
Die Inka betrieben also einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit der Natur, besaßen diplomatisches Geschick in der Politik und waren kunsthandwerklich und technisch eine sehr hochstehende Kultur?
Genau. Und sie vermieden exzessiven öffentlichen Luxus, wie das in den Gräbern der Pharaonen, im alten Ägypten bis zu dem Gräbern der Maya oder anderen berühmten Gräbern der Fall ist, wo man sogar im Jenseits als der große Machthaber da stehen wollte. Das haben die Inka nicht gemacht. Sie haben sich mumifizieren lassen und lebten wie normale Menschen.
Kann ein Mensch zum Atmen mit reinem Sauerstoff auskommen?
Jan 20, 2026
Show notes
100 Prozent Sauerstoff: kurzfristig kein Problem beim Atmen
Grundsätzlich ja – wir können reinen Sauerstoff einatmen, ohne dass wir gleich tot umfallen. Das ist nicht ganz selbstverständlich: Die normale Atmosphäre besteht zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff und nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff.
Natürlich ist der Sauerstoff das, was wir brauchen, was für uns wichtig ist. Trotzdem: Reinen Sauerstoff zu atmen, ist für den Körper etwas anderes als eine Luft, in der der Sauerstoff nur 21 Prozent ausmacht. Kurzfristig ist das kein Problem – in der Notfallmedizin kommt reiner Sauerstoff ja auch zum Einsatz. Das heißt, der Mensch hält das vorübergehend aus.
Sauerstoffgabe per Druckluft: Sauerstoffradikale können entstehen
Auf Dauer ist es aber nicht gesund. Das gilt vor allem, wenn der Sauerstoff über Druckluftflaschen zugeführt wird. Denn normalerweise bilden die Sauerstoffatome Pärchen – immer zwei Atome bilden ein Molekül, deshalb auch die chemische Formel O2.
Wenn wir viel Sauerstoff aufnehmen, steigt die Konzentration und damit auch der Partialdruck von Sauerstoff im Körper. Dann trennen sich diese Pärchen und es entstehen im Körper Sauerstoffradikale, also einzelne Atome. Die können zu Schäden in der Lunge und im Gehirn führen. Man spricht dann von einer Sauerstoffvergiftung. Der Druck ist also ein ganz wichtiger Faktor. Auch Taucher atmen übrigens keinen reinen Sauerstoff. Man spricht zwar landläufig oft von "Sauerstoffflaschen", aber auch in diesen Behältern ist ein Gasgemisch, bei dem bewusst die Druckverhältnisse in der Tiefe berücksichtigt werden: Je tiefer man vorhat zu tauchen, desto geringer ist der Sauerstoffanteil im Atemgas – und zwar meist deutlich geringer als in der Atmosphäre, gerade damit es unter erhöhtem Druck nicht zu einer Sauerstoffvergiftung kommt.
Körper ist an natürlichen Sauerstoffgehalt der Luft von 21 Prozent angepasst
Aus diesen Gründen wird reiner Sauerstoff normalerweise nur sehr kurzfristig in der Notfallmedizin zur Wiederbelebung eingesetzt. Ansonsten ist der menschliche Körper an den natürlichen Sauerstoffgehalt von 21 Prozent optimal angepasst.
Sauerstoff ist reaktives Gas: Waldbrandgefahr bei zu hohem Anteil in der Luft
Mehr Sauerstoff wäre also nicht besser. Im Gegenteil, denn wenn wesentlich mehr Sauerstoff in der Atmosphäre wäre, brächte das andere Gefahren mit sich: Sauerstoff ist ein sehr reaktives Gas. Hätte die Atmosphäre deutlich mehr Sauerstoff, wäre zum Beispiel die Waldbrandgefahr ungleich höher.
Wie ist Jiddisch entstanden?
Jan 20, 2026
Show notes
Kaum Quellen für das Jiddische vor 1350
Das Interessante an Jiddisch ist, dass das Hauptverbreitungsgebiet bis zum Zweiten Weltkrieg Osteuropa war – also Ukraine, Polen, Weißrussland, Litauen. Und die Sprache ist unverkennbar eng verwandt mit dem Deutschen.
Das Jiddische hat sich aus dem Mittelhochdeutschen entwickelt, so viel ist klar. Doch ansonsten liegen die Ursprünge im Dunkeln, sagt Marion Aptroot, Professorin für Jiddische Sprache und Kultur an der Universität Düsseldorf, einer der wenigen Universitätslehrstühle für Jiddisch in Deutschland: "Es gibt kaum Quellen aus der Zeit vor 1350".
SchUM-Städte Speyer, Mainz und Worms wohl nicht Ursprung des Jiddischen
1350 tobte die Pest in Europa, der Schwarze Tod. Es war die Zeit, als Juden als Brunnenvergifter beschimpft und verfolgt wurden. Andere Pogrome waren schon vorausgegangen. Viele Juden flohen aus Süddeutschland in den Osten. Lange Zeit haben die Fachleute hier eine klare Kontinuität gesehen. Am Rhein gab es im Mittelalter die berühmten SchUM-Städte Speyer, Mainz und Worms die Hochkultur jüdischen Lebens in Europa im Mittelalter, die aber spätestens mit der Pest endete. Also lag der Schluss nahe, dass die aus den SchUM-Städten Geflüchteten ihre deutsche Sprache mit Richtung Polen und Litauen nahmen. Doch ganz so war es wohl nicht. Denn die Sprache der Juden in den SchUM-Städten am Rhein zeigt nur wenig Ähnlichkeit mit dem späteren Jiddisch.
Ursprung des Jiddischen vermutlich im Oberdeutschen
Wenn nicht vom Rhein, woher kamen sie aber dann, die deutschsprechenden jüdischen Einwanderer in Osteuropa? Ganz klar ist es nicht, aber zumindest die Struktur des Jiddischen spricht für eine Herkunft im oberdeutschen Raum, also im Sprachgebiet des Alemannischen, vor allem aber Bairisch-Österreichischen bis hin zum Böhmischen.
Die oberdeutschen Dialekte bilden zum Beispiel die Verkleinerungsform nicht auf -chen – sie sagen nicht Städtchen, sondern eben Städtle oder im Jiddischen Schtetl. Das Schwäbische und Bayerische kennt in der gesprochenen Sprache auch kein Präteritum. Man sagt nicht: "Ich war" und "Ich ging", sondern es gibt nur das Perfekt: "Ich bin gegangen" bzw. "bin gewesen". Im Jiddischen ist es analog. Wie im Bayerischen gibt es auch im Jiddischen die doppelte Verneinung. "Ich habe kein Geld" heißt im Jiddischen: "Ikh hab nisht keyn gelt." Und wie in den alemannischen und bairischen Dialekten gibt es im Jiddischen keinen Genitiv. Solche Parallelen sind es, die den Ursprung des Jiddischen im Oberdeutschen Sprachraum vermuten lassen.
"Heutzutage denken wir, dass Orte wie Regensburg, vielleicht sogar Prag, eine bedeutende Rolle gespielt haben", sagt Marion Aptroot.
Jiddisch: kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache
Das Jiddisch hat sich dann aber weiterentwickelt und es ist eben kein deutscher Dialekt, sondern eine eigene Sprache, die auch Wörter aus dem Hebräischen, dem Aramäischen und nach der Flucht in den Osten auch aus den slawischen Sprachen übernommen hat.
Warum haben Frauen so oft kalte Füße?
Jan 19, 2026
Show notes
Männer haben Socken im Bett nicht nötig
Mit solch pauschalen Behauptungen muss man in Zeiten von Sexismus-Debatten vorsichtig sein. "So oft" ist vielleicht übertrieben, aber es scheint Frauen zumindest statistisch öfter zu treffen als Männer. Und auch öfter, als es der Jahreszeit bzw. der tatsächlichen Temperatur entspricht. Frauen sind es auch eher, die die Socken im Bett anbehalten, Männer machen das seltener, und offenbar nicht nur, weil es uncool ist, sondern auch, weil sie es tatsächlich nicht so nötig haben.
Mehr Muskelmasse, mehr Wärme
Der Frauenkörper geht anders mit Wärme um. Männer haben mehr Muskeln – im Verhältnis zum Körpergewicht fast die doppelte Muskelmasse – und Muskeln produzieren nun mal viel Wärme. Diese Wärme verteilt sich im Körper.
Außerdem haben Männer noch einen zweiten Vorteil: Sie haben im Schnitt ein größeres Körpervolumen und somit ein besseres Verhältnis von Körperoberfläche zur Masse. Der Körper gibt somit die Wärme weniger schnell ab. Frauen dagegen sind im Nachteil: Sie produzieren weniger Wärme und speichern diese auch noch schlechter. Beides führt dazu, dass ihr Körper öfter auf "Energiesparmodus" schaltet. Das macht er, indem er sich aufs Wesentliche konzentriert – die inneren Organe, die Körpermitte. Die Versorgung der äußeren Extremitäten dagegen – also Hände und Füße – wird heruntergefahren, weil die es nicht so nötig haben. Denn kalte Füße sind zwar unangenehm beim Einschlafen, aber ansonsten nicht weiter gefährlich.
Weitere Ursachen sind möglich: Schuhe, Blutdruck, Ernährung und mehr
Kalte Füße können natürlich auch noch andere Ursachen haben – enges Schuhwerk, dünne Sohlen, niedriger Blutdruck, Bewegung, Ernährung bis hin zu psychische Faktoren, Aufregung usw. – das spielt alles mit hinein. Allerdings kenne ich keine Studien dazu, ob es auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die sich auf den Fußwärmehaushalt auswirken.
Wie entstehen Morgenrot und Abendrot?
Jan 18, 2026
Show notes
Streuung des Sonnenlichts
Die rötliche Färbung des Himmels – egal ob morgens oder abends – entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts. Wenn das Sonnenlicht durch die Atmosphäre auf die Erde scheint, werden die einzelnen Lichtstrahlen an den Gas-, Staub- und Wasserteilchen in der Atmosphäre gestreut, also umgelenkt.
Dabei spaltet sich das weiße Licht in seine Bestandteile – die Regenbogenfarben – auf. Denn Lichtstrahlen der einzelnen Farben werden unterschiedlich stark abgelenkt. Je energiereicher das Licht, desto stärker die Ablenkung. Blaues Licht zum Beispiel ist kurzwellig und energiereich – es wird deshalb stärker umgelenkt als das energieärmere orangefarbene und rote Licht.
Stellen wir uns nun die Sonne am Morgen- oder Abendhimmel vor. Von ihr gelangen vor allem die flachen Lichtstrahlen zu unserem Auge, die wenig abgelenkt werden – also die rötlichen. Die anderen – die blauen und grünen Anteile des Lichts sind zwar vorhanden, nur werden sie in ganz andere Richtungen gestreut. Deshalb sehen wir sie nicht.
Aus diesem Grund erscheint die Abend- und die Morgensonne meist rötlich. Wenn aber der Himmel großflächig rot ist, kommt meist noch etwas hinzu, nämlich Staub und Wassertröpfchen in der Luft, an denen die flachen Lichtstrahlen noch einmal gestreut werden. Rot ist der Himmel also meist dann, wenn gleichzeitig auch Wolken vorhanden sind – und seien es Schleierwolken.
Warum sagt man: "Abendrot: Schön-Wetterbot – Morgenrot: schlecht Wetter droht"?
Das hängt damit zusammen, dass wir in unseren Breiten meistens Westwind haben und damit auch das Wetter tendenziell von Westen kommt. Beim Abendrot haben wir also meist folgende Situation: Die Sonne steht im Westen, dort am Horizont ist der Himmel klar und wolkenfrei – sonst hätte die Sonne keine freie Bahn. Gleichzeitig stehen zwischen uns als Beobachter und der Sonne irgendwo Wolken, die von der Sonne angestrahlt werden – das macht den Himmel rot. Steht nun die Abendsonne im Westen, befindet sie sich also tendenziell dort, wo gewissermaßen der Wind das Wetter von morgen her weht. Das heißt, dass der klare Himmel – dort, wo wir die Sonne am Abend sehen – morgen bei uns ist. Deshalb Schön-Wetter-Bot.
Beim Morgenrot ist es genau umgekehrt. Dann ist das Wetter im Osten zwar schön, dort scheint die Sonne, aber das nützt nichts, weil von Westen her eine Wolkenfront kommt bzw. schon so weit da ist, dass sie die Sonnenstrahlen abfängt und den Himmel morgens rot erscheinen lässt. Insofern ist das Morgenrot wie ein Abschiedsgruß des schönen Wetters, das nach Osten wegzieht.