TopPodcast.com
Menu
  • Home
  • Top Charts
  • Top Networks
  • Top Apps
  • Top Independents
  • Top Podfluencers
  • Top Picks
    • Top Business Podcasts
    • Top True Crime Podcasts
    • Top Finance Podcasts
    • Top Comedy Podcasts
    • Top Music Podcasts
    • Top Womens Podcasts
    • Top Kids Podcasts
    • Top Sports Podcasts
    • Top News Podcasts
    • Top Tech Podcasts
    • Top Crypto Podcasts
    • Top Entrepreneurial Podcasts
    • Top Fantasy Sports Podcasts
    • Top Political Podcasts
    • Top Science Podcasts
    • Top Self Help Podcasts
    • Top Sports Betting Podcasts
    • Top Stocks Podcasts
  • Podcast News
  • About Us
  • Podcast Advertising
  • Contact
Not in our directory?
Add Show Here
Podcast Equipment
Center

toppodcastlogoOur TOPPODCAST Picks

  • Comedy
  • Crypto
  • Sports
  • News
  • Politics
  • True Crime
  • Business
  • Finance

Follow Us

toppodcastlogoStay Connected

    View Top 200 Chart
    Back to Rankings Page
    Education

    Radiowissen

    Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.

    Advertise
    • Apple Podcasts
    • Google Play
    • Spotify

    Latest Episodes:
    Country-Musik - Der Blues des weißen Mannes Jan 21, 2025
    Show notes

    Es gibt wohl nur wenige Musikrichtungen, die so polarisieren wie Country-Music. Ihre Fans lieben sie als Inbegriff einer patriotisch-konservativen heilen Welt, Skeptiker betrachten sie als verlogene Cowboy-Romantik und reaktionären Farmer-Kitsch. Doch die Ursprünge der weißen Popularmusik liegen nicht in Nashvilles Tonstudios, sondern in der Wildnis der Appalachen. Von Markus Vanhoefer (BR 2022)

    Autorin dieser Folge: Markus Vanhoefer
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Stefan Wilkening, Peter Weiß
    Technik: Regine Elbers
    Redaktion: Andrea Bräu
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Literaturtipps:
    Kurt Wolff: “The Rough Guide to Country Music”. London 2000
    Div. Autoren: “The Rough Guide World Music- Band 2”. London 2000
    Thomas Jeiner: “Das neue Lexikon der Cpuntry-Music“. München 1992
    Johnny Cash/ Patrick Carr: “Cash. The Autobiography”. San Francisco 1997
    Colin Escott: “I Saw The Light”. London 2015 ( Biographie v. Hank Williams)



    Die halbe Erde unter Schutz - Rettungsmaßnahmen für Klima und Arten Jan 20, 2025
    Show notes

    Umweltorganisationen gehen davon aus, dass nur große globale Schutzgebiete den Klimawandel und das Artensterben aufhalten können. 50 Prozent des Planeten müssten und könnten unter Schutz gestellt werden, es sei der günstigste und einfachste Weg. Von Marko Pauli (BR 2021)CreditsAutor dieser Folge: Marko PauliRegie: Irene SchuckEs sprachen: Irina Wanka, Andreas Neumann, Diana GaulTechnik: Monika GsaengerRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Eric Dinerstein, Biologe und Sachbuchautor; Bernie Krause, Natur- und Klangforscher; Günter Mitlacher, Leiter internationale Naturschutzpolitik beim WWF; Jana Ballenthien, Jana Ballenthien, Waldreferentin bei Robin Wood; Pierre Ibisch, Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung; Karin Neumann, Sprecherin Aktionsbündnis "Beltretter"; Ana Bugnot, Ökologin Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Artenschutz und grüne Energie - Lösung für beides möglich?JETZT ANHÖREN Der Biologe Edward O. Wilson - Ein Leben für die ArtenvielfaltJETZT ANHÖREN Podcasttipps: Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:ARD Audiothek | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG "Tierisch! – Entdeckungsreise in die wilde Welt der Tiere" - Der erste lustig-leichte, zoologischen Plauderpodcast mit bodenlos wissenschaftlicher Tiefe. Moderiert von Lydia Möcklinghoff und Dr. Frauke Fischer, zwei wildnisverrückten Abenteurerinnen und studierten Zoologinnen. Hier geht es zum Podcast:EXTERNER LINK | https://weltwach.de/tierisch/ Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecherin Nach der Auswertung von 14.000 Studien zur klimatischen Entwicklung ist der Weltklimarat zu dem Schluss gekommen, dass das Ziel von nur 1,5 Grad Erwärmung wohl nicht erst 2040 überschritten wird, sondern bereits Anfang der 2030er. Dürren, Stürme, Starkregen - Wetterextreme werden sich häufen. Der Meeresspiegel wird ansteigen, bis zum Jahre 2100 im ungünstigen Fall auf bis zu zwei Meter. Zeitgleich findet ein großes Artensterben statt, seit 1970 sind global 68 Prozent der Wirbeltierbestände zurückgegangen. Musik 2 "Path leading to the high grass" - Album: Shenzhou - Komponist: Geir Jenssen - Touch TO 55 - Länge: 0'10 Sprecherin Noch ist es nicht zu spät für Artenvielfalt und Klima. Doch schnelleres und konsequenteres Handeln ist nötig. Atmo 02 Global Safety Net Sprecherin Das Global Safety Net ist eine Studie*, veröffentlicht im Fachblatt Science Advances, in der ein Wissenschaftlerteam ermittelt hat, in welchen Regionen auf der Welt Schutzzonen nötig wären, um das rasante Tempo, in dem Artensterben und Klimaerhitzung voranschreiten, zu verlangsamen. Große Schutzgebiete seien der logische, einfachste und finanziell günstigste Weg, um beides zu erreichen, sagt Eric Dinerstein [Aussprache: Dinnerstein (spitzes s)], US-amerikanischer Biologe und Hauptautor der Studie: O-Ton 01 Dinerstein What is the foundation ... we've done in the paper. Overvoice (männlich) "Zugrunde liegt, dass die Lösung des Problems des sechsten großen Artensterbens, des Verlusts der biologischen Vielfalt und die Lösung des Problems des Klimawandels voneinander abhängen. Man kann das eine nicht ohne das andere lösen. Wenn die Temperatur weiter steigt, verwandelt sich der Amazonas von einem Regenwald in eine Savanne. Wir verlieren dann nicht nur die dort lebenden Arten, sondern auch die Fähigkeit, eine riesige Menge an Kohlenstoff abzubauen. Es ist also eine doppelte Katastrophe. Deshalb ist es so wichtig, eine Lösung zu finden, die beide Probleme angeht, und genau das haben wir in diesem Papier getan." Sprecherin Die angedachten Schutzzonen im Global Safety Net, dem weltweiten Sicherheitsnetz, sind online auf einer Weltkarte zu sehen. Musik 3 "Part 04" - Ausführender und Komponist: Stephan Micus - Album: Ocean Länge: 0'40 Sprecherin Die erste Ebene, grün gezeichnet, lässt die bereits existierenden 15 Prozent Schutzzonen erscheinen. Hinzu kommen fünf weitere Ebenen: Gebiete für seltene Arten und solche mit hoher biologischer Vielfalt, Landschaften für große Säugetiere, derzeit noch intakte Wildnisgebiete und Gebiete zur Klimastabilisierung. Das Team um Eric Dinerstein hat zwei Jahre am Global Safety Net gearbeitet: O-Ton 02 Dinerstein And from there ... and so on. Overvoice (männlich) „Die verschiedenen Ebenen sind aus den wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der verschiedenen Spezialisten für biologische Vielfalt auf der Welt entstanden: Wo gibt es gefährdete Vögel, Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Pflanzen und so weiter.“ Sprecherin Eric Dinerstein war 25 Jahre lang leitender Wissenschaftler beim WWF und dort u.a. beteiligt an Naturschutzplänen in aller Welt. Für das Safety Net am wichtigsten, so Dinerstein, sei der Schutz der tropischen Regenwälder. Diese bedecken zwar nur noch rund sieben Prozent der Erdoberfläche, hier leben aber nach Schätzungen mehr als 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten, und viele davon sind stark gefährdet. Damit dort, aber auch in abgelegenen Gegenden auf der Nordhalbkugel Schutzzonen entstehen können, sei das Engagement westlicher Länder nötig. O-Ton 03 Dinerstein By far the single most important investment ... So that's critical. Overvoice (männlich) "Die bei weitem wichtigste Einzelinvestition, die wir tätigen können, um eine lebendige Biosphäre für künftige Generationen zu sichern, ist die Investition in die Unterstützung indigener Völker, um das Land, das sie beanspruchen, besser zu schützen. Etwa 37 Prozent des Safety Nets wird von indigenen Gruppen bewohnt. Wir können helfen, indem wir diese indigenen Gemeinschaften besser finanzieren und mit ihnen zusammenzuarbeiten - wenn sie sich denn dafür entscheiden, Teil des Safety Nets zu sein, und das ist natürlich ihre Entscheidung. Sprecherin Menschenrechtler geben zu bedenken, dass neue Schutzgebiete bisher oft eingerichtet wurden, ohne dabei die Rechte der indigenen Bevölkerung zu beachten. Das soll hier anders sein, betont Dinerstein. Die Bevölkerung möglicher Schutzgebiete soll ansässig bleiben, ansonsten aber der Kontakt zwischen Menschen und Wildnis stark eingeschränkt werden. Das könnte auch das Aufkommen und die Verbreitung neuartiger Viren verhindern. O-Ton 04 Dinerstein Overvoice (männlich) Durch die Verringerung von Kontaktzonen retten wir nicht nur die Artenvielfalt dieser Wälder, erhalten den Kohlenstoff und schützen unser Klima, wir verringern auch die Wahrscheinlichkeit künftiger Pandemien.“ Atmo 03 Krause 01 - Tropischer Regenwald Sprecherin Was für einzigartige Lebensräume die tropischen Regenwälder sind, ist in den Aufnahmen des Bioakustikers Bernie Krause [Aussprache: Böhrni Krauss] zu erahnen. Krause spricht von "Biophonien" und meint das Zusammenspiel der einzelnen Tierstimmen - ein "Orchester der Tiere"**, in dem jede Tierart eine eigene akustische Nische besetze. Atmo Krause hoch Sprecherin In den tropischen Regenwäldern leben nicht einfach nur Tierarten, hier wird nicht einfach nur CO2 gespeichert, betont Bernie Krause, hier lebten auch unsere Vorfahren einst selbst und eng verbunden mit der Natur. Hier seien die Ursprünge der menschlichen Kultur zu finden. O-Ton 05 Krause Animals taught us to dance and sing ... language, spirituality, medicine from it. Overvoice (männlich) "Aus den Tierstimmen, die aus den Lebensräumen kamen, in denen wir einst lebten, haben wir die Rhythmen, die Melodien und die Anordnung der Klänge herausgehört und nachgeahmt. Wir haben diese natürlichen Gaben dann in unseren musikalischen Ausdruck integriert. Und daraus entwickelte sich nicht nur die Musik, sondern auch die Sprache. Musik 4 "Part 04" - Ausführender und Komponist: Stephan Micus - Album: Ocean Länge: 0'55 Sprecherin Die größten Schutzzonen im Global Safety Net würden weit im Norden der Erde entstehen, in abgelegenen Regionen in Nordasien und Kanada - Lebensraum für große Säugetiere wie Bären, Bisons, Pumas und Luchse. Zwischen den Schutzzonen sind Verbindungsstrecken geplant, mit denen es Wildtieren und Pflanzen ermöglicht werden soll, sich in andere Gebiete auszubreiten. Diese ohnehin notwendige Voraussetzung zum Überleben wird noch wichtiger werden, denn es ist davon auszugehen, dass sich die Bestände vieler Arten räumlich verschieben müssen, da sie aufgrund des Klimawandels zukünftig in ihrem bisherigen Biotop nicht mehr existieren können. Die Verbindung der Biotope spielt im Global Safety Net eine wichtige Rolle: O-Ton 06 Dinerstein How much land would it take ... traveling from A to B to C. Overvoice (männlich) "Wie viel Land würde man benötigen, um alle Schutzgebiete und alle intakten Gebiete der Erde miteinander zu verbinden? Wenn wir das mit 2,5 Kilometer breiten Korridoren tun würden, benötigten wir dafür nur etwa 2,7 Prozent der Erdfläche. Im Falle des Klimawandels können Arten so auch von einem Gebiet in ein anderes umziehen." Sprecherin In Deutschland ist die Verbindung der einzelnen Biotope seit 2002 im Naturschutzgesetz als Ziel verankert, die Bundesländer sollen dafür eigentlich zehn Prozent ihrer Flächen zur Verfügung stellen. Doch davon ist man weit entfernt. Musik 5 "Part 04" - Ausführender und Komponist: Stephan Micus - Album: Ocean Länge: 0'15 Sprecherin Sind alle fürs Safety Net angedachten Ebenen aktiviert, ergibt sich ein riesiges Netz von Schutzgebieten, Kohlenstoffsenken und Verbindungen dazwischen. O-Ton 07 Dinerstein We come up with ... intact habitats on Earth. Overvoice (männlich) „Wir kommen insgesamt auf etwa 46 Prozent der Erdoberfläche, die geschützt werden müssen. 15 Prozent sind bereits geschützt, weitere 31 Prozent müssen hinzukommen, und dann noch ein bisschen mehr für Korridore, die alle intakten Lebensräume auf der Erde miteinander verbinden.“ Musik 6 "Path leading to the high grass" - Album: Shenzhou - Komponist: Geir Jenssen - Touch TO 55 - Länge: 1'17 Sprecherin Die halbe Erde unter Schutz!? - Sehr schwierig das umzusetzen, meint Günter Mitlacher, Leiter Internationale Biodiversitätspolitik beim WWF Deutschland: O-Ton 08 Mitlacher 50 Prozent der Erdoberfläche unter Schutz zu stellen wäre eine riesige Anstrengung. Man muss auch fragen, ob sie zum Erfolg führen würde, weil der Druck ist ja dann noch größer auf den anderen 50 Prozent. Und ob die Verteilung von Land auf dieser Erde so sein wird, dass 50 Prozent quasi für Natur und nachhaltige Bewirtschaftung reserviert werden würde, das glaube ich hat wenig Attraktivität bei Politikern. Musik 7 "Path leading to the high grass" - Album: Shenzhou - Komponist: Geir Jenssen - Touch TO 55 - Länge: 1'17 Sprecherin Entscheidend sei, so Günter Mitlacher, wie in geschützten und ungeschützten Gebieten mit dem jeweiligen Boden umgegangen wird: O-Ton 09 Mitlacher Die Idee ist einfach, dass man Gebiete hat, die anders bewirtschaftet werden, die ökologischer bewirtschaftet werden, und wenn man da schon mal 50 Prozent schaffen würde, dann hätte man schon sehr viel erreicht. Sprecherin Um das rasante Tempo, in dem Klimawandel und Artensterben fortschreiten, abzubremsen, sei die weltweite Aufforstung ein Schlüssel. O-Ton 10 Mitlacher Das ist ein wichtiger Punkt, um kurzfristig und halt auch mittelfristig mit ökonomisch überschaubaren Kosten dem Klimawandel zu begegnen. Und wenn man Wiederaufforstungsprogramme macht in einer ökologischen Weise, dann profitieren natürlich halt auch die Wildartenbestände davon. Da gibt's dann die großen Synergien. Sprecherin Insgesamt, da sind sich Umweltverbände, aber mittlerweile auch viele Entscheidungsträger aus der Politik einig, sind neue große Schutzgebiete unumgänglich. O-Ton 11 von der Leyen 2021, I believe the world turns over new leaf for our planet. Sprecherin Ursula von der Leyen spricht beim Pariser Umweltgipfel One Planet Summit Anfang 2021 davon, dass ein neues Kapitel für den Planeten aufgeschlagen werde, denn 50 Staaten, darunter auch Deutschland, unterstützen das Ziel, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Pläne für den Naturschutz gab und gibt es viele. In Deutschland haben sie meist gemein, dass das jeweilige Ziel weit in der Zukunft liegt und dann dennoch selten erreicht wird. Doch wie sieht praktizierter Naturschutz heute aus, z.B. im Wald, der etwa 32 Prozent der Landfläche Deutschlands ausmacht? Atmo 05 Wald Sprecherin Dem Wald in Deutschland geht es laut Waldzustandsbericht*** schlecht. Das hängt mit dem Klimawandel, aber womöglich auch mit zu intensiver Forstwirtschaft zusammen. 2007 hat die Bundesregierung das Ziel ausgerufen, bis 2020 fünf Prozent der Wälder ganz aus der Nutzung zu nehmen. Heute liegt der Anteil von solchen Naturwäldern bei 2,8 Prozent. Dabei könnten gerade diese einen besonderen Wert für den Arten- und Klimaschutz darstellen: Hier stehen vorwiegend Laubbäume heimischer Ökosysteme, die alt und groß werden dürfen; sie bilden geschlossene Kronendecken, die für ein kühlendes Waldinnenklima sorgen und den Boden vor Sonnenstrahlen und Austrocknung schützen. Wenn hier die Bäume sterben, bleibt das Totholz liegen, was diversen Tier- und Pflanzenarten zu existieren hilft. Jana Ballenthien, Waldreferentin bei Robin Wood kniet vor einem abgestorbenen Baumstumpf: O-Ton 12 Ballenthien Hier können wir das ganze Spektrum des Lebens sehen, wir werden hier unterschiedliche Käfer finden, wahrscheinlich auch seltene Arten, wir werden hier unterschiedliche Pilze finden und auch Mikroorganismen. Und gleichzeitig ist das Totholz auch ein wunderbarer Fundus an Nährstoffen für den kompletten Rest des Waldes, das vermodert jetzt hier so nach und nach über die Jahrzehnte und Jahrhunderte. Sprecherin Im Waldboden herrscht eine riesige Vielfalt: Ein einziges Gramm enthält mehr als 50.000 verschiedene Bakterienarten und mehrere Hundert Meter an Pilzhyphen - von Pilzen ausgebildete Fäden. Regenwürmer und Insekten sind in dieser Welt die Riesen, und so klingt es, wenn sie sich durch den Boden arbeiten: Atmo 06 - Sounding Soil Sprecherin (über Atmo sprechend) Das Schweizer Öko-Akustik-Projekt Sounding Soil**** hat mit speziellen Mikrofonen das Leben im Boden aufgenommen. O-Ton 13 Ballenthien Dieser Humus, das ist ein Erbe, den uns diese Wälder schenken. Er ist unglaublich wichtig für uns. Dieser Humus speichert nämlich nicht nur Feuchtigkeit und Nährstoffe, sondern das ist auch unsere CO2-Senke, das ist unser Speicher. Das ist sozusagen ja ein Zersetzungsprozess, wenn es aber erstmal im Humus ist, dann ist das da auch über Jahrhunderte gebunden. Da kommt das nicht mehr raus. Sprecherin Etwa die Hälfte des von den Wäldern aufgenommenen Kohlendioxids steckt im Holz der Bäume, die andere Hälfte liegt darunter, im Boden. Eine Tatsache, die bei Berechnungen zur CO2-Speicherung im Wald häufig übersehen wird. Der in Deutschland eigentlich heimische Laubmischwald wurde vielerorts durch schnell wachsende Fichten ersetzt. Doch die neuen klimatischen Bedingungen setzen insbesondere Fichten-Monokulturen gerade ein Ende. Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, hat abgestorbene Fichtenhaine aufgesucht, um zu schauen, wie dort nun mit den Böden umgegangen und der zukünftige Wald geplant wird. O-Ton 14 Ibisch Der Waldboden wird fast flächig befahren, die Bäume werden teilweise sogar mit den Wurzeln entfernt. Das sind natürlich die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, um hier einen neuen Wald zu starten. Ich mache mir große Sorgen tatsächlich, wie die Deutsche Forstwirtschaft umgeht, vor allem mit dem Fundament des Waldes der Zukunft, das ist nämlich der Boden. Sprecherin Neben de…

    Full show notes at the publisher

    Gefühle wagen! Für mehr Berührbarkeit und Verletzlichkeit Jan 17, 2025
    Show notes

    Gefühle gehören ins Private, m Job hingegen muss man sich einen dicken Panzer zulegen - so der Mythos. Gefühle wie Angst oder Ohnmacht gelten als unprofessionell. Doch der Preis dieser "Unberührbarkeit" ist hoch: Abstumpfung auch gegenüber den schönen Gefühlen. Von Karin Lamsfuß CreditsAutorin dieser Folge: Karin LamsfußRegie: Irene SchuckEs sprachen: Katja Amberger, Stefan WilkeningTechnik: Lorenz KerstenRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Dr. Andrea Dederichs, PsychologinDr. Christoph Quarch, PhilosophProf. Giovanni Maio, Medizinethiker Uni FreiburgDirk Breitenbach, ehemaliger Polizist und Polizei-PoetRenate Langenbach, Anästhesistin und PalliativmedizinerinHubert Liebertz, ehemaliger Schlachter Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.ZUM PODCAST Linktipps: www.polizei-poeten.de Literatur: Giovanni Maio: Ethik der Verletzlichkeit, Herder 2024 Ankündigung: Barbara Schmitz: Offenheit und Berührbarkeit: Neue Wege zu Verletzbarkeiten und Resilienz, erschein am 12.2.2025 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Dirk Breitenbach, liest vor (0‘11“): Mein Blick fällt auf die laut tickende Wanduhr. 4:30 Uhr. Wann bin ich gestern nach Hause gekommen? Halb zwölf? Oder war es doch erst heute Morgen? Heute kommt die sechste Schicht in Folge. Musik hochziehen O-Ton 2 Breitenbach, liest eigenen Text vor (0‘06“): Jetzt schnell umziehen und nach Hause. Ich möchte meiner Frau möglichst gut gelaunt entgegentreten. Was kann sie für meine Erlebnisse? Sprecherin: Dirk Breitenbach, ehemaliger Polizist. Und Mitglied der Polizei-Poeten: einem deutschlandweiten Netzwerk von Polizisten, die ihre belastenden Erfahrungen nicht verdrängen und abspalten, sondern aufschreiben und im Netz veröffentlichen. Und so ein anderes Bild von vermeintlich knallharten Profis erschaffen. O-Ton 3 Dirk Breitenbach, liest eigenen Text vor (0‘20“): Auf ihre Frage nach dem Tag antworte ich nur, dass viel zu tun war. Hätte ich Ihr alle Gefühle berichten sollen, die Angst etwas verkehrt zu machen? Die Angst davor sich die Verletzungen der anderen ansehen zu müssen, die Angst davor bei einer Einsatzfahrt, oder sonst wie selber verletzt zu werden? Die Angst der Hilflosigkeit oder der Aggressivität anderer nicht adäquat begegnen zu können. Klänge weg O-Ton 4 Dirk Breitenbach (0‘24“) Ich glaub, wir sind schon ziemlich stark. Nur die Art dessen, was auf uns einwirkt. Die Schrecklichkeit, die Intensität dessen, die Vielfalt, die Menge, das verlangt dann auch von einem starken Menschen auch tatsächlich das Allerletzte ab. Weil was wir in einer Woche oder einem Monat erleben, haben viele vielleicht in ihrem ganzen Leben nicht an schrecklichen Dingen, selbst wenn wir nicht stark sind, sind wir immer noch stark. Sprecher: Es gibt so etwas wie ein gesellschaftlich akzeptiertes, ungeschriebenes Gesetz: Im Job und generell im öffentlichen Leben sind vor allem positive Gefühle akzeptiert wie Freude oder Stolz. Vielleicht auch noch Wut. Was zählt, ist ein starker Intellekt. Gepaart mit Tatendrang, Zielstrebigkeit, Entschlossenheit und Durchsetzungsfähigkeit. Eine funktionierende Hülle also. Alle unliebsamen Gefühle wie Angst, Verzweiflung, Verzagtheit, Scham werden ins Private verbannt. O-Ton 5 Andrea Dederichs (0‘19“): Warum tun wir so, als wären wir zu 90 Prozent am Tag bewusste, kognitive Wesen, und diese 10 Prozent Emotionen, mit denen wir nicht umgehen können oder wollen, die sperren wir entweder ein oder bagatellisieren sie, auf jeden Fall aber wollen wir sie kontrollieren. Sprecherin: Dr. Andrea Dederichs ist Psychologin, Emotionsforscherin und Professorin an der Polizeiakademie. Sie schult unter anderem Beamte des Sonder-Einsatz-Kommandos in emotionaler Kommunikation. Trainiert mit ihnen, eine angemessene Sprache für den Druck, den Stress und manchmal auch ihre Todesangst zu finden. O-Ton 6 Andrea Dederichs (0‘29“): Wir machen Folgendes: Wir sagen „Jetzt ist Professionalität, also Emotionen dürfen nicht rauskommen, und was machen wir dann mit diesem aufgestauten emotionalen Ballast? Den wir auch als Ballast wahrnehmen und nicht als etwas, das einfach zu uns gehört? Wir gehen damit in die Privatheit, und wenn’s richtig scheiße gelaufen ist in unserem vernunftbegabten, kognitiven Tag, dann wird’s auch richtig scheiße im Privaten, weil es sich da nämlich komplett entlädt an Ort und Stelle – wo es nicht hingehört! Sprecher: Fühlen ist in der Öffentlichkeit nicht besonders beliebt. Tränen fließen eher im geschützten, privaten Raum. Fühlen heißt auch immer: durchlässig zu sein. Nackt und ungeschützt. O-Ton 7 Dirk Breitenbach, unter Musik, liest eigenen Text vor (0‘14“): Ich weiß jetzt wieder, warum ich Unfälle hasse. Du weißt nie, welcher Schrecken auf Dich wartet. Ist es nur zerknülltes Blech, oder müssen wir Gliedmaßen suchen? Kurz überkommt mich Panik. Das habe ich immer, wenn ich damit rechnen muss, dass es gleich blutig oder sonst wie erschreckend wird. Musik kurz hoch O-Ton 8 Dirk Breitenbach, unter Musik, liest Text vor (0‘16“): Was hätte ich sagen sollen? „Jungs, es war nett mit Euch, aber ich habe gerade das Gefühl von Hilflosigkeit und kann außerdem nicht so gut Blut sehen. Ich würde jetzt gerne wieder fahren. Ich bitte euch, habt Mitleid mit mir?!“ PAUSE Ich schaue zum Notarzt. Unsere Blicke treffen sich. Wortlos schüttelt er seinen Kopf und wendet sich ab. O-Ton 9 Andrea Dederichs (0‘36“): Das ist natürlich ne ganz extreme Situation, auf die man Menschen auch nicht komplett vorbereiten kann. Selbst Leute, die professionell in solchen Berufen arbeiten, also Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter… in so einem Moment passiert eigentlich etwas, was Schutz ist. Und Dinge, die wir in einem Moment vielleicht nicht verarbeiten können, wo vielleicht auch zu viele unterschiedliche Eindrücke aufeinanderprallen, und wir können es nicht mehr sortieren, da macht unsere Psyche so eine Art Cut und verschließt das. Sprecherin: Die Psychologin Andrea Dederichs sagt: emotional berührbar sind wir sowieso. Immer. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. O-Ton 10 Andrea Dederichs (0‘20“): Bei solchen Berufen würde ich mir wünschen, dass es jede Woche ein Forum gibt, unabhängig vom Anlass, dass Menschen darüber sprechen, was sie gerade für Schwierigkeiten haben im Job, aber was auch gut läuft. Also dass es wirklich ritualisiert wird, über die eigenen Emotionen im professionellen Kontext zu sprechen. Sprecher: Gemeint ist dabei jedoch nur die echte, authentische Emotion. Also sind nicht diejenigen, die auf Knopfdruck während der Konferenz in Tränen ausbrechen, weil sie gerade ihren Willen nicht durchsetzen konnten. Oder die mit ewigen Dramen versuchen, andere zu manipulieren. Musikakzent Sprecher: Die Frage nach der Berührbarkeit, dem Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit stellt sich in vielen Berufen. Sie taucht überall dort auf, wo Menschen mit dem Leid anderer konfrontiert sind: nicht nur bei Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften, auch bei Profis, die in medizinischen, therapeutischen und sozialen Berufen arbeiten. Sprecherin: Der Philosoph Dr. Christoph Quarch hat an einer Fachhochschule für pädagogische Berufe das Fach Ethik unterrichtet: O-Ton 11 Christoph Quarch (0‘26“): Da gibt es eine Doktrin, die sagt: Du musst dich von jeder emotionalen Bildung zu deinen Klienten freihalten. In dem Bereich würde ich dem vehement widersprechen. Ich glaube, dass man als Pädagoge und auch als in sozialen Berufen tätiger Mensch seine Arbeit nicht machen kann, ohne ein hohes Maß an Empathie und Berührbarkeit und auch Mitgefühl zu kultivieren. Sprecher: Nur wer nichts fühlt, ist stark. Vermeintlich. Fühlen macht schwach, angreifbar, verwundbar. So empfinden es viele. O-Ton 12 Christoph Quarch (0‘37“): Generell würde ich sagen ist das Gefühl in der Arbeitswelt ein ganz entscheidender Faktor. Und nicht nur in sozialen Berufen und nicht nur in Pflegeberufen. Das Gleiche gilt für ne Bank und für ne Versicherung, und am Ende gilt’s wahrscheinlich auch sogar für die Justiz und von mir aus sogar für die Bundeswehr! Auf der anderen Seite würde ich eben doch sagen: Wenn man sich jetzt emotional völlig fallen lässt und sich ohne Rücksicht auf Verluste von seinen Emotionen auch davontragen lässt, ist es auch nicht professionell. Es geht darum, eine gute Kultur des Fühlens zu entwickeln. Und die wird leider Gottes an den Ausbildungsstätten in der Regel nicht vermittelt. Sprecher: Es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen Fühlen einerseits und Verdrängen und Abgrenzen andererseits. Was mag die Richterin fühlen, wenn sie einen Menschen durch ihr Urteil hinter Gitter bringt - und vielleicht eine Familie auseinanderreißt? Der Chirurg, während er ein Bein amputiert. Mitgefühl? Schwer zu leben. Bestimmte Professionen, bestimmte Rollen verlangen ein hohes Maß an Abgrenzung. Folgenden O-Ton in Klänge einbetten: O-Ton 13 Renate Langenbach (0‘18“): Es gab Situationen, da musste man diesen kleinen Säugling mit nem winzigsten Tubus intubieren, man hatte ne kleine Maske und hatte überhaupt ne Riesenangst davor, diesem kleinen Etwas dann auch noch mal weh zu tun. Das war für mich das Stressigste und das Aufregendste und das Schwierigste in dieser Zeit der Anästhesie. Sprecherin: Dr. Renate Langenbach, Anästhesistin. O-Ton 14 Renate Langenbach (0‘17“): Ich durfte es im Nachhinein meinen Kollegen sagen, aber als ich dann in der Situation in der ich als Ärztin in der Anästhesie diejenige war, die die Verantwortung auch hatte, musste ich Kenntnis haben, musste ich Fertigkeiten haben und musste eine gewisse Souveränität haben. Sprecher: Ein Profi fühlt nicht, er funktioniert. Das ist oft das Dogma. Doch schlimmstenfalls wird der Profi dadurch vor allem eins: stumpf, leer und unlebendig. Sprecherin: Der Medizinethiker Prof. Giovanni Maio von der Uni Freiburg sagt: Ein Grund dafür liegt auch im falschen Verständnis der eigenen Verletzlichkeit. Wer verletzlich ist, der macht sich angreifbar, so der weitverbreitete Glaube: O-Ton 15 Giovanni Maio (0‘35“): Die Verletzlichkeit ist natürlich negativ konnotiert, aber wenn wir vertiefter drüber nachdenken, werden wir feststellen, dass wir diesen Modus der Verletzlichkeit brauchen, denn nur wenn wir verletzungsoffen sind, werden wir uns selbst auch entwickeln können. Nur dadurch, dass wir wissen: Wir sind verletzlich, können wir uns einfühlen in andere; wenn wir meinen, wir wären vollkommen unverletzlich im Sinne einer Unabhängigkeit, dann wähnen wir uns als selbstmächtige Herrscher über uns selbst. Sprecher: Natürlich erwarten wir von Helfern stets einen kühlen Kopf und kontrolliertes Eingreifen! Wer wünschte sich allen Ernstes unkontrollierte, gefühlsduselige Profis? Ein Polizist, der am Einsatzort weint? Oder einen Anwalt, der in Mitgefühl für seinen Mandanten versinkt? Eine Notärztin, die im Schockraum überflutet wird von ihren Gefühlen? Es kann durchaus sinnvoll sein, den Kopf ein und das Gefühl weitgehend auszuschalten – allerdings nur vorübergehend! O-Ton 16 Renate Langenbach: (0‘13“) Auf einem chirurgischen Visitenwagen stand geschrieben: „Bevor du in dieses Zimmer trittst, denke daran, dass die Wunde, die du eventuell öffnest, zu einem Menschen gehört, und konzentriere dich auch auf diesen Menschen!“ O-Ton 17 Giovanni Maio (0‘26“): Je mehr wir uns selbst als verletzliche Wesen empfinden, desto mehr erkennen wir auch das Kostbare, was zerrüttet werden könnte. Die Verletzlichkeit ist ja auch ein Appell. Wenn wir uns vergegenwärtigen: Die anderen sind verletzlich, so wie ich, ist es ein Appell, alles dafür zu tun, damit die anderen nicht verletzt werden. Wir teilen diese Verletzlichkeit, und insofern gehören wir Menschen alle zusammen, im Bewusstsein dieses Bandes, das uns letzten Endes alle zusammenführt. Musikzäsur Sprecherin: Natürlich gibt es Orte, wo Profis weich und gefühlvoll sein dürfen: Bei Supervisioren, Psychologinnen oder Seelsorgern. Für den Polizisten Dirk Breitenbach war das nie eine Option. O-Ton 18 Dirk Breitenbach (0‘40“): Es natürlich ein Schritt, zu sagen: „Hier, das war jetzt gerade zu viel für mich, das erfordert tatsächlich Mut und man muss auch das Gefühl haben, dass man in einem Kreis ist, der das auch akzeptiert und hinnimmt, wo man dann nicht nachher gemobbt wird und irgendwelche Ressentiments zu befürchten hat. In einem Klima, wo alle stark sind, ist es schwierig, selber zu sagen „jawohl, ich bin hilflos, ich brauche Hilfe!“ Weil ich fest überzeugt war, ich brauche das nicht. Auch die Kollegen, denen ich gesagt hab: „Nehmt das doch in Anspruch“, die haben gesagt „Ich brauch das nicht. Das ist Quatsch! So schlimm war das jetzt gar nicht. Da gibt’s viel schlimmere Sachen!“ Heute rückblickend würde ich sagen: Hätte ich doch mal besser das ein oder andere in Anspruch genommen, einfach damit es raus kann. Damit dieses Ventil mal geöffnet wird. O-Ton 19 Andrea Dederichs (0‘15“): Ich behaupte ja, dass allein die Tatsache, dass ich darüber sprechen kann und es so etwas gibt, jemand, der mich versteht und nicht sagt: „Sag mal, was bist du denn fürn Bulle? Willste Sozialarbeiter werden?“ führt dazu, dass man gestärkter in den Job geht, und dann schafft man das auch! Sprecher: Sprechen über Zweifel, über Grenzen, Überlastung, Versagensängste, über Albträume – also über all das, was Menschen in diesen Berufen so umtreibt. Das würde eine völlig neue Kultur in Einrichtungen, aber auch in Unternehmen erfordern. Weg von der Coolness, hin zur Menschlichkeit und Lebendigkeit. [[ O-Ton 20 Christoph Quarch (0‘30“): Wir zahlen letztlich den Preis der Lebendigkeit, wenn wir meinen, wir müssten uns von unseren Gefühlen fernhalten. Wir werden dann zu einer erkalteten, erfrorenen Gesellschaft, und das kann niemand wünschen. Mir scheint es so zu sein, dass wir Menschen dann am meisten bei uns selber sind, dass wir dann am lebendigsten sind, wenn wir fühlen. Und um fühlen zu können, müssen wir uns berührbar machen.]] Sprecher: Wünscht sich die Gesellschaft überhaupt berührbare Menschen? Würde die Wirtschaft noch reibungslos funktionieren, lebten die Menschen ihre Berührbarkeit offen aus? Würden nicht ganze Branchen zusammenbrechen, wenn die, die dort arbeiten, plötzlich ihre Zartheit und Verletzlichkeit wieder zulassen würden? O-Ton 21 Hubert Liebertz (0‘13“): Emotionslos. Das erste Mal emotionslos. „Hier hast du nen Schussapparat, dein erstes Tier!“ Man denkt nicht drüber nach. Man verschwendet keinen Gedanken an das Tier selber. Sprecherin: Hubert Liebertz hat erst eine Lehre als Metzger gemacht und dann sechs Jahre lang im Schlachthof gearbeitet. Tiere töten und zerlegen. Das war seine tägliche Arbeit. Das Tier, das vor ihm auf der Schlachtbank lag, hat er nicht als fühlendes Wesen wahrgenommen. O-Ton 22 Hubert Liebertz (0‘22“): Es war wie ein Stück Holz, es war nichts Lebendes. Es war einfach nur… ja… Job! Man hat auch nicht viel Rücksicht auf die Tiere genommen. Wenn man im Nachhinein zurücksieht, ist es schon ziemlich grausam. Man verändert sich in dem Sinne, dass man härter wird. Man wird zu sich selber härter, man wird zu seiner Familie härter, meine Mutter hat damals mal gesagt „Junge, zu verrohst!“ Sprecherin: Viele Grausamkeiten hat der Schlachter erlebt. O-Ton 23 Hubert Liebertz (0‘23“): Wenn Pferde geschlachtet werden, Schweine, Rinder, wenn Sie sehen, was die für ein Theater machen. Was meinen Sie, wie das Tier getrieben wird?…

    Full show notes at the publisher

    Das Gürteltier - Gepanzerter Sonderling und Superheld des Tierreichs Jan 16, 2025
    Show notes

    Sie sind die X-Men unter den Tieren: Ihr Superheldenkostüm ist ein Panzer aus beweglichen Hornplatten. Dabei sind sie Säugetiere! Die einzigen auf der Welt mit einem Panzer. Und jede Gürteltierart hat ihre eigene Superfähigkeit. Von Katharina Hübel (BR 2021)


    Versklavt im Mittelmeer - Als Christen und Moslems sich jagten Jan 16, 2025
    Show notes

    In der frühen Neuzeit gab es rund ums Mittelmeer viel Sklaverei. Christen und Moslems gleichermaßen kaperten Handels- und Pilgerschiffe und verkauften Menschen auf riesigen Sklavenmärkten in Europa und Nordafrika. Deren Berichte wurden ein beliebtes literarisches Genre. Von Brigitte Kramer (BR 2022)

    Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Hemma Michel, Benedikt Schregle, Gudrun Skupin
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Im Interview:

    Mario Klarer, Literaturwissenschaftler, Universität Innsbruck

    Juliane Schiel, Historikerin Universität Wien

    Teresa Peláez, Historikerin, Universität Valencia.

    Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:
    Ware Mensch - Der transatlantische Sklavenhandel HIER

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

    Literaturtipp:

    Mario Klarer (Hg.): Verschleppt, Verkauft, Versklavt. Deutschsprachige Sklavenberichte aus Nordafrika (1550–1800), Böhlau Verlag Wien Köln Weimar, 2019

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.



    Warum Verzicht so schwer fällt - Und warum weniger mehr sein kann Jan 15, 2025
    Show notes

    Verzicht klingt nach Entsagung und Verlust. Wem die Überzeugung fehlt, dass sich Nein-Sagen lohnen kann, tut sich schwer. Deshalb finden Aufrufe zu nachhaltigeren, sparsamen Lebensstilen so wenig Resonanz. Von Justina Schreiber CreditsAutorin dieser Folge: Justina SchreiberRegie: Susi WeichselbaumerEs sprach: Katja AmbergerTechnik: Christiane Gerhäuser-KampRedaktion: Susanne Poelchau Im Interview:Prof. Dr. Dr. Ingo Balderjahn, Betriebswirtschaftswissenschaftler + Konsumforscher, Angela Mauss-Hanke, PsychoanalytikerinUnd noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Meine Challenge Kann ich ohne Schlaf überleben? Wie überwinde ich meine Höhenangst? Und wie viel Nazi steckt in mir? Spannende Fragen, aber wer hat schon Lust, all das selbst auszuprobieren? – Kein Problem, denn Reporterin Daniela Schmidt stellt sich alle zwei Wochen einer neuen Herausforderung und nimmt euch mit, wenn Wissenschaft ihr Leben zum Abenteuer macht! Literatur: Ingo Balderjahn: Lust auf Verzicht, gekom Verlag 2024 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN: Nur eine Mahlzeit am Tag, und die darf kein Fleisch, keine Milchprodukte und keine Eier enthalten. Ganz schön karg! Doch die Mönche des Mittelalters kannten ihre Tricks, um die strengen Fastengebote vor Ostern zu umgehen. Sie ließen sich Fische, Biber, Truthähne und anderes Geflügel umso reichlicher schmecken. Mit der Begründung: laut Schöpfungsbericht hätte Gott die Fische und Vögel nicht am selben Tag erschaffen wie „die Tiere auf dem Lande“, die klassischen Bratenlieferanten Schwein oder Rind, die ja wohl mit dem Begriff „Fleisch“ gemeint waren. Man kann die listigen Klosterbrüder schon verstehen. Verzichten „zu müssen“ fällt dem Menschen einfach schwer, sagt der Konsumforscher Ingo Balderjahn. O-TON 01: (Balderjahn) „Der Mensch verzichtet nicht gerne. Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 2002, das ist der Daniel Kahneman, der hat das sehr gut herausgearbeitet. Seine Theorie heißt „prospect Theory“, dass das Wesen des Menschen schon ist, dass der Mensch eine Verlustaversion hat. Das stellt sich in Studien sehr stark da. Also Verluste sollen vermieden werden, auf die Zukunft hingeschoben werden, Verluste schmerzen und führen zu emotionaler Betroffenheit.“ MUSIK Opposing forces M00537747 101 0.47 SPRECHERIN: Abzuspecken und etwas Wohlstand aufzugeben, wird logischerweise als Einschränkung empfunden. Man stellt sein Konsumverhalten deshalb auch nicht ständig in Frage. Schließlich trinken andere Leute ebenfalls Alkohol, obwohl er als ungesund gilt, oder machen Kreuzfahrten, obwohl man sie aus Umweltgründen vielleicht besser sein lassen sollte. So tickt der Mensch. Er vergleicht und hat insgeheim Angst, meint Ingo Balderjahn. Angst, etwas her- oder aufgeben zu müssen. Zu kurz zu kommen, drauf zu zahlen. O-TON 02: (Balderjahn) „Man möchte auf Deubel-komm-heraus den Wohlstand und den jetzigen Status, oftmals sind ja auch andere Dinge damit verbunden, Macht und Ansehen. Oder das Schlimmste ist ja, was Menschen sich vorstellen können, sozial abzusteigen. O-TON 02: (Balderjahn) Sie müssen, was weiß ich, ihren Ferrari da vor der Tür wieder verkaufen oder so was, das geht ganz emotional an die Substanz.“ SPRECHERIN: Auch wenn es „nur“ um materielle Dinge geht. Aber was heißt „nur“? Für die mittelalterlichen Mönche waren die strengen Fastengebote oft eine weitere Zumutung im harten Kampf ums Überleben, wenn Ernten ausfielen oder Krieg herrschte. Die Angst vor dem leeren Teller, die Angst vor dem Nichts hat schlicht biologische Ursachen. Nur so lässt sich der fast schon reflexhafte Widerstand erklären, etwa wenn einem von der Politik „jetzt auch noch“ die freie Fahrt auf Autobahnen genommen werden soll. Bloß nicht darben, bloß nicht verzichten müssen. Der Kampf gegen aufgezwungene Askese geht bereits mit der Geburt los, sagt die Psychoanalytikerin Angela (Anschela) Mauss-Hanke: MUSIK Unfolding feelings Z9356382 032 0.32 O-TON 03: (Mauss-Hanke) „Im Mutterleib geht ja alles von selber. Es gibt auch noch keine Bedürfnisse nach irgendetwas, weil das Atmen, das Essen ist einfach ein Ineinander, was von selber funktioniert. So, und dann flutschen wir da durch und kommen auf die Welt. Und warum finden wir es normal, dass jedes Baby schreit, wenn es auf die Welt kommt? Weil: es ist zum Schreien. Nix ist mehr von selber. MUSIK Frames of motion Z93582 002 0.37 O-TON 03: (Mauss-Hanke) Ne, es muss plötzlich aktiv atmen. Das Essen ist nicht immer von selber da, und von Anfang an ist eigentlich das Leben eine Übung im Verzicht darauf, dass Bedürfnisse sofort und unmittelbar befriedigt werden. Und das ist ein ganz langwieriger Lernprozess.“ SPRECHERIN: Erwachsen zu werden, bedeutet aus psychoanalytischer Sicht: das innere Lustprinzip, das alle Wünsche erfüllt haben will, und zwar flott, mit dem äußeren Realitätsprinzip in Einklang zu bringen. Denn die totale Bedürfnisbefriedigung ist auf Erden leider unmöglich. Man kann selbstverständlich trotzdem Größenfantasien und Anspruchsdenken pflegen - nach dem Motto: „Es muss für mich Kaffee aus dem Vollautomaten sein. Sonst ist die Laune im Eimer.“ Aber wir kommen als mehr oder weniger soziale Wesen nicht umhin, laufend ureigene Triebe, Wünsche und Ziele aufzuschieben, umzulenken oder zu ignorieren. Sonst gäbe es nur noch Hauen und Stechen und das Wehklagen wäre groß. Je nach Erziehung, Persönlichkeit und Einflüssen gelingt die notwendige Selbstregulation mal besser, mal schlechter. MUSIK Unfolding feelings Z9356382 032 0.18 O-TON 04: (Mauss-Hanke) „Gehen wir noch mal ganz zurück. Das Baby hat Hunger und schreit, das weiß noch nicht, ich werde nicht sterben, wenn ich jetzt eine Minute warte oder 5 Minuten. Das muss es wirklich durch Erfahrung lernen und je befriedigender oder je unproblematischer, unkomplizierter die Erfahrungen sind, desto leichter lässt sich das auch lernen. Je mehr ich mich darauf verlassen kann, naja, ich muss ein bisschen Geduld haben. Und dann kommt das schon. Dann kann ich auch besser Geduld haben. Wenn es aber unsicher ist, wenn ich nicht weiß: oh, kriege ich jetzt was, kriege ich nix. Wie lange muss ich warten? In so einer unsicheren Bindung, dann wird es auch schwer zu verzichten.“ (oben) MUSIK Sunnylands Z8034859 109 0.33 SPRECHERIN: Der amerikanische Psychologe Walter Mischel (Betonung auf der zweiten Silbe) führte von 1968 bis 74 an der Stanford University ein Experiment durch, das unter dem Namen Marshmallow-Test berühmt und seither vielfach (auch mit Tieren) wiederholt wurde. Vierjährige Kinder wurden damals vor die Wahl gestellt: sie könnten sofort ein Marshmallow essen. Wenn sie es jedoch schafften, eine Weile zu warten, bekämen sie ein weiteres süßes Schaumstück dazu. O-TON 05: The Marshmallow Test (youtube.com) bei 0:26 Kurz frei, dann drunter: MUSIK Sunnylands Z8034859 109 0.44 SPRECHERIN: Videoaufnahmen, die auch im Internet zu finden sind, zeigen, wie die Jungen und Mädchen mit sich ringen und zum Teil den Kampf um ihre Selbstbeherrschung verlieren. Über Jahre hinweg überprüfte Walter Mischel, wie sich die Kinder, die Standhaften und die Verführbaren, jeweils kognitiv und sozial weiterentwickelten. Sein Ergebnis: Kinder, die warten konnten beziehungsweise darauf vertrauten, dass sie die versprochene Belohnung erhalten werden, zeigten später auch beim Lernen oder in anderen Stresssituation mehr Frustrationstoleranz als die, die fast schon reflexhaft nach dem Marshmallow griffen. Das wirkt einleuchtend. Doch Wünsche aufzuschieben ist letztlich leichter als sie komplett aufzugeben. Was zum Beispiel beim Thema Umweltschutz eigentlich viel öfter angezeigt wäre, meint der Konsumforscher Ingo Balderjahn. Etwa ein konsequentes Nein zum neuesten Elektronikteil. Denn: O-TON 06: (Balderjahn) „Ob ich mir jetzt nun ein Smartphone kaufe oder in einer Woche, ist dem Klima höchstwahrscheinlich egal.“ SPRECHERIN: Aber wirklich ganz darauf verzichten ohne irgendeine Belohnung? Schwierig. Religionen vertrösten ihre Gläubigen ja gern auf ein Paradies im Jenseits, in das sie eintreten werden, wenn sie sich an alle Regeln halten. Aber nehmen wir einmal an, jemand entscheidet sich, aus Umweltgründen auf den Flug nach Thailand oder die Autofahrt in die Provence zu verzichten, und reist stattdessen mit der Bahn ans andere Ende Deutschlands. In überfüllten, verspäteten Zügen unterwegs zu sein, ist kein Vergnügen. Wie sieht hier – bitte schön - die Gratifikation aus? O-TON 07: (Balderjahn) „Das Gute, was man tun kann, um den Klimawandel zu verhindern, kommt ja auch später, in zehn, 20, 30 Jahren.“ SPRECHERIN: Aber wer weiß das schon so genau! Prognosen sind keine Versprechen. MUSIK Jolly Stroll Z8036179 120 0.44 SPRECHERIN: Der Begriff des Verzichts stammt aus der mittelalterlichen Rechtssprache. Wer einen Rechtsanspruch aufgab, übte Verzicht oder Verzeihung, wie man noch bis ins 18. Jahrhundert gleichbedeutend sagen konnte. Man entsagte oder verzichtete, um eine Schuld auszugleichen und die gegnerische Partei zufrieden zu stellen. Deshalb liegt bis heute das „Um zu“ so nahe. Man verzichtet auf Kohlehydrate oder Fett, um abzunehmen. Man spart Geld, um den Kindern etwas schenken zu können. Man verzichtet auf einen Seitensprung, um die Ehe nicht zu gefährden. Wenn sich nun aber kein einleuchtender Grund fürs Knapsen, keine „gefühlte“ Not-Wendigkeit finden lässt? Dann kauft man sich eben zweimal im Jahr neue Klamotten oder gönnt sich den One-Night-Stand. Verzicht braucht schon ein gewisses Maß an innerer Zustimmung, bestätigt die Psychologin Angela Mauss-Hanke. Sonst funktioniert der Deal nicht gut: O-TON 08: (Mauss-Hanke) „Wenn ich von außen gesagt bekomme: du, das wäre für uns alle besser, wenn du darauf verzichtet. Und ich denke darüber nach, also meine Vernunft, vielleicht auch sogar mein Einfühlungsvermögen sieht das dann ein, dass das besser wäre. Und ich bin dann vielleicht sogar ein sozialer Mensch, der es auch nicht unwichtig findet, dass es den anderen auch gut geht, dann fällt mir der Verzicht natürlich viel leichter, als wenn das Wichtigste ist, dass ich meine Wünsche, meine Triebe befriedigt kriege.“ MUSIK Frames of motion 2 Z9356382 002 0.42 O-TON 09: (Balderjahn) „Was braucht es für einen Verzicht? Verantwortung, Verantwortung übernehmen. Der Mensch muss sagen: okay, ich bin auch daran beteiligt, dass sich die Erde aufheizt, also nur mal gesagt: mit jedem Euro, den wir ausgeben, circa 150 Gramm Treibhausgase, also wir sind alle daran beteiligt. Und wenn der Einzelne für sich auch die Verantwortung sieht, ich bin verantwortlich dafür, dann kann sich daraus schon eine Bereitschaft ergeben, etwas auch zum Klimaschutz zu tun. Nur, in einer Studie der Europäischen Union, Eurobarometer heißt das, da sagen zwei Drittel der Europäer, sie fühlen sich für den Klimaschutz nicht verantwortlich, und diese zwei Drittel fallen mit dieser Haltung erstmal komplett raus. Die machen nichts.“ SPRECHERIN: Niemand hat gern ein schlechtes Gewissen. Auch wenn Menschen mittlerweile so etwas wie Flugscham empfinden können, geflogen wird trotzdem in gigantischem Ausmaß. Ein weiterer Feind des Verzichts ist nämlich die Bequemlichkeit. Verzicht zu üben, bedeutet, eine Komfortzone zu verlassen. Wer sein Gewicht reduzieren will, muss die Ernährung umstellen und auf die gewohnte abendliche Wurstplatte verzichten. Man muss sich aufraffen und dann vor allem dranbleiben. Der Wille ist gefragt. Und der Wille braucht gute Argumente. Sonst fällt er dem inneren Schweinehund zum Opfer. Selbstoptimierung kann ein starkes Motiv sein: ach ja, besser aussehen, gesünder sein! Dafür darbt man noch relativ gern. O-TON 10: (Mauss-Hanke) „Aber der Verzicht, sagen wir mal, auf Flugreisen eben zu verzichten, weil mir der Klimawandel bewusst ist, dass es eine viel schwierigere Forderung und das braucht schon wirklich viel Vernunft, viel abstraktes Einfühlungsvermögen in die nächste Generation. Und vor allen Dingen auch die Erkenntnis oder die Meinung kann man ja auch sagen, dass das was nutzen kann, wenn ich als Einzelner da etwas anders mache. Und das ist auch verständlich. Wenn ich in eine Millionenstadt komme, dann frage ich mich auch: warum soll ich hier irgendwie den Müll trennen und das dann trotzdem durchzuhalten, das braucht wirklich viel Vernunft, auch gedankliche Geduld vielleicht. Und da muss man dann eben sehen, wie kann man das für sich selber aufrechnen, dass man dann verzichtet.“ SPRECHERIN: Die Regale in unseren Supermärkten sind voll. Lieferdienste bringen Waren bis an die Haustür. Vom USB-Stick bis zum Plantschbecken, von der Pizza bis zum Modeschmuck – fast alles kann man heute ruckzuck im Internet bestellen. MUSIK All in one app Z8033488 114 1.15 SPRECHERIN Die Versuchungen sind groß. Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Immer noch. Außer es gibt Probleme mit den Lieferketten, und das Klopapier wird rationiert. Dann bricht Panik aus. Normalität bedeutet hierzulande, dass alles immer verfügbar ist, jetzt auch in Bio-Qualität. O-TON 11: (Balderjahn) „Es ist natürlich das, dass insbesondere von der Wirtschaft, von der Werbewirtschaft, vom Marketing Anreize gesetzt werden für bestimmte konsumintensive Verhaltensweisen. Und da sich kein Mensch von der Werbung wirklich entziehen kann, Werbung hat immer Wirkung. Wir brauchen nur einmal eine Marke zu sehen, und schon kriegen wir die aus dem Gehirn nicht mehr gelöscht. Also, da sind so Antreiber, Konsumantreiber. Und wir werden ja auch groß in einer Gesellschaft und leben in einer Gesellschaft, jetzt sage ich mal hier in Deutschland, die sehr, sehr konsumorientiert ist.“ SPRECHERIN: Anregende Reize aus unzähligen Kanälen triggern den suchtmäßigen Konsum. Der Staat versucht durchaus, mit Kampagnen, Gebühren und Werbeverboten gegenzusteuern. Im Grunde aber bleibt es jedem und jeder Einzelnen überlassen, dem kapitalistischen Prinzip des „Höher, weiter, schneller, mehr!“ die Stirn bieten. Aber nur 15 Prozent der Deutschen schaffen es, konsequent weniger Geld für ihren Konsum auszugeben, als sie könnten, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Ingo Balderjahn. Von anderen Ländern gar nicht zu reden. O-TON 12: (Balderjahn) „Wir konsumieren tatsächlich viel zu viel. Wir ruinieren die Erde, da gibt es Zahlen. Wir verbrauchen die Fläche von 1,7 Erden, damit wir unsere Konsumbedürfnisse befriedigen können, aber diese Komma sieben, diese drei Viertel, die haben wir nicht. Das heißt, wir plündern, und wir heizen auch mit diesem maßlosen Konsum das Klima auf. Und das ist das Problem, wovor wir stehen.“ SPRECHERIN: Die große Frage lautet: Wie lässt sich der Mensch zum Verzichten und Sparen motivieren? Wie lässt sich der maßlose Konsum reduzieren? Darauf läuft es ja hinaus. Trotz neuer energieeffizienter Technologien und nachhaltigerer Produktionsweisen. Was zu viel ist, ist zu viel. Die apokalyptischen Bilder aus aller Welt sprechen eine deutliche Sprache: MUSIK Geiger involved Z8024281 104 0.42 SPRECHERIN Sturzfluten, Bergrutsche, schmelzende Gletscher, Wirbelstürme, brennende Wälder... O-TON 13: (Greta Thunberg W0507488 101) „We should panic!... out of our comfort zones!“ OT 13 kurz frei, dann drüber: SPRECHERIN: „We should panic!“ und „I want you to panic“, sagte die Fridays-for-Future-Aktivistin Greta Thunberg immer wieder in ihren Reden und erntete dafür Kritik. Panikmache bringt nämlich gar nichts, um die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Im Gegenteil. O-TON 14: (Balderjahn) „Man sollte nie, und das machen viele Umweltaktivisten falsch, nie den Horror an die Wand malen. Horror mögen Menschen nicht und sortieren das gleich aus. Damit setzen sie sich nicht auseinander. Deswegen funktionieren ja auch diese Horrorbilder auf diesen Zigarettenpackungen nicht mehr.“ SPRECHERIN: Man gewöhnt sich an den Schrecken. Oder steckt den Kopf in den Sand. Wird schon nicht so schlimm sein. A…

    Full show notes at the publisher

    Geschichte des Skifahrens Jan 14, 2025
    Show notes

    Historiker halten den Ski für eines der ältesten Sportgeräte der Menschheitsgeschichte. Wohl schon vor tausenden von Jahren benutzte man Bretter im Tiefschnee, allerdings zunächst zur Fortbewegung bei der Jagd. Das Skifahren als Sport und Freizeitvergnügen, wie wir es heute kennen, hat seinen Ursprung in Norwegen. Von Katrin Kellermann

    Credits
    Autorin dieser Folge: Katrin Kellermann
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Xenia Tiling, Werner Härtl
    Technik: Peter Urban
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Im Interview:
    Obmann Mag. Martin Krickl vom Bezirksmuseum & FIS-Zdarsky-Skimuseum Lilienfeld
    Dr. Robert Groß, Umwelthistoriker von der Universität für Bodenkultur Wien (kurz BOKU)
    Markus Wasmeier, Doppelolympiasieger, Ex-Skirennfahrer und Gründer des Markus Wasmeier Freilichtmuseums in Schliersee

    Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:
    Skitourismus - Der weiße Wahnsinn HIER
    Schnee - Faszinierende Flocken und ihre Geheimnisse HIER
    Eisschmelze - Das große Rauschen HIER

    Weiterführende Links und Buchtipps:

    https://www.wasmeier.de/

    Museum Lilienfeld aktuell wegen Umbau und Modernisierung geschlossen. Wiedereröffnung im Jahr 2025. Ab dann erreichbar unter https://www.museum-lilienfeld.at/

    Die Anfänge des alpinen Skirennsports: The Golden Age of Alpine Skiing, zweisprachig deutsch/englisch, 2010, Max D. Amstutz, AS Verlag

    Die Beschleunigung der Berge: Eine Umweltgeschichte des Wintertourismus in Vorarlberg/Österreich (1920-2010) von Robert Groß, Böhlau Köln, 2019

    Das Skibuch: Alles über Alpinski, Snowboard & Langlauf, Skigebiete, Touren, Technik und vieles mehr in über 1000 Infografiken, Illustrationen und Karten, 2021

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Deutsch-tschechische Fernsehmärchen - Verzauberung ohne Grenzen Jan 13, 2025
    Show notes

    "Pan Tau", "Luzie, der Schrecken der Straße", "Der fliegende Ferdinand" oder die allweihnachtlichen "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel": Was heute als Kult gilt unter den Märchenfilmen und Kinderserien, ist zu seiner Entstehungszeit in den 1970er Jahren ein Brückenschlag zwischen Ost und West. Von Susi Weichselbaumer (BR 2021)CreditsAutorin dieser Folge: Susi WeichselbaumerRegie: Susi WeichselbaumerEs sprachen: Julia Fischer, Friedrich Schloffer, Katja SchildTechnik: Susanne HerzigRedaktion: Andrea Bräu Im Interview: Gert K. Müntefering, ehemaliger WDR Kinderfilm-Chef, Berlin;Dr. Helena Srubar, Slavistin;Katharina Schöde, Kinderfilmautorin, Regisseurin, Produzentin, Berlin;Katharina Miebach, Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Das Wintermärchen. Königswinter: HEEL.;Helena Srubar (Ambivalenzen des Polulären. Pan Tau und Co. zwischen Ost und West. Konstanz: UVK) Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Literatur:Katharina Miebach - Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Das Wintermärchen. Königswinter: HEEL.;Helena Srubar - Ambivalenzen des Polulären. Pan Tau und Co. zwischen Ost und West. Konstanz: UVK Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLERIN Sanft fliegen die beiden Schimmel durch die weißverschneite Winterlandschaft. Auf dem einen Aschenbrödel im weißbauschigen Brautkleid, mit blitzendem Diadem in den wehenden braunen Haaren. Daneben reitet der Prinz im Prachtornat. Er greift ihre Hand, sie lächelt zu ihm hinüber. ERZÄHLER Er lächelt zu ihr herüber. ERZÄHLERIN Beide lächeln einander zu. ERZÄHLER Und lächeln. Und lächeln weiter. Und das jedes Weihnachten. Auf sämtlichen öffentlich-rechtlichen Sendern. ERZÄHLERIN Seit der Erstausstrahlung 1973 ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ abonniert aufs Adventsprogramm. In Deutschland und im Rest Europas. Generationen von Kindern haben im Fernsehen verfolgt, wie das arme schmutzige Mädchen Tag und Nacht im Gutshaus schuften muss für die böse Stiefmutter und die hinterlistige Stiefschwester. Bis sie schließlich in den Armen des Königssohns landet. ERZÄHLER Alle Weihnachten wieder… Aus jeder Zaubernuss purzelt ein neues Gewand. 1 ZU (Wally Drei Nüsse 0.00) Erst kriegt sie so einen schicken Jägeranzug, dann kriegt sie ein Kleid für den Ball und dann kriegt sie ein Kleid zum Heiraten. ZITATORIN „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht…“ 2 ZU (Wally Drei Nüsse 0.44) Ich finde so lustig, dass Aschenbrödel so ein kleines Rätsel stellt. Weil sie sagt zum Beispiel, die hat ja immer im Haus gearbeitet: Wer ist so schwarz wie ein Kaminkehrer, ist aber kein Kaminkehrer? ZITATORIN „Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht…“ 3 ZU (Wally Drei Nüsse 0.44) Alle, die den Film bis dahin geschaut haben, wissen, das war Aschenbrödel. ERZÄHLER Das weiß jeder, weil alle Jahre Weihnachten... ZITATORIN „Zum Dritten: Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr.“ ERZÄHLERIN Es ist kein Wunder, dass das alle immer wieder sehen, sagt die Berliner Kinderfilmregisseurin und Autorin Katharina Schöde. Für sie sind die tschechischen Märchenfilme und Kinderserien der 1970er und frühen 1980er Jahre Marksteine der Filmgeschichte. Und Inspiration für ihre eigene Arbeit heute: 4 ZU (Schöde 0.13) Das Besondere daran ist, dass es so wahnsinnig phantasiereich ist und die Kinder so abgeholt hat, total auf Augenhöhe erzählt wurde und so eine bestimmte Magie hat, die nicht mit dem Zeigefinger daherkam, sondern Spaß gemacht hat. MUSIK Pan Tau (0.46) ERZÄHLERIN „Die kleine Meerjungfrau“, „Prinz und Abendstern“, „Der dritte Prinz“, „Der Salzprinz“, „Däumling“ – die tschechische Kinderfilmbranche boomt in jener Zeit. Und bringt Stars hervor wie Aschenbrödel-Darstellerin Libuse Safránková. ERZÄHLER Im Folgejahrzehnt und darüber hinaus Dauerprinzessin auf den Bildschirmen! ERZÄHLERIN Auch in den prominent besetzten Reihen für Kinder geht es magisch und märchenhaft zu: „Pan Tau“, „Der Fliegende Ferdinand“, „Luzie, der Schrecken der Straße– die Prager Filmstudios Barrandov produzieren damals einen Hit nach dem anderen. ERZÄHLER Immer nur stetig nach oben führt der tschechische Weg zum Erfolg nicht. Die politischen Umstände sind schwierig. Nach einer Phase der Öffnung scheitern 1968 die Reformbemühungen der Kommunistischen Partei KSC. Der Prager Frühling ist zu Ende. Die Tschechoslowakei nimmt politische Lockerungen wieder zurück. Presse- und künstlerische Freiheit werden beschnitten. Wer als oppositionell eingestuft wird, erhält Berufsverbot oder erlebt zumindest Einschränkungen. 5 ZU (Schöde 0.58) Es gibt Leute, die sagen, dass gerade diese Kinderserien oder Märchenserien aus Tschechien auch so ein Zufluchtsgenre waren, dass viele Regisseure, die damals nicht die Filme machen durften, die sie wollten, sich einfach da ausgetobt haben, und viele tolle Leute diese Filme gemacht haben und das merkt man glaube ich auch. ERZÄHLERIN Für etliche Regisseure, Drehbuchschreibende, Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch Kameraleute ist die Karriere nach dem Prager Frühling eigentlich jäh zu Ende. Doch eine Nische öffnet sich, besser: ein Mann schließt sie auf. MUSIK All clued up (0.38) ERZÄHLER Ota Hofmann, national gefeierter Kinder- und Jugendbuchautor, der in dieser Rolle sämtlichen politischen Umstürzen trotzt. Seit 1955 arbeitet der Prager als Dramaturg für Kinderfilme in den renommierten Filmstudios Barrandov. Dort wird er Leiter der Kinderfilm-Produktionsgruppe. Auf einem Filmfest Mitte der 60er Jahre lernt er den Kinderfilm-Verantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks kennen, Gert Müntefering. Die beiden verstehen sich sofort, tauschen sich über mögliche Kooperationsprojekte aus. Die Telefone zwischen Köln und Prag stehen nicht mehr still. 6 ZU (MÜNTEFERING 28.00) In Prag 65 bis 68, da konnten die Geschichten sich entfalten, den Hintergrund muss man auch wissen, dass in dieser Zeit ein neues Gefühl in Prag war, das wirkte sich eben auch auf die Arbeit sachlich aus, bis die Russen kamen, die kamen 68, die Drehbücher waren fertig und ich hörte dann im Radio, dass die Truppen des Warschauer Paktes sich breitmachten. ERZÄHLERIN Drei Wochen bangt Müntefering in Köln um gemeinsam verabredete Drehpläne dies- und jenseits der Grenze. MUSIK All clued up Z8034434 107 (0.43) ERZÄHLER Plötzlich erhält er wieder ein Besuchsvisum. Die Zusammenarbeit zwischen Ost und West im Kinderfilm geht weiter und nimmt nach dem Prager Frühling richtig Fahrt auf. ERZÄHLERIN Offenbar gelingt es Ota Hofmann, die Zensur zu umschiffen. ERZÄHLER Vielleicht ist der Kinderfilm und -fernsehbereich auch politisch unverdächtig. Oder man freut sich über das internationale Renommee, das die Kinderproduktionen aus der Tschechoslowakei inzwischen gewinnen. ERZÄHLERIN Auch aus Qualitätsgründen erhält Ota Hofmann die Zusammenarbeit mit Kollegen aufrecht, die er gemäß politischer Weisung nicht mehr beschäftigen dürfte, erzählt die Slavistin Helena Srubar. 7 ZU (Srubar 0.34) Es war ein großes Glück, weil offenbar unter seiner Hand mit den Künstlern oder Filmemachern, die bis dahin beschäftigt waren, möglich war, dass da weitergearbeitet werden konnte. Und es ist dann praktiziert worden unter Ota Hofmann, dass man beispielsweise Drehbücher von verbotenen Autoren unter anderem Namen umgesetzt hat. Zum Beispiel die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ waren von Franticek Pavlicek geschrieben, und der durfte eben nicht mehr arbeiten. Und es wurde dann unter einem anderen Namen gemacht. ERZÄHLER Dieses – bald etablierte – Vorgehen täuscht die Zensurbehörde wohl nur bedingt. Trotzdem schreitet sie nicht ein. ERZÄHLERIN Solange ein anderer Name auf dem Skript steht – ERZÄHLER Schwierig wird es nur bei Darstellern, die eigentlich ganz verbannt sein sollten von den tschechoslowakischen Bildschirmen. ERZÄHLERIN Aber auch dafür findet sich eine Lösung. Denn die DDR und andere osteuropäische Nachbarländer zeigen großes Interesse daran, die aufwendig inszenierten Märchen- und Fantasyproduktionen anzukaufen. Oder als Co-Produktionen mitzufinanzieren. Und auch Westdeutschland, gerade der Westdeutsche und der Bayerische Rundfunk, mischen bald mit. 8 ZU (Srubar 2:33) Dadurch, dass durch die Co-Produktion Devisen ins Land, ins System gespült wurden und man natürlich auch ein Feigenblatt hatte zu zeigen eben hier die sozialistische tschechoslowakische Kultur liefert auf so hohem Niveau auf die westdeutschen Bildschirme, wurde da sicherlich dann doch durchaus manches toleriert, was man intern, also nur für den tschechoslowakischen Markt, möglicherweise nicht toleriert hätte. MUSIK Vincek und die drei Haselnüsse C1590140 110 (0.44) ERZÄHLER In dieser Gemengelage wird der tschechische Kinderfilm international. Der Tross an Filmschaffenden ist ab den späten 60er Jahren dauernd in Bewegung. Für die „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ wird eine Burg 30 Kilometer von Pilsen umgebaut. Aus der stolzen Anlage mit Wassergraben, mehreren Mauerringen und dicken Türmen entsteht der Gutshof der Stiefmutter mit Scheunen und Wirtschaftsgebäude. Die Kulissengestalter setzen ein zweiflügliges Tor in die Außenmauer ein. ERZÄHLERIN Durch das reiten später Aschenbrödel und der Prinz – ERZÄHLER Andauernd ein und aus und hin und her. ERZÄHLERIN Am Ende dann gemeinsam… ERZÄHLER Davor braucht es aber noch die Begegnung im Wald und auf dem Ball. ERZÄHLERIN Das Drehbuch sieht romantische Szenen im Frühling vor, warme erste Sonnenstrahlen, blühende Wiesen. Für Regisseur Václav Vorlíček muss die Geschichte in der Renaissance spielen. ERZÄHLER Zu üppig für das tschechoslowakische Budget. ERZÄHLERIN Ota Hofmann lässt seine Kontakte zur DEFA spielen. Die Filmgesellschaft der DDR steigt finanziell und personell mit ein, hat aber im Sommer keine Kapazitäten mehr. Aus Aschenbrödel muss ein Wintermärchen werden. Die ideale Fügung, wie sich später herausstellt, der perfekte Weihnachtsfilm. WDR-Kinderfilm-Chef Gert Müntefering sieht die ersten Szenen bei einem Besuch in Prag und kauft sofort an. 9 ZU (MÜNTEFERING 18.33) Entscheidend war dann, dass wir ein System finden mussten, um nicht nur Käufer zu sein. ERZÄHLER Erinnert sich Müntefering. Man wollte mitgestalten, ähnliche Projekte gemeinsam umsetzen. Wieder wird viel telefoniert… 10 ZU (MÜNTEFERING 18.33) Ich habe dann in Prag mit Vorlíček, der diese berühmten „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht hat und wunderbare Märchenfilme, den hab ich dazu gebracht und das tschechische Fernsehen dazu überredet, dass sie dann „Die Märchenbraut“ gedreht haben. Das war ein Auftrag des WDR, der zu einer Coproduktion mit dem tschechischen Fernsehen geführt hat, und das hat gut geklappt. MUSIK Märchenbraut (Rechte geklärt mit WDR, Musik: Luboš Fišer 1981; Dagmar Patrasová – Xenie A Arabela / Co Se Děje V Groteskách; Label: Panton – 8143 0180, Vinyl, 7", 45 RPM, Repress Czechoslovakia; WDR Archimedes 0118248, 17.07.1982, Die Märchenbraut, Folge 01 (1.00) ZITATORIN „Die Märchenbraut“, Serie 1979 bis 1981: Der Schauspieler und Märchenerzähler Karl Majer gerät zufällig an ein magisches Glöckchen, das den Zauberer Rumburak aus dem Märchenreich herbeiruft. Nun geht es hin und her zwischen echter und Märchenwelt. Figuren der Brüder Grimm tauchen auf, genauso Fantomas oder Tarzan. Liebe gibt es auch: Arabella, die jüngere Tochter des Königs, verguckt sich in Peter, den Sohn von Herrn Majer. Rumburak möchte sie für sich und entführt Arabella auf seine Burg. Peter sucht, findet und verliert sie andauernd wieder. Die beiden kommen nie dazu, sich zu küssen. Immer gerät was oder wer dazwischen. Erst in der allerletzten Szene der allerletzten Folge… ERZÄHLER Die Serie läuft in der Tschechoslowakei und in der BRD recht erfolgreich. Die Achse Barrandov in Prag – WDR in Köln wird in der Folgezeit besonders produktiv. Klassiker wie „Pan Tau“, der schweigsame Zauberer mit der schwarzen Melone, dessen Künste meistens wenig helfen und die Lage eher grotesk verschlimmern, entstehen bis 1978 zusammen. Oder 1980 „Luzie, der Schrecken der Straße“. ERZÄHLERIN Für die Berliner Kinderfilmregisseurin und Autorin Katharina Schöde ein absoluter Hingucker: 11 ZU (Schöde 6.30) „Luzie, Schrecken der Straße“ hat mich damals geprägt, sie war ein Mädchen, das waren ja damals noch nicht so viel in den Serien, sie war cool, hatte schon auch so ihre Probleme mit der Bande und wollte dazugehören, dann hatte sie diese lustigen Friedrich und Friedrich, die sie da begleitet haben. MUSIK Luzie, der Schrecken der Straße (Rechte geklärt mit WDR, Video-Überspielung WDR; Musik: Angelo Michajlov 1980) 12.10.1980: Luzie, der Schrecken der Straße, Folge 1: Luzie will nicht allein sein. WDR Archimedes 0113301 (1.25) ERZÄHLERIN Die frechen Knetmännchen Friedrich und Friedrich, die alle möglichen Farben und Formen annehmen können und zu jedem Zauberquatsch bereit sind. Sie unterstützen die sechsjährige Luzie im Sommer vor der Einschulung, in dem alle Freundinnen in Urlaub sind, und nur Luzie daheim in der Stadt bleiben muss. ERZÄHLER Luzies unbedingtes, aber hoffnungsloses Ziel: Sie will aufgenommen werden in die Bande des älteren Nachbarsjungen Oswald. Sechs ganze Folgen lang. ERZÄHLERIN Die bis heute regelmäßig wiederholt werden: 12 ZU (Luzie/ Wally 0:10) Als Erstes musste eigentlich der Kühlschrank repariert werden und der, der den Kühlschrank repariert hat, hat dann das Kabel aus Versehen durchgerissen und die Tapete kaputt gemacht und dann mussten immer mehr Helfer kommen, weil immer mehr kaputtgegangen ist. // Also da war die Luzie und auf einmal war in ihrem Wohnzimmer eine Schlittschuhbahn, da war alles voller Eis und dann sind sie mit den Freundinnen Schlittschuh gefahren. // Aber am Ende ist dann doch irgendwie alles gut gegangen. ERZÄHLER Auf reichlich magische Art und Weise gut gegangen. ERZÄHLERIN Dank Friedrich und Friedrich. ERZÄHLER Naja, eher trotz Friedrich und Friedrich. Deren fröhlich überbordende Magie ist selten wirklich zielführend… ERZÄHLERIN Aber auf jeden Fall gut gegangen, denn das macht viele der damaligen Kinderfilme und Serien aus der Tschechoslowakei aus. Die Kinder finden eine Lösung. Gerne mit zauberhaften Freunden. ERZÄHLER Nie mit kompetenten Eltern – ERZÄHLERIN Denn die gibt es nicht. 13 ZU (Luzie/ Wally 5:10) Die Mama, als erstes schimpft sie total und dann ist sie wieder total nett, und der Papa ist schon immer nett und ist manchmal auch so unsicher und einmal hat er auch zu der Mama von der Luzie gesagt, das ist nichts für Dich. Also ich finde die Eltern nicht so toll. MUSIK Die Tintenfische aus dem zweiten Stock (Rechte geklärt mit WDR, Video-Überspielung WDR; Musik: Angelo Michajlov 1986) WDR Archimedes 0186301; 19.8.1990; Folge 1: Der Fliegende Ferdinand (0.47) ERZÄHLERIN Für die jungen Hauptfiguren heißt das: Sie müssen selber ran. Zum Beispiel „Tintenfische im zweiten Stock“ in der gleichnamigen Serie im Zaum halten. Außerirdische unbemerkt durch den irdischen Alltag lotsen wie in „Die Besucher“. Da wird geflogen und verwandelt, hergezaubert und in Luft aufgelöst. 14 ZU (Schöde 2.00) Aus heutiger Sicht sieht das alles sehr nostalgisch und niedlich aus, aber für damalige Zeiten waren das unglaubliche Sachen, die da ausprobiert wurden. Mit Special Effects und Knete und Kameratechnik wurden da fantastische Sachen erzählt in Science Fiction und Fantasy-Filmen und Serien, die wegweisend waren. ERZÄHLER Schwärmt die Berliner Kinderfilmerin Schöde. 15 ZU (Schöde 2.50) Vom Technischen sind diese Barrandov-Studios in Prag immer schon toll gewesen und die hatten tolle Leute, die viel ausprobiert haben. ERZÄHLERIN Speziell auch in Produktionen für Kinder. Während die in der BRD in den 1960er, 70er, ja…

    Full show notes at the publisher

    Sternedeuten und Horoskope - Geschichte der Astrologie Jan 11, 2025
    Show notes

    Die Beschäftigung mit den Gestirnen, ihre Beobachtung und ihre Bedeutung für das Leben der Menschen, dürfte beinahe so alt sein wie das Menschengeschlecht selbst. Erst in der Aufklärung kam es zur scharfen Trennung von Astronomie und Astrologie. Doch die Geschichte der Astrologie ging weiter ... Von Martin Trauner (BR 2022)

    Credits:
    Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Jerzy May
    Technik: Susanne Herzig
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Weitere hörenswerte Folgen von radioWissen:

    • Kairos - Oder die Gunst der Stunde
      JETZT ANHÖREN
    • "Jetzt schlägt's aber dreizehn!" - Die Geschichte des Aberglaubens
      JETZT ANHÖREN
    • Delphi - Das Orakel des Apollon
      JETZT ANHÖREN

    Literaturtipp:

    • Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. München 2003


    Krypto-Kunst und NFTs - Digitale Bilder und das große Geld? Jan 10, 2025
    Show notes

    Der Markt für Kryptokunst boomt. Non-Fungible Tokens (NFT) erzielen Höchstpreise bei Auktionen für digitale Kunst, obwohl man die Kunstwerke in der Regel nicht einmal richtig aufhängen kann. Was also ist da los? Ist das Ganze nur ein Hype oder ergeben sich durch NFTs neue Einnahmequellen für Künstlerinnen und Künstler? Von Christian Schiffer (BR 2022)

    Autor dieser Folge: Christian Schiffer
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Andreas Neumann, Peter Veit, Katja Schild
    Technik: Monika Gsaenger
    Redaktion: Andrea Bräu


    Außerdem empfehlen wir folgende lesenswerte Artikel auf der Digital-Plattform 1E9:
    Nur Hype oder Zeitenwende? Wie NFTs den Kunstbetrieb umkrempeln und das Leben von Künstlern verändern von Michael Förtsch
    EXTERNER LINK | https://1e9.community/t/nur-hype-oder-zeitenwende-wie-nfts-den-kunstbetrieb-umkrempeln-und-das-leben-von-kuenstlern-veraendern/13680

    NFT-Ausstellung in München: „Langfristig bin ich überzeugt, dass wir viel mehr NFTs im physischen Raum sehen werden“ von Michael Förtsch
    EXTERNER LINK | https://1e9.community/t/nft-ausstellung-in-muenchen-langfristig-bin-ich-ueberzeugt-dass-wir-viel-mehr-nfts-im-physischen-raum-sehen-werden/17137

    Weitere Infos zur NFT Ausstellung Dawn of the Metaverse in München:
    EXTERNER LINK | https://www.uzupis.de/dotm/

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.



    Previous 1 78 79 80 81 82 221 Next

    Related Podcasts

    Making Sense with Sam Harris

    1

    Making Sense with Sam Harris Education
    Grammar Girl

    2

    Grammar Girl Education
    Good Life Project

    3

    Good Life Project Education
    Explain It to Me

    4

    Explain It to Me Education
    Team Never Quit

    5

    Team Never Quit Comedy
    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement

    6

    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement Alternative Health
    footer-logo

    Contact Us

    Toll Free: 844-670-7747

    Links

    • Home
    • Top Charts
    • Networks
    • Apps
    • Independents Podcasts
    • Podcast Advertising
    • Podcast News
    • Contact Us
    • About Us
    • Analytics & Insights

    Stay Connected

      Privacy, Terms of Use & Our Code of Ethics Protecting Content Creators Copyrights