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    Die Geschichte der Bundeswehr - Kriegstüchtig oder bedingt abwehrbereit? Jan 01, 2025
    Show notes

    Unumstritten war die Bundewehr in der Öffentlichkeit nie, und nach Ende des Ost-West-Konflikts und der teilweisen Integration der Nationalen Volksarmee in gesamtdeutsche Streitkräfte schien sie an Bedeutung zu verlieren. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine hat sich das geändert. Von Jochen RackCreditsAutor dieser Folge: Jochen RackRegie: Irene SchuckEs sprach: Berenike BeschleTechnik: Robin AuldRedaktion: Thomas Morawetz Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: AUFERSTANDEN AUS RUINEN - DDR und BRD im Kalten Krieg Alles Geschichte - History von radioWissen · Gleich mit Beginn des Kalten Krieges 1945 befand sich Deutschland im Zentrum des Konflikts. Das zerbombte Land war wegen seiner geografischen Lage, seiner Größe und seines Wirtschafts-Potenzials für die Atommächte USA und Sowjetunion äußerst interessant. In Deutschland wurde der Konflikt ausgetragen. Von Rainer Volk (BR 2022) HIER Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENLinktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: OT 01 Rede Scholz: „Der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents. Mit dem Überfall auf die Ukraine hat der russische Präsident Putin kaltblütig einen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen. Das ist durch nichts und niemanden zu rechtfertigen. (Klatschen)“ Sprecherin: Die „Zeitenwende“, die Olaf Scholz drei Tage nach Russlands Invasion im Parlament ausgerufen hatte, war verbunden mit der Schaffung eines Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Außerdem, versprach der Bundeskanzler, werde Deutschland „von nun an Jahr für Jahr mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“ in seine Verteidigung investieren. Die Bundeswehr sollte aufgerüstet werden, damit sie in Zukunft ihren Auftrag der Bündnis- und Landesverteidigung erfüllen kann. Denn tatsächlich war sie dazu im Jahr 2022 nicht in der Lage. Das Heer, konstatierte der Inspekteur des Heeres Alfons Mais, stehe mehr oder weniger blank da. Wie schon einmal in den 1960er Jahren lautete die Diagnose: „Bedingt abwehrbereit.“ Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius forderte im Jahr 2023, die Bundeswehr müsse wieder kriegstüchtig werden. OT 02 Pistorius: Ich weiß, das klingt hart. Ich weiß, das klingt ungewohnt und viele erschreckt es. Krieg führen können, um keinen Krieg führen zu müssen, und das ist kriegstüchtig. Sprecherin: Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine brachen Kontroversen auf, die die Bundeswehr seit ihrer Aufstellung im Jahr 1956 immer begleitet hatten. Denn als Lehre aus der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges, der 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, lehnten viele Deutsche die Wiederbewaffnung ab, zumal unter den Bedingungen des Ost-West-Konfliktes ein neuer Krieg zum Atomkrieg eskalieren konnte. Doch Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte die am 23. Mai 1949 gegründete Bundesrepublik unter den nuklearen Schutzschirm der USA stellen. So trat am 5. Mai 1955 die Bundesrepublik der NATO bei, nachdem mit den Pariser Verträgen am selben Tag das Besatzungsstatut in Westdeutschland aufgehoben worden war. Im November desselben Jahres wurden 6.000 Freiwillige in der Bundeswehr eingestellt. Die neuen Lehrkompanien von Heer, Luftwaffe und Marine ließ Adenauer am 20. Januar 1956 in Andernach zum Appell antreten. OT 03 Adenauer: Soldaten der neuen Streitkräfte. Das deutsche Volk sieht in Ihnen die lebendige Verkörperung seines Willens, seinen Teil beizutragen zur Verteidigung der Gemeinschaft freier Völker, denen wir heute wieder mit gleichen Rechten und Pflichten wie die anderen angehören. Sprecherin: Die Schaffung bundesrepublikanischer Streitkräfte war allerdings nicht möglich ohne personelle Anknüpfung an die Wehrmacht, erklärt Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam: OT 04 Neitzel: Es gab ja keine Bundeswehr, es gab kaum Kasernen. Und die politische Führung, also Adenauer, die haben sich entschieden, mit 14.000 Wehrmachtsoffizieren diese Bundeswehr aufzubauen. Sprecherin: Man könne schließlich eine Armee nicht von achtzehnjährigen Generälen kommandieren lassen, soll Adenauer gesagt haben. So nahm die Bundeswehr in ihrer Gründungsphase auch ehemalige Nazis in ihre Reihen auf, z.B. 45 dienstgradniedrigere Offiziere der Waffen-SS, auf die man aus fachlichen Gründen glaubte, nicht verzichten zu können. Gleichzeitig wurde die Bundeswehr gegründet im bewussten Bruch mit den Traditionen des deutschen Militarismus. Ihr neuer Geist sollte sich in den schlichten Uniformen ausdrücken und die militärskeptische westdeutsche Öffentlichkeit davon überzeugen, dass die Bundeswehr eine demokratische Truppe war. Die Entnazifizierung der neuen Truppe gelang nur halbwegs, schreibt Sönke Neitzel in seinem Buch „Deutsche Krieger“. Aber die Wiederbewaffnung wurde von vielen Westdeutschen nicht nur deshalb kritisiert. Nach den traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges wollten viele Deutsche nie wieder eine Waffe in die Hand nehmen. Pazifismus schien die einzige Lösung. Innenminister Gustav Heinemann trat aus Protest gegen Adenauers Wiederbewaffnungspläne zurück. OT 06 Neitzel: Die Minderheit, die gegen die Streitkräfte war, war sehr heterogen. Das gab es von links bis rechts. Also es gab natürlich die linken Gruppen auf Seiten der Sozialdemokratie, die evangelische Kirche, es gab aber auch national eingestimmte Gruppen, die glaubten, mit der Gründung von westdeutschen Streitkräften sei die Teilung zementiert. Sprecherin: Adenauers Sicherheitsberater und später erster Verteidigungsminister Theodor Blank wurde bei öffentlichen Auftritten mehrfach ausgebuht und mit Eiern beworfen. Doch Adenauer setzte die Wiederbewaffnung gegen alle Widerstände der Opposition durch. Nach der Einberufung der ersten Freiwilligen in die Bundeswehr folgte die Einführung der Wehrpflicht am 21. Juli 1956. 1957 rückten die ersten Wehrpflichtigen in die Kasernen ein. Dort sollte jetzt ein demokratischer Geist herrschen, nicht wie früher Drill und Kadavergehorsam. Wolf Graf von Baudissin erarbeitete das Konzept der „Inneren Führung“. Es entstanden neue zivile Kontrollinstanzen und eine neue Traditionskultur, die mit den soldatischen Werten der NS-Zeit brechen und das Primat der Politik über die Streitkräfte sicherstellen sollten. Die Bundeswehr wurde als Parlamentsarmee konzipiert. Der Generalinspekteur der Bundeswehr war dem höchsten zivilen Ministerialbeamten nachgeordnet. Ein von der Regierung unabhängiger Wehrbeauftragter vertrat die Interessen der Soldaten. Eine neue demokratische Kultur sollte die Bundeswehr prägen. Von Baudissin prägte dafür den bis heute gültigen Begriff vom „Staatsbürger in Uniform“. Der Aufbau einer riesigen deutschen Streitkraft begann. OT 07 Neitzel: Die Bundesregierung hatte den Alliierten versprochen, 500.000 Mann in drei Jahren, das hat sich als nicht machbar erwiesen, diese 12 Divisionen des Heeres, das ist ein Personalstand, den man erst Ende der 60er Jahre erreicht hat. Sprecherin: Die von den USA eingekauften Starfighter hätten im Rahmen der sog nuklearen Teilhabe im Ernstfall taktische Atomwaffen auf die Streitkräfte des Warschauer Paktes werfen müssen. Die Befehlsgewalt über den Einsatz von Nuklearwaffen lag aber bei den USA. Die Strategie der „massive retaliation“ entwickelte man weiter zur „flexible response“. OT 08 Neitzel: Weil man sagte, wenn es schon einen kleinen Vorstoß des Warschauer Paktes gibt, Eroberung Westberlins oder ein Vorstoß nach Hamburg, kann dann die Reaktion sein, dass wir sofort tausende von nuklearen Sprengköpfen einsetzen? Wohl nicht. Deshalb die Logik, sollte die Bundeswehr konventionell möglichst stark sein. Sprecherin: Dennoch war die Gefahr eines Atomkrieges real wie die Kubakrise 1962 zeigte. Verständlich, dass angesichts von Planungen, die Deutschland zum atomaren Schlachtfeld gemacht hätten, die Proteste gegen die Aufrüstung nicht aufhörten. Die Ostermarschierer, die sich 1960 zum ersten Mal von Hamburg aus auf den Weg machten, knüpften an die britische Bewegung für nukleare Abrüstung an. Doch die Ablehnung der Bundeswehr speiste sich nicht nur aus Kriegsangst, sondern auch aus der Kritik am – trotz Traditionserlass und Innerer Führung – noch immer vorhandenen autoritären Schleifergeist in der Truppe. Bei einem Manöver ertranken 1957 fünfzehn Wehrpflichtige in der Iller, in Nagold brach ein Soldat 1963 beim Dauerlauf tot zusammen – erste Skandale, die am Image der Bundeswehr kratzten. Die Luftwaffe hatte hohe Absturzzahlen zu beklagen, vor allem die Starfighter-Abstürze in den 60er Jahren machten Schlagzeilen. Ein spektakulärer Unfall in der Marine war der Untergang des U-Bootes Hai im Jahr 1966. Alles nicht gerade Kennzeichen funktionierender Streitkräfte. Vor allem seit 1968 machten immer mehr Wehrpflichtige von ihrem Recht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch. Die APO, die vor allem von Studierenden bestimmte Außerparlamentarische Opposition, forderte gar die Auflösung der Bundeswehr und den Austritt aus der NATO. Und als Anfang der 80er Jahre die sog. Nachrüstung mit den amerikanischen Mittelstreckenraketen Pershing 2 beschlossen wurde, die ein Gegengewicht zu den sowjetischen SS 20 bilden sollten, kam es zu massiven Protesten. OT 09 Petra Kelly Ansprache „Hopp hopp hopp Atomraketen Stopp! Sprecherin: Auf einer großen Friedensdemonstration im September 1983 in Bonn sprach der ehemalige SPD-Kanzler Willi Brandt: OT 10 Brandt Wir brauchen in Deutschland und in Europa, solange es steht, nicht mehr Mittel der Massenvernichtung, sondern weniger. Deshalb sagen wir nein zu immer mehr Atomraketen. Sprecherin: Für Helmut Kohl, 1982 zum Nachfolger von Bundeskanzler Helmut Schmidt gewählt, waren die Protagonisten der Friedensbewegung „schlicht und einfach Vaterlandsverräter“. Ob die Bundeswehr einen Angriff des Warschauer Paktes hätte abwehren können, blieb ungewiss. Zum Glück kam es nie zum Ernstfall. Der Kalte Krieg ging überraschend zu Ende, als die Bundeswehr ihre größte Stärke und Kampfkraft erreicht hatte. Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Am 12. September 1990 unterzeichneten die beiden deutschen Staaten und die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Moskau den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 schuf und Deutschland die volle Souveränität verlieh. Die Bundeswehr sollte zunächst auf 370.000, ab 1994 auf 340.000 Soldaten abgerüstet werden. OT 11 Neitzel Die Bundeswehr wurde in den 1990er Jahren, kann man sagen, zum zweiten Mal gegründet, denn alles das, was die hatte, war jetzt nicht mehr vonnöten. Man hatte 2.200 Leopard 2 Panzer und 2.000 andere Panzer, Leopard 1 und zum Teil noch alte M48. Sprecherin: Und die ostdeutsche Armee - die Nationale Volksarmee NVA - wurde aufgelöst, ein Teil ihrer mehr als 90.000 Zeit- und Berufssoldaten in die Bundeswehr integriert. Die letzten russischen Truppen zogen 1994 aus Ostdeutschland ab, die Wehrpflicht wurde immer weiter verkürzt, Bundeswehrstandorte abgebaut, Kasernen geschlossen und umgewandelt in Wohn- oder Gewerbegebiete. OT 12 Neitzel: Nach 1990 geht der Verteidigungshaushalt massiv in den Keller. Das war davor 3%, sind dann nur noch 2,8 % ist in freiem Fall bis man nur noch 1,4% ausgibt. Sprecherin: Die ursprünglich angepeilte Truppenstärke von 370.000 Soldaten konnte und wollte man schon bald nicht mehr halten. Die Landes- und Bündnisverteidigung schien nicht mehr wichtig in einem friedlich gewordenen Europa. Stattdessen machte man die Bundeswehr fit für humanitäre Auslandseinsätze - wie 1992 in Kambodscha oder 1993 zur Luftraumüberwachung des ehemaligen Jugoslawien. Gleichzeitig gab die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, wie sie mit der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ 1995 geleistet wurde, den neuen Out-Of-Area-Einsätzen einen erinnerungspolitischen Flankenschutz. Eine Bundeswehr, die sich vom verbrecherischen Wehrmachtsmilitarismus abgrenzte, die sich ihres demokratischen Wesens versicherte, konnte im Namen der Verteidigung der Humanität 1993 zum Einsatz in Somalia und 1995 zum Einsatz in Bosnien ausrücken. Die Balkankriege führten zum Umdenken auch bei denjenigen, die bis dahin der Bundeswehr kritisch gegenübergestanden waren, vor allem bei den Grünen, deren Wurzeln in der Friedens- und Ökologiebewegung der 1980er Jahre lagen. 1999 stimmten die Grünen unter der Regierung von Gerhard Schröder für einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in Serbien - ohne, dass es dafür ein UN-Mandat gab. OT 14 Schröder: Die Bundesregierung hat sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Schließlich stehen zum ersten Mal nach Ende des 2. Weltkrieges deutsche Soldaten im Kampfeinsatz. () Wir haben keine andere Wahl als die Mittel, die vorbereitet sind, dafür einzusetzen und wir werden das ... so lange tun, bis der jugoslawische Präsident auf den Boden von Menschlichkeit und internationalem Recht zurückkehrt. Sprecherin: Deutsche Tornados bombardierten serbische Stellungen, um einen drohenden Genozid im Kosovo zu verhindern. Die Begründung, die der damalige grüne Außenminister Joschka Fischer für den Einsatz gab, sei schlüssig gewesen, meint der Politologe Herfried Münkler. OT 15 Münkler: „Nie wieder Krieg“ zu ergänzen durch „Nie wieder Auschwitz“, das war auf Srebreniza bezogen und es ging darum, dass deutsches Militär präsent ist. Sprecherin: 78 Tage lang wurden serbische Truppen bombardiert. Helmut Kohls Vorgabe, die Bundeswehr dürfe an keinem Ort eingesetzt werden, wo einmal SS und Wehrmacht Krieg geführt hatten, galt nicht mehr. Humanitäre Einsätze zur Verhinderung eines Völkermords waren die Lehre aus den Verbrechen der Wehrmacht. Im Völkerrecht sprach man von der „humanitären Intervention“ und einer „responsibility to protect“. Dann kam der Terroranschlag von 9/11 und der internationale Einsatz in Afghanistan zur Vertreibung der Taliban, an dem sich Deutschland beteiligte. Die politische Legitimation für den Einsatz der Bundeswehr formulierte am 11.3.2004 im Bundestag der damalige Verteidigungsminister Peter Struck: OT 17 Struck: Die Sicherheitslage hat sich entscheidend verändert. Deutschland wird absehbar nicht mehr durch konventionelle Streitkräfte bedroht. Unsere Sicherheit wird nicht nur aber auch am Hindukusch verteidigt. Sprecherin: Deutsche Soldaten bewachten Mädchenschulen und bildeten afghanische Soldaten aus. Das Kämpfen in gefährlichen südlichen Regionen Afghanistans überließen sie den Amerikanern und Briten. So konnte man weiter das Image der Bundeswehr als einer Art von technischem Hilfswerk pflegen. Das Bild des bewaffneten Aufbauhelfers, mit dem sich weite Teile der Gesellschaft, aber auch zunehmend die Bundeswehr selbst angefreundet hatte, passte aber nicht mehr, als deutsche Soldaten in Afghanistan zu Tode kamen. Der Spiegel titelte am 20.11.2006: „Die Deutschen müssen das Töten lernen.“ Und 2010 sprach Karl Theodor zu Guttenberg, damals Verteidigungsminister, zum ersten Mal von kriegsähnlichen Zuständen. OT 18 Guttenberg: Die Situation in Afghanistan ist eine gefährliche, () wir haben eine Abzugsperspektive zwar eröffnet, aber bis dahin wird es weiterhin ein schwieriger, ein gefährlicher Einsatz bleiben, und die Schwere der Gefechte zeigt das heute, dass wir uns in kriegsähnlichen Zuständen in Afghanistan befinden. Sprecherin: In zu Guttenbergs Amtszeit fiel das sog. Karfreitagsgefecht: Als eine Fallschirmjägereinheit der Bundeswehr am 2. April 2010 im Raum Isa Khel, südwestlich von Kundus, gegen afghanische Aufständische kämpfte, kamen drei deutsche Soldaten und sechs Soldaten der afghanischen Armee zu Tode. Die Konsequenz war nicht nur die militärische Aufrüstung der Truppe in Afghanistan, sondern eine neue Gedenkkultur für die Opfer der Bundeswehr. Eine Trauerf…

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    Björk - Wie Islands Popfee für neue Impulse sorgt Dec 31, 2024
    Show notes

    Zu Beginn der 90er Jahre taucht scheinbar aus dem Nichts ein Pop-Star auf wie ihn die Welt noch gesehen hat: Innovativ, extravagant, postmodern. Björk aus Island sorgt nicht nur mit intensivem Gesang und futuristischem Look für Aufsehen. Von Markus MayerCreditsAutor dieser Folge: Markus MAyerRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Katja Amberger, Werner HärtlTechnik: Monika Gsaenger, Heiko HinrichsRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Berit Glanz, Skandinavistin, Autorin, ReykjavikLiteratur: Gefühlslandschaften: Die Björk-Saga. In: Listen To This: Über Musik. Alex Ross. Übersetzt von Dieter Fuchs. 432 Seiten. Rowohlt 2020. S. 305 – 332. 7. Lektion: Björk. In: 10 Lessons Of My Life – was wirklich zählt. Kent Nagano/ Inge Kloepfer. Piper 2023. S. 129 – 147. Björk Human Behaviour – Die Story zu jedem Song. Ian Gittins. Übersetzt von Karin Miedler & Cäcilie Plieninger. Rockbuch 2003. 144 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen & Fotos. Konkrete Popmusik. Zum Einfluss Stockhausens und Schaeffers auf Björk, Matthew Barney und Matmos. Ralf von Appen. In: Gestaltungsmittel populärer Musik. Versuch einer Systematik, in: Samples. Notizen, Projekte und Kurzbeiträge zur Popularmusikforschung, 2, 2003, pp. 18-29. pdf. Björk: Archives. A World Of Wonders. Mit Texten von Klaus Biesenbach, Alex Ross, Nicola Dibben, Timothy Morton, Sjón. Fast 200 Seiten, 224 Abbildungen in Farbe & Duotone. Schirmer & Mosel 2015. Björk – Isländische Sängerin, Komponistin und Schauspielerin. Kai Florian Becker. Sieben Seiten. Munzinger Pop-Archiv. 10. Januar 2023. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK 1 (Björk: Venus As A Boy 1’01) Sprecherin Eine junge Frau mit leicht unordentlichen Haaren, frontal vor der Kamera, ihr Blick schweift in die Ferne. Die ausgestreckten Finger ihrer Hände vor dem Mund, als würde sie beten. Der einfarbige Mohair-Pulli, der Oberkörper und Arme bedeckt, könnte sich weich anfühlen oder aber struppig. Sprecher Im Blick der jungen Frau, die ihre unteren Augenlider mit runden, reflektierenden Metallplättchen aus Indien geschmückt hat, liegt Erstaunen und Verblüffung, vielleicht auch Sorge … Als würde die Frau ein kleines Kind beobachten, das gerade etwas Waghalsiges probiert, etwas nicht ganz Ungefährliches. Sprecherin Ein Schwarz-Weiß-Porträt von Björk ziert das Cover ihres Albums Debut vom Juli 1993. Das Werk ist nicht nur eines der wichtigsten Popalben des Jahrzehnts, das sofort in die Albumcharts dies- und jenseits des Atlantiks einzieht, es katapultiert die bis dato kaum bekannte Sängerin in die Oberliga des Pop. Post, Telegram und Homogenic - Björks weitere Studio-Alben verhandeln wie schon Debut Fragen und Themen des Digital-Zeitalters wie das Verhältnis von Mensch und Maschine. Sprecher Dabei sind die Klänge und Rhythmen, die Björks Gesang begleiten, genauso wichtig wie die Texte, verfasst in manchmal unbeholfenem Englisch. Viele Sounds kommen aus elektronischen Tonerzeugern und wirken kontrolliert, was durch den wilden, ungebändigten Gesang konterkariert wird. Pop auf der Höhe der Zeit. MUSIK 2 ( Björk: Violently happy 0’40) Sprecherin Pop kann alles ausdrücken und ist ähnlich komplex wie die Erzeugnisse der sogenannten Hochkultur, wie E-Musik, Oper oder symphonische Musik. Das verheißt das Gesamtkunstwerk Björk damals. Sprecher Ein Versprechen, von dem sich die Künstlerin nach der Jahrhundertwende verabschiedet. Auf späteren Alben arbeitet sie verstärkt mit Chören, mit denen sie fragile Klanggespinste erschafft. Sprecherin Wer ist diese Künstlerin, die die Popmusik auf ein neues Niveau hebt? Inwiefern reflektiert das Werk der bekanntesten Isländerin die Gesellschaft, aus der sie kommt? ATMO Reykjavik / Sturm Sprecher Geboren wird Björk Gudmunsdottir am 21. November 1965 in Reykjavík, der Hauptstadt Islands. Ihr Vater ist Elektroingenieur und Gewerkschafter, die Mutter, die im Büro gearbeitet hat, eine Frau, die sich als Feministin und Rebellin versteht. Geheiratet haben Björks Eltern kurz vor ihrer Geburt, nach drei Jahren wird die Ehe jedoch wieder geschieden. Man trennt sich allerdings freundschaftlich: Björk wächst teils bei ihrer Mutter, teils beim Vater auf. Sprecherin Ihrer Tochter haben die Eltern den Namen Björk gegeben, isländisch für Birke und das, obwohl es so gut wie keine Bäume auf der Insel gibt. Das sei nicht ungewöhnlich, erklärt Berit Glanz. Die Autorin und Skandinavistin lebt seit mehreren Jahren in Reykjavik. ZSP Berit Glanz – Kein besonderer Name Björk ist tatsächlich auf Island kein extrem seltener Name. Es gibt hier eine Sprachtradition, wo viele Namen was bedeuten. Also es gibt zum Beispiel Namen wie Wolf oder Adler oder Bär oder Falke. Und in dieser Familie gehört Björk rein. … Es gibt schon viele Namen aus den Sagas, … man findet hier auch so die gesamten Nordischen Götter und Göttinnen sind auch also Freya, Odin, Thor - das sind also alles gewöhnliche Namen, die Leute tragen. Da fällt dann Björk oder Birke eben auch nicht so doll auf. ATMO Meeresrauschen Sprecher An die 200 Tausend Menschen leben in den 80-er Jahren auf Island, der Insel, die nicht nur geographisch am Rande Europas liegt: Lange hatte Dänemark das Sagen, seit 1944 jedoch ist Island eigenständig. Haupteinnahmequellen sind Fischfang, Landwirtschaft und Tourismus. Obwohl man sich europäisch fühlt, sind Verkehr und Kultur doch auch auf Nord-Amerika ausgerichtet. Sprecherin Nach der Scheidung zieht Björks Mutter Hildur in eine Wohngemeinschaft. Sie heiratet wieder, ihr neuer Partner spielt E-Gitarre in einer lokalen Rockband. Abends kommen Freunde und Bekannte vorbei, des Öfteren wird Musik gemacht. Björk ist eine begeisterte Zuhörerin dieser nächtlichen Sessions. Sprecher Als Kind besucht Björk die Musikschule, sie spielt Blockflöte und singt im Chor. In ihrer Freizeit liest sie Kinderbücher oder hört Radio. Das isländische Fernsehprogramm ist auf magere drei Stunden an sechs Wochentagen begrenzt. Nicht gerade viel, wenn man beginnt, sich für die Welt da draußen zu interessieren … ATMO Testbild MUSIK 3 aus dem Radio ( Tina Charles: I Love To Love 0‘25) Sprecherin 1976 bringt ein Radiosender eine Reportage über die Musikschule Tónmenntaskóli. Die Elfjährige Björk wird aufgenommen, als sie I Love To Love singt, ein Discosong der Britin Tina Charles, damals ein Hit. Eine lokale Plattenfirma bietet daraufhin an, mit dem Mädchen eine Platte zu produzieren. Sprecher Für die Aufnahmen bekommt Björk sogar zwei Wochen schulfrei. Das Album, das 1977 erscheint, verkauft sich sieben Tausend Mal, es macht Björk zum Kinderstar. Sie singt Kinderlieder, Stücke aus eigener Feder und Pop-Songs von Stars wie den Beatles, von Stevie Wonder und Melanie. Sprecherin In der Musikschule lernt Björk die großen Werke der klassischen Musik kennen. Richtig interessant aber wird es, als ein junger Lehrer an die Schule kommt. MUSIK 4 ( Stockhausen – Gesang der Jünglinge 0’33) Er macht die Kinder mit den Werken der klassischen Moderne und der Nachkriegs-Avantgarde bekannt, mit 12-Ton-Musik von Arnold Schönberg und den elektronischen Klängen des Kölner Komponisten Karlheinz Stockhausen. Sprecher Björk fühlt sich von der schwierigen, neuen Musik mehr angesprochen also von Zitat - dieser Retro-Nummer, der ständige Beethoven und Bach-Bullshit, Zitat-Ende, wie sie später in einem Interview mit Karlheinz Stockhausen erklärt. MUSIK 5 ( 108 Teil 1 aus: Arnold Schönberg: Streichtrio, op.45, Trio Zimmermann 0‘33) Sprecherin Als der Dirigent Kent Nagano in den 90-er Jahren auf Björk zukommt, um mit ihr Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“ aufzuführen, erzählt sie ihm, dass Schönberg aus dem gesamten klassischen Universum ihr Lieblingskomponist sei. ZSP Berit Glanz - Musikschule Es ist … so, dass es in Island wie also eigentlich in ganz Skandinavien eine sehr große Infrastruktur gibt für öffentliche Musikschulen, an die Leute gehen. … Das Grundwissen über klassische Musik ist in Island sehr, sehr groß. Und es gibt … seit einigen Jahrzehnten auch einen Trend zu Neuer Musik, wo man sich dann nämlich tatsächlich auf Avantgarde-Komposition konzentriert, … Dass Björk diese Einflüsse hat, ergibt sich schon auch aus der ganz spezifischen Bildungsstruktur der isländischen Gesellschaft und der großen Offenheit für letztlich auch avantgardistische Formen von Musik, die in dieser Gesellschaft sind. MUSIK 6 The Slits – Newtown (John Peel BBC Radio I Session 19.9.77) 0’40) Sprecher Zunächst interessiert sich Björk für Punk - Musik, die man leicht selbst machen kann. Mit Gleichaltrigen kann man sie jetzt öfters in einem Plattenladen in Reykjavik abhängen sehen. Mit 13 schert sie sich die Haare und rasiert ihre Augenbrauen. Mit Freundinnen gründet sie eine Mädchenband namens Spit and Snot. Die Gruppe schafft es zumindest, einige Male aufzutreten. Sprecherin Teenager Björk - Mitglied einer Frauenpunkband? Dass die junge Frau früh dem Feminismus anhängt und auch später Thesen der Women’s Liberation vertritt, ist angesichts der Sozialgeschichte Islands kein Wunder, erklärt Berit Glanz. ZSP Berit Glanz – Feminismus Die isländische Gesellschaft ist ja, was Gleichberechtigung betrifft, auf allen Ebenen global ganz weit vorne. Es gab in den 70er-Jahren den ersten großen Frauenstreik in Island, wo wirklich alle Frauen, der ganz große Teil der Frauen die Arbeit niedergelegt hat. Seitdem ist Island, das Land mit dem geringsten Pay Gap, das Land mit der ersten weiblichen Präsidentin. Das bedeutet, dass Björk feministisch ist, ist ziemlich logisch für die isländische Gesellschaft. MUSIK 7 Björk: Venus As A Boy 0‘22) Sprecher Björk wird auch deshalb zum Weltstar, weil sie sich als Feministin positioniert ohne Wenn und Aber. Sie bekennt sich in Lied-Texten zu ihrer Sexualität, formuliert unmissverständlich Lüste und Begierden. Selbst wenn sie futuristische Designer-Outfits trägt, gibt sie sich immer feminin. Sprecherin Anders als viele Rock-Musikerinnen, die noch den Kleidungsstil ihrer Kollegen, also Jeans und Lederjacken, übernehmen mussten, trägt Björk auffallend oft Röcke. Frauen, mit denen sie kooperiert, sind weibliche Stars wie Madonna, wie die Songschreiberin PJ Harvey oder Rosalía, die spanische Pop-Sängerin – Figuren, die für Selbstbestimmtheit stehen. MUSIK 8 Kukl: Gibraltar (Copy thy neighbour) 1’09) Sprecher In den 80-er Jahren ist Björk aber erst noch Teil der männerdominierten Punk- und Jazzszene Reykjaviks. Mit der Punkband Kukl nimmt sie zwei Alben auf, die außerhalb Islands Aufsehen erregen. Das radikale Anarcho-Punk-Kollektiv Crass aus England sorgt dafür, dass Kukl eine Tournee durch Westeuropa absolvieren kann. Sprecherin Während der 80-er Jahre bleibt Björk noch dem Konzept Rockband treu. Auf Kukl folgen The Sugarcubes, eine Band, die 1986 einen Tag nach der Geburt von Björks erstem Kind gegründet worden sein soll. Der eigenwillige Postpunk der Sugarcubes hat auch in den USA Erfolg, ihre Musik läuft auf College Radio Stationen, die von Studentinnen und Studenten gehört werden. MUSIK 9 Sugarcubes: F***ing in rhythm & sorrow 0’33) Sprecher Ende der 80er Jahre kommt es zur Zeitenwende. In Berlin fällt 1989 die Mauer, der Kalte Krieg ist zu Ende, der Ostblock implodiert. Vom Ende der Geschichte ist die Rede. Die Musik, zu der nun getanzt wird, ist synthetisch, maschinenhaft und laut. Techno feiert im Westen einen Siegeszug ohnegleichen. MUSIK 10 Björk: One Day 1’05) Sprecherin Damit verbunden ist eine gewisse Begeisterung für die Möglichkeiten der digitalen Revolution. Auch wenn PCs, also Heimcomputer noch unförmig aussehen, begrüßt und feiert man die ersten Errungenschaften der Digitalisierung frenetisch. Sprecher Diese Technologie verändert auch die Pop-Musik. Billige Aufnahme- und Schnitt-Programme halten Einzug. Für den Rhythmus sorgen statt eines echten Schlagzeugs programmierbare Drum Computer. Sprecherin Auch die Elektroingenieurstochter Björk ist angetan von der binären Logik der schönen neuen Medienwelt. ZSP Berit Glanz - Futurismus Futurismus auch, weil Island sehr technikaffin ist. … Es ist so, dass eigentlich fast jeder technische Trend hier ganz, ganz begeistert aufgenommen wird. Und auch von der Gesamtbevölkerung. Da passt Björk sehr, sehr logisch rein. Sprecher Björk ist Mitte Zwanzig und hat das Aufkommen der elektronischen Dance Music, das während der 80-er Jahre von statten ging, verfolgt. Sie hat auch schon die Fühler ausgestreckt und einige der Protagonisten der neuen Szene kennen gelernt. Sie ist sogar mit ihrem Sohn nach London gezogen. Sprecherin Hier stellt ihr neuer Freund den Kontakt her zu einem stilprägenden Produzenten. Mit Nellee Hooper aus Bristol arbeitet sie an ihrem ersten Soloalbum. Beteiligt sind zudem der indisch-stämmige Perkussionist Talvin Singh und eine 80-jährige Harfenspielerin aus Chicago, die Björk bei einer US-Tournee mit den Sugarcubes kennen gelernt hat. MUSIK 11 Björk: Crying 0’54) Sprecher Debut ist ein poly-stilistisches, post-modernes Werk. Es versammelt höchst diverse Stile und exotische Klangfarben, ohne in Weltmusik-Klischees abzurutschen. Es gibt Songs, bei denen sich die Sängerin nur von einem Saxophon-Quartett begleiten lässt. Indische Tabla Trommeln kommen zum Einsatz ebenso wie ein Streich-Orchester, das sonst Bollywood-Soundtracks veredelt. MUSIK 12 Björk: Come To Me 0’48) Sprecherin Der Hunger auf die Welt, wie er sich in den Klangfarben aus aller Herren Länder manifestiert, ist nicht verwunderlich, wenn man aus einem kleinen, abgelegenen Land an der Peripherie kommt, weiß Berit Glanz. ZSP Berit Glanz – Islands Isolation fördert Hunger auf Welt Island ist eine super-kleine Gesellschaft. … Island war sehr, sehr lange, sehr isoliert. Man sieht bei ganz vielen isländischen KünstlerInnen diese große Lust darauf, sich globale Einflüsse reinzuholen, die Welt zu entdecken von eben dieser abgeschlossenen, peripheren Position, in der Island sich befindet. MUSIK 13 Björk: Human Behaviour 0’45) Sprecher Eines von Björks Markenzeichen ist ihr leidenschaftlicher Gesang: reine Emotion, so intensiv, wie man es einer zierlichen Person nicht zutraut. Stellenweise klingt sie so, als würde es sie gleich zerreißen. Björks eruptive Vocals wirken verglichen mit den kühlen, immer gleich klingenden Electronica, wie der Anthropologe Claude Lévi-Strauss sagen würde, wie das Rohe und das Gekochte. Sprecherin Was Björk weiterhin auszeichnet, sind ihre vielen Gesichter, ihre Wandelbarkeit: Sie ist ein Zeitgeist-Chamäleon! Oft wechselt sie die High-Tech-Garderobe, trägt ungewöhnliche Mode, verändert Frisur, Styling, Schmuck. Dabei stellt sich die im Grunde schüchterne Björk nicht als glamouröse Persönlichkeit dar, sondern scheint mit Masken und Maskierungen nur zu spielen – als wolle sie etwas zeigen, auf etwas hinweisen, aber nicht sich selbst präsentieren. Sprecher Berit Glanz kennt derartiges aus Reykjavik. ZSP Berit Glanz – skandinavische Ästhetik Island hat eine skandinavisch geprägte visuelle Kultur, und die skandinavische visuelle Kultur ist ja sehr, sehr stark auf Design ausgerichtet. Also das sieht man ganz einfach, wenn man hier in Supermarkt geht. Hier sehen alle Produkte viel, viel besser aus als in Deutschland. Man mag Design hier, und man macht die Dinge schön, und man macht die Dinge interessant. Isländisch oder skandinavische Websites sehen im Vergleich zu deutschen Websites unglaublich viel besser aus. Zum Beispiel. Und dieses Interesse oder dieser Fokus darauf, dass die Dinge gut aussehen, den hat Björk auch. Und gut heißt ja nicht nur schön und glatt, sondern gut heißt ja auch interessant. Und das ist eben bei Björk zum Beispiel an diesen ganzen Musikvideos aus den 90er-Jahren, die ja alle ganz, ganz toll sind und ganz einzigartig. Und jedes Lied hat irgendwie einen anderen Look. ( … ) MUSIK 14 Björk: All Is Full Of Love 1’39) Sprecherin Für das Video von All Is Full…

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    Der Zuschauer-Effekt - Warum wir oft gaffen, aber nicht helfen Dec 31, 2024
    Show notes

    Was bringt Menschen dazu, im Notfall einzugreifen, statt nur zuzuschauen? Dies hängt laut Forschern nicht nur von Persönlichkeitsmerkmalen der handelnden Person, sondern auch von gruppendynamischen Prozessen ab. Von Lukas Grasberger (BR 2021)

    Credits
    Autor dieser Folge: Lukas Grasberger
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Johannes Hitelberger, Gudrun Skupin
    Technik: Christine Frey
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:
    Georg Baur, Helfer bei Angriff in Berliner U-Bahn aus Hürnheim (Schwaben)
    Prof. Wolf Dombrowsky, Katastrophen-Soziologe, Steinbeis-Hochschule, Berlin
    Peggy Mason, Neurobiologin, University of Chicago
    Prof. Andreas Kastenmüller, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Siegen
    em. Prof Dieter Frey, Lehrstuhl für Sozialpsychologie am Department für Psychologie der LMU München

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    Der Aralsee - Zwischen Meer und Wüste Dec 31, 2024
    Show notes

    Die Geschichte des Aral-Sees ist die Geschichte einer von Menschen verursachten Umweltkatastrophe - einst eines der größten Binnengewässer der Erde, verwandelte sich der See in eine Wüste. Aber es gibt Hoffnung. Von Christine Hamel (BR 2019)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Christine Hamel
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Berenike Beschle, Andreas Neumann, Stefan Merki
    Technik: Adele Kurdziel
    Redaktion: Nicole Ruchlak


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    Nostalgie - Der Traum vom besseren Gestern Dec 30, 2024
    Show notes

    Nostalgische Gefühle verklären vergangene Ereignisse und Zustände. Bei aller Wehmut verbessern sie deshalb die Stimmung und können über aktuelle Notlagen hinwegtrösten. So birgt die gute, alte Zeit auch ein zukunftsweisendes Potential - bei aller Gefahr, die im rückwärtsgewandten Denken liegt. Von Justina Schreiber (BR 2022)

    Credits

    Autorin dieser Folge: Justina Schreiber
    Regie: Ron Schickler
    Es sprachen: Franziska Ball
    Technik: Klemens Kamp
    Redaktion: Susanne Poelchau

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    RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema:

    Eskapismus - Flucht aus der realen Welt
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    Gegenwart - Ein rätselhaftes Phänomen
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    Melancholie in der Philosophie - Zwischen Genialität und Wahnsinn
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    Linktipps:
    ARD alpha | NOSTALGIE - Warum wir so gern nostalgisch sind und wofür das gut ist Lassen euch knallbunte Kaugummis, rosa Rollschuhe oder Songs aus eurer Kindheit in Erinnerungen schwelgen? Warum sind wir nostalgisch? Wir erklären euch, warum Nostalgie glücklich macht und was die Sehnsucht nach gestern mit der Gegenwart zu tun hat. ZUM ARTIKEL
    ARD Mediathek | BR | BR Retro
    Sie haben Lust, in alten Zeiten zu schwelgen? Mit "BR Retro" öffnet der BR seine Fernseh-Archive und zeigt Bayern, wie es jeder kennt, Bayern wie es keiner kennt. Und Bayern, wie es keiner mehr kennt. Zu finden in der ARD Mediathek:
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    Henry Kissinger - Ein Leben für die Macht Dec 27, 2024
    Show notes

    Henry Kissinger ist umjubelt und umstritten wie kaum ein anderer Politiker des 20. Jahrhunderts. 1923 in Fürth geboren, als Jude 1938 in die USA emigriert, wurde er unter Richard Nixon 1969 erst Nationaler Sicherheitsberater und später Außenminister der USA. Von Florian Kummert (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Florian Kummert
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Andreas Neumann
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Bernd Greiner, Autor von „Henry Kissinger – Wächter des Imperiums“

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    Der Vietnamkrieg - Ein Alptraum in Indochina
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    Linktipps:

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

    Literaturtipps:

    Bernd Greiner: Henry Kissinger – Wächter des Imperiums, 2020. C.H. Beck-Verlag.

    Niall Ferguson: Kissinger: der Idealist – 1923-1968, 2016. Propyläen Verlag.

    Henry Kissinger: Staatskunst: Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert, 2022. C. Bertelsmann Verlag.

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    Winston Churchill - Nobelpreisträger für Literatur Dec 26, 2024
    Show notes

    Nur selten sind große Staatsmänner und große Kriegsherren auch große Schriftsteller. Winston Churchill vereine alle Talente, befand die Schwedische Akademie und verlieh ihm 1953 den Literatur-Nobelpreis. Von Dorit Kreissl (BR 2016)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Dorit Kreissl
    Regie: Dorit Kreissl
    Es sprachen: Oliver Nägele, Rahel Comtesse, Frank Manhold
    Technik: Ursula Kirstein
    Redaktion: Petra Herrmann-Böck

    Literatur:
    Winston S. Churchill: "Meine frühen Jahre" (für den Kreis der Nobelpreisfreunde bestimmt - Nr. 48), Paul List Verlag München, Übersetzer: Dagobert von Mikusch

    Winston Churchill: "Reden in Zeiten des Kriegs", Aus dem Englischen von Walther Weibel, Europa-Verlag Hamburg 2002

    Sebastian Haffner: "Churchill - Eine Biographie" - 2001 Kindler Verlag, Berlin

    Peter Alter: "Winston Churchill" - Kohlhammer Verlag 2006 Stuttgart

    Winston S. Churchill: "Der zweite Weltkrieg" - Erster Band: Der Sturm zieht auf, Alfred Scherz Verlag Bern 1948 - Übersetzer: I. Muehlon

    Winston S. Churchill „Der zweite Weltkrieg“ – Zweiter Band „Englands größte Stunde“, Alfred Scherz Verlag Bern 1949, Übersetzer: N.O. Scarpi, Ben o. Stempell und w. Keller (Churchill Memoiren II/Allein)

    Winston S. Churchill: „Die Weltkrise 1911-1918, Band 1, Deutsch von Franz Fein, Verlag Amstutz, Herdeg & Co. Zürich 1947

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    Elfen - Die uralten und quicklebendigen Naturgeister Dec 26, 2024
    Show notes

    Der Glaube an Elfen scheint uralt und doch immer noch lebendig, zumindest in Island. Die Wahrnehmung dieser magischen Wesen hat sich über die Jahrhunderte jedoch stark verändert, v.a. im Zuge der Christianisierung. Und so wurden aus Göttern Hexen. Von Silke Wolfrum (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum
    Regie: Silke Wolfrum
    Es sprachen: Katja Bürkle, Florian Schwarz
    Technik: Winfried Messmer
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Dr. Susanne Dinkl, Lehrstuhl für europäische Ethnologie/Volkskunde, Julius-Maximilians-Universität Würzburg;
    Terry Gunnel, Fakultät für Soziologie, Anthropologie und Volkskunde, Universität Island

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    Die Magie der Steine - Mineralien in Kult und Mythologie
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    Literaturtipps:

    J.M. Bedell (2007): Hildur, Queen of the Elves and Other Icelandic Legens retold by J.M. Bedell, introduced and translated by Terry Gunnell. Interlink Books

    Susanne Dinkl (2017): Untote, Riesen, Zwerge und Elfen. Zur Konstruktion populären (Aber)Glaubens seit dem frühen Mittelalter. Königshausen & Neumann

    Terry Gunnell (2000): How Elvish were the Álfar? In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung, 41. Band. Walter de Gruyter

    Valdimir Tryggvi Hafstein (2000): The Elves’ Point of View. Cultural Identity in Contemporary Icelandic Elf-Tradition. In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung 41. Band. Walter de Gruyter

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    Die Kultur der Pünktlichkeit Dec 25, 2024
    Show notes

    Was man unter "Pünktlichkeit" versteht und welche Bedeutung sie hat, ist stark geprägt von der jeweiligen Kultur und Geschichte einer Region. Dabei spielt die Entwicklung der Industrialisierung eine wichtige Rolle, die nicht zufällig einhergeht mit einer immer genaueren Messung der Zeit. Von Carola Zinner (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Carola Zinner
    Regie: Susi Weichselbaumer
    Es sprachen: Katja Bürkle, Friedrich Schloffer
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Dr. Ulrich Kühnen, Professor für Psychologie in Bremen
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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    ARD Audiothek | Der KI-Podcast
    Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – KI prägt unsere Gegenwart. Künstlich generierte Texte, Bilder und Stimmen sind überall ... und werden wöchentlich besser. Welche Auswirkungen bringt die KI in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft mit sich? Wie kann man künstliche Intelligenz selbst im Alltag nutzen? Und was passiert, wenn jeder Inhalt im Internet auch ein KI-Fake sein könnte? Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub stellen sich jeden Mittwoch den großen und kleinen Fragen der KI-Revolution – und trennen die Fakten vom Hype. Ein ARD-Podcast von BR24 und SWR.
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    Literaturtipps:

    Robert Levine: „Eine Landkarte der Zeit – Wie Kulturen mit der Zeit umgehen“. Piper Verlag.

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    Die Fichte - Immergrün ohne Zukunft? Dec 25, 2024
    Show notes

    Jahrzehntelang galt sie als "Brotbaum" der Forstwirte, inzwischen ist sie in Deutschland aber auf dem absteigenden Ast: die Fichte. Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer setzen ihr so zu, dass Experten befürchten, dass sie in deutschen Wäldern keine große Zukunft mehr hat. Von Susanne Hofmann (BR 2023)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Andreas Neumann, Maren Ulrich
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Iska Schreglmann

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    Bayerns Wälder - Von der Wildnis zum Forst
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    Interviewpartner/innen dieser Folge:
    Professor Christian Zang, Professor für Wald und Klimawandel an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
    Renate Hudak, Kreisfachberaterin für Gartenbau und Landespflege, Öffentlichkeitsarbeit am Botanischen Garten Augsburg, Umweltpädagogin.
    Jan Finn Bacher, Geigenbauer in Augsburg.

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