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    Latest Episodes:
    Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles Natur Dec 18, 2024
    Show notes

    Im Kampf gegen die Erderwärmung geraten zunehmend die Ernährungsgewohnheiten der Menschheit in den Fokus. Der Heißhunger auf Fleisch gilt als wahrer Klimakiller. Ist eine überwiegend pflanzenbasierte Diät die Lösung, um die Klimakatastrophe abzuwenden? Von Lukas Grasberger (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Lukas Grasberger
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Andreas Neumann, Carsten Fabian, Diana Gaul
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Dr. Marco Springmann, Senior Researcher, Environmental Change Institute, University of Oxford;
    Dr. Susanne Rolinski, Forschungsbereich Klimaresilienz, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung;
    Prof. Regina Birner, Lehrstuhl Sozialer und institutioneller Wandel in der landwirtschaftlichen Entwicklung“ an der Uni Hohenheim;
    Prof. Jürgen Kropp, Forschungsgruppe „Urbane Transformationen“ Potsdam Institut für Klimafolgenforschung;
    Lora Iannotti, PhD, Institute for Public Health, Washington University in St. Louis

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    Mikroalgen - klein, grün, vielseitig
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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    ARD Audiothek | Bergfreundinnen
    Zwanzig Tage, an die 1.500 Kilometer und weit über 10.000 Höhenmeter: Die Hosts des Podcasts „Bergfreundinnen“ starten auch in diesem Jahr in ein Sommer-Abenteuer: Ab 12. Juli fahren sie mit dem Fahrrad von München nach Paris. Alles was Kaddi, Cathi und Toni bei ihrer ganz persönlichen Tour de France dabeihaben, sind drei Fahrräder, ein Zelt und die Hilfe ihrer Community. Zur Tour gibt es täglich eine Folge in ihrem Podcast in der ARD Audiothek und in ihrem Instagram-Kanal.
    ZUM PODCAST

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Der Brunnen - Errungenschaft der Zivilisation Dec 17, 2024
    Show notes

    Die Sesshaftigkeit brachte eine Vielzahl bahnbrechender Innovationen. Eine von ihnen: Die Brunnen. Erfüllten sie früher viele Aufgaben, waren Wasserquelle oder Heiligtum, sind sie heute reine Zweckbauten. Zweckbauten, von denen die Wasserversorgung zum großen Teil abhängt - das ist in allen Teilen der Welt der Fall, auch in Deutschland. Von Dagmar Röhrlich (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Dagmar Röhrlich
    Regie: Susanne Weichselbaumer
    Es sprachen: Dorothea Anzinger, Herbert Schäfer
    Technik: Robin Auld
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Dr. Ralf Schmitz, wissenschaftlicher Kurator für Vorgeschichte im LV Landesmuseum Bonn;
    Dr. Florian Klimscha, Archäologe am Landesmuseum in Hannover;
    Dr. Harald Stäuble vom Landesamt für Archäologie in Sachsen;
    Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege in Bayern;
    Nico Goldscheider, Professor für Hydrogeologie am Karlsruher Institut für Technologie KIT;
    Holger Wilke, Diplom-Geologe bei der Brunnenbaufirma Angers Söhne;
    Dr. Falk Lindenmaier, Projektleiter Jordanien, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover;
    Dr. Alexander Jokisch, BGR-Projektkoordinator für Jordanien und den Libanon

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    Wasser - Quell des Lebens
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    Das Grundwasser - Schatz aus der Tiefe
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    Das Kanalsystem in Deutschland - Eine unterirdische Geschichte
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    Kloster Waldsassen - Die barocke Attraktion im Stiftland Dec 16, 2024
    Show notes

    Eine Idee, die vor rund 900 Jahren in den Wald gesetzt wurde und seitdem immer wieder zu neuem Leben erwachte: das Kloster Waldsassen. Nach viel dramatischem Auf und Ab bis in die letzten Jahre ist der Ort mit seiner barocken Pracht heute der große Besuchermagnet im Oberpfälzer Stiftland. Von Thomas Morawetz (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Thomas Morawetz
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Andreas Neumann, Irina Wanka
    Technik: Monika Gsaenger
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Laetitia Fech OCist, Äbtissin Kloster Waldsassen;
    Dr. Thomas Vogl, Stadtpfarrer Waldsassen;
    Bernd Sommer, Erster Bürgermeister der Klosterstadt Waldsassen;
    Natalie Müller, Führerin durch die Klosterbibliothek

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    Bayern und Böhmen - Kampf um Glauben und Krone
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    Linktipps zu den Sehenswürdigkeiten

    Die Seite der Abtei mit Mädchenrealschule, Gästehaus St. Joseph, Straußenfarm Mitterhof, Kultur- und Begegnungszentrum und Umweltstation
    EXTERNER LINK | https://abtei-waldsassen.de/

    Pfarrei Waldsassen mit der barocken päpstlichen Stiftsbasilika
    EXTERNER LINK | https://www.pfarrei-waldsassen.de/

    Die barocke Kapplkirche:
    EXTERNER LINK | https://www.kapplkirche.de/

    Die Gemeinde Waldsassen und die barocken Sehenswürdigkeiten der Stadt:
    EXTERNER LINK | https://www.tourismus.waldsassen.de/entdecken/unsereschaetze/

    Links zur Geschichte von Kloster und Ort:

    Pius Bieri, Ehemalige Zisterzienserabtei Waldsassen (2019)
    Reich illustrierte ausführliche Geschichte von Kloster und Ort mit weiterer Literatur
    EXTERNER LINK | https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/s-z/Waldsassen.html

    Dietmar Herrmann, Im Jahr 2008: 875 Jahre Kloster Waldassen
    Knapperes Porträt des Klosters anlässlich der 875-Jahrfeier. Illustriert, mit Karte und weiteren Links
    EXTERNER LINK | http://www.bayern-fichtelgebirge.de/heimatkunde/108.htm

    P. Alkuin Schachenmayr O.Cist., Kloster Waldsassen: Ein geschichtlicher Überblick. Wissenschaftlicher Aufsatz von 2018.
    EXTERNER LINK | https://kidoks.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/1983/file/Waldsassen_SMBO_2018_149-170.pdf

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    Stalking - Wenn die „Liebe“ Wahnsinn ist Dec 13, 2024
    Show notes

    Fünfzig Anrufe am Tag, Nachstellung, Bedrohung, Erpressung. Für Stalking-Opfer wird das Leben schnell zur Hölle. Jeder Achte ist irgendwann im Laufe des Lebens betroffen. Auch wenn es Anti-Stalking-Gesetze gibt, lassen sich Täter selten davon beeindrucken. Umso wichtiger sind professionelle Beratungsangebote für Opfer sowie für Täter. Von Karin Lamsfuß (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann
    Technik: Fabian Zweck
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Prof. Harald Dreßing, Stalkingforscher, Uni Mannheim;
    Wolf-Ortiz Müller, Dipl. Psychologe und Leiter der Beratungsstelle Stop Stalking Berlin;
    Gerhard Müllenbach, stellv. Bundesvorsitzender des Weißen Rings

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Was schulden wir den Eltern? Zwischen Pflichtgefühl und Abgrenzung
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    Linktipps für Betroffene:

    EXTERNER LINK | www.polizei-beratung.de/opferinformationen/stalking/

    EXTERNER LINK | weisser-ring.de/tipps-gegen-stalking

    EXTERNER LINK | www.stop-stalking-berlin.de/

    Literaturtipps:

    Dreßing, Harald und Gass, Peter: Stalking!: Verfolgung, Bedrohung, Belästigung. Hogrefe-Verlag;

    Ortiz-Müller, Wolf: Stalking. Das Praxishandbuch, Verlag Kohlhammer

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    Improvisation als Lebenskunst - Der Sprung ins kalte Wasser Dec 12, 2024
    Show notes

    Alles von vorne bis hinten durchzuplanen, ohne Pannen und böse Überraschungen: für manche eine schöne und vor allem beruhigende Vorstellung. Doch leider funktioniert das Leben oft so nicht. Vieles kommt anders, als man denkt. Und dann ist es von Vorteil, wenn man die Kunst der Improvisation beherrscht. Von Karin Lamsfuß CreditsAutorin dieser Folge: Karin LamsfußRegie: Martin TraunerEs sprachen: Friedrich Schloffer, Irina WankaTechnik: Fabian ZweckRedaktion: Susanne Poelchau Im Interview:Prof. Georg Bertram, Philosoph FU BerlinAndreas Wolf, Gründer und Leiter des Impro-Ensembles fastfood-theaterCarsten Alex, Aussteiger und CoachInes Klose, UnternehmerinRalf Promper, Leiter der Obdachloseneinrichtung SKM Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Besonnenheit - Die Kraft der inneren Mitte HIER Alles anders, alles neu? - Die Psychologie des Umbruchs HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. ZUM PODCAST Linktipps:Georg Bertram; Michael Rüsenberg: Improvisieren! Lob der Ungewissheit, Reclam Verlag, 2021Andreas Wolf: Spontan sein. Improvisation als Lebenskunst. ComTeammedia, 2013 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Carsten Alex (0‘03“) Die Zutaten waren in jedem Fall mal keinen Plan zu haben. O-Ton 2 Carsten Alex (0‘04“) Wir hatten also nur ein One-Way-Ticket: Stuttgart-Mailand-Mailand-Bombay… O-Ton 3 Carsten Alex (0‘05“) Es gab keine feste Planung, es gab auch keinen definierten Zeitpunkt, an dem ich wieder zurückkehren wollte. O-Ton 4 Carsten Alex (0‘08“) Das war wirklich von null auf tausend. Ich brauchte auch erst mal Zeit, um in diese Reise hineinzukommen. In dieses Planlose, in dieses Gelassene. O-Ton 5 Andreas Wolf (0‘10“): Und das hat viel mit Improvisation zu tun, nämlich das Loslassen. Ein guter Improvisateur kann loslassen, der schlechte Improvisateur - in Anführungsstrichen - kontrolliert. Musik weg Sprecher: Ungeplant, spontan, kreativ, ohne Struktur, aus dem Moment heraus – all das sind Merkmale der Improvisation: Wenn die Präsentation auf dem Rechner plötzlich zerschossen ist, wenn das Kind auf der langen Autofahrt nölig wird, wenn das Gepäck auf dem Flug verloren geht, wenn plötzlich Gäste kommen und der Kühlschrank gähnend leer ist – das sind nur wenige Beispiele für die unzähligen Herausforderungen im Leben, in denen Improvisation gefordert ist. Sprecherin: Improvisation ist ziemlich anspruchsvoll, sagt Andreas Wolf, Gründer des Münchner Impro-Theater-Ensemble „fastfood-Theater“. Denn es geht dabei gleich um mehrere Dinge: Kontrolle abgeben. Bekannte Strukturen verlassen. Mut aufbringen. Und Gelassenheit: O-Ton 6 Andreas Wolf: (0‘16“) Also Gelassenheit heißt: getragen werden. Schwimmen lerne ich ja, indem ich vertraue, dass ich oben schwimme. Ich muss gar nicht viel machen, aber ich brauche das Vertrauen. Weil wenn ich strampele aus Angst, gehe ich runter und das ist ja dieses Vertrauen in das Leben. Musik, dann darüber: Sprecherin: Vertrauen ins Leben. Mut zur Ungewissheit, Mut zur Improvisation. Das war Carsten Alex nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Zunächst ergriff er einen Beruf, der für das genaue Gegenteil steht: klare Regeln, Struktur, Vorhersehbarkeit. Carsten Alex war Schalterbeamter bei der Post. Irgendwann fühlte ich die klassische Beamtenlaufplan zu eng an. Er studierte BWL, machte danach Karriere bei einem großen Automobilhersteller. Mit 32 hatte er (alles) : Geld, Macht und Einfluss. Und trotzdem rumorte es weiter in ihm. So dass er eines Tages den Sprung ins kalte Wasser wagte. O-Ton 7 Carsten Alex (0‘14“): Gekündigt, Hab und Gut verkauft, meine sehr persönlichen Dinge hab ich eingelagert, und dann bin ich mit einem Rucksack gestartet. Also ich hab mein vorher sehr Konsum- und Material-orientiertes Leben von jetzt auf gleich verändert. Sprecherin: 20 Monate war Carsten Alex unterwegs. Gemeinsam mit einem Freund. Mongolei, China, Nepal, Indien, China, Loas, Kambodscha. Später Südamerika. Sie ließen sich treiben. Planten maximal bis zum nächsten Tag. O-Ton 8 Carsten Alex (0‘30“) Gerade das Berufsleben in der Gegenwart erfordert ja ne hohe Zielstrebigkeit, ne hohe Präzision, durchaus auch Planung. Und mal festzustellen, dass das Leben mal ne ganz andere Qualität erreichen kann wenn die Dinge nicht so durchgeplant sind, dass ich Menschen eine Chance gebe, dass ich Begegnungen und Zufällen eine Chance geben kann und nicht immer von dem einen zum nächsten Termin hetzen muss. Und ich habe neun Monate gebraucht um die lange-Weile genießen zu können. Sprecherin: 20 Monate lang Improvisation, 20 Monate Leben aus dem Moment heraus. Oft wussten er und sein Freund nicht, wo sie die nächste Nacht verbringen würden. Es gab dauernd unerwartete Situationen. Beispiel: Bangladesch. Generalstreik, begleitet von Straßenkrawallen. Nichts ging mehr. O-Ton 9 Carsten Alex (0‘24“) In Bangladesch hatten mich hatten mich vier junge Burschen gefragt, ob ich nicht bei ihnen wohnen möchte. Und ich war verdutzt: „Wie? Wo?“ „Ja, bei meiner Familie!“ Und hab zwei Sekunden nachgedacht und hab gesagt „Ich mache es!“ Und diese fünf Tage in einem muslimischen Haushalt zu erleben und dort Gast zu sein, das hat mich sehr stark berührt. Und in meiner verkopften Welt hier wäre ich dem so nicht nachgegangen! Musikzäsur Sprecher: Das Wort „Improvisation“ wird in mehreren Zusammenhängen benutzt: Erstens: Handeln aus dem Moment heraus, ohne Vorbereitung, aus dem Stehgreif. Zweitens: Spontane Lösungen für unvorhersehbare Probleme finden. Drittens: Kreativer Umgang mit dem Mangel. Also aus „nichts“ etwas zaubern. Zurück geht das Wort auf das Italienische „all improvviso“. Plötzlich. Abrupt. Unerwartet. Ist Improvisieren also ein relativ neues Phänomen? Schließlich hat die italienische Sprache in ihrer heutigen Form ihren Ursprung im 14. Jahrhundert. Sprecherin: Nein, sagt der Philosoph Prof. Georg Bertram, der das Buch „Improvisieren – Lob der Ungewissheit“ geschrieben hat. Er sagt: Improvisieren gehörte schon immer zum Menschsein dazu. O-Ton 10 Georg Bertram (0‘21“): Denken wir an Heraklits berühmtes „Alles fließt“. D.h. wenn alles fließt, wenn alles nicht fest ist, heißt das, dass wir im Grunde uns darauf einstellen können, dass das unsere wesentlichen Fähigkeiten sind, auf das sich stets Verändernde zu reagieren. D.h. wir, die wir im Fluss sind oder wo auch immer, sind stets mit sich verändernden Realitäten konfrontiert. Musikzäsur Sprecher: Auch wenn es dem einen leichter und der anderen schwerer fällt: Jeder Mensch muss im Alltag improvisieren. Keiner kommt ohne diese Fähigkeit durch Leben. Sprecherin: Es beginnt, so Georg Bertram, bereits in jedem halbwegs anspruchsvollen Gespräch, das über den einfachen Small-Talk herausgeht. O-Ton 11 Georg Bertram (0‘24“) Denken wir an einen Beziehungskonflikt. Wenn ich mit dem Partner der Partnerin über irgendwas, was im Argen liegt, beginne ernsthaft zu streiten, ist ganz klar, dass ich nicht weiß, was sie vorbringen wird, was er vorbringen wird, und darauf reagieren zu können. Und zwar auf ne angemessene Art und Weise reagieren zu können. Wenn im Grunde ich mir so ein paar Schema-Antworten zurechtlege, wird das Gespräch notwendigerweise schief gehen. Weil die Schema-Antworten nicht passen. Sprecherin: Andreas Wolf sagt: Zur Improvisation braucht man Neugier, Offenheit und Mut. Der Impro-Theater-Gründer lehrt das auch in Workshops für Menschen, die lernen möchten, beruflich oder privat besser und leichter zu improvisieren. Eine einfache Übung, die auch jeder zuhause nachmachen kann, sind Wortspiele: O-Ton 12 Andreas Wolf (0‘15“) Die Vorgabe ist: Ich stehe mit meinem Partner in der Küche und soll Spaghetti kochen. Dann sage ich „Wir“, sagt der andere „gehen“, sage ich „zum Schrank und öffnen die Schublade“ Sprecherin: So weit so gut. Und dann kommt eine Störung. So wie das Hindernis im richtigen Leben. Das Gegenüber wirft das – zunächst unsinnig klingende - Wort „Oper“ ein. O-Ton 13 Andreas Wolf (0‘29“) Okay, gut. Wir gehen zur Oper. Und dann suche ich vielleicht in der Oper eine Location, ein Restaurant, das Opernrestaurant und gehe dort in die Küche und fang dort in der Opernküche an zu kochen. Vielleicht in der Kantine von der Oper, vielleicht im Restaurant, von der Oper. Oder vielleicht stehe ich auf der Bühne, dass wie es halt kommt. Ich versuche immer, alles ganz in die Aufgabe zu integrieren, nämlich zum Beispiel in der Küche irgendwas zu kochen, Spaghetti zu kochen. Jetzt bin ich in der Oper gelandet. Gut, wir kochen Spaghetti auf der Bühne und singen dabei „O sole mio“. Ggf. hier „o sole mio“ , falls das nicht zu platt ist. Sprecher: Improvisation ist wie ein Tanz: der eine sagt etwas, die andere reagiert. Die eine tut etwas, der Andere nimmt den Impuls auf. Im Impro-Workshop in Wortspielen, im Leben in einem kreativen Gedankenaustausch. Sprecherin: Improvisation ist nichts, was im luftleeren Raum stattfindet, sondern ist oft das Ergebnis einen guten und verbundenen Miteianders, so der Philosoph Georg Bertram: In der Musik, im Tanz, beim Impro-Theater, bei Mannschaftssport, im konstruktiven Dialog: Immer ist es wichtig, auf die Töne des anderen zu hören. O-Ton 14 Georg Bertram (0‘40“) Zu dem falschen Bild von Improvisation gehört aus meiner Sicht, das wir denken: Das Improvisieren geht wesentlich aus einer isolierten Reaktion aus irgendwas, womit wir konfrontiert sind, hervor; und ich glaube, das richtige Bild ist, dass wir im Grunde jede Reaktion im Improvisieren als einen Impuls für weitere Reaktionen zu verstehen haben. So dass es gar nicht um ein einfaches Reagieren, sondern um ein Verbundensein von Reaktionen geht. Und das heißt, dass das Improvisieren ein soziales Moment hat, d.h. dass Improvisieren wesentlich dieses Sich-Konfrontieren mit einer Perspektive und mit Impulsen, die von anderen ausgehen, bedeutet. Und dass in diesem Sinne improvisatorische Fähigkeiten hochsoziale Fähigkeiten sind. Musikzäsur geht über in Küchenatmo, dann darüber Sprecherin: Berge von Zucchini, Paprika, Aubergine, Staudensellerie, Rote Rübe, Pastinake türmen sich auf den Arbeitsflächen der Großküche. Der Duft von frisch gehackter Petersilie, Minze, Basilikum und Thymian wabert durch die Luft O-Ton 15 Ines Klose (0‘22“)“ Die kochen hier freitags immer das ganze Gemüse weg, damit die Kräuter nicht weggeworfen werden müssen, was kriegen wir eigentlich heute? Koch: Eine Gemüsepfanne. Eine mediterrane Gemüsepfanne. Mit viel frischen Kräutern. Und dazu gibt’s nen Bulgur.“ Und da haben wir ein paar Kirschtomaten… (O-Ton geht weiter) Darüber Sprecherin: Ines Klose ist eine wahre Improvisationskünstlerin. Sie hat mit Ihrem Catering-Unternehmen das geschafft, wovon alle sagen: Das kann nicht klappen! Sie kocht gesunde und vollwertige Kita- und Schulverpflegung zu einem Verkaufspreis um die drei Euro. Dafür muss sie an allen Ecken und Enden improvisieren: die Brühen sind selbst gemacht, das Brot selbst gebacken, sämtliche Reste werden verwertet, sie verzichtet grundsätzlich auf Convenience-Produkte. Kein Zucker, keine Geschmacksverstärker. Die Kinder, die bis dato vor allem auf Junk Food standen, mussten mit viel Kreativität überzeugt werden von der gesunden Vollwert-Küche. O-Ton 16 Ines Klose (0‘19“) Es war nicht einfach. Die Kinder schrien gerade in den sozialen Brennpunkten nach Fritten, Hotdogs, Hamburger, Döner, jooo… wir sind ihnen manchmal so ein bisschen entgegengekommen, nicht indem wir uns verraten haben, sondern dass ich versucht habe, aus unseren Gewürzen den Geschmack genauso herzustellen, wie er im Grunde genommen dann eigentlich auch an der Frittenbude zu erhalten ist! Sprecherin: Es erforderte viel Kreativität und Improvisationskunst den massiven Widerständen zu begegnen. O-Ton 17 Ines Klose (0‘19“) Oder wenn sie schreien „die Linsensuppe, die wollen wir nie wieder haben!“, dann gehe ich da hin: Wie machen wir das denn? Und dann nehmen wir vier Kinder, die, die am lautesten geschriene haben „Die Linsensuppe wollen wir nicht!“ und dann koche ich mit den vier Kindern Linsensuppe für die komplette Schule, und dann sind die so stolz, und es schmeckt ihnen, und dann mag die ganze Schule auf einmal Linsensuppe! Sprecherin: Heute hat Ines Klose 14 festangestellte Mitarbeiter und kocht mit ihrem Team 2.000 Schulessen am Tag. Musikzent: Sprecher: Um die Ecke denken, neue Wege gehen. Kreativ werden, wenn sich Hindernisse in den Weg stellen. Das ist die hohe Kunst der Improvisation. O-Ton 18 Andreas Wolf (0‘22“) Also wir haben ja so eine Linearität in unserem Handeln drin und in diese Linearität, von der wir glauben, dass sie einen bestimmten Weg hat, kommt ein Hindernis. Man hat was anderes geplant. Und der Umgang damit und die Leichtigkeit, mit der ich das hinbekomme, ist halt die Kunst der Improvisation. In dem Moment, wie ich trotzdem zu meinem Punkt B komme und gehe mit dem, was mir da in den Weg kommt, leicht um. Sprecherin: Ines Klose gibt kostenlose Kochkurse für Kinder und Jugendliche, wirbt auf Elternabenden mit ihrer gesunden Vollwertküche. Zwölf Jahre Improvisationskunst. Niemand glaubte an ihre Idee. Einen Gründungskredit gab es nicht. Anfangs habe sie dabei draufgezahlt, erzählt sie. O-Ton 19 Ines Klose (0‘11“) Ich habe die Firma aufgebaut mit nichts, ich weiß sogar, was es heißt, manchmal etwas zu wenig zu essen zu haben. Aber wenn man so was erlebt, dann weiß man auch, wie es geht: Wie man aus Nichts was kocht! Musikzent Sprecher: Aus nichts etwas zaubern: Das ist ein weiterer Aspekt der Improvisation. Heute, wo wir fast alles im Overnight-Service bestellen können, ist diese Fähigkeit kaum noch gefordert. Früher aber, in Zeiten des Mangels, der Knappheit und der Armut war Improvisationskunst überlebens-notwendig. Über Musik Sprecher: „Arme Ritter“ aus altbackenen in Rahm und Eiern eingeweichte Brötchen. Oder Brotsuppe. Das sind Gerichte, die im Mangel entstanden sind. Aus Resten, die vielleicht noch in der Vorratskammer zusammengekratzt wurden. Und weil es keine Kühlschränke gab, wurde fermentiert oder geräuchert. Oder Lebensmittel im natürlichen Erdkühlschrank durch den Winter gebracht. Musik weg Sprecher: Was damals aus der Not heraus improvisiert wurde, ist heute Bestandteil einer wiederentdeckten Kultur. Die alten Techniken finden immer mehr Anhänger. Sprecherin: Der Philosoph Georg Bertram betont jedoch: Improvisation funktioniert nie aus einer Art Nullzustand heraus. Sondern sie greift immer zurück auf Fähigkeiten, die der- oder diejenige zuvor bereits erworben hat: O-Ton 20 Georg Bertram (0‘17“) D.h. ich muss mir Fähigkeiten angeeignet haben zu reagieren, überhaupt praktisch tätig zu sein. Und in diesem Moment auch zu nutzen. Ich muss aber auch Fähigkeiten haben, so einen Moment zu erkennen. Und insofern würde ich sagen: Das Improvisieren ist bei Lichte gesehen etwas, das eine hohe kulturelle Errungenschaft darstellt. Sprecher: Analogien bilden. Um die Ecke denken. Dinge miteinander kombinieren, die bislang noch nichts miteinander zu tun hatten. Den Geist weiten. All das kann man lernen – etwa in Impro-Theater Workshops. Man kann aber bereits bei Kindern diese Fähigkeit fördern, so Andreas Wolf vom Impro-Theater fastfood. Oder eben schon früh im Keim ersticken: O-Ton 21 Andreas Wolf (0‘32“) Man kann den Kindern fertige Dinge geben, also Dinge, wo sie ihre Fantasie nicht mehr benutzen müssen. Man könnte aber auch denen einen Legos…

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    Ludwig Hirsch - Dunkelgraue Lieder aus Wien Dec 12, 2024
    Show notes

    Der Wiener Liedermacher Ludwig Hirsch gewann mit seinen dunkelgrauen Liedern Kultstatus. Sie waren seine Antwort auf das graue Wien mit "seiner Zentralfriedhofs-Atmosphäre und seinem Altweiber-Faschismus". Die melancholischen Melodien seiner Lieder verwandelte er mit seinen bissigen Texten zu akustischem Theater. Von Frank Halbach (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Frank Halbach
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Irina Wanka, Thomas Birnstiel
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Gustav Klimt - Der Wiener Maler und der Kuss
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    Literaturtipps:

    Cornelia Köndgen: Mit einem kleinen Schuss ins Rot: Die Jahre mit Ludwig Hirsch. Wien 2013.

    Andy Zahradnik/Cornelia Köndgen/ Johann M. Bertl: I lieg am Ruckn – Erinnerungen an Ludwik Hirsch. Wien 2016.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


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    Kultur des Todes - Geschichte des Friedhofs Dec 11, 2024
    Show notes

    Grabstätten gehören zu den ältesten Zeugen menschlicher Zivilisation: Von Gräberfeldern und Nekropolen entwickelten sie sich mit der Christianisierung zum Friedhof. Dieser Ort des Gedenkens wandelt sich heute mehr und mehr zu einem Schauplatz, der das menschliche Streben nach Individualität widerspiegelt. Von Frank HalbachCreditsAutor dieser Folge: Frank HalbachRegie: Frank HalbachEs sprachen: Ditte Ferrigan, Stefan Wilkening, Ines HollingerTechnik: Daniela RöderRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview: Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler (Soziologen und Thanatologen), Universität PassauProf. Dr. Dr. Ina Wunn, Religionswissenschaftlerin und Biologin Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Der Tod und wir - Rebellion gegen die Endlichkeit Wie gehen wir mit unserer Sterblichkeit um? Wie hängen Lebenskunst und Wissen um die eigene Endlichkeit zusammen? Welche Rolle spielt der Trost der Religion? Antworten aus der Psychoanalyse und der Philosophie. (BR 2018) Autorin: Inka Kübel HIER ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literatur: Thorsten Benkel, Matthias Meitzler: Körper - Kultur - Konflikt: Studien zur Thanatosoziologie (Thanatologische Studien - Thanatological Studies). Baden-Baden 2021. Thorsten Benkel, Matthias Meitzler Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Ungewöhnliche Grabsteine. Eine Reise über die Friedhöfe von heute. Köln 2014. Thorsten Benkel, Matthias Meitzler: Game Over. Neue ungewöhnliche Grabsteine. Köln 2016. Ina Wunn , Patrick Urban , et al.: Götter - Gene - Genesis: Die Biologie der Religionsentstehung. Heidelberg 2015. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATORIN Noch niemals hat mich so wie heut Des Todes Poesie gerührt, Da mich mein Pfad beim Nachtgeläut Zum engen Friedhofstor geführt. SPRECHER Ein Raum für ungestörtes Totengedenken: der Friedhof. ZITATORIN Wie liegen sie so still und traut, Umglüht vom gleichen Abendschein, Vom gleichen Lenzduft übertaut, Die blumenbunten Gräberreih’n, SPRECHER Dichtet Frida Schanz, eine der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen vor dem Ersten Weltkrieg, über den Friedhof, einen von den Lebenden abgegrenzten Ort. MUSIK ENDE O-Ton 2 Meitzler (16:58) Dieses Image als düsterer, weltvergessener Ort… SPRECHERIN Der Totenacker, das Gräberfeld, die Gruft, das Mausoleum, die letzte Ruhestätte… SPRECHER Ein Ort des Gedenkens, der Einkehr und der Trauer. O-Ton 3 Meitzler (13:13) Friedhof ist eben nicht nur der Ort, der Trauer und der Melancholie, sondern es kann auch durchaus ein sehr lebendiger Ort sein, den man auch zu ganz anderen Zwecken aufsuchen kann. SPRECHERIN Ein heiliger Ort O-Ton 4 Benkel (03:11) Friedhöfe haben eine ganz klassisch profane Funktion, sie sind Speicherstätten für tote Körper. Die müssen ja irgendwohin. (…) 03:32 Ganz profan pragmatisch. Wird dann natürlich mehr oder minder intensiv, je nachdem, wo man ist, durch Ritualität, Zeremonien und so weiter aufgewertet. Wobei das heutzutage nicht mehr so eine große Rolle spielt. SPRECHER Dr. Thorsten Benkel. Er und sein Kollege Matthias Meitzler, beide am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Passau, sind Thantologen. SPRECHERIN Sie forschen zu den Themenfeldern Sterben, Tod und Trauer. Matthias Meitzler: O-Ton 5 Meitzler (01:24) Im Prinzip sämtliche Facetten dieser ganz großen Thematik. Das geht los beim Sterben. Das führt zu der Frage: Was passiert eigentlich mit einem toten Körper? Wie wird heutzutage bestattet? Wie sind Gräber gestaltet? Und was kann man denn ganz allgemein sagen: Wie hat sich das Verhältnis zu Sterben, Tod und Trauer verändert? Das ist so ein Forschungsschwerpunkt von mehreren, und den bearbeiten wir seit einiger Zeit sehr intensiv. MUSIK 2 ; ZEIT: 00:25 SPRECHERIN Grab- und Kultstätten sind gehören zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Zivilisation. SPRECHER Schon seit der frühen Steinzeit bestatten Menschen ihre Toten. In der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte entstehen verschiedene Vorstellungen vom Weiterleben nach dem Tod und Ahnenkult. MUSIK ENDE O-Ton 6 Wunn (01.37) Am Anfang war der Tod. SPRECHERIN Sagt Dr. Dr. Ina Wunn, Biologin und Professorin für Religionswissenschaft. SPRECHER Archäologischen Funde früher Bestattungen, in Form demonstrativer Gräber, gelten gemeinhin als Beweisstücke für die ersten menschlichen Vorstellungen vom „Übersinnlichen“. SPRECHERIN Dabei haben sie zunächst einen ganz diesseitigen praktischen Zweck: O-Ton 7 Wunn (02.18) Wenn man das Ganze aber aus einer biologischen Warte betrachtet oder auch aus einer ethnologischen Warte, dann wird man feststellen: Diese demonstrativen Grabstätten gibt es immer da, wo Territorien markiert werden. Also da, wo Völker leben, oder Stämme leben, oder Gruppen leben, die Jäger sind und Sammler und die auf ein großes Territorium angewiesen sind. Und die markieren mit den Begräbnissen einfach das Land, was sie für sich zum Jagen und zum Sammeln beanspruchen. Und genau so haben das bereits vor 90.000 Jahren die ersten Bewohner Europas gemacht. Haben also einfach ihre Toten bestattet, haben unter Umständen den Schädel, den sie vorher schön säuberlich bearbeitet hatten, also alles Fleischige davon entfernt, haben sie auf die Begräbnisstätte gelegt, um deutlich zu machen, hier sind wir schon, dieses Land haben wir von unseren Vätern und Großvätern ererbt, das ist unseres. ZITATORIN Die erste Haltestelle im Jenseits. SPRECHERIN Zunächst einfach eine Grenzmarkierung. MUSIK privat Take 003 „Ancient Mystery“; Album: Ancient Atmospheres; Label: 2011 Network Music; Interpret: Network Music Ensemble; Komponist; Network Music Ensemble; ZEIT: 01:50 SPRECHER Mit der Entfaltung der ersten Hochkulturen entwickelte sich ein regelrechtes Bestattungswesen. ZITATORIN Die Geheimnisse der Unterwelt, die Initiation in die Mysterien des Totenreichs, Berge aufzubrechen und Täler aufzuschließen, Geheimnisse, die niemand kennt zur Behandlung des Verstorbenen… SPRECHER Heißt es im ägyptischen Totenbuch, entstanden um 2.500 vor Christus. Im Alten Ägypten e erblühte ein ausgeprägter Totenkult mit Pyramiden, dem Tal der Könige und Nekropolen für die kunstvoll mumifizierten Leichen von Pharaonen, Würdenträgern und Beamten als letzte Ruhestätten. ZITATORIN Eikōn hē lithos Eimi. tithēsi me Seikilos entha mnēmēs athanatou sēma polychronion darüber Ich bin ein Bild in Stein; Seikilos stellte mich hier auf, in ewiger Erinnerung, als zeitloses Symbol. SPRECHERIN Im antiken Griechenland, Kreta und Kleinasien entstanden Orte außerhalb des städtischen Lebens, an denen die Toten bestattet wurden: Gräberfelder oder Felsengräber. Nicht selten erbaute man in der Nähe ganze Tempelbezirke, wo Rituale zu Ehren der Toten vollzogen wurden. ZITATORIN honc oino ploirume cosentiont Romani / duonoro optumo fuise viro darüber Dieser ganz allein, so stimmen die meisten Römer überein / sei der allerbeste Mann gewesen. SPRECHER Lautet die Inschrift auf dem Grab des Konsuls Lucius Cornelius Scipio aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Die Römer schließlich organisierten ihre Grabstätten auf unterschiedlichste Art und Weise. Die Reichen ließen sich gerne entlang von Ausfallstraßen bestatten, wo sie prächtige Gedenktafeln, monumentale Stelen oder prunkvolle Mausoleen errichten ließen. Die Kapitale Rom barg außerdem eine ganze unterirdische Totenstadt, in deren Katakomben über 850.000 gesellschaftlich nicht ganz so hochstehende Verstorbene in Nischen eingemauert wurden. MUSIK ENDE ATMO Glocke SPRECHERIN Die Christianisierung machte dann Schluss mit Gräbern außerhalb der Siedlungen. Sowohl die auf germanisch-keltischer Tradition beruhenden außerörtlichen Gräberfelder als auch die Feuerbestattung wurden als heidnisch verurteilt. SPRECHER Es war Zeit für die letzte Ruhestätte im eingefriedeten Kirchhof, im geweihten Bereich der Kirchengebäude. Ein Ort der Ruhe und der Besinnung… ATMO ENDE MUSIK 4 „Saltarello“; ZEIT: 00:20 ZITATORIN Gespannte Leinen zum Trocknen der Wäsche, beim Spielen laut schreiende Kinder, streunende Hunde, zechende, kartenspielende und raufende Soldaten… MUSIK ENDE O-Ton 8 Meitzler (17:41) Denn im Mittelalter war der Friedhof eben nicht am Rand, sondern er war im Zentrum der der Stadt oder des Dorfes. Da ging man fast täglich hin, zumindest einmal wöchentlich, wenn man noch zur Kirche gegangen ist. Da haben dann teilweise Märkte stattgefunden, auf den Friedhöfen aus. Da pulsierte das gesellschaftliche Leben, und das kann man jetzt eben schon seit längerer Zeit nicht mehr sagen. Da kann man schon überlegen, ob das auch was zu tun hat mit der vielzitierten Verdrängung des Todes. SPRECHER Ruhiger lag man im Altarraum oder in der darunter liegenden Kirchengruft - ein hohes Privileg, das lediglich der Familie des Kirchenstifters, dem Kirchherren oder kirchlichen Würdenträgern zustand. Nur die Wohlhabendsten konnten sich ein Begräbnis innerhalb der Kirche leisten. SPRECHERIN Der Tod machte also keineswegs alle gleich: Ständische oder soziale Unterschiede setzten sich auf dem Kirchhof fort. Je höher der Status, desto näher wurde man an der Kirche begraben. SPRECHER Unterschiede, die selbstverständlich auch in Aufwand und Pracht der Grabgestaltung schnell sichtbar werden. MUSIK 5 „Kyrie“; ZEIT: 01:20 SPRECHERIN Und das Grabmal gewinnt an künstlerischer Bedeutung. Die Gräber der oberen Zehntausend im Chor und in anderen Bereichen der Kirche sind natürlich auch am besten erhalten. Grabplatten sind die ältesten und zahlreichsten bewahrten Grabmäler. Inschriften darauf verraten Namen und den Todestag, Wappen bezeugen die Herkunft. ZITATORIN Hic iacet … - Hier ruht … SPRECHER Grabmäler gehörten damals freilich nicht zu den Gedenkmöglichkeiten breiter Bevölkerungskreise. Die fanden ihrer Ruhe meist in Gräbern ohne Grabkennzeichnung und häufig in Gemeinschaftsgräbern. SPRECHERIN Mit der Neuzeitzeit ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert erscheint auf den Grabmälern der Knochenmann. Er symbolisiert: Alles ist eitel, alles ist vergänglich. ZITATORIN memento mori / heri mihi hodie tibi - Gedenke der Sterblichkeit /Gestern mir, heute dir. SPRECHER Bilder des Vergangenen und des Vergehenden wie Schädel oder Sanduhren werden zu dominanten Motiven. MUSIK ENDE SPRECHERIN Die Pest, später Pocken oder Cholera führen zu Wohnraummangel auf den Friedhöfen. Noch dazu möchte man die Seuchenopfer aus Angst vor Ansteckung ungern in der Ortsmitte begraben. In Nürnberg zum Beispiel wird schon 1517 angeordnet, dass von Ausnahmen für hohe Würdenträger abgesehen niemand mehr innerhalb der Stadtmauern begraben werden soll. München beauftragt 1545 zwei ihrer Ratsleute mit der Planung von zwei Gottesäckern vor den Toren der Stadt. SPRECHER 1563 wird in München der äußere Friedhof vor dem Sendlinger Tor eingeweiht: Seuchenopfer, hingerichtete Verbrecher, Prostituierte, Selbstmörder und Ungläubige – also alle Nicht-Katholiken – finden ihre letzte Ruhe auf der aus Platzmangel geborenen Begräbnisstätte. SPRECHERIN Heute eine der schönsten Friedhöfe Deutschlands: der Alte Südfriedhof an der Thalkirchener Straße. ZITATORIN Die Aufhebung der inneren Freithöfe im Jahre 1789 machte dessen Vergrößerung nothwendig, aber von den kolossalen und kostbaren Marmor- und Erzdenkmälern, welche dermal den Münchner Friedhof zu einem der sehenswertesten in Europa machten, zeigte der alte enge Leichenacker des vorigen Jahrhunderts noch keine Spur. SPRECHER Sinniert der kulturhistorische Schriftsteller Carl Albert Regnet 1879. Entstanden ist der Alte Münchner Südfriedhof schon 1563: als Pestfriedhof und lag damals vor den Toren der Stadt. Er gilt heute als der münchnerischste aller Friedhöfe und zugleich exemplarisch: Zahlreiche Petitionen im Münchner Staatsarchiv zeugen heute noch von den vergeblichen Versuchen der Münchner Bürger, die alten Familiengrüfte innerhalb der Stadtmauern zu erhalten. SPRECHERIN Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete Friedrich Ludwig von Sckell, der Schöpfer des Münchner Englischen Gartens, eine Parkanlage für den Friedhof – wie sie für den modernen Friedhof prägend wurde. SPRECHER Es entstanden klar definierte Reihengräber, geometrisch angeordnet ebenso wie Arkadengrüfte im südlichen Halbrund entlang der Außenmauer des Friedhofs. Hier lagen nun alle Berufe, alle Stände, arm und reich. MUSIK 6 „Messiah. Oratorio in 3 Teilen, HWV 56“; ZEIT: 00:45 ZITATORIN Die Gräber bürgerlicher Familien schmückte mit wenigen Ausnahmen ein einfaches hölzernes oder eisernes Kreuz, das hie und da vergoldet und regelmäßig mit einem Heiligenbilde versehen war, unter dem der Name und Stand des Begrabenen verzeichnet stand und welches durch zwei in Angel hängende Flügeldecken gegen die Unbild der Witterung geschützt war. Und als Franz Schwanthaler, der Vater des berühmten Ludwig Schwanthaler, es wagte, eine marmorne Frauengestalt auf einem Grabe aufzustellen, schlugen fromme Eiferer, darin eine Entweihung des geweihten Ortes erblickend, sein Werk in Trümmer! Aber die Bahn war gleichwohl glücklich gebrochen. MUSIK ENDE O-Ton 9 Benkel (10:45) Es hat auch einen kulturellen Wert. Auch wenn Menschen da jetzt nicht gezielt hingehen oder höchstens mal spazieren gehen, haben die Friedhöfe trotzdem natürlich eine genealogische Bedeutung. Also, ich kann da ja sehen: Prominente liegen da rum. In München haben Sie das ja zum Beispiel. Und da sind tolle Statuen. SPRECHERIN Sagt der Thanatologe Thorsten Benkel. Grabmale sind ebenso wie die weltliche Architektur Spiegel ihrer Zeit, folgen dem Klassizismus oder Strömungen der Romantik. Aus Repräsentationsmotiven lassen Grabeigentümer bis weit ins 20. Jahrhundert hinein aufwändige Grabanlagen errichten. SPRECHER In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beginnt dann das Reihengrab mit gleichförmigen Grabmalen zu dominieren. SPRECHERIN Heutzutage allerdings geht der Trend schon lange weg von halbanonymen Grabanlagen. O-Ton 10 Meitzler (06:31) Ja, so der Haupttrend, den wir beobachten können, ist die Individualisierung und Pluralisierung. O-Ton 11 Benkel (14:08) Standardbeispiel ist, dass Grabstätten die Persönlichkeit der Verstorbenen widerspiegeln. 14:33 Und das Individuum rückt also in den Mittelpunkt und die kulturellen, religiösen, politischen Aspekte, die also sozusagen auf der Kollektiv-Ebene stattfinden, die werden nebensächlich, also vor allem die Religion wird nebensächlich. Und dann sehen diese Gräber teilweise sehr profan, sehr eigenwillig, sehr bunt, teilweise ungewöhnliche, Auswahl, Hobbys in den Vordergrund rücken, Vereinszugehörigkeiten, teilweise sogar Fußballvereine, Musikgeschmack und so weiter. Und wir haben am Anfang gedacht: Mensch, das ist ja schräg. Aber haben dann halt in ganz Deutschland, in ganz Österreich, in der ganzen Schweiz vergleichende Studien angestellt. Wir waren auf fast 1.300 Friedhöfen, und wir können sagen, das ist ein allgemeiner Trend seit ungefähr 25 Jahren. Dass eben diese Gräber diese Persönlichkeits-Bilanz ziehen. MUSIK 7 101 „Six feet under“; ZEIT: 00:40 ZITATORIN „Nur tiefergelegt“ SPRECHER Oder: ZITATORIN „Mit dir zu leben war nicht leicht, doch ohne dich ist’s noch viel schwerer.“ SPRECHER „Nicht das Licht auslöschen“ ZITATORIN „Dein letztes Match hast du verloren“ SPRECHER „Er war guter Eltern Sohn“ ZITATORIN „Sie war zu gutgläubig, um zu überleben“ SPRECHER „Hier liegt meine Dicke“ ZITATORIN „Es Lebbe geht weiter“ SPRECHER „Alles Scheiße“ ZITATORIN „Ich wollte für meine Familie das Beste, habe es aber nich…

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    Charakter und Bestechlichkeit - Die Psychologie der Korruption Dec 09, 2024
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    Wer lässt sich besonders gerne bestechen? Und wie reden sich diejenigen heraus, die der Bestechung überführt werden? Von Daniela Remus (BR 2016)CreditsAutorin dieser Folge: Daniela RemusRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Christiane Roßbach, Peter VeitTechnik: Christiane VoitzRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Jamie Lee Campbell, PsychologinNils Köbis, Sozialpsychologe, Freie Universität Amsterdam;Edda Müller, Politologin, Transparency International, Berlin;Tanja Rabl, Wirtschaftswissenschaftlerin, Technische Universität Kaiserslautern;Stephanie Thiel, Kriminologin, Universität Gießen Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Macht - Philosophische ÜberlegungenJETZT ANHÖREN Droge Macht - Wenn Menschen nach oben kommenJETZT ANHÖREN Schlechtes Gewissen, gutes Gewissen - Was die Moral mit uns machtJETZT ANHÖREN Im Grunde gut? - Das Menschenbild im WandelJETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo Autobahn MUSIK What have we done to each other Erzählerin: Ein Krimischreiber hätte sich die Szene nicht besser ausdenken können: Im Schutz des Dämmerlichts treffen sich auf einem Autobahnparkplatz zwei Män¬ner. Sie sind verabredet, um Be¬stechungs¬gelder aus¬zu¬tauschen. Der eine ist 48 Jahre alt, Prokurist der Berliner Flug¬hafen¬ge¬sell¬schaft, der andere ein 46-jähriger Mitarbeiter des Gebäude¬tech¬nik¬aus¬rüsters Imtech. Von ihm bekommt der Prokurist 150.000 Euro, damit die Flug¬¬¬hafengesellschaft auf die Nachzahlungsforderungen von Imtech in Höhe von 60 Millionen Euro eingeht. Zitator: „Ich habe 150.000 Euro angenommen – drei Bündel mit 500-Euro-Scheinen in einem Briefumschlag. Dafür habe ich aber keine konkreten Handlungen versprochen, nur Wohlwollen bei der Prüfung der Imtech- Nachforderungen.” Erzählerin: Gesteht der Beschuldigte bereits am ersten Prozesstag im August 2016 und ergänzt: Zitator: „Es war falsch.” Erzählerin: Zu einem derart unumwundenen Geständnis kommt es aber eher selten, wenn jemandem der Prozess wegen Bestechung und Be¬stech¬lich¬¬keit gemacht wird. Viel häufiger tun die Angeklagten so, als handele es sich um eine Art von Kavaliersdelikt. Und glauben, dass sie damit vor Gericht durchkommen. Denn das unterscheidet diese Straftat Korruption von Diebstahl oder Unterschlagung: Die Täter fühlen sich nur in den seltensten Fällen schuldig und kriminell. Zitator: „Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil. Musik aus Ob Bestechung oder Bestechlichkeit im internationalen Ge¬schäfts¬verkehr oder im eigenen Land, ob Käuflichkeit in der Politik oder der Versuch, durch Schmiergelder Vorteile zu erlangen - Korruption ver¬ur¬sacht nicht nur materielle Schäden, sondern untergräbt auch das Fundament einer Gesellschaft.” Erzählerin: So definiert die Nichtregierungsorganisation Transparency International den Begriff Korruption. Strafrechtlich kann Korruption mit mehreren Jahren Haft belangt werden. Allerdings nennt der Gesetzgeber keine Summe, ab wann das Delikt ein Straftatbestand ist - außerdem ist entscheidend, ob es sich um Amtsmissbrauch handelt, ob man sich einen großen Wettbewerbsvorteil erschleicht oder wie hoch dabei die Steuerhinterziehung ist. Insgesamt wird ein ganzes Bündel von Gesetzen in Anschlag gebracht, um die Schwere der Tat zu ermitteln. Transparency International kämpft seit 1993 weltweit gegen dieses aus¬ge¬prägte Phänomen. Ein Verhalten, das nicht nur illegal ist, sondern auch dem globalen Wirtschaftssystem einen massiven Schaden zufügt. Jährlich gehen etwa 1,5 Billionen Euro durch Schmiergeldzahlungen und Bestechung verloren, also 50% des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Womit das weltweite Wirtschaftswachstum um etwa zwei Prozent geschmälert wird, so der Internationale Währungsfond IWF. Für Deutschland sind es rund 250 Milliarden Euro. MUSIK Clue one Erzählerin: Korruption ist nicht gleich Korruption: Ist das Schenken einer Kiste Wein schon ein Bestechungsversuch? Und die Urlaubs¬ein¬ladung ein Ausdruck von echter Freundschaft? Die Grenzziehung macht das Ganze so schwierig: Wo genau beginnt Korruption? Das untersuchen Wissenschaftler erst seit wenigen Jahren. Dabei stehen die psychologischen Recht¬fer¬tigungs¬stra¬tegien der Be¬teilig¬ten im Fokus. Forscher skiz¬zieren drei Bereiche, in denen korrupt ge¬han¬delt wird: Die sichtbarste Korr¬uption ist die so¬g¬e¬nann¬¬te situa¬tive Korruption. Sie ist auch am ein¬fachsten zu beschreiben und damit auch zu bekämpfen. Darüber hinaus un¬terscheiden Wissenschaftler die strukturelle Korruption und die Netz¬werkkorruption, sagt die Kriminologin Dr. Stefanie Thiel von der Universität Gießen: Musik aus Take 4 (O-Ton Thiel) Also große Korruption, das findet auf einer höheren sozialen Ebene statt, das kann auch in den politischen Sektor hineinreichen, da ist die Wirtschaft dran beteiligt, das kann bis hin zu ganzen Netzwerken gehen, das ist eher Korruption unter Mächtigen. Erzählerin: Die situative Korrup¬tion ist vor allem in Staaten verbreitet, in de¬nen es ein starkes Gefälle zwis¬chen Arm und Reich gibt, in denen staat¬liche Strukturen schwach aus-geprägt sind. Beispiele sind Indien, Nigeria oder Brasilien. Dort sind Schmier¬geld-zahlungen an der Tagesordnung: Jeder muss zah¬len, um seinen Pass ver¬län¬gert zu bekommen, eine ärztliche Be¬handlung zu erhalten oder nach dem Überfahren einer roter Ampel nicht im Ge¬fän¬g¬nis zu landen. Diese Art von Korruption ist deshalb gefährlich, weil sie das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat nachhaltig zerstört. Bei uns dagegen spielt diese Art von Kor¬rup¬tion so gut wie gar keine Rolle. Auch das ist ein Grund, warum Deutsch¬land beim Kor¬rup¬¬¬tions¬¬wahr¬neh¬mungs¬¬index von Transparency Inter¬national seit Jahren so gut abschneidet, obwohl Schmiergelder und Käuf¬lichkeiten auch bei uns gang und gäbe sind. MUSIK Sugar storm Erzählerin: Wie zum Beispiel in der sogenannten Adlon Affäre: Zitator: 2001 übernachtete der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, mit Familie im Berliner Luxushotel Adlon. Bezahlt wurde der viertägige Silvesteraufenthalt von der Dresdner Bank. Als der Spiegel die Zahlung 2004 öffentlich machte, legte Welteke sein Amt nieder. Er begründete das damit, dass der Aufenthalt zu „Kritik und Miss¬ver¬¬ständnissen” geführt habe. Er habe die Einladung als eine Art von Honorar verstanden, nicht als Geschenk, rechtfertigte sich der Banker, schließlich habe er in Berlin Interviews gegeben, Presse- und Fototermine wahrgenommen. Musik aus Erzählerin: Die Ermittlungen wegen Vorteilsnahme wurden gegen Zahlung von 25.000 Euro eingestellt. Take 5 (O-Ton Köbis) Was wir in unserer Forschung gezeigt haben ist, dass wenn es um Korruption geht, die meisten Leute es als unakzeptabel und unmoralisch ansehen, aber es trotzdem relativ viele Leute gibt, die in unserem Ex¬pe¬ri¬ment bereit sind, korrupt zu handeln … Erzählerin: Sagt Dr. Nils Köbis, Sozialpsychologe an der Freien Universität in Am¬ster¬dam. Dieser Spagat zwischen Einstellung und Handlung ist möglich, weil sich die Täter etwas vormachen und selbst belügen. Das betrifft ihr Verhalten, ihre Motive und die Folgen ihrer Handlungen. Auf diesen Widerspruch ist auch die Psychologin und Wirt¬schafts¬-wis¬sen¬schaft¬lerin Prof. Tanja Rabl von der Technischen Universität Kaisers¬lautern bei ihren Experimenten gestoßen: MUSIK Sugar storm Take 6 (O-Ton Rabl) Das Planspiel war so angekündigt, dass es um Entscheidungsverhalten in Unternehmen geht, das heißt, im Vorfeld wussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht, dass es um Korruption geht. Zitator: Die Teilnehmer des spieltheoretischen Experiments, mussten dafür in die Rolle eines Entscheidungsträgers in einem Unternehmen schlüpfen. Musik aus Sie waren dann Marketing- oder Vertriebsleiter und sollten entscheiden, wieviel Geld sie in welche Maßnahmen und Leistungen stecken wollten: Werbung, Verkaufsförderung, Produktverbesserung etc. Und gerieten im Laufe des Experiments dann in Situationen, in denen die Versuchung bestand, korrupt zu handeln. MUSIK Sugar storm Take 7 (O-Ton Rabl) …uns war es ja wichtig zu erkennen, ob in den Situationen, wo solche Angebote eine Rol¬le spielen, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch erkennen, ob es sich um Korruption handelt, oder nicht und wie sie sich ent¬spre¬chend verhalten. Erzählerin: Eine erste überraschende Erkenntnis dieser Experimente: Viele Teilnehmer waren sich nicht bewusst, so sagten sie zumindest, etwas Unrechtes getan zu haben, als sie Korruptionsangebote an¬genommen oder unterbreitet hatten. Musik aus Vielmehr stellten sie ihr Handeln in einen anderen Zusammenhang und damit in einem positiven Licht dar, so Tanja Rabl. MUSIK Strange activities Erzählerin: Bei Diebstahl und anderen kriminellen Delikten, die zu einer persön¬li¬chen Be-reicherung führen, sind die Grenzen der Legalität klar. Bei Ko¬r¬ruption dagegen tun sich die Handelnden damit deutlich schwerer, zeigen die Forschungen in Kaiserslautern und Amsterdam. Das liegt zum einen daran, dass alle, die sich direkt an der Korruption beteiligen, zufrieden sind – der Bestochene, weil er Geld erhält oder in den Genuss geldwerter Privilegien kommt, und der Bestechende, weil er dadurch ein Ziel erreichen kann. Und es liegt an der Natur der sozialen Beziehungen: Kor¬rup¬tion ist keine Straftat, die sich ein Einzelner im stillen Kämmerchen aus¬denkt, sondern immer auf die Interaktion mit anderen an¬ge¬wiesen. Die Grenzen zwischen Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Käuflichkeit können verwischen, und in einem Beziehungsgeflecht zum Teil des sozialen Lebens werden. Musik aus Take 9 (O-Ton Rabl) Was wir da gesehen haben, ist, dass es verschiedenste Recht¬ferti¬gungs¬stra¬tegien gibt, dass man eben den Schaden leugnet oder dass man leug¬net, dass es Opfer gab, oder dass man auch die Verantwortung leugnet, und da haben wir gesehen, dass vor allem Strategien zum Ein¬satz kommen, wo es eben darum geht, diese positive Absicht, die hinter kor¬ruptem Handeln steht, hervorzuheben. Musik Rara avis Erzählerin: Auch die Tatsache, dass es bei der Korruption keine sichtbaren Opfer gibt, trägt entscheidend mit dazu bei, dass sich viele nicht als Straftäter fühlen, so der Sozialpsychologe Nils Köbis von der Freien Universität Amsterdam: Take 10 (O-Ton Köbis) Was wir z.B. in Experimenten herausgefunden haben, ist, dass die Wahr-scheinlichkeit, dass Menschen korrupt handeln, deutlich höher ist, wenn sie nicht alleine davon profitieren, sondern auch noch andere mit pro¬¬fitieren. Und so können sie sehr viel einfacher das Ganze recht¬fer¬tigen, indem sie sagen, na gut ich hab das jetzt nicht nur für mich gemacht, ich hab das auch für die andere Person gemacht. ((Das Besondere an der Korruption ist, dass es sehr häufig eine Art von beidseitigem Profit gibt.)) Ganz vielen Menschen nehmen Korruption als eine Win-Win Situation wahr, blenden dabei aber aus, dass es eine Win-Win-Loose Situation ist. Denn es gibt stets ein Opfer der Korruption. Musik aus Erzählerin: Aber das liegt nicht schwerverletzt am Boden, sondern bekommt beispielsweise als konkurrierendes Unternehmen nicht den Zuschlag für den Auftrag. Oder das Opfer ist die Allgemeinheit, weil etwa ein überteuertes oder gar unsinniges Projekt umgesetzt wird - und und und. In jedem Fall gilt: Schaden und Geschädigte bleiben abstrakt für den Täter und können so leichter verdrängt werden. Take 11 (O-Ton Thiel) Man spricht von Korruption als einem opferlosen Delikt, das ist natürlich nicht opferlos, aber man sieht das Opfer in dem Moment ja nicht. Das Opfer ist die Allgemeinheit, ich selber bin als Bestechende oder als Bestechlicher selber auch Teil der Allgemeinheit, aber in dem Moment sehe ich die Zusammenhänge nicht, weil sie sich nicht so offensichtlich erschließen. Erzählerin: Deshalb reden sich viele die Korruption schön. Atmo Geldzählen MUSIK Zippo‘s Erzählerin: Anfällig für Bestechung zu sein, ist keine angeborene Charakter¬eigen¬schaft. Fast jeder ist potentiell korrupt und kann sich unter bestimmten Um¬stän¬den korrupt verhalten. In Deutschland, wo sie kein situatives Alltags¬ph䬬no¬men ist, tritt Korruption netzwerkartig in der Wirtschaft auf. Daher ist Be¬stechung in der Regel ein Delikt der Entscheidungsträger, d.h. der höheren Beamten oder Angestellten, der Ma¬nager, Aufsichtsrats¬vorsit¬zen¬den, Bosse. Denn es geht dabei meis¬tens um Aufträge, um Erfolg, um Profit, um Geld und Macht. Wie der typische korrupte Akteur aussieht, erklärt Tanja Rabl: Musik aus Take 13 (O-Ton Rabl) Was natürlich nicht überrascht, weil gerade in den Positionen, die anfällig sind für korruptes Handeln, nämlich die, mit viel Ent¬scheidungs¬spiel¬raum, nach wie vor Männer überrepräsentiert sind, dass die sehr kar¬riereorientiert sind, sehr ehrgeizig sind, dass das oftmals Aufsteiger sind, die sehr statusbewusst sind, die die viele Aus- und Fortbildungen ab¬solviert haben, aber die auch diese sehr ausgeprägten Recht¬ferti¬gungs¬tendenzen haben. MUSIK Yolanda Erzählerin: Und offenbar hat sich an diesen beiden grundsätzlichen Einschätzungen we¬nig geändert.)) Heut¬zu¬ta¬ge gilt Korruption zwar als eine Straftat. Und wer in den Ruf gerät, korrupt zu sein, kann mit wenig Ver¬ständnis rechnen, wie das Beispiel des ehe¬ma¬ligen Bundespräsidenten Christian Wulff deutlich gezeigt hat. Ganz anders aber ist die Bewertung von Korruption häufig dann, wenn es um kon-krete eigene Interessen geht. So hat z.B. im Jahr 2005 eine Untersuchung der Unter¬nehmens¬beratung Ernst & Young er¬geben, dass jeder vierte deutsche Angestellte Korruption in Ordnung findet, wenn dadurch die Wirtschaftskraft des eigenen Unternehmens ge¬stärkt wird. Dr. Jamie Lee Campbell hat festgestellt, dass es häufig die Organisationen selbst sind, die das Arbeitsklima so beeinflussen, dass die Mit¬arbeiter korruptes Verhalten als durchaus üblich und sogar notwendig be-trachten: Musik aus Take 14 (O-Ton Campbell) Was ich herausgefunden habe, dass die Wahrnehmung ist, dass man mit der Organisation im Krieg ist. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, und dadurch wird jedes Projekt, jeder Auftrag, der herangezogen wird, ist wichtig, damit die Organisation weiterleben kann und dadurch sind dann auch die Arbeitsplätze sicher und dementsprechend ist das ein großer Druck. Und dass Korruption dadurch dann auch ein legitimes Mittel werden kann, um dieses Problem zu lösen. Dass man den Krieg gegen andere gewinnt. MUSIK A rocket debris cloud drifts Erzählerin: In Unternehmen, denen Korruption nachgewiesen werden konnte, wie etwa Siemens in Deutschland oder dem Energiekonzern Enron in den USA, herrschte häufig eine Unternehmenskultur, so die Psychologin, die die Mitarbeiter auf vielen Ebenen unter Druck setzt. Musik aus Take 15 (O-Ton Campbell) Man macht das ja jetzt nicht nur für sich, sondern auch für die Kollegen, weil die ja sonst auch ihren Job verlieren können und selbst, wenn man sich nicht sehr mit dem Unternehmen oder der Organisation identifiziert, kann es sein, weil die anderen einfach so einen Druck machen, dass man auch aus den Gründen mitmacht. MUSIK Procedural Erzählerin: Der Absturz von Enron Zitator/Sprecher: Der weltgrößte Energiekonzern Enron beschäftigte auf dem Höhepunkt seines Erfolgs mehr als 22.000 Mitarbeiter. Für sich selbst warb der Kon¬zern, der vielen als Inbegriff eines innovativen Unternehmens galt, mit dem Spruch, er sei die großartigste Firma der Welt! 2001 kam heraus, dass jahrelang im großen Stil Bilanzen gefälscht und reihen¬weise US-Po¬litiker geschmiert worden waren. Als Konsequenz musste die Firma In¬solvenz anmelden, zahlreiche Mitarbeiter verloren die Jobs und auch ihre Betriebsrenten. Musik aus Erzählerin: Eine Unternehmenskultur der absoluten Gewinnmaximierung ist durch¬aus verbreitet. Und auch wenn viele Un¬ter¬neh¬men heut¬zu¬tage in ihrer Se…

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    Jeden Tag ein Türchen mehr ... - Die Geschichte des Adventskalenders Dec 08, 2024
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    Der erste Adventskalender auf dem Buchmarkt kam aus München: Vor hundert Jahren zeichnete der Richard Ernst Kepler eine Märchenwelt in 24 Miniaturbildern. Ein altbekannter Brauch und seine Geschichte. Von Christian Feldmann (BR 2015)

    Credits

    Autor dieser Folge: Christian Feldmann
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Detlef Kügow, Beate Himmelstoß, Margit Carls, Thomas Loibl
    Technik: Hans Scheck, Susanne Herzig
    Redaktion: Bernhard Kastner

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    Amelia Earhart - Die tragische Heldin der Lüfte Dec 07, 2024
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    Amelia Earhart überflog als erster Mensch den Pazifik zwischen Hawaii und Kalifornien. In den USA galt die Rekordfliegerin als Idol. Die Bestürzung war groß, als sie auf ihrem letzten Flug spurlos verschwand. Von Susanne Merkle (BR 2021)

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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