TopPodcast.com
Menu
  • Home
  • Top Charts
  • Top Networks
  • Top Apps
  • Top Independents
  • Top Podfluencers
  • Top Picks
    • Top Business Podcasts
    • Top True Crime Podcasts
    • Top Finance Podcasts
    • Top Comedy Podcasts
    • Top Music Podcasts
    • Top Womens Podcasts
    • Top Kids Podcasts
    • Top Sports Podcasts
    • Top News Podcasts
    • Top Tech Podcasts
    • Top Crypto Podcasts
    • Top Entrepreneurial Podcasts
    • Top Fantasy Sports Podcasts
    • Top Political Podcasts
    • Top Science Podcasts
    • Top Self Help Podcasts
    • Top Sports Betting Podcasts
    • Top Stocks Podcasts
  • Podcast News
  • About Us
  • Podcast Advertising
  • Contact
Not in our directory?
Add Show Here
Podcast Equipment
Center

toppodcastlogoOur TOPPODCAST Picks

  • Comedy
  • Crypto
  • Sports
  • News
  • Politics
  • True Crime
  • Business
  • Finance

Follow Us

toppodcastlogoStay Connected

    View Top 200 Chart
    Back to Rankings Page
    Education

    Radiowissen

    Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.

    Advertise
    • Apple Podcasts
    • Google Play
    • Spotify

    Latest Episodes:
    Die Reliquienräuber von Bari - Nikolaus in Geschichte und Legende Dec 06, 2024
    Show notes

    Der Nikolaus ist so beliebt, dass kaum jemand auf ihn verzichten möchte. Doch eigentlich wissen wir recht wenig über ihn. Auch, weil wenig historisch Gesichertes über ihn zu finden ist. Von Christian Feldmann (BR 2006)

    Credits
    Autor dieser Folge: Christian Feldmann
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Stefan Wilkening, Adela Florow, Robert Dölle
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Fetischismus - Der Reiz der Gegenstände Dec 05, 2024
    Show notes

    Der Fetisch: In der Ethnologie ein Gegenstand, dem magische Kraft zugeschrieben wird. In der Psychologie wird der Begriff Fetischismus verwendet bei sexuellen Vorlieben für bestimmte Objekte, Materialien oder Körperteile. Therapiebedürftig oder einfach eine besondere Spielart menschlicher Sexualität? Von Frank Halbach

    Credits
    Autorin dieser Folge: Frank Halbach
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Christoph Jablonka, Sophie Rogall
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Prof. Dr. Victor Blüml, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytiker; Stefanie Grohmann, Paar- und Sexualtherapeutin
    Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:

    Asexualität - Keine Lust auf die Lust? HIER

    Das Kamasutra - Leitfaden für Liebe, Eroitk und Lebensweise HIER

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast
    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.
    ZUM PODCAST

    Literatur:

    Victor Blüml, Matthias Schmidt (Hg.): Sigmund Schriften zum Fetischismus, Wien 2025.
    Hartmut Böhme: Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne, Reinbek 2006.
    Hartmut Böhme: Fetischismus und Sexualität. Auf dem Weg zu einem metapsychologischen Konzept. Binet, Krafft-Ebing, Freud. In: Johannes Cremerius, Gottfried Fischer, Ortrud Gutjahr (Hg.): Kulturtheorie, Würzburg 2005

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Unter Hochstaplern - Das Impostor Syndrom Dec 04, 2024
    Show notes

    Menschen, die am sogenannten Impostor Syndrom leiden, schreiben ihre Erfolge nicht den eigenen Fähigkeiten zu, sondern Faktoren wie Glück, Zufall oder Hilfe von Anderen. Sie glauben, dass andere sie überschätzen würden - und sind deshalb ständig in Sorge, entlarvt zu werden. Von Maike Brzoska (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Susanne Schroeder, Hemma Michel
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Dr. Michaela Muthig, Buchautorin „Und morgen fliege ich auf“;
    Dr. Mona Leonhardt, Psychologin an der Frankfurter Goethe-Universität;
    Dr. Kay Brauer, Psychologe an der Universität Halle-Wittenberg

    Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:

    Selbstwert – Mut zur Schwäche
    JETZT ANHÖREN

    Wir empfehlen außerdem eine Folge von Jobstories: Der Coaching-Podcast von BR 24:

    Angst vor der Arbeit – So bleibst du mental gesund
    JETZT ANHÖREN

    Literaturtipps:

    Michaela Muthig: Und morgen fliege ich auf. Vom Gefühl, den Erfolg nicht verdient zu haben. dtv Verlag. 2021.

    Sabine Magnet: Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? mvg Verlag. 2018.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Pflicht zur Hilfsbereitschaft? - Eine Philosophie des Füreinander Dec 03, 2024
    Show notes

    Über fünf Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland gespendet. Helfen scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. Doch Helfen ist nicht immer altruistisch, es gibt auch genügend egoistische Motive. Von Karin Lamsfuß (BR 2019) CreditsAutorin dieser Folge: Karin LamsfußRegie: Irene SchuckEs sprachen: Beate Himmelstoß, Burchard Dabinnus, Jerzy MayTechnik: Helge SchwarzRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Dr. Gerhard Kruip, Professor für christliche Anthropologie und Sozialethik an der Uni Mainz; Dr. Martin Booms, Philosoph, Bonn; Sylvia Wetzel, buddhistische Lehrerin; Christoph Letzel, sozialpolitischer Referent der Caritas Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK Zitator: Acht Uhr morgens. Ein Gemeindezentrum in einer deutschen Großstadt. Kleidung, Spielsachen und Hausrat stapeln sich bis unter die Decke. Wenige Tage zuvor war ein Mehrfamilienhaus in Flammen aufgegangen. Zehn Menschen wurden obdachlos. Sofort brach eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. MUSIK: „ Bose-Einstein Condensation“ K: Biosphere Album: Shenzhou Sprecherin: Über fünf Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland gespendet. Beinahe jeder Zweite über 14 ist ehrenamtlich engagiert. Junge besuchen alte Menschen im Pflegeheim, Senioren unterrichten benachteiligte Schüler. Andere arbeiten bei der Tafel, im Hospizdienst oder kochen Mittagessen für sozialschwache Kinder. Insgesamt macht das 4,6 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr. Nicht mitgezählt die unzähligen kleinen Gesten der Hilfsbereitschaft im Alltag. Helfen scheint irgendwie ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. MUSIK: Gris Gris K: John Zorn Album: From Silence to Sorcery A: John Zorn SPRECHERIN: Ist es das wirklich? Oder setzt sich eher durch, wer nach der Devise verfährt: Zitator: Jeder gegen jeden! Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner! Jeder ist sich selbst der nächste! Sprecherin: Manche rümpfen nur die Nase beim Wort Ehrenamt – und frönen den Verlockungen der Spaßgesellschaft. Und argumentieren: Zitator: Was geht mich das Leid der anderen an? Mein Motto ist: „Me first!“ 01 - O-Ton Martin Booms: Das ist ja eine anthropologische Grundfrage, über die seit Anbeginn des Philosophierens gestritten wird: Ist der Mensch von Natur aus gut? (…) Da wäre etwa eine Position zu nennen wie die von Aristoteles, der gesagt hat: Der Mensch ist ein Zoon Politicon, das heißt also ein Wesen, das bezogen ist auf andere, das gar nicht als singuläres Wesen überhaupt existieren könnte. Sprecherin: Dr. Martin Booms, Philosoph und Leiter der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur in Bonn. Auch der römische Philosoph Seneca hat die Bedeutung der Hilfsbereitschaft im gesellschaftlichen Zusammenleben immer wieder betont: Zitator: Die höchste Stufe des Gewährens ist die Güte“. „Sei deines Wohltuens froh, auch wenn es keine Früchte trägt!“ Sprecherin: Die heutige Gesellschaft scheint sich in zwei Hälften aufzuteilen: Einerseits die, die auch die anderen im Blick haben, und andererseits die, die nur sich selbst und ihren eigenen Vorteil sehen. Die Gründe für diesen Egoismus sind vielfältig, meint Gerhard Kruip, Professor für christliche Anthropologie und Sozialethik an der Uni Mainz: 02 - O-Ton Gerhard Kruip: Naja, weil die Menschen eben nicht immer nur moralisch sind. Sondern weil sie egoistisch sind, weil sie sehr kurzfristig denken, weil sie vielleicht auch manchmal Situationen falsch verstehen, oder weil ihnen Empathie fehlt, also, dass sie gar nicht merken, dass es anderen schlecht geht, … ja, Menschen sind unvollkommen! MUSIK: „ Bose-Einstein Condensation“ K: Biosphere Album: Shenzhou Sprecherin: Trotz aller menschlichen Unvollkommenheit: Hilfsbereitschaft ist – zumindest in der Theorie – ein Wert, der in der Gesellschaft einen ganz breiten Konsens hat. Teilen, helfen füreinander da sein: diese Ideale sind in allen großen Religionen zu finden. Wie weit sie tatsächlich gelebt werden, das steht auf einem ganz anderen Blatt. MUSIK: „ Fallen“ K: Teho Teardo Album: Diaz (Un film di Daniele Vicari) [feat. Il balanescu quartet] Sprecherin: Die Frage ist: Sind uns Hilfsbereitschaft, Altruismus, Nächstenliebe in die Wiege gelegt? Und wenn ja, wann, wo und warum bleiben sie auf der Strecke? Zahlreiche Studien kommen jedenfalls zu dem Ergebnis: Egoismus ist nicht angeboren. Der Mensch erlernt das eigennützige Handeln erst im Laufe seines Lebens. 03 - O-Ton Sylvia Wetzel: Mein Menschenbild ist: Der Mensch ist von Natur aus gut, aber oft ist dieses grundlegende Gut-Sein überschattet von Selbstbildern, von Ansprüchen, von Ängsten, von emotionalen Blockaden, von rigiden Vorstellung und dergleichen. Ich glaube an das Gute im Menschen, aber es ist oft verdeckt. Sprecherin: Sylvia Wetzel ist buddhistische Lehrerin. Achtsamkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sind zentrale Werte - auch in der buddhistischen Ethik. Alles Handeln soll danach ausgerichtet sein, das Leid anderer zu verringern. 04 - O-Ton Sylvia Wetzel: In Gesten, in Handlungen, im Materiellen, in Trost, in Rat, in Unterstützung. Denn dann findet es Ausdruck und ich glaube, das ist ansteckend. Also ich denke, Gut-Sein ist ansteckend! MUSIK: „Habitación verde“ K: Pascal Gaigne Album: „Los mundos sutiles Zitator: Egoismus versus Altruismus Selbstsucht versus Hilfsbereitschaft Sprecherin: In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Mensch. Das spiegelt sich auch deutlich in einer Forsa-Umfrage über die wichtigsten Ziele bei der Kindererziehung: Zitator: Platz 1: Hilfsbereitschaft. Platz 2: Durchsetzungsfähigkeit. Sprecherin: Das wirkt zunächst wie ein Widerspruch. Altruismus versus Egoismus. Zwei menschliche Impulse, die offenbar pausenlos im Clinch miteinander liegen. Wer gerade siegt und wer verliert, hängt von vielen Faktoren ab. MUSIK: MUSIK: Öldurót K: Ólafur Arnalds, Atli Örvarsson & SinfoniaNord Album: Island Songs Ólafur Arnalds Sprecherin: Ein Motiv für Hilfsbereitschaft könnte sein …: Zitator: Das eigene Pflichtbewusstsein. 05 - O-Ton Martin Booms: Ich glaube, dass es eine Pflicht gibt, und zwar eine moralische Pflicht gibt zu helfen. Und das hängt damit zusammen, dass wir einen Bezug zum anderen Menschen haben, ein Interesse am anderen Menschen haben und deswegen auch ein Interesse am Wohlergehen anderer Menschen. Zitator: Ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen muss im Gedenken an das Wort des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen. Sprecherin: Heißt es in der Apostelgeschichte des Lukas. MUSIK: Öldurót K: Ólafur Arnalds, Atli Örvarsson & SinfoniaNord Album: Island Songs Ólafur Arnalds Sprecherin: Ein zweites Motiv, sich hilfsbereit zu zeigen, wäre also: Zitator: Helfen wertet auf. Verschafft ein gutes Gefühl. Sprecherin: Doch auch das kann ein Motiv für aktives Helfen sein: Zitator: Spekulation auf Hilfe, wenn es einem selbst mal schlecht geht. Sprecherin: Ein Tauschhandel? Vielleicht. Doch das Prinzip … Zitator: Gibst du mir, so gebe ich dir! Sprecherin: … durchzieht die gesamte Menschheitsgeschichte. Der amerikanische Evolutionsbiologe Robert Trivers prägte den Begriff des … Zitator: … reziproken Altruismus … Sprecherin: Und ist, gemeinsam mit vielen anderen, der Meinung, dass in den vergangenen fünf Millionen Jahren eine scharfe Selektion zugunsten der Entwicklung reziprok altruistischer Verhaltensweisen stattgefunden hat. Stämme, die besser kooperierten, setzten sich langfristig durch. MUSIK: „ Bose-Einstein Condensation“ K: Biosphere Album: Shenzhou Sprecherin: Wenn Hilfsbereitschaft der Kitt ist, der Gesellschaften zusammenhält, wenn Gesellschaften langfristig erfolgreicher sind, wenn sich zumindest einige ihrer Mitglieder altruistisch zeigen: Was heißt das für das Individuum? Muss jeder wirklich jedem Bedürftigen helfen, der seinen Weg kreuzt? Darf man auswählen? Und wenn ja, wie? Stichwort: Straßenbettler. Atmo Straße Zitator: „Ich habe Hunger!“ Sprecherin: Geschätzt 860.000 Menschen sind in Deutschland ohne festen Wohnsitz. Der Umgang mit ihnen zeigt vielleicht am deutlichsten, wie schwer das mit der Hilfsbereitschaft ist: 06 - O-Ton Passantin 1 Was ich öfter mache, ist, dass ich zum Bäcker gehe (..), was zu essen hole und ihnen in die Hand drücke, weil ich das sinnvoller finde als wenn sie das Geld dann doch wieder in Schnaps investieren. Ich möchte eigentlich nicht für die Sucht anderer Leute verantwortlich bzw. unterstützend tätig sein. Sprecherin: Menschen, die völlig anders leben, die sich den bürgerlichen Idealen entziehen, bringen Hilfsbereite durchaus an ihre Grenzen: die Grenzen ihrer eigenen Ideale! Die nämlich besagen oft: Das Butterbrot ist gut, der Alkohol ist schlecht. Somit wird der einsichtige, entwicklungsfähige Obdachlose unterstützt, der süchtige hingegen nicht – auch, wenn er die Hilfe womöglich am nötigsten bräuchte. Ist diese Selektion ethisch korrekt? Der Philosoph Martin Booms sagt: Ja, Menschen dürfen sich je nach Situation für oder gegen Hilfsbereitschaft entscheiden: 08 - O-Ton Martin Booms: Wenn man in die Ethik schaut, ist das durchaus differenziert: Da spricht man z.B. von so genannten „vollkommenen Pflichten“ und „unvollkommenen Pflichten, die wir gegenüber anderen Menschen haben. Eine vollkommene Pflicht wäre eine solche, wo sich gar nicht die Frage stellt, ob ich helfen „muss“. (…) Also wenn ein anderer Mensch in einer lebensbedrohlichen Situation ist, dann habe ich eine unbedingte Pflicht, eine vollkommene Pflicht, hier zu helfen. Sprecherin: Diese Pflicht ist sogar in unser Rechtssystem eingegangen, und ein Verstoß dagegen ist strafbar: die unterlassene Hilfeleistung. Daneben aber gibt es die unvollkommenen Pflichten: 09 - O-Ton Martin Booms: Ich habe ich da selber mal gefragt und mein eigenes Verhalten analysiert und dabei festgestellt: Ich bin völlig inkonsequent. Also mal geb ich was, mal was mehr, was weniger, und häufig auch gar nichts. Und habe mich dann selber gefragt: Ist das eigentlich zu rechtfertigen? Beruhigenderweise bin ich zu dem Schluss gekommen: Ja! (…) Warum? Weil das eigentlich ein Beispiel wäre für eine unvollkommene Pflicht. Natürlich wenn ich die Mittel habe, bin ich grundsätzlich verpflichtet, Menschen, die in Not sind, zu helfen. Das heißt aber nicht, dass genau diese Person, genau, wenn ich da vorbeikomme, einen Anspruch genau an mich hat, dass ich ihm helfe! Sprecherin: Selektion muss also sein, weil niemand die ganze Welt retten kann. Ob sie immer fair ist, ist eine ganz andere Frage. Denn schnell können die, bei denen die Not am größten ist, aus dem Blickfeld verschwinden. Aus verschiedenen Gründen. MUSIK: Öldurót K: Ólafur Arnalds, Atli Örvarsson & SinfoniaNord Album: Island Songs Ólafur Arnalds Sprecherin: Bisher steht also aus philosophischer Sicht nur fest: Jeder muss helfen in einer lebensbedrohlichen Situation. Das gehört zu den vollkommenen Pflichten. In allen anderen Fällen ist die Pflicht unvollkommen. Jemand kann einem bestimmten Lebewesen in einer bestimmten Situation helfen, er muss es aber nicht. Eine gute Orientierung gibt immer das eigene Empfinden. Zitator: Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Sprecherin: Der Kategorische Imperativ ist das Grundprinzip der Ethik des Philosophen Immanuel Kant. Zwar hat er seine Schriften zu Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlicht, doch auch im 21. Jahrhundert ist dem eigentlich nichts hinzuzufügen. Einen Schritt weiter geht der US-amerikanische Philosoph John Rawls, der ein interessantes Gedankenexperiment angeregt hat: 10 - O-Ton Gerhard Kruip: (…) Der schlägt vor, dass wir uns vorstellen sollen, (…) wir wären in einem Urzustand versammelt und würden die Regeln für die zukünftige Gesellschaft gemeinsam festlegen in diesem Urzustand, ohne allerdings zu wissen, wer wir nachher in dieser späteren Gesellschaft sein würden. (…) Und das erzwingt dann Regeln, die die am schlechtesten Gestellten so gut wie möglich stellen. Differenzprinzip‘ nennt Rawls das. Und da würde man eben auch sagen: Niemand weiß, ob er in so eine Notlage hineingerät, also wird er im Urzustand unter dem Schleier des Nichtwissens für Regeln sorgen, die auch Menschen in solchen Notlagen noch eine Hilfe sein können. Eine Unterstützung anbieten. Sprecherin: In einer Welt, in der alle dem Rawl`sche Gedankenexperiment folgten, gäbe es womöglich fast paradiesische Zustände: Eine Welt des Miteinanders, eine Welt, in der Menschen Empathie für alle Lebewesen empfänden. Einer Welt voller Nächstenliebe. Das aber führt automatisch zu der Frage: Zitator: Wer ist eigentlich der „Nächste“? Sprecherin: An dem Punkt wird es richtig schwierig: Wo fängt man an? Und wo hört man auf in diesem endlosen Meer aus Leid? Zitator: Ein Übel, das erwartungsgemäß auch uns selbst oder einen der Unsrigen treffen könnte (…) Ferner haben wir Mitleid mit denen, die uns bezüglich Alter, Charakter, Gewohnheiten, sozialer Stellung und Herkunft ähnlich sind. Sprecherin: Schrieb schon Aristoteles in seiner Rhetorik und war damit der Erste, der den Versuch machte, Mitleid als eine ganz zentrale Voraussetzung für Hilfsbereitschaft zu definieren. Viele sprechen heute eher vom Mitgefühl. Wer mit Lebewesen mitfühlt, wird den Impuls verspüren, zu helfen, etwas gegen diese Not zu tun. MUSIK: Öldurót K: Ólafur Arnalds, Atli Örvarsson & SinfoniaNord Album: Island Songs Ólafur Arnalds Sprecherin: So kann also auch dies ein Motiv sein zu helfen: Zitator: Helfen aus dem Impuls des Berührtseins heraus. Sprecherin: Menschen helfen am ehesten dort, wo sie sich zugehörig fühlen: in der Familie, im Freundeskreis, am Wohnort. Alles, was ‚fern‘, ‚ganz weit weg …‘ ist, gehört eher nicht dazu. Hier kann viel einfacher die Maschinerie aus Abwehr und Ignoranz angeworfen werden: Zitator: Was geht mich das an? Viel zu weit weg! Sprecherin: Der Sozialethiker Gerhard Kruip findet, dass das aus ethischer Sicht zu kurz gedacht ist: 11 - O-Ton Gerhard Kruip: Unter Philosophen ist das allerdings umstritten. Also Peter Singer z.B. der sagt, dass die räumliche Distanz eigentlich keinen Unterschied machen darf, wenn wir also erfahren, dass es große Not in anderen Ländern gibt, und wir können etwas gegen diese Not tun, z.B. indem wir Geld spenden, dann sind wir verpflichtet, das zu tun. Sprecherin: Helfen, wo die Not am größten ist. Laut dieser Maxime wären Menschen in Syrien, dem Jemen oder der Sahelzone die „Nächsten“, die die Hilfe am nötigsten hätten. Ihnen aber fühlen sich viele kaum verbunden. Zitator: Das Wenige, das du tun kannst, ist viel – wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es Mensch, sei es irgendeine Kreatur. Leben erhalten ist das einzige Glück. Sprecherin: Albert Schweitzer, Theologe und Kulturphilosoph. Hilfsbereitschaft für nicht-menschliche Kreaturen ist weitaus seltener. Ein Blick in die Spendenstatistik 2017 des Statistischen Bundesamtes zeigt: Menschen helfen vor allem Menschen. Zitator: Knapp 78 Prozent wurden für humanitäre Zwecke gespendet, hingegen nur 2,7 Prozent für den Naturschutz MUSIK: Öldurót K: Ólafur Arnalds, Atli Örvarsson & SinfoniaNord Album: Island Songs Ólafur Arnalds Sprecherin: Neben Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein oder Mitgefühl gibt es aber noch ein weiteres Motiv zu helfen: Zitator: Helfen macht Spaß! Sprecherin: Ist daran etwas verkehrt? Nein, sagt die buddhistische Lehrerin Sylvia Wetzel. Einzig kontraproduktiv ist Helfen aus dem reinen Gefühl der Verpflichtung und der Selbstaufwertung: 12 - O-Ton Sylvia Wetzel Wenn es uns schwerfällt, dann stimmt es nicht! Dann ist es vermutlich so, dass wir uns selber eher was Gutes tun, wenn wir Gutes tun. Dass wir unser eigenes Selbstbild damit stärken „Ja, ich bin ein guter Mensch! Ich spende immer Geld!“ Dann spende ich zwar Geld und tue vielleicht auch etwas Gutes für eine andere…

    Full show notes at the publisher

    Die Zentralbanken - Big Player der Politik Dec 03, 2024
    Show notes

    Banknoten ausgeben und Goldmünzen verwalten - dafür wurden einst Zentralbanken geschaffen. Heute müssen sie unsere Banken regelmäßig vor dem Kollaps retten. Im modernen Finanzmarktkapitalismus läuft nichts mehr ohne die mächtigen Geldmanager. Wie kam es dazu? Von Maike BrzoskaCreditsAutorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Christian BaumannTechnik: Heiko Hinrichs, Susanne HarasimRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Joscha Wullweber, Politikwissenschaftler und Professor an der Universität Witten/HerdeckeLeon Wansleben, Soziologe und Gruppenleiter an Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung KölnNils Herger, Ökonom und Dozent an der Universität Bern Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Literatur: Nils Herger: Wie funktionieren Zentralbanken? Geld- und Währungspolitik verstehen. Springer/Gabler, 2015 Joscha Wullweber: Zentralbankkapitalimus. edition Suhrkamp, 2021 Leon Wansleben: The Rise of Central Banks. State Power in Financial Capitalism. Har Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Juli 2012 auf einer Investorenkonferenz in London. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, tritt vor das Mikrofon und hält eine kurze Rede. Mitten in seinem Vortrag hält er inne, schaut ins Publikum und sagt mit Nachdruck die folgenden Worte: 01 / TON Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough. 02 OT (Wullweber) Das war ja der berühmte Ausspruch: Was es auch bedeutet, ich werde auf jeden Fall den Euro retten. SPRECHERIN Der Politikwissenschaftler Joscha Wullweber. Er ist Professor an der Universität Witten/Herdecke. Nicht wenige meinen: Mit diesen Sätzen hat Draghi den Euro gerettet. Zumindest aber eine weitere Eskalation der Eurokrise verhindert. Zur Erinnerung: Nachdem in den USA eine Immobilienblase geplatzt war, mussten erst Banken und dann ganze Staaten, vor allem in Südeuropa, gerettet werden. Ob das klappt, war damals fraglich. Eine Reihe von Investorinnen und Investoren wettete darauf, dass die Eurozone zerbricht, dass also Griechenland oder Italien aus dem Euro austreten müssen, weil sie pleite sind. Bis Draghi die entscheidenden Worte sprach: Wir werden den Euro retten, whatever it takes, was immer es kostet. 03 OT (Wullweber) Das Signal an die Finanzmärkte: Italien wird nicht Pleite gehen, weil die EZB wird da sein, und sofort haben sich die Finanzmärkte beruhigt, ohne dass Mario Draghi auch nur einen Euro ausgeben musste. Musik: New beginning 0‘32 SPRECHERIN Ein paar Worte des Zentralbank-Chefs genügten, um die Stimmung zu drehen. Ein Einzelfall? Keineswegs. Ein anderes Beispiel ist die Rede von Alan Greenspan 1996. Die Börsen hatten damals einen langen Aufwärtstrend hinter sich, als Greenspan, damals Chef der US-amerikanischen Zentralbank, auf einer Dinnerparty beiläufig vom „irrationalen Überschwang“ sprach. 04 OT (Wullweber) Und in dem Fall war das so, dass Greenspan meinte, er ist sich nicht ganz sicher, ob die guten Entwicklungen auf dem Finanzmarkt in nächster Zeit so weitergehen. Führte dazu, dass sofort rein interpretiert wurde; Oh je, es könnte sein, dass etwas abstürzt, also verkaufe ich. Und dann fingen diverse Leute an zu verkaufen. Das führt dann zu einer Spirale, die immer weiter runterzieht. SPRECHERIN Draghis entschiedene Worte in der Eurokrise, Greenspans Zweifel im Börsenhoch: Die Zeiten waren sehr verschieden, aber beide Male haben Zentralbank-Chefs viele Milliarden an Euro oder Dollar bewegt – allein durch ein paar Worte. Wie kann das sein? 06 OT (Wullweber) Finanzmärkte sind hoch psychologisch, emotional getrieben. Und mit diesen Emotionen, mit der Psychologie müssen Zentralbanken, die ja die Hauptstabilisatoren dieses Systems sind, auch umgehen. Und das tun sie auch. SPRECHERIN Hauptstabilisatoren, weil ohne sie nichts mehr läuft. Joscha Wullweber hat dafür den Begriff Zentralbankkapitalismus geprägt. 07 OT (Wullweber) Was die Zentralbanken heute so mächtig macht, ist, dass eigentlich das gesamte Finanzsystem ohne die permanenten Interventionen der Zentralbanken nicht mehr funktionieren würde. SPRECHERIN Geplant war das nicht. Vielmehr war es so, dass die Zentralbanken im Laufe der Zeit an Bedeutung gewannen. Die ersten Zentralbanken gründeten sich im 17. Jahrhundert. 08 OT (Herger) Das sind insbesondere zwei Zentralbanken, die es heute noch gibt. SPRECHERIN Sagt der Ökonom Nils Herger. Er ist Dozent an der Universität Bern. 09 OT (Herger) Das ist einerseits die schwedische Reichsbank. Und die zweitälteste ist die Bank of England. Musik: 2.Satz Bach 0‘25 SPRECHERIN In Schweden lief das mit den Zahlungen damals ziemlich schleppend – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine oft verwendete Kupfermünze wog knapp 20 Kilogramm. Ein echtes Schwergewicht. Deshalb bot der Banker Johan Palmstruch an, die Münzen in seiner Bank zu verwahren und stattdessen Papierquittungen auszugeben. Die Idee überzeugte den schwedischen König. Palmstruchs Bank erhielt das hoheitliche Recht, Banknoten auszugeben. Die Quittungen kursierten bald als Zahlungsmittel, um größere Beträge zu begleichen. Papiergeld statt Kupfermünzen – das war neu. Die Innovation bestand darin, … 10 OT (Herger) … dass eine private Gesellschaft vom Staat sozusagen das Recht erworben hatte, um in einem gewissen Gebiet eben Papiergeld, Banknoten auszugeben als ein innovatives Zahlungsmittel damals. SPRECHERIN Palmstruchs Bank ging ein paar Jahre später Pleite, aber seine Idee hatte sich bewährt. Die Regierung gründete 1688 die Schwedische Nationalbank, die Vorläuferin der heutigen Zentralbank Schwedens. In Großbritannien lief es ähnlich. 1694 bekam die Bank of England das Recht, Banknoten auszugeben. Die englische Krone brauchte dringend Geld für den Krieg gegen Frankreich. Ein häufiges Motiv für die Gründung von Zentralbanken. 11 OT (Wansleben) Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Zentralbanken eigentlich ausschließlich zur Kriegsfinanzierung gegründet. SPRECHERIN Der Soziologe Leon Wansleben. Er ist Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. 12 OT (Wansleben) Und die Idee bei der Kriegsfinanzierung war eigentlich: Man gründet eine Zentralbank, die so eine Art Fonds ist, in denen reiche Bankiers, die Kapitalisten der jeweiligen Gesellschaften, einzahlen und der Regierung diesen Kredit zur Verfügung stellen für die Kriegsführung. SPRECHERIN Weil das gut funktionierte, gründeten sich nach und nach überall in Europa Zentralbanken. Man nennt sie auch Notenbanken, weil sie eben Banknoten ausgeben. Musik: Precision on demand 0‘25 SPRECHERIN Mit der Zeit eröffneten auch normale Geschäftsbanken Konten bei der Zentralbank. Für sie war das praktisch: Sie konnten dort ihre Goldbarren lagern und sich Kapital borgen. Die Zentralbanken wurden somit jeweils zur „Bank der Banken“. So werden sie heute noch oft genannt. Nach und nach entstand ein zweistufiges System mit einer Zentralbank im Mittelpunkt. Unumstritten war das allerdings nicht. Eine einzelne Bank, die so eine zentrale Stellung innehat. Und die auch noch Papiergeld drucken darf. Das warf Fragen auf: Warum ausgerechnet diese Bank? Und ist das Papier, das sie ausgibt, überhaupt richtiges Geld? Solche Fragen wurden im 19. Jahrhundert intensiv diskutiert – und stellen sich auch heute wieder: beim digitalen Geld. 15 OT (Herger) Es ist auch eine technische Innovation und es ist nicht ganz klar, was ist hier die Rolle der Zentralbank? Soll man das jetzt einfach dem Wettbewerb überlassen? Sie kennen diese Kryptowährungen, Bitcoin, es gibt ganz viele verschiedene Währungen. Soll man das regulieren? Soll sie ein eigenes elektronisches Zentralbankgeld ausgeben? Diese Diskussionen, die kommen heute wieder, in einem anderen technischen Umfeld. SPRECHERIN Die Skepsis gegenüber der herausragenden Stellung einer Zentralbank führte mancherorts dazu, dass sie erst relativ spät gegründet wurde. 16 OT (Herger) Bekannte Beispiele sind vor allem die USA, die das auch sehr lange beibehalten hat, bis zur Gründung des Federal Reserve Systems 1914. Musik: Dark waters (reduziert) 0‘32 SPRECHERIN Dass schließlich dort doch eine Zentralbank gegründet wurde, lag am äußerst instabilen US-Finanzsystem. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in den USA regelmäßig Bankenpleiten, die Wirtschaftskrisen nach sich zogen. Deshalb kam man auch hier zu der Überzeugung: Es braucht eine zentrale Bank, die im Notfall mit Geld aushelfen kann. Eine Bank mit Reserven, das Federal Reserve System, besser bekannt als die Fed. 17 OT (Wansleben) Und die Idee hier ist, dass die Zentralbank den anderen Banken Liquidität bereitstellt, wenn die Kunden ganz schnell ihr Papiergeld gegen Gold eintauschen wollen. SPRECHERIN Lange Zeit gab es ein Anrecht darauf, die Papierquittungen gegen Gold oder andere Edelmetalle einzulösen. Nach und nach wurde die Einlösepflicht allerdings abgeschafft. Das war eine längerfristige und keine lineare Entwicklung. Aber mit Beginn des Ersten Weltkriegs suspendierten eigentlich alle am Krieg beteiligten Länder die Goldeinlösepflicht. Auf diese Weise konnten die Zentralbanken freier agieren, wenn das Geld sehr knapp war – und das war es in Kriegszeiten praktisch immer. 18 OT (Wansleben) Die Idee war dann nicht mehr, dass es in der Zentralbank Gold gibt, das den Banken bereitgestellt wird, sondern dass die Banken selbst nur Reserven in Form von Schulden bei der Notenbank haben. Und die Notenbank tun letztlich nichts anderes als Schulden auszugeben als Reserven. Musik: Prayer wheel 0‘51 SPRECHERIN Die Zentralbanken sicherten die Kredite der Geschäftsbanken also nicht mit zurückgelegtem Gold ab, sondern mit selbst geschaffenem Geld – und genauso funktioniert das auch heute noch. Vor allem in Krisenzeiten stellen Zentralbanken auf diese Weise große Mengen an Geld bereit. Oft heißt es dann, die Zentralbanken werfen die Notenpresse an, wobei der Anteil der physischen Geldscheine heute verschwindend gering ist. Aber das Bild der Notenpresse ist geblieben – vielleicht weil es so schwer vorstellbar ist, dass solche enormen Summen mehr oder weniger aus dem Nichts erschaffen werden. Mit der Aufgabe, im Krisenfall schnell Liquidität bereitzustellen, wandelte sich jedenfalls die Rolle der Zentralbanken. Sie wurden zum Lender of Last Resort, zum „Geldleiher der letzten Instanz“. 19 OT (Herger) Da findet schon eine gewisse Wandlung der Zentralbank statt in dem Sinne, dass sich die Zentralbank – zumindest während der Krise – von einer rein privaten Institution hinwendet zu einer Institution, die mehr das öffentliche Interesse im Auge behalten muss. Musik: Under a dark sky 0‘49 SPRECHERIN Allerdings brauchte es erst noch eine richtig große Krise, bis sich diese Sichtweise endgültig durchsetzte. 1929 kam es zur Großen Depression, eine sehr schwere Wirtschaftskrise. Sie begann 1929 mit einem Absturz der New Yorker Börse. Viele Banken und Unternehmen bekamen Schwierigkeiten, einige gingen Pleite. Das brachte weitere Banken und Unternehmen in Bedrängnis. Auf diese Weise zog die Krise immer weitere Kreise. Ein beherztes Eingreifen der Zentralbanken, das Anwerfen der Notenpresse, hätte den Teufelskreis vermutlich stoppen können. Allerdings stellten die Zentralbanken damals nur wenig Geld zur Verfügung – aus Angst, dass zu viel Geld den Markt flutet und es zu Inflation kommen würde. Aber so kam es zum Gegenteil: Die Deflation, also die Aufwertung der Währung, verschlimmerte die Lage – die Nachfrage sank, die Preise fielen, die Unternehmen machten weniger Gewinn, Menschen verloren ihren Job, was wiederum zu sinkender Nachfrage führte…. Bis Anfang der 1930er hatten sich in den USA die Löhne halbiert, ein Drittel der Menschen war arbeitslos, viele Menschen hungerten. In Europa sah es nicht viel besser aus. Ein Desaster, das Forschende im Nachgang stark beschäftigte. Viele kamen zu der Überzeugung, dass Zentralbanken die Wirtschaft sehr viel stärker lenken sollten, und zwar nicht nur in Krisenzeiten. Einer, der für solche Vorschläge bekannt wurde, war der Ökonom John Maynard Keynes. Die Idee war, … 20 OT (Herger) ... dass eben die Geldpolitik hier im Dienst der Konjunktur und Preissteuerung eigentlich umfassend eingesetzt werden kann. SPRECHERIN Über die Geldpolitik hat eine Zentralbank großen Einfluss auf die Wirtschaft. Das ist auch der Grund, warum etwa die EZB Schlagzeilen macht, wenn sie die Zinsen hebt oder senkt. Niedrige Zinsen führen oft dazu, dass Banken günstigere Kredite vergeben. Unternehmen investieren dann mehr und Menschen kaufen sich mehr Häuser oder Autos auf Pump. Das stimuliert die Wirtschaft, Löhne und Preise gehen tendenziell nach oben. Aber es geht auch andersrum: Steigen die Preise zu schnell, droht also eine Inflation, hebt die Zentralbank die Zinsen an. Die Menschen kaufen dann weniger auf Kredit, Unternehmen investieren zurückhaltender, die Wirtschaft wird eher gedrosselt. Das ist weniger populär – und führt in einigen Ländern regelmäßig zu Konflikten mit den Regierungen. Deshalb pochen viele darauf, dass Zentralbanken unabhängig sind. 21 OT (Herger) Der Vorteil der Unabhängigkeit ist, dass man sagt, okay, wir müssen nicht direkt gewählt werden. Wir haben das Mandat, die Preisstabilität zu gewährleisten, und dann können sie das eben noch auch tun. Wait and hope Red. Version 0‘50 SPRECHERIN In Deutschland ist die Unabhängigkeit der Zentralbank ein großes Thema. Das liegt auch an der Rolle der hiesigen Zentralbank in den 1920er und 30er Jahren. In der Weimarer Republik agierte die Zentralbank ganz im Sinne der Regierung. Sie druckte Unsummen an Reichsmark, weil man glaubte, die Reparationen, also die Kriegsschulden, nicht anders begleichen zu können. Das führte schließlich zu einer Hyperinflation, in der das Geld zuletzt so schnell an Wert verlor, dass Brot mehrere Millionen Reichsmark kostete. Erst eine Währungsreform schaffte Abhilfe. In den 1930er Jahren bauten die Nationalsozialisten die Zentralbank dann in ihrem Sinne um. Ab 1939 unterstand sie sogar direkt Reichskanzler Adolf Hitler. Auf diese Weise konnte er seine Vorhaben quasi selbst finanzieren. So etwas sollte es nie wieder geben. 22 OT (Wullweber) Es gibt einen sehr guten Grund, weswegen die Bundesbank als neutrale Instanz nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde, weil die natürlich im Nationalsozialismus sehr stark mit Hitler zusammen agiert hat. Und eine Lehre daraus war zu sagen: Die soll unabhängig sein. SPRECHERIN Das wurde denn auch in den Statuten der 1957 gegründeten Deutschen Bundesbank festgeschrieben. Daneben wollten die Regierungen nach dem Zweiten Weltkrieg ein stabiles Währungssystem etablieren. Im US-Städtchen Bretton Woods einigten sie sich auf ein System fester Wechselkurse. SPRECHERIN Insgesamt ein stark reglementiertes System, das bis Anfang der 1970er Jahre gut funktionierte. 24 OT (Wansleben) Und dann kam es ja in den 70er Jahren zur Inflationskrise einerseits und andererseits zu immer stärkeren Liberalisierungsschüben durch die Globalisierung des Handels und der Kapitalströme, und dann brach im Prinzip diese ganze Architektur der Nachkriegszeit zusammen. Musik: Take off 0‘19 SPRECHERIN Bretton Woods war Geschichte. Auf die stark steigenden Preise reagierte die Bundesbank, indem sie die Zinsen erhöhte. Das gelang, die Inflation ging zurück, allerdings auf Kosten anderer wirtschaftspolitischer Ziele, meint Leon Wansleben. 25 OT (Wansleben) Inflation war damals wahrgenommen als ein Riesenproblem und wurde dann immer stärker in den Vordergrund gestellt. Die Frage von Beschäftigung und die Frage von Wachstum wurde eher hintenangestellt. SPRECHERIN Soll man ein paar Prozent Inflation in Kauf nehmen, um die Wirtschaft zu stimulieren und Arbeitsplätze…

    Full show notes at the publisher

    Ernst Bloch - Denken heißt hoffen Nov 28, 2024
    Show notes

    Ernst Bloch ist der Philosoph der Hoffnung. Ein Mensch im Zeitalter der Extreme, den auch im Anblick der Katastrophe das Vertrauen in die Utopie nicht verlässt. Ein Denker, der auch uns das Hoffen lehren kann. Von Jerzy Sobotta (BR 2021)

    Autor dieser Folge: Jerzy Sobotta
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Andreas Neumann, Stefan Wilkening
    Technik: Urusula Kirstein
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:

    "Hoffnung - Die Stille Kraft"

    Sie stirbt bekanntlich zuletzt: die Hoffnung. Doch zuvor kann sie einiges bewirken, sie kann unerkannte Kräfte mobilisieren, individuelles Leid lindern – aber auch den Blick auf die Welt verändern. HIER

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Das Kondom - Von der Ziegenblase zum Massenartikel Nov 27, 2024
    Show notes

    Seit alters her umhüllen Männer ihren Penis, um Schwangerschaft und Krankheit zu verhindern. Doch von den ersten Kondomen aus Tierdärmen und Fischblasen bis zum modernen Präservativ aus Latex war es ein langer, wechselvoller Weg. Von Lukas Grasberger (BR 2021)

    Autor dieser Folge: Lukas Grasberger
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Julia Fischer, Michael Atzinger
    Technik: Robin Auld
    Redaktion: Iska Schreglmann
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Die Pille für die Frau, das Kondom für den Mann. Was gibt es für alternative Methoden zur Verhütung einer Schwangerschaft? Und wie zuverlässig sind diese? Unsere Kollegen von BR24 klären auf:
    BR24 | Welche Verhütungsmittel für Männer und Frauen gibt es?
    ZUM ARTIKEL




    James Bond - Männlichkeit im Spiegel der Zeit Nov 27, 2024
    Show notes

    James Bond, britischer Geheimagent, schreibt seit Jahrzehnten Kinogeschichte, erfolgreich und ausdauernd. Als Weltenretter und Frauenmagnet profiliert er sich immer wieder neu und spiegelt Männlichkeitsideale und den Zeitgeist. Von Brigitte Kohn (BR 2023)

    Autorin dieser Folge: Brigitte Kohn
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger und Thomas Birnstiel
    Technik: Regine Elbers
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:

    Stefani Brusberg-Kiermeier, Professorin für Englische Literatur und Didaktik an der Universität Hildesheim;
    Prof. Werner Greve, Professor für Psychologie an der Universität Hildesheim

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Die Wurst - Von Tradition bis Tofu Nov 26, 2024
    Show notes

    Wenn es um der Deutschen liebste Speisen geht, landet man schnell bei der Wurst. Mehr als 27 Kilogramm Wurst und Schinken verzehrt jeder von uns durchschnittlich im Jahr. Und die Auswahl ist schier unübersichtlich. Radiowissen rückt der Wurst als Nahrungsmittel und Kulturgut auf die Pelle. Autorin: Susanne Hofmann (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Thomas Birnstiel, Jerzy May, Julia Cortis
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Dr. Wolfger Pöhlmann, Kunsthistoriker und Wurstexperte;
    Eva Kirchberger, Diplom-Ökotrophologin vom Verbraucherservice Bayern;
    Anton Schreistetter, Metzgermeister und Schulleiter der Fleischerschule des Fleischerhandwerks Augsburg

    Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:

    Abgrenzung durch Essen - Wie soziales Bewusstsein unsere Ernährung bestimmt
    JETZT ANHÖREN

    Nutztierställe im Wandel - Eine Frage der Haltung
    JETZT ANHÖREN

    Fettleibigkeit - Warum werden wir dick?
    JETZT ANHÖREN

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
    Ein Tag, ein großes Nachrichten-Thema. Das liefert "Newsjunkies". Der Podcast fragt nach dem Warum und gibt Antworten und Hintergründe.
    Newsjunkies
    ZUM PODCAST

    Buchtipp:
    Wolfger Pöhlmann: Es geht um die Wurst, Knaus Verlag, 2017

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Unterschätzte Moore - Was sich im Torf verbirgt Nov 25, 2024
    Show notes

    Viele Moore sind in den letzten Jahrzehnten trockengelegt worden, um sie für die Landwirtschaft zu nutzen. Das Problem: Trockengelegte Moore setzen Unmengen von Treibhausgasen frei. Autorin: Jenny von Sperber (BR 2017)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Jenny von Sperber
    Regie: Eva Demmelhuber
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Axel Wostry, Clemens Nicol
    Technik: Miriam Böhm
    Redaktion: Gerda Kuhn

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Previous 1 83 84 85 86 87 221 Next

    Related Podcasts

    Making Sense with Sam Harris

    1

    Making Sense with Sam Harris Education
    Grammar Girl

    2

    Grammar Girl Education
    Good Life Project

    3

    Good Life Project Education
    Explain It to Me

    4

    Explain It to Me Education
    Team Never Quit

    5

    Team Never Quit Comedy
    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement

    6

    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement Alternative Health
    footer-logo

    Contact Us

    Toll Free: 844-670-7747

    Links

    • Home
    • Top Charts
    • Networks
    • Apps
    • Independents Podcasts
    • Podcast Advertising
    • Podcast News
    • Contact Us
    • About Us
    • Analytics & Insights

    Stay Connected

      Privacy, Terms of Use & Our Code of Ethics Protecting Content Creators Copyrights