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    Latest Episodes:
    Die Bewerbung - Betteln, Posen, Aufpolieren Feb 14, 2025
    Show notes

    Was für eine Gratwanderung. Wer sich um eine Arbeitsstelle bewirbt, muss eigene Ansprüche formulieren und zugleich versuchen, mögliche Erwartungen des Gegenübers zu erfüllen. Außerdem gilt: bloß nicht bedürftig wirken! Das war vor 200 Jahren anders. Damals schrieben Jobsuchende noch richtiggehend Bettelbriefe. Von Justina Schreiber (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Justina Schreiber
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Berenike Beschle, Florian Schwarz
    Technik: Ruth-Maria Ostermann
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Im Interview:

    Dr. Timo Luks, Historiker, und Klaus-Dieter Böse, Karrierecoach

    Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:

    Erben und Vererben - Was steckt hinter dem Streit ums Geld?
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    Literaturtipps:

    Timo Luks, „In eigener Sache: Eine Kulturgeschichte der Bewerbung“ – gut geschriebenes, fachlich kompetentes Buch, das die Historie der Bewerbung vom Bittschreiben bis zur Selbstinszenierung an Hand schöner Beispiele darstellt.

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast
    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.
    ZUM PODCAST

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Was macht uns aus? - Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier Feb 12, 2025
    Show notes

    Was macht den Mensch zum Menschen? Während auch andere Tiere lernen, Werkzeuge gebrauchen, kommunizieren und kooperieren, scheint sich der menschliche Geist deutlich von dem der übrigen Tiere zu unterscheiden. Von Prisca Straub (BR 2020) CreditsAutorin dieser Folge: Prisca StraubRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Christian BaumannTechnik: Robin AuldRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Prof. Julia Fischer, Verhaltens- und Primatenforscherin am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen; Prof. Thomas Suddendorf, Entwicklungspsychologe an der University of Queensland in Brisbane, Australien Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Im Grunde gut? - Das Menschenbild im WandelJETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie-PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER Unsere körperliche Ausstattung ist recht dürftig. Der Mensch kann weder besonders gut hören, noch besonders scharf sehen. Außergewöhnlich schnell oder überdurchschnittlich kräftig ist er auch nicht. Trotzdem neigen wir dazu, uns für etwas Besseres zu halten. Oder doch zumindest für anders als alle anderen Tiere auf diesem Planeten. An unserer Kraft, unserer Schnelligkeit, unseren Sinneswahrnehmungen kann es nicht liegen - da sind viele Tiere dem Menschen haushoch überlegen. Was also hat die Spezies Mensch so erfolgreich gemacht? Wo genau liegt der entscheidende Unterschied? Atmo: 0‘37 SPRECHER Werfen wir also einen Blick auf unsere genetischen Grundlagen. Ein Erbgutvergleich mit den sogenannten Großen Menschenaffen enthüllt zunächst einmal Erstaunliches: Rund 99 Prozent unserer Gene teilen wir mit unseren nächsten lebenden Verwandten - mit Schimpanse und Bonobo. Eine beeindruckende Zahl. Aber wie aussagekräftig ist ein Vergleich der Gensequenzen, wenn es darum geht, der Kluft zwischen Mensch und Tier auf die Spur zu kommen? 1 ZSP Julia Fischer 1 Das ist immer die Frage: Was heißt das, wenn man viele ähnliche Gene hat oder eine große Überlappung im Genpool hat? Wir teilen auch 30 Prozent unserer Gene mit der Kartoffel! Viele von diesen Genen sind sogenannte 'Housekeeping-Gene', die gewissermaßen für physiologische Funktionen da sind. SPRECHER Julia Fischer ist Biologin, Verhaltens- und Primatenforscherin und Professorin für ‚Kognitive Ethologie‘ und Leiterin der gleichnamigen Forschungsgruppe am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Jahrelang hat sie das Verhalten von Affenpopulationen in freier Wildbahn beobachtet. - Die überwältigend große genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Menschenaffe ist wenig erstaunlich: Schließlich sind wir aus demselben Fleisch und Blut - unser Körperbau und unsere Körperfunktionen sind weitgehend deckungsgleich: 2 ZSP Thomas Suddendorf 1 Der Unterschied körperlich ist eigentlich gering. Da sind nur wenige Dinge: Wir haben längere Beine als Arme und laufen aufrecht. Wir haben eine Lederhaut in den Augen, die weiß ist, während die der anderen Primaten dunkel ist. Da kann man sehen beim Menschen, wo wir hinschauen. Frauen haben keine äußerlichen Anzeichen ihrer fruchtbaren Phasen und Menschen haben keinen Penisknochen. Das sind Unterschiede, aber nicht unbedingt Unterschiede, die sofort offensichtlich machen, was bei uns so besonders ist oder warum wir die Welt verändert haben - und andere Primaten immer noch in den Wäldern leben. SPRECHER Thomas Suddendorf ist Entwicklungspsychologe und Professor an der University of Queensland in Brisbane, Australien. Z8030896114 Factual operation (reduced 2) 0‘42 Sein Spezialgebiet: die Evolution des menschlichen Geistes. Wie konnte der Mensch dieses außergewöhnliche Tier werden, das so viele Dinge tut, die andere Tiere nicht tun? Was motiviert uns Fußball zu spielen, Geburtstagsfeste zu veranstalten, ein Konto zu eröffnen. Welche Merkmale erlauben uns, Weltraumteleskope zu bauen und über unsere eigene Existenz nachzudenken? Mehr als zehn Jahre hat Suddendorf systematisch Studienerkenntnisse gesammelt und 2013 in einem Standardwerk veröffentlicht. - Mit dem Titel: 'Der Unterschied. Was den Mensch zum Menschen macht'. 3 ZSP Thomas Suddendorf 1 (…) Ich denke, dass der Unterschied hauptsächlich darin zu finden ist, dass unser Geist sich entwickelt hat in einer Form, wie wir das bei anderen Tieren nicht sehen. SPRECHER Der menschliche Geist also. Macht er uns zu etwas Einzigartigem? Werfen wir zunächst einen Blick auf unser zentrales Steuerungsorgan, das Gehirn. 4 ZSP Thomas Suddendorf 2 Sicherlich spielt es eine Hauptrolle, weil das Gehirn die neurologische Basis für unseren Geist ist. Aber es ist nicht der Fall, dass wir das größte Gehirn haben. Die Gehirne von Säugetieren sind sehr ähnlich. Und doch haben wir mit unserem recht großen Gehirn - 1,2 bis 1,5 Kilogramm - nicht die größten Gehirne. Elefanten zum Beispiel haben Gehirne mit bis zu vier Kilogramm und Wale sogar bis zu neun Kilogramm. Z8025542102 Brain puzzle (b) 0‘32 SPRECHER Die absolute Gehirngröße ist also wenig aussagekräftig für geistige Leistungen. Sobald man jedoch die jeweilige Körpergröße in die Rechnung miteinbezieht, ändert sich das Bild: Die relative Gehirngröße des Menschen liegt nämlich deutlich über der Gehirngröße von Walen und Elefanten. Das menschliche Gehirn ist etwa siebenmal größer als es für ein durchschnittliches Säugetier seiner Größe zu erwarten wäre, erklärt Thomas Suddendorf: 5 ZSP Thomas Suddendorf 2 (…) Es stimmt wohl, dass, wenn man das Körpergewicht mit einbezieht, dann haben Menschen so zwei Prozent ihres Körpers Gehirn. Wale und Elefanten haben weniger als ein Prozent. Also sind wir da besser als die Wale, wenn Sie so möchten. Allerdings ist es nicht der Fall, dass alle Tiere weniger relative Gehirngröße haben. Einige Mäusearten haben bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts Gehirn. Also hat uns die Neurowissenschaft da bisher noch nicht ganz so weit gebracht. C1576660110 working brain 0‘32 SPRECHER Die Gehirngröße in unterschiedliche Relationen zu setzen - auch das führt schlussendlich nicht zu stichhaltigen Erkenntnissen über unsere geistigen Fähigkeiten. Wie sieht es mit weiteren Kriterien aus - Gehirnstruktur? Anzahl der neuronalen Verbindungen? Zelltypen? Beim systematischen Versuch, diese Zusammenhänge zu enträtseln, wirft die moderne Neurowissenschaft allerdings bisher mehr neue Fragen auf, als sie beantworten kann, erklärt Julia Fischer: 6 ZSP Julia Fischer 32 Die Größe des Gehirns ist wichtig, aber vor allem ist auch die Vernetzung des Gehirns wichtig. Welche Areale sind mit welchen verknüpft? Dann die Dichte der Neuronen? Da gibt es große Debatten. Was ist jetzt eigentlich wichtig? Ist das ganze Gehirn wichtig oder ist nur der Cortex wichtig? Da kann man trefflich drüber streiten und lange Debatten führen. Als Faustformel kann man schon sagen: Wenn das Gehirn relativ zur Körpergröße größer ist, dann sagt einem das was. Aber was das einem genau sagt, das muss man dann genauer angucken: Welche Areale des Gehirns sind eigentlich für was zuständig? Da wird es schon wieder nicht mehr so einfach, da wirklich klare Zusammenhänge herzustellen. SPRECHER Gehirngröße, Gehirnstruktur, Gehirnaktivität - nach jetzigem Stand können auch die Neurowissenschaften nicht endgültig klären, was genau den menschlichen Geist zu etwas Besonderem macht. Wie also kann man das Vorhandensein oder die Abwesenheit geistiger Fähigkeiten bei Tieren systematisch feststellen? Um mehr darüber zu erfahren, was genau den Unterschied ausmacht, bleibt vorerst nur ein indirekter Weg - die vergleichende Verhaltensforschung. C1576650106 Hard brain work 0‘32 SPRECHER Geist ist ein schillernder Begriff. - Wir können uns zum Beispiel Dinge vorstellen, die unseren Sinnen nicht direkt zugänglich sind. Wir haben eine Vorstellung von vergangenen Erlebnissen und können uns auch künftige Szenarien plastisch ausmalen. Wir sinnen über abstrakte Konzepte nach und stellen uns Fragen über unser eigenes Dasein. Atmo 0‘8 Was in einem Tier vorgeht, darüber können wir zunächst nur mutmaßen. Hat ein Affe beispielsweise eine Vorstellung davon, was es heißt, ein Affe zu sein? 7 ZSP Julia Fischer 6 An diese Frage kommen wir nicht gut ran. Das ist, würde ich sagen, außerhalb unserer Reichweite. Ich gehe davon aus, dass Affen nicht dasitzen und sagen: 'Ja, ich bin ja eher jemand, der introvertiert ist' (lacht). Oder: 'Ich bin jemand, der immer Schwierigkeiten hat!' Also, dass sie so über sich selbst räsonieren. Davon gehe ich nicht aus. Aber ich kann das nicht nachweisen. SPRECHER Die vergleichende Entwicklungspsychologie hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beeindruckende Reihe experimenteller Tests zur Erforschung von geistigen Fähigkeiten bei Tieren vorgelegt. Unter ihnen: der sogenannte Spiegeltest, den es inzwischen in vielen unterschiedlichen Varianten gibt. Zum Hintergrund: Ab einem gewissen Alter sind Kleinkinder in der Lage, ihr eigenes Abbild im Spiegel zu erkennen. Menschenkinder erwerben eine Vorstellung davon, wie sie aussehen - und zeigen sich im Test irritiert, wenn sich ihr Spiegelbild nicht mit ihren Erwartungen an das eigene Aussehen deckt. Wenn man ihnen zum Beispiel einen Farbklecks auf die Stirn setzt. Viele unterschiedliche Vergleichsstudien haben ergeben: Auch bestimmte Tiere sind dazu in der Lage. Die Primatenforscherin Julia Fischer: 8 ZSP Julia Fischer 8 Der Spiegeltest ist ja schon lange Gegenstand der Debatte. (…) Wir haben als Menschen dauernd mit Spiegeln zu tun. Wir lernen irgendwann zu verstehen, dass das, was wir da sehen, wir selbst sind. Und wenn man Affen genügend Gelegenheit gibt, in den Spiegel zu gucken, dann lernen die das auch. Man hatte das erst bei Großen Menschenaffen gesehen oder auch bei Delfinen. Und jetzt gibt es auch eine Studie mit Rhesusaffen. Man hat den Rhesusaffen einfach lange Spiegel in ihren Käfig gestellt und irgendwann haben die verstanden, dass das miteinander zusammenhängt - was sie fühlen und was sie sehen da drüben. Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass man ein Selbstverständnis hat und sagt: 'Das bin ja ich!' Oder ein Konzept hat: 'Ich bin ein Affe!' Das kann man daraus so oder so gar nicht schließen. SPRECHER Ein reiner Lerneffekt - oder tatsächlich eine komplexe Geistesleistung, die auf einem tieferen Verständnis von grundsätzlichen Zusammenhängen beruht? Atmo 0‘17 Z8028916122 Path finder red. 0‘31 Ähnlich kompliziert ist die Frage, wie die Verwendung von Werkzeugen bei Tieren zu beurteilen ist. Schimpansen zum Beispiel knacken Nüsse mit Steinen oder angeln mit Stöckchen nach Termiten. Schaffen sich also Tiere - so wie Menschen - einen Werkzeugkasten an, mit dem sich künftig wieder auftretende, ähnliche Probleme lösen lassen? Und basteln sie vielleicht sogar eigens Werkzeuge für einen möglichen Gebrauch in der Zukunft? 9 ZSP Julia Fischer 28 Ja (lacht), das ist sehr schönes Bild mit dem Werkzeugkasten, das gefällt mir. Aber es gibt da keine Evidenz. Es gibt ein paar Berichte darüber, dass die Tiere zum Beispiel, wenn sie jetzt einen guten Stein gefunden haben zum Nüsse knacken, dass sie den aufheben. Aber es ist nicht so, dass man zum Beispiel kommunal irgendwie ein Lager hat, wo die ganze Gruppe sich bedienen kann. Oder: 'Wir haben hier die kleinen Steine für die kleinen Affen und die großen für die großen' oder so (lacht). Das gibt es auch nicht. SPRECHER Vielmehr fällt auf, dass die unbestreitbare Kreativität der Tiere beim Einsatz von Werkzeugen offenbar seit Jahrmillionen keine entscheidenden Technologiesprünge hervorgebracht hat. Erfinden Affen sozusagen das Rad jedes Mal wieder neu? Viele Experimente haben inzwischen gezeigt, zu welchen kognitiven Leistungen Tiere fähig sind - aber auch, wo ihre Grenzen liegen. Wie diese Befunde allerdings zu bewerten sind, das ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Es gibt beide Trends - einerseits die 'romantische Position', die das gemeinsame Erbe betont und mit verblüffenden Ergebnissen über tierische Leistungen aufwartet, die man eigentlich nur dem Menschen zugetraut hätte. Auf der anderen Seite: die sogenannten 'Spielverderber', die 'schlanke' Erklärungen bevorzugen. Zu ihnen gehört Julia Fischer: 10 ZSP Julia Fischer 9 Nein, ich bin da nicht so besonders romantisch veranlagt. Julia Fischer 2 Es gibt eine Debatte in der Wissenschaft, wie wir das am besten verstehen können, was die Gemeinsamkeiten sind und was die Unterschiede. (…) Und ich denke, dass es einerseits die Suche danach gibt: Was sehen wir in den Affen, was wir mit ihnen teilen, was uns was darüber sagt, was gewissermaßen ein altes Primaten-Erbe ist. Und die andere Frage ist dann aber: Was ist denn Mensch-spezifisch? Worin unterscheiden wir uns, was macht uns aus? Was definiert uns als Mensch? Z8030896104 Genetics 0‘16 SPRECHER Also wenden wir nochmals den Blick: Weg von den mitunter erstaunlichen Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier - hin zu den ganz offensichtlichen Unterschieden. Finden wir heraus, was Tiere nicht können: 82221060W01 Glass 1. Akt 0‘32 SPRECHER Menschen greifen auf Sprache zurück, um einander mitzuteilen, was in ihren Köpfen vor sich geht. Tiere tun das nicht. Die Fähigkeit zu sprechen ist eine der elementarsten menschlichen Eigenschaften. Unsere Sprachfähigkeit ist ein Alleinstellungsmerkmal. Womit natürlich keinesfalls behauptet werden soll, dass Tiere nicht kommunizieren. Atmo 0‘41 Im Gegenteil! Tiere haben extrem ausgefeilte Kommunikationsstrategien - Bienen tanzen, Wale singen, Chamäleons kommunizieren über Farbpigmente in ihrer Haut. Tiere haben eine bemerkenswerte Fülle an akustischen, chemischen und visuellen Strategien, mit denen sie in der Lage sind, Informationen auszutauschen. Aber ist das Sprache? Julia Fischer hat Kommunikation und Sozialverhalten von Primatenpopulationen im Freiland erforscht. Über was also tauschen sich Affen untereinander aus? 11 ZSP Julia Fischer 19 Es geht um Futter. Nicht alle Arten interessanterweise, aber viele haben Futterlaute, wenn sie etwas Leckeres zum Fressen gefunden haben. Dann gibt es Alarmrufe, wenn Gefahr droht. Das haben wirklich wahnsinnig viele Tiere, das scheint einen hohen Überlebenswert zu haben, dass das unabhängig voneinander in verschiedenen Tiergruppen evolviert ist. Und dann gibt es diese sozialen Laute, also Protestschreie oder Drohlaute oder den Ausdruck von einer positiven Stimmung. Und das war es dann meistens auch schon. Dann gibt es vielleicht noch Paarungslaute. Oder die Männchen, die ihre Kampfkraft anzeigen, also 'Display-Laute' machen, wo man dann sehen kann, dass die Männchen jetzt in besonders toller Form sind. Die haben besonders lange Rufe oder besonders laute Rufe (lacht) oder die hören sich irgendwie noch toller an als andere. Aber es gibt da keine Gespräche. Z8025542104 Statistic research 0‘35 SPRECHER Was am menschlichen Kommunikationssystem einzigartig ist: Wir verwenden ein enorm komplexes, anpassungsfähiges und grundsätzlich offenes Sprach-System. Sprache wird erworben und verläuft bei allen Menschenkindern nahezu gleich – Atmo 0‘10 sie beginnen zunächst mit Nachbrabblen. Atmo 0‘5 Tierische Kommunikationsstrategien hingegeben sind angeboren. Sie werden evolutionär weitergegeben und sind damit wenig flexibel - und nahezu ausschließlich funktional: 12 ZSP Julia Fischer 18 (…) Wenn ein Affe sich einem anderen annähert, (…) dann machen die oft bestimmte Laute vo…

    Full show notes at the publisher

    Charles Robert Darwin Feb 12, 2025
    Show notes

    Leben ist Veränderung - mit dieser Erkenntnis kehrte 1836 Charles Darwin von seiner Forschungsreise aus Amerika zurück nach England. Seine Theorie zur Entwicklung der Arten veränderte das damalige Weltbild. Von Fritz Dumanski (BR 2009)


    Wahrnehmung und Klischee - Die Entstehung von Vorurteilen Feb 12, 2025
    Show notes

    Schon als Kind lernen wir, die Welt in Kategorien einzuteilen. Wer ist Freund, wer Feind? Evolutionär betrachtet waren Vorurteile vorteilhaft. Heute sind sie oft diskriminierend. Was können wir dagegen tun? Von Maike Brzoska (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Frank Halbach
    Es sprach: Katja Amberger
    Technik: Susanne Harasim
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:

    Juliane Degner, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Hamburg

    Andreas Beelmann, Professor an der Universität Jena und Direktor des Zentrums Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    Die deutschen Sinti und Roma - Die Geschichte einer Minderheit Feb 11, 2025
    Show notes

    Ursprünglich stammen Sinti und Roma aus Indien, von dort aus wanderten sie über viele Jahrhunderte nach Westen. Auf deutschem Boden zunächst geduldet, erklärte man die "Fremden" bald zu Vogelfreien. Danach kam es immer wieder zu Tötungen und Vertreibungen. Von Maike Brzoska (BR 2022)

    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Nicole Ruchlak
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Hier finden sie weitere wissenswerte Beiträge zum Thema:
    BR Themen | Sinti und Roma - Verfolgt, ermordet, ausgegrenzt
    JETZT LESEN

    BR Mediathek | ARD alpha | Geschichte der Sinti und Roma
    JETZT ANSEHEN

    BR | RESPEKT | Antiziganismus
    ZUR BEITRAGSSEITE
    Literaturtipps:

    Karola Fings: Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit. C.H.Beck. 2019.
    Sehr guter geschichtlicher Überblick mit einem Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Verständlich und anschaulich geschrieben.

    Anja Reuss: Kontinuitäten der Stigmatisierung. Sinti und Roma in der deutschen Nachkriegszeit. Metropol Verlag. 2015.
    Die Autorin zeigt sehr umfassend, wie sich Vorurteile über die Minderheit gebildet und entwickelt haben und wie sie das Leben von Sinti und Roma beeinträchtigen.

    Oliver von Mengersen (Hrsg.): Sinti und Roma. Eine Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation. Bundeszentrale für politische Bildung. 2015.
    Gut lesbarer Sammelband, der sowohl einen geschichtlichen Abriss als auch die wichtigsten heutigen Themen – Sinti und Roma in den Medien, Schwerpunkte der Bürgerrechtsarbeit – umfasst.




    Die Arbeitslosen von Marienthal - Eine bahnbrechende Sozialstudie Feb 10, 2025
    Show notes

    Revolution oder Resignation - wie reagiert der Mensch, die Gemeinschaft auf Arbeitslosigkeit? Eine Sozialstudie aus den 1930er Jahren sucht Antworten durch ungewöhnliche Methoden und verändert die Forschung bis heute. Von Marlen Fercher (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Marlen Fercher
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Katja Amberger, Marlen Reichert, Julia Cortis, Frank Manhold, Katja Schild
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:
    Prof. Reinhard Müller, Soziologe im Ruhestand, davor beim “Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich” an der Universität Graz
    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

    Literatur:

    Jahoda; Lazarsfeld; Zeisel: Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch. Frankfurt a.M., 2020.

    Müller, Reinhard: Marienthal. Das Dorf – Die Arbeitslosen – Die Studie. Innsbruck, 2008.

    Linktipps:

    auf der Homepage der Universität Graz finden Sie umfangreiches Material zur Studie

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    Sozialer Wohnungsbau - Geschichte eines umstrittenen Konzepts Feb 08, 2025
    Show notes

    Der soziale Wohnungsbau war wichtig für den Wiederaufbau in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wohnungsnot groß war. Eine Erfolgsgeschichte, doch heute ist das Konzept umstritten. Von Georg Gruber (BR 2019)

    Credits
    Autor dieser Folge: Georg Gruber
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Rahel Comtesse, Michael Hafner
    Technik: Gerhard Wicho
    Redaktion: Nicole Ruchlak
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Die Architektin des sozialen Wohnens - Margarete Schütte-Lihotzky
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    Hans Döllgast - Architekt der Wiederherstellung
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    Die ägyptische Göttin Isis - Tochter von Himmel und Erde Feb 07, 2025
    Show notes

    Wir kennen die Göttin Isis als Göttin des Lebens und des Todes aus der Ägyptischen Mythologie. Isis kann heute als Verkörperung einer Sehnsucht nach der ursprünglichen Muttergottheit verstanden werden, die über die Jahrtausende einem überwiegend männlichen Gottesbild weichen musste. Von Andreas Hauber (BR 2022)

    Credits
    Autor dieser Folge: Andreas Hauber
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Silke von Walkhoff, Hemma Michel, Christoph Jablonka
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Prof. Martin Stadler, Ägyptologe, Würzburg
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    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

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    Das Spenden - Warum wir Menschen teilen Feb 07, 2025
    Show notes

    Im Jahre 2022 wurden in Deutschland etwa 5,67 Milliarden Euro privat gespendet. Jeder zweite Deutsche hat schon einmal Geld für einen guten Zweck verschenkt. Warum tun wir das? Warum geben Menschen etwas von ihrem Besitz ab? Setzt man sich mit den Ursachen und der Geschichte des Spendens auseinander, so lernt man viel darüber, wer wir eigentlich sind. Autor: Andreas Hauber (BR 2023) CreditsAutor dieser Folge: Andreas HauberRegie: Irene SchuckEs sprachen: Katja AmbergerTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Pfarrer Hans Lindenberger, ehem. Direktor des Caritasverbandes i.d. Diözese München-Freising;Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin, Berlin;Prof. Mario Gollwitzer, Psychologe, München Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Barmherzigkeit - Wiederentdeckung einer TugendJETZT ANHÖREN Sich verschwenden … - Der Zauber der GroßzügigkeitJETZT ANHÖREN Literaturtipps: Parianen, Franca, Teilen und Haben – Warum wir zusammenhalten müssen, aber nicht wollen, Dudenverlag, Berlin 2021. Schneider, Bernhard, Christliche Armenfürsorge- von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien, 2017. Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie-Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. 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Sprecherin Pfarrer Hans Lindenberger, langjähriger Direktor des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising ... O-Ton 02 Lindenberger Woher kommt das auf Weihnachten hin? Weihnachten, so heißt es ja, ist das Fest der Liebe und da hoffen dann die Spendenempfänger, die zu den Spenden aufrufen und darum bitten, dass das Herz geöffnet ist, mehr geöffnet ist als im Trubel des ganzen Jahres über - deshalb die Aufrufe zum Spenden. Sprecherin Weihnachten - das Fest der Liebe, an dem der Geburt Jesu gedacht wird, dem Mann, der als Sohn Gottes Nächstenliebe vorgelebt und diese auch von seinen Anhängern verlangt hat. Auch wenn der Einfluss der Kirchen und des Christentums immer mehr zurückgeht, die Idee der Nächstenliebe scheint geblieben zu sein. O-Ton 03 Lindenberger Die Humanität, die menschliche Nächstenliebe. Das ist schon eine Prägung vom Christentum her, aus unserer Tradition heraus, in unsere Gesellschaft hinein. Des wäre ja eine Katastrophe, wenn Menschen, die sich nicht als Christen bezeichnen auch Abschied nehmen würden und müssten von der Humanität. Christsein ist immer auch human sein. Und daher mein ich, dass die Bereitschaft zum Geben zum Spenden in unserer Gesellschaft ganz hoch ausgeprägt ist. Auch wenn die Kirche schwächelt. Musik 2 "Part VII" - Komponist und Ausführender: Fred Frith - Album: Rivers and Tides - Länge: 1'17 Sprecherin Unsere Gesellschaft ist vom Christentum geprägt. Aber Werte wie Humanität und Nächstenliebe finden sich auch in anderen Religionen, in den Gedanken der Aufklärung und dezidiert antiklerikalen oder atheistischen Bewegungen wieder. Weihnachten als Fest der Liebe hat aber offenbar eine besondere Strahlkraft über die christliche Tradition hinaus. Als könnten sich alle darauf einigen sich besonders zu dieser Zeit auf die Nächstenliebe zu besinnen… Aber irgendwie ist das auch seltsam … Denn das würde ja überspitzt gesagt bedeuten, dass wir immer eine höhere Instanz, sei es einen Gott, eine Lehre oder eine Theorie bräuchten, um miteinander zu teilen. Als müssten wir zu jeder guten Tat aufgefordert werden, weil wir nicht bereit sind von selbst etwas herzugeben … das ist doch ein etwas düsteres Menschenbild. Schauen wir genauer hin: Wie ist es mit uns Menschen und dem Teilen? Hat Teilen jenseits aller Forderung von außen, aller Moral oder Religion vielleicht nicht etwas Grundsätzliches mit unserem Menschsein zu tun? O-Ton 04 Parianen Wenn wir sagen, Kinder müssen Teilen lernen, dann meinen wir meistens dieses großzügige Teilen, also abgeben von dem, was ich habe. Sprecherin Die Neurowissenschaftlerin Franca Parianen hat sich in ihrem Buch „Teilen und Haben“ detailliert mit der Frage nach dem Teilen beschäftigt und untersucht, wie wichtig das Teilen für uns Menschen ist. Ein Blick auf das Verhalten der Kleinsten kann sehr aufschlussreich sein, wenn man herausfinden will, wie unser Wesen grundsätzlich beschaffen ist. O-Ton 05 Parianen Und wenn man jetzt kuckt: Können das Kinder besonders gut? stellt sich gerade bei so ganz Kleinen raus: Naja – Grade am Anfang sind wir nicht richtig begeistert von der Vorstellung was hergeben zu müssen von unserer Schokolade, von unseren Keksen. Sprecherin Also stimmt es?! Wir sind Egoisten … die anderen sind uns egal ... Wir schauen nur nach unserem eigenen Vorteil ... Oder doch nicht? O-Ton 06 Parianen Das heißt aber von Anfang an nicht, dass uns andere Kinder jetzt egal sind, nämlich, wenn wir die Wahl haben, ob wir einfach selbst für uns ein Keks haben können, oder zwei Kekse für uns beide, aber dafür müssen wir Zusammenarbeit eingehen, dann riskieren wir von ganz klein auf die Zusammenarbeit, d.h., wir wollen eigentlich, dass beide was haben. Und jetzt könnte man sagen: Naja gut (...) das heißt ja, dass wir großzügig sind, wenn wir selbst nicht verzichten müssen, das kann ich auch(...). Aber wahrscheinlich ist das der Kontext in dem Menschen gelernt haben zu teilen, denn ziemlich am Anfang stand wahrscheinlich eine Situation, wo man zusammen gejagt hat, und danach stand jeder mit mehr da. Sprecherin Unsere Vorfahren haben irgendwann damit angefangen zusammen zu jagen, weil damit die Chance ein großes Tier zu erlegen viel größer war. Davon hat jeder schon gehört. Dass wir soziale Wesen sind, hängt irgendwie mit der gemeinsamen Jagd zusammen. Aber gemeinsam Jagen allein bringt noch nicht viel. Schaut man auf unsere nächsten Verwandten, dann wird das deutlich: Stellt man zwei Schimpansen vor eine Aufgabe, in der sie zusammenarbeiten müssen, um eine Belohnung – z.B. einen Obstkorb - zu erhalten, dann tun sie das, aber …. O-Ton 07 Parianen Schimpansen sind überhaupt nicht doof, die verstehen sofort was von ihnen verlangt wird. Die gehen in einen Raum rein, ziehen zusammen an einem Seil und danach isst der Ranghöhere alles auf und der andere sitzt beleidigt in der Ecke. Das Ganze funktioniert exakt einmal. Sprecherin Mit Kooperation allein ist es also nicht getan. O-Ton 08 Parianen Das heißt, wir müssen erstmal abgeben lernen, damit wir Zusammenarbeit möglich machen. Musik 3 "Part VII" - Komponist und Ausführender: Fred Frith - Album: Rivers and Tides - Länge: 0'20 Sprecherin Nur wer teilen kann, für den macht Kooperation wirklich Sinn. Und es sieht ganz so aus, dass das Teilen eine wesentliche Fähigkeit gewesen ist, die unsere Entwicklung zu dem, was wir heute sind, erst möglich gemacht hat. Denn das Ganze bleibt nicht bei der Jagdbeute stehen: O-Ton 09 Parianen Sondern, indem wir zusammen teilen, teilen wir z.B. auch das Jagdrisiko, d.h. wenn wir heute das teilen, was wir gefunden haben, sitzen, wir morgen nicht alleine da, wenn wir mal nichts finden. Sprecherin Doch gibt es noch viel tiefgreifendere Bereiche, in denen das Teilen essenziell ist, betont Franca Parianen: O-Ton 10 Parianen Und ganz wichtig: Wir teilen auch von Anfang an Wissen. Es ist nämlich so, dass ohne gewisses Wissen, ohne das Wissen darum, wie man Feuer macht, wie man Fleisch verarbeitet, die ersten Steinkeile und sowas, wir gar nicht in der Lage gewesen wären unser großes Gehirn, wie wir es jetzt haben zu ernähren. Sprecherin Auch unsere geistige Entwicklung hängt also zutiefst damit zusammen, dass unsere Vorfahren irgendwann den Vorteil des Teilens erkannt haben. O-Ton 11 Parianen Das heißt, in gewisser Weise mussten wir erst sozial werden, um dann klug werden zu können. Sprecherin Um klug zu sein, ist ein großes, flexibles Gehirn, das auch nach der Geburt weiterwachsen kann, nötig. Das hat aber zur Folge, dass der menschliche Nachwuchs sehr hilflos und - man könnte sagen - unfertig auf die Welt kommt. O-Ton 12 Parianen Wenn man sich das ankuckt, in irgendwelchen Tierdokus, da sieht man immer schon: Und hier, die Giraffe läuft kurz nach ihrer Geburt die ersten Schritte, Kinder können das lange nicht, genau genommen können wir noch nicht mal unseren Kopf besonders gut halten. Und das heißt mit ziemlicher Sicherheit, dass man uns so nicht alleine groß ziehen kann in der Wildnis, als eine Person. Sprecherin Im Grunde braucht es, wie ein Sprichwort sagt: Ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. O-Ton 13 Parianen ... Und das hat uns wiederum ermöglicht, auch unser Gehirn nach der Geburt noch so viel weiterwachsen zu lassen. (...) Viele andere Tiere, die relativ fertig auf die Welt kommen, haben deswegen aber nicht so eine große Möglichkeit ihr Gehirn plastisch anzupassen und zu lernen. Menschen haben diese Möglichkeit, aber sie sind deswegen auch sehr arbeits- und energieaufwändig. Das bedeutet wieder eine große Herausforderung zu teilen. Sprecherin Genauso wichtig wie die geteilte Jagd mit der geteilten Beute ist auch die Versorgung der Kinder und das Weitergeben von Wissen. Alles hängt zusammen und wäre nicht möglich, ohne die Fähigkeit miteinander zu teilen. Der Mensch braucht also den anderen, um Mensch sein zu können. Das ist tief in uns angelegt. Noch eine kleine Geschichte am Rande: Wahrscheinlich sieht man uns das Teilen sogar an. Zumindest stellt die sogenannte cooperative eye hypotesis diese Möglichkeit in den Raum O-Ton 14 Parianen (...) und da geht es um unsere Augenfarbe, und zwar nicht um die Farbe der Iris, also das worüber wir immer reden, blaue Augen oder grüne Augen, sondern um das, was drum rum ist, das Weiß. Das hat nämlich tatsächlich keine andere Primatenspezies ... Sprecherin Der weiße Augenhintergrund bringt uns aber keinen Vorteil, wir können deshalb nicht schärfer oder weiter sehen. Ganz im Gegenteil ... O-Ton 15 Parianen Und sie sind dadurch unpraktisch, weil alle Menschen um uns rum können plötzlich sehen, wo wir hinkucken. Ob wir was zu essen entdeckt haben, ob wir irgendwem hinterherkucken, das heißt: Wir können Geheimnisse sehr schlecht für uns bewahren. Aber: Wir können uns auch mit den Augen koordinieren, wir können sagen Du gehst da lang, ich geh da lang, ohne ein Wort dabei zu verlieren. d.h. für unsere Vorfahren war es wahrscheinlich wichtiger, diese Koordination hinzubekommen, zusammenzuarbeiten, als Wissen für sich zu behalten, (…). Wissen teilen war also von Anfang an von Vorteil. Sprecherin Irgendwann, ganz am Anfang seiner Entwicklung, hat der Mensch also erkannt, dass er besser dran ist, wenn er zusammenarbeitet. Zusammenarbeit lohnt sich aber nur, wenn alle davon profitieren. Sie muss auf Augenhöhe stattfinden und auf Gegenseitigkeit beruhen. Dazu ist die Fähigkeit zu Teilen, also in gewissem Sinne das Wohl des anderen mitzudenken von grundlegender Bedeutung. Musik 4 "Ecartele: Erna's Theme, Reprise" - Album: Ecartele - Ausführende: Szymanowski Quartet, Marina Baranova & Damian Marhulets - Komponist: Damian Marhulets - Länge: 0'31 Sprecherin Aber – Hand aufs Herz. Wenn es so ist, dass wir Wesen sind, die geradezu auf das Teilen hin ausgerichtet sind, warum ist die Welt dann so wie sie ist? Warum brauchen wir ein Fest der Liebe, warum muss uns immer wieder die Not der anderen ins Gedächtnis gerufen werden – Warum lassen wir die Ungerechtigkeit zu? O-Ton 16 Parianen Ja, das ist tatsächlich n großes Problem, wenn ich über diese Sachen rede: (…) wir haben zusammen gejagt, dann haben wir aufgeteilt, dann ist das natürlich nicht wie die meisten Interaktionen heute im Alltag stattfinden. Sprecherin In den Anfängen lebte der Mensch noch in kleinen, nomadisch umherziehenden Gruppen, die alles geteilt haben. Ganz anders als heute. Musik 4 "Duos of the Past" - Album: Passare - Komponist und Ausführender: Peter Scherer - Länge: 0'29 Sprecherin Heute sind wir sesshaft und da, wo wir uns niedergelassen haben, versuchen wir so viel Privatbesitz wie möglich anzuhäufen. Reichtum ist ein hoher Wert. So werden die einen immer reicher und mächtiger und die anderen immer ärmer und abhängiger. Die Ungerechtigkeit wächst. O-Ton 17 Parianen (…) ich habe vorhin gesagt, dass das, was uns sozial gemacht hat, das, was uns erstmal aufgefordert hat zu teilen, die Erkenntnis war, dass die anderen sonst nicht mehr mit uns zusammenarbeiten, also dass wir gegenseitige Abhängigkeiten verstehen. Jetzt haben wir aber, seit wir sesshaft sind, in der Lage Reichtum zu vererben über Generationen hinweg, plötzlich keine gegenseitige Abhängigkeit mehr, wie wir sie vorher hatten, sondern sind in der Lage zu sagen: Das sind meine Bedingungen: take it or leave it. Es verhandelt sich nicht leicht, wenn die eine Person nichts zu essen hat und die andere alles Geld der Welt. Sprecherin Durch die Sesshaftigkeit hat sich die Lebensstruktur fundamental verändert. Unser erlerntes und gewohntes Verhalten wurde immer weniger wichtig, stattdessen rückten andere Qualitäten in den Vordergrund. Der Blick verengte sich vom Wohl der Allgemeinheit weg stärker hin auf den Schutz des Eigenen. Das heißt nicht, dass wir vollkommene Egoisten geworden wären. Wir sind soziale Wesen – auch heute noch. Dennoch ist die Welt zunehmend in eine Schieflage geraten. Musik 5 "Duos of the Past" - Album: Passare - Komponist und Ausführender: Peter Scherer - Länge: 0'43 Sprecherin: Die Menschen leben schon lange nicht mehr auf Augenhöhe zusammen. Im Gegenteil, 2021 beispielsweise waren 82% des weltweiten Vermögens in der Hand der reichsten 10% der Weltbevölkerung. Der Besitz, wie auch die Macht, sind ungleich verteilt. Uns allen ist die Ungerechtigkeit bewusst. Aber strukturelle politische Veränderungen sind schwierig, langwierig und oft scheint es am Willen der Verantwortlichen zu fehlen. Weil wir nicht mehr von vorneherein teilen, hat sich das Teilen, so könnte man sagen, nach hinten verschoben. Wir erarbeiten uns Besitz und geben dann von diesem etwas ab. Musik 6 "Part VII" - Komponist und Ausführender: Fred Frith - Album: Rivers and Tides - Länge: 0'23 Sprecherin : Hier kommen Begriffe wie Großzügigkeit und Barmherzigkeit ins Spiel. Genau das, was an Weihnachten verstärkt gefordert wird. In dieser Situation können wir uns aussuchen, ob und wem wir etwas geben oder spenden. O-Ton 18 Gollwitzer Naja, es gibt ne ganze Reihe von Motiven oder Gründen aus denen heraus Menschen sich prosozial verhalten und teilen oder etwas abgeben, obwohl sie es gar nicht müssten … Sprecherin Prof. Mario Gollwitzer, Sozialpsychologe an der LMU München, erforscht, wie Menschen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit wahrnehmen. Und hierzu gehört auch prosoziales Verhalten. O-Ton 19 Gollwitzer Da ist zum einen mal das Erlebnis von Ungerechtigkeit, wenn ich sehe, wie jemand leidet, oder wie jemand etwas nicht verdient, was ich für ungerecht halte, wenn das, was ich da sehe mich empört. Oder wenn das, was…

    Full show notes at the publisher

    Von der Müdigkeit - Wenn der Körper erschöpft ist Feb 06, 2025
    Show notes

    Müdigkeit - ein Zustand des "Dazwischen", der inspiriert oder nervt. Für viele Menschen ist es unangenehm, müde zu sein, es kann zur Qual werden und einen davon abhalten, das Leben zu gestalten. Aber Müdigkeit eröffnet faszinierende Erfahrungen der Unschärfe. Von Kirsten Zesewitz ( BR 2023)

    Credits

    Autorin dieser Folge: Kirsten Zesewitz
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Katja Bürkle, Thomas Birnstiel, Ruth Geiersberger
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Fabian Goppelsröder (Philosoph);
    Julia Ingold (Literaturwissenschaftlerin);
    Malin Miksch (Medizinerin);
    Jens Haferkamp (Mediziner)

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    Literaturtipp:
    Iwan Gontscharow: Oblomow (Verlag A. Deubner, Berlin, 1885, Übersetzung Gustav Keuchel); Fabian Goppelsröder: Aisthetik der Müdigkeit (Diaphanes, Zürich, 2018)

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