TopPodcast.com
Menu
  • Home
  • Top Charts
  • Top Networks
  • Top Apps
  • Top Independents
  • Top Podfluencers
  • Top Picks
    • Top Business Podcasts
    • Top True Crime Podcasts
    • Top Finance Podcasts
    • Top Comedy Podcasts
    • Top Music Podcasts
    • Top Womens Podcasts
    • Top Kids Podcasts
    • Top Sports Podcasts
    • Top News Podcasts
    • Top Tech Podcasts
    • Top Crypto Podcasts
    • Top Entrepreneurial Podcasts
    • Top Fantasy Sports Podcasts
    • Top Political Podcasts
    • Top Science Podcasts
    • Top Self Help Podcasts
    • Top Sports Betting Podcasts
    • Top Stocks Podcasts
  • Podcast News
  • About Us
  • Podcast Advertising
  • Contact
Not in our directory?
Add Show Here
Podcast Equipment
Center

toppodcastlogoOur TOPPODCAST Picks

  • Comedy
  • Crypto
  • Sports
  • News
  • Politics
  • True Crime
  • Business
  • Finance

Follow Us

toppodcastlogoStay Connected

    View Top 200 Chart
    Back to Rankings Page
    Education

    Radiowissen

    Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.

    Advertise
    • Apple Podcasts
    • Google Play
    • Spotify

    Latest Episodes:
    Geschichte des Schuhs - Von Schnabelschuhen und mörderischen Absätzen Mar 31, 2025
    Show notes

    Ein Schuh ist nicht einfach ein Schuh. Die anfängliche Schutzfunktion, zu der man sich Gras und Rinde um die Füße wickelte, wurde mit raffinierteren Aufgaben aufgeladen. Schuh erzählt von Politik und Macht, von Wahn, Obsession und Erotik - er verlangt präzises Handwerk und ist skulpturales Bauwerk für den Fuß. Von Barbara Knopf CreditsAutorin dieser Folge: Barbara KnopfRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Katja Bürkle, Friedrich SchlofferTechnik: Adele MessmerRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Isabella Belting, Kunsthistorikerin Albert Bertl Kreca – „Schuh-Bertl“ Diese hörenswerte Folge von Alles Geschichte könnte Sie auch interessieren: Einfach Mode! Wer hat die Hosen an?JETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZSP Der Schnabelschuh stammt jetzt aus dem Mittelalter, 12., 13. Jahrhundert. Der hat sich übrigens sehr lange tatsächlich gehalten, immer wieder in verschiedenen Formen. Damals war noch nicht der Absatz das Dominante, sondern wirklich die Schuhspitze. Und die hat sich dann in einer Art verlängert, die irgendwann natürlich nicht mehr von alleine stand, sondern ans Knie gebunden werden musste, damit der Herr überhaupt mit diesen Schuhen laufen kann. Man hat es ernst genommen, weil es eben ein Symbol war für jemanden, der nicht arbeiten muss. 0.32 Erzählerin So erzählt es die Kunsthistorikerin Isabella Belting. Sie leitet die Sammlung Mode/Textilien im – derzeit geschlossenen – Münchner Stadtmuseum. These boots are made for walking? Ein sehr funktional gedachter Satz. MUSIK 2 ( Diamonds (Bridgerton - Season Two) 1’05) In Wirklichkeit betreten wir mit dem Schuh sofort symbolisches Terrain. Es geht um Status. Ansehen. Macht. Reichtum. Spiel. Erotik. Und um Wahn. Ein irrationaler Faktor lauert in diesen Objekten am unteren Ende des Körpers. All diese Schnallen und Schleifchen, das noppenhäutige Krokodilleder, die pergamentene Schlangenhaut, der Samt, die Seide, der Lack, die hauchdünnen Riemchen über all den Aussparungen für die Haut, das nackte Fleisch, an Ferse, Fessel, Zehen oder anderen Wölbungen des Fußes, geformt wie ein Dekolleté. Eine Spiegelung des Körpers eigentlich, ein Abbild en miniature. 2 ZSP: Gerade bei den Damen im Barock und Rokoko fing es dann an, dass der Absatz in dieser ganz besonders eleganten, geschwungenen Form modern wurde. Das war dann eben auch ein Absatz, der in der Mitte schmal wird und nach unten ein bisschen breiter wird. Man kann sich fast vorstellen, dass das wie so ein kleiner Körper ist, der in der Korsage steckt. Man kann sagen, dass der Fuß, der in diesen Schuh schlüpft, wie der Körper ist, der in ein Kleid schlüpft. Also der Absatz hat damit auch ein sehr erotisches Aussehen bekommen. MUSIK 3 ( Eloise & Theo („Bridgerton“ – Season Two) Erzählerin Der Schuh ist eine Skulptur, an deren Ausformungen seit Jahrtausenden gefeilt wird. Gesellschaftliche Vorstellungen lassen sich darin ablesen, Konstrukte von Schönheit, auch quälerische wie im Märchen, wo die bösen Stiefschwestern des armen Aschenputtels sich Ferse und Zehen abhieben, um in den anmutig kleinen Pantoffel zu passen und den Prinzen zu bekommen. Form Follows Gewohnheiten. Den wechselnden Bedürfnissen einer Gesellschaft. So hatten Ritter, Reiter, in Sänften Getragene oder Fußgänger höchst unterschiedliche Schuhbedürfnisse. Für die Gegenwart müsste man hinzufügen: auch Radler, Bergsteiger, Sportler oder Astronauten. Eine Rückwirkung auf die Form unserer Füße blieb da nicht aus, schrieb der Architekt und Gesellschaftskritiker Adolf Loos aus Wien in seinen satirischen Essays Ornament & Verbrechen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der noch nichts wissen konnte von der modernen Schuhindustrie und ihren mannigfaltigen Produkten: ZITAT: „Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen. Und so tun es auch unsere Füße. Bald werden sie klein, bald groß, bald spitz, bald breit. Und der Schuster macht nun bald große, bald kleine, bald spitze, bald breite Schuhe. Das geht allerdings nicht so einfach. Von Saison zu Saison wechseln unsere Fußformen nicht. Dazu braucht es Jahrhunderte oder zum Mindesten eines Menschenalters. (…) Aber der Schuster muß sich streng an die jeweilige Fußform halten. Will er kleine Schuhe einführen, so muss er geduldig warten, bis das großfüßige Geschlecht abgestorben ist.“ (Ornament und Verbrechen, Metro Verlag, Seite 29) MUSIK 4 ( Jane Monheit: A Shine On Your Shoes 0’10) Erzählerin Genau das ist der Zwiespalt: Geht es nach der konkreten Anlage des Fußes? Oder nach einer abstrakten Idee? So, wie erst ein linker und ein rechter Schuh ein Paar ergeben – und ein Fuß trotzdem nie dem anderen gleicht, so liegt in den Schuhen selbst eine Ambivalenz: Sind sie doch einerseits phantastische Schöpfungen -andererseits bodenständiges Handwerk. Selten beides gleichzeitig. ATMO Schleifen 3 ZSP Da mache ich jetzt gerade einen Schuh, der asymmetrisch ist, also fußkonform ist. Das ist eigentlich auch eine alte Technik. Und die meisten Schuhe sind heute nicht mehr fußkomform. Also die schaden eigentlich dem Fuß. MUSIK 5 ( G.Rag y Los Hermanos Patchekos: Ein Mann sieht Sand 0’40) Erzählerin Besuch beim „Schuh-Bertl“ in München. Der Schuh Bertl hat eine gewisse Prominenz, weil er dem bayerischen Papst Benedikt seine roten Schuhe angefertigt hat. Auch der britische König bekam, als er noch Prinz Charles war, bayerische Haferlschuhe geschenkt aus Bertls Werkstatt, in der der Himmel voller Leisten hängt. ATMO Schleifen Erzählerin Wenn man mit Albert Bertl Kreca, dem Schuster und Schuhmacher in der schwarzen Cordhose spricht, inmitten der alten Hämmer, Zangen, den Ambossen und Nähmaschinen, einem Chaos, in dem sich der große Mann schlafwandlerisch bewegt, bekommt man eine Vorstellung von der Sorgfalt und der Handwerkskunst, mit der aus einem Stück Leder und einer Sohle ein schöner, haltbarer Schuh entsteht, an einer Nähmaschine, angetrieben von Hand und Fuß: ATMO Nähmaschine 4 ZSP Ich mache Schuhe seit 40 Jahren. Meine Spezialität sind genähte Schuhe, also ich mache rahmen- und zwiegenähte Schuhe. Ein zwiegenähter Schuh, sagt ja der Name schon, ist zweifach genäht. Ein rahmengenähter ist eigentlich auch zweifach genäht, aber du siehst nur eine Naht, also die Naht hier. Ein guter Schuh ist für mich, so ist auch meine Philosophie, ein Schuh, der so regional wie möglich gebaut wird. Langlebig ist, reparabel ist. Das ist ein guter Schuh, der gut passt. Und immer noch aus Leder. Ganz klassisch. Aber reparabel sein muss. MUSIK 6 ( Achim Zweschper: Walking Tension 0’55) Erzählerin Wie wird nun ein Schuh draus? Am Anfang, vor Zehntausenden von Jahren, in der späten Steinzeit, wickelte man sich Gras, Schnur oder Fell um die Füße, zum Schutz. Lange gingen die meisten barfuß, der Schuh war ein Luxusobjekt. Die Sandale gilt als die älteste erhaltene Schuhform, ihre Blütezeit lag in der griechischen Antike, aber mit der dünnen flachen Sohle und einem einfachen Riemen hat sich dieses Urmodell bis heute als Flip-Flop erhalten. Der reine Schutz wurde schnell zum Schmuck und die Fußbekleidung wechselte ihr Aussehen entsprechend nach den jeweiligen kulturellen Einflüssen der Ägypter, Assyrer, Phönizier, Perser oder Hebräer. Mal bog man die Sohle vorne hoch zum Schutz der Zehen, mal schnürte man sich Riemen die Wade entlang, mal bestickte man die neuen Schlupfschuhe, die Pantoffeln, mit denen sich in der westlichen Wahrnehmung der Reiz des Orientalismus verband. Halbschuhe boten Halt. Stiefel kamen in Mode, Postillonstiefel, Stulpenstiefel und natürlich Reiterstiefel. An ihnen lässt sich gut zeigen, wie sich in einer offenbar schon früh vernetzten Welt kulturelle Erfindungen und Einflüsse kreuzten und wie sie weiterentwickelt wurden. Als Reiter in Persien in ihren Steigbügeln Halt suchten, wurde eine Form entwickelt, um nicht abzurutschen: eine Art Absatz. Und der fand bald reißenden Absatz am französischen Hofe, erklärt Isabella Belting: 5 ZSP Im Rokoko ist es so, und davor im Barock, dass tatsächlich der Absatz aufkommt, der die Männer erhöhen soll über die andere Gesellschaft. Dieser Absatz hat bei Männern ein gewisses Stolzieren bewirkt. Und so hat sich das dann langsam auch in die Mode entwickelt, dass der Herr bei Hofe – und die Herrscher – gerne Absätze getragen haben. Und wenn es der Herrscher direkt war, dann eben auch mit rotem Absatz. Rot war immer ein Zeichen sozusagen der ganz oberen Hierarchie und der Monarchie. Erzählerin Nach der Französischen Revolution war die Farbe Rot mit dem Blut der Guillotinen verknüpft, und die Epoche der hohen Schuhe für Männer, Herrscher wie Bürger, war ein für alle Mal passé. Bis heute eigentlich. Mal abgesehen von einigen Dragqueens oder auch experimentierfreudigen Männern. Und jenen die lieber versteckte Absätze im Innenschuh tragen, um größer zu wirken. Aber wie das immer so ist in der Mode und eben auch bei der Fußbekleidung: nichts verliert sich ganz. Auch das Rot ist wieder aufgetaucht. Als signalrote Schuhsohle in den Kreationen von Christian Louboutin. Sie kommunizieren: Ich bin erotisch, begehrenswert und teuer. Ein absolutes Statussymbol. Der Schnabel ist sozusagen auf die Sohle gewandert. MUSIK 7 (Lady Gaga: Yoü And I (You And I) 0‘15 MUSIK 8 (Sign Of The Times (stripped)(„Bridgerton“ – Season Two) 1’10) Erzählerin Zeig mir Deinen Schuh, und ich sag Dir, wer Du bist, was Du zählst und was Du tust, ob Du Bauer bist oder Arbeiter, Handwerker, Patrizier oder Adeliger. Selbst auf der Bühne steckte jeder Rollentypus im eigenen Schuhtyp: Der Komödiant trug den sogenannten Soccus, der tatsächlich aussah wie eine heruntergerollte Socke, während der Tragödiendarsteller seine Verse auf hohen Kothurnen deklamierte. Heute lautet die Devise: Anything goes -und man wundert sich, was alles geht. Die britische Designerin Vivienne Westwood kreierte so mörderisch hohe Plateauschuhe, dass das Supermodel Naomi Campbell auf dem Catwalk herabstürzte. Und Lady Gaga, die auf ebensolchen Plateauhufen auftrat, aber ohne hinteren Absatz, die Ferse also nicht abgestützt, musste über Wadenmuskeln verfügen wie ein bayerischer Schuhplattler. Letztlich aber sind auch diese Plateau-Gebilde nur eine Variation bereits vergangener „Extrem“mode wie sie im Venedig des 16. Jahrhunderts aufkam, erläutert die Kunsthistorikerin Isabella Belting: 6 ZSP Es gibt die Chopinen oder Zoccoli aus Venedig. Man sieht, dass der Absatz also wirklich schon eine Höhe hat. Bei diesem Modell etwa 30 Zentimeter. Diese Absätze waren oft aus Holz oder Kork und dann mit Leder praktisch umkleidet und auch schön geschmückt und bedruckt und bestickt, je nachdem. Und oben schlüpfte man einfach nur ganz oben in so eine Art Lasche wie in einem Pantoffel. Die Damen in Venedig, allen voran die Kurtisanen, sind mit denen durch Venedig stolziert. Natürlich am Arm einer Zofe, weil alleine konnte man damit nicht laufen. Man ist aufgefallen; man hat natürlich auch durch die Höhe von dem Absatz sich ein bisschen von dem Straßenschmutz geschützt…Nachttöpfe, Pferdedreck, aller Schmutz landete auf der Straße. Es hat sich eine ganze Weile erhalten, weil es eben auch ein Machtsymbol war, sich über die anderen zu erheben. Erzählerin Immer neue Kaprizen, Entwürfe, Zumutungen, Kunstwerke. Designer meißeln millimetergenau an ein paar Quadratzentimeter Raum. Andere schaffen für den Fuß ein Bett. Skulpteure die einen, Handwerker die anderen. MUSIK 9 ( G.Rag y Los Hermanos Patchekos: Jazz di Monaco 0‘15) In jedem handwerklich gearbeiteten Schuh steckt ein Universum des Wissens. Der Schuh Bertl hat vier Bücher geschriebenen, das über Haferlschuhe gilt als Standardwerk. Und er zieht alte Bücher zu Rate, 2000 hat er gesammelt: 9 ZSP (endet mit Atmo/ Blättern zum Drübergehen, hinten spielen mit dieser sehr kurzen Atmo, er ist noch mal zu hören): Original 1763, so wie das das Original von1604 ist oder diese Bücher fünfzehnhundertnochwas . Da ist die Enzyklopodie von Diderot, das ist Band C, Cordonnier… also Schuster im Französischen heißt Cordonnier. BLÄTTERN noch mal kurz Wort Erzählerin Die Enzyklopädie des französischen Universalgelehrten Denis Diderot, der auch dem Schuster, dem Cordonnier, eine Seite darin gewidmet hat. Der Bertl schlägt sie auf. Originalausgabe, 18. Jahrhundert, schwerer Ledereinband, goldgeprägtes Muster, altes Papier. Eine Zukunft sieht Albert Bertl Kreca nicht für seinen Beruf: 10 ZSP Ich glaube das Handwerk, das Schusterhandwerk wird aussterben. Es wird immer noch ein paar Schuster geben, so Edelschuster. Wenn du im Internet schaust, da gibt es einige, dann kosten auch die Schuhe 3,5,4.000 Euro. Die versuchen, Fuß zu fassen und Business zu machen. Aber allgemein, der Schuster wird aus unserem Stadtbild verschwinden. MUSIK 10 ( Andreas Suttner: Walking 1 0’35) Erzählerin In den Händen eines Schusters offenbart ein Schuh nicht nur seine Stabilität oder Schönheit, sondern auch seine Fragilität. Die Lederzunge kann ihm arg beansprucht raushängen. Abgetreten und ramponiert ist er. Löchrig vielleicht. Die Ösen für die Bänder zerrissen, die Riemchen baumelnd. Das Leben hat ihm mitgespielt. Ob sein Lebenszyklus noch mal verlängert wird, hängt von der pflegenden Liebe seines Besitzers und vom Material ab. Apropos Material: Verlagert in Billiglohnländer in Asien, unter Missachtung von Arbeitsschutz und Umweltbelastungen, kommen in der globalen Schuhherstellung immer wieder hochgiftige Chemikalien zum Einsatz – zum Beispiel beim Gerben von Leder. Arbeiter, häufig auch Kinder, sind diesen in schuhproduzierenden Ländern wie Indien oft ohne Schutz ausgesetzt. Nachhaltige Produktion in Europa oder gar der Region hilft da nur zum Teil. Pflanzlich gegerbtes Leder und Materialien wie Naturkautschuk, Fasern von Bananen, Kaktus oder Ananas, können die Schwemme von Billigprodukten nicht ausgleichen. MUSIK 11 ( Nancy Sinatra: These Boots Are Made For Walking 0’20) MUSIK 12 (Son Lux: Switch Shoes To The Wrong Fell 1’00) Erzählerin Das ist die ökologische Seite des Themas. Und dann gibt es noch die psychologischen Deutungen. Schuhe entfesseln Phantasien, kokettieren mit Schlüsselreizen, in vielen Schattierungen, vom Puderquasten-Pantöffelchen der 1950er Jahre bis zu den Schnürungen und Latexinszenierungen und auf die Spitze getriebenen Requisiten der Fetischszene. Ein Spiel um sexuelle Dominanz oder Unterwerfung. Manche Menschen erregen sich am Geruch getragener Damenschuhe. Der Übergang vom Fetisch zum modischen Accessoire ist fließend. Modedesigner frönen ihm, Künstler setzen ihn visuell in Szene. Helmut Newtons „Nudes“, die nackten Frauen in High Heels, Rudolf Schlichters Frauenakte in hochgeknöpften Stiefeln. Der Maler der Neuen Sachlichkeit soll seine Frau und Muse „Stiefelchen“ genannt haben. Was für eine Freiheit, Schuhe zu tragen, wie man will! Männer, Frauen, ob hetero oder queer, cis, nonbinär oder trans, können hochhackige Highheels tragen oder Sandalen, deren Fußbett aussieht wie ein trockengelegtes Schlammflussbett. Und in beiden sexy aussehen. Oder eben nicht. Ganz nach Belieben. An der Absatzhöhe und dem Klackklack der Stilettos muss sich jedenfalls kein Emanzipationsstreit mehr entzünden. Und kollektive Zwänge bleiben hoffentlich historisch. MUSIK 13 ( Michi Koerner: Glassy Drop 0’15) 12 ZSP Also für uns jetzt aus westlichem Blick findet man das natür…

    Full show notes at the publisher

    Tempo! Immer schneller, immer mehr Mar 31, 2025
    Show notes

    Kurz etwas essen, dabei Mails checken, noch schnell eine SMS schreiben - und schon geht's weiter zum nächsten Termin. Viele Menschen fühlen sich ständig gehetzt, Zeit ist irgendwie immer knapp. Was genau hat unser Leben so beschleunigt? Und könnten wir etwas dagegen tun? Wollen wir das überhaupt? Von Maike Brzoska (BR 2024) CreditsAutorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Martin TraunerEs sprachen: Katja Amberger, Benjamin StedlerTechnik: Christine FreiRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Gerhard Bosch, Arbeitssoziologe, Professor an der Universität Duisburg-Essen;Jürgen Rinderspacher, Zeitforscher, Dozent an der Universität Münster;Dietrich Henckel, Zeitforscher, emeritierter Professor der TU Berlin Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Leistungsmaschine Körper - Als wir zur Maschine wurdenJETZT ANHÖREN Literaturtipp: Hartmut Rosa, „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, 2005, Suhrkamp Verlag – ein Klassiker der Zeitforschung, der die Steigerungslogik moderner Gesellschaften anschaulich macht. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Eine Fußgängerzone vormittags an einem klaren Sommertag: Viele Menschen sind unterwegs, einige flanieren, andere hasten durch die Einkaufsmeile, tragen Tüten von Geschäft zu Geschäft. Auf den ersten Blick wirkt alles wie immer – wäre da nicht die kleine Gruppe Forschender, die unauffällig am Gehsteig-Rand mit Stoppuhren hantiert. Denn die Fußgänger sind Teil eines Experiments, sagt der Zeitforscher Dietrich Henckel. Er ist emeritierter Professor der TU Berlin und war selbst nicht an dem Experiment beteiligt. 01 O-TON (Henckel) Da haben sie bestimmte Straßen in den Innenstädten ausgewählt und haben tatsächlich gemessen, wie schnell die Leute bestimmte Strecke zurücklegen. Und das haben sie mit einer Vielzahl von Leuten gemacht und dann eben die Durchschnittsgeschwindigkeit daraus berechnet. SPRECHERIN Die Messung der Gehgeschwindigkeit war Teil eines größeren Projekts. Ein Forschungsteam um den amerikanischen Sozialpsychologen Robert Levine wollte wissen, wie sich das Lebenstempo in Städten weltweit unterscheidet. Dafür reiste das Team in 31 Länder, um mehrere Indikatoren zu erheben. Neben der Gehgeschwindigkeit ermittelten sie auch, wie lange es in einem Land dauert, eine Standard-Dienstleistung zu erbringen. 02 O-TON (Henckel) Das war der Verkauf einer Briefmarke. SPRECHERIN Das Forschungsteam überprüfte auch, wie genau die Uhren in der Öffentlichkeit gehen. Das werteten sie als Indiz für Pünktlichkeit und Zeitspannen, die toleriert werden. Heute dürfte dieser Indikator veraltet sein. 03 O-TON (Henckel) Weil die öffentlichen Uhren verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Raum. Es gibt sie immer weniger, weil jeder das Handy in der Tasche hat und an Fahrplananzeigen und so weiter und so fort ist immer die Zeit auch angezeigt und wesentlich genauer. SPRECHERIN Das breit angelegte Forschungsprojekt ist auch schon einige Jahre her. Es fand Mitte der 1990er Jahre statt. Dennoch gilt es in der Zeitforschung immer noch als wegweisende Studie, die immer wieder zitiert wird, weil sie einige interessante Zusammenhänge aufgedeckt hat. Es zeigte sich beispielsweise, dass die wichtigste Determinante für das Lebenstempo der Wohlstand ist. Genauer gesagt: Je höher das Tempo in den Städten, desto reicher die Menschen. So landeten auf den ersten Plätzen des Tempo-Rankings die Schweiz, Irland und Deutschland. Japan kam auf den vierten Platz – aber nur weil am Postschalter die Briefmarke noch in aller Ruhe eingepackt und hübsch umwickelt wurde. Auf den letzten Plätzen landeten Mexiko, Brasilien und Indonesien. Rund zehn Jahre danach, also Mitte der Nuller Jahre, hat ein britisches Forschungsteam die Gehgeschwindigkeit in den Städten erneut gemessen. Das Ergebnis: Im Schnitt hat das Tempo um zehn Prozent zugenommen. Das Leben in den Städten ist also tatsächlich schneller geworden. Obwohl schon einige Jahre alt, werden die Tempo-Studien immer wieder zitiert. Vielleicht weil sie ein Gefühl vieler Menschen bestätigen: Dass sich ihr Alltag beschleunigt, dass alles immer hektischer wird. Doch warum überhaupt? Wer oder was steckt dahinter? Und wer ist besonders betroffen? 04 O-TON (Rinderspacher) Davon betroffen sind vor allen Dingen die, die man so als die Menschen bezeichnet, die in der Rushhour des Lebens stehen. Das sind eben Menschen, die gleichzeitig berufliches Fortkommen und Familie bewerkstelligen müssen und da natürlich in die üblichen Zeitprobleme geraten und einfach in einer Phase sind, in der sich sehr viele Anforderungen stauen. Das sind aber auch Menschen, die viele Überstunden machen müssen. SPRECHERIN Sagt der Zeitforscher Jürgen Rinderspacher. Er ist Dozent an der Universität Münster. Ein guter Teil des Stresses entsteht also am Arbeitsplatz. Dort jagt ein Termin den nächsten, nebenbei werden schnell Mails beantwortet, beim Mittagessen das Projekt besprochen und abends geht’s dann noch zur Weiterbildung. Man will ja beruflich fortkommen. Im privaten Bereich geht’s dann weiter: Nach der Arbeit zur Kita oder zum kranken Vater hetzen, unterwegs noch ein Geschenk besorgen, eine SMS an die Freundin wegen der Feier am Wochenende, und später zu Hause noch was kochen und die Wäsche aufhängen. Gefühlt tausend Dinge müssen an einem Tag erledigt werden. Man nennt das Zeitverdichtung. 05 O-TON (Rinderspacher) Der Begriff der Zeitverdichtung kommt eigentlich aus dem Erwerbsbereich und das bedeutet, dass man Dinge, die man vorher mit mehr Zeit getan hat, jetzt in kürzerer Zeit tun muss. ((Also das ist das Klassische, was wir unter Rationalisierung verstehen im Erwerbsbereich. Wir haben das aber auch im Bereich der Hausarbeit, dass man Dinge, für die man früher mehr Zeit hatte, nun weniger Zeit sich nimmt oder gezwungen ist, Dinge in kürzerer Zeit zu tun.)) Das ist also eine Verdichtung sozusagen der Poren des Tages. Und die wird eben auch sehr stark als Zeitstress empfunden. SPRECHERIN ((Eine Verdichtung des Arbeitstages gibt es in vielen Bereichen.)) Ein krasses Beispiel ist die Logistikbranche. Paketbotinnen und -boten stehen heute sehr oft unter einem enormen Zeitdruck. 06 O-TON (Henckel) Was dann dazu führt, dass die gar nicht mehr klingeln, sondern gleich die Benachrichtigungskarte in den Briefkasten werfen oder gleich beim Nachbarn im ersten Stock klingeln und das abgeben. Weil die unter einem elenden Druck stehen und dann im fünften Stock laufen und dann ist da niemand. Und gleichzeitig haben sie eben ein unglaubliches Pensum zu erfüllen. SPRECHERIN Zeit ist eben Geld, das gilt auch für andere Bereiche, zum Beispiel die Forschung. 07 O-TON (Henckel) Ich war früher in einem Forschungsinstitut. Und das, was ich damals dort an Forschung gemacht habe und die Art und Weise, wie ich das mit meinen Kolleginnen und Kollegen gemacht habe, das wäre heute nicht mehr denkbar. Wir haben damals auch schon über die Beschleunigung gesprochen und wie viel stärker der Produktionsdruck damals wurde. Also ich rede von den 80er Jahren. Und im Rückblick ist das ein Kinderspiel gegen das, was sich danach abgespielt hat. SPRECHERIN Dietrich Henckel gehörte hierzulande zu den ersten Hochschullehrenden, die Zielvereinbarungen bekamen. Für viele Forschende ist das heute Standard. 08 O-TON (Henckel) Ihr müsst so und so viele Aufsätze in referierten Journals veröffentlichen in der und der Zeit. Und die ganzen Evaluationen der Institute, die funktionieren alle nach diesen Geschichten; wie viele Publikationen in referierten Zeitschriften veröffentlicht werden, wie ist der Output dieser Institution dann abteilungsweise und so weiter und so fort. Also da ist ein unglaublicher Beschleunigungsdruck überall drin. SRECHERIN Man kann also festhalten: In vielen Bereichen gibt es einen starken Produktions- und Leistungsdruck – und der führt dazu, dass tatsächlich immer mehr in kürzerer Zeit erledigt werden muss. Wobei wir auf der anderen Seite heute auch sehr viele Hilfsmittel haben. Dinge, die uns Arbeit abnehmen oder schneller erledigen lassen. Zuhause übernehmen Wasch-, Spül- und Küchenmaschinen einen großen Teil der Hausarbeit. Mit Auto, Zug oder Flugzeug kommen wir sehr viel schneller ans Ziel. Und dank Computer und Internet können wir binnen Sekunden Emails schicken, komplizierte Berechnungen anstellen oder ganze Bibliotheken durchforsten. Im Prinzip „sparen“ wir also jede Menge Zeit – und haben trotzdem keine. Woran liegt das? 09 O-TON (Rinderspacher) Ich habe das mal genannt: die infinitesimale Verwendungslogik der Zeit. Wir versuchen eben Zeit zu gewinnen, um dann in diese gewonnenen Zeiträume immer mehr reinzutun. Und das bedeutet natürlich, dass wenn ich jetzt durch eine Geschirrspülmaschine Zeit spare, dann werde ich mir in der Zeit, die ich gewonnen habe, irgendwas vornehmen. Damit wachsen dann auch die Anforderungen an uns selbst. Wir haben ja dann Zeit erspart und diese ersparte Zeit wollen wir irgendwie dann – jetzt kommt das Stichwort – sinnvoll nutzen. Das ist eben eine Folge der infinitesimalen Verwendungslogik der Zeit. SPRECHERIN Es sind also nicht nur die Anforderungen im Beruf, die vielerorts gestiegen sind, sondern auch die Erwartungen an uns selbst. Die Wohnung soll tiptop aussehen – man kann schließlich, während die Spülmaschine läuft, schon mal aufräumen. Oder während der Konferenz online neue Gummistiefel für den Urlaub bestellen. Wieder Zeit gespart, denken wir zumindest. Denn einige Studien zeigen, dass Multitasking oft dazu führt, dass wir letztlich sogar länger brauchen. Auch einige Haushaltsgeräte, die Zeit sparen sollten, hatten letzten Endes einen gegenteiligen Effekt. 10 O-TON (Henckel) Also die Waschmaschine ist ein typisches Beispiel dafür, dass es den damals noch rein den Hausfrauen die Arbeit erleichtern sollte und ihnen ein hohes Maß an Zeitersparnis bringen sollte, weil sie jetzt nicht mehr die Wäsche in den Topf, nicht kochen müssen, das läuft nebenher. Damit einhergegangen sind aber völlig andere Hygiene-Vorstellungen und Sauberkeitsvorstellungen, was Kleider angeht. Man wäscht viel häufiger. Das ist mit Geschirrspülmaschinen genau das gleiche. Man verbraucht einfach auch viel mehr als früher. Man ist früher viel sparsamer mit Geschirr umgegangen, also dem Schmutzigmachen von Geschirr, als das heute der Fall ist. Und das sind so Sachen, die die Zeit, die eingespart wird, auch wieder auffressen. SPRECHERIN Die Teller kommen wegen ein paar Krümeln in die Spülmaschine. Die T-Shirts nach einmal Tragen in die Wäsche. Die Folge ist, dass sich die Dinge schneller abnutzen – und wir wieder schneller neue brauchen. Ein durchschnittlicher Konsument, eine durchschnittliche Konsumentin kauft heute sehr viel mehr Dinge als in früheren Zeiten, sagt der Arbeitssoziologe Gerhard Bosch. Er ist Professor an der Universität Duisburg-Essen. 11 O-TON (Bosch) Man kauft nicht mehr das Porzellan, die Möbel fürs Leben, wie das früher mit der Aussteuer war, sondern das wird mehrfach im Leben dann neu gekauft. SPRECHERIN Das liegt zum Teil auch daran, dass die Dinge nicht so lange halten. Für ein zehn Jahre altes Handy gibt es oft keine Ersatzteile mehr. Das Fernsehgerät braucht einen neuen technischen Standard, also muss ein neues her. Und eine kaputte Uhr zu reparieren, lohnt sich oft gar nicht. Eine neue zu kaufen ist günstiger – und dauert auch nicht so lang. Heute bestellt, morgen geliefert – in einigen Städten sogar noch schneller. 12 O-TON (Henckel) Amazon wirbt damit, in einer Stunde irgendwas auszuliefern. Und diese Erwartung: Wir kriegen alles sofort oder ganz, ganz schnell, das ist einerseits nachfrageseitig bestimmt, aber andererseits auch angebotsseitig, wo die Wettbewerber dann sagen: Aber wir sind noch schneller und wir liefern euch das Zeug noch schneller, und das paust sich dann auch durch auf die Fahrer. SPRECHERIN Man kann natürlich sagen: Das mache ich nicht mit. Man kann schließlich die Küchenmaschine auch reparieren lassen. Warten, bis der Pullover deutlich müffelt, bevor er in die Wäsche kommt. Und erst neue Hosen kaufen, wenn die alten durchgescheuert sind. Aber das machen eher wenige. Die meisten Menschen passen sich dem Tempo des modernen Lebens an. Warum? 13 O-TON (Rinderspacher) Der Mensch ist ja ein Herdentier, sage ich mal ganz einfach. Wissenschaftlich ausgedrückt wäre das der soziale Vergleich. SPRECHERIN Der Nachbar hat so tolle Möbel, die Schwester schon wieder neue Klamotten und der Sohn will, wie sein bester Kumpel, auch mal nach Spanien fliegen. Das alles auszusuchen, zu vergleichen, zu probieren, zu bestellen und vielleicht zu retournieren, kostet Zeit. Wobei man den Stress im Privaten noch selbst dosieren kann. Anders ist das im Erwerbsleben, dort haben viele Menschen gar keine andere Wahl, als das zunehmende Tempo mitzumachen. 14 O-TON (Bosch) Die wollen ihren Lebensunterhalt verdienen, die Miete muss bezahlt werden, man will vielleicht noch mehr, man hat eine Familie, man will auch seine Fähigkeiten nutzen und das kann man eigentlich nur innerhalb des Systems. Außerhalb des Systems können das ein paar Künstler machen, ein paar Aussteiger, die aber massive Einbußen des Lebensstandards dafür in Kauf nehmen. SPRECHERIN Deshalb machen viele das zunehmende Tempo mit. Sie hetzen durch den Alltag, versuchen Schritt zu halten, vielleicht sogar die Nase vorn zu haben im kollektiven Wettlauf gegen die Zeit. Auch wenn es einem hin und wieder so vorkommt, als finde das Rennen im Hamsterrad statt. Aber wer dreht dieses Rad eigentlich immer schneller? Was beschleunigt unser Leben? Warum muss oder will man immer mehr erledigen? Um das zu verstehen, hilft ein Blick zurück in die Geschichte. In früheren Jahrhunderten gab die Natur den Rhythmus vor, und der war deutlich langsamer. Gesät wurde im Frühjahr, geerntet im Herbst, wenn das Korn reif war. Beschleunigen ließ sich das nicht. Es gab sicherlich auch damals stressige Phasen, aber auch Zeiten der Muße. 15 O-TON (Bosch) Auch die Arbeiter in den Manufakturen hatten immer ihre Pausen, weil die Produktion hing ja ab von Windkraft und von Wasserkraft. Das lief nicht kontinuierlich. Und das hat sich dann aber geändert mit der Industrialisierung. SPRECHERIN Die Industrialisierung begann vor gut 250 Jahren. Damals fingen die Menschen an, Dinge mithilfe von Maschinen herzustellen. Anfangs waren das automatisierte Webstühle. Nach und nach gab es immer mehr Maschinen und automatisierte Abläufe. Das veränderte die Art zu arbeiten grundlegend. 16 O-TON (Bosch) Es wurden große Fabriken gebaut und der eigentliche Durchbruch kam mit der Dampfkraft und der Elektrizität, weil mit diesen Energiequellen konnte man sicherstellen, dass kontinuierlich auch rund um die Uhr und ohne große Ausfälle produziert wurde. SPRECHERIN Statt dem Rhythmus der Natur gaben nun Maschinen den Takt vor. Und der war anfangs gnadenlos. 17 O-TON (Bosch) Zwölf Stunden am Tag war üblich, sechs Tage die Woche auch. Am Sonntag wurde den halben Tag noch gearbeitet. Es gab keine bezahlten Feiertage, Urlaub eh nicht. SPRECHERIN Und noch etwas Anderes half, die Arbeit in den Fabriken zu organisieren. Eine Erfindung, die unser modernes Leben im wahrsten Sinne des Wortes „einläutete“: die Uhr. Erste Exemplare gab es schon im Mittelalter, aber mit der Industrialisierung bekamen sie eine deutlich größere Bedeutung für jeden und jede Einzelne. Denn damit konnte man zum Beispiel feste Zeiten für Arbeitsbeginn und Ende vorgegeben. Damals eine neue Erfahrung für die Menschen. 18 O-TON (Rinderspacher) Das war zunächst ein sehr großes Problem, die Arbeitsbevölkerung so zu erziehen, in Richtung Pünktlichkeit zu erziehen, dass sie dann auch pünktlich zur Arbeit kam, dass sie dann in bestimmten Zeiten auch bestimmte Dinge erledigt haben. Das ist ein großer kollektiver Sozialisatio…

    Full show notes at the publisher

    Stanley Kubrick - Meister der Kinoklassiker Mar 28, 2025
    Show notes

    Stanley Kubrick gilt als Meisterregisseur, der mit Titeln wie "2001 - Odyssee im Weltraum", "Uhrwerk Orange" und "Shining" Werke für die Ewigkeit geschaffen hat. Der New Yorker, Jahrgang 1928, schaffte es von den Hollywood-Studios nahezu unbegrenzte kreative Kontrolle zu erhalten. Von Florian Kummert (BR 2024) CreditsAutor dieser Folge: Florian KummertRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Hemma Michel, Thomas Loibl, Jerzy MayTechnik: Simon LobenhoferRedaktion: Andrea Bräu Im Interview:Sedat Aslan, Filmwissenschaftler und Kubrick-Experte;Christiane Harlan, Ehefrau von Stanley Kubrick (Archivinterview v. F. Kummert für BR, frei verwendbar);Jan Harlan, Schwager und Assistent von Stanley Kubrick (Archivinterview v. F. Kummert für BR, frei verwendbar) Literaturtipp: Alison Castle (ed.): The Stanley Kubrick Archives (Taschen); Andreas Kilb/Rainer Rother u.a.: Stanley Kubrick (Bertz Verlag); Georg Seeßlen/Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme (Schüren Verlag) Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK 1: R. Strauss, Also sprach Zarathustra - 1:31 Min SPRECHERIN Es gibt Momente der Filmgeschichte, in denen Musik und Bilder magisch verschmelzen, zu einem Gesamtkunstwerk, das weit mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Dann entstehen Gänsehaut-Momente, die das Publikum in ihrem Bann ziehen und sich in die Erinnerung einbrennen. MUSIK Also sprach Zarathustra kurz frei SPRECHER Der Auftakt von „2001 - Odyssee im Weltraum“ gehört dazu. Eine astronomische Konstellation baut sich auf, Mond, Erde und Sonne liegen wie aufgereiht hintereinander, erhaben, majestätisch. Und auf der Tonspur „Also sprach Zarathustra“, das Richard Strauss bereits 1896 komponiert hat. Weltraum und Strauss - seit „2001 - Odyssee im Weltraum“ für immer untrennbar verbunden. MUSIK Also sprach Zarathustra, kurz frei SPRECHERIN Ein Geniestreich von Regisseur Stanley Kubrick. Wie nur wenige andere hatte er ein Gespür dafür, die perfekt passende Musik für seine Bilder zu finden. So entstand ein einzigartiges Erlebnis für alle Sinne. „2001 - Odyssee im Weltraum“ - ein Meilenstein der Filmgeschichte. MUSIK 2: Schieflage - 18 Sek SPRECHER Das Publikum bei der Weltpremiere war allerdings ganz anderer Meinung. Stanley Kubrick erlebte einen Höllenabend, wie sich seine Frau, Christiane Kubrick, erinnert. OTON Christiane Kubrick Er wurde zur Sau gemacht und gleich so grantig und fies und voller Schadenfreude. Es war sehr - ohh - eine furchtbare Lehre für Stanley. Und alle gleich: ja, da werden nur die Menschen, die Drogen nehmen, hingehen. SPRECHER Dabei machte das Studio MGM auf den Filmplakaten selbst Werbung mit dem Slogan „Der ultimative Trip“. Viele sahen sich „2001“ mehrfach hintereinander im Kino an, ganz vorne in der ersten Reihe, ganz nah dran am psychedelischen Bilderrausch. Ältere Zuschauerinnen und Zuschauer konnten mit dem Film meist nichts anfangen. Das jüngere Publikum aber machte „2001“ zu einem Kassenerfolg, und schickte Stanley Kubrick tonnenweise Fanpost. Er schuf einen popkulturellen Mythos, der unzählige Interpretationsmöglichkeiten eröffnete. Denn in seinem Science-Fiction-Epos über die Evolution und Herkunft unserer Intelligenz hielt sich Kubrick an das Motto „Erklär nie etwas, was du selbst nicht verstehst.“ OTON Jan Harlan 1 Ich werde manchmal gefragt, ob es irgendetwas gibt wovor Kubrick Angst gehabt hätte, und halb ernst antworte ich dann: in einen Raum zu gehen mit lauter Fremden, die sich da auf ihn stürzen und nach der Bedeutung von 2001 fragen. Diese Gespräche, die scheute er sehr. Er wollte nie nach seinen Filmen gefragt werden. SPRECHERIN Sagt Jan Harlan, Schwager von Stanley und der jüngere Bruder von Christiane Kubrick. Jahrzehntelang arbeitete er als Assistent des öffentlichkeitsscheuen Regisseurs, der nur äußerst selten Interviews gab und seine Filme auch nie erklären oder interpretieren wollte. Bis zu seinem Tod 1999 hat Stanley Kubrick nur 13 Spielfilme gedreht. Viele davon sind aber einzigartige Meisterwerke, die von jeder Generation immer wieder neu rezipiert und verehrt werden: MUSIK 3: Fanfare for 2001 – 16 Sek SPRECHER 2001 - Odyssee im Weltraum SPRECHERIN A Clockwork Orange SPRECHER Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben SPRECHERIN Shining SPRECHER Full Metal Jacket SPRECHERIN Eyes Wide Shut OTON Sedat Aslan 1 Ich denke, das Wichtigste ist, dass man die Filme immer wieder neu entdecken kann, immer wieder anders lesen kann, sich auch mit steigendem Lebensalter der Blick auf die Filme, die Perspektive von einem selbst da drauf verändert. Und dass die Filme so reich sind an Gedanken, an Ideen, aber eben auch an ästhetischen Verfahren, die von einem großen Geist da hineingeflossen sein müssen, dass man eigentlich ihrer nicht überdrüssig wird. SPRECHERIN Sagt der Filmwissenschaftler und Kubrick-Experte Sedat Aslan. Ihn fasziniert, dass der heute so hochverehrte Kubrick von der zeitgenössischen Filmkritik oft heftig verrissen wurde. So nannte Pauline Kael, die Grande Dame des US-Film-Feuilletons, „2001“ einen Film von „monumentaler Ideenlosigkeit“. OTON Sedat Aslan 2 Eines der Merkmale, die Kubrick-Filme auszeichnen, ist, dass sie eben auch sich einer vorschnellen Beurteilung entziehen. Also ich denke mal, dass das zusammenhängt mit der Abkehr von einem klassischen Erzählkino. Das sind Filme, die den Zuschauer herausfordern, die ihn auch mal ratlos zurücklassen. Die sind ein ästhetisches Erleben, die nicht mit einer Gebrauchsanleitung daherkommen, sondern eben dich auch überfordern sollen. SPRECHER Mit Kubrick zu drehen, war für das gesamte Team eine enorme Herausforderung. Der Perfektionist nahm sich Zeit. Viel Zeit. Die Arbeit an „Eyes Wide Shut“ erstreckte sich über 400 Drehtage und hat einen Eintrag im „Guinness Buch der Rekorde“ als „längste durchgehende Dreharbeiten“. Viele Einstellungen ließ Kubrick wiederholen, immer und immer wieder, bis zu 127 Mal. MUSIK 4: Die diebische Elster – 30 Sek SPRECHER Für die einen war er ein Meister der Präzision, der an jedem Detail bis zur Perfektion arbeitete. Für andere war er ein Pedant, der seine Crew an die Grenzen brachte, und manchmal darüber hinaus. Jan Harlans Dokumentarfilm „Stanley Kubrick - A Life in Pictures“ beginnt mit Zeitungsausschnitten, die Kubrick mal freundlich, mal weniger freundlich beschreiben. SPRECHERIN Genial. Rätselhaft. Kontrovers. Obsessiv. SPRECHER Megalomane. Eigenbrötler. Kontrollfreak. MUSIK Rossini hoch und weg OTON Jan Harlan 2 Er war eine ganz, ganz starke Persönlichkeit. Dem konnte sich niemand entziehen. Das war ein Mann, wenn er ins Zimmer kam, dann ging das Licht an. Ein enormes Talent, ein richtiger Künstler. Es war aber gleichzeitig ein sehr schwieriger Mann. Also war keineswegs alles ganz einfach. Aber das ist nun mal so bei Künstlern, die immer wieder was Neues beginnen und immer wieder völlig andere Türen aufreißen, thematisch und aber auch in der Darstellung. Musik 5: Hypnose – 46 Sek SPRECHERIN Geboren wird Stanley Kubrick am 26. Juli 1928, im New Yorker Stadtteil Bronx. Sein Vater bringt dem Jungen früh das Schachspielen bei, das ein Leben lang zu Kubricks Passion bleiben wird. Eine weitere Leidenschaft erwächst aus dem Geschenk, das Stanley zu seinem 13. Geburtstag erhält: eine Fotokamera. Die Begeisterung für die Schule und vor allem die Hausaufgaben hält sich in Grenzen, viel lieber streunt Stanley durch Manhattan und die Bronx, um besondere Momente mit der Kamera festzuhalten. SPRECHER Am Todestag von Präsident Franklin D. Roosevelt gelingt ihm im Juni 1945 eine besondere Aufnahme: der traurige Blick eines Zeitungsverkäufers auf die Schlagzeilen, die ihn in seinem Kiosk umrahmen. Er verkauft das Bild ans „Look Magazine“, eine großformatige Zeitschrift, die vor allem mit ihren Fotostrecken eine breite Leserschaft anzieht. 16 Jahre jung ist Stanley Kubrick damals, und wird nach der High School festangestellter Fotograf bei Look. Ab 1950 dreht er erste kurze Dokumentarfilme und widmet sich immer mehr dem Filmemachen. Sedat Aslan über Kubricks erste Gehversuche in der Branche: OTON Sedat Aslan 3 Er hat sehr viele kinematografische Kompetenzen entwickelt, aus der Fotografie heraus, später dann im Film, hat sich selber Filmkameras angeschafft, 16 Millimeter-Kameras, und ist dann immer weiter durch die Beschäftigung damit zu so einem Art Wunderkind avanciert, der dann auch selbstfinanzierte Filme gedreht hat, von denen er später dann Abstand genommen hat, weil er natürlich zu dem Zeitpunkt noch nicht die Meisterschaft aufweisen konnte wie in seinem späteren Werk. MUSIK 6: Debris Field – 1:10 Min SPRECHERIN Bei seinen ersten Filmen führt er nicht nur Regie, sondern ist sein eigener Kameramann, Drehbuchautor und Editor, er kümmert sich um die Nachvertonung und um die Finanzen. Bald wird Hollywoodstar Kirk Douglas auf Kubricks Talent aufmerksam und übernimmt die Hauptrolle im Kriegsfilm „Wege zum Ruhm“, der 1957 bei München in den Bavaria-Filmstudios und rund um Schloss Schleißheim gedreht wird. SPRECHER In der letzten Szene von „Wege zum Ruhm“ tritt eine junge deutsche Kriegsgefangene auf. Sie wird auf eine Bühne gezerrt, soll vor den johlenden französischen Soldaten zur Belustigung singen. Doch je länger sie singt, desto mehr verstummen die Männer, und sie beginnen mitzusummen, mit Tränen in den Augen. Aus Feindschaft wird hier ein gemeinsames Gefühl der Humanität und der Trauer über die schier ausweglose Situation an der Front im Ersten Weltkrieg. Für die Schauspielerin, die Deutsche Christiane Harlan, und ihren Regisseur, Stanley Kubrick, wird es Liebe auf den ersten Blick. Nach Ende der Dreharbeiten heiraten sie und ziehen nach England. SPRECHERIN „Wege zum Ruhm“ verhilft Stanley Kubrick zum Durchbruch. Trotz mancher Differenzen ist vor allem Hauptdarsteller Kirk Douglas beeindruckt, der im Hollywood der 1950er und 60er Jahre auch als Produzent großen Einfluss ausübt. OTON Sedat Aslan 4 Kirk Douglas hat diesen Wunderknaben geschätzt und hat auch gesehen, dass er so eine Produktion stemmen kann. Da gibt es eine Anekdote, in der ein Schauspieler nach dem 25. Take sagt, jetzt habe ich genug, und jetzt sollten wir Mittagessen gehen und Kubrick dann sagt, er möchte noch einen Take haben und dann dieser Schauspieler unglaublich wütend wird und einen rasenden Monolog hält und Kubrick ihn aussprechen lässt und dann, als er fertig war mit seiner Tirade, sagt: „Alright, now let’s do another take“. Und das hat Kirk Douglas sehr beeindruckt, dass er gesehen hat, dass dieser junge, autodidaktische Filmemacher ebenso ein Set stemmen kann. Musik 7: Spartacus –51 Sek SPRECHERIN Kirk Douglas feuert bei seinem Großprojekt „Spartacus“ kurz nach Drehstart den ursprünglichen Regisseur, wegen künstlerischer Differenzen. Dann bietet er den frei gewordenen Regiestuhl Stanley Kubrick an. Der akzeptiert, und leitet als 31jähriger plötzlich eine millionenschwere Produktion über den Sklavenaufstand im Römischen Reich, mit Tausenden von Komparsen und Stars wie Laurence Olivier, Peter Ustinov, Tony Curtis und Jean Simmons. „Spartacus“ katapultiert Kubrick in die Liste der Top-Regisseure Hollywoods. Doch er hat kein Mitspracherecht über die finale Fassung des Films und schwört sich, nie wieder ein Projekt anzunehmen, bei dem er nicht die volle künstlerische Kontrolle hat. MUSIK 8: LOLITA YA YA (aus Soundtrack Lolita) - 54 Sek SPRECHERIN Aufrechte Helden mit Identifikationspotential - so wie noch bei „Spartacus“ - verschwinden aus Kubricks Werk. Stattdessen zeigt er eine oft kalt wirkende Welt, die auf das ewige Scheitern der Menschheit blickt. Und er scheut nicht vor riskanten Stoffen zurück. SPRECHER 1962 wagt sich Kubrick an die Verfilmung des Skandalromans „Lolita“ von Vladimir Nabokov, weicht dabei erheblich von der Buchvorlage ab und macht daraus eine mit bissigem Humor durchtränkte Geschichte über Abhängigkeit und Täuschung. Der Brite Peter Sellers schlüpft in eine prägnante Nebenrolle, wechselt darin Dialekte und Verkleidungen und begeistert Kubrick so sehr, dass er mit ihm 1964 auch den nächsten Film realisiert, die Atomkriegs-Satire „Dr. Seltsam - oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“. SPRECHERIN Hier ist Sellers in gleich drei Rollen zu sehen: als US-Präsident, als britischer Adjutant bei den amerikanischen Streitkräften und als titelgebender Wissenschaftler Dr. Seltsam mit Nazivergangenheit und widerspenstiger Hand, die ständig mit dem Hitlergruß salutieren will. Kubrick greift das Gefühl der Unsicherheit und Paranoia mitten im Kalten Krieg auf, mischt Logik und Wahnsinn zu einer - wie er es nannte - „Albtraumkomödie“. Ein durchgedrehter amerikanischer Militär gibt den Befehl zum atomaren Angriff auf die Sowjetunion und setzt so eine absurde wie unumkehrbare Kettenreaktion in Gang. MUSIK 9: WE’LL MEET AGAIN von Vera Lynn - 26 Sek SPRECHERIN Am Ende überziehen Atompilze den Planeten, erblühen pittoresk zu den Klängen von Vera Lynns „We’ll Meet Again“. Ursprünglich als Trost-Lied für Soldaten und ihre Liebsten im Zweiten Weltkrieg geschrieben, nutzt es Stanley Kubrick als Untermalung für ein höllisches Finale. OTON Sedat Aslan 5 In seinem früheren Werk hat er schon klassisch komponierte, orchestrale Musik verwendet. Erst ab einem gewissen Punkt ging er dazu über, klassische Musik oder Popmusik zu verwenden, die auch immer stärker kontrapunktisch eingesetzt wurde oder wo es um Musik geht, die eher eine Dissonanz darstellt als eine Vermählung, was man aus dem „classical cinema“ kennt, wo quasi jede Emotion durch die Musik auch unterstrichen, vielleicht sogar vorgegeben werden soll. Das wird ja in seinen Filmen komplett aufgehoben. MUSIK 10: An der schönen blauen Donau – 19 Sek SPRECHER Musik wirkt bei Kubrick oft wie eine eigene dominante Figur. In „2001 - Odyssee im Weltraum“ schneidet er zu den Klängen des Johann Strauß-Walzers „An der schönen blauen Donau“ die Reise eines Raumschiffs zu einer sich drehenden Raumstation. MUSIK 11: Ligeti, Atmosphères – 31 Sek SPRECHER Die dissonanten Klänge des Ungarn György Ligeti nutzt Kubrick in 2001 für die halluzinogenen Bilder bei der Reise durch das Sternentor. Nachdem die Finanzierung eines lange bis ins Detail vorbereiteten, monumentalen Projekts über Napoleon scheitert, verfilmt Kubrick Anthony Burgess’ dystopischen Roman „Uhrwerk Orange“. Es wird sein kontroversester und umstrittenster Film. MUSIK 12: Title Music Clockwork Orange - 55 sek SPRECHERIN „A Clockwork Orange“ folgt den Gewalttaten von Alex und seiner Jugendbande. In weißen Hemden, Hosen und Hosenträgern, dunklen Springerstiefeln, mit Stöcken in der Hand und Melonenhut auf dem Kopf ziehen sie durch ein von brutalistischen Betonbauten geprägtes London. Tagsüber schwänzt Alex die Schule, geht in den Plattenladen und hat Sex mit Zufallsbekanntschaften. Nachts vertreibt er sich die Zeit mit Diebstahl, Vergewaltigung und sogar Mord, ehe er glückselig nach Hause kommt. Schließlich wird Alex von der eigenen Gang hintergangen und verhaftet. Im Gefängnis nutzt ihn die Regierung als Versuchskaninchen: mit einer neuartigen Therapie soll Alex so umkonditioniert werden, dass er körperliche und sexuelle Gewalt nicht mehr erträgt. OTON Malcolm McDowell 1 The thing is when it first came out, it was futuristic. People were mesmerized by the look and also the violence. VOICEOVER: Als der Film 1972 in die Kinos kam, war das Publikum wie hypnotisiert vom futuristischen Stil, aber auch von der Gewalt. SPRECHERIN Erinnert sich Hauptdarsteller Malcolm McDowell, dessen Look im Film einen großen Einfluss auf die Populärkultur der 1970er Jahre hatte, vor allem auf die Punk- und die spätere Skinhead-Szene. Die verstörende Wirkung hat „Uhrwerk Orange“ bis heute behalten. Nicht wegen der Gewaltdarstellung, sondern weil der Film auf eine moralische Stellungnahme verzichtet. Alex vertr…

    Full show notes at the publisher

    Die Meeresbrandung - Ein Küsten-Schauspiel voller Überraschungen Mar 28, 2025
    Show notes

    Brandung entsteht, wenn eine aus dem offenen Meer heranrollende Welle das flache Wasser erreicht. Die Bewegung der Welle wird am Grund gebremst; die Welle türmt sich auf, bevor sie tosend bricht ? zur Freude vieler Surfer. Den Küstenschutz stellt die Meeresbrandung allerdings vor große Herausforderungen. Von Claudia Steiner (BR 2024) CreditsAutorin dieser Folge: Claudia SteinerRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Ditte FerriganTechnik: Monika GsaengerRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Dr. Jochen Horstmann vom Helmholtz-Zentrum Hereon;Alexander Paffrath von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG); Dr. Theide Wöffler vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Ebbe und Flut - Zwischen Sonne und Mond JETZT ANHÖREN Weitere Linktipps: Wie Klimadeiche uns vor dem steigenden Meeresspiegel schützen sollen Das Erste | W wie WissenJETZT LESEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK 1 ( Jack Johnson: You Can’t Controll It 0‘40) / ATMO (Wellen) SPRECHERIN An der portugiesischen Atlantikküste bei Nazaré türmen sich jeden Herbst und Winter haushohe Wellen auf. Die heimischen Fischer nennen die bis zu 30 Meter hohen Monsterwellen „Witwenmacher“. ATMO (Wellen) SPRECHERIN Die einen meiden die Giganten, andere werden von ihnen magisch angezogen. Big Wave-Surfer aus der ganzen Welt lassen sich von Jetskis in die Wellen ziehen und rasen dann die steil abfallenden Wasserberge, die in Strandnähe laut krachend brechen, hinab. ATMO (Wellen) O-TON 1 (Steudtner) Es gibt für mich nichts Faszinierenderes als so eine mächtige Wand im Rücken zu haben, da runterzufahren und das durchzuziehen. MUSIK 2 ( Jack Johnson: You Can’t Controll It 0‘30) SPRECHERIN …erzählte der Nürnberger Big Wave-Surfer Sebastian Steudtner vor einiger Zeit in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Vor Nazaré, das rund 120 km nördlich von Lissabon liegt, befindet sich ein Unterwassergraben, der die Wellen zusammenführt und die Energie des Wassers kanalisiert. An der Wand des Grabens werden die Wellen gestoppt, die Länge der Wellen wird kleiner, sie wachsen in die Höhe –auch durch eine entgegenkommende Küstenströmung. Sebastian Steudtner: O-TON 2 (Steudtner) Also die Saison geht jetzt von September bis Ende März. Und in der Zeit, wenn auch immer große Wellen sind, die das Zeug haben – von den Windbedingungen her, von den Gezeiten her, von der Wellenrichtung, vom Wetter, ob’s jetzt regnet oder nicht regnet, die Sonne scheint. MUSIK 3 ( Die Fantastischen Vier – Tag am Meer 1‘20) / ATMO (Wellen) SPRECHERIN Big Wave-Surfer tragen einen Airbag, so dass sie bei einem Sturz, wenn sie von tonnenschweren Wellen umhergewirbelt und unter Wasser gedrückt werden, wieder schneller an die Oberfläche kommen. Ähnlich riesige Wellen wie an der portugiesischen Küste gibt es auch vor der Insel Maui auf Hawaii, in Nordkalifornien und an der Küste von Tahiti, wo die Wellen über einem Korallenriff brechen. Big Wave-Surfen ist ein gefährlicher Sport: Anfang 2023 kam es zu einem tödlichen Unfall. Damals starb der brasilianische Extremsurfer Marcio Freire in der Brandung vor Nazaré. weiter MUSIK 3 (Die Fantastischen Vier – Tag am Meer 1‘20) SPRECHERIN Wind, Wetter, Gezeiten, Strömungen, der Meeresboden, die Beschaffenheit der Küste – all das bestimmt, ob eine Brandung stark ist, oder ob die Wellen sanft an den Strand plätschern. Jochen Horstmann vom Helmholtz-Zentrum hereon in Geesthacht in der Nähe von Hamburg befasst sich mit der Oberflächendynamik der Ozeane und erklärt, wie sich Wasserteilchen in Wellen bewegen. O-TON 3 (Horstmann) Viele denken ja, dass eine Welle so eine Art Massentransport ist. Also, dass sich dieser Wellenkamm vielleicht bewegen würde. Aber letztendlich bewegt sich ein Partikel, das in der Welle oder auf der Welle schwimmt, immer nur hoch und runter und bisschen nach vorn und zurück - letztendlich auf sogenannten Orbital-Bahnen, die im tiefen Wasser Kreisbahnen beschreiben. Also so ein Korken würde dann wirklich einen Kreis beschreiben, während diese Welle da durchläuft. Und wenn es jetzt ins flache Wasser kommt, dann würde diese Kreisbahn ja unten den Boden anfangen zu spüren. Und an dem Boden wird dann die Geschwindigkeit zum Beispiel des Korkens oder eines Partikels im Wasser abgebremst. Und dadurch beschreiben die Partikel dann nicht mehr eine Kreisbahn, sondern so eher eine flachgedrückte Ellipse. MUSIK 4 (Findus Engelbrecht / Tony Delmonte: By The Ocean 0‘55) SPRECHERIN Also im tiefem Wasser – auf dem offenen Meer - sind die Bahnen der Wasserteilchen beim Passieren einer Welle fast kreisförmig, im flachem Wasser – also in Küstennähe - elliptisch. Transportiert wird vor allem Energie. Es ist ein bisschen als würde man eine Decke aufschlagen. Die Decke bleibt an derselben Stelle, der Stoff bildet Wellen. Den Effekt kann man auch im flachen Wasser beobachten, sagt Jochen Horstmann: O-TON 4 (Horstmann) Wenn man am Strand ist, im flachen Wasser, da sind oft so kleine Rippelwellen unten am Sand. Und dann sieht man, wenn man da mal reinguckt ins Wasser, (…) da sieht man wirklich, wie diese kleinen Sandpartikel immer hin und her sich bewegen, so kleine Wirbel über diesen Kämmen entstehen und das ist eben wirklich ein Effekt von den Orbitalbewegungen, die durch die Wellen induziert werden. ATMO (Wellen) SPRECHERIN Wenn heranrollende Wellen vor Küsten auf die Wand eines Unterwassergrabens, auf Korallenriffe oder auf eine Sandbank treffen, werden die Bewegungen gebremst. Jochen Horstmann: O-TON 5 (Horstmann) Durch dieses Abbremsen der Welle unten wird eben oben die Geschwindigkeit höher sein als unten. Und wenn die Geschwindigkeit oben dann die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle erreicht, dann ist sozusagen eines der Brecher-Kriterien erfüllt. SPRECHERIN Die Welle bricht, es bildet sich weißer Schaum und ein Wasser-Luft-Gemisch. ATMO (Wellen, Brandung) SPRECHERIN Ob Wellen sich hoch auftürmen oder eher klein sind, hängt unter anderem auch mit der Küstenform zusammen, auf die die Meeresbrandung trifft, erklärt der Experte für physikalische Ozeanographie. O-TON 6 (Horstmann) Wenn man zum Beispiel eine Bucht hätte, die ganze Wellenenergie verteilt sich dann wirklich an den Stränden in dieser Bucht – die läuft dann auseinander. Und das nennt man dann Divergenz, also die Wellen sind dann divergent. Das heißt: In der tiefen Bucht dort würde man weniger Seegang haben, während so an solchen Nasen (…) kommen die Wellen dort zusammen und dann nennt man das konvergent. SPRECHERIN Dort laufen die Wellen aufeinander zu, die Energie addiert sich – die Welle wächst in die Höhe. Und natürlich spielt es für die Größe einer Welle auch eine Rolle, welche Wellen überhaupt an der Küste ankommen, erklärt der Forscher Jochen Horstmann. O-TON 7 (Horstmann) Also man braucht eine lange Wirklänge. Sprich: ein großes Gebiet, in dem der Wind die See auffachen kann, so dass sich Wellen aufbauen können. Und man braucht auch eine lange Wirkdauer, also eine lange Dauer von dem Sturm. SPRECHERIN Die Wellen, die sich dann vor Nazaré oder auch vor Hawaii zu Giganten entwickeln, sind oft weit entfernt entstanden, bei einem Sturm mitten im Ozean – und Hunderte oder Tausende Kilometer über das Meer gewandert. Es braucht also viele Parameter, um eine starke Brandung entstehen zu lassen. MUSIK 5 ( M. Ward: Tranfiguration No 1 0‘35) / ATMO (Wellen an Küste – Badegäste am Strand) SPRECHERIN Manche Badende fühlen sich von Wellen magisch angezogen. Jeden Sommer sieht man am Meer Urlauber, die - wie im Wellenbad - den Wellen entgegenspringen und sich dann wieder Richtung Land treiben lassen. Doch viele unterschätzen die Kraft der Brandung – und die damit verbundenen Gefahren. Problematisch ist vor allem das Phänomen des Brandungssoges, sagt Alexander Paffrath von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG: O-TON 8 (Paffrath) Der entsteht beispielsweise, wenn das mit den Wellen in Richtung Ufer geströmte Wasser am Meeresboden zurückläuft. Und je größer da die Wassermassen sind, also je höher die Intensität ist, die da an Energie zum Ufer transportiert wird, desto stärker kann dieser Brandungssog ausfallen. Und dann werden den in der Brandung Stehenden regelrecht die Beine weggezogen. Und gerade Kinder oder unsichere Schwimmer werden von dem Phänomen oftmals überrascht. Die landen dann halt unvermittelt im Wasser. Und dann kommt es zu brenzligen Situationen und das teilweise schon im brusttiefen Wasser. Das wird halt vielfach unterschätzt. Und ich sehe halt immer wieder im Sommer, dass dann da auch Eltern mit ihren Kindern im Spülsaum stehen und die Hand nicht am Kind haben. Und letztlich kann es dann alleine dadurch, dass man noch zupacken müsste und das Kind eben nicht dann an der Hand hat, einfach schon zu spät sein, weil die Kinder gegen diesen Sog sich nicht mehr wehren können. ATMO (Kinder im Wasser) / MUSIK 6 ( Akademisches Blasorchester München: Alfred Reed – Suite Nr. 7 0‘40) SPRECHERIN Wenn Kinder oder ungeübten Schwimmer, denen die Beine weggezogen wurden, dann wieder auftauchen, werden sie manchmal schon von der nächsten, anrollenden Welle wieder umgerissen oder überspült – denn Wellen treten in Gruppen auf. Alexander Paffrath: O-TON 9 (Paffrath) Dann kommt noch eine Panikreaktion, ein Schockmoment dazu. Und das ist halt das Problem, was da auftreten kann. Und je nachdem, wie hoch die Wellen sind, haben wir ja dann da auch noch eine gewisse Gischt. Wenn man dann in dieser Gischt einatmet, dann atmet man letztendlich auch Wasserpartikel ein. Und gerade bei einem ungeübten Schwimmer führt das einfach zu Panikreaktionen und dann im worst case auch tatsächlich zu einem potenziellen Ertrinkungsfall. MUSIK 7 ( Mathias Mersch: Oceans Deep 0‘25) SPRECHERIN Auch Gezeitenströmungen, also Strömungen, die durch Ebbe und Flut ausgelöst werden, können für Schwimmer gefährlich werden. O-TON 10 (Paffrath) Und gerade bei Ebbe kann man natürlich rausgezogen werden ins offene Meer. Und daher sind die Badezeiten an den bewachten Badestellen an der Nordsee in aller Regel auch so kurz vor oder ein, zwei Stunden vor dem Hochwasser. Das heißt also mit dem auflaufenden Wasser, sodass man in diesen Sog der Ebbe eigentlich gar nicht reingeraten kann. An allen unbewachten Badestellen sollte man es tunlichst vermeiden, dann tatsächlich ins Wasser reinzugehen. SPRECHERIN Besonders viele Rettungseinsätze gibt es für die DLRG aufgrund der tückischen Rip-Strömung, die auch unter dem Namen Trecker-Strömung bekannt ist. Dabei strömt Wasser vom Strand in Vertiefungen im Meeresboden zurück aufs Meer. Es ist eine oft mehrere Meter breite, sehr schnelle Strömung, gegen die Schwimmer nicht ankommen. Das Gefährliche: Rippströmungen können plötzlich und an unterschiedlichen Stellen auftreten – also auch an Stellen, an denen es kurz vorher noch ungefährlich war. Gerät man in diese Strömung, sollten Schwimmer keinesfalls versuchen, gegen die Strömung anzukämpfen. Die Ursache tödlicher Unfälle in Rippströmungen ist fast immer Ertrinken durch Erschöpfung. Vielmehr sollten Schwimmer quer zur Strömung aus dem Hauptstrom rausschwimmen, rät Alexander Paffrath von der DLRG: O-TON 11 (Paffrath, 7.14) Mit dem geübten Auge kann man schon einigermaßen erkennen, wo denn eine Trecker-Strömung ist. Also zum Beispiel, dass man sieht, dass in einem Bereich das Wasser aufgewühlter ist als in einem anderen. Oder die Oberfläche sieht völlig anders aus als im umgebenden Wasser, zum Beispiel im Gegensatz zur flachen Umgebung ist da dann so eine leicht gekräuselte Wasseroberfläche. Oder aber, dass die Wellen, wenn man da ein bisschen länger draufguckt, in einem anderen Winkel brechen als in dem restlichen Brandungsbereich. Aber das sind Dinge, die sind halt für Otto-Normal-Urlauber in Anführungszeichen nicht wirklich einfach zu erkennen. SPRECHERIN Nicht nur für Menschen, auch für Tiere können Stürme mit starken Strömungen und hohen Wellen tückisch werden. So wurde 2023 nach dem Sturm „Zoltan“ auf Sylt eine geschwächte Karettschildkröte angespült, die eigentlich im Mittelmeer heimisch ist. MUSIK 8 (Petra Eisend & Band: Under Water 1‘05) / ATMO (Wellen, Sturm) SPRECHERIN Auch der Küstenschutz muss die Brandung immer ganz genau im Blick haben. Denn die Wucht der Brandung ist gewaltig und kann ganze Küstenabschnitte verändern: Wellen können Sandbänke verschieben, Strandabschnitte neu anspülen oder auch abtragen. Bei jeder Sturmflut ist eindrucksvoll zu erleben, wie Wind und Wasser an den Küsten nagen. Beispiel Sylt: Die Wellen tragen den Sand an der Westküste nach und nach ab. „Der Kampf um Land und Sand ist für Sylt eine Überlebensfrage“, heißt es auf der Webseite der Insel. Theide Wöffler vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein: O-TON 12 (Wöffler) Im Mittel verlieren wir auf der Insel Sylt eine Million Kubikmeter Sand pro Jahr infolge von Brandung und auch Gezeitenströmung. SPRECHERIN Das Meer reißt Sandmassen mit sich, die zum Teil im Seegebiet zwischen Sylt und Amrum wieder abgelagert werden. Vor allem das Süd- und Nordende von Sylt sind gefährdet, die Inselenden sind am stärksten von der Erosion betroffen. MUSIK 9 (Claude Debussy: 2.Satz aus Sonate F-Dur 0‘45) /ATMO (Wind Wellen) SPRECHERIN Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts unternahmen die Bewohner von Sylt erste Versuche, ihre Insel vor der Brandung zu schützen. Damals wurden sogenannte Buhnen errichtet. Das waren zunächst Holzpfahlbuhnen, später dann auch Stein-, Stahlspundwand- und Betonpfahlbuhnen, die in langen Reihen rechtwinklig zur Küste ins Meer geschlagen wurden. Diese sollten die Brandungs- und Gezeitenströmungen vom Ufer fernhalten. Sehr effektiv ist diese Methode auf Sylt allerdings nicht gewesen. Eine nachhaltige Verminderung des Küstenrückganges konnte durch die Buhnen nicht erreicht werden. Daher wurden die Buhnen an der Westküste von Sylt in den letzten Jahren fast vollständig zurückgebaut. ATMO Möwen / MUSIK 10 ( Astor Piazzolla: Vuelvo al sur 0‘45) SPRECHERIN In Westerland wurde eine Ufermauer errichtet – doch die Erosion ist stark, immer wieder stehen aufwändige Reparaturarbeiten an. Um Landabbrüche an der Westseite der 38 Kilometer langen Insel zu verhindern, wurden ab den 1960er Jahren am Strand von Hörnum im Süden von Sylt Tetrapoden ausgebracht – das sind riesige, vierfußige Steine aus Beton. Mit Hilfe von Tetrapoden wird vor der Küste eine Art künstliches Riff geschaffen, erklärt Jochen Horstmann: O-TON 13 (Horstmann) Die sorgen für immense Turbulenzen. Dann brechen die Wellen zusammen und brechen sich dann an diesen Tetrapoden, die ja auch aus Beton sind und deshalb den Kräften gut widerstehen können, dass wird oft gemacht, insbesondere auch an den Küsten von Taiwan, aber auch vor Sylt gibt es Tetrapoden. SPRECHERIN Die Wellenbrecher aus Beton sind mit rund sechs Tonnen allerdings so schwer, dass sie je nach Untergrund einsinken und dann nicht mehr den gewünschten Effekt erfüllen. Auch auf Sylt stecken einige der Riesensteine schon tief im Sand. Damit Sylt nicht weggespült wird, werden auf der Insel zusätzlich seit 1972 Sandaufspülungen vorgenommen. Dabei entnehmen Baggerschiffe etwa acht Kilometer vor der Westküste ein Sand-Wasser-Gemisch und pumpen dies über Rohrleitungen an den Strand. Das Wasser fließt ab, der Sand bleibt zurück und wird von Bulldozern verteilt. Am Meeresboden bleiben Vertiefungen zurück. Theide Wöffler. O-TON 14 (Wöffler) Bei den Sandvorspülungen haben wir auch ein wenig die Strategie in den letzten Jahren verändert. Also wenn man sich anguckt, wie am Anfang der Sandvorspülung gearbeitet wurde: Da wurde eine große Menge Sand auf einen Strandabschnitt vorgespült. Und in den letzten Jahren sind wir einfach zielgerichteter geworden,…

    Full show notes at the publisher

    Fische in Bayern - Wie geht es ihnen? Mar 27, 2025
    Show notes

    Nährstoffmangel, giftige Algen und die Klimaerwärmung machen den Fischen in Bayern zu schaffen. Auch Kormorane oder Gänsesäger setzen den Beständen zu. Vom Fischfang allein kann an den Seen niemand mehr leben. Von Claudia Steiner CreditsAutorin dieser Folge: Claudia SteinerRegie: Sabine KienhöferEs sprach: Rahel ComtesseTechnik: Josef AngerloherRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Prof. Dr. Jürgen Geist, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der TUM in FreisingSusanne Huber, Fischwirtschaftsmeisterin in St. Heinrich am Starnberger SeeDr. Michael Schubert, Institut für Fischerei in Starnberg Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Fische - Die unterschätzen LebewesenJETZT ENTDECKEN Der Aal - Ein Fischer voller RätselJETZT ENTDECKEN Aquakulturen - Fluch oder Segen?JETZT ENTDECKEN Meerestiere im Klimawandel - Wenn das Wasser immer wärmer wirdJETZT ENTDECKEN Der Fisch im Menschen - Unser evoltuionäres ErbeJETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Linktipps: Institut für Fischerei HIER Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie, TUM HIER Bayerisches Landesamt für Umwelt, Kormoranmanagement HIER Bayerisches Landesamt für Umwelt, Fische HIER Verbraucherportal Bayern, Heimischer Fisch HIER ARD Mediathek: Fischmangel - Wie retten wir unsere Flüsse HIER Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Susanne Huber ist Fischwirtschaftsmeisterin am Starnberger See. Eben hat sie noch einmal zwei Sätze ausgebracht – so nennt man die aneinander geknoteten Netze. Nun heißt es warten. Die Fischerin aus St. Heinrich hofft, dass am nächsten Morgen einige Karpfen in ihren Netzen zappeln. O-TON 1 Ich habe jetzt heute einen relativ guten Tag gehabt. Schön. Also man spricht sich ja mit den Kollegen ab. Man weiß dann schon immer: 25 Stück können super sein, wenn man Kollegen hat, die einfach mit null heimfahren. 25 Stück können super mies sein, wenn der Kollege neben einem 60 hat. Da muss man halt schauen: Was hat der anders gemacht? Oder man hat einfach Pech. Man hat auch Wochen, in denen man einfach immer daneben liegt, einfach ein Stück daneben. Es ist brutal frustrierend. SPRECHERIN 2024 war am Starnberger See ein nicht allzu erfolgreiches Jahr für die gut 30 Berufsfischer. Manchmal blieben die Netze leer. ATMO (Wasserplätschern) SPRECHERIN Warum es für Fischer starke und manchmal schwache Jahre gibt, ist oft unklar – auch für Profis wie Susanne Huber. Denn die Fortpflanzung, das Wachstum und die Entwicklung von Fischen hängen von vielen Faktoren ab: Der Wassertemperatur, dem Algenwachstum, dem Fraßdruck und auch den Nährstoffen. ATMO (See) SPRECHERIN Beispiel Renken. Der beliebte Speisefisch gehört zur Familie der lachsartigen Fische. Regional werden sie auch Felchen oder Maränen genannt. Im Bodensee, aber auch in anderen Seen, variierte ihre Größe über die Jahrzehnte erheblich. Professor Jürgen Geist vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der Technischen Universität München in Freising. O-Ton 3 Es ist dann im Laufe der Zeit so, bis zu den 70er-Jahren 80er-Jahren sind immer mehr Nährstoffe, vor allem Phosphat, eingetragen worden in das Gewässer. Die Phosphatkonzentration ist fast um den Faktor zehn dort angestiegen und das hat die Produktivität natürlich erhöht. Das heißt, die Renken sind dort deutlich schneller gewachsen, was natürlich aus Sicht zum Beispiel der Berufsfischerei sehr erwünscht war, was aber andere Probleme in Bezug auf die Wasserqualität nach sich gezogen hat. SPRECHERIN Die Renken wurden damals zwar schnell groß, doch die Startbedingungen für die Fische wurden immer schwieriger. Renken legen ihre Eier nämlich im Freiwasser ab. Die Eier sinken auf den Gewässergrund und sind darauf angewiesen, dass dort genügend Sauerstoff vorhanden ist. Jürgen Geist: O-TON 4 In diesen Zeiten des Nährstoffreichtums hat es häufig in Gewässern wie in den Bodensee natürlicherweise gar nicht mehr geklappt. Man hat also Brutanstalten gebaut. Hat diese Renken dann dort künstlich vermehrt, hat also die Laichfische gefangen, die Geschlechtsprodukte gewonnen, hat diese Fische aufgezogen und dann wieder ausgesetzt. Musik: Delicate information 0‘31 SPRECHERIN Inzwischen ist die Wasserqualität in vielen bayerischen Seen sehr gut, der Phosphorgehalt viel geringer als früher, als Waschmittel bei uns noch phosphathaltig waren. Gut für die Wasserqualität, nicht so gut für das Nahrungsangebot für Fische. Vor allem weil ein Element, nämlich Stickstoff über die Atmosphäre, das Grundwasser und die Landwirtschaft weiter in die Gewässer gelangt, erklärt Michael Schubert vom Institut für Fischerei in Starnberg. O-TON 5 Das Verhältnis von Phosphor zu Stickstoff passt eben nicht mehr so. Denn Stickstoff ist übernatürlich viel noch im Gewässer, und somit wächst eben nicht mehr diese Nahrung heran, was die Renken gerade brauchen: Plankton. Deswegen beobachtet man auch seit vielen Jahren eben, dass die Renken, um die geht es in Bayern hauptsächlich, dass die deutlich schlechter wachsen. SPRECHERIN Das beobachtet auch Susanne Huber, deren Familienbetrieb „Beim Fischer“ seit 1811 besteht. O-TON 6 Es gibt Jahre, da haben sie fast kein Futter. Man weiß aber nicht, wo die Ursachen liegen. Ist es jetzt nur die Strömung, nur der Nährstoffgehalt, das Wetter oder die Kombi? (…)Wir hatten es heuer im frühen Frühjahr so, dass wir bisschen Fische gefangen haben, weil es ein bisschen Futter geben hat. Dann kam der nächste Wind. Dann war das Plankton wieder weg. Plankton schwebt ja. Wind. Strömung. Aus. Vorbei. Eine Woche warten. Also, es ist unheimlich filigranes, empfindliches Gleichgewicht. ATMO (Fluss-Atmo, Schallarchiv) SPRECHERIN Und dieses Gleichgewicht wird immer öfter gestört, nicht nur in Seen, sondern auch in Flüssen, sagt der Wissenschaftler Jürgen Geist. O-TON 7 Der Zustand der Fische in Bayern (…) ist schon besorgniserregend, kann man sagen. Wir sehen, dass viele Arten, die früher wirklich Allerwelts-Arten waren, die sehr häufig waren, sehr stark zurückgegangen sind. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Arten, die häufiger geworden sind. Und wenn man das mal vergleicht oder analysiert, was sind denn die Eigenschaften, die dazu führen, dass Arten stark zurückgehen oder was sind Eigenschaften, die dazu führen, dass Arten stark zunehmen, dann kann man sehr schnell erkennen, wo die Knackpunkte liegen. Musik: Take off 0‘50 SPRECHERIN Ein Blick auf die Fließgewässer, also Flüsse wie die Donau, den Inn oder die Isar. Aufgrund des Klimawandels kommt es vermehrt zu Starkregenereignissen. Dadurch werden mehr Sedimente in die Flüsse gespült, die sich auf das kiesige Substrat am Grund legen. Die Folge: Es gibt immer weniger Zwischenräume im Kies für die Eier von Huchen, die ausgewachsen mehr als einen Meter lang werden können, oder Äschen, die nur etwa halb so lang werden. Wenn sich die Lebensbedingungen so stark verändern, klappt es oft nicht mehr mit dem Fisch-Nachwuchs. ATMO (Wasserrauschen Schallarchiv) SPRECHERIN Hinzu kommt: Diese hochspezialisierten Arten sind an starke Strömungen angepasst. Sie mögen frisches, kühles Wasser. Doch inzwischen werden viele Flüsse gestaut, im Oberwasser nimmt dadurch die Strömung ab. Die Bauten in den oft begradigten und ausgebauten Fließgewässern sind für junge Fische, aber besonders auch für wandernde Arten ein Problem. Sie können nämlich die künstlich geschaffenen Barrieren nicht überwinden. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts – als man in Bayern noch Flusslandschaften mit weit verzweigten Armen, Schotterbänken und Kiesflächen fand - gab es örtlich sogar noch Lachse und Störe. Michael Schubert. O-TON 8 Verschwunden sind so die Langdistanz-Wanderfischarten. Also Lachse gibt es natürlich in Bayern nicht mehr im fränkischen Gebiet. Auch die Störe sind weg, weil die mit dem ersten Wehr, mit dem ersten Kraftwerk, das gebaut wurde, eigentlich den Zuzug nach Bayern nicht mehr geschafft haben. SPRECHERIN Inzwischen findet man mehr als 4.200 Wasserkraftanlagen im Freistaat. In der Donau zum Beispiel gibt es im Schnitt alle vier Kilometer einen Staubereich, sagt Jürgen Geist. O-TON 9 Wenn jetzt ein Querbauwerk, also ein Damm in ein Fließgewässer gebaut wird, dann verändern sich natürlich diese Bedingungen. Die Strömungsgeschwindigkeit sinkt oberhalb des Damms ab, (…) das Geschiebe und Sediment wird nicht mehr transportiert, sondern lagert sich ab. Es kommt zur Verschlammung, und es kann natürlich auch dazu kommen, dass sich solche Gewässerbereiche stärker erwärmen als das in einem fließenden System der Fall wäre. Die Lebensgemeinschaften stellen sich darauf ein, und wir sehen dann eben, dass die Arten, die eigentlich auf diese strömenden Fließgewässer spezialisiert wären, dass die verschwinden oder zumindest weniger werden in diesen Systemen. Und auf der anderen Seite Arten, die man eigentlich gar nicht in diesen Fließgewässer-Regionen finden würde, hochrückige Arten wie der Karpfen, (…) dass die dann plötzlich eben in solchen Staubereichen auch vorhanden sind. SPRECHERIN Nicht nur Karpfen, auch Waller profitieren von den veränderten Lebensbedingungen. Waller, die am Maul markante Barteln haben, fressen andere Fische, Schnecken, Krebse oder auch Insekten und können Rekordlängen über zwei Meter erreichen. ATMO (Wasserkraft, Schallarchiv) Musik: Secret proofs 0‘42 SPRECHERIN Wasserkraft gilt als umweltfreundliche Energiegewinnung. Für die meisten Fische aber ist die Passage lebensgefährlich. So können Druckveränderungen die Schwimmblase platzen lassen. Das Organ dient Fischen unter anderem zur Stabilisierung im Wasser. Kommt es zu direktem Kontakt mit den Turbinenschaufeln werden die Tiere verletzt oder gar getötet. Dokumentiert sind leichtere Verletzungen wie Schuppenverlust, aber auch Einblutungen an den Augen, Quetschungen, Wirbelbrüche und das Abtrennen von Körperteilen. Viele Wasserkraftwerke wurden nachgerüstet. Neue Anlagen sollen die Fische noch besser schützen. Doch die Passage bleibt gefährlich, sagt Jürgen Geist, der unterschiedliche Anlagen untersucht hat. O-Ton 10 Wir haben gesehen, dass auch bei einigen der innovativen Wasserkraftanlagen deutliche Sterblichkeiten auftreten. Ja, die bewegen sich im optimalsten Fall im einstelligen Prozentbereich direkter Sterblichkeit der Fische bei der Passage von solchen Anlagen, können aber auch deutlich über 40, bei manchen Arten und Größenklassen sogar bis 50, 60, 70 Prozent liegen. SPRECHERIN Besonders groß ist die Gefahr für den Aal mit seinem schlangenhaften Körper. Aale schlüpfen in der Sargassosee östlich von Florida. Die jungen Fischlarven treiben mit den nordatlantischen Strömungen bis vor europäische Küsten, leben im Süßwasser und wandern Jahre später zur Fortpflanzung gut 8.000 Kilometer zurück in die Sargassosee. Um Verletzungen zu vermeiden, werden vor den Wasserkraftwerken oft sogenannte Feinrechen angebracht, also eng beieinander stehende Stäbe. Sie sollen größere Fische abhalten. Doch Wissenschaftler haben beobachtet, dass es viele Arten trotzdem schaffen, sich durch die Stäbe zu quetschen. Für kleinere Fische stellen die Rechen sowieso keinen Schutz dar, betont Jürgen Geist. O-TON 12 Wenn man sich mal die Größenverteilung von Fischen in einem Gewässer anschaut, dann ist es einfach aufgrund der Gesetzmäßigkeiten, der Nahrungspyramide (…) so, dass die überwiegende Mehrzahl der Individuen relativ klein ist und nur sehr wenige sehr groß sind. Diese großen Individuen, die können geschützt werden, durch solche Rechen. Aber der überwiegende Anteil dieser kleineren Fische ist in der Lage, diese Anlagen zu passieren. SPRECHERIN Eine andere Möglichkeit, um Verletzungen zu vermeiden, ist das Abschalten der Turbinen zur Hauptwanderzeit. Teilweise werden den Fischen auch sichere Bypässe angeboten, also Umgehungswege, die um Kraftwerke führen. Zudem wird mithilfe von Artenhilfsprogrammen immer wieder versucht, bedrohte Fischarten zu züchten und wieder anzusiedeln – doch das gelingt nur, wenn das Habitat passt. ATMO (Wind, Wasser, See) Musik: climate change A 0‘22 SPRECHERIN Auch der Klimawandel setzt den heimischen Fischen zu. Flüsse führen im Sommer oft nur wenig Wasser, das Wasser erwärmt sich schneller, der natürliche Lebensraum wird kleiner. Auch die Wassertemperaturen in Seen nehmen zu. Vor allem kleinere, nicht so tiefe Gewässer überhitzen. Michael Schubert. O-TON 13 Das große Problem ist, dass die Fische wechselwarm sind. Also sie können nicht wie wir ihre Temperatur regulieren. Sie sind also auf die Umgebungstemperatur angewiesen. Dementsprechend wenn es zu warm wird, müssten sie auch dem ausweichen. SPRECHERIN In tieferen Seen haben kälteliebende Fische wie Renken die Möglichkeit, nach unten, in kühlere Bereiche abzuwandern. Doch dann tummelt sich eine große Zahl von Fischen in bestimmten Wasserschichten und konkurriert dort um Nahrung und Sauerstoff. In kleineren, flachen Seen ist ein Ausweichen dagegen nur schwer möglich. Hitze bedeutet Stress für die Tiere. Auch nimmt in heißen Sommern oft der Sauerstoffgehalt des Wassers dramatisch ab. In kleinen Seen rücken dann Feuerwehren an, die mit Pumpen Wasser entnehmen und über Werfer wieder in das Gewässer zurückleiten. Manchmal sind – wie am Weßlinger See im Landkreis Starnberg – auch feste Anlagen installiert. Durch das Aufwirbeln soll das Wasser mit Sauerstoff angereichert und die Umwälzung verbessert werden MUSIK: Prayer wheel (red) 0‘52 SPRECHERIN Höhere Temperaturen verändern aber auch in tieferen Seen das filigrane Gleichgewicht. Der Starnberger See ist bis zu 128 Meter tief, der Bodensee bis zu 251 Meter. Vier Grad kaltes Wasser ist am schwersten und befindet sich am Grund. Je wärmer das Wasser, desto geringer die Dichte, desto stabiler die Schichtung. Im See bilden sich deshalb unterschiedliche Wasserschichten aus. Im Hochsommer kann sich das oberflächennahe Wasser im Starnberger See auf bis zu 26 Grad erwärmen. Normalerweise werden die unterschiedlichen Schichten im Herbst und Frühjahr – unterstützt durch Stürme - durchmischt. Frischer Sauerstoff gelangt in die Tiefe. Doch die Sommer sind länger und heißer als früher, die Winter milder. Michael Schubert: O-TON 14 In so tiefen Seen wie dem Starnberger See oder Bodensee durchmischt sich das Wasser nicht mehr so häufig und so gut, wenn das Wasser eben durch diesen Klimawandel zu lange warm ist und sich zu stark einschichtet. ATMO (Badende) SPRECHERIN Eine weitere Gefahr: Langanhaltend hohe Temperaturen, viel Sonnenschein und wenig Wind fördern das Algenwachstum. Kommen dann noch Nährstoffe aus landwirtschaftlicher Düngung in die Gewässer, kann das zu einer Massenentwicklung der sogenannten Blaualgen führen. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um Algen, sondern um Cyanobakterien. Diese Bakterien bilden im Wasser grüne Schlieren und produzieren Gifte. Bei hoher Konzentration können die Toxine bei Badenden unter anderem Hautreizungen verursachen. Fische verenden. ATMO (Wind, Wellen – Schallarchiv) Musik: Surgery 0‘37 SPRECHERIN An einigen bayerischen Seen wird angesichts des Klimawandels inzwischen über Seethermie nachgedacht. Das Prinzip: Warmes Wasser wird entnommen, die Wärme zum Heizen genutzt und das kalte Wasser wieder zurückgeleitet. In Prien am Chiemsee soll so zum Beispiel ein Thermalbad geheizt werden. Laut Planern kann man auf diese Weise knapp 100 Tonnen CO2 im Jahr einsparen. Auch am Ammersee, Starnberger See und Tegernsee gibt es entsprechende Überlegungen. Jürgen Geist: O-TON 15 Vom Prinzip her hört sich das ja zunächst mal logisch an und auch nach einer guten Idee an. Dass man sagt, wenn die Gewässer ohnehin wärmer werden, warum sollte man das nicht nutzen und zeitgleich sozusagen eine Maßnahme haben, wie man hier auch wieder eine Abkühlung schaffen kann in dem Gewässer. In der Realität ist es aber natürlich deutlich komplexer, weil man das noch…

    Full show notes at the publisher

    Gian Lorenzo Bernini - Ein barocker Stararchiktekt Mar 26, 2025
    Show notes

    Gian Lorenzo Bernini war einer der bedeutendsten italienischen Architekten und Bildhauer des Barock. Er prägte das Erscheinungsbild Roms wie kein zweiter. Bernini verließ die Stadt so gut wie nie und arbeitete für insgesamt acht Päpste. Von Gabriele Knetsch (BR 2022)

    Autorin dieser Folge: Gabriele Knetsch
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Irina Wanka, Jerzy May
    Technik: Michael Krogmann
    Redaktion: Andrea Bräu
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Diese Folge von Radiowissen könnte Sie auch interessieren:

    Artemisia Gentileschi - Malerin des Barock
    JETZT ENTDECKEN

    Literaturtipps:

    Gut geschriebene Biographie, die auch die historischen Umstände der Päpste in Rom mitberücksichtigt:

    Arne Karsten, „Bernini – der Schöpfer des Barocken Rom“, München 2017.


    Umfangreicher Ausstellungskatalog mit zahlreichen Abbildungen, der Einblicke in Motive und Denkmuster barocker Kunst gibt: Sabine Haag, Taco Dibbits, „Caravaggio – Bernini, Entdeckung der Gefühle“.


    Schöner kleiner Bildband, der Skizzen und Zeichnungen des Künstlers zu seinen großen Auftragsarbeiten dokumentiert: Gianlorenzo Bernini, „Zeichungen“, Hg. Karl-Heinz Mehnert, Insel, Leipzig 1982.


    Die Frauen der Familie Curie - Marie, Irène und Eve Mar 26, 2025
    Show notes

    Als Naturwissenschaftlerin ist Marie Curie weltberühmt - und sie ist die Begründerin einer Dynastie bedeutender Forscherinnen: Ihre ältere Tochter Irène wird ebenso Nobelpreisträgerin. Die Enkelin wird eine bekannte Kernphysikerin. Maries jüngere Tochter Eve hingegen macht sich als Kriegsreporterin einen Namen. Von Steffi Illinger

    Credits
    Autorin dieser Folge: Steffi Illinger
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Berenike Beschle, Katja Amberger, Jenny Güzel
    Technik: Helge Schwarz
    Redaktion: Yvonne Maier

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Claudine Monteil, Autorin, Historikerin;
    Alina Schadwinkel, Wissenschaftsjournalistin, Autorin

    Linktipps:

    Ein spannender Artikel von ARD alpha:
    Marie Curie: Physikerin, Forscherin, Pionierin - Die Frau mit den zwei Nobelpreisen
    ZUM ARTIKEL

    Vierteiler zu Marie Curie in der ARD Mediathek:
    Das Geheimnis der Radioaktivität (1/4)
    JETZT ANSEHEN

    Kalenderblatt zur Entdeckung der künstlichen Radioaktivität durch Irène und Frederic Joliot-Curie:
    Entdeckung künstlicher Radioaktivität veröffentlicht
    JETZT ANHÖREN

    Der Instagram-Kanal „FrauenGeschichte“ hat auch schon über die Frauen der Familie Curie berichtet:

    Marie Curie:
    EXTERNER LINK | https://www.instagram.com/p/CquWCKyKAzt/

    Irène Curie:
    EXTERNER LINK | https://www.instagram.com/p/Cqw6zi4O-m-/

    Eve Curie
    EXTERNER LINK | https://www.instagram.com/p/Cqzfll8qYVm/

    Literaturtipps:

    Claudine Monteil: Marie Curie und ihre Töchter. Suhrkamp Verlag 2023, ISBN 978-3-458-68278-3.

    Alina Schadwinkel: Marie Curie. Reclam 2014, ISBN: 978-3-15-020428-3.

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.
    WIE WIR TICKEN - EUER PSYCHOLOGIE-PODCAST

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Der Wombat - Relikt aus Australiens Urzeit Mar 24, 2025
    Show notes

    Wombats sind nachtaktive Beutelsäuger, die in Australien leben und in selbst gegrabenen Höhlen wohnen. Ihr Territorium, das sie durch Kotmarkierungen kennzeichnen, verteidigen die stoischen Beuteltiere vehement. Von Margarete Blümel (BR 2021)

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Kalevala - Das finnische National-Epos Mar 24, 2025
    Show notes

    In wenigen Tagen, am 28. Februar wird in Finnland der Kalevala-Tag begangen. Denn der Sammler des Kalevala, der Arzt Elias Lönnrot, datierte das Vorwort der Erstausgabe auf den 28. Februar 1835. Von Julia Devlin CreditsAutorin dieser Folge: Julia DevlinRegie: Martin TraunerEs sprachen: Hemma Michel, Stefan Wilkening, Sven HussockTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Dr. Christian Niedling, Universität TurkuArnika Groenewald-Schmidt, Belvedere Wien Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Europas indigenes Volk in Sapmi - Leben in 8 JahreszeitenJETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Weiterführende Links: Die Gesellschaft für Finnische Literatur bietet das Epos in mehreren Sprachen auf ihrer Webseite an HIER Literatur: Hans und Lore Fromm, Kalevala - Das finnische Epos des Elias Lönnrot. Mit einem Nachwort von Hans Fromm. Wiesbaden 2005 - gute zeitgenössische Übersetzung Christian Niedling, Zur Bedeutung von Nationalepen im 19. Jahrhundert. Das Beispiel von Kalevala und Nibelungenlied.Köln 2007 - eine Rezeptionsgeschichte des Kalevala Stella Rollig, Arnika Groenewald-Schmidt, Akseli Gallen-Kallela. Finnland erfinden. Köln 2024 - Ausstellungskatalog mit fundierten Aufsätzen zur Motivik des Künstlers und der Bedeutung des Kalevala für ihn Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Zuspielung Lemminkäinen-Suite, III. Der Schwan von Tuonela, erste Takte, dann dem Sprecher unterlegt. Zitator (ältere Stimme, raunend) Hoch im Nordland liegt Tuonela, das Reich der Toten, getrennt von der Welt der Lebenden durch einen tiefen, dunklen, reißenden Fluss. Auf diesem Fluss zieht ein schwarzer Schwan seine Kreise und singt; singt seinen wunderschönen Gesang vom Todeszauber, lockt die Seelen der Verstorbenen ins Totenreich. Sprecherin Der Held Lemminkäinen, ein junger Recke, will den Schwan töten. Denn Louhi, die Herrscherin des Nordlands, stellt ihm mehrere Aufgaben, bevor sie ihm gestattet, ihre schöne Tochter zu heiraten. Zitator Dann erst geb' ich meine Tochter, Geb' ich dir zur Braut die Jungfrau, Wenn den Schwan im Fluß du schießest, In dem Strom den starken Vogel Sprecherin Doch Lemminkäinen wird bei dem Versuch, das heilige Tier zu erlegen, selbst durch einen vergifteten Pfeil getötet. Der Mörder zerstückelt ihn und wirft die Leichenteile in den Fluss. Seine Mutter jedoch recht die Teile aus dem dunklen Wasser und setzt sie wieder zusammen. Zitator Füget Fleisch dann zu dem Fleische, Paßt die Knochen aneinander, Bindet ein Glied an das andre, Preßt die Adern fest zusammen. Sprecherin Mit Zaubersprüchen und einem magischen Honig erweckt sie dann Lemminkäinen wieder zum Leben. Zitator Lemminkäinen leichtgemutet Ging gerades Wegs nach Hause Mit der vielgeliebten Mutter, Mit der übermächt'gen Alten. Sprecherin Dies ist eine Legende aus dem finnischen Epos Kalevala. 1835 erschien es erstmals als gedrucktes Werk, gesammelt und zusammengestellt von dem Landarzt Elias Lönnrot. Er reiste durch die abgelegenen Regionen des östlichen Finnland und durch Karelien, eine Region, die sich zwischen der Ostsee und dem Weißen Meer auf beiden Seiten der russisch-finnischen Grenze erstreckt, um aufzuschreiben, was bis dahin nur mündlich weitergegeben worden war. Sprecher Die Verse erzählen von einem Land voller Magie und Geheimnissen, bevölkert von Helden. Sie beschreiben die Entstehung der Welt und des Alls und den Beginn des Ackerbaus, sie erklären, warum es Krankheit, Leid und Tod gibt, warum Wohlstand und Reichtum oder Armut und Hunger herrschen, sie geben - wie viele Mythen - eine Antwort auf die ängstlichen und suchenden Fragen der Menschen. Sprecherin Lemminkäinen ist einer der zentralen Helden, ein schöner, starker junger Mann, ein Draufgänger und womanizer. Ein weiterer Held ist Väinämöinen, ein alter, weiser Barde mit magischer Stimme, und der mit Zauberkräften ausgestattete Schmied Ilmarinen. Sie leben in dem Land Kalevala. Im Norden von Kalevala liegt Pohjola, in dem die furchteinflößende, unheilbringende Hexe Louhi herrscht. Beide Länder begegnen sich immer wieder, mal im Frieden, mal im Krieg. Sprecher Finnland war über 700 Jahre lang ein Teil des Königreichs Schweden gewesen. Das Finnische galt als die Sprache der Bauern, die gebildete Oberschicht sprach Schwedisch. Doch im Jahr 1809 verlor Schweden den Krieg gegen Russland und musste Finnland an den Zaren abtreten. O-Ton Niedling 1 13.20 und man hat dann versucht, irgendetwas zu finden, das gezeigt hat, dass man eben eine eigenständige Gruppierung ist, man hatte die Angst, dass man sich in Russland assimiliert oder dass man aufgeht, und das wollte man unter allen Umständen verhindern. Es gab einen Historiker zu dieser Zeit, Adolf Ivar Arwidsson, der hat ein geflügeltes Wort gesagt, oder zumindest wird es ihm zugeschrieben, das heißt auf Deutsch übertragen: Wir sind keine Schweden mehr, Russen wollen wir nicht werden, lasst uns also Finnen sein. Sprecherin Dr. Christian Niedling ist Germanist an der Universität Turku in Südfinnland. Er hat zu Epen, besonders zum Kalevala intensiv geforscht. Er erläutert, dass Johann Gottfried Herder, der deutsche Philosoph der Aufklärung, großen Einfluss auf die gebildeten Stände in Schweden hatte. O-Ton Niedling 2 16:06 Da kommen jetzt die ganzen interessanten Gedanken von Herder ins Spiel, weil Herder hat unter anderem die Nation als Gemeinschaft dargestellt und für ihn war es wichtig, dass sich der Charakter einer Nation in ihrer Sprache und in ihrer Dichtung manifestiert. O-Ton Niedling 3 16:48 Und dann begann man eben in großem Stil, die finnische Volksdichtung zu sammeln. Sprecherin Auf elf entbehrungsreichen Forschungsreisen schrieb Elias Lönnrot nieder, was ihm die Menschen vorsangen. Er ordnete die Verse und arrangierte sie zu zusammenhängenden Narrativen. Die Veröffentlichung im Jahre 1835 traf einen Nerv. O-Ton Niedling 4 21:24 Das ist dann sozusagen der Beginn, wo die gebildeten Leute gesagt haben, OK, das ist jetzt unser Beweis, wir Finnen haben etwas Eigenständiges, wir haben unsere eigene epische Tradition, wir haben unsere eigenen Gesänge, wir haben eine Sprache, die zur Dichtung fähig ist. Wir haben auch eine eigene Geschichte, eben manifestiert auch in diesem Epos, und sofort hat man dann die Idee bekommen, dass eben dieses Kalevala, das Nationalepos ist. Sprecherin Die lutherischen Reformatoren im 16. Jahrhundert verpönten die Gesänge des Kalevala als heidnisch und abergläubisch. Nicht verwunderlich, lassen sich doch im Kalevala Aspekte von Schamanismus und Götzenverehrung entdecken. So verkümmerte die Liedertradition im westlichen Finnland. Anders in der östlichen Peripherie, weit entfernt von den gesellschaftlichen Zentren. Dr. Christian Niedling: O-Ton Niedling 5 29:18 Aber so richtig erhalten hatte sie sich nur noch in den karelischen Gebieten. Und auch da hat Lönnrot selbst gemerkt, dass da eigentlich diese alte epische Tradition langsam schon am Verblühen war. Also er kam praktisch gerade recht, um noch diese, die die Reste der reichhaltigen Sänger Tradition eben mit diesen mythenhaften Themen dann noch sammeln zu können, also wenn das ein paar 100 Jahre später gewesen wäre, wäre das auch dort dann verkümmert. Sprecherin Und so holte Elias Lönnrot aus der Peripherie das, was als "unverdorben" und "ursprünglich" die Identität des finnischen Volkes prägen sollte, eine Verbindung zu seinem archaischen, jahrhundertealten Erbe. O-Ton Niedling 7 38:37 Und Elias Lönnrot hat eben mit diesem Epos auch zur Schriftsprache einen einen wichtigen Teil geleistet. Es gab vorher vielleicht das Neue Testament auf Finnisch und es gab so einzelne religiöse und zum Teil auch profane Literatur. O-Ton Niedling 8 40:00 Man wollte also möglichst schnell den Status der finnischen Sprache heben und verbessern, es war ja keine Amtssprache, es war eben nur die Sprache der der ländlichen Schichten, auch wenn es die Mehrheitensprache war. Und diese ganzen schwedischen schwedischsprachigen Gebildeten in Finnland, die haben sich dann eben mehr oder weniger in Form der der Fennomanie, auf sprachliche Programme geeinigt und hat dann eben versucht, Finnisch als eine offizielle Sprache zu etablieren und das ist dann auch 1863 mit dem Sprachedikt gelungen. Zuspielung Sibelius, Lemminkäinen Suite, Der Schwan von Tuonela, unterlegt Sprecherin Das Kalevala wurde in Finnland mit Begeisterung aufgenommen. Es inspirierte die bildenden Künste, Architektur, Möbeldesign, Dichtung und Musik. Der finnische Komponist Jean Sibelius beispielsweise setzte immer wieder Episoden aus dem Kalevala in Tondichtung um, so mit der Lemminkäinen-Suite, in der er nicht nur die Abenteuer des schönen, draufgängerischen Helden musikalisch beschreibt, sondern auch den majestätischen Schwan, der auf dem dunklen Fluss des Totenreiches seine Bahnen zieht und dabei seinen wunderschönen Totenzauber singt. Zuspielung Sibelius, Lemminkäinen Suite, Der Schwan von Tuonela, ausblenden Sprecher Und auch auf die Malerei hatte das Kalevala großen Einfluss. Dem finnischen Künstler Akseli Gallen-Kallela war das Epos lebenslange Inspiration. Seine Darstellungen der Episoden des Kalevala und seine mythisch überhöhten Naturdarstellungen waren prägend und gaben Finnland ein Gesicht. O-Ton Groenewald-Schmidt 10 53:35 In der Zeit war sozusagen ein Repräsentant Finnlands, aber es wurde auch gesagt, dass er auch sehr weltmännisch auftrat. Also er sprach verschiedene Sprachen, sprach wohl auch Deutsch und auch das sozusagen konnte sein Land dadurch dann sehr gut repräsentieren, weil er eben genau eigentlich diese zwei Stränge, die man in Finnland eigentlich für sich als in der Nationwerdung als Bedeutung erfuhr, also dass man zum einen durch die eigene Kultur hat, eine sehr weit zurückreichende eben Geschichte mit dem Kalevala, aber dass man auf der anderen Seite auch durchaus international ist und in die andere Richtung schaut und Teil des westlichen Europas sein möchte als eine der Nationen, und das vereint er eigentlich in sich, in seiner Person, wie er war, wie er sich gegeben hat und was er malte. Sprecher Arnika Groenewald-Schmidt ist Kunsthistorikerin am Belvedere in Wien. Sie hat dort die Ausstellung "Akseli Gallen-Kallela. Finnland erfinden" kuratiert. Das Kalevala war aber nicht nur aus Gründen der nationalen Identität für Gallen-Kallela wichtig. O-Ton Groenewald-Schmidt 1 4:29 Also diese Suche nach dem Spirituellen ist auch etwas, was sich bei ihm durchzieht, ein ewig Suchender in verschiedenen Bereichen seines Lebens und ja, auch dort hat eben das Kalevala ihm viel Quellen der Inspiration geliefert. Sprecher So hat er 1893 das Gemälde "Das Schmieden des Sampo" geschaffen. Ilmarinen, der Schmied, starrt gebannt ins Feuer seiner Schmiede, in der der mythische Sampo Gestalt annimmt. Der Sampo? O-Ton Groenewald-Schmidt 3 26:19 Das oder der Sampo ist eben so die Frage, was ist das? Ist es jetzt ein Gerät, ist es ein Instrument? Es wird beschrieben als ein Objekt, was Reichtum und Macht bringt, und das wird eben geschmiedet von dem Schmied Ilmarinen auch wieder eben für die Herrscherin des Nordens Louhi. Eigentlich hat sie ihm dafür die Hand ihrer Tochter versprochen. Und wir sehen eben hier in diesem Bild, wie Ilmarinen mit seinen Gehilfen in einer Schmiede im Wald eben dieses geheimnisvolle Objekt schmiedet, aber man sieht es eben nicht. O-Ton Groenewald-Schmidt 4 27:11 Und Gallen-Kallela hat es auch nie, er hat ihm keine Form gegeben. Also hier sieht man eben nur das Feuer und man sieht hinten eine Kiste. Und dieselbe Kiste sehen wir dann auch bei der Verteidigung des Sampo auf dem Boot. Auch da sieht man eben nicht den Sampo an sich, sondern eben diese Kiste, wo das etwas drin ist. Sprecher Auf dem Gemälde "Die Verteidigung des Sampo" sieht man den Helden Väinämöinen, der mit hoch erhobenem Schwert den in einer Kiste verpackten Sampo gegen Louhi, die zauberkräftige Herrscherin des Nordlandes verteidigt. Er hat ihr den Sampo geraubt, damit auch das Land Kalela einmal von seinen Segnungen profitiert. Louhi hat sich in einen mächtigen Adler verwandelt und greift aus der Luft an. Im Kampf zerbricht der Sampo und versinkt im Meer. Doch seine Trümmer sorgen für den Reichtum des Wassers. Einige Bruchstücke werden an Land gespült, wo sie Väinämöinen aufsammelt. Denn er weiß, dass selbst diese Bruchstücke noch fruchtbar wirken. Zitator "Daraus kommt des Samens Sprießen, Wechselloser Wohlfahrt Anfang, Daraus Pflügen, daraus Säen, Daraus Wachstum jeder Weise, Daraus kommt der Glanz des Mondes, Kommt das Freudenlicht der Sonne Auf den weiten Fluren Finnlands, Auf Suomis Heimatsstrecken." O-Ton Groenewald-Schmidt 5 27.38 Also auch für Gallen-Kallela war wohl dieses Objekt auch wirklich so etwas Heiliges, dem man halt keine Form geben konnte sollte, und deswegen haben wir es immer nur in der Kiste bei ihm dargestellt. Sprecher Eines der bekanntesten und beliebtesten Gemälde von Akseli Gallen-Kallela ist die Ansicht des Keitele-Sees. Es zeigt die silbrige Wasserfläche des Sees im Licht des Mittsommers, die sich in einem Zickzackmuster kräuselt, am Horizont eine Insel und das bewaldete Ufer. Eine ganz normale finnische Landschaft. O-Ton Groenewald-Schmidt 7 45:14 Aber es gibt etwas, was eben an dieser Komposition unglaublich anziehend ist. Und es ist eben zum einen, es ist noch erkennbar, was es ist. Es ist ein See. Es ist hauptsächlich Wasser, eben mit dieser Insel und eben dann diesen hohen Horizont mit den Wolken und eben diesen niedrigen Ufer. O-Ton Groenewald-Schmidt 8 45:37 Aber zum anderen ist es auch schon in gewisser Weise eine Abstraktion von dem, was er sieht, von den Farben, von dem Gefühl, was man in der Landschaft hat. Sprecher Und es ist eine mythisch aufgeladene Landschaft. O-Ton Groenewald-Schmidt 9 46.18 Und wenn man noch mal zum Kalevala zurückkehrt, für Gallen-Kallela war eben ganz stark auch diese Verbindung Natur-Mensch was sich auch im Kalevala immer wieder in den Geschichten zeigt, ganz wichtig. Und da hat er sich eben auch selber drin wiedergefunden und deswegen ist auch in seinen, sagen wir mal puren Landschaften wie jetzt im Keitele-See ist für ihn auch der Mythos, die mythologischen Figuren präsent und hier beschreibt er eben selbst, dass diese Bahnen, die eigentlich ein meteorologisches Phänomen von Strömungen sind, hier eben in diesem Silbergrau gemalt, dass für ihn das die Spuren des Bootes von Väinämöinen sind, der eben am Ende von Kalevala Abschied nimmt, dann sozusagen für die neue Generation den Weg freimacht. Zitator Doch zurück ließ er die Harfe, Ließ das schöne Spiel in Suomi, Seinem Volk ließ ew'ge Freude, Großen Sang er seinen Kindern. Sprecherin So verlässt Vänämöinen das Land Kalevala. Er weiß, dass sein Zeitalter, die heidnische Welt der Mythen, an ihr Ende gelangt ist, dass mit der Christianisierung eine neue Ära anbricht, und er segelt davon, hinterlässt aber dem finnischen Volk seine Harfe und seine Gesänge. Sprecher Mit der Begeisterung für das Kalevala erwachte auch ein Interesse an Karelien, das als Schatzkammer der authentischen finnischen Kultur verklärt wurde. Und so erhielt die nationalromantische Bewegung, die das Kalevala auslöste, die Bezeichnung "Karelianismus". Hier glaubte man die versunkene Welt des Kalevala wiederzufinden. Hierhin pilgerte man, um dem Ursprünglichen zu begegnen. Auch Akseli Gallen-Kallela reiste nach Karelien, um seine Motive zu finden. O-Ton Groenewald-Schmidt 6 33:48 Das hat er eben wirklich dort gesehen und gemalt. Also das war für ihn dann wichtig, dass er eben das Kalevala, den Kalevalamythos auch wirklich dort verortet, wo soz…

    Full show notes at the publisher

    Wie Bäume sich verteidigen - Alles Natur Mar 21, 2025
    Show notes

    Bäume haben eine beruhigende Wirkung auf uns - ein Spaziergang durch den Wald reduziert Stress. Doch Bäume können auch wehrhaft und angriffslustig sein: Sie kämpfen um Platz, Licht und Ressourcen. Von Claudia Steiner (BR 2023)

    Credits

    Autorin dieser Folge: Claudia Steiner
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka
    Technik: Ruth-Maria Ostermann
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Joachim Kadereit, Evolutionsbiologe;
    Christine Messineo-Gleich, Botanischer Garten Augsburg;
    Markus Bennemann, Wissenschaftsjournalist und Buchautor.

    Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:

    Lianen - Unverwüstliche Kletterkünstler

    JETZT ANHÖREN

    Symbiosen - Vom Miteinander in der Natur
    JETZT ANHÖREN

    Der Borkenkäfer - Der Schädling, der Trockenheit und Fichten liebt
    JETZT ANHÖREN

    Linktipp:

    Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:
    BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

    Literaturtipps:
    Markus Bennemann, Böse Bäume, Goldmann;
    Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume, Heyne

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN


    Previous 1 71 72 73 74 75 221 Next

    Related Podcasts

    Making Sense with Sam Harris

    1

    Making Sense with Sam Harris Education
    Grammar Girl

    2

    Grammar Girl Education
    Good Life Project

    3

    Good Life Project Education
    Explain It to Me

    4

    Explain It to Me Education
    Team Never Quit

    5

    Team Never Quit Comedy
    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement

    6

    Optimal Living Daily – Personal Development and Self-Improvement Alternative Health
    footer-logo

    Contact Us

    Toll Free: 844-670-7747

    Links

    • Home
    • Top Charts
    • Networks
    • Apps
    • Independents Podcasts
    • Podcast Advertising
    • Podcast News
    • Contact Us
    • About Us
    • Analytics & Insights

    Stay Connected

      Privacy, Terms of Use & Our Code of Ethics Protecting Content Creators Copyrights