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    Latest Episodes:
    Hubschrauber und Multikopter - Die Geschichte der Drehflügler Apr 25, 2025
    Show notes

    Senkrecht abheben, schweben und woanders punktgenau wieder landen: Davon träumte der Mensch schon vor Jahrtausenden. Was im alten China als Spielzeug mit Vogelfedern begann, setzten Tüftler Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals als personentragende Hubschrauber um. Damit startete der Siegeszug der "Drehflügler". Seit kurzem erobern auch elektrisch angetriebene Multikopter den Luftraum. Von David Globig (BR 2024)

    Credits
    Autor dieser Folge: David Globig
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Christopher Mann
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Im Interview:
    Dieter Bals, Museumsleiter, Hubschraubermuseum Bückeburg;
    Dr. Robert Kluge, Kurator für die moderne Luftfahrt, Deutsches Museum, München;
    Prof. Ilkay Yavrucuk, Leiter des Lehrstuhls für Hubschraubertechnologie, Technische Universität München

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    Otto Lilienthal - Die Eroberung der Luft | radioWissen
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    Gustav Weißkopf - Erster motorisierter Pilot der Welt? | radioWissen
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    Amelia Earhart - Die tragische Heldin der Lüfte | radioWissen
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    Die Feder, ein Trick der Natur - Alles Natur | radioWissen
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    Endlich grün fliegen! - Geht das überhaupt? | IQ - Wissenschaft und Forschung
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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    "Moby-Dick oder Der Wal" von Herman Melville. Adventure Cut | BR | Hörspiel Pool
    Abenteuerhörspiel - Kapitän Ahab, seit dem Kampf mit Moby-Dick einbeinig, jagt das furchterregende Ungeheuer über die Weltmeere und wird am Ende von ihm in die Tiefe gerissen. Ismael, der Erzähler, ist der einzige Überlebende. Ob Film oder Musical, Kinderbuch oder Comic: Moby-Dick, der weiße Wal, ist ein Mythos. Adventure Cut der 10-stündigen Hörspielfassung Moby-Dick oder Der Wal. | Mit Rufus Beck, Felix von Manteuffel, Manfred Zapatka, Ulrich Matthes, Bernhard Schütz, Karsten Hübner, Rudolph Taruoura Grün u.a.
    JETZT ANHÖREN

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Die E-Gitarre - Der Sound aus dem Brett Apr 25, 2025
    Show notes

    1950 schraubte der Radio-Techniker Leo Fender in Kalifornien den Prototyp der "Telecaster" zusammen - die erste Stromgitarre. Damit war das richtige Instrument geboren, dass den Jazz wild und roh werden ließ - die Initialzündung für die Geburt des Rock and Roll - der Soundtrack für eine sich nach Veränderung sehnender Jugend. Von Christian Schaaf (BR 2011)

    Credits:
    Autor dieser Folge: Christian Schaaf
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Herbert Schäfer, Christiane Rossbach, Heinz Peter
    Technik: Roland Boehm
    Redaktion: Petra Hermann-Boeck
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema:

    • Jimi Hendrix - Virtuose der E-Gitarre
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    • Woodstock - Der rebellische Sound der Utopie
      JETZT ANHÖREN

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    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
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    Ausgetrocknete Flussbetten - Was kommt nach dem Wasser? Apr 24, 2025
    Show notes

    Flüsse und Bäche trocknen wegen des Klimawandels immer öfter aus. Dabei können sie ihre Dienste als Ökosystem nicht mehr leisten und viele Arten gehen verloren. In dem Projekt ?Dry River? machen europäische Forscher und Forscherinnen nun eine Bestandsaufnahme, um unsere Fließgewässer besser schützen zu können. Von Brigitte Kramer (BR 2024) CreditsAutorin dieser Folge: Brigitte KramerRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Rahel Comtesse, Friedrich SchlofferTechnik: Susanne HerzigRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Dr. Annika Künne, Geographin, Universität Jena; Professor Dr. Markus Weitere, Biologe, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Magdeburg;Professor Dr. Klement Tockner, Biologe, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main.Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Das Grundwasser - Schatz aus der TiefeJETZT ANHÖREN Die Pfütze - Ein Versteck zum ÜberlebenJETZT ANHÖREN Gartenteich - Paradies für Seerosen und CoJETZT ANHÖREN Weltnaturerbe Wattenmeer - Ökosystem im Wechsel von Flut und Ebbe JETZT ANHÖREN Der Ganges - Lebensader und HeiligtumJETZT ANHÖREN Der Auwald - Lebensraum am FlussJETZT ANHÖREN Die Philosophie des Meeres - Von Tiefen und UntiefenJETZT ANHÖREN Der Brunnen - Errungenschaft der ZivilisationJETZT ANHÖREN Linktipp: Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ATMO 1 Rauschender, großer Fluss, etwas stehen lassen SPRECHERIN darüber Wassermassen drängen sich durch die Landschaft ... mal als in der Sonne glitzerndes Band, mal als graugrüner, tosender Strom … immer weiter, dem Meer entgegen. ATMO 1 freistellen An ihren Ufern sind Siedlungen entstanden, aus denen später Städte wurden. Felder und Weiden wurden angelegt, später Industrieanlagen, dann kamen Talsperren, Kanäle und Begradigungen … Flüsse gehören zu den von uns am stärksten veränderten Ökosystemen. Für den Menschen sind sie jedoch lebenswichtig. ATMO 1 freistellen, dann weg Zur Übernutzung, Verunreinigung und massiven Eingriffen in die Natur kommen jetzt auch noch die Folgen des Klimawandels: Weltweit steht es schlecht um Flüsse und Bäche. Ihnen fehlt das Wasser. Viele von ihnen fallen trocken, verschwinden, versickern oder enden als jämmerliche Rinnsale. Was passiert, wenn Flussbetten vorübergehend austrocknen? Was geht dabei verloren, und was kommt danach? Professor Klement Tockner von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung erklärt, was ein gesunder Fluss alles leistet: O TON 1 Klement Tockner Eine der wichtigsten Leistungen ist die Selbstreinigungskraft, das heißt das Entfernen von Nähr- oder auch von Schadstoffen an der Gewässersohle, um eben sauberes Trinkwasser für uns Menschen bereitzustellen, um Wasser für die Landwirtschaft bereitzustellen. Dazu kommt auch, dass das Gewässerbett ein ganz wichtiger Lebensraum zum Beispiel für Insektenlarven, aber auch für Jungfische ist. Musik: Questions an decisions 0‘40 SPRECHERIN Die „Reinigungsleistung“ entsteht zum einen durch die Fließbewegung, bei der das Wasser auf den Grund gedrückt und den Organismen dort zugespült wird. Diese reinigen das Wasser, zum Beispiel, indem sie es durch ihre Kiemen fließen lassen und dabei Nahrungspartikel herausfiltern - so wie es die Flussperlmuschel tut. Die Selbstreinigung eines Flusses findet zudem auch an der Gewässeroberfläche statt, in einem Biofilm, den Mikroorganismen unter Sauerstoffverbrauch bilden. Gesunde Flüsse leisten aber noch mehr: O TON 2 Klement Tockner Die Gewässer sind natürlich auch ein ganz zentraler Erholungsraum für uns Menschen. Das Gurgeln oder das Rauschen eines Baches hat eine positive Auswirkung auf unsere Wahrnehmung unserer Umwelt. Das sind alles zentrale Leistungen, die Gewässer für uns bereitstellen. ATMO 2 Plätschernder Bach etwas stehen lassen, dann Blende Musik: Surviving victims 1‘09 SPRECHERIN darüber Wenn sie diese „zentralen Leistungen“ nicht mehr erbringen können, haben wir Menschen ein massives Problem: Nicht nur wegen des Trinkwassers. Fallen Flüsse bei uns trocken, zeitweise oder stellenweise, sterben viele Arten, die in ihrem Ökosystem gedeihen. Musik 3 hoch Denn im Gegensatz zu anderen Regionen der Erde, wo das Austrocknen eines Flusses zu seinem natürlichen Zyklus gehört und die Arten sich daran angepasst haben, brauchen in Mitteleuropa viele Tier- und Pflanzenarten eine Rückzugsmöglichkeit in feuchte oder nasse Lebensräume. In die „hyporheische Zone“ zum Beispiel, die Übergangszone im Sediment zwischen Grundwasser und Fließgewässer. Doch die ist oft auch trocken, weil der Grundwasserspiegel stetig sinkt. Das ist gravierend, weil Flüsse Hotspots der Vielfalt sind und zu den wertvollsten Ökosystemen überhaupt gehören: Sie bedecken zwar nur ein Prozent der Landoberfläche, dienen aber zehn Prozent der Arten als Lebensraum. Musik 3 weg. Das Ökosystem Fluss ist also weit mehr als nur das fließende Band, das wir wahrnehmen: O TON 3 Annika Künne Um sich das überhaupt besser vorstellen zu können, muss man eigentlich wissen, dass das Gewässer oder Flussbett auch den Bereich unter und neben dem Fluss, also auch die Flussauen mit einschließt. Also eine Zone, wo eine Interaktion stattfindet zwischen dem oberflächlichen Wasser, was wir dann als Bach oder Fluss wahrnehmen, und natürlich auch dem Grundwasser. Musik: Absorbed in thought 0‘34 Atmo Bach/Fluss SPRECHERIN drüber Flüsse und Bäche sind nichts anderes als zutage tretendes Grundwasser: Es kommt in Quellen an die Oberfläche und bildet dann ein oberirdisches Gewässer. Fließgewässer brauchen eine intakte Uferlandschaft, erkennbar zum Beispiel an Auenwäldern, in denen in unseren Breitengraden Brennessel oder Bärlauch wachsen. Diese Uferstreifen wirken bei Hochwasser wie ein Schwamm, bei Niedrigwasser geben sie Wasser in das Flussbett zurück. Musik 1 runter Dr. Annika Künne ist Geologin und arbeitet mit Klement Tockner zusammen an einem internationalen, von der EU finanzierten Projekt, das erstmals den Zustand von Flüssen erfasst: O TON 4 Annika Künne Eben weil dieses Trockenfallen vielleicht in Räumen, wo das früher nicht so häufig aufgetreten ist, wurde das auch wissenschaftlich etwas stiefmütterlich behandelt. Und deswegen haben wir dementsprechend wenig Methoden. Man hat Ansätze, aber man hat noch nicht so viel Analysen, dass man das wirklich ganz genau quantifizieren kann. SPRECHERIN Konkret geht es bei dem Projekt „Dryver“ – der Begriff ist eine Zusammensetzung / aus den Worten… dry, trocken und river, Fluss – um die Erforschung von sechs Flusseinzugsgebieten in Europa – Spanien, Frankreich, Ungarn, Kroatien, Tschechien und Finnland –, und drei in Lateinamerika. 25 Experten aus 11 Ländern sammeln Daten und geben dann Empfehlungen und Strategien heraus für ein anpassungsfähiges Management von Fließgewässern. Die von 2018 bis 2022 fast durchgehende Dürre hat vielen Menschen in Europa gezeigt, wie schnell das Wasser ausgehen kann: O TON 5 Annika Künne Auch hier wird es einfach stärker. Und es gibt Veränderungen, also sowohl der Wasserqualität als auch Wassermangel. Und was wir schon sehen können, ist ein Artenrückgang. Musik: Bleak and droughty 0‘46 SPRECHERIN Trockenfallende Flüsse sind ein weltweites Phänomen, das in Polargebieten, im Hochgebirge oder in karstigen Regionen immer schon aufgetreten ist. Weltweit fallen 51 bis 60 Prozent der Flüsse regelmäßig, vorübergehend, trocken. In besonders trockenen Gebieten der Erde, wie in Indien, Westaustralien oder der afrikanischen Sahelzone, sind es laut den Modellierungen des Forschungsprojekts Dryver sogar 99 Prozent der Fließgewässer. Aber auch in den kühlgemäßigten und feuchten Klimazonen trocknen fast ein Drittel der Fließgewässer immer wieder aus. Wenn man kleine Bäche mitzählt, sind es hier sogar mehr als die Hälfte der Wasserläufe. O TON 6 Annika Künne Bisherige Schätzungen zeigen, dass diese Probleme auch weiter zunehmen werden. Mechanismen kann man dabei noch nicht ganz genau abschätzen, zum Beispiel ab wann ein Fluss bestimmte Funktionen nicht mehr erfüllen kann. MUSIK Surviving victims 0‘13 SPRECHERIN drüber, dann weg Auch große Flüsse wie der Nil, der Gelbe Fluss in China oder der Rio Grande in den USA führen immer weniger Wasser. O TON 7 Klement Tockner Das hat natürlich dann massive Konsequenzen nicht nur für die Natur, sondern auch für die Wasserversorgung, für die Menschen, für die Schifffahrt oder für die Kühlung von Industrieanlagen. Und das nimmt zu, weil wir auf der einen Seite eine Verschiebung des Niederschlagsregimes haben und andererseits eine zunehmende Übernutzung der Gewässer. Musik: Complex questions 0‘38 SPRECHERIN Die Zusammenhänge sind komplex, wie alles bei der Klimakrise - weil eben alles ineinandergreift. Die Zeiten für Regen verändern sich, die Niederschlagsmenge ebenso. Es gibt mehr Starkregen. Sommer und Herbst werden in Mitteleuropa tendenziell trockener. Wegen der erhöhten Temperaturen auf der Erde brauchen wir mehr Wasser, zum Trinken und zum Bewässern und auch für die Energiewende. Und auch weil die Welt sich immer weiter industrialisiert, beziehungsweise digitalisiert. Zum Beispiel entstehen immer mehr Rechenzentren, und die brauchen Wasser zur Kühlung. Dazu kommen die Herausforderungen der Energiewende Stichwort Wasserstoffwirtschaft: In der zukunftsträchtigen Wasserstoffwirtschaft sollen fossile Energieträger durch grünen Wasserstoff ersetzt werden. Grüner Wasserstoff wird mit Strom aus erneuerbaren Energien anhand von Elektrolyse von Wasser hergestellt: Das Wasser wird in seine Elemente Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Für die Produktion von einem Kilo Wasserstoff sind mindestens neun Kilo Wasser erforderlich. Alles dreht sich also um's Wasser. Annika Künne: O TON 8 Annika Künne Wir sehen, dass die Grundwasserstände an mehreren Stellen seit ungefähr zehn Jahren drastisch zurückgehen, und zwar so drastisch, dass man von einer Grundwasserdürre reden kann. Und das sieht man ja nicht. Das Grundwasser ist ja, bleibt ja irgendwie unsichtbar. Und das nächste ist Grundwasserqualität. SPRECHERIN Grundwasser ist Trinkwasser, da muss die Qualität stimmen. Oberirdisch kann man den Missstand mit bloßem Auge erkennen – in den Flüssen und Bächen. Professor Dr. Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung beschreibt, was vor dem Austrocknen eines Fließgewässers passiert – also bei Niedrigwasser. Ein Symptom ist ... O TON 9 Markus Weitere … dass die Auen tatsächlich richtige trockene Symptome zeigen. Also Vegetation wird oft trocken, die Gewässer in den Auen gehen zurück oder verschwinden auch ganz. SPRECHERIN Der Fluss trocknet sozusagen vom Rand her aus. O TON 10 Markus Weitere Im nächsten Schritt was passiert ist, dass das Wasser schlicht und ergreifend erstmal langsamer fließt. Da hängt zum Beispiel auch so was wie die Reinigungsleistung dran, weil dafür ist es ganz wichtig, dass sich das Wasser einfach stark bewegt. Wenn jetzt geringer Abfluss zusammenkommt mit vielleicht einer sommerlichen Hitzewelle, auch dann kann es zu ganz unterschiedlichen Prozessen im Gewässer kommen. Es können sich zum Beispiel sehr stark Algen entwickeln, die dann am Ende wieder auch zu einer Sauerstoffzehrung führen und zum Problem werden. Im Extremfall kann es dann zum Fischsterben kommen. SPRECHERIN Wie in der Oder im Sommer 2022, Musik: Sad water 0‘24 als mehrere hundert Tonnen toter Fische im Fluss trieben. Eine giftige Alge hatte die Fische umgebracht. Dazu war das Wasser sehr warm und, weil der Fluss wenig Wasser führte, war die Schad- und Nähstoffkonzentration sehr hoch, darunter die Konzentration von Salz, das aus schlesischen Kohlegruben in die Oder geleitet wurde. Musik weg Für Markus Weitere ein Szenario, an das wir uns gewöhnen müssen, wenn wir nicht eingreifen: O TON 11 Markus Weitere Wir haben Wasserdefizit aufgebaut und haben dadurch auch so ein gewisses Fenster in die Zukunft bekommen. In das, was uns eigentlich erwartet. Und was wir da gesehen haben, ist, dass viele Gewässer tatsächlich anfällig waren. Aber es gibt eben auch eine ganze Menge Gewässer, denen das offensichtlich nicht so viel angetan hat. SPRECHERIN Kann man Flüsse vor dem Austrocknen schützen? Ja, kann man, mit „anpassungsfähigem Management von Fließgewässern“, wie das im Dryver-Projekt heißt. Auch schon das, was vor dem Trockenfallen passiert, muss vermieden werden: Algenbildung, Fischsterben, Schadstoffkonzentration. O TON 12 Markus Weitere Wir sehen da zumindest drei Bedingungen, die das beeinflussen. Das eine ist das Einzugsgebiet, das heißt, kann das Einzugsgebiet viel Wasser aufnehmen, wenn es denn ein Starkregenereignis gibt und das dann dosiert auch abgeben das Wasser in Phasen der meteorologischen Dürre? Das zweite ist die Gewässerbelastung, die chemische Belastung. Also sind die Gewässer schon vorbelastet. Das ist das, was wir in der Oder erlebt hatten. Und es kommt auch auf die Struktur des Gewässers an, da spielt zum Beispiel auch der Randstreifen eine ganz wichtige Rolle. Geht das Gewässer durch den Wald, das heißt fällt Schatten auf die Gewässer. Und das ist ganz wichtig dabei, dass sich das Gewässer eben nicht zu stark erwärmt bei einer sommerlichen Hitze. SPRECHERIN Dabei haben wir Menschen das Wasser aus der Landschaft jahrhundertelang abgeleitet, haben Kanäle gezogen, Flüsse begradigt, Feuchtgebiete trocken gelegt, Barrieren, Talsperren eingebaut, die Flüsse regelrecht zerstückelt, Ufer versiegelt. So geht eine Menge wertvolles Regenwasser verloren: Es fließt ungenutzt dem Meer entgegen. Musik: Light footed 0‘44 Naturnahe Flüsse halten sowohl Hochwassern als auch Dürreperioden am besten stand: O TON 13 Klement Tockner Ein unverbauter Fluss, ein unverbauter Bach hat eine Vielzahl an Lebensräumen, tiefe Stellen, also Gumpen, die kaum austrocknen. Grundwassereintritte, die kühl bleiben. MUSIK 2 hoch Vielfältige Zuflüsse, die wiederum unterschiedlich reagieren. MUSIK 2 hoch Und wie in der Finanzwirtschaft sprechen wir auch in der Ökologie von einem sogenannten Portfolio-Effekt. Das heißt, je vielfältiger ein System ist, desto resistenter ist es gegenüber Schwankungen. Musik: Surviving victims 0‘25 SPRECHERIN drüber Unverbaute Fließgewässer gibt es in Europa nur noch sehr wenige. Gerade mal neun Prozent sind in Deutschland in einem guten ökologischen Zustand. Dabei schreibt die europäische Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 vor, dass ... ZITATOR ... „alle Mitgliedstaaten der EU verpflichtet sind, bis 2015 und in Ausnahmefällen bis 2027 alle Gewässer in einen „guten ökologischen“ und „guten chemischen Zustand“ zu bringen. Für Grundwasser ist ein „guter mengenmäßiger“ und „guter chemischer Zustand“ zu erreichen. ATMO 3 trauriges Gegurgel hoch, etwas stehen lassen SPRECHERIN drüber Die Erfüllung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie scheint heute utopisch. Die Zusammenhänge sind komplex und die Lösungen weitgreifend. In Bayern erwärmen sich Fließgewässer um durchschnittlich etwa ein halbes Grad in zehn Jahren. Das haben Messungen des Landesamts für Umwelt seit 1980 ergeben. In der Umgebung von Frankfurt fallen Bäche, die aus dem Taunus fließen, trocken, auch in Brandenburg trocknen im Sommer viele Bäche aus. Dort fallen nur etwa 500 Millimeter Regen pro Jahr, und die Niederschläge verschieben sich: Es gibt kürzere, feuchtere Winter und längere Sommer mit langen Trockenzeiten, wie sie eigentlich in südlichen Regionen typisch sind. O TON 14 Annika Künne Also es gibt dann eben Grenzen, wo man sagt okay, das hält in der jetzigen Zeit, wo es einfach unter Klimawandel häufiger zu Trockenfallen kommt und auch das Trockenfallen länger anhält, führt das ein…

    Full show notes at the publisher

    Flugzeuge - Warum sie oben bleiben Apr 24, 2025
    Show notes

    Die Schwerkraft überwinden - schon fliegen wir. In der Praxis steckt genau im Überwinden der Schwerkraft aber die Kunst. Auf welche physikalischen Gesetze es ankommt, damit tonnenschwere Flieger abheben, mussten Flugpioniere mühsam herausfinden. Von Inga Pflug CreditsAutorin dieser Folge: Inga PflugRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Hemma MichelTechnik: Roland BöhmRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Maximilian Wechner, Technische Universität München, Lehrstuhl für FlugsystemdynamikMichael Zintl, Technische Universität München, Lehrstuhl für FlugsystemdynamikProf. Dr.-Ing. Florian Holzapfel, Professor für Flugsystemdynamik an der Technischen Universität München, Lehrstuhl für FlugsystemdynamikDr. Robert Kluge, Luftfahrt-Kurator am Deutschen Museum in München Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Wilbur und Orville Wright - Zwei Brüder wollen hoch hinausJETZT ENTDECKEN Auf Wanderschaft - Wie Zugvögel ihren Weg findenJETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Im Podcast "Ein Zimmer für uns allein" mit Host Paula Lochte treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit. Was waren ihre Struggles damals und heute? Was hat sich verändert, oder vielleicht sogar verbessert?JETZT ENTDECKEN Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecherin 1 [beschreibend]: Landeanflug auf München. Durch die schmalen Scheiben des Flugzeugcockpits lassen sich am Horizont einige grau-weiße Gebäude in der Landschaft erahnen. Das Wetter ist gut, keine Wolken versperren die Sicht. 01 Wechner: So, also wir sind jetzt (quasi) im Anflug, auf die null acht links, also (quasi) auf die Nordbahn in München sind im Moment sechs nautische Meilen entfernt und machen jetzt (quasi) den Anflug auf München. Ich würde empfehlen, vor allem fürs erste Mal wahrscheinlich so ein bisschen je nachdem zu richten, was auf den Instrumenten ist, weil die ja schon ganz gut unterstützen. Sprecherin 1: Große Monitore zeigen die aktuellen Flugparameter an, erklärt Maximilian Wechner, Wissenschaftler an der TU München, der heute für den Flug verantwortlich ist und weiß, wie all die Instrumente im Cockpit zu lesen sind. 02 Wechner: Auf der linken Seite haben wir einmal des Geschwindigkeitsband, da sehen wir, dass sie gerade 140 Knoten fliegen. Auf der rechten Seite haben wir dann auch unser Höhlenband. Wir sind auf 3340 Fuß und daneben noch unsere Vertikale Geschwindigkeit in Fuß pro Minute. Sprecherin 1: Und weil die heutige Test-Pilotin eigentlich Radio-Reporterin ist und zum allerersten Mal in ihrem Leben in einem Flugzeugcockpit sitzt, gibt es von Maximilian Wechner auch noch einen Crashkurs im Steuern, sprich der Bedienung der wichtigsten Schalter und Hebel. 03 Wechner: Wir haben einen Joystick oder nen Sidestick auf der Seite, wenn wir den ziehen, geht die Nase nach oben vom Flugzeug. Wenn wir drücken, geht die Nase nach unten. Das heißt, damit steigen wir oder sinken wir. Wenn wir nach links drücken oder nach links ziehen, dann quasi drehe wir uns nach links mit dem Flugzeug, machen dadurch letztendlich eine Kurve und nach rechts genauso nach rechts eine Kurve. Sprecherin 1: Und dann wird es auch schon ernst. Zum Glück nur virtuell, im Flugsimulator. 04 Zintl: Also wir müssen jetzt nach vorne und links, weil wir nach rechts jetzt wegdriften. Nach links, genau. Sprecherin 1: Denn auch wenn noch zahlreiche Helferlein eingeschaltet sind und Maximilian Wechner und sein Kollege Michael Zintl den Landeanflug unterstützen: Das Flugzeug im idealen Anflugkorridor zu halten, ist gar nicht so einfach. 05 Zintl/Wechner: Das Gute ist, wir sind relativ weit weg von der Landebahn, also wenn wir jetzt ein bisschen schief sind, das könnte sich noch gut ausgehen. // Jetzt am besten nach rechts korrigieren. Sprecherin 1 [hektisch/kritisch]: Das Flugzeug schwankt und schaukelt – Passagiere an Bord einer echten Maschine hätten längst bemerkt, dass etwas nicht stimmt. 06 Zintl/Wechner: Das ist Stress. So, jetzt würd ich das Flugzeug einmal gerade ausrichten, genau und jetzt einfach geradeaus fliegen. / ((Einmal nach rechts ausrichten, weil sonst überschießen wir wieder. Also)) Joystick nach rechts. Mehr, mehr, mehr, mehr. Jetzt überschießen wir nämlich schon wieder (lacht) Sprecherin 1 [hektisch/angespannt]: Mit jeder Aktion am Joystick verändert sich die Lage des Flugzeugs im Raum – alle Bewegungsachsen reagieren gleichzeitig – und dann ist da auch schon die Landebahn. 07 Zintl/Wechner/Autorin: Nase nach unten nehmen, Flugzeug gerade halten, also nach rechts. / Also die Landebahn ist lang, es könnte sich schon noch ausgehen. Nase nach unten, also ein bisschen nach vorne drücken. Und das Flugzeug gerade ausrichten. / nach hinten ziehen, nach hinten ziehen. / Wir sind am Boden. (Erleichtertes Lachen) – es ist wirklich stressig. [Ende Atmo Flugsimulator] Musik: Perfectly precise (red.) 0‘20 Sprecherin 2: "Fliegen können heißt Landen können" – dieses geflügelte Wort aus der Flugausbildung bestätigt auch Florian Holzapfel, Professor für Flugsystemdynamik an der Technischen Universität München, zu dessen Lehrstuhl der Flugsimulator gehört: 08 Holzapfel: Beim Starten steh ich ja auf der Startbahn, die Nase zeigt in die Richtung. Das heißt, ich muss erst einmal einfach bloß gerade aus. Und wenn ich schnell genug bin, fliege ich. Wenn ich mal in der Luft bin, ist das Fliegen das Einfachste, was überhaupt gibt. Weil wenn ich weit genug von Hindernissen weg bin, kann ich nirgends dagegen dengeln. Beim Landen müssen Sie mit relativ großer Geschwindigkeit einen relativ kleinen Streifen treffen, die Landebahn. Und dann gibt's so böse Sachen wie Böen und Turbulenz und Winde, die Sie daran hindern. Und es wird umso anspruchsvoller, je kleiner die Landebahn wird und je größer die Geschwindigkeit, mit der sie auf die Landebahn zufliegen müssen. Sprecherin 2: … beschreibt der Professor, der selbst eine Flugausbildung hat. Wobei: So ganz trivial ist das mit dem Fliegen und Abheben dann eben doch nicht. 09 Holzapfel: Also Fliegen heißt ja jetzt einfach mal, dass wir die Schwerkraft überwinden müssen, weil bei uns auf der Erde wirkt natürlich überall die Schwerkraft, die kann man nicht ab schalten. Und die Frage ist jetzt wie erzeugt meine Kraft, die der Schwerkraft entgegenwirkt und halt genau in die entgegengesetzte Richtung geht… Sprecherin 2: … und dafür gibt es zwei Grundprinzipien. Das erste ist der Archimedische Auftrieb, den etwa Ballonfahrer nutzen. 10 Holzapfel: Das is quasi über Unterschiede in der Dichte. Das ist der archimedische Auftrieb, den alle kennen, wenn man sich in die Badewanne setzt oder in Swimmingpool reinen hüpft. Und auf der anderen Seite haben wir den dynamischen Auftrieb. Atmo Skateboard Sprecherin 2: Und der nutzt das physikalische Prinzip der Impulserhaltung, veranschaulicht Florian Holzapfel mit einem Beispiel: 11 Holzapfel: Wenn Sie auf einem Skateboard stehen. Und sie haben einen schweren Pflasterstein in der Hand und Sie schmeißen den Pflasterstein runter. Dann wird das Skateboard ja anfangen, sich zu bewegen, weil Sie als Reaktion zu der Tatsache, dass Sie ja diesen Pflasterstein beschleunigen, eine Kraft erzeugen, die Sie dann auch vorantreibt. Sprecherin 2: Um permanent mit dem Skateboard fahren zu können, müsste der Skater in diesem Bild aber permanent Steine werfen. 12 Holzapfel: Mit unserem Flieger fliegen wir in der Atmosphäre, des heißt wir haben ständig Luft um uns herum. Und jetzt können wir natürlich den Trick machen, dass wir die Masse, die wir in dem Fall nach unten schmeißen, weil wir eine Kraft nach oben haben wollen, den sogenannten Auftrieb, diese Masse, die klauen wir uns einfach aus der Luft, die um den Flieger herum ist. Sprecherin 1 [einwerfend]: Dabei kommt es auf die Form der Tragflächen an, die wir uns später noch näher anschauen. Sprecherin 2: Das Profil der Flügel verursacht bestimmte Effekte, es geht um Druck und Geschwindigkeit… 13 Holzapfel: Aber in letzter Konsequenz machen wir nichts anders, als dass wir Luftmasse nach unten schmeißen. Und als Reaktion zum Luftmasse-nach-unten-Schmeißen, haben wir dann eben eine Gegenkraft und diese Gegenkraft, die ist der Auftrieb. AKUSTISCHER TRENNER [z.B. Flughafendurchsage, Aufruf zum Boarding o.ä.] ATMO Museum Sprecherin 1: Ortswechsel: Das Deutsche Museum in München, die Luftfahrthalle auf der Museumsinsel. Flug-Utensilien, wohin das Auge reicht: Hier stehen Flugzeuge und Hubschrauber, da schwebt ein Gleitflugzeug unter der hohen Decke. Dort veranschaulicht eine Tafel, wie die Luft in größeren Höhen immer dünner wird, drüben reihen sich Propeller in unterschiedlichsten Formen aneinander. Ein Doppeldecker dreht – aufgehängt an starken aber kaum sichtbaren Stahlseilen – zwischen zwei Geschossen einen Looping und abenteuerliche Geräte, die aussehen, wie geflügelte Fahrräder oder Seifenkisten mit Flügeln scheinen durch die Luft der Halle zu schweben. Fliegen, das wird hier klar, ist/war schon immer ein großer Menschheitstraum. 14 Kluge: Luft ist das letzte Element, das der Mensch sich erarbeitet, erobert hat. Sprecherin 1: … sagt Luftfahrt-Kurator Robert Kluge. 15 Kluge: Man geht davon aus, dass so die allerersten Versuche wohl möglicherweise von den Chinesen durchgeführt worden sind, im Rahmen von Drachen. Also chinesische Drachen sind ja was relativ bekanntes. Und die haben sich dann auch draufgelegt und dann quasi wie so einen Kastendrachen, den man heute im Herbst als Kind steigen lässt, sich da schon nach oben tragen lassen. Also das könnte durchaus sein, es ist nicht belegt, aber dass das so die ersten waren, die das wirklich gemacht haben. Musik: C1611230120 Mystic tendency (a) 0‘42 Sprecherin 1: Auch Sagen und Mythen bezeugen – über Kulturen hinweg – eine langewährende Faszination für die Bewegung im Luftraum: Die alten Mayas und Azteken kannten die Gottheit Quetzalcoatl, die gefederte Schlange. Liebesgott Amor trägt Flügel, der griechische Götterbote Hermes Flügelschuhe. Pegasus ist ein geflügeltes Pferd, In der Wieland-Sage werden Flügel zur Flucht geschmiedet und in der wohl berühmtesten aller Fluglegenden stürzt Ikarus ins Meer, weil er mit seinen Flügeln aus Federn und Wachs im Übermut der Sonne zu nah kommt. 16 Kluge: Es ist bewiesen, dass der Mensch mit seiner dürftigen Brustmuskulatur es nicht schaffen würde, selbst gefiederte Arme so stark zu schwingen, dass er nach oben kommt und sich auch oben hält. Aber Ikarus ist ein schönes Beispiel für Mythen, für Märchen, also alle möglichen Märchen. Denken Sie an Hexen auf Besen, die durch die Gegend fliegen, also all so was hat immer schon in der Menschheit eine Rolle gespielt und war eine gewisse Grenzüberschreitung, die aber vor allem in der Fantasie stattgefunden hat. Sprecherin 1: … beschreibt Flugexperte Kluge. Bis die Flug-Fantasien in die Tat umgesetzt wurden, hat es wohl über Jahrtausende gedauert. Berühmte Belege für Versuche sind mehr als 500 Jahre alt: 17 Kluge: Es sind so die allerersten Versuche oder Ideen, die schriftlich fixiert worden sind, bei Leonardo da Vinci zu finden, mit seiner – auch wieder Muskelkraft, weil keine anderen Alternativen da waren – also Muskelkraft angetriebenen Hubschrauber-Konstruktionen oder eben auch Schwingenflügler. Er hat also auch schon relativ intensiv, die Rotmilane oder Raubvögel beobachtet, und immer wieder der Gedanke weitergetragen: Ja, es muss doch irgendeine Möglichkeit geben. Sprecherin 1: … für die aber damals noch die technischen Möglichkeiten fehlen. 18 Kluge: Und Otto Lilienthal war dann tatsächlich der erste, der systematisch den Storchenflug beobachtet hat, und systematisch Apparate entwickelt hat, um Messungen durchzuführen, bis er dann eben 1891 den ersten bemannten Menschenflug durchgeführt hat. Musik: Stummfilm 0‘22 Sprecherin 1: Gerade einmal 25 Meter weit geht dieser Gleitflug von einem Hang Musik: Flying machines 0‘38 – und doch wird der Lilienthal-Gleiter quasi das erste in Serie gebaute Flugzeug der Welt: "Normal-Segelapparat" nennt Lilienthal das Modell, das er für den "Fliegesport" als geeignet erachtet: Der Apparat besteht im Wesentlichen aus einem hölzernen Gestell und stoffbespannten Rippen aus Weidenruten als Flügeln, zwischen denen der Pilot in der Mitte eher hängt als sitzt. Zum Abheben läuft der Flieger mit angelegtem Fluggerät gegen den Wind los – und setzt bei der Landung im Idealfall mit den Füßen wieder auf. 19 Kluge: Ich glaube, das Wichtige war, tatsächlich das einer eben erst mal das so geschafft hat. Und daraus ging es dann relativ schnell, also, als das mit dem Erstflug von Lilienthal geschafft war und die Brüder Wright diese Informationen aufgenommen haben, weiterentwickelt haben. Dann ging das doch relativ flott. Sprecherin 1: …umreißt der Experte mit Pilotenlizenz die Entwicklung ab 1891. 20 Kluge: Man sieht das ja: 1903, der erste Flug der der Brüder Wright und 1914 der ersten Kampfflugzeuge. Und wie schnell ging das, Passagierflugzeuge für bis zu 20 Personen zu bauen. Jetzt stehen wir hier vor der JU52, die ist 1932 zum ersten Mal geflogen. Bis ein paar Jahre später sind wir dann 1969/70 beim ersten Jumbojet, der schon bis zu 400, 500 Leute fassen kann. Oder A380 jetzt. Das sind 100 Jahre gut. Das ist schon eine unheimlich schnelle Zeit im Vergleich zur Menschheitsgeschichte. Aber es brauchte eben die Initialzündung, von der aus sich das dann alles entwickelt hat. AKUST TRENNER [z.B. Flugzeug-Motor, Start/Landung] Sprecherin 2: Aber nochmal einen Schritt zurück, zu den systematischen Untersuchungen von Lilienthal: Er beobachtet nicht nur, was ein Vogel macht, um durch die Luft zu gleiten, sondern nutzt auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse, um zu verstehen, warum es funktioniert. 21 Kluge: Luft ist ein Medium. Man kann darin Strömung erzeugen. Strömung wird erzeugt durch Wind, wenn man eine Fläche durch diese Luft bewegt. Man kann das mit einem ganz einfachen Experiment, was viele Kinder auch machen: Autoscheibe, runterkurbeln und Hand angestellt nach draußen halten. Hat man eine gewisse Art Windkanal und merkt die Hand wird nach oben weggetragen. Das ist im Grunde genommen nach Newton "Aktio gegengleich Reaktio", also es wird eine Kraft ausgeübt, und es ergibt sich daraus eine Kraft nach oben. Sprecherin 2: So wie beim Skateboard, das sich durch den nach hinten geworfenen Pflasterstein nach vorne bewegt. Lilienthal erkennt aber auch, dass Vogelflügel eine besondere Form haben, ein sogenanntes Profil, das im Luftstrom den Auftrieb erzeugt: 22 Kluge: Das Profil selber ist was Gewölbtes. Und das hat eben Lilienthal erkannt, indem er die Flügel von den Störchen sich genau angeguckt hat. Die sind also gewölbt, nach innen und an manchen Stellen noch etwas dicker. Und das zu Ende gedacht, ergibt dann eben das Tragflügel-Profil, das sich dann in verschiedenen Variationen für verschiedene Geschwindigkeiten, also Strömung, Geschwindigkeit all das spielt mit rein, Luftdichte natürlich, aber vom Prinzip her erst mal brauchen Sie eine gewölbte Fläche, an der die Strömung oben schneller vorbeifließt als unten. Und diese beiden Effekte zusammen, dass eine eben die Strömungsgeschwindigkeit um den gewölbten Tragflügel herum (nach Bernoulli) und (Newton) abgelenkte Strömung nach hinten unten, das zusammen ergibt den Auftrieb. Sprecherin 2: Lilienthal findet auch heraus: Damit ein Auftrieb entsteht, muss außerdem der Anströmwink…

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    William Turner - Maler der Zukunft Apr 23, 2025
    Show notes

    William Turner (1775-1851) ist einer der erstaunlichsten Maler der Kunstgeschichte. Weit vor der Erfindung der Abstraktion lösen sich die Konturen seiner Malerei bereits in Farbwolken und Lichteffekten auf. Zugleich gilt der Turner als Chronist der frühen Industrialisierung seiner englischen Heimat. Von Julie Metzdorf (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Thomas Loibl, Ditte Ferrigan, Christian Schuler
    Technik: Fabian Zweck
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:
    Dr. Karin Althaus, Kunsthistorikerin, Lenbachhaus München

    Lust auf noch mehr Kunst- und Künstlerporträts? Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:

    Murillo - Ein Maler im Auftrag der Nächstenliebe
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    Literaturtipps:

    Wagner, Monika: William Turner: München: C.H. Beck Verlag, 2011.

    Bockemühl, Michael: Turner: Köln (u.a.): Taschen Verlag, 2010.

    Turner. Ein Lesebuch, hrsg. von Karin Althaus, Nicholas Maniu, Matthias Mühling. Lenbachhaus München, 2023.

    Filmtipp:

    Mike Leigh: „Mr. Turner – Meister des Lichts“ (2014).

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    Groschenhefte - Trivialer Schund in Serie Apr 23, 2025
    Show notes

    Groschenhefte: billige Trivialliteratur im Format DIN A5, nur 64 Seiten lang, dafür endlos fortgesetzt. Ein riesiges Angebot zum kleinen Preis. Seit jeher geschmäht als Schmutz- und Schundliteratur halten sich die Heftromane bis heute hartnäckig an den Kiosken. Groschenhefte - eine Never Ending Story. Von Frank Halbach (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Frank Halbach
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Xenia Tiling, Christoph Jablonka
    Technik: Regina Staerke
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Dr. Christine Haug, Leiterin des Zentrums für Buchwissenschaft. Buchforschung - Verlagswirtschaft - Digitale Medien an der LMU München, Initiatorin eines DFG-Forschungsprojekts über Groschenhefte

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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    NDR Kultur | eat.READ.sleep. Bücher für dich
    Nach einer literarischen Vorspeise servieren Katharina Mahrenholtz, Daniel Kaiser und Jan Ehlert aktuelle Neuerscheinungen und Lieblingsbücher. Für die Bestseller-Challenge lesen sie sich durch die Titel der aktuellen Top Ten - kneifen gilt nicht, deutliche Meinung ist erwünscht! Beim Quiz können alle ihr Literatur-Wissen testen und Fun Facts für die nächste Party sammeln. Dazu gibt es Interviews mit Büchermenschen und Insights aus der Buchbranche.
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    Die Erde, unser Schatz - Alles Natur Apr 22, 2025
    Show notes

    Die Welt spricht von der Klima-, der Öl- oder der Wasserkrise, doch vom bedrohlichen Verlust der Böden durch Erosion spricht fast niemand. Dabei ist die Situation mehr als bedrohlich. Von Geseko von Lüpke (BR 2022)

    Credits
    Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Julia Fischer, Johannes Hitzelberger und Andreas Neumann
    Technik: Michael Krogmann
    Redaktion: Matthias Eggert

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    David Montgomery (Prof. Dr.; Geologe und Autor, Universität Seattle);
    Francois Buscot (Prof. Dr.; Leiter des Instituts für Bodenökologie, Helmholtz-Zentrum Halle/Leipzig);
    Ulrich Hampel (Bodenberater für die Bio-Stiftung, Schweiz);
    Sepp Braun (Landwirt und Boden-Pionier, Dürneck bei Freising);
    Hans-Jörg Vogel (Prof. Dr.; Bodenphysiker, Leiter des Instituts für Bodensystem-Ökologie, Helmholtz-Zentrum Halle/Leipzig)

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    Das Grundwasser - Schatz aus der Tiefe
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    Wohin mit der Gülle? - Der Dünger und die Umweltprobleme
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    Linktipps:

    Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:
    BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

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    Verschollen im ewigen Eis - Die Franklin-Expedition Apr 22, 2025
    Show notes

    Expedition in die Arktis: Sir John Franklin soll 1845 einen Seeweg durch das Polarmeer nach Asien finden. Unter seinem Kommando: die Schiffe HMS Erebus und die HMS Terror, an Bord 129 Seeleute und Proviant für mehrere Jahre. Doch bald fehlt von der Expedition jede Spur ? Was war geschehen? Von Georg Florian Ulrich (BR 2024') CreditsAutor dieser Folge: Georg Florian UlrichRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Stefan Wilkening, Katja Amberger, Andreas Neumann, Frank ManholdTechnik: Michael KrogmannRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Prof. Ryan Byard, University of AdelaideDiese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Überleben im Eis - Die Geschichte der Ada BlackjackJETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Musik: Secret proofs 0‘41 Atmo: alte Stadt Sprecher: London, 1848. Seit mehr als drei Jahren gibt es keine Neuigkeiten von den beiden Schiffen. Kein Brief, keine Nachricht von der HMS Erebus und der HMS Terror erreicht die Admiralität in London. Niemand hat die zwei Schiffe gesehen, die ins arktische Eismeer gesegelt sind. Die Unruhe in der Admiralität wächst. Dabei hatte die Leitung der Royal Navy große Hoffnungen in die Expedition gesetzt – und eine Menge Geld. Man entschließt sich zu handeln. Zitator: (Ausrufer/Steckbrief) „20.000 Pfund Belohnung für jeden, der Hinweise zur Auffindung der Schiffe unter dem Kommando von Sir John Franklin geben kann!“ Atmo Polarwind Drowning world 0‘43 Sprecher: Eine Suchaktion von weltumspannenden Ausmaßen beginnt: Während ein Schiff von Großbritannien aus Kurs auf Grönland nimmt, fährt ein anderes die Küste im Norden von Alaska ab. Immer Ausschau haltend nach den beiden Schiffen der Franklin-Expedition. Gleichzeitig bahnt sich ein Suchtrupp im äußersten Norden Kanadas über Land einen Weg gen Norden, hin zu den Eisfeldern der Arktis. Irgendwo in dieser riesigen Region müssen sie abgeblieben sein. Drei Jahre zuvor, im Jahr 1845, hatten sie sich aufgemacht. Sprecherin: Ziel der Expedition: Die Nordwestpassage. Der erhoffte, aber bislang unentdeckte Seeweg von Europa nach Asien durch das arktische Meer. Wenn es eine solche Passage gäbe! Für die britische Seefahrt wäre es ein Riesengewinn. Sprecher: Will ein britischer Händler Anfang des 19. Jh. Ware aus Asien importieren, etwa Porzellan aus China, muss er an die 24.000 Kilometer Seeweg zurücklegen. Erst ganz Afrika umschiffen, den sturmgepeitschten indischen Ozean durchqueren, schließlich durch die Straße von Malakka, in der Piraten lauern. Erst dann kann er in China vor Anker gehen. Und auf dem Rückweg das Gleiche noch einmal. Frozen wonder 0‘34 Sprecherin: Die Nordwestpassage verspricht die Möglichkeit, all diese Gefahren zu umgehen. Und natürlich: Schneller wäre die Route auch: 8000km Umweg ließen sich so sparen. Wenn man sie denn findet: Denn bislang ist die Gegend zwischen Grönland und dem nördlichen Kanada ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zu widrig waren die eisigen Temperaturen für die Entdecker des 17. Und 18. Jahrhunderts. Sprecher: Doch seit den Tagen der ersten Entdeckungsreisen in die Arktis hat sich das technische und geographische Verständnis der Briten enorm verbessert. Musik: Time traveller red 0‘25 Die Industrielle Revolution ist in vollem Gang: In Großbritannien fahren bereits regelmäßig Eisenbahnen, neue Erfindungen wie die Konservendose oder die Nutzung der Elektrizität beginnen das Leben der Menschen zu verändern. Mit diesen technischen Errungenschaften, ist man sich sicher, auch den harten Bedingungen der Arktis trotzen zu können. Sprecherin: Deshalb hatte sich die Admiralität in London entschieden, zwei Schiffe auf eine Expedition in die Arktis zu schicken. Sie sollen endlich die Nordwestpassage finden. Die Wahl fällt auf die HMS Erebus und HMS Terror. Bombardenschiffe, sie sind schwer gepanzert – wie geschaffen, um Packeis zu durchbrechen. Bereits 1839 haben sie sich bei Expeditionen in die Antarktis bewährt. Atmo: Fabrik im Dampfzeitalter Für die Expedition werden keine Kosten und Mühen gescheut. Die Schiffe werden generalüberholt, die schon dicken Rümpfe zusätzlich mit Eisenplatten verstärkt. Zwei neuartige Dampfmaschinen werden verbaut, um den Schiffen zusätzlichen Antrieb zu liefern. Möglich macht das die Schiffschraube, die erst wenige Jahre zuvor erfunden wurde. Sprecher: Die Dampfmaschinen versorgen zudem eine Zentralheizung, die trotz arktischem Wetter für angenehme Wärme an Bord sorgen soll. Auch für reichlich Proviant ist gesorgt. ZITATOR: (begeisterter Reporter) Die Vorkehrungen, die für den Komfort der Offiziere und der Besatzung getroffen wurden, sind ausgezeichnet: Die an Bord genommenen Vorräte sind beträchtlich und bestehen aus Konserven, einer großen Menge Tee und extra starkem westindischen Rum. Sprecherin: Dazu kommen 7 Tonnen frisch abgekochtes Fleisch, verpackt in den neuen, modernen Konservendosen, 14 Tonnen Salzfleisch, 4740 kg Kartoffel- und Gemüsekonserven und 4200 Liter Zitronensaft. Er soll gegen Skorbut helfen, die gefürchtete Seefahrer-Krankheit. Sogar eine beträchtliche Bibliothek mit mehr als 1000 Büchern wird an Bord genommen. Einer mehrjährigen Expedition in die Arktis steht nichts mehr im Wege. Musik: Time maschine (b) 0‘36 Sprecher: Für Das Oberkommando wird schließlich Sir John Franklin auserkoren. Er ist zu diesem Zeitpunkt fast 60 Jahre alt, seine letzte Arktisexpedition fast 20 Jahre her. Manche Zeitgenossen äußern Bedenken wegen seines Gesundheitszustands. Dennoch soll diese Expedition das Glanzstück werden, das Franklins Karriere abschließt. Zudem stehen ihm erfahrene Männer zur Seite: Unter seinem Kommando steht auch Captain Francis Crozier, der bereits in der Antarktis mit der Terror unterwegs war. Sprecherin: Dann endlich! Mai 1845: Unter großem Beifall legen die Schiffe ab. Sie stechen unter guten Vorzeichen in See, die Besatzung ist optimistisch. ATMO: knarzendes Segelboot, See Vor der Küste Grönlands werden die letzten Vorräte an Bord genommen, dann machen sich die Schiffe auf ins Eis – in bisher unbekannte Gefilde. Musik: Redeem 0‘50 Sprecher: Auf ihrem Weg in den Lancastersund begegnen sie zwei Walfängern. Man besucht sich gegenseitig, tauscht Informationen aus. Es ist das letzte Mal, dass die beiden Schiffe von anderen Seeleuten gesehen werden. ATMO/Musik hoch Sprecherin: Es vergeht ein Jahr ohne jegliche Nachricht von der Expedition. Dann noch eins. Schließlich ein drittes. Sprecher: Über Jahre nichts von einer Expedition in die Arktis zu hören, ist in dieser Zeit erstmal nicht ungewöhnlich. Die Expedition von James Clark Ross zum Beispiel saß vier Jahre im Eis fest. Sie ernährten sich von ihrem Proviant und Robbenfleisch, bis auf drei Seeleute kehrten alle wohlbehalten zurück. Doch Franklins Mannschaft ist deutlich größer, seine Vorräte nur für zwei, maximal drei Jahre ausgelegt. Sprecherin: Nachdem dann auch im dritten Jahr von der Expedition keinerlei Nachricht eintrifft, wird die Admiralität nervös. Wo sind die HMS Erebus und Terror? 1848 beginnt die Suche nach den verlorenen Schiffen. Drei Suchexpeditionen werden losgeschickt - erfolglos. Keine Spur findet sich von den beiden Schiffen. Die Lage ist ernst. Mit jedem Monat, der vergeht, sinken die Chancen, Franklin und seine Leute lebend zu finden. Sprecher: Im Jahr darauf werden ganze 14 Expeditionen ausgestattet. Die beiden Schiffe müssen doch irgendwo zu finden sein! Dass die Rettungsaktion so umfangreich ausfällt, liegt auch an der Ehefrau von John Franklin, Lady Jane. Sie nutzt ihren öffentlichen Einfluss, um Druck auf die Admiralität auszuüben. Atmo Wind Drowning world 0‘48 Sprecherin: Endlich finden sich erste Zeichen der Expedition. Doch sie geben eine düstere Vorahnung, auf das, was kommt. Auf Beechey Island, einer kleinen Insel am Lancastersund, findet man die Überreste eines Winterlagers. Und: Drei Gräber. Die Namen auf den Grabsteinen sind gut lesbar. ZITATOR: John Torrington, 20 Jahre. William Braine, 32 Jahre. John Hartnell, 25 Jahre. Sprecherin: Besatzungsmitglieder der Franklin-Expedition. Alle drei gestorben im Jahr 1846, beerdigt hier auf Beechey Island. Die Erebus und Terror müssen hier Station gemacht haben. Woran starben sie? Gab es eine Krankheit an Bord? Die Insel wird genauestens untersucht, doch außer leeren Konservendosen und anderem Abfall findet sich nichts. Kein Logbuch, keine Nachricht wurde hinterlassen. Die Suche läuft weiter. Sprecher: Inzwischen erhitzen sich in London die Gemüter: ein Schuldiger wird ausgemacht. Der jüdische Kaufmann Stephan Goldner. Er hatte die Expedition mit Konservendosen versorgt. In nur 7 Wochen hatte Goldner den Großauftrag bewältigt. Jetzt häufen sich Vorwürfe, die Konserven seien von minderwertiger Qualität gewesen. Ging die Franklin-Expedition mit verdorbenem Proviant auf Reisen? Verhungerten die Seeleute trotz voller Vorratsschränke? Ein Bericht in der Times legt das nahe. Der Vorwurf ist haltlos, wie sich bald herausstellt. Eine offizielle Untersuchung spricht Goldner frei, doch sein Ruf ist ruiniert. Cold journey 0‘36 Sprecherin: Bei der Suche in der Arktis geraten inzwischen die Suchtrupps selbst in Not. Mehrere Schiffe bleiben im Eis stecken. Es dauert mehrere Jahre, bis die Expeditionen zurückkehren. Tatsächlich leisten sie mit ihren Reisen wichtige Beitrag zur Erkundung der Arktis. Aber außer den Gräbern auf Beechey Island können sie keine Hinweise über Franklins Schicksal liefern. Sprecher: Dennoch - die Hoffnung auf Neuigkeiten bleibt. Und tatsächlich finden sich neue Hinweise: Der Arzt und Polarforscher John Rae trifft auf seinen Arktis-Reisen auf Inuit, die ihm von düsteren Ereignissen berichten. Rae fasst ihre Berichte zusammen: Musik: Slow degeneration 0‘40 ZITATOR: Etwa vierzig weiße Männer wurden gesehen, wie sie in Begleitung eines Offiziers über das Eis nach Süden wanderten und ein Boot und Schlitten mit sich zogen. Sie sahen aus, als ob ihnen der Proviant ausgegangen wäre. Sie kauften von den Eingeborenen eine kleine Robbe oder ein Stück Robbe. Der Offizier wurde als ein großer, kräftiger Mann mittleren Alters beschrieben. Sprecherin: Handelt es sich bei dem Offizier um Franklin? Hat er seine Schiffe verlassen, und seine Mannschaft über Land weitergeführt? Doch die Inuit haben Rae noch mehr zu berichten: ZITATOR: Später hat man die Leichen von etwa dreißig Personen, einige Gräber auf dem Festland und fünf Leichen auf einer Insel in der Nähe entdeckt. Einige der Körper befanden sich in Zelten. Andere lagen unter einem Boot, das sie als notdürftige Unterkunft umgedreht hatten, einige verteilt um das Lager herum. Bei einem vermuteten die Inuit, dass es sich um einen Offizier handelte, da er ein Fernrohr über die Schultern geschnallt hatte und sein doppelläufiges Gewehr unter ihm lag. Sprecherin: Die Inuit zeigten Rae Gegenstände, die nur von Bord der Erebus und der Terror stammen konnten. Laut ihren Schilderungen waren die Männer in einer ausweglosen Situation. Musik: Dark operation 0‘35 ZITATOR: Aus dem Zustand vieler Leichen und dem Inhalt der Kessel war ersichtlich, dass unsere unglücklichen Landsleute zum letzten Mittel gezwungen waren, um ihr Leben zu erhalten. Sprecherin: Kannibalismus – als letztes Mittel gegen den Hunger. Eine für die viktorianische Zeit unerhörte Unterstellung. Als die Nachricht London erreicht, ist die Empörung groß. Die Witwe von Sir John Franklin, Lady Jane, lässt auf ihren Ehemann und dessen Expedition nichts kommen. Sprecher: Sie bekommt prominente literarische Unterstützung. Charles Dickens, ein Freund der Familie, steht ihr bei. In einer Zeitschrift wettert der berühmte Autor gegen die Inuit, weist ihre Berichte als unglaubwürdig zurück. Für ihn sind sie nichts weiter als: ZITATOR: Zitat Charles Dickens „Das Geschwätz einer groben Handvoll unzivilisierter Menschen, die in Blut und Walfett zuhause sind!“ Sprecher: 1854 werden alle Expeditionsmitglieder für tot erklärt. Musik: New hope 0‘35 Lady Jane Franklin will jedoch Gewissheit. Zwei Jahre später finanziert sie erneut eine Expedition unter dem Kommando von Francis McClintock. Sprecherin: Tatsächlich gelingt es McClintock als erstem, eine handfeste Nachricht von der Expedition zu finden. In einem kleinen Steinhügel auf King William Island stößt er auf einen Brief der Franklin-Expedition. Versteckt in einem Bleizylinder, wasserdicht geschützt. Der erste Eintrag weckt Hoffnungen: ZITATOR: Mai 1847: Von 1846-47 überwintert bei Beechey Island. Sir John Franklin befehligt die Expedition. Alle wohlauf. Sprecherin: Der Beginn der Expedition scheint gut verlaufen zu sein. Doch an den Rand des Briefes gequetscht finden sich weitere Zeilen. Jemand muss den Bleizylinder zu einem späteren Zeitpunkt wieder geöffnet, den Brief erneut beschrieben haben. Die zittrige Handschrift lässt sich schwer lesen. Musik: Z8033060102 Drowning world 0‘59 ZITATOR: April 1848 - "Terror" und "Erebus" wurden am 22. April verlassen. 105 Seelen unter dem Kommando von Capitain Crozier landeten hier im September 1848. Sir John Franklin ist am 11. Juni 1847 gestorben, Gesamtverlust durch Todesfälle bis heute: 9 Offiziere und 15 Männer. Wir brechen morgen zum Back's Fish River auf. ATMO Eiswind, Schritte Sprecherin: Franklin ist also definitiv tot. Mit ihm 24 weitere Besatzungsmitglieder – eine ungewöhnliche hohe Todesrate, selbst für Arktisexpeditionen. Das Ziel der Überlebenden, der Back’s Fish River, liegt mehrere hundert Kilometer Fußweg entfernt. Durch kaum wegbares Packeis, danach durch eine felsige Tundra, in der es im Frühjahr kaum Nahrung gibt. Sprecher: McClintock fährt mit seinem Hundeschlitten den Weg ab, den die Überlebenden genommen haben müssen. Er stößt auf ein seltsames Relikt: ein Beiboot eines der Schiffe. Scheinbar auf den Kopf gestellt, um einen provisorischen Unterschlupf zu bieten. Frozen danger 0‘34 ZITATOR: Im Boot befand sich etwas, das uns in Ehrfurcht erstarren ließ. Es waren Teile von zwei menschlichen Skeletten. Das eine das eines schmächtigen jungen Menschen, das andere das eines großen, starken Mannes mittleren Alters, vielleicht ein Offizier. Große und kräftige Tiere, wahrscheinlich Wölfe, hatten einen Großteil dieses Skeletts zerstört. Sprecher: Doch die Gegenstände, die McClintock und seine Kameraden rund um das Boot finden, werfen noch mehr Fragen auf: Kämme, Haarbürsten, Taschenbücher. Und sogar eine ganze Ladung Silberbesteck. Nichts, was man auf einem Marsch um Leben und Tod erwarten würde. Zudem finden sich neben etwas Tee ca. 18kg Schokolade. McClintock vermutet, dass die beiden Männer mit dem Boot und der Schokolade als letztem Proviant zurückgelassen wurden, als sie zu schwach geworden waren, um weiter zu ziehen. McClintock kehrt nach Großbritannien zurück. Er ist überzeugt, dass alle Mitglieder der Franklin-Expedition verstorben sind. Musik: New hope 0‘28 Sprecherin: Lady Franklin gibt jedoch bis zuletzt nicht auf, das Schicksal ihres Ehemanns zu klären. Noch mit 82 Jahren finanziert sie eine Expedition in die Arktis. Sie stirbt, noch während sie auf die Rückkehr des Schiffs wartet. Die Expedition endet ergebnislos. Auch eine letzte Expedition wenige Jahre später fördert keine neuen Erkenntnisse zutage. ATMO Eiswind Heulen Sprecher: Doch das Rätsel um das Verschwinden der Erebus und Terror zieht die Menschen weiter in sei…

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    Regensburger - Altstadt Ein Weltkulturerbe Apr 18, 2025
    Show notes

    Seit Juli 2006 zählt die Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Stadtlandschaft an der Donau gibt mit über 1000 Baudenkmälern einen einzigartigen Blick auf 2000 Jahre europäischer Geschichte. Von Florian Kummert (BR 2020)

    Credits
    Autor dieser Folge: Florian Kummert
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Xenia Tiling, Udo Wachtveitl, Jerzy May
    Technik: Susanne Herzig
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Im Interview:
    Dr. Eugen Trapp, Untere Denkmalschutzbehörde, Regensburg
    Matthias Rapp, Welterbekoordinator Regensburg

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

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    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT

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    Nunavut - Land der Inuit Apr 18, 2025
    Show notes

    Nunavut heißt "unser Land" in der Sprache der Inuit; 1999 wurde das gleichnamige Territorium eingerichtet: Ein Gebiet sechsmal so groß wie Deutschland im äußersten Norden Kanadas und in direkter Nachbarschaft zu Grönland. Nur gut 40.000 Menschen leben dort in verstreuten Siedlungen und der Hauptstadt Iqaluit, knapp 31.000 von ihnen identifizieren sich als Inuit. Von Renate Ell (BR 2024) CreditsAutorin dieser Folge: Renate EllRegie: Irene SchuckEs sprachen: Katja Amberger, Caroline Ebner, Andreas Neumann, Friedrich SchlofferTechnik: Roland BöhmRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Dennis Patterson, bis 30.12.2023 Senator für Nunavut, zuvor u.a. Premier der Northwest Territories;Alexina Kublu, Dozentin für Inuktitut und Inuit-Kultur, Übersetzerin;P. J. Akeeaguk, Premier von Nunavut Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Literatur der Inuit - Hart am RandJETZT ANHÖREN Linktipps: Die Qikiqtani Truth Commission hat einschneidende Entwicklungen in Nunavut im 20. Jh. aufgearbeitet, in ausführlichen Reports berichten Menschen über ihre teils traumatischen Erlebnisse.EXTERNER LINK | https://www.qtcommission.ca/en Inuit – Informationen der kanadischen Regierung:EXTERNER LINK | https://www.rcaanc-cirnac.gc.ca/eng/1100100014187/1534785248701 CBC North – Radio- und TV-Berichte aus Nunavut (Canadian Broadcasting Corporation, öffentlich-rechtlicher Sender):EXTERNER LINK | https://www.cbc.ca/news/canada/north/topic/Location/Nunavut Nunatsiaq News – Tageszeitung aus IqaluitEXTERNER LINK | https://nunatsiaq.com/ Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLERIN Eine Reise nach Nunavut beginnt im Flugzeug – denn es führt keine Straße dorthin. Und man merkt gleich: Die Reise führt in ein ganz anderes Kanada. (1. ZUSP.) FLUGZEUG-SICHERHEITSANSAGE (Inuktitut) ERZÄHLERIN Die üblichen Ansagen gibt es nicht nur wie sonst in Kanada auf Englisch und Französisch, sondern auch auf Inuktitut – der dritten Amtssprache in Nunavut – übersetzt: „Unser Land“. Nunavut ist der Versuch, Kultur, Traditionen und Werte eines arktischen Jäger- und Sammler-Volkes mitzunehmen in ein Industrieland des 21. Jahrhunderts. Begonnen hat dieser Versuch 1999, als Nunavut autonom wurde. Musik 1 "Katuuti" - Ausführende: Alexis Bowles & Guillaume I. Saladin - Komponist: Alexis Bowles - Abum: Made in Igloolik - Länge: 0'53 SPRECHER Nunavut wurde am 1. April 1999 von den Northwest Territories abgetrennt. Die drei Territorien im Norden Kanadas sind extrem dünn besiedelt, deshalb werden sie zum Teil von der Bundeshauptstadt Ottawa aus verwaltet – anders als die Provinzen, die etwa unseren Bundesländern entsprechen. Obwohl Nunavut fünfeinhalb mal so groß wie Deutschland ist, hat es nur rund 41.000 Einwohner – überwiegend Inuit. Die Einwohner von Nunavut, Nunavummiut genannt, leben in 24 weit verstreuten Siedlungen und der Hauptstadt Iqaluit mit siebeneinhalb-tausend Einwohnern. Alle sind nur mit dem Flugzeug erreichbar – oder, für Gütertransporte, mit dem Schiff. ERZÄHLERIN Dennis Patterson könnte man als einen der Väter Nunavuts bezeichnen. Der Jurist aus dem Südwesten Kanadas kam in den 70er-Jahren als Rechtsberater nach Iqaluit, stieg in die Politik ein und setzte sich für die Abtrennung seiner Wahlheimat von den Northwest Territories ein. Vielen Menschen im Westen des riesigen Territoriums mit seinen Städten, intensivem Bergbau und großen Wäldern war die Region in der Arktis ohnehin fremd – und nicht nur das. (2. ZUSP.) DENNIS PATTERSON OVERVOICE MÄNNLICH Nunavut galt als ödes Land. Und als Belastung, wegen der Kosten für die Versorgung dieser abgelegenen, isolierten Gemeinden und der schnell wachsenden Bevölkerung. Deshalb gab es eine Bewegung, die sagte: Lasst sie gehen, dann kommen wir wirtschaftlich besser voran. ERZÄHLERIN Damals wusste man noch nichts von den begehrten Rohstoffen, die inzwischen in Nunavut entdeckt wurden. Aber die Menschen im hohen Norden haben bis heute auch ganz andere Beweggründe für ihre Unabhängigkeit. (3. ZUSP.) DENNIS PATTERSON OVERVOICE MÄNNLICH Nunavut wurde vor allem gegründet, um die Sprache und Kultur einer Minderheit zu erhalten. Die Inuit sind eine Minderheit innerhalb der indigenen Bevölkerung Kanadas. Das hat die Sprache sehr gestärkt – in einem Land, in dem indigene Sprachen ums Überleben kämpfen. Inuktitut ist dank Nunavut und anderen Regionen, in denen Inuit leben, bei weitem die stärkste indigene Sprache Kanadas. MUSIK 2 "Inuuganuuk" - Komponist: Terry Uyarak & Andrew Morrison - Album: Nunarjua Isulinginniani - Ausführender: Terry Uyarak - Länge: 0'26 SPRECHER Inuktitut gehört zu einer Sprachfamilie, die in der nordamerikanischen Arktis, in Grönland und Teilen Sibiriens verbreitet ist. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde für Inuktitut eine eigene Silbenschrift aus geometrischen Formen entwickelt; es wird aber inzwischen auch in lateinischen Buchstaben geschrieben. MUSIK 3 "Katuuti" - Ausführende: Alexis Bowles & Guillaume I. Saladin - Komponist: Alexis Bowles - Abum: Made in Igloolik - Länge: 0'33 ERZÄHLERIN Die Sprache ist weit mehr als ein Verständigungsmittel: Sie transportiert das Selbstbewusstsein der Inuit als eigenständige Kultur. Und eine eigene Art zu kommunizieren: Sehr viele Inuit klingen auch auf Englisch leiser und sanfter als Qallunaat – also „Nicht-Inuit“. Wobei sich das aber zu ändern scheint. Alexina Kublu, eine Inuk aus Nunavut, Dozentin für Inuktitut und Inuit-Kultur, hat es in einem Interview für radioWissen 2008 so beschrieben: (4. ZUSP.) ALEXINA KUBLU 2008 OVERVOICE WEIBLICH Würde man in einem Raum zehn Qallunaat in die eine Ecke setzen und zehn Inuit in die andere, würde man nach einer Weile nur noch die Qallunaat hören, weil alle durcheinander reden und jeder versucht, sich Gehör zu verschaffen. Qallunaat haben Angst vor der Stille. Und wenn es doch mal still wird, meint sofort jemand, was sagen zu müssen. Bei den Inuit redet einer, und die anderen nicken oder hören zu. Und wenn eine Person in der Gruppe noch nichts gesagt hat, werden alle sie anschauen. Aber nicht sagen: „Was meinst Du dazu“, sondern einfach still warten, und dann wird die Person anfangen zu sprechen, weil man ihr die Gelegenheit dazu gibt. ERZÄHLERIN Das ist bei Älteren immer noch so, sagt sie fünfzehn Jahre später. Auch bei politischen Auseinandersetzungen, etwa im Parlament, geht es ganz anders zu als in der kanadischen Hauptstadt. (5. ZUSP.) ALEXINA KUBLU OVERVOICE WEIBLICH Wenn im kanadischen Parlament jemand spricht, dann hören manche Leute gar nicht zu oder sie reden untereinander! Im Parlament in Iqaluit redet eine Person und alle anderen hören zu. On TV you watch the parliament of Canada. There'll be one person talking and there are people around who are not paying attention but talking to each other. Whereas in the legislative assembly in Iqaluit you have the one person talking and everybody is listening. ERZÄHLERIN In der jüngeren Generation scheint sich das allerdings zu ändern, hat Alexina Kublu beobachtet. Sie sind lauter. (6. ZUSP.) ALEXINA KUBLU OVERVOICE WEIBLICH Wenn Jugendliche mit 12, 13, 14 zusammen sind, achten sie nicht auf die anderen (yap yap yap yap yap). ERZÄHLERIN Und das, obwohl die Jugendlichen in diesem Alter selbst in der Schule kaum Englisch sprechen. (7. ZUSP.) ALEXINA KUBLU OVERVOICE WEIBLICH Bis zur fünften, sechsten Klasse wird mehr Inuktitut gesprochen, danach immer mehr Englisch; in der High-School dann überwiegend Englisch. ERZÄHLERIN Zwar gibt es heute in jedem Ort eine Schule bis zur 12. Klasse – aber viele Jugendliche gehen früher ab und lernen nicht gut Englisch. Sie sind in Krankenhäusern oder Behörden auf Übersetzer angewiesen. Dort arbeiten viele Menschen aus dem Süden, weil immer noch zu wenige Inuit studiert haben. Die meisten älteren Inuit hingegen sprechen sehr gut Englisch – es sind die Menschen, die bis in die 1960er-Jahre hinein geboren wurden und eine Entwicklung erlebten, die anderswo Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende dauerte. (8. ZUSP.) ALEXINA KUBLU OVERVOICE WEIBLICH Mein Bruder zum Beispiel, geboren 1963 in einem „Qarma“, eine Hütte aus Steinen und Grassoden. Jetzt sitzt er im Büro vor dem Computer: von der Steinzeit ins Computerzeitalter. Musik 4 "BROODING" - ALBUM: BLOOD (ORIGINAL MOTION PICTURE SOUNDTRACK) - KOMPONIST UND AUSFÜHRENDER: DANIEL PEMBERTON - LÄNGE: 0'57 ERZÄHLERIN Inuit wie die Familie Kublu waren Jäger und Sammler. Manche hatten vielleicht Schusswaffen oder Kochtöpfe aus Metall – statt der althergebrachten „Qullik“, einer Schale aus Stein. Aber sie lebten ansonsten ganz traditionell in kleinen Gruppen an wechselnden Orten, je nach Jahreszeit. Ab Ende der 1950er-Jahr wurden in ersten Siedlungen Grundschulen eingerichtet, Kinder aus den nomadischen Familien wohnten dort zunächst in kleinen Herbergen. Später mussten Familien mit schulpflichtigen Kindern in den Siedlungen leben – so wie die Familie Kublu Mitte der 60er-Jahre mit Alexinas jüngerem Bruder. Sie selbst, geboren 1954, gehörte noch zu den Kindern, die von der kanadischen Schulbehörde schon mit fünf, sechs Jahren in ein Internat gebracht wurden. MUSIK 5 "Duos of the past"- Komponist: Peter Scherer - Album: Passare - Länge: 0'39 ERZÄHLERIN Die Kinder wurden in eine völlig fremde Welt katapultiert. Die Unterrichts-sprache: Englisch, das sie nicht konnten. Die Schulbücher aus dem Süden: mit Bildern von Kleinfamilien in hübschen Städtchen, von Schulbussen, Autos, Bäumen, Getreidefeldern. Nichts davon kannten die Kinder aus ihrer Realität. Unter diesen verstörenden Umständen zu lernen, zu leben war ein Kraftakt. Noch dazu: Ohne Kontakt zur Familie, außer für zwei Monate im Sommer. (9. ZUSP.) ALEXINA KUBLU OVERVOICE WEIBLICH Das war, als wäre man bei der Lieblingstante, dem Lieblingsonkel. Eine liebevolle Beziehung, aber nicht die Nähe, wie sie Eltern und Kinder vor der Schule hatten. Während des Sommers fanden wir zwar zurück zu einem normalen Familienleben, aber dann mussten wir wieder weg. ERZÄHLERIN In einigen Schulen durften die Kinder selbst außerhalb des Unterrichts nur Englisch sprechen. Kleinere Kinder verlernten ihre Muttersprache und konnten sich kaum noch mit den Eltern verständigen – zumal manche nicht mal in den Sommerferien heim gebracht wurden. Manche erlebten Gewalt und sexuelle Übergriffe. Aber selbst ohne solche Erfahrungen, allein durch die Entfremdung während der Schulzeit, entstand ein generationen-übergreifendes Trauma: In Nunavut gibt es Eltern, und inzwischen Großeltern, die in ihrer Kindheit und frühen Jugend kaum erfahren haben, was es heißt, in einer Familie zu leben. ERZÄHLERIN Die erschreckend hohe Suizidrate und der verbreitete Alkoholismus werden mit diesem Trauma in Verbindung gebracht. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es viele Bemühungen, dies alles aufzuarbeiten, zu bewältigen. Und die kanadische Regierung hat sich offiziell für die frühere Schulpolitik entschuldigt. Von einem Leben als Jäger und Sammler ins 20. Jahrhundert – dieser extreme Wandel hat manche Menschen überfordert. Aber gerade in Nunavut versuchen viele, auch junge Menschen, Tradition und Moderne zu verbinden. Dabei hilft ihnen der Kontakt zu Menschen, die zumindest in ihrer Kindheit noch selbst als Jäger und Sammler gelebt haben. Bis heute haben viele Nunavummiut eine enge Beziehung zur Natur – die den meisten Menschen kahl und unwirtlich erscheint. MUSIK 6 "Katuuti" - Ausführende: Alexis Bowles & Guillaume I. Saladin - Komponist: Alexis Bowles - Abum: Made in Igloolik - Länge: 0'52 SPRECHER Nunavut liegt westlich von Grönland und erstreckt sich etwa zwischen dem 60. und dem 82. Breitengrad. Abgesehen von einem kleinen Gebiet im äußersten Südwesten, wo ein paar Bäume wachsen, ist es von Tundra bedeckt: Flechten, Moose, Gräser, niedrige Blütenpflanzen und Arktische Weide, die selten höher wird als 15 Zentimeter. Üblicherweise erreichen die Sommertemperaturen gerade mal 12 Grad – immer häufiger gibt es aber Spitzenwerte über 20 Grad. Im Winter wird es minus 30 Grad kalt. In Nunavut leben Robben, Wale, Schneehühner, Eisbären, Polarfüchse und Karibus, die Rentiere Nordamerikas. Musik 7: "Unveiled" - Album: Without Sinking - Komponistin und Ausführende: Hildur Gudnadottir - Länge: 0'30 Erzählerin Im Sommer mit dem Boot, im Winter mit dem Schneemobil oder dem Hundeschlitten unterwegs zu sein, gehört zum Lebensgefühl. Man ist „on the land“. Ein unübersetzbarer Begriff, keinesfalls „auf dem Land“ – was eine Landschaft mit Feldern und Wäldern bezeichnet. Die Tundra ist tatsächlich unberührte Natur, Wildnis. MUSIK 8 "Katuuti" - Ausführende: Alexis Bowles & Guillaume I. Saladin - Komponist: Alexis Bowles - Abum: Made in Igloolik - Länge: 0'52 ERZÄHLERIN: Die traditionelle Ernährung der Inuit, die „on the land“ lebten, bestand vor allem aus Meeressäugern und Karibus, im Sommer auch Fisch und einige Pflanzen; sie enthält gesunde Omega-3-Fettsäuren und alle nötigen Vitamine. Wie die Sprache transportiert dieses heute „country food“ genannte Essen Kultur und Werte der Gemeinschaft, weil Jagdbeute traditionell mit Nachbarn und Freunden geteilt wird. Die Jagd ist in Nunavut kein Freizeitvergnügen, sondern einerseits ein Teil der Tradition, andererseits für viele Menschen eine Notwendigkeit, denn die aus dem Süden importierten Lebensmittel sind extrem teuer. Und manchmal ist die Jagd „on the land“ immer noch überlebenswichtig. Alexina Kublu erzählt von einem Erlebnis, wie sie es deutet: (10. Zusp.) Alexina Kublu OVERVOICE WEIBLICH Bei einer Bootstour im Sommer wurden wir vom Eis eingeschlossen, etwa eine Woche steckten wir fest. Weil wir nur kurz unterwegs sein wollten, hatten wir nicht genug gekauftes Essen dabei. Dann kam eine Robbe, sie wurde geschossen und ich meinte: Die Robbe hat gesagt: ihr seid in meinen Gewässern, seid mein Volk, euch gebe ich mich. Als wir das Robben¬fleisch nach ein paar Tagen aufgegessen hatten, kam ein Karibu. Es wurde geschossen, wir hatten wieder Fleisch, und ich meinte: Das Karibu hat gesagt, ihr seid in meinem Land, seid mein Volk, euch gebe ich mich. MUSIK 9 "BROODING" - ALBUM: BLOOD (ORIGINAL MOTION PICTURE SOUNDTRACK) - KOMPONIST UND AUSFÜHRENDER: DANIEL PEMBERTON - LÄNGE: 0'30 ERZÄHLERIN Eine spirituelle Beziehung zur Natur ist nicht ungewöhnlich unter Inuit. Und sie gilt auch als eine Art zweite Schule: Schon Jugendliche gehen mit auf die Jagd und lernen von den Älteren dabei auch geduldig zu sein, oder Misserfolge auszuhalten. Vor allem lernen sie dabei Respekt vor der Natur. Traditionell wird nur so viel gejagt, wie man wirklich braucht, und das gesamte Tier verwertet. Inuit-Jäger konnten mit der Vermarktung von Robbenfellen bis Anfang der 80er-Jahre auch etwas Geld verdienen. Bis in Europa und Nordamerika Bilder von der Jagd auf Jungrobben mit ihrem kuschligen Babypelz in den Fernseh¬nachrichten liefen – brutale Szenen, mit viel Blut auf dem Eis. An dieser Jagd für die Pelzindustrie waren Inuit nicht beteiligt – sie jagen traditionell nur erwachsene Tiere, die viel Fleisch liefern. Greenpeace protestierte zwar ausdrücklich nur gegen die industrialisierte Jagd auf Jungrobben. Aber trotzdem wurde in vielen Ländern der Handel mit sämtlichen Robbenpelzen eingestellt. Ausnahmen für traditionelle Jagd indigener Gruppen, wie in der EU, hatten keine große Wirkung. Der Markt brach ein. Und die Robben¬bestände stiegen an. So stark, dass kanadische Fischer um die Kabeljau-Bestände fürchteten. Dennis Patterson, ehemaliger Senator und in den 90er-Jahren einer der Gründer von Nunavut, sieht aber auch Vorteile (11. Zusp.) Dennis Patterson OVERVOICE MÄNNLICH Es gibt sie im Überfluss, sie werden gejagt, gegessen, und die großen Sattelrobben sind id…

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