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    Latest Episodes:
    Biotopvernetzung - Wenn Lebensräume verbunden werden May 22, 2025
    Show notes

    Wo sich früher karge Weiden erstreckten, breiten sich heute Büsche und Bäume aus. Tier- und Pflanzenarten, die auf offenen Landschaften angewiesen sind, haben dann keine Chance mehr. Forscher*innen versuchen, etwas dagegen zu unternehmen, die Flächen wieder freizuräumen und die ursprünglichen Bewohner zurückzuholen. Von Joachim Budde (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Joachim Budde
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Anna Graenzer, Sven Hussock
    Technik: Michael Krogmann
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Felix Helbing, Universität Osnabrück;
    Prof. Thomas Fartmann, Universität Osnabrück

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    Literaturtipp:

    Thomas Fartmann et al.: Insektensterben in Mitteleuropa. Ursachen und Gegenmaßnahmen, Stuttgart 2021.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - Die Magie des Neubeginns May 22, 2025
    Show notes

    Ein neuer Job, eine neue Stadt, eine neue Liebe: Neuanfänge sind aufregend und voller Hoffnung. Voraussetzung für einen kraftvollen Neuanfang sind Mut und Risikobereitschaft sowie ein Abschied. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)Credits Autorin dieser Folge: Karin LamsfußRegie: Martin TraunerEs sprachen: Julia Fischer, Sebastian FischerTechnik: Christine FreyRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Günter Menne, Coach; Gerald Hüther, HirnforscherPeter Gross, Buddhist und PsychotherapeutDr. Michael Schonnebeck, Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatik; Petra Bock, Autorin und CoachPetra van Laak, Unternehmerin Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.ZUM PODCAST ARD alphaSein Leben ändern: Wie ihr einen NEuanfang wagt und meistert Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecher: Aus dem grauen, leblos wirkenden Erdboden arbeiten sich zaghaft die ersten Triebspitzen der Krokusse empor und bilden bald darauf lila Teppiche. Nahrung für die Hummeln, die langsam aus der Winterruhe erwachen. Sie sind bei den ersten Sonnenstrahlen aus ihren Erdlöchern emporgekrabbelt und fliegen nun mit leisem Summen von Blüte zu Blüte. So als würden sie die Geschichten des Winters miteinander teilen. Goldgelbe Pollenstaubwolken fliegen durch die Luft. Das pralle Leben kehrt zurück nach dem langen, kargen Winter. Sprecherin: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Sprecher: In der Natur, so wie in allem Leben. O-Ton 1 Petra Bock (0‘29“) Und dann bin ich ins Bett gegangen, konnte lange nicht einschlafen, plötzlich hatte ich ne Art Vision, so kann man es wirklich nennen, hatte ich ein Bild, wie ich an einem wunderschönen Frühlingstag in einem Zimmer sitze bei offenem Fenster, draußen ist ein Obstgarten, die Vögel zwitschern, und ich sitze da und schreibe. Und in dem Moment kam so ein richtiges Glücksgefühl auf. Eins, dass ich seit Monaten nicht mehr kannte. Sprecherin: Ein Neuanfang im Leben der promovierten Politologin Petra Bock. Bevor er Wirklichkeit wurde, kam er zunächst als vielversprechende Vision in ihr Leben geschneit. Sprecher: „Neuanfang“ – das klingt fast magisch. Nach Chancen. Verheißungsvoll, inspirierend, motivierend. Nach frischem Wind, Fülle, Optimismus und Weiterentwicklung. Das ganze Leben ist voller Neustarts: freiwilligen wie unfreiwilligen. Großen wie kleinen. Jeder Tag, jedes Aufwachen, jeder Atemzug ist im Grunde ein winziger Neuanfang. Nicht immer, aber oft muss etwas Altes sterben, bevor etwas Neues beginnen kann. Musik, dann darüber Sprecherin: Petra Bock führte ein Leben wie aus einem Hochglanzmagazin. Sie fuhr ein chices Auto, trug teure Klamotten und führte ein klassisches Businessleben in der Banken-Metropole Frankfurt. Dort arbeitete sie – nach ihrer Promotion mit 28 – als Unternehmensberaterin und Wirtschaftsanalystin. 12-14-Stunden-Tage waren die Regel. O-Ton 2 Petra Bock (0‘16“) Das war einfach sehr, sehr anstrengend, und ich war immer öfter erkältet. Bin dann trotzdem ins Büro gegangen, hab mich trotzdem reingeschleppt, hab dann für die Präsentationen noch irgendwie ne Tablette geschluckt, dass ich mit dem Fieber zurechtkomme. Das ist dann so ein Prozess geworden, so dass ich mich fast jede Woche neu erkältet hab. Musikzäsur O-Ton 3 Günter Menne (0‘11“): Wenn Menschen zu mir kommen, dann kommen sie aus zwei Beweggründen. Eigentlich immer. Sie wollen irgendwo hin – zu oder sie wollen von – weg. Von etwas weg. Sprecherin: Günter Menne ist Coach. Er begleitet Menschen bei Neuanfängen. Oft, so seine Erfahrung, meldet sich dieses Bedürfnis in der Lebensmitte. O-Ton 4 Günter Menne (0‘06“): Wo die große Frage im Raum steht für viele: Was denn noch? Was ist noch möglich? O-Ton 5 Petra Bock (0‘08“) Die Frage war: Möchte ich das bis zum Ende meines Lebens machen? Also bis zum Ende meines Berufslebens machen? Und dann kam sofort so ein: „Nee, um Gottes Willen. Das halt ich gar nicht aus!“ O-Ton 6 Günter Menne (0‘53“): Wenn Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ von jedem Zauber spricht, der uns beschützt bei allen Neuanfängen, dann denke ich aus meiner Erfahrung, die ich auch als Coach gewonnen habe, dass dieser Zauber sich nur dann entfalten kann, wenn wir wirklich gegenwärtig bleiben bei den Veränderungen, die uns oft auch widerfahren. [[ Und um die Gelegenheit zur Aktualisierung, zur Veränderung in jeder neuen Erfahrung überhaupt zu erkennen, müssen wir gegenwärtig sein.]] Und zu spüren: Passt die noch zu mir? [[ Und aus diesem Gespür eine Kraft zu entwickeln, die wir oft als Druck oder auch als Sog erleben. Wobei dir Veränderung durch Sog in aller Regel leichter funktioniert als die Veränderung durch Druck.]] Sprecherin: Petra Bock lag also mal wieder mit ihrer soundsovielten Nasennebenhöhlenentzündung im Bett, als ihre Vision erschien: Das Bild von sich selbst, schreibend, mit dem Blick auf die Obstbaumwiese. Als hätte jemand ihrem Wunsch erahnt, klingelte plötzlich das Telefon. Ein alter Studienkollege, Programmchef eines Verlags, war auf der Suche nach einer neuen Autorin. Er hatte von ihrem steilen Aufstieg gehört. Ob sie vielleicht Lust hätte, ein Buch zu schreiben? Nach der ersten Freude machten sich schnell die Ängste breit. O-Ton 7 Petra Bock (0‘16“) Die eine Angst war, dass ich gar nicht gut genug schreiben kann, z.B. Denn ich hatte vorher nichts gerade Substanzielles geschrieben. Wusste ich ja nicht, ob ich das kann! Dann dachte ich mir auch: was machst du, wenn du irgendwie plötzlich siehst: Es ist alles Müll, und der Verleger sagt „können wir überhaupt nicht nehmen!“. Was machst du dann? Also, da hatte ich schon Angst davor, dass ich scheitern könnte. Auf jeden Fall. Sprecher: Das ist ganz oft der Punkt, an dem sich das anfangs süße und verheißungsvolle Gefühl des Anfangszaubers wandelt: in nagende Zweifel und diffuse Ängste. Was ist, wenn es nicht klappt? Und wie stehe ich dann da? O-Ton 8 Michael Schonnebeck (0‘28“): Wir alle haben sogenannte Ich-Ideale. Also wie wir im besten Falle funktionieren, zurechtkommen, kleine innere Visionen, was wir alles könnten und sollten und erreichen wollen, und wenn diese manchmal doch recht geheimen Visionen von einem selbst dann sich nicht erfüllen, dann tut das sehr weh, weil das an der eigenen Identität, am eigenen Selbstbild so sehr kratzt. Oder es sogar zerbricht im schlimmsten oder im dramatischsten Fall. Sprecherin: Dr. Michael Schonnebeck ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und leitet eine Tagesklinik. Er sagt: Zweifel und Versagensängste sind menschlich und gehören zu jedem Neubeginn, zu jeder Weiterentwicklung dazu. Mehr noch: Sie sind sogar hilfreich. Sprecher: Das bestätigt auch eine Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2018: Träume und Zukunftsfantasien sind häufiger zum Scheitern verurteilt, wenn sie rein durch die rosarote Brille betrachtet werden. Dann strengen sich Menschen weniger an. Erfolgreicher sind hingegen diejenigen, die Hindernisse und Hürden im Vorfeld schon mal durchspielen. Forscher nennen das "mentales Kontrastieren". Sprecherin: Für Michael Schonnebeck kann ein Neustart nur dann gelingen, wenn ein möglicher Misserfolg theoretisch praktisch miteingeplant wird. Eine Erfolgsgarantie gibt es sowieso nie. O-Ton 9 Michael Schonnebeck (0‘28“): Zum mutigen, abenteuerlichen, gewagten Leben gehört die Gefahr dazu, von der Bahn abzukommen, ins Straucheln zu geraten, abzustürzen, sich weh zu tun, und ich glaub, jeder muss entscheiden, wie sein Spielraum ist: eher schmaler oder eher etwas weiter, aber sich das zu erlauben, ist der Preis, die Eintrittskarte quasi für ein etwas aufregenderes, selbsterfüllenderes Leben. Sprecherin: Coach Günter Menne kennt das Stadium des Zweifelns bei seinen Klientinnen und Klienten nur allzu gut. Oft ist es der Knackpunkt, der darüber entscheidet, ob aus einem Neuanfangs-Plan auch ein tatsächlicher Neuanfang wird. O-Ton 10 Günter Menne (0‘36“): Neuanfänge fallen manchen oder vielleicht auch vielen Menschen schwer, weil wir oft an Glaubenssätze – aus der Kindheit beispielsweise – gebunden sind. Da hat der Vater vielleicht zu seiner Tochter gesagt „Du hast kein Talent, mach was Vernünftiges!“ und diesem Glaubenssatz ist die Tochter gefolgt und entdeckt vielleicht erst im Alter von 40 Jahren die Sehnsucht neu, und jetzt geht es in einem Coaching darum, die Glaubenssätze zu betrachten und umzuschreiben. O-Ton 11 Petra Bock (0‘27“) Der erste Gedanke war: Hmmm, was denken die anderen von mir? Ich bin dann so innerlich meine Reihe von Freunden und Bekannten durchgegangen und hab gedacht was sagen die dazu – ich werde jetzt Schriftstellerin! Das war ein guter Ausleseprozess für mich. Weil ich wusste: die oberflächlichen Nervbekanntschaften, die finden’s furchtbar, und die wollen nichts mehr mit mir zu tun haben (...) und andere wiederum, da wusste ich, die sagen: hey, Petra, endlich kommst du wieder zur Vernunft und machst deinen Weg, und es gab sehr viele, die mich unterstützt haben dann. Musikzäsur Sprecher: Neuanfänge gehören unweigerlich zum Leben dazu. Neuanfang, das bedeutet auch fast immer: Abschied von etwas Altem, Liebgewonnenem. Meistens gibt es zu jedem ersten Mal auch ein letztes Mal. Sprecherin: Der letzte Schultag – der erste Tag an der Uni. Der letzte Tag als Junggesellin – der erste Tag als frisch Verheiratete. Der letzte Tag in der alten Firma - der erste in der neuen. Der letzte Frühlingstag, der erste Sommertag. Über Musik: Sprecher: Der Sommer entfaltet sich wie ein strahlender Neuanfang. Alles erwacht zu neuem Leben: Blumen blühen in leuchtenden Farben, Bäume tragen stolz ihr grünes Blätterdach, und Vögel singen um die Wette. Die Luft ist erfüllt von einem Gefühl der Möglichkeit und des Aufbruchs. Von der Sonne gekitzelt aufzuwachen, erzeugt gleich das Gefühl. Heute geht was! Packen wir’s an! Musik weg Sprecher: So magisch es auch klingen mag: Keineswegs wohnt jedem Anfang ein Zauber inne! Krankheit, Tod, Verlust des Partners, des Arbeitsplatzes – all das sind Ereignisse, die Menschen zu Neuanfängen zwingen. Und diese Neustarts sind keineswegs verheißungsvoll, hoffnungsvoll und inspirierend. Sie sind oft einfach nur bitter und schmerzhaft. Ggf. über Musik O-Ton 12 Petra van Laak (0‘16“): Als junge Frau hab ich davon geträumt, viele Kinder zu haben und eine gute Ehe zu führen und mit meinem Partner alt zu werden und später dann auf die Enkelkinder auf dem Rasen spielend zu gucken und sich über die Kinder auszutauschen – das war mein Ideal. Und das ist natürlich komplett zersprungen in tausend Stücke. Sprecherin: Rückblende. Petra van Laak, studierte Kunsthistorikerin; führte ein Leben an der Seite eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Sie kümmerte sich um die gemeinsamen vier Kinder, hielt das große Haus am See in Schuss. Geld spielte keine Rolle. Es war einfach immer genug da. Bis herauskam, dass ihr Ehemann nicht halb so erfolgreich war, wie er vorgab. Er war hochverschuldet, hielt das aber lange geheim. O-Ton 13 van Laak (0‘31“): Das passiert alles gleichzeitig. Das Haus kommt quasi untern Hammer, also die Zwangsversteigerung steht im Raum. Sachen werden gepfändet, Strom wird abgestellt, Telefon wird abgestellt, kein Zugang mehr zum Konto. Es gibt kein Bargeld mehr, man kommt an Bargeld nicht mehr heran, d.h. ich hab dann so Sachen gemacht wie alle Schubladen durchforstet, nach alten Währungen, von früher, wenn wir gereist sind, dann hab ich die Währungen zur Bank getragen und hab die erst mal eingelöst und umgewechselt, auch zu schlechten Kursen, um wieder Bares zu haben. Und um wieder einkaufen zu können. Bei Aldi, ein paar Nudeln. Ggf. akustische Zäsur O-Ton 14 van Laak (0‘49“): Ich kam mir total exotisch vor, als ich noch in der Villa war und die Räumungsklage am Hals hatte und mich das Amt für Wohnraumsicherung – so heißt das – und Obdachlosenstelle oder so ähnlich, forderte mich dann auf per Brief, mich bei denen zu melden, dass mir eine Bleibe zugewiesen werden kann. Und dann bin ich zu diesem Amt gestiefelt – hatte noch ein Auto mit ganz normalem Outfit, Aktenordern unterm Arm und gehe diesen langen Flur lang und links und rechts sitzen ist jetzt total klischeehaft – wirklich Punks, Penner, Junkies das ganze Chaos sitzt da, ich geh da durch, und die grüßen mich alle, weil die dachten: Da kommt die Sachbearbeiterin! Das war für mich der Hammer! Dann grüßte ich freundlich zurück und setzte mich zwischen die auf die Bank. Sprecherin: So tauschte die einst reiche Gattin und Mutter von vier Kindern ihr Haus am See in eine dunkle, feuchte Sozialwohnung. O-Ton 15 van Laak (0‘35“): Mir war schon klar, dass das ein grausamer Abstieg war. Dass das offensichtlich regelrecht würdelos war, wie wir da gewohnt haben, ist mir an den Gesichtsausdrücken klar geworden der Mütter, die ihre Kinder vorher in die Villa gebracht haben, dann eben mit ihren großen Autos in eine andere Gegend fuhren und ihr Töchterchen zum Spielen abholten oder ablieferten und dann durch dieses Treppenhaus mit Katzenpipi im Flur usw. und mit abgerissenen Tapeten an den Wänden, mit Modergeruch aus dem Keller, dann sah ich an deren Gesichtsausdruck: Oh ja, das muss schon ein krasser Gegensatz sein! Sprecherin: Ein Neuanfang ohne Zauber. Einfach nur eine knallharte Herausforderung, mit den Veränderungen irgendwie umzugehen. Trotzdem - oder gerade - weil die Fallhöhe so groß war, entwickelte Petra van Laak ungeahnte Kräfte. Nie hätte sie gedacht, dass sie sich mal über eine geschenkte Kiste voller Lebensmittel so freuen würde. Oder dass sie durchaus in der Lage sein würde, sich und ihre Kinder mit Telefon-Drückerjobs über Wasser zu halten. Sprecher: Vielleicht ist das der Anfangs-Zauber, von dem Hesse in seinem Gedicht spricht, der uns beschützt und uns hilft zu leben. Sprecherin: Neben aller Härte und Gnadenlosigkeit, die diese Situation mit sich brachte: Petra van Laak entwickelte in dieser Zeit auch ungeheuer viel Kraft, Mut und Optimismus. O-Ton 16 Peter Gross (0‘07“): Der Buddhismus sagt: Bereite dich sozusagen darauf vor, dass nichts Bestand hat. Nichts bleibt gleich. Alles wandelt sich. Sprecherin: Peter Gross ist Psychotherapeut und Buddhist. Er stellt fest, dass sich Menschen mit Neuanfängen oft deshalb sehr schwertun, weil sie sich vom Alten nicht gut trennen können. Sprecherin: Ein großes Problem bei Neuanfängen, so Peter Gross, läge darin, was im Buddhismus „Anhaftung“ genannt wird: O-Ton 17 Peter Gross (0‘26“): Eine Lehre des Buddhismus ist: Nicht an Vergänglichem festzuhalten. Was zugegebenermaßen ein ziemlicher Lernprozess ist. Also erst mal die Vergänglichkeit anzuerkennen: dass es so ist und dass es da keine Ausnahmen gibt. Und zweitens: dass dieses Festhalten am Vergänglichen, dass das die Ursache des Leidens ist. Sprecher: Eine Studie der Universität New York und der Universität Hamburg kam 2020 zu dem Ergebnis, dass ein guter und zufriedener Abschied mit dem Lebensabschnitt davor entscheidend für einen erfolgreichen Neuanfang ist. Und auch Hermann Hesse spricht davon, dass das Herz bei jedem Lebensruf bereit sein müsse zum Neubeginn – und zwar ohne zu trauern. Ein Gedanke, der besonders bei schmerzhaften Verlusten ein wenig fremd anmuten mag. Über Musik Sprecher: Im Herbst wechselten die Farben. Das satte Grün der Blätter verwandelt sich in ein Kaleidoskop aus Rot, Orange und Gelb. Es wird allmählich kühler und dunkler, die Nächte länger. Zeit der Reflexion, die vorher nicht zur heiteren Stimmung der…

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    Surfen - Ein Sport und seine Geschichte May 22, 2025
    Show notes

    Surfen war für die Ureinwohner Hawaiis mehr als ein Freizeitvergnügen: Sich auf hölzernen Brettern Wind und Wellen auszuliefern, war für die Südsee-Insulaner gar eine Religion. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet sich das Surfen weltweit. Von Lukas GrasbergerCreditsAutor dieser Folge: Lukas GrasbergerRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Christian BaumannTechnik: Daniela RöderRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Matze und Laura, Wellenreiter und Surftouristen aus Hannover; Prof. Sabine Kind, Professorin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, Saarbrücken und Surferin; Timo Sternemann, Diplom-Sportwissenschaftler, Surflehrer und Coach, Münster; Arthur Pauli, Pionier des Flusssurfens, Traunreut; Philip Köster, Windsurf-Weltmeister in der Disziplin „Wellenreiten“, Gran Canaria Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Die Meeresbrandung - Ein Küsten-Schauspiel voller ÜberraschungenJETZT ENTDECKEN Der Kampf ums Meer - Tiefsee, Nordpol, PazifikJETZT ENTDECKEN Meerestiere im Klimawandel - Wenn das Wasser imm wärmer wirdJETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „Ein Zimmer für uns allein“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich HIER Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo Wellen, Stimmen am Strand, darüber Sprecher (Aussprache: „Si – ser“, Betonung auf erster Silbe) Es ist ein sonniger, aber windiger Mittag am Cicer-Strand in Las Palmas auf Gran Canaria – einem der beliebtesten Surf-Spots Europas. Matze und seine Freundin Laura aus Hannover haben gerade ihre Wellenreit-Session beendet. Nun entspannt das Paar an der Strandpromenade in der Sonne, lässt den Surf-Tag Revue passieren – und sinniert über die Faszination, die das Surfen für sie im Allgemeinen und im Besonderen ausmacht. O-Ton 1 Matze, Surfer aus Hannover „Weil wir es einfach lieben, im Wasser zu sein, und Verbundenheit zur Natur zu spüren...Wir hatten schon sehr viele sehr schöne Momente, ich erinnere mich an einen Moment in Porto: Es hat leicht geregnet, und die Sonne kam alle paar Minuten doch ein bisschen raus. Und wir mitten im Wasser, und um uns keine Menschen. Also das sind diese fast meditativen Elemente, die mir das Surfen gibt.“ O-Ton 2 Laura, seine Freundin, ebenfalls Surferin „Diese Kombination: Natur und Urlaub gleichzeitig, und auch Sport zu treiben...macht auf jeden Fall viel Spaß!“ Sprecher Matze und Laura sind Surf-Touristen. Wann immer das Paar Urlaub hat, reist es dorthin, wo die Wellen am besten brechen, wo die Urgewalt des Meeres den Surfer oder die Surferin auf seinem Brett meterweit trägt. In Portugal waren sie schon, in Nordfrankreich - und jetzt in Las Palmas auf Gran Canaria. Und überall treffen Matze und Laura auf Gleichgesinnte: Längst ist eine internationale Surf-Community entstanden, die die Faszination für Meer, Wind und Wellen eint. Musik: Inca Gold 0‘35 Sprecherin (Aussprache: Kabaiitos de Totora, Betonung auf den „i“) Es ist indes kein neues Phänomen: Schon vor Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden wagten sich Menschen auf hölzernen Brettern oder auf einem Gefährt aus geflochtenem Schilf aufs Meer. Schon auf Keramiken der Vor-Inka-Zeit fand man Zeichnungen peruanischer Fischer, die auf Caballitos de Totora, auf „Schilf-Pferdchen“ über die Wellen ritten. Auch Höhlenmalereien aus Polynesien aus dem 12. Jahrhundert zeigen bereits, wie sich Vorreiter der heutigen Surfer auf dem offenen Meer bewegen. O-Ton 3 Sabine Kind, Sportwissenschaftlerin und Surferin „Ursprünglich sind die Polynesier und die Hawaiianer mit ihren Auslegerkanus rausgepaddelt, um halt zu fischen, quasi um ihre Nahrung aus dem Wasser zu holen….“ Sprecherin ….weiß Sabine Kind, Professorin für Sportwissenschaften, die zum Thema „Surfen“ promoviert hat. Musik: Ku’ulpolka 0‘30 Sich in die oft meterhohen Wogen des pazifischen Ozeans zu wagen – das taten die Bewohner der Südsee-Inseln nicht nur zum Zweck des Nahrungserwerbs. Nachdem polynesische Seefahrer ihre Art, die Wellen auf einem Kanu, auf einer Planke oder einem Holzbrett zu reiten, nach Hawaii gebracht hatten, surfte man dort zum Freizeitvertreib. Das Surfen entwickelte sich so zur hawaiianischen Alltags-Kultur. O-Ton 4 Kind „Also vergleichbar mit den Inuit, die ich weiß nicht, wie viele hundert Bezeichnungen für Schnee und Schneeflocken haben, also ist das in Hawaii damals gewesen, dass sie unglaublich viele Bezeichnungen für das Meer hatten (…), und in allen Gesellschaftsschichten wurde gesurft. (…) Es gab halt Strände, die waren nur den Häuptlingen und den Königen vorbehalten und es gab halt Strände, die der allgemeinen Bevölkerung vorbehalten waren. (...) da gab es dann bereits maßgefertigte Surfbretter, auch hier gab es eine klare Trennung: bestimmtes Holz nur für die Könige, für die Häuptlinge, also sehr hochwertiges Holz und sage jetzt einfach mal Holz, was vielleicht nicht ganz so hohe Qualität hatte, für die normale Bevölkerung.“ Sprecherin Letztendlich, sagt Sabine Kind, gewann das Surfen auf Hawaii sogar religiösen Charakter. O-Ton 5 Kind „Das Meer hatte halt auch einen Götterstatus.(...)Es gibt kleine Tempel oder gab kleine Tempel, die halt auch errichtet worden sind, in denen dann um Wellen gebeten wurde, wenn keine Wellen da waren.(…) Da gab es dann Opfergaben in Form von Blumen, ich sage jetzt einfach mal Naturopfergaben: Das kann auch Obst gewesen sein - um dann eben auch entsprechend Wellen zu bekommen, gute Wellen zu bekommen. (...) Das andere war zum Beispiel, dass man bei nicht vorhandenen Wellen das Meer mit Seetang gepeitscht hat, um quasi Wellen herbeizuschwören, dazu gab es dann halt auch bestimmte Gesänge.“ Sprecherin Doch: dass die Hawaiianer ihr gesamtes Leben von früh bis spät nach dem Gang der Wellen ausrichteten – dies sollte bald der Vergangenheit angehören. Nach der Entdeckung der Inseln durch James Cook kamen im 19. Jahrhundert christliche Missionare nach Hawaii. Diesen war das heidnische Brauchtum ein Dorn im Auge: allem voran, dass sich die Inselbewohner nackt aufs Brett stellten. Den Missionaren gelang es, ihre moralischen Sitten durchzusetzen. Mit ihnen hielt auch ein klar strukturierter Tagesablauf auf den Südseeinseln Einzug, der sich nicht mehr nach Ebbe und Flut, nach dem Gang der Wellen richtete. Die kulturelle Einbindung des Surfens ging verloren, es verkam zum reinen Zeitvertreib. Musikakzent: White sandy beach of Hawai 0‘15 Es war Duke Paoa Kahanamoku – kurz, der „Duke“ - der Anfang des 20. Jahrhunderts eine Renaissance des immer weniger populären Surfens herbeiführte. O-Ton 6 Kind „...Er hat das Ganze wirklich nach vorne gebracht: Ursprünglich ja auch ein Schwimmer, ein Rettungsschwimmer, wenn man in Waikiki am Strand steht, gibt es eine ganz große Statue von ihm mit einem Surfbrett. (…) Im Prinzip hat er das Surfen wieder gesellschaftsfähig gemacht, also eben, er hat halt im Prinzip einfach wieder gesurft und die Leute neugierig darauf gemacht, das hat ja so eine Sogwirkung dann: „oh, der macht das auf einmal, das ist ja schon wieder was Besonderes!“ Und letzten Endes hat er dann halt viele andere Leute mitgezogen. (...) Es wurden dann erste Surfclubs wieder eingerichtet, 1908 wurde dann die erste offizielle Surforganisation, der Outrigger Surfboard Club nannte der sich, gegründet. Touristen haben dann halt bei diesen typischen Beach Boys, so nannte man sie oder so nennt man sie halt auch immer noch, Surfunterricht bekommen. Das Ganze ist dann ja von Hawaii nach Kalifornien gekommen.“ Musik: Beach Boys“, Surfin´USA 1‘00 O-Ton 7 Sternemann Teil 1 „Da war das mehr so: Hey, wir gehen da raus, wir haben Spaß zusammen und dödeln da auf so Riesenbrettern so ganz langsam durch die Welle (…) Sprecher ...weiß der Surflehrer und Coach Timo Sternemann. O-Ton 7 Sternemann Teil 2 „Und ich denke da, vielleicht hast du so Bilder auch vor Augen, da sind so 50 Leute auf einer Welle gesurft und ich glaube, da war das weniger kompetitiv.“ Sprecher Noch war das Surfen auf großen, trägen Brettern eine recht gemächliche Angelegenheit. Doch diese Zeiten änderten sich spätestens mit den 1950er-Jahren. Tüftler traten auf den Plan, um die Boards leichter, kleiner und wendiger zu machen. Dazu kamen mehreren Finnen: Kunststoffteile, die wie umgekehrte Haiflossen unten aus den Brettern ragen. Sie beschleunigten die Boards, und machten sie drehfähiger. Dies führte Timo Sternemann zufolge dazu... O-Ton 8 Sternemann „….dass die Sportart schneller, agiler, kraftvoller geworden ist, dass irgendwann (...) in den 70er Jahren die Bretter kürzer geworden sind und so ein Dreierfinnen-Set, so ein Thruster erfunden wurde. Da ist so mehr Dynamik reingekommen...und da brauchte dann ein Surfer die ganze Welle, weil der vor, zurück, rauf, runter gefahren ist und dann war dieser Style vom Surfen eben nicht mehr mit 30 Leuten auf einer Welle möglich.“ Sprecher Dass das Surfen so zunehmend Wettbewerbscharakter gewann – und dass es sich gleichzeitig immer mehr verbreitete: Dies hatte mit einer weiteren Neuerung zu tun: Dem Neopren-Anzug. Denn der machte längere Aufenthalte im Wasser auch in kälteren Regionen - wie etwa der französischen Atlantikküste - möglich. Befeuert durch Berichte in Zeitungen, Magazinen, Rundfunk und Fernsehen kam es in den 1960er-Jahren weltweit zu einem Surf-Boom. Atmo: Wellen Auch Arthur Pauli, einem Abiturienten aus dem Chiemgau in Oberbayern, fiel ein Artikel über das Surfen am französischen Atlantik in die Hände. Der junge Mann las ihn – und war sofort fasziniert: O-Ton 9 Pauli „Das war der da...„The Fabulous French Surf“. Und das war natürlich... uih, in Frankreich kann man surfen und Biarritz ist natürlich sozusagen die Hauptstadt des europäischen Surfens. Da musste ich unbedingt hin! Das war dann mein Grund, warum ich dann nach meinem Abitur mit dem Motorrad nach Biarritz gefahren bin.“ Sprecherin Doch: Wie dort surfen ohne eigenes Board? Arthur Pauli und sein ebenso surfbegeisterter Spezl schalteten eine Anzeige in einer Lokalzeitung im fernen Baskenland, um mit Surfern am Atlantik in Kontakt zu kommen. Gemeldet, erzählt Pauli, hat sich niemand. O-Ton 10 Arthur Pauli, Mit-Erfinder des Fluss-Surfens „Dann haben wir gesagt: Da gibt es bestimmt einen von den Surfern, der uns ein Brett leihen wird. Aber haben wir keine Resonanz bekommen, bis wir weggefahren sind nach Biarritz. Und auch in Biarritz selber hatten wir Pech gehabt, hat uns keiner ein Brett geliehen. Die waren alle in Betrieb. Immer wenn gute Wellen waren, waren die Bretter alle draußen. Und wenn keine guten Wellen waren, dann wollten wir auch nicht rausgehen. Der Traum, da viel zu surfen, war dann da ausgeträumt. „ Sprecherin Doch Arthur Pauli, der junge Surf-Pionier aus Trostberg, wusste sich selbst zu helfen. Der Traum, eine schöne Welle zu reiten – der musste sich doch auch fern der Ozeane verwirklichen lassen? Erste Erfahrungen damit hatte Pauli schon als Schüler gesammelt. Zuerst mit Holzbrettern, dann mit der Platte eines alten Campingtischs, die der Jugendliche mit einem Seil am Ufer der Alz befestigte. Sich darauf in die Fluten zu stürzen – das funktionierte aber nur leidlich. Arthur Pauli und seine Freunde verbrachten mit diesen Brettern mehr Zeit unter - als auf dem Wasser. Atmo Welle Surfin 0‘15 Der junge Mann beschloss daher, sein eigenes Surfbrett zu bauen. Als Vorlage hatte er nicht viel mehr als die Abbildung eines Wellenreiters auf einem Plattencover. Aber Pauli hatte schon Erfahrung im Modellbau, wusste bereits, wie man kleine Boote fertigt. Er sägte die Bestandteile des Bretts aus speziellem Sperrholz und überzog das Ganze mit Glasfaser-Polyester. Fertig war das erste im Chiemgau hergestellte Brett - möglicherweise das erste in Deutschland gefertigte Surfboard überhaupt. Mit der Übergabe eines seiner Boards an einen „Kunden“ in München im Jahr 1971 sollte auch die Geschichte des „River-Surfens“ in der Landeshauptstadt Fahrt aufnehmen. O-Ton 11 Pauli „Und da sind wir dann, das war dann südlich des Campingplatz Thalkirchen...da hat es auch eine kleine Welle gegeben, die war aber für uns das erste Mal noch nicht so interessant. Wir wollten das erste Mal mit dem Seil fahren, aber beim Fahren mit dem Seil mit dem Brett sind wir draufgekommen: Da ist ja eigentlich schon ein bisschen eine Welle, und vielleicht könnte man mal versuchen, so hinzufahren mit dem Seil, dass die Welle schiebt! Die war nämlich nicht sehr hoch die Welle, die hat schätzungsweise so 40 Zentimeter, 30 Zentimeter... Das ist uns nicht gelungen!“ Sprecherin Frei, ganz ohne Seil auf einer Welle zu stehen: An der heutigen Königsdiziplin der Fluss-Surfer scheiterten Pauli und seine Surf-Spezln damals – noch. O-Ton 12 Pauli „...aber mein Spezl, dem ich das Brett geliefert habe am Königsplatz, der hat mit einem amerikanischen GI, den wir da auch kennengelernt haben, der hat so lang probiert und so intensiv auf der Welle probiert, bis er es geschafft hat, auf dieser kleinen 30 Zentimeter hohen Welle wirklich ohne Seil zu reiten“ Atmo große Welle(n), darüber Sprecherin Während in München das Riversurfen florierte, die tollkühnen Wellenreiter – nunmehr auf dem Eisbach - nach und nach zur Touristenattraktion wurden, nahm weltweit eine andere Form des Surfens ihren Aufschwung: Musik: Wind beneath the wings 0‘45 Das Windsurfen. Es waren die US-Amerikaner Newman Darby und Jim Drake, die Ende der 1960er-Jahre die Idee, ein Surfbrett mit einem Segel zu verbinden, erstmals in die Tat umsetzten. Doch erst Neuerungen, die das Windsurfen bequemer machen, wie die Entwicklung des Trapezes, das die Hände entlastet, Fußschlaufen für höhere Standfestigkeit auf dem Brett, sowie insgesamt leichtere und agilere Bretter, die Sprünge ermöglichen, sorgten dafür, dass sich die Sportart weit verbreitete. Seinen weltweiten Durchbruch erlebte das Windsurfen Ende der 70-er, Anfang der 80er-Jahre. Sprecher Zu dieser Zeit wandert auch das Hamburger Ehepaar Köster nach Gran Canaria aus - und gründet dort eine Surfschule. Ihr Sohn Philipp wächst mit Wind und Wellen auf. O-Ton 13 Philip Köster, Windsurf-Profi auf Gran Canaria „Ich hatte eigentlich immer das Meer vor meiner Haustür. (...)Surfen ist mein Leben, sozusagen. Seit meinem achten Lebensjahr bin ich eigentlich nur am Windsurfen.“ Atmo: Wind/Meer Sprecher (Aussprache: Poso Iskierdo) Der hier stets wehende, oft starke Wind in Pozo Izquierdo im Südosten von Gran Canaria bietet professionellen Windsurfern wie Philip Köster beste Bedingungen. Musik: Sky in your eyes 0‘30 Manchen Surfer reizt der Speed: Profis erreichen bei starkem Wind Rekordgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Andere bevorzugen die Disziplin „Slalom“. Philip Köster reizt indes eher das Waveriding: Die Wellen – und was sich aus ihnen machen lässt. O-Ton 14 Köster „Man kann Ein-, Zwei-Meter-Wellen haben bei einem guten Tag. Nicht so wie in Hawaii, wo es dann bis acht Meter geht. Das Spezielle hier auf Gran Canaria in Pozo, ist eigentlich der ganz starke Wind, wo man richtig hoch springen kann. Desto stärker der Wind ist, desto höher kann ich auch springen, was mir auch sehr viel Spaß bringt. Und ich schaue immer, immer höher zu springen. (...) Also ich bin schon s…

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    Von Wutausbrüchen, Freudensprüngen und Bedürfnissaufschub May 22, 2025
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    Wutanfälle bei Kindern sind berühmt-berüchtigt. Die Kleinen entdecken ihren Willen und wollen ihn durchsetzen. Mit der Zeit lernen sie, Emotionen zu regulieren. Aber was passiert eigentlich mit all den Gefühlen? Von Maike Brzoska (BR 2024)Credits Autorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Irene SchuckEs sprach: Susanne SchroederTechnik: Ursula KirsteinRedaktion: Susanne Poelchau Im Interview:Sabina Pauen, Psychologin und Professorin an der Universität HeidelbergHerbert Scheithauer, Psychologe und Professor an der Freien Universität Berlin Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: 01 TON (Maike, Leo) Zähneputzen. Gleich. Nein, jetzt Leo. Komm, wir müssen gleich los. ERZÄHLERIN So klingt es bei uns morgens. Erst frühstücken, Zähne putzen und dann anziehen. 02 TON (Maike, Leo) Zieh mal bitte die Schlafsachen aus. Hörst du mich? Einmal Schlafsachen ausziehen. ERZÄHLERIN Aber mein Sohn ist schon wieder in seiner eigenen Welt. Er will mir unbedingt noch seinen Lieblingsbaum draußen zeigen. 03 TON (Maike, Leo) Da, der wo das Häuschen daneben ist. Aha. So komm, zieh mal jetzt an. Hast du ihn gesehen? Ja. Stell dich mal hin und zieh die Sachen aus. ERZÄHLERIN (leicht genervt) Es folgt eine Runde auf dem Bett hüpfen …. 04 TON (Maike, Leo) Komm her. Mama, kann ich spielen? Wir ziehen dich jetzt erst mal an. Beine durch. Wo sind denn jetzt die Socken? Socken? Ich hab dir hier eben die Socken gelegt. Einmal Socken suchen. Hab sie. Das ist ein Fußball. ERZÄHLERIN Die Socken durchs Zimmer kicken und noch ein Purzelbaum im Bett. Ist alles viel lustiger als Anziehen. Kann ich ja verstehen. Aber trotzdem: die Zeit drängt, wir müssen los zur Kita. Deshalb dranbleiben, es fehlen nur noch Schneeanzug und Schuhe: 05 TON (Maike, Leo) Den Anzug ziehst du dir gleich alleine an. Ne Mama. Warum denn nicht? Weil ich nicht will! Musik 2 "Im Innern Berlins" - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0'50 ERZÄHLERIN An dieser Stelle kann es dann auch mal etwas lauter werden, aber nur kurz. Inzwischen kriegen wir es eigentlich immer hin, dass alle einigermaßen pünktlich und vollständig angezogen loskommen. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Da war mein Sohn etwa zwei Jahre alt. Wenn es schlecht lief, kam es an dieser Stelle dann zu einem richtigen Wutanfall: Hochroter Kopf, Schuhe, die durch den Flur flogen, ein schreiendes Kind, das aufgebracht hin und her lief. Wie das klang, erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Die meisten Eltern kennen das vermutlich ohnehin. So ein Wutanfall beginnt in der Regel damit, dass ein Kind etwas will, und zwar unbedingt! 06 O-TON (Pauen) Sei es jetzt eine bestimmte Jacke anzuziehen oder eben den Teddy noch mitzunehmen oder Süßigkeiten aus dem Supermarkt mitzunehmen. Egal was es ist, es wird erstmal insistiert, dann gibt es ein Nein, ein Widerstand auf der anderen Seite, und dann wird das immer lauter und das Kind kann wirklich am Schluss völlig hilflos auf dem Boden liegen, strampeln, schreien, völlig ausgeliefert seinen negativen Emotionen sein. ERZÄHLERIN Sagt die Psychologin Sabina Pauen. Sie ist Professorin an der Universität Heidelberg. Typischerweise treten solche Wutausbrüche im Alter von zwei bis vier Jahren auf. 07 O-TON (Pauen) Auch noch bis fünf, aber nach fünf selten. Musik 3 "Im Innern Berlins" - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0'40 ERZÄHLERIN Bei uns gab es die Wutanfälle meistens morgens, wenn Müdigkeit und Zeitdruck zusammenkamen. Bis mein Sohn sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, konnte es schon mal zehn bis fünfzehn Minuten dauern. Eine schwierige Situation für uns Eltern. Manchmal hatte ich ein Meeting und wusste, alle Kolleginnen und Kollegen warten gleich auf mich. Oder ich musste zum Zug – und der wartet eben leider nicht auf mich. In solchen Momenten hätte ich mich am liebsten selbst auf den Boden geworfen und losgeschrien. Bringt natürlich nichts. 08 O-TON (Pauen) Was man dann machen muss, ist, zunächst Verständnis signalisieren. Das ist natürlich genau nicht das Gefühl, das man gerade hat. In dem Moment, wenn man schnell aus der Tür muss und das Kind streikt. Aber im Endeffekt sagen: Ja, ich verstehe, du willst das jetzt wirklich nicht. Aber es muss jetzt so laufen. Also auf der einen Seite Verständnis signalisieren, auf der anderen Seite ganz ruhig und ganz konsequent die eigene Position noch mal wiederholen für das Kind, manchmal auch mehrmals. Aber das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben. Und das Schwerste. ERZÄHLERIN Mit der Zeit sind wir als Eltern gelassener geworden. Was mir wirklich sehr geholfen hat: zu wissen, warum es zu solchen Wutausbrüchen kommt. 09 O-TON (Pauen) Das hat was damit zu tun, dass die Kinder gerade eine bestimmte Entwicklungsphase durchlaufen, in der sie auf der einen Seite schon ein Autonomiebedürfnis entwickelt haben, auch die Fähigkeit, viele Dinge selber zu machen und auch zu kommunizieren, was sie möchten. ERZÄHLERIN Die Kinder wissen, was sie wollen und können es den Eltern auch mitteilen. Aber andere Fähigkeiten fehlen ihnen noch. 10 O-TON (Pauen) Zum Beispiel die Fähigkeit, die Perspektive von Anderen mit einzubeziehen. Musik 4 "48 Hours" - Ausführende: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0'35 ERZÄHLERIN Also beispielsweise meine Perspektive. Mir kam es tatsächlich so vor, dass mein Sohn ausgerechnet immer dann streikte, wenn ich einen wirklich wichtigen Termin hatte und pünktlich losmusste. Manchmal dachte ich sogar, dass er sich absichtlich querstellte, so von wegen: Mama soll keine Termine haben, sondern nur für mich da sein. Trotzkopf sagten manche Menschen früher – aber mit Trotz, also mit Widerstand gegen die Eltern, hat so ein Wutausbruch nichts zu tun. 11 O-TON (Scheithauer) Als Elternteil, ich bin selber Vater, rutscht man sehr schnell auch in so eine Situation, dass man denkt: Oh, dieses Kind, was will das jetzt wieder? Und man bezieht das so auf sich selbst und denkt, das Kind will sozusagen rebellieren, es will seinen Kopf durchsetzen, es will einem etwas Böses. Das ist überhaupt nicht der Fall. Die Eltern müssen sich klar machen, dass das Kind eben noch nicht anders kann in so einer Situation. ERZÄHLERIN Sagt der Psychologe Herbert Scheithauer. Er ist Professor an der Freien Universität Berlin. Rückblickend denke ich, dass meine eigene Anspannung oft dazu beigetragen hat, wenn es morgens laut wurde. Deshalb: am besten gelassen bleiben. Und vielleicht schafft man es sogar, sich darüber zu freuen, dass das eigene Kind gerade einen bedeutenden Entwicklungsschritt macht. Das versucht auch Scheithauer zu vermitteln. 12 O-TON (Scheithauer) Wenn Eltern mich fragen, sage ich oft: Herzlichen Glückwunsch, Ihr Kind entwickelt sich ganz vorzüglich. Denn zum einen sind Wutanfälle die Möglichkeit, mit denen kleine Kinder ihre Gefühle ausdrücken und bewältigen. Und zum anderen lernen sie gerade, dass ihr Verhalten andere beeinflusst. ERZÄHLERIN Im Alter von anderthalb bis drei Jahren passiert bei Kindern unglaublich viel. Wir als Eltern waren damals oft erstaunt. Zum Beispiel als unser Sohn, der als Baby eigentlich immer getragen werden wollte, plötzlich anfing, auf eigenen Beinen die Welt zu erkunden. 13 O-TON (Scheithauer) Sie beginnen unabhängiger zu werden. Das geht damit einher, dass das Kind sich plötzlich im Spiegel selber erkennt, dass es das es plötzlich Worte benutzt wie „mein“ und eben auch das berühmt-berüchtigte Wort „Nein“. Und sie lösen sich damit natürlich auch ein Stück weit von den Eltern. Sie folgen nicht mehr so ganz dem, was die Eltern sagen und wollen, weil sie ihren eigenen Willen durchsetzen wollen. Sie wollen bestimmen, was sie anziehen, was sie essen, was sie tun. ERZÄHLERIN Ein Stück Autonomie also – das starke Emotionen mit sich bringen kann. Heftige Wut, wenn die Eltern einen ausbremsen. Aber auch riesige Freude, bei unserem Sohn zum Beispiel, als er es das erste Mal geschafft hat, die Tür alleine aufzumachen. Solche Gefühle können Eltern ihren Kindern spiegeln. 14 O-TON Scheithauer Also von Geburt an kann man eigentlich Emotionen dem Kind gegenüber spiegeln: Ach, jetzt bist du traurig. Oder ja, das macht dich froh. Dass man dem Kind erklärt, wie es sich überhaupt fühlt. Das klingt jetzt komisch, es ist aber so, dass Kinder überhaupt noch gar kein Verständnis haben in einem sehr jungen Alter, was Emotionen sind und was mit ihnen da eigentlich los ist. ERZÄHLERIN Denn erst wenn sie verstehen, was da gerade passiert, welches Gefühl sie haben, können sie lernen, damit umzugehen. Anders ausgedrückt: Sie können lernen, ihre Emotionen zu regulieren. 15 O-TON (Scheithauer) Und es gibt zwei Emotionsregulations-Strategien, wo wir auch aus einer Vielzahl von Studien wissen, dass diese besonders Sinn machen, die aber erst bei etwas älteren Kindern funktionieren, weil es bestimmte kognitive Kapazitäten braucht, das heißt, das Kind muss kognitiv in der Lage sein, das zu tun. Musik 5: "Desolate Spirit" - Ausführende: Nick Johnson & Nino Morro - Album: Nordic Noir - Komponist: Nick Johnson - Länge: 1'23 ERZÄHLERIN Strategie Nummer eins: Das Kind möchte etwas haben, zum Beispiel den Schokoriegel an der Supermarktkasse. Und dann sagt oder denkt das Kind: 16 O-TON (Scheithauer) Ist ja nicht so schlimm, wenn ich das jetzt nicht kriege, dann kriege ich nachher eben ein Gummibärchen. Das heißt, das Kind nimmt so ein bisschen Druck aus dieser Situation, dass es jetzt nicht sofort etwas bekommt, weil es sagt: Ich finde das jetzt gar nicht so wichtig. ERZÄHLERIN Es relativiert also ein Stück weit seinen eigenen Wunsch. Irgendwann wird es schon wieder was Süßes geben. Es muss nicht sofort sein. Das kann die Wut mildern. Die zweite Strategie, die Kinder ab einem gewissen Alter lernen können, ist: Lösungen finden. Zum Beispiel wenn der Turm, der sehr lange und mit sehr viel Hingabe gebaut wurde, plötzlich umfällt. 17 O-TON (Scheithauer) Wenn also etwas umgefallen ist, dann nicht schreien und einen Wutanfall kriegen, sondern sagen: Ach, ist nicht schlimm, kann man ja wiederaufbauen und dann das Ganze auch wiederaufbauen. Und dann steht der Turm wieder und dann gibt es auch keinen Grund mehr für Frust. ERZÄHLERIN Relativieren und Lösungen finden – beides sind erfolgreiche kognitive Strategien, um eine Situation neu zu bewerten und mit Frust umzugehen. Es gibt sehr viele solcher Strategien, wobei einige von Psychologinnen und Psychologen heute nicht mehr empfohlen werden. Zum Beispiel „Dampf ablassen“, wie man umgangssprachlich sagt. Dahinter steht die sogenannte Karthasis-Hypothese. 18 O-TON (Scheithauer) Die geht davon aus, dass sich zum Beispiel bei Frustrationen, die ich erlebe, meine Wut rauslassen muss. Es gibt also ganz berühmte Experimente, auch aus der Sozialpsychologie, wo wir Kindern die Möglichkeit geben, sozusagen dann mit Keulen auf eine Puppe einzuschlagen. Oder wir finden das auch häufig in Erziehungsratgebern. Das Kind soll dann ein Kissen nehmen und mit der Faust reinschlagen. In dieser Situation selber ist das tatsächlich so, dass man sich dann so ein bisschen wie befreit fühlt. Das Problem ist aber, dass die Kinder dann lernen, dass das ein tolles Gefühl ist, wenn man die Wut so rauslässt, wenn man zuschlägt, wenn man haut. Und das bleibt als Lerneffekt. Und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch zukünftig in einer solchen Situation genau ein solches Verhalten gezeigt wird, was wir ja eigentlich nicht wollen. ERZÄHLERIN Als ich das höre, erschrecke ich erst mal. Denn tatsächlich haben wir das mit dem Kissen zum Reinboxen auch mal versucht, man liest es einfach oft. Es half auch ein bisschen. Aber auf längere Sicht ist es eben keine gute Idee. 19 O-TON (Scheithauer) Wir wissen aus Studien, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Menschen, die ihre Wut in solchen Situationen rauslassen, zukünftig häufiger in wutauslösenden Situationen auch ein aggressives Verhalten zeigen. Es macht also mehr Sinn, mit der Wut umzugehen, die Wut zu beherrschen, zu kanalisieren in sozial angemessene Verhaltensweisen. ERZÄHLERIN Wobei es an dieser Stelle wichtig ist zu betonen: Es geht nicht darum, gar keine Wut oder keinen Frust mehr zu haben. Sondern vielmehr darum, Emotionen so zu regulieren, dass sie einen nicht mehr völlig überwältigen. 20 O-TON (Scheithauer) Alle Emotionen, das muss man immer wieder sagen, haben ihre Berechtigung. Es geht also nicht darum, Emotionen wegzuregulieren, Dass wir nicht mehr traurig sind, ängstlich oder wütend. Das wäre fatal, weil alle Emotionen haben ihre Funktion, ihre Bedeutung in unseren sozialen Interaktionen. ERZÄHLERIN Sie sind wichtig, weil sie anderen Menschen signalisieren, wie es einem geht. 21 O-TON (Scheithauer) Das heißt, man kann einem Menschen ansehen, wenn er Angst hat oder wenn er wütend ist oder wenn er glücklich ist. Und sie regulieren dann die Interaktion mit anderen Menschen. Das heißt, wenn ich sehr traurig bin, dann sehen das andere und sprechen mich an, oder ich suche mir selber Hilfe. Dafür dienen Emotionen. ERZÄHLERIN Deshalb ist es zwar wichtig, dass wir Emotionen regulieren, auch ein Stück weit dämpfen und kontrollieren, aber gleichzeitig auch ausdrücken und zeigen können. Langfristig betrachtet, kann es sonst zu Depressionen kommen im schlimmsten Fall. 22 O-TON (Pauen) Wenn ich jetzt Gefühle habe und die werden nicht wahrgenommen von Anderen oder ich kann das Verhalten, das daraus resultieren würde, nicht zeigen, dann lähmt mich das oder macht mich hilflos. Und da ist so der Übergang zu depressiven Verstimmungen oder auch Depressionen irgendwann. Das ist ja gelernte Hilflosigkeit. Also ich kann nichts machen, ich werde nicht wahrgenommen und ich kann nichts bewirken. Das sind Gefühle, die mich sehr traurig und hilflos machen. Musik 6 "Im Innern Berlins" - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0'45 ERZÄHLERIN Auch während eines Wutanfalls ist es deshalb wichtig, beim Kind zu bleiben und ihm zu signalisieren, es ist schon in Ordnung, dass du jetzt wütend bist. 23 O-TON (Pauen) Das Gefühl ist erstmal da und es wird sich auch nur dann verändern, wenn sich meine Bewertung der Situation verändert… ERZÄHLERIN … was die Kleinen aber eben noch nicht können … 23 O-TON Oder wenn eine andere Person darauf reagiert hat und mein Signal angekommen ist. Erst dann kann es wieder flüssig werden, sagen wir Psychologen manchmal, dass ich irgendwie wieder in andere Richtungen auch denken und fühlen kann. Musik 7 "Desolate Spirit" - Ausführende: Nick Johnson & Nino Morro - Album: Nordic Noir - Komponist: Nick Johnson - Länge: 0'41 ERZÄHLERIN Je älter Kinder werden, desto besser gelingt es ihnen, Gefühle zu regulieren. Auch weil sie immer besser sprechen können. 24 O-TON (Pauen) Und damit auch in Verhandlungen einzutreten mit den Eltern und auf eine sozial akzeptierte Weise Interessenkonflikte zu regeln. ERZÄHLERIN Oh ja, das Verhandeln! Unser Sohn macht inzwisc…

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    Claude Lévi-Strauss - Ethnologe und Philosoph May 21, 2025
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    Sind wir anders als sogenannte Naturvölker? Gibt es allgemeine Strukturen des Lebens und Denkens? Für den französischen Forscher und Philosophen Claude Lévi-Strauss galt: es gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Völkern. Von Michael Reitz (BR 2020)


    Autonomie für Korsika? Lieder für die Freiheit May 21, 2025
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    Korsika: Traumschöne Insel im Mittelmeer, bewohnt von widerborstigen Korsen, die seit Jahrhunderten um ihre Freiheit kämpfen. "Korsika ist nicht Frankreich", "Freiheit für Korsika": Solche Graffiti finden sich überall auf der Insel. Welche Rolle spielen dabei die eigene korsische Identität und Sprache? Von Vanja Budde (BR 2023) CreditsAutorin dieser Folge: Vanja BuddeRegie: Ron SchicklerEs sprachen: Laura Maire, Florian Schwarz, Ron SchicklerTechnik: Regine ElbersRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Ghjuvanfrancescu Mattei, Musiker;Alain Di Meglio, Vize-Direktor Universität Corté;Matthias Waechter, Historiker, Leiter des Institut Européen des Hautes Etudes Internationales, Nizza Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Katalonien - Spanische Region mit eigener GeschichteJETZT ANHÖREN Literaturtipps: Matthias Wächter, Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Verlag C.H. Beck, München 2019. Matthias Wächter, Geschichte Frankreichs. Verlag C.H. Beck, München 2023. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo 1 , Konzert, L’Alba, polyphoner Gesang auf Korsisch, a capella, steht 0’38 frei, bis sie das erste Mal Luft holen, dann leise weiter unter Sprecherin Algajola, ein kleiner Ort an der zerklüfteten Westküste Korsikas. In der Dorf-Kirche verbinden drei Männer ihre Stimmen zum Paghjella-Gesang: Sie sind die Wurzeln der korsischen Musik, diese klagend-dramatischen mehrstimmigen Melodien. Wenn man sie hört, sieht man Korsikas schroffe Berge vor sich, die mehr als 50 Gipfel über 2.000 Meter Höhe, die eiskalten, klaren Flüsse, die zu Tal stürzen, die stachelige Macchia, die das harte Leben der Schäfer im Inneren der Ile de Beauté Jahrhunderte lang bestimme: der heute bei Touristen beliebten „Insel der Schönheit“. Atmo Gesang, kommt kurz hoch, dann weiter unter Denn Korsika ist schön, aber auch wild. Ein „Gebirge im Meer“, umkämpft seit Jahrtausenden, stets beherrscht von fremden Mächten, gegen die sich die Korsen immer gewehrt haben. All das klingt mit in diesem traditionellen, polyphonen Gesang. Die UNESCO hat ihn darum 2009 zum immateriellen Erbe der Menschheit erklärt. Atmo 1 Gesang, kommt kurz hoch, endet Applaus, steht kurz frei, dann Kreuzblende zu Leadsänger Ghjuvanfrancescu Mattei begrüßt das Publikum, kurz auf Korsisch, dann auf Französisch, steht kurz frei, dann leise weiter unter Sprecherin Einer der drei Sänger ist Ghjuvanfrancescu Mattei. Seine Gruppe L’Alba lade sie dazu ein, mit in die korsische Seele einzutauchen, erklärt er den Touristen, die an diesem Abend zu annähernd 100 Prozent das Publikum stellen. Darum sängen sie ausschließlich in ihrer eigenen Sprache: Korsisch. Das klingt überhaupt nicht wie Französisch, sondern hat eher Ähnlichkeiten mit Italienisch. Weshalb es auch im Norden der Nachbarinsel Sardinien von vielen verstanden wird. Atmo 2, Lied (Gesang beginnt bei 0’56, davor die Instrumente, Harmonium, Gitarren, Violine, Klarinette, Flöte) bitte mit langer Kreuzblende sanft einblenden und dann so hochkommen lassen, dass man zunächst die Instrumente noch hört), steht frei, dann leise weiter unter Sprecherin Korsika ist nach Sizilien, Sardinien und Zypern die viertgrößte Insel im Mittelmeer; mit knapp 350.000 Einwohnern, in etwa so viele wie Island hat. Früher wurde in den Dörfern im Inselinneren viel gesungen, bei Festen, aber auch abends in den Familien. Doch immer mehr junge Leute wandern in die Städte ab, nach Bastia an der Ostküste mit ihren langen Sandstränden oder in die Insel-Hauptstadt Ajaccio im Südwesten. Zurück bleiben die Alten, gesungen wird immer seltener. Gruppen wie I Muvrini, A Filetta oder eben L’Alba sind darum die Hüter nicht nur von Geschichte und Tradition, sondern sie bewahren und fördern auch die korsische Identität. Sagt Ghjuvanfrancescu Mattei: O-Ton 1 Ghjuvanfrancescu Mattei, Französisch, OV OV MÄNNLICH „Unsere Insel hat in der Vergangenheit gelitten. Und sie hat sich an jedes Leiden angepasst. Deshalb findet man auch in der Musik, im künstlerischen Ausdruck, eine Form von Melancholie, eine Form von Schmerz. Denn die korsische Bevölkerung wurde in all den Jahren der Fremdherrschaft mundtot gemacht. Das erzählen wir auch in unseren Liedern: Dass wir Korsen schweigen mussten. Immer wieder unsere Staatsangehörigkeit ändern mussten. Sicherlich spürt man das in unserer Musik: Korsikas melancholische Leuchtkraft.“ Kreuzblende zu Atmo 3, Wellenrauschen, unter Sprecherin Sie ist lang, die Liste der fremden Herrscher über diese gebirgige Insel, die zwischen dem italienischen Festland und Sardinien liegt: Byzantiner, Langobarden, Sarazenen und Franken setzten sich an den Küsten fest. Die Markgrafen der Toskana meldeten ebenso Ansprüche an, wie die Seerepubliken Pisa und Genua. Die meisten Korsen zogen sich ins unzugängliche Inselinnere zurück. Kreuzblende zu Atmo 4, instr. Lied, steht kurz frei, dann unter Dabei war die Insel schon in prähistorischer Zeit bewohnt. Und schon immer begehrt. Ligurer und Etrusker vom nahen italienischen Festland siedelten sich an, aber auch Griechen und Araber hinterließen genetisch ihre Spuren. Unter der Herrschaft Genuas im Mittelalter kamen viele italienische Siedler, die ihre Sprache und Kultur mitbrachten. Es wird daher angenommen, dass die moderne korsische Bevölkerung eine Mischung all dieser ethnischen und linguistischen Gruppen ist. So blieb Korsika, das nie eine brave Kolonie oder Provinz war, immer eine Welt für sich. Kreuzblende zu Atmo 4, instr. Lied, steht kurz frei, dann unter 1729 hatten die Korsen genug: In mehreren, Jahre langen Aufständen lehnten sie sich gegen die Zwangsverwaltung und das Feudalsystem der Genuesen auf. 1755 riefen sie ihre staatliche Unabhängigkeit aus. Unter Führung des Widerstandskämpfers Pascal Paoli, der bis heute als „Babbu di a Patria“ verehrt wird, als „Vater des Vaterlandes“, gaben sich die Korsen eine demokratische Verfassung. Übrigens war es die erste Verfassung im Zeitalter der Aufklärung, lange vor den Verfassungen der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 und Frankreichs 1791. Inklusive Gewaltenteilung und Volkssouveränität und des europaweit ersten Frauenwahlrechts immerhin für alleinstehende Frauen und Witwen. Sprecherin Einer der engsten Mitarbeiter Paolis dabei war Carlo Buonaparte: Napoleons Vater. Atmo 4, Lied, instr., kommt kurz hoch, dann weiter unter Sprecherin Die Genuesen mochten sich mit der kämpferischen Inselbevölkerung nicht länger herumärgern und verkauften ihre Ansprüche an Frankreich. Schon nach 14 Jahren war es dann vorbei mit der Freiheit: 1769 besiegte Frankreich die korsischen Truppen in der Schlacht bei Ponte Novu. (Lied ab hier ganz sanft weg blenden, Kreuzblende zu Atmo 5 Corté, Straßenverkehr ect., drunter) MUSIK DEWF82104492 Neutral Assistance (Reduced 3) 01:08min Sprecherin Seither ist Korsika französisches Staatsgebiet. Sieht man von einer kurzen Periode während der Französischen Revolution ab, als die Insel unter englische Oberhoheit geriet. Pascal Paoli ging ins Exil nach England, 1807 starb er in London. Der junge Napoleon schrieb später in seinen unveröffentlichten „Lettres sur la Corse“: „Die Geschichte Korsikas ist ein ständiger Kampf zwischen einem kleinen Volk, das frei sein will, und seinen Nachbarn, die es unterjochen wollen.“ Sprecherin Obwohl der korsische Kampf um Unabhängigkeit nur so kurze Zeit Erfolg hatte, beeinflusste er nicht nur viele Intellektuelle und Staatsmänner jener Zeit, unter ihnen Jean-Jacques Rousseau, der mit Paoli befreundet war, und die Gründungsväter der Vereinigten Staaten. Sondern die Erinnerung an diese 14 goldenen Jahre der Freiheit ist auch heute noch lebendig. Vor allem in der damaligen Hauptstadt des unabhängigen Korsikas: Corté, in den Bergen im Inselinneren gelegen. Heute hat die lebendige Kleinstadt am Zusammenfluss von Restonica und Tavignano 7.500 Einwohner. Die Hälfte davon sind Studenten der einzigen Universität Korsikas. (ab hier Atmo Straßenverkehr sanft weg blenden, Kreuzblende zu Atmo 6, Treppensteigen in der Uni, steht kurz frei, dann unter Text schnell weg blenden und trocken weiter) Die nach Pascale Paoli benannte Universität ist ein wichtiges Symbol des Strebens nach Autonomie, erklärt ihr Vize-Direktor Alain Di Meglio in seinem lichten Büro im oberen Stockwerk des modernen Baus. O-Ton 2 Alain Di Meglio, Französisch (kein OV, da kurz und unten erklärt) „Pascal Paoli, der Gründer des unabhängigen Korsikas, hatte hier eine Universität ins Leben gerufen, die vier Jahre lang bestand, von 1765 bis 1769.“ Sprecherin Denn Pascale Paoli hat hier in Corté nicht nur das unabhängige Korsika gegründet, sondern 1765 auch eine Universität, die bis zur Machtübernahme Frankreichs 1769 bestand. O-Ton 3 Alain Di Meglio, Französisch/OV OV ALAIN „Korsikas Universität war 212 Jahre lang geschlossen und wurde 1981 wiedereröffnet. Und zwar unter Druck, auf Grund von Forderungen. Zu dem Zeitpunkt, als die Universität wiedereröffnet wurde, saßen 120 politische Gefangene in den französischen Gefängnissen. François Mitterrand hat sich dann des Problems angenommen, Wahlen zum ersten Korsischen Regionalparlament zugelassen und die Universität wiedereröffnet. Das war erst möglich, nachdem die Sozialistische Partei unter François Mitterrand an die Regierung gekommen war. Von diesem Zeitpunkt an hat die Universität das Studium der korsischen Sprache wiederaufgenommen und korsischsprachige Lehrer für das Bildungssystem ausgebildet.“ Sprecherin Neben Französisch ist an der Universität Korsisch obligatorisches Nebenfach in sämtlichen Fächern. O-Ton 4 Alain Di Meglio, Französisch/OV OV ALAIN „Das ist sehr, sehr wichtig, weil die Sprache ein Identitätskriterium ist. Aber sie ist keine geschlossene Identität, keine ethnische Identität, sondern eine offene Identität, eine kulturelle Identität.“ MUSIK Voce Ventu – Rughju Di Vita (Label: Voce Ventu – 001) 00:25min Sprecherin Weil sie über die Sprache transportiert werde und nicht über Abstammung, erklärt Di Meglio. Die Sprachforscher der Uni haben die Jahrhunderte lang nur mündlich überlieferte Grammatik des Korsischen verschriftlicht und eine verbindliche Rechtschreibung festgelegt. Die Wissenschaftler zogen kreuz und quer über die Insel, zeichneten die verschiedenen Dialekte auf und brachten ein Wörterverzeichnis des Korsischen heraus. O-Ton 5 Alain Di Meglio, Französisch (kein OV da kurz und unten erklärt) „Die Wiedergeburt der korsischen Sprache ist nicht der Universität allein zu verdanken, sie hat aber einen großen Beitrag dazu geleistet.“ Sprecherin So habe die Uni einen wichtigen Beitrag für die Wiedergeburt der Sprache geleistet, sagt Di Meglio. Das war auch dringend nötig, denn unter französischer Herrschaft wurde das Korsische gezielt unterdrückt, wie Matthias Waechter erklärt. Der deutsche Historiker und Frankreich-Experte leitet das Institut Européen des Hautes Etudes Internationales in Nizza. Er hat umfassende Werke über die Geschichte Frankreichs verfasst. O-Ton 6 Matthias Waechter „1870 bis 1940: Das war die Phase, in der sich dieses republikanische Staats- und Nationsmodell in Frankreich durchgesetzt hat. Und es musste sich gegen starke Widerstände durchsetzen. Und in diesem Zusammenhang hat man sich gedacht, um eine einheitliche Republik zu gründen, müssen wir auch alle eine einheitliche Sprache sprechen. Die Regionalsprachen, die ja in Frankreich extrem verbreitet waren, noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert, wurden vom Zentralstaat brutal unterdrückt. Insofern hat Frankreich große Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen, dass es ein Volk gibt in Korsika, das seine Kultur autonom leben möchte.“ Sprecherin An öffentlichen Orten wie zum Beispiel den Schulen Korsisch zu sprechen, war verboten. Doch die Unterdrückung ging noch weiter, richtete sich auch gegen die musikalische Tradition, erklärt Matthias Waechter: O-Ton 7 Matthias Waechter „Der Harmoniegesang, der in Korsika gepflegt wurde, galt ja auch als ein Ausdruck korsischen Widerstands. Diese gesamten Ausdrucksformen einer Eigenständigkeit wurden als Widerständigkeit gegenüber der Französischen Republik angesehen.“ O-Ton 8 Matthias Waechter „Man fürchtete, dass die Menschen, die in diesen Grenzregionen oder auf einer Insel wie Korsika lebten, zum Separatismus neigen würden, wenn man ihnen zu viel Eigenständigkeit lassen würde.“ Sprecherin In der französischen Nationalversammlung ging die Angst um, dass dann etwa auch die Bretagne, das Baskenland oder das Elsass ähnliche Ansprüche wie die störrischen Korsen erheben könnten. MUSIK QZ2641950295 Enigmatic Machine 00:57min Im Falle Korsikas nicht ganz zu Unrecht: Nicht nur die restriktive Sprachenpolitik trieb die Korsen auf die Barrikaden. Nachdem Algerien 1962 in einem grausamen Krieg seine Unabhängigkeit errungen hatte, siedelten tausende Algerienfranzosen, die so genannten „Pieds noirs“ nach Korsika über. Viele Korsen fürchteten, eines Tages zur Minderheit auf ihrer eigenen Insel zu werden. Denn gleichzeitig wanderten zehntausende Korsen auf der Suche nach Arbeit von der wirtschaftlich rückständigen Insel ins Ausland ab. Wegen dieser massiven Landflucht verlor Korsika ein Drittel seiner Bevölkerung. In Sorge um die eigene Identität radikalisierte sich der korsische Nationalismus, Korsika wurde mit einer französischen Kolonie verglichen. MUSIK QZ2641950335 Into The Construct 01:08min In den frühen 1970er Jahren gründeten sich mehrere Parteien als politischer Arm der Nationalbewegung. Nachdem Frankreich Forderungen nach offizieller Zweisprachigkeit, Autonomie oder gar Unabhängigkeit strikt ablehnte, gingen einige Nationalisten in den Untergrund. Der 1976 gegründete Frontu di Liberazione Naziunalista Corsu, kurz FLNC, versuchte die Unabhängigkeit mit Bombenattentaten und Morden zu erzwingen. Mehrere bewaffnete Gruppen bekämpften sich auch gegenseitig. 1998 eskalierte die Gewalt: Ein nationalistisches Mordkommando erschoss den französischen Präfekten der Insel, Claude Erignac, aus nächster Nähe, auf offener Straße, mitten in der Hauptstadt Ajaccio. Die französische Öffentlichkeit war schockiert. O-Ton 10 Matthias Waechter „Und insofern wurde dieses Autonomiebestrebungen oder Unabhängigkeitsbestreben der Korsen auch oft als eine Bedrohung wahrgenommen.“ Kreuzblende zu Atmo 8, in den Straßen von Corté, Verkehr usw., steht kurz frei, dann weiter unter Sprecherin Über diese blutigen Zeiten spricht man auf der Insel heute nicht gern. Die Täter von damals und ihre Hintermänner wurden gefasst und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Die militanten Gruppen haben die Waffen niedergelegt. In den Supermärkten kauft man Baguette und auf den Dorfplätzen spielen die Korsen Boule. Haben sie ihren Frieden mit Frankreich gemacht? Nicht wirklich: Fährt man auf der sich durch die Berge schlängelnden Straße D18 nach Corte, durchquert man kurz vor der Universitätsstadt einen Straßentunnel. Dessen Wände sind über und über mit Spraydosen beschrieben: „Korsika ist nicht Frankreich“, liest man da auf Französisch. „Freiheit für Korsika“, „Franzosen raus aus Korsika“ und so weiter. Atmo 8, in den Straßen von Corté, Verkehr usw., kommt kurz hoch, dann weiter unter MUSIK DEBE91905251 Oriental Strings_STEM Drone 01:10 min Sprecherin Auf der ganzen Insel weht der Mohrenkopf mit Stirnband auf Bannern und Fahnen und klebt als Aufkleber auf Autos: Das Emblem des Freiheitskampfes. Und in den Altstadt-Gassen von Corte ist das Konterfei eines Mannes allgegenwärtig: Es ist das Porträt von Yvan Colonna. Der korsische Nationalist war wegen Beteiligung an dem Präfekten-Mord zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte dabei stets seine Unschuld beteuert. Im März 2022 wurde Yvan Colonna im Gefängnis im südfranzösischen Arles von einem Mithäftling angegriffen und schwer verletzt. Daraufhin kam es auf Korsika zu Protesten und Ausschre…

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    Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich May 20, 2025
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    Wiesen sind voller Geheimnisse, vor allem was ihre kleinsten Bewohner angeht: Die Insekten. Sie sind die wahren Regenten dieses Mikrokosmos und verbringen ihr oft nur kurzes Leben auf sehr vielfältige Weise. Von Christiane Seiler (BR 2019)

    Autorin dieser Folge: Christiane Seiler
    Regie: Susi Weichselbaumer
    Es sprachen: Axel Wostry, Rahel Comtesse
    Technik: Christiane Schmidbauer-Huber
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    WirTier
    Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht.
    JETZT ENTDECKEN


    Die Zahl der Insekten in Deutschland ist regelrecht eingebrochen.
    Auf BR Wissen finden Sie informative Beiträge zum Thema Insektensterben:
    BR WISSEN | DRASTISCHER INSEKTENSCHWUND IN DEUTSCHLAND

    Unsere Empfehlung für Naturinteressierte:
    Wilde Winkel. Bayerns Natur-Podcast
    „Wilde Winkel“ nimmt Dich mit auf Entdeckungstour in Bayerns wertvollste Natur. Jeden Monat geht’s in einen anderen wilden Winkel Bayerns zwischen den Alpen und der Rhön, dem Nördlinger Ries und dem Fichtelgebirge.
    EXTERNER LINK | SPOTIFY.COM | WILDE WINKEL.


    Sebastian Kneipp - Der Pfarrer als "Wasserdoktor" May 17, 2025
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    Seine Wasserkur hat den Pfarrer Sebastian Kneipp berühmt gemacht. Arme und reiche Menschen pilgerten Ende des 19. Jahrhunderts nach Bad Wörishofen, um sich vom "Wasserdoktor" behandeln zu lassen. Manch Apotheker und Arzt neidete Kneipp den Erfolg und sie verklagten ihn wegen Kurpfuscherei. Von Barbara Weiß (BR 2021)

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN


    Bayerischer Ministerpräsident - Geschichte des schönsten Amts der Welt May 15, 2025
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    Mit der Bamberger Verfassung von 1919 wird auch das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten geschaffen. Seine historischen Wurzeln reichen aber viel weiter zurück. Erst nach 1945 bekommt das höchste Amt im Freistaat Bayern die Befugnisse, die es heute hat. Ein Podcast von Thomas Grasberger (BR 2025)

    Credits:
    Autor: Thomas Grasberger
    Redaktion: Thomas Morawetz
    Regie: Kirsten Böttcher
    Technik: Josef Angloher / Atrium Studios
    Sprecher: Julia Fischer, Thomas Birnstiel

    Im Interview:
    - Rainald Becker, Professor für Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an
    radiowissen@br.de

    Radiowissen finden Sie auch in ARD Sounds

    Das Manuskript zur Folge gibt es hier

    Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere Netiquette und Tipps für Kommentare


    Der Kiebitz - Wenn der Lebensraum Wiese verschwindet May 15, 2025
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    Kiebitze zählten einst zu den häufigsten Wiesenbrütern in Deutschland. Doch ihre Bestände gehen rasant zurück. Vogelschützer wollen jetzt in einem "Kiebitz-Projekt" das Überleben des Wiesenbrüters sichern. Von Werner Bader (BR 2024) CreditsAutor dieser Folge: Werner BaderRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Rahel Comtesse, Werner HärtlTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Yvonne Maier Im Interview:Christina Niegl, Biologin, Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg Stefan Haas, Landwirt (Mühlhausen) Jan Skorupa, Biologe, Landesbund für VogelschutzAnton Burnhauser, Biologe, Höhere Naturschutzbehörde, Regierung von Schwaben Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Philipps PlaylistMit Musik lässt es sich wunderbar aus dem Alltag herausträumen! NDR Kultur-Moderator Philipp Schmid stellt jede Woche neue handverlesene Playlists zusammen. Von Pop bis Klassik – die Musik ist für ihn ein Anlass, sich gemeinsam mit seinen Hörerinnen und Hörern auf fantasievolle Gedankenreisen zu begeben. JETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER: Ortstermin im Lechhauser Moos, nördlich von Augsburg. Auf den moorigen Ackerböden bei Mühlhausen, umgeben von Siedlungen, Autobahn, Flughafen, Auwald und Straßen, begeben wir uns Ende Februar auf die Suche nach den ersten Kiebitzen des Jahres. Biologin Christina Niegl weiß, wo sich die Kiebitze bevorzugt niederlassen und steuert einen Acker an. Einen Acker mit dunklem, moorigem Boden und Pfützen. ZSP 2 „Ich habe heute tatsächlich schon die ersten Kiebitze im Landkreis beobachten können. 56 an der Zahl, und ja, da war dann ein Riesen-Schwarm über mir, und dann haben sie sich an einem bekannten Brutplatz niedergelassen. Um zu rasten, und um Nahrung zu suchen. Man kann jetzt nicht genau sagen, ob das jetzt die Kiebitze sind, die später hier auch brüten werden. Kann auch sein, dass das die Durchzügler sind, weil es einfach noch die Durchzugszeit ist und die sich so ein bisschen sortieren.“ 0‘30‘‘ ATMO Kiebitz SPRECHERIN: Viele Kiebitze fliegen bei der Rückkehr aus ihren Überwinterungs-gebieten in Frankreich oder Spanien von hier aus weiter in den Norden. Erst im März treffen die Kiebitze ein, die schon im Vorjahr auf diesem Acker gebrütet haben. Kiebitze sind standorttreu, meist kehren die Zugvögel zu ihren angestammten Brutplätzen zurück. Die hat Christina Niegl auf einer Karte vor sich. Für den Landschaftspflegeverband betreut sie 13 Kiebitz-Brutgebiete, mit insgesamt 2.500 Hektar. Wenn die Kiebitze dann da sind und zu brüten beginnen, kommt viel Arbeit auf sie zu. Musik 2: 10 Midi SPRECHER: Manche Äcker und Wiesen werden jedes Jahr von Kiebitzen als Brutplatz genutzt, manche nur jedes zweite Jahr, sagt die Biologin, je nachdem, was darauf angebaut wird. Wird ein Maisacker im nächsten Jahr zum Getreideacker, dann brüten die Kiebitze nicht darauf, denn in Getreidefeldern finden sie keine Deckung. In diesem Jahr will Landwirt Stefan Haas auf seinem Acker Mais anbauen. Ihm gehört der moorige Acker. Und er kennt die Brutplätze. Denn Landwirt Haas nimmt, wie eine ganze Handvoll Landwirte im Landkreis Aichach-Friedberg, am Wiesenbrüter-Schutzprogramm teil. ZSP 3 „Der Kiebitz ist halt hier bei uns, hat sich auf meiner Fläche niedergelassen, und brütet hier. Ich find das eine tolle Sache. Die Fläche teilen wir uns, sagen wir mal so. Er kriegt einen Teil, ich krieg einen Teil. Es ist ja nicht so viel, was da jetzt nicht bewirtschaftet werden kann, das ist ja nur eine kleine Prozentzahl. Und von dem her habe ich kein Problem damit.“ 0‘17‘‘ SPRECHERIN: Und dafür bekommt der Landwirt einen finanziellen Ausgleich. Mitte März jeden Jahres startet das Wiesenbrüter-Projekt. Noch vor dem 20.März, wenn die ersten Kiebitz-Gelege in den Äckern sind, identifiziert Christina Niegl die Standorte der Brutpaare. Dann werden die Gelege mit einer Stange mit Fähnchen markiert, der Landwirt wird die so genannte Linse, 3 Meter breit und bis zu 16 Meter lang, beim Ackern umfahren, damit das Kiebitz-Weibchen bis zu 25 Tage ungestört brüten kann. Musik 3: Glockenturm – siehe vorn – 1:03 Min SPRECHER: Kiebitz-Nester sind offene Gelege mitten im Acker. In eine Bodenmulde legt das Kiebitz-Weibchen in der Regel 4 Eier. Die sind oliv-braun gefärbt, mit schwarzen Punkten gesprenkelt. Also perfekt getarnt. In den dunklen Ackerböden werden die Eier selbst von Fachleuten leicht übersehen. Mit etwas Übung entdeckt man in einem Acker viel eher das brütende Kiebitz-Weibchen auf dem Nest. SPRECHERIN: Auch wegen der abstehenden „Federholle“ auf ihrem schwarz-weißen Kopf, die so charakteristisch ist für die etwa taubengroßen Vögel. Bei den Männchen ist die Federholle zur Brutzeit etwas ausgeprägter, etwas länger. Männliche Kiebitze haben eine komplett schwarz gefärbte Brust, während bei Weibchen dort auch weiße Federn eingestreut sind. Das Gefieder der Kiebitze ist ansonsten kontrastreich, mit metallisch glänzender schwarzer Oberseite und weißer Unterseite. Daran kann man Kiebitze gut erkennen. Und an ihrem Ruf. Denn Kiebitze rufen ihren Namen: „Kie-Witt“. ATMO Kiebitz Musik 4: Glockenturm – siehe vorn – 49 Sek SPRECHER: Zur Balzzeit steigen die Kiebitz-Männchen in die Luft und machen kuriose Flugmanöver, mit denen sie auch ihre Nester verteidigen, sagt Jan Skorupa vom Landesbund für Vogelschutz. Damit machen sie auf sich aufmerksam und signalisieren den Kiebitz-Weibchen, hier hat ein Männchen einen Brutplatz, den es beanspruchen möchte. ZSP 4 „Die drehen sich teilweise ganz spontan in der Luft und das sieht dann manchmal von außen so aus, als würden sie gezielte Abstürze in den Flug einbauen. Und was auch dabei auffällig ist, ist einmal der Ruf. Die haben auch eine Art von Gesang. Und sie erzeugen dabei mit ihren Flügeln so ein spezielles Geräusch, so eine Art Wummern. Und das ist dann relativ auffällig, wenn die da ihre Pirouetten drehen und ihre spektakulären Flugmanöver vollziehen.“ 0‘35‘‘ SPRECHERIN: Kiebitz-Paare sind saisonal monogam, aber manchmal brüten sie auch im nächsten Jahr gemeinsam. Bis zu 24 Jahre alt können Kiebitze werden. Ein Kiebitz kann sich aber auch mit mehreren Weibchen paaren und brüten. Zur besseren Verteidigung ihrer Nester brüten Kiebitze gemeinsam in kleineren Kolonien. Und auf offenen Ackerflächen, so können sie herannahende Feinde schneller erkennen und ihr Nest verteidigen. Dennoch werden sehr viele Nester geplündert, die Sterblichkeit ist hoch. ZSP 5 Skorupa: „Ein Großteil der Gelege, der geht an den Fuchs verloren. Es sind natürlich auch Marder, oder auch Hermeline oder so. Es gibt durchaus auch Gelege-Prädation durch Igel. Wenn der so ein Nest findet, nimmt er das auch gerne mit. Ansonsten ist auch Bedrohung durch die Luft vorhanden. Das wird insbesondere dann für die Küken relevant. Bussarde, mitunter auch Turmfalken, und Rabenkrähen gehen durchaus auch auf die Küken. Wenn sich da eine günstige Gelegenheit bietet.“ 0‘32‘‘ ATMO Kiebitz SPRECHER: Nach 21 bis 28 Tagen schlüpfen die Küken, schon ab einem Alter von 35 bis 40 Tagen können sie fliegen. Das Schlüpfen aus dem Ei ist Schwerstarbeit für die Jungvögel, es dauert meist zwei ganze Tage, bis sie sich aus der Eischale befreit haben. Die flauschigen Küken, auch „Pullis“ genannt, sind Nestflüchter und suchen bald selbständig nach Nahrung. Biologe Jan Skorupa: ZSP 6 Skorupa: „Das heißt aber nicht, dass die Altvögel da keine Rolle mehr spielen, weil die Altvögel durchaus die Küken überwachen und vor Feinden warnen. Und ihnen gleichzeitig Signale geben, wann sie sich vor Feinden ducken und verstecken müssen. Sie hudern, das heißt, dass sie sich wärmend auf die Küken setzen und sie damit vor dem Auskühlen schützen. Weil das Federkleid der jungen Vögel, das isoliert noch nicht so gut und die kühlen vergleichsweise schnell aus. Und außerdem führen die Eltern zu entsprechend geeigneten Futterplätzen.“ 0‘35‘‘ SPRECHERIN: Und damit beginnt eine aufregende Zeit für die Kiebitz-Familie. Die Jungen brauchen Nahrung, die finden sie auf feuchten Böden, auch in nassen Gräben. Dort gibt es Würmer, Käfer, Insekten. Und jetzt brauchen sie auch Deckung, am besten in einer Wiese. Immer auf der Hut vor Fuchs und Co und Greifvögeln am Himmel. Viele Kiebitz-Junge überleben diese Phase ihres Lebens nicht, manchmal ist auch der gesamte Nachwuchs weg. SPRECHER: In solchen Fällen beginnen die Kiebitze ein so genanntes Nachgelege. Bis zu zwei Mal schaffen sie das, wobei die vitalsten Küken diejenigen sind, die beim ersten Gelege geschlüpft sind. Wenn dann ein Küken bis zum Sommer überlebt, ist das schon ein Erfolg, ein Schnitt von 0,8 oder 0,9 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar und Jahr ist nötig, sagen die Experten, um den Bestand stabil zu halten. Denn gezählt wird pro Saison, in dem ein Kiebitz-Paar ein Gelege und bis zu 2 Nachgelege anlegen kann. Musik 5: Start from Innocence SPRECHERIN: Und das hat über Jahrhunderte hervorragend geklappt – mehr noch, in der Vergangenheit hatten sich die Kiebitze zu Allerweltsvögeln auch hier in Deutschland entwickelt. Kiebitze gab es in Massen, wer hätte schon darüber nachgedacht, dass Kiebitz-Bestände hierzulande eines Tages massiv einbrechen? Mittlerweile gilt ihre Art in Europa als gefährdet, in Deutschland als stark gefährdet. Wie konnte das passieren? Das fragte sich auch der Biologe Anton Burnhauser. Er betreibt im Donauried seit gut 40 Jahren Wiesenbrüterschutz, im Auftrag der Höheren Naturschutzbehörde, die Regierung von Schwaben, und beschreibt die Situation so: ZSP 7 Burnhauser: „Mit einem Satz: Es ist ein dramatischer Rückgang. Es ist fast ein Absturz. Und wenn ich jetzt zurückdenke, an die Zeit, wo es noch Flächenstilllegungen in den Agrar-Umweltprogrammen gab, zum Beispiel 2005, da kann ich mich an eine Fläche erinnern, hier im Donauried, ungefähr 25 Hektar, da waren 25 Kiebitz-Paare drauf. Auf dieser Stilllegungsfläche. Also, da waren noch so viele Kiebitze da, wir haben die nicht gezählt, muss ich ganz ehrlich sagen. Und wir sind ein bissl auf dem falschen Fuß erwischt worden, weil es so dramatisch und so schnell ging.“ 0‘37‘‘ SPRECHER: Vor 20 Jahren also waren Kiebitze auch hier noch massenhaft verbreitet und heute, da sind sie stark gefährdet! Dabei ist das Aislinger Ried an der Donau, unweit der Kühltürme des stillgelegten AKW Gundremmingen, seit Menschengedenken ein „Hotspot“ für Bodenbrüter wie den Kiebitz. In seinem moorigen Kern staut sich das Wasser, es gibt ein dichtes Grabennetz, eine kleinteilige Flur und eine sehr offene Landschaft. All das, was Bodenbrüter wie der Kiebitz brauchen. Verschwunden sind aber die vielen Wiesen, die es hier einmal gab. Und der Fest-Mist aus den Kuhställen. Weil kaum mehr Milchkühe gehalten werden. Festmist ist wichtig, er zieht Würmer, Käfer und Insekten an. Alles Nahrung für Kiebitze, die jetzt fehlt. ATMO Traktor + Musik 6 Stealth bells SPRECHERIN: Etwa zur Mitte der 1990er Jahre gab es einen Intensivierungsschub in der Landwirtschaft. Immer größere Maschinen fahren seither durch das moorige Ried, feuchte Wiesen wurden und werden zu großflächigen Maisäckern umgepflügt. Plötzlich gibt es Dünger und Pestizide, wo es vorher keine gab. Schädlich, oft tödlich für die Brutnester der Kiebitze und anderer Wiesenbrüter. Der Brachvogel ist bereits aus dem Aislinger Ried verschwunden. Und die Kiebitze? Die tun sich schwer, sagt Anton Burnhauser. Denn eigentlich waren Kiebitze auf Feuchtwiesen spezialisiert, seit es die kaum mehr gibt, weichen sie auf Ackerflächen zum Brüten aus. Damit sei der Kiebitz als eine Art „Kulturfolger“ in Richtung Acker in eine für ihn sehr bedrohliche Situation geraten. ZSP 8 Burnhauser: „Weil früher, wo Rüben und Mais noch mit der Hand gehackt worden sind, da ist dem Nest natürlich nichts passiert. Heute geht alles maschinell, da kann er nicht mehr leben. Er hat sich auf den Lebensraum spezialisiert. Und wenn durch die Bodenbearbeitung die Gelege alle verschwinden, oder auch die Küken, dann kann er nicht überleben, und das ist sicher ein Grund, warum er so drastisch zurückgegangen ist. 85 Prozent in vierzig Jahren, das ist schon dramatisch! 0‘28‘‘ SPRECHER: Und sehr beunruhigend für Naturschützer wie Anton Burnhauser. Für ihn war bald klar, dass man den Kiebitz fortan dort schützen muss, wo er jetzt brütet, nämlich auf dem Acker. Also änderten Burnhauser und seine Kollegen ihre Maßnahmen zum Schutz der Wiesenbrüter. Die bisherigen Agrar-Umweltprogramme, die Flächenankäufe, ja, sogar die Umsetzung eines gesamt-ökologischen Gutachtens für das Donauried hatten den dramatischen Rückgang der Wiesenbrüter, insbesondere des Kiebitzes nicht stoppen können. Musik 7: Infinite – 1:49 Min SPRECHERIN: 2013 wurde ein „Kiebitz-Soforthilfe-Programm“ gestartet. Zwei Jahre später wurde es erweitert zum Biodiversität- und Artenhilfsprogramm „Wiesenbrüter-Brutplatz-Management Schwaben“. In enger Zusammenarbeit mit den Landwirten. Das alles war Neuland für den Naturschutz. Was könnte den Kiebitzen helfen? Viele Maßnahmen wurden diskutiert, einige ausprobiert, so Kiebitz-Experte Burnhauser. Mittlerweile habe man im Aislinger Ried mit den neuen Methoden einige Erfahrungen gesammelt, die Mut machen. SPRECHER: Um den Kiebitzen wieder günstige Bedingungen für ihre Gelege und die Aufzucht ihrer Jungen zu schaffen, hatten sich die Experten auf insgesamt 4 Maßnahmen geeinigt. Drei davon haben sich bewährt, berichtet Anton Burnhauser. Etwa die verspätete Aussaat von Mais, erst ab dem 20.Mai. So bleibt den Kiebitzen genügend Zeit, auf einem bis dahin offenen Acker ihrer erste, vielleicht sogar ihre zweite Brut anzulegen. Denn bis dahin wächst kaum etwas auf dem Acker, das Kiebitz-Nest mit den Eiern liegt offen da. So können es die Brutvögel besser gegen Feinde verteidigen. SPRECHERIN: Eine weitere Maßnahme: Nasse Mulden zwischen Maisäckern und Wiesen werden ab Mitte März bis Ende Juni nicht bewirtschaftet. Denn sobald die Jungen auf dem Maisacker aus ihren Eiern geschlüpft sind, führen die Kiebitz-Paare sie dort zusammen. Auch dadurch können sie Feinde wirkungsvoll abwehren und gleichzeitig Nahrung am Gewässer finden. ZSP 9 : Burnhauser: „Solche eher feuchten Wiesen sind für den Kiebitz ganz wichtig. Weil hier Regenwurmnahrung da ist und dann auch Insekten. Aber rechts grenzt der Acker an. Und in der Furche, die wird immer wieder ein bisschen ausgeackert auch, das steht ganz schnell das Wasser. Und das ist entscheidend. Das sind jetzt 300 Meter, wo der Kiebitz eine Futterquelle hat. Und das sind so kleine Elemente in der Landschaft, die man gern übersieht. Aber für den Kiebitz sind sie entscheidend.“ 0‘29‘‘ SPRECHER: Vor allem vielfältige Strukturen in der Landschaft helfen den Kiebitzen weiter. Und hier müssen Landwirte umdenken, die im Herbst Bewuchs auf dem Acker lassen und diesen dann zur Düngung einpflügen, also mulchen. Solche Flächen sind in der Regel ungeeignet für brütende Kiebitze. Dicht wie ein Sportrasen, ohne Struktur. Mit geringem Aufwand aber ließe sich auf ihnen ein regelrechtes „Bett“ für die Kiebitze bereiten. ZSP 10 : Burnhauser: „Wenn man das jetzt zubereitet. Also ein Landwirt, der das versteht, dass der das klein macht, zum Beispiel mit der Sternwalze. Auf der gleichen Fläche drei Mal herumfährt, und ein paar Kurven rein macht, das ein Landwirt nie freiwillig machen würde, dann hätte er für den Kiebitz ein „Bett“ bereitet. Weil dann geht der nämlich rein. Da hat er nämlich Beides: ein Muster und er hat Deckung und Übersicht.“ 0‘27‘‘ SPRECHERIN: Gute und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort sei entscheidend für den Erfolg beim Schutz der Kiebitze, sagt Anton Burnhauser. Die Verträge mit ihnen hat er selbst entworfen. Sie sind knapp und präzise gehalten, die Landwirte verpflichten sich für Maßnahmen in einem begrenzten Zeitraum innerhalb der Saison und werden, so sagt er, „anständig“ dafü…

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