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    Latest Episodes:
    Hitlers Nachfolger - Admiral Dönitz und der Mai 1945 Jun 05, 2025
    Show notes

    Hitlers Selbstmord und die Kapitulation der Wehrmacht am 8.Mai 1945 bedeuteten nicht das Ende des Deutschen Reiches. In der Marineschule Mürwik bei Flensburg agierte noch fast drei Wochen eine Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz, den Hitler zu seinem Nachfolger ernannt hatte: Ein bizarrer Spuk mit Kabinettssitzungen, Minister-Denkschriften - und einem Staatsbegräbnis. Auch als die britische Armee das Treiben mit Festnahmen beendete, blieb Dönitz überzeugt, rechtmäßig im Amt zu sein. Von Rainer Volk CreditsAutor dieser Folge: Rainer VolkRegie: Günter MaurerRedaktion: Thomas Morawetz Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Todesmärsche bei Freising - Die qualvollen Trecks von KZ-HäftlingenJETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:Alles Geschichte – Der History-Podcast Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 05 OKW-Bericht: Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei bis zu seinem letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend für Deutschland gefallen ist. Sprecher: Die letzte Episode in der Geschichte des selbst ernannten Dritten Reiches beginnt nicht mit Nachricht vom Tod Hitlers. Es gibt bereits zuvor – ohne Wissen des Diktators – Pläne, Ministerien und militärische Kommandostellen aus Berlin zu verlegen. Nach Hitlers Selbstmord am 30. April wollen seine Vasallen vor allem eines: ihre Haut retten. Die Deutschen traktieren sie unterdessen mit Pathos und Durchhalteparolen – auch Karl Dönitz selbst: O-Ton 07 Karl Dönitz: Ein Feigling und Verräter ist, wer sich gerade jetzt seiner Pflicht entzieht und damit deutschen Frauen und Kindern Tod und Versklavung bringt. Der dem Führer geleistete Treueeid gilt nun für jeden Einzelnen von Euch mir als dem vom Führer eingesetzten Nachfolger. Deutsche Soldaten – tut Eure Pflicht. Es gilt das Leben unseres Volkes. Sprecher: Hitler hat den Großadmiral in einem „politischen Testament“ zu seinem Nachfolger als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt. Die Deutschen kennen den 53jährigen aus der Nazi-Propaganda. Er war der Stratege des U-Boot-Krieges und oberster Kommandeur der Marine. Doch selbst er wird von der Ernennung überrascht, sagt der Flensburger Historiker Gerhard Paul, der die Endphase des NS-Regimes in einem Buch analysiert hat: O-Ton 08 Gerhard Paul: Eigentlich: Der starke Mann nach Hitler wäre Himmler gewesen. Himmler hatte sich aber durch die Sondierung eines „Westfriedens“ bei Hitler unmöglich gemacht. Und von daher war das klar – das läuft jetzt auf jemand aus der Wehrmacht hinaus, der als Hitler-Anhänger bekannt ist. Und ja – das war dann Dönitz. Sprecher: Dönitz ist Karriere-Offizier, seit Kaisers Zeiten bei der Marine. Ihm fehlt jedwede politische Erfahrung. Es heißt, er sei ein nüchterner Denker, sein Humor begrenzt. – Der eben gehörte erste Auftritt bringt dem neuen Staatsoberhaupt bereits beißende Kritik ein, etwa in einer Sendung der BBC für deutsche Kriegsgefangene, die am 3. Mai 45 zu hören ist: O-Ton 09 BBC-Kriegsgefangenensendung: Herr Dönitz macht sich selbst zum Führer. Er beginnt seine bestimmt nur kurze Zeit damit, dass er erklärt, der Eid auf Hitler sei auf ihn übergegangen. Die Italien-Armee: Eine Million Mann hat kapituliert und verweigert Dönitz die Gefolgschaft. Was werden die anderen tun, deren Führer Dönitz zu sein glaubt? O-Ton 10 Sender Böhmen – „Unvollendete“: Sprecher: Das klingt ganz anders als die deutschen Sender, die noch arbeitsfähig sind. Der Reichssender Böhmen etwa überträgt am 2. Mai eine markige Rede des Gauleiters – gefolgt von klassischer Musik, Schuberts „Unvollendete“. Welche Rolle Radio in diesen Tagen spielt, ist schwer zu sagen. Hunderttausende von Zivilisten, Militärs und Politikern sind auf der Flucht vor den Sowjets und haben kaum Möglichkeiten, sich zu informieren. – Dönitz selbst ist einige Tage zuvor von seinem Hauptquartier bei Berlin in einem Autokonvoi Richtung Nordwesten aufgebrochen. Zeitgleich haben die oberste Führung von SS und Wehrmacht sowie wichtige Minister dasselbe Ziel. Der Historiker Gerhard Paul: O-Ton 11 Gerhard Paul: Da kam dann nur Schleswig-Holstein in Frage, wahrscheinlich auch, weil es zwei Seehäfen gab, über die man schnell hätte das Land verlassen können, nämlich über Kiel und über Hamburg. Und dann rückten die Engländer weiter vor. Es gab die ersten Luftangriffe auf die Gegend. Und dann ist man weiter ausgewichen nach Flensburg. O-Ton 12 Siegfried Unseld, Verleger: Als wir ankamen, waren wir noch die einzige mobile Funkstation; die anderen hatten den alliierten Bombenhagel nicht überstanden. Sprecher: Das ist Siegfried Unseld; bis zu seinem Tod im Jahr 2002 einer der wichtigsten Verleger der Bundesrepublik. Unseld ist 20 und Obergefreiter bei einem Funk-Trupp, als er Anfang Mai 1945 in Flensburg zum Zeitzeugen wird. Denn seine Abteilung hat einen LKW mit einem mobilen Radio-Übertragungsstudio: Atmo 01: Signet Flensburg Sprecher: Erkennungssignal des Senders ist die Melodie des Volkslieds „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“, im Reich damals auch als Glockenspiel der Potsdamer Garnisonskirche berühmt. Über diesen Mai 1945 berichtet Unseld 50 Jahre später in einem Vortrag: O-Ton 13 Siegfried Unseld: Wir hatten Tag und Nacht im buchstäblichen Sinn alle Funkhände voll zu tun, um Meldungen, Botschaften an das deutsche Volk und Tagesbefehle an all die Orte zu senden, wo noch deutsche Truppen waren oder die Flotte operierte. Es waren erregende Tage, mit dem Gefühl zwischen den Zeiten oder in einer Niemandszeit zu leben. Sprecher: Seine Zelte hat Unselds Trupp in der Marinekriegsschule Flensburg-Mürwik aufgeschlagen, einem prächtigen Backsteinbau im neogotischen Stil. Schon der kaiserlichen Marine hat Mürwik als Kaderschmiede gedient. Das „Rote Schloss am Meer“, wie manche das Hauptgebäude nennen, liegt keine 50 Meter von der Flensburger Förde entfernt auf einem Hügel. Auch die „Deutsche Marine“ von heute bildet hier ihre Offiziere und Unteroffiziere aus. Die studierte Historikerin und Fregattenkapitän Vera Lassoued gestaltet bei diesen Lehrgängen den Geschichts-Unterricht: O-Ton 14 Vera Lassoued: Es ist halt hier ein historischer Ort. Und das können wir auch gar nicht verändern, das wollen wir auch gar nicht verändern. Hier haben vier verschiedene Marinen gewirkt. Und wir als „Deutsche Marine“ sind hier als längstens schon ‚Hausherr‘. Und haben aber dieses Gebäude und alles übernommen. Sprecher: Die sozusagen „heiße Phase“ der Dönitz-Regierung in Mürwik beginnt in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945, als der Großadmiral und sein Gefolge die Marineschule erreichen. Da niemand mehr einen Überblick hat über die militärische Lage, ist der Empfang improvisiert. Professor Gerhard Paul: O-Ton 16 Gerhard Paul: In der Marineschule, „Marinekriegsschule“ wie sie ja damals hieß, hat es keine Vorbereitungen gegeben. Der stand da plötzlich nachts vor der Tür und der Kommandeur hat ihm dann Räume zugewiesen. Auch seine Privaträume hat er nutzen dürfen. Und einen Tag später lag vor Mürwik ein ehemaliger – ich glaube es war ein Hapag-Lloyd-Dampfer, die „Patria“. Und auf der „Patria“ haben die dann Quartier bezogen – das war noch am einfachsten. Atmo 02: Marineschule innen Sprecher: Bis heute lässt sich erahnen, wie es gewesen sein muss, als die Minister von Dönitz‘ Gnaden in Mürwik eintrafen. Denn jener Teil der Marinesportschule, in dem das Kabinett täglich um 10 Uhr morgens Sitzungen abhielt, ist ebenfalls erhalten. Die Flure und Räume sind typische Militär-Architektur der 1930er Jahre: dunkler Terrazzo-Fußboden, grün und weiß getünchte Wände. [OC: Alles sehr nüchtern. Fregattenkapitän Vera Lassoued: O-Ton 18 Vera Lassoued: (Atmo zum Blenden) Hier sind Büroräume jetzt untergebracht. Gerade unsere Sportausbildung hat hier einige Räume in Beschlag genommen. Aber ansonsten haben wir hier keine Erinnerungstafeln oder Fotogalerien von der Zeit von damals, weil das nicht Sinn der Sache war für uns. Sondern wir wollen das einfach nur als Infrastruktur nutzen. (Atmo zum blenden) ENDE OC] Sprecher: Gut möglich, dass Umstände und Umgebung einige in der Runde zu sehr ernüchtern. Augenzeugenberichten zufolge lässt Ernährungsminister Herbert Backe zu Beginn jeder Sitzung eine Flasche Schnaps kreisen. Die Minister sind angesichts der düsteren Aussichten Anfang Mai 1945 nicht die einzigen, die Anstand und Benimm über Bord werfen. Eine der Wehrmachtshelferinnen in der Marineschule berichtet Jahrzehnte später über ihren Alltag in Mürwik: Sprecherin (Zitat): Eigentlich wussten wir gar nicht, was wir den ganzen Tag machen sollten. Schriftverkehr mit außen fand praktisch nicht statt. Vor höheren Offizieren, besonders den SS-Leuten, mussten wir uns in Acht nehmen. Einige waren ständig betrunken, randalierten in den Gängen und hatten es auf uns junge Röcke abgesehen. Einmal hat ein hoher SS-Offizier an die Tür zu unserem Büro uriniert. Es stank fürchterlich. Und wir mussten dann die Sauerei wegmachen. Widerlich! Sprecher: Für Dönitz ist in diesen Tagen nur ein Thema wichtig: Verhandlungen zu einer teilweisen Kapitulation der Wehrmacht zu organisieren. Die Entscheidung hierzu hat er am Tag vor seiner Fahrt nach Mürwik getroffen. Am 3. Mai schickt er deshalb Generaladmiral von Friedeburg als Unterhändler mit einer Delegation ins Feldlager des britischen Oberbefehlshabers Montgomery, auf einem Hügel unweit von Lüneburg. Dort versucht er diesen zu überzeugen, nur für Dänemark, die Niederlande und die Front in Nordwestdeutschland die Waffen strecken zu dürfen. Gerhard Paul sagt über dieses Kalkül: O-Ton 19 Gerhard Paul: Dönitz ist immer noch von der illusionären Vorstellung ausgegangen, dass die Wehrmacht gegebenenfalls mit den Westalliierten gegen die Sowjetunion marschieren würde. Dafür spricht auch, dass es ein Dossier gab, dass der britische Premier Churchill in Auftrag gegeben hatte, dass 47 britische und amerikanische Divisionen für den Fall, dass die Sowjetunion weiter nach Westen ziehen würde – dass man sich dem entgegenstellen würde. Und dafür brauchte man noch hunderttausend Wehrmachtsangehörige. Sprecher: Es scheint zunächst, als könne die Rechnung aufgehen. Montgomery verspricht, deutsche Soldaten, die sich seinen Truppen ergeben, nicht den Sowjets auszuliefern und gewährt Friedeburg sicheres Geleit zurück nach Mürwik. Dort erteilt Dönitz seinen Verhandlern die nötige Vollmacht, die Kapitulation für den Westen zu unterzeichnen. Atmo 03: Kapitulation Sprecher: Ein Zelt am Rand der Lüneburger Heide, 4. Mai – circa 18 Uhr. Montgomery hat Reporter und Fotografen herbeigerufen. Daher steht auf dem Tisch vor dem Feldmarschall ein Mikrofon und im Hintergrund filmt eine Kamera, als er, unterstützt von einem Dolmetscher, die Bedingungen der Kapitulation nach den britischen Vorstellungen erläutert. Um die Briten – und möglichst auch die Amerikaner – milde zu stimmen, befiehlt Dönitz als nächsten Schritt das Ende des U-Boot-Krieges, der die Westalliierten in den Vorjahren enorme Verluste gekostet hat. Doch alle Hoffnungen, Zeit schinden zu können und die Gegner zu spalten, zerschlagen sich bald. Der Oberkommandierende der US-Armee, General Eisenhower, besteht auf einer Kapitulation der Wehrmacht an allen Fronten. So kommt es zu jenen historischen Szenen in Reims, in Nordfrankreich, und in Berlin-Karlshorst, die den Zweiten Weltkrieg in Europa beenden. O-Ton 21 Lüneburg: An die Einwohner von Lüneburg. Die Nazi-Regierung und die Wehrmacht haben bedingungslos den alliierten Expeditionsstreitkräften kapituliert… Sprecher: An jenem 8. Mai 1945 wird Millionen Deutschen klar: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Manchmal informieren darüber Lautsprecher-Durchsagen wie hier in Lüneburg, andere hören zuhause die Nachricht im Radio oder erfahren es mündlich von Bekannten oder Freunden. In Mürwik dauert es fast einen Tag, bis die Funker aus ihrem mobilen Ü-Wagen die Neuigkeit bestätigen. Am Abend des 9. Mai ertönt das Sender-Signet ein letztes Mal. O-Ton 22 Flensburg: (Signet/Glockenspiel) 20 Uhr und drei Minuten. Reichssender Flensburg und die angeschlossenen Sender. Wir bringen heute den letzten Wehrmachtsbericht dieses Krieges. Aus dem Hauptquartier des Großadmirals… Sprecher: Der Sprecher, ein Panzerspähfunker namens Klaus Kahlenberg, verliest nach den einleitenden Sätzen die jüngsten Meldungen von allen Fronten. Überall – so lobt der Bericht des Oberkommandos – sei die Wehrmacht tapfer. Erwähnt wird, wer Auszeichnungen für sein Verhalten erhalten hat. Zwei Minuten dauert dieser monotone Vortrag. Dann folgt die entscheidende Neuigkeit: Neben dem Sprecher sitzt auch ein britischer Offizier. Als die Funker ihn fragen, ob nach der angekündigten Stille Musik gespielt werden dürfe, antwortet er lakonisch: „Ja, aber nicht Wagner.“ Weshalb die Funk-Soldaten Haydns Kaiser-Quartett, die musikalische Vorlage zur Nationalhymne, vom Plattenspieler im Ü-Wagen in den Äther senden. Eine Anekdote, die zeigt: Eigentlicher Herr des Geschehens ist in Mürwik bereits das britische Militär. Doch auch nach dem 8. Mai führt es Dönitz an einer sehr langen Leine – findet Gerhard Paul: O-Ton 23 Gerhard Paul: Dönitz war es gestattet, ein eigenes Wachbataillon zu führen, das auch unter Waffen stand als die Wehrmacht bereits entwaffnet war. Und das führt zu paradoxen Zuständen. Als am 16. Mai – also eine Woche nach der Gesamtkapitulation – es ein Staatsbegräbnis gegeben hatte für den ehemaligen Kommandeur der Marineschule. Ein Kapitän zur See Wolfgang Lüth. Dazu brauchte man Soldaten, nicht nur in Uniform, sondern auch in Waffen, die dann schießen durften. Und dafür hat er die Genehmigung des britischen Stadtkommandanten eingeholt und sie auch bekommen. Sprecher: Die Trauerrede bei diesem letzten Staatsbegräbnis des Dritten Reiches hält Dönitz selbst. In der Aula der Marineschule bezeichnet er den nachts von einer Wache versehentlich erschossenen Lüth als „leuchtendes Vorbild für künftige Generationen“. Für Fregattenkapitän Lassoued ist diese Begebenheit ein Argument mehr, die Figur Dönitz in ihrem Geschichts-Unterricht an der heutigen Marineschule kritisch zu betrachten: O-Ton 24 Vera Lassoued: Wir schauen uns Reden von Dönitz an und ich analysiere das mit meinen Schülern. Wenn man dann später immer gesagt hat: Ach, die Kriegsmarine, die war ja so sauber und unbelastet, dann ist das durch diese Reden von Dönitz alleine schon widerlegt. Natürlich war der überzeugter Nationalsozialist. [OC: Von daher: Wir behandeln ihn als historische Figur hier – und seine Zeit im Mai, in der er hier war, auch wenn das vielleicht eine spannende Episode ist, ist das nicht alles, worum es geht bei uns an der Marineschule, ja. Sprecher: Neben „spannend“ ist das Schattenregime von Dönitz vor allem tragisch. ENDE OC] In Mürwik werden noch mehrere Todesurteile gegen Deserteure vollstreckt. Und der wahre Charakter des Nationalsozialismus wird sichtbar. Denn am 3. Mai erreicht, gezogen von einem Schlepper, ein Flusslastkahn namens „Ruth“ die Flensburger Förde. In den Laderäumen vegetieren etwa 650 Häftlinge aus dem KZ Stutthof bei Danzig; weitere 350 sind bei der Überfahrt gestorben. Dönitz behauptet später, erst zu diesem Zeitpunkt habe er von den NS-Verbrechen erfahren. Absurd, wie fleißig er in Mürwik am Mythos einer „sauberen Wehrmacht“ bastelt, sagt Gerhard Paul: O-Ton 25 Gerhard Paul: Da sitzt eine Regierung, die sich mit Fragen beschäftigte: Bekommen wir noch neue Uniformen und neue Uniform-Stiefel. Also dieser Mythos der sauberen Wehrmacht hat auch eine ganz materielle, sinnliche Entsprechung, ne. Durch Flensburg zogen, aus Dänemark, aus Norwegen kommend, Soldaten der Wehrmacht, die keine Stiefel mehr hatten. Die…

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    Zoonosen - Bedrohung aus dem Tierreich Jun 04, 2025
    Show notes

    Tollwut, Ebola, Aids, die Pest und höchstwahrscheinlich auch Covid-19 - viele Erkrankungen, die weltweit vorkommen, haben eines gemeinsam: Ihre Erreger sprangen irgendwann vom Tier auf den Menschen über. Es sind Zoonosen. Wie können wir uns vor den tierischen Erregern schützen? Von Maike Brzoska (BR 2024) CreditsAutorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Christiane KlenzEs sprach: Xenia TilingTechnik: Susanne HarasimRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Thomas Müller, Fachtierarzt für Virologie am Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald; Hendrik Wilking, Epidemiologe am Robert-Koch-Institut in Berlin Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Stechmücken - Das geheime Leben der sirrenden Sauger HIER Wildtiere erobern die Großstadt - Waschbär, Fuchs und Fledermaus HIER AIDS - Das (fast) vergessene HI-Virus HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Angefangen hathe Leonard Cohen als Schriftsteller, lange bevor er ein Weltstar der Popmusik wurde. Heute zählen „Hallelujah“, „Suzanne“ und „So long, Marianne“ zu den meistgehörten und meistgecoverten Songs weltweit. Im Podcast geht es um ihn als Mönch in L.A., als Dichter auf der griechischen Insel Hydra und als Singer-Songwriter auf der Bühne auf der ganzen Welt. HIER ENTDECKEN Linktipps: - Diverse Autor*innen: Virale Zoonosen in Deutschland aus der One Health Perspektive, 2023, Bundesgesundheitsblatt. Übersichtsartikel zu den sechs häufigsten viralen Zoonosen in Deutschland und wie man sie eindämmen kann, abrufbar unter - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Trendbericht Zoonosen, Berichtsjahr 2022. Aktueller Überblick über Zoonosen, die durch Lebensmittel übertragen werden, abrufbar unter Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Die Füchse müssen furchterregend ausgesehen haben: Rot unterlaufende Augen, triefender Speichel ums Maul und Kampfeslust in den Augen. Der Biss eines kranken Tieres kam früher einem Todesurteil gleich. Das ist heute bei uns anders. Und trotzdem löst der Anblick eines vorbei streunenden Fuchses bei vielen Menschen immer noch denselben Reflex aus: Achtung, Tollwut! Deshalb die gute Nachricht vorab: 01 O-TON (Müller) Der letzte Fall von Tollwut war 2006. SPRECHERIN Sagt der Fachtierarzt für Virologie Thomas Müller. Er forscht am Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald. Seit 2008 gilt Deutschland offiziell als Tollwut-frei. Die zwei Jahre dazwischen sind eine Art Puffer, um auf Nummer sicher zu gehen. 02 O-TON (Müller) Sie müssen erst mal sozusagen noch zwei Jahre lang warten, dass die Tollwut in dem Gebiet nicht mehr vorkommen wird. SPRECHERIN Die Tollwut ist eine Virus-Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Also eine sogenannte Zoonose. Was man darunter versteht, erklärt der Epidemiologe Hendrik Wilking. Er forscht am Robert-Koch-Institut in Berlin. 03 O-TON (Wilking) Zoonosen sind vom Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten. Die kommen weltweit vor und können ausgelöst werden durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze. MUSIK 2 (Alan Jay Reed, Michi Koerner: Genetics 0’47) SPRECHERIN Tollwut, Aids, die Pest, Tuberkulose, Ebola und höchstwahrscheinlich auch Covid-19, das die Corona-Pandemie auslöste – die Liste von Zoonosen ist lang. Forschende gehen davon aus, dass zwei Drittel unserer Infektionskrankheiten aus dem Tierreich stammen. Einige sind sehr jung, wie Covid-19, andere sind uralt. 04 O-TON (Müller) Die Tollwut ist die älteste bekannte Zoonose der Menschheit. Sie ist schon vor über 5.000 Jahren das erste Mal erwähnt worden im Alten Babylon. Also insofern wissen wir schon recht gut Bescheid, dass die Tollwut ein ständiger Begleiter der menschlichen Entwicklung war. SPRECHERIN Auch den Begriff gibt es in unserem Sprachraum schon sehr lange. 05 O-TON (Müller) Also „Tollwut“ ist ein altdeutscher Begriff, der diese Krankheit gut, sag ich mal, schon mit einem Wort beschreibt. In anderen Sprachräumen wurde von ‚Hydrophobie‘ gesprochen. SPRECHERIN Hydrophobie, Wasser-Angst, weil die Betroffenen bei fortgeschrittener Krankheit eine starke Abneigung gegen Wasser entwickeln. Das gilt sowohl für Tiere als auch für den Menschen. 06 O-TON (Müller) Das Virus befällt das zentrale Nervensystem des betroffenen Individuums, und das ist im Prinzip bei Mensch und Tier das Gleiche. Also bei Menschen würde man zunächst Kopfschmerz, Fieber, Angstzustände oder Kribbelgefühle oder ein verändertes Empfinden in der Nähe des Tierbisses merken, das sind die ersten Anzeichen von Tollwut. In den meisten menschlichen Fällen äußert sich die Krankheit dann auch durch eine Pupillenerweiterung, ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht, Temperatur-Veränderungen. Es gibt Anfälle, Halluzinationen sowie Hydrophobie, das heißt Krämpfe bei Berühren oder bloßen Erblicken von Wasser. Es geht dann weiter bis hin zur Lähmungserscheinung bis hin zum Koma. Und leider unbehandelt endet die Krankheit immer mit dem Tod des betroffenen Individuums. MUSIK 3 ( Daniel Backes, Peter Moslener: Temperature Sensitive (reduced 2) 0‘36 SPRECHERIN Anders als früher ist Tollwut aber heute kein Todesurteil mehr. Betroffene können sich mit einer Impfung gegen Tollwut schützen – auch nach dem Biss eines infizierten Tieres. Wobei es wichtig ist, dass möglichst schnell nach dem Vorfall geimpft wird. Auch wenn Füchse noch immer Tollwut-Ängste auslösen, lange Zeit waren sie gar nicht Hauptüberträger der Krankheit, sondern Hunde. Wobei die nicht immer „tollwütig“ waren. 07 O-TON (Müller) Es muss nicht immer die aggressive Form sozusagen der Tollwut sein, wo Menschen aktiv angegriffen werden, sondern in vielen Fällen sehen wir, dass die Tiere Lähmungserscheinungen haben, sich zusammenkauern, irgendwie krank aussehen, sie können sich kaum noch bewegen, und dann gehen die Menschen hin, wollen sie streicheln, wollen gucken, ob alles in Ordnung ist. In dem Moment schnappt der Hund zu. MUSIK 4 ( Gustav Mahler: Symphony No. 5 (Blanchett, Wolf, Dresdner Philharmonie) 0‘20) SPRECHERIN Im Deutschen Kaiserreich zum Beispiel gab es deshalb eine ganze Reihe von Maßnahmen, um die Krankheit einzudämmen. Hunde mussten angeleint werden, einen Maulkorb tragen – und, bei den ersten Anzeichen von Tollwut, getötet werden. 08 O-TON (Müller) Und all diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Anzahl der Tollwut bei Menschen dann doch rasant runtergegangen ist. SPRECHERIN Dennoch kam es immer wieder zu Tollwut-Erkrankungen bei Mensch und Tier. Das änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 09 O-TON (Müller) Weil man erst da in der Lage war, entsprechende Impfstoffe zu entwickeln und die Aussicht hatte, dass man mit einer vorbeugenden Impfung Hunde erfolgreich gegen Tollwut schützen kann, und damit auch den Menschen gegen Tollwut schützen kann. SPRECHERIN Die Hunde-Tollwut konnte man durch die Impfung ausrotten, aber noch immer steckten sich Menschen an – und zwar jetzt beim Fuchs. 10 O-TON (Müller) Jetzt hatte man ein Problem gelöst, die Hunde-vermittelte Tollwut, und schon hatten wir die nächste Problematik auf dem Tisch. Diesmal war nicht der Hund der Hauptüberträger der Tollwut, sondern der Rotfuchs. SPRECHERIN Deshalb impfte man auch Füchse großflächig, wobei das sehr viel aufwendiger war als bei Hunden. Die Impfstoffe wurden in Futter-Ködern versteckt und überall dort, wo Füchse vorkamen, verteilt. Unter anderem per Flugzeug. 11 O-TON (Müller) Da fliegen die Flugzeuge sozusagen in einem geringen Abstand über dem Erdboden und computergesteuert werden dann die Köder in bestimmten Abständen ausgelegt. Und über diese sozusagen Maßnahme haben wir es dann geschafft. MUSIK 5 ( Benjamin Flint: Soul Healing (reduced) 1’07) SPRECHERIN Ein riesiger Aufwand, der sich über viele Jahre hinzog, aber letztlich konnte das Tollwut-Virus in Europa ausgerottet werden. Wobei – so ganz weg ist das Tollwut-Virus auch in Europa nicht. Denn eigentlich sind wir nur frei von terrestrischer Tollwut. Terrestrisch bedeutet so viel wie: am Boden lebend. 12 O-TON (Müller) Wir sind in Europa frei von terrestrischer Tollwut, aber nicht frei von Fledermaus-Tollwut, weil sie die Fledermaus-Tollwut im Prinzip nicht bekämpfen können. SPRECHERIN Weil man nicht alle Fledermäuse impfen könnte, auch weil sie in Europa unter strengem Schutz stehen. Aber dass Menschen sich bei Fledermäusen anstecken, kommt so gut wie nie vor. Vermutlich stammt das Tollwut-Virus auch ursprünglich von Fledermäusen. Forschende können mithilfe von Gen-Analysen des Erbguts nachvollziehen, wie Zoonosen sich entwickelt haben und von welchem Tier sie stammen. 13 O-TON (Müller) So kann man sich also gut vorstellen, dass vor mehreren Hunderttausend Jahren es mal zum erfolgreichen Überspringen dieser Viren, die einst bei Fledermäusen waren, dann auf den Fleischfresser – in diesem Fall waren es wildlebende Fleischfresser, also Füchse, Waschbären, Skunks usw. – dann erfolgreich übertragen worden sind und sich dort etabliert haben. SPRECHERIN Im Laufe der Zeit hat sich das Tollwut-Virus also so verändert, dass es andere Tierarten – und letztlich auch den Menschen infizieren konnte. 14 O-TON (Wilking) Das Virus braucht bestimmte genetische Eigenschaften, damit es beim Menschen andocken kann, obwohl es wahrscheinlich nie vorher einen Menschen überhaupt gesehen hat. SPRECHERIN Dazu muss man wissen: Erreger wie Viren oder Bakterien verändern sich ständig. Anders ausgedrückt: Es kommt immer wieder zu zufälligen Mutationen im Erbgut. Das ist im Prinzip bei uns Menschen genauso – auch wir haben uns über die Jahrmillionen ja immer weiter verändert. Aber bei Viren und Bakterien geht das sehr viel schneller. Das Erbgut von RNA-Viren zum Beispiel – zu denen gehört die Influenza, also die echte Grippe – verändert sich eine Million Mal schneller als das menschliche Erbgut. Das ist quasi Evolution im Zeitraffer – und übrigens auch der Grund dafür, warum man sich jedes Jahr aufs Neue gegen Grippe impfen lassen muss. Die enorme Wandlungsfähigkeit macht die Erreger ein Stück weit unberechenbar. 15 O-TON (Wilking) Einige Viren können sich sehr schnell weiterentwickeln und so ihre Eigenschaften verändern. Also in dem Sinne, dass sie krankmachender werden können. Aber es geht auch umgekehrt, dass sie weniger krankmachend werden. Oder sie können dem Immunsystem des Menschen oder der Tiere sozusagen besser ausweichen oder dass sie durch eine Impfung induzierte Immunität ausweichen. Sie können halt so ihre Eigenschaft verändern. Aber es gibt auch sehr, sehr stabile Viren, die wahrscheinlich seit Hunderten von Jahren genau die gleichen Eigenschaften haben, und bei Bakterien ist es ähnlich. Es gibt einige Bakterien, die sind sehr stabil und dann gibt es Bakterien, die sehr volatil sind und sich sehr schnell auf die Umgebung, auf die Säugetiere oder den Menschen, die sie infizieren, anpassen. SPRECHERIN Auch wegen der ständigen Veränderungen gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Zoonosen. Forschende unterscheiden sie nach ihrem Übertragungsweg. MUSIK 6 ( Alan Jay Reed; Tony Delmonte: Locked 1’12) 16 O-TON (Wilking) Es gibt so klassische Zoonosen, wo sich Menschen direkt durch den Kontakt zu Tieren anstecken, das können landwirtschaftliche Nutztiere sein, da gibt es zum Beispiel Q-Fieber, Milzbrand oder Brucellose. Das können Wildtiere sein, in Deutschland, insbesondere in Bayern, kommt leider seit einigen Jahren vermehrt das Borna-Virus vor, das greift das Nervengewebe an und das führt dann halt beim Menschen zu Gehirnentzündungen und leider in sehr häufigen Fällen dann auch nachfolgend zum Tod. SPRECHERIN Das Borna-Virus wird von Feldspitzmäusen übertragen. Eine meist tödliche Erkrankung, die allerdings extrem selten ist. Aktuell geht das Robert-Koch-Institut von zwei bis sechs Erkrankungen pro Jahr aus. 17 O-TON (Wilking) Oder Hantavirus-Erkrankungen in vielen Gegenden Deutschland, die werden durch Kontakt zu Nagetieren übertragen. Oder sehr bekannt ist auch der Fuchsbandwurm. SPRECHERIN Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der vor allem bei Füchsen, aber auch bei Hunden oder Katzen vorkommt. Die Eier des Parasiten gelangen über den Kot des Fuchses in die Natur. Deshalb wird empfohlen, im Wald – insbesondere in Bodennähe – gesammelte Beeren oder Pilze abzukochen, das tötet die Eier ab. Aber auch hier kann man sagen: Die Krankheit ist sehr selten. Jedes Jahr stecken sich 40 bis 70 Menschen an. Ein anderer Übertragungsweg für Zoonosen sind Lebensmittel. 18 O-TON (Wilking) Hepatitis E wird durch ein Hepatitis-E-Virus verursacht und wird durch den Verzehr von Schweinefleisch übertragen. Und gerade, wenn man ne vorgeschädigte Leber hat und dann zusätzlich diese Virusinfektion kommt, kann man schwer erkranken. Aber es gibt auch andere Beispiele: Campylobacter-Infektionen führen zu Durchfällen und in seltenen Fällen auch zu Immunreaktionen. Und das wird durch Verzehr von ungenügend durchgegartem Geflügelfleisch übertragen. Aber es gibt auch die in der Bevölkerung sehr bekannten EHEC-Erkrankungen. EHEC ist eigentlich ein bakterieller Erreger bei Rindern und halt durch den Verzehr von unzureichend durchgegartem Rindfleisch kann es zu EHEC-Ausbrüchen kommen in der Bevölkerung, beziehungsweise das ist in den letzten Jahrzehnten mehrmals vorgekommen. SPRECHERIN Deshalb ist es wichtig, Fleisch immer ausreichend durchzugaren. Das tötet Bakterien und auch einen Großteil anderer Erreger wie Viren oder Parasiten ab. Allerdings gibt es hierzulande einige rohe Fleisch-Speisen, die sehr beliebt sind. Carpaccio aus rohem Rinderfleisch zum Beispiel oder auch rohes Schweinefleisch, das je nach Region anders heißt: Hackepeter, Mett, Bratwurstgehäck oder auch einfach nur Gehäck. 19 O-TON (Wilking) Also rohes Schweinefleisch, der Verzehr ist halt in Deutschland sehr beliebt und kommt halt im europäischen Ausland sonst so nicht vor, also ist schon eine sehr deutsche Besonderheit irgendwie. Und durch diesen Verzehr können auch bestimmte Infektionskrankheiten übertragen werden. Also Toxoplasma gondii als Parasit kommt in Deutschland sehr häufig vor und halt auch andere bakterielle Erkrankungen können halt so übertragen werden. SPRECHERIN Daneben gibt es noch eine weitere Gruppe Zoonosen, die sogenannten Vektor-übertragenen Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die über Vektoren wie Mücken oder Zecken weitergegeben werden. 20 O-TON (Wilking) Da kennen Sie die Lyme-Borreliose. Da gibt es leider viele Erkrankungsfälle pro Jahr in Deutschland, die Gehirnhautentzündung hervorrufen oder auch Gelenkentzündungen. Und dann gibt es, durch die Zecke als Vektor übertragen, die FSME. SPRECHERIN Also die Frühsommer-Meningoenzephalitis, die ebenfalls eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute hervorrufen kann. Forts. 20 O-TON Da kann man sich gut gegen impfen. Aber seit einiger Zeit, wahrscheinlich auch durch den Klimawandel induziert, auch Mücken-übertragene Erkrankungen in Deutschland, also das West-Nil-Virus in Ostdeutschland. Und wir müssen auch uns darauf einstellen, dass es noch weitere Mücken-übertragene Erkrankungen in den nächsten Jahren in Deutschland geben kann. SPRECHERIN Weil es wegen des Klimawandels wärmer wird und sich deshalb andere Mückenarten sich bei uns ansiedeln, rechnen Forschende damit, dass es künftig hierzulande Fälle von Malaria geben wird. Wobei man eigentlich sagen muss: Wieder geben wird. 21 O-TON (Wilking) Malaria gab es früher ganz viel in Deutschland und die Malaria wurde ausgerottet durch Maßnahmen, also man hat halt Sümpfe trockengelegt, Brachland trockengelegt. Also die Malaria war in Mitteleuropa verbreitet, in England, bis hoch nach Skandinavien. MUSIK 7 ( Daniel Backes, Peter Moslener: Temperature Sensitive (reduced 2) 0’42) SPRECHERIN Und dann gibt es noch eine weitere Gruppe Zoonosen – mit der wir alle in jüngster…

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    Warum Tiere kooperieren - Altruismus im Tierreich Jun 04, 2025
    Show notes

    Tiere helfen einander - das gilt für Schweine ebenso wie für Ameisen. Offenbar ist Egoismus kein Konzept, das zum Überleben taugt. Wie vielfältig die Formen von Altruismus und Kooperation sind, findet die Wissenschaft nach und nach heraus. Und stellt sich die Frage nach dem tieferen Sinn dieser Strategien. Von Christiane Seiler (BR 2024)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Christiane Seiler
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen:
    Technik:
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Dr Liza Moscovice, Verhaltensbiologin, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie;
    Dr. Christian Nawroth, Verhaltensbiologe, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie;
    Shahin Tavangari, Reviertierpfleger Zoo-Aquarium Berlin,
    Hanspeter Dill, Ziegenhalter
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    Das Schwein -Verkanntes Borstentier
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    Queere Tiere? - Alles Natur!
    JETZT ENTDECKEN

    Tierische Freundschaften - Von Dohlenpaaren, Pferdecliquen und Eselkumpeln
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    Tierische Paar(ungs)geschichten - Alles Natur!
    JETZT ENTDECKEN

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:


    WirTier. Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier.
    WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und lassen uns teilhaben an ihrem Wissen über Tiere. Denn auch Forscherinnen und Forscher wissen zunehmend: Tiere haben Gefühle, Intelligenz und ein Sozialleben. Und auch Vici und Julius, die Hosts von WirTier, verändern sich durch diese Begegnungen – und stellen sich vielfältigen Herausforderungen auf der Weide, im Garten oder auch in freier Wildbahn.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Velo, Radl, Mountainbike - Ein Gefährt und seine Geschichte Jun 03, 2025
    Show notes

    Der Klimawandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein machen das Fahrrad zu einem der großen Hoffnungsträger in der Verkehrspolitik. Radeln - die Anfänge dieser Fortbewegungsart reichen weit zurück - vielleicht sogar bis Leonardo da Vinci. Bis das Rad aber endgültig straßentauglich ist, vergehen noch Jahrhunderte. Von Herbert Becker (BR 2009)

    Credits
    Autor dieser Folge: Herbert Becker
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Andreas Neumann, Rainer Buck, Sabrina Litzinger
    Redaktion: Brigitte Reimer

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Hep Monatzeder;
    Richard Deiss;
    Anna Pöcksteiner

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    Verkehrspolitik der Zukunft - Effizienter und umweltschonender?
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    Das Automobil - Die ersten 50 Jahre
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    radioWelt | Dank Laufrad - Kinder radeln immer früher und besser
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    Ziegen - Weidetiere im Klimawandel Jun 01, 2025
    Show notes

    Ziegen sind neugierige, intelligente Tiere mit einer engen Bindung an die Menschen, die sie versorgen. Wie funktionieren sie als Herde? Können sie Biotope schützen und damit einige Folgen des Klimawandels begrenzen? Im Naturschutz setzt man zunehmend auf wiederkäuende Weidetiere wie die Ziegen. Von Christiane Seiler (BR 2023)

    Autorin dieser Folge: Christiane Seiler
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Julia FIscher & Johannes Hitzelberger
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:

    Sabine Denell, Tierärztin, Landwirtin
    Hanspeter Dill, Landwirt
    Dr. Christian Nawroth, Biologe, FBN-Dummerstorf
    Thomas Volpers, Biologe, Naturschutzgebiet Kleine Schorfheide
    Christoph-Johannes Ingelmann, Zuchtleiter Schaf- und Ziegenzuchtverband Brandenburg

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.

    Wie wir ticken - Euer Psychologie-Podcast
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    50 Jahre Computerspiele - Pong, Pac-Man und Co May 28, 2025
    Show notes

    180 Milliarden US-Dollar, so viel hat die Games-Branche 2021 weltweit umgesetzt. Computerspiele boomen - und das seit Jahren. Dabei fing alles ganz klein an, mit einem eckigen Ball und zwei Strichen als Schläger. Von Christian Schiffer (BR 2022)

    Autor dieser Folge: Christian Schiffer
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Andreas Neumann
    Technik: Susanne Herzig
    Redaktion: Martin Trauner


    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT


    Bayerns SPD in Königreich und Republik - Aufbruch in die Moderne May 28, 2025
    Show notes

    Mit Reformen statt mit Revolution wollte die SPD im Königreich Bayern eine demokratische Gesellschaft durchsetzen. Der Erste Weltkrieg führte zur Zerreißprobe. Von Renate Eichmeier (BR 2024)Credits Autorin dieser Folge: Renate EichmeierRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Rahel Comtesse, Christian Baumann, Peter WeißTechnik: Matthieu BelohradskyRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Prof. Dr. Marita Krauss, Professorin i. R.Europäische Regionalgeschichte Universität Augsburg Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Bayerische Volkspartei, BVP - Die Extrawurst kommt auf den Grill Ein Freistaat Bayern ohne CSU? Den gab es! Vor dem zweiten Weltkrieg hieß die dominierende Kraft im Land "Bayerische Volkspartei". Sie darf als Vorgänger der CSU gesehen werden, doch es ist ein Erbe mit Licht und Schatten.JETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATOR: Die Bayrische Republik wird hierdurch proklamiert. Die oberste Behörde ist der von der Bevölkerung gewählte Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat, der provisorisch eingesetzt ist, bis eine endgültige Volksvertretung geschaffen werden wird. (…) Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik! ERZÄHLERIN: Rote Plakate informierten am Morgen des 8. November 1918 die Menschen in München, dass über Nacht die Monarchie abgeschafft worden war und sie ab sofort in einer Republik lebten. Am Tag vorher hatte eine Gruppe von Revolutionären um Kurt Eisner, den führenden Kopf der sozialdemokratischen Linken, den Landtag besetzt und das Ende der Wittelsbacher Herrschaft erklärt. Es war die Geburtsstunde des Freistaates Bayern. Innerhalb von gut zweieinhalb Jahrzehnten hatte sich die bayerische SPD von der neugegründeten Partei der Arbeiterbewegung zur Wegbereiterin eines demokratischen Bayern entwickelt. O1 KRAUSS: Die SPD ist im 19. Jahrhundert entstanden, eigentlich aus dem großen Bedürfnis heraus, die arbeitenden Klassen in irgendeiner Form einzubinden in Politikprozesse, sie rauszuholen aus dem Bereich der Wohlfahrt, mit reinzunehmen in Politikgestaltung. MUSIK: Detailed look (reduced) 0‘22 ERZÄHLER: Industrielle Revolution und demokratische Ideen bereiteten im 19. Jahrhundert den Boden für die Moderne. Die Industrialisierung sorgte für radikale Umbrüche und eine neue gesellschaftliche Schicht: Massen von Arbeitern und Arbeiterinnen, die sich zu organisieren begannen und nach politischer Teilhabe strebten. Die Arbeiterbewegung formierte sich auch im Königreich Bayern als soziale und politische Kraft, aus der schließlich die SPD als Partei hervorging. Die Historikerin Marita Krauss war bis zu ihrer Emeritierung Professorin für Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg und hat sich intensiv mit der Geschichte der bayerischen SPD beschäftigt. O2 KRAUSS: Da entstanden eben zunächst Arbeitervereine, die sich um Belange der Arbeiter gekümmert haben, und es entstanden dann aber auch natürlich die ersten Gewerkschaften, und diese ganzen Bemühungen stehen im Kontext dieser ersten großen sozialen Bewegungen, die eben auch vor allem dann die zweite Jahrhunderthälfte geprägt haben. Wir haben Arbeiterbewegung, dann Frauenbewegung, Friedensbewegung, alles das ist bereits in der zweiten Jahrhunderthälfte des Neunzehnten Jahrhunderts da, natürlich auch die Lebensreform, und zusammen mit diesen Bewegungen ist auch der Erfolg der SPD natürlich zu sehen. ERZÄHLERIN: Staatlicherseits wurde der wachsende Einfluss der Arbeiterbewegung mit Misstrauen beobachtet. 1878 setzte Otto von Bismarck die sogenannten "Sozialistengesetze" durch. Sie dienten auch in der bayerischen Monarchie der staatlichen Sozialistenverfolgung. Musik: In der Finsternis 0‘34 ERZÄHLER:. Diese Gesetze richteten sich gegen – ZITATOR: die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie ERZÄHLER: – und boten dem Staat die Möglichkeit, sozialistische Parteien, Versammlungen und Zeitungen zu verbieten. ERZÄHLERIN: Zwölf Jahre waren die Sozialistengesetze in Kraft. In dieser Zeit wurden Tausende von Menschen verhaftet oder in die Emigration getrieben. Nach der Entlassung Bismarcks wurden 1890 die Sozialistengesetze schließlich aufgehoben. Die hatten ohnehin wenig gebracht. Denn trotz der Repressionen war der Einfluss der Sozialdemokratie gestiegen – reichsweit und auch im Königreich Bayern. Der kaiserliche Kurswechsel wurde in der Parteizentrale in Berlin anders aufgenommen als bei den bayerischen Sozialdemokraten. Im Juni 1891 hielt der Parteivorsitzende Georg von Vollmar im Münchner Lokal "El Dorado" zwei Reden, mit denen er sich zum Ende der Sozialistengesetze und zum Kurswechsel der kaiserlichen Regierung positionierte und für eine Zusammenarbeit mit den herrschenden Kreisen eintrat. O3a KRAUSS: Für Bayern ist dabei sehr spannend, dass die bayerische SPD sich vor allem im Süden Bayerns sehr stark an einem reformistischen Konzept orientiert hat, das gesagt hat, wir wollen nicht die bestehende Gesellschaftsordnung umwälzen, sondern wir wollen innerhalb der Gesellschaft Reformen voranbringen. ERZÄHLER: Die bayerische SPD war kompromissbereiter als die Parteizentrale in Berlin. Sie stand – O3b KRAUSS: immer im scharfen Gegensatz zu dem mehr zentralistischen und auch sehr viel stärker revolutionsorientierten Zweig der SPD, die jetzt also das Reich auch dominierte. Wir haben da Namen wie eben dann Bebel und andere, die eben dann im Reich eine sehr stark auf Revolution auch noch ausgerichtete Politik voranbrachten. ERZÄHLERIN: Diese kritisierten die Politik ihrer bayerischen Genossen als "kleinbürgerlichen Reformismus", was die Bayern aber nicht daran hinderte, ihren eigenen Weg zu gehen. Der erste Landesparteitag der bayerischen Sozialdemokraten fand 1892 in Reinhausen statt, einem damals kleinen Vorort von Regensburg. Dieser Parteitag gilt als Gründungsdatum der bayerischen SPD. Siebzig Delegierte nahmen teil, darunter auch Georg von Vollmar. Sie stellten Kandidaten für die bevorstehenden Landtagswahlen auf und verabschiedeten ein Wahlprogramm, dessen Forderungen im Großen und Ganzen die nächsten zwei Jahrzehnte bestehen blieben. Musik: Still waiting red 0‘35 ERZÄHLER: Die wichtigste Forderung war die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Männer und Frauen. Bislang galt nämlich, dass Frauen nicht wählen durften, sondern nur Männer, die Steuern bezahlten. Die Wahl erfolgte indirekt, das heißt die Wahlberechtigten wählten Wahlmänner, die dann ihrerseits die Abgeordneten wählten. Und die Wahl war nicht geheim, sondern der Wahlzettel wurde unterschrieben und offen abgegeben. Außerdem forderten die Sozialdemokraten: mehr Rechte für das Parlament und für die kommunale Selbstverwaltung, Trennung von Staat und Kirche, Reformen im Schulwesen und bei den Arbeiterversicherungen … ERZÄHLERIN: Ein Jahr nach dem ersten Landesparteitag gewannen die Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen 1893 fünf Mandate. Der Landtag bestand damals aus zwei rechtlich gleichgestellten Kammern: der Kammer der Reichsräte, in der adelige und geistliche Würdenträger saßen, die per Verfassung bestimmt oder vom König berufen waren. Und es gab die Kammer der Abgeordneten, die von den Wahlberechtigten gewählt wurde. Die stärkste Kraft dort war die katholisch orientierte Bayerische Zentrumspartei. Unter ihren Abgeordneten fanden sich katholische Geistliche. Sie vertrat in erster Linie die Interessen der mittelständischen Bevölkerung und machte sich für den politischen Katholizismus stark, den kirchlichen Einfluss in der Politik. Ihr Gegenspieler waren die Liberalen, die den kirchlichen Einfluss zurückdrängen und eine Trennung von Staat und Kirche wollten – ebenso wie die SPD und der Bayerische Bauernbund, die beide 1893 erstmals in den Landtag einzogen. Der Bauernbund war antiklerikal und sah sich als Verfechter kleinbäuerlicher Interessen. Und die SPD war die erste Partei, die sich als Interessensvertreterin der Massen von Arbeitern und Arbeiterinnen verstand. Mit den ersten fünf Landtagsmandaten begann der Aufstieg der SPD zu einer politischen Kraft im Königreich Bayern. Musik: Aufbruch 0‘23 ERZÄHLER: In diesen Jahren stand Prinzregent Luitpold für seinen psychisch kranken Neffen Otto II. an der Spitze der bayerischen Monarchie. Nach seinem Tod machte es eine Verfassungsänderung möglich, dass ab 1913 sein Sohn als König Ludwig III. regieren konnte. Bayern war eine konstitutionelle Monarchie, das heißt die Macht des Monarchen wurde verfassungsmäßig definiert. Zwar stand der König beziehungsweise der Prinzregent als sein Stellvertreter über allen. Er alleine bestimmte die Regierung, also den Ministerpräsidenten und das Kabinett – unabhängig vom Landtag, den einzuberufen und aufzulösen er berechtigt war. Aber auch der bayerische Landtag hatte Rechte, etwa die Prüfung des Staatshaushaltes und die Bewilligung der Steuern. Und diese Rechte nutzte die SPD, um ihre politischen und sozialen Reformen voranzutreiben. Ein großer Schritt war die Wahlrechtsreform von 1906, die sie gemeinsam mit dem Zentrum durchsetzte. ERZÄHLERIN: Die Landtagswahl wurde nun als direkte Mehrheitswahl durchgeführt. Das heißt: Die Wahlmänner wurden abgeschafft, die Abgeordneten direkt und auch geheim gewählt. Der Kandidat mit den meisten Stimmen in seinem Wahlkreis durfte in den Landtag. Allerdings blieb das Wahlrecht auf steuerzahlende Männer ab 25 Jahren beschränkt. ERZÄHLER: Ein weiteres Problem, das den Sozialdemokraten unter den Nägeln brannte, war die Absicherung der Arbeiterschaft, so die Historikerin Marita Krauss. O5 KRAUSS: Die Idee war, über Tarif-Reformen es zu schaffen, dass die Arbeiter eine andere Form der Sicherheit hatten in Bezug auf Lohn, Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, auch in Bezug auf erste Formen von Urlaub, von gesichertem Urlaub. ERZÄHLERIN: Viele Unternehmen zeigten sich offen für den Vorschlag, Arbeitsverhältnisse tariflich zu ordnen. Bis 1907 waren etwa 75 Prozent der bayerischen Arbeiterschaft im gewerblichen Bereich mittels Tarifverträgen abgesichert. Bezüglich der Rechte der Frauen gab es vorerst keine wegweisenden Verbesserungen. Für die Sozialdemokraten, so die Historikerin Maria Krauss, war das Thema Frauenrechte eher schwierig. O6 KRAUSS: Das war eben doch eine kleinbürgerliche Partei, die sehr wohl dachte, dass die Frauen bestimmten Rollen folgen. Andererseits gab es ganz großartige Einzelpersönlichkeiten. Also wir haben natürlich auf der Reichsebene Clara Zetkin und solche Vorkämpferinnen der Frauenbewegung. In München ist es zum Beispiel Dr. Hope Bridges Adams Lehmann, eine sozialdemokratische Ärztin englischer Herkunft, die sehr intensiv vor allem im Gesundheitsbereich die Politik der SPD mitgeprägt hat. Musik: War is coming 0‘38 ZITATOR: Der Weltkrieg droht! Die herrschenden Klassen, die euch in Frieden knechten, verachten, ausnutzen, wollen euch als Kanonenfutter missbrauchen. Überall muss den Machthabern in den Ohren klingen: Wir wollen keinen Krieg! Nieder mit dem Kriege! Es lebe die internationale Völkerverbrüderung! ERZÄHLER: So der Berliner Parteivorstand der SPD am 25. Juli 1914 in der Parteizeitung "Vorwärts". Etwa einen Monat vorher waren der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajewo erschossen worden. Krieg lag in der Luft. Hunderttausende folgten dem sozialdemokratischen Aufruf und kamen zu Friedenskundgebungen in zahlreichen deutschen Städten – auch in München. Musik: Political efforts red 0‘23 Nur ein paar Tage später verkündeten Kaiser Wilhelm II. in Berlin und König Ludwig III. in München die Mobilmachung – und brachten auch die Sozialdemokraten sehr schnell auf Kriegskurs. ZITATOR: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche! Zum Zeichen dessen, dass Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschied, ohne Stammesunterschied, ohne Konfessionsunterschied durchzuhalten mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod zu gehen, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir das in die Hand zu geloben. ERZÄHLERIN: Diese berühmten Worte stammen aus einer Rede, die Wilhelm II. am 4. August 1914 im Reichstag hielt. Mit der Beschwörung der nationalen Einheit wollte er die Sozialdemokraten auf Linie bringen – und schaffte das auch. Die SPD stellte die stärkste Reichstagsfraktion. Und die kaiserliche Regierung brauchte den Reichstag für die Bewilligung der Kredite, mit denen der Krieg finanziert werden sollte. Und tatsächlich stimmte die SPD an diesem 4. August für die Kriegskredite. Sogar Karl Liebknecht vom linken Flügel ordnete sich der Parteidisziplin unter. ERZÄHLER: Wie kam es zu dieser Kehrtwende der SPD innerhalb weniger Tage? ERZÄHLERIN: Der Aufruf zu den Friedensdemonstrationen kam aus den links-intellektuellen Führungskreisen der Sozialdemokraten. In der Reichstagsfraktion der SPD waren aber auch viele Gewerkschaftsfunktionäre, die praktische politische Arbeit leisteten wie das Aushandeln von Tarifverträgen, sich nicht prinzipiell in weltanschaulicher Gegnerschaft zum Wilhelminismus sahen, sondern die konkreten Interessen der Arbeiterschaft im Blick hatten – auch wenn damit eine Unterstützung der deutschen Großmachtpolitik verbunden war. ERZÄHLER: So wurden zum Beispiel Flottenbau und Kolonialpolitik unter dem Aspekt der Schaffung von Arbeitsplätzen gesehen. Musik: Foreboding of war 0‘43 ERZÄHLERIN: Dass dann die gesamte Reichstagsfraktion der SPD geschlossen für die Kriegskredite stimmte, hatte mit der Wirksamkeit der kaiserlichen Propaganda zu tun, wonach das russische Zarenreich der Kriegstreiber war, der Krieg ergo ein Angriffskrieg, gegen den sich das Deutsche Kaiserreich verteidigen musste. Nun wollten die Sozialdemokraten keinesfalls als national unzuverlässig gelten, als sogenannte "Landesverräter", die einen Verteidigungskrieg boykottierten. Zudem stieß die Version vom russischen Aggressor auf offenen Ohren innerhalb der SPD. Denn dort waren antizaristische Ressentiments weit verbreitet. ERZÄHLER: Schon im Vorfeld des Krieges hatte der Münchner Journalist und SPD-Politiker Kurt Eisner in einer Rede dem russischen Zarenreich die Kriegsschuld zugeschoben – ganz im Sinne der kaiserlichen Regierungspropaganda. Eisner bezeichnete Russland als "Kriegsfurie", forderte, dass der Zarismus gebändigt werden müsse, wolle man den Frieden in Europa erhalten. Seine antizaristische Haltung war typisch für die Sozialdemokraten, die im russischen Zarenreich ein Überbleibsel des Absolutismus sahen: rückständig, despotisch, reaktionär. MUSIK: Constant fear 0‘39 ERZÄHLERIN: Nicht nur Kurt Eisner, sondern die bayerische SPD insgesamt sprach sich für den Kurs der Berliner Reichstagsfraktion aus, also für die Bewilligung der Kriegskredite – auf Reichsebene. In Bayern dagegen stellten sie sich quer, wo auch Ludwig III. noch Geld brauchte für den Krieg. Der Landtag in München bewilligte eine zusätzliche Kreditaufnahme. Allerdings ohne die Stimmen der SPD. Die war nämlich wegen anderer Fragen gerade in erbitterte Streitigkeiten mit der bayerischen Regierung verwickelt – betonte aber ihre vaterländische Gesinnung und ihre Bereitschaft zu kämpfen. ZITATOR: Jetzt wird stramm exerziert und die alten Soldatentugenden wieder geweckt. Lieber Vollmar! Dessen dürfen Sie sicher sein; wohin wir auch kommen, meine Pflichten erfülle ich. Dieser Dienst wird der Partei und dem Vaterlande mit Freuden erwiesen. ERZÄHLER: Schrieb Erhard Auer, später erster sozialdemokratischer Innenminister Bayerns, an den SPD-Vorsitzenden Georg von Vollmar. Doch die nationale Euphorie erlosch schnell im ganzen Reich und ebenso schnell bröckelte die nationale Einheit. Bereits im Dezember verweigerte Karl Liebknecht im Reichstag seine Zustimmung für weitere Kriegskredite. Und auch Kurt Eisner rückte in München von…

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    NS-Vergangenheit als Familiengeschichte - Folgen und Aufarbeitung May 28, 2025
    Show notes

    Nach 1945 wurde geschwiegen, lange geschwiegen. Dann erforschten Historikerinnen und Historiker akribisch vieles Details der NS-Schreckensherrschaft, richteten Gedenkstätten ein. Und jetzt ist die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit in den Familien angekommen. Von Daniela Remus (BR 2020)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Daniela Remus
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Katja Schild
    Technik: Robin Auld
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Im Interview:
    Barbara Brix, Hamburg
    Yvonne Cossu, Rennes, Frankreich
    Svenja Granzow Rauwald, Historikerin, KZ-Gedenkstätte Neuengamme
    Claudia Hartwich, Bremen
    Jörg Watzinger, Mannheim
    Joachim Weretka, Hamburg
    Oliver von Wrochem, Historiker, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

    Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast
    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.
    ZUM PODCAST

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Generationenübergreifende Wohnmodelle - Gemeinsam statt einsam May 26, 2025
    Show notes

    Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum - Die Gesellschaft wird immer älter - In den Städten dominieren Ein-Personen-Haushalte. Das Unbehagen wächst. Sind generationsübergreifende Wohnformen eine Alternative? Welche Motive und Wünsche haben die Gemeinschaftssuchenden und welche Herausforderungen gibt es? Von Sylvia Schopf (BR 2022)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Sylvia Schopf
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Rahel Comtesse, Andreas Neumann, Christopher Mann, Diana Gaul
    Technik: Fabian Zweck
    Redaktion: Andrea Bräu

    Interviewpartner/innen:
    Susanne Schmid (Innenarchitektin, Mitglied in einem Schweizer Architektenbüro und Mitherausgeberin des Buches „Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens“);
    Frühschütz. Leo (Journalist und Vorstandsmitglied der Genossenschaft und Mitbegründer und Mitbewohner der „Gemeinschaft Sulzbrunn“ im Allgäu);
    Christian Dibbern (Mitbegründer und Bewohner des Mehrgenerationenprojekts „Tocklerhof“ in Bamberg);
    Diverse (Mathilda, Imke, Margareta, Zoe und weitere Mitglieder der „Gemeinschaft Sulzbrunn“);
    Anna Nagler (Mitglied der "Gemeinschaft Sulzbrunn");
    Alfons Fischer (Mitglied der "Gemeinschaft Sulzbrunn");
    Beate Gillhaus (Mitglied der "Gemeinschaft Sulzbrunn");
    Christine Kohler (Mitglied der "Gemeinschaft Sulzbrunn");
    Rolf Ebenhoch (Mitglied der "Gemeinschaft Sulzbrunn")

    Linktipps:

    Stiftung Trias - eine Gemeinnützige Stiftung für Boden, Ökologie und Wohnen:
    EXTERNER LINK | https://www.stiftung-trias.de

    Koordinationsstelle „Wohnen im Alter – Konzepte, Initiativen und Visionen“ - eine Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen:
    EXTERNER LINK | https://www.wohnen-alter-bayern.de/Die-Koordinationsstelle.html

    Deutsches Zentrum für Altersfragen:
    EXTERNER LINK | www.neue-wohnformen.de

    Literaturtipps:

    „Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens - Modelle des urbanen Zusammenlebens“, Susanne Schmid (Hrsg.), Birkhäuser Verlag Berlin/Basel 2019.

    „Gemeinschaftsbildung – Der Weg zu authentischer Gemeinschaft“, M. ScottPeck, Eurotopia, Verlag Schloss Oberbrunn 2021.



    Einsamkeit - Mehr als allein May 26, 2025
    Show notes

    Viele Menschen sind einsam. Das ist nicht nur psychisch-emotional ausgesprochen belastend, sondern macht auch körperlich krank. Deshalb fordern Therapeutinnen und Mediziner, dagegen etwas zu unternehmen. Von Daniela Remus (BR 2022)

    Einen interessanten Artikel zum Thema finden Sie auf ARDalpha:

    EINSAM UND ALLEIN - Was ihr gegen Einsamkeit tun könnt, bevor sie euch krank macht
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