Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Das Kitzeln ist offenbar ein soziales Phänomen, aber es ist auch eine der Fragen, auf die die Wissenschaft zwar ein paar Erklärungsmodelle gefunden hat, aber keine eindeutige Antwort.
Was uns ja oft gar nicht klar ist: Kitzeln ist nicht gleich Kitzeln. Da haben Psychologen schon im 19. Jahrhundert zwei Formen unterschieden, nämlich: Knismesis und Gargalesis.
Knismesis: unangenehmer Reiz
Knismesis ist das Kitzeln, wenn einem z. B. eine Fliege über die Haut krabbelt. Manche kennen es auch, wenn sie mit einer elektrischen Zahnbürste das Zahnfleisch massieren und dann die Lippen so vibrieren, dass es unangenehm kitzelt. Das ist Knismesis: Ein Kitzeln, das eindeutig unangenehm ist und bei dem man auch überhaupt nicht in die Versuchung kommt zu lachen. Dieses "Kitzligsein" zu erklären ist an sich nicht so schwer: Es ist praktisch eine Vorstufe zum Schmerz: Wir spüren einen Reiz, der unangenehm ist, aber da vom Reiz keine wirkliche Bedrohung ausgeht, verbucht ihn unser Gehirn nicht als Schmerz, aber doch als lästig.
Gargalesis: ambivalente Gefühle
Demgegenüber bezeichnet Gargalesis jenes Kitzeln, bei dem wir dieses ambivalente Gefühl haben. Jemand kitzelt uns, wir versuchen einerseits auszuweichen, andererseits müssen wir schon ein bisschen lachen. Es gibt auch bestimmte Körperstellen, an denen wir besonders kitzlig sind.
Da ist die Erklärung schon kniffliger. Was soll das? Wenn Wissenschaftler das erklären wollen, fragen sie zunächst: Was macht das Phänomen des Kitzelns aus? Da fallen ein paar Besonderheiten auf:
Schon kleine Babys reagieren aufs Kitzeln, indem sie lachen. Das weist darauf hin, dass es eine sehr tief in uns verankerte Form der Kommunikation ist. Das wiederum legt die Vermutung nahe, dass über das Kitzeln auch eine starke emotionale Bindung kommuniziert wird.
Es fällt auf und legt den gleichen Schluss nah: Auch Affen und andere Tiere sind kitzlig; und auch bei Affen kann man eine Reaktion beobachten, die dem Lachen sehr nahekommt.
Kitzeln: "Angriff" ohne Gefahr
In welchen Situationen lachen wir sonst? Zum Beispiel, wenn wir einen Witz hören. Da wird das Lachen durch einen Überraschungseffekt ausgelöst, durch etwas Unerwartetes, was einer Situation eine neue Wendung, einen neuen Kontext gibt. Und das passiert auch beim Kitzeln: Ich löse bei jemandem einen Reiz aus, der zunächst unangenehm ist, ich dringe in gewisser Weise in die Intimsphäre ein. Gleichzeitig ist durch den gesamten Kontext der Beziehung klar: Das ist kein Angriff, sondern liebevoll gemeint. So lässt sich vermutlich das Lachen deuten.
Vermutung der Evolutionspsychologie: erst das Kitzeln, dann das Witzeln
Weil nun aber Affen und Babys nicht sprechen können, hegen manche Forscher sogar die weitergehende Vermutung, dass dieses Lachen, mit dem wir auf das Gekitzelt-werden reagieren, ein evolutionärer Vorläufer des "humorigen" Lachens ist. Affen können sich keine Witze erzählen, sie können nur miteinander spielen. Wenn wir also heute über Witze lachen, dann hat sich dieses Lachen möglicherweise aus dem Kitzel-Lachen heraus entwickelt. Kurz: Erst das Kitzeln, dann das Witzeln. Aber das ist, wie so vieles in der Evolutionspsychologie, bisher nur eine unbewiesene Vermutung.
Wozu sind Augenbrauen da?
Apr 24, 2026
Show notes
Augenbrauen verhindern, dass Schweiß in die Augen kommt
Es gibt zwei mögliche Gründe: Zum einen verhindern Augenbrauen, dass einem der Schweiß von der Stirn direkt ins Auge läuft. Das ist wohl die wichtigste Funktion. Für unsere Vorfahren in Afrika, die in der Hitze der Savanne viel herumgerannt sind oder gekämpft haben, war das wichtig. Denn wenn einem der Schweiß in die Augen tropft, ist das hinderlich. Und wenn man sich im falschen Moment den Schweiß aus den Augen wischt, kann es tödlich sein.
Augenbrauen: Die Stelle, wo der Mensch Haare dazubekommen hat
Tatsächlich scheinen sich Augenbrauen erst entwickelt zu haben, als der Mensch die afrikanische Savanne erobert hat, denn unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, haben über dem Auge keine ausgeprägte Behaarung. Und das fällt auf: Eigentlich sind weniger behaart als Schimpansen, nur über dem Auge sind Haare dazugekommen.
Der Schimpanse hat dafür etwas anderes, was die Menschen kaum noch besitzen, nämlich sogenannte Überaugenwülste. Dort, wo wir die Augenbrauen haben, stehen beim Affen – und das war auch noch beim Neandertaler so – die Knochen ein wenig heraus, sodass über den Augen die Stirn ein bisschen vorspringt.
Sind Augenbrauen Ersatz für die Überaugenwülste?
Damit ergibt sich eine zweite mögliche Erklärung: In der menschlichen Kommunikation spielt Mimik eine große Rolle. Wir drücken über die Augenbrauen viele Gefühle aus. Wenn wir mürrisch sind, ziehen wir sie zusammen; sind wir freudig überrascht, ziehen wir die Brauen hoch. Und ganz ähnlich kommunizieren Affen mit ihren Überaugenwülsten.
Der frühe Mensch hat diese markanten Wülste über den Augen verloren, weil das Gesicht im Lauf der Menschwerdung immer flacher geworden ist. Möglicherweise sind also Augenbrauchen ein Ersatz für die Überaugenwülste beim Affen bzw. beim Neandertaler. Sie tragen gewissermaßen dazu bei, dass die Mimik besser erkennbar ist. Aber das sind alles Vermutungen – beweisen lassen sie sich kaum.
Warum herrscht bei schlechtem Wetter Tiefdruck, bei schönem Wetter Hochdruck?
Apr 23, 2026
Show notes
Luftdruck: Ergebnis von Luftbewegungen
Der Luftdruck ist im Wesentlichen ein Ergebnis von Luftbewegungen. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob ich mich an einer Stelle befinde, wo Luft absinkt, oder an einer Stelle, wo Luft aufsteigt.
Über uns ist ja eine kilometerdicke Luftsäule. Wenn ich an einem Ort bin, wo die Luft absinkt, dann drückt die gesamte Atmosphäre über mir mit ihrem ganzen Gewicht nach unten. Dadurch ist der Luftdruck dann hoch. Steigt die Luft dagegen auf, führt das zu niedrigem Druck – die aufsteigende Luft wirkt wie eine Entlastung. Das heißt, Hoch- oder Tiefdruck ist vor allem eine Frage von aufsteigenden oder sinkenden Luftmassen.
Tiefdruckgebiete am Äquator
Dort dort, wo die Luft aufsteigt, regnet es eher. Nehmen wir als extremes Beispiel die Äquatorgegend. Was passiert da? Dort steht die Sonne im Zenit, hat also die stärkste Strahlkraft. Wenn sie vormittags runterbrezelt, heizt sie erst mal die bodennahen Luftschichten auf. Nun steigt warme Luft bekanntlich auf. Aufsteigende Luft bedeutet Tiefdruck – deshalb haben wir am Äquator ein ständiges Tiefdruckgebiet.
Dann geht die Geschichte weiter: Die Luft steigt auf und kühlt dabei ab. Irgendwann schließlich erreicht sie eine Höhe, wo es so kühl ist, dass die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und sich Wolken bilden. Dann kommt es zu den starken Regenfällen, die wir aus den Tropen kennen. Das ist der Zusammenhang: Tiefdruck = Luft steigt auf, Feuchtigkeit kondensiert, es regnet.
Sahara: ständiges Hochdruckgebiet
Da ist es genau umgekehrt, da sinken die Luftmassen. Je tiefer sie sinken, desto mehr erwärmen sie sich. Und je mehr sie sich erwärmen, desto trockener werden sie – deshalb heißt Hochdruck in der Konsequenz: Trockene Luft, wenig Wolken, viel Sonne. Das Extrembeispiel sind die natürlichen Wüstengegenden der Erde – also etwa die Sahara – das ist im Grunde ein ständiges Hochdruckgebiet.
Wir hier in Mitteleuropa dagegen sind in einer Gegend, wo wir beides in schöner Abwechslung haben: mal Hoch, mal Tief.
Eigentlich ja ganz lustig, denn ohne diesen Zusammenhang gäbe es das Wort Stimmungsbarometer auch gar nicht. Aber so ist es tatsächlich: Zeigt das Barometer Hochdruck an, ist Sonne zu erwarten – und damit steigt tendenziell auch die Stimmung.
Was ist der Unterschied zwischen Obst und Gemüse?
Apr 15, 2026
Show notes
Diese Frage ist mit einem interessanten Phänomen verbunden: Wir haben schon im Kindesalter relativ schnell gelernt, intuitiv Obst und Gemüse zu unterscheiden – und trotzdem wissen die meisten Erwachsen gar nicht,was genau der Unterschied ist.
"Intuitive Biologie": Suche nach Ordnung in der belebten Natur
Dies passt zu einem Befund in der Kognitionswissenschaft, wonach unser Gehirn über eine "intuitive Biologie" verfügt. Wir sind darauf programmiert, in der belebten Natur eine Ordnung zu suchen. Zu den ersten Dingen, die kleine Kinder lernen und an denen sie Spaß haben, zählen die Geräusche von Tieren. Die Kuh macht Muh, der Esel I-Ah und so weiter. Das lernen sie mit Begeisterung, obwohl für die meisten Stadtkinder Kühe und Esel überhaupt nicht zu ihrem Alltag gehören. Kinder lernen auch ganz früh biologische Kategorien: Es gibt Fische, es gibt Vögel, und innerhalb der Vögel gibt es Tauben, Raben, Enten, usw.
Obst und Gemüse sind keine Pflanzengattungen
Das Besondere ist, dass diese Unterscheidung nichts mit biologischer Taxonomie zu tun hat. Denn Obst und Gemüse sind keine Gattungsbegriffe für bestimmte Pflanzenarten. Wenn man darüber nachdenkt, was der Unterschied sein könnte, fällt einem ein: Obst wird roh gegessen, Gemüse meist gekocht. Das hat nichts mit Biologie zu tun, sondern ist eine Unterscheidung nach dem Kriterium, was man in der Küche damit anfangen kann.
Dabei fallen auch sofort Ausnahmen ins Auge: Tomaten, Paprika, Kohlrabi werden oft auch roh gegessen, Gurken werden fast immer roh gegessen. Äpfel wiederum werden, gerade bei Wintergerichten, gerne auch mal mitgekocht. Das kann’s also nicht sein. Was aber dann?
Vielleicht, dass es sich bei Obst meist um Früchte handelt, während man unter Gemüse oft die Blätter und Wurzeln der Pflanzen versteht. Aber auch da gelten die gleichen Ausnahmen: Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini würden wir als Gemüse bezeichnen, obwohl es auch Früchte sind. Dieses Kriterium funktioniert also auch nicht so eindeutig.
Klare Definition ist schwierig
Könnte man sagen, Obst ist süß und Gemüse nicht? Das trifft zwar fast immer zu, aber Karotten zum Beispiel können auch süßlich schmecken, man kann Saft daraus machen. Die haben zwar einen deutlich geringeren Zuckergehalt als Äpfel oder Orangen, aber so ein richtig befriedigendes Kriterium ist das auch nicht. Denn dann müsste man einen bestimmten Zuckergehalt als Grenzwert festlegen und sagen: alles, was drüber liegt, läuft als Obst, alles andere als Gemüse. Das wäre dann ein eher willkürliches quantitatives Kriterium.
Gemüse ist häufig einjährig, Obst mehrjährig
Es gibt aber noch ein Merkmal, an das die wenigsten Menschen denken: Gemüse sind fast immer einjährige Pflanzen; die halten eine Saison, dann muss neu gesät oder gepflanzt werden. Obst dagegen wächst an Bäumen oder Sträuchern, die mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte lang leben. Auch da gibt es Ausnahmen, aber es sind schon viel weniger: Spargel zum Beispiel wäre ein solches mehrjähriges Gemüse, ebenso Artischocken.
Mischdefinition: Entscheidung von Fall zu Fall
Tatsächlich benutzen wir in unserem Kopf wohl eher eine Mischdefinition. Wir haben mehrere Kriterien zur Hand und wenn sich mehrere Kriterien widersprechen, dann wägen wir intuitiv ab und entscheiden von Fall zu Fall, was am besten passt. Also: Spargel ist zwar mehrjährig, aber er ist nicht süß und wir essen auch nicht die Früchte, sondern den Trieb – also zählen wir ihn zum Gemüse. Rhabarber ist auch mehrjährig, wir essen den Trieb und kochen ihn sogar – aber er wird süß gegessen, also zählen wir ihn meist als Obst.
Welches ist der härteste Knochen im menschlichen Körper?
Apr 13, 2026
Show notes
Felsenbein schützt das Innenohr
Es ist ein ziemlich kleiner Knochen, der an einer Stelle sitzt, die man von außen gar nicht sieht, nämlich am Innenohr. Es ist das sogenannte Felsenbein. Es schützt das Innenohr und damit auch das Gleichgewichtsorgan und die Hörnerven.
Gerade weil dieser Knochen so klein ist, ist er auch so hart. Denn angenommen, wir stoßen uns den Schädel oder uns haut jemand aufs Ohr, dann soll sich dieser Knochen, der auf engem Raum ganz wichtige Nerven schützt, nicht deformiert werden, da sonst die Nerven abgeklemmt werden – mit allen negativen Folgen für das Gehör oder unser Gleichgewicht.
Oberschenkel und Schienbein: weniger hart und damit weniger spröde
Es ist ein Trugschluss zu denken, dass die großen, starken Knochen auch die besonders harten sind – Oberschenkel oder Schienbein. Die müssen zwar viel aushalten, aber das tun sie durch Masse. Hinzu kommt: Die Härte eines Materials sagt noch nichts aus über seine Festigkeit. Härte ist die Fähigkeit, einer Verformung standzuhalten, wenn Kräfte von außen einwirken. Und da verhält es sich sogar eher so: Besonders harte Materialien sind gleichzeitig meist auch spröde. Das heißt, sie halten zwar viel aus, aber sie sind dadurch auch unbeweglich. Wenn also doch mal eine starke Kraft einwirkt, brechen sie schneller als weichere Materialien, die dem Druck etwas nachgeben können.
Bei Knochen wie dem Oberschenkel oder dem Schienbein wäre es gar nicht so gut, wenn die extrem hart wären, denn dann würden sie bei stärkerer Belastung unter Umständen schneller brechen.
Wer hat das Skateboard erfunden?
Mar 23, 2026
Show notes
In den Annalen der Skateboard-Geschichte gibt es niemanden, den man als den einen Erfinder des Skateboards benennen könnte. Interessanter als der Name des Erfinders sind die Hintergründe der Entwicklung:
Kalifornien um 1950: Wellensurfen auf der Straße
Das Skateboard ist viel älter als ich bisher dachte, denn vor meinen Recherchen hatte ich es Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre verortet. Tatsächlich kam aber die erste Welle bereits in den 1950er-Jahren. Und Welle ist dabei auch das richtige Wort, denn Ausgangspunkt war Kalifornien: Die Idee war, das Wellensurfen auf die Straße zu verlagern.
Die ersten Skateboards waren dann auch recht primitiv: Man nahm ein Brett oder eine Holzkiste und montierte darunter die Rollen von Rollschuhen. Das hat funktioniert, aber es gab anfangs doch viele Unfälle.
Zweite Skateboard-Welle in den 1970ern
Um 1965 kam das Skateboard völlig aus der Mode und verschwand von der Bildfläche. Erst in den 1970er-Jahren kam dann die zweite Welle und damit der eigentliche Durchbruch auch bei uns in Deutschland.
Rollen aus Polyurethan und bessere Achsen für das coole Fahrerlebnis
Diese zweite Welle hing mit einer technischen Innovation aus der Materialtechnik zusammen. Das Stichwort heißt: Polyurethan. Das ist eine besondere Kunststoffgruppe, von der vor allem in den 1950er-Jahren immer neue Varianten entwickelt wurden – unter anderem das künstliche Hartgummi, aus dem die Skateboard-Rollen bestehen. Dieses Rollenmaterial zusammen mit den entsprechenden Achsen, die auch eine gewisse Beweglichkeit erlauben, machten das coole gleitende Skateboard-Fahren mit all den Manövern, die wir heute kennen, erst möglich. Damit begann dann die zweite große Hochphase des Skateboards in den 1970er-Jahren, die, mit einigen Aufs- und Abs, bis heute anhält.
Warum sagt man "Schwein gehabt"?
Mar 20, 2026
Show notes
Der schlechteste Schütze bekommt ein Schwein
Bei Schützenfesten gab es früher schöne Preise für den Sieger. Der Zweite und der Dritte bekamen auch noch tolle Preise, Geldpreise zum Beispiel. Derjenige, der der schlechteste Schütze war, bekam auch etwas, nämlich ein Ferkel. Und weil man, obwohl man der Schlechteste war und nichts getroffen hatte, doch etwas bekam, hatte man ja unverdientes Glück gehabt.
Das hat man einander dann immer wieder gesagt: "Du, der hat aber Schwein gehabt" und hat darüber eigentlich nur gelacht und gespottet. Aber im Lauf der Zeit hat sich das verselbständigt und man sagte: "Ja, klar, ich hab Schwein gehabt!"
Schwein wird zum Glückstier
Dann wurden viele Schweinefiguren hergestellt und zu Silvester verschenkt. Und plötzlich war das Schwein zu einem Glückstier geworden. Natürlich auch deswegen, weil es in der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft des Deutschen Reiches und in vielen anderen Gegenden so weit verbreitet war. Das Schwein war also grundsätzlich etwas eher Positives.
Hat sich der Frühlingspunkt verschoben?
Mar 19, 2026
Show notes
Frühlingspunkt ist ein Ort
Es ist tatsächlich so, dass sich der Frühlingspunkt gegenüber den Sternbildern verschiebt. Wobei man aufpassen muss: Der Frühlingspunkt ist ein Ort – nämlich der Punkt auf der Erdumlaufbahn, wo sich die Erde zum Frühlingsbeginn befindet.
Dieser Punkt verschiebt sich; dieses Jahr am Frühlingsbeginn steht die Erde also nicht genau am gleichen Punkt in ihrer Erdumlaufbahn wie letztes Jahr, sondern ein kleines bisschen zurückversetzt. Und die Folge ist, dass wir jedes Jahr am Frühlingsbeginn von einem anderen Punkt auf die Sonne schauen und sich somit auch die Sonne scheinbar gegenüber den Sternen am Himmel etwas verschiebt.
Was sich nicht verschiebt – wenn man mal die Schaltjahre außer acht lässt – ist das Datum. Das heißt, den astronomischen Frühlingsanfang werden wir jetzt und in Zukunft auch weiterhin im März erleben. Aber was sich verschiebt ist der Punkt, wo sich die Erde an diesem Datum befindet. Das klingt ein bisschen widersprüchlich, denn wir haben ja alle gelernt: In einem Jahr dreht sich die Erde einmal um die Sonne. Das stimmt zwar ungefähr, ist aber in unserem Kalender nicht der springende Punkt. Sondern unser Kalenderjahr ist der Abstand von einem Frühlingsbeginn zum nächsten oder von einem Herbstbeginn zum nächsten. Der Grund für diese Lücke ist die Stellung der Erdachse. Frühlingsbeginn ist die berühmte Tag- und Nachtgleiche, wenn die Tage länger werden als die Nächte. Das ist genau der Moment, in dem die Erdachse, wenn man so will, parallel zur Sonne steht.
Erdachse ist 23,5 Grad geneigt
Die Erdachse ist geneigt. Die steht nicht senkrecht zur Umlaufebene, sondern ist gekippt. Deswegen gibt es ja überhaupt Frühling, Sommer, Herbst und Winter, weil die Erdachse gekippt ist und es deswegen Zeiten gibt, wo die Tage länger bzw. kürzer werden. Diese Erdachse dreht sich ihrerseits, vergleichbar mit einem Kreisel. Wenn man einen Kreisel schief auf eine Tischplatte stellt, dreht sich nicht nur der Kreisel, sondern die Achse selbst rotiert ebenfalls.
Diese Präzessionsbewegung der Erdachse braucht fast 26.000 Jahre. Das ist das sogenannte platonische Jahr: In knapp 26.000 Jahren macht die Erdachse, und mit ihr natürlich die ganze Erde, so eine Kreiselbewegung. Das macht jedes Jahr nur ein kleines bisschen aus, aber deshalb ist auch der Punkt, wo die Achse parallel zur Sonne steht – also der Frühlingsanfang – jedes Jahr ein bisschen verschoben. Das kann man ausrechnen, das macht im Jahr 20 Minuten aus. Das heißt, die Zeitspanne von Frühlingsanfang zu Frühlingsanfang ist 20 Minuten kürzer als eine vollständige Umkreisung der Sonne. Und deshalb blicken wir jedes Jahr am Frühlingspunkt von einer etwas anderen Position auf die Sonne.
Das "Zeitalter des Wassermanns"
Vor 2.000 Jahren stand die Sonne an der Grenze zwischen Fische und Widder, heute steht sie am Frühlingsbeginn klar im Sternbild Fische. Und wenn wir noch ein paar Jahrzehnte warten, wird sie im Frühling im Sternbild Wassermann stehen – das ist dann das berühmte Zeitalter des Wassermanns, das im Musical "Hair" besungen wird. Das heißt, der räumliche Frühlingspunkt verschiebt sich; das ändert aber nichts daran, dass der Frühling nach unserem Kalender immer am 20. bzw. 21. März beginnt.
Woran erkennt man eine echte Verschwörung?
Mar 17, 2026
Show notes
In der Regel erkennt man sie gar nicht. Gelegentlich erkennt man sie dann, wenn ihre Zeit schon vorbei ist. Wenn die Verschwörung ihr Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hat oder wenn Mitglieder der Verschwörung aussteigen und plaudern.
Bündnis, Seilschaft oder Komplott: Beispiel "Andenpakt"
Echte Verschwörungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist zwei Dimensionen kleiner sind als man sich Verschwörungen so vorstellt. Man könnte sie dann auch einfach als Bündnis, Seilschaft oder Komplott bezeichnen. So was gibt es schon mal.
Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der berühmte Andenpakt – ein Bündnis einiger damals aufstrebender CDU-Politiker (es waren ausschließlich Männer), die sich mal bei einer Flasche Whisky im Flugzeug das Versprechen gegeben haben sollen, niemals gegeneinander anzutreten oder den anderen zum Rücktritt aufzufordern. Ihr Ziel, dass einer von ihnen Kanzler wird, haben sie aber nicht erreicht; sie konnten Angela Merkel nicht verhindern. Und irgendwann ist dieser Pakt dann auch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
Solche Bündnisse auf Zeit mit konkreten Zielen und einer überschaubaren Zahl von Akteuren kommen gelegentlich vor. Der Andenpakt musste auch nicht viel vertuschen, niemand musste gekauft oder bestochen werden. Es gibt keinen großen Superschurken, der alle unter Kontrolle hat.
Obwohl der Andenpakt ein kleines Männerbündnis war, kam er ans Licht. Irgendwer hat halt doch mal gegenüber der Presse geplaudert, und am Ende haben die einzelnen Politiker ihr eigenes Süppchen gekocht.
Gescheitert: Donald Trumps Mini-Verschwörung gegen Joe Biden
Ein anderes Beispiel: Donals Trump versucht, einen Pakt mit dem ukrainischen Präsidenten zu schmieden, um seinen Rivalen Joe Biden auszuschalten. Und das fliegt schnell auf. Der mächtigste Präsident der Welt und mindestens Multimillionär schafft es nicht, eine solche Mini-Verschwörung richtig durchzuziehen. Das ist die Wirklichkeit.
Wenn es also echte Verschwörungen gibt, sind sie überschaubar, brüchig und alles andere als perfekt.
Viel Fantasie: Gerüchte und Verschwörungsmythen
Ganz im Gegensatz dazu stehen all die großen Gerüchte und Verschwörungsmythen, die höchstwahrscheinlich auf nichts anderem beruhen als Fantasie. Die erkennt man daran, dass, wenn sie wirklich wahr wären, Hunderte, ja, Tausende von Menschen mit drinsteckten, weil sie von einem Superbösewicht gekauft und bestochen sein müssten – alles willige Marionetten, von denen niemand eigene Interessen verfolgt oder gar ein eigenes Gewissen hat.
Zu perfekt, um realistisch zu sein
Überlegen Sie mal: Wie viele Menschen bei der NASA hätten mitspielen müssen, um eine fiktive Mondlandung zu inszenieren? Wie viele skrupellose Menschen hätten sich absprechen müssen, um im Auftrag der CIA die Türme des World Trade Centers zum Einsturz zu bringen? Alle halten dicht, niemand, der nein sagt, alles ist perfekt organisiert und streng geheim – aber dann doch nicht perfekt und geheim genug, als dass nicht ein paar Youtuber der Sache auf die Schliche kommen.
Logik bei Verschwörungsmythen: Fehlanzeige
Die "Verschwörer" nehmen extreme Kosten und Risiken in Kauf für einen überschaubaren Gewinn. Bill Gates spendet angeblich viele Milliarden Dollar – in der Hoffnung, am Ende Impfstoffe an arme Menschen zu verkaufen? Dann wäre er mal besser Chef von Microsoft geblieben.
In Verschwörungslegenden sind alle miteinander verstrickt und verfolgen so diffuse Ziele wie Weltherrschaft und Bevölkerungsdezimierung. In den ganz großen Verschwörungsmythen verfolgen die Akteure in Form von Templer-Orden oder Weltjudentum angeblich schon seit Jahrhunderten ihre Ziele, ohne dass irgendeine konkrete Information davon nach außen gedrungen ist. Und diese Verschwörungsgruppen sind einerseits wahnsinnig gerissen und gleichzeitig so blöd, nicht zu merken, dass das mit der Weltherrschaft bisher nicht geklappt hat und sie sich etwas anderes zu überlegen.
Echte Verschwörung kommt ohne Weltmacht-Superschurken aus
Woran erkennt man also eine echte Verschwörung? Daran, dass sie genau diese Merkmale nicht hat: In einer echten Verschwörung gibt es keinen Welt-Superschurken. Es sind kurze Bündnisse mit wenigen Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen. Und wenn die Verschwörung wirklich eine ist und gut ist – dann nehmen sie die Verschwörer auch mit ins Grab.
Warum ist Glas durchsichtig?
Mar 17, 2026
Show notes
Glas ist durchsichtig, weil das Licht kaum mit dem Material reagiert. Denn was ist Materie? Materie ist aus Atomen aufgebaut. Atome bestehen aus einem schweren Kern und den Elektronen in den Außenhüllen. Dazwischen ist auf mikroskopischer Ebene unheimlich viel Platz. So wie zwischen den Planeten und der Sonne unheimlich viel Platz ist. Wenn nun eine Billardkugel durchs Sonnensystem fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einen Planeten trifft, sehr gering. Analog dazu haben die Lichtteilchen – die Photonen – viel Platz, um zwischen den Elementarteilchen "durchzuflutschen".
Ganz so einfach ist es aber doch nicht, denn Lichtteilchen und Elektronen sind eben keine Billardkugeln, die kollidieren oder eben nicht kollidieren, sondern sie sind gleichzeitig auch Wellen, die schwingen, und das in einer bestimmten Weise, mit einer bestimmten Frequenz.
Blech: Licht wird schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt
Wenn z.B. ein Stück Blech das Licht nicht durchlässt, dann liegt das daran, dass die Elektronen und somit die Atome im Blech auf die Schwingung der Lichtwellen reagieren. Sie lassen sich von der Schwingung "mitreißen" und werden "angeregt". Das bedeutet aber auch, dass ein großer Teil der Energie vom Licht auf die Atome übergeht. Praktisch bedeutet das, dass das Licht schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt wird.
Moleküle in Glas reagieren kaum auf Schwingungen der Lichtwellen
Bei Glas ist es anders: Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand, aus Siliziumdioxid. Diese Moleküle sind so beschaffen, dass sie auf die Schwingungen der Lichtwellen kaum reagieren. Deshalb behält das Licht seine Energie und geht weitgehend unbeschadet durch die Materie durch.
Ein bisschen Licht wird zwar absorbiert; das macht sich aber bei einer dünnen Glasscheibe nicht bemerkbar. Wenn das Glas aber stärker ist, also 10 cm oder einen Meter dick, dann wird das Licht abgeschwächt – genauso wie im Meer das Sonnenlicht auch nur bis zu einer bestimmten Tiefe eindringt; darunter ist es dann dunkel.
Außerdem gilt das, was ich zum Glas gesagt habe, nur für die sichtbaren Anteile des Lichts. Die wiederum bilden ja nur einen kleinen Ausschnitt aus dem gesamten Strahlungsspektrum. Für den größten Teil des ultravioletten Lichts dagegen (vor allem für die aggressive UV-B-Strahlung) ist Glas überhaupt nicht durchlässig – deshalb bekommt man ja hinter einer Glasscheibe in der Regel keinen Sonnenbrand.