Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Wie wurden früher Wasserspiele und Fontänen ohne elektrische Pumpen betrieben?
Feb 28, 2026
Show notes
Wenn man keine Motoren und keine elektrischen Pumpen hat, braucht man, um eine Fontäne anzulegen, vor allem eines: ein ordentliches Gefälle, also eine Höhendifferenz, sodass das Wasser von irgendwo oben runterrauscht. Und man braucht die entsprechenden Rohre, mit denen das Wasser kanalisiert und unter Druck gesetzt werden kann, sodass es mit ordentlicher Power aus dem Fontänenrohr spritzt.
Wilhelmshöhe: Wasser in Höhenlagen in Becken sammeln
Das zu lösende Hauptproblem ist also: Wie bekomme ich das Wasser in die Höhe? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: In ersten Fall ist das Wasser schon oben und man muss es nur runterplätschern lassen – das kann man sehr schön im Schlosspark Wilhelmshöhe in Kassel sehen mit der großen Fontäne. Die Fontäne ist 52 Meter hoch, die höchste natürliche Fontäne Europas, angelegt im 18. Jahrhundert. Wie funktioniert’s? – Der ganze Schlosspark ist an den Hängen des Habichtswalds angelegt. Oben, auf den Höhen des Habichtswalds, befinden sich große Sammelbecken. Dort wird das Wasser über speziell angelegte Kanäle hingeleitet. Die Sammelbecken fassen 40.000 Kubikmeter Wasser. Zu bestimmten Zeiten wird das Wasser ins Tal gelassen – über die Wasserspiele bis zum Fontänenteich.
Versailles: Wasserkraft nutzen und Wasser in die Höhe pumpen
Wenn man allerdings kein natürliches Gefälle hat wie in Kassel, muss man zur zweiten Variante greifen und das Wasser zunächst auf eine Höhe pumpen. Auch das geht ohne Strom, die Techniken dafür gab’s schon bei den alten Römern. Man kann mithilfe von Wasserkraft Wasserräder betreiben, die das Wasser in die entsprechende Höhe pumpen.
Das eindrücklichste Beispiel hierfür wiederum ist Versailles. Da hat sich der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Mordsaufwand geleistet – und das im Jahr 1682. Er hat an der Seine ein wasserkraftbetriebenes Wasserhebewerk errichtet, bestehend aus 14 großen Wasserrädern, die das Wasser über mehrere Stufen auf eine Höhe von 160 Metern befördert haben. Das war ein gigantischer Aufwand, Wälder wurden gerodet, tausende von Kilometern Rohre verbaut. Fast 2.000 Arbeiter haben fünf Jahre lang daran gearbeitet. Und das alles, damit vor Schloss Versailles das Wasser in die Höhe schießt.
"Chemtrails": Versprühen Flugzeuge Aluminium, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern?
Feb 27, 2026
Show notes
Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält
Nein, stimmt nicht. Es ist eine Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält: Die "bösen Amerikaner" sprühen, damit sie an ihrer Klimapolitik nichts ändern müssen, stattdessen Metalle in die Atmosphäre, sodass die die Sonnenstrahlen reflektieren und sich das Klima auf diese Weise wieder abkühlt ... Man kann mehrere Wege gehen, um das zu überprüfen.
Zunächst kann man fragen: Wenn sie das tatsächlich seit Jahren tun würden: Hat es was gebracht? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Es kommt heute eher mehr Sonnenstrahlung auf der Erde an als vor zehn Jahren.
Man kann außerdem Messungen vornehmen – also die Zusammensetzung der Luft hinter Flugzeugen messen. So was wird standardmäßig immer wieder gemacht. Auch da hat noch niemand erhöhte Aluminium-Konzentrationen nachweisen können.
Man kann Experten fragen, die sich damit beschäftigen. Alle sagen – ob Umweltbundesamt, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der deutsche Wetterdienst: Das ist Blödsinn. Die Kondensstreifen sehen heute noch genauso aus wie vor 30 Jahren. Zwar sehr unterschiedlich, mal kurz und schmal, mal breit und ausfransend, aber das hängt immer von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und den Windverhältnissen ab. Es kommen aber im Prinzip heute keine Varianten vor, die es früher nicht auch schon gegeben hätte.
Urban legend
Es ist also eine Verschwörungstheorie. Verschwörungstheoretiker nehmen irgendwelche Halbwahrheiten, die sie aufschnappen, und rühren sich damit ihren eigenen Brei.
Wetter kurzfristig beeinflussen – um etwa schweren Hagel zu verhindern
Das einzige, was es tatsächlich gibt, aber überhaupt nicht geheim ist, sind Aktionen, um kurzfristig das Wetter zu beeinflussen. Also nicht das langfristige Klima, sondern nur das Wetter. So was machen zum einen die Russen und die Chinesen gern bei Großereignissen – bei der Eröffnung der Olympischen Spiele etwa. Da sind vorher Flieger unterwegs, die künstlichen Regen herbeiführen, damit der Himmel zum Ereignis schön blau ist. Die versprühen aber kein Barium oder Aluminium, sondern Silberjodid, um damit die Kondensation in den Wolken zu beschleunigen. Das gilt in der ausgebrachten Menge als gesundheitlich unbedenklich und hat auch nichts mit Klimaveränderung zu tun, sondern beeinflusst – wenn überhaupt, denn schon das ist wenig belegt – lediglich das kurzfristige Wetter.
So was wird auch z.T. bei uns in Südwestdeutschland gemacht, im Stuttgarter Raum mit den sogenannten Hagelfliegern. Die sollen nicht für schönes Wetter sorgen, sondern vor allem größere Hagelschäden verhindern. Das ist überhaupt nicht geheim, sondern läuft ganz offiziell; wir haben darüber auch schon berichtet.
Verwschwörungsmythen auf Realisierbarkeit und Plausibilität prüfen
Bei solchen Verschwörungsgerüchten denke ich immer als erstes: Wie viele Leute müssten da eigentlich Bescheid wissen und vor allem dann auch dicht halten? Wenn man sich anschaut, welche Skandale bei uns auffliegen, in die vielleicht nur 5 bis 10 Menschen eingeweiht sind, weil irgendjemand doch Skrupel bekommt und was ausplaudert.
Wenn man sich dann überlegt – wer müsste bei einer solchen Geheimoperation alles Bescheid wissen? Die komplette US-Regierung, die Spitze des Geheimdienstes, die Spezialabteilungen der Geheimdienste und all die Leute, die die Aktionen praktisch durchführen, die Piloten und Transporteure. Da kommt doch einiges zusammen.
Trinken Fische das Wasser, in dem sie schwimmen?
Feb 26, 2026
Show notes
Es kommt darauf an, ob es sich um Süß- oder Salzwasserfische handelt. Wir wissen von uns selbst: Wenn wir Salzwasser trinken, können wir damit keinen Durst löschen und auch unseren Wasserbedarf nicht stillen, weil wir das ganze Salz wieder rausschwemmen müssen und allein dafür das ganze Wasser schon wieder aufbrauchen. Wie ist das nun mit den Fischen?
Maul, Haut, Kiemen, Schleimhäute: Fisch tauscht ständig Wasser aus
Ganz banal: Der große Unterschied zwischen uns und den Fischen ist, dass sie im Wasser leben. Das hat zur Folge, dass sie das Wasser nicht nur trinken können, sondern auch auf anderen Wegen aufnehmen. Das heißt, der Fisch als Organismus ist kein abgeschlossener Körper – wie eine Glasflasche, die wasserdicht im Wasser treibt – sondern der Fisch tauscht mit seiner Umgebung ständig Wasser aus. Zum Teil über die Haut, zum Teil über die Kiemen und Schleimhäute und zum Teil durch den Mund, indem er trinkt.
Osmose: Wasser drängt zum Salz
Aber genau da gibt’s einen Riesenunterschied zwischen Süßwasserfisch und Salzwasserfisch: Der Salzwasserfisch ist von Wasser umgeben, das salziger ist als seine eigene Körperflüssigkeit. Da passiert das Gleiche wie bei einer aufgeschnittenen Tomate, wenn man sie salzt: Sie verliert Wasser. Sie kennen vielleicht den Ausdruck Osmose, genau das passiert da.
Osmose heißt: Es gibt eine dünne Membran, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze, weil die Salzmoleküle einfach zu groß sind. Wenn auf beiden Seiten dieser Membran Flüssigkeit ist – auf der einen Salzwasser, auf der anderen Süßwasser – dann drängt das Wasser in dieser Flüssigkeit zum Salz hin. Beim Meerwasserfisch bedeutet das, dass das Wasser vom Gewebe des Fischs ins Meer drängt. Das ist Osmose – ein komplizierter Prozess, aber wenn man an die gesalzene Tomate denkt, ist es das gleiche Prinzip: Das Wasser drängt zum Salz. Der Fisch würde also ständig Wasser verlieren. Mit anderen Worten: Würde er kein Wasser zu sich nehmen, würde er mitten im Meer austrocknen. Deshalb muss er trinken, trinken, trinken, um das ganze Wasser auszugleichen, das er verliert.
Salzwasserfisch: Kiemen als Meerwasserentsalzungsanlage
Aber das alleine reicht noch nicht, denn er braucht ja auch Wasser, um einen normalen Stoffwechsel in seinen Zellen aufrechtzuerhalten. Deshalb nimmt er zusätzlich Wasser über die Kiemen auf, denn seine Kiemen bestehen auch aus so einer Membran, also einer dünnen Haut, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze. Das heißt, über seine Kiemen atmet er nicht nur; die Kiemen sind gleichzeitig eine kleine Meerwasserentsalzungsanlage. Was über die Kiemen im Fisch ankommt, ist Süßwasser. So funktioniert der Salzwasserfisch. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber das ist das grobe Prinzip.
Süßwasserfisch muss nicht trinken
Beim Süßwasserfisch ist es genau umgekehrt. Nehmen wir eine Forelle im Fluss: Da ist die Salzkonzentration im Fisch größer als die in der Umgebung. Wir erinnern uns: Das Wasser drängt immer dahin, wo es salziger ist – da drängt ständig Wasser aus dem Fluss oder dem See über die Haut in den Fisch hinein.
Der Süßwasserfisch muss deshalb gar nichts mehr trinken – er trinkt tatsächlich nicht! Sondern er ist die ganze Zeit damit beschäftigt, das viele Wasser, das von allen Seiten über die Haut in ihn hineindrängt, auszuscheiden. Mit anderen Worten:
Der Salzwasserfisch ist ein großer Trinker, der Süßwasserfisch ist ein großer Pinkler.
Warum schmecken Druckstellen am Obst besonders süß?
Feb 25, 2026
Show notes
Polyphenole und Sauerstoff reagieren an der beschädigten Stelle miteinander
Wir kennen das: Wenn der Apfel ein bisschen braun wird, dann schmeckt der auch süß. Aber das Braune hat mit der Süße nichts zu tun. Das sind vielmehr zwei unterschiedliche Prozessen die hier eine Rolle spielen. Das habe ich mir erklären lassen von Reinhold Kahle von der Uni Hohenheim.
Wenn der Apfel runterfällt, wird er beschädigt und die Zellen gehen kaputt. Dabei passiert Folgendes: In den Zellen sind bestimmte Substanzen, die heißen Polyphenole. Und in den Zwischenräumen zwischen den Zellen ist Sauerstoff drin. Das merkt man auch daran, dass ein Apfel schwimmt, wenn man ihn ins Wasser legt. Das liegt am Sauerstoff, der zwischen den Zellen eingelagert ist. Wenn diese Zellen kaputtgehen, reagieren die Polyphenole und der Sauerstoff miteinander.
Dadurch sollen Schaderreger abgewehrt werden, die die Zellen befallen können. Und das, was Polyphenolen und dem Sauerstoff entsteht, oxidiert. Dadurch werden die Früchte an der Stelle braun.
Gleicher Effekt: angeschnittener Apfel wird braun
Auch ein angeschnittener Apfel wird braun. Allerdings kann es auch vorkommen, dass der Apfel innen braun wird, obwohl man außen nichts sieht und die Schale unbeschädigt ist.
Süße entsteht durch eine Art Stressreaktion
Das Süße ist eine Art Stressreaktion, im Grunde wie eine Wundheilungsreaktion. Der Apfel fängt an, mehr zu atmen. Beim Atmen wird Apfelsäure verbraucht, so wie bei unseren Zellen Zitronensäure. Wir kennen den Zitronensäurezyklus – das funktioniert beim Apfel durch die Apfelsäure. Wenn diese Fruchtsäure aufgebraucht wird, ist sozusagen die Mischung weniger sauer. Sprich: Sie ist mehr süß. Dadurch schmeckt der Apfel an dieser Stelle süßer. Es ist aber nicht mehr Zucker drin, sondern nur das Saure ist weg – und dadurch bleibt mehr Süße übrig.
Wie entstand das kyrillische Alphabet?
Feb 23, 2026
Show notes
Kyrillisches Alphabet: auf dem Balkan für slawische Sprachen entwickelt
Das kyrillische Alphabet ist bis auf ein paar Ausnahmen die Schrift, in der slawische Sprachen geschrieben werden – von Montenegro bis Russland. Sie wurde extra für diese Sprachen mit ihren Besonderheiten entwickelt, und sie hat ihre Wurzeln auf dem Balkan.
Es ist unverkennbar, dass das kyrillische Alphabet Ähnlichkeiten mit dem griechischen hat, aber doch ganz anders ist. Es sind auch ein paar hebräische Schriftzeichen mit eingeflossen und dann gibt es für uns, die wir die lateinische Schrift gewohnt sind, so merkwürdige Buchstaben wie das kyrillische Я (gesprochen ähnlich wie ein deutsches j), das wie ein spiegelverkehrtes R aussieht.
Kyrill von Saloniki ging auf Besonderheiten der slawischen Sprachen ein
Im Namen "Kyrillisches Alphabet" steckt der Name Kyrill drin: Gemeint ist Kyrill von Saloniki. Das war im 9. Jahrhundert ein bedeutender Missionar. Geboren ist er in Thessaloniki, das heute zu Griechenland gehört. Damals war die Stadt die zweitgrößte im Byzantinischen Reich nach Konstantinopel. Kyrills Muttersprache war Griechisch, er studierte die klassischen Wissenschaften, aber auch viele weitere Sprachen wie Lateinisch, Gotisch und Hebräisch. Er hatte einen Bruder, Method. Die beiden Brüder reisten viel und missionierten. Sie trugen maßgeblich dazu bei, dass die slawischen Völker den christlichen Glauben annahmen; das war das Christentum in seiner griechisch-byzantinischen, also orthodoxen Prägung.
In Cherson lernte Kyrill Hebräisch
Eine seiner Reisen führte Kyrill ins Reich der Chasaren, dessen Oberschicht zum Judentum konvertiert war. Denn das Chasarenreich erstreckte sich über ein großes Gebiet nordöstlich des Schwarzen Meers, das heute teils zur Ukraine, teils zu Russland gehört. Geographisch war es in einer Zangenposition: Im Westen die byzantinischen Christen, im Süden der expandierende Islam, die Übernahme des Judentums war somit gleichbedeutend mit einem Neutralitätsstatus.
Um sich auf seine Mission bei den jüdischen Chasaren vorzubereiten, begab sich Kyrill für mehrere Monate nach Cherson nördlich der Halbinsel Krim (eine der im Ukraine-Krieg 2022 am heftigsten umkämpften Städte) und lernte dort Hebräisch.
Arbeit an einer neuen "slawischen" Schrift
Nach seiner Rückkehr von den Chasaren (die er nicht bekehren konnte) kehrte er nach Konstantinopel zurück und widmete sich wieder verstärkt der Sprachwissenschaft. Kyrill erkannte, dass die slawischen Sprachen ein paar Eigentümlichkeiten haben, denen weder die griechische noch die lateinische Schrift gerecht wird. So erfand er eine neue. Er wollte aber auch den slawischen Völkern eine eigene Schrift schenken, um deren Besonderheit herauszustellen.
Glagolitische Schrift war Vorläufer des kyrillischen Alphabets
Diese Schrift war noch nicht das kyrillische Alphabet, wie es heute verwendet wird, sondern ein Vorläufer, die glagolitische Schrift. Die war sehr umfangreich, mit über 40 Buchstaben, teilweise recht verschnörkelt. Diese Schrift wurde zunächst in Teilen des Balkans verwendet bis hin nach Mähren, also ins heutige Tschechien und die Slowakei.
Für die Entwicklung der glagolitischen Schrift verwendete Kyrill vor allem griechische Buchstaben. Wo er aber bei den slawischen Lauten nicht weiterkam, mischte er hebräische hinzu sowie einige aus den kaukasischen Schriftsystemen, dem georgischen und armenischen.
Die glagolitische Schrift war die Grundlage für die eigentliche kyrillische Schrift, die nach heutigem Stand erst hundert Jahre später entstanden ist, lange nach Kyrills Tod, aber ebenfalls auf dem Balkan, vermutlich in Bulgarien. Das kyrillische Alphabet hat mehr griechische Buchstaben übernommen, aber auch eine ganze Reihe von Buchstaben aus dem glagolitischen Alphabet. Unter dem russischen Kaiser Peter dem Großen wurde die Schrift noch einmal reformiert und etwas vereinfacht. Und einzelne Länder haben dann auch ihrerseits eigene Varianten entwickelt.
Diese Geschichte erklärt, warum das Alphabet so aussieht, wie es aussieht, warum es ans griechische erinnert, aber doch ganz anders ist, und warum sich bis heute in der kyrillischen Schrift Buchstaben finden, die aus dem hebräischen Alphabet stammen: nämlich das "Ze" (ц), das aus dem hebräischen "Zade" (צ) stammt oder das "Scha" (ш), das auf das hebräische Schin (ש) zurückgeht.
Scheinbar "spiegelverkehrte" Buchstaben sind Zufall
Als Westeuropäer fragt man sich auch manchmal, warum manche Buchstaben scheinbar spiegelverkehrt geschrieben werden. Aber das sind Zufälle. Zum Beispiel sieht das russische и (i) aus wie ein umgedrehtes N. Tatsächlich ist es aber im Grunde das alte griechische Eta (H), bei dem der Mittelbalken gekippt wurde.
Und das Я, das wie ein spiegelverkehrtes großes R aussieht, hat mit unserem R überhaupt nichts zu tun. Es entstand vielmehr aus zwei altkyrillischen Buchstaben, bei denen ein I und ein A überlagert waren – sozusagen ein A mit drei Beinen. Diesen Buchstaben hat Peter der Große bei seiner Schriftreform vereinfacht zu dem Buchstaben, der für uns aussieht wie ein umgedrehtes R.
Henne oder Ei – was war zuerst da?
Feb 22, 2026
Show notes
Das ist eine ebenso alte wie scheinbar knifflige Frage. Früher kam auch noch der liebe Gott ins Spiel: Hat der erst ein Ei erschaffen, aus dem ein Huhn schlüpft? Oder erst ein Huhn, das ein Ei legt?
Heute wissen wir, dass sich das Leben auf der Erde allmählich entwickelt hat, und Hühner sind ein Ergebnis der Evolution. Hühner sind Vögel, die Vögel wiederum haben sich aus den Dinosauriern entwickelt, die stammen von den Reptilien ab, die von den Amphibien und die wiederum von den Fischen.
Eier gab es, bevor es Hühner gab
Insofern könnte ich mir die Antwort leicht machen und sagen: Eier gab es in der Evolution schon viel früher als es Hühner gab. Denn schließlich haben auch die Dinosaurier schon Eier gelegt und vor ihnen die ersten Amphibien, sogar Fische legen ja Eier – wenn die auch keine feste Schale haben. Die Antwort ist einfach: Eier gab es lange, bevor es Hühner gab, nur waren das keine Hühnereier.
Aber bei unserer Frage geht es ums Hünerei. Was also war zuerst da: Huhn oder Hühnerei?
Auch hier lautet die Antwort: Das Ei. Das wird klarer, wenn ich die Frage umformuliere: Wer hat das Ei gelegt, aus dem das erste Huhn geschlüpft ist?
Und dann sind wir doch wieder beim Huhn!
Eben nicht! Wenn wir von "Hühnern" sprechen, ist das nur ein Name, den wir Menschen einer bestimmten Gruppe von Vögeln gegeben haben, die so und so aussehen und sich von anderen Vögeln unterscheiden.
Hühnerähnliche Vorfahren: Wann ist ein Huhn ein Huhn?
In Wirklichkeit haben die sich langsam entwickelt, es gab in diesem Sinne nie ein eindeutig erstes "Huhn", sondern das ist eine willkürliche Bezeichnung. Es gab Vorfahren, die den Hühnern schon ähnelten, aber noch etwas anders aussahen. Aber diese Ur-Hühner haben Kinder bekommen, diese Kinder haben wieder Kinder gezeugt und irgendwann, vor Urzeiten, hat eine Vogelmama mit einem Vogelpapa ein Küken gezeugt, das den heutigen Hühnern so ähnlich war, dass wir oder ein Vogelexperte vielleicht gesagt hätte: Ah, das ist jetzt das erste richtige Huhn!
Mutter des ersten Huhns war noch kein Huhn
Nun ist dieses erste Huhn logischerweise aus einem Ei geschlüpft, das seine Mutter gelegt hat, die gerade noch kein Huhn war. Jetzt ist die große Frage: War das nun ein Hühnerei oder nicht? Klare Antwort: Es war ein Hühnerei, denn dieses Ei entstand ja dadurch, dass das Vogelmännchen die Eizelle vom Vogelweibchen befruchtet hat. Im Ei reift ja schon das werdende Küken heran, und dieses Küken trägt bereits ein Hühnererbgut. Dieses Ei gehört, wenn man so will, zum Frühstadium des werdenden Huhns, also ist es ein Hühnerei. Und dieses erste Hühnerei existierte, bevor es das erste Huhn gab.
Relativitätstheorie: Würde bei Lichtgeschwindigkeit die Zeit für mich stehen bleiben?
Feb 21, 2026
Show notes
Könnte man, wenn man noch schneller wird, in die Vergangenheit reisen?
Das ist eines dieser Missverständnisse, die leicht aufkommen, wenn man sich mit der Relativitätstheorie beschäftigt. Weil sie ja in der Tat sagt: Wie schnell die Zeit vergeht, hängt von der Geschwindigkeit ab.
Diesen Satz darf man nicht falsch verstehen, denn eine der Kernaussagen der Relativitätstheorie ist: Ich selber merke überhaupt keinen Unterschied, ob ich nun an Ort und Stelle bleibe oder mich mit welcher Geschwindigkeit auch immer durch den Raum bewege. Wenn ich eine Uhr dabei habe, dann tickt für mich die Uhr immer gleich schnell. Aber diejenigen, die mich von außen beobachten, können im Prinzip einen Unterschied feststellen.
Deshalb Relativitätstheorie: Wenn ich mich mit, sagen wir, halber Lichtgeschwindigkeit durchs Weltall bewegen würde und du hättest ein so tolles Teleskop, dass du die ganze Zeit auf meine Uhr gucken könntest, die ich dabeihabe, dann tickt aus deiner Perspektive die Uhr viel langsamer.
Wie viel macht das aus – bei halber Lichtgeschwindigkeit?
Bei halber Lichtgeschwindigkeit noch nicht mal so viel, ungefähr 13 Prozent. Das heißt, wenn auf deiner Uhr eine Minute vergangen ist und du guckst dann auf meine Uhr, dann zeigt die erst 53 Sekunden an. Aber je mehr sich meine Geschwindigkeit der des Lichts annähern würde, desto extremer wird dieser Effekt. Das Kuriose ist jetzt aber, dass das Gleiche auch umgekehrt gilt, denn wenn ich mich relativ zu dir mit halber Lichtgeschwindigkeit bewege, dann bewegst du dich relativ zu mir ebenfalls mit halber Lichtgeschwindigkeit.
Die Relativitätstheorie sagt: Es gibt keinen absoluten Bezugspunkt. Es macht also keinen Sinn zu sagen, ich bewege mich und du bleibst an Ort und Stelle. Entscheidend ist immer nur, wie wir uns relativ zueinander bewegen. Wenn ich also von meinem Hochgeschwindigkeitsraumschiff auf deine Uhr sehen könnte, würde es für mich ebenfalls so aussehen, als ginge die langsamer.
Aber das ist ein Widerspruch: Wenn wir uns irgendwann wieder begegnen und unsere Uhren vergleichen, kann man feststellen, welche in Wirklichkeit schneller gelaufen ist.
Ja, aber nur, weil irgendeiner zwischendurch nochmal seine Richtung ändern muss, damit wir uns begegnen. Wenn ich mit halber Lichtgeschwindigkeit ins All fliege und wieder zurückkomme, muss ich logischerweise irgendwo umdrehen, und da gelten dann andere Gesetze.
Jede Richtungsänderung ist physikalisch eine Beschleunigung. Und ein Gesetz der Relativitätstheorie lautet eben auch: Für beschleunigte Körper geht die Zeit langsamer. Wenn ich im Vergleich zu dir mit halber Lichtgeschwindigkeit durchs All fliege und dann in einem großen Bogen zu dir zurückkomme, werde ich deshalb langsamer gealtert sein als du.
Das berühmte Gedankenspiel, das als Zwillingsparadoxon bekannt ist
Ein Zwilling fliegt mit annähernder Lichtgeschwindigkeit durchs All, der andere bleibt auf der Erde. Wenn der erste nach 60 Jahren wiederkommt, ist er kaum gealtert, sein Bruder dagegen ein alter Mann. Wenn man alle praktischen Schwierigkeiten wegdenkt – schon die Tatsache, dass ein Raumschiff nie so viel Treibstoff mitnehmen könnte, um sich auf knapp unter Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen – dann steht dieses sogenannte Zwillingsparadoxon völlig in Einklang mit der Relativitätstheorie.
Der Hörer wollte noch wissen, was bei Über-Lichtgeschwindigkeit passiert. Würde deine Uhr dann im Verhältnis zu meiner rückwärts laufen – könntest du dann auf die Erde zurückkehren und wärst in der Vergangenheit?
Und könnte dann meine eigene Geburt verhindern ...?
Über diese Vorstellung haben schon viele nachgedacht, denn das wäre im Prinzip die Konsequenz. Aber genau da sagt die Relativitätstheorie: Stopp! Schneller als Lichtgeschwindigkeit geht einfach nicht.
Nicht nur, weil dann solche Unsinnigkeiten herauskommen. Es geht auch mathematisch nicht, weil dann in den Formeln plötzlich die Wurzel aus einer negativen Zahl auftaucht. Und es geht physikalisch nicht, weil laut Einstein überhaupt nur masselose Teilchen Lichtgeschwindigkeit erreichen können, wie zum Beispiel Lichtteilchen. Würde man aber einen Körper auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, bräuchte man unendlich viel Energie. Das geht nicht; und darüber hinaus geht es logischerweise erst recht nicht.
Politisch "links" und "rechts" – woher kommt diese Einteilung?
Feb 20, 2026
Show notes
Sitzordnung in der Pariser Nationalversammlung
Die Begriffe "links" und "rechts" in der Politik kommen ursprünglich aus der Zeit nach 1789, also der französischen Revolution. Damals wurde erstmals ein demokratisches Parlament eingeführt, die Pariser Nationalversammlung. Das war eine Zeit voller Unruhen. Das Volk hatte sich gegen die Herrschaft des Königs aufgelehnt und kämpfte für Gerechtigkeit. Das waren die großen Themen der Zeit, und im Wesentlichen gab es zwei Lager: Das eine saß links im Parlament, das andere rechts.
Auf der linken Seite kämpfte man für eine Republik, in der alle Bürger gleiches Recht habe und mitbestimmen können. Die rechte Seite dagegen wollte den französischen König und seine Regierung stützen. Statt gleiches Recht für alle wollten sie die Gesellschaft weiterhin in Klassen teilen. Die Bürger sollten also je nach Reichtum oder Macht unterschiedliche Rechte und Freiheiten haben.
Zwei politische Lager: Republikaner saßen links, Konservative rechts
Wichtig ist hierbei auch, dass man dabei eben nicht von zwei verschiedenen Parteien gesprochen hat, so wie wir es heute kennen, sondern von zwei großen politischen Strömungen oder auch Lagern: das republikanische Lager und das konservative Lager. Und weil es einfach schneller ging, hat man diese dann nur noch nach ihrer Sitzordnung benannt: "die Linken" und "die Rechten".
Interessant: politische Haltung wichtiger als soziale Stellung
Interessanterweise hat die Sitzordnung so die gesellschaftlichen Unterschiede gebrochen. Egal, ob jemand reich oder mächtig war – wer links oder rechts saß, hatte nichts mit sozialer Stellung zu tun. Wichtig ist dabei nur der politische Austausch zwischen den beiden unterschiedlichen Meinungen gewesen.
Frankfurter Nationalversammlung übernahm die Sitzordnung
Im Laufe der Zeit hat sich die Sitzordnung dann immer wieder in Parlamenten durchgesetzt. Ähnlich war es 1848 in der Frankfurter Nationalversammlung in Deutschland: Die sozialistischen Parteien saßen links und die konservativen Parteien rechts. Heute sieht man die gleiche Sitzordnung auch im Bundestag.
Politische Meinungen kann man also als ein Spektrum sehen, bei dem sich verschiedene Meinungen und Positionen von ganz rechts bis ganz links ziehen.
Einteilung der Parteien in eindeutig links oder rechts heute kaum möglich
Ganz so einfach ist die Einteilung der Parteien in politisch links oder rechts heute aber nicht mehr. Das liegt daran, dass sich die Parteien in ihren Inhalten oft verändern und in manchen Punkten sogar ähnlich werden.
Vereinfacht gesagt, steht "links" in der Politik oft für soziale Gerechtigkeit und den Kampf für die Rechte aller Menschen. Bei "rechts" geht es oft eher um den Schutz der eigenen Nationen und ihrer Traditionen.
Wie kam DIN A4 als Standard-Papierformat zustande?
Feb 19, 2026
Show notes
297 mm x 210 mm: Wer denkt sich so was aus?
Wer ein DIN-A4-Blatt abmisst, erhält ziemlich krumme Zahlen. Es ist 297 mm lang und 210 mm breit – wer denkt sich so was aus? Warum genau diese Längen? Und warum genau dieses Seitenformat? Warum sind die Papierbögen nicht etwas breiter oder etwas länger?
Für das Seitenverhältnis gibt es einen triftigen Grund: Wenn man ein DIN-A4-Blatt halbiert, entsteht ein DIN-A5-Blatt. Das hat genau die gleichen Proportionen. Wenn man DIN A5 noch mal teilt, dann haben die daraus entstehenden A6-Blätter wieder genau die gleichen Proportionen. Das ist praktisch, wenn man den gleichen Inhalt auf ein kleineres Blatt drucken will. So bleiben die Proportionen erhalten; es würde sonst nicht passen.
Das funktioniert aber nur bei einem ganz bestimmten Seitenverhältnis. Nämlich dann, wenn sich Breite zu Länge verhalten wie 1 zu √2 – also ungefähr 1:1,41. Wenn die Seiten ein anderes Zahlenverhältnis haben, hat die halbierte Seite ein anderes Format.
DIN A0: ein Quadratmeter Papier
Aber wie kommt es zu den absoluten Zahlen? Warum ist nicht wenigstens eine der beiden Längen eine glatte Zahl? Man hätte ja sagen können, die Länge von DIN A4 ist genau 30 cm und nicht 297 mm. Auch das lässt sich leicht erklären: DIN A4 ist – das steckt ja schon im Namen – nicht der Ausgangspunkt, sondern DIN A4 ist wiederum die Hälfte von DIN A3. Darüber gibt es noch DIN A2, DIN A1 und DIN A0. Ein DIN-A0-Bogen ist 1189 mm lang und 841 mm breit – die Fläche eines Quadratmeters!
Das Basisformat DIN A0 wurde also so definiert, dass man dafür einen Quadratmeter Papier benötigt. Und wenn man es halbiert, viertelt und achtelt, behält es immer die gleiche Proportion.
Wilhelm Ostwald und das "Weltformat" für Druckerzeugnisse
Eingeführt wurde es übrigens vom Chemienobelpreisträger Wilhelm Ostwald. In der Chemie hat der einen großen Namen, aber warum kümmert sich ein Chemiker um Papierformate? Wilhelm Ostwald war Mitbegründer eines Instituts, das sich 1911 zum Ziel gesetzt hat, das gesamte Wissen der Welt zu katalogisieren. Das heißt, einen weltweit einheitlichen Standard zu entwickeln, wie Bibliotheken zum Beispiel ihre Bestände katalogisieren. Gleichzeitig hat dieses Institut ein Weltformat für Druckerzeugnisse propagiert. Vor allem eben die Idee der einheitlichen Proportionen. 11 Jahre später, 1922, hat das Deutsche Institut für Normung das festgeschrieben. Viele andere Länder haben das dann übernommen.
Warum fällt das Butterbrot immer auf die geschmierte Seite?
Feb 17, 2026
Show notes
Butterbrot fällt in der Regel nicht zufällig
Das erinnert an "Murphy’s Law"– dieses scheinbare Naturgesetz, auf das sich Berufspessimisten berufen: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief, und es trifft immer der schlechtest mögliche Fall ein: An der Kasse im Supermarkt landet man grundsätzlich in der langsamsten Schlange. Und das Butter- oder Marmeladenbrot landet beim Herunterfallen immer mit der geschmierten Seite auf dem Boden.
Aber ist das wirklich so oder bilden wir uns das nur ein? Bei der Kasse am Supermarkt muss man sagen, ist es Einbildung. Aber das mit dem herunterfallenden Brot stimmt tatsächlich.
Das klingt merkwürdig, denn man könnte ja meinen, dass es wie beim Würfeln Zufall ist, wie es fällt. Tatsächlich ist es aber gar nicht so zufällig, denn die normalen Ausgangsbedingungen sind immer ähnlich.
Fall von der Tischkante: standardisierte Sturzbedingungen
Wir haben einen Esstisch mit einer typischen Höhe von 80 cm, an dem wir sitzen. Dazu ein handliches Butterbrot, das auf der Tisch- oder Tellerkante liegt und irgendwie über den Rand fällt. Unter diesen Standardbedingungen – Fallhöhe 80 cm, Breite des Brotes ca. 10 bis 15 cm – schafft das Brot beim Herunterfallen in der Regel tatsächlich eine halbe Drehung. Vorausgesetzt, wir geben ihm nicht noch zusätzlich eine Drehung mit. Deshalb landet es in der Mehrzahl der Fälle auf der geschmierten Seite.
Sie können das übrigens ausprobieren. Vielleicht nicht mit einem Marmeladenbrot, dazu ist der Boden zu schade. Nehmen Sie lieber eine Münze und ein Buch. Legen Sie das Buch flach auf den Boden, die Münze obendrauf und schieben Sie sie langsam über den Rand. Je nachdem, wie dick das Buch ist, wird sie keine, eine oder zwei Umdrehungen machen, aber das immer wieder. Wenn Sie immer das gleiche Buch und die gleiche Münze nehmen, werden Sie fast immer das gleiche Ergebnis bekommen – und so ähnlich ist das auch mit dem Butterbrot.