Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Stimmt es, dass man Antibiotika nicht mit Milch nehmen soll?
Jun 05, 2026
Show notes
Milch ist nicht bei allen Antibiotika problematisch
Das gilt für manche Antibiotika, aber längst nicht für alle. Manche enthalten Wirkstoffe, die sich mit dem Kalzium in der Milch zu größeren molekularen Klumpen verbinden. Diese Klumpen sind zu groß und sperrig, um die Darmwand zu durchdringen und ins Blut zu gelangen. Die antibiotischen Wirkstoffe bleiben dann wirkungslos, weil sie den Darm nicht verlassen können. Aber das gilt nur für ganz bestimmte Antibiotika, allerdings darunter auch das Breitband-Antibiotikum Tetrazyklin, das bei vielen Infektionskrankheiten eingesetzt wird, oder Norfloxacin – da geht es meist um Harnwegsinfektionen.
Wer Tetrazyklin oder Norfloxacin nimmt, muss auf Milch verzichten?
Nein, selbst da reicht es, wenn man zwischen Milch und Tabletteneinnahme etwa 2 Stunden verstreichen lässt, damit Wirkstoff und Kalzium sich im Bauch nicht gleich über den Weg laufen.
Woher weiß ich als Patient, ob sich mein Antibiotikum mit Milch verträgt?
Lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker ... Wenn es eine Unverträglichkeit gibt, dann muss das da drin stehen. Wie gesagt, es betrifft nur eine Minderheit von Antibiotika.
Aber es gibt auch andere Medikamente, die unerwünschte Wechselwirkungen mit Milch haben: Mittel, die beim Knochenaufbau helfen oder gegen Osteoporose eingesetzt werden. Wenn Medikamente Probleme mit Milch machen, muss das in der Packungsbeilage stehen.
Nehmen Menschen Farben gleich wahr?
May 26, 2026
Show notes
Das weiß man nicht! Es ist sogar wahrscheinlich, dass Menschen Dinge tatsächlich unterschiedlich wahrnehmen, selbst Farben. Darauf deuten Phänomene wie Farbenblindheit hin, dass also manche Leute rot und grün nicht unterscheiden können. Dieses Symptom beweist, dass es Unterschiede gibt.
Man könnte sagen: Das ist eine Ausnahme. Farbenblindheit ist etwas "Unnormales", diesen Menschen fehlen bestimmte Farbrezeptoren. Aber da sind wir schnell bei der Frage: Was ist "normal"?
Selbst im "Normalbereich" gibt es Unterschiede
Ein kleiner Test, den jeder selbst machen kann: Dunkeln Sie das Zimmer ab, sodass nur wenig Licht hineinscheint. Dann schließen Sie abwechselnd das linke und das rechte Auge. Bei vielen Menschen ist ein Auge lichtempfindlicher als das andere. Oft kommt es auch vor, dass ein Auge die Welt gerade bei schwachem Licht etwas farbkräftiger wahrnimmt, das andere etwas blasser. Oder die Welt erscheint in einem Auge etwas rotstichiger.
Angesichts solcher Phänomene stellt sich die Frage: Wenn es schon zwischen dem linken und dem rechten Auge kleine Unterschiede gibt, wie groß können dann die Unterschiede zwischen zwei Menschen sein? Das erlebe ich auch zu Hause: Wenn meine Frau und ich über einen blaugrünen oder türkis-farbenen Gegenstand reden, kommt es vor, dass sie den Gegenstand eher als blau bezeichnet, während ich ihn gerade noch als grün bezeichnen würde.
Kultur prägt Wahrnehmung
Was sich bei uns im Kleinen zeigt, haben kulturvergleichende Studien auch im Großen gezeigt, nämlich dass die Zuordnung bestimmter Farbtöne zu Farbwörtern entscheidend ist: Was ist noch Blau? Was ist schon Lila? Wo hört Gelb auf? Wo fängt Orange oder Rot an? Diese Grenzen werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gezogen. Es gibt sogar Sprachen, die für Blau und Grün überhaupt keine Wörter haben. Daraus kann man folgern, dass die Sprecherinnen und Sprecher diese Farben auch nicht als eigenständige Farbtöne wahrnehmen.
Oder denken Sie an das Phänomen der Synästhesie: Manche Menschen sehen Zahlen oder Wörter farbig, obwohl gar keine Farben da sind. Aber ihr Gehirn konstruiert diese Farben zu anderen Sinneswahrnehmungen dazu. Das alles gibt es. Insofern spricht vom Biologischen her vieles dafür, dass Menschen auch Farben sehr unterschiedlich wahrnehmen.
Unmittelbare Wahrnehmungseindrücke lassen sich nicht eindeutig beschreiben
Zudem hat diese Frage eine erkenntnistheoretische Dimension: Könnte es nicht sein, dass zum Beispiel bei uns die Farben Rot und Grün vertauscht sind? Dass Sie die Farbe Rot so wahrnehmen, wie ich die Farbe Grün wahrnehme und umgekehrt? Dass das aber zu keinen Verwirrungen führt, weil wir ja für die gleichen Gegenstände und ihre Farben nach wie vor die gleichen Wörter benutzen und deshalb nicht merken, dass wir dabei ganz unterschiedliche Dinge sehen?
Diese Frage ist philosophisch durchaus berechtigt und sie ist letztlich nicht beantwortbar. Denn wir reden über unmittelbare Wahrnehmungseindrücke, die wir mit Wörtern nicht eindeutig beschreiben können. Und solange aus einer unterschiedlichen sinnlichen Wahrnehmung kein unterschiedliches Handeln folgt, können wir über das Innenleben eines anderen Menschen nichts sagen. Es wäre zwar plausibel anzunehmen, dass die Natur die Menschen so ausgestattet hat, dass wir ähnliche Dinge ähnlich wahrnehmen, aber wissen können wir das nicht.
Rein theoretisch könnte es sogar sein, dass außer Ihnen oder mir überhaupt niemand überhaupt irgendetwas wahrnimmt, dass alle anderen Menschen zwar den Eindruck erwecken, als seien es denkende und fühlende Wesen, in Wirklichkeit sind es aber nur Zombies oder von Außerirdischen geschickt programmierte Roboter. Es spricht zwar sehr vieles dagegen, dass es so ist, aber – wer weiß?
Verhindert ein Silberlöffel beim Marmeladeeinfüllen das Zerspringen des Glases?
May 22, 2026
Show notes
Marmeladenglas: Temperaturunterschied innen und außen erzeugt Spannung
Zunächst muss man fragen, warum das Glas überhaupt zerspringen kann, wenn man heiße Marmelade einfüllt. Es zerspringt, weil Spannungen im Glas entstehen. Die entstehen, weil sich die Innenseite des Glases sehr schnell erhitzt, wenn man heiße Marmelade einfüllt – dann dehnt sich das Glas an der Innenseite aus. Aber an der Außenseite des Glases, wo die Hitze noch nicht angekommen ist, dehnt sich das Glas nicht so aus. Durch diesen Temperaturunterschied zwischen innen und außen entsteht eine Spannung. Diese Spannung kann so groß werden, dass das Glas zerspringt.
Silber: sehr guter Wärmeleiter – aber auch andere Faktoren wirken mit
Was macht jetzt der Löffel? Die Idee ist, dass der Silberlöffel die Wärme schnell ableitet, wenn man die Marmelade einfüllt. Und zwar sowohl die Wärme von der Marmelade als auch von den Stellen des Glases, die der Silberlöffel berührt. Wenn die Wärme schnell abgeleitet wird, wird das Glas nicht so heiß, und die Spannung ist nicht mehr so groß.
Warum ausgerechnet ein Silberlöffel? Silber ist ein hervorragender Wärmeleiter, leitet Wärme fünfmal schneller ab als Eisen und immer noch doppelt so schnell wie Aluminium. Der Effekt ist also bei Silber tatsächlich deutlich größer als bei anderen Metallen oder bei Plastik. Ob dieser Tipp aber wirklich zuverlässig funktioniert, also wirklich garantiert, dass das Glas nicht zerspringt – darüber habe ich keine verlässlichen Informationen gefunden. Ich habe es auch nicht selbst probiert. Es hängt davon ab, wie dick das Glas ist und wie heiß die Marmelade.
Gläser vorwärmen: weniger Spannung, mehr Hygiene
Allerdings gibt es einen zuverlässigeren Tipp: Wenn man das Marmeladenglas im Ofen auf ca. 70 bis 80 °C erhitzt, bevor man die Marmelade einfüllt, hat man zwei Vorteile: Erstens erwärmt sich das Glas, und zwar überall gleich. Wenn man dann die Marmelade einfüllt, gibt es nicht diesen Hitzeschock auf der Innenseite. Der zweite Effekt ist, dass das Glas gleich ein bisschen desinfiziert wird, was bei Marmelade gut ist. Denn Marmelade ist sehr anfällig für Verunreinigungen und verdirbt leicht. Wenn man vorerhitzt, werden gleich ein paar wichtige Keime abgetötet und die Marmelade hält dann möglicherweise länger.
Ist Autofahren bei offenem Fenster oder mit Klimaanlage besser?
May 19, 2026
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Eine Faustregel lautet: Bei kleineren Geschwindigkeiten im Ortsverkehr lieber das Fenster aufmachen, bei höherem Tempo lieber die Klimaanlage einschalten. Denn es ist ja so: Am offenen Fenster verwirbelt sich die Luft. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Luftwiderstand, und dieser zusätzliche Luftwiderstand wächst exponentiell mit der Geschwindigkeit: Je schneller man fährt, desto schneller verwirbelt sich die Luft und man braucht mehr Energie.
Klimaanlage braucht bei höherem Tempo weniger Energie
Bei der Klimaanlage ist es umgekehrt: Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie weniger Energie, weil das Auto in Bewegung ist und sich dadurch nicht so stark aufheizt, wie wenn es in der prallen Sonne stehen würde. Die Klimaanlage muss dadurch also nicht so viel runterkühlen.
Beim offenen Fenster steigt also der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit, und bei der Klimaanlage sinkt der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit. Das heißt, dass es irgendwo einen Punkt gibt, an dem das eine besser ist als das andere. Als Richtwert sagt man, dass dieser Punkt etwa bei 70 bis 100 Stundenkilometern liegt. Ungefähr ab da ist die Klimaanlage auf jeden Fall besser. Im Einzelfall hängt das auch von der Bauart der Klimaanlage ab. Es gibt Klimaanlagen, die kaum noch etwas verbrauchen, also maximal vielleicht 0,2 Liter auf 100 km.
Vor Fahrtbeginn: Auto durchlüften
Und natürlich kommt es auch darauf an, wie weit man die Temperatur herunterkühlen muss. Wenn man es richtig kalt haben will, braucht die Klimaanlage viel mehr Energie.
Noch ein Tipp: Wenn man losfahren möchte und das Auto davor in der prallen Sonne stand und entsprechend aufgeheizt ist, sollte man erst mal gut durchlüften und bei leicht offenem Fenster losfahren, bis die ganz heiße Luft draußen ist. Denn es ist für die Klimaanlage wirklich ein Riesenunterschied, ob sie von 45 Grad herunterkühlen muss oder vielleicht nur von 26 oder 27 Grad.
Wie kommt das Salz ins Meer?
May 18, 2026
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Salziges Meerwasser durch Mineralieneintrag vom Festlandgestein
Das meiste Salz stammt von den Kontinenten. Es sind Mineralien, aus denen die Gesteine des Festlands bestehen. Die Steine verwittern und mit den Flüssen gelangen die Mineralien ins Meer. Dort passiert Folgendes: Das Meerwasser verdunstet wieder – das ist ja der normale Wasserkreislauf – aber beim Verdunsten bleiben die Mineralien zurück. So hat sich im Lauf von Jahrmillionen immer mehr Salz angereichert. Diesen Vorgang kennt man schon seit über 100 Jahren.
Früher haben Leute versucht, zurückzurechnen und auf diese Weise das Alter der Erde zu bestimmen. Die haben sich überlegt: Irgendwann war das Meerwasser Süßwasser und heute kommen jährlich soundso viele Tonnen Mineralien ins Meer. Sie haben dann ausgerechnet, wie lange es gedauert haben muss, bis das Wasser so salzig ist wie heute. Dabei kamen sie auf einen Wert von etwa 9 Millionen Jahren.
Heute wissen wir, dass die Erde viel älter ist, aber es ist auch klar: Man kann so nicht rechnen. Denn der Mineralieneintrag schwankt und auch andere Prozesse spielen eine Rolle.
Salzabscheidungen: So kommt das Salz wieder raus aus dem Meer
Interessant ist aber die Frage: Warum ist das Meer nicht noch viel salziger? Die Meeresorganismen, die wir heute kennen, vertragen den Salzgehalt, so wie er heute ist – aber nicht viel darüber hinaus. Wäre das Meer 30 Prozent salziger, würden das die Zellen nicht aushalten. Was umgekehrt vermuten lässt: In den letzten paar hundert Millionen Jahren kann der Salzgehalt nicht viel höher gewesen sein als heute. Die Frage ist also: Wenn immer mehr Salz ins Meer reinkommt, wie kommt es dann wieder raus?
Der Hauptmechanismus dabei sind Salzabscheidungen: Immer wieder bilden sich in der Erdgeschichte große Meeresbecken vor allem in heißen Gebieten. Dort schwappt Wasser hinein und verdunstet, bis die verbleibende Lake so salzig ist, dass sich große Salzseen bilden. Das kennen wir heute zum Beispiel aus Salt Lake City oder aus dem Iran – nur in noch größerem Umfang. Diese Salzablagerungen können von anderen Sedimenten überlagert werden, sodass sich Salzstöcke bilden. Die kennen wir von Norddeutschland – bekannt ist der Salzstock bei Gorleben; das war ursprünglich verdunstetes Meerwasser. Das ist die Erklärung, wie ab einer bestimmten Salzkonzentration immer wieder Salz aus dem Meer abgeschieden wird, sodass es über lange Zeiträume gesehen nicht zu viel wird.
War das Meer schon immer salzig?
Man weiß aber inzwischen auch, dass die Annahme, irgendwann habe es mal mit Frischwasser angefangen, nicht stimmt. Im Gegenteil: Vor über einer Milliarde Jahre – als es nur winzige Mikroben auf der Erde gab – war das Wasser doppelt so salzig wie heute. Das ist auch eine der Erklärungen, warum es in dieser Frühzeit der Erde so lange gedauert hat, bis sich höhere Lebensformen gebildet haben. Denn ab einem bestimmten Salzgehalt kann sich kein Sauerstoff mehr im Wasser lösen. Und weil es damals Leben nur im Meer gab, waren alle Lebensformen, die auf Sauerstoff angewiesen waren, unmöglich.
Warum kann man Wasser zwar schnell erhitzen, aber nur langsam abkühlen?
May 15, 2026
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Wärme zu erzeugen ist relativ leicht
Um Wasser zu erhitzen, setzen wir es einer Umgebung aus, die noch viel heißer ist: Eine normale Herdplatte zum Beispiel kann 400°C heiß werden und die Herdplatte leitet die Wärme gut. Ähnlich ist es im Wasserkocher. Wenn ich das Wasser dieser großen Hitze aussetze, kann ich es schnell von Zimmertemperatur auf 100°C erhitzen – immerhin ein Temperatursprung von 80°C.
Wenn ich das Wasser genauso schnell wieder um 80°C abkühlen wollte, also von 100°C auf 20°C, bräuchte ich bei gleichem Vorgehen eine Umgebung von fast minus 400°C. Das liegt weit unterhalb des absoluten Nullpunkts und das geht natürlich nicht.
Es gibt auch keine "kühlende Mikrowelle"
Mikrowellen sorgen durch elektromagnetische Felder dafür, dass die Wassermoleküle in Bewegung versetzt werden. Aber umgekehrt gibt es keine Mikrowelle, die die Bewegung der Wassermoleküle bremsen und damit das Wasser abkühlen würde.
Grundsätzlich gilt: Wärme zu erzeugen ist leicht. Man muss ein Gas entzünden oder lässt Strom fließen und schon wird es heiß. Dabei wird chemische oder elektrische Energie in Wärme verwandelt. Aber man kann die Wärme praktisch nicht wieder zurückverwandeln. – Wärme ist für die Natur die ungeordnetste und somit "bequemste" Form von Energie. Kühlen ist deshalb viel aufwendiger.
Man kann da nicht einfach einen Schalter oder eine Platte anstellen und dann wird es kalt, sondern man bräuchte flüssigen Stickstoff oder Trockeneis, die mit viel Energie hergestellt werden müssten. Die einzige alltagstaugliche Möglichkeit, heißes Wasser abzukühlen, ist zu warten, bis sich die Wärme in der Umgebung verteilt hat. Oder aber man gibt reichlich Eiswürfel dazu.
Kann es Leben ohne Sauerstoff und Wasser geben?
May 12, 2026
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Leben ohne Sauerstoff ist möglich
Das ist eine spannende Frage, die auch viele Wissenschaftler beschäftigt. Die Antwort, die sie im Moment geben, lautet: Ja, vermutlich ist ein Leben denkbar, das völlig anders funktioniert als das, das wir kennen.
Fangen wir beim Sauerstoff an. Da ist klar, dass es Lebensformen gibt, die ohne Sauerstoff auskommen. Die gibt es heute, nämlich überall dort, wo kein Sauerstoff hinkommt, in Feuchtgebieten oder in tieferen Seen zum Beispiel, wo das Wasser still steht. Da ist ab einer bestimmten Tiefe kein Sauerstoff mehr, aber es gibt dort Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen.
Und man darf nicht vergessen: Die ersten Lebewesen auf der Erde hatten weder grüne Blätter, noch brauchten sie Sauerstoff – im Gegenteil, der Sauerstoff war ein Abfallprodukt und wie ein Gift für sie. Die Pflanzen, aber auch wir Menschen und Tiere, die den Sauerstoff nutzen, kamen erst viel später. Also Leben ohne Sauerstoff und Grün: keine Frage; das gibt es.
Wasser ist essenziell für das Leben, das wir kennen
Wie ist es aber mit dem Wasser? Die große Frage bei den Marsmissionen war immer: Gibt es da flüssiges Wasser? Man weiß heute zumindest, dass es früher welches gab. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wenn es Wasser gab, gab es dann dort auch Leben?
Für das Leben, wie wir es kennen, ist Wasser absolut essenziell. Es ist das Lebens-Medium schlechthin, es transportiert Nährstoffe in die Organismen und Giftstoffe aus ihnen hinaus. Die Frage ist: Gibt es einen anderen Stoff, der das genauso könnte? Vielleicht irgendwo, wo es viel kälter ist als bei uns, wo es definitiv kein flüssiges Wasser gibt.
Zum Beispiel hat der Planet Saturn einen Mond, der heißt Titan. Da ist es eiskalt, dort gibt es mit Sicherheit kein flüssiges Wasser. Aber es könnte Seen aus flüssigem Methan geben. Gut möglich, dass es da Lebensformen gibt, bei denen die Quelle des Lebens nicht Wasser, sondern Methan ist.
Lebenswelt auf Basis von Silizium statt Kohlenstoff denkbar
Es geht sogar noch weiter: Der Grundbaustein des Lebens auf der Erde ist der Kohlenstoff. Alles Organische – Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette bis hin zu unserem Erbmaterial, der DNA – ist, zumindest das Grundgerüst, aus Kohlenstoffatomen aufgebaut. Kohlenstoff gehört nämlich zu den wenigen Elementen, die so vielseitig sind, dass sie viele hoch komplizierte Gerüste und Strukturen aufbauen können. Es gibt ein weiteres Element, das das theoretisch auch könnte: Silizium. Deshalb halten es manche Biologen für möglich, dass auch eine Lebenswelt auf Siliziumbasis zumindest denkbar ist. Und das in erster Linie auf anderen Planeten.
Es gibt aber auch ernst zu nehmende Forscher, die sagen: Rein theoretisch könnte es diese Lebensformen sogar auf der Erde geben, vielleicht sogar in unserem Körper, nur dass wir sie noch nicht entdeckt haben. Gemeint sind keine grünen Männchen, sondern das könnten Kleinstlebewesen sein, die sich äußerlich kaum von Bakterien unterscheiden lassen. Wenn die aber völlig anders funktionieren würden als das Leben, das wir kennen, wäre es gar nicht so leicht, die unter all den anderen Organismen ausfindig zu machen.
Warum ist der Mond auch tagsüber zu sehen?
May 08, 2026
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Mond: zentraler Leuchtkörper am Nachthimmel
Wir lernen schon als Kinder, dass tagsüber die Sonne scheint und nachts der Mond. Das setzt sich fort bis zu den Symbolen im Alltag. Bei der Heizung zum Beispiel bedeutet "Sonne" Tagesheizung und eine Mondsichel steht für die Nachtabsenkung. So sind wir das gewohnt.
Klar ist: Nachts sieht man den Mond besser, da ist er der zentrale Leuchtkörper am Himmel. Allerdings ist er das nicht jede Nacht. Bei Neumond etwa sehen wir ihn nachts nicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Mond bei Neumond von der Sonne nicht angestrahlt wird, sondern dass der Neumond nachts so gut wie überhaupt nicht am Himmel steht.
Neumond steht tagsüber am Himmel
Wenn man sich die drei Himmelskörper Sonne, Mond und Erde vorstellt, steht der Mond bei Neumond in der gleichen Richtung wie die Sonne. Das heißt, die Sonne strahlt ihn, von uns aus gesehen, von hinten an, nicht von vorne. Die Seite des Mondes, die wir sehen, wird nicht angestrahlt, weil der Mond irgendwo zwischen Erde und Sonne steht.
Das bedeutet aber auch, dass, wenn der Neumond am Himmel steht, es dann Tag ist – der Mond befindet sich ja grob in Richtung der Sonne, also geht er von uns aus gesehen mit der Sonne auf und unter. Manchmal steht er sogar genau auf einer Linie mit der Sonne, dann haben wir eine Sonnenfinsternis. Eine Sonnenfinsternis kann es deshalb nur bei Neumond geben.
Bei Vollmond ist es genau umgekehrt
Bei Vollmond steht der Mond auf der Nachtseite der Erde, also auf der Seite der Erde, die gerade der Sonne abgewandt ist. In dieser Situation strahlt die Sonne sozusagen an der Erde vorbei direkt auf die volle Vorderseite des Mondes. Deswegen sehen wir den Vollmond. Dieser Vollmond ist deshalb auch ein Nachtmond; er geht abends auf und morgens unter.
Das sind die beiden Extremsituationen: Neumond und Vollmond. Bei Halbmond erreicht er zum Beispiel seinen höchsten Punkt am Himmel morgens bzw. abends. Das bedeutet, er ist dann auch schon vormittags bzw. nachmittags zu sehen.
Sichelmond ist überwiegend ein Tagesmond
Man kann also sagen: Je voller der Mond, desto mehr ist er in der Nacht zu sehen. Wenn aber der Mond eine Sichel ist, ist er ja schon recht nahe beim Neumond. Das heißt, der Sichelmond ist in der überwiegenden Zeit seines Daseins ein Tagesmond, er ist kein ausgewiesener Nachtmond. Insofern ist – ganz streng genommen – die Mondsichel als Symbol der Nacht nicht ganz richtig.
Warum heißen manche Seen "Meer" und umgekehrt?
May 05, 2026
Show notes
In Norddeutschland gibt es das Zwischenahner Meer, das Steinhuder Meer und das Engelsmeer – keine Meere, sondern Binnenseen. Und die Nordsee heißt "See" und nicht "Meer". Warum ist das so?
Dieses Phänomen gilt nicht nur für das Niederdeutsche, sondern auch für das damit eng verwandte Niederländische. Ganz deutlich wird das beim berühmten Ijsselmeer in Holland. Das heißt nämlich erst Ijsselmeer, seit es ein Binnengewässer ist. Als es zuvor noch eine große Meeresbucht war, hieß es Zuider-Zee – also "Südsee", im Gegensatz zur Nordsee.
Woher kommt das? Hat irgendwann irgendwer in grauer Vorzeit gesagt: Wir machen jetzt alles andersrum? Wir spielen verkehrte Welt. Was bisher Meer hieß, nennen wir See und umgekehrt. – Aber so war es wohl nicht.
Meer und See: im Gegensatz zum Fluss "stehende" Gewässer
Eine Antwort habe ich mal vom Sprachwissenschaftler Thomas Becker aus Bamberg bekommen und finde sie auch ganz einleuchtend. Demnach hatten beide Wörter, Meer und See, ursprünglich die gleiche Bedeutung, nämlich "stehendes Gewässer" – im Gegensatz zum Fluss. Die Bedeutung hat sich erst später ausdifferenziert; dies aber in den Ländern, die an der Küste liegen, anders als bei denen, die sich im Binnenland befinden.
In Norddeutschland, den Niederlanden, aber auch im Englischen wurde mit dem Begriff "See" irgendwann nur noch das offene Meer bezeichnet, während in den küstenferneren Gegenden, also auch in Süddeutschland, der Begriff "See" nur noch für Binnengewässer benutzt wurde – vielleicht weil der Binnensee im Süddeutschen wichtiger war als das ferne Meer.
Ergänzend könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der süddeutsche Raum näher am lateinischen bzw. romanischen Sprachraum ist, und im Lateinischen bedeutet "mare" nun mal auch Meer.
Wie hoch können Fliegen fliegen?
Apr 30, 2026
Show notes
Höhenrekorde kosten unnötig Kraft und Energie
Bis in welche Höhe Fliegen in der Natur fliegen, ist offenbar noch nicht systematisch erforscht und es gibt ja auch sehr viele Arten von Fliegen.
Aber die Frage, wie hoch Fliegen fliegen können, stellt sich in der Natur gar nicht, weil Fliegen keinen Anlass haben, die Extreme auszuprobieren. Für eine Fliege besteht kein Anlass, hoch hinaus zu fliegen, was soll sie dort? Es kostet nur unnötig Kraft und Energie, und da oben gibt es nichts zu fressen. Da besteht nur die Gefahr, dass sie selbst von Vögeln oder nachts von Fledermäusen gefressen werden. Deshalb halten sich Fliegen, wie die meisten Insekten, eher dicht über dem Boden auf, wo sie sich auch orientieren. Und wenn sie Strecke fliegen, behalten sie meist einen gewissen Abstand zum Boden.
Fliegen oder sich wehen lassen: Unterschiede im Reich der Insekten
Ich habe den Insektenkundler Lars Krogmann gefragt, wie es sich mit dem Fliegen in die Höhe bei Insekten verhält. Er unterscheidet zwischen dem aktiven Hoch-Fliegen und dem passiven "Sich-Hochwehen-Lassen".
Ganz kleine Insekten – die man auch Luftplankton nennt – können noch in 8.000 Metern gefunden werden und z.T. überleben. Aber sie fliegen dort nicht gezielt hin, sondern werden von entsprechenden Winden erfasst. Anders ist es bei wandernden Insekten; Wanderheuschrecken zum Beispiel. Die nutzen diese Winde gezielt aus und lassen sich dadurch schon mehrere hundert Meter hochziehen.
Hummeln am Mount Everest
Zu den wenigen Insekten, zu denen es wirklich systematische Untersuchungen bezüglich der Flughöhe gibt, gehören Hummeln. Man hat in China Hummelnester noch in 4.400 Metern gefunden. Und man hat Hummeln am Mount Everest in 5.600 Metern Höhe fliegen sehen.
Es gibt Laborversuche, wo man die Bedingungen in großen Höhen simuliert hat – also eine künstliche Atmosphäre hergestellt hat mit entsprechend wenig Sauerstoff und niedrigem Luftdruck. Da haben die Hummeln noch Bedingungen ausgehalten, die denen von 9.000 Metern Höhe entsprechen – und sie haben das nicht nur überlebt, sondern konnten in dieser künstlichen Atmosphäre auch aktiv fliegen.