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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Werden die Menschen immer narzisstischer? Feb 04, 2025
    Show notes

    Gibt es eine Narzissmusepidemie?

    Aus heutiger Sicht lautet die Antwort "Nein". Früher wurde aber das Gegenteil behauptet. Das ging los mit dem Soziologen Christopher Lasch. Der veröffentlichte 1979 einen Bestseller mit dem Titel "Das Zeitalter des Narzissmus". Er spricht in seinem Buch davon, dass Egoismus, Selbstdarstellung und Empathielosigkeit in unserer Gesellschaft immer weiter zunehmen. Als Grund sieht er einen übermäßigen Fokus auf Individualismus, Selbstverwirklichung und Konsum. Allerdings waren das offenbar mehr persönliche Eindrücke, entscheidend sind aber valide Daten. Den ersten großen Versuch einer quantitativen Untersuchung unternahm die Psychologin Jean Twenge: 2008 veröffentlichte sie mit ihrem Team eine Studie, die auf einem psychologischen Fragebogen beruht. Der wurde in den Jahren 1982 bis 2006 von über 16.000 Studierenden an verschiedenen Universitäten ausgefüllt.

    NPI-Fragebogen bis heute in der Forschung weit verbreitet

    Bei dem Fragebogen handelte es sich um das "Narcissistic Personality Inventory" kurz "NPI". Er ist bis heute in der Forschung weit verbreitet. Den Test muss man sich so vorstellen: Die Versuchspersonen bekommen immer zwei mehr oder weniger gegensätzliche Aussagen vorgestellt. Beispielsweise die Aussage "Ich habe gern Autorität über andere" und die Aussage "Es macht mir nichts aus, Anordnungen zu befolgen". Die Versuchspersonen müssen 40-mal den Satz wählen, der am ehesten zutrifft – "Forced Choice" nennt sich das. Im Anschluss bilden Psychologen auf Basis aller gewählten Sätze einen Summenscore. Bei dem gilt vereinfacht gesagt: je höher die Zahl, desto narzisstischer. Man kann sich das wie eine hierarchische Pyramide vorstellen. Unten stehen 40 Fragen, in der Mitte 6 Subskalen und oben, an der Spitze, das Konstrukt "Narzissmus". Alle 40 Fragen stehen in einem positiven oder negativen statistischen Zusammenhang zu den 6 Subskalen. Das sind beispielsweise Autoritätsanspruch, Angeberei und Manipulationsneigung. Und die stehen wiederum in einem positiven Zusammenhang zum Narzissmus.

    Untersuchung von 2008 schien Narzissmusepidemie zu bestätigen

    Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Bei hohen Werten in nur einer von sechs Subskalen wie "Autoritätsanspruch" würde man noch nicht von einem narzisstischen Menschen sprechen. Die Summe aus allen 6 Subskalen ist entscheidend. Genau "die" hat Twenge über viele Jahre untersucht und sie kam zu dem Ergebnis: Die narzisstischen Persönlichkeitsmerkmale nehmen zu. Jede Generation sei narzisstischer als ihre Vorherige. Aber schon kurz nach der Veröffentlichung haben einige die Studie infrage gestellt. Sie würde zu sehr verallgemeinern. Das hat Jean Twenge aber nicht davon abgehalten, die populärwissenschaftlichen Bücher The Narcissism Epidemic und Generation Me zu schreiben. Beide waren Bestseller. So kam die Idee einer angeblichen narzisstischen Epidemie in die Welt.

    Eine narzisstische Epidemie gibt es wohl nicht – im Gegenteil

    In der Wissenschaft blieb das aber umstritten. Und im Oktober 2024 erschien eine umfangreiche Metastudie, die für Klarheit sorgte: Eine Forschungsgruppe aus Wien hatte über 1.000 Studien analysiert, in denen der NPI-Fragebogen verwendet wurde. Dabei wertete sie die Daten von knapp 550.000 Menschen aus. Die Forschungsgruppe kam zu dem Schluss, dass es eine narzisstische Epidemie nie gegeben hat – auch nicht in Nordamerika. Zwar sind die Werte dort höher als beispielsweise in Europa oder Asien, aber zwischen 1982 und 2023 konnte kein signifikanter Anstieg festgestellt werden – im Gegenteil, die Werte scheinen sogar rückläufig. Zusammenfassend lässt sich sagen: Auf Grundlage der heute vorliegenden Daten und der verwendeten Messinstrumente zur Erfassung von Narzissmus, lässt sich über die Generationen kein Anstieg feststellen.

    Quellen und Literatur

    • Oberleiter, S., Stickel, P., & Pietschnig, J. (2024). A Farewell to the Narcissism Epidemic? A Cross‐Temporal Meta‐Analysis of Global NPI Scores (1982–2023). Journal of Personality. https://doi.org/10.1111/jopy.12982
    • Trzesniewski, K. H., & Donnellan, M. B. (2010). Rethinking “Generation Me”: A study of cohort effects from 1976-2006. Perspectives on psychological science, 5(1), 58-75. https://doi.org/10.1177/1745691609356789
    • Trzesniewski, K. H., Donnellan, M. B., & Robins, R. W. (2008). Do today's young people really think they are so extraordinary? An examination of secular trends in narcissism and self-enhancement. Psychological Science, 19(2), 181-188. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02065
    • Twenge, J. M. & Campbell, W. K. (2009). The narcissism epidemic: Living in the age of entitlement. New York: Free Press
    • Twenge, J. M. & Foster, J. D. (2008). Mapping the scale of the narcissism epidemic: Increases in narcissism 2002–2007 within ethnic groups. Journal of Research in Personality, 42(6), 1619–1622. https://doi.org/10.1016/j.jrp.2008.06.014
    • Twenge, J. M., Konrath, S., Foster, J. D., Campbell, W. K. & Bushman, B. J. (2008). Egos inflating over time: a cross-temporal meta-analysis of the Narcissistic Personality Inventory. Journal of personality, 76(4), 875–902; discussion 903-28. https://doi.org/10.1111/j.1467-6494.2008.00507.x
    • Twenge, J. M. (2006). Generation Me: Why today's young Americans are more confident, assertive, entitled--and more miserable than ever before. Free Press.
    • Wetzel, E., Brown, A., Hill, P. L., Chung, J. M., Robins, R. W. & Roberts, B. W. (2017). The Narcissism Epidemic Is Dead; Long Live the Narcissism Epidemic. Psychological science, 28(12), 1833–1847. https://doi.org/10.1177/0956797617724208

    Warum sagt man "zum Kuckuck", "weiß der Kuckuck" oder "geh doch zum Kuckuck“? Feb 03, 2025
    Show notes

    Hüllformel: auf den Teufel anspielen, ohne ihn direkt zu nennen

    Man sagt "zum Kuckuck" wie man sagt "zum Geier" oder "zum Henker" oder "zum Teufel". In diesen Fällen geht’s um die Hüllformel. Der Kuckuck und der Geier – die gehören zu den sehr schlecht beleumundeten Tieren, zu den "Teufelstieren". Natürlich auch deswegen, weil der Kuckuck so ein durchtriebener, hinterhältiger Vogel ist, der einem gerne etwas unterjubelt. Man spielt damit also auf den Teufel an, ohne ihn direkt zu nennen. Denn wie man aus anderen Redensarten weiß: "Wenn man den Teufel nennt, dann kommt er gerennt". Deshalb soll man den Teufel "nicht an die Wand malen". Daher ruft man dann lieber "zum Kuckuck" oder zum Geier" und meint eigentlich "zum Teufel", weil man sich wahnsinnig über etwas ärgert.

    Ist es wichtig, Obst und Gemüse zu waschen? Und was bringt Natron im Waschwasser? Feb 03, 2025
    Show notes

    Blöd, wenn der Sand an den Zähnen knirscht

    Tatsächlich gibt es unterschiedliche Gründe. Manche Sachen waschen wir vor allem wegen des groben Drecks: Einfach, weil es blöd ist, wenn es beim Verzehr von Salat oder Kartoffeln zwischen den Zähnen knirscht.

    Pestizide und andere Schadstoffe entfernen

    Durch das Abwaschen lassen sich Schadstoffe entfernen. Das funktioniert mit kaltem Wasser schon relativ gut. Für viele ist das auch das Hauptmotiv. Es gibt zum Beispiel Leute, die glauben, sie müssen ihr Obst nicht abwaschen, weil sie es im Bioladen gekauft haben und da keine Pestizide dran seien. Das ist aber zu kurz gedacht: Natürlich sind auch Bioprodukte der Luftverschmutzung ausgesetzt. Und auch sie werden von einer Hand zur anderen gereicht.

    Warmes Wasser? Nicht nötig.

    Generell genügt zum Abwaschen kaltes Wasser. Untersuchungen haben ergeben, dass warmes Wasser keinen nennenswerten Mehrwert bietet. Das Abtrocknen mit einem sauberen Tuch entfernt mehr Pestizide und Schadstoffe als eine höhere Wassertemperatur.

    Natron? Hilft bedingt

    Den oft gehörten Tipp, Obst mit Natron zu waschen, hat eine US-Studie 2017 getestet. Das Ergebnis: Natron kann zwar helfen, noch einmal deutlich mehr Schadstoffe zu entfernen, allerdings nur, wenn die Früchte eine Viertelstunde in einer (schwachen) Natronlauge gebadet werden. Dafür sollten 1 EL Natron in einem Liter Wasser aufgelöst werden. Vollständig lassen sich Pestizide aber auch damit nicht entfernen, weil ein Teil von ihnen unter der Schale steckt.

    Krankheitserreger – auch auf Bioprodukten

    Neben Schmutz und Pestiziden hat das Waschen von Obst und Gemüse noch einen dritten Zweck: Es entfernt mögliche Krankheitserreger. In dem Punkt sind Bioprodukte übrigens nicht unbedingt sauberer als konventionelle.

    Vor allem Rohkost sollte gewaschen werden

    Gemüse wird in der Regel gegart und dabei stark genug erhitzt, dass Bakterien absterben. Wegen der Keime müsste man Kartoffeln also nicht unbedingt waschen. Da sie unter der Erde wachsen, hängen an der Schale normalerweise auch nicht viele Pestizide. Was unter Umständen dran hängt, ist Dreck – den kriegt man mit kaltem Wasser, am besten in Kombination mit einer Gemüsebürste, weg. Aber häufig schält man sie ja ohnehin. Ganz anders sieht es bei Äpfeln aus. Da können schon mal Pestizide dran sein und sie werden in der Regel auch nicht gekocht. Außerdem haben sie von Natur aus eine mehr oder weniger starke Wachsschicht. Diese Wachsschicht schützt sie vor Regenwasser und somit vor Fäulnis. Manchmal werden Äpfel aber auch künstlich nachgewachst. In Deutschland ist das zwar verboten, aber importierte gewachste Äpfel dürfen auch bei uns verkauft werden. Dieses Wachs gilt zwar als nicht gesundheitsschädlich, aber es ist auch nicht besonders appetitlich. Sowohl das natürliche als auch das künstliche Wachs kriegt man mit kaltem Wasser kaum weg (schließlich dient es ja gerade dazu, Wasser abperlen zu lassen). Hier empfiehlt sich zusätzlich zum Abwaschen auch ein Abrubbeln mit einem Küchentuch.

    Pilze nur bürsten

    Ein drittes Beispiel sind Pilze: Hier wird empfohlen, sie nur mit einer geeigneten Bürste zu putzen und nicht zu waschen, weil durch das Waschen unter Umständen auch Aromastoffe verloren gehen. Schon diese Beispiele zeigen: Es kommt immer darauf an, was man vor sich hat.

    Grundsätzliche Empfehlungen

    Wenn möglich, die Früchte lieber in ein Wasserbad tauchen als sie unter dem fließenden Hahn abspülen. Denn der Wasserstrahl erwischt im Zweifel doch nicht jede Stelle an der Oberfläche. Zum anderen übt er einen größeren mechanischen Druck aus – bei empfindlichen Früchten wie Beeren ist das schlecht, ebenso, wenn das Produkt schon angeschnitten ist, denn dann werden auch Vitamine und Mineralien davon gespült. Danke an: Dr. Ernst Tabori

    Warum bauten die Ägypter Pyramiden? Feb 02, 2025
    Show notes

    Vorläufer der Pyramide: Mastaba

    Das hat sich so entwickelt. Man baute zunächst sogenannte Mastabas; das sind kastenförmig Gräber. Die erste große Pyramide ist die Stufenpyramide des Djoser in Sakkara. Die hat mehrere Baustufen durchlaufen. Da kann man ganz deutlich sehen, dass die sich aus einer Mastaba entwickelt hat und dann mehrfach erweitert wurde, eben zu dieser Stufenpyramide. Der nächste Schritt war, dass man richtige Pyramiden gebaut hat.

    Erheblicher logistischer Aufwand

    Es muss ein erheblicher logistischer Aufwand gewesen sein, insbesondere da die Bauwerke richtig groß sind. Die Cheops-Pyramide hat eine Grundfläche von ungefähr 220 Metern und ist etwa 146 Meter hoch. Das erforderte eine enorme Anzahl von Blöcken, die behauen und transportiert werden mussten, selbst wenn vieles aus der näheren Umgebung kam. Das waren Unterfangen, die Jahrzehnte gedauert haben.

    Warum helfen Brennnesseln bei Gicht und Rheuma? Feb 01, 2025
    Show notes

    Empfehlung von Pfarrer Sebastian Kneipp: Nesselpeitschen

    Die Brennnessel, die ja gemeinhin verschrien ist als lästiges Unkraut, wird seit einiger Zeit von Gartenfreunden wiederentdeckt; gerade weil sie als Heilpflanze wirklich viel Gutes tun kann. Sie ist seit alters her dafür bekannt, dass sie bei ganz unterschiedlichen Beschwerden hilft, speziell auch bei Gelenkerkrankungen. Gerade das Einreiben ist ein bekanntes Mittel, das auch schon der gute alte Pfarrer Kneipp empfohlen hat: Das "Nesselpeitschen". Was aber wirkt da genau? Die Stoffe, die den brennenden Schmerz auslösen, sind offenbar die gleichen, die auch die heilende Wirkung haben. Wenn Sie die Brennnessel berühren, dann brennt das deshalb, weil die Brennnesselhaare auf kleinen Bläschen sitzen, die mit Nesselgift gefüllt sind. Wenn Sie an diese Härchen kommen, dringen die wie winzige Kanülen in die Haut ein und setzen das Nesselgift frei.

    Nesselgift besteht vor allem aus Histamin, Acetylcholin und Serotonin

    Das Nesselgift besteht vor allem aus drei Substanzen:
    • Histamin – das ist möglicherweise das, was die Hautrötungen auslöst
    • Acetylcholin
    • Serotonin
    Die beiden letztgenannten Stoffe könnten insofern die Schmerzen lindern, als sie die Durchblutung in den Gelenken fördern. Acetylcholin und Serotonin kennen wir aus ganz anderen Zusammenhängen: Beides sind wichtige Botenstoffe in unserem Nervensystem. Vor allem das Acetylcholin ist der zentrale Botenstoff überhaupt. Er ist für die Signalübertragung nicht nur zwischen den Nerven verantwortlich, sondern auch für die Reizübertragung von Nerven zu Muskeln; insbesondere auch zu den Muskeln, die unsere Blutgefäße umhüllen.

    Durchblutung steigt – Giftstoffe werden besser abgebaut

    Was passiert also, wenn wir die Brennnessel berühren? Das Acetylcholin gelangt unter die Haut und regt dort die Blutgefäße an, sodass die Durchblutung steigt. Das Serotonin wiederum fördert die Durchblutung in der Skelettmuskulatur. Durchblutung ist gut gegen Entzündungen, denn je mehr Blut da ist, desto besser können Giftstoffe und Krankheitserreger, die an den Entzündungsherden lagern, abgebaut werden. Welcher der Stoffe der entscheidende ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Aber das sind die plausiblen Erklärungen, warum das Einreiben mit Brennnesseln gegen Gelenkbeschwerden hilft.

    Warum perlt Champagner feiner als "normaler" Sekt aus Tankgärung? Jan 31, 2025
    Show notes

    Champanger wird durch Flaschengärung hergestellt

    Eine kurze Erklärung für die Nicht-Fachleute: Unter moussieren versteht man das Aufsteigen der CO2-Bläschen, also der Kohlensäure. Tatsächlich gibt es Unterschiede zwischen der Tankgärung und der traditionellen Flaschengärung. Champagner wird durch Flaschengärung hergestellt. Dabei gärt der Sekt in der Flasche, in der sich auch Hefe befindet. Im sogenannten Rüttelverfahren rüttelt und schüttelt man die Flaschen, und irgendwann wird die Hefe praktisch "rausgeschossen". Die Hefe fliegt aus der Flasche, dann kommt der Korken gleich wieder drauf und der Champagner ist fast fertig.

    Sekt wird im Tank vergoren und die Hefe wird herausgefiltert

    Das andere Verfahren, mit dem der normale Sekt, der sich nicht Champagner nennen darf, hergestellt wird, ist die sogenannte Tankgärung. Dabei wird der Sekt in großen Behältern vergoren. Dann wird er gefiltert und bei diesem Filtern wird sämtliche Hefe aus dem Sekt herausgenommen. Das macht am Schluss den Unterschied aus: Im Champagner sind noch kleine Hefeteilchen drin, während im normalen Sekt, der über die Tankgärung produziert wird, diese Teilchen fehlen. Die Hefeteilchen sind aber die Punkte, an denen die Bläschen entstehen. Die Bläschen brauchen Kulminationspunkte, an denen sie entstehen können. Diese sind wegen der Hefeteilchen im Champagner stärker verbreitet als im normalen Sekt und deshalb sind auch die Bläschen insgesamt feiner verteilt als im normalen Sekt. Der Champagner enthält also nicht unbedingt mehr, dafür aber feiner verteiltes Triebmittel.

    Warum befestigt man beim Richtfest ein Bäumchen auf dem Dach? Jan 30, 2025
    Show notes

    Wichtiger Rohstoff: Holz

    Der Richtbaum wird manchmal durch einen Richtkranz ersetzt. Genau lässt sich die Herkunft dieser Tradition nicht mehr feststellen, aber offenbar gab es den Richtbaum schon, bevor es den Weihnachtsbaum gab. Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Christbaums stammen vom Beginn des 16. Jahrhunderts und zu dem Zeitpunkt gab der Braucht, beim Bau eines Hauses einen Baum aufzustellen bereits etabliert. Bäume spielen ja auch bei anderen Festen eine Rolle, der Maibaum ist ein bekanntes Beispiel. Da gibt es offenbar Parallelen. Bäume waren als Rohstoff schon immer sehr wichtig. Aus Holz wurden Häuser nicht nur gebaut, sondern mit Holz wurden die Häuser natürlich auch geheizt. Das ganze Leben hing somit von Bäumen ab.

    Nadelbaum: standhaft, immergrün und Sinnbild des Lebens

    Was symbolisiert nun der Baum? Festigkeit, Standhaftigkeit, Langlebigkeit – und das hat man sich sicherlich auch von den neu gebauten Häusern gewünscht. Außerdem werden meist Nadelbäume verwendet. Weil diese immergrün sind, gelten sie auch als ein Sinnbild des Lebens und der Fruchtbarkeit. Insofern war mit dem Richtbaum sicher auch die Hoffnung verbunden, dass er den Bewohnern des Hauses ein gesundes Leben beschert und sie vor Krankheit schützt.

    Gute (Wald-)Geister sollen weiterleben und das Haus schützen

    Martin Rieger, Bauingenieur und Zimmermann aus Sigmaringendorf hat, sich mit dieser Frage auch viel beschäftigt und einen weiteren Punkt ins Spiel gebracht: Viele germanische und skandinavische Mythen erzählen davon, dass die Seelen der Menschen von den Bäumen kamen und nach dem Tod die Seelen wieder in den Bäumen aufgehen. Der Wald war also beseelt, dort lebten nach der Vorstellung der Menschen gute und böse Geister. Weil aber nun zum Hausbau Bäume gefällt wurden, wollte man diese Geister möglicherweise durch das symbolische Anbringen eines Baumwipfels milde stimmen und sich bei ihnen "bedanken". Die guten Geister sollten durch das Anbringen des Richtbaumes weiterleben.

    Woher kommt der Name Kunze? Jan 29, 2025
    Show notes

    Wenn Konrad zärtlich Kunze genannt wird

    Früher trugen viele Leute den Vornamen Konrad. Zur liebevollen Ansprache hängte man hinten einfach ein "z" an. Das machen wir auch heute noch: Friedrich wird zu Fritz, Heinrich wird zu Heinz und so wurde Konrad zu Kunz – allerdings nur in Süddeutschland. In Nord- und Ostdeutschland hängte man neben dem "z" noch ein "e" an: Fritze, Heinze, Kunze. Das ist also der Nachkomme eines Mannes, der Konrad hieß und zärtlich Kunze genannt wurde.

    Woher weiß man, wie es im Inneren der Erde aussieht? Jan 29, 2025
    Show notes

    Man kann nur bis zu einer bestimmten Tiefe in die Erde hineingucken. Bis zum Mittelpunkt der Erde sind es 6.000 Kilometer. Die weltweit tiefste Bohrung geht aber nur bis in 12 Kilometer Tiefe. Das ist nur ein Kratzen an der Oberfläche bzw. an der Erdkruste.

    Erdkruste, Erdmantel und Erdkern

    Die Unterteilung bezieht sich auf die chemische Zusammensetzung. Ganz grob besteht die Erdkruste eher aus leichteren Elementen, allen voran Aluminium und Silizium. Aus diesen beiden Elementen sind die Gesteine gemacht, die wir so kennen: Granite, Basalte, Schiefer – das ist die Erdkruste. Im Erdmantel finden sich die etwas schwereren Elemente; anstelle von Aluminium findet man dort mehr Eisen und Magnesium. Und der Erdkern besteht zu 70 Prozent aus Eisen plus ziemlich viel Nickel. Im Kern konzentriert sich also das richtig schwere Material. Das ist die Grobunterteilung nach der Chemie.

    Vulkane und Diamanten liefern Informationen über den Erdmantel

    Als Informationsquelle über die Beschaffenheit des Erdinneren dienen:
    1. Vulkane: Es gibt Vulkane, die ihre Wurzel in mehreren hundert Kilometern Tiefe haben. Das heißt, die spucken Material aus dem Erdmantel aus. Insofern geben sie Informationen über die Chemie des Erdmantels.
    2. Diamanten: Die meisten natürlichen Diamanten haben sich im Erdmantel gebildet und sind erst später durch Magmaströme an die Oberfläche gelangt. Wenn man solche Diamanten aufschneidet, findet man immer wieder Einschlüsse von der Umgebung, in der sie ursprünglich entstanden sind – also vom Erdmantel.

    Magnetfeld und Meteoriten bieten ebenfalls Aufschluss

    Ein Hinweis hierauf ist das Magnetfeld der Erde. Für ein Magnetfeld braucht man ein Metall, und zwar einen guten elektrischen Leiter. Dass es sich dabei um Eisen handeln muss, wird wiederum von einer weiteren "Informationsquelle" bestätigt: Meteoriten. Meteoriten sind interessant, weil sie sich in unserem Sonnensystem aus der gleichen Staubwolke gebildet haben wie einst die Erde. Ab und zu fällt ja auch mal einer auf die Erde herunter. Diese abgestürzten Meteoriten kann man chemisch gut untersuchen und davon ausgehen, dass deren chemische Gesamtmischung die gleiche ist wie bei der ursprünglichen Erde auch – weil sich ja beide aus der gleichen Staubwolke zusammengesetzt haben. Der Unterschied ist: Auf der Erde hat sich diese Mischung getrennt. Die schweren Elemente sind nach unten ins Erdinnere gesackt, die leichten am Rand, an der Kruste geblieben. Da aber die Chemie der Kruste bekannt ist – das ist der Boden unter unseren Füßen – und man gleichzeitig durch die Meteoriten weiß, wie einmal die Gesamtmischung aussah, kann man daraus ableiten, was es für Metalle und Mineralien im Erdinneren gibt.

    Seismische Messungen: Rückschlüsse auf Grenzen zwischen den Erdschichten

    Die Grenze zwischen Erdmantel und Erdkern z. B. verläuft ziemlich genau in halber Tiefe, also in 2.900 Kilometern Tiefe. Das wiederum weiß man vor allem durch seismische Messungen: Wir wissen, dass jedes größere Erdbeben Erschütterungswellen freisetzt, die sich durch den gesamten Erdball fortpflanzen. Diese Wellen haben aber je nach Material unterschiedliche Geschwindigkeiten. Wenn z. B. die Erde in Kalifornien bebt, kann man messen, wann und wie die Erschütterungswellen dieses Bebens in Europa oder in China ankommen. Und so haben die Wissenschaftler nach und nach Informationen darüber bekommen, wie die verschiedenen Schichten beschaffen sind und wo im Erdinneren die Grenzen zwischen den verschiedenen "Schichten" verlaufen.

    Gibt es Blitze aus heiterem Himmel? Jan 28, 2025
    Show notes

    Gewitterwolke kann 20 km entfernt oder hinter einem Berg "versteckt" sein

    Ja, mit gewissen Einschränkungen. Wenn der Himmel strahlend blau ist und kein Wölkchen weit und breit zu sehen, wäre es sehr ungewöhnlich, wenn plötzlich ein Blitz einschlagen würde. Was es aber gibt, sind Blitze, ohne dass im engeren Umkreis eine Gewitterwolke zu sehen wäre. Die Betonung liegt dabei auf "im engeren Umkreis", denn irgendwo in 10 bis 20 Kilometern Entfernung ist sie dann in der Regel doch. Aber sie sticht vielleicht nicht ins Auge, oder ein Berg ist dazwischen, sodass der Blitz wirklich wie aus heiterem Himmel wirkt.

    Gewitterwolke baut starke Spannung auf

    Eine Erklärung wurde 2008 in der Zeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht: Die Grundlage für solche Blitze sind zunächst dieselben Bedingungen, unter denen auch sonst Gewitter entstehen. In einer Gewitterwolke gibt es starke Aufwinde. Diese Winde transportieren positiv geladene Wasserteilchen bzw. Eiskristalle nach oben. Dadurch wird der obere Teil der Wolke positiv geladen, der untere negativ. Irgendwann baut sich eine so starke Spannung auf, dass sie sich in Form eines Blitzes entlädt. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Die normalen Blitze, die wir sehen und die für uns gefährlich sein können, sind Blitze zwischen Wolke und Boden. Hier entlädt sich die Spannung zwischen dem unteren, negativen Teil der Wolke und dem noch einigermaßen neutralen Erdboden.

    Blitze innerhalb der Wolke

    Daneben gibt es aber auch Blitze innerhalb der Wolke, nämlich zwischen dem unteren negativen Teil und dem oberen positiven Teil. Und das sind jetzt die für uns interessanten. Denn manchmal passiert es, dass diese Entladung zwischen dem unteren und dem oberen Rand der Wolke nicht vollständig ist, z.B. weil es oben in der Wolke nicht genügend positive Teilchen gibt, um die negative Ladung unten auszugleichen. Dann kann zweierlei passieren.
    • Entweder der Blitz setzt sich über die Wolkengrenze noch weiter nach oben fort.
    • Oder er schlägt über einen Seitenast einen Bogen zur Erdoberfläche – nur eben zehn oder zwanzig Kilometer von der eigentlichen Gewitterwolke entfernt. Und wie beim normalen Blitz kann dann ein Donner hinterherkommen.

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