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    1000 Antworten

    Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
    Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

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    Latest Episodes:
    Warum werden Missionen zum Mars geplant und nicht zur Venus – die liegt doch näher? Mar 27, 2025
    Show notes

    Erste menschliche Sonde landete 1970 erfolgreich auf der Venus

    Rein vom Abstand her läge die Venus tatsächlich näher. Sie ist 38 Millionen Kilometer entfernt, der Mars dagegen 55 Millionen Kilometer. Da Strecke und Reisezeit ein kritisches Moment in der ganzen Raumfahrt sind – zum Mars dauert es zwei Jahre – würde man natürlich Fahrzeit sparen, wenn der Flug stattdessen zur Venus ginge. Und doch hört man fast nur von Mars-Missionen und Mars-Robotern. Die Venus dagegen steht im Schatten der Aufmerksamkeit. Blickt man in die Vergangenheit, war das nicht immer so. Der erste fremde Planet, auf dem eine menschliche Sonde landete, war 1970 die Venus – nicht der Mars. Und es folgten weitere Missionen, auch erfolgreiche Landungen, bei denen die Sonden sogar Signale von der Oberfläche zur Erde geschickt haben. Das Problem: Das taten sie nie länger als knapp 2 Stunden – dann war es vorbei.

    Venus ist verdammt heiß und hat sehr mächtige Atmosphäre

    Der Haken ist nämlich: Auf der Venus ist es verdammt heiß, über 400 °C. Das liegt zum einen daran, dass sie viel näher an der Sonne ist, zum anderen herrscht auf ihr ein enorm hoher Luftdruck. Der Mars dagegen hat eine ziemlich dünne Atmosphäre und es ist eher kalt – im Schnitt -50 °C, auf der sonnenabgewandten Seite können es auch mal -120 °C sein. Diese Kälte stellt hohe Anforderungen an die Astronauten und ihre Geräte. Doch ist es immer noch leichter, sich vor dieser Kälte zu schützen als sich vor Temperaturen von über 400 °C, wie sie auf der Venus herrschen. Während der Mars fast seine ganze Atmosphäre verloren hat, dort also ein extrem niedriger Druck herrscht, ist die Venus das komplette Gegenteil – sie hat eine sehr dichte Atmosphäre und dort herrscht ein 90-mal höherer Druck als auf unserem Heimatplaneten. Der Druck auf der Venus entspricht somit dem Druck in einer irdischen Meerestiefe von 900 Metern. Man kann in solchen Druckverhältnissen irgendwie zurechtkommen. Das hat u.a. auch der Regisseur James Cameron 2012 mit seiner Tiefseefahrt zum Marianengraben bewiesen, der mehr als zehnmal tiefer ist. Trotzdem tun sich Astronauten in der sehr dünnen Marsatmosphäre leichter als in der sehr dichten Venusatmosphäre.

    Mars ist für Menschen geeigneter als die Venus

    So ist der Weg zum Mars zwar weiter, aber der Mars ist nicht ganz so unwirtlich. Und wenn man langfristig denkt, geht es nicht nur darum, dort Sonden hinzuschicken, sondern vielleicht auch mal Menschen – für die ist der Mars immer noch wesentlich geeigneter als die Venus.

    Wie können Schwalben im Flug kleine Insekten erkennen und fangen? Mar 23, 2025
    Show notes

    Schwalben sehen mehr Bilder pro Sekunde als Menschen

    Vögel haben ein anderes Sehsystem als Menschen. Gerade beim Jagen von Mücken aus der Luft haben sie einen entscheidenden Vorteil, auf den mich Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte in Radolfzell hingewiesen hat. Schwalben sehen zwar nicht unbedingt schärfer, aber ihr Sehsystem hat eine starke zeitliche Auflösung. Der Mensch kann ungefähr 20 Bilder pro Sekunde verarbeiten, bei Vögeln ist es das Doppelte bis Dreifache. Wenn wir Menschen z.B. Fahrrad fahren, sehen wir die Mücken nicht, weil die so schnell an uns vorbeisausen, dass wir sie nicht bewusst wahrnehmen können. Wir bemerken die Mücken erst, wenn sie beim Radfahren in unseren Augen landen. Schwalben dagegen können, weil ihre Augen mehr Bilder verarbeiten können, auch in der Bewegung kleine Mücken erfassen.

    Akkomodation und Farbwahrnehmung bringen dem Vogel Vorteile

    Es gibt noch weitere Unterschiede im Sehsystem. So können Vögel ihre beiden Augen unterschiedlich akkommodieren, d.h. sie können sie auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. So kann das linke Auge auf etwas Näheres fokussieren als das rechte. Diese Akkommodation erfolgt sehr schnell. Ein weiterer Unterschied ist die Farbwahrnehmung. In unseren Augen gibt es drei verschiedene Typen von Zapfen – einfach ausgedrückt reagieren die einen auf rotes Licht, die anderen auf grünes und die Dritten auf blau-violettes Licht. Weil wir diese drei Arten von Zapfen haben, können wir jeden Farbton aus einer Mischung dreier Grundfarben erzeugen – man könnte sagen, unser Farbsystem hat drei Dimensionen. Vögel haben aber vier, manche sogar fünf Zapfentypen, d.h. ihr Farbsystem hat entsprechend ein bis zwei Dimensionen mehr. Das ist ein großer Unterschied, und die Dichte dieser Zapfen ist gerade bei Schwalben sehr hoch.

    Wendige Tiere mit effektiver Flugtechnik

    Es kommt, sagt Wolfgang Fiedler, aber auch auf die Flugtechnik an. Schwalben sind besonders wendige Tiere, die sehr schnell auf optische Reize – wie z.B. herumfliegende Mücken – reagieren können. Und es gibt noch ein interessantes Phänomen: Stellen wir uns vor, eine Schwalbe fliegt mit 40 oder 50 km/h und reißt plötzlich den Schnabel auf. Dann würde ihr erstens der Fahrtwind den Unterschnabel ausrenken und zweitens verändert sie auch ihre Aerodynamik. Wenn der Schnabel geschlossen ist, fliegt die Schwalbe schön stromlinienförmig durch die Lüfte; wenn sie ihn aufreißt, müsste sie durch den plötzlichen Luftwiderstand ins Trudeln geraten. Deshalb macht sie das auch nicht in dieser Form; allenfalls dann, wenn sie langsam fliegt. Wenn sie aber aus dem schnellen Flug heraus Insekten fängt, dann kommt sie eher von unten, mit einem kleinen abbremsenden Aufwärtsflug – oder mit einer eleganten Schnappbewegung von oben her, wenn die Mücke gerade auf Bauchhöhe ist.

    Gibt es Herzschmerz wirklich? Mar 19, 2025
    Show notes

    Nicht jeder verspürt bei Liebeskummer tatsächliche Herzschmerzen. Für viele ist "Herzschmerz" nur eine emotionale Reaktion ohne körperliche Folgen. Doch intensiver emotionaler Stress, wie bei Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen, kann den Körper und das Herz tatsächlich belasten.

    Der Körper im Drogenentzug

    Wenn man verliebt ist, erlebt der Körper einen regelrechten Serotonin- und Dopaminrausch. Wir empfinden starke Glücksgefühle und sind auf Wolke sieben. Doch wenn dann die Trennung und der damit einhergehende Liebeskummer kommt, sinkt die Dopaminausschüttung und es wird vermehrt Adrenalin freigesetzt. Diese Kombination – Dopaminentzug plus Adrenalin – kann zu echten Entzugserscheinungen führen und den Herzmuskel zusätzlich belasten. Adrenalin versetzt unseren Körper in den "Kampf-oder-Flucht"-Modus und bereitet uns auf Gefahrensituationen vor: Unser Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, was zu Druckgefühlen oder Brustschmerzen führen kann. Man fühlt den Schmerz dann tatsächlich eher mittig-links, weil das Herz dort sitzt – und nicht, wie viele fälschlicherweise denken, auf der linken Seite der Brust. Dazu kommt, dass unsere Atmung schneller wird, um mehr Sauerstoff fürs Gehirn bereitzustellen. Das kann Atemnot verursachen und den Kreislauf belasten. Manche sind sogar der Ohnmacht nah. All das sind auch Symptome eines Herzinfarktes. In extremen Fällen von emotionalem Stress kann sich Herzschmerz also ganz ähnlich anfühlen.

    Broken-Heart-Syndrom – eine medizinische Erkrankung

    Der Unterschied zum echten Herzinfarkt ist, dass beim Broken-Heart-Syndrom nicht die Blutgefäße blockiert sind, sondern der Herzmuskel durch die extreme Stressreaktion vorübergehend schwächer wird. Wie schlimm das Syndrom wird, ist individuell unterschiedlich. Manche müssen stationär und mit Medikamenten behandelt werden, bis die Herzschwäche vorübergeht. Das passiert meistens innerhalb von drei Wochen. Natürlich kann hinter solchen Symptomen auch immer eine echte Herzerkrankung liegen, wie beispielsweise der Herzinfarkt oder eine Durchblutungsstörung im Herz. Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, eine ärztliche Praxis aufzusuchen.

    Hat Herzschmerz eine Funktion?

    Diese Ansicht gibt es tatsächlich in der Wissenschaft. Schmerzen haben ja grundsätzlich eine Funktion: Sie lenken unsere Aufmerksamkeit dorthin, wo wir verletzt sind und wo wir uns schützen müssen. Und so könnte es im übertragenen Sinn auch beim Herzschmerz sein. In früheren Zeiten, als wir noch in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler gelebt haben, war es überlebenswichtig, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Denn ohne Gruppe gab es auch keine Versorgung, wenn man mal krank war oder Hilfe gebraucht hat. Emotionalen Schmerz erleben wir nicht nur bei Liebeskummer, sondern auch, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren oder von anderen abgelehnt oder ausgeschlossen werden. Wenn das Herz schmerzt, ist das ein Signal, dass wir uns von der Gruppe, die uns eigentlich schützt, entfernen oder sogar entfremden. Das Signal könnte uns darauf hinweisen, dass es wichtig ist, etwas gegen diese Isolation zu tun und wieder Nähe zu suchen.

    Was hilft gegen Herzschmerz?

    Wie man es vielleicht ganz klassisch aus Filmen kennt: Wenn man traurig ist, greift man dann doch direkt zur Schokolade oder dem Eisbecher als Seelentröster. Studien zeigen tatsächlich, dass uns Essen über sozialen Schmerz wie Herzschmerz hinweghelfen kann. Doch Essen als Ersatz fördert auch emotionale Essattacken bis hin zu Essstörungen. Ist also keine echte Dauerlösung. Was auch kurzfristig helfen kann, sind tatsächlich Schmerzmittel: Denn interessanterweise wird sozialer Schmerz im Gehirn fast genauso wahrgenommen wie körperlicher Schmerz, so dass sie auch ähnlich mit Medikamenten gelindert werden können. Studien haben gezeigt, dass Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen auch sozialen Schmerz, wie Trauer oder Ausgrenzung, verringern können. Zusammengefasst: Herzschmerz ist nicht nur emotional ist, sondern er hat auch eine echte physische Grundlage.

    Quellen und Literatur

    • Brenton Boyd: Takotsubo cardiomyopathy – Review of broken heart syndrome. Journal of the American Academy of Physician Assistants 33(3), März 2020 | https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32039951/
    • Mary F. Dallman, Norman C. Pecoraro, Susanne E. la Fleur: Chronic stress and comfort foods: self-medication and abdominal obesity - PubMed | Brain, Behavior, and Immunity | Volume 19, Issue 4, July 2005, Pages 275-280 | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0889159104001527?via%3Dihub
    • How the Brain Feels the Hurt of Heartbreak: Examining the Neurobiological Overlap Between Social and Physical Pain | Request PDF | https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/B9780123970251001445?via%3Dihub
    • C. Nathan DeWall, Geoff MacDonald, Gregory D. Webster, Carrie L. Masten, Roy F. Baumeister, Caitlin Powell, David Combs, David R. Schurtz, Tyler F. Stillman, Dianne M. Tice, Naomi I. Eisenberger: Acetaminophen Reduces Social Pain: Behavioral and Neural Evidence. 2010 | https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797610374741
    • Attachment figures activate a safety signal-related neural region and reduce pain experience | PNAS | https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1108239108

    Warum schlafen wir nicht mit offenen Augen? Mar 16, 2025
    Show notes

    Augen immer feucht halten

    Fische schlafen mit offenen Augen und genau das führt zu einer ersten Erklärung. Denn was ist der Unterschied zwischen den Fischen und uns? Sie leben im Wasser. Wir nicht. Das merken wir auch tagsüber: Wir müssen regelmäßig blinzeln, um unsere Hornhaut zu befeuchten, sodass sie nicht austrocknet und sich entzündet. Fische müssen das logischerweise nicht, denn deren Augen sind ja die ganze Zeit feucht. Das Gleiche gilt natürlich nachts: Würden wir Menschen mit offenen Augen schlafen, müssten wir im Schlaf weiterhin ständig blinzeln. Das wäre ziemlich lästig. Theoretisch hätte die Natur das nun aber doch so einrichten können, dass das Blinzeln genau wie tagsüber automatisch weitergeht – so wie wir ja auch weiter atmen und das Herz weiter schlägt. Es gibt also wohl noch weitere Gründe, weshalb wir die Augen schließen. Der Schlafmediziner Jürgen Zulley – der auch schon bei 1000 Antworten von SWR2 zu Gast war – hat mir drei weitere Gründe genannt:

    Keine Ruhe: Mit offenen Augen reagieren wir automatisch auf Reize

    Solange wir die Augen offen halten, reagieren wir auch automatisch auf äußere Reize. Wenn sich etwas in unserem Blickfeld bewegt, gucken wir hin und können nicht abschalten. ... das kennen wir ja vom nächtlichen Zappen vor dem Fernseher ... Genau. Beim Fernsehzappen bleibt man immer viel länger wach, als wenn man sich einfach hinlegen würde, denn ständig bewegt sich was, ständig gibt es neue Reize. Wenn wir dagegen die Augen schließen, schalten wir all diese optischen Reize ab.

    Geschlossene Augen schützen im Schlaf vor Fremdkörpern

    Außerdem schützen wir unsere Augen im Schlaf vor Fremdkörpern, wenn wir sie mit den Augenlidern verdecken. Es ist ja tagsüber so: Wenn uns etwas in die Augen zu fliegen droht, schließen wir sie auch automatisch; das ist ein ganz wichtiger Reflex. Dieser Lidreflex funktioniert aber nachts nicht, deshalb schützen wir die Augen nachts, indem wir sie gleich auf Dauer schließen. Unsere frühen Vorfahren haben ja noch nicht in gemütlichen Zimmern geschlafen, sondern irgendwo draußen. Da weht der Wind, da fliegen Sand und Staub und anderes Zeug herum, was in die Augen gelangen kann – auch davor schützen Augenlider.

    Schlafhormon Melatonin wird im Dunkeln gebildet

    Und dann gibt es noch eine weitere Erklärung: Wir brauchen vor allem für den Tiefschlaf ein bestimmtes Hormon, nämlich das Melatonin. Dieses Melatonin wird vor allem in der Zirbeldrüse, aber auch in der Netzhaut des Auges gebildet, und zwar dann, wenn es dunkel ist. Wenn es hell ist, wird die Ausschüttung von Melatonin unterdrückt. Licht ist einfach der wichtigste Störreiz beim Schlafen. Und wenn wir die Augen schließen, dann kann der Körper in Ruhe sein Schlafhormon produzieren.

    4 Gründe, warum wir die Augen schließen

    • Wir halten die Hornhaut feucht
    • Wir schützen sie vor Fremdkörpern
    • Wir schalten äußere Reize ab
    • Wir sorgen dafür, dass sich Melatonin bildet

    Woher kommt "Da beißt die Maus keinen Faden ab"? Mar 16, 2025
    Show notes

    Gertrud von Neville – Schutzheilige vor Mäusen und Ratten

    Das geht zurück auf einen Heiligentag, und zwar hat die Heilige Gertrud von Neville am 17. März ihren heiligen Tag. Das war für die bäuerliche Landwirtschaft ein sehr wichtiger Termin, denn da hörte die Winterarbeit auf und die Sommerarbeit begann. Die Heilige Gertrud war auch die Schutzheilige vor Mäusen und Ratten und wird deswegen auch immer mit einer Maus dargestellt.

    Gertrudentag: Spinnen endete, Sommerarbeit begann

    Die Winterarbeit bestand hauptsächlich aus Spinnen. Die Maus, die mit der Gertrud abgebildet wurde, biss sozusagen am 17. März den Faden ab: Man hörte auf mit dem Spinnen, man ging hinaus aufs Feld. Als man das nicht mehr so richtig verstanden hat, wandelte sich die Redewendung etwas. Man hat es nun so gesehen, dass nicht einmal an einem Faden eine Maus etwas abbeißt. Das heißt, die Sache ist so; es wird nichts mehr daran geändert.

    Warum sind Tiere achsensymmetrisch gebaut? Mar 15, 2025
    Show notes

    Symmetrie vor allem äußerlich

    Die Symmetrie im Körperbau von Tieren ist vor allem eine äußerliche. Die inneren Organe – auch die des Menschen – sind nicht symmetrisch angeordnet. Das Herz liegt mehr links, die Leber mehr rechts. Der Darm schlängelt sich auch bar jeder geometrischen Ordnung durch den Bauch. Das Äußere dagegen – die "Verpackung" – ist zwar nicht perfekt, aber im Prinzip symmetrisch gebaut. Dafür gibt es, evolutionär gesehen, drei Gründe.
    1. Stabilität der Fortbewegung: Ein asymmetrischer Körper könnte sich nicht so elegant bewegen und käme leicht aus dem Gleichgewicht. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Beine rechts und links gleich lang sind und das Gewicht in der rechten und linken Körperhälfte gleich verteilt ist. Auch Vögel könnten mit verschieden großen Flügeln schlecht fliegen. Eine reibungslose Motorik ist also ein guter Grund für einen symmetrischen Körperbau.
    2. Sensorik: Von den wichtigsten Sinnesorganen haben wir zwei symmetrisch angeordnete Exemplare: Zwei Augen, zwei Ohren – auch zwei Nasenlöcher. Diese paarweise Anordnung liefert uns wichtige Informationen: Mithilfe der beiden Augen sehen wir dreidimensional: Beide Augen empfangen optische Reize – und aus dem Vergleich beider Informationen errechnet das Gehirn die Tiefeninformation. Das geht am besten, wenn beide Augen spiegelbildlich zur Körperachse angeordnet und gleich groß sind. Dasselbe mit den Ohren – wir haben zwei Ohren, damit wir Geräusche besser orten können. Auch das geht am besten, wenn die Informationen in beiden Ohren auf gleiche Art verarbeitet werden.
    3. Partnerwahl: Bei den meisten Tieren wählen die Weibchen die Partner auch nach dem Körperbau aus; Männchen mit stark symmetrischem Körperbau werden bevorzugt. Symmetrie ist dabei nämlich ein Indikator für Gesundheit bzw. "Fitness". Das lässt sich evolutionspsychologisch nachvollziehen: Wenn ein Körper motorisch umso besser funktioniert, je symmetrischer er ist, und wenn auch die Wahrnehmungsleistung umso besser ist, je symmetrischer die Sinnesorgane angeordnet sind – dann haben symmetrisch gebaute Tiere bessere Überlebenschancen. Damit setzt sich aber nicht nur das Merkmal Symmetrie in der Evolution durch, sondern auch die Vorliebe der Weibchen für symmetrisch gebaute Männchen. Denn ein symmetrischer Körperbau signalisiert den Weibchen: Dieses Männchen hat offenbar gute Gene, mit dem kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit gesunde Nachkommen zeugen. – Über lange Zeiträume hat das in der Evolution dazu geführt, dass symmetrisch gebaute Männchen häufiger als Sexualpartner ausgewählt wurden, sich dadurch mehr fortpflanzten und sich das Merkmal Symmetrie auch deshalb durchgesetzt hat.
    Es gibt aber auch Ausnahmen: Bei vielen Krebsen und Krabben zum Beispiel sind die Scheren links und rechts verschieden groß. Asymmetrisch sind auch die Gehäuse von Schnecken – sie winden sich spiralförmig nach oben.

    Warum blühen meine Tulpen nicht – ich sehe nur Blätter? Mar 14, 2025
    Show notes

    Samenstand entfernen und Blätter nicht zu früh abschneiden

    Das kann zwei Ursachen haben. Wenn eine Tulpe verblüht ist, sollten Sie den Samenstand entfernen – einfach oben an der Pflanze rausbrechen. Und die Blätter sollten Sie nicht abschneiden. Die müssen komplett einziehen, auch wenn es aussieht wie Pergamentpapier. In dem Moment erst, wenn’s aussieht wie Pergamentpapier und Sie Blätter abstreifen können, hat die Zwiebel wieder genug aufgenommen, um im nächsten Jahr eine Blüte auszutreiben. Denn alles, was an Inhaltsstoffen in den Blättern ist, zieht zurück in die Zwiebel. Die braucht das, um Blüten zu bilden. Wenn Sie die Blätter zu früh abschneiden und oben den Samenstand dran lassen, würden sich normalerweise die Tulpen aussäen. Unsere Zuchtformen machen das aber nicht mehr.

    Muss man Weintrauben im Frühjahr zurückschneiden? Mar 14, 2025
    Show notes

    Das ist schon fast zu spät, denn die Trauben, vor allem Tafeltrauben, schneidet man früher. Sie können es jetzt noch machen, sind dann aber wirklich an der Grenze, bevor die Trauben richtig treiben. Dann fangen sie nämlich an zu tropfen und verlieren Feuchtigkeit.

    Spalier bauen

    Wenn Sie in den nächsten Tage drangehen, bevor sie wirklich ausgetrieben haben, dann sollten Sie sie noch zurückschneiden. Bauen Sie einen Stamm auf. Und wenn Sie ganz wirre Ästchen bzw. Triebe haben, dann schneiden Sie die zurück. Sie brauchen nicht so viel, bauen Sie sich ein Spalier aus einem Leitast, einem Mittelast und zwei oder drei Äste nach rechts oder links, und dann haben Sie eine ganz tolle Qualität. Normalerweise beginnt man mit dem Schneiden, wenn die Pflanze die Blätter abgeworfen hat. März 2015

    Gibt es Bräuche aus vorchristlicher Zeit? Mar 13, 2025
    Show notes

    Halloween – ein karnevalesker Brauch

    Halloween ist ein Beispiel dafür, wie man es mit der Kontinuität eigentlich nicht machen sollte. Halloween ist ein fast karnevalesker Brauch, bei dem die Menschen allerlei Unsinn machen. Man hat sehr viele Bräuche, auch die Fastnacht, von den "alten Germanen" hergeleitet, aus heidnischer, aus grauer Vorzeit. Das war aber immer auch ein Legitimationstrick. Im 19. Jahrhundert war das der Fall; auch das "Dritte Reich" hat sehr daran mitgearbeitet. In der Zwischenzeit weiß man, dass man die Germanen nicht mehr bemühen sollte. Bei Halloween sind es die Kelten; manche sprechen von den Kelten als den "entnazifizierten Germanen" – dies jedoch nur als heitere Zwischenbemerkung. Mit solch großen Kontinuitäten sind wir in der Wissenschaft grundsätzlich vorsichtig. Linien, die sich tatsächlich über 2000 Jahre gehalten haben, sind immer schwer auszumachen. Dennoch gibt es solche Phänomene.

    Römisches Jahr hatte ursprünglich nur 10 Monate

    Das römische Jahr hatte ursprünglich zehn Monate und begann am 1. März. Später hat man hinten noch zwei Monate angehängt – den Januar und den Februar. Die wiederum sind dann vorne ans Jahr gerückt – und seither stimmt unsere Zählung nicht mehr: Der September – also der Siebte – ist heute der neunte Monat im Jahr und so geht das bis zum Dezember weiter, der nicht mehr der zehnte, sondern der zwölfte Monat ist. Der 1. März war nun also der römische Jahresbeginn. Im Engadin in der Schweiz gibt es den Brauch Chalandamarz. Damit wird der März begrüßt; so eine Art Frühlingswecken. Chalandamarz sind die "Kalenden des März"; da bildet sich also etwas vom römischen Kalender ab. Dasselbe gilt auch für die osteuropäischen Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Vor allem in Bulgarien wird der 1. März wie ein Jahresanfang gefeiert. Rumänien und Bulgarien – Dakien – waren ja römische Zentralprovinzen; dort hat sich diese Tradition noch gehalten. Es gibt also einzelne Verbindungslinien wo man sagen kann, dass Brauchreste sehr weit in die Vergangenheit reichen können.

    Zeiteinteilung nach Mondphasen

    Ein anders Beispiel ist der "Bauernwinter". Am 11. November, also am Martinstag, hörte man auf den Höfen auf zu arbeiten; das Gesinde wurde entlassen. Am 2. Februar, an Mariä Lichtmess, nahm man dann die Arbeit wieder auf. Diese beiden Termine gehen tatsächlich in prähistorische Zeiten zurück. Wenn man von der heutigen Wintersonnwende ausgeht (die liegt fest und hängt nicht von der Kalenderkonstruktion ab, sondern von der Astronomie); sie fällt auf den 21. oder 22. Dezember, und 42 Tage zurückrechnet, kommt man auf den 11. November. Wenn man 42 Tage vorgeht, kommt man auf den 2. Februar. Diese zweimal 42 Tage sind insgesamt 84 Tage. Geteilt durch drei sind das 28 Tage – genau drei Mondphasen. Man weiß heute, dass schon ungefähr 3000 vor Christus Menschen ihre Zeit nach Mondphasen eingeteilt haben. Die Zeiteinteilungen haben sie aber von den realen Mondphasen gelöst und im Sonnenjahr festgemacht.

    Warum lassen Katzen sich in einem aufgeklebten Viereck nieder? Mar 13, 2025
    Show notes

    Katzen: gemacht für überschaubare Räume

    Nicholas Dodman, ein emerierter Professor der Tufts Universität in der Nähe von Boston erklärt das so: Katzen sind gemacht für kleine überschaubare Räume. Das zieht sich durch ihr ganzes Leben. Schon nach der Geburt liegen die Kätzchen mit ihren Geschwistern eng aneinander gekuschelt, wie in einem Nest – das prägt sie. Dodman vermutet, dass eine kuschelige Umgebung, wenn sie Berührung erleben, bei Katzen Endorphine freisetzt: Substanzen im Gehirn, die Glücksgefühle auslösen. Die Liebe zu kleinen abgeschlossenen Räumen führt auch dazu, dass sich Katzen in Pappkartons sauwohl fühlen. Man hat festgestellt, dass Katzen sich an eine neue Umgebung schneller gewöhnen, wenn ihnen eine solche Kiste zur Verfügung gestellt wird. Sie fühlen sich geborgen und geschützt. Katzen ohne Kisten fremdeln länger mit einer Umgebung. Die Liebe zu abgegrenzten Räumen gehört also zu ihrem Verhaltensrepertoire. Und aus diesem Grund machen sie es sich dann auch in einem aufgeklebten Viereck auf dem Boden gemütlich. Das ist zwar kein Pappkarton, höchstens ein schlechter Ersatz – aber immerhin ein Ersatz.

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