Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Ist der Pegel eines mäandrierenden Flusses überall gleich hoch?
Mar 12, 2025
Show notes
Wenn, dann nur in einem geringen Maß. Richtig ist: Flüsse sind, vor allem in Biegungen – wenn sie also "mäandrieren" – asymmetrisch: An der "Außenkurve" ist das Flussbett meist deutlich tiefer als an der Innenkurve. Das kommt daher, dass die Wassermassen in einer Kurve nach außen drängen und deshalb das Wasser dort deutlich schneller fließt. Das Wasser verhält sich in einer Biegung im Grunde wie ein Minigolfball in einer Kurve – es prallt gegen das äußere Ufer. Dieses Ufer heißt in der Geografie deshalb auch "Prallhang".
Zwischen Prallhang und Gleithang
Die Strömung ist hier stark, mit der Folge, dass das Ufer zum einen immer mehr unterspült und deshalb relativ steil ist. Zum anderen frisst sich der Fluss durch die starke Strömung auch in die Tiefe. Weil aber das meiste an die Außenseite drängt, fehlt es an der Innenseite der Kurve. Die Folge: Dort ist die Strömung relativ langsam, deshalb hat sie auch keine Erosionskraft, sondern kann sogar Sand und Kies ablagern. Im Gegensatz zum Prallhang sprechen die Geografen hier vom Gleithang, weil das Wasser dort sanft entlang bzw. vom Ufer weggleitet.
So entsteht also tatsächlich eine Asymmetrie im Profil des Flussbetts: Es ist tief und steil an der Außenseite, flach und seicht an der Innenseite.
Das Verhalten des Wassers kann man auch mit der Zentrifugalkraft beschreiben: Es erfährt eine Kraft nach außen. Wenn Sie den Kaffee in einer Tasse umrühren, können Sie beobachten, dass die Oberfläche außen etwas höher ist als innen. Die Situation in der Kaffeetasse ist insofern extrem, als die Tasse sehr klein und dadurch die "Kurve" sehr eng ist. Aber im Prinzip verhält sich das Wasser in einem Fluss ähnlich. Nur ist der Effekt sehr viel kleiner. Im Ergebnis kann der Pegelunterschied zwischen Innen- und Außenseite je nach Breite des Flusses einige Zentimeter bis Dezimeter betragen. Zumindest rechnerisch. Ich habe allerdings keine Quelle gefunden, dass das jemand mal nachgemessen hätte.
Danke an: Dr. Kirsten von Elverfeldt und Klaus Bieker
Woran erkennen Störche, wann sie aus Afrika zurückkehren müssen?
Mar 11, 2025
Show notes
Es gibt mittlerweile sehr viele Störche, die wir mit unseren kleinen Fahrtenschreibern ausgestattet haben. Über die "Animal Tracker App" kann jeder auf seinem Smartphone oder Tablet abrufen, wo die Störche gerade sind, denn die schicken täglich ihre Daten.
Genaue Ursache noch unklar: Störche haben wohl eine Jahresrhythmik
Woher sie wissen, wann sie aus Afrika zurückkommen müssen, ist noch unbekannt. Die Störche haben wohl eine Jahresrhythmik, die ihnen ungefähr sagt, wann sie kommen sollen. So fliegen sie dann entsprechend den lokalen Bedingungen, auch zum Beispiel den thermischen Bedingungen, also den Aufwindbedingungen, nach Norden. Dabei passen sie die Geschwindigkeit des Flugs den lokalen Bedingungen an.
Bei den Störchen gibt es zwischen den Jahren Unterschiede, die sich auf zwei bis drei Wochen belaufen.
Können graue Haare wieder farbig werden?
Mar 11, 2025
Show notes
Der Teil der Haare, der grau ist, kann nicht plötzlich wieder farbig werden. Aber graue Haare können an der Wurzel wieder farbig weiterwachsen, zumindest für einen gewissen Zeitraum.
Forschende an der Columbia Universität haben das 2021 an einer kleinen Gruppe von Menschen untersucht. Dabei kam heraus: Stress kann Menschen tatsächlich ergrauen lassen. Und in stressigen Phasen hatten die 14 Teilnehmenden auch mehr graue Haare.
Weniger Stress: Einige graue Haare wachsen farbig nach
Die gute Nachricht: Sobald es wieder entspannter wurde, sind einige der grauen Haare farbig weitergewachsen. Bei einem 35-jährigen Mann haben beispielsweise zwei Wochen Urlaub gereicht, dass graue Haare wieder mit seiner braunen Haarfabe weitergewachsen sind.
Allerdings halten die Forschenden es für unwahrscheinlich, dass das Haar eines 70-Jährigen wieder dunkel wird, nur weil er stressfrei lebt. Wer schon ganz grau ist, für den bleibt nur noch die Farbe aus der Tube.
Woher stammt der Nachname Kämpfer?
Mar 08, 2025
Show notes
Mit dem Kampf hat der Name nichts zu tun, höchstens in Ausnahmefällen. Es gibt gerade in Nordrhein-Westfalen ganz häufig den Flurnamen Kamp; das ist also das Feld. Und jemand, der auf oder an dem Feld wohnte, das war der Kamp oder der Kampmann oder auch der Kämper.
Kämpfer ist ein Wohnstättenname
Wenn sich nun jemand nicht so schön auf Niederdeutsch mit "p" schreiben wollte, hat er versucht, sich schön auf Hochdeutsch mit "pf" zu schreiben. Und so ist "Kämpfer" ein durch Versehen verhochdeutschter Kamper oder Kämper, der am Kamp gewohnt hat. Es ist also ein sogenannter Wohnstättenname.
Wie entstand das Patriarchat? Gab es früher ein Matriarchat?
Mar 07, 2025
Show notes
Es gibt wenige belastbare Belege, dass es früher, etwa in der Steinzeit, ein echtes Matriarchat gab – also ein gesellschaftliches System, in dem die Frauen die herrschende Klasse bildeten. Was manche als einen Hinweis werten, sind die bekannten frühen Frauen-Skulpturen – etwa die berühmte Venus vom Hohlefels aus der Schwäbischen Alb oder die Venus von Willendorf aus Österreich und andere. Es wurde früher schnell spekuliert, dass diese Skulpturen Göttinnen dargestellt haben. Angenommen, die Deutung ist richtig, dann findet man also aus der Zeit – das war die Eiszeit, vor 25.000 bis 40.000 Jahren – Darstellungen von Göttinnen, aber keine von Göttern. Also scheint es, dass die Frauen irgendwie wichtiger waren.
Das Problem: Das mit den Göttinnen ist reine Spekulation. Rein theoretisch können die Figuren genauso gut dekoratives Spielzeug gewesen sein oder steingewordene Männerfantasien. Das wird man vermutlich nie genau herausfinden. Insofern beweisen diese Figuren in Bezug auf ein Matriarchat ziemlich wenig.
Was gibt es sonst für Belege aus der Steinzeit, die etwas über die Rollen von Männern und Frauen verraten?
Ich bleibe mal in Europa. Da kann man sich Gräber anschauen: Wie wurden Männer und Frauen jeweils bestattet? Gab es da Unterschiede? Tatsächlich hat die Untersuchung von Gräbern schon geholfen, mit einem Mythos aufzuräumen. Früher gab es das Bild: Männer waren die Jäger, die die Nahrung herbeischafften, Frauen haben allenfalls ergänzend Früchte gesammelt und sich ansonsten um die Familie gekümmert. Das Bild wurde über den Haufen geworfen, als man Gräber fand, die umfangreich mit Jagdutensilien dekoriert waren – aber die Leiche sich als Frau entpuppte. Also haben auch Frauen gejagt, aber auch das beweist noch kein Matriarchat, sondern allenfalls eine gewisse Gleichstellung. Auch an anderen Befunden zeigt sich, dass es in der europäischen Steinzeit bis zu einem bestimmten Punkt zwar kein ausgeprägtes Matriarchat gab, aber die Geschlechter eher gleichgestellt waren.
"Bis zu einem gewissen Punkt" – wann und warum kippte das in Richtung Patriarchat?
Da hilft eine weitere Spur weiter: Die Genetik. Die Wissenschaft kann inzwischen die Gene von Steinzeitskeletten immer besser analysieren, und diese Gene können einiges verraten: Waren die Toten, die zusammen in Gräbern liegen, miteinander verwandt? Und wenn ja, wie? Kam es bei der Frage, wer wird mit wem zusammen bestattet wird, auf die väterliche oder die mütterliche Linie an? Die Gene verraten auch: Wer war alteingesessen, wer ist hinzugezogen oder eingewandert? Diese Informationen sind sehr aufschlussreich. Sie deuten darauf hin, dass sich vor knapp 6.000 Jahren einiges verändert hat.
Was hat sich vor etwa 6.000 Jahren verändert?
Zum einen wurde die Landwirtschaft intensiviert. Ackerbau gab es schon vorher, da waren auch die Frauen beteiligt. Aber vor knapp 6.000 Jahren, im weiteren Ostseegebiet, kamen Bauern auf den Gedanken, ihre Felder mithilfe von Ochsen zu pflügen. Das war schwere körperliche Arbeit, bei der man nicht nebenher kleine Kinder beaufsichtigen konnte. Das könnte ein Faktor gewesen sein, der dazu führte, dass sich die Ernährerrolle einseitig zu den Männern verschoben hat.
Das andere, was sich in dieser Zeit nachweisen lässt, sind verstärkte Handelsaktivitäten. An der Atlantikküste wurde Salz gewonnen und gehandelt, auch Jade. Das Händlerdasein ist männlich, denn man ist viel unterwegs mit Booten oder zieht auf Ochsenkarren übers Land. Auch das geht schwer mit kleinen Babys. Und zweitens war Handel etwas, womit man zu Wohlstand und damit auch zu Einfluss kommen konnte. Auch hier entsteht eine Verknüpfung von männlicher Rolle und höherem sozialem Status.
Das klingt plausibel. Aber kann man belegen, dass die Männer dadurch dominanter wurden?
Dass genau das die Gründe waren, kann man nicht beweisen. Aber es fällt auf, dass zeitgleich mit Ochsenpflug und Salzhandel die Männer bedeutsamer wurden. Das zeigt sich in der Grabkultur. Jetzt entstanden nämlich die großen Hügelgräber, aber auch die Megalithgräber, die wir vor allem aus Frankreich und Großbritannien kennen. Die deuten darauf hin, dass es jetzt zum einen eine deutliche stärkere soziale Schichtung gab als vorher. Und dass zum anderen dort, wo Familien bestattet wurden, die Väterlinie relevant war.
Was heißt das konkret?
Ein gutes Beispiel ist ein Großsteingrab in Südengland, in Hazleton. Dort sind 35 Personen aus fünf Generationen bestattet. Von diesen 35 stammen 15 von einem einzigen Mann ab, der offenbar mit vier Frauen Kinder gezeugt hat. Er war sozusagen das, was man sich unter einem waschechten Patriarchen vorstellt. Aus mehreren Generationen waren jeweils die Söhne bestattet – aber keine einzige erwachsene Tochter. Denn die Töchter, so sieht es aus, zogen regelmäßig weg – auch das ein Merkmal patriarchaler Strukturen. Die Männer bleiben, , die jungen Frauen werden anderswohin verheiratet.
Das sind typische Funde, die zeigen: Um diese Zeit, vor knapp 6.000 Jahren, haben sich die Verhältnisse erkennbar Richtung Männer verschoben.
Und das hat sich dann verfestigt?
Ja, und es kam noch etwas hinzu. Ein paar Jahrhunderte später, also vor 5.000 Jahren, kam aus den Steppen der heutigen Ukraine und Russlands eine große Einwanderungswelle. Das haben Archäologen schon länger vermutet, aber 2015 haben das zwei genetische Untersuchen bestätigt. Das war nicht irgendeine Einwanderung, sondern nach der Einwanderung des Homo sapiens aus Afrika und einer zweiten Welle von frühen Ackerbauern aus Anatolien, war das die dritte ganz große Einwanderungswelle, die das frühe Europa geprägt hat. Das waren die sogenannten Schnurkeramiker, auch bekannt als Jamnaja-Kultur. Die da eingewandert sind, waren Hirten, Reiter, und zwar überwiegend Männer. Die kamen nach Mittel- und Westeuropa und haben in relativ kurzer Zeit die Landschaft dominiert. Sie haben, so der genetische Befund, mit den Frauen der alteingesessenen Bauernkultur Familien gegründet. Dabei hat sich die Männer-Dominanz noch verstärkt und verfestigt.
Fazit: Ob es in der Urzeit jemals ein echtes Matriarchat gegeben hat, ist reine Spekulation, die Belege dafür sind sehr schwach. Zumindest aber waren die Geschlechter lange Zeit relativ gleichgestellt. Vor knapp 6.000 Jahren ist die gesellschaftliche Struktur dann offenbar in mehreren Schritten immer mehr Richtung Männerdominanz gekippt.
Ein Tipp für die, die sich mehr für diese Zusammenhänge interessieren, ist das Buch "Mütter Europas: Die letzten 43.000 Jahre" von Karin Bojs. Sie schreibt darin über die ganzen Diskussionen, die es seit Jahrzehnten in der Archäologie über das Thema gibt.
Ich habe hier nur von Europa geredet. In anderen Weltgegenden, etwa in Indonesien, gibt es durchaus auch heute Beispiele für matriarchale Strukturen.
Warum klebt Zucker?
Mar 05, 2025
Show notes
Feuchter Zucker klebt
Trockener Zucker klebt an sich nicht – nur wenn er feucht wird, fängt er an, "bappig" zu werden. Das bekannte Gefühl gerade jetzt in der Faschingszeit, wenn man den Berliner (aka Kräppel, Krapfen) aufgegessen hat und nichts hat, um sich die Hände zu waschen.
Dass feuchter Zucker zu kleben beginnt, hängt damit zusammen, dass Zucker und Wasser etwas gemeinsam haben, was sie buchstäblich verbindet – nämlich den Wasserstoff.
Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff bilden ein Gerüst
Der ist zum einen im Wasser drin – deshalb heißt er ja so. Ein Wassermolekül besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom, daher H2O. Wasserstoffatome hängen aber auch an Zuckermolekülen dran. Zucker hat eine Kristallstruktur und besteht aus ringförmig angeordneten Kohlenstoffatomen; das ist der Grundbaustein. Diese Kohlenstoffringe bilden ihrerseits mithilfe von Brücken aus Wasserstoff und Sauerstoff ein großes Gerüst. Das ist stabil, solange der Zucker trocken ist.
Feuchtigkeit löst Brücken im Zuckergerüst
Das ändert sich aber, wenn Feuchtigkeit – also Wassermoleküle – mit dem Zucker in Berührung kommt. Dann lösen sich diese Brücken im Zuckergerüst auf und die Zuckermoleküle lösen sich aus dem Gerüstverbund. An diesen einzelnen Zuckermolekülen hängen aber nach wie vor Wasserstoffatome, die nichts lieber tun, als sich wieder mit irgendwas zu verbinden. Das machen sie auch – und deshalb klebt feuchter Zucker an der Hand.
Warum gibt es zu Ostern Prozessionen?
Mar 05, 2025
Show notes
Vor der Passion: Menschen jubeln Jesus in Jerusalem mit Palmzweigen zu
Am Sonntag vor Ostern, am Palmsonntag, wird daran erinnert, dass Christus vor seiner Passion triumphal in Jerusalem eingeritten ist, auf einem Esel sitzend. Das war nicht lächerlich, sondern der Esel war in der semitischen Tradition durchaus ein königliches Reittier. Die Menschen haben ihm mit Palmzeigen zugewinkt. Das wird nachvollzogen, indem man Palmgebinde macht.
Bei uns, wo es keine Palmen gibt wie im südeuropäischen Raum, werden sie in den unterschiedlichsten Formen gestaltet: mit Ostereiern dran, mit Lebensbaum, mit Buchszweigen oder mit irgendwelchen Papierverzierungen.
Prozession am Karfreitag: Leiden Christi wird nachgespielt
Besonders pittoresk sind diese Traditionen rund um Ostern natürlich im südeuropäischen Raum. Dort beginnen am Gründonnerstag, mit Höhepunkt natürlich am Karfreitag, die großen Leidensprozessionen, bei denen das Leiden Christi nachgespielt wird. Das kennt man in der sogenannten Settimana Santa, also in der heiligen Woche in Italien, oder in der Semana Santa in Spanien, wo große Prozessionen diese Pasos herumtragen. Das sind riesige Gestelle, auf denen Szenen der Leidensgeschichte gezeigt werden. Da gibt es unzählige Varianten, die sehr beeindruckend sind. Und diese Prozessionen setzen sich fort bis an Ostern selber.
Ballo dei Diavoli in Sizilien
Ein ganz spannender traditioneller Brauch ist etwa in Prizzi in Sizilien am Ostersonntagmorgen der Ballo dei Diavoli, das ist der Tanz der Teufel. Da gehen am Ostersonntagmorgen verkleidete Figuren herum: Der Tod mit einer Armbrust, begleitet von zwei Teufeln. Und die führen einen gewaltigen Tanz auf. Wessen der Tod habhaft wird, der muss ihn einladen und im Haus verköstigen.
Dieses wilde Spiel währt so lange, bis die Figuren des auferstandenen Christus einerseits und der Mutter Gottes andererseits aus zwei verschiedenen Kirchen herausgetragen werden. Die Begegnung dieser beiden Figuren, des Auferstandenen und der Mutter Gottes, versuchen Tod und Teufel um jeden Preis zu verhindern.
Das allerdings gelingt ihnen nicht: Wenn es zur Begegnung dieser beiden religiösen Figuren kommt, dann kommt der Erzengel Michael – natürlich auch gespielt von einem Ortsbewohner – und macht Tod und Teufel ein Ende. Damit haben sie das Jahr über wieder ausgespielt.
Entwickeln sich in Biotonnen gefährliche Keime?
Mar 05, 2025
Show notes
Geruch und Maden: vor allem ein ästhetisches Problem
In den Sommermonaten stellt die Biotonne quasi einen Komposthaufen dar. Bei uns sind die Tonnen braun, werden also von der Sonne noch schön aufgewärmt. Da tut sich eine Menge, was man beim Vorbeilaufen riechen kann. Außerdem kriechen nach einer gewissen Zeit auch Maden darin herum; meist von Fliegen, die in dem Biomüll ihre Eier ablegen. Hygienisch in dem Sinn ist das natürlich nicht. Wenn man aber die Tonne geschlossen hält und nicht darin herumwühlt, streuen die Keime nicht in die Wohnung. Der Geruch und der Anblick der Maden stellen lediglich ein ästhetisches Problem dar.
Im Biomüll wirken verschiedene Keime. Wenn durch den geschlossenen Deckel wenig Sauerstoff herankommt, werden da eher Fäulnisbakterien aktiv. Der offene Kompost dagegen wird schön durchlüftet, sodass sich der Gestank nicht sammeln kann. Außerdem findet man im Kompost eine andere Bakterienpopulation.
Man kann den Biomüll in Zeitungspapier wickeln, muss das aber nicht tun. Der Eimer bleibt natürlich sauberer, wenn der Müll in Papier gepackt wird. Aber das, was im Biomüll steckt, bleibt auf jeden Fall erhalten – daran ändert das Papier nichts. Biomüll ist ein Nährboden für alle möglichen Keime und er gärt und fault vor sich hin. Und das möchte man letztlich ja auch.
Nach dem Hantieren mit der Biotonne die Hände waschen
Im Eimer selbst ist das kein Problem. Es wird nur dann zum Problem, wenn man mit der Biotonne hantiert und danach die Hände nicht wäscht, sodass die Keime aus der Biotonne in den Mund gelangen können. Das gilt natürlich in besonderem Maße für die Beschäftigten der Müllabfuhr. Die müssen sich entsprechend schützen und auf ihre persönliche Hygiene achten.
Warum geht einem etwas "durch die Lappen"?
Mar 04, 2025
Show notes
Abgesperrtes Areal bei der Treibjagd
Hierbei geht es um die Jagd. Man hat bei der Treibjagd ein Areal mit Seilen abgesperrt. Über diese Seile hat man Tücher gehängt, die teilweise sogar – wie man auf alten Kupferstichen sehen kann – mit Fratzen bemalt waren. Davon sollten die Tiere, die den Jägern zugetrieben wurden, abgeschreckt werden und immer in dieselbe Richtung laufen.
Aber ab und zu lief ein Tier in Panik einfach durch diese Lappen, diese Tücher hindurch und war somit entkommen. Von seiner Warte aus sehr positiv. Von der Warte der Jäger aus war es durch die Lappen gegangen und damit entwischt.
Darf man noch "Indianer" sagen?
Mar 02, 2025
Show notes
Frei sprechen, ohne zu diskriminieren
Grundsätzlich ist es keine Frage des Dürfens. Dürfen klingt immer so, als würde man bestraft und verhaftet, wenn man etwas Bestimmtes sagt. Meines Wissens gibt es aber in Deutschland nicht ein einziges einzelnes Wort, das auszusprechen verboten wäre. Aber hinter der Frage steckt ja etwas anderes.
Parallelen und Unterschiede zum "N-Wort"
Es gibt viele Wörter, eben vor allem Sammelbezeichnungen für Menschen bestimmter Herkunft, die heute aus guten Gründen verpönt sind, weil sie diskriminierend sind und andere verletzen. Dazu gehören viele Wörter, die aus der Kolonialzeit stammen. Beispielsweise hatten Schokoküsse früher eine andere Bezeichnung, die aus dem gleichen Grund geändert wurde, wie man sich in Berlin entschlossen hat, die "Mohrenstraße" umzubenennen.
"Native American", "First Nations" oder "Indigene" als alternative Begriffe
Man könnte nun Gründe finden, auch nicht mehr von Indianern zu sprechen. Zum einen stammt das Wort offensichtlich aus der Kolonialzeit – als Kolumbus noch dachte, er wäre auf dem Weg Richtung Indien (anders als oft behauptet glaubte er nie, dort gewesen sein zu sein). Und es ist keine Eigen-, sondern eine Fremdbezeichnung für zum Teil recht unterschiedliche Volksgruppen auf dem amerikanischen Kontinent.
In der Debatte um Winnetou-Bücher oder -Filme kocht diese Diskussion immer wieder hoch. Hier dreht sich der Streit allerdings vor allem um die Darstellung indigener Bevölkerungsgruppen und um "kulturelle Aneignung".
Muss man aber deshalb den Begriff Indianer abschaffen? Es gibt ja längst auch andere Begriffe, die stattdessen verwendet werden: "Native American" oder "First Nations" oder im Deutschen "indigene Bevölkerung". Aber auch das sind keine Eigenbezeichnungen, sondern ebenfalls Sammelbegriffe für recht unterschiedliche ethnische Gruppen. Sie sind daher nicht besser oder schlechter als der Ausdruck Indianer.
Sammelbezeichnungen haben praktischen Nutzen
Grundsätzlich sind Sammelbezeichnungen nicht verwerflich, sondern bringen lediglich die historische Tatsache zum Ausdruck, dass vor Kolumbus schon Menschen auf dem amerikanischen Kontinent lebten, die man manchmal gerne mit einem Wort zusammenfassen möchte. So wie wir auch von Europäern oder Balten sprechen, was ja auch Sammelbegriffe sind.
Indigene verwenden selbst den Begriff "Indian"
Entscheidend ist deshalb eine weitere Frage, nämlich: Wie geht es den indigenen Bevölkerungsgruppen selbst mit dem Wort? Empfinden sie es als diskriminierend oder können sie damit gut leben? Tatsächlich stören sich viele nicht an den englischen Bezeichnungen "indian", "American indian" oder "Amerindian", wie es manchmal zusammengezogen wird. Es gibt auch politische Organisationen indigener Bevölkerungsgruppen und soziale Bewegungen, die das Wort "indian" im Namen führen, etwa die "American Indian Movement", die sich für die Rechte Indigener einsetzt, ähnlich wie der "American Indian Youth Council" oder der "National Congress of American Indians".
"Indianer" gilt derzeit überwiegend als unproblematisch
Aus diesen Gründen verwenden viele auch reflektierte Fachleute den Begriff Indianer weiter, so zum Beispiel die Historikerin Heike Bungert. Sie hat 2020 ein Buch geschrieben, das heißt: "Die Indianer: Geschichte der indigenen Nationen in den USA". Auch sie hält das Wort Indianer für unproblematisch.
Sprachempfinden kann sich wandeln
Wenn also die Frage lautet "Gilt das Wort Indianer als diskriminierend oder rassistisch?", wäre die Antwort: "Nach vorherrschender heutiger Auffassung nicht." Ob das für alle Zeit gilt, bleibt abzuwarten, denn Sprachempfindungen können sich ändern.
Was viele, auch der so bezeichneten Indigenen stört, ist weniger das Wort Indianer, als wenn Menschen sich klischeehaft als Indianer verkleiden. Aber das ist ein Thema für sich.