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    Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.

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    Latest Episodes:
    WirTier (3): Underdogs Aug 27, 2025
    Show notes

    Hannah studiert BWL. Bis Hund Schoki einen schweren Unfall hat. Hannah beschließt, Hunden zu helfen, die krank oder alt sind, die keiner mehr haben will - und leitet heute ein besonderes Tierheim. WirTier Host Vici im Hundehimmel?

    CREDITS:

    Gast: Hannah Wendt, Tierärztin und Leiterin des Hunde-Tierheims Sonnenhof in Rottenbuch
    Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel
    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Technik: Stefan Oberle
    Musik: Dagmar Petrus und Stefan Oberle
    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner
    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (3): Underdogs findet ihr HIER.


    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.

    Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.

    Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/

    LINKS:

    Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:

    Für alle Haustier-Freund:innen: Fell- und Federnasen gehören oft zur Familie. Aber wie schaffen es Mensch und Haustier wirklich miteinander zu kommunizieren? Können Menschen die Sprache der Tiere wirklich verstehen – und was fangen Tiere eigentlich mit den Lauten an, die Menschen von sich geben?

    Das Spezial von „Quarks Daily - Gassi gehen? Kann mich mein Haustier verstehen?“ findet ihr hier:

    https://1.ard.de/quarks_daily_spezial_haustiere

    Alles zum Sonnenhof, das spezielle Tierheim für Hundesenioren …

    … findet ihr hier: https://www.tierschutz-sonnenhof.de/

    Es ist eine Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes, die ältere Hunde betreut, kranke Tiere, aber auch Tiere, die bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Durch spezielle Verhaltens- und Physiotherapie, sowie durch gezieltes und betreutes Training mit neuen Halter:innen vermittelt der Sonnenhof erfolgreich die Tiere wieder in ein neues zu Hause. Ein spezielles Projekt ist „Senioren für Senioren“; damit auch die menschlichen Senioren im Alter nicht allein sein müssen.

    Hier könnt ihr ein spannendes Interview mit der Leiterin und Tierärztin Hannah Wendt dazu lesen:

    https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/magazin-du-und-das-tier/artikel/der-sonnenhof-zufluchtsort-fuer-jung-und-alt/

    Spannendes über Hunde erfahrt ihr auch bei ARD Alpha:

    Geschichte des Hundes - So wurde aus dem Wolf ein Haustier

    Wölfe sind die Vorfahren des Hundes. Wie unterscheiden sich Wolf und Hund? Wie wurde aus dem Wildtier unser zahmes Haustier und bester Freund? Das könnt ihr hier nachlesen.

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/wolf-hund-haushund-haustier-tier-isegrim-100.html

    Überraschende Fakten über Hunde

    Können Hunde uns verstehen? Was bedeutet der Hundeblick? Wie stärkt ihr das Selbstbewusstsein eures Hundes? Das seht ihr in diesem Video.

    https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNjaGVkdWxlU2xvdC9iOTAyZDhmMS1kOGU5LTRhMjYtODAzZC0yYmRmOWEyMjdkNzE

    Demenz bei Haustieren - Wenn Hund und Katze ihr Futter nicht mehr finden

    Auch Hunde und Katzen können an Demenz erkranken. Die Krankheit ist nicht heilbar, lässt sich aber hinauszögern. Was ihr tun könnt, um eurem Haustier zu helfen.

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/demenz-hund-katze-helfen-symptome-haustiere-100.html

    Wölfe - Wie gut kennt ihr die Vorfahren des Hundes?

    Im 19. Jahrhundert war der Wolf in Deutschland ausgerottet. Doch seit dem Jahr 2000 leben wieder Wölfe bei uns. Wie gut kennt ihr die Vorfahren unseres Haustiers Hund?

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/wolf-woelfe-raubtiere-hund-haushund-vorfahren-steckbrief-isegrim-156.html

    Und den DeepDive Hundewissen findet ihr bei Radiowissen:

    Mensch und Hund - Eine Erfolgsgeschichte

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mensch-und-hund-eine-erfolgsgeschichte/bayern-2/87022496/

    Er begleitet uns Menschen seit Urzeiten: der Hund! Und er hat in dieser uralten Geschichte zahlreiche Aufgaben übernommen, er war Wächter, Jagdgehilfe, Hirtenhund, er zog Lastenkarren – und wurde vom Nutztier immer mehr zum besten Freund des Menschen. Ein Beitrag über diese lange und prägende Freundschaft zwischen Mensch und Hund.

    Hunde und ihr Geruchssinn - Die Supernasen im Tierreich

    https://www.ardaudiothek.de/suche/Hunde%20und%20ihr%20Geruchssinn%20-%20Die%20Supernasen%20im%20Tierreich/

    Hundenasen sind einfach unglaublich! Das nutzten die Menschen schon sehr früh, um zum Beispiel Wild aufzuspüren. Hunde sind auch heute noch durch diese Fähigkeit unersetzliche Begleiter des Menschen. Sie finden durch ihren hochspeziellen Geruchssinn verschüttete Menschen, sie spüren Drogen und Sprengstoffe auf, ja sie können sogar manche Krankheiten riechen. Selbst in unserer hochtechnisierten Welt ist die Hundenase bislang ohne Konkurrenz.

    Tiere in der Partnerschaft - Der Hund oder ich!

    https://www.ardaudiothek.de/episode/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/tiere-in-der-partnerschaft-der-hund-oder-ich/ard/14192553/

    Hunde sind die besten Freunde des Menschen – aber eben oft nicht für alle gleich! Was passiert in Beziehungen, wenn die Frage aufkommt ‚Der Hund oder ich?‘ Wenn ein Partner den Hund mehr liebt als der andere – und dieser oder diese sich dadurch zurückversetzt sieht?! So kann der beste Freund des Menschen auch zur harten Beziehungsprobe werden – so wie bei dem Paar, das wir hier in dem Beitrag vorstellen. Aber keine Sorge: mit viel Offenheit und Humor haben die beiden ein Leben mit dem Hund sehr gut hingekriegt.


    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche
    Folge 3, Tanja und die Wölfe Tanja päppelt Wolfswelpen auf, die bei ihr bleiben werden. So entsteht eine faszinierende körperliche Nähe zwischen Mensch und Wildtier.

    https://1.ard.de/3-tanja-und-die-woelfe


    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?

    Kulturgeschichte der Toilette - Von der Latrine zum Washlet Aug 26, 2025
    Show notes

    Jahrhunderte lang funktionierte die Notdurftentsorgung in etwa so: ab ins Töpfchen und raus damit auf die Straße. Nach hoffnungsvollen Anfängen in der Antike ließ die moderne Toilette lange auf sich warten. Von Martin Trauner(BR 2017)

    Credits
    Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner
    Es sprachen: Jennifer Güzel, Burchard Dabinnus
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN


    Die frühe Bundesrepublik - Die 50er Jahre Aug 26, 2025
    Show notes

    Die 1950er sind nicht nur WM-Sieg, Wirtschaftswunder und biedere Heimatfilme. Die Jahre der Besinnung aufs private Familienglück sind gleichzeitig die Zeit, in der größere Demonstrationen stattgefunden haben als 1968. Die grundlegenden Fragen, wie wir zusammen leben wollen, müssen erst verhandelt werden. Und die Jugendliche werden aufmüpfig. Von Johannes Berthoud CreditsAutor dieser Folge: Johannes BerthoudRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Katja Amberger, Jennifer GüzelTechnik: Andreas CaramelleRedaktion: Nicole Ruchlak Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literaturtipps: Bodo Mrozek, „Jugend – Pop – Kultur. Eine transnationale Geschichte“ – beschreibt anschaulich und pointenreich den Aufstieg von Jugendkulturen Mitte des 20. Jahrhunderts, inklusive der Halbstarken in den 1950ern. Siegfried Gohr, „Ich suche nicht, ich finde“: Pablo Picasso - Leben und Werk“ – erhellende bebilderte Einführung in das Werk von Pablo Picasso – allerdings klammert Gohr das berühmteste Werk „Guernica“ aus. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN An einem Donnerstagabend im Juli 1956 verlassen einige Jugendliche im Berliner Arbeiterviertel Wedding die kleine, enge Wohnung ihrer Eltern. Sie ziehen ihre Lederjacke an, setzen sich aufs Moped und knattern Richtung Afrikanische Straße, zum Cafe Punkt. Die Jugendlichen gehören zur „Totenkopfbande“, einer Gruppe, die sich regelmäßig hier trifft, um Musik zu hören, zu tanzen, sich zu unterhalten. Die Anwohner vom Cafe Punkt haben sich schon häufiger über den Lärm der „Halbstarken“, wie sie sie nennen, und der Kleinkrafträder beschwert. Diesmal, am 12. Juli, rückt die Polizei an und will die Straße räumen. Neugierige kommen dazu. Die Mitglieder der Totenkopfbande denken nicht daran, wegzugehen und bleiben vor dem Lokal stehen. Ein Wasserwerfer von der Polizei biegt um die Ecke. Polizisten zücken ihre Knüppel. Atmo aufgebrachte Menschenmenge + Polizeisirene Musik 1 aus. Musik 2: Capri-Fischer – 14 Sek SPRECHERIN Jugendkrawalle passen nicht in das Klischee der 50er: Da kommt der Familienvater mit dem VW Käfer von der Arbeit. ZSP 02 Millionenste Käfer Nordhoff Unseren Volkswagen, so wie er heute ist, behalten wir noch sehr lange bei. SPRECHERIN Während ihr Ehemann in der Fabrik war, hat die Hausfrau die Wohnung geputzt und das Essen vorbereitet. Musik 3 Willy Schneider - Grün ist die Heide – 31 Sek) SPRECHERIN Am Samstag geht’s ins Kino: Es läuft „Grün ist die Heide“. ATmo Schallplatte, Musik reißt ab: SPRECHERIN All das gehört zwar zum ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik, aber eben nicht nur. ZSP 05 Biermann Buntheit vielseitiger im Grundsatz ist diese Demokratie in den 50er-Jahren und auch das Lebensgefühl viel vielseitiger, als uns aus der Rückschau das vor Augen steht. SPRECHERIN Der Historiker Harald Biermann - Präsident des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. ZSP 06 Biermann Proteste Nur ein Beispiel: Herr Kraushaar, ein Historiker aus Hamburg hat eine Demonstrations-Chronik der 50er-Jahre herausgegeben, wo alle großen Demonstrationen in Westdeutschland nachgezeichnet werden. Und da stellt sich heraus, dass die großen Demonstrationen gegen die Wiederbewaffnung , für die Demokratisierung, sozusagen der Institutionen, gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen, das, dass größere Demonstrationen waren als 1968. Musik 4: Der Staat gegen Fritz Bauer (Epilog) - 1:10 Min SPRECHERIN Kein Wunder, die Menschen müssen erst verhandeln, wie sie zusammenleben wollen: welche Normen und Regeln sollen für eine Gesellschaft gelten, welchen Stellenwert sollen demokratische Prinzipien haben. Auf die Frage, wer am meisten für Deutschland geleistet hat, landet Hitler in der frühen Bundesrepublik auf dem zweiten Platz, nach Bismarck. Die Alliierten stellen in den Jahren nach dem Krieg zwar NS-Verbrecher vor Gericht. Unter Kanzler Konrad Adenauer war dann aber erst mal Schluss mit der Entnazifizierung. Viele große und kleine Nationalsozialisten konnten in der Verwaltung des neuen Staates einfach weitermachen. Ein Beispiel ist Hans Globke. 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze" erlassen. Sie begründen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. An den Gesetzen war auch Globke beteiligt. Er verfasste als Jurist einen wichtigen Kommentar zu den Gesetzen. Unter Konrad Adenauer wird er trotzdem Chef des Bundeskanzleramts. ZSP 07 Biermann Allensbach Beste Zeit 33-39 Allensbach befragt immer wieder was sind die, was war die beste Zeit bisher im 20.Jahrhundert. Und da sagen ganz ganz viele Menschen und vor allem auch Männer. Ähm, die beste Zeit im zwanzigsten Jahrhundert waren 1933 bis 39, also sozusagen das Dritte Reich im Frieden. Und das ändert sich erst so Ende der 50er-Jahre, diese Einschätzung. SPRECHERIN Gehorsamkeit gegenüber Autoritäten ist selbstverständlich. Der Idealtypus eines Mannes hat eine stramme Haltung und trägt Uniform. Und dann knattern da plötzlich ein paar Halbstarke in Lederjacke auf ihrem Moped durch die Stadt, hören „Dschungelmusik“, wie es heißt, und hängen auf der Straße herum – wie beim Cafe Punkt im Wedding. Der Kulturschock für viele Ältere muss unvorstellbar gewesen sein. ZSP 8 Mrozek Flammenwerfer Und bei allen Verstößen gegen diese auch ästhetischen Normen, die eigentlich noch in der NS-Zeit etabliert waren. Da war der Ruf nach Haare abschneiden, Konzentrationslager oder Flammenwerfer nicht weit. SPRECHERIN Bodo Mrozek ist Historiker am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und Autor des Buches „Jugend – Pop – Kultur. Eine transnationale Geschichte“. Die Jugendlichen, die so viel Anstoß erregen: sie kommen häufig aus der Arbeiterklasse und fallen auf, weil sie Jeans anhaben, manchmal Lederjacken und weil sie sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen treffen. Mitte der 1950er kommt es in vielen deutschen Großstädten zu Krawallen. ZSP 9 Mrozek Hannover Und es reichte da wenig aus, um zu provozieren. In Hannover gab es einen Fall, wo auf der Straße, äh, Jugendliche überhaupt nur getanzt haben. Ein Vater entdeckt seine Tochter bei diesen obszönen Tänzen und zerrt sie davon, teilte aber vorher auch noch Boxhiebe an die jungen Tänzer aus. Und die reagieren natürlich darauf. Daraus entwickelt sich so ein groß Krawall. Und da sieht man exemplarisch, dass jetzt eigentlich die Gewalt nicht immer von den Jugendlichen ausging, sondern oftmals von der erwachsenen Kommunalgesellschaft, die sich durch ungewohnte Kultur provozieren ließ. Musik 5: Der Postraub - 39 Sek SPRECHERIN Die „Halbstarken“ sind Thema in vielen Tageszeitungen - und im Radio. ZSP 10 Diskussion mit Halbstarken 1 (frei ab 0:10 bis 0:23min; Archivnummer / Take: DK101130 Z00; Diskussion mit Halbstarken) Seit Monaten häufen sich in der der Tagespresse fast aller großen Städte der Bundesrepublik die fetten Schlagzeilen über Verbrechen und Ausschreitungen Jugendlicher. Das heißt – Pfui! – Sei stad jetzt, was schreist denn jetzt scho, da hast ja danach nichts mehr drin in der Kehle. SPRECHERIN Der Münchner Stadtrat Mühlbauer spricht aber nicht nur über Halbstarke. Auch Jugendliche selbst kommen auf der Veranstaltung zu Wort, die der Bayerische Rundfunk am 21.09.1956 sendet. ZSP 11 Diskussion mit Halbstarken 2 (ab 0:08min; Archivnummer / Take: DK101130 Z00; Diskussion mit Halbstarken) Man kann die Vorfälle, die heute ab und zu vorkommen, einfach nicht der gesamten Jugend in die Schuhe schieben! SPRECHERIN Die Hysterie, die um die Jugendkriminalität entsteht, sagt vielleicht weniger über die Jugend aus als über die sich empörenden Bürger. ZSP 12 Mrozek Jugendkriminalität Man ging also auch in wissenschaftlichen Untersuchungen damals davon aus, wenn jetzt minderschwere Abweichung von der Norm geschehen, dass da eine ganze Generation von Kriminellen heranwächst, die dann auch als Erwachsene das Land dominieren. SPRECHERIN Dabei ist die Abweichung von der Norm, zumindest auf der popkulturellen Ebene, genau das, was auch in der großen Politik passiert. Kanzler Konrad Adenauers Regierung aus Union und FDP setzt die Westbindung durch. 1955 gründet die Bundesrepublik die Bundeswehr und tritt der NATO bei. ZSP 13 Adenauer NATO (Archivnummer: H0000850020) Ich sehe in dem Eintritt der Bundesrepublik in den Nordatlantikpakt, einen Ausdruck der Notwendigkeit, den engen Nationalismus zu überwinden, der in den Vergangenen Jahrhunderten vielen Unglücks war. SPRECHERIN Die Jugendlichen orientieren sich auch nach Westen und hören amerikanische Rock’n’Roller wie Bill Haley oder Elvis Presley und schauen Filme mit Marlon Brando. Musik 6: Elvis Presley - Don't be cruel (to a heart that's true) – 37 Sek SPRECHERIN Ganz nebenbei entsorgen sie schon mal ein preußisches Männerideal, das viele Deutsche noch länger hochhalten. Die Stars aus Amerika – und deren deutsche Nachahmer wie der Sänger Peter Kraus – begeistern durch Lässigkeit, nicht durch stramme Haltung. In der ganz frisch gegründeten Jugendzeitschrift Bravo steht neben einem Poster von Marlon Brando. SPRECHER 2 „Marlon ist ein so salopper Zivilist, daß er sich grundsätzlich in keiner Uniform wohlfühlt.“ Musik 7: Conny – Lippenstift am Jacket – 34 Sek SPRECHERIN Die Bravo schreibt natürlich auch über Schlagerstars, die die deutsche Hitparade dominieren. Fred Bertelmann, Peter Alexander, Margot Eskens, Freddy Quinn und Conny… Musik hoch… SPRECHERIN Die neue Lässigkeit und die Abkehr vom Soldatenideal passt auch zu den Protesten gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Viele lehnen Anfang des Jahrzehnts eine neue deutsche Armee ab – aus Kriegsangst, die auch durch die Geschehnisse im Fernen Osten bestärkt wird 1950 greift Nordkorea Südkorea an. Ähnlich wie DDR und BRD sind die beiden Länder aus einer sowjetischen und einer US-amerikanischen Besatzungszone hervorgegangen. Der Historiker Harald Biermann: ZSP 16 Biermann Kriegsangst Kriegsangst war eben real, weil sechs Jahre zuvor der größte Waffengang der Weltgeschichte zu Ende gegangen war. Also jeder konnte sich damals vorstellen, was es heißt, in Mitteleuropa einen Krieg zu haben. Und dieses koreanische Muster sozusagen drohte eben auch in Europa umgesetzt zu werden. SPRECHERIN Der überstandene Krieg prägt die Zeit – das heißt aber nicht, dass nun in der Bundesrepublik die deutsche Schuld zum öffentlichen Thema wird. Die meisten sehen sich selbst als Opfer des Krieges und als von Hitler und seiner Verbrecherclique Verführte. ZSP 17 Biermann Beschäftigung NS Es ist keine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, aber durchaus eine Beschäftigung mit der Vergangenheit, obwohl natürlich gesagt werden muss, dass zum Beispiel die Vernichtung der europäischen Juden im Großen und Ganzen kein gesellschaftliches Thema ist. Musik 8: Der Staat gegen Fritz Bauer – siehe oben – 53 Sek SPRECHERIN Über den Holocaust wird nicht gesprochen. Die Wehrmacht gilt im Gegensatz zur SS als saubere Armee und wird gerade nach der Wiederbewaffnung 1955 in Kriegsromanreihen gefeiert. „Der Landser“ verkauft sich hunderttausendfach. Die Kriegsangst tritt da schon in den Hintergrund. 1953 ist der Koreakrieg zu Ende gegangen. 1955 erlangt die Bundesrepublik dann auch die Souveränitätsrechte von den Alliierten zurück. Und eine andere Nachricht rührt das ganze Land: Adenauer reist nach Moskau. In Sachen Wiedervereinigung erreicht er nichts, aber er bringt die Nachricht mit nach Hause, dass die letzten deutschen Kriegsgefangenen von den Sowjets entlassen werden. Die „Heimkehr der Zehntausend“. TON 18 Biermann Aufbruch Das war natürlich ein Aufbruch in eine neue Zeit, auch ein nachholen, also einerseits davongekommen, andererseits Aufbruch. Und dann, wenn die 50er-Jahre sich etwas weiterentwickeln, auch zunehmender Wohlstand der aber, und das muss man hier, glaube ich, noch einmal unterstreichen, hart erarbeitet werden musste. Musik 9: Wirtschaftswunder Archivnummer: ZZ223375220 – 19 Sek „Jetzt kommt das Wirtschaftswunder, jetzt kommt das Wirtschaftswunder“… SPRECHERIN Das Wirtschaftswachstum liegt im Durchschnitt bei 8 Prozent. Heute unvorstellbar. ZSP 20 Ludwig Erhard - Wirtschaftskommentar Zukunft Was hinter uns liegt, die Wiedererstarkung deutschen Lebens aus Trümmern und Verzweiflung mag uns wohl Trost und Hoffnung geben, dass in solchem Sinne Vergangenheit fruchtbar und lebendig bleibt, SPRECHERIN Wirtschaftsminister Ludwig Erhard mit seiner Zigarre ist die Ikone dieser Zeit. ZSP 20 Erhard weiter aber alles was den Menschen und ein ganzes Volk bewegt, gilt der Zukunft, hofft auf das morgen. SPRECHERIN Sechs Tage die Woche, 48 Stunden arbeiten viele Deutsche zu der Zeit. ZSP 21 Werbung für Coca Cola aus den 50ern: Archivnummer / Take: WR030570 Z00 – 4 Sek – Sendereichte frei Mach mal Pause, Coca-Cola! SPRECHERIN Die deutschen Männer vor allem sind erwerbstätig. Nachdem die Frauen in der Kriegszeit den Laden geschmissen haben, sollen sie sich wieder um den Haushalt und die Familie kümmern. Oder wenn, dann in Bereichen arbeiten, die den Frauen vorbehalten sind. ZSP 22 Werbung Uhu (WR031670113, Senderechte frei) Gisela, eine Sekretärin wie tausend andere -Ich nehme Uhu gegen Laufmaschen. Einfach toll! -Aah. Musik 10 – Ein guter Informant – 1:05 Min SPRECHERIN „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ – so steht es im Grundgesetz von 1949. Und das nur, weil Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Wessel und Helene Weber dafür gekämpft haben. Neben 61 Männern waren sie die einzigen vier Frauen im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz erarbeitet hat. Die Adenauer-Regierung tut dann aber wenig dafür, diesen Satz aus der Verfassung mit Leben zu füllen. ZSP 23 Adenauer Frauen [Archivnummer: DK30105] Wir Männer merken eigentlich immer erst, was unsere Frauen bedeuten, wenn sie fehlen. Dann fehlt es überall im Haus. SPRECHERIN Noch bis 1957 gilt folgender Paragraph im Bürgerlichen Gesetzbuch: SPRECHERIN 2 "Dem Mann steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung." SPRECHERIN Erst Ende der 50er erhalten Frauen bekommen mehr Rechte und die Arbeiter mehr Freizeit. Erste Branchen führen den freien Samstag ein. Die meisten Vatis werden am langen Wochenende trotzdem nicht die Kinder hüten – oder beim Zubereiten des Sonntagsessens helfen: ZSP 26 Biermann Schmorrbraten Lang gebraten, Schmorrbraten mit Leipziger Allerlei und frischen Kartoffeln. SPRECHERIN Der Präsident des Hauses der Geschichte Deutschlands Harald Biermann nennt ein typisches Essen für die Zeit. ZSP 27 Biermann Fresswelle Natürlich gab es diese Fresswelle, dass man eben nachholte, was in den Vierzigerjahren sagen wir jetzt mal nicht möglich war. Aber wenn man jetzt ökologisch korrekt ernährungstechnisch auf dem neuesten Stand wäre, muss man sagen, dass die Ernährung wahrscheinlich in den 50er Jahren besser war, weil man eben Braten nur sonntags aß also. Sonst gab es in den ganz vielen Fällen kein Fleisch. SPRECHERIN Die ersten Urlauber beginnen in den 50ern schon die lange beschwerliche Reise auf der alten Brenner-Passstraße nach Italien. Mitte des Jahrzehnts fährt aber erst ein Viertel aller Deutschen überhaupt auf Urlaubsreise. Das Ziel liegt fast immer in Deutschland. Und viele können von Reisen nur träumen. Gerade weil die Welt für viele noch so weit weg ist, gedeiht das Fernwe…

    Full show notes at the publisher

    WirTier (2): Eselsbrücken Aug 26, 2025
    Show notes

    Anahid steht voll im Leben, als ein Trauma sie aus der Bahn wirft. Dann kommt Lollo, ihre Eselin, als rettende Brücke zurück zu den Menschen. Host Julius erlebt bei WirTier selbst, welch emotionale und soziale Wesen Esel sind.

    CREDITS:

    Gast: Anahid Klotz von der Eselsfarm Asinella

    Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel

    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel

    Redaktion: Bernhard Kastner

    Technik: Stefan Oberle

    Musik: Dagmar Petrus und Stefan Oberle

    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner

    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (2): Eselsbrücken findet ihr HIER.


    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.

    Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.

    Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/


    LINKS:

    Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:

    Wenn ihr mehr über die Begegnung zwischen Mensch und Tier hören oder sogar sehen wollt, schaut mal bei den Bergfreundinnen, dem Podcast für dein Leben mit den Bergen vorbei. Bergfreundin Toni Schlosser ist mit einer Wanderreitgruppe über die Alpen geritten. Um ihren Kindheitstraum zu verwirklichen, nimmt sie an einem Wanderreitkurs teil und wird dabei schnell mit ihren körperlichen und mentalen Grenzen konfrontiert. Sie gewinnt auch tiefgreifende Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Dazu gibt es mehrere Podcast Folgen bei den Bergfreundinnen und eine Doku in der ARD Mediathek. Zur Doku „Freiheit im Sattel“ über Tonis Alpenritt geht es HIER.

    Mehr Infos zu Eseln …

    … findet ihr auf der Homepage von Eselsflüsterin Anahid Klotz, die ihr auch in unserer Folge gehört habt: https://www.asinella.de/

    …außerdem bei Radiowissen:

    Der Esel - Die Entdeckung der Langsamkeit

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-esel-die-entdeckung-der-langsamkeit/bayern-2/78754260/

    Und wenn ihr jetzt auch wie wir im ‚Eselsfieber‘ seid, ihr noch mehr über diese wunderbaren Tiere erfahren wollt, dann seid ihr bei dieser Folge Radiowissen über den Esel genau richtig. Ein Beitrag über die uralte Beziehung Mensch und Esel, über die Geschichte eines ganz besonderen Haustieres – das immer noch mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen hat!

    Das Pferd in Kult und Religion - Herrschertier und Jenseitsführer

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-pferd-in-kult-und-religion-herrschertier-und-jenseitsfuehrer/bayern-2/10866207/

    Ohne Esel und Pferd wären wir Menschen wohl nicht so weit gekommen. Beide trugen Lasten, zogen Wägen, waren bei Wanderzügen der Menschen aber auch bei Feldzügen lange unersetzlich. Klar, dass diesen Tieren – und dem Pferd im Besonderen – zahlreiche Kulte und mythische Erzählungen gewidmet wurden. Und einige davon hört ihr in diesem Beitrag.

    Multitalent Pferd - Freund, Lasttier und ‚Kriegsgerät‘

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/multitalent-pferd-freund-lasttier-und-kriegsgeraet/bayern-2/78749824/

    Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren Pferde unersetzliche Arbeitstiere, in der Landwirtschaft, im Transportwesen, im Krieg, im Einsatz bei der Post … Das hat sich mit der Industrialisierung grundlegend geändert und immer mehr entdeckte der Mensch das Pferd als Freund, als Begleiter für Sport und Freizeit, aber auch als Therapie-Pferde bereichern heute viele Pferde unseren Alltag.

    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche
    Folge 1, Gitti und der Vogel Für Dohle Gunna ist Gitti die Partnerin des Lebens und Gitti sagt über den Vogel: Gunna hat noch mehr Schalk und Leichtigkeit in mein Leben gebracht.

    https://1.ard.de/1-gitti-und-der-vogel


    Folge 2, Julie und die Rinder Julie ist 24 und lebt mit zwei Rinderherden. Über ihren Lieblingsochsen Noni sagt sie: Er hat mich geheilt. Durch ihn weiß ich erst, wer ich bin.

    https://1.ard.de/2-julie-und-die-rinder


    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?

    Die Geschichte der Feuerwehr - Von Ledereimern und Tanklöschfahrzeugen Aug 25, 2025
    Show notes

    Notruf 112 wählen, maximal 15 Minuten warten - dann ist sie da: die Feuerwehr. Das war nicht immer so: dass wir schnelle und effektive Hilfe in der Not bekommen, ist das Ergebnis einer ereignisreichen Entwicklungsgeschichte. (BR 2022) Credits: Autor/in dieser Folge: Christiane NeukirchRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Anne-Isabelle Zils und Stefan WilkeningTechnik: Roland BöhmRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Florian Hörhammer, Pressesprecher der Feuerwehr München Markus Zawadke, Kurator des Feuerwehrmuseums Bayern e.V. in Waldkraiburg Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Feuerwehrmuseum Bayern e.V. in WaldkraiburgDas Museum – im oberbayerischen Waldkraiburg gelegen, ist ein Juwel, das einen Besuch mehr als lohnt: als größtes Feuerwehrmuseum Deutschlands – und ausschließlich von ehrenamtlichen Betreibern geführt – bietet es eine einzigartige und hervorragend kommentierte Sammlung an Fahrzeugen, Geräten, Uniformen, Feuermeldern, Modellen u.v.m. vom Beginn des deutschen Feuerwehrwesens bis heute: Mehr Infos unter:EXTERNER LINK | https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/ Literaturtipps:Prager, Hans-Georg: Florian 14: Achter Alarm! Das Buch der Feuerwehr. Verlag Mittler & Sohn, Herford 1980 (3. Auflage):Dieses Buch gibt bis heute den umfassendsten und zugleich nahbarsten Einblick in die Welt der Feuerwehr. Der Journalist Hans-Georg Prager arbeitete ein halbes Jahr lang als vollwertiges Mitglied der Hamburger Feuerwehr mit.Lottmann, Eckart: Berliner Feuerwehr. Auf der Drehleiter der Geschichte. Be.bra Verlag, Berlin, 1996 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLERIN: Ein Löschzug der Feuerwehr unterwegs zum Einsatz. Jemand hat den Notruf 112 gewählt. Von jetzt kann man damit rechnen: in spätestens 12 Minuten ist Hilfe da. Das ist die Frist, in der die Feuerwehr hierzulande vor Ort sein muss. Damit das geschehen kann, stehen allein in Deutschland mehr als eine Million Feuerwehrleute bereit, Tag und Nacht. Sprecher Dabei ist der Name „Feuerwehr“ ein bisschen irreführend: denn sie leistet Hilfe nicht nur bei Bränden. Löschen ist nur ein Teil der vier Tätigkeiten, die das Motto des Deutschen Feuerwehrverbandes bilden. Das sind: Retten – Löschen – Bergen und Schützen. ERZÄHLERIN: Dazu gehört die Notfallrettung ebenso wie die technische Hilfeleistung. Doch das Feuer hat unsere Geschichte besonders stark geprägt – und damit auch die Notwendigkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Daher soll es in dieser Sendung hauptsächlich darum gehen. ATMO: Feuer knistert SPRECHER: Feuer war lange Zeit zunächst eines: eine Naturgewalt, entfacht durch Blitz oder Funkenflug. Dass der Mensch das Element gezähmt und für seine Zwecke nutzbar gemacht hat, dürfte die Entwicklung unserer Spezies maßgeblich beeinflusst haben. Feuer half als Schutz vor wilden Tieren, machte Nahrung durch Erhitzen leichter verdaulich und ermöglichte schließlich auch die Herstellung diversester Gebrauchsgegenstände. MUSIK 2 (Imogen Heap: The Fire) ERZÄHLERIN: Doch es gab auch die Kehrseite: Feuer geriet leicht außer Kontrolle und konnte Zerstörung und Tod bedeuten. MUSIK 3 (Gothic Voices: O Ignis Spiritus) SPRECHER: Jahrtausende lang betrachtete man Brände als eine Strafe Gottes – und nahm sie als Schicksal hin. Im Mittelalter wurde von der Kanzel herunter oft sogar verboten, Feuer zu bekämpfen: denn das hieß ja, Gottes Strafe zurückzuweisen. MUSIK 4 (Conrad Steinmann: Nomos M) ERZÄHLERIN: In der Antike begannen vor allem die Griechen und die Römer, die Brandbekämpfung pragmatisch zu betrachten. Speziell im alten Rom war die Lage oft brenzlig: in der dicht bebauten Hauptstadt des Römischen Reiches herrschte durch den regen Zuzug Wohnungsnot. So wurden in Eile windige Mietskasernen aus Lehm und Stroh hochgezogen, deren Statik eine Katastrophe war. So oft gingen Gebäude in Flammen auf, dass der Senat beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Markus Zawadke, Kurator des Feuerwehrmuseums Bayern in Waldkraiburg, hat die Geschichte der Feuerwehr von Anbeginn im Blick. ZUSPIELER 1 (O Ton Zawadke) Griechen und die Römer waren uns ja schon um Tausende von Jahren voraus. Haben tatsächlich die Pumpe erfunden, haben tatsächlich den Schlauch erfunden und haben tatsächlich auch schon die Feuerwehr erfunden. Das gab es alles im römischen und im griechischen Reich und ist auch teilweise bis zur Perfektion schon entwickelt worden. Wir wissen alle, das Römischen Reich ist untergegangen, die Griechen damit übrigens auch. Und dann ist das alles in Vergessenheit geraten. Gerade in Deutschland, und in Deutschland herrschte einfach noch tiefstes Mittelalter, und da hat halt schlicht und einfach der Landmann wie der Bauer wie das Gesindel einfach nur den Eimer gekannt und die Eimerkette. ERZÄHLERIN: Und so sahen sich die im Mittelalter wieder wachsenden Siedlungen der Gefahr hilflos gegenüber. Die Zeit vom 12. bis 14. Jahrhundert gilt als Epoche der großen Stadtbrände. Unzählige Städte wurden durch Feuer komplett zerstört – manche davon nicht nur einmal. In den – eng an eng stehenden – Holzhäusern gab es keine Kamine: geheizt und gekocht wurde mit einem offenen Feuer; der Rauchabzug war ein Loch im Strohdach. Ein ungünstiger Funkenflug, und alles stand in Flammen. Selbst jene Hausbesitzer, die brav ihren Ledereimer mit Wasser bereithielten, konnten nur dann noch Schlimmeres verhindern, wenn sie schnell reagierten, gegen größere Brände konnte man selbst mit vereinten Eimern und Kräften kaum noch etwas ausrichten. ATMO: Sturmglocken, Feuer MUSIK 5 (Ennio Morricone: Overture) ERZÄHLERIN: Während immer noch viele Menschen die Katastrophen als gottgegeben hinnahmen, regte sich doch auch immer mehr der Wille zur Gegenwehr. Nach dem großen Brand von London im Jahr 1189 gab die Stadt eine Feuerschutzordnung heraus: jeder Hausbesitzer hatte von nun an ein Fass mit Wasser bereitzuhalten. Nachts patrouillierten Wächter durch die Straßen. Andere Städte zogen nach. In Hamburg hatten Türmer von oben ein Auge auf Brandherde. Doch trotz alledem wurde es in den folgenden Jahrhunderten nicht viel besser. ZUSPIELER 2 (O Zawadke) Das Problem war: eigentlich die Städte, wie sie sich entwickelt haben. Man hat Handel betrieben, die Städte sind reich geworden, teilweise natürlich durch den Handel, haben das durch eine entsprechende Bebauung auch gezeigt. Also Wohnungsnot, die gibt es nicht nur heute, sondern die war damals auch schon um 1500,1600,1700 in den Städten durchaus vorhanden. Das heißt, die wurden enger gebaut. Es wurden auf die ersten Stockwerke zweite Stockwerke, dritte Stockwerke gesetzt, die teilweise auch sehr chaotisch gebaut worden sind. Man denkt also nur mal an London, wo das erste Stockwerk dann schon in die Straße reingeragt hat und das zweite und dritte Stockwerk noch weiter, weil man dafür eben keine Steuern bezahlen musste. Man hat eben nur unten einmal die unten die Grundsteuer bezahlt und obenhin dann nicht mehr. Und dadurch sind die Straßen auch eng geworden, Und hier sind natürlich auch verheerende Brände passiert in allen Städten, es gibt keine in Anführungszeichen Großstadt der Welt, wo nicht verheerend schon mal irgendwas abgebrannt worden ist… ERZÄHLERIN: Und so versuchte man, diesem Problem mit Bauordnungen zu Leibe zu rücken. Darin wurde zum Beispiel geregelt, dass Dächer mit Schindeln statt mit Stroh zu decken waren, oder es wurden Mindestabstände zwischen Gebäuden vorgeschrieben. Durchaus mit Erfolg: Viele Dinge, die um 1500 festgelegt wurden, gelten auch heute noch, etwa in der Bayerischen Bauordnung. MUSIK 6 (Ennio Morricone: Overture) ERZÄHLERIN: Paradoxerweise brannten gerade die beiden europäischen Metropolen, die die fortschrittlichsten Brandschutzvorkehrungen besaßen, noch einmal nieder: London im Jahr 1666 und Hamburg knapp zwei Jahrhunderte später, 1842. Allzu sehr hatte man sich durch die Errungenschaften in Sicherheit gewiegt. SPRECHER: Traurig, aber wahr ist oft: dass erst nach großen Katastrophen ein Umdenken passiert. So war ein zentraler Wendepunkt für die Feuerwehrtechnik um den Großen Brand von London zu verzeichnen. MUSIK 7 (Ennio Morricone: L’inferno bianco) ATMO: Schmiedewerkstatt ERZÄHLERIN: Schon kurz zuvor, im Jahr 1650, gelang dem Nürnberger Zirkelschmied Hans Hautsch ein großer Wurf: er konstruierte eine Feuerspritze, die so massiv war, dass sie von drei Pferden gezogen werden musste. Achtundzwanzig Mann waren nötig, um sie mit vereinter Muskelkraft zu bedienen. Aber was sie vermochte, lohnte den Aufwand: Durch ein ausgeklügeltes technisches System konnte sie einen ununterbrochenen Löschwasserstrahl bis zu zwanzig Meter weit in die Flammen schleudern. ATMO: Wasserstrahl ins Feuer ERZÄHLERIN: Das war revolutionär. Die Menschen horchten auf. Waren Brände vielleicht doch etwas, das man bezwingen konnte? Ähnliches Aufsehen erregte schon bald darauf eine andere Erfindung; sie kam aus Holland von einem Vater und Sohn namens van der Heyde. Die beiden analysierten die Katastrophe von London und gingen der Frage nach, wie man einen Brand künftig frühzeitig in den Griff bekommen könnte. Ein zentrales Problem, folgerten sie, waren Brände in Räumen, auf Türmen und allgemein an Stellen, wo man mit den Feuerspritzen nicht hinkam. Und sie kamen auf eine geniale Lösung: sogenannte „Schlangenspritzen“ aus Leder, sprich: Feuerwehrschläuche. Mit deren Hilfe konnte man nun bis in die Häuser vordringen. Und dank zusätzlicher Verstärkerpumpen in den Kirchtürmen ließ sich das Wasser sogar bis zum Turmhelm hinauf befördern. MUSIK 8 (Ennio Morricone: Overture) SPRECHER: Dann, 1842, kam die Brandkatastrophe von Hamburg. Ein weiterer Wendepunkt der Feuerwehrgeschichte. Die Entwicklung der Löschgeräte schritt nun schon lange stetig voran; aber die Ohnmacht der Hamburger Brandabwehr zeigte, dass auch die Organisation stark verbesserungswürdig war. ERZÄHLERIN: Bis dahin hatte es in Deutschland nur Pflichtfeuerwehren gegeben: das heißt, Angehörige bestimmter Berufsgruppen wurden verpflichtet, Hilfe zu leisten, wenn es brannte. Doch das hieß nicht, dass es auch so war: manche kamen nicht rechtzeitig hin, andere nahmen lieber ein Bußgeld in Kauf, als sich aus dem Haus und in Gefahr zu begeben. Eine zündende Idee kam von einem Mann, der in vielfacher Weise die Geschichte der Feuerwehr prägen sollte: Carl Metz. Er plädierte für das Konzept einer Freiwilligenmannschaft – rekrutiert aus den damals aufkommenden Turnvereinen. Die Männer dort waren jung, kräftig und voller Tatendrang. So wurde in Durlach bei Karlsruhe im Jahr 1846 ein freiwilliges „Pompierkorps“ gegründet, bestehend aus 50 Mann. Für diese Truppe schuf Carl Metz dann auch erstmals die Bezeichnung „Feuerwehr“. MUSIK 9 (Keller Steff: Feierwehr ) SPRECHER Das Konzept der freiwilligen Helfer machte Schule. Auch in anderen Städten wurden ab jetzt Freiwillige Feuerwehren gegründet. [In München – heute Stadt mit einer der bestbestückten Feuerwehren Deutschlands – brauchte es dafür allerdings mehrere Anläufe, wie Markus Zawadke weiß: ZUSPIELER 3 (O Zawadke) München hatte drei Ansätze gemacht zur Feuerwehrgründung bis eine Freiwillige Feuerwehr endlich sich gründen konnte. Weil die die ersten zwei haben sie gleich einmal verboten. Der berühmteste existiert heute noch, der TSV 1860. Der hat tatsächlich 1860 als Turnermannschaft versucht, die erste Feuerwehr zu gründen. Also man kann eigentlich sogar tatsächlich sagen die Sechziger wären die erste Feuerwehr gewesen, wenn sie nicht gleich verboten worden wären. Wegen politischer Umtriebe.] ERZÄHLERIN: Der Große Brand von Hamburg brachte auch den Berliner Magistrat zum Nachdenken. Die Stadt, so befand er, braucht Feuerwachen mit Personal, das rund um die Uhr einsatzbereit ist. So wurde dort im Jahr 1851 die erste Berufsfeuerwehr gegründet. Das heißt: die Feuerwehrleute waren rund um die Uhr in Schichten eingeteilt; sie waren von der Stadt angestellt und bekamen ein festes Gehalt. SPRECHER: So ruht das Konzept der Nothilfe in etlichen europäischen Ländern seither auf zwei Säulen: den freiwilligen und den Berufsfeuerwehren – das sind die Länder Deutschland, Österreich, die Schweiz und Polen. In Deutschland gibt es heute die Vorschrift, dass jede größere Stadt – meist ab 100.000 Einwohnern – eine Berufsfeuerwehr haben muss. Dennoch stellen die freiwilligen bei weitem den größten Teil der Helferinnen und Helfer: auf 35.000 Berufsfeuerwehrleute kommen gut eine Million Ehrenamtliche. Damit die Feuerwehr ausrücken kann, muss sie natürlich erst einmal erfahren, dass und wo es brennt. ATMO: Reiter galoppiert ERZÄHLERIN: Die Städte bezahlten nun auch Feuerboten. Teilweise bis in die 1930er Jahre gab es solche Boten, die zu Pferde oder später auch per Fahrrad zur Feuerwache eilten und Bescheid gaben. Das dauerte natürlich oft viel zu lange. Wieder einmal war Berlin Vorreiter mit einer Neuerung: zusammen mit der Gründung der Berufsfeuerwehr konnte dort auch gleich eine neue Meldetechnik an den Start gehen: Feuermelder, die per Telegrafie funktionierten, anfangs noch per Morsealphabet. In der gesamten Stadt baute man ein Netz aus automatischen Meldern auf. Jeder, der ein Feuer bemerkte, konnte nun per Knopfdruck die Feuerwehr alarmieren – eine segensreiche Erfindung, die sich lange hielt: ZUSPIELER 5 (O Zawadke) Grad um von 1860, 70 bis weit, also sogar in den 1950er 60er 70er-Jahren noch waren also diese Feuermelder an allen Ecken und Enden gestanden, Druckknopfmelder, wo man so reindrücken konnte und dann die Feuerwehr alarmieren konnte. Es gab da eben Lochstreifen und dann hat man anhand der Lochstreifen genau feststellen können: Ah, das ist der Feuermelder sowieso in der Straße sowieso. Und dann ist da die Feuerwehr hingeschickt worden. ATMO: Sirene SPRECHER: Viele kennen die allgegenwärtigen Kästchen mit dem Druckknopf noch gut. Inzwischen hat das Handy die fest installierten Melder weitgehend überflüssig gemacht. ERZÄHLERIN: Um ein Feuer löschen zu können, muss man natürlich erstmal so schnell wie möglich zur Brandstelle gelangen. Schon zu Zeiten der Pferdefuhrwerke gab es dafür eine ausgeklügelte Strategie. Die Münchner Hauptfeuerwache, erbaut 1902, wurde noch für die Fuhrwerke konstruiert. Der Pressesprecher der Münchner Feuerwehr, Florian Hörhammer, erzählt: ZUSPIELER 6 (Hörhammer) Hier waren Ställe und dementsprechend auch dort genau dort, wo jetzt die hochmodernen Fahrzeuge stehen, standen zu dieser Zeit Kutschen. Bei einem Alarm haben sich also die Boxentüren automatisch geöffnet, Pferdeboxen-Türen, die Pferde waren annähernd zirkusreif, also sie haben sich dann vor der richtigen Kutsche eingefunden, und an der Decke hingen dann dementsprechend die sogenannten Klapp-Geschirre, die dann halt von einer Mannschaft geschlossen wurde(n), weil es musste erst eingespannt werden. ATMO: Fuhrwerk rückt aus, Glocken ERZÄHLERIN: Das ging alles schon sehr schnell – so schnell, dass es heute im Durchschnitt nur eine Minute länger dauert, bis die Fahrzeuge die Wache verlassen haben. Auf dem Land dagegen sah das schon anders aus. Da standen die Pferde nicht parat. Sie wurden von den Bauern oder Fuhrunternehmern gestellt. Und die hatten nicht unbedingt Interesse, ihre Arbeit von jetzt auf gleich liegen zu lassen, um die Pferde zum Einsatz zu schicken. Markus Zawadke vom Feuerwehrmuseum Bayern: ZUSPIELER 7 (O-Ton Zawadke) Das war natürlich das größte Problem in Zeiten, wo es noch mit der Pferdekutsche war; jetzt hatte man sich da verschiedene Systeme ausgedacht, dass die Bauern in der Regel oder die Fuhrunternehmer, dass die möglichst schnell ans Gerätehaus kommen und dann anspannen. Und jetzt ha…

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    WirTier (1): Wespenschwärmerei Aug 25, 2025
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    Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht. CREDITS: Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel Redaktion: Bernhard Kastner Technik: Stefan Oberle Musik: Dagmar Petrus Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025. Und wenn ihr uns schreiben wollt - zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de Wir freuen uns! Das Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-tier-mensch-beziehung-wespe-umwelt-insekten-nuetzlinge-garten-100.html LINKS: Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch: Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht's im ARD-Garten-Podcast "Komm mit in den Garten". Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: https://1.ard.de/gartenpodcast Mehr Infos über Wespen ... ... und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): www.lbv.de/wespen Sowie beim BUND: https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv. Außerdem bei ARD Alpha: Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz. https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus? https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html Wie gefährlich ist die "große Wespe", die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik - größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger! https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen: Hornissen - Die Falken unter den Wespen https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/ Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die 'großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten. Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/ Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen. Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/ Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen. Superorganismen im Tierreich - Alles Natur! https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/ Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen.

    CREDITS:

    Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge

    Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel

    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel

    Redaktion: Bernhard Kastner

    Technik: Stefan Oberle

    Musik: Dagmar Petrus

    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner

    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt

    Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer

    Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.

    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei findet ihr HIER.


    LINKS:

    Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:

    Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht's im ARD-Garten-Podcast „Komm mit in den Garten“. Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: https://1.ard.de/gartenpodcast

    Mehr Infos über Wespen …

    … und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): www.lbv.de/wespen

    Sowie beim BUND: https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/

    Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv.

    Außerdem bei ARD Alpha:

    Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene

    Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz.

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html

    Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus?

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html

    Wie gefährlich ist die "große Wespe", die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik – größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger!

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html

    Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen:

    Hornissen - Die Falken unter den Wespen

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    Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die ‚großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten.

    Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/

    Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen.

    Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/

    Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen.

    Superorganismen im Tierreich - Alles Natur!

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/

    Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen.

    Mehr über insektenfreundliche Gärten und viele weitere Tipps rund um Pflanzen, euren Garten oder Balkon findet ihr bei Querbeet. Jeden zweiten Montag um 19 Uhr im BR Fernsehen. Alle Folgen findet ihr hier:
    Querbeet - alle verfügbaren Videos - jetzt streamen!

    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier von Natalie Putsche "Prolog, Ich und der Schwan": Es beginnt mit Liebeskummer. Natalie will alleine sein, setzt sich immer wieder an einen Teich. Dort lebt ein Schwan und langsam freunden sich die beiden an.
    https://1.ard.de/ich-und-der-schwan
    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?

    Staudämme - Mauern für das Wasser Aug 25, 2025
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    Wasser ist der Quell des Lebens - aber auch schier ungeahnter Kräfte. Talsperren mit ihren Wassermassen hinter hohen Staumauern und Staudämmen sind wichtiger Bestandteil unseres Wasserhaushalts. Sie können Überflutungen verhindern, die Mauern für das Wasser dürfen aber selbst nie brechen. Von Inga Pflug (BR 2023) CreditsAutorin dieser Folge: Inga PflugRegie: Rainer SchallerEs sprachen: Gabi Hinterstoisser, Christian JungwirthTechnik: Tim HöferRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Thomas Keller, Leiter Wasserwirtschaftsamt Ansbach;Helga Pfitzinger-Schiele, Wasserwirtschaftsamt Ansbach;Professor Dr. Dirk Carstensen, Wasserbauingenieur. Technische Hochschule Nürnberg;Georg Simon Ohm, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft; Präsident des Deutschen Talsperrenkomitees;Dr. Martin Meiske, Experte für Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte am Deutschen Museum Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die Brooklyn Bridge - Die unglaubliche Geschichte ihrer EntstehungJETZT ANHÖREN Literaturtipps: Martin Meiske, „Die Geburt des Geoengineerings“ – Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Beherrschbarkeit der Natur und bauliche Großprojekte als Lernorte des Menschen Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecherin: Der Brombachsee im Fränkischen Seenland: Badestrände, Campingplätze und Freizeitanlagen, schattige Wälder, Bootsanlegestellen und Radwege locken hier Einheimische und Touristen an. Hier wird geangelt, dort gesurft oder mit dem Standup Paddle der See erkundet. Wasservögel ziehen hier ihre Bahnen, Wellen schwappen ans Ufer, 8,7 Millionen Quadratmeter Wasserfläche bietet allein der Große Brombachsee mit seinen gut fünf Kilometern Länge. Er ist damit fast so groß wie der bayerische Tegernsee … MUSIK Bioreactor, Science in motion, Backes, Daniel; Moslener, Peter, 0:33 Min) Sprecher: … doch dieses Natur-Idyll ist nicht natürlich. Das wird an der Brombachsee-Ostseite deutlich: Große Steine säumen hier die Wasserkante – und auffällig gerade steigt hier eine Böschung empor. Nur mit Gras bewachsen und oben so breit, dass Fahrzeuge den Weg auf der Kuppe entlangfahren können. Ganze 1,7 Kilometer erstreckt sich der hohe Wall von einer Uferseite zur anderen. Und beim Blick von oben auf die wasserabgewandte Seite hinunter wird klar: Dieser Wall bildet eine Wand und hindert die schier unvorstellbaren Wassermassen des Sees daran, sich ins darunterliegende Tal zu ergießen – es zu überfluten. Es ist der Hauptdamm des Brombachsees. 01 Pfitzinger-Schiele: Hier sieht man schön diese Mächtigkeit des Dammes und eben auch diese Abstufung im Prinzip: Oben ist er schmäler und er wird dann immer breiter. Und das ist im Prinzip das Gewicht, das dann diesen Damm auch hält. Sprecherin: Erklärt Bauingenieurin Helga Pfitzinger-Schiele. Sie arbeitet beim Wasserwirtschaftsamt Ansbach und erklärt: Der Staudamm muss nicht nur Wind und Wetter trotzen, sondern auch 144 Millionen Kubikmeter Wasser im See halten. Also 144 Millionen mal 1.000 Liter. Zum Vergleich: Ein Schwimmbecken von 50 mal 20 Metern und 2 Metern Tiefe fasst zwei Millionen Liter Wasser. Das wären 72000 Schwimmbecken. Sprecher: Entsprechend hoch ist der Staudruck des Wassers. Um das Wasser im Tal sicher zu stauen, sind für den Hauptdamm am Großen Brombachsee rund 3,5 Millionen Kubikmeter Erdreich nötig – das haben genaue Berechnungen ergeben. Sprecherin: Im Querschnitt sieht der Staudamm wie in Trapez aus. Also unten breit und oben schmal, bestehend aus mehreren Erd-Schichten. 02 Pfitzinger-Schiele: Der hat in der Mitte im Prinzip einen Dichtkern und an diesem Dichtkern angelagert ist dann das homogene Material, dichte Material, und außen drauf, also das letzte dann, um im Prinzip das Gewicht auch für den Damm herzustellen, ist dann der Stützkörper. Sprecherin: … beschreibt Helga Pfitzinger-Schiele. Lapidar gesprochen sorgt der Stützkörper also dafür, dass das Wasser den Damm nicht wegschiebt. Auf einer Schemazeichnung sieht es aus, als lehnten Erdmassen von beiden Seiten an einer senkrecht stehenden Mauer. Wobei: 03 Keine Mauer: Keine Mauer, sonders das ist auch Erdmaterial, aber hoch vergütet, also wirklich kaum durchlässig. Und das ist also dieser Dichtkern, so bezeichnen wir das, und außen ist dann im Prinzip noch vergütetes Material, Dichtmaterial und dann kommt der Stützkörper. Sprecherin: 36 Meter ist die künstliche Böschung hoch – unten 150 Meter breit. Und damit kein Wasser unter dem Damm hindurch laufen kann, ist auch der Sandstein unterhalb des Damms noch einmal abgedichtet: Ein bis zu 38 Meter tiefer Schlitz ist hier in den Untergrund gefräst und mit Beton verfüllt. So dass das Wasser, das der Staudamm quer zur Fließrichtung im Tal absperrt, insgesamt auf mehr als 70 Metern Höhe auf eine Barriere trifft. MUSIK (Drytech, Reduced and neutral - Music for film, Kreuzer, Anselm C.; Delmonte, Tony, 0:51) Sprecher: So oder so ähnlich sehen Staudämme an Talsperren weltweit aus. Sie halten den Wassermassen quasi durch ihr Eigengewicht und den flachen Böschungswinkel Stand. Je höher das Wasser eingestaut werden soll, desto breiter muss auch der Damm werden. 04 Carstensen: Also ich beschreibe es den Studierenden immer so: einen Meter nach oben, drei Meter nach rechts und die Schräge, die sich dadurch ergibt, so wäre der Damm dann jeweils geneigt. Sprecherin: … erklärt der Wasserbauingenieur Professor Dirk Carstensen die Faustformel. Er lehrt an der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Außerdem ist er Präsident des Deutschen Talsperrenkomitees Sprecher: Die Faustformel bedeutet auch: Da geht es ganz schön in die Breite. Bei 50 Metern Höhe schon 150 Meter Breite – auf beiden Seiten des Trapez‘. Die Kronenbreite dazu gerechnet, steht so ein Damm dann rund 315 Meter breit in der Landschaft. Sprecherin: Der Platzbedarf ist also enorm und nicht überall lassen sich solche schieren Massen an Material beschaffen oder hinbewegen. Sprecher: Wo kein geschütteter Staudamm zum Einsatz kommen kann, setzen Wasserbauingenieure auf massive Staumauern, die danach klassifiziert werden, wie sie den Wassermassen standhalten. Eine gängige Bauweise sind sogenannte Gewichtsstaumauern, beschreibt der Wasserbauingenieur: 06 Carstensen: Die haben also eine relativ gerade Vorderfront und sie haben dann in der Regel eine Dreiecksform nach hinten. Was mit der eigentlichen Masse oder der Gewichtskraft zu begründen ist, dass das Ding gegen den Wasserdruck, der von der Wasserseite kommt, auch dort stehen bleibt und nicht weggeschoben werden kann. Das Wasser, wenn es in der Höhe da vor der Mauer steht, will es ja eigentlich die Mauer wegschieben. Und damit das nicht möglich ist, wird das Ding so gebaut. Es kippt dann nicht, das Ganze, durch diese Dreiecksform. Und es ist auch schwer genug, dass es stehenbleibt. Zusätzlich ist es natürlich an den Flanken und im Untergrund verankert. Sprecherin: Auch sogenannte Pfeiler-Staumauern tragen den Staudruck des Wassers dank ihres Eigengewichts in die Umgebung ab. Beide kommen in breiteren Tälern mit tragfähigem, felsigem Untergrund in der Talsohle in Betracht. Sprecher: Bogen-Staumauern dagegen nutzen statisch-wirksame Formen, um dem Wasserdruck Stand zu halten: Ähnlich wie die Gewölbe von Kirchendächern leiten sie die Kräfte in die Umgebung ab, also in die Hänge oder Gebirgsflanken. Die Bogen-Staumauer selbst wölbt sich dabei dem Wasser entgegen. Im Vergleich zu Staudämmen wirken Staumauern geradezu zu filigran. Sprecherin: Gemeinsam haben die unterschiedlichen Formen der Absperrbauwerke aber vor allem eins: jedes ist ein Unikat, angepasst an seinen individuellen Standort, betont Dirk Carstensen. 07 Carstensen: Man muss den Fluss angucken. Man muss das Tal angucken. Man muss eine vernünftige Basis haben für Stauraum und Größe des Bauobjektes. Die Standsicherheit ist eine ganz wichtige Frage; Nutzungen, die dann später damit verbunden sind. Und ich denke natürlich auch an viele ökologische Fragen. Aber ich will deswegen nicht sagen, dass wir keine Möglichkeiten hätten. Wir haben Möglichkeiten, um auch solche Objekte in Zukunft in Deutschland noch zu errichten. MUSIK (ARD-Labelmusik Celestial red, Filled with wonder. Music for film, Koerner, Michi; Watzinger, Sebastian, 0:34 Min) Sprecher: Die Gründe für den Bau von Talsperren sind vielfältig: Staubecken nehmen Wasser auf und speichern es – und aus den Staubecken kann das gespeicherte Wasser dann wieder kontrolliert abgegeben werden. Somit dienen Stauseen als Puffer und Zwischenspeicher bei Hochwasser – und bei Trockenheit können die Flusspegel unterhalb aus dem Reservoir gespeist werden. „Niedrigwassererhöhung“ ist hier der Fachbegriff. Sprecherin: Aber das ist nicht das einzige. Mittels Wasserkraft kann Strom erzeugt werden. Und das Oberflächenwasser kann zu Trinkwasser aufbereitet werden – wie etwa an den Trinkwassertalsperren Mauthaus in Oberfranken oder Frauenau in Niederbayern. Sprecher: Und noch etwas: Stauseen können dem Freizeitsport dienen, sind Erholungsgebiete, Tourismusmagnete und Wasserreservoir für Landwirtschaft und Industrie. Sprecherin: Die Landschaft zu formen und ihre Wasserführung zu verändern – ein früher Wunsch der Menschheit: 08 OT Meiske: Zu den ältesten bekannten Dammprojekten, wenn man so möchte, gehören jene, die so am Euphrat und Tigris, in Mesopotamien und im Mittleren Osten so um 3.000 bis 2.500 vor unserer Zeitrechnung entstanden. Aber auch für die Zeit des römischen Imperiums so gerade im ersten und zweiten Jahrhundert sind einige antike Staudämme überliefert, … Sprecherin: … sagt Dr. Martin Meiske, Experte für Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte am Deutschen Museum. 09 OT Meiske: Also vor allem in den Provinzen des Imperiums, die im heutigen Nordafrika, Vorderasien, aber eben auch auf der iberischen Halbinsel liegen. Das heißt, wir haben auch heute noch zumindest in Teilen erhaltene Dämme, die in Spanien zu finden sind. Und jetzt mal so, um einige Beispiele aus dieser antiken Kategorie zu nennen, es gibt den See von Homs in Syrien oder die Proserpina-Talsperre in Spanien, die sind noch erhalten, oder da gibt es zum Teil dann eben modernere Überbauten, die man sich anschauen kann. Sprecherin: Diese frühen Bauwerke – meist Stein- oder Erdschüttdämme – dienten wohl vor allem der Bewässerung und sollten vor der zerstörerischen Kraft des Wassers bei Überflutungen schützen. MUSIK (In carta, Neo String Quartet, Le procédé Rodesco / Letort, 0:18 Min) Sprecher: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts dürfte es dagegen das Verlangen nach der energetischen Kraft des Wassers sein, die das Interesse an Talsperren intensiviert: 10 Meiske: Wir befinden uns in dieser Hochphase der Elektrifizierung: beleuchtete Städte, elektrische Antriebe, Transformation in Industrie und Mobilität. In der Zeit werden eben diese größeren Wasserturbinen auch entwickelt, und in Kombination mit entsprechenden Generatoren kann man dann größere Mengen an Strom produzieren. Und natürlich entwickeln sich diese Baumaterialien auch weiter. Ja, also, es werden in dieser Zeit im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts Unmengen an Beton genutzt und dessen Einsatz und Qualität entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich deutlich. Sprecher: 1924 wird im Süden Deutschlands das Walchensee-Kraftwerk fertiggestellt, das heute als Wiege der industriellen Stromerzeugung in Bayern gilt; in den 1950ern entsteht im Allgäu durch den Roßhaupten-Damm schließlich der Forggensee, der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands. 11 Meiske: Es gibt einen ganz großen Antrieb in den 30er und 40er Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks. Aber die Hochphase ist tatsächlich eher so in den Fünfziger und 70er-Jahren also, was man jetzt im gemeinhin so als die Zeit der großen Beschleunigung, des globalen Wirtschaftswachstums und der Ressourcenmobilisierung beschreibt. Und dafür ist eben Wasserkraft auch ein Teil davon. MUSIK (Checkless progress (b), Engineering science, Jebsen, Lars, 0:27 Min) Sprecherin: Das weltweite Talsperrenregister der Internationale Kommission für große Talsperren listet mehr als 59.000 große Talsperren. Als „groß“ gilt eine Talsperre dann, wenn es vom tiefsten Punkt der Gründung bis zur Krone des Damms mehr als 15 Meter sind. Oder auch, wenn mehr als drei Millionen Kubikmeter Wasser gestaut werden. Maßstäbe, die die mittlerweile gebauten oder geplanten Absperrbauten längst übertreffen: 300 Meter und mehr messen die höchsten Bauwerke auf der Liste der Internationalen Kommission. Sprecher: Damit sind sie zwar „nur“ so hoch wie etwa der Eiffelturm in Paris – doch die Absperrwerke stehen ja eben nicht frei in der Luft, sondern stemmen sich riesigen und somit gewichtigen Wasserreservoirs entgegen. Die Volumina der Speichervermögen sind so groß, dass sie nicht in Millionen, sondern in Milliarden Kubikmetern angegeben werden. Sprecherin: Und – auch das gehört zur Wahrheit über Talsperren: Die Bauwerke bringen nicht nur Licht, sondern auch Schatten in die Täler: 12 Meiske: Weil diese Eingriffe natürlich starke Nebeneffekte haben wie Erosion, Abfall von Grundwasser in den Regionen… Sprecherin: …sagt Technik- und Umwelthistoriker Martin Meiske – aber nicht nur das: 13 Meiske: Man schätzt so ungefähr, dass so 40 bis 80 Millionen Menschen inzwischen umgesiedelt werden mussten. Oft ist es auch so, dass die ländlichen Gemeinden, die dann da häufig ja betroffen sind, auch andere Formen der Landschaftsnutzung oder auch der Wassernutzung haben, die damit in Konflikt stehen, mit diesen Ausbauten. Sprecherin: … die dann aber den Wassermassen weichen müssen. 14 Meiske: Das sind ja oft ländliche Gemeinschaften, teils indigene Communities. Das sind dann ganz asymmetrische Machtkonflikte mit großen Unternehmen, mit Staaten, die sozusagen dann diesen Ausbau vorantreiben. Und da werden natürlich auch nicht zuletzt die Agrarflächen und Flussläufe, sondern auch so erinnerungskulturell bedeutende Stätten durchschnitten oder überflutet. Und das ist auch Teil des Konflikts. Sprecherin: Dazu kommen Auswirkungen auf das Ökosystem, wenn aus Feldern und Wiesen plötzlich Seen werden – oder Flussbetten nicht mehr trockenfallen. In aufgestauten Seen können sich Mückenlarven vermehren, die Krankheiten übertragen. Künstliche Dauerbewässerung kann zu einer Versalzung des Bodens führen, und ausbleibendes Wasser unterhalb von Talsperren hat nicht nur Auswirkungen auf die Fischpopulationen und deren Wanderrouten, sondern auch auf die Menschen am Unterlauf der Flüsse, die gegebenenfalls vom Fischfang leben. Sprecher: In den 1990er-Jahren drängen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen daher darauf, die sogenannte “World Commission on Dams“ einzusetzen. Das Expertengremium spricht in seinem Abschlussbericht im Jahr 2000 von einem positiven Effekt von Staudämmen auf die Entwicklung vieler Länder – denen aber oft enorme soziale und ökologische Schäden gegenüberstünden. Sprecherin: In Bayern etwa fordern verschiedene Gemeinden einen Ausgleich für ihre Leistungen und die Nachteile, die für sie entstehen, weil sie Trinkwasser bereitstellen. Der Markt Nordhalben im Landkreis Kronach gehört zum Beispiel dazu: Auf seinem Gebiet liegt Bayerns erste Trinkwassertalsperre Mauthaus, auch Ködeltalsperre genannt. Sie versorgt 70 oberfränkische Kommunen mit Trinkwasser – die Lasten durch strenge Auflagen trage aber die wasserliefernde Kommune, so die Argumentation. Sprecher: Nicht zuletzt gehört zur Geschichte der Dämme außerdem auch die Geschichte der Damm-Katastrophen. Deren Liste ist lang. Martin Meiske nennt als Beispiel etwa die Katastrophe von Vajont, in den 1960er-Jahren in Italien: 15 Meiske: Durch den besonderen Druck, der auf das Tal entstanden war, gab es hier sozusagen Erdrutsche, die zu einer Flutwelle geführt haben, der schätzungsweise 2.000 Menschen zum Opfer gefallen…

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    Frauen in der Bronzezeit - Die weibliche Macht? Aug 22, 2025
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    Vor ca. 4200 Jahren begann mit der Bronzezeit eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. Das neue Material eröffnete sensationelle Möglichkeiten bei der Geräte- und Waffenherstellung. Gleichzeitig entstanden zur Beschaffung des eher seltenen Zinns neue Handelswege. Was bedeutete das für die Frauen dieser Zeit? Autorin: Carola Zinner CreditsAutor/in dieser Folge: Carola ZinnerRegie: Susi WeichselbaumerEs sprachen: Irina Wanka, Peter WeißTechnik: Susanne HarasimRedaktion: Andrea Bräu Im Interview:Philipp W. Stockhammer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Professor für prähistorische Archäologie an der LMU München;Rainer Linke und Siglinde Matysik vom Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg, Mitarbeiter des Archäologischen Museums Königsbrunn Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literaturtipp: Stockhammer, Philipp W. ORCID logo, Mittnik, Alissa, Massy, Ken and Knipper, Corina (2018): Mobilität - Die wissenden Frauen vom Lechtal. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur, Vol. 2018, Nr. 4: S. 38-41 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK atmoartig, unterlegen. Anmutung „Vorgeschichte“ ZUSPIELUNG 1 (Stockhammer) Die Bronzezeit ist in meinen Augen eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. ZUSPIELUNG 2 (Linke) Die Bronze war wichtig, das war's A und O. ZUSPIELUNG 3 (Matysik) Und ich finde das fantastisch, dass man da das genau regional begrenzen kann, wo diese Leute hergekommen sind. ERZÄHLERIN Philipp Stockhammer, Siglinde Matysik und Rainer Linke haben auf verschiedene Art zum Wissen über die Bronzezeit beigetragen: Linke und Matysik sind Mitglieder eines regionalen Arbeitskreises, der bei Grabungen im südlichen Landkreis Augsburg prähistorische Überreste frei legte. Und Philipp Stockhammer, Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Professor für prähistorische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München konnte unter anderem anhand dieser Funde das Leben in jener Zeit neu beleuchten. ZUSPIELUNG 4 (Stockhammer) Wir können da ganz viele naturwissenschaftliche Verfahren einsetzen, das nimmt einem schier den Atem, aber zwingt uns jetzt halt auch als Archäologen und Archäologinnen, die Vergangenheit irgendwie auch wieder neu zu denken und wegzukommen von diesen alten, überkommenen Erzählungen. MUSIK geht über in ZUSPIELUNG 5 ATMO Museum ZUSPIELUNG 6 (Matysik) Die meisten Leute kommen auf die Grabung. Erste Frage habt ihr Gold gefunden? Dabei ist Gold gar nicht so wichtig. (Linke) Meistens, wenn wir die ausgraben, die Bronzefunde, dann sind die meistens blau, dann weiß man schon, da ist sehr viel Kupfer drin. ERZÄHLERIN Königsbrunn bei Augsburg: Im Untergeschoss des Rathauses präsentiert ein kleines archäologische Museum Funde aus der Region, darunter auch zahlreiche Stücke aus der Epoche zwischen 2200 bis 800 vor Christus – der mitteleuropäischen Bronzezeit. ZUSPIELUNG 7 ATMO ERZÄHLERIN Die beiden Ausstellungsmacher Siglinde Matysik und Rainer Linke stehen vor einer großen Vitrine. ZUSPIELUNG 8 (Matysik) Dieses Skelett ist wirklich original, und wir wollen anhand dessen die Bestattungssitten zeigen: das ist der Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit: die Männer wurden immer mit dem Kopf nach Norden beerdigt, die Frauen mit dem Kopf nach Süden, Blickrichtung Richtung Osten, also aufgehende Sonne. ERZÄHLERIN Lange ließ sich nicht einmal mit Sicherheit bestimmen, ob es sich bei menschlichen Skeletten um die Überreste eines Mannes oder einer Frau handelte. Hinweise gaben etwa die Lage und Größe der Verstorbenen, ihre Kleidung und Grabbeigaben wie Schmuck, Waffen oder Haushaltsgegenstände. Mittlerweile ist die Forschung deutlich weiter: DNA-Überreste geben heute zuverlässig Auskunft über das Geschlecht und über Verwandtschaftsbeziehungen. Und mithilfe der so genannten Strontium-Isotopenanalyse lässt sich sogar erkennen, in welcher Region die Menschen aufgewachsen sind. Denn die ganz spezifische chemische Zusammensetzung des jeweiligen Bodens, die über die Nahrung in den Körper gelangte, hat in den Zähnen eine Art Signatur hinterlassen. ZUSPIELUNG 9 (Stockhammer) Das heißt, ich kann, wenn sagen wir, eine Frau oder ein Mann in München bestattet ist, kann ich sehen, passen die Backenzähne zur Boden-Signatur zur Münchner Schotterebene. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich sagen, die haben offensichtlich ihre Kindheit woanders verbracht. MUSIK ERZÄHLERIN Im Süden von Augsburg liegt, umrahmt von den Flüssen Lech und Wertach, die breite Schotterebene des Lechfeldes. Und, daran angrenzend, das „Hochfeld“: eine fruchtbare Lößterrasse, die bereits den Menschen der frühen Bronzezeit ideale Bedingungen für den Ackerbau bot. Ihre Höfe lagen am Rand des Hochfeldes lose aneinander gereiht wie Perlen an einer Schnur, mit genügend Abstand zum Fluss, um bei Hochwasser in Sicherheit zu sein, und doch nah genug, um die relativ karge Alltagskost - Getreidebrei, Beeren, Pilze, Milchprodukte, ohne großen Aufwand mit Fisch und Wild aufbessern zu können. (MUSIK hoch). Zu den Gehöften gehörte auch jeweils ein Gräberfeld für die Verstorbenen. Deren Überreste nun mithilfe bioarchäologischer Analysen genauer bestimmt werden können. ZUSPIELUNG 10 (Stockhammer) Wir hatten Glück, dass wir eine fantastische DNA-Erhaltung haben. Insgesamt haben wir 800 Jahre dort untersucht, so zwischen 2500 und 1700 vor Christus. ERZÄHLERIN EIN Ergebnis der Untersuchungen: Die einzelnen Höfe wurden über vier, fünf Generationen von ein- und derselben Familie bewohnt. Allerdings zieht sich die Verwandtschaft nur in männlicher Linie durch; es gibt Väter und Söhne, Brüder und Onkel. Die Mütter der Kinder jedoch stammen allesamt von auswärts; sie hatten hier keine Vorfahren. Und unter den hier geborenen Frauen wiederum findet sich keine einzige Bestattung, bei der die Verstorbene älter als 17 Jahre war. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Töchter in diesem Alter ihre Familien und die Heimat verlassen mussten - wohl in erster Linie, um anderswo einzuheiraten. MUSIK hoch Dieser Befund ist allerdings keineswegs außergewöhnlich; die Archäologie kann diese so genannten patrilinearen Heiratsmuster, die ja zumindest partiell noch heute in einigen Teilen der Welt existieren, für viele Epochen und Regionen nachweisen. Ein anderes Ergebnis der Untersuchungen aber ließ die Fachwelt aufhorchen. Es war die Entdeckung der „fremden Frau aus der Ferne“, die hier weder Vorfahren noch Nachkommen besaß. ZUSPIELUNG 11 (Stockhammer) Total spannend. Also wir haben da schon gesehen, okay, genetisch scheinen alle Mütter von außerhalb zu kommen und gleichzeitig sehen wir jetzt von den Isotopenanalysen, dass ein erheblicher Teil der Frauen offensichtlich von ganz weit herkommt, also über 400 Kilometer, ja? ERZÄHLERIN Besonders auffällig war, dass die Bestattungen dieser „Frauen aus der Fremde“ zu den reichsten in der Region gehörten. Und das, obwohl es keine leiblichen Kinder gab, die für ein angemessenes Begräbnis Sorge hätten tragen können. Was könnte für andere Gründe gegeben haben für die Hochachtung, die die Gesellschaft diesen Migrantinnen offenbar entgegenbrachte? Die Spurensuche führt in die ursprüngliche Heimat der Frauen, die Regionen um Halle, Leipzig und Prag. Und damit in die High-Tech-Zentren jener Epoche, die gekennzeichnet ist vom wachsenden Wissen um die Herstellung und Bearbeitung von Bronze - einer Legierung aus Kupfer und Zinn. ZUSPIELUNG 12 (Stockhammer) Das richtig coole an Bronze ist, wenn die frisch gegossen ist, ist sie so hart wie Stahl, glänzt wie Gold, und man kann es ja auch viel besser gießen als Kupfer. ERZÄHLERIN Allerdings kommt Zinn - im Gegensatz zu Kupfer – nur selten in Europa vor. Die wichtigsten Lagerstätten befinden sich in Südengland und im Erzgebirge. Um an das begehrte Metall zu gelangen, braucht es ein großräumiges Netz von Handelsbeziehungen. ZUSPIELUNG 13 (Stockhammer) Deshalb ist die Bronzezeit auch etwas, was Menschen über weite Distanzen ganz neu miteinander in Austausch gebracht hat, und letztlich, so kann man sagen, die erste globale Epoche der Menschheitsgeschichte in Eurasien zur Folge hatte. ERZÄHLERIN In der Forschung, sagt Philipp Stockhammer, herrschte früher auch ein relativ klares Bild davon, in welcher Form dieser Austausch stattfand. ZUSPIELUNG 14 (Stockhammer) Die Erzählung meiner Studienzeit war eben: Mobilität war vor allem der Mann mit der Waffe oder der Mann, der Handwerker, oder der Mann, der Händler, der quasi glücksbringend durch die Bronzezeit Europas zieht. MUSIK andere Färbung, Dänemark, Bronzezeit ERZÄHLERIN Am 24. Februar des Jahres 1921 machte der Bauer Peder Platz im dänischen Egtved einen eigenartigen Fund. Er war gerade dabei, die Reste eines kleinen Hügels beiseite zu räumen, als er in dessen Mitte auf einen ausgehölten Eichenstamm stieß, in dem Leiche einer jungen Frau lag, eingewickelt in ein Kuhfell. Peder Platz beriet sich zuerst einmal mit seinem Nachbarn, dann setzten sich die beiden hin und schrieben einen Brief an das Nationalmuseum von Kopenhagen. ZITATOR Ich vermute, dass es sich um ein altes Begräbnis handelt und dass dieses von Interesse für das Museum sein könnte. Ich habe deshalb die Arbeit eingestellt. ERZÄHLERIN Tatsächlich erwies sich der Fund als absolute Sensation: Beim „Mädchen von Egtved“ handelt es sich um eine der am besten erhaltenen Bestattungen aus der Bronzezeit. Die schafwollene Kleidung der bei ihrem Tod etwa 17jährigen - eine Bluse mit halblangen Ärmeln und ein knielanger Rock aus gedrehten Schnüren, ihre Haare – vorne und an den Seiten kurz geschnitten, hinten halblang, ihr Schmuck – Gürtelpatte, Armreifen und ein Ohrring aus Bronze – all das hatte die Jahrtausende ebenso gut überstanden wie die Dose aus Birkenrinde am Fußende des Sarges, in der sich Reste eines mit Honig gesüßten Biers aus Weizen und Beeren fanden. MUSIK hoch (spätestens bei der nächsten Zuspielung weg) Der mittlerweile mehr als 100 Jahre zurückliegenden Entdeckung von Peder Platz verdankt die Archäologie zahlreiche Erkenntnisse über das bronzezeitliche Leben. Dazu gehört nun, dank moderner Untersuchungsmethoden, auch der Nachweis, dass sich die junge Frau zu ihren Lebzeiten keineswegs immer nur in Dänemark aufgehalten hat. Sie war offenbar gleich mehrmals in Süddeutschland unterwegs gewesen, wo sie unter Umständen – ganz einig ist sich die Forschung in dieser Beziehung nicht - auch geboren wurde. Aus welchen Gründen aber mag sie sich auf die lange und wohl auch einigermaßen gefährliche Tour quer durchs Land begeben haben? In welchem Rahmen reiste sie? Und – was hatte sie dabei im Gepäck? Auf jeden Fall steht ganz abseits jener Fragen fest: die alte Vorstellung von Handel und kulturellen Austausch in der Bronzezeit – ein Mann zieht bewaffnet oder mit Waren im Gepäck durch die Lande und schlägt sich allein und auf eigene Faust von Ansiedlung zu Ansiedlung durch - ist, wenngleich nicht unbedingt falsch, so doch höchstens ein Teil des Gesamtbildes, zu dem die jungen Frau aus Dänemark ebenso gehört wie die Migrantinnen des Lechtals. ZUSPIELUNG 15 (Stockhammer) (Gut möglich, dass es ihn gab, diesen Händler. Weil: Der einzelne Krieger hat es schon irgendwie geschafft. Aber) jetzt habe ich Mädels mit 17 Jahren, die zu Fuß entweder aus der Gegend von Prag oder aus der Gegend von Leipzig nach Augsburg kommen, das ist schon ein Stück. Und was wir auch sehen können über die Zähne, dass immer auch wieder Jungs im Alter von sieben Jahren aus dem Lechtal weggeschickt wurden und dann als erwachsene Männer mit 17 wiedergekommen sind. Weil die Zähne bis zum siebten Lebensjahr sind lokal; vom siebten bis zum 17. Lebensjahr ist es dann die Gegend Halle, Leipzig, und dann sind sie aber wieder vor Ort bestattet, also die sind sozusagen ausgeschickt worden, um in der Ferne zu landen… Ich meine, schicken Sie heute mal einen Siebenjährigen quer durch Deutschland! ERZÄHLERIN Sollte so eine Reise auch nur ansatzweise Aussicht auf Erfolg haben, dann musste es auf jeden Fall Begleitpersonen geben, die es gewohnt waren, mit Schwierigkeiten umzugehen, von Überfällen durch Mensch oder Tier bis hin zu plötzlichen Krankheiten. Vorstellbar wäre es etwa, dass sich zu bestimmten Zeiten im Jahr Trecks im Stil von Karawanen auf den Weg zu zentral gelegenen Plätzen machten, wo man zusammenkam, um religiöse Feiern abzuhalten und sich bei der Gelegenheit auch für zukünftige Termine verabredete und untereinander Tausch betrieb, ob es nun um Waren oder Wissen ging, Saatgut, Vieh oder Mensch. ZUSPIELUNG 16 (Matysik) Ein Grab aus der Gemeinde Wehringen: das ist die Ausstattung von einem Frauengrab. ERZÄHLERIN Auch wenn das kleine Museum von Königsbrunn keinen Jahrhundert-Fund wie das „Mädchen von Egtved“ zu bieten hat, kam doch bei den Grabungen der Ehrenamtlichen Beachtliches zutage. Siglinde Matysik zeigt auf ein üppig mit Bronzeschmuck versehenes weibliches Skelett: Ein massiver Halsring und zahlreiche „Tutuli“ - kleine Pyramiden aus Bronzeblech, die einst einen mittlerweile längst zerfallenen Stoff schmückten. Dazu im Bereich der Brust Bronzeplatten und um die Waden lange Spiralen aus Bronze, dessen einstiger Goldton sich über die Jahrtausende im Schotterfeld in ein sanft schimmerndes Türkis-Grün verwandelt hat. ZUSPIELUNG 17 (Matysik) Das ist für mich immer so schwer nachvollziehbar, dass die auf den ganzen Reichtum verzichtet haben und haben das dann mit ins Grab weitergegeben. ERZÄHLERIN Die kostbare Bronze sollte offenbar der Verstorbenen auch im Jenseits das gute „Standing“ sichern, das sie im irdischen Leben besaß. Denn eine derart reiche Beerdigung bekamen nur Angehörige der Oberschicht. MUSIK ERZÄHLERIN Die Bronzezeit ist nicht nur die Epoche, in der das Know-How in Sachen Metallbearbeitung rapide wächst und Handel und damit auch Mobilität eine immer größere Rolle spielen; sie ist auch geprägt von großen sozialen Unterschieden. Die Bestattungen des Lechtals zeugen davon: neben den reich mit Waffen und Schmuck ausgestatteten Gräbern gibt es auch solche, die so gut wie keine Beigaben enthalten. Die Verstorbenen waren offenbar arm gewesen. Und sie besaßen, wie die Analysen ergaben, keinerlei Verwandtschaft im Lechtal. ZUSPIELUNG 18 (Stockhammer) Wir haben diese Gruppe interpretiert als vielleicht Bedienstete, Mägde, Knechte, ob die jetzt unfrei waren oder nicht, also Sklaven oder so, wissen wir alles nicht: sie haben in dem Gehöft gelebt, sie wurden auf dem Familienfriedhof bestattet, also sie sie waren schon Teil der Familie, aber sie hatten den ganzen niedrigen Status. ERZÄHLERIN Sprich, ihre Situation war ganz anders als die „fremden Frauen aus der Ferne – obwohl doch die Grundbedingungen – ursprünglich nicht hier beheimatet, keine Verwandten, keine Kinder - auf den ersten Blick ganz ähnlich wirken. Der Unterschied: die „fremden Frauen“ kamen aus Technologiezentren. Und brachten wohl aus ihrer Heimat etwas extrem Wertvolles mit, nämlich Wissen und Können – insbesondere, was die Herstellung von Bronze betraf. ZUSPIELUNG 19 (Stockhammer) Da ist nichts Körperliches, wo man sagt, das kann doch nur ein Mann, das braucht so besondere Kraft: Sie beobachten, wann hat das Metall die richtige Temperatur erreicht von der Färbung her, wie mach…

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    ABBA Forever - Das Pop-Phänomen aus Schweden Aug 22, 2025
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    1974 gelang der schwedischen Pop-Band ABBA mit "Waterloo" ein erster Welthit. Das Quartett der anfänglich noch verheirateten Paare steht für gutgelaunte, international erfolgreiche Popsongs Made In Sweden. Von Markus Mayer (BR 2022)

    Credits
    Autor/in dieser Folge: Markus Mayer
    Regie:
    Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann, Katja Schild, Carsten Fabian
    Redaktion: ,Dr. Nicole Ruchlak

    Im Interview:

    • Dietmar Schwenger - Journalist, München

    (Branchenblatt Musikwoche)


    Noch mehr Interesse an Wissenschaft und Musik? Dann empfehlen wir:

    Kosmos Musik
    Fördert Klavierspielen die Intelligenz? Warum ist Singen gut fürs Immunsystem? Und wie klang der Urknall? Auf diese und andere spannende Fragen antwortet der neue Wissens-Podcast "Kosmos Musik" mit der Astrophysikerin und angehenden Astronautin Suzanna Randall:
    BR PODCAST I KOSMOS MUSIK - DER WISSENS-PODCAST MIT SUZANNA RANDALL


    Literatur:

    Bandbiographien:

    Licht und Schatten – ABBA – die wahre Geschichte. Carl Magnus Palm. Bosworth Berlin London Wien. 2006.

    Die offiziöse, ‚amtliche‘ Bandbiographie des schwedischen Journalisten Carl Magnus Palme erzählt die Geschichte der Band aus der Sicht der Landsleute.


    ABBA – Thank You For The Music. Andrew Oldham, Tony Calder, Colin Irwin. Aus dem Englischen von Heike Steffen. Ullstein 2. Auflage 2000.

    Politisch höchst unkorrekte Bandbiographie voller Sottisen und schmutziger Witze, des öfteren schallend gelacht bei der Lektüre. Könnte heutzutage nicht mehr geschrieben bzw. veröffentlicht werden, ein zutiefst sexistisches Buch, das zeigt in welchen Kontexten, die Karriere des Schweden-Quartetts einst verhandelt wurde.


    ABBA – The Music Still Goes On – Die Story zu ihren Songs. Robert Scott. Deutsch von Karin Miedler und Ursula Pesch. Rockbuch Verlag. Schlüchtern 2005

    Bildbiographie mit zahlreichen, teilweise ganzseitigen Farbfotos, klassisches „Fan“-Produkt i.e. ein Buch, das für Fans, wenngleich mit Bildern, die viel über die Professionalität der ABBA-Mitglieder verraten und informativen Kurztexten.


    ABBA – Ihre ganze Geschichte. Fréderic Tonnon & Marisa Grau. Schwarzkopf & Schwarzkopf. Berlin 2005

    Lexikoneinträge in folgenden Kompendien:


    Von ABBA bis Zappa – Die Klassiker des Rock & Pop. Hg. v. Peter Kemper, Reclam 2015, darin Artikel über Abba von Uwe Schütte. S. 11 – 17.

    Spitzzüngiger Abriss eines kompetenten Autors, profunde Informationen und Einschätzungen.


    Rock und Pop von A bis Z. Von Julia Edenhofer. Bastei Lübbe. Bergisch Gladbach. 1993. S. 55 - 56. Nichtssagender Artikel.

     

    Das neue Rocklexikon. Band 1. Hg. von Barry Graves, Siegried Schmidt-Joos & Bernward Halbscheffel. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Hamburg 1998. S. 36 - 37. Cooler Abriss mit Zitaten aus angelsächsischer Presse eines ungenannten Autors.


    Rock Rough Guide. Hg. Von Jonathan Buckley und Mark Ellingham. Verlag J.B. Metzler. Stuttgart, Weimar. 1998. S. 1 – 2. Artikel von Jonathan Kennaugh.


    Pop-Splits Die besten Songs aller Zeiten und ihre Geschichte. Hg. von Frank Bruder. Illustriert von Tim Dinter. Aufbau Taschenbuch Verlag. Berlin 2004


    Zu Schweden:

    Gebrauchsanweisung für Schweden. Antje Rávik Strubel. Piper Verlag München, sechste Auflage 2019. Darin: S. 154 - 174 / Kapitel Auffallen verboten!


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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

    Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:


    ERZÄHLERIN

    Sechster April 1974. Beim Eurovision Song Contest im englischen Seebad Brighton vertritt die Gruppe ABBA Schweden. Das Quartett war im Vorjahr bei der schwedischen Vorentscheidung ausgeschieden.

    ERZÄHLER

    Der Eurovision Song Contest, kurz ESC, ist eine Veranstaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Europas. Ziel ist es, europäische Kulturen darzustellen und zu fördern.

    ERZÄHLERIN

    Der Dirigent des Orchesters, das die Band begleitet, trägt einen Zweispitz und eine historische Uniform wie Napoleon Bonaparte. Denn der Song von ABBA heißt Waterloo, Schauplatz der größten Niederlage des Heerführers.

    ZUSPIELUNG ABBA: Waterloo / Z9464472 001 1‘31

    ERZÄHLER

    Der Song von ABBA spielt auf die Redewendung ‚ein persönliches Waterloo erleben‘ an, also im eigenen Leben einen großen Misserfolg erleiden. Im Liedtext wird eine Liebesbeziehung mit Napoleons letzter Schlacht verglichen.

    ERZÄHLERIN

    ABBA haben die Startnummer acht: Agnetha trägt eine hautenge, blaue Satinhose, die blonden Haare werden bedeckt von einem neckischen Mützchen. Anni-Frid, die ihren rötlich-brünetten Haare eine Dauerwelle verpasst hat, ist mit einem schicken Rock in Maxi-Länge bekleidet. Björns Beine stecken in silberglänzenden Stiefeln mit Plateauabsätzen, der Korpus seiner silberfarbenen E-Gitarre ist wie eine Sternenexplosion gezackt. Der bärtige Benny, der hinter dem Klavier nur selten ins Bild kommt, wirkt verglichen mit den anderen fast unauffällig. Die Gesichter der Damen tragen Glitzer-Makeup, an allen Kostümen funkeln Silber-Kettchen - ABBA treten gemäß der Mode auf, die damals in der Pop-Arena angesagt ist.

    ERZÄHLER

    Glamrock, kurz für Glamour- oder Glitter Rock steht für den großen, theatralen Auftritt, für Schminke, Androgynität und Künstlichkeit. Entwickelt wurde er von Vordenkern wie David Bowie, Marc Bolan, Roxy Music und Gary Glitter.

    ERZÄHLERIN

    ABBA wirken zwar nicht wirklich androgyn, gewinnen aber den ESC mit Waterloo. Das ist bemerkenswert. Erstens, weil Schweden damit zum ersten Mal Siegerland wird. Zweitens, weil der Song tatsächlich ungewöhnlich peppig und eingängig ist. 2020 wird er zum beliebtesten ESC-Song aller Zeiten gewählt. Und Drittens, weil die schwedische Band mit einem Popsong auf Englisch, der Rock-Elemente enthält, angetreten ist. Meist singen ESC-Teilnehmer in den Landessprachen. So tragen Cindy & Bert, die Deutschland 1974 vertreten, das Lied „Die Sommermelodie“ vor.

    ERZÄHLER

    Was ABBA mit angelsächsischem Pop und Glam Rock verbindet, formuliert ein Kritiker der amerikanischen Musikzeitschrift Rolling Stone so:

    ZUSPIELUNG ABBA: Waterloo

    ZITATOR

    „Mit ihren prägnanten und temporeichen Pop-Nummern liegen ABBA viel näher beim eigentlichen Rock’n’Roll als viele dieser übersteigerten Gitarrenkanonen oder diese seelenguten Gruppierungen, die den verwirrten Massen kosmo-dynamische Erleuchtung bringen wollen.“

    ZITATORIN

    ABBA Forever – Wie vier Schweden die Popwelt erobern

    ZUSPIELUNG ABBA: The Winner Takes It All

    ERZÄHLER

    ABBA haben es also geschafft, sie sind weltweit Nummer Eins. Eigentlich könnte dies das Ende dieser Gruppe sein, aber Björn und Benny, die Songwriter des Projekts, haben Blut geleckt. Beide sind Ende 20, relativ alt also für eine Popstar-Karriere. Sie bilden bereits seit Jahren ein hervorragendes Songschreiberteam. Und was einmal gelungen ist, lässt sich auch ein zweites Mal und öfter schaffen.

    ERZÄHLERIN

    Eine Pop-Band mit zwei Songschreibern und zwei Frauen, die den Ton angeben – das ist neu. Es passt in die Zeit von Women’s Liberation, Emanzipation und Partnerlook.

    ZUSPIELUNG ABBA: Super Trouper /

    ERZÄHLERIN

    Anni-Frid und Agnetha sind mehr als ein attraktives Aushängeschild, sie verfügen über Stimmen, die sich optimal ergänzen: Anni-Frid bildet mit ihrem vollen, runden Mezzosopran das Fundament, über den sich Agnethas Sopran in der Tonlage darüber mühelos in die Höhe schrauben kann. Beide haben wie auch Björn und Benny zahllose Auftritte absolviert, auch mit den Anforderungen von Fernseh- und Aufnahme-Studios sind sie vertraut.

    ERZÄHLER

    Der Müncher Musikjournalist Dietmar Schwenger ist ABBA-Fan seit Kindheitstagen

    ZUSPIELUNG DIETMAR Schwenger über kunstvolle Stimmführung

    Wenn man dann hört, wie die zwei Stimmen kunstvoll miteinander verwoben sind. Mal unisono, dann wieder im Terzabstand, miteinander gesungen haben. Ein großer Teil der ABBA-Magie liegt darin, wie die beiden Stimmen eingesetzt sind.

    ZUSPIELUNG ABBA: Take A Chance / Z8006513 208 21’’

    ERZÄHLERIN

    Björn Ulvaeus, geboren 1945 in Göteborg, und Benny Andersson, 1946 in Stockholm zur Welt gekommen, haben sich über die Hep Stars kennen gelernt, eine schwedische Band, bei der Benny Orgel spielt. Die Hep Stars empfinden in den 60er Jahren angloamerikanische Songs nach. Bei einem Auftritt der Gruppe im Juni 1966 treffen sie sich zum ersten Mal. Als dann der Hep Stars-Gitarrist ausfällt, springt Björn, der in Folkbands Gitarre gespielt hat, ein. Sein Jurastudium hängt er an den Nagel.

    ERZÄHLER

    Weil Björn und Benny sich gut verstehen, bilden sie eine Arbeitsgemeinschaft, die für Polar Music tätig ist. Das ist eine Schallplatten-Firma mit Musikverlag, die der Geschäftsmann und Branchenkenner Stig Anderson führt.

    ERZÄHLERIN

    Eine der Künstlerinnen von Polar Music, für die Björn und Benny Songs schreiben, ist die Jazzsängerin Anni-Frid Lyngstad, geboren 1945 in Norwegen. Sie ist ein so genanntes “Tyskerbarn”, ein Deutschenkind. Ihre Mutter war erst 19, als sie auf die Welt kam. Anni-Frid ist das Kind einer Liebschaft zwischen einer Norwegerin und einem deutschen Besatzungssoldaten. Ihr Vater, heißt es, wäre in den letzten Kriegstagen gefallen. Weil ihre Mutter 1947 an einem Nierenversagen stirbt und Tyskerbarna mit Diffamierungen und Ausgrenzung zu rechnen haben, zieht Anni-Frids Großmutter mit ihr nach Schweden. Mit 14 verlässt sie die Schule und beginnt eine Schneiderlehre. Später gestaltet sie einige Bühnen-Kostume von ABBA.

    ZUSPIELUNG Anni-Frid Lyngstad - Peter Pan

    ERZÄHLER

    Die Jüngste im Bunde ist Agneta Fältskog, geboren 1950 in der Provinzhauptstadt Jonköping als Tochter eines Kaufhausgeschäftsführers. Sie geht mit 15 von der Schule ab und arbeitet als Telefonistin. Davor hat sie bereits in einem Mädchen-Vokaltrio gesungen. 1967 produziert sie mit einer Band ein Demoband mit Liedern, die sie selbst geschrieben hat. Es landet auf dem Schreibtisch einer Plattenfirma in Stockholm und führt dazu, dass Agnetha unter Vertrag genommen wird.

    ZSP Agnetha Fältskog: Wer schreibt heut noch Liebesbriefe


    ERZÄHLERIN

    1968 nimmt die ehrgeizige Sängerin mehrere deutsche Schlager auf, die allerdings floppen. Bei einem Auftritt in Schweden lernt sie Björn Ulvaeus kenne, damals ein gefeierter Teeniestar. Als sich die beiden ein Jahr später bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung wiedersehen, kommt es zu einer Liaison, die von der Boulevardpresse aufgegriffen wird. Derweil veröffentlicht Agneta ihr Debutalbum mit selbstgeschriebenen Songs – ein Erfolg beim jungen Publikum.


    Das Land des grünen Glücks? Bhutan als ökologisches Modellprojekt Aug 20, 2025
    Show notes

    Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zwischen Indien und Tibet mausert sich in seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zu einem Muster-Land in Sachen Ökologie. Mehr als die Hälfte des Königsreichs stehen unter Naturschutz, flächendeckende Elektromobilität sind das Ziel der nächsten Jahre. Von Geseko von Lüpke (BR 2024) CreditsAutor dieser Folge: Geseko von LüpkeRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Julia Fischer, Stefan Wilkening, Thomas Birnstiel, Jenny GüzelTechnik: Marcus HuberRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Kurt Nübling (Unternehmer und Bhutan-Reisender); Kinley Dorji (bhutan. Journalist und Herausgeber), Lama Sonam Bumdhen (buddhistischer Mönch), Dhan Gurung (Professor für natürliche Ressourcen an der Universität von Bhutan), Dasho Bharat (Mitglied des Staatsrat von Bhutan), Ketsang Tshomo (Öko-Beraterin des Landwirtschafts-Ministeriums von Bhutan), Julia Kim (Programm-Direktorin am staatlichen ‚Glücks-Zentrum‘), Lyonpo Damcho Dorji (Außenminister Bhutans), Thsering Tobgay (Premierminister Bhutans) Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Naturreligionen. Altes Wissen neu entdeckt. JETZT ENTDECKEN Das Volk der Kogi in Kolumbien. Die Hüter der Erde. JETZT ENTDECKEN Afrikas Ubuntu. Die Philosophie der Menschlichkeit. JETZT ENTDECKEN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Linktipps:Gelephu Mindfullness City (ökologische Modellstadt nach den Plänen des dänischen Architekten Bjarke Ingels) HIER Gross National Happiness Center (Bhutan) HIER Literatur: Niestroy, Ingeborg, Armando García Schmidt, Andreas Esche: Bhutan: Ein Leitbild der Nachhaltigkeitspolitik. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Erfolgreiche Strategien für eine nachhaltige Zukunft, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2013 Tschewang, Ugyen & Jane Gray Morrison: Bionomics in the Dragon Kingdom: Ecology, Economic and Ethics in Bhutan, Springer-Verlag 2018 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Bhutan! ‚Drug-yul‘ nennt es sich selbst – Land des Donnerdrachens! Das klingt wie ein Märchen-Land hinter den Bergen, zeitlos, weit ab von der geschäftigen Welt. Wie ein verheißungsvolles Geheimnis. Und so spricht man auch von dem Himalaja-Königreich: Glücklich angeblich, irgendwie erleuchtet, gesund, sauber, absolut nachhaltig. Eine moderne grüne Paradies-Version! Als wäre es ‚Shangri-La‘ – das legendäre harmonische Utopia Asiens! Mythos oder Realität? Musik 2: Dreams of… - 59 Sek SPRECHER Bhutan! Ein Zwergenland – nicht größer als die Schweiz – eingezwängt zwischen zwei Riesen – dem von China besetzten Tibet im Norden, und Indien im Süden. Ein paar Hunderttausend Bewohner in einem buddhistischen Königreich zwischen Meeresspiegel und 7.000 Meter hohen Bergen, während sich südlich und nördlich Milliarden Menschen tummeln und um Weltmachtstatus ringen. Bhutan hingegen: Bescheiden, still, ganz anders. Kurt Nübling aus dem Allgäu macht sich seit 1990 immer wieder auf den Weg nach Bhutan, um Kräuter und biologische Rohstoffe im Himalaja zu kaufen. Und erinnert sich noch deutlich daran, wie er vor 34 Jahren das erste Mal das Grenztor zwischen Indien und Bhutan durchschritt. 01 - ZUSPIELUNG Plötzlich war eine andere Welt. Wir waren wie verzaubert! Diese Verwurzelung, dass die Natur ein Teil von uns ist, mit dem wir verbunden sind, dass wir ein Teil von dem Ganzen sind. Und das ist in Bhutan noch. Sie sind extrem reich an Natur, an Biodiversität, einem wunderschönen Leben, was einem ins Herz geht, wenn man dort reist. ZUSPIELUNG Atmo 08 (Natur + Fluss, Elefant) SPRECHERIN Auch heute noch ist Bhutan ein Land der Gegensätze und des Staunens. Ein Land der Berge, Wälder und Flüsse. Ein Land, das grenzenlos sauberen Strom verschenkt. Ein wildes Land mit Tigern, Leoparden, Elefanten, Yaks, Wölfen, Pandas, Panzernashörnern, Kobras, Geiern. Einem ‚Hotspot‘ der Biodiversität, der Pflanzenvielfalt und Heilkräuter, weil auf engstem Raum alle Klimazonen der Welt nebeneinander liegen. Musik 3: Phurba's... aus: Sherpa - 1:13 Min SPRECHER Ein Land, in dem die Statistiken Kopf stehen: Während überall der Ausstoß des Klimagases CO2 zunimmt, ist Bhutan völlig klimaneutral, ja nimmt sogar mehr Kohlendioxid auf, als es ausstößt. Ein Land fast ohne Industrie und Umweltzerstörung, das zu einem Drittel aus Naturschutzgebieten besteht, Abholzung per Verfassung verbietet, grünen Strom aus Wasserkraft exportiert. Eigentlich ein Entwicklungsland, moralisch aber eine Großmacht: Während die ganze Welt um Wirtschaftswachstum ringt, winkt Bhutan lässig ab und stellt stattdessen Naturschutz und nicht weniger als das ‚Glück‘ in den Mittelpunkt des staatlichen Tuns. Statt gierig auf das Brutto-Sozial-Produkt zu schielen, spricht man hier gelassen von ‚Gross National Happiness‘ dem, ‚Brutto-National-Glück‘. Kinley Dorji (Kinnläi Dordschi), Begründer und Herausgeber der ersten nationalen Tageszeitung Bhutans erklärt die vier Säulen dieser ungewöhnlichen Politik. 02 - ZUSPIELUNG Wort 2 One of this pillars is 'Good Governance'. …. VO-männlich Eine der Säulen ist eine ‘gute Regierungsführung‘. Wir verstehen darunter, dass sie wirklich den Menschen dient, nicht den Herrschenden. Die anderen Prioritäten sind – neben der Erhaltung unserer einzigartigen Kultur – eine gesunde sozio-ökonomische Entwicklung, die absolut nachhaltig sein muss. Und dann besonders der Schutz der Natur. Angesichts des Klimawandels und der globalen Erwärmung dürfen wir nicht länger den Planeten und seine Schätze konsumieren. Stattdessen müssen wir die gegenseitige Abhängigkeit aller lebendigen Wesen, einschließlich der Pflanzen und Tiere, anerkennen, wenn wir den Planeten erhalten wollen … needs to be understood to preserve the planet. SPRECHER Ein politischer Ansatz, der in Zeiten der Klimakrise fast zu schön klingt, um wahr zu sein. Bhutan entwickelt sich damit zu einem ökologischen Modellprojekt. Es ringt zwar mit großen Herausforderungen, zeigt aber auch, dass Entwicklungsländer den reichen Industriestaaten voraus gehen können. Es ist eine Gradwanderung zwischen visionärer Moderne und uralten Traditionen, die hier probiert wird. Und das auf der Basis einer einzigartigen kulturellen Identität. ZUSPIELUNG Atmo 4 (Langhörner, Tempelfest Paro) SPRECHERIN Es ist wie ein Fenster in eine andere Welt, wenn man vor der gewaltigen Klosterburg von Paro im Westen des Landes steht. Der Ritual-Platz ist in Regenbogenfarben getränkt: Tausende von mit Mantras bedruckte Fähnchen in Gelb, Grün, Rot, Weiß, Blau wehen im steten Wind und tragen Gebete hinauf zu den Siebentausendern, die als Heimat der Götter – und Buddhas – gelten. Vor den weiß getünchten Lehmmauern des 400 Jahre alten Klosters mit kunstvoll geschnitzten Fenstern haben sich tausende Frauen, Männer und Kinder in festlicher und grell bunter Tracht zum ausgelassenen Tempelfest, einem ‚Tsetschu’ versammelt. ZUSPIELUNG Atmo 5 (Pudja in Chimi Lakhang, 20) darüber SPRECHER Alle Augen sind auf die maskierten Tänzer gerichtet, die mit Furcht einflößenden Masken und bunten Kostümen über den nackten Boden wirbeln, in gewagten Sprüngen und winzigen pantomimischen Gesten wortlos Geschichten erzählen von Dämonen, Göttern und Göttinnen, vor allem aber die mythische Gestalt des Heiligen Guru Rinpoche feiern, der den Buddhismus nach Bhutan brachte. Es ist diese Mischung aus uralter Naturverehrung, buddhistischer Spiritualität und nüchterner Anerkennung der globalen ökologischen Krise, welche die Grundlage bildet für ein radikales Alternativ-Modell, sagt der Mönch Lama Sonam Bumdhen: 03 - ZUSPIELUNG The essence of Buddhism is the sacred vision of everything, … VO-männlich Der Kern des Buddhismus ist die Heiligkeit von allem, was ist, ob Berge, Bäume oder unser eigener Körper. All das ist Ausdruck des Göttlichen. Für uns wohnen Gottheiten in eigentlich Allem: Sie durchdringen das ganze Universum, alle Planeten. Wir sehen Gottheiten im Wasser, im Feuer, in der Erde, im Raum, in der Luft. Sie sind nichts anderes als Ausdruck der absoluten Weisheit Buddhas. Wenn wir uns aber der Wahrheit stellen, sehen wir zugleich riesige Umweltschäden, die durch keinen anderen ausgelöst wurden als uns selbst. Wenn wir dieses riesige Chaos wirklich anerkennen, müssen wir es stoppen, die Menschen und die ganze Welt erziehen ….., we need to educate the world. Musik 4: New old land – 1:31 Min SPRECHER Das ist ein großer Anspruch für das kleine Land, das hoch und heilig auf dem Dach der Welt thront. Und tatsächlich hat sich Bhutan in den letzten 20 Jahren zu einem ernstzunehmenden Modell nachhaltiger Entwicklung gemausert. Bis in die 1960er war es ein völlig abgeschirmtes Land, ohne Straßen, Elektrik und Technik, versteckt in den Bergen, um zu überleben. Als es sich in den 80er und 90er Jahren vorsichtig öffnete, hatte es bereits aus den Fehlern zahlreicher anderer Entwicklungsländer gelernt, die in zu schneller Modernisierung ihre Identität verloren hatten, ihre Umwelt gefährdeten, und in Armut und Abhängigkeit geraten waren, während Korruption und Gewalt zugenommen hatten. SPRECHERIN Der weitsichtige König hatte daraufhin erkannt, dass die Entwicklung in die Moderne nicht um jeden Preis gesucht werden dürfe. Statt sich nur wirtschaftlich und quantitativ zu modernisieren, wollte er als höheres Ziel eine qualitative Entwicklung von Mensch, Kultur und allen Lebensformen – und führte das Brutto-National-Glück als Maßstab aller Politik ein. Damit sollten Fehlentwicklungen vermieden werden und Bhutan zugleich als einmaliges Modell stark und unverkennbar werden. Die kulturelle Identität wurde zur Garantie des Überlebens, erklärt der Journalist Kinley Dorji … 04 - ZUSPIELUNG Wort 4 We are a small country of half a million people between India and China, … VO-männlich Wir sind als kleines Land zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt sehr verletzbar. Eine halbe Million Menschen können da schnell geschluckt werden. Ohne jemals eine Militärmacht oder eine Wirtschaftsmacht werden zu können, muss unsere Stärke in unserer Identität liegen. Wir müssen als ‘besonders’ wahrgenommen werden und unsere ganz eigenen Werte haben, um als unverzichtbar von der Welt gesehen werden, was uns hilft zu überleben. … and therefore helps us survive. ZUSPIELUNG Atmo 2 (Thimpu ) kurz frei & weg SPRECHER So wurde das Brutto-National-Glück nach Außen zum Sympathieträger und unverwechselbaren Markenzeichen, zugleich nach Innen zum Kultur- und Naturschützenden Staatziel. Es galt zu bewahren, was da war und ökologisch zu entwickeln, was möglich war. ZUSPIELUNG Atmo 8 (Natur) unter Sprecherin SPRECHERIN Aus einer traditionellen Agrar-Gesellschaft konnte Bhutan fast unmittelbar zum ökologischen Modell werden, mit folgenden Leitgedanken: die natürlichen Reichtümer der riesigen Artenvielfalt wertzuschätzen und unter strengen Schutz zu stellen! Die unbestiegenen Siebentausender für die Bergsteigerei zu sperren und den alten Göttern ihre Ruhe zu lassen! Mehr als ein Viertel der ohnehin kaum besiedelten Landesfläche zu strikten Naturschutzgebieten zu erklären! Jede Brandrodung zu verbieten. Und per Verfassung festzulegen, dass die Wälder erhalten bleiben, erzählt Dhan Gurung, Professor für natürliche Ressourcen an der Königlichen Universität von Bhutan: 05 - ZUSPIELUNG Wort 5 When it comes to environmental conservation Bhutan will do quite a pretty job …. VO-männlich Bei der Erhaltung der Umwelt macht unser Land einen guten Job. Zurzeit sind 72 Prozent des Land bewaldet. Und in unserer Verfassung steht, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche für immer von Wald bedeckt sein müssen. Die Erhaltung der Wälder schützt die enorme Biodiversität – und diese versorgt wiederum die traditionelle Medizin Bhutans mit reichen Ressourcen an Heilkräutern, Mineralien und tierischen Substanzen. Auch die Landwirtschaft ist abhängig von der Biodiversität der Wälder: Wir sammeln die Blätter und benutzen sie als Dünger. Und die Rinder grasen in den Wäldern. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Schutz der Wälder für die hohe Qualität des Wassers und seiner Kreisläufe sorgen. Denn das ist unsere ökonomische Basis. Und wir schauen darauf, dass sie nachhaltig ist. It still can be sustainable. That's the area that we are looking at. USPIELUNG Atmo 9 (Wasserrauschen Bhutan A23/24) SPRECHER Tatsächlich lebt Bhutans Wirtschaft primär von der grünen Wasserkraft. Das extreme Gefälle von 7.000 Höhenmetern auf unter 100 Meter von Nord nach Süd, macht die ungezählten Flüsse zu Wasserkraft-Goldgruben. Bhutan nutzt bislang nur 6,2 Prozent dieses natürlichen Potentials, das auf unglaubliche 26.000 Megawatt jährlich geschätzt wird – so viel wie rund zwanzig Atomkraftwerke der Marke Grundremmingen. SPRECHERIN Sauberer Strom ist dann auch das primäre Exportgut Bhutans und versorgt die Industrie Nordindiens mit grüner Energie. Schon träumt man im Himalaja-Land davon, in wenigen Jahren keine Tanklaster mehr aus Indien zu brauchen, die Öl und Benzin über die Pässe bringen, sondern nur E-Autos zu nutzen und die gesamte Infrastruktur zu elektrifizieren, berichtet Dasho Bharat, der lange den Ausbau der Wasserkraft leitete und heute im dreiköpfigen Staatsrat den König berät. 06 - ZUSPIELUNG Wort We are blessed by nature. We have high altitude mountain areas. VO-männlich Wir sind mit Natur und den hohen Bergen gesegnet. Das ist ein Riesenvorteil. Wir können in Zukunft 95 Prozent der Energie exportieren. Bhutans Zukunft ist das Wasser. Es ist das finanzielle Potential für die Entwicklung des Landes. Heute exportieren wir 75 Prozent des Stroms, um Geld zu verdienen und verbrauchen das restliche Viertel selbst. Diese Wasserkraft ist sauber und grün und wir schwimmen auf ihr in eine gute Zukunft, weg von der schmutzigen kohlenstoff-basierten Wirtschaft. Aus diesem Potential wollen wir saubere, grüne und nachhaltige Technologien entwickeln. Vielleicht werden unsere Enkel genießen, was wir da heute machen – ob es dann die saubere Umwelt, die Produktion von ökologischen Nahrungsmitteln oder gesunde Medizin ist. Wir wollen wirklich den grünen Weg gehen. … We would like to go the green way. Musik 5: Dreams of… - siehe vorn – 32 Sek SPRECHER Bhutan könnte sogar bald das erste Land sein, in dem 100 Prozent Bio-Landbau betrieben wird. Gentechnik ist grundsätzlich verboten. Kleine Familienbetriebe bestimmen das grüne Bild der Landschaft, die zu 95 Prozent ökologisch bebaut wird. In Deutschland sind es mit gerade mal 9,5 Prozent, also zehnmal weniger. ZUSPIELUNG Atmo 10 (Gesamg beim Ernten) SPRECHERIN Da wird die scheinbare Rückständigkeit zum Vorteil. Auf den meisten Betrieben ist chemische Düngung nie angekommen und war den Landwirten immer suspekt. Sie waren deshalb nie anders als ökologisch. Was im globalen Norden als ‚Permakultur‘ und Agroforst zunehmend als Zukunftslösung propagiert wird, ist in Bhutan seit langem Standard, berichtet Ketsang Tshomo, Öko-Beraterin des Landwirtschafts-ministeriums: 07 - ZUSPIELUNG Wort 7 Our traditional farming is basically based on permaculture …. VO-weiblich Unsere traditionelle Landwirtschaft basiert auf den Prinzipien der Permakultur. Wenn man sich den Agroforst mit Tierhaltung, die Agrarkultur, den Gartenbau anschaut, dann ist eigentlich jede Farm hierzulande so ein integriertes Ökosystem. Hinzu kommt die tiefe spirituelle Verbundenheit mit dem Land, der Anspruch weder Tier noch Pflanzen irgendwie Schaden zuzufügen. Alles in allem sind das die perfekten Voraussetzungen für eine organische Landwirtschaft, die zum Lebensstil jeden Farmers und Konsumenten werden soll. Deshalb setzen wir, wo immer es möglich ist, auf biologische Landwirtschaft. Was wir allerdings importieren, stammt oft aus konventioneller Landwirtschaft. Aber wir brauchen es, um die Versorgungslücke zu schließen. that needs to be imported to close the gap. SPRECHER…

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