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    Latest Episodes:
    Zeitzeugen - Wertvolle Erinnerungen mit Tücken Aug 29, 2025
    Show notes

    Zeitzeugen machen Geschichte hautnah erfahrbar. Ihre Erlebnisse machen Opfer - etwa der NS-Diktatur - zur unangreifbaren moralischen Autorität. Doch das vorgeblich so authentischen Erinnern durch Zeitzeugen hat durchaus Tücken. Von Lukas Grasberger (BR 2024) CreditsAutor dieser Folge: Lukas GrasbergerRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Benedigt SchregleTechnik: Susanne HerzigRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Prof. Dorothee Wierling, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg; Prof. Martin Sabrow, Senior Fellow Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam; Prof. Bernd Schnettler, Lehrstuhl für Kultur und Religionssoziologie, Uni Bayreuth; Prof. Anja Ballis, Projekt LediZ – Lernen mit digitalen Zuegnissen, LMU MünchenDiese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Omas Tasche und das HitlerattentatWar Oma am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt? Der Autor Thies Marsen ist zunächst sehr skeptisch, als ihm seine Großmutter eröffnet: Sie habe die Aktentasche besorgt, in der Graf von Stauffenbergs Bombe platziert war. Dann taucht er in die Familiengeschichte ein. Was er herausfindet, lässt ihn bis heute nicht los. Von Thies Marsen JETZT ENTDECKEN Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Ceija Stojka, Endrücke von der Ankunft im KZ Auschwitz „Es ist finster. Man spürt den Gatsch, die Nässe unter den Füßen. Man spürt den Geruch der Verwesung, der im Lager herrscht. Man spürt die Kälte, die Feuchtigkeit. Noch sieht man nichts…. man hört nur die Schritte der Menge, die schleichend dahinschleicht. Und die Hunde. Und das Gejaule….und die SS, die immer brüllt: „Weitergehen, Marsch! Marsch! In Bewegung setzen.“ MUSIK: Dark operation 0‘42 Erzählerin Eindrücklich erzählt Ceija Stojka in einem Fernsehinterview von ihrer Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz. Die Schilderungen der Romni, die als Kind ins Lager kam, machen das Grauen des KZ für jeden hautnah erlebbar. Abzurufen ist das Interview mit Ceija Stojka über das Zeitzeugenportal im Internet. Es ist eines von zahlreichen Projekten, die die Erinnerungen der letzten Überlebenden des Holocaust für die Nachgeborenen bewahren möchten. Musiktrenner Geschichte bekommt dank Zeitzeugen ein Gesicht – und eine Stimme. Der Zeitzeuge nicht nur als Augenzeuge, sondern als Mensch, als personalisierte Geschichte, die berührt. Die unmittelbare Erfahrung von Menschen, die „dabeigewesen sind“ und davon erzählen, machen es leichter, historische Zusammenhänge zu verstehen – und soweit wie möglich nachzuvollziehen. Schilderungen wie die der KZ-Überlebenden Stojka zählen dabei zu den eindrücklichsten. Doch Zeitzeugen decken mittlerweile ein breites Spektrum ab. Wenn ein Fluchthelfer davon berichtet, wie er DDR-Bürger in waghalsigen Manövern über die innerdeutsche Grenze bringt; wenn ein HIV-Infizierter davon erzählt, wie ihn die Aids-Epidemie der 1980er-Jahre nach und nach aller Freunde beraubt hat: Dann sind diese Personen - die über die Zeitgeschichte, also die "Epoche der Mitlebenden“, Auskunft geben - der Definition nach Zeitzeugen. MUSIK: Nocturnal research 0‘41 Erzählerin Dass Zeitzeugen in großer Zahl öffentlich auftreten – und damit die Wahrnehmung von Geschichte prägen: Das ist der Berliner Historikerin Dorothee Wierling zufolge ein recht neues Phänomen. Es begann damit, dass die professionelle Geschichtswissenschaft ab den 1930er-Jahren den sogenannten „einfachen Menschen“ breiten Raum einräumte. Mit der oral history - übersetzt, der „mündlichen Geschichte“ -, die solche Zeitzeugen einfach sprechen lässt: möglichst unbeeinflusst vom interviewenden Profi-Historiker. O-Ton 1 Prof. Dorothee Wierling, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg „Wir sitzen mit dem am Küchentisch, und lassen uns die ganze Lebensgeschichte erzählen. (…) Wir als oral historian sitzen gegenüber und nehmen alles mit Interesse und Respekt auf. Das heißt, es entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit, wo wir mehr Zeit haben - und mehr Raum lassen. Erzählerin Die oral history will mit Hilfe von Zeitzeugen die „ganze Geschichte“ erzählen. Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Milieus sollten ihre Erlebnisse, Sichtweisen und Lebenswelten darstellen können – und taten dies auch. So gaben in den USA der 1930er-Jahre die letzten Zeugen von Sklaverei und Bürgerkrieg ausführlich in Interviews Auskunft; im Ruhrgebiet erzählten Bergleute Forschern im O-Ton ihre Lebens-und Arbeits-Geschichte; und für ein Oral-History-Filmprojekt in der Schweiz schilderten 80 Zeitzeugen ihrer Erfahrungen aus erster Hand in der Entwicklungshilfe. Das Zusammentragen von Zeitzeugen-Berichten sollte der „offiziellen Geschichte“ eine Art „Geschichtsschreibung von unten“ entgegenstellen. MUSIK: Still waiting 0‘35 Erzählerin Zeitzeugen, sagt der Potsdamer Historiker Professor Martin Sabrow, brachten so schließlich auch eine andere Perspektive in die damalige Wahrnehmung des Nationalsozialismus in Deutschland - in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bewältigung der zurückliegenden NS-Zeit vor allem darin bestand, die Deutschen als Opfer von Hitler und seiner Vebrecher-Elite zu sehen: Nicht „die Deutschen als Opfer“, sondern die „Opfer der Deutschen“ rückten fortan in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. O-Ton 2 Prof. Martin Sabrow, Senior Fellow Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam „Für diese Gegenerzählung war der Zeitzeuge dann die entscheidende Figur: Er berichtete nicht von hohen Haupt- und Staatsaktionen und er berichtete auch nicht aus der Sicht der Mitläufer der Täter, der der deutschen, der dreißiger, vierziger Jahre - sondern ihrer Opfer.“ Erzählerin In Deutschland lernte so eine breite Öffentlichkeit den „Zeitzeugen“ in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kennen, erklärt die Berliner Geschichtsprofessorin Dorothee Wierling. O-Ton 3 Wierling „Als Massenphänomen, denke ich, verdankt sich der Zeitzeuge tatsächlich den schrecklichen Kriegen des Zwanzigsten Jahrhunderts in Europa und hier vor allem auch dem Zweiten Weltkrieg und den Erfahrungen von Tod und Völkermord.“ MUSIK: Secret proofs 0‘51 Erzählerin Spektakulär in Erscheinung trat dieser spezielle Zeitzeuge erstmals 1961: Beim Prozess gegen einen den Hauptorganisatoren des Holocaust, Adolf Eichmann. Im Jerusalemer Gericht ließ Generalstaatsanwalt Gideon Hausner über einhundert Zeugen auftreten. Die große Zahl der Zeuginnen und Zeugen diente weniger dazu, Eichmann Völkermord-Verbrechen einzeln nachzuweisen – dafür gab es bereits ausreichend stichhaltige Belege. Nein, diese Zeitzeugen dienten vielmehr dazu, das Unfassbare begreifbar zu machen: Gleichsam als Personifizierung des Grauens. Staatsanwalt Hausner sah darin den einzigen Weg, „die Katastrophe überhaupt zu konkretisieren“. Dadurch, so viele überlebende Zeugen aufzurufen, wie es der Gerichts-Prozess überhaupt zuließ - und jeden zu bitten, ein winziges Bruchstück dessen zu erzählen, was er gesehen und erlebt hatte. O-Ton 4 Sabrow „So entstand im Jerusalem Gerichtssaal ein dichtes Bild von im Schrecken dieser Vierziger-Jahre der deutschen Konzentrationslager - und damit war Gideon Hausner sozusagen der Erstproduzent dieser Zeitzeugenbewegung, wie wir sie bis heute noch kennen.“ Erzählerin Die besondere deutsche Geschichte von Nazi-Diktatur, Krieg und Völkermord brachte Martin Sabrow zufolge eine spezielle Form des Zeitzeugens hervor. Er unterscheidet sich demnach vom Tatzeugen, vom Augenzeugen - oder von historischen Fachexperten, die lediglich über Fakten Auskunft geben. Dieser Zeitzeuge ist laut dem Professor Martin Sabrow eine Figur, mit deren Hilfe man der Vergangenheit unmittelbar als Person begegnet. Sabrow erinnert sich an die ersten Gespräche von Schülern mit solchen Zeitzeugen. Damals, Anfang der 1980er-Jahre, war der Geschichtsprofessor noch Studienrat an einer Berliner Schule. Der junge Lehrer Sabrow hatte Isaak Behar, einen Zeitzeugen der Judenverfolgung in Berlin, in sein Klassenzimmer eingeladen. O-Ton 5 Sabrow „Es war noch nicht eingeübt, und schon gar keine Routine...Und plötzlich stand ein älterer Mann mit freundlichem Lächeln, aber auch etwas melancholischen Gesichtszügen vor der Klasse, die vielleicht auch erst mal gar nicht wusste: Was will der hier eigentlich? (...) Und dann erzählte Herr Behar, wie er dort von der Schule kam, den Savignyplatz entlang ging und in dann in die Grolmannstraße da einbog. Und er sah schon die Gardinen am Fenster, allerdings brannten sie. Und stürmt in das Haus, das waren nämlich die Gardinen der Wohnung seiner Eltern. Die Eltern waren weg, er hat sie nie wiedergesehen. Sie sind ermordet worden. Und plötzlich waren meine Schülerinnen und Schüler, die zuerst so halb zugehört hatten... plötzlich waren sie in den Bann gezogen. Da sitzt und steht ein Mann vor uns, leibhaftig Fleisch und Blut, und er hat etwas erlebt auf demselben Platz, den wir auch alle kennen, und es ist so radikal anders, wie es kein Buch dastellen kann.“ MUSIK: Thinking of better times 0‘17 Erzählerin Der Zeitzeuge als personalisierte Geschichte, die berührt – und sich berühren lässt: Auch heute wollten Schüler Überlebende des Holocaust nicht selten anfassen, sagt Dorothee Wierling. O-Ton 6 Wierling „Das hat was ganz Körperliches...Das hat irgendwie was...also was Religiöses, fast, ja. Und das Gefühl ist sehr stark. (…) Es geht wirklich dann mehr um die Aura. Und diese Aura des Überlebens ist sehr stark.“ Erzählerin Solche Zeitzeugen, ergänzt Wierlings Kollege Martin Sabrow, umwehe die Aura der Authentizität. Sie wirkten nicht allein durch den Inhalt dessen, was sie erzählen. Sie seien - im wahrsten Sinne des Wortes - die „Verkörperung“ eines historischen Dramas. MUSIK: Memory activity 035 Doch so eindrucksvoll, so wertvoll Zeitzeugen in ihrer Wirkung für die Erinnerungs- und Gedenkkultur auch sein mögen: Ihr Auftreten hat aus der nüchternen Perspektive der Wissenschaft betrachtet auch Schattenseiten. Der Bayreuther Soziologe Bernd Schnettler warnt davor, einzelne Aussagen von Zeitzeugen vorschnell für „bare Münze“ zu nehmen. Denn die Aura des Authentischen, des Einzigartigen, die Glaubhaftigkeit: Dies alles entstehe nicht allein in und aus der Persönlichkeit des Zeitzeugen heraus. O-Ton 7 Prof. Bernd Schnettler, Kultur- und Religionssoziologe, Uni Bayreuth „Das, was als Authentizität oft bezeichnet wird - also dieser Eindruck, wirklich überzeugt davon zu sein, was mein Gegenüber sagt - das ergibt sich ja eben aus dieser Begegnungssituation…´ „also deswegen ist auch die Glaubhaftigkeit etwas, was natürlich an ihnen liegt, was aber auch daran liegt, ob nun eine ausreichende Zahl von Menschen ihnen weiter folgen wird.“ Erzählerin Der Zeitzeuge wirkt demnach also durch und mit einem Publikum, das ihm folgen – und das ihm glauben will. Die Historikerin Dorothee Wierling berichtet indes von ihrem Unbehagen bei öffentlichen Auftritten von Zeitzeugen: Denn diese erzählten Geschehnisse nicht nur aus ihrer subjektiven Sichtweise. Manche Zeitzeugin oder mancher Zeitzeuge erinnere sich auch falsch, oder versah seine Erinnerung mit einer fragwürdigen Deutung. So etwa bei einer Veranstaltung mit einer Oppositionellen, die in der DDR wegen ihrer politischen Haltung in Haft saß – und diese vor Publikum unwidersprochen als „Konzentrationslager“ bezeichnete. Auf diesen Fehler hinzuweisen – vor dem unbestreitbaren Leiden der Frau schien dies keinen Sinn zu haben. O-Ton 8 Wierling „Jemand, der auf diese radikale Weise Opfer geworden ist, den kann man zum Beispiel nicht unterbrechen. Den kann man auch nicht kritisieren. Also das ist irgendwie gegen unser Gefühl, und es ist auch ungehörig. Es bedeutet aber auch, dass die Geschichte auch in anderer Hinsicht nicht hinterfragt wird – ja, dass man zum Beispiel nicht kritisieren kann, dass jemand einen bestimmten Begriff benutzt. Oder dass man nicht nachfragen kann, ob etwas wirklich so gewesen sei oder so. Das ist alles ungehörig. Und das meine ich jetzt nicht nur ironisch: Das ist wirklich unangemessen, weil die Leute ja mit ihrem Leid irgendwie unangreifbar geworden sind.“ ZSP 2 Enric Marco, Rede vor spanischem Parlament, span., dt. OV Sprecher Voice Over „Wir mussten uns splitternackt ausziehen, sie haben uns aller Habseligkeiten beraubt. Aber nicht nur aus Habgier, sondern, damit wir völlig nackt und schutzlos dastanden. Wir mussten uns ausziehen – und dann bissen uns ihre Hunde…“ MUSIK: Obscure intrique 0‘35 Erzählerin Der Katalane Enric Marco berichtete 2005 beim Holocaust-Gedenktag im spanischen Parlament von den Gräueln in einem deutschen KZ. Ein Auftritt, der etliche Abgeordnete zu Tränen rührte. Das Problem: Die Erlebnisse Enric Marcos – sie waren frei erfunden. Der Betrug konnte nur funktionieren, da die Geschichte Marcos allen Erwartungen gerecht wurde O-Ton 9 Schnettler „Wir haben ja ein ganzes institutionelles Gefüge, in dem diese Erinnerungen produziert, hergestellt und verbreitet werden. Erzählerin ...sagt der Soziologe Bernd Schnettler. Die Erinnerungen der Zeitzeugen seien – selbst wenn sie das „Siegel“ der Echtheit tragen – zuweilen weniger individuell, als es auf den ersten Blick scheinen mag, betont der Soziologie-Professor der Uni Bayreuth. Denn seine Wirkung gewinne der Bericht Enric Marcos nicht, weil der Zuschauer oder Zuhörer ihm eine Hundephobie zurechne. MUSIK: Terrible truth 0‘39 Sie wirke, weil wir, das Publikum des Zeitzeugen, die Hunde als Bestien der SS an der Selektionsrampe im KZ aktiv interpretieren – und damit eine Erinnerung reproduzieren, die schon gesellschaftlich verankert ist. Der Zuhörer setzt die Szene mit dem Hund also in einen historischen Zusammenhang, den er bereits verfügbar hat. Zuweilen, sagt Bernd Schnettler, sei es sogar so... O-Ton 10 Schnettler „...dass nämlich diese Erfahrungsberichte komplett sozusagen durch die kulturellen Rahmen erzeugt werden.“ Erzählerin Es sei auf jeden Fall ein Wechselspiel mit seinem Publikum, sagt der Soziologe, aus dem der Zeitzeuge seine Wirkungsmacht gewinne.Erwartungen, denen mancher Zeitzeuge gern nachkomme. O-Ton 11 Wierling „Das ist eben auch für den einzelnen dann oft sehr reizvoll, ja, diese, also diese Zustimmung zu bekommen ...dass dieser öffentliche Zeitzeuge eigentlich so stark eingebunden ist in eine Erzählung, die er kennt und von der weiß, dass er sie liefern soll und das wird ja auch belohnt, ja, wenn er sie so liefert. Und insofern bekommt er immer wieder die Bestätigung, daß das die Geschichte ist, die alle Leute hören wollen. Und das ist ja auch ne Bestätigung, nicht nur, dass er es richtig gemacht hat, sondern es ist ja auch eine Bestätigung, die er als Person bekommt.“ MUSIK: Undercover investigations red. 0‘26 Dass Zeitzeugen auch dazu dienen können, eine vorgefertigte Geschichte zu bestätigen - oder gar nur mehr als Statisten und Stichwortgeber fungieren: Dies beobachtet Dorothee Wierling vor allem bei den allgemein wohl bekanntesten Zeitzeugen: Den Protagonisten des so genannten Geschichtsfernsehens.. O-Ton 13 Wierling „Hier sind die Zeitzeugen sozusagen öffentlich aufgetreten, und zwar in einer Rolle von hochkontrollierten Sprechern. (...) und dieser Zeitzeuge, das ist wirklich eine Figur, die über das Fernsehen eigentlich erst ihre Rolle gefunden hat, und zwar in den neunzehnhundertachtziger Jahren.“ Erzählerin Die Zeitzeugen sind mediale Quotenrenner, aber den Erkenntnisgewinn so mancher Aussage hält der Potsdamer Professor Martin Sabrow für zweifelhaft. O-Ton 14 Sabrow „Ist es eine verdichtete Erzählung, die womöglich auch so geschnitten ist, daß sie den Erwartungen des Publikums entspricht? Erzählerin Die immense öffentliche Aufmerksamkeit stehe hier im Gegensatz zum ger…

    Full show notes at the publisher

    Was ist drin, im Fleischersatz? Alles Natur? Aug 29, 2025
    Show notes

    Immer mehr Menschen lassen Fleisch ab und zu weg. Inzwischen ist ein großer Markt für Ersatzprodukte entstanden, vom Aufschnitt auf Pflanzenbasis über das Hülsenfrüchte-Hack bis hin zu Pilz-Quinoa-Burgern. Oder auch Insekten, unterschiedlich zubereitet. Doch wie gesund sind diese Alternativen? Autor: Hellmuth Nordwig. (BR 2023)

    Credits
    Autor/in dieser Folge: Hellmuth Nordwig
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Katja Amberger
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Dr. Nils Grabowski, Leiter Hygiene und Technologie von Insekten, Tierärztliche Hochschule Hannover;
    Dr. Alison Stille, Walding Foods, Freising; Christian Zacherl, Geschäftsfeldmanager Lebensmittel, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, Freising;
    Dr. Susanne Gola, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, Freising;
    Prof. Christina Holzapfel, Institut für Ernährungsmedizin, TU München

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    Wir empfehlen außerdem diese spannende Folge von ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN:
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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
    Simon und Wolli wollen auffallen und provozieren. Sie sind Klimaaktivisten und gehören zur Gruppe "Letzte Generation". Die Presse hat sie längst als "Klimakleber" und Störenfriede betitelt. Von Autofahrern werden sie beschimpft, als Pisser und Arschlöcher. Heute sind sie auf dem Weg ins Stadion, um sich vor vielen Tausend Fußballfans an eines der Tore zu ketten und zu protestieren ... Autorin: Anna Dannecker
    Inside Klimaprotest - Welcher Protest wirkt? (1/3)
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    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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    WirTier (6): Biber-Fieber Aug 29, 2025
    Show notes

    "Biber ehrenhalber” sind die Wildlife-Fotografen Bettina und Christian: sie haben sich das Vertrauen einer Biber-Familie hart erarbeitet. Sie sind dabei, wenn die Biber fressen, spielen, ihre Babies groß ziehen. Ob auch Wir-Tier Host Julius ein Schnappschuss gelingt?

    CREDITS:

    Gäste: Bettina und Christian Kutschenreiter, Wildlife-Fotografen und „Biber ehrenhalber“ von der wilden Rasselbande am Inn

    Hosts und Reporter: Julius Bretzel und Victoria Marciniak

    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel

    Redaktion: Bernhard Kastner

    Technik: Stefan Oberle

    Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus

    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner

    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (6): Biber-Fieber findet ihr HIER.

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.

    Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.

    Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/

    Noch mehr über wilde Biber und Wildlife-Fotografie von Bettina und Christian Kutschenreiter könnt ihr hier erfahren:

    https://www.christian-kutschenreiter.de/

    Hier unser Podcast-Tipp:

    „Wild Crimes“ erzählt True Crime aus der Tierwelt, wo Mensch und Tier auf dramatische Weise aufeinandertreffen. Die neue Staffel dreht sich um die beiden Magier Siegfried und Roy: der weißer Tiger Mantacore attackiert Roy Horn - vor den Augen des Publikums zerbricht das Showimperium der beiden Magier. Was bleibt, sind Widersprüche und Spekulationen. Die neue Staffel Wild Crimes: „Siegfried & Roy und die Tigerattacke“ findet ihr hier: https://1.ard.de/wild-crimes

    Wildes Wissen gibt’s auch bei Radiowissen – hört doch mal rein in unsere Empfehlungen:

    Stille im Froschteich – Warum unsere Lurche verschwinden

    Es wird still in den ehemaligen Froschteichen, ähnlich wie bei den Insekten gehen auch die Zahlen unserer Amphibien stetig zurück. Ob Frösche, Salamander oder Kröten, immer weniger dieser Tiere finden bei uns geeignete Lebensräume. Die Ursachen dafür sind vielfältig, sie reichen von Folgen des Klimawandels, bis hin zu neuen Krankheiten und einem Rückgang unberührter, natürlicher Habitate. Habitate, die z.B. auch von Bibern geschaffen werden können, wenn sie durch ihre Staudämme für neue überflutete Teichgebiete sorgen.

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stille-im-froschteich-warum-unsere-lurche-verschwinden/bayern-2/14659657/

    Der Fischotter - Flinker Marder mit Schwimmhäuten

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-fischotter-flinker-marder-mit-schwimmhaeuten/bayern-2/78756094/

    Auch seine Rückkehr freut nicht jeden, vor allem die Fischteich-Betreiber hierzulande beklagen oft immense Verluste durch den geschickten Fischräuber. Lange war das elegante Tier bei uns verschwunden, er galt als ausgestorben. Jetzt kommt er langsam zurück, ein Erfolg für die Artenvielfalt in Deutschland.

    Wenn die Wildnis zurückkehrt: Lebensraum Steinbruch

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/bayern-2/13675797/

    Wunden in der Landschaft. Das ist oft der erste Eindruck eines aufgelassenen Steinbruchs. Doch manchernorts verwandeln Naturschützer die Mondlandschaft zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aber die paradiesischen Orte sind auch nicht ganz unumstritten.

    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche
    Folge 7, Sarah und die Schweine Sarah zeigt auf ihrem Hof den Besuchern, was für liebevolle Tiere Schweine sind. Wer Zeit mit ihnen verbringt, kann wunderbar zur Ruhe kommen.

    https://1.ard.de/7-sarah-und-die-schweine

    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?


    WirTier (5): Schlangengrube Aug 29, 2025
    Show notes

    Markus hat eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Selten sind Schlangen hierzulande eine Bedrohung, vielmehr selbst bedroht: Prestigeobjekte, Qualzuchten, illegale Handelsware. WirTier-Host Victoria nimmt ihren Mut zusammen: Schafft sie es, ihre Angst vor Schlangen zu überwinden?

    CREDITS:

    Gast: Dr. Markus Baur, Fachtierarzt für Reptilien und Leiter der Reptilienauffangstation München

    Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel

    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel

    Redaktion: Bernhard Kastner

    Technik: Stefan Oberle

    Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus

    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner

    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (5): Schlangengrube findet ihr HIER.

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.

    Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.

    Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/


    Alles über die Reptilienauffangstation München und den Traumjob von Markus Baur erfahrt ihr hier:

    https://www.reptilienauffangstation.de/

    Special thanks für wichtige Background-Infos in dieser Folge:

    · VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz

    https://www.vier-pfoten.de/

    · Pro Wildlife

    https://www.prowildlife.de/

    Hier unser Podcast-Tipp:

    Wenn ihr Geschichten liebt, die euch in scheinbar andere Welten entführen, dann hört doch mal rein bei „Elefant, Tiger und Co.“ Zooreporter Dirk Hentze begleitet die Menschen, die jeden Tag im Zoo Leipzig mit den faszinierendsten Tieren arbeiten:

    https://www.ardaudiothek.de/sendung/elefant-tiger-und-co-der-podcast/87848258/

    Welche Schlangenarten sind in Deutschland heimisch? Schaut mal rein bei ARD Alpha:

    Sieben Schlangenarten gibt es in Deutschland. Wir zeigen euch, wie sie aussehen - und verraten, welche Schlange giftig ist.

    https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/schlangen-deutschland-giftig-bilder-wasser-schwimmen-groesste-schlangenart-100.html

    Wer noch mehr Faszinierendes erfahren möchte aus der Welt der Reptilien, dem empfehlen wir auch unsere Tier-Features bei Radiowissen:

    Die Kreuzotter - Gut getarnt und giftig

    Radiowissen · Die Kreuzotter - Gut getarnt und giftig · Podcast in der ARD Audiothek

    Die Kreuzotter ist Bayerns einzige Giftschlange. Doch gefährlich wird sie uns Menschen in der Regel nicht, denn sie lebt im Verborgenen, ist extrem gut getarnt und sie ist sehr scheu. Es ist daher eher ein seltener Glücksfall, einer Kreuzotter in freier Wildbahn zu begegnen. Zudem ist die schön gemusterte Schlange vom Aussterben bedroht: früher wurde sie gnadenlos gejagt, heute setzen ihr schwindende Lebensräume und der Klimawandel zu.

    Riesenschildkröten, die letzten ihrer Art?

    Radiowissen · Riesenschildkröten, die letzten ihrer Art? Alles Natur · Podcast in der ARD Audiothek

    Sie sind wahre Giganten unter den Schildkröten: Die imposanten Riesenschildkröten auf Galápagos. Beinahe hätte der Mensch auch diese Relikte der Urzeit ausgelöscht, denn die frühen Seefahrer machten Halt auf Galápagos und nahmen die genügsamen Tiere als lebende Fleischreserven mit auf ihre Schiffe. Heute sind diese einmaligen Tiere streng geschützt.

    Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig

    Radiowissen · Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig · Podcast in der ARD Audiothek

    Sie bilden eine ganz eigene, uralte Tiergruppe: die Amphibien! Und ohne sie würde es Säugetiere, Vögel und Reptilien nicht geben, denn sie waren es, die vor Jahrmillionen von Jahren den Schritt vom Wasser ans Land gewagt haben.

    Über die faszinierende Zunge von Schlangen, Salamandern und Schnecken:

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-zunge-ein-meisterwerk-der-evolution/bayern-2/13536949/

    Beim Salamander ist die Zunge extra klebrig und kann greifen, die Giraffe kann sie in die Länge ziehen, die Schlange mit ihr in zwei Richtungen riechen – und der Schnecke wachsen auf der Zunge kleine Raspelzähne: ein Meisterwerk der Evolution und Inspirationsquelle für Technik und Robotik.

    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche
    Folge 6, Birga und die Katzen Birga ist verrückt nach Katzen. So sehr, dass die Katzenexpertin das Schnurren abspielt, wenn sie in Hotels ohne ihre Katzen einschlafen muss.

    https://1.ard.de/6-birga-und-die-katzen

    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?

    Lion Feuchtwanger - Ein Schicksal, drei Bibliotheken Aug 28, 2025
    Show notes

    Bibliotheken haben bekanntlich keine Füße. Aber - Lion Feuchtwanger, der Meister des historischen Romans, musste schnell sein, auf der Flucht vor den Nazis. So baute er in seinem Leben drei Bibliotheken auf, mit jeweils mehr als 10.000 Büchern: In Berlin, im französischen und amerikanischen Exil. Diese Bibliotheken waren weit mehr als nur Bücher in Regalen - sie waren das immobile alter ego Lion Feuchtwangers. Von Michael Zametzer CreditsAutor dieser Folge: Michael ZametzerRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Udo Wachtveitl, Christopher MannTechnik: Stefan OberleRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Dr. Julia Schneidawind, Ludwig-Maximilians-Universität MünchenDr. Heike Specht, Schriftstellerin, International Feuchtwanger Society Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Linktipps:Website der Ad hoc-AG „Judentum in Bayern in Geschichte und Gegenwart“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften HIER gehts zur Website Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Zitator (Lion Feuchtwanger): Wie gefällt Ihnen mein Haus, Herr X? Lebt es sich angenehm darin? hat der silbergraue Teppichbelag der oberen Räume bei der Plünderung durch die SA- Leute sehr gelitten? Sprecher: Im Jahr 1933 besetzen und enteignen die Nazis das Haus von Lion Feuchtwanger in Berlin… Zitator (Lion Feuchtwanger): Was fangen Sie wohl mit den beiden Räumen an, die meine Bibliothek enthielten? Bücher, habe ich mir sagen lassen, sind nicht sehr beliebt in dem Reich, in dem sie leben, Herr X. Und wer sich damit befasst, gerät leicht in Unannehmlichkeiten. Sprecher: Die Bibliothek umfasst über 30.000 Bücher. Erstausgaben, deutsche Klassiker, Jüdische Literatur. Das Arbeitswerkzeug des Schriftstellers, des Bestsellerautors Lion Feuchtwanger… Zitator (Lion Feuchtwanger) Kommt es Ihnen nicht doch manchmal merkwürdig vor, dass sie in meinem Haus sitzen? Ihr Führer gilt sonst nicht als Freund der jüdischen Literatur. Musik 2: The ship – 1:02 Min Sprecher: Drei Bibliotheken hat Lion Feuchtwanger in seinem Leben aufgebaut. Die Erste in Berlin. Und noch zwei im Exil. Im französischen Sanary-Sur-Mer, und schließlich in Pacific Palisades, einer Villenkolonie nahe Los Angeles. Er, der Münchner Jude, der Weltschriftsteller, berühmt für seine historischen Romane, für Jud Süß, Erfolg, die Josephus-Trilogie, wird die USA nie mehr verlassen. Er bleibt staatenlos. Und die Bibliotheken erzählen vom Leben des deutschen, des bayerischen, des jüdischen Schriftstellers Lion Feuchtwanger. 1 ZSP Julia Schneidawind Es sollte auch eine Bibliothek der deutschen Sprache werden… Sprecher: Julia Schneidawind hat für die Ad hoc-Arbeitsgruppe „Judentum in Bayern in Geschichte und Gegenwart“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet und forscht nun am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Für ihre Doktorarbeit hat sie die Schicksale von Privatbibliotheken deutsch-jüdischer Schriftsteller untersucht: Franz Rosenzweig, Jakob Wassermann, Karl Wolfskehl, Stefan Zweig und – Lion Feuchtwanger. Dessen letzte Bibliothek, in Pacific Palisades bei Los Angeles, hat für sie einen besonderen Stellenwert. 2 ZSP Julia Schneidawind Er hatte ja ganze Abteilungen, die sich wirklich deutschsprachigen Literaten und Schriftstellerinnen gewidmet haben, und es war ihm auch ein Anliegen, das zu zeigen. Und es waren zum einen die Exil-Schriftsteller, -Schriftstellerinnen, aber auch eben jene, die es nicht ins Exil geschafft haben. Und dafür stellt der Ort auf jeden Fall auch einen ja, wie wir heute sagen, eine Memorial Library dar. Sprecher: Aber egal, ob in Berlin, im französischen oder amerikanischen Exil - Natürlich war jede dieser drei Bibliotheken Feuchtwangers auch ein repräsentativer Ort. Besucher sollten nicht nur seltene Erstausgaben bewundern, sondern auch das intellektuelle Koordinatensystem erspüren können, in dem sich der Erfolgsschriftsteller bewegte. Die Bibliotheken waren aber noch mehr. Sie waren Feuchtwangers immobiles Alter Ego. Und als ihr Besitzer schnell sein musste, um zu entkommen, blieben Sie am Ort und waren den Nazis ausgeliefert. So erzählen diese Bibliotheken zunehmend auch von einem Menschen in der Fremde, der immer wieder versucht, mit Büchern eine Verbindung zum verlorenen Zuhause herzustellen. MUSIK 3: Möw‘, Du…“ (Drehorgel) - 30 Sek Sprecher: Lion Feuchtwanger kommt aus einem bürgerlichen Münchner Haus. Der Vater, Sigmund Feuchtwanger ist erfolgreicher Margarinefabrikant. Er stammt aus einer alten fränkisch-jüdischen Familie. Lion, ältestes von neun Kindern, wächst im Münchner St. Anna-Viertel auf. Die Familie gehört zum orthodoxen Münchner Judentum, lebt die strengen jüdischen Traditionen, aber… 3 ZSP Heike Specht Die Feuchtwangers waren eben eine besondere Mischung für die damalige Zeit. Bayerisch-Barock würde ich fast sagen, und jüdisch-orthodox. Das ging ganz gut zusammen. Sprecher: Die Schriftstellerin Heike Specht hat sich intensiv mit dem Leben der weitverzweigten Familie Feuchtwanger beschäftigt, mit ihren Traditionen und ihrem jüdischen Selbstverständnis. Ein Selbstbewusstsein, dass sich auch in der stattlichen Bibliothek des Elternhauses widerspiegelt. Julia Schneidawind. 4 ZSP Julia Schneidawind Das ist, denke ich, charakteristisch für diese Sammlungen um die Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts, dass diese Sammlungen natürlich seit der Jugend meistens wachsen, wenn man aus einem bildungsbürgerlichen Elternhaus kommt. Und natürlich spielen dann auch Antiquariate eine große Rolle. Und so wachsen sozusagen diese Sammlungen über die Generationen und kriegen natürlich immer einen sehr eigenen Zuschnitt über die Interessen, die man eben persönlich dann auch hat. Sprecher: Die Bibliothek von Vater Sigmund bietet einen Schatz an jüdischer und weltlicher Literatur und ist bei bibliophilen Menschen über die Grenzen Münchens hinaus bekannt. In den Regalen stehen Bibelinterpretationen ebenso wie die Märchen von Wilhelm Hauff und Werke der Deutschen Klassik, aber auch moderne Literatur von Wedekind bis Hauptmann. Prägender Lesestoff für den jungen Lion. 5 ZSP Julia Schneidawind Also gerade in den Jugendjahren Feuchtwangers, vermute ich, da hat er auch sehr stark auf die Bibliothek seines Vaters zurückgegriffen. Er hatte eine unglaublich einzigartige Sammlung, die heute komplett in Vergessenheit geraten ist und auch leider verschollen. MUSIK 4: König Waldemar’s Nigun – 32 Sek Sprecher: Seine Schulzeit in München, auf dem konservativen Wilhelmsgymnasium, beschreibt Lion Feuchtwanger nicht gerade überschwänglich positiv. Und zuhause wartet dann noch ein Privatlehrer mit den Studien von Talmud und Bibel. Aber – er beginnt früh zu schreiben, gewinnt schon als Gymnasiast einen Wettbewerb, studiert nach dem Abitur Geschichte, Philosophie und Deutsche Philologie, promoviert brillant über Heinrich Heines „Rabbi von Bacherach“. (Musik aus) Eine akademische Laufbahn, eine Professur aber ist ihm – als Juden – de facto verwehrt. Er gründet eine Zeitschrift, schreibt Artikel, Theaterkritiken und lebt das Leben der Schwabinger Bohème. Feuchtwanger macht mit ersten Veröffentlichungen von sich reden, hält sich aber auch als Nachhilfelehrer finanziell über Wasser. Julia Schneidawind. 6 ZSP Julia Schneidewind Da gibt es Anekdoten darüber, dass er aufgrund seiner, ja, nicht Abneigung zum Glücksspiel häufig seine Bibliothek verspielte und dann die Bücher sozusagen abgeben musste. Sprecher: Wobei die ersten Bücherbestände Feuchtwangers wohl schwer den Namen „Bibliothek“ verdienen mögen. Den Luxus einer eigenen, großen, repräsentativen Bibliothek wird er sich erst Jahre später erfüllen können. Noch aber, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, ist das Geld knapp, und die Lust Lions am Leben groß. 1912 heiratet er Martha Löffler, die aus einer wohlsituierten, jüdischen Familie in München stammt. Das Paar schwimmt im Zeitgeist, im Leben der Bohème. Dann der Schicksalsschlag: Die einzige Tochter, Elisabeth, stirbt schon im Alter von zwei Monaten. MUSIK 5: Means of escape – siehe vorn – 45 Sek Sprecher: Das Paar macht eine ausgedehnte Reise, nach Südfrankreich, nach Italien und Nordafrika. Im August 1914 – sie sind gerade in der französischen Kolonie Tunesien – bricht der Weltkrieg über Europa herein. Feuchtwanger verfällt nicht in patriotisches Hurra-Geschrei wie viele seiner schreibenden Kollegen, entzieht sich aber auch nicht der Einberufung. Seine labile Gesundheit erspart ihm den Fronteinsatz. Die Entfesselung von Hass, Krieg und nationalistischem Rausch in Europa aber werden aus Lion Feuchtwanger einen politischen Schriftsteller machen. MUSIK 6: Hypnose - 43 Sek Sprecher: Die ersten Jahre der Weimarer Republik werden zu den ersten Erfolgsjahren für Feuchtwanger. Nicht mehr nur seine Theaterkritiken, sondern auch seine Bühnenstücke werden gedruckt und – gespielt. Ein Stück aber findet bei den Verlagen gar keinen Anklang: Die Geschichte des Juden Joseph Süß Oppenheimer am Hof des Württembergischen Herzogs. In „Jud Süß“ behandelt Feuchtwanger die zentralen Fragen der Assimilation von Juden in Deutschland. Von Marta kommt der Vorschlag, den Stoff doch als historischen Roman umzusetzen. 7 ZSP Heike Specht Also sie hat ihn auf diese Spur gesetzt und das hat dann funktioniert und wurde ja dann wirklich schon in den Zwanzigern ein Weltbestseller, was ja überhaupt erst quasi das Fundament gelegt hat, dann auch für seinen Lebensstil in Deutschland noch und dann aber vor allem im Exil. Musik 7: Hypnose – siehe oben – 33 Sek Sprecher: „Jud Süß“ wird ein Welterfolg, der sich schon im ersten Jahr 100.000mal verkauft. In Großbritannien und den USA erscheint der Roman ab 1926 auf Englisch unter dem Titel „Power“, später folgen Übersetzungen in 15 weitere Sprachen. Bittere Ironie der Geschichte: Der Roman liefert später die Vorlage für den wohl schlimmsten antisemitischen Propagandafilm der Nazis. MUSIK aus Sprecher: In den frühen 1920er Jahren wächst auch die Freundschaft zu Bertolt Brecht. Der bedingungslose Erneuerer des Theaters findet in Lion Feuchtwanger, dem Erfinder des dramatischen historischen Romans, einen streitfreudigen Partner. MUSIK 8: Tresor unser – 43 Sek Sprecher: 1925 wird den Feuchtwangers dann München zu klein – und das Klima zu nationalistisch. Das heiße Pflaster der Weimarer Jahre liegt ohnehin nicht an der Isar, sondern an der Spree. In Berlin leben auch viele jüdische Intellektuelle, Schriftsteller, Filmemacher, Schauspieler. Wenn München Anfang des 20. Jahrhunderts noch leuchtete, so pulsiert Berlin nun im Takt der modernen Zeit. MUSIK weg, Atmo tickende Standuhr Sprecher: Lebenslanges, intensives Lesen ist zentral für die Arbeit Lion Feuchtwangers. Dementsprechend richtet er ab 1932 im neuen Berliner Domizil, einer Villa am Grunewald, eine umfangreiche Bibliothek ein. In den Regalen seines Arbeitszimmers stehen dann etwa 300 Bücher, die er für das aktuelle Romanprojekt benötigt. Also eine Art Handapparat, das Handwerkszeug des Autors. Insgesamt wird die neue Sammlung über 10.000 Bücher umfassen. Eine Bibliothek zum Arbeiten, mit einigen wertvollen Bänden. 8 ZSP Julia Schneidawind: Lion Feuchtwanger war jetzt kein klassisch bibliophiler Sammler, aber er hat sich durchaus auch Erstausgaben gegönnt. Also da war er manchmal schon interessiert, gerade dann, wenn diese Werke auch Bezug zu seinen eigenen Arbeiten hatten. Sprecher: 1930 erscheint der Roman „Erfolg“. Er macht seinem Titel alle Ehre und beschert Feuchtwanger Ruhm und Geld. Der Schlüsselroman zeichnet ein karikaturenhaftes Bild vom gesellschaftspolitischen Klima der zwanziger Jahre in München. Das Personentableau verweist dabei direkt auf die Akteure jener Zeit, die den Nährboden des deutschen Faschismus mit gedüngt haben. Die Schriftstellerin Heike Specht: 9 ZSP Heike Specht: Genau dieser Blick ins Innere, dieses gnadenlose Wahrnehmen, wie die nichtjüdische Gesellschaft, die Mehrheitsgesellschaft tickt. Das ist tatsächlich prophetisch. MUSIK 9: Der Drache – 46 Sek Sprecher: Von der Machtübernahme der Nazis erfahren die Feuchtwangers in den Vereinigten Staaten, wo sie seit 1932 auf einer langen Vortrags- und Lesereise unterwegs sind. Und – sie stehen ganz oben auf der Feindesliste der Nazis. Am 10. Mai 1933 brennen Feuchtwangers Bücher auf dem Berliner Opernplatz. Sein Name steht auf der ersten Ausbürgerungsliste und – die gleichgeschaltete Universität in München erkennt ihm den Doktortitel ab. Sprecher: Und zuhause, in der Berliner Villa, bleibt kein Buch neben dem anderen stehen. Julia Schneidawind: 10 ZSP Julia Schneidawind Die Bibliothek Lion Feuchtwangers in Berlin wurde tatsächlich schon 1933 von den NS-Behörden geplündert. Und das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Lion Feuchtwanger von Beginn ein sehr starker Kritiker des Regimes war und auch das öffentlich gemacht hat. Und das war auch der Grund, warum gerade diese Bibliothek schon 33 eben geplündert wurde in seiner Villa in Berlin. Während andere Bibliotheken erst später dann tatsächlich das Interesse der NS-Behörden auf sich gelenkt hatten, war es eben dieses Beispiel für sehr frühe Plünderung. Und wir wissen heute tatsächlich nicht, was mit den einzelnen Büchern passiert ist. Es gibt auch wieder nur Anekdoten darüber, dass die Bücher verschleudert wurden, also dass die Nazis das irgendwie versucht haben, zu Geld zu machen. Aber Anhaltspunkte dafür haben wir leider nicht. Sprecher: Weil sie nicht nach Deutschland zurückkönnen, wählen Lion und Marta ein Exil in Frankreich, den malerischen Küstenort Sanary-sur-Mer an der Cote d’Azur. Dort stranden viele deutsche und österreichische Intellektuelle auf ihrer Flucht vor den Nazis: Hermann Kesten, Bertolt Brecht, die Brüder Mann, Arnold Zweig. Lion Feuchtwanger beginnt sofort mit dem Aufbau einer neuen, der zweiten Bibliothek. 11 ZSP Julia Schneidawind: Lion Feuchtwanger hat dann sozusagen da auch Sammlungen gekauft, aber natürlich auch auf antiquarische Bestände zurückgegriffen. Es gibt diese eine Aufzeichnung in seinem Tagebuch, da schreibt er von einem Besuch von einem Herrn Spier. Ich konnte leider nicht genau rekonstruieren, um welchen Herrn Spier es sich handelt, der ihm die Bibliothek anbietet, und er notiert in das Tagebuch Bibliothek von Spier gekauft. Das ist ein Beispiel dafür. Sprecher: Diese zweite Bibliothek wächst in den folgenden Jahren auf über 20.000 Exemplare an. Sie ist vor allem eine Arbeitsbibliothek. MUSIK 10: About something – 36 Sek Sprecher: Mit der Besetzung Frankreichs 1940 zieht sich auch für die deutsche Exilgemeinde die Schlinge nun zu. Lion Feuchtwanger kommt in das Lager Les Milles und später nach Saint Nicola bei Nimes. Marta, die selbst zeitweilig interniert war, gelingt es, mithilfe eines jungen Diplomaten der amerikanischen Botschaft, ihren Mann aus dem Lager zu holen – mit dem Auto, wie sie in den 1950er Jahren im Interview erzählt. Dabei bedient sie sich einer List: 12 ZSP Archiv: Marta Feuchtwanger Und dann gab ich ihm einen Zettel mit, da stand nur darauf: frag nicht, sag nix, steig ein. Und daraufhin ist mein Mann in das Auto eingestiegen. Und da gab ihm der Konsul einen Mantel und ein Tuch. Und da, wenn die Wachen in angehalten hatten, bei der Rückfahrt, hat er immer gesagt, das ist meine Schwiegermutter. Sprecher: Nach einer abenteuerlichen Flucht über Spanien und Portugal erreichen die Feuchtwangers schließlich die Vereinigten Staaten. Musik 11: The ship – siehe oben – 34 Sek Sprecher: Und die Bibiliothek in Sanary-Sur-Mer? Julia Schneidawind hat den Weg der Bücher rekonstruiert. Lion Feuchtwanger kann seine Mitarbeiterin Lola Sernau noch beauftragen, die Bücher aus der Villa in Frankreich zu holen und zum Verschiffen in Kisten zu verpacken. All…

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    Heißgeliebt über Jahrtausende - Die Kulturgeschichte der Eiscreme Aug 28, 2025
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    Wer denkt, Eiscreme verführt die Menschen erst seit der Erfindung der Tiefkühltruhe, der irrt. Schon vor 5000 Jahren sollen die alten Chinesen daran genascht haben. Seither erscheint die Eiscreme in stets neuem Gewand und ist weltweit heißgeliebt - ob als Eis am Stiel, Konfekt oder im Becher mit Sahne. Von Susanne Hofmann CreditsAutorin dieser Folge: Susanne HofmannRegie: Martin TraunerEs sprachen: Susanne Schroeder, Jerzy MayTechnik: Simone LobenhoferRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:PD Dr. Heiner Stahl, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Universität SiegenDr. Fritz Treiber, Molekularbiologe Universität Graz, dort auch Koordinator für Ernährung, Gesundheit und KonsumGiorgio Ballabeni, Eismacher in München Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:Napoletana, Margherita, Diavolo - Die Kulturgeschichte der Pizza JETZT ENTDECKEN Tomate, Paradeiser, Pomodoro - Auf Siegeszug durch Europa JETZT ENTDECKEN Die Wurst - Von Tradition bis Tofu JETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: 1. ZUSPIELUNG (Eisdiele - Aufnahme 25 Eisdiele) 0:29 Ich hätte gern einmal Mango-Maracuja, einmal Pistazie 0:55 Rote Früchte und Pistazie bitte. 2:01 Ich hätte gerne Schokolade und Rose Was bekomme ich? Rote Früchte, Schokolade und Pistazien ERZÄHLERIN Aus den Edelstahlbehältnissen in der großen Vitrine leuchten sie einem entgegen: zwei Dutzend Eissorten, Sorbet und Milcheis - Pistazie, Schokolade, Vanille, Himbeere, Melone ... Davor hat sich eine Schlange gebildet, bis hinaus auf den Gehweg in der Münchner Maxvorstadt. Und in einem Nebenraum, in der Werkstatt des Eismachers Giorgio Ballabeni [spricht man wie geschrieben], hat sich eine Handvoll Gourmets und Hobbyköche versammelt. Sie wollen das Geheimnis der Eiscreme lüften. 2. ZUSPIELUNG Aufnahme 15 0:30 „Das war immer was Besonderes, also von klein auf. Eine Kugel hat damals 25 Pfennige gekostet. Und dann gab es damals nur fünf Eissorten. Und dann ist man davorgestanden, hat sich die Nase plattgedrückt und hat dann seine Lieblingseissorte dann gern bekommen. Herrlich“ 2b) Aufnahme 5 Minidialog 0:12 „Wir haben zuhause eine Eismaschine und machen gerne selber Eis. Und meine Frau mag sehr gerne Schokoladeneis und die meisten Schokoladeneis, die haben jetzt Stückchen drin. Und das verstehen wir nicht. Wir wollen also einen Schokoladeneis ohne Stückchen selber machen. (0:30) Was ich halt so gerne mag, ist Schokoladeneis mit Sahne. Und das ist dann so ein zarter Schmelz im Mund, und wenn ich Stückchen drinnen hab, dann passt das nicht. - Und das mit Stückchen drin, das ist vielleicht eine amerikanische Eigenart, also mit irgendwelchen Keksen oder sowas. Deshalb nix mit einem richtig guten Eis zu tun.“ MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (0:15) ERZÄHLERIN Richtig gutes Eis – wie man das selbst macht, wollen sie von ihm lernen: dem Eismacher Giorgio Ballabeni, geboren in Padua und mit seiner Eisdiele seit Jahrzehnten eine der ersten Adressen für Eisgenuss in München. 3. ZUSPIELUNG Ballabeni 4) 1.10 „Man braucht 3 Faktoren um eine perfekte Eis – Technologie, Tesoro, den Wert von den Rohstoff und Talent, 3 T. ERZÄHLERIN In der Mitte des kleinen hellen Raumes: Eine große Arbeitsfläche, darauf blitzen große Edelstahltöpfe. Griffbereit: Küchenwaage und Mixer. In die Arbeitsfläche eingelassen: mehrere Eis-Behälter. Hier entsteht in den nächsten drei Stunden frisches Schokoladen-, Pistazien-, Cappuccino- und Vanilleeis sowie Himbeer- und Zitronensorbet. 4. ZUSPIELUNG 10) 0.2 Szene: Ballabeni – „Als erster Schritt ist Wasser, wir wiegen Wasser…“ - Atmo liegenlassen ERZÄHLERIN Der Maestro hantiert mit dem Saft von erntefrischen Zitronen aus Sizilien, verschiedenen Arten von Zucker und fügt einige Tropfen ätherisches Zitronenöl hinzu. Alles wird in einem großen Chromtopf aufgekocht und dann mit dem Mixer zu einer homogenen Masse verrührt. MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (0:12) Auch wenn wir Eis mit Italien assoziieren und die meisten Eisdielen hierzulande traditionell in italienischer Hand sind – erfunden wurde die Eiscreme nicht jenseits der Alpen, sondern MUSIK: „China“ – (0:15) ERZÄHLERIN in China und das wohl schon vor rund 4.000 Jahren. Dass hier die Anfänge der eisgekühlten Süßspeise liegen, sagt auch der Molekularbiologe Fritz Treiber von der Universität Graz. Er führt seine Studentinnen und Studenten regelmäßig durch die Weltgeschichte der Ess- und Tischkultur. 5. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 0:50 „Und da ist natürlich Eis auch ein Thema, … 1:56 Das ist immer schwierig, man braucht ja Quellen dazu, wo jemand was notiert hat, was da gegessen wurde, und die noch vorhanden sind, die stammen aus China. Wo eben Eis oder Schnee dann vermischt wurde mit Honig und Früchten. Und das war wirklich nur eine Speise für also für Könige, für Kaiser, beziehungsweise dann für wirklich gehobene Schichten, weil natürlich Eis selten oder weit hertransportiert hat müssen, und ja, das war wirklich eine Speise für Leute, die damals schon viel Geld gehabt haben.“ ERZÄHLERIN Die Chinesen legten Höhlenkeller zum Konservieren von Lebensmitteln an. Darin bewahrten sie große Eisblöcke auf, die sie im Winter aus zugefrorenen Seen oder Flüssen gehauen hatten. Diese Eishöhlen fungierten als riesige Kühlschränke. Als besondere Köstlichkeit galt in ihnen, einige Jahrhunderte später, eisgekühlter Brei aus zerkochtem Reis, Gewürzen und Milch. Wenig später begannen auch die Menschen weiter westlich, sich für eine frühe Form von Eiscreme zu erwärmen, sagt Fritz Treiber von der Universität Graz: 6. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 5.35 „Es ist überliefert, so im fünften vorchristlichen Jahrhundert, dass im Perserreich auch schon Eis gegessen wurde, da waren es dann Kombinationen mit Rosenwasser, mit Safran und Obst. Ja, also sehr, sehr exklusiv auch. Aber natürlich auch wohlschmeckend. Und es ging dann weiter – Alexander der Große soll sich auch am Eis erfreut haben. In Griechenland der Antike wurde Eis gegessen, und auch bei den Römern stand es auf der Speisekarte.“ MUSIK: „Awakening“ – (1:05) ERZÄHLERIN Hippokrates, der berühmte Arzt des Altertums und Verfechter der Säftelehre, lobte Gefrorenes als Wohltat für den Körper – es belebe die Säfte, befand er. Gut 500 Jahre später, kurz nach Christi Geburt, herrschte in Rom Kaiser Nero. Er soll sich von Staffelläufern Schnee von den Bergen gebracht haben lassen. Eine Butte mit der eiskalten Fracht wurde immer weitergegeben, so dass Nero im heißen Rom seinen Gästen exklusiv erfrischendes Eis, damals wohl eine Sorbet-artige Speise, servieren lassen konnte. Vermutlich wurde das Eis kleingestoßen und als körnige Masse vermischt mit Früchten und Honig gereicht. Eine Art frühe Granita, wie man sie heute noch in Italien bekommt. Mit dem Ende des Römischen Reichs verlieren sich vorerst die Spuren der Eiskultur im Westen. 7. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 8:00 „Und erst viel, viel später ja, da sind wir schon in der Renaissance, ist man dann draufgekommen: Man gibt noch a Milch, Fett, Rahm dazu und dann Früchte und rührt das Ganze auf. Und dann kommt so was, was wir jetzt als Eis kennen, so was Cremeartiges, das man dann löffeln kann. Aber bis dorthin war das ein langwieriger Prozess, weil es auch keinen Kühlschrank gegeben hat, das darf man nicht vergessen, und kein Gefrierfach. Das heißt, da ist man immer angewiesen auf Eisblöcke, die man im Winter gesammelt hat, irgendwo in einen großen Keller gegeben hat und dann von dort des Eis dann verarbeitet hat, und somit war es immer ein rares Gut und natürlich nur einer gewissen Herrschaftsschicht, Adelsschicht oder sehr sehr reichen Bürgertum vorbehalten.“ MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (0:25) ERZÄHLERIN Ganz anders heute, wo man Eis in jedem Supermarkt und an jeder Straßenecke bekommt. Der Kurs von Giorgio Ballabeni für angehende Eismacherinnen und Eismacher ist allerdings eine durchaus exklusive Veranstaltung. Schließlich teilt der Meister hier seine Rezepte, an denen er Jahrzehnte lang gefeilt hat. Nach einer Stunde bekommen die Teilnehmer eine erste Kostprobe vom frisch zubereiteten Zitronensorbet: 8. ZUSPIELUNG 3.55 „Ausgesprochen lecker, das Zitronensorbet hat genau die richtige Säure, dass es noch nach Zitrone schmeckt, aber eben nicht bitter, sondern total erfrischend, … ERZÄHLERIN Weniger freigiebig gingen die Köche im Europa der Renaissance mit den Rezepten ihrer Eiskreationen um. Sie waren ein wohlgehütetes Geheimnis. Eisgenuss blieb der gehobenen Küche vorbehalten. Im 16. Jahrhundert erfuhr die Eiscreme in Italien eine wichtige Weiterentwicklung – erstmals verwendeten die Italiener Milch als Zutat. Und in Rom machte ein Arzt eine bahnbrechende Entdeckung: Blasius Villafranca bemerkte, dass sich Wasser abkühlen ließ, indem man Salpeter oder Salz beimengte. Diesen Effekt nutzte man ab sofort für die Herstellung von Eis. Wie sie funktioniert, erklärt der Historiker Dr. Heiner Stahl vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Siegen. Er forscht zu Sinnes- und Geschmacksgeschichte und zur Geschichte der Eiscreme: 9. ZUSPIELUNG 16:13 Stahl „Also stellen Sie sich vor, Sie haben einen Holzzuber, einen relativ großen. Und da tun Sie Wasser rein, da tun Sie gehacktstücktes Natureis rein und Salz. Es heißt also es ist eine Salz-Wasser-Eis-Lösung, … und das rühren sie im Kreise, dass das sozusagen in Bewegung ist, … dann stellen Sie in die Mitte einen Messingbüchse, und in diese Messingbüchse haben Sie das hineingetan, was Sie gefrieren lassen wollen. … das haben Sie vorher aufgekocht, und diese noch warme Masse kommt dann in diese Messingbüchse, und dann wird es physikalisch: Nämlich die Hitze wird durch das Metall abgeleitet nach außen, … wird in dieser Salzwasserlauge gespeichert, und an der Innenseite von dieser Büchse gefriert dann diese Masse.“ ERZÄHLERIN Es findet also ein Wärmeaustausch statt, die Kälte gelangt nach und nach in die Eiscreme. Diese entsteht ganz langsam dadurch, dass das Gefrorene ständig von der Innenwand des Gefäßes abgeschabt und in die weniger kalte Masse untergemischt wird, bis die gesamte Creme allmählich von Kälte durchdrungen ist. Seit Villafrancas Entdeckung ist nun also – auf den ersten Blick paradox – Salz die wichtigste Zutat im Herstellungsprozess der Süßspeise Eis. Die Kühlmethode mittels Salz ermöglichte es den Florentiner Konditoren, das weltweit erste Speiseeis von fester Konsistenz herzustellen. Bis heute funktionieren Eismaschinen übrigens nach dem gleichen Prinzip mit einem doppelwandigen Gefäß: In das äußere Gefäß kommt Kühlflüssigkeit, im inneren entsteht durch Abkühlung und ständiges Rühren das Speiseeis. MUSIK: „Nahe Ferne“ – (1:55) ERZÄHLERIN Von Italien aus gelangten die Eis-Rezepte nach Frankreich – eine Art Mitgift von Katharina von Medici aus Florenz, die 1533 den späteren König von Frankreich heiratete. Sie wollte, so heißt es, den Franzosen die Überlegenheit der Esskultur ihres Landes vor Augen und Gaumen führen. Französische Konditoren entwickelten daraus die Eisbombe, eine besonders raffinierte Kreation, die aus mehreren Schichten von Eiscreme unterschiedlicher Geschmacksrichtungen bestand. Eines der ersten erhaltenen Rezepte für Eiscreme stammt aus einem französischen Kochbuch aus dem Jahr 1682 – es trägt den poetischen Namen „Schnee von Orangenblüten“: ZITATOR „Nimm süße Sahne und gib hinein zwei Handvoll feinen Zucker und nimm die Blütenblätter von Orangenblüten und hacke sie klein und gib sie in die Sahne… und fülle alles in einen Topf und gib den Topf in einen Weinkeller; und du musst Eis klein hacken, es mit Salz vermischen und daraus ein Bett auf dem Boden des Weinkühlers machen, bevor du den Topf hineinstellst. … Und du musst weiterhin eine Lage Eis vermischt mit einer Handvoll Salz hineingeben und dies wiederholen, bis der Weinkühler gefüllt und der Topf bedeckt ist und du musst das Ganze an den kühlsten Ort stellen, den du finden kannst und du musst es ab und an schütteln, damit es nicht zu einem harten Eisblock friert. Es wird etwa zwei Stunden dauern“ ERZÄHLERIN Dieses Rezept zeigt, warum Eis noch bis ins 18. Jahrhundert eine höchst exklusive Speise war, die selbst an einer fürstlichen Tafel nur selten gereicht wurde. Der Historiker Heiner Stahl von der Universität Siegen: 10. ZUSPIELUNG Stahl 5.00 „Das Besondere am Eis oder Gefrorenen ist meiner Ansicht nach, dass es vor allem so viel Zeit in Anspruch nimmt, das herzustellen. Das heißt also, in einem ganz normalen täglichen Ablauf an so einem Fürstenhof kostet es viel zu viel Zeit, Gefrorenes herzustellen. … Dieser Zeitaufwand ist natürlich viel einfacher auszugleichen, wenn man das von einem Konditor einkauft, der in einer Residenzstadt seine eigene Konditorei betreibt ERZÄHLERIN Konditoren oder Zuckerbäcker, aber auch Lebküchner zählten zu den ersten professionellen Eismachern der frühen Neuzeit, so Heiner Stahl: 11. ZUSPIELUNG Stahl 6:21 „Wer mit diesen ganzen Backwaren oder Konditoreiwaren zu tun hat, der sammelt im Laufe des Berufslebens natürlich Kenntnisse und wendet die halt an. Und ob man da jetzt Brezeln macht, irgendwelche Kringel oder Baisé oder halt Gefrorenes, ist alles eine Frage des Wissens, des Übens, des Zeithabens und vor allem auch der Aufträge.“ ERZÄHLERIN Unter den Konditoren oder Zuckerbäckern im 18. Jahrhundert finden sich laut den Recherchen von Heiner Stahl auch viele Frauen. Seine Erklärung: Der Beruf gehörte keiner Zunft an, bot also eine Nische. Frauen wuchsen oft in das Gewerbe hinein und führten dann auch die Geschäfte. Das zeigen Rechnungen und Schriftverkehr mit Behörden. Es ist anzunehmen, dass die Konditoren in ihren Werkstätten die Kunst des Eismachens immer weiter verfeinerten: 12. ZUSPIELUNG Stahl 10:57 „Die Werkstatt ist dann quasi ein Laboratorium, wo man neue Sachen erfindet oder kombiniert oder wo man ausprobiert, entweder anhand von einem Kochbuch, was jemand anderes geschrieben hat, oder weil man selber vielleicht an einem Fürstenhof oder einem Bürgerhaushalt selber gelernt hat und sein Wissen mitgenommen hat oder in einem Restaurant oder einen Gasthof schon gearbeitet hat.“ MUSIK: „innovative beginning“ – (0:25) ERZÄHLERIN Von Italien aus eroberte die Eiscreme ganz Europa, später auch Amerika. Italienische Eisverkäufer gehörten in London genauso wie in Übersee im 18. Jahrhundert zum Stadtbild. Sie boten ihre Eiscreme aus gekühlten Behältern auf der Straße an und machten sie so auch einfachen Leuten zugänglich. In den USA wurde der Eisgenuss also zu einem demokratischen Vergnügen. Lange konnte Eis aber nur in kleinen Mengen und in einem aufwändigen Prozess zubereitet werden. MUSIK aus ERZÄHLERIN Das änderte sich 1843, als Nancy Johnson aus Philadelphia ein Gefriergerät patentieren ließ: Eine Art großer Eimer für die Salzlake, in dem sich ein verschließbarer zylindrischer Behälter für die Eismasse befand. Der Clou: Die Eismasse wurde mechanisch per Handkurbel gerührt. Wenige Jahre später machte eine Weiterentwicklung ihrer Maschine eine effizientere Kühlung möglich – nun konnte man große Mengen Eiscreme mit feiner Konsistenz herstellen. In den USA etablierte sich auch der erste erfolgreiche Großproduzent von Eiscreme: Jacob Fussell [Aussprache englisch], ein Milchhändler aus Baltimore, ließ seinen Sahneüberschuss zu Eiscreme verarbeiten. Er war mit seinem Produkt so erfolgreich, dass er dem Molkerei-Business den Rücken kehrte, um sich ganz auf die Herstellung von Speiseeis zu konzentrieren. Er eröffnete die ersten Eisfabriken unter anderem in Washington, Boston und New York. Die Industrialisierung der Eisproduktion bewirkte zunächst einmal einen Qualitätssprung: Die Grundmasse konnte schneller und stärker gekühlt werden, und damit erreichte man, dass die Eiskristalle sehr fein blieben. Und durch den Zusatz von Gelatine und Milchpulver erhielt industriell hergestellte Eiscreme eine besonders sämige Konsi…

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    WirTier (4): Auf Kuh-Fühlung Aug 28, 2025
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    Steffi ist ein Bauernhofkind. Aufwachsen mit Kühen bedeutet für sie oft schmerzhafter Abschied, sie macht Schluss mit dem Landleben. Doch ein Versprechen lässt sie nicht los... WirTier-Host Julius wagt sich mit Steffi hinter den Weidezaun. Und zieht dafür doch lieber Stahlkappenschuhe an.

    CREDITS:

    Gäste: Stefanie und Helen Mühlbacher vom Lebenshof Kuhtopia e. V. in Petting

    Hosts und Reporter: Julius Bretzel und Victoria Marciniak

    Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel

    Redaktion: Bernhard Kastner

    Technik: Stefan Oberle

    Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus

    Am Banjo, der Mandoline und an der Geige: Julius Bretzel

    Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner

    Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel

    Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
    Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de

    Wir freuen uns!

    Das Manuskript von WirTier (4): Auf Kuh-Fühlung findet ihr HIER.


    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.

    Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.

    Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/


    Wer mal auf Kuhtopia bei Steffi und Helen vorbeischauen will:

    https://lebenshof-kuhtopia.de/

    Wenn ihr euch für noch mehr spannende und überraschende Frauengeschichten interessiert, dann können wir euch den BR-Instagram-Kanal „FrauenGeschichte“ empfehlen. Den findet ihr hier: https://www.instagram.com/frauen_geschichte/

    Hier unser Podcast-Tipp:

    Es gibt viele Möglichkeiten seinen Alltag umweltfreundlicher zu gestalten. Manchmal kommt man nur von alleine nicht drauf. Wenn ihr einfache Lösungen kennenlernen wollt, die leicht umsetzbar sind und definitiv einen Unterschied machen, dann habe ich einen echten Tipp für euch: „Besser leben.“ Der Bayern 1 Nachhaltigkeitspodcast beleuchtet Fragen aus dem Alltag und gibt nachhaltige Antworten und Lösungen. Jeden Sonntag eine neue Folge: https://1.ard.de/bayern1-besser-leben-cp

    Für alle, die Lust auf den Deep-Dive zu Bauernhoftieren haben – hört doch mal rein in unsere Tier-Features bei Radiowissen:

    Das Schwein - Verkanntes Borstentier

    https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-schwein-verkanntes-borstentier/bayern-2/13193385/

    Auch so ein lange verkanntes ‚Nutztier‘ – das Schwein! Dass Schweine hochintelligente Tiere sind, ist längst bekannt. Ja, sie sollen sogar intelligenter als Hund und Katze sein! Und es kommen immer mehr bewegende Fakten über diese besonderen Tiere ans Tageslicht: über ihr erstaunliches Gedächtnis, ihre soziale Intelligenz, über ihre Reinlichkeit … Und all diese ‚neuen‘ Erkenntnisse sind nur schwer damit zu vereinbaren, wie wir Menschen in der Regel mit dem sensiblen Borstentier umgehen.

    Zum Weiterhören: Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche
    Folge 4, Timo und die Pferde Timo war in seinen jungen Jahren nicht gut zu Pferden. Nach einem Verkehrsunfall hat er begonnen, Pferde und ihre Signale zu verstehen.

    https://1.ard.de/4-timo-und-die-pferde

    Folge 5, Hartmann und die Füchse
    Hartman pflegt auf seiner Auffangstation verletzte Füchse. Oft verbringt er Nächte, um beruhigend mit ihnen zu sprechen.

    https://1.ard.de/5-hartmann-und-die-fuechse

    Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?

    Trailer: Forschung unter Druck Aug 27, 2025
    Show notes

    Fluten, Hitzewellen, marode Brücken, Cyberangriffe, resistente Bakterien - manchmal entscheidet Forschung über Sicherheit, Gesundheit und Leben. In unserer Reihe "Forschung unter Druck" sprechen wir mit Menschen, die unter enormem Zeitdruck Lösungen finden müssen. Was treibt sie an? Wie halten sie stand? Und welche Ideen bringen sie voran, wenn es auf jedes Detail ankommt? Ab dem 20. August jede Woche eine Folge bei IQ: Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1) Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2) Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3) Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)

    Ab dem 20. August bei IQ:

    Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1)

    Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2)

    Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3)

    Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)

    Wir kennen das alle: Wenn etwas schnell fertig werden muss, der Zeitdruck steigt, und es auf jedes Detail ankommt.

    Aber bei den wenigsten von uns hängt vom Ergebnis gleich das Wohl der Gesellschaft ab – oder sogar das der ganzen Menschheit.

    Die Menschen, die wir für unsere Reihe „Forschung unter Druck“ interviewt haben, befinden sich in genau dieser Situation.

    Forschung soll schnell Lösungen liefern. Oft unter Zeitdruck, mit knappen Ressourcen und großer öffentlicher Aufmerksamkeit.

    Wie gehen Forschende mit diesem Druck um? Und vor allem: Welche Lösungen entwickeln sie?


    Giftige Schönheit - Womit Menschen sich schminkten Aug 27, 2025
    Show notes

    "Todschick" war so mancher historische Kosmetik-Trend. Vom Blei-Kajal im alten Ägypten über die toxische Blässe einer Elizabeth I. bis ins 19. Jahrhundert, als man für den Teint Arsenwaffeln knabberte und schleichend vergiftete. Viel Risiko für ein Ideal: Beim Make-Up geht es bis heute um mehr als nur ums Aussehen. Ein Podcast von Karin Becker (BR 2025)

    Credits:
    Autorin: Karin Becker
    Redaktion: Katharina Hübel
    Regie: Martin Trauner
    Technik: Wolfgang Lösch
    Sprecher: Friedrich Schloffer, Thomas Birnstiel, Julia Fischer

    Im Interview:
    - Rabea Weihser, Autorin und Journalistin
    - Dr. Romana Sammern, Kunsthistorikerin, Universität Mozarteum Salzburg
    - Dr. Katharina Seidl, Kuratorin auf Schluss Ambras Innsbruck

    Literatur:
    - Rabea Weihser: Wie wir so schön wurden. Eine Biografie des Gesichts. Diogenes 2025. Eine sehr informationsreiche und unterhaltsame Expedition durch die Kulturgeschichte der Selbstgestaltung.
    - The Art of Beauty. Ausstellungskatalog Schloss Ambras 2025. Aufsätze auf Spurensuche zu Schönheit und Körperpflege von der Antike bis ins 18. Jahrhundert.
    - Mit Haut und Haar. Frisieren, rasieren, verschönern. Wien Museum 2018. Ausstellungskatalog mit interessanten, teils allgemeinen, teils wienspezifischen Artikeln zur Geschichte der Schönheitspflege seit der Aufklärung, viele Abbildungen.
    - Lisa Eldridge: Face Paint: The Story of Make Up. Make-up gestern-heute-morgen. Stiebner 2016. Sehr konkrete und beispielreiche Kosmetikgeschichte einer Make-Up-Begeisterten
    - Maren Saiko: Cura dabit faciem. Kosmetik im Altertum; literarische, kulturhistorische und medizinische Aspekte. 2005. Grundlagenarbeit zur Kosmetik der Antike.
    - Make Up! Aus der Geschichte der dekorativen Kosmetik. Begleitbuch zur gleichnamigen Wanderausstellung des Westfälischen Museumsamtes, LWL Münster 1998.
    - Spieglein, Spieglein an der Wand. 300 Jahre Schminken und Frisieren. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg 2003.

    Weiterführende Links:
    Informationen zur Ausstellung „The Art of Beauty“ auf Schloss Ambras:
    https://www.schlossambras-innsbruck.at/ausstellungen/the-art-of-beauty
    Die Sonderausstellung The Art of Beauty begibt sich auf Spurensuche und betrachtet Schönheit und Körperpflege von der Antike bis ins 18. Jahrhundert.

    Podcast-Tipps:
    Philosophie der Schönheit. Was den Menschen schön macht.

    Schönheitschirurgie. Von Botox, Silikon und Sucht.

    Botox to go? Was das Nervengift Botulinumtoxin wirklich kann

    Warum haben es schöne Menschen leichter?

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an
    radiowissen@br.de

    Radiowissen finden Sie auch in ARD Sounds
    Das Manuskript zur Folge gibt es hier

    Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere Netiquette und Tipps für Kommentare


    Die frühe DDR - Die 50er Jahre Aug 27, 2025
    Show notes

    Die DDR befindet sich Anfang 1950 in einem katastrophalen Zustand. 25 Prozent aller Wohnungen sind zerstört. Auch nach Kriegsende gibt es vielerorts keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. Wie sah der Alltag der Menschen in der frühen DDR aus? Was prägte die 50er-Jahre und wie übte die SED ihr Macht aus? Von Bastian Wierzioch Credits Autor dieser Folge: Bastian WierziochRegie: Kirsten BöttcherEs sprach: Sophie RogallTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Nicole Ruchlak Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecherin 7. Oktober 1949. Berlin Wilhelmstraße. Aus der sowjetischen Besatzungszone wird die Deutsche Demokratische Republik. Zum ersten Staatspräsidenten der DDR wird Wilhelm Pieck ernannt. O-Ton 1 Reporter: Wilhelm Pieck eröffnet die Versammlung. Atmo: Sitzungsglocke Pieck: Bitte Platz zu nehmen! Die konstituierende Sitzung der provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik ist eröffnet. (Bitte runterziehen – nur kurz stehen lassen) Sprecherin Es ist ein schwerer Start für die junge DDR: Zu Beginn des Jahres 1950 befindet sich die ehemalige sowjetische Besatzungszone, in der ca. 16 Millionen Menschen leben, in einem katastrophalen Zustand. Städte wie Dresden oder Magdeburg wurden im Krieg großflächig bombardiert. 25 Prozent aller Wohnungen im Land sind zerstört. Vielerorts gibt es keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. An Russland gehen milliardenschwere Reparationszahlungen. Dafür werden komplette Industrieanlagen und insgesamt mehr als 10.000 Kilometer Eisenbahnschienen abgebaut und in die Sowjetunion gebracht. O- Ton 2 Das war ein Jahrzehnt, das zum einen geprägt war durch die immensen Kriegszerstörungen und Kriegsverluste. Die Menschen mussten das Land wieder aufbauen. Sie trauerten um die Gefallenen. Sprecherin Das sagt Anna Kaminsky, die Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. O- Ton 3 Es war aber auch ein Jahrzehnt, in dem die Menschen erleichtert waren, dass endlich Frieden war. Und man hoffte natürlich auch ungeschoren aus dieser Kriegszeit mit den immensen, unglaublichen Verbrechen der Nazis rauszukommen und ein normales Leben zu führen. Und kaum jemand wollte sich mit dieser Zeit damals beschäftigen. Musik 2: Fünf … Aus: Fünf Minuten – 81245480108 – 40 Sek Sprecherin Hans-Joachim Hein ist im Jahr 1950 elf Jahre alt. Geboren wurde er 1939 in Frankfurt (Oder). Noch vor Kriegsende flieht der 6-Jährige Hans-Joachim mit seiner Mutter und der kleinen Schwester vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein. 1950 ist die kleine Familie wieder zurück in Frankfurt (Oder). O-Ton 4 Wohnungsmäßig gab`s überall Mängel. […] Ja, für Kinder war es schon sehr interessant wegen der Ruinen. Da gab es immer was Neues zu entdecken. Und ein oder zwei hatten auch schon mal noch Leichen entdeckt also die Reste davon. (Stimme oben) Musik 3: Ein guter Informant – Z8019960 112– 1:06 Min Sprecherin Viele Menschen leben damals in Massenunterkünften und Lagern – eingerichtet in ehemaligen Kasernen, Schulen, Gasthäusern, Hotels, Zwangsarbeiterlagern oder Sporthallen. Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich verunsichert. Wie soll es weitergehen mit Deutschland? Anfangs kursieren Gerüchte: Angeblich wollen die Alliierten alle deutschen Frauen sterilisieren oder alle Männer zur Zwangsarbeit weg bringen oder aus ganz Deutschland einen riesigen Kartoffelacker machen – als Strafe für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Das Leid der Juden, Widerstandskämpfer, Polen oder Russen ist der Öffentlichkeit in der frühen DDR bekannt, auch weil die Gräueltaten in Kino-Filmen und Romanen thematisiert wenden – an den Oberschulen als Pflichtlektüre. Und weil die SED sich darum bemüht, das Ausmaß der Verbrechen umfassend darzustellen. O-Ton 5 Allerdings wurde das immer verbunden mit der antifaschistischen Propaganda, die zwei kleine Manipulationen vorgenommen hat. Sprecherin Erklärt Udo Grashoff, Historiker am Hannah-Arend-Institut, das zur TU Dresden gehört. O-Ton 6 Die eine Manipulation war, dass behauptet wurde, dass eigentlich der Holocaust – also den Begriff gab es damals noch nicht – aber der Massenmord an den Juden - nur so eine Art Seiteneffekt, Nebeneffekt des Nationalsozialismus gewesen wäre und das eigentliche mörderische Ziel des Nationalsozialismus die Vernichtung des Kommunismus gewesen sei. […] Und die Zweite schließt sich daran an. Dass man das Wesen des Nationalsozialismus nicht verstanden hat als ein rassistisches kolonialistisches Projekt, sondern als ein kapitalistisches, imperialistisches Projekt. […] Und damit konnte man dann auch im Kalten Krieg die gesamte westliche Welt als letztlich Bruder im Geiste des Faschismus darstellen. […] Und damit konnte man sich selbst natürlich auch moralisch als sehr hochstehend darstellen und das hat dazu geführt, dass man viele Menschen, nicht nur einfache Menschen, auch sehr viele Intellektuelle grade hinter die Fahne der SED bekommen hat. Musik 5: Vier lyrische… aus: Fünf Minuten – 55 Sek Sprecherin 1952 werden die 5 Bundesländer der DDR in 14 Bezirke aufgeteilt, die bis 1990 als Verwaltungseinheiten bestehen bleiben. Die kleine Familie Hein im Bezirk Frankfurt schlägt sich durch – zu dritt in einer Einzimmerwohnung. Die Toilette: im Treppenhaus. Die Kleidung: selbstgenäht. Die Mutter arbeitet in einer Gaststätte. Die Währung der DDR, die Ost-Mark, war zwar schon 1948 eingeführt worden – einen Monat nach der D-Mark im Westen -, nur zu kaufen gibt es kaum etwas. Die meisten Menschen werden durch Lebensmittelkarten versorgt – ausgegeben vom Staat. Dafür gibt es Rationen an Brot, Zucker, Salz, Tee oder Kaffee-Ersatz. Bei den Heins gibt es meistens Kartoffeln. O-Ton 7 Das hing von vielen Zufällen ab, ob jemand Beziehungen zum schwarzen Markt hatte oder Beziehungen zu Bäckereien oder, oder. Man hat sich gegenseitig geholfen. […] und hat dann auch dazu beigetragen, dass man naja, praktisch so, einigermaßen überleben konnte. […] Ans Essen selber kann ich mich wenig erinnern. Es gab nicht viel. O-Ton 8 Anfänglich in der sowjetisch besetzten Zone später der DDR gab es praktisch drei Säulen des Handels. Sprecherin Erklärt Historikerin Anna Kaminsky. O-Ton 9 Das war zum einen der starke private Handel, der zunehmend verstaatlicht und praktisch enteignet wurde. Dann die so genannten Konsum-Läden, das waren die Läden der Konsumgenossenschaften, die es in Deutschland schon seit Ende des 19. Jahrhunderts gab. Und es gab die neu gegründete sozialistische Handelsorganisation, die HO. Sprecherin Das staatliche Einzelhandelsunternehmen HO - gegründet 1948 auf Weisung der Sowjets - wächst rasant. Bis 1960 werden 35.000 Geschäfte eröffnet, die knapp 40 % des landesweiten Einzelhandelsumsatzes erwirtschaften - trotz überteuerter und für viele nicht erschwinglicher Preise. Die Läden der HO werden von der Staats-Partei SED bevorzugt mit Waren beliefert. O-Ton 10 Über die HO-Läden, die sozialistisch deklariert waren, wollte die SED Führung den Menschen im Land zeigen, dass praktisch ihre Herrschaft auch für die Menschen im Alltag sehr viele Vorteile bringen würde und dass die SED-Führung sehr gut für die Bürger im Land sorgen würde und sie auch ein besseres Warenangebot in diesen staatlichen HO-Läden vorfinden. Musik 5: The Working class – s.o. – 35 Sek Sprecherin Doch der Alltag in der DDR bleibt hart. Was produziert wird, reicht nicht für eine flächendeckende Versorgung. So wie unmittelbar nach dem Krieg bauen die Menschen immer noch auf allen verfügbaren Flächen Gemüse an - auf Fensterbänken, in öffentlichen Parks, den Hausdächern. Immer noch werden Kuchen aus Kartoffelschalen und Torten aus Eicheln und Kaffeesatz gebacken. Rübenblätter dienen als Ersatz für Spinat. O-Ton 11 Dieser Staat der Werktätigen, die Deutsche Demokratische Republik, hat zwei Klassen zur Grundlage: Die Arbeiterklasse und die Klasse der werktätigen Bauernschaft. Sprecherin Walter Ulbricht, die mächtigste Person im Arbeiter- und Bauernstaat, von 1950 bis 1971 Erster Sekretär des Zentralkomitees der herrschenden SED. Die Partei war bereits 1946 gegründet worden. Das allerletzte Wort in der DDR hat zwar bis zu ihrem Ende die Sowjetunion. Vor allem innenpolitisch aber liegt die Macht beim Politbüro des Zentralkomitees der SED. Wie die Partei diese Macht konkret ausübt, erklärt Historiker Udo Grashoff. O-Ton 12 Grashoff3 Die DDR hatte ne Doppelstruktur. Es war so, dass auf alle staatlichen Institutionen, alle Ministerien, alle Verwaltungsgremien hatten eine Parallelstruktur bei der Partei sowohl auf der staatlichen Ebene als auch auf der Ebene der Bezirke, als auch auf der Ebene der Kreise, als auch in den Städten. Überall gab es ne Parteistruktur, die parallel dazu war, und die der übergeordnet war, das heißt, die Anweisungen an die staatlichen Strukturen geben konnte, und die wiederum die Ausführungen dieser Bestimmungen kontrollieren konnte. Also insofern war der Staat eigentlich nur der Erfüllungsgehilfe der Partei. Musik 6: „Lied der Partei“ – ca. 25 Sek O-Ton 13 In Übereinstimmung mit den Vorschlägen aus der Arbeiterklasse, aus der werktätigen Bauernschaft, aus anderen Kreisen der Werktätigen, hat das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands beschlossen, der 2. Parteikonferenz vorzuschlagen, dass in der Deutschen Demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird. Sprecherin Im Juli 1952 kündigt der Chef des Politbüros Walter Ulbricht an: von nun an werde die politische und wirtschaftliche Ordnung der DDR auch offiziell nach dem Vorbild der Sowjetunion umgestaltet. Dabei war dies ökonomisch wie politisch größtenteils längst umgesetzt. Die Großgrundbesitzer waren bereits 1945 enteignet worden, Kunst und Kultur längst eingeschworen gegen den Westen, Presse- und Rundfunk gleichgeschaltet, private Handwerkerbetriebe weitgehend verstaatlicht. O-Ton 14 Und nach dem Grundsatz: Das Sein bestimmt das Bewusstsein, dachte man, wenn man die ökonomische Basis umgestaltet, wird das andere dann auch schon irgendwie gehen. Das heißt `52 werden auch Weichen gestellt, die eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Menschen bedeuten. Die Wirtschaft wird auf eine Stärkung der Schwerindustrie ausgerichtet. […] also das was eigentlich für das Leben der Menschen wichtig ist, wurde in der Produktion zurück gefahren. Musik 7: Ein guter Informant – siehe oben – ca. 3 Min. Sprecherin Welche negativen Konsequenzen diese Politik für die Menschen im Alltag in der DDR hat, bekommt die SED-Führung im Sommer des Jahres 1953 eindrücklich vor Augen geführt. O-Ton 15 Die meisten Demonstranten haben sich in den Sowjetsektor hinüber gezogen und bilden dort nun eine große Menschenmenge, die eine Hälfte der Leipziger Straße ausfüllt. Sprecherin Reporter des westdeutschen Radio-Senders RIAS Berlin berichten vom Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. O-Ton 16 Und während hier noch große Transparente zu Boden fallen, beginnt soeben ein heftiger Schusswechsel. Schwere sowjetische Panzer haben soeben die Leipziger Straße besetzt und rollen weiter vor. Sprecherin Als am Mittwoch, den 17. Juni 1953 in den Betriebsstätten und Fabriken der DDR die Frühschicht beginnt, streiken die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter. Bereits in den Wochen zuvor war es überall im Land zu Arbeitsniederlegungen und Protesten gekommen. Im Laufe des Vormittags beschließen Tausende Werktätige in die Innenstädte zu ziehen. In 242 Städten kommt es zu Streiks und Demonstrationen. SED-Einrichtungen werden gestürmt so wie Gefängnisse und Kreisdienststellen des Inlandsgeheimdienstes Stasi. O-Ton 17 Wir müssen ebenfalls zurückgehen und hinter einem Wagen Deckung nehmen. […] und so ist ganz deutlich erkennbar, dass dieser Potsdamer Platz in der nächsten Zeit noch keine Ruhe erfahren wird. Sprecherin Die Besatzungsmacht verhängt eine Ausgangssperre. Die sowjetischen Panzer zerstreuen die Menschenmassen. In Berlin wird ein Demonstrant zerquetscht. Mehr als 100 Protestierende sterben an diesem Tag. Der Aufstand ist niedergeschlagen. Stasi und Sowjets starten eine Hetzjagd auf die Streikführer. Musik aus O-Ton 18 Der 17. Juni, der Aufstand ist erwachsen einerseits aus den wirtschaftlichen Problemen, also dass die SED-Führung auch immer mehr auch die ökonomischen Daumenschrauben anzog. […] Zum anderen waren die Normen erhöht worden, das heißt, die Menschen sollten für das gleiche Geld viel mehr arbeiten, was im Prinzip eine Lohnkürzung war. Und dazu kam natürlich - und das war der Hauptgrund - eine große politische Unzufriedenheit mit den Verhältnissen. Wenn man sich die Losungen der damaligen Zeit anschaut. Die streikenden Arbeiter, die fordern Demokratie, die fordern freie Wahlen, die fordern auch die Einheit Deutschlands. Sprecherin Die Ostdeutschen sind staatlichen Druck und Repressionen gewohnt. Dafür gesorgt hatte seit 1945 vor allem der sowjetische Geheimdienst, der Tausende aus politischen Gründen verhaften lässt. Dasselbe tut die Abteilung K5, der DDR-Kriminalpolizei, aus der 1950 die Stasi hervorgeht. Zu Anfang ist der DDR-Inlandsgeheimdienst noch eine eher kleine Behörde. Auch deswegen sieht er den Aufstand am 17. Juni nicht kommen. O-Ton 20 Die Staatssicherheit ist nach dem 17. Juni und dann auch in den 70er Jahren nochmal massiv ausgebaut worden. Und ist also ein riesen Ministerium gewesen, ein riesen Kostenfaktor auch im Staatshaushalt. Am Ende waren es, glaube ich, 90.000 Hauptamtliche und bis zu 180.000 Inoffizielle Mitarbeiter. Das ist also eine Riesenmenge an Personal gewesen, die alles vorher, was bekannt war über Inlandsgeheimdienste, was zum Beispiel auch die Gestapo an personellen Mitteln hatte, die das also völlig in den Schatten stellt. Musik 8: Vier lyrische… - siehe oben – 22 Sek Sprecherin Auch deswegen spricht man heute von SED-Diktatur, wenn es um die DDR geht. Der Schüler Hans-Joachim Hein in Frankfurt (Oder) macht traumatisierende Erfahrungen mit der Staatsmacht – vor allem mit Lehrern. Darum hält er sich meist zurück, wenn er unter Leuten ist. O-Ton 21 Ich kann mich erinnern, als Stalin gestorben ist, mussten wir alle demonstrieren, alle trauern, und jemand hat einen Witz gemacht bei der Demonstration. Und die Lehrer haben, einige haben da mitgegrinst, aber da gab es dann fürchterliches Theater, und um Gottes Willen! Bloß das nicht! Und und, und. Das heißt also, die Erwachsenen waren das schon gewöhnt, das von oben kommt, das muss gemacht werden und fertig. Sprecherin Um den sowjetischen Diktator Josef Stalin betreibt die herrschende SED einen regelrechten Personen-Kult, dem sich niemand wiedersetzen kann. Stalins Sowjetunion ist das große Vorbild für den Aufbau der DDR. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Bereits im Jahr 1945 waren alle ostdeutschen Bauernhöfe mit mehr als 100 Hektar Grund ohne Entschädigung enteignet worden. 1952 begann die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft, bei der die LPGs, die riesigen landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaften gebildet worden. Zunächst freiwillig später unter Zwang. 1960 gibt es quasi keine Einzelbauern mehr. 19.000 LPGs bewirtschafteten 85 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Musik 9: Grünbaums... aus: Mein Führer - Original Soundtrack - 45 Sek O-Ton 22 Pionierdelegation! Still g…

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