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    Latest Episodes:
    Mammut & Co - Die Megafauna der letzten Eiszeit Apr 02, 2024
    Show notes

    Warum sind Mammuts, Säbelzahntiger und Wollnashorn ausgestorben? Waren es die Temperaturen oder war es der Mensch? Weltweit wird das Schicksal der damaligen Megafauna erforscht. Im tauenden Permafrostboden kommen nun neue Erkenntnisse zutage. Vielleicht können wir die Riesen bald zu neuem Leben erwecken. Von Brigitte Kramer (BR 2021)

    Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Ditte Ferrigan, Christian Baumann, Marlen Reichert
    Technik: Helge Schwaru
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Gärtnern als spirituelle Erfahrung - Vom Entstehen und Vergehen Apr 01, 2024
    Show notes

    Manche Menschen begeben sich zur Sinnsuche in den Garten. Dort, so sagen sie, begegnen sie den ganz großen Themen des Lebens: Anfang und Neubeginn, Durchsetzung und Unterwerfung, Entstehen und Vergehen, Konkurrenz und Miteinander und nicht zuletzt dem ewigen Kreislauf des Lebens. (BR 2022) Autorin: Karin Lamsfuß

    Autor/in dieser Folge: Karin Lamfuß
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Katja Bürkle, Peter Weiss
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Mensch ohne Natur? - Der Mensch, das ökologische Wesen
    JETZT ANHÖREN

    Der Wald - Rückzugsort für Natur und Seele
    JETZT ANHÖREN

    Die Deutschen und ihr Wald - Eine Beziehungsgeschichte
    JETZT ANHÖREN

    Literaturtipps:
    Gerhard Dane: Im Garten kannst du Gott begegnen, Don Bosco Verlag 2011
    Blanka Stolz: Die Philosophie des Gärtnerns, Suhrkamp 2017


    Der Misanthrop - Kulturgeschichte des Menschenfeinds Mar 27, 2024
    Show notes

    Misanthropen werden vielfach kritisiert, doch sie schaffen durch Irritationen eine reflexionsfördernde Distanz zu etablierten Denkweisen. Von Rolf Cantzen (BR 2019)CreditsAutor dieser Folge: Rolf CantzenRegie: Irene schuckEs sprachen: Katja Amberger, Stefan Wilkening, Andreas NeumannTechnik: Christiane Gerheuser-KampRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Prof. Dr. Ulrich Horstmann, emeritierter Professor für Anglistik, Schriftsteller, Essayist, Prof. Dr. Michael Pauen, Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATOR 1: (boshaft) Timons Hass geweiht Sei künftighin der Mensch und alle Menschlichkeit. ERZÄHLERIN: Timon ist bei Shakespeare der Protagonist des Menschenhasses. O-TON 1: Prof. Dr. Ulrich Horstmann (flüsternd) „Pssst, jetzt lassen wir zusammen die Sau raus.“ ERZÄHLERIN: … zusammen mit Ulrich Horstmann. MUSIK AUS Er ist Professor für englische Literaturwissenschaft, Schriftsteller und Verfasser der philosophischen Streitschrift „Das Untier. Konturen einer Philosophie der Menschenflucht“. O-TON 3: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Menschenflüchtiges Denken lebt aus dem Pathos der Distanz. ERZÄHLERIN: Bei der Menschenflucht und beim Menschenhass geht es vor allem darum, Abstand zu gewinnen und Distanz herzustellen – zu den Menschen, unter denen man leidet, weil sie einem selbst oder anderen Menschen Schlimmes angetan haben oder auch, weil man ihre Nähe nicht mehr aushält. Dann kommen sie – böse, menschenfeindliche Gedanken: O-TON 3: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Ausflüge in das Nicht-Erlaubte, eigentlich Nicht-Tolerierbare, in die Randbezirke dessen, was uns durch den Kopf geht, in den abgeschlossenen, abgesperrten Hinterstübchen. … ERZÄHLERIN: Gelegentlicher Menschenhass könne Entlastung bieten, meint Ulrich Horstmann: O-TON 4: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Solche Ausflüge waren immer attraktiv, wenn nicht jemand daraus Handlungsanweisungen und Imperative ableitet. ERZÄHLERIN: Es geht also bei menschenflüchtigen oder menschenhassenden Ausflügen nicht darum, etwas zu tun, es geht darum, sich bestimmte Gedanken zu gestatten, vielleicht auch, damit wir es nicht tun: Ein gedankliches Korrektiv, das prophylaktisch wirkt. Obwohl – geben wir es ruhig zu – uns unliebsame Besucher oder Menschen im Allgemeinen schon gewaltig auf die Nerven gehen können: O-Ton 5: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Die Möglichkeit das eigentlich Unaussprechliche herauszulassen und einem Stellvertreter zuzuhören, der das artikuliert, was man selbst nicht sagen darf, das ist der Köder und den schlucken wir von Zeit zu Zeit alle liebend gern. ERZÄHLERIN: Stellvertreter können die Protagonisten in Büchern, im Theater, in Filmen sein. Ein Auslöser für menschenhasserische Impulse können auch Situationen sein, in denen wieder einmal von uns erwartet wird, menschenliebenden Appellen und Tugenden beizupflichten, wenn uns positive Menschenbilder beruhigen, wenn optimistische Philosophien und der Glaube an den Fortschritt uns beglücken sollen ... MUSIK: ZITATOR 2: (hier und im Folgenden ironisierend) Die Welt ist gut! ZITATOR 1: … und wenn unsere Welt noch nicht gut ist, wird sie es. MUSIK: O-Ton 6: Prof. Dr. Michael Pauen Wenn man sich das ein bisschen genauer anschaut, sieht man einerseits, dass die optimistischen Theorien einfach unter dem Eindruck bestimmter theologischer oder metaphysischer Vorannahmen stehen, also vor allem unter der Annahme, dass diese Welt von einem guten, verständigen, wohlmeinenden und allmächtigen Gott geschaffen worden ist. Das heißt, so ein Gott kann keine andere als eine gute Welt schaffen. Und wer das bestreitet, der vergeht sich an seinen fundamentalen religiösen und theologischen Annahmen. Und dann muss diese Welt eben gut sein. ERZÄHLERIN: … auch die Menschen sind gut, die auf dieser Welt herumlaufen. Klar, sie morden millionenfach, vergewaltigen, ruinieren die Natur, doch letztlich gilt: MUSIK: ZITATOR 2: Der Mensch ist gut! ZITATOR 1: … oder wird es. MUSIK aus O-Ton 7: Prof. Dr. Michael Pauen Sinnstiftende Theorien haben es an sich, dass sie negative einzelne Erfahrungen erklären können. ERZÄHLERIN: Michael Pauen ist Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität. In einem seiner Bücher zeigt er, wie es vielen Philosophen immer wieder gelingt, alles schön zu reden und dass eine philosophische Minderheit es schwer hat, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen: O-Ton 8: Prof. Dr. Michael Pauen Das bedeutet, wenn dann dieser höhere Sinn letztlich darauf hinausläuft, dass wir in einer guten Welt oder möglicherweise der besten aller möglichen Welten leben, dass dieses Leid an Bedeutung verliert. MUSIK: ZITATOR 2: Alles ist gut, alle sind glücklich oder könnten es sein! MUSIK aus ERZÄHLERIN: Das wird zu einer philosophisch legitimierten Lebenslüge. Misanthropen – Menschenfeinde, Menschenhasser, Menschenverächter, es gibt verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten – Misanthropen spielen da nicht mit, weil sie mit Menschen nicht die besten Erfahrungen gemacht haben oder einen anderen Blick auf die Menschheit werfen: O-Ton 9: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Misanthropen sind natürlich Freaks, Misanthropen sind randständige Figuren, das sind Figuren, die diese Randständigkeit ausnutzen. ERZÄHLERIN: Sie leben auch oft am Rand, sind Einzelgänger, fügen sich nicht nahtlos ein in die Gesellschaft, obwohl auch sie die Gesellschaft brauchen – und sei es, um sich von ihr abzugrenzen. MUSIK: ERZÄHLERIN: („Timon“ immer deutsch aussprechen.) … Die Geschichte des Menschen- und Menschheitshassers Timon von Athen. ZITATOR 1: (boshaft) Timons Hass geweiht Sei künftighin der Mensch und alle Menschlichkeit. ERZÄHLERIN: Über die Jahrtausende hinweg blieb die Lebensgeschichte von Timon von Athen das Motiv für zahlreiche Theaterstücke und vor allem: die Diskussionsgrundlage, an der Philosophen ihre Gedanken zur Misanthropie entwickelten. Timon war zunächst reich, großzügig und freundlich, sammelte viele Menschen um sich, von denen er meinte, sie seien seine Freunde. Dann ging ihm das Geld aus. Er erwartet nun im Gegenzug von seinen Freunden Unterstützung, wird aber in Stich gelassen und hasst nun nicht nur die falschen Freunde, sondern die gesamte Menschheit. ZITATOR 1: Weg mit der Menschheit! ERZÄHLERIN: Auch als er zufällig wieder zu Geld kommt, ändert sich – in Shakespeares Bearbeitung des Stoffs – an seinem Menschenhass nichts: Er bleibt unversöhnt. O-TON 10: Prof. Dr. Ulrich Horstmann (flüsternd) Ihr könnt euch vorstellen, was in mir vorgeht. ZITATOR 1: (aggressiv, boshaft) Glatt lächelnde, verächtliche Schmarotzer, Höfliche Mörder, sanfte Wölfe, Kratzfüßige Sklaven, Dünste, Wetterfahnen! – Alle Krankheiten von Mensch und Vieh Solln euch mit Grind bedecken! ERZÄHLERIN: Shakespeare gestattet sich in seinem Stück „Timon von Athen“ nicht nur deftige Flüche, Timon treibt sein Menschenhass zu Vernichtungsphantasien. Alkibiades gibt er Geld, damit er Athen zerstört, der Hure Timandra, damit sie alle mit Syphilis ansteckt: ZITATOR 1: Mach alle krank, die ihre Lust dir lassen, Mach reif die Jugend für die Hungerkur der Seuche. ERZÄHLERIN: Kurzum: Shakespeare lässt in seinem Protagonisten Timon – umgangssprachlich formuliert – die Sau raus. Er gestattet sich menschenfeindliches Denken. ZITATOR 1: Alles glatte Schurkerei. Drum seid gemieden, Feste, Gelage, menschliches Gewimmel! Timon verabscheut sein Ebenbild, sich selbst! Weg mit der Menschheit! MUSIK aus O-TON 11: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Wenn ich die Menschheit hasse, muss ich natürlich als Element dieser kollektiven Größe eigentlich auch mich selbst hassen, darf mich selbst nicht ausnehmen. So ist Timon gestrickt. Das macht er. ERZÄHLERIN: Von seinem extremen Menschenhass kann sich Timon nicht selbst ausnehmen: Er hasst sich selbst und bringt sich wahrscheinlich – bei Shakespeare ist das nicht eindeutig – selbst um. O-TON 12: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Der Wille, bei seinen Mitmenschen, wie wahrscheinlich auch bei sich selbst tabula rasa zu machen. MUSIK: ZITATOR 1: … eine Jauchegrube Sei dann euer aller Grab! Musik aus ERZÄHLERIN: Der Philosoph Platon – die Tragödien antiker Autoren vor Augen ¬– analysiert die Geschichte von Timon eher vorsichtig: ZITATOR 2: (Zitat gekürzt) Menschenfeindschaft entsteht, wenn man einem zu sehr vertraut und einem Menschen für durchaus wahr, gesund und zuverlässig gehalten hat, bald darauf aber denselben als schlecht und unzuverlässig findet, und dann wieder einen; und wenn einem das öfter begegnet und bei solchen, die man für die vertrautesten und besten Freunde hält, so hasst man dann endlich alle, und glaubt, dass an niemandem irgendetwas Gesundes ist. ERZÄHLERIN: Menschenfeindschaft wegen mehrfacher Enttäuschung! Platon diskutiert, ob das nicht auch an dem Enttäuschten selbst liegt: Vielleicht ist er zu naiv bei der Wahl vermeintlicher Freunde. Einem vernünftigen Menschen passiert das wahrscheinlich nicht und er verallgemeinert auch nicht vorschnell schlechte Einzelerfahrungen. Bei Platon ist die Misanthropie nicht der bösen Menschheit anzulasten, sondern dem beschränkten oder verwirrten Misanthropen. Das heißt: MUSIK ZITATOR 2: (unbeschwert) Im Wesentlichen sind Welt und Mensch in Ordnung! ZITATOR 1: … mit Vernunft und Moral wird alles gut. MUSIK aus ERZÄHLERIN: Der römische Philosoph Cicero pathologisiert die Misanthropie zu einer Art psychischem Defekt: ZITATOR 1: Misanthropie ist eine Krankheit der Seele, die aus einer gewissen Furcht vor denjenigen entsteht, die sie fliehen und hassen. ERZÄHLERIN: Cicero sieht in der Misanthropie einen psychischen Defekt. Das heißt: Nur Anormale, die ihr seelisches Gleichgewicht verloren haben, hassen die Menschen. Mit einer solchen Definition erübrigt es sich, ernsthaft über Menschenhass zu diskutieren. Menschenhass oder Menschenfeindlichkeit ist dann kein ernsthaftes philosophisches Problem, sondern – heute würde man sagen – ein psychopathologisches. O-Ton 13: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Das bedeutet eigentlich, dass ich den Misanthropen zurückverfrachte in die Zwangsjacke des Normalen, des Sozial-Akzeptablen, dessen, der seine Zunge im Zaum hält und sich so benimmt, dass er bei seinen Mitmenschen keinen Anstoß erregt. MUSIK: ZITATOR 2: (insistierend) Der Mensch ist gut. ERZÄHLERIN: … und man muss ihn lieben: Immer! Schließlich ist er ein Geschöpf Gottes! MUSIK aus ZITATOR 1: Nächstenliebe! Du sollst deinen Nächsten lieben! ERZÄHLERIN: … hassen tut ihn der Teufel. Und wer Menschen hasst, ist des Teufels. Im christlichen Mittelalter hatte man kein Verständnis für Misanthropie. MUSIK ERZÄHLERIN: In der Renaissance erinnerte sich Machiavelli an die Misanthropie-Diskussion der Antike. Er empfahl den Mächtigen, die Menschen nach Strich und Faden zu manipulieren: ZITATOR 2: Denn von den Menschen lässt sich im Allgemeinen so viel sagen, dass sie undankbar, wankelmütig und heuchlerisch sind, voll Angst vor Gefahr, voll Gier nach Gewinn. ERZÄHLERIN: … und deshalb gibt es keinen Grund, den Menschen Respekt und Achtung entgegen zu bringen. Im Gegenteil: Ihre Boshaftigkeit und Dummheit rechtfertigen jede Unterdrückung: ZITATOR 2: Wenn der Fürst auch genötigt wäre, das Blut eines Untertanen zu vergießen, mag er es ruhig tun … MUSIK aus ERZÄHLERIN: In der Aufklärung ging die Menschenfreundlichkeit dann wieder so weit, dass man jede Misanthropie, Einzelgängerei und Eigenbrödlerei verbannte und oft die Menschenliebe zum alleinigen Maßstab machte. ZITATOR 1: Die praktische Menschenliebe ist aller Menschen Pflicht. ERZÄHLERIN: … „moralisierte“ Kant und hält den Menschenhass für teils hässlich, teils verächtlich. Auch andere Philosophen verdammten Menschen, die sich einen anderen – einen negativen – Blick auf den Menschen und seine Geschichte gestatteten. Der Mensch sollte sich positiv mit der Menschheit identifizieren, sich nicht negativ von ihr und der Welt abgrenzen. O-Ton 14: Prof. Dr. Michael Pauen Ich glaube, Hegel ist da das beste Beispiel. Also, die hegelsche Geschichtsphilosophie steht noch in der Tradition dieser optimistischen Aufklärungsphilosophie. Letztlich Hegels Vorstellung, dass Geschichtsphilosophie eine Art von Theodizee sein, also Rechtfertigung Gottes, und damit letztlich ein Nachweis, dass diese Welt gut ist, das ist für Hegel noch unbestritten. MUSIK ZITATOR 2: (unbeschwert) Die Welt ist gut … ZITATOR 1: … und der Mensch ist es auch, weil er sich immer weiter zum Guten entwickelt! MUSIK aus ERZÄHLERIN: Mord und Totschlag, das Leiden, das sich Menschen gegenseitig zufügen, sind unbedeutende Kollateralschäden. Damit muss die Menschheit leben. O-Ton 15: Prof. Dr. Michael Pauen Da ist offensichtlich eine Vernachlässigung der individuellen Perspektive zu Gunsten der Perspektive des Ganzen, aus der sich wieder angeblich alles zusammenfügt. Ob sich das tatsächlich zusammenfügt, ist dann gar keine Frage, weil das einfach vorausgesetzt wird. ERZÄHLERIN: Diese Vernachlässigung des individuellen Leids – überhaupt: die Vernachlässigung des individuellen Menschen und negativer Erfahrungen – führen, so der Philosophieprofessor Michael Pauen; dazu, dass einige Dichter und Denker aus der verordneten Menschenliebe ausbrechen. ZITATOR 2: Gerade so ging es mir … ERZÄHLERIN: … schreibt Friedrich Schiller an einen Freund. MUSIK Erzählerin: Er spürt wie die Menschenliebe umschlägt... ZITATOR 2: … alle Menschen werden Brüder … ERZÄHLERIN: Schiller spürt, wie die Menschenliebe umschlägt in Menschenhass: ZITATOR 2: Ich hatte die Welt mit der glühendsten Empfindung umfasst, und am Ende fand ich, dass ich einen kalten Eisklumpen in den Armen hatte. MUSIK aus ERZÄHLERIN: Der Mensch braucht den anderen Menschen, doch das ist kein Grund, die Menschheit nicht zu hassen. Man kann sogar einzelne Menschen lieben und das Kollektiv „Menschheit“ hassen: O-Ton 16: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Das erinnert mich an einen ganz großen Satiriker, den viele auch für einen Misanthropen halten nämlich an Jonathan Swift. Der hat in einem Brief folgendes gesagt: „I love John, Jill and Jack, but I hartley detest mankind.“ ZITATOR 1: Ich liebe John, Jill und Jack, aber zutiefst verabscheue ich die Menschheit. O-Ton 17: Prof. Dr. Ulrich Horstmann Und das ist ein Satz, in dem sehr, sehr viel Wahrheit steckt, nicht nur über Swift, sondern über das Phänomen der Misanthropie. ERZÄHLERIN: Jonathan Swift – er lebte um 1700 – lässt seinen Protagonisten Gulliver nicht nur nach Liliput und in die Welt der Riesen reisen, sondern auch zu den edlen Pferden, die sich ekelhafte Menschen als Haustiere halten. Die phantasievollen Reisen des Gulliver erlauben Swift eine Distanz zu den Menschen, die ihr Wesen transparent macht: Sie sind lasterhaft, gierig, dumm und sie stinken. Die edlen Pferde nutzen ihre Häute, um Segel daraus zu fertigen. In einem anderen Text, dem „bescheidenen Vorschlag“, rät er zum Kannibalismus: ZITATOR 1: Ein Kind wird bei einem Essen für Freunde zwei Gänge ergeben und wenn die Familie allein speist, so wird das Vorder- oder Hinterviertel ausreichen. ERZÄHLERIN: Der gebürtige Ire Swift wird oft als ‚Menschenhasser‘ bezeichnet, wegen solcher Texte. Der historische Hintergrund macht klar, er ist entsetzt von dem, was Menschen anderen Menschen antun: Die reichen Landbesitzer wandelten in Irland aus Profitgier Ackerland in Schafsweiden um. Die Folge: Zehntausende von Bauern verhungerten. Swifts vermeintlich menschenhasserischer Ratschlag, doch einfach Kinder zu verspeisen, macht auf groteske Weise den Zynismus und die Unmenschlichkeit dieser Landbesitzer erkennbar. Die Verlogenheit ist, dass nicht die Verursacher des menschlichen Leid als Menschenhasser bezeichnet werden, sondern die, die darauf aufmerksam machen. MUSIK ZITATOR 2: (unbeschwert) Der Mensch ist gut … MUSIK aus ERZÄHLERIN: … wer das in Frage stellt, wer anders denkt, als es sich gehört, ist Menschenfe…

    Full show notes at the publisher

    Leuchttürme und Feuerschiffe - Rettende Wegweiser auf See Mar 27, 2024
    Show notes

    Nacht und Nebel sind die größten Feinde der Seefahrer. Leuchttürme und Feuerschiffe waren lange Zeit rettende Lichter im Dunkel, die Schiffe vor Gefahren warnten und viele vor dem Untergang bewahrten. Von Christiane Neukirch (BR 2019)

    Autor/in dieser Folge: Christiane Neukirch
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Julia Fischer, Andreas Neumann, Jerzy May
    Technik: Clemens Kamp
    Redaktion: Nicole Ruchlak
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Mikrochips - Halbleiter als Global Player Mar 26, 2024
    Show notes

    Mikrochips sind mittlerweile unentbehrlich: Sie stecken im Kühlschrank, im Auto oder der EC-Karte. Seit Intel 1971 den ersten integrierten Schaltkreis in Serie produzierte, hat die Technologie einen globalen Siegeszug angetreten. Doch das kostbare Gut sorgt immer wieder für Streit unter Wirtschaftsmächten. Von Lukas Grasberger (BR 2022)Credits Autor dieser Folge: Lukas GrasbergerRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Jerzy May, Julia FischerTechnik: Roland BöhmRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview: Frank Dittmann, Kurator Hauptabteilung Technik, Deutsches Museum, München Genevieve Bell, Senior Fellow bei Intel und Professorin für Kybernetik, Australian National University, Canberra Klaus Behling, Journalist und Klaus Behling, Autor „Die DDR und der High-Tech-Schmuggel“, Potsdam Reinhard Buthmann, Autor „Kadersicherung im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena: Die Staatssicherheit und das Scheitern des Mikroelektronikprogramms“ Jan-Peter Kleinhans, Halbleiter-Experte Stiftung Neue Verantwortung, Berlin Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die Geschichte des Mikroskops - Als die Welt vergrößert wurde Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER Die junge Frau erschrickt, als sie aufwacht: Sie hat verschlafen! Der Wecker hat nicht geklingelt. Schnell ins Bad, Waschen und Zähneputzen, aber: Die elektrische Zahnbürste streikt. MUSIK HOCH Doch der Alptraum beginnt erst: Auch das Auto springt nicht an. Im Krankenhaus, wo die junge Frau arbeitet, kann sie nicht Bescheid geben: das Smartphone ist tot. In der Klinik würde ohnehin keiner abnehmen, es herrscht Ausnahmezustand. Fast das gesamte medizinische Personal ist auf der Intensivstation, wo es versucht, den Ausfall von lebenserhaltenden Maschinen zu kompensieren. MUSIK HOCH ERZÄHLERIN Dieses Szenario ist erfunden und ist noch nie eingetreten. Aber es zeigt: Versagten alle Mikrochips auf einmal ihren Dienst: Unser gesamtes Alltagsleben würde binnen Sekunden zusammenbrechen. ERZÄHLERIN Mikrochips sind heute in unserem Alltag allgegenwärtig: Millimetergroße, und dennoch mehrstöckige Gesamtkunstwerke, in dem viele Millionen Transistoren, Widerstände und Kondensatoren lautlos zusammenarbeiten – und die in der Dating-App genauso stecken wie in der komplexen Steuerung des Autoverkehrs. Klingt nach abgefahrener Raketenwissenschaft? Ja, das war die Chip-Technologie Anfangs im wahrsten Sinne des Wortes, sagt der Münchner Technik-Historiker Dr. Frank Dittmann. O-Ton 1 Dr. Frank Dittmann, Kurator Abteilung Starkstromtechnik, Energietechnik und Automatisierungstechnik, Deutsches Museum München „Denn da kommts ja vor allem drauf an, sehr klein zu bauen, und bei Raketen oder auch bei Flugzeugen die Masse zu minimieren. Das kann man mit solchen integrierten Bauelementen sehr gut. Und das ist so forschungsintensiv, bevor man überhaupt verstanden hat, was da passiert: Das konnte eigentlich nur das Militär bezahlen.“ ERZÄHLERIN Es war der Kalte Krieg - und vor allem der Wettlauf zwischen Ost und West ins All, der der Entwicklung der Chip-Technologie einen entscheidenden Schub gab. Musik CREATIVE IDEAS (B) 0‘40 ERZÄHLERIN Ein frühes Video der US-Raumfahrt-Organisation NASA: Männer in schwarz-weiß drücken klobige Tasten an einer riesenhaften Steuerungs-Konsole. Es sind Test-Ingenieure, die den Navigations-Rechner für das Apollo-Raumfahrzeug ausprobieren, das im Jahre 1969 auf dem Mond landen sollte. Der Computer im Inneren der heute monströs wirkenden Apparatur war der erste, der eine Technologie nutzen sollte, die noch in den Kinderschuhen steckte. Die aber bald – unter der landläufigen Bezeichnung „Mikrochip“ - maßgeblich den Weltenlauf mitbestimmen wird. Für die Mond-Mission des Jahres 1969 brauchte die NASA zur Berechnung der Flugbahn einen Rechner an Bord, der zuverlässig funktionierte – der gleichzeitig aber auch so klein und leicht wie möglich war. O-Ton 2 Dittmann „Wenn ich ne Rakete hochschicke, dann geht’s natürlich um Platz, und es geht auch um Gewicht, es geht auch um Energie, die man dort einsetzen muss.“ ERZÄHLERIN ...erklärt Frank Dittmann. Er ist Kurator der Abteilung für Starkstrom-, Energie- und Automatisierungstechnik am Deutschen Museum München. O-Ton 3 Dittmann „All das waren natürlich limitierende Faktoren. Also insofern musste man sich eine Technologie suchen, die dafür Lösungen bereithielt - und das ist eben die Halbleitertechnik.“ MUSIK: CANS AND COMPUTERS 0‘42 ERZÄHLERIN Die Neuerung bei dieser Technologie: Elektronische Schaltungen brachte man im Miniaturformat auf hauchdünnem Silizium auf. Silizium, das vor allem aus Quarzsand hergestellt wird, gilt als perfektes Trägermaterial. Denn Silizium ist ein so genannter Halbleiter, das heißt: Es ist - je nach Notwendigkeit – elektrisch leitfähig oder isolierend. Zwischen diesen beiden Zuständen kann nun gezielt geschaltet werden. So lassen sich Schaltkreise – quasi Rechner im Miniformat – komplex gestalten, wie dies früher nur mittels Röhren möglich war. ERZÄHLERIN Die Idee, Bauelemente auf einem Trägermedium zusammenzubringen, stamme bereits aus den 1930er-Jahren, betont Frank Dittmann. Doch diese Zusammenschaltung von Elektronen-Röhren, wie sie etwa bei Radiogeräten zum Einsatz kam, hatte ihre Tücken. Sie machte die Geräte immer größer, komplexer – und fehleranfälliger. Welches der vielen Teile war jetzt wieder kaputtgegangen? Oder hatte die weit verzweigte Verdrahtung irgendwo einen Wackler? O-Ton 4 Dittmann „Deswegen haben die angefangen, einen neuen Typ von integriertem Schaltkreis zu produzieren, oder – zu erst einmal – zu entwickeln. Nämlich den integrierten Mikroprozessor. (...) Nämlich Bauelemente zusammen zu einer Schaltung, und dann möglichst in ein Gehäuse zu bringen. Vorher war ja die Idee: man baut die speziellen Schaltungen so für das, was man braucht. Und wenn man was anderes braucht, muss halt ne spezielle Schaltung her. Und dort war die Idee: Ich baue einen kleinen Rechner – also Prozessor -, den ich programmieren kann. Damit er das tut, was ich will.“ ERZÄHLERIN Es war der Radio-Konstrukteur Jack Kilby, der 1958 einen Miniatur-Schaltkreis von der Größe eines halben Bierdeckels entwickelte. Statt der klobigen Röhren setzte der Elektroingenieur auf kleine, aber feine Transistoren: Bauteile, die als Ein- oder Ausschalter oder als Verstärker von Strom fungierten. Diese elektronischen Bauteile wurden nun auf einen Halbleiterkristall aufgebracht, die Transistoren und ihre Verdrahtung wurden quasi auf den Halbleiter-Träger aufgezeichnet. Je mehr man die Striche auf dem Chip verfeinerte, umso mehr ließen sich die Schaltkreise verkleinern. MUSIK: TESTING OUT 1‘02 Die Idee schien in der Luft zu liegen: denn nahezu gleichzeitig mit Kilby tüftelte auch sein Konkurrent Robert Noyce an dieser integrierten Schaltung. Noch war die Technologie zu teuer für den Massenmarkt: Doch das US-Militär investierte in derartige sogenannte integrierte Schaltkreise, um die Schnelligkeit von Waffensystemen und Rechnern zu steigern. Nur dank dieser Vorarbeit konnte die Landung auf dem Mond dann zum erste Meilenstein in der Geschichte des Mikrochips werden. MUSIK HOCH ERZÄHLERIN Die Serienfertigung von Mikrochips für den freien Markt begann 1971 die US-Firma Intel. Da die Bauteile immer winziger wurden, konnten auf den dünnen Halbleiterplättchen immer mehr Schaltkreise aufgebracht werden. Damit wandelten sich Computer fundamental, sagt die Anthropologin Genevieve Bell. Die australische Professorin hat lange Jahre als leitende Wissenschaftlerin für Intel gearbeitet. O-Ton 5 Genevieve Bell OV SPRECHERIN Voice Over „Ich konnte einmal mit der Person sprechen, die irgendwann in den 40er-Jahren den ersten australischen Computer gewartet hat. Er sagte mir: Immer wenn ich ihn ausgeschaltet habe, dann war das, als würde man ein lebendes Wesen töten. Rechner waren damals physisch sehr präsent: sie nahmen viel Raum ein, sie machten Lärm, und sie rochen. Das sollte sich in den folgenden Jahrzehnten ändern. Dank unserer Mikrochips wurden sie immer kleiner - und in den 70er-Jahren waren Computer recht unpersönliche Geräte geworden, die bald auf jedem Schreibtisch standen; die keine persönliche Wartung mehr brauchten - und die zunächst vor allem für buchhalterische Zwecke genutzt wurden.“ ERZÄHLERIN Der erste Intel-Mikrochip „4004“ war dann auch in einem Tischrechner verbaut, nützlich etwa für Buchhalter und Ingenieure. Schnell nahm das Ganze Fahrt auf: Nahezu jedes Jahr verdoppelte sich auf den Chips die Anzahl der Bauteile. Mit doppelt so vielen Schaltungen kann ein Mikrochip doppelt so schnell rechnen. Verdoppelt sich die Transistoren Zahl nun alle 12 bis 24 Monate – wie es der Intel-Gründer Gordon Moore vorhersagte, dann steigt die Leistungsfähigkeit schnell exponentiell. O-Ton 6 Bell OV Sprecherin Voice Over „Gordon Moore hat nicht nur die technischen Entwicklungssprünge des Mikrochips prognostiziert, nein: Er hat in seinem Aufsatz auch treffende Szenarios skizziert, was passieren würde, würden diese Mikrochips allgegenwärtig. Dann nämlich würden die Mikroprozessoren die Art und Weise verändern, wie wir miteinander kommunizieren. Wie wir arbeiten; wie wir einkaufen – ja: wie wir zusammenleben, in unseren Wohnungen, oder genereller, in Städten. Moore hat verstanden, dass eine auf den ersten Blick nur technische Innovation das Potenzial hatte, unser aller Leben von Grund auf zu verändern.“ MUSIK: MACHINE LIKE 0‘38 ERZÄHLERIN Der Mikrochip war Bell zufolge die Keimzelle der anhaltenden „digitalen Revolution“. Es reiche deshalb nicht, Mikrochips stetig in Punkto Materialien, Produktionsprozess, oder Leistungsfähigkeit zu verbessern, betont Genevieve Bell, die neben ihrer Professur noch als „Senior Fellow“ für Intel tätig ist. Forscher und Entwickler müssten immer auch aktuelle wie zukünftige Anwendungsmöglichkeiten mitdenken. Als Anthropologin spüre sie deswegen im Auftrag des Unternehmens der grundsätzlichen Frage nach: Was machen Mikrochips mit Menschen? O-Ton 7 Bell Sprecherin Voice Over In den letzten Wochen etwa habe ich mir von hier, meinem Büro in Canberra aus, digitalisierte Objekte der Weltausstellung im 19. Jahrhundert in London angesehen. Schließlich können wir uns dank leistungsfähiger Mikroprozessoren in unseren Rechnern nun nicht nur unterhalten, sondern uns sogar über Kamera sehen. ERZÄHLERIN ...erzählt Bell per Videokonferenz von Australien aus. O-Ton 8 Bell Sprecherin Voice Over „Und wenn Sie nun vorhergesagt haben, dass Sie mit ihrem Erscheinungsbild in der Videokonferenz unzufrieden sind, so zeigt das, dass diese Technologie nicht nur unsere gegenseitige Wahrnehmung - sondern auch das Bild von uns selbst verändert.“ ERZÄHLERIN Niemand bleibe von den Auswirkungen der neuen Technologie und der Erfindung des Mikrochips unberührt, sagt die australische Professorin. Dies gelte für Bewohner eines weit abgelegenen afrikanischen Dorfes, die nur dank Online-Überweisungen von Verwandten im reichen Europa überlebten - genauso wie für einen auf den ersten Blick von der Welt abgeschnittenen Farmer in den Weiten Australiens. O-Ton 9 Bell OV Sprecherin Voice Over „Der erzählte mir bei einer meiner Feldforschungen: „Wissen Sie, ich google jeden Tag!“. Darauf ich ich: „Moment mal, gerade haben Sie erzählt, sie hätten nicht einmal einen Computer?“ Es stellte sich dann heraus, dass dieser Farmer immer seine Tochter anruft, wenn er eine Frage hat – und die gibt diese dann für ihn in die Suchmaschine ein. Dieser Landwirt brauchte also nicht einmal einen Rechner, um mit der Welt vernetzt zu sein. Ein Beispiel, das zeigt: Die Mikroprozessor-Technologie beeinflusst das Leben jedes Individuums weltweit – auch wenn sich die Auswirkungen jeweils sehr unterschiedlich ausgestalten.“ MUSIK: MASCHINE LIKE 0‘17 ERZÄHLERIN Doch damit die Mikrochip-Technologie weitreichende Wirkungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft entfalten konnte, musste sie zuerst einmal den jahrzehntealten Nimbus einer sperrigen Spezialanwendung für Buchhalter oder Ingenieure ablegen. O-Ton 10 Bell Sprecherin Voice Over „Dazu kamen sie dann nach Hause: Als Personal – oder so genannte Home-Computer.“ ERZÄHLERIN Zu Beginn der 1980er-Jahre waren Home-Computer das neue Ding. Erstmals kam eine breite Bevölkerung mit Computern in Kontakt, der in einem grauen Gehäuse ruhenden „Commodore 64“ - zog auch in viele deutsche Haushalte ein. GERÄUSCH PAC MAN SOUND Doch der von außen bieder wirkende „Brotkasten“ hatte es in sich: Auf der Platine waren neben dem-Haupt-Prozessor auch ein Sound- und ein Videochip integriert. Dies machte ihn zum Renner für scheppernde und blinkende Computerspiele, die oft im Wohnzimmer über den Fernsehbildschirm flimmerten. GERÄUSCH TIPPEN Der digitale Fortschritt veränderte in den 80ern auch die Büroarbeit: Überall zogen Personal Computer – kurz PCs – ein. Schrittmacher dieser Geräte waren Chips, die immer kleiner und gleichzeitig leistungsfähiger wurden. Damit konnte mehr Speicher genutzt werden - was komplexere und bessere Programme ermöglichte. Doch nicht nur in den Büros – auch in der Produktion war der Siegeszug der Mikrochip-Technologie nicht aufzuhalten. Weltweit wurden Maschinen und Anlagen in großem Stil mit Mikrochips bestückt. O-Ton 11 Klaus Behling, Autor „Die DDR und der High-Tech-Schmuggel“ „Das ist ja nicht nur ein bisschen Rechentechnik gewesen, sondern das war eine grundlegende Umstellung in der Produktion.... ERZÄHLERIN ...die vor allem den Anlagen- und Maschinenbau betraf, sagt der Journalist und Autor Klaus Behling. O-Ton 12 Behling „Und diese Umstellung der Produktion hat natürlich zu Wertverschiebungen geführt. Diese Maschinenbau-Ergebnisse haben sich mit der Mikroelektronik so verändert, dass also letztlich die eigentliche Maschine nur noch 20 Prozent des Wertes ausmachte, manchmal sogar noch weniger, und die Steuerung 80 Prozent. MUSIK: NOT KNOWING 0‘29 ERZÄHLERIN Glänzende Geschäfts-Aussichten für die Halbleiter-Industrie, die solche Mikrochips für die Maschinen-Steuerung liefern konnte – und düstere Perspektiven für diejenigen, die nicht an diese Chips kamen, wie etwa Hersteller in der DDR. Seinerzeit weit vorn in Bau und Export etwa von Werkzeugmaschinen, drohten dem Staat nun massive Einbußen bei den lebensnotwendigen Devisen. O-Ton 13 Behling „Sie machte also diesen riesen Eisenklotz, und ein anderer setzte sein kleines Kästchen rein – und kassierte 80 Prozent des Preises für die Maschine. Und daraus ergab sich dann letzten Endes die Notwendigkeit, entsprechend zu reagieren.“ MUSIK: STRIP OF WORLD 0‘23 ERZÄHLERIN Es waren zum einen ein zu später Einstieg in die Halbleitertechnik, zum anderen das Abgeschnitten-Sein von Know-How und Material, die die DDR ins Hintertreffen und damit in Zugzwang brachten. Denn der Westen hatte gegen die sozialistischen Staaten des Ostblocks ein Wirtschaftsembargo verhängt, das auch Hochtechnologie umfasste. Den Mangel versuchte die DDR mit dem Schmuggel und dem Klau von Wissen wettzumachen – Wissen, was Chips sowie das Rohmaterial und Maschinen für deren Produktion anbelangt. Was unter das Embargo fiel, musste teuer illegal eingeführt werden – und entsprach oft nicht einmal dem modernsten Stand der Technik. Die DDR lieferte sich so ein hochruinöses Wettrennen mit dem Westen, das nicht zu gewinnen war. O-Ton 14 Buthmann „Diese ganze Mikroelektronik-Import-Geschichte der DDR – forciert Mitte der 80er-Jahre – führte eindeutig in eine krisenhafte Situation und verschärfte mit Sicherheit den Abstieg der Volkswirtschaft der DDR – und mithin auch des politischen Systems. „Der illegale Import von Hochtechnologiegütern hat mit Sicherheit die Existenzdauer der DDR verkürzt.“ ERZÄHLERIN ...so das Fazit von Reinhard Buthmann, der das Mikroelektronik-Programm der DDR erforscht hat. MUSIK: SIGNS OF RELAXATION 0‘48 Zeitgleich mit dem F…

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    Der Knoten - Vom Schnürsenkel zum Gottesbeweis Mar 26, 2024
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    Ob wir uns nun die Schuhe zubinden oder den Müllsack schließen, ob wir segeln oder klettern, nähen oder uns den Pulli umhängen: Knoten sind auch im digitalen Zeitalter allgegenwärtig. Von Julie MetzdorfCreditsAutorin dieser Folge: Julie MetzdorfRegie: Anja ScheifingerEs sprachen: Hemma Michel, Johannes HitzelbergerTechnik: Laura PicernoRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Michael S. Karg, Buchautor und KnotenexperteAnna Heringer, Architektin Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLER Dampfmaschine? Elektrizität? Das Rad? Können Sie alles vergessen. Der Knoten war es, der die Menschheit voranbrachte: Musik von Privat Intervox Nr. 71 african Wildlife Take 4 African Jungle percussion K: Matthais Ruckdäschel Dauer: 0´35´´ geknotete Stricke hielten die Axt am Stiel und die Speerspitze am Stock, Schlingen und Schlaufen halfen Lasten zu tragen und Fallen zu stellen, mit Knoten verband man Baumstämme zu Flößen und Hütten, spannte Sehnen an Ästen zu Bögen, knüpfte Netze und überhaupt: die Bezeichnung Steinzeit sollte man abschaffen. „Knotenzeit“ ist viel passender. 1 OT Michael S. Karg also man vermutet, dass der Mensch bereits vor zwei 250.000 bis vielleicht sogar 1 Million Jahre vor unserer Zeit schon begonnen hat, Dinge zu verknoten und den Knoten zu nutzen als Werkzeug. Und wenn man bedenkt, das Rad, das kam ja eigentlich vergleichsweise spät. Und insofern hatte der Knoten schon sehr viel geleistet, bevor das Rad überhaupt erst erfunden wurde. ERZÄHLERIN Michael Simon Karg ist Experte. Er hat ein Buch über die zentrale Bedeutung des Knotens für die Menschheit geschrieben: „Am Anfang war der Knoten“ heißt es. Michael Karg hat einmal Soziologie studiert, aber ein Knoten-Wissenschaftler ist er nicht. Denn eine Wissenschaft vom Knoten gibt es nicht: 2 OT Michael S. Karg Er ist nach wie vor unglaublich wichtig in der Alpinistik, in der Nautik, im Bühnenbau nimmt man ihn her, sogar in der Medizin auch in der Forensik spielt er eine Rolle, eine unglaubliche thematische Breite und gleichzeitig aber auch eine wahnsinnige zeitliche Tiefe. Und ich persönlich habe es mir nur so erklären können, dass es schlicht und einfach zu komplex ist für eine einzige Wissenschaft. Musik von Privat Intervox Nr. 71 african Wildlife Take 4 African Jungle percussion K: Matthais Ruckdäschel Dauer: 0´55´´ ERZÄHLER Wer über Knoten spricht, muss zunächst mal über das Seil sprechen. Über den Faden, die Schnur, das Tau, die Leine. Oder wie man solche „materialisierten Linien“ noch alles nennen kann. Genau genommen ist der Knoten nur ein bestimmter Zustand solch einer Linie. Der Knoten IST das Seil. Das Seil wiederum bleibt beim Verknoten gleich, es ändert sich nicht im Geringsten. Braucht man den Knoten nicht mehr, kann man ihn einfach wieder lösen und hält das Seil vom Anfang in den Händen. Sehr ressourcenschonend. Die Anzahl der Möglichkeiten, WIE man das Seil verknoten kann, geht dabei ins Unendliche. 3 OT Michael S. Karg Er beinhaltet eine irre Komplexität, wenn man bedenkt: aus einer einzigen Leine lassen sich Tausende verschiedene Knoten machen. ERZÄHLER Aber zurück zum Faden, der ist nämlich wichtig: Jeder Knoten kann nur so gut sein wie die Leine, mit der er geknüpft wurde. Musik Misjudgement Dauer: 0´23´´ Die frühen Menschen benutzen zunächst Leinen, so wie sie sie in der Natur vorfanden: Sehnen, Därme, Wurzeln, Lederriemen. Irgendwann entdeckten die Menschen das Verdrillungsprinzip, vor mehr als 40, vielleicht auch 50.000 Jahren, also in Alt- und Jungsteinzeit. Musik In the water Dauer: 0´37´´ ERZÄHLERIN Pflanzliche Materialien wie Flachs, Hanf oder Brennnesseln wurden in einem komplexen Prozess und unter Verwendung mehrerer Werkzeuge zu Garnen verarbeitet. Dazu mussten die Pflanzen erst einmal einige Wochen lang unter Wasser gären. Dann wurden sie getrocknet, gedroschen und gekämmt, Forscher fanden dazu Muschelschalen mit winzigen eingesägten Kerben an den Rändern, die wohl als Kämme gedient haben. Erst dann konnten die Fasern zu Garn und mehrere Garne zu einem Seil verdrillt werden. ERZÄHLER Aber woher weiß man das eigentlich? Pflanzenfasern aus der Altsteinzeit haben wohl kaum bis heute überdauert. 4 OT Michael S. Karg Es gibt höchstens Artefakte, wie zum Beispiel perforierte Steine oder auch Muscheln oder Perlen, wo man natürlich dann den Rückschluss ziehen kann, dass da einfach Fäden durchgezogen wurden. Es gibt aber auch Funde von verdrillten Fasern, die sind bereits 50.000 Jahre alt, aus einer Gegend, und man weiß, dass zu der Zeit nur Neandertaler dort lebten. Also selbst die Neandertaler haben das Verdrillungs-Prinzip für sich genutzt. ERZÄHLERIN Und der ganze Aufwand nur, um ein besseres Ausgangsmaterial für den Knoten zu bekommen. Die Verdrillung von Fasern zu Garnen und Seilen gilt als eine der bedeutendsten technologischen und kulturellen Errungenschaften der Menschheit – und der Knoten war wohl ihr Auslöser. Knoten waren extrem wichtig. Sie waren der Grundbaustein für eine unüberschaubare Menge an neuen Werkzeugen: Schlingen und Netze zum Sammeln und Jagen, Flechtwerk für Körbe, Gewebe für Segel und Kleidung. M Alter Ego Dauer: 0´53´´ ERZÄHLER Heute kennen die Menschen vor allem einen Knoten: den sogenannten Überhandknoten. Es ist der einfachste Knoten der Welt: Man nimmt eine Leine und legt mit einem Ende ein Auge, also eine Art Kreis. Dann sticht man mit dem losen Ende von unten durch den Kreis hindurch. Festzurren, fertig. Der Überhandkoten ist ein Stopperknoten. Jeder kennt und verwendet ihn, z.B. um damit einen Luftballon zu verschließen. ERZÄHLERIN Soll ein Knoten etwas zusammenhalten, wird er mit zwei Seilenden geknotet: Rechts über links, unten durchziehen, und dann noch einmal rechts unter links, fertig ist der ewig schöne Kreuzknoten. M Knoten knoten weg ERZÄHLER Sie merken schon: Knoten erklären ist eine echte Herausforderung! Zur Weitegabe von Wissen ist es aber wichtig. Eines der bedeutendsten Knotenbücher ist das „Ashley-Buch der Knoten“ von 1944. Es umfasst mehr als 7000 Zeichnungen, die annähernd 4000 verschiedene Knoten darstellen. Elf Jahre hat der Künstler und Seemann Clifford Ashley daran gearbeitet. Ein Buch über Knoten im Schaufenster eines Buchladens war es auch, das den Autor Michael Karg zum Knoten-Enthusiasten machte: 5 OT Faszination - Michael S. Karg Diese Gleichzeitigkeit von der Einfachheit einer Leine, was kann es einfacheres geben als eine Leine und dann diese irre Komplexität – und gleichzeitig aber auch diese existentielle Dualität: Leinen können töten, aber sie können eben auch Leben retten. ERZÄHLERIN Erst beim Schreiben seines Buchs über die Kulturgeschichte des Knotens fiel Michael Karg auf, dass seine Faszination vielleicht auch etwas mit einem einschneidenden Ereignis in seinem Leben zu tun haben könnte: 6 OT Rettung - Michael S. Karg 2005 bin ich mit fünf Freunden, wir hielten es für gute Idee, auf der Isar Boot zu fahren, und sind dann aber ziemlich schnell gekentert in der Wasserwalze. Und ja hatten da einfach überhaupt keine Möglichkeit, rauszukommen aus eigener Kraft. Und irgendwann kamen dann eben die Hubschrauber, und da hing dann eben auch das Seil herab, und das hat und dann alle unversehrt Gott sei Dank wieder herausgezogen. M Lights Dauer: 1´19´´ ERZÄHLER Doch Knoten dienen nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Symbol: Ausgehend von ihren Funktionen stehen Knoten heute vor allem für Verbundenheit, Vertrauen und Sicherheit. Das passt zur heute üblichen praktischen Anwendung von Knoten in Seefahrt, Alpinistik und Bühnentechnik. Im Sport begegnen uns Knoten zum Beispiel an der Saitenbespannung von Tennisschlägern, in der Musik an der Gitarre und selbst Chirurgen verschließen Nähte heute genau wie ihre Kollegen vor 2000 Jahren oft mit einem Kreuzknoten, hinzu kommen zum Beispiel Gleitknoten: Diese können am Fadenende gelegt und dann zur Nahtstelle hingeschoben werden. Angehende Chirurgen müssen sich während ihrer Ausbildung jedenfalls ernsthaft mit Knoten beschäftigen. ERZÄHLERIN Knoten haben einen abschließenden Charakter: Der Name Knut bedeutet im Skandinavischen Knoten. Man nannte denjenigen Sohn Knut, mit dem man die Familienplanung abzuschließen, also gewissermaßen zuzuknoten gedachte. Aber wie wir wissen: man kann Knoten auch wieder lösen, falls man es sich anders überlegt… 7 OT Michael S. Karg Und der Knoten war eigentlich auch in vielen Kulturen immer auch ein Symbol für Treue. Also man hat zum Beispiel in Skandinavien noch sehr lange an Knoten eine verwendet als Ehe-Symbol, also die Kirche hatte es eigentlich relativ lange es schwer gehabt, den Ring einzuführen, weil er einfach der Knoten so eine starke Bedeutung gehabt hat. M Boleras Sevillanas Dauer: 0´48´´ ERZÄHLER Aber nicht nur Menschen, auch Städte konnten treu sein. Die andalusische Metropole Sevilla hat den Knoten deshalb im Stadtwappen. Vom Kanaldeckel übers Leihfahrrad bis zur Werbung einer Bankfiliale: Das 8-förmige Knotensymbol findet sich überall in der Stadt, meist eingebettet in das Wort „nodo“, was nichts anderes heißt als Knoten. Zugleich umfasst „nodo“ aber auch den Anfang und Ende des Ausspruchs „No me ha dejado“ - sie hat mich nicht verlassen. Genau das soll König Alfonso der Weise gesagt haben, als die Stadt bzw. ihre Bewohner ihm im Kampf beigestanden haben. Das könnte sich kein Stadt-Marketing-Experte des 21. Jahrhundert besser ausdenken, und ob der König das nun wirklich so gesagt hat oder nicht: die identitätsstiftende Wirkung von Anekdote und Symbol sind unbestritten. ERZÄHLERIN Falls Sie jetzt direkt mit dem Knoten anfangen wollen: Kein Problem! Man braucht keinerlei Vorbildung. Eine schöne Leine, die gut in der Hand liegt und einfach mal drauflosgeknotet. Selbst Kinder können schon Knoten binden. Die international hochdotierte Architektin Anna Heringer aus Laufen an der Salzach ist für das Bauen mit Lehm bekannt. Aber auch Knoten benutzt sie in ihren Gebäuden gern. Ihre ersten hat sie bei den Pfadfindern gemacht: 8 OT Anna Heringer Für mich waren die Knoten ganz essenziell beim Bau meines ersten Gebäudes, bei der METI-Schule, das ist im Erdgeschoss ein Lehmbau, aber im Obergeschoss ist es ein Bambusbau. Und wenn man damals so die Literatur über Bambus angeschaut hat, dann waren das alles so Metallgelenke, die dann auch wieder teilweise ausgegossen waren mit Beton, die Zwischenräume usw. … Und dann hab ich mir gedacht, bei den Pfadfindern bauen wir das doch auch alles mit Knoten. ERZÄHLER Für ihre preisgekrönte METI-Schule in Bangladesch hat Anna Heringer Bambusstäbe zu tragenden Decken zusammengefügt. Die Knoten übernahmen hier nicht nur wichtige Funktionen, sie wurden auch ganz bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt. Stundenlang haben Anna Heringer und ihr Team mit den Bauarbeitern vorab geübt, schöne, gleichmäßige Knoten zu machen. 9 OT Anna Heringer Das war eben das Schöne, weil ich es als Jugendliche und Kind wirklich gelernt habe, auf Knoten zu vertrauen. Wir haben halt im Lager immer unsere Sisal-Seile und Schnüre dabeigehabt. Und mit denen haben wir immer von Bauern ein paar Fichten-Rundlinge gekriegt, haben damit alle möglichen Bauten gemacht, Türme, auf denen wir dann oben natürlich gestanden sind. Und dann habe ich gemerkt, wie viel das tragen kann. ERZÄHLERIN Selbstwirksamkeit lautet das Stichwort. Beim Knoten können Kinder wichtige Erfahrungen machen, sie spüren, wieviel Kraft in einem Knoten steckt und lernen früh, wie schön einfache Dinge sein können. 10 OT Anna Heringer Quasi mein allererstes Architekturstück war auch ein Knotenstück, und deswegen habe ich Vertrauen gehabt in Knoten. Im Team, dem Bangladesch Bauteam war auch mein Cousin Emmanuel Heringer dabei, und der ist auch Pfadfinder und Zimmerer und Korbflechter. Und diese Kombination war natürlich genial, und er hat dann wirklich diese, diese Knotentechnik, die wir aus der Jugend konnten, dann einfach dann noch mal verfeinert. Ich: Und haben sie während ihres Studiums der Architektur jemals etwas von Knoten gehört? Heringer: … M-M. Nee… G Seemöwen ERZÄHLER Heute bringen wir Knoten schnell mit Seefahrt und Segelsport in Verbindung. Mit Leinen und Knoten wurden einst Segel, Ruder oder Steuerrad befestigt, die Ladung fixiert oder das Schiff selbst am Kai verankert. Doch Knoten hatten auf einem Schiff von jeher nicht nur praktische Bedeutung. Sie dienten auch dem Zeitvertreib, Taue und Zeit waren ja ausgereichen vorhanden. So wurden Seemänner zu Meistern des dekorativen Knotens und verzierten allerlei kleine Dinge, Griffe an Kisten zum Beispiel oder das Steuerrad. Wer besonders kunstvolle Knoten knüpfen konnten, genoss in der Mannschaft hohes Ansehen. M Aimless 0´20´´ unter: ERZÄHLERIN Letztlich waren Knoten sogar eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken: Der Überlieferung nach übergaben Seemänner ihrer Liebsten bei der Abreise einen sogenannten Liebesknoten, eine Schnur mit zwei Knoten. Waren sie bei seiner Rückkehrt immer noch zusammengezogen, hieß das, dass die Liebste treu geblieben war. M Alter Ego Dauer: 0´33´´ ERZÄHLERIN Das Besondere an Knoten: Sie sind sowohl Werkzeug als auch Werkstoff. Der Knoten entsteht aus der Leine selbst. Wenn wir ihn nicht mehr brauchen, verschwindet er wieder und hinterlässt keinerlei Müll. Gerade noch Leben gerettet und schon in Luft aufgelöst, als hätte es ihn nie gegeben. Die Leine ist wiederverwendbar, und sofort bereit für einen nächsten Knoten. ERZÄHLER Ressourcenschonender geht’s nicht. Welch gute Dienste ein Knoten bei alldem leistet, beweist ein Blick auf den Hochleistungssport. Sportartikelhersteller geben jährlich Millionen von Euro für die Entwicklung neue High-Tech-Materialien aus, die Schuhe werden immer leichter und steifer, die Läufer immer schneller. Doch egal ob Fußballer oder Marathonläuferin: Am Ende schließen sie ihre High-Tech-Schuhe mit einer prähistorischen Verbindungstechnik und machen den guten alten Schnürsenkelknoten. Musik von Privat Intervox Nr. 71 african Wildlife Take 4 African Jungle percussion K: Matthais Ruckdäschel ERZÄHLERIN Aber Knoten sind nicht nur praktisch. Schon das Mittelalter kannte Knoten nicht nur als Hilfsmittel bei Jagd und Handwerk, sondern auch als Informationsträger: Müller zum Beispiel nutzten zum Verschließen der Mehlsäcke unterschiedliche Knoten, die über den Mahlgrad des Mehls Auskunft gaben. Die Ureinwohner Nordamerikas kannten ein auf Knoten basierendes Kalendersystem, 12 OT Michael S. Karg indem man also Leinen mit einer bestimmten Anzahl von Knoten knüpfte, wobei jeden Tag ein Knoten zu lösen war. So konnten sich unterschiedliche Stämme auch miteinander koordinieren, für einen zukünftigen Treffpunkt und Zeitpunkt. Dann weiß man zum Beispiel von den Maya, die haben das Rechen-Instrument verwendet… ERZÄHLER Die Maori wiederum nannten Knoten den „Ursprung des Wortes“. Tatsächlich berichten Knoten-Profis immer wieder, Knoten zu knüpfen sei wie eine Sprache mit einer eigenen Grammatik, bei der sich einzelne Teile immer wieder neu zusammensetzen lassen und aufeinander aufbauen. Die Beschäftigung mit Knoten dürfte das abstrakte Denken der frühen Menschen gut geschult und die Entwicklung von Sprache vorangetrieben haben. ERZÄHLERIN Gleichzeitig blieben Knoten den Menschen immer rätselhaft. Das spiegelt sich in ihrem symbolischen Gehalt: Knoten stehen für Ewigkeit und Unendlichkeit oder für die Welt an sich, also für Dinge, die sich der Mensch nicht recht vorstellen kann. Denn es gibt Knoten, die alle physikalische Logik aufzuheben scheinen und selbst geübte Knotenknüpfer immer wieder staunen lassen, wie sie eigentlich funktionieren. M Alter Ego Dauer: 0´45´´ Der Eiszapfenstek zum Beispiel hält wie von Zauberhand an einem glatten, spitz nach unten zulaufenden Gegenstand. Beeindruckend findet Michael Karg auch den Constrictor bzw. „Würge-Knoten“: 13 OT Würgeknoten - Michael S. Karg Man wir…

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    Theophanu - Kaiserin im römisch-deutschen Reich Mar 25, 2024
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    Kaiserin Theophanu sorgt im weströmischen Reich der Ottonen für Stabilität und außenpolitische Erfolge. Die Frau aus Byzanz hat nicht nur politisches Geschick, sie bringt auch Kunst und Bildung nach Deutschland. Autorin: Ulrike Beck (BR 2019)CreditsAutorin dieser Folge: Ulrike BeckRegie: Frank HalbachEs sprachen: Stefan Wilkening, Irina WankaTechnik: Monika GsaengerRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Ludger Körntgen (Professor; Dr.; Historiker; Professor für mittelalterliche Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz);Klaus Gereon Beuckers (Professor; Dr.; Kunsthistoriker; DIrektor am Kunsthistorischen Institut der Christian-Albrechts-Universität, Kiel) Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK 1 Erzähler Rom im Frühjahr 972. Es muss ein spannender Moment gewesen sein, als die Griechin Theophanu aus Byzanz in Rom eintrifft. Sie ist noch ein halbes Kind, vielleicht erst 12, vielleicht aber auch schon 16 Jahre alt. Ihr genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Hier soll sie nun Otto II. heiraten. Den künftigen Herrscher aus der Dynastie der sächsischen Ottonen, die das weströmische Reich regieren. Erzählerin Theophanu kennt ihren künftigen deutschen Gatten noch nicht. Sie weiß nur, dass er siebzehn Jahre alt ist und sein Vater sich in den Kopf gesetzt hat, dass er eine purpurgeborene Prinzessin aus Byzanz, aus dem Zentrum des oströmischen Reichs, zur Frau nehmen soll. Auf sie werden viele Aufgaben zukommen. Erzähler Denn ihr künftiger Schwiegervater, Otto der Große, verknüpft mit dieser Verbindung große Absichten, erklärt der Kunsthistoriker Klaus Gereon Beuckers: MUSIK ENDE 1.O-Ton ( Beuckers ab 2:50) Für die Ottonen war das eine Anerkennung ihrer inzwischen erlangten Stellung. Otto der Große hatte sozusagen in der Tradition Karls des Großen stehend und auch dezidiert darauf Bezug nehmend sich in Aachen krönen lassen. (…) Und wollte jetzt diese damit verbundene geopolitische Dimension durch eine Prinzessin aus Byzanz oder durch die Anerkennung aus Byzanz absichern und auch nach außen dokumentieren. 3:19 (…) Weil es zu der Zeit gerade in den 60er-, 70er-Jahren einige Probleme mit Süditalien gab, was formell zum Reich gehörte und wo die Byzantiner relativ große machtpolitische Interessen hatten und auch das wollte man befrieden und hat sich dementsprechend um diese Prinzessin gekümmert. Erzählerin Theophanu ist aber nicht die Tochter, sondern nur die Nichte des oströmischen Kaisers Johannes Tzimiskes. Es ist ein Affront, dass Byzanz sie schickt. Dennoch lässt Otto der Große die Hochzeit nicht platzen, sondern nimmt Theophanu als künftige Schwiegertochter in Ehren auf. 2. O-Ton ( Beuckers ab 4:00) Wir wissen, dass einige am Hof da etwas die Nase gerümpft haben. Man muss aber auch sehen, dass in Byzanz zu der Zeit keine ganz klare Herrscherstruktur da war, da war gerade eben ein Herrscher abgelöst worden. Und im Prinzip der neue Usurpator schickte jetzt seine Nichte, über eine Tochter in dem Maße hat er nicht verfügt. Die Anna, auf die die Ottonen spekuliert hatten, wurde nach Russland verheiratet. 4:25 Warum Otto der Große darauf eingegangen ist oder auch Otto II. Wir wissen es nicht. Aber sie sind mit viel Nachdruck drangegangen, haben das Beste aus der Situation gemacht und haben direkt Theophanu wie eine Prinzessin behandelt. Musik 2 Erzähler Am 14.April 972 ist es soweit. Otto II. und Theophanu werden in Rom vom Papst vermählt. Während der Zeremonie krönt Johannes XIII. die Braut auch zur Kaiserin. Die einen reichen Schatz mit in die Ehe bringt: Wertvolle byzantinische Elfenbeinschnitzereien, Textilien, Parfümflakons und Goldschmiedearbeiten. Mit der jungen Kaiserin zieht nicht nur der Glanz der byzantinischen Kultur in das sächsische Herrscherhaus ein, sondern auch Bildung und modische Raffinesse. Erzählerin Welches Kleid Theophanu bei ihrer Hochzeit trug, ist nicht überliefert, aber wie sie in etwa aussah, das lässt sich rekonstruieren. Auch, wenn kein einziges zeitgenössisches Porträt von ihr existiert: MUSIK ENDE 3.O-Ton (Beuckers ab 1:05) Wir können es über ein paar Dinge rückschließen. Ein Punkt ist beispielsweise, dass wir relativ genau wissen, wie ihre Enkeltochter, die Königin Richetza ausgesehen hat, weil ihre Gebeine untersucht worden sind in den Fünfzigerjahren, die im Kölner Dom ruhen heute. Und wir daher wissen, dass Richetza eine (1:40) schmale kleine dunkelhaarige Frau mit schmalem Gesicht gewesen ist.(…) Sodass wir auch davon ausgehen können, dass sie wahrscheinlich etwas von ihrer Großmutter widergespiegelt hat und weniger das Aussehen der Ottonen selber, die eher etwas gedrungener und rotblonde Leute gewesen sind, also eher einem anderen Typus entsprochen haben. MUSIK 3 Erzähler Nur ein Jahr nach der Hochzeit übernimmt Otto II. nach dem Tod seines Vaters die Alleinherrschaft über ein gigantisches Reich, das sich im Jahr 973 weit über Sachsen hinaus in die heutigen Beneluxländer, Elsaß und Lothringen, den nordöstlichen Teil der Schweiz, das Herzogtum Bayern mitsamt Österreich, Kärnten und Südtirol bis nach Italien hinein erstreckt. Erzählerin Das bedeutet für Theophanu, dass ihr Alltag von nun an vor allem durch Reisen bestimmt ist. Eine feste Residenz als Wohnsitz gibt es nicht. Stattdessen begleitet sie ihren Mann quer durch das Reich und von einer Kaiserpfalz zur anderen, um dort die Regierungsgeschäfte zu erledigen. Allein von Frühjahr bis Sommer 973 steht der Besuch der Pfalzen Quedlinburg, Memleben, Dornburg und Magdeburg auf dem Programm. Das ist strapaziös, aber notwendig, wie der Historiker Ludger Körntgen erklärt: MUSIK ENDE 4.O-Ton ( Körntgen ab 7:40) Man hat durchaus ohne Abschätzung insgesamt die Kaiser des Mittelalters (…) als Normaden auf dem Königsthron angesprochen, weil sie permanent durch das Reich sich bewegen, um ihre Herrschaft zur Geltung zu bringen. Die Herrschaft war sehr stark auf das persönliche Gegenüber angewiesen, auf die konkrete Kommunikation mit den anderen wichtigen Akteuren. (8:14) Und das konnte man eben nicht über lange Nachrichtenwege machen, das konnte man nur durch persönliche Präsenz machen. Deshalb ist eben Reisen von einem Ort zum anderen eigentlich ein prägendes Moment dieses Lebens. Erzähler Das Ehepaar scheint sich gut zu verstehen. Otto II. bezeichnet Theophanu in Urkunden auch als seine „vielgeliebte Gattin“, deren Rat er sehr zu schätzen weiß. Schon ein Jahr nach ihrer Hochzeit bestimmt er sie zur „Mitkaiserin“, die die politischen Angelegenheiten entscheidend mitbestimmt. Allein durch ihre Funktion als Mittlerin zwischen Bittstellern und ihrem Mann, dem Kaiser. 5.O-Ton (Körntgen ab ca. 10:30) Wenn man den Kaiser mit einem Wunsch oder einem Anspruch konfrontieren wollte, war es manchmal sinnvoll, erst mal bei der Kaiserin vorzufühlen. Das war noch ein bisschen unverbindlicher. (… 10:55) Sie verbringt viel Zeit mit Beratungen, sie empfängt Personen, die sich an sie wenden. Sie setzt sich ein für manche Personen, bringt deren Anliegen dann auch in der Beratung des Kaisers und seiner Umgebung zur Sprache. Das sind ganz wichtige Momente ihres Lebens. MUSIK 1 Erzählerin Theophanu ist nicht die erste Kaiserin, die im ottonischen Herrscherhaus als Mittlerin auftritt. Doch sie ist es, die in dieser Rolle Beispielloses leistet. Ein Viertel aller Urkunden, die Otto II. unterschreibt, gehen auf ihre Anträge - also Interventionen - zurück. Erzähler Theophanu hat aber noch eine andere wichtige Aufgabe: sie muss Kinder kriegen. Drei Jahre nach ihrer Hochzeit bringt sie ihre erste Tochter zur Welt: Sofia. 977 folgt Adelheid, ein Jahr später Mathilde. Der lang ersehnte Thronfolger Otto III. wird im Jahre 980 geboren. Erzählerin Für ihre Kinder mischt Theophanu das Erziehungsprogramm der Ottonen gründlich auf. Sie setzt durch, dass nicht nur Otto III. Griechisch und Latein lernt, sondern auch seine beiden Schwestern Sofia und Adelheid, die später Äbtissinnen werden. Erzähler Otto III. wird später als Kaiser aufgrund seiner außergewöhnlichen Bildung als „mirabilis mundi“ - als Staunen der Welt - bewundert. Wie sehr ihn seine Mutter dabei geprägt hat, erklärt Ludger Körntgen: MUSIK ENDE 6.O-Ton (Körntgen ab 28:05) Offensichtlich war er die ersten zwei drei Lebensjahre (…) sehr eng mit der Mutter zusammen. Aber das ist nur eine vorübergehende Phase. Wichtiger war, dass sie einen Einfluss auf die Auswahl seiner Erzieher gehabt hat. 28:24 Eine ganz wichtige Persönlichkeit in diesem Zusammenhang war der spätere Bischof Bernward von Hildesheim. Ein Geistlicher, (…) der später als einer der dominierenden kulturell wirksamen Persönlichkeiten, ein Mäzen in Baukunst und Buchkunst und so weiter hervorgetreten ist. (…29:13) Interessanterweise gibt es so etwas spielerisch gemeinte Verse, die Otto der Dritte an seinen Lehrer geschrieben hat. 29:20 Darin bittet er ihn, ihm zu helfen, dass er etwas von seiner sächsischen Derbheit verliert und dass seine griechische Feinheit etwas gestärkt wird. MUSIK 4 Erzählerin Mit Theophanu kehrt aber nicht nur die Kultur in das sächsische Herrscherhaus ein, sondern sie sorgt mit einer Gefolgschaft aus Künstlern, Architekten und Goldschmieden aus ihrer Heimat auch dafür, dass sich im ganzen Reich byzantinische Kunstgegenstände verbreiten. Erzähler Und das ist absolut gewollt. Denn Byzanz als Zentrum des oströmischen Reiches gilt als der Maßstab in puncto Kultur. Sich an ihr zu orientieren, gilt im 10.Jahrhundert als chic - auch im weströmischen Reich. Der Kunsthistoriker Klaus Gereon Beuckers: MUSIK ENDE 7.O-Ton: (Beuckers ab 6:45) Etwa in der Mitte des Jahrhunderts geht das los, dass wir sehen, wie stark letztendlich byzantinische Vorbilder (…) rezipiert werden. 6:54 Das ist in der Buchmalerei so, das ist in der Goldschmiedekunst so, ganz besonders in Textilgewerben, die ja sehr sehr teuer waren. Und das hat in der Zeit, als Theophanu dann kam, einen großen Schub noch einmal erlebt. Wir sehen, (7:24) dass seitdem sie 972 gekommen ist, dass wir (…) dann wirklich die ottonische Hochblüte erleben, die auch sehr stark mit byzantinischen Formen, mit antiken Formen einhergeht. (…8:22) beispielsweise die beiden Elfenbeine auf dem Einband des Evangeliars Ottos III. im Aachener Domschatz. MUSIK 5 Erzählerin Und es ist Theophanu, die einen ganz neuen Brauch aus ihrer byzantinischen Heimat in Deutschland einführt: Sie feiert mit ihren Kindern das Nikolausfest. Natürlich nicht so, wie wir es heute kennen. MUSIK ENDE 8.O-Ton (Beuckers ab 16:20) Nikolaus ist im byzantinischen Bereich ein sehr gängiger Heiliger gewesen. Wurde im Westen richtig bekannt, als man seinen Sarkophag aus der Türkei nach Bari, also nach Süditalien gebracht hat. In den 80er-Jahren des 11. Jahrhunderts, also hundert Jahre nach Theophanu. Da wurde er dann zu dem, was wir heute kennen. (…) In der (16:55) Zeit vor der Translation nach Bari gibt es nicht besonders viele Nikolaus Zentren. Aber die ersten, die wir greifen können, (…) sind im sehr engen persönlichen Umfeld von Theophanu entstanden, sodass man davon ausgehen kann - (…) dass sie im Prinzip eigentlich diejenige war, die diesen Kult innerhalb ihrer Familie zum mindesten eingeführt hat und verbreitet hat. MUSIK 5 Erzähler Allzu oft wird Theophanu mit ihren Kindern das Nikolausfest nicht gefeiert haben, denn an der Seite ihres Mannes ist sie schon ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes zunehmend in Italien unterwegs. Otto II. versucht als römisch-deutscher Kaiser, ganz Italien in seine Reichsherrschaft einzubeziehen. MUSIK ENDE Erzählerin Das führt allerdings zu Konflikten in Süditalien. Nach mehreren Angriffen der Sarazenen unter der Führung des Emirs Abu al-Quasim beginnt Otto II. im Herbst 981 seinen Feldzug. Theophanu begleitet ihn bis nach Kalabrien in die Stadt Rossano, nicht aber in die entscheidende Schlacht am Kap Colonna, die am 15.Juli 982 stattfindet. Erzähler Und für Otto II. mit einer verheerenden Niederlage endet. Ludger Körntgen: 9.O-Ton (Körntgen ab 14:48) Eigentlich weniger aufgrund militärischer Schwäche, sondern einfach aufgrund taktischer Unbeweglichkeit. 15:00 Man hatte sehr stark das gegnerische Heer zunächst einmal zur Auflösung der Schlachtordnungen gebracht. Der gegnerische Emir war gefangen und als dann alle dachten, die Schlacht ist gewonnen, kamen aus dem Hintergrund Reserven und konnten das ottonische Heer weitgehend aufreiben. Es ist eine große Anzahl von wichtigen Führungspersönlichkeiten des Reiches gefallenen. Der Kaiser konnte sich nur mit großer Mühe retten, und es hat eine Weile gedauert, bis man dann wieder einigermaßen zur politischen Tagesordnung übergehen konnte. Erzählerin Schon eineinhalb Jahre später stirbt Otto II. am 7.Dezember 983 in Italien. Er ist der einzige deutsche Herrscher, der in Rom beigesetzt wird. Erzähler Sein designierter Nachfolger ist sein Sohn, der bereits auf dem Hoftag von Verona zum König gewählt worden ist. Es gibt dabei allerdings ein kleines Problem: Otto III. ist erst drei Jahre alt und kann von daher unmöglich regieren. Stattdessen übernimmt seine Mutter Theophanu die Regentschaft für ihn. Erzählerin Doch bevor sie dieser neuen Aufgabe gerecht werden kann, muss sie sich gegen einen Verwandten aus Bayern durchsetzen: Heinrich den Zänker. Der, wie der Name schon sagt, dafür bekannt ist, seine Ziele rücksichtslos durchzusetzen. Um seinem Herrschaftsanspruch Nachdruck zu verleihen, entführt er kurzerhand das Kind. Doch damit kommt er nicht durch. Ludger Körntgen: 10.O-Ton: ( Körntgen 16:05) Theophanu hat gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Adelheid, die ja auch gekrönte Kaiserin war, gewissermaßen ihren Rang, ihre Autorität in die Waagschale werfen können, um ihrem Sohn die Krone zu retten gegen die Ansprüche des Verwandten Herzogs von Bayern. 16:39 Ein wichtiger Punkt ist auf jeden Fall gewesen, dass dieser Heinrich der Zänker (…17:24), dass er damit wirklich zu weit gegangen ist. Er hat sehr viele vergrätzt. (…) Von daher können wir sagen, dass (…) die große Mehrzahl der Entscheidungsträger, der politischen Akteure, der Grafen und der Herzöge, vor allen Dingen dann auch der Bischöfe, allen voran der Erzbischof Willigis von Mainz, der (…) eine wichtige Vertrauensperson für Otto II. und Theophanu war -, die wollten einfach diesem Anspruch des Bayern Herzogs einen Riegel vorschieben. MUSIK 6 Erzähler Nach diesem Intermezzo kann Theophanu nun die Regentschaft für ihren Sohn übernehmen. Heinrich der Zänker übergibt ihn ihr 984 höchstpersönlich auf dem Reichstag in Rohr. Als Regentin für ihren Sohn besteht Theophanus Aufgabe nun darin, den Status Quo der Reichsherrschaft zu festigen und den Kaiserthron für Otto III. zu sichern. Erzählerin Das ist keine leichte Aufgabe, die sie dennoch - in Allianz mit ihrer Schwiegermutter Adelheid - bravourös bewältigt. Sieben Jahre lang sorgt sie für Stabilität und außenpolitische Erfolge und wird zur mächtigsten Frau des Abendlandes. Erzähler Dank der innenpolitischen Stabilität hat Theophanu in ihrer Regierungszeit den nötigen Spielraum, sich um die vielen außenpolitischen Konflikte an den Grenzen des Reiches zu kümmern. Musikakzent: Fanfare Erzählerin Da sind zum einen die aufständischen Slawenstämme jenseits der Elbe, die sie durch Feldzüge und eine Allianz mit dem polnischen Herzog Miseko einzudämmen versucht. Im Jahr 986 scheint ihr Ziel erreicht, als die slawische…

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    Johann Sebastian Bach - Die Matthäus-Passion Mar 25, 2024
    Show notes

    Theatralik und Drama, Wucht und Architektur, über drei Stunden Länge - die Matthäus-Passion ist nicht nur des großen Bach umfangreichstes Werk, sie verlangt auch dem heutigen Zuhörer noch einiges ab. Von Johannes Roßteuscher (BR 2016)

    Credits
    Autor dieser Folge: Johannes Roßteuscher
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Heinz Peter, Frank Manhold
    Technik: Jochen Fornell
    Redaktion: Petra Herrmann-Böck

    Im Interview:
    Enoch zu Guttenberg, Hansjörg Albrecht, Hartmut Schick, Beatrice Lackner
    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Urvogel Archaeopteryx - Beweisstück der Evolution? Mar 21, 2024
    Show notes

    Der Archaeopteryx. Ein bayerischer Urvogel, der zu einer Zeit aus dem Solnhofener Plattenkalk bei Eichstätt geborgen wurde, als Charles Darwin auf der Suche nach dem letzten Beweis für seine Evolutionstheorie war. Von Katharina Hübel (BR 2022)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Katharina Hübel
    Regie: Rainer Schaller
    Es sprachen: Ruth Geiersberger, Frank Manhold
    Technik: Michael Krogmann
    Redaktion: Iska Schreglmann


    Hier gibt es weitere spannende Folgen von radioWissen:
    Was bleibt von Darwin - Forschung zur Evolution heute
    JETZT ANHÖREN
    Lebende Fossilien - Von der Evolution vergessen
    JETZT ANHÖREN

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Urvogel Archaeopteryx: Dinosaurier oder Vogel?:
    Was wir bislang über Archaeopterys wissen
    Vor 150 Millionen Jahren lebte Archaeopteryx im Altmühltal. Der Urvogel beschäftigt
    die Forscher seit der Entdeckung der ersten Fossilien. War er mehr Dinosaurier
    oder Vogel? Konnte er fliegen? Neue Untersuchungen bringen alte Erkenntnisse
    ins Wanken.
    Jetzt anhören


    Literaturtipps:

    Probst, Ernst: Raubdinosaurier in Bayern. Von Archaeopteryx bis Sciurumimus. Oktober 2019.
    Wellnhofer, Peter: Archaeopteryx. Der Urvogel von Solnhofen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil. 2008.
    Bollen, Ludger: Der Flug des Archaeopteryx. Auf der Suche nach dem Ursprung der Vögel. Mit einem Vorwort von Dr. Martina Kölbl-Ebert, Jura-Museum Eichstätt. Edition Goldschneck. 2008.



    Vulkane in Deutschland - schlafende Riesen Mar 20, 2024
    Show notes

    Lavaströme, Glut- und Aschewolken - Vulkane können zerstörerische Kraft entfalten. In Europa befinden sich die meisten Vulkane in Island und Italien. Doch auch in Deutschland, besonders in der Eifel, beobachten Wissenschaftler Anzeichen aktiven Vulkanismus. Von Georg Gruber (BR 2020)

    Credits
    Autor dieser Folge: Georg Gruber
    Regie: Rainer Schaller
    Es sprach: Christian Jungwirth
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Matthias Eggert

    Im Interview:
    Karen Strehlow (Dr.; GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung, Kiel)
    Ulrich Küppers (Dr.; LMU München, Department für Geo- und Umweltwissenschaften, Sektion für Mineralogie, Petrologie und Geochemie)
    Torsten Dahm (Professor; Deutsches Geoforschungszentrum GFZ, Helmholtz-Zentrum Potsdam, Sektionsleiter Erdbeben- und Vulkanphysik)
    Eleonora Rivalta (Dr.; Deutsches Geoforschungszentrum GFZ, Helmholtz-Zentrum Potsdam, Arbeitsgruppenleiterin Erdbeben-und Vulkanphysik)
    Roland Eichhorn (Dr.; Leiter des Geologischen Dienstes am Bayerischen Landesamt für Umwelt, Hof)

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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