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    Latest Episodes:
    Rheuma - Ein Begriff und viele Krankheiten May 05, 2024
    Show notes

    Steife, geschwollene Gelenke, schmerzende Muskeln und Sehnen - Rheuma macht den Körper unbeweglich. Dabei ist Rheuma nicht eine Krankheit, sondern ein Name für mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Heilen lässt sich Rheuma nicht, aber mit verschiedenen Methoden die Schmerzen lindern. Von Claudia Steiner (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Claudia Steiner
    Regie: Susi Weichselbaumer
    Es sprachen: Thomas Birnstiel, Hemma Michel
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Matthias Eggert

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Georg Schett (Prof. Universitätsklinikum Erlangen);
    Hans Hauner (Prof. am Institut für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München und Leiter des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin);
    Britta Klasen (Deutsche Rheuma-Liga);
    Marion Rink (Deutsche Rheuma-Liga)

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    Volkskrankheit Osteoporose - Wenn Knochen brüchig werden
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    Literatur im Mittelalter - Zauberspruch und Minnesang May 02, 2024
    Show notes

    Minnesang und Zaubersprüche, Vagantenlied und Spruchdichtung. Hohes Lied, Heldenepos und Fürstenlob. Welche Literaturformen erdichteten, zitierten, sangen und trugen Menschen im Mittelalter vor? Von Renate Kiesewetter (BR 2019)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Renate Kiesewetter
    Regie: Eva Demmelhuber
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Andreas Neumann, Stefan Wilkening
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Andrea Bräu

    Interviewpartner/innen:
    Beate Kellner (Professorin; Dr.; Lehrstuhl für Mediävistik, LMU München);
    Alexander Rudolph (Dr.; Mediävist, LMU München)

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    Arbeitszeit - Von der Stechuhr zum Coworking Space May 01, 2024
    Show notes

    Mehr als ein Jahrhundert lang kämpften Gewerkschaften für geregelte Arbeitszeiten. Sie setzten den Acht-Stunden-Tag und die Fünf-Tage-Woche durch. Und heute? Sind alle flexibel. Und überarbeitet. Autorin: Maike Brzoska (BR 2021) CreditsAutorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Anja ScheifingerEs sprachen: Ariane Payer, Johannes Hitzelberger, Peter Lersch, Anna GreiterTechnik: Peter PreußRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Michael Schneider, Professor an der Universität Bonn;Thomas Ertl, Professor an der Freien Universität Berlin;Birgit Blättel-Mink, Professorin an der Universität Frankfurt am Main Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Musik Weird instructions unter folgendem: 0´58´´ ZITATOR Berlin, den 15. November 1918. An den Vollzugsausschuss (..) SPRECHERIN Es ist nur eine Seite Papier, eng mit Schreibmaschine bedruckt. Aber es sollte das Leben von Millionen Menschen verändern. ZITATOR Die Verbände der Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben unter dem heutigen Tage vereinbart, dass das Höchstmass der täglichen regelmässigen Arbeitszeit für alle Betriebe auf 8 Stunden festgesetzt wird und Verdienstschmälerungen aus Anlass dieser Verkürzung der Arbeitszeit nicht stattfinden dürfen. SPRECHERIN Nur noch acht Stunden täglich arbeiten – und das bei vollem Lohnausgleich. ZITATOR Wir bitten den Vollzugsausschuss, diese Forderung bei den Friedensverhandlungen zu stellen und zu vertreten. Musik Weird instructions hoch und weg SPRECHERIN Angehängt an das kurze Schreiben ist das sogenannte Stinnes-Legien-Abkommen. Es ist benannt nach seinen beiden Verhandlungsführern: dem Unternehmer Hugo Stinnes und dem Gewerkschafter Carl Legien. Aus Nächstenliebe haben die Arbeitgeber dem Achtstundentag aber nicht zugestimmt. Vielmehr fürchteten sie sich vor revolutionären Umbrüchen. Denn am Ende des Ersten Weltkrieges schien alles möglich zu sein, sagt der Politikwissenschaftler Michael Schneider. Er ist Professor an der Universität Bonn. 01 O-TON (Schneider) Wenn in Deutschland von Räten die Rede war, von der Sozialisierungs-Forderung die Rede war, haben die Arbeitgeber befürchtet, das könnte womöglich ganz schlecht für sie ausgehen, für die deutsche Industrie, für die Eigentumsverhältnisse. SPRECHERIN Deshalb taten sie alles dafür, um den Besitzstand zu wahren und den Status Quo zu erhalten. Auch wenn sie dafür weitreichende Zugeständnisse machen mussten. 02 O-TON (Schneider) Beide haben unter dem Druck für sich rausgeholt, was für sie von zentraler Bedeutung gewesen ist: den Achtstundentag auf der einen Seite und die Sicherung der Eigentumsverhältnisse auf der anderen Seite. SPRECHERIN Es war eine große Errungenschaft für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Jahrzehntelang hatten sie dafür gekämpft. Nötig geworden war dieser Kampf, weil einige Jahrhunderte zuvor zwei Entwicklungen parallel stattfanden, welche die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, grundlegend verändert hatten. Musik Laiser Pointer unter: 0´13´´ SPRECHER Von Uhren und Städten - Als Zeit zu Geld wurde. Musik Laiser Pointer weg SPRECHERIN In früheren Zeiten hatten sich die Menschen nach dem Stand der Sonne gerichtet, um die Tageszeit zu bestimmen. Um das Jahr 1300 kommen die ersten mechanischen Uhren auf, sagt der Historiker Thomas Ertl. Er ist Professor an der Freien Universität Berlin. 03 O-TON Ertl Und nun ist es zum ersten Mal möglich, die Zeit über den Tag hinweg - genau - zu messen. SPRECHERIN Damit lässt sich auch die Zeit, die jemand arbeitet, exakt bestimmen. Parallel dazu beginnt eine andere Entwicklung: Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. 04 O-TON Ertl In der gleichen Zeit, seit dem hohen Mittelalter, befinden wir uns in einer wirtschaftlichen Expansionsphase. Es beginnt in Europa ein Prozess der Urbanisierung und der Diversifizierung im Arbeitsleben. Musik: Dogged Pathology unter: 1´02´´ SPRECHERIN Bis dahin hatten die Menschen das meiste, was zum Leben nötig war, in der Familie selbst hergestellt. Tagsüber ackerten sie auf dem Feld, abends erledigten sie noch Handarbeiten. Oft gab es Knechte und Mägde, die in der Familie mitarbeiteten und dafür Kost und Logis bekamen. In den Städten löst sich dieses traditionelle Gefüge langsam auf. Es entstehen Handwerksbetriebe. Die Aufträge kommen oft von den Städten selbst. Stadtmauern, Straßen, Abwasserkanäle – die Betriebe beschäftigen dafür bald Lehrlinge und Gesellen. Damit kommt eine neue Form der Arbeitsorganisation ins Spiel: die Lohnarbeit: So selbstverständlich uns das heute erscheint, so neu war sie damals. Ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin bekommt eine vereinbarte Summe Geld für eine festgelegte Anzahl von Stunden. Musik: Dogged Pathology weg 05 O-TON (Ertl) Als technische Unterstützung hängen Uhren an Türmen, an Rathäusern. Auf die Art und Weise wird die Tageszeit normiert und ist für alle erkennbar. SPRECHERIN Das, was im Mittelalter ganz allmählich beginnt, breitet sich mit Beginn der Industrialisierung immer weiter aus. Musik Laiser Pointer unter: 0´08´´ SPRECHER Von Fabriken und Maschinen - Arbeitskraft als Massenware. Musik Laiser Pointer weg SPRECHERIN In Bayern entstehen die ersten Fabriken ab den 1820er Jahren, zunächst in Nürnberg, wo mithilfe von Maschinen Textilien hergestellt werden. In Augsburg gründen sich bald Unternehmen, die Metall verarbeiten. 06 O-TON (Schneider) Die hohen Investitionen in die Fabriken, in die Maschinen drängten natürlich die, die in die Maschinen investiert hatten, also die Unternehmer, möglichst lange Maschinenlaufzeiten herzustellen. Und dies wiederum bedeutete, dass man mit dem Beginn der Industrialisierung eine deutliche Verlängerung der Arbeitszeit hatte. SPRECHERIN So auch in einer Papierfabrik in Heilbronn. Deren Besitzer schreiben in einem Brief, dass dort regulär 12 Stunden am Tag gearbeitet werden. Weiter heißt es: ZITATOR Die Arbeiter verdienen sich noch weiteren Lohn durch extra Stunden, d.h. durch die Zeit, die sie mehr als 12 Stunden arbeiten. In der Regel sind sie sehr verlangend nach diesem Extra-Verdienst. SPRECHERIN Kein Wunder, denn der Tageslohn eines Arbeiters reicht gerade mal für einen einzigen Laib Brot. Der einer Arbeiterin nur für einen halben. Deshalb schuften die Menschen Mitte des 19. Jahrhunderts 14 bis 16 Stunden am Tag – an sechs Tagen die Woche. Auch Kinderarbeit ist üblich. Hauptsache, die Maschinen sind ausgelastet. 07 O-TON (Schneider) Schon dieses Wort der Bedienung der Maschine deutet ja darauf hin, wo die Priorität des Arbeitsmanagements lag, nämlich beim Maschineneinsatz. Musik: Dogged Pathology unter: 0´34´´ SPRECHERIN Dennoch ziehen immer Menschen vom Land in die Städte, um in den Fabriken Arbeit zu suchen. Grund sind unter anderem mehrere Missernten Mitte des 19. Jahrhunderts und ein starkes Wachstum der Bevölkerung. Die Zahl der Arbeiterinnen und Arbeiter wächst, bald setzen die Fabrikbesitzer Stechuhren ein. Die heißen damals passenderweise „Arbeiterkontrollapparate“. In Meyers Großem Konversationslexikon von 1897 heißt es: ZITATOR 2 Um Arbeiter bezüglich des Anfangs und Endes, beziehungsweise der Dauer ihres Arbeitstages zu kontrollieren, sind Arbeiterkontrollapparate angegeben worden. SPRECHERIN Prekäre Arbeitsbedingungen, Hungersnöte, allgemeine politische Unzufriedenheit – das alles führt Ende der 1840er Jahre zu revolutionären Unruhen in Europa. Musik Laiser Pointer C1589890129 unter: 0´13´´ SPRECHER Kampf um den Achtstundentag. Musik Laiser Pointer weg SPRECHERIN Die Arbeiterinnen und Arbeiter beginnen, sich zu verbünden. Ihr Ziel ist, gemeinsam bessere Bedingungen auszuhandeln. 08 O-TON (Schneider) Die ersten Gewerkschaften sind 1848 im Umfeld der Revolution gegründet worden, das waren die Zigarrenarbeiter und die Buchdrucker. Die Verbände sind ganz schnell verboten worden in den 50er Jahren. Aber dann in den 1860er Jahren gab es einen Boom von Gewerkschaftsgründungen. SPRECHERIN Das waren anfangs noch sehr kleine, lokal tätige Arbeitervereine. 09 O-TON (Schneider) Aber sie fingen an, kollektiv die Arbeitszeit zu regeln. SPRECHERIN Mit Erfolg. Die Arbeitszeit wird in den folgenden Jahren kürzer. Insgesamt verbessert sich die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter. Auch weil andere gesellschaftliche Gruppen ihre Forderungen mittragen. Viele Geistliche prangern die menschenunwürdigen Bedingungen an. Hinzu kommen gesellschaftskritische Ideen wie die von Karl Marx und Friedrich Engels, die nicht nur das theoretisches Fundament für den Kampf der Arbeiterschaft legen, sondern bald selbst an der Spitze der Bewegung stehen. Auf der Internationalen Arbeiterassoziation von 1864 – der Ersten Internationale – sagt Marx in der Eröffnungsrede: ZITATOR Nach einem dreißigjährigen Kampf, der mit bewundernswürdiger Ausdauer geführt ward, gelang es der englischen Arbeiterklasse (...) die Zehnstundenbill durchzusetzen. SPRECHERIN Vereinzelt setzen sich auch Industrielle für die Arbeiterschaft ein. In Schottland beispielsweise Robert Owen, Inhaber einer Baumwollspinnerei. Von ihm soll die Formel stammen: ZITATOR 2 Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung. SPRECHERIN Der Achtstundentag ist weltweit bald die zentrale Forderung der Gewerkschaften. Auf der Zweiten Internationale von 1889 beschließen Arbeitervertreter aus 20 Ländern gemeinsam dafür zu kämpfen. 10 O-TON Schneider Und um diese Forderung zu vertreten, hat man sich gedacht, man nimmt den 1. Mai als internationalen Kampftag für das Ziel des Achtstundentages. SPRECHERIN Im Kaiserreich können die Arbeitervertreter ihre Forderung nicht durchsetzen. Vor allem Reichskanzler Otto von Bismarck ist dagegen. Das macht er 1885 im Reichstag deutlich: ZITATOR Wer empfindet nicht das Bedürfnis zu helfen, wenn er den Arbeiter gegen den Schluss des Arbeitstages müde und ruhebedürftig nach Hause kommen sieht. Aber die Spitze unserer Industrie ist die Exportindustrie. Lassen Sie die Exportindustrie konkurrenzunfähig werden mit dem Auslande und unsere ganze Industrie wird darunter leiden. SPRECHERIN Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges ist es soweit. Mit dem Stinnes-Legien-Abkommen wird der Achtstundentag ab Januar 1919 Realität für Millionen Menschen – an sechs Tagen in der Woche wohlgemerkt. Dennoch ist es eine große Errungenschaft. Die allerdings bald schon wieder passé ist. Musik Laiser Pointer unter: 0´09´´ SPRECHER Der Kampf der Systeme - Wem gehört Vati am Samstag? Musik Laiser Pointer weg SPRECHERIN 1923 beschließt die Reichsregierung auf Druck der Arbeitgeber eine neue Arbeitszeitverordnung. Ohne eine Erhöhung der Produktivität könne das Deutsche Reich die Reparationsforderungen nicht erfüllen, argumentieren insbesondere Vertreter aus Metallindustrie und Kohlebergbau. Die neue Verordnung sieht viele Ausnahmen vom Achtstundentag vor, was die Arbeitgeber auch gerne ausnutzen. M Simple but complex behavior unter: 0´33´´ Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen, spielt der Achtstundentag bald keine Rolle mehr. Die Reichsregierung will das Land für den Krieg rüsten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen zusätzliche Schichten einlegen. 1938 erlässt dann die Regierung ein neues Gesetz, das die Arbeitszeit auf 10 Stunden täglich ausweitet. Und selbst dieses Gesetz kippt sie ein Jahr später. M Simple but complex behavior weg 12 O-TON (Schneider) Das ist dann mit Beginn des Zweiten Weltkrieges außer Kraft gesetzt worden, weil man davon ausging, natürlich bei den Kriegsanstrengungen muss mehr gearbeitet werden können. Musik: Dogged Pathology unter: 1´22´´ SPRECHERIN Es sind die Alliierten, die nach dem Zweiten Weltkrieg dafür sorgen, dass die Bevölkerung durchschnaufen kann. Der Alliierte Kontrollrat setzt den Achtstundentag und die 48-Stunden-Woche wieder in Kraft. Gleichzeitig führt der Wiederaufbau dazu, dass die Wirtschaft in den 1950er und 60er Jahren boomt. Die Produktivität und die Wachstumsraten sind hoch, was sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerseite zugute kommt. Es gibt einiges zu verteilen. 13 O-TON Schneider War eine für gewerkschaftliche Arbeit überaus günstige Zeit. SPRECHERIN Wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung, aber auch wegen des ständigen Vergleichs mit der DDR. Wo lebt es sich besser? Wer schafft bessere Bedingungen für die Menschen? Die soziale Marktwirtschaft will dem Arbeiter- und Bauernstaat in nichts nachstehen. Keiner der Staaten will den Ruf haben, seine Bürger zu schinden. Kein Wunder, dass sich in beiden deutschen Staaten die Arbeitszeit ähnlich entwickelt. In der DDR legt der Staat sie fest. Im Westen setzen die Gewerkschaften per Tarifvertrag immer mehr Forderungen durch. Bald kämpfen sie für die 40-Stunden-Woche. Besonders laut trommelt die IG Metall mit ihrem Slogan: Musik: Dogged Pathology weg ZITATOR (Kind wäre gut; vielleicht auch mit Megaphon-Akustik) Samstags gehört Vati mir! SPRECHERIN Ludwig Erhard, damals Wirtschaftsminister, hält allerdings ganz und gar nichts davon. ZITATOR Ein Volk, das auf breitester Grundlage den Wohlstand mehren und auch in Arbeitnehmerhand die Vermögensbildung fördern will. Ein Volk, das, um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, ständig hohe Investitionen vornehmen muss. Ein solches Volk sollte sich nicht Überlegungen nach Verkürzung der Arbeitszeit hingeben. SPRECHERIN Dennoch arbeiten bald immer mehr Menschen nur noch 40 Stunden pro Woche. Den Samstag können viele Väter nun also tatsächlich mit ihren Kindern verbringen. Montags bis freitags betreuen aber in der Regel die Mütter den Nachwuchs. Seit der Nachkriegszeit dominiert in Westdeutschland das sogenannte Ernährer-Modell, sagt die Industriesoziologin Birgit Blättel-Mink. Sie ist Professorin an der Universität Frankfurt am Main. 14 O-TON (Blättel-Mink) Dass also sozusagen der männliche Part der Familie für das Familieneinkommen verantwortlich ist und die Frau für die Reproduktionsarbeit zuhause. Wir haben dann aber beobachtet ab den 1960er Jahren, dass Frauen zunehmend teilzeitbeschäftigt sind, das heißt Zuverdienerinnen sind. SPRECHERIN Im Schnitt sind Frauen also weniger erwerbstätig als die Männer. Gender Time Gap nennt die Wissenschaft das. Viele arbeiten im rasch wachsenden Dienstleistungssektor, zu dem die Teilzeit-Modelle gut passen. Seit den 1970er Jahren gibt es beispielsweise die sogenannte Kapovaz. Die Abkürzung steht für Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit. Das bedeutet: Arbeit auf Abruf. Ein Beispiel: 15 O-TON (Schneider) Die Kassiererin an der Supermarktkasse, die, wenn der Bedarf besteht, morgens von neun bis elf Uhr arbeitet, dann kann sie nach Hause gehen, weil wenig Kunden erwartet werden. Dann soll sie von sechzehn bis achtzehn Uhr noch mal arbeiten. SPRECHERIN Vergütet wird dabei nur die Zeit an der Kasse. Solche Regelungen empfinden viele Menschen als Zumutung. Aber sie bietet auch Chancen, was Gewerkschaften lange Zeit nicht erkannt haben, sagt der Politikwissenschaftler Schneider. 16 O-TON (Schneider) Mit einer Massenfreizeitgesellschaft, einer Massenkonsumgesellschaft, mit einer Neuverteilung – beginnenden Neuverteilung muss man ja in den 70ern sagen – von Hausarbeit, Familienpflichten und Arbeit änderte sich auch der Wunsch von vielen Arbeitnehmern in Richtung mehr Flexibilisierung des Arbeitszeiteinsatzes, um die unterschiedlichen Bedürfnisse in Übereinstimmung bringen zu können. SPRECHERIN Auf der einen Seite kämpfen Gewerkschaften nun also für die 35-Stunden-Woche, die sie zum Teil auch durchsetzen können. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr atypische Beschäftigungsverhältnisse mit flexiblen Regelungen. Aber selbst das neue Arbeitszeitgesetz von 1994 spiegelt diese Entwicklungen nicht wider. Es sieht weiterhin den Achtstundentag und die 48-Stunden-Woche vor. Eine Regelung, von der sich die Realität immer weiter entfernen wird. Musik Laiser Pointer unter: 0´14´´ SPRECHER Seit` an seit` im Coworking Space. Musik Lais…

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    Die Gewerkschaft - Lästig, aber nötig? May 01, 2024
    Show notes

    Die Gewerkschaften haben sich in den letzten 150 Jahren zu wichtigen wirtschaftlichen und politischen Akteuren entwickelt. Doch Antworten auf die herausfordernde Transformation von Arbeit wie Gesellschaft scheinen sie schwer zu finden. Können sie den Wandel mitgestalten - und gleichzeitig selber zukunftsfähig werden? Autor: Lukas GrasbergerCredits Autor: Lukas GrasbergerEs sprachen: Katja Amberger undTechnik: Adrian TalhammerRegie: Irene SchuckRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Prof. Frank Deppe, em. Politikwissenschaftler, Uni Marburg;Prof. Klaus Dörre, Arbeitsbereich Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Uni Jena;Dr. Jürgen Schmidt, Gewerkschaftsforscher und Leiter des Karl-Marx-Hauses Trier;Carolin Denise Fulda, Ökonomin mit Schwerpunkt Lohn und Tarifpolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Streik! Arbeitskampf für mehr GeldJETZT ANHÖREN Geschichte der Wirtschaftspolitik - Von Reinigungskrisen und Magischen ViereckenJETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion: Paula sucht Paula Das Tagebuch der jungen Undercover-Journalistin Paula Schlier gibt uns heute, 100 Jahre später, einen seltenen Einblick in die Anfänge des Nationalsozialismus in München. Aber wer war diese Frau, was hat sie motiviert, war sie überhaupt eine Heldin? Die BR-Reporterin Paula Lochte begibt sich auf Spurensuche.Paula sucht Paula | Folge 1/3 | Alles Geschichte - History von radioWissenJETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo Streiks O-Ton 1 Frank Deppe, em Prof. für Politikwissenschaft, Uni Marburg „Das Jahr 2023 ist ein Jahr, in dem in Europa so viel gestreikt wurde wie seit den 70-er Jahren nicht mehr.“ Atmo Streiks nochmal hoch O-Ton 2 Deppe „Und wer streikt da? Das sind: Pflegepersonal, die, die arbeiten im Gesundheitssystem, Lehrer, Polizisten: Die ganzen Berufsgruppen, die da von England bis Portugal hinunter in Streik treten. (…) und sich zusammenschließen! Das ist untypisch. Auch Leute, die nie etwas mit Gewerkschaften zu tun hatten...“ Sprecherin …die nie etwas mit Gewerkschaften zu tun hatten, wie der Politikwissenschaftler Frank Deppe sagt. Ja, früher waren die Gewerkschafter die Fließbandarbeiter, ganz früher die Handwerker – jetzt, knapp 200 Jahre später organisieren sich Arbeitnehmer aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Und trotzdem trifft auf sie zu, was der Historiker Dr. Jürgen Schmidt für die Mitglieder der frühen Gewerkschaftsbewegung beschreibt. Damals, im 19. Jahrhundert, entstand die Gewerkschaft dort, wo Beschäftigte sich nicht nur selbst als politisches Subjekt, sondern auch in einer Gemeinschaft wahrnahmen. O-Ton 3 Dr. Jürgen Schmidt „...Man wollte als Arbeiter wahrgenommen werden, und dann eben auch verbunden mit Würde, Respekt und ner Arbeiter-Identität. (…) Und so das Wissen: Unsere körperliche Arbeit trägt zum Wohlstand - und auch zum Aufblühen von Wirtschaft, Handwerk und Industrie bei.“ Musik 2 "Cauchemar De Marx" - Album: The Young Karl Marx (Original Motion Picture Soundtrack) - Ausführender und Komponist: Alexei Aigui - Länge: 0'10 Sprecherin Mitte des 19. Jahrhunderts organisierten sich die ersten Arbeiter. O-Ton 4 Schmidt „Es gab einerseits so soziale Bedingungen, könnte man das im weitesten Sinne bezeichnen, um sich zusammenzuschließen. Das waren eben überlange Arbeitszeiten von zwölf, 14 Stunden am Tag. Das waren schlechte Löhne. Es war aber eben auch diese Missachtung als Arbeiter, die Unterordnung unter den Arbeitgeber.“ Musik 3 "Diary" - Album: La marque des anges - Miserere (Bande originale du film) - Ausführender und Komponist: Max Richter - Länge: 0'28 Sprecherin Dazu kam ein historisches Momentum: Die Revolution des Jahres 1848. O-Ton 5 Schmidt „...und durch die Revolution ergaben sich eben Möglichkeiten der Teilhabe und Partizipation. Die neuen Freiheiten haben dann eben Arbeiter und Handwerker genutzt, um sich zusammenzuschließen.“ Sprecherin Den Boden für die „Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung“ – die Keimzelle der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung – hatten Handwerker bereitet. Vor allem Handwerksgesellen sahen ihre Arbeit durch den zunehmenden Einsatz neuer Maschinen wie Dampfmaschine oder mechanischen Webstuhl gefährdet, ihre handwerkliche Qualifikation entwertet. Gegen die industrielle Herstellung von Waren, gegen die neue Konkurrenz des Marktes und gegen die Gewerbefreiheit hatten Handwerks-Meister und -Gesellen anfangs noch gemeinsam aufbegehrt. Aber sie wurden immer mehr zu Kontrahenten, die Interessen entwickelten sich immer mehr in gegensätzliche Richtungen. Konnten sich die Gesellen früher ziemlich sicher sein, zum selbstständigen Handwerksmeister aufzusteigen, war das nun für die meisten unerreichbar geworden. Sie blieben abhängig beschäftigte Arbeitnehmer – im Gegensatz zu den Meistern, die Unternehmer und Arbeitgeber waren. Allerdings wussten sich die Handwerker-Gesellen zu organisieren: Jahrhunderte alte Erfahrungen aus den Zünften kamen ihnen dabei zu Gute. Sie waren die treibende Kraft bei einem Zusammenschluss der Beschäftigten, die in den neuen Industrie-Betrieben arbeiteten. Gemeinsam sollten sie nun eine neue Klasse des „Arbeiters“ bilden. Mit der so genannten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung“ verschafften sie sich gemeinsam in großem Umfang Gehör. O-Ton 6 Schmidt „Die Arbeiter-Verbrüderung hatten eben den Anspruch, nicht mehr einzelne Berufe zu repräsentieren, sondern die Arbeiter an sich. Und das bedeutete eben auch eine Aufwertung des Arbeiterbegriffs.“ Musik 4 "Diary" - Album: La marque des anges - Miserere (Bande originale du film) - Ausführender und Komponist: Max Richter - Länge: 0'44 ZITATOR „Wir Arbeiter waren einem großen Teile der deutschen Bürgerklasse fremde, unbekannte Wesen....an welche man die dunklen Begriffe von Rohheit und Feigheit, Unbildung und Demut, Dummheit und wilder Zerstörung knüpfte; konnten wir erwarten, dass man uns in einer geschichtlichen Bewegung sah? Dass man uns als eine Klasse in der Gesellschaft betrachtete, die ihre eigene selbständige Entwicklung durchmacht?“ Sprecherin ...schrieb 1848 Stephan Born, der Gründer der Arbeiterverbrüderung. Und weiter: ZITATOR „Wir nehmen unsere Angelegenheiten selbst in die Hände - und niemand soll sie uns wieder entreißen!“ Sprecherin Die Regierenden waren alles andere als angetan von dieser Selbstermächtigung und dem wachsenden Selbst-Bewusstsein der „neuen“ Arbeiter. Ab 1850 reagierten die Machthaber des deutschen Staatenbundes mit Repression. Die Arbeiterverbrüderung wurde verboten. Vor allem die Forderung der Arbeiter nach einer gerechteren Gesellschaftsordnung galt als unbotmäßig. O-Ton 7 Schmidt „Sie forderten ja Demokratie, Republik, politische Teilhabe... und stattdessen wurden sie ausgegrenzt und sogar verfolgt. Und gerade so eine Situation schweißt natürlich zusammen - und markiert eine klare Trennungslinie zwischen denen und uns.“ Sprecherin Trotz – oder gerade wegen ihrer Verfolgung und Unterdrückung: die Arbeiter ließen sich nicht einschüchtern, sie schlossen sich 1863 zum „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ zusammen, der bald die Gründung einer „Partei der Arbeiter“ beschloss: die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Diese neue sozialdemokratische Partei wuchs und wuchs - Hand in Hand mit den Gewerkschaften ¬-, ungeachtet der Durchsuchungen und Verhaftungen, mit denen Kanzler Otto von Bismarck im neu gegründeten Kaiserreich die Arbeiterbewegung zu unterdrücken versuchte. Nach und nach erkannten Unternehmen die Gewerkschaften als Vertragspartner an: Erste Tarifverträge, also Vereinbarungen mit den Arbeitgebern auf bestimmte Löhne und Arbeitsbedingungen schlossen zunächst einige wenige Branchen - wie die Buchdrucker, Maler oder Maurer: Dann folgte der nächste Schritt und mit ihm ein Zuwachs an Macht: die Arbeitnehmerorganisationen gründeten einen Dachverband, die „Generalcommission der Gewerkschaften Deutschlands“. Erster Vorsitzender war Carl Legien – der entscheidende Weichen für die Entwicklung des deutschen Gewerkschaftswesens bis zum heutigen Tag stellen sollte: Musik 5 "Cauchemar De Marx" - Album: The Young Karl Marx (Original Motion Picture Soundtrack) - Ausführender und Komponist: Alexei Aigui - Länge: 0'32 Sprecherin Er nutzte die Novemberrevolution 1918 für die Sache der Arbeiter. Unter der Drohung der Enteignung und Verstaatlichung von Industrie und Banken rang er dem Großindustriellen Hugo Stinnes die offizielle Anerkennung der Gewerkschaften als Vertreter der Arbeiterschaft ab. Dies bedeutete die flächendeckende Ausbreitung und die allgemeine Verbindlichkeit von Tarifverträgen. Ein Zugeständnis mit Hintergedanken, sagt Frank Deppe. O-Ton 8 Deppe „Ziel war die Niederschlagung der Revolution. Das war sozusagen der Kern dieser Vereinbarung, der dann aber Zugeständnisse der Arbeitgeberseite an die Gewerkschaften beinhaltete.“ Sprecherin Dazu einigte man sich auf die Bildung von Arbeiterausschüssen – dem Vorläufer der heutigen Betriebsräte. Statt revolutionärer Konfrontation schrieb man also ein konstruktives Miteinander von Kapital und Arbeit im Betrieb fest. Mit dem Stinnes-Legien-Abkommen war der Grundstein für das deutsche Modell von Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung gelegt. In den frühen Jahren der Bundesrepublik wurde diese Sozialpartnerschaft dann in Gesetzesform gegossen. O-Ton 9 Deppe „Betriebsräte und Unternehmen müssen zusammenarbeiten zum Wohle des Unternehmens.“ Sprecherin Die Gewerkschaften liefen jedoch Sturm gegen das Gesetz: Sozialpartnerschaft ja, aber nur, wenn die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gleichberechtigt vertreten sind. Dies war allerdings nicht vorgesehen. Und so kam es 1952 zum letzten legalen politischen Streik in der Bundesrepublik - und einer doppelten Niederlage für die Gewerkschaften: Denn weder der Ausstand der IG Druck und Papier, noch Massenkundgebungen der Gewerkschaften verhinderten, dass das Betriebsverfassungsgesetz zu ihrem Nachteil beschlossen wurde. Zum anderen verbot das Bundesarbeitsgericht 1954 Streiks aus politischen Gründen - sowie solche, die spontan abgehalten werden. Demnach dürfen bis heute... O-Ton 10 Deppe „...in der Bundesrepublik Deutschland nur Streiks durchgeführt werden (...), die sozial adäquat sind, also die sich auf soziale Belange des Betriebes richten oder der auch der Tarifpolitik richten, und die gleichzeitig nur von Gewerkschaften mit Arbeitgeberverbänden in der Auseinandersetzung geführt werden können.“ Sprecherin Und nicht vom Staat, der Regierung. Damit waren die Weichen für einen deutschen Sonderweg in der Beziehung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gestellt. Nicht die Fundamentalopposition gegen einen Kapitalismus, nicht die revolutionäre Umgestaltung eines als ausbeuterisch wahrgenommenen Systems prägte fortan die Arbeit der Gewerkschaften – sondern die Kooperation mit den Arbeitgebern: mit Regeln für Tarifverhandlungen und Streiks; mit Posten in Aufsichtsräten, in denen Arbeitnehmer nicht mehr direkt als Gewerkschafter, sondern indirekt als gewählte Betriebsrats-Vertreter neben den Managern ihrer Unternehmen Platz nahmen. Dennoch: Außerhalb der Konferenzräume und Besprechungszimmer von Unternehmen ließen sich viele Gewerkschafter ihr gesellschaftspolitisches Engagement nicht nehmen. Der linke Flügel verknüpfte die Forderung nach Mitbestimmung - O-Ton 11 Deppe „...mit einer Perspektive noch weitergehender gesellschaftlicher Veränderungen.“ Musik 6 "48 Hours" - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Ausführende: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Länge: 1'29 Sprecherin Dieser Anspruch der Gewerkschaften auch gesellschaftspolitisch Einfluss zu nehmen, sagt Frank Deppe, blitzte in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder auf. Im Engagement gegen die atomare Wiederbewaffnung, später in der Friedensbewegung. Besonders aber in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen rund um das Jahr 1968: Die geplanten Notstandsgesetze berührten die ureigenen Interessen der Gewerkschaften – sahen sie doch anfangs auch Einschränkungen der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit von Beschäftigten und Arbeitnehmervertretern vor. Eine Schutzklausel, die die Anwendung des Notstands bei Arbeitskämpfen ausschloss, brachte die Gewerkschaften schließlich dazu, die Gesetze doch mitzutragen. Intellektuelle und Studierende wandten sich daraufhin enttäuscht von den Gewerkschaften ab: Sie hatten in ihnen einen Bündnispartner für einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel oder gar einen Systemsturz gesehen. Die zunehmend radikalen Proteste gegen den Vietnamkrieg oder das Schah-Regime im Iran bestritten die 68er schließlich ohne Unterstützung der großen Gewerkschaften. Damit schienen die Gewerkschaften ihre Rolle im Gefüge der Bundesrepublik endgültig gefunden zu haben: Als selten widerständiges oder gar blockierendes Rädchen in einem – wie gut geölt laufenden – Kapitalismus funktionierten sie in Zeiten des Wirtschaftswunders – und bis weit darüber hinaus. Musik 7 "I" - Album: Equilirium - Ausführender: PRSZR - Komponist: Peter Votava - Länge: 0'43 Sprecherin Aber dann kamen die 1970er – die Ölkrise, Wirtschaftskrise und Inflation. Die Inflation schürte die Bereitschaft zu Arbeitskämpfen, mit denen die Gewerkschaften trotz massiver Kritik seitens der Wirtschaft Lohnerhöhungen von über zehn Prozent durchsetzen konnten. In dieser Zeit strömten Massen an neuen Mitgliedern in die Gewerkschaften. In den Augen von Klaus Dörre, der sich im wissenschaftlichen Beirat von Attac engagiert, ist Konfliktfähigkeit nicht nur eine Bedingung für die Durchsetzung der Interessen, sondern auch für eine sinnvolle Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmer. O-Ton 12 Klaus Dörre, Professor für Soziologie, Uni Jena Wenn Sie nicht das Schwert an der Wand haben, also eine große gewerkschaftliche Organisationsmacht mit Bereitschaft zum Konflikt, bekommen Sie keine Sozialpartnerschaft.“ Sprecherin Diese „große gewerkschaftliche Organisationsmacht“, von der Klaus Dörre spricht, schwindet seit Beginn der 90er-Jahre langsam, aber stetig. Auch der kurzfristige Mitgliederzuwachs aus den neuen Bundesländern nach der deutschen Einheit hat letztlich nichts daran geändert. Mitgliederverluste... O-Ton 13 Carolin Denise Fulda „...vor allem natürlich aufgrund des demografischen Wandels. Sprecherin ...sagt die Ökonomin Carolin Denise Fulda, Autorin der Studie „Gewerkschaften: Weniger Repräsentativität durch Strukturdefizite?“ O-Ton 13 Fulda Teil 2 „...das heißt, die Babyboomer-Generation geht in Rente. Es kommen aber nicht entsprechend viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach. Und noch dazu sind diese jüngeren Beschäftigten dann auch noch seltener in der Gewerkschaft organisiert.“ Sprecherin Doch warum lassen diese Beschäftigen Vertreter ihrer ureigenen Interessen lieber links liegen? Ein Grund liege wohl nicht bei der Gewerkschaft selbst – sondern am zunehmenden Individualismus in der Gesellschaft, glaubt Fulda. Sie ist Expertin für Lohn- und Tarifpolitik am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. O-Ton 14 Fulda „...Also Gewerkschaften sind ja nicht die einzigen Organisationen, die Mitglieder verlieren. Das Gleiche trifft für Sportvereine zu, aber zum Beispiel auch für die Kirche. Und auf dem Arbeitsmarkt? Konkret bedeutet das, dass viele Beschäftigte sich einfach lieber selbst vertreten und ihr Gehalt und ihre Arbeitsbedingungen individuell mit ihrem Arbeitgeber verhandeln.“ Sprecherin Möglicherweise, sagt die Forscherin, habe das zunehmende Fremdeln von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit der Gewerkschaft auch mit einem Wandel der Arbe…

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    Der Kreis - Ein Symbol mit magischer Kraft? Apr 29, 2024
    Show notes

    Morgenkreis, Freundeskreis, Jahreskreis - der Kreis spielt in unserer Kultur eine besondere Rolle - und das schon seit Urzeiten. Menschen wählen den Kreis, um zu feiern, zu verhandeln, auch um Kämpfe auszutragen. Politische Abkommen werden häufig am berühmten "runden Tisch" verhandelt. Warum ist das eigentlich so? Von Constanze Alvarez

    Credits
    Autorin dieser Folge: Constanze Alvarez
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Christoph Jablonka, Rahel Comtesse, Christopher Mann
    Technik: Ruth-Maria Ostermann
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Thomas Buchheim, Prof. der Philosophie an der Ludwig-Maximilian-Universität München;
    Prof. Johannes Müller, Archäologe, Institut für Ur- und Frühgeschichte, Kiel;
    Prof. Michaela Schäuble, Kulturanthropologin, Institut für Sozialanthropologie, Bern;
    Hala Baalbaki, Montessori-Pädagogin, Schule „Aktion Sonnenschein“, München-Großhadern

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    Wilhelm Heine - Vom Dresdner Revolutionär zum Konsul der USA Apr 28, 2024
    Show notes

    Freigeist und Revolutionär, Maler und Fotograf, Geologe und Naturforscher, Reiseschriftsteller und Brigadegeneral im amerikanischen Bürgerkrieg - der rasante Lebenslauf des Dresdners Wilhelm Heine passt in keine Schublade. Von Leo Hoffmann (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Leo Hoffmann
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Stefan Wilkening
    Technik: Regina Staerke
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Im Interview:
    Dr. Andrea Hirner, Verfasserin der Biographie „Wilhelm Heine – Ein weltreisender Maler zwischen Dresden und Japan“
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    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN

    Literaturtipps:

    Andrea Hirner, Ein weltreisender Maler zwischen Dresden, Japan und Amerika, Edition Reintzsch, Radebeul 2009

    Wilhelm Heine, Japan – Beiträge zur Kenntnis des Landes und seiner Bewohner, Hg. von Andrea Hirner und Bruno J. Richtsfeld, Dettelbach a.M. 2019



    Wälder für eine wärmere Zukunft - Bäume im Klimatest Apr 25, 2024
    Show notes

    Bayerns Forstleute müssen jetzt Wälder pflanzen, die dem wärmeren, trockeneren Klima in 100 Jahren gewachsen sind, und womöglich neuen Schädlingen. Deshalb wählen sie auch Arten wie Flaumeiche oder Japanlerche. Von Renate Ell (BR 2020)

    Autorin dieser Folge: Renate Ell
    Regie: Frank Halbach
    Es sprachen: Rahel Comtesse, Peter Veit
    Technik: Ursula Kirstein
    Redaktion: Matthias Eggert
    Das Manuskript zu Folge gibt es HIER.
    Weitere hörenswerte Folgen von radioWissen:
    Wald im Wandel - Schädlinge und Klimafaktoren als Risiko
    JETZT ANHÖREN
    Die Deutschen und ihr Wald - Eine Beziehungsgeschichte
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    Bayerns Wälder - Von der Wildnis zum Forst
    JETZT ANHÖREN

    Die Deutschen und ihr Wald - Eine Beziehungsgeschichte
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    Die Postmoderne - Spiel mit der literarischen Tradition Apr 25, 2024
    Show notes

    Podcast-Text (230 Anschläge)Was kann nach den genialen Innovationen der literarischen Moderne noch folgen? Die Postmoderne. Mit einer ganz eigenen Spielfreude mit literarischer Tradition, fantastischer Kreation und massenwirksamen Texten wie Patrick Süskinds "Das Parfum" oder Michael Endes "Die Unendliche Geschichte". Autorin: Katharina Hübel

    Credits
    Autorin dieser Folge: Katharina Hübel
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Irina Wanka, Stefan Merki
    Technik: Susanne Herzig
    Redaktion: Andrea Bräu

    Im Interview:
    Prof. Hans Ulrich Gumbrecht, Stanford University,
    Dr. Uwe Wittstock

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    Helden, Softies, neue Väter - Vom Wandel des Männlichkeitsideals Apr 25, 2024
    Show notes

    Chauvis und Machos tun sich heute schwerer als früher. Das Männlichkeitsideal hat sich gewandelt - dank der Frauen- und Schwulenbewegung. Heute gibt es "neue", liebevolle Väter. Auch Männer dürfen Gefühle zeigen. Doch der heroische Typus des (gewalttätigen) Helden ist deshalb nicht ausgestorben. Von Justina Schreiber (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Justina Schreiber
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Katja Amberger
    Technik: Peter Preuß
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Interviewpartner/innen:
    Thomas Viola Rieske (Dr.; Erziehungswissenschaftlicher Geschlechterforscher);
    Klaus Theweleit (Dr.; Kulturtheoretiker und Literaturwissenschaftler)

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    Narkose - Die Geschichte eines Lebensretters Apr 22, 2024
    Show notes

    Die Narkose war über Jahrtausende sehr gefährlich: Man wusste zu wenig über Wirkung und Dosierung, etliche Patienten starben. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Entdeckung des Äthers ein neues Zeitalter. Von Lukas Grasberger (BR 2021)

    Credits
    Autor dieser Folge: Lukas Grasberger
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Susanne Schroeder, Christian Schuler
    Technik: Christiane Schmidbauer-Huber
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:
    Prof. Götz Geldner, ehemals Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten.
    Karl-Heinz Leven, Professor für Medizingeschichte, Uni Erlangen-Nürnberg
    Wolfgang Locher, em. Prof für die Geschichte der Medizin, LMU München
    Prof. Marion Ruisinger, Direktorin Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt
    Horst Stoeckel, ehemals Prof. für Anästhesiologie, Uni Bonn

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