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    Latest Episodes:
    Der Nanga Parbat - Mythos, Ehrgeiz, Risiko Apr 21, 2024
    Show notes

    Der Nanga Parbat im Westhimalaya gilt als einer der gefährlichsten Berge der Welt. Vom nationalsozialistischen Deutschland wurde er zum "Schicksalsberg" hochstilisiert, den es um jeden Preis zu bezwingen galt. Die Risikobereitschaft der Alpinisten kostete und kostet bis heute Vielen das Leben. Von Markus Mähner (BR 2022)

    Credits

    Autor dieser Folge: Markus Mähner
    Regie: Irene Schuck
    Es sprachen: Beate Himmelstoß, Christian Baumann
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Thomas Morawetz
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Wir empfehlen außerdem das spannende Hörspiel von Frank Halbach:
    „Namaste, Yeti! Oder: Die Jagd nach dem Schneemensch“
    Maya begleitet ihre Mutter nach Nepal. In einem Himalayadorf hört sie, dass man hier angeblich den Yeti-Schneemenschen gesehen hat. Gopal, ein Kollege ihrer Mutter, erzählt ihr die fantastischen Abenteuer von Tashi: Das Mädchen kann mit Tieren sprechen und machte sich auf, den geheimnisvollen Yeti zu finden. | Hörspiel über ein Abenteuer in Nepal ab 6 Jahren | Eine Geschichte von Frank Halbach
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    Der Borkenkäfer - Der Schädling, der Trockenheit und Fichten liebt Apr 19, 2024
    Show notes

    Borkenkäfer haben einen schlechten Ruf. Bei Massenvermehrung können sie Wälder zum Absterben bringen, mit Millionenschäden für die Waldbesitzer. Dabei sind sie eigentlich große Nützlinge, die sich mit der Fichte in Symbiose entwickelt haben. Doch industrielle Forstwirtschaft und der Klimawandel haben dieses Gleichgewicht gründlich durcheinander gebracht. Von Brigitte Kramer (BR 2023)

    Credits:

    Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer
    Regie: Rainer Schaller
    Es sprachen: Katja Amberger, Jerzy May, Marlen Reichert
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Totholz - Alte Bäume voller Leben
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    Wälder für eine wärmere Zukunft - Bäume im Klimatest
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    Der Specht - Höhlenbohrer unter den Vögeln
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    Das Reh – Scheuer Waldbewohner im Kreuzfeuer
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    Bayerns Wälder - Von der Wildnis zum Forst
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    Der Fuchs - Leiser Nachtwandler
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    Interviewpartner/innen dieser Folge:
    Nadine Bräsicke, Forstwirtin, Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen), Braunschweig.
    Hannes Lemme, Biologe, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Abteilung Waldschutz, Freising.
    Michael Held, pensionierter Förster und ehem. stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Passau.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Wenn das blaue Band flattert - Frühling in der Literatur Apr 18, 2024
    Show notes

    ?Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte?? , schreibt Eduard Mörike im frühen 19. Jahrhundert. Hier umwirbt der Frühling alle Sinne des lyrischen Ich ? sehen, riechen hören - und versetzt es in ekstatische Vorfreude. Und auch Johann Wolfgang von Goethe schickt in seinem ?Osterspaziergang? den erschöpften Wissenschaftler Faust in die freie Natur. Von Astrid MayerleCreditsAutorin dieser Folge: Astrid MayerleRegie: Christiane KlenzEs sprachen: Annette Wunsch, Hemma Michel, Friedrich SchlofferTechnik: Wolfgang LöschRedaktion: Andrea Bräu Im Interview:Kerstin Preiwuß, LyrikerinProf. Dr Ulrich Kittstein, Literaturwissenschaftler Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Linktipps: Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Zitatorin Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. 1 Oton Kittstein Aus dem blauen Himmel wird eben etwas Bewegtes, etwas Dynamisches. Der Frühling lässt sein „Blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ und auch die Düfte: es riechen nicht einfach irgendwelche frühen Blumen, sondern Düfte streifen das Land. Sie bewegen sich gewissermaßen durch die Landschaft. Sprecherin Der Literaturwissenschaftler Ulrich Kittstein spürt der Dynamik und der Atmosphäre eines der bekanntesten Frühlingsgedichte nach: Der Titel „Er ist´s“ von Eduard Mörike. MUSIK 2 ( Juan Maria Solare – Esto también pasará 0‘26) Zitatorin Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen. Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist´s! Dich hab ich vernommen! Sprecherin Typische Frühlingsmotive tauchen auf: die Natur erwacht und sendet Zeichen einer neuen unbeschwerten Zeit: Zuversicht, Lebensfreude. Das Gedicht erzählt, wie dieser Aufbruch von allen menschlichen Sinnen wahrgenommen wird: den Frühling kann man im wahrsten Wortsinn nicht nur sehen, sondern auch riechen und hören. In den insgesamt nur neun Zeilen inszeniert Eduard Mörike einen Sinnesrausch. 2 Oton Kittstein Seine Meisterschaft, die dem Gedicht dann auch seinen Rang und seine Bekanntheit verleiht, liegt offenkundig darin, wie er dieses Thema mit künstlerischen Mitteln gestaltet, also wie es ihm gelingt, mit den Mitteln der poetischen Sprache den Frühling hier für die Leserschaft zu einem ästhetischen Erlebnis zu machen. Sprecherin Dazu gehört, dass Eduard Mörike die Natur vermenschlicht. Blumen erscheinen wie schlafende Wesen kurz vor dem Erwachen, denn „Veilchen träumen schon“ und am Ende wird der Frühling sogar angesprochen wie ein Gegenüber: „Frühling, ja Du bists! Dich hab ich vernommen!“ 3 Oton Kittstein Auch der Aufbau des Gedichts ist sorgfältig kalkuliert. Der Frühling wird am Anfang schon benannt, als Personifikation, als Akteur und am Ende, auf dem Höhepunkt des Ganzen wird er unmittelbar angeredet und zwar mit einem mehrfachen wiederholten, sich verstärkenden Anruf, „Frühling, ja du bists! Dich hab ich vernommen!“. Wobei Mörike klugerweise nun nicht so weit geht, den Frühling als eine menschenähnliche Gestalt zu beschreiben. Er wird nur apostrophiert, er wird angesprochen oder angerufen von einem lyrischen Ich, das durch diese Frühlingsatmosphäre in den größten Enthusiasmus versetzt worden ist. MUSIK 3 ( Jerome Rebotier: César et Arthur 0‘55) Sprecherin Das Gedicht hat eine besondere Geschichte: Eduard Mörike war gerade mal 25 Jahre alt, als er es im Jahr 1829 verfasste. In dieser Zeit arbeitete er einerseits als Angestellter einer protestantischen Pfarrei, genauer, als Vikar. Andererseits versuchte er, sich eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen. Parallel zu seinen Gedichten entstanden auch Prosawerke und ein bis zu seinem Tod fragmentarisch gebliebener Roman mit dem Titel „Maler Nolten“. - 1832 in einer ersten Fassung veröffentlicht. Eduard Mörike erzählt hier die Lebens- und Liebesgeschichte des Malers Theobald Nolten und seiner Verlobten. Interessant ist, dass in diesem Roman das bekannte Frühlingsgedicht „Er ist´s“ auftaucht. 4 Oton Kittstein Mörike hat sich da an eine Kunsttechnik angeschlossen, die von Goethe und den Romantikern herkommt. Die hatten schon gerne lyrische Texte in ihre Romane integriert, also Formen einer Gattungsmischung vorgenommen. Sprecherin Das heißt, Romanfiguren singen Lieder oder tragen Gedichte vor. Solche Gattungsmischungen haben immer einen dramaturgischen Sinn. Die in einen Roman eingefügten Verse deuten voraus, kündigen eine Wende an oder spielen mit gegensätzlichen Handlungselementen. So auch in „Maler Nolten“. Der Literaturwissenschaftler Ulrich Kittstein: 5 Oton Kittstein Der Titelheld Theobald Nolten, von dessen Kunst- und Liebesgeschichten hier erzählt wird, ist durch Intrigen ins Gefängnis geraten und auch noch erkrankt. Aber dann wendet sich sein Schicksal, wie es scheint, zum Besseren: er wird gesund, eine Wiedervereinigung mit seiner Jugendgeliebten zeichnet sich ab und in dieser hoffnungsvollen, auch durch den Frühling gekennzeichneten Umgebung, vernimmt er dann durch ein Fenster diese Verse, wie sie im Freien von einer weiblichen Stimme gesungen werden. MUSIK 4 ( Juan Maria Solare – Esto tambi´n pasará 0‘12) Zitatorin Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte… Sprecherin Das Gedicht bekommt an dieser Stelle im Roman eine richtungsweisende Funktion: Es steigert Theobald Noltens hoffnungsfrohe Stimmung und er erzählt, unmittelbar nachdem er den Gesang hörte, einem Freund davon: MUSIK 5 ( Jerome Rebotier: Arthur 0‘35) Zitator Soll ich dir gestehen, Alter, dass dies der glücklichste Tag meines Lebens ist, ja dass mir vorkommt, erst heut fang ich eigentlich zu leben an? Begreife mich aber. Nicht diese erquickende Sonne ist es allein, nicht dieser junge Hauch der Welt und nicht deine belebende Gegenwart. Sieh, das Gefühl, von dem ich rede, lag in der letzten Zeit beinahe reif in mir… MUSIK 6 ( Iva Zabkar: Frühstück / einbruch / Mord 0‘20) Sprecherin Allerdings baut Mörike diese hoffnungsvolle Stimmung nur auf, um die Erwartungen, die er damit weckt, umso schlimmer enttäuschen zu können. 6 Oton Kittstein Das heißt, die Frühlingsstimmung, die Hoffnungsstimmung, die freudige Atmosphäre bietet lediglich einen wohlkalkulierten Kontrast zu der abschließenden Katastrophe und das kann man in dem Roman ganz allgemein beobachten: Mörike baut immer wieder scheinbare Idyllen auf, um diese Idyllen dann als trügerisch zu entlarven und seine Figuren umso schlimmer ins Unglück zu stürzen. MUSIK 7 ( Martin Todsharow: All Of This 0‘44) Sprecherin Mörike setzt mit seinem in den Roman eingefügten Gedicht „Er ist´s“ auf eine Dramaturgie der Gegensätze. Daher schwingen im selben Gedicht – je nachdem, ob man es im Kontext der Romanhandlung oder nur allein, für sich genommen liest – völlig andere Zwischentöne mit: Im Roman taucht die Frühlingsstimmung nur als kurzer Schein, als Illusion auf. Dagegen: wenn man das Gedicht für sich genommen liest, erscheint es als ein ganz und gar heiteres, optimistisches und klangvolles Frühlingsgedicht. 7 Oton Preiwuß Das mochte ich schon als Kind nicht. Das ist ja das, was man im Unterricht auswendig gelernt hat, im Deutschunterricht. Sprecherin So die Lyrikerin Kerstin Preiwuß. 8 Oton Preiwuß weiter Und das ganze Gedicht ist eine Anrufung und eine Anrede und eine Übertreibung und gleichzeitig ist es statisch. „Frühling lässt sein Blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Der Frühling ist da, und er ist immer da, er ist unveränderlich und er ist überhaupt nicht fragwürdig. Es geschieht ihm auch nichts, es geschieht auch in ihm nichts in diesem Gedicht, und dann kommt diese Anrede auch noch, dieses heroische oder pathetische „Frühling ja du bist´s! Dich hab ich vernommen!“ Und dann kommt auch noch ein Harfenton. So jetzt hab ich genug geschimpft über dieses Gedicht. Sprecherin Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin Kerstin Preiwuß möchte dem Frühling in ihrer eigenen Dichtung neue Facetten hinzufügen. Ihr geht es darum, die Bedeutungsschichten dieser Jahreszeit zu erweitern. Sie experimentiert daher mit Gegenbildern und konfrontiert gängige Erwartungen mit überraschenden Eindrücken. Ihr 2016 erschienener Gedichtband „Gespür für Licht“ folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling. Die Lyrikerin stellt ihren eigenen Gedichten in diesem Band ein altes Volkslied voran: MUSIK 8 (Quadro Nuevo: Guter Mond, Du stehst so stille 0‘12) Zitatorin Es war eine Mutter Die hatte vier Kinder Den Frühling den Sommer Den Herbst und den Winter. Sprecherin Doch das Idyll, das dieses Volkslied beinhaltet, trügt. Was bereits das erste Gedicht in dem lyrischen Jahreszeitenzyklus andeutet: MUSIK 9 ( Martin Todsharow: Lost In The Light 0‘32) Zitatorin (nüchtern, skizzenhaft lesen) Selten so einen Frühling erlebt. Im April immer noch null Grad. Der Ostwind fegt vom Ural bis in die Mittelgebirge. Krähen brechen ihren Nestbau ab. Zugvögel treibt es zurück. Alles ist durchsichtig weil Laub fehlt. Das ist wie Leben unter dem Röntgengerät. 9 Oton Kittstein Auch dieses Gedicht rechnet sicherlich mit Lesern, die die traditionelle Bildlichkeit kennen, die an den Frühling in der Lyrik bestimmte Erwartungen knüpfen, die bestimmte Stimmungswerte, eine bestimmte Atmosphäre erwarten. Aber dieses Gedicht bricht eben ganz gezielt mit diesen Erwartungen. Es präsentiert den Frühling in einer ganz anderen, in einer unkonventionellen, in einer modernen Art und Weise. 10 Oton Preiwuß Ich benenne nur „im April immer noch null Grad“ und dann „fegt der Ostwind vom Ural bis zu den Mittelgebirgen“ und dann „brechen die Krähen ihren Nestbau ab“. Das sind einfach nur Beobachtungen // ohne in die dichterische Überhöhung zu kippen. Die Zugvögel treibt es zurück – das ist dem Vers nach zwar auch wieder nur eine Beschreibungsebene, aber in dieser Beschreibungsebene ist ein Widerspruch eingebaut. Warum treibt es Zugvögel zurück? Was geht dem voraus, sind die schon wieder da und müssen zurück? Welche Umkehrung der Tatsachen ist das eigentlich? Sprecherin Diese Fragen werden im Laufe des Lyrikbands „Gespür für Licht“ beantwortet. Denn alle Gedichte sind über die Abfolge der Jahreszeiten chronologisch und darüber hinaus auch erzählerisch miteinander verbunden. Der Nestbau steht anfangs für ein ungeborenes Kind, welches das lyrische Ich erwartet. Der Zyklus der Jahreszeiten und der kühle, unberechenbare Frühling deuten eine schwierige Schwangerschaft an. Ihr Ausgang erscheint ungewiss. In einem der späteren Frühlingsgedichte heißt es dann doch wieder hoffnungsvoll: MUSIK 10 ( Martin Todsharow: Little Voices 0‘23) Zitatorin 37 Die Windsbraut schläft in mir. Ein schaukelndes Embryo in jeder Ohrmuschel. Wie beruhigt mich dass sie sich bewegt. Ich bin gut aufgehoben egal was in mir tobt. Die Windsbraut hat sich in mein Ohr gelegt… 11 Oton Preiwuß 61 018-056 Für den Gedichtband war mir sehr früh klar, dass ich ein Kalendarium wollte. Ich wollte nicht nur, dass der Gedichtband aussieht wie ein Kalender, sondern ich wollte auch, dass er den Jahreszeiten folgt. Das hängt mit dem Thema zusammen: Da es um das Kinderbekommen oder auch Nichtbekommen geht und die Frage, wie das Leben in die Welt kommt und wie es vielleicht auch doch nicht in die Welt kommt und das hat sich für mich am besten gemäß einer zyklischen Ordnung entlang des Jahresverlaufs ergeben. Sprecherin Kerstin Preiwuß sieht im Frühling eine ganz besondere große Spannweite an Elementen, die für eine Übergangszeit stehen. Auch wagt sie einen Blick in künftige sprachliche Anverwandlungen und literarische Themen dieser Zeit: 12 Oton Preiwuß 63 505-633 Der Frühling geht meteorologisch vom ersten März bis Ende Mai, bis zur Zeit der Apfelblüte. // - Von den Frühblühern bis zur Zeit der Apfelblüte, wenn alles schon grün ist und das ganze Laub auch schon da ist. // Sie haben einen sehr langen Zeitraum und auch eine gewisse Unabwägbarkeit und verschiedene Schritte der Verwandlung und etwas Prozessuales. Ein Zustand, der sich erst ergibt. Wenn man an den Mai denkt, hat man den satten Frühling voller Blütenduft und warmer Luft im Kopf, aber auch hier denke ich mittlerweile: Vorsicht so, wie wir es gewohnt sind, die Jahreszeiten wahrzunehmen, muss es nicht bleiben, auch aufgrund der klimatischen Veränderungen. Es kann sein, dass der Frühling zukünftig, auch mit zu früh zu heiß bedichtet werden kann oder assoziiert werden kann. – Also als Wahrnehmung, die dann in den Sprachgebrauch übergeht oder so empfunden wird. MUSIK 11 ( Maxi Menot: Breeze Over Grasslands 0‘38) Sprecherin …dann könnte man Goethes „Osterspaziergang“ als ein historisches Dokument lesen aus einer Zeit, in welcher ein eher kühles Frühjahr auf einen sehr kalten Winter folgte: Zitator Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter in seiner Schwäche, Zog sich in raue Berge zurück. Von dorther sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur;… 13 Oton Preiwuß Er geht nicht ins Pathos der Anrede, er übertreibt nicht, sondern es ist eher chronologisch beschreibend. Der Frühling taucht relativ früh auf und zwar in der zweiten Zeile schon als Wort. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick“. Das heißt, er wird benannt und ab dann kann er beschrieben werden, ohne dass ihm gleich etwas zugeschrieben werden muss, das entwickelt sich erst in der Chronologie dieses Gedichtes. Und die zweite Sache ist, - und das ist auch klassisch – er lässt den Frühling mit Ostern zusammenfallen. Das ist dann die religiöse Komponente und die Engführung an den Auferstehungsgedanken. Sprecherin So Kerstin Preiwuß. In vielen Bänden mit Naturlyrik taucht Goethes „Osterspaziergang“ als eigenständiges Gedicht auf. Ursprünglich stammt die fast vierzig Zeilen lange Passage aus Goethes Drama Faust I. und spiegelt die Gedanken der Hauptfigur während eines Spaziergangs am Ostersonntag wider. Der Wissenschaftler Dr. Faust hatte eben noch in seinem Studierzimmer über seinen Büchern gebrütet und mit der Fülle des ihm unermesslich scheinenden Wissens gerungen, hatte finstere Gedanken voller Selbst- und Weltzweifel. Doch auf seinem Spaziergang vertreibt der Wandel der Natur seinen Trübsinn. Die neue Jahreszeit, der Frühling entmachtet gleichsam den Winter und damit auch Fausts Trübsinn. Er wird hoffnungsvoll, beginnt die Welt und damit auch die Menschen neu zu sehen: MUSIK 12 ( Maxi Menot: Elektroniske drommer 0‘37) Zitator Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, Denn sie sind selber auferstanden, Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht. 14 Oton Kittstein Faust spricht ja über die Befreiung, die die Menschen erfahren, wenn sie am Ostertag in die freie Natur hinausgehen. Er spricht nicht direkt über sich selbst, aber in dem Kontext des Dramas kann man entnehmen, dass diese Erfahrungen für ihn gelten. Sprecherin Faust verlässt durch ein Tor die Stadt, blickt um sich. Einerseits von einem Hügel auf das Stadttor zurück und gleichzeitig in die ferne Landschaft. Dabei bemerkt er, dass die Natur zwar noch nicht blüht. Aber die Menschen mit ihren Kleidern für farbige Akzente in der Landschaft sorgen. MUSIK 13 ( Maxi Menot: Elektroniske drommer 0‘14) Zitator Selbst von des Berges fernen Pfaden Blinken uns farbige Kleider an. 15 Oton Kittstein Es ist in der Tat ein Vergnügen von Stadtmenschen, was wir hier vor uns haben. Das sind keine Bauern, keine Jä…

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    Sprint zu den Olympischen Spielen - München wird moderner Apr 17, 2024
    Show notes

    Was wäre München ohne die Wahrzeichen der Olympischen Spiele 1972? Die Zeit für die Gestaltung des Olympiaparks, den Bau des Stadions, des olympischen Dorfes und der ersten U-Bahn war knapp, ebenso wie das Geld. Das gesamte Setting war bemerkenswert modern, visionär, sogar geradezu avantgardistisch. Von Sandra Vogell (Br 2022)

    Credits:

    Autorin dieser Folge: Sandra Vogell
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Thomas Birnstiel
    Technik: Viktor Veress
    Redaktion: Iska Schreglmann
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Wir empfehlen außerdem:
    DIE OLYMPIAPROTOKOLLE (Folge 1-4) auf Alles Geschichte:
    Bis heute sind noch viele Fragen zum Olympiaattentat am 5.9.1972 offen. Eva Deinert und Yvonne Maier durchforsten monatelang im Münchner Staatsarchiv zehntausende Akten, Einsatztagebücher, Berichte, Fotos, Briefe, Telegramme. Und stellen fest: Eine Spur haben die Behörden möglicherweise bis heute übersehen.

    DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 1: Die heiteren Spiele

    DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 2: Die Geiselnahme

    DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 3: Der Befreiungsversuch

    DIE OLYMPIA-PROTOKOLLE - Folge 4: Die unbekannte Frau in den Akten

    Auch ein weiterer Podcast von Bayern 2 befasst sich mit dem Attentat von 1972:
    In „Himmelfahrtskommando“ erzählt Patricia Schlosser die Geschichte ihres Vaters, der 1972 als Polizist beim Olympia-Attentat eingesetzt war und sich seitdem fragt, ob er Mitschuld am tödlichen Ausgang hat.
    BR PODCAST | Himmelfahrtskommando - Mein Vater und das Olympia-Attentat

    Literatur-Tipp:
    Hans-Jochen Vogel: „Die Amtskette. Meine 12 Münchner Jahre. Ein Erlebnisbericht.“ Süddeutscher Verlag, 1972. Gebraucht erhältlich.


    Weltmacht Dollar - Geschichte einer Währung Apr 15, 2024
    Show notes

    Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Dollar zur weltweiten Leitwährung auf. Für die US-Amerikaner ist das eine sehr komfortable Situation. So können sie etwa US-Boykotte de facto weltweit durchsetzen. Denn vom dollarbasierten Finanzsystem abgeschnitten zu sein, kann sich kaum ein Staat oder größeres Unternehmen leisten. Von Maike Brzoska

    Credits
    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Jennifer Güzel, Peter Lersch
    Technik: Susanne Harasim
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Im Interview:
    Kai Koddenbrock, Politikwissenschaftler
    Tobias Heidland, Ökonom und Professor am Institut für Weltwirtschaft Kiel
    Sandra Heep, Politikwissenschaftlerin und Professorin an der Hochschule Bremen

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Protokoll und Etikette - Anleitungen zum guten Auftritt Apr 14, 2024
    Show notes

    Gutes Benehmen macht das Leben leichter, da sind sich viele einig. Anders ist das bei der Frage, was darunter zu verstehen ist. Im diplomatischen Protokoll aber ist die Etikette genau festgelegt. Für Staatsbesuche gibt es so genaue Vorschriften, in denen etwa geregelt ist, wer bei einem Bankett wo und neben wem sitzt. Autorin Carola Zinner (BR 2021)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Carola Zinner
    Regie: Eva Demmelhuber
    Es sprachen: Katja Bürkle, Friedrich Schloffer, Gudrun Skupin
    Technik: Christiane Schmidbauer-Huber
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Völkermord in Ruanda - Und die Welt sieht zu Apr 10, 2024
    Show notes

    Im April 1994 begann in Ruanda ein Massenmord: Hutu töteten in den folgenden Monaten bis zu 75 Prozent der ebenfalls in Ruanda lebenden Minderheit der Tutsi. Doch die UN-Soldaten greifen nicht ein. Von Klaus Uhrig (BR 2014)


    Die Wunderkammer - Als die Welt noch in ein Zimmer passte Apr 09, 2024
    Show notes

    Wunderkammern sind Sammlungen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, in denen Adelige Staunenswertes und Wertvolles zusammentrugen. Mit Verbreitung der Naturwissenschaften verloren sie ihre Bedeutung, aber nicht ihren Zauber. Von Brigitte Kramer (BR 2021)CreditsAutorin dieser Folge: Brigitte KramerRegie: Christiane KlenzEs sprach: Thomas LoiblTechnik: Wolfgang LöschRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Veronika Sandbichler, Direktorin Schloss Ambras, InnsbruckAnnette Schommers, Bayerisches Nationalmuseum, MünchenSabine Söll-Tauchert, Kunsthistorikerin, Historisches Museum, BaselGeorg Laue, Sammler und Kunsthändler, München Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O TON 1 Veronika Sandbichler (ab 0'15 ca) Wir wissen, dass Automaten als Tafelaufsätze verwendet wurden, die scheinbar still und starr am Tisch standen aber dann durch das verborgene Uhrwerk zu einem bestimmten Zeitpunkt in Bewegung geraten sind. MUSIK 1 (C1178870008 Yann Tiersen: La valse des monstres 0’14) Drüber O TON 2 Annette Schommers Zum Beispiel eine Figurengruppe der Diana auf dem Hirsch, begleitet von Hunden. Diese Silbergruppe ist montiert auf einem Sockel, in dem sich ein Schlüsselloch befindet... ATMO 1 Figurenautomaten (Aufziehen, dann Rattern) Drüber O TON 3 Schommers (nach 0'24, abruptes Stehenbleiben) .. die Hunde konnten die Augen bewegen und der Gast, vor dem der Hirsch stehen blieb, der sollte aus dem Gefäß trinken. MUSIK 2 (C1178870008 Yann Tiersen: La valse des monstres 0’14) Drüber O TON 4 Sandbichler Derartige Unterhaltungen, wenn man's so bezeichnen will, waren auch im Zeitgeist der Renaissance verankert, also Trinkspiele … Man hat das Ganze auch als Kurzweil bezeichnet. ATMO 1 PFURZTRÖTE Drüber O TON 5 Schommers Das gab's dann halt eben nur im 16. Jahrhundert, diesen Spaß. ATMO 1 PFURZTRÖTE MUSIK 3 Ubert Naich: Canti di voi le ladi SPRECHER Mit Begeisterung und Sympathie sprechen die Kunsthistorikerinnen Annette Schommers und Veronika Sandbichler über höfisches Leben im 16. Jahrhundert, zu dem kleine, reich verzierte und ausgetüftelte Unterhaltungs-Mechanismen gehören. Deren Besitzer wollten ihre Gäste unterhalten, verzücken, überraschen, zum Staunen bringen – und ihre Freude am Schönen und Kostbaren teilen. ATMO 2 Gelächter/Musik/Gerede SPRECHER drüber Das gelang ihnen nicht nur mit Trinkspiel-Automaten. Adelige, Gelehrte und Handelsleute – alle, die es sich leisten konnten und mit dem Geist der Zeit gehen wollten –, trugen in der Renaissance und im Barock Raritäten, Preziositäten, Kuriositäten zusammen, aus Nah und Fern. Geordnet wurden die Sammlungen grob nach folgenden Kategorien: MUSIK 4 Yann Tiersen: Hent V Exotica: Dinge von weit her. Das konnten Eskimo-Schuhe genauso sein wie ausgestopfte Vögel – Hauptsache, sie waren außereuropäischer Herkunft. Naturalia: Pflanzen, Tiere und ihre Reste, Mineralien, Fossilien, Organisches wie Bezoar-Steine, das sind verhärtete Kugeln aus Unverdaulichem, die sich in Mägen von Wiederkäuern bilden. Sie galten als magisch, wurden als Mittel gegen Gift im Essen eingesetzt und sollten sogar gegen die Pest helfen. Artificialia: Das sind Werke von Künstlern und Kunsthandwerkern, in denen oft Naturprodukte aufwändig verarbeitet waren: Bernstein, Elfenbein, Korallen, Nashorn-Hörner, Muscheln, Steine und erstaunlicherweise auch Kokosnüsse galten als gestalterisch interessant. Sie wurden reich verziert und zu Bechern, Kelchen, Duftkugeln, Türschlössern, Schachspielen, Schatullen oder Figurengruppen umgestaltet und sollten zeigen, dass der Mensch die Natur übertreffen kann. MUSIK 5 Yann Tiersen: Comptine … Scientifica: Wissenschaftliche Geräte wie Astrolabien, Bergbau-Instrumente, Vermessungsgeräte, Uhren-Automaten, Stundengläser, anatomische Modelle ... Und Mirabilia: Schlicht Wunderwerke. Dazu gehörten abnormale „Launen der Natur“, wie man sie auf Gemälden von Haarmenschen oder einem armlosen Kalligraphen sehen konnte, der den Pinsel mit den Zehen greift. Oder auch anhand konservierter, missgebildeter Totgeburten. Auch außerordentlich kunstvolles oder komplexes Menschenwerk gehörte dazu: Es stand für fast göttliche Schöpfungskraft. Erlaubt und begehrt war alles, was die „Affekte anrühren“ und die „Kenntnis der Dinge“ fördern konnte. Und es wurde bei jeder Gelegenheit hergezeigt. Annette Schommers vom Bayerischen Nationalmuseum: O-TON 6 Schommers Damals war nicht das Kriterium für die Sammelwürdigkeit die rein materielle Kostbarkeit eines Objekts, also man hat einen Automaten, der über den Tisch fährt, genauso bewundernswert, sammelwürdig angesehen wie ein Gemälde oder eine Skulptur. SPRECHER Ausschlaggebend ist der Begriff „Wunder“ und wie er in der Renaissance und bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein definiert wurde: O TON 7 Schommers Als Wunder galt, dass einfach ein Mensch sowas umsetzen kann zum Beispiel, also diese feinsten Miniaturschnitzereien auf einem Zwetschgenkern oder dass es einem Künstler gelingt, aus Elfenbein feinste Kugeln ineinander zu drechseln. Und man hat aber auch gleichzeitig einen Baumschwamm, der aussieht wie ein Brot, als Wunder angesehen. SPRECHER Gezeigt wurden die Schätze in so genannten Wunderkammern oder Kuriositätenkabinetten: Eigens eingerichtete Zimmer mit enormen Schränken, die Wände und Decken war dicht behängt mit Gemälden, ausgestopften Tieren oder Skeletten. MUSIK 6 Ensemble Trictilla: Fusi pavana piana Ihr Vorläufer war das private Arbeitszimmer, das Studiolo in italienischen Renaissance-Palästen. Es war anfangs karg eingerichtet, mit Schloss und Riegel ausgestattet, und diente dem Hausherrn als Rückzugsort. Hier konnte er lesen, Buch führen oder beten, es gab Schränkchen und Schatullen, Mauernischen zum Verwahren von Büchern und Schreibutensilien. Später kamen Geräte für Experimente dazu, bald auch Sammelgegenstände. Schließlich ähnelten die Studierzimmer begehbaren Möbeln, mit holzgetäfelten Wänden, Geheimfächern oder verborgene Türen. Wer sie besuchen durfte, hatte das Vertrauen des Gastgebers gewonnen. Ihre Bedeutung wuchs mit der Entdeckung und Erforschung der Welt ab Ende des 15.Jahrhunderts. Tiere, Pflanzen und Kunsthandwerk aus den Kolonien und von fernen Handelsplätzen übten größte Faszination auf die Daheimgebliebenen aus. Die Schätze wollten bewundert werden, am bequemsten und sichersten ging das im Kuriositätenkabinett: Es war angelegt wie eine begehbare, ja sinnlich erlebbare Enzyklopädie. Die ganze Welt sollte in so eine Wunderkammer passen – beziehungsweise in ihre Schränke. Veronika Sandbichler vom Schloss Ambras in Innsbruck: O 8 Sandbichler Diese Schränke waren unermesslich voll. Die waren vollgefüllt mit Objekten, die zum Teil ineinander gestapelt waren. Und die hat man dann einzeln herausgenommen, konnte sie angreifen, von allen Seiten begutachten, bewundern, bestaunen und da glaub ich gab es auch diese Momente wo einem der Atem gestockt ist. ATMO 2 Türschloss SPRECHER drüber Etwa 2000 Gegenstände sind in Innsbruck zu sehen. Allerdings sind sie heute in ausgeleuchteten Vitrinen ausgestellt – hinter Glas. Das sinnliche Erlebnis von früher muss man sich vorstellen ... ATMO 3 Singekugeln SPRECHER drüber … mit Singekugeln zum Beispiel: kleine vegoldete, leicht klingende Kugeln, die Veronika Sandbichler und ihre Kollegin Katharina Seidl vorsichtig in die Hand nehmen: O 9 Sandbichler_Seidl Singekugeln Boa. Die sind ganz schön schwer, ja im Prinzip nicht unähnlich den heutigen Qigongkugeln. Das ist Messing vergoldet, und in am unglaublich guten Zustand. Kaum irgendwelche Bereibungen. Ja, die sind schon toll. SPRECHER Gesammelt hat die Singekugeln und mehrere tausend weitere Objekte Erzherzog Ferdinand der Zweite, der ab 1546 Landesfürst von Tirol war und in Innsbruck wohnte: Der kunstliebende, gebildete Habsburger ließ das mittelalterliche Schloss zu einem Prunkschloss umbauen, seine Wunderkammer und diverse andere Sammlungen bekamen ein eigenes Gebäude, das Unterschloss. Veronika Sandbichler: O 10 Sandbichler Dieser Habsburger Fürst hat seine politische Karriere verwirkt, weil er sich in eine Patriziertochter verliebte. Das war Philippine Welser aus Augsburg. Diese Leidenschaft zu ihr muss wirklich sehr heftig gewesen sein, aber ebenso heftig war seine scheinbar unpolitische Leidenschaft für das Sammeln. MUSIK 7 Orlando di Lasso / Ensemble Trictilla: Qui sequitur SPRECHER Wunderkammern waren nicht nur ein Zeichen für den Rückzug ins Private. Sie waren auch ein effizientes und elegantes Mittel der Diplomatie, Soft Diplomacy sozusagen: Gemeinsam staunen, dabei verwandtschaftliche Bande pflegen und politische Beziehungen vertiefen. Wunderkammern waren zudem eine charmante Art der Selbstdarstellung, mit einem Schuss Protzerei. Eine volle Wunderkammer zeigte, dass ihr Besitzer gebildet, weltgewandt, gut vernetzt, wohlhabend und einzigartig war … genauso wie seine Sammlung. Eine von Erzherzog Ferdinands Schwächen galt den Korallen. Agenten mussten sie ihm aus dem Mittelmeer beschaffen und er beauftragte Künstler mit ihrer Gestaltung. Veronika Sandbichler: O 11 Sandbichler Interessant ist ja auch die Tatsache, dass die Koralle im 16. Jahrhundert als rätselhafte Repräsentantin des damals weitgehend unerforschten Meeres gegolten hat. Also Ferdinand wusste ja eigentlich nicht: Handelte es sich um eine Pflanze, ein Mineral oder ein Tier? SPRECHER Die Korallen sind in der Innsbrucker Provinz geblieben. Sie haben es nicht, wie viele andere Objekte Ferdinands, ins Kunsthistorische oder Naturhistorische Museum in die Hauptstadt Wien geschafft. Ein „deutliches Zeichen für das geringe Interesse, das man heute diesen Dingen entgegenbringt“, schrieb der Kunsthistoriker Julius Schlosser im Jahr 1908. MUSIK 8 (Ludwig van Beethoven / Stephan Schrader: Finale furioso 0’50) SPRECHER drüber Der Drang zu Klassifizierung und Einordnung, die Verbreitung wissenschaftlichen Denkens, die Abwertung magischen Denkens ab dem 19. Jahrhundert – das war das Ende der Wunderkammer. Wer glaubte überhaupt noch an Wunder? Wohl nur die Ungebildeten! Die Sammlungen entsprechen ja einem vor-wissenschaftlichen Weltverständnis. Es ging um Fülle und Herrlichkeit – nicht um Systematik. Für ihre Besitzer sollten sie den Ruhm des Hauses weitertragen, für deren Erben waren sie oft nur noch „unsystematische Sammelsurien“. Deswegen sind die meisten Wunderkammern heute nicht mehr vollständig. Sie wurden neu sortiert, das „Wichtigste“ wurde auf die gerade entstehenden, öffentlichen Museen verteilt. Der Rest – konnte weg. MUSIK 9 Romain Lateltin: à la source SPRECHER Heute dagegen sind Wunderkammern wieder sehr beliebt. Gerade wegen ihrer scheinbaren Unordnung, der Naivität, Verspieltheit und Freude, die sie ausstrahlen. In vielen europäischen Schlössern und Museen werden neu arrangierte Wunderkammern mit Original-Objekten gezeigt. Auch die Wittelsbacher waren emsige Sammler. Die Kunst- und Wunderkammern von Herzog Albrecht dem Fünften und seinem Sohn Wilhelm dem Fünften gehörten zu den bedeutendsten Europas. Annette Schommers vom Bayerischen Nationalmuseum: O TON 12 Schommers Das war, ja man kann schon fast sagen so'n Wetteifern, ich meine Albrecht der Fünfte war mit der Kaisertochter Anna verheiratet und es war auch wichtig, dass man im diplomatischen Dienst Geschenke hin und her geschickt hat … SPRECHER Albrecht, der Vater, begann ab 1565 als einer der Ersten, ein Kabinett anzulegen. Die Sammlung war im zweiten Stockwerk des Marstallgebäudes der Münchner Residenz untergebracht. Die des Sohnes Wilhelm in der Burg Trausnitz in Landshut. O TON 13 Schommers Das hatte natürlich zur Folge, dass da sehr viel Geld floss, was den Staatsfinanzen nicht sonderlich gutgetan hat. Albrecht der Fünfte der wurde schon sehr früh von seinen Räten ermahnt, er solle mal bitte seine Sammelleidenschaft zügeln, aber das ähm … das hat er wohl nicht so gehört oder hören wollen und Wilhelm der Fünfte hatte dasselbe Problem mit dem Geld. SPRECHER Später wurden die beiden Wunderkammern in München zusammengelegt: Mehr als 6.000 Objekte. Archivarisch sind sie komplett erfasst, dank des Ficklerschen Inventars von 1598. Man kann die Liste in der Münchner Staatsbibliothek als kommentierte Ausgabe einsehen. Annette Schommers: MUSIK 10 Jasmin Seidl: Glasperlen O TON 14 Schommers drüber Es gibt natürlich auch zahlreiche Mineralien von denen man glaubte, dass die Steine heilende Wirkung haben. MUSIK hoch O TON 15 Schommers drüber Fast jede Kunstkammer besaß eine von diesen Alraunen, also diese Wurzel aus dem Mittelmeergebiet, die so'n bisschen aussieht wie ein kleines Männlein oder Weiblein, zum Teil hat man die auch angekleidet. Besonders begehrt waren Alraunen, die unter einem Galgen wuchsen. MUSIK hoch O TON 16 Schommers drüber Ja, vielleicht kann man als ein Wahrzeichen der Kunstkammer das Krokodil nennen, das unter der Decke hängt. Sehr mächtige Tiere, die an Drachen erinnerten, also es waren auch furchterregende Wesen. Und man weiß aus den Quellen, dass tatsächliche lebende Tiere aus Äthiopien über Alexandrien als Geschenke nach Bayern gelangt sind, und speziell nach Landshut, denn dort hatte Wilhelm der Fünfte eine Menagerie exotischer Tiere angelegt, da gab's Strauße und Krokodile, Schildkröten und so weiter, aber Sie können sich vorstellen, also ein langes Leben war diesen Viechern nicht beschert. Das ein oder andere Krokodil landete im Kochtopf, in der Hofküche, aber natürlich auch in der Kunst- und Wunderkammer. MUSIK 10 Ende O TON 19 Schommers Das gewaltsame Ende der Kunst- und Wunderkammer fand im 30-jährigen Krieg statt. König Gustav Adolf von Schweden und seine protestantischen Truppen plünderten die Münchner Residenz und leider auch die Kunstkammer. Und so befinden sich manche der ursprünglich in München beheimateten Werke in schwedischen Sammlungen oder sie sind über die ganze Welt zerstreut. Und leider hat man das, was man nicht als wertvoll genug eingeschätzt hat, zerschlagen und zerstört. SPRECHER Wie auch in Innsbruck wurden die besten Stücke unter den Resten auf die neu entstandenen Münchner Spezialmuseen verteilt: Kunst in die Pinakothek, Exotica ins Museum Fünf Kontinente, Münzen in die Münzsammlung, Kunsthandwerk ins Bayerische Nationalmuseum … Seit dem Jahr 2004 ist in der Burg Trausnitz in Landshut wieder eine Wunderkammer zu sehen, mit 750 beispielhaften Objekten. MUSIK 11 ( Alessandro Scarlatti: (006) 2. Satz aus Cembalokonzert Nr. 6 Es-Dur 0’44) SPRECHER drüber Die bürgerlichen Sammlungen rissen keine Löcher in den Staatshaushalt und waren auch keine Mittel der Diplomatie. Auch wohlhabende Kaufleute und Gelehrte an Universitäten legten sich Wunderkammern zu. Sie dienten der eigenen Erbauung, dem Studium und Verständnis der Welt, und dem Austausch mit Gleichgesinnten. Sie waren reines Privatvergnügen, für den Rechtsgelehrten Basilius Amerbach zum Beispiel, der im 16. Jahrhundert in Basel lebte: O 20 Söll-Tauchert Er hat geheiratet und hat leider bei der Geburt des ersten Sohnes sowohl sein Kind als auch seine Frau verloren. Nach diesem schrecklichen Schicksal hat er sich immer mehr zurückgezogen im sein Haus in der Rheingasse in Kleinbasel und hat sich sehr stark auch neben seiner Tätigkeit an der Universität auf das Sammeln selbst fokussiert. SPRECHER Die Kunsthistorikerin Sabine Söll-Tauchert arbeitet im Historischen Museum Basel, das im U…

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    Der Igel - Stachliger Überlebenskünstler Apr 05, 2024
    Show notes

    Igel sind wahre Überlebenskünstler. Lange vor der Entstehung der Menschheit durchwanderten sie bereits die Landschaft. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit werden sie uns wohl auch in die Zukunft begleiten. (BR 2014) Autorin: Carola Zinner

    Credits
    Autorin dieser Folge: Carola Zinner
    Regie: Eva Demmelhuber
    Es sprachen: Axel Wostry, Burchard Dabinnus
    Technik: Michael Krogmann
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
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    Herkunft der Bajuwaren - Neues zu einem alten Rätsel Apr 04, 2024
    Show notes

    Die Forschung fragt heute nicht mehr nach der Herkunft der Bajuwaren, sondern richtet den Blick mehr auf den Raum, der planmäßig besiedelt wurde mit Menschen verschiedenster Herkunft, die später zu Bajuwaren wurden. Von Thomas Grasberger (BR 2021)

    Credits
    Autor dieser Folge: Thomas Grasberger
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Ruth Geiersberger, Alexander Duda, Thomas Birnstiel, Kia Ahrndsen
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Im Interview:
    Dr. Irmtraut Heitmeier, Institut für Bayerische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München, Historisches Lexikon Bayerns und freiberufliche Historikerin
    Michaela Harbeck, Anthropologin, Oberkonservatorin Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München

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    Herkunft der Bajuwaren: Die Fachfrau für das frühe Bayern, die Historikerin Irmtraud Heitmeier, ist auch Gesprächspartnerin in Gerald Hubers Podcast-Folge "Obacht Bayern":
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