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    Latest Episodes:
    Fettgewebe - Das unbekannte Organ Oct 29, 2024
    Show notes

    Das Fettgewebe ist ein unterschätztes Organ. Denn es dient als Energiespeicher, mechanischer Schutz vor Verletzungen und als Kälteschutz. Aber es kann auch schaden: Ein Zuviel an Fettgewebe kann Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen und schwere Entzündungen im Körper auslösen. Von Daniela Remus (BR 2022)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Daniela Remus
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Katja Amberger, Diana Gaul
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Iska Schreglmann

    Im Interview:
    Prof. Jörg Heeren, Mikrobiologe, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
    Prof. Heike Kielstein, Anatomin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    Prof. Tim Schulz, Biochemiker, Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

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    Abgrenzung durch Essen - Wie soziales Bewusstsein unsere Ernährung bestimmt
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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Was macht Moore so wertvoll? - Alles Natur Oct 28, 2024
    Show notes

    Moore leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, da sie Kohlendioxid speichern. Zudem sind sie ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Im Hochmoor lebt zum Beispiel der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze. Im Niedermoor ist der Moorfrosch zuhause: In der Laichzeit nimmt er eine leuchtend hellblaue Färbung an. Iska Schreglmann spricht mit dem Biologen Thassilo Franke (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Iska Schreglmann
    Es sprachen: Iska Schreglmann im Gespräch mit Dr. Thassilo Franke
    Technik: Peter Riegel
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Dr. Thassilo Franke, Biologe am BIOTOPIA Lab in München

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Die halbe Erde unter Schutz - Neue Pläne, um Arten und Klima zu retten
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    Unser Boden - Unser Schatz!
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    Erdsystemforschung - Eine Medizin für die Erde
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    Kinderlähmung - Das Wettrennen um eine Impfung Oct 28, 2024
    Show notes

    Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten zwei Medizinier die ersten Impfstoffe gegen Kinderlähmung. Bis dahin waren jährlich hunderttausende Menschen an Polio erkrankt - manche von ihnen mit fatalen Folgen wie etwa Lähmungen oder verkürzte Beine. Aber der Kampf gegen Kinderlähmung war im Kalten Krieg nicht nur ein medizinisches Wettrennen, sondern auch ein politisches: Ost gegen West. Von Hendrik Loven (BR 2021)

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    Truman Capote - Kaltblütig Oct 28, 2024
    Show notes

    Ein Roman über ein Gewaltverbrechen in einem kleinen Ort in Westkansas an vier unschuldigen Mitgliedern einer Familie. Bei seinem Erscheinen im Jahr 1965 ist "Kaltblütig" eine literarische Sensation. Denn die Schüsse auf die nette Familie Clutter sind sechs Jahre zuvor tatsächlich gefallen. Die Angehörigen und Nachbarn leben wirklich in dem 270-Seelen-Dorf Holcomb. Und die zwei jungen Mörder sind wenige Monate zuvor exakt so hingerichtet worden, wie es Truman Capote in seinem Meisterwerk schildert. "In Cold Blood" ist ein Tatsachenroman: der "wahrheitsgemäße Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen". Capote hat dafür sechs Jahre lang Interviews geführt, beobachtet und geschrieben. Das Ergebnis ist ein Text von legendärer atmosphärischer Dichte, einer der berühmtesten US-amerikanischen Romane überhaupt. Von Irene Schuck (BR 2011)

    Credits
    Autorin und Regie dieser Folge: Irene Schuck
    Redaktion: Petra Herrmann

    Im Interview:

    Dr. Erik Redling
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    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT
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    Bayerische Staatsbibliothek - Die Geschichte einer steilen Karriere Oct 24, 2024
    Show notes

    Wie bringt sie ihre Werke auch zum entferntesten Leser? Wie findet das eine bestellte Exemplar aus mehr als elf Millionen Bänden seinen Weg in die Ausleihe? Wie klingt ein Bücheresel? Und warum schlägt man auch heute noch Bücher auf? Ein Gang durch die Bestände und die Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek. Autorin: Leo Hoffmann (BR 2023) CreditsAutorin dieser Folge: Leo HoffmannRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Hemma MichelTechnik: Ruth-Maria OstermannRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Peter Schnitzlein, Leitung Presse Bayerische Staatsbibliothek; Prof. Dr. Stefan Wimmer, Hebraica&Bestand Widmanstetter, BSB;Dr. Claudia Bubenik / Alte und Seltene Drucke, BSB;Dr. Wolfgang-Valentin Ikas / Handschriften, BSB:Dr. Martin Hermann / Münchener Digitalisierungszentrum, BSB Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Die Wunderkammer - Als die Welt noch in ein Zimmer passteJETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Stabi_01_Atmo_Tür (läuft unter dem Text weiter) SPRECHERIN: Es sind riesige Holztüren, die so ins Schloss fallen. Musik: Z8019017133 Nocturnal research 0‘37 Sie führen in eine Institution mit bald 500-jähriger Geschichte: die Bayerische Staatsbibliothek! Mit mehr als 37 Millionen Medien, darunter 19 Millionen Fotos und Bilder, mit der viertgrößten Handschriftensammlung der Welt, mit Wiegendrucken, Künstlerbüchern, mit Landkarten und Globen, Bildbeständen und Fotosammlungen ist sie eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Universalbibliotheken Europas. Doch beinahe wäre ihre Karriere im Sande verlaufen! Stabi_01_Atmo_Tür (lauter Akzent, dann Ende) Musik: ZE001630101 Toccata del sesto tono 0‘36 SPRECHERIN: Man schreibt das Jahr 1558: Die drei Töchter eines Johann Albrecht Widmanstetter bieten den Nachlass ihres im Vorjahr verstorbenen Vaters feil. Wer war denn dieser ... Stabi_02_ Widmanstadii „Johannes Albertus Widmanstadii“ SPRECHERIN: ... fragen wir Prof. Stefan Wimmer, Experte für den Gründungsbestand der „BSB“ oder „Stabi“, wie die Bibliothek zungenfertig abgekürzt wird: Stabi_03_Vita „Er kam aus einem Dorf, Nellingen bei Ulm, aus einfachen Verhältnissen, sehr viel weiß man dazu nicht, aber man weiß, dass sein Dorfpfarrer sein Talent für Sprachen entdeckt hat, und ihm Latein und Griechisch beigebracht hat, er konnte dann an verschiedenen Universitäten, Tübingen, Heidelberg und anderen studieren, und ist zu einem Sprachgenie geworden, hat sich vor allem auf orientalische Sprachen spezialisiert, ist deshalb auch ein Wegbereiter der Wissenschaft geworden, die wir Orientalistik nennen, das Studium der Sprachen des nahen und mittleren Ostens, und war ein typischer Renaissancegelehrter, der sich mit allen Zweigen des Gelehrtentums befasst hat, mit Jura, er war von Beruf ja auch Rechtsgelehrter, er war Diplomat in verschiedensten Diensten, bis hinauf zum König Ferdinand, der dann Kaiser wurde, bei zwei Päpsten war er in diplomatischen Diensten, bei Herzog Ludwig X. von Bayern, in Landshut, und war also ein sehr viel beschäftigter Mann.“ Musik: ZR003960111 Vinci für Orgel 1‘00 SPRECHERIN: In diesem Leben zwischen Tübingen und dem Vatikan, zwischen Basel, Neapel und Wien sammelt sich einiges in Truhen, Kästen und Kisten, denn die Forscher der Renaissance pflegen ihre akademischen Beziehungen länderübergreifend: Widmanstetter korrespondiert beispielsweise nach Rom mit dem Kardinal Egidio da Viterbo, dem Generaloberen des Augustinerordens. Über Viterbo hat Widmanstetter auch Kontakt mit Elias Levita, einem jüdischen Gelehrten aus Neustadt an der Aisch, der den Kardinal in Aramäisch und Hebräisch unterrichtet, damit der den Talmud und das Alte Testament erforschen kann. Religiöse Animositäten? Mitnichten, wie ein Brief von Levita aus dem Jahr 1538 beweist. Stabi_04_Brief 37:60 „Da steht als Adresse – es beginnt in aramäischer Sprache und geht dann Hebräisch weiter, .... (hier im Original der Brief) Das heißt ‚zu Händen des großen und teuren Herrn, bei dem die Erleuchtung wohnt“ ... (hier weiter im Original) „das ist mein teurer Herr Jochanan, also Johannes Widmannstetter ist gemeint. Drunter steht me Venezia ... (hier weiter im Original bis „ve shalom“) „Aus Venedig der großen Stadt nach Rom, Fürstin der Länder, und Shalom – Frieden!“ Musik: ZE001630114 Canzon prima für Cembalo 0‘53 SPRECHERIN: Der Wittelsbacher Herzog Albrecht V., genannt der Prächtige, ist ein Sammler: Antike Skulpturen und Münzen, Gemälde, edle Rosse, venezianisches Glas, Preziosen für seine Wunderkammer UND Bücher! Wie alle Renaissancefürsten stellt er durch die Präsentation kostbarer Objekte seinen Anspruch auf Königs- und Kaiserwürden klar. Folgerichtig bieten ihm Widmanstetters Töchter den Nachlass ihres Vaters an. Dessen Einzigartigkeit aber erschließt sich Albrecht nicht: Er lehnt den Kauf ab! Erst als der bibliophile Gelehrte Johann Jakob Fugger ihm klar macht, dass Widmanstetter einen einmaligen Bestand an orientalischen Handschriften und Drucken hortete, besinnt er sich: Die Karriere der Stabi beginnt. Stabi_05_Kauf: Der Herzog hat dann 1000 Gulden gezahlt, nicht auf einmal, sondern über mehrere Jahre und verzinst, und diese Bibliothek dann zum Grundbestand seiner neuen herzoglichen Bibliothek gemacht, der Hofbibliothek, aus der die Bayerische Staatsbibliothek geworden ist.“ SPRECHERIN: Bibliotheken neigen zum Wachstum. So auch die von Widmanstetter, die Herzog Albrecht ins ‚alte Gewölb’, das Archiv im Kanzleigebäude des Alten Hofs in München, bringen lässt. Der „Prächtige“ ergattert bald die nächste Sammlung: Sie gehört ausgerechnet seinem künstlerischen Berater Johann Jakob Fugger. Der muss Bankrott anmelden, da die spanische Krone die Tilgung ihrer hohen Kredite aus Augsburg schuldig bleibt. Bayern profitiert von dem Fiasko: Fuggers Sammlung, 10'000 Bände etwa, ist epochal, so Claudia Bubenik, die das Referat „Alte und Seltene Drucke“ leitet: Stabi 07_Fuggersammlung In seiner Sammlung verbergen sich seltenste Drucke auch des 16. Jahrhunderts, wie eine Ausgabe von Gilles Corrozet, die Hecatomgraphie, ein 1543 in Paris gedrucktes Werk, das also auch noch die alte Signatur der Hofbibliothek trägt ‚statio 7, die Nummer 31’. Musik: ZE013680108 Ricercar für Cembalo 0‘52 SPRECHERIN: Neben alten Handschriften hat Fugger alles gesammelt, was damals aktuell auf den Markt kam, die Neuerscheinungen quasi: Pierre Belons Vogelkunde, 1557 in Paris gedruckt, oder Juan di Isíars Anleitung zur Kalligraphie, Saragossa 1548, die „Carta Marina“ des Bischofs Olaus Magnus, gedruckt in Rom 1539 ... Last but not least gehört Fugger die nachgelassene Bibliothek des Nürnberger Arztes und Humanisten Hartmann Schedel, inklusive seines Hand-Exemplars der „Weltchronik“. Natürlich zieht der exquisite Erwerb eine ganze Reihe Folgekosten für Albrecht V. nach sich: Stabi_08_Buchbinden „Die Bände waren ja damals nicht gebunden auf dem Markt erhältlich, sondern in Lagen und das heißt, je nach Geldbeutel des neuen Besitzers, ließ dieser sich die Bände in prächtigen Einbänden binden oder eben in einfachen Pergamenteinbänden oder einem Coperteinband und es liegen zum Teil auch noch Unterlagen vor im Archiv, aus denen hervorgeht, welcher Buchbinder für wie viel Geld wie viele Bände bekam zum Einbindenlassen.“ SPRECHERIN: Längst reicht ein Archivar wie Erasmus Fendt zur Betreuung der Sammlung nicht mehr aus: Ein Bibliothekar muss engagiert werden. Stabi_09_ Örtel Der erste Bibliothekar von dem es auch eine offizielle Bestallungsurkunde gab, war Egidius Örtel, der 1561 angestellt wurde, und die sogenannte ‚liberey’ zu verwalten hatte. Von ihm liegt auch der erste oder älteste Katalog der Hofbibliothek vor, zu den dialecticae ed grammaticae, leider nur als Fragment ... Stabi_10_Prommer Prägend für die Hofbibliothek war aber Wolfgang Prommer. Prommer kam aus Landsberg am Lech und wurde 1562 von Johann Jakob Fugger für seine Bibliothek eingestellt und kam, als Fugger seine Sammlung 1571 an Albrecht V. veräußern musste, mit der Bibliothek in die Hofbibliothek und hat dort sofort begonnen, diese Masse an 10'000 Bänden, die da plötzlich hereinschwappten, zu ordnen, aufzustellen und zu katalogisieren. Musik: ZE001630110 Amarilli mi abella 0‘37 SPRECHERIN: Von „seinen“ Büchern untrennbar wechselt Prommer Ort und Auftraggeber! Auch sein Katalog ist in Teilen erhalten und zeigt seine penible Arbeitsweise. Die höchsten Folgekosten von Albrechts Ankauf sind räumlicher Natur: Das Kanzleigebäude im Alten Hof fasst Fuggers Büchermengen nicht! Die „liberej“ zieht um: in das von dem Kunstagenten Jacopo Strada entworfene und vom Augsburger Stadtbaumeister Simon Zwitzel errichtete „Antiquarium“. Im oberen Stock dieses ersten Museumsbaus nördlich der Alpen werden ihre Bände als Saalbibliothek entlang der Wände in Regalen aufgestellt und ergänzen so die Antikensammlung im Erdgeschoss: Eine ideale Umsetzung des Bildungsideals der Renaissance und für Albrecht zugleich die Chance, mit kostbaren Einbänden zu glänzen. Zugänglich aber ist diese Bibliothek nur der Oberschicht: dem Hof und seinen adeligen Eliten. Später sind auch Jesuitenobere, Verwaltungsbeamte und Gelehrte zugelassen. Nicht alles, was Albrecht angekauft hat, dürfen sie lesen. Sein Sohn, Wilhelm V., ordnet eine Revision an: Prommer muss anstößige, vor allem aber anti-katholische Werke aussortieren. Ziel jeglichen Bücherstudiums soll die Stärkung und Verteidigung des katholischen Glaubens gegen Luthers Lehre sein. Nicht umsonst trägt dieser Wittelsbacher den Beinamen „der Fromme“. Musik: ZE001630110 Amarilli mi abella 0‘39 SPRECHERIN: Werke von Melanchton, Calvin, Osiander usw. gelten als häretisch. Doch werden sie nur ab- und nicht ausgeschieden und zwar in einen Raum, zu dem Wilhelm V. den Schlüssel hat. Rund 600 geistliche Werke mit 1500 Schriften fallen darunter. SPRECHERIN: Man erkennt sie daran, dass Prommer KEINE neue Signatur in roter Tinte im Vorderdeckel anbringt. Wer sie erforscht, braucht auch heute eine Sondergenehmigung: Nicht, weil sie auf dem Index stehen, sondern weil sie unersetzliches Kulturgut sind. Musik: Z8026958106 Nature existence 0‘33 Das studiert man im ersten Stock des Südflügels. Hinter einem gut bewachten Drehkreuz liegt der Handschriftenlesesaal. Mit Blei gefüllte Samtschlagen hängen zur Beschwerung der Seiten über hölzernen Buchwiegen. Weiße Handschuhe liegen bereit. Am „Tresortisch“ in der Nordostecke des Saals liest man die wertvollsten Werke unter den strengen, in Öl gemalten Augen von Johann Andreas Schmeller: Stabi_11_größterBiblio „der mit Fug und Recht als größter Bibliothekar des 19. Jahrhunderts der Hof- und Staatsbibliothek bezeichnet werden kann“... SPRECHERIN: ... so Wolfgang Ikas, Leiter des Referats „Handschriften und Benutzung“. Neben Schmellers Porträt sitzt der Benediktinermönch Bruder Willibaldus, alias Martin Schrettinger, im Goldrahmen. Bevor sein Kloster Weißenohe der Säkularisierung zum Opfer fällt, geht er als Hofbibliothekar nach München, wo er heute als Begründer der Wissenschaft vom Bibliothekswesen gilt. Kritisch beäugt von diesen verdienten Vorläufern öffnet Wolfgang Ikas ein grünes Kästchen. Passgenau eingebettet liegen zwei Tontäfelchen und vier Ton-Kegel darin. Im Jahr 2034 v. Chr. drückte ein Schreiber die waagrechten, senkrechten und schrägen Dreiecke in den frischen Ton: Stabi_12_Tontafel „Da handelt es sich um eine Abrechnung über 183 Tonnen Getreide, die geerntet und zu Mehl verarbeitet worden sind.“ SPRECHERIN: Vor über 4050 Jahren! Uralt auch der Kegel, den Herr Ikas zwischen seinen behandschuhten Fingern hält. Stabi_13_Tonkegel „Da handelt es sich um Schafe, die für einen Götterkult am Tempel abgegeben wurden, und entsprechend weiterverarbeitet wurden. Das stammt aus dem Jahr 2046 vor Christi Geburt.“ Musik: ZR005190101 Tempus transit 0‘47 SPRECHERIN: Viel jünger als diese Keilschriften, weitaus poetischer, ja geradezu identitätsstiftend für Bayern sind die „Carmina Burana“, die die Stabi hütet, das „Wessobrunner Gebet“ oder der „Tegernseer Liebesgruß“, den ein Benediktiner Ende des 12. Jahrhunderts zwischen die lateinischen Seiten einer Handschrift aus dem Tegernseer Kloster schreibt. Dieses Einsprengsel ist wohl das älteste Liebesgedicht in deutscher Sprache – ein Sprachdenkmal. Stabi_14_Liebesgruß Du bist min, ich bin din, Du bist mein, ich bin dein, dessen sollst du gewiss sein, du bist eingeschlossen in meinem Herzen, verloren ist das Schlüsselchen, du musst auf immer darin sein. SPRECHERIN: Auch Weltdokumentenerbe der UNESCO birgt die Stabi, nämlich die „Leithandschrift A“ des Nibelungenliedes, die früher als die älteste Abschrift dieser Dichtung angesehen wurde, außerdem die Handschrift „D“, die Wiguläus Hundt, Kanzler von Albrecht V., im 16. Jahrhundert auf Burg Prunn im Altmühltal entdeckt. Stabi_15_Leithandschriften „Sie ist zwar textlich nicht so bedeutend, wie die drei Leithandschriften, aber sie ist wunderschön illuminiert ...“ SPRECHERIN: Wie ihre Paarreime klingen, weiß Herr Ikas natürlich auch: Stabi_16_Nibelungenlied „Uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von helden lobebæren, von grôzer arebeit, von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken strîten muget ir nun wunder hœren sagen.“ Musik: Z8034319124 Cans and computers (c) 0‘58 SPRECHERIN: Wer diese Handschrift mit ihren verspielten Initialen in Rot, Blau, Grün und Gold durchblättern will, braucht weder Handschuhe, noch eine Genehmigung. Selbst die Sigle „CGM 31“ muss er nicht wissen. Es reicht, „digitale-sammlungen.de“ in eine Suchmaschine einzugeben und „Prunner Codex“ in das Feld mit der Lupe, das dann aufleuchtet: Schwupp, erscheint der abblätternde Ledereinband aus dem 14. Jahrhundert auf dem Bildschirm. Komplett. Samt den Messingschließen, die seine 350 Seiten eng zusammenhalten, damit kein Staub zwischen die Blätter dringt und kein Papierfischchen! Um die Schließen zu öffnen, muss man nicht mit der Faust auf den Buchdeckel schlagen, wie beim Original: Der Cursor erledigt das mit einem Mausklick. Er kann das, weil im Erdgeschoss des Südflügels das „Münchener Digitalisierungszentrum“, kurz MDZ, wirkt. Es löst 1997 die „Fotostelle“ ab, in der Bücher seitenweise „abgeknipst“ wurden, um sie den Lesern zu erhalten. Inzwischen hat die Stabi drei Einheiten zur Digitalisierung, so Martin Hermann, der das Referat Digitale Bibliothek leitet. Stabi_17_Digital „Das beschäftigt sich vor allem mit der Digitalisierung der hochwertigen, seltenen, unikalen Stücke, die auch einer besonderen Behandlung bedürfen“... SPRECHERIN: Dafür tasten in abgedunkelten Räumen Handauflagescanner die Seiten ab. Das klingt so: Stabi_18_Atmo_Scanner SPRECHERIN: Oder so, wenn es sich um ein älteres Scanner-Modell handelt: Stabi_19_Atmo_Scanner-laut (unter Text durchlaufen lassen) SPRECHERIN: Dabei kommt oft eine Erfindung des MDZ zur Anwendung: Die „Münchner Finger“, flach zulaufende Stäbe aus Plexiglas, beschweren die Papiere. Das jüngste Großobjekt des MDZ war die „Tabula Palatinorum“ von Johannes Herold aus dem Jahr 1556: Ein Stammbaum der Pfälzer Linie der Wittelsbacher, der vom sagenhaften König Chlodwig bis zu Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz reicht, vom 6. bis ins 16. Jahrhundert. Eine Hängetafel aus auf Leinwand fixierten Blättern mit gut 4 m Länge und 1,26 m Breite. Durch Mehrfachdig…

    Full show notes at the publisher

    Tschingis Aitmatow und Kirgisien - Nomaden, Jurten und Kolchosen Oct 24, 2024
    Show notes

    Als Inbegriff des Kirgisischen wird das Werk des Autors Tschingis Aitmatow oft bezeichnet. Was genau aber als 'kirgisisch‘ gesehen wird, ist ein Produkt der sowjetischen Kulturpolitik. Diese forcierte Kulturevolution forderte ihre Opfer, wie auch die Familie Aitmatows zu spüren bekam. Autorin: Fiona Rachel Fischer (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Fiona Rachel Fischer
    Regie: Susi Weichselbaumer
    Es sprachen: Julia Fischer, Katja Amberger, Rainer Buck
    Technik: Robin Auld
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Dr. Moritz Florin (Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen)

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    Das Vielvölkerreich im Osten - Russland und die Sowjetunion
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    Iwan Turgenjew - Ost-West in Person
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    Literaturtipps:

    Ajtmatov, Cingiz (1994): Nomaden auf dem Weg zu sich selbst. In: Cingiz Ajtmatov, Asta Scheib und Wolfdietrich Fischer (Hg.): Friedrich Rückert - Vorläufer einer neuen Zeit. Festvortrag des zehnten Preisträgers des Friedrich-Rückert-Preises der Stadt Schweinfurt. Würzburg: ERGON-Verl. (Rückert zu Ehren, 5), S. 13–22.

    Tschingis Aitmatow: Kindheit in Kirgisien. Autobiographische Erzählung. Herausgegeben und übersetzt von Friedrich Hitzer. Zürich: Unionsverlag 19995.

    Moritz Florin (2015): Kirgistan und die sowjetische Moderne. 1941-1991. Zugl.: Hamburg, Univ., FB Geschichte, Diss., 2013.

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    Ehegattensplitting - Geschichte eines maroden Modells Oct 23, 2024
    Show notes

    Wer heiratet, kann viel Geld sparen. Möglich macht es das Ehegattensplitting. Der Steuervorteil ist umso größer, je ungleicher Eheleute verdienen. Das begünstigt eine traditionelle Rollenverteilung. Tatsächlich stammt das Splitting noch aus den 1950er Jahren. Warum hält es sich so hartnäckig? Autorin: Maike Brzoska (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Rahel Comtesse, Christopher Mann, Sissi Forster
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Yvonne Maier

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Katharina Wrohlich, Ökonomin und Genderforscherin am DIW und Professorin an der Universität Potsdam;
    Miriam Beblo, Ökonomin und Professorin an der Universität Hamburg;
    Malte Chirvi, Steuerberater und Dozent an der Hochschule Flensburg;
    Andreas Peichl, Ökonom, Forscher am ifo-Institut und Professor an der LMU

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    Mütter und Väter erzählen ungefiltert von ihrem Leben als Eltern. Vom irrsinnigen Glück. Vom ganz normalen Wahnsinn. Und von ihren dunklen Momenten. Die Journalist*innen Ruslan Amirov, Schlien Gollmitzer, Kathrin Hasselbeck und Kristina Weber sind selbst Eltern und sie wissen: Es ist und bleibt ein Abenteuer.
    ARD Audiothek | Eltern ohne Filter
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    Literaturtipp:

    Maria Wersig: Der lange Schatten der Hausfrauenehe. Zur Reformresistenz des Ehegattensplittings. Verlag Barbara Budrich, 2013.

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    H.P. Lovecraft - Meister des dämonischen Horrors Oct 21, 2024
    Show notes

    Zu Lebzeiten waren seine Erzählungen nur in Pulp-Magazinen zu lesen. Heute gilt H.P. Lovecraft als einer der einflussreichsten Horrorschriftsteller der letzten 200 Jahre. Seine düster-subtilen Erzählungen haben bis heute Einfluss auf Literatur, Film und Popkultur. Und doch umwehen den eigenwilligen Schöpfer unaussprechlicher Monstrositäten bis heute Legenden und Geheimnisse. Autor: Michael Zametzer (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Michael Zametzer
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Stefan Wilkening
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Marco Frenschkowski, Universität Leipzig;
    Philipp und Florian, Lovecraft-Fans

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    Linktipp:

    ARD Audiothek | Mia Insomnia
    Was ist das Hörspiel "Insomnia"? Und warum ist Podcasterin Mia die einzige Person auf der Welt, die sich an diese Hörspiel-Kassette aus ihrer Kindheit erinnert? Die Suche nach Antworten führt sie zu einer unheimlichen Erkenntnis: Entweder ihre Erinnerungen sind nicht echt - oder die Welt um sie herum. Mit ihrem Aufnahmegerät nimmt uns Mia auf ihre Suche mit. Was als scheinbar harmlose Reise beginnt, entwickelt sich zu einer großen Verschwörung.
    Hörspielserie von Gregor Schmalzried | Produktion, Musik und Regie von Lorenz Schuster | Mit Julia Gruber und Bastian Pastewka
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    Weitere Infos und Behind the Scenes finden Sie HIER.

    Literaturtipp:

    H.P. Lovecraft – Chronik des Cthulhu-Mythos. Band I und II. Festa Verlag Leipzig 2011. Mit einem Vorwort und Kommentaren von Prof. Marco Frenschkowski

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    Rollentausch? Wenn die Eltern alt werden Oct 18, 2024
    Show notes

    Wenn die Eltern alt werden, bekommen sie vielfach Unterstützung von ihren Kindern. Die kümmern und sorgen sich. Doch oft lassen sich die alten Eltern nichts von ihnen sagen. Ein schwieriger Rollentausch, der viel mit Loyalität und Fürsorge, aber auch mit und Wut und Überforderung zu tun hat. Autorin: Karin Lamsfuß CreditsAutorin dieser Folge: Karin LamsfußRegie: Martin TraunerEs sprachen: Hemma Michel, Sebastian FischerTechnik: Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Anne Otto, Dipl. Psychologin und Autorin;Dr. Susanne Zank, Professorin für rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie;Dr. Katja Werheid, Professorin für Neuropsychologie; Katrin und Barbara, Mutter und kümmernde Tochter, Johanna, Tochter einer demenzkranken Mutter. Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Dicker als Blut? Warum Kinder mit den Eltern brechen HIER Was schulden wir den Eltern? Zwischen Pflichtgefühl und Abgrenzung HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.ZUM PODCAST Linktipps: Studie von Susanne Zank zur Lebenssituation Hochaltriger: HIER Literatur: Anne Otto: Für immer Kind, Wie unsere Beziehung zu den Eltern erwachsen wird, Edition Körber, 2022 Katja Werheid: Nicht mehr wie immer. Wie wir unsere alten Eltern begleiten können. Piper 2020 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘51“) Katrin: Jetzt wohnst du hier im Erdgeschoss in nem Mietshaus, und es ist auch schon mal eingebrochen worden, und vor Jahren… hast du dir so ein doppeltes Schloss machen lassen, und wenn ich mal komme und es ist hier keiner, und dieses wunderbar angebrachte Schloss ist überhaupt nicht abgeschlossen, dann denke ich mir so ‚geht’s noch? Kannst du das mal bitte abschließen?‘ Barbara: Also bei mir ist noch nie eingebrochen worden und bei mir ist auch noch nie was geklaut worden, ich denke, das muss erst mal passieren, bis ich das einsehe, dass ich mich mehr schützen muss. Katrin: Und dann find ich halt… was heißt, dass ich ein Recht habe, dir das zu sagen… ich will dir das dann sagen, „du das änderst und deine scheiß Tür abschließt, damit nicht eingebrochen wird!“ Barbara: Jaaaa…. Die ist ganz schön streng mit mir! Erzählerin: Eine ganz typische Szene zwischen der 58jährigen Katrin und ihrer 85jährigen Mutter Barbara. Beide wollen nur ihre Vornamen nennen. Mutter Barbara lebt alleine und kommt eigentlich noch gut klar. Doch immer öfter braucht sie Unterstützung von ihren beiden Töchtern: bei Bankgeschäften, Behördenschreiben, bei Arztbesuchen oder der Bedienung ihres Hörgeräts. In Musik einbetten O-Ton 2 Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘11) Katrin: Fühlst du dich denn getadelt, wenn ich sage „Zieh mal das Hörgerät an!“? Barbara: Jooo… Ich denke, ich kann das alleine bestimmen, ob ich das anziehe oder nicht. Katrin: Denkst du dann, ich bevormunde dich? Erzählerin: Katrin kümmert sich gerne. Doch sie hat oft etwas andere Vorstellungen davon, was das Richtige für ihre Mutter ist. Das sorgt manchmal für Konflikte. Sprecher: Fast alle erwachsenen Kinder erleben solche oder ähnliche Situationen. Es passiert schleichend. Irgendwann zwischen 40 und 60. Lange Zeit war die Beziehung zwischen ihnen und den Eltern auf Augenhöhe. Und plötzlich verändert sich etwas: Die alten Eltern benötigen Unterstützung. O-Ton 3 Anne Otto (0‘24“): Ich hab das ja selbst in meinem Freundeskreis festgestellt, dass immer mehr Leute von ihren ganz alten Eltern erzählen und sind selbst schon so um die 50, 60 und kümmern sich jetzt um 80-, 90jährige, andererseits bedeutet das, dass man dieser Beziehung auch immer eine neue Form geben muss und sich wahrscheinlich auch immer neu abgrenzen – einfach bewusster. Erzählerin: Sagt die Psychologin Anne Otto. Für ihr Buch „Für immer Kind – Wie unsere Beziehung zu den Eltern erwachsen wird“ – hat sie erwachsene Kinder interviewt, die sich um ihre alten Eltern kümmern. O-Ton 4 Anne Otto (0‘13“): Das gab es so früher nicht, eine Zahl, die kommt aus ner Studie von Hans Bertram, einem Sozialwissenschaftler, der halt sagte: Vor 100 Jahren hatten Väter und Kinder nur 15 gemeinsame Jahre! 15 bis 20. Heute sind das 60! Sprecher: Viele träumen von der Vorstellung, wo die Alten - intergiert in die Familie - liebevoll bis zum Schluss versorgt werden. Und die Kinder den Eltern von Herzen das zurückgeben, was sie selbst einmal bekommen haben. Das gibt es nach wie vor. Doch die meisten tun sich schwer mit dem Rollentausch. Diese neue, oft lange gemeinsame Lebensphase zu gestalten ist für viele eine große Herausforderung. Vor allem ab dem Moment, wo die Eltern Hilfe brauchen. Anfangs sind es meist nur Dinge des Alltags wie Einkaufen, Behördengänge oder Bankgeschäfte. Später vielleicht auch Beantragen einer Pflegestufe. Oder Unterstützung bei der Körperpflege. Die alten Eltern müssen ihre erwachsenen Kinder zunehmend um Hilfe bitten und geraten in eine abhängige Rolle. Nicht ganz einfach. Erzählerin: Auch die 85jährige Barbara bemerkt die Rollenumkehr: Obwohl sie sich gut mit ihren beiden Töchtern versteht, ist es ein seltsames Gefühl: Plötzlich ist sie nicht mehr die „Wissende“ die „Erfahrene“, die ihren Kindern die Welt erklärt. Nun braucht sie selbst Hilfe. Nach Jahrzehnten der Autonomie. O-Ton 5 Barbara (0‘28“): Ich war ja immer schon alleine, also ohne Mann, und musste immer alles alleine machen und denke: Ich kann alles alleine, und bin froh, dass ich in meinem Alter noch so das kann, was ich so möchte, aber ich sag ja: Ich fühle mich getadelt, und ich hab auch etwas Angst vor Katrin, wenn ich weiß, die kommt: „Hast du auch die Tür zwei Mal abgeschlossen? Hast du auch die Waschmaschinentür aufgelassen?“ Sprecher: Wenn alte Eltern erkennen, dass sie manches nicht mehr allein können, tut das erst mal weh. Erzählerin: Dr. Susanne Zank ist Professorin für Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie an der Uni Köln und hat in einer großen repräsentativen Studie die Lebenssituation der Hochbetagten untersucht, also der Menschen über 80. O-Ton 6 Susanne Zank (0‘30“): Da ist offenbar eine sehr, sehr große Angst davor, wahrzunehmen, dass die eigenen Kräfte geschwunden sind, und das kann man nicht mal so eben ablegen. Und wenn ich 70 Jahre lang völlig selbstständig gelebt habe, und das für mich auch ein großer Wert war und ist, autonom zu sein, selbstständig zu sein, und da kommt dann auf einmal dieses blöde Kind – das ist jetzt zwar auch 60 Jahre alt – und will mir erzählen, was ich zu tun und zu lassen habe! Sprecher: Wenn die alten Eltern zunehmend hilfsbedürftig werden, lassen sie sich ungern etwas sagen. Von ihren eigenen Kindern oft schon mal gar nicht. Erzählerin: Das sorgt für Zündstoff, sagt die Psychotherapeutin und Neuropsychologin Prof. Katja Werheid. Vor allem dann, wenn alte Eltern und kümmernde Kinder kein wirklich liebevolles Verhältnis zueinander haben. O-Ton 7 Katja Werheid (0‘27“) Selbst, wenn es Konflikte gibt, selbst wenn die Beziehung nicht so eng ist – trotzdem lässt das Kinder nicht kalt, wenn ihre Eltern gebrechlich werden. Im Gegenteil: Da kommen diese ganzen Fragen von Schuld, warum ich, warum nicht meine Geschwister? Also diese ganzen Geschichten kommen dann wieder hoch; ich bin nicht unbedingt immer dafür, dass man alles geraderaus ansprechen muss. Musikzäsur Erzählerin: Johanna hatte ein konfliktbeladenes Verhältnis zu ihren Eltern. Statt Liebe erfuhr sie Strenge, Druck und Härte. Mit 18 verließ sie ihr Elternhaus, ging ins Ausland und zog in eine andere Stadt, etwa 300 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Der Kontakt zu den Eltern war eher spärlich. Als der Vater starb, besuchte sie alle paar Wochen ihre Mutter. Widerwillig. O-Ton 8 Johanna (0‘22“): Da hab ich sehr drunter gelitten, und bin da manches Mal hingefahren und völlig verzweifelt nach Hause gefahren, weil nur Boshaftigkeit war, weil sie sehr in so alten Geschichten auch wühlen konnte, die zwischen uns schief gelaufen sind und ich gedacht hab: ‚oh Gott, diese weiter Fahrt, das viele Geld, was du verfährst – das um dich fertig machen zu lassen?‘ O-Ton 9 Anne Otto (0‘13“): Jetzt ist man ja erwachsen, fühlt sich eigentlich sehr souverän, kommt dann ins Elternhaus und wird dann mit alten Sätzen und alten Triggern konfrontiert und ist dann sofort in Gefühlen aus der Kindheit. Erzählerin: Nach dem Tod des Vaters veränderte Johannas Mutter ihr Wesen. Kam mit vielem nicht mehr klar. Johanna befürchtete: Demenz. O-Ton 10 Johanna (0‘29“) Und habe dann bei einem Psychiater an ihrem Wohnort einen Termin vereinbart, um das mal checken zu lassen, da hat sie sich gebärdet wie eine Wilde: Sie wär doch nicht verrückt! Und hab mit viel Geduld es geschafft, dass sie mit mir dahin gegangen ist, dann saßen wir in der Sprechstunde, es war ein rammelvolles Sprechzimmer, wir mussten Stunden warten, sie stand mehrfach auf und wollte rausrennen, und meckerte: „Das brauch ich nicht! Ich will hier nicht warten!“ Sprecher: Rollenumkehr. Es gibt einen Punkt, an dem erwachsene Kinder ihre Eltern nicht nur unterstützen und ihnen gleichzeitig ihre Autonomie lassen, sondern in hohem Maße Verantwortung für deren Leben übernehmen. Übernehmen müssen. Erzählerin: Johannas 80jährige Mutter, so diagnostizierte der Arzt, sei in einem Stadium fortgeschrittener Demenz. So machten sich Johanna und ihre Schwester auf die Suche nach einem guten Platz für die Mutter. Hinter deren Rücken. O-Ton 11 Johanna (0‘20“): Ich hatte oft das Gefühl, ich hab nicht das Recht in ihr Leben einzugreifen. Man überschreitet Grenzen dessen, was zwischen Eltern und Kindern normal üblich ist. Ich hab viele schlaflose Nächte darüber gehabt, ich hab nicht gewusst: Darf ich das? Soll ich das? Kann ich das? Muss ich das? Es war einfach richtig, richtig schwer. Erzählerin: Es fällt leichter, so die Psychologin Anne Otto, wenn Kinder ihren alten Eltern schon in guten Zeiten über die entscheidende Frage gesprochen haben: Was ist, wenn du mal nicht mehr für dich sorgen kannst? O-Ton 12 Anne Otto (0‘49“): Und die Tendenz ist dann häufig, es bis zum letzten aufzuschieben, und ich hab ja auch für das Buch mit vielen Familien gesprochen, und es war immer wieder das gleiche Muster: Erst wenn die alten Eltern stürzen oder eine schwierigere Erkrankung da ist, dann wird dieses Thema unheimlich forciert. Auf ne Art ist das auch verständlich, aber ich glaube, dass es gut ist, mit nem bisschen längeren Anlauf… dass man guckt: Wie wollen wir das eigentlich gestalten? Denn irgendwann kommt das, und immer mal wieder dieses Thema aufgreifen: „Wie willst du später wohnen? Möchtest du mal in die Stadt ziehen, in der ich bin? Was für ne Art von Pflege?“ und dass man sich da so ein bisschen gemeinsam vortastet. Erzählerin: Johanna und ihre Mutter konnten nie darüber sprechen. Vielmehr verhakten sie sich im täglichen Kampf um die Grundversorgung: Haarewaschen, Nägel schneiden, Kühlschrank leerräumen, in dem die Mutter 15 Pakete Wiener Würstchen und sieben Pakete Butter hortete. Vieles schon vergammelt. Die Rollen kehrten sich um. O-Ton 13 Johanna (0‘06“): Das hat auch zu unglaublichem Streit geführt, dann schrie sie rum „Ich lass mich nicht entmündigen von dir, hau ab!“ Sprecher: Respektvoll und fürsorglich mit garstigen, abweisenden, vielleicht auch wütenden alten Eltern umzugehen, kann zur riesengroßen Herausforderung werden. Erzählerin: Susanne Zank sagt: Der erste Schritt ist es, anzuerkennen, dass auch das, was den Kindern als absurd und unvernünftig erscheint, in den Augen der Eltern eine Berechtigung hat: Hinter jeder Abwehrreaktion steckt eine tieferliegende Angst. O-Ton 14 Susanne Zank (0‘18“): „Man will mich entmündigen!“ Man muss im Einzelfall gucken: Was könnte dahinterstecken? Was ist die konkrete Bedrohung dieser Person vor dem Hintergrund ihrer Biografie? Was ist daran so schrecklich, Hilfestellungen anzunehmen? Erzählerin: Dabei sei hilfreich, so die Psychologin Anne Ottto ist es, wenn Kinder zuvor etwas erreicht haben, was man in der Fachsprache „filiale Reife“ nennt. O-Ton 15 Anne Otto (0‘16“): Dass man z.B. sagt: Ich will von meinen Eltern nicht mehr kindliche Bedürfnisse befriedigt haben oder ich sehe meine Eltern als ‚ganze‘ Menschen und nicht nur als meine Eltern, da gibt es Konzepte, wie man das lernen kann, in einem anderen Verhältnis zu den Eltern zu stehen. Sprecher: Filiale Reife heißt: Von den Eltern nichts mehr erwarten. Ihnen erwachsen begegnen. Akzeptieren, dass vielleicht noch alte Rechnungen offen sind, die niemals mehr beglichen werden. Und sie sehen als das, was sie sind: alte Menschen, die ihr Leben gelebt haben und nun vielleicht hilfsbedürftig sind. Erzählerin: Wenn die Eltern mit Wut und Abwehr reagieren, hilft es, etwas Grundlegendes zu verstehen, so Susanne Zank, Professorin für Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie: Die heute 80jährigen sind Kriegskinder. Und in diesen Biografien gibt es Gemeinsamkeiten: O-Ton 16 Susanne Zank (0‘29“): Dass sie sehr schnell sehr selbstständig werden mussten keine Schwäche zeigen, nicht hilfsbedürftig sein, sondern im Gegenteil: Zu einer Zeit, wo sie vielleicht selbst hilfsbedürftig waren, durften sie es nicht sein, Wenn Sie in ihrem ureigensten Kern das Gefühl haben ‚Ich muss besonders stark sein!‘, dann fällt es Ihnen auch sehr, sehr schwer, überhaupt wahrzunehmen, dass Sie jetzt weitere Unterstützung brauchen. Sprecher: Eltern, die nur schwer Hilfe annehmen können und Kinder, die sich verantwortlich fühlen. Manchmal über-verantwortlich. Ein Konflikt, der oft schwer auszuhalten ist. Musikzäsur Erzählerin: Vor einiger Zeit hatte sich Katrin große Sorgen um ihre Mutter gemacht, die für viele Wochen im Krankenhaus war. Nach einer großen Operation war sie anfangs sehr geschwächt und wackelig auf den Beinen. Katrin hatte Sorgen, dass die Mutter stürzt. In Musik einbetten O-Ton 17a Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘23“) Katrin: 31‘30“ Du hast ein Riesen Theater gemacht! „Ich geh doch nicht mit dem Rollator über die Straße! Bist du irre? Brauch ich nicht!“ geht weiter, Überhang O-Ton zum Unterlegen Erzählerin darüber: Und während Katrin argumentiert, dass der Rollator ein tolles Hilfsmittel ist, verzieht Mutter Barbara nur angewidert den Mund. Ihre größte Sorge: O-Ton 17b Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘08“) wieder hochziehen: Barbara: Dass ich hier ziemlich bekannt bin und dass dann alle Leute sehen „Guck mal, die Barbara, die geht jetzt auch am Rollator! Ist die so alt geworden? Sprecher: Brille, Hörgerät, Rollator, vielleicht auch irgendwann Inkontinenzeinlagen. Das sind nicht nur sinnvolle Hilfsmittel, sondern auch Symbole. Symbole fürs Älterwerden, für den Verlust von Fähigkeiten, für schmerzhafte Abschiede von dem, was ein Leben lang selbstverständlich war. Erzählerin: Für Barbara spricht der Rollator seine ganz eigene Sprache: O-Ton 18 Mutter und Tochter (0‘07“) Barbara: Dass man nicht mehr alleine gehen kann. Katrin: Und dass man ein tolles Hilfsmittel hat?! Barbara: Man kann so viel nicht mehr, wenn man älter wird! Erzählerin: Alt zu werden ist für viele Menschen eine ganz große Herausforderung, weiß Susanne Zank: O-Ton 19 Susanne Zank: Das ist ne massive Kränkung. Man muss sich damit arrangieren, dass Verluste häufiger werden, diese körperlichen Verluste, aber natürlich auch soziale Verluste, und insofern sind die meisten alten Menschen eigentlich sehr gut darin, sich zu adaptieren…

    Full show notes at the publisher

    Die 70er-Jahre - Utopie und Ernüchterung in der BRD Oct 17, 2024
    Show notes

    Die Siebziger Jahre begannen grenzenlos optimistisch, was sich auch in Design, Musik und Architektur widerspiegelte. Doch die Ölpreiskrise 1973 läutete das Ende des Nachkriegsbooms ein, und eine allgemeine Zukunftsangst begann um sich zu greifen. Ein Jahrzehnt zwischen Aufbruch und Krise. Autorin: Julia Devlin (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Julia Devlin
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Hemma Michel
    Technik: Susanne Harasim
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Markus Caspers, Professor für Gestaltung und Medien, Hochschule Neu-Ulm;
    Prof. Thomas Raithel, Institut für Zeitgeschichte, München

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    Literaturtipps:

    Markus Caspers: 70er. Einmal Zukunft und zurück. Utopie und Alltag 1969-1977. Köln 1997;

    Thomas Raithel: Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik. Entwicklung und Auseinandersetzung während der 1970er und 1980er Jahre. München 2012;

    Konrad H. Jarausch, Krise oder Aufbruch? Historische Annäherungen an die 1970er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 3 (2006), H. 3

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


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