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    Latest Episodes:
    Die Wiener Sezession - Der Kunst ihre Freiheit Oct 08, 2024
    Show notes

    Um 1900 suchen die Wiener Sezessionisten, allen voran Gustav Klimt, Anschluss an die europäische Avantgarde in der bildenden Kunst. Sie rebellieren gegen den rückwärtsgewandten Kunstgeschmack der etablierten Kunstinstitutionen und geben sich ein provokantes Motto: der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Von Brigitte KohnCreditsAutorin dieser Folge: Brigitte KohnRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Andreas NeumannTechnik: Simon LobenhoferRedaktion: Karin Becker Im Interview:Dr. Mona Horncastle, Kunsthistorikerin, Kuratorin, Autorin, Klimt-BiographinDr. Thomas Moser, Kunsthistoriker, technische Universität Wien Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:Margaret Stonborough-Wittgenstein - Mit Geld und Moral JETZT ENTDECKEN Jugendstil - Natur als Kunst, Schönheit und Revolte JETZT ENTDECKEN Gustav Klimt - Der Wiener Maler und der Kuss JETZT ENTDECKEN Die Wiener Werkstätte und die Frauen JETZT ENTDECKEN Literatur: Horncastle, Monika, Weidinger, Alfred: Gustav Klimt. Die Biografie. Brandstätter Verlag Wien 2018. Gut lesbare, spannende Biografie über den Jahrhundertkünstler und die Wiener Kunstszene seiner Zeit. Schulze, Sabine (Hrsg.): Sehnsucht nach Glück. Wiens Aufbruch in die Moderne. Klimt, Kokoschka, Schiele: Verlag Gernd Hatje 1997. Abbildungen, Bildinterpretationen, Essays zu einzelnen Künstlern, Motiven und europäischen Beziehungen der Sezession. Moser, Thomas: Körper und Objekte. Kraft- und Berührungserfahrungen in Kunst und Wissenschaft um 1900. Dissertation, Fink Verlag München 2022. Wissenschaftliche Arbeit über europäische Kunst um 1900 und die Querverbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft. Theoretischer Zugang: sinnesphysiologische Wahrnehmung, Tastsinn Wunberg, Gotthart: Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart Reclam 1981. Originaltexte der Literaten, Philosophen, Psychologen und sezessionsfreundlichen Publizisten (z. B. Hermann Bahr) der Wiener Moderne mit Einführung und Erläuterungen. Vergo,Peter: Kunst in Wien Klimt-Kokoschka-Schiele. 1898 – 1918. Edel books Neumühlen o. J. Bildband mit viel Text über die im Untertitel genannten Künstler und andere Künstler der Wiener Sezession, inklusive der Architekten und der Wiener Werkstätte Linktipps: Internetseite von Gesprächspartnerin Dr. Mona Horncastle HIER Internetseite von Gesprächspartner Dr. Thomas Moser HIER Internetseite zur Ausstellung über die Sezessionen in Wien, München, Berlin HIER Internetseite Leopold-Museum Wien 1900 HIER Internetseite Wiener Secession heute HIER Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATOR BAHR: „In Europa weiß man von Wien, dass dort immer Sonntag ist, immer am Herd sich der Spieß dreht …, dass es „halt“ die Stadt der Backhendel, der feschen Fiaker und der weltberühmten Gemütlichkeit ist.“ ERZÄHLERIN: Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr hasst Wien und liebt es zugleich, wie viele seiner fortschrittlichen Zeitgenossen. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Hauptstadt der österreich-ungarischen Doppelmonarchie einerseits so konservativ-katholisch geprägt wie eh und je und andererseits ein weithin ausstrahlender intellektueller Brennpunkt. Musik: For Alban Berg 0‘27 Die Wiener Moderne formiert sich. Literaten, bildende Künstler, Musiker und Wissenschaftler treffen sich in den Caféhäusern und führen intensive Debatten. Die Industrialisierung und der Aufschwung von Technik und Naturwissenschaft verändern das Leben und Denken, soziale Reformideen breiten sich aus, und rivalisierende politische Ideologien bekämpfen sich. Sigmund Freud entwickelt in Wien die Psychoanalyse, die auch die Künstler stark beeinflusst: Auch sie wenden sich nun verstärkt dem individuellen inneren Erleben zu. Derweil erbaut die Stadt Wien ihre berühmte Ringstraße ganz im repräsentativen Stil des Historismus. Ein Prachtbau nach dem anderen erinnert entweder an die Antike, die Gotik oder die Renaissance, nur nicht an die Gegenwart. Das stört den Publizisten Hermann Bahr. Musik: Stück für Klavier h-Moll 0‘25 ZITATOR BAHR: „Wir sind keine barocken Menschen, wir leben nicht in der Renaissance, warum wollen wir so tun? Das Leben ist anders geworden, (…) da muss auch das Bauen der Menschen anders werden, ihrem neuen Sinn und ihrem neuen Tun gemäß.“ ERZÄHLERIN: Nicht nur das Bauen, alle Kunst muss anders werden. Aber in den konservativen Wiener Kunstakademien und Künstlervereinigungen schottet man sich ab gegen die europäische Avantgarde, sehr zum Verdruss der jungen Künstlergeneration, die weltoffen sein und gleichzeitig die Eigenheit des Vielvölkerstaates Österreich in die internationale Kunstszene einbringen will. Die Spannungen entladen sich im Jahr 1894 in einem Kunstskandal, wie Wien ihn noch nie erlebt hat. Der aufstrebende Dekorationsmaler Gustav Klimt soll die Aula der neuen Universität mit Allegorien auf die Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin ausstatten. Klimt aber entfernt sich beim Malen seiner Fakultätsbilder stark von den Vorstellungen der Honoratioren; er malt im Stil des modernen Symbolismus. Man sieht einen Totenschädel im Bild der Medizin und einen nackten, alten, verzweifelt grübelnden Mann, umgeben von nackten, verführerischen Frauengestalten, im Bild der Philosophie: Eros und Tod kennzeichnen die Begrenztheit des menschlichen Strebens nach Wissen. Das missfällt den ehrengeachteten Professoren fast noch mehr als Klimts unkonventioneller Umgang mit Nacktheit. Bei ihm sieht man sehr viele lüsterne Blicke und bisweilen sogar das Schamhaar! Ein Proteststurm bricht los und fegt durch die ganze Stadt. Die Professoren sehen die Moral der studierenden Jugend gefährdet, sagt die Kunsthistorikerin und Klimt-Biographin Mona Horncastle. 01 O-TON DR. MONA HORNCASTLE Die möchten, dass er Dinge nachbessert, letztendlich zensieren sie ihn. Und Klimt ist erbost. Er rückt die Bilder auch gar nicht raus, zahlt sein Honorar zurück. Und in der Folge nimmt er nie wieder einen Staatsauftrag an. Musik: Erinnerung für Klavier 1‘09 ERZÄHLERIN: Es gibt neben Klimt viele weitere Künstler in Wien, deren Schaffen von den damals modernen Kunstrichtungen geprägt ist. Oft sind sie auf mehreren Gebieten gleichzeitig tätig. Klimts enger Freund Carl Moll malt hauptsächlich Landschaften und Stillleben im Stil des Impressionismus, er ist zugleich ein Meister des Holzfarbschnitts und betätigt sich auch als Kunstschriftsteller. Ernst Stöhr ist Maler, aber auch ein anerkannter Musiker und Dichter. Die Künste zueinander in Beziehung setzen, das wollen alle, die sich am 3. April 1897 in der „Vereinigung der bildenden Künstler Österreichs“, kurz Wiener Secession genannt, zusammenschließen. Neben den bereits Genannten entschließen sich unter anderen auch der von Naturalismus und Realismus geprägte Maler Josef Engelhart, die Architekten Joseph Maria Olbrich, Otto Wagner und Josef Hoffmann und der Kunstgewerbler Koloman Moser für eine Mitgliedschaft. Die Bauten der sezessionistischen Architekten und Stadtplaner prägen Wien bis heute. Sie umfassen ein breites Spektrum, darunter Heil- und Pflegeanstalten, Villen, Kirchen und Wohnhäuser. Es werden häufig radikal neue Materialien wie Beton, Glas und Eisen verwendet, die widerstandsfähig gegen Umweltverschmutzung und Witterungseinflüsse sind und dem wachsenden Hygienebewusstsein der Moderne Rechnung tragen. Die glasierten Platten an Otto Wagners Majolikahaus sind noch dazu, typisch für den Jugendstil, mit farbenprächtigen floralen Motiven verziert. Musik: Erinnerung für Klavier 0‘45 ERZÄHLERIN Aber die künstlerisch überragende Größe unter den Sezessionisten ist Gustav Klimt, und er ist auch der erste Präsident der Sezession. Sezession bedeutet Abspaltung; gemeint ist die Abspaltung von etablierten künstlerischen Traditionen und Institutionen wie den Kunstakademien der Zeit. Sezessionen gibt es auch in München und etwas später auch in Berlin. Die Wiener verzichten auf ein Programm. Jeder Künstler geht seine eigenen Wege und knüpft Kontakte zu unterschiedlichen Kollegen in anderen europäischen Ländern, um sie zur Teilnahme an den geplanten Ausstellungen zu bewegen, sagt der Kunsthistoriker Thomas Moser von der Technischen Universität Wien: 02 O-TON DR. THOMAS MOSER: Diese sehr starke Vernetzung hat auch zu einem Stilpluralismus geführt. Ein Nebeneinander von sehr unterschiedlichen Stilen hat sich auch in der Sezession niedergeschlagen. Es ist eine sehr vielstimmige Bewegung. Musik: 2. Satz Tempo di Menuetto 0‘31 ERZÄHLERIN: Die Zeitschrift der Wiener Sezessionisten, die im Januar 1898 zum ersten Mal erscheint, heißt „Ver sacrum“, übersetzt „heiliger Frühling“. Sie ist graphisch sehr aufwändig im Jugendstil gestaltet: geschwungene Linien, florale Formen. Das Titelblatt schmückt ein Bäumchen, dessen Wurzeln den Pflanztrog sprengen. 03 O-TON DR. THOMAS MOSER: Der Jugendstil leitet sich sprachlich ab von der Zeitschrift „Die Jugend“, die in München verlegt worden ist. Letzten Endes muss man sagen, dass der Jugendstil eine Art Sammelbegriff ist, in Frankreich sind dann andere Begriffe, eben „Art Nouveau“, die neue Kunst, eher üblich. In Spanien ist es der „Modernismo“, in Italien der „Stile Liberti“. ERZÄHLERIN: Ver Sacrum stellt Verbindungslinien zwischen bildender Kunst, Literatur und Musik her. Sie versteht sich als Gesamtkunstwerk und propagiert diese Idee: Alle Künste sollen zusammenwirken, damit sich die von Industrialisierung, von ethnischen Spannungen im Vielvölkerstaat und Umbrüchen im sozialen Gefüge getriebene Epoche positiv in ihnen spiegeln und einer erlösten Zukunft zustreben kann. 04 O-TON DR. MONA HORNCASTLE: Die Sezessionisten wollten nicht schockieren, sondern sie haben sehr stark auf Vermittlung gesetzt, weil sie die Kunst in den Alltag der Menschen bringen wollten. Die Sezessionisten hatten eine Mission und haben daran geglaubt, dass Kunst politisch ist. Weil sie das Leben ästhetisiert oder verfeinert, wie man damals gesagt hat, und damit das Wertesystem der Gesellschaft. Das hehre Ziel der Sezessionisten war also nichts Geringeres als Weltrettung durch Kunst. Musik: Poem für Klavier 0‘28 ERZÄHLERIN: 1898 organisieren die Sezessionisten die erste Ausstellung, in den Räumen der Wiener Gartenbaugesellschaft. Gezeigt werden vor allem Werke ausländischer Künstler, die die Wiener noch nie gesehen haben. Die Räume sind kostbar ausgestattet. Jedes Bild kommt gut zur Geltung und korrespondiert mit seiner Umgebung; diese Sorgfalt ist etwas ganz Neues in dieser Zeit. Die Wiener, die in Scharen herbeiströmen, nehmen ein ganzheitliches ästhetisches Erlebnis mit nach Hause. Selbst Kaiser Franz Joseph lässt sich empfangen, kauft aber nichts, hält also Distanz. Doch viele reiche Wiener Bürger wollen die Bilder haben, und anschließend ist genug Geld in der Kasse, um ein eigenes Ausstellungsgebäude in der Nähe des Karlsplatzes zu bauen. 05 O-TON DR.THOMAS MOSER: Zunächst ist aber geplant gewesen, den Bau für die Sezession am Opernring noch prestigeträchtiger zu platzieren. Das hat allerdings sowohl im Gemeinderat als auch im Kriegsministerium, das wäre gegenüber gewesen und war Besitzer des Baugrunds, zu heftigen Diskussionen geführt. Das Kriegsministerium hat befürchtet, dass seine Ländereien durch die vermeintlich modernistische Verschandelung an Wert verlieren würden, und enorme Preise aufgerufen, so dass als Kompromiss ein anderer Ort gefunden worden ist. ERZÄHLERIN: Der Sezessionsbau gilt mit seinen kubischen Formen und seiner auffälligen Kuppel aus vergoldeten schmiedeeisernen Lorbeerblättern als programmatische Absage an den Historismus und als Paradebeispiel für den Jugendstil in der Architektur. Er ist in moderner Weise zweckgebunden, widersteht aber mit seinem reichen Dekor und den edlen Materialien der funktionalen Nüchternheit des Industriezeitalters. Unterhalb der Kuppel prangt das Motto der Wiener Sezession in goldenen Buchstaben. ZITATOR: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit. Musik: Ode an die Freude 0‘49 ERZÄHLERIN: Im Jahre 1902, anlässlich der 14. Ausstellung, bekommt die Öffentlichkeit Klimts Beethovenfries zu sehen, der noch heute im Sezessionsgebäude betrachtet werden kann. 07 O-TON DR. MONA HORNCASTLE: Beethoven um 1900 – das war ein Superstar. Klimt malt sich an seinem Fries an der 9. Sinfonie entlang. Die hat Richard Wagner als Erster als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Das verarbeitet Klimt, und natürlich verarbeitet er auch Schillers Ode an die Freude. Die ist bei ihm im Bild aber nicht nur ein Triumphgesang, sondern das war Beethovens Gassenhauer zu der Zeit. Die Melodie hatte echt jeder im Ohr. Und so hat es Klimt geschafft, ein synästhetisches Gesamtkunstwerk zu schaffen in seinem Fries, und da packt er dann noch ganz viel Zeitgeist rein, weil: Was Klimt da malt, das ist musikalisch, das ist eine kultische Verehrung Beethovens als Genie, und das ist ein existentieller Fiebertraum. ERZÄHLERIN: Der Fries, eine zusammenhängende Bilderfolge, zeigt den Menschen, so schildert es Klimts Biografin Mona Horncastle, in seinem Ringen mit Krankheit, Wahnsinn und Tod, mit seiner Sehnsucht nach Glück und Erfüllung, und alles strebt auf das eine triumphale Ziel hin: Freude schöner Götterfunken, die Ode an die Freude. Zwischendrin zeigt auch ein Affe seine Zähne. Möglicherweise erinnert er an die Macht der sexuellen Triebe, die Sigmund Freud aus der Tabuzone geholt hat, möglicherweise auch an Darwins Evolutionstheorie, die im 19. Jahrhundert das Menschenbild und das Naturverhältnis revolutioniert. Die konservativen Wiener Bürger wollen aber durchaus nicht vom Affen abstammen und ärgern sich auch und zum wiederholten Male über Klimts nackte Frauen, weil diese eben nicht so züchtig aussehen wie die nackten Liebesgöttinnen der Kunstgeschichte. Die Wiener hätten sich mit Klimts nackten Frauen vielleicht ganz gern arrangiert, wenn er sie ausschließlich im Glanz der Jugend dargestellt hätte … 09 O-TON DR. MONA HORNCASTLE: Aber Klimt zeigt sie eben in allen Lebensphasen. Er zeigt sie jung und alt und schwanger und krank und gebrechlich. Das macht er in seinen symbolistischen Gemälden wie eben auch in dem Beethovenfries immer, weil er das Leben nicht beschönigen möchte und weil das ganz existentiell ist für sein Verständnis des Gesamtkunstwerkes. Na ja, was seine Kritiker aber sehen, ist vor allem das Skandalöse. ERZÄHLERIN: Dabei kann Klimt noch ganz anders. Seine Aktzeichnungen hält er zu Lebzeiten sorgfältig unter Verschluss. Mit Frauen, die sich selbst befriedigen, wäre die Öffentlichkeit heillos überfordert gewesen. Es reicht schon, dass Klimt niemals heiratet, aber Liebesverhältnisse mit einigen seiner Modelle unterhält und einige uneheliche Kinder hat. 10 O-TON HORNCASTLE: Klimt legt diese Zeichnungen immer als Serie an, mit bis zu 15 Blättern, und auf diesen Blättern sehen wir alle Stadien der weiblichen Selbstliebe. Klimt setzt in ihnen der Lust der Frau ein Denkmal und gesteht den Frauen zu, was seine Geschlechtsgenossen ihnen absprechen. Nämlich sexuelle Selbstbestimmung und damit Macht. Musik: 4. Satz Adagietto 0‘51 ERZÄHLERIN: Klimt setzt die Frauen auch in seiner Porträtkunst machtvoll in Szene, allerdings ganz anders. Vom Körper sind nur Gesicht und Hände sichtbar, der Rest verschwindet unter ornamentreichen Gewändern, die, flächig gestaltet, mit dem ebenso ornamental gestalteten Hintergrund verschmelzen. Betrachtet man Gesicht und Hände, so findet man einen Zugang zum Seelenleben der dargestellten Frau, man kann sich ihren einzigartigen Charakter vorstellen; während die prachtvolle Ornamentik die allgemeine kulturelle Bedeutung von Weiblichkeit für das Kunstschaffen in Szene setzt und den repräsentativen Charakter des Gemäldes betont. Diese Porträts sind regelmäßiger Teil der Ausstellungen und Klimts Haupteinnahmequelle. Die Auftraggeber stammen meist aus dem…

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    Das Volk der Yanomami - Ihr Kampf ums Überleben Oct 07, 2024
    Show notes

    Das Volk der Yanomamis im Amazonas ist bedroht: Von den Folgen des Klimawandels, aber auch von gelegten Waldbränden, rücksichtslosen Goldsuchern, einer machtvollen Agrarindustrie, Zivilisationskrankheiten. Doch der Indianerstamm kämpft um sein Überleben. (BR 2021)

    Autor/in dieser Folge: Geseko von Lüpke
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Irina Wanka, Thomas Birnstiel, Jennifer Güzel
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Matthias Eggert

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Das weiße Gold - Kautschuksammeln im Amazonas
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    Der tropische Regenwald - Bedrohter Klimapuffer
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    Interviewpartner/innen dieser Folge:
    Davi Kopenawa Yanomami, Autor, Schamane und Sprecher der Yanomami, Alternativer Nobelpreisträger;
    Dario Kopenawa, Leiter der Yanomami- Vertretung 'Hutukara';
    Bruce Albert, franz. Ethnologe;
    Gabriele Herzog-Schröder, deutsche Ethnologin, LMU München;
    Martin v. Hildbrandt, Aktivist, Alternativer Nobelpreisträger, Kolumbien;
    Christina Haferkamp, Aktivistin für indigene Völker
    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


    Tipping Points in der Klimakrise - Es gibt kein zurück Oct 07, 2024
    Show notes

    Sie gelten als eine der großen Gefahren der Klimaerwärmung, sogenannte Kippelemente. Das sind Teile des Klimasystems, die sensibel auf eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur reagieren und sich an einem bestimmten Punkt irreversibel verändern. Was sind das für Elemente und welche Folgen hätte ihr Kippen? (BR 2022)

    Autorin dieser Folge: Roana Brogsitter
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Katja Amberger und Carsten Fabian
    Technik: Susanne Herzig
    Redaktion: Matthias Eggert
    Das Manuskript zur Sendung finden Sie HIER

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    • Kampf gegen den Klimawandel – Warum tut sich der Mensch so schwer?
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    • Antarktis im Wandel – die Klimakrise und ihre Folgen
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    Infotexte zu den Kippelementen:

    • Potsdam-Institut für Klimafolgenforsschung:
      EXTERNER LINK | https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente/kippelemente
    • Helmholtz Klima Initiative:
      EXTERNER LINK | https://helmholtz-klima.de/aktuelles/kippelemente-im-klimasystem
    • The Intergovernmental Panel on Climate Change:
      EXTERNER LINK | https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_Chapter04.pdf

    Heinrich Held - Ein Ministerpräsident und der Untergang Bayerns Oct 07, 2024
    Show notes

    Heinrich Held kämpft über die gesamte Zeit der Weimarer Republik vor allem für eines: für ein starkes Bayern in einem föderalistischen Deutschland. Doch ausgerechnet er wird der Ministerpräsident sein, der 1933 den Untergang Bayerns zu verkraften hat. Von Hans Hinterberger (BR 2023)

    Credits
    Autor dieser Folge: Hans Hinterberger
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Thomas Birnstiel, Hemma Michel, Peter Weiß, Jerzy May
    Technik: Andreas Lucke
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner:
    Professor Ferdinand Kramer, Ordinarius Bayerische Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Neuzeit

    Linktipps:

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.
    EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    Tiere verstehen? - Zwischen Deutung und Forschung Oct 04, 2024
    Show notes

    Können wir Tiere verstehen? Die Verhaltensbiologie sucht nach wissenschaftlichen Antworten, Tierfreunde ziehen ihre Erkenntnisse aus dem Zusammenleben mit dem Vierbeiner. Und Philosophen haben dazu ihre eigenen Meinungen. (BR 2019) Autorin: Christiane Seiler

    Credits
    Autor/in dieser Folge: Christiane Seiler
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Baumann
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Norbert Sachser (Professor; Dr.; Verhaltensbiologe);
    Helene Richter (Professorin; Dr.; Verhaltensbiologin);
    Melanie Dufossé (notmeerschweinchen.de);
    Mareike Nieschalk (Reittrainerin)

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    Als das Tier zum Freund wurde - Geschichte des Haustieres
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    Kritisches Denken - Was genau heißt das? Oct 03, 2024
    Show notes

    Was heißt es, kritisch zu denken? Das Etikett "Querdenker" reicht dazu nicht aus, es ist nötig, kritisches Denken von Pseudorationalität zu unterscheiden. Denn es impliziert nicht nur Fragen nach einer reifen Persönlichkeit, kritisches Denken hat auch eine wichtige Funktion für unsere Demokratie. Von Inka Kübel (BR 2023)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Inka Kübel
    Regie: Kirsten Böttcher
    Es sprachen: Katja Bürkle, Diana Gaul, Christian Schuler
    Technik: Wolfgang Lösch
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Die Philosophie der Skepsis - Nichts ist wirklich wahr
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    Literaturtipps:
    Jonas Pfister, Kritisches Denken. Reclam, 2020.
    Pia Lamberty, Katharina Nocun, Fake Facts. Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen. Quadriga, Köln 2021.
    Rita Seuß, et al./ Club of Rome, Earth for All: Ein Suvivalguide für unseren Planeten, Oekom Verlag, München 2022

    Interviewpartner/innen dieser Folge:
    Dr. Jonas Pfister, Philosoph
    Dominik Teckentrup, Club of Rome

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    Die Antarktis im Wandel - Die Klimakrise und ihre Folgen Oct 03, 2024
    Show notes

    Das Antarktische Eisschild bildet die größte Eismasse der Erde. Wie lange kann sie dem Klimawandel standhalten? In den umgebenden Gewässern lebt eines der üppigsten Ökosysteme des Planeten. Die industrielle Fischerei will nun den Krill, dessen Nahrungsgrundlage. Von Marko Pauli (BR 2022)

    Credits
    Autor dieser Folge: Marko Pauli
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprach: Andreas Neumann
    Technik: Regine Elbers
    Redaktion: Matthias Eggert

    Im Interview:
    Prof. Dr. Angelika Humbert, Glaziologin und Leiterin der AWI-Arbeitsgruppe zur Eisschildmodellierung, Professorin an der Universität Bremen
    Dr. Olaf Boebel, Leiter der AWI-Arbeitsgruppe „Ozeanische Akustik“
    Prof. Dr. Bettina Meyer, Gruppenleiterin Ökophysiologie pelagischer Schlüsselarten am Alfred-Wegener-Institut und Professorin

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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Vokalpolyphonie - Die Suche nach dem perfekten Klang Oct 01, 2024
    Show notes

    Um 1200 erlebt die Welt der Musik eine Revolution: Die Entwicklung der Mehrstimmigkeit schafft neue Dimensionen des Hörens und Musikerlebens. Die Folgen dieser Revolution klingen bis heute nach. Von Markus Vanhoefer CreditsAutor dieser Folge: Markus VanhoeferRegie: Frank HalbachEs sprachen: Ditte Ferrigan, Thomas BirnstielTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Thomas Morawetz Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: "Es werde Licht, es geht immer weiter aufwärts", so könnte man einen Stil umschreiben, der sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchgesetzt hat. Die sogenannte "Gotik". Die Gotik brachte, um es ein wenig salopp zu sagen, ein wenig Licht ins vermeintlich dunkle Mittelalter. Autor: Martin TraunerJETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Zitator: Vox est aer spiritu verberatus. Die Stimme ist der von Geist beseelte Hauch,.. Sprecher: … Isidor von Sevilla, ein Musiktheoretiker des Frühmittelalters. Das Brockhaus-Lexikon schreibt: Zitator: Polyphonie. Vielstimmigkeit eines Musiksatzes bei voller melodischer Eigenständigkeit jeder einzelnen Stimme. (Musik geht weg!) )) Sprecher: Es ist im Jahr 1163 nach Christus, als auf der Pariser „Ile de cité“ eine Großbaustelle ihren Betrieb aufnimmt. Steinmetze behauen Granitblöcke und fügen sie in himmlischer Höhe zu Spitzbögen zusammen. Die Kathedrale Notre Dame de Paris entsteht. Die mächtige Kirche soll ein Gesamtkunstwerk werden, Porta coeli, die Pforte zum Paradies, ein mystischer Ort, der seinen Besuchern eine so überwältigende wie universelle Erfahrungen bietet. Zitator: Was leuchtet vor Schönheit, was entzückt durch Duft, was dem Geschmack schmeichelt, was das Ohr bezaubert, Sprecher: …sagt Suger, der Abt von Saint Denis. „Was das Ohr bezaubert“ heißt: Ein unverzichtbarer Bestandteil des theologischen Konzepts „Kathedrale“ ist Musik. (Musik 2: Perotin: „Sederunt principes“. Musik bleibt unter Text. Hilliard Ensemble. Auf: Hilliard Ensemble: „Perotin“. Sprecher: Dieses „Sederunt“ ist ein Stück, das im Umfeld der Pariser Dombaustelle gesungen wird. Es ist mindestens genauso revolutionär, wie Notre Dames gotische Architektur. Kompositionen wie diese markieren den Beginn der abendländischen mehrstimmigen Musik. Von der „Schule von Notre Dame“ spricht die Musikwissenschaft. Und noch ein weiteres, wichtiges Phänomen lässt sich mit Blick auf die soeben gegründete Kathedrale beobachten. Den entscheidenden Hinweis liefert der Reise-Bericht eines anonymen englischen Mönches. In ihm entdeckt der Leser zwei Namen, Leonin und Perotin, beide sind vor und nach 1200 Kapellmeister der Pariser Kathedrale. Leonin sei… Zitator: …Optimus organista - größter Komponist von Organa, … Sprecher: …vermerkt der Unbekannte, sein Nachfolger Perotin sei.. Zitator: …optimus discantor et melior quam Leoninus - größter Meister des Discants und noch bedeutender als Leoninus. Sprecher: Leonin und Perotin, es sind die ersten überlieferten Komponistennamen der Musikgeschichte. (Musik hoch und weg!) Sprecher: Die Erwähnung der beiden Komponistennamen ist ein Indiz für ein gesellschaftliches Umdenken: Der schöpferische Mensch tritt aus dem Dunkel des Kollektivs. Denn bisher unterscheidet der Sprachgebrauch zwischen zwei Musikertypen. Da ist auf der einen Seite der Cantor, der ausübende Musiker, zu ihnen zählt der Komponist. Der Cantor gilt als Musiker zweiter Klasse, ihm gegenüber steht der musicus, der Musiktheoretiker. Der Benediktiner Aurelius Reomensis: Zitator: Der Unterschied zwischen musicus und cantor ist so groß wie zwischen praktischem Können und Verstehen. Das praktische Können dient gewissermaßen als Sklave, während das Verstehen sozusagen als Herr befiehlt, da die Hände eines Schaffenden vergeblich arbeiten, außer das Werk wird vom Verstand belebt. (Musik 3: Perotin: „Viderunt“. Hilliard Ensemble. Auf: Hilliard Ensemble: „Perotin“. ECM 1385. Sprecher: Das erwachende Bewusstsein für individuelle kreative Leistung und die Nennung der beiden Komponisten Leonin und Perotin hängen sicherlich zusammen mit der Musik, die in Notre Dame entsteht. Natürlich hat es bereits zuvor mehrstimmige Versuche gegeben, in Paris kristallisieren sich diese Ansätze zu qualitativ hochstehenden Kunstwerken. Kompositionen dieser Art hat es bisher noch nicht gegeben. (Musik hoch!) Sprecher: Dieses „Viderunt omnes“ hat Perotin vermutlich zum Weihnachtsfest 1196 geschrieben. Es ist die erste bekannte vierstimmige Komposition der abendländischen Musik. Perotin hat das epochale Werk im so genannten Organum-Stil verfasst, der von einer rhythmischen Motorik gekennzeichnet wird. Der Begriff „Organum“ ist für unser heutiges Verständnis verwirrend, denn er hat mit dem Instrument Kirchenorgel nichts zu tun. Organa sind „Engelsgesänge“: Zitator: Celeste organum hodie sonuit in terra, / ad partum virginis superum cecinit caterva - Das himmlische Organum ertönte heute auf der Erde, / die überirdische Schar sang zur Geburt der Jungfrau,.. Sprecher: …. heißt es in einem zeitgenössischen Weihnachtshymnus. (Musik 4: Monteverdi: „Missa in illo tempore“. Daraus: “Gloria”. Sprecher darüber! The Sixteen. Sprecher: Die Ära der Vokalpolyphonie erstreckt sich über 400 Jahre. Sie entwickelt ihre erste Blüte um 1200 und verklingt im Übergang der Renaissance zum Barock an der Schnittstelle des 16ten zum 17ten Jahrhunderts. (Musik hoch) Sprecher: Dieses Gloria aus Claudio Monteverdis 1610 komponierter „Missa in illo tempore“, kennzeichnet den musikhistorischen Bruch. Erst zur Monteverdi-Zeit entwickelt sich unsere moderne Harmonielehre, die den Zusammenklang mehrerer Töne als Akkord begreift und diese Akkorde in einem funktionalen Zusammenhang bringt. Die Harmonielehre der „musikalischen Neuzeit“ denkt vertikal, die polyphonen Komponisten des Mittelalters und der Renaissance denken dagegen horizontal. Sie schichten eigenständige melodischen Linien übereinander. Ein Empfinden für Akkorde gibt es noch nicht. Das ist ein fundamentaler Unterschied. (Musik kurz hoch und weg!) Sprecher: Wie funktioniert Vokalpolyphonie? Wie sieht polyphone Kompositionstechnik aus? Was ist der geistige Hintergrund? Um das Prinzip der Mehrstimmigkeit zu begreifen, ist es notwendig, sich mit deren Entstehungsgeschichte genauer auseinanderzusetzen. Und die beginnt lange vor dem Bau von Notre Dame und Perotin. (Musik 5: Notker: „Innocentes- Sequenz „Laus tibi Christe“. Ensemble Gilles Binchois. Auf: „Musique et poesie à Saint-Gall”. harmonia mundi France Sprecher: Mit dieser einstimmigen Sequenz sind wir sind in den Jahren 500 bis 1100 nach Christus. Ohne Musiktheorie keine Praxis, denn die Mehrstimmigkeit benötigt ein ausgeklügeltes Tonsystem. Dieses Konstrukt schaffen gelehrte Mönche wie der Sankt Gallener Klosterbibliothekar Notker der Stammler oder der italienische Benediktiner Guido von Arezzo. Sie legen das musiktheoretische Fundament, auf dem die Musik des polyphonen Zeitalters ruhen wird. Diese geweihten Männer sind Wissenschaftler, die Musik als Teil der „sieben freien Künste“ betreiben. Die „Artes Liberales“ sind im Mittelalter der Kanon der universitären Bildung. Einer ihrer Fach-Bereiche ist, neben der Theologie, der Rhetorik und der Mathematik, die Musik. Allerdings nicht als ausübende Kunst, sondern als Mischung aus Musiktheorie und Physik bzw. Akustik. Der Gelehrte Cassiodor: MUSIK ENDE Zitator: Musik ist die Wissenschaft, die die Harmonie der Dinge untereinander, das heißt ihrer Klänge, nach ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten erforscht. (Musik 6: Perotin: „Dum sigillum“. Hilliard Ensemble. Auf: Hilliard Ensemble: „Perotin“. Sprecher: Was sind die musiktheoretischen Voraussetzungen der Vokalpolyphonie? Vor der Mehrstimmigkeit steht Einstimmigkeit. Aber bereits sie braucht Grundlagenforschung. Das ist zunächst die physikalische Analyse eines klingenden Tones, meist anhand einer schwingenden Saite. So führt die Beobachtung von Obertonreihen zur Entwicklung von Tonleitern. Ein zweiter Schritt zur Polyphonie ist die Erfindung einer Notenschrift mit exakter Tonhöhe. Sie ermöglicht die genaue Zuordnung von Tönen zu einem gemeinsamen Klang. Ein dritter Schritt ist folgende Überlegung: Wenn zwei Töne zusammen erklingen, was empfindet unser Ohr als wohlklingend und was nicht? MUSIK ENDE Zitator: In der Musik gibt es bestimmte festgelegte Intervalle, aus denen Zusammenklänge entstehen können, … Sprecher: … „Musica Enchiriadis“, ein berühmtes Traktat des späten 9. Jahrhunderts. Die Definition, welche Intervalle, also welche Tonabstände, konsonant und welche dissonant sind, ist eine der weitreichendsten „Regeln“ der westlichen Musik. Nach diesen Kriterien komponieren Leonin und Perotin. Und noch Jahrhunderte nach ihnen werden Komponisten nach diesen Kriterien komponieren. Musik 7: Johannes Ockeghem: „Missa Mi-MI”. Daraus „Sanctus“. The Clecrks´Group. Sprecher: Und dann gibt es noch einen wichtigen Aspekt für das Verständnis der polyphonen Musik von Perotin bis Monteverdi. Der Zusammenhang zwischen Mathematik, Musik und Theologie. Diese Idee führt uns zurück zu den „sieben freien Künsten“ des Mittelalters. In deren Philosophie gehört alles zusammen, die Bewegung der Gestirne, der Klang einer Saite, der menschliche Herzschlag, all das lässt sich in Zahlen ausdrücken. Die wiederum sind Offenbarungen einer göttlichen Harmonie. Zitator: Die Musik ist eine Lehre, bzw. eine Wissenschaft, die von den Zahlen handelt, … Sprecher: …schreibt Aurelius Cassiodor im sechsten Jahrhundert: Zitator: Auch der Himmel und die Erde und alles, was auf göttliche Anordnung hin geschieht, besteht nicht ohne Musik; wie Pythagoras bezeugt, ist diese Welt durch Musik begründet und wird durch Musik gelenkt. Musik 8: Philippe de Vitry: „Impudenter Circumvivi”. Sprecher darüber! Auf: Sequenzia: “Philippe de Vitry“ deutsche harmonia mundi. Sprecher: Von der Mystik zum realen Klang. Musik ist immer ein Fall von Moden, was heute in ist, ist morgen out. Das 13. Jahrhundert. Paris ist das Zentrum der frühen Mehrstimmigkeit. In der Seine-Stadt werden Innovationen entwickelt und allgemein gültige Standards gesetzt. Der erste polyphone Megatrend ist das Organum. Um 1250 wird es von einer Form verdrängt, die für die Mehrstimmigkeit genauso bedeutend sein wird, wie die Sonate für Klassik und Romantik: Die Motette. Sprecher: Das Revolutionäre an der mittelalterlichen Motette ist ihr Umgang mit dem Text. Der Begriff Motette selbst ist eine Verkleinerungsform des französischen „mot“, auf deutsch „Wort“, und bedeutet so viel wie „viele kleine Wörtchen“, denn in ihr werden die Stimmen, manchmal jede für sich, neu textiert. Diese Neu-Dichtung kann sowohl kirchlich als auch weltlich sein. (Musik 9: privat: Anonymus: „Je ne chant pas“. Auf: Gothic Voices: „The Marriage of Heaven and Hell”. ) Sprecher: „Je ne chant pas“ ist diese Motette eines unbekannten Meisters des 13. Jahrhunderts überschrieben. Zitator: Ich singe nicht aus Heiterkeit oder Fröhlichkeit, denn die Liebe hat mich so lange leiden lassen. Ich werde mich nie von diesem Leiden geheilt sehen. Denn niemand außer ihr kann mich wieder gesund machen. Sprecher: Dem allegorischen Liebesleid steht in einer anderen Gesangsstimme Liebeslust gegenüber: Zitator: Ich möchte ihr zuliebe singen, die ich so lange geliebt habe. Gott! Ich fand so viel Vergnügen daran, sie anzuschauen, ihren schönen Körper und ihr rosiges Gesicht. (Musik kurz hoch!) Sprecher: Motetten wie diese gelten als elitär und sublim. Zitator: Diese Art von Musik sollte nicht vor der breiten Bevölkerung aufgeführt werden, denn diese versteht weder ihre Subtilität, noch hat sie Freude daran, sie zu hören, … Sprecher: …warnt ein Traktat des Jahres 1300. Das heißt auch, mit der Motette verlässt die musikalische Hochkultur die Kathedrale und erschließt sich ein höfisches Umfeld. (Musik hoch mit Schluss.) Sprecher: Im Jahr 1322 sorgt eine Abhandlung für Aufsehen, die einer ganzen musikgeschichtlichen Epoche den Namen gibt. „Ars Nova“. Verfasser ist Philippe de Vitry, ein ehemaliger Student der Pariser Sorbonne, der seine Kirchenkarriere als Bischof von Meaux beenden wird. Zitator: Wisse, dass Musik die Wissenschaft vom richtigen Singen ist, … Sprecher: …steht in der Einleitung eines Traktates, in dem sich Philippe de Vitry mit einem essenziellen Problem der polyphonen Musik seiner Zeit auseinandersetzt. In der damals gebräuchlichen Notation lassen sich schwierige rhythmische Verhältnisse nicht darstellen. Eine Lösung dieses Dilemmas wäre ein einfaches Hilfsmittel, der Taktstrich. Doch auf diese naheliegende Idee kommen selbst die klügsten Musiktheoretiker über Jahrhunderte nicht. Stattdessen erfindet de Vitry Sonderzeichen und komplexe Regeln für Rhythmusmodelle. (Musik 10: / privat: Philippe de Vitry, Cum statua. Motette zu 3 Stimmen, BLUE, Music of the Gothic Era (CD 2); ZEIT: 01:20 Sprecher: Diese Innovationen erschweren das Verständnis eines Notentextes ungemein - Notationskunde ist heute ein Fach der Musikwissenschaft - andererseits öffnen sie den Komponisten das Fenster zu bis dahin nicht realisierbaren Gestaltungsmöglichkeiten. „Ars Nova“ bedeutet deshalb, eine „neue Kunst“ als Avantgarde, die sich bewusst gegen die „alte Kunst“ „Ars antiqua“ abgrenzt. (Musik hoch) Sprecher: Philippe de Vitry, der Vordenker der „Ars Nova“, ist einer der führenden Intellektuellen seiner Zeit, der musikalische Superstar des 14. Jahrhunderts ist jedoch ein anderer: Der Kleriker, Höfling, Komponist und Dichter Guillaume de Machaut. Das Allround-Genie, das viele seiner Texte vertonte, soll sogar von Groupies umschwärmt worden sein. So raunt ein weit verbreitetes Gerücht, der alte Machaut sei den Verführungskünsten eines 17-jährigen Mädchens aus dem Hochadel erlegen, das an seinem Ruhm teilhaben wollte. Das Ergebnis der „unheiligen“ Liaison ist angeblich einer der ersten Liebesromane der französischen Literatur: „Le Livre du voir dit - Das Buch von der wahren Dichtung“. In einer pikanten Szene überreicht die blutjunge Protagonistin ihrem Geliebten, einem nicht mehr ganz taufrischen Poeten, den goldenen Schlüssel zu ihrem Keuschheitsgürtel, der Clavette. Zitator: Und die Musik ist eine Wissenschaft, sie will, dass man lacht, singt oder tanzt,… Sprecher: …heißt es im Prolog eines Machaut-Manuskripts. Musik 11: Guillaume de Machaut: „Ma fin est mon commencement“. Sprecher beginnt bereits unter Text! Hillard Ensemble. Sprecher: Superstar Machaut, der Erfolg verhilft dem Kanonikus der Kathedrale von Reims zu einem außergewöhnlichen Künstlerleben. Machaut kann sich seine Mäzene aussuchen. Er schließt sich dem Hofstaat des Herzogs Johann von Luxemburg an, den er auf dessen Reisen und Kriegszügen begleitet. Vermutlich ist Machaut sogar vor Ort, als Johann in der Schlacht von Crécy, dem Ausgangspunkt des 100-jährigen Krieges zwischen Frankreich und England fällt. MUSIK ENDE (Musik 12: Guillaume de Machaut: „Missa de Notre Dame“, Daraus: „Agnus Dei“. Sprecher nach kurzer Zäsur darüber. Hillard Ensemble. Sprecher: Neben seinem so facettenreichen wie raffinierten weltlichen Oeuvre hat Guillaume de Machaut auch als Kirchenkomponist ein musikhistorisches Ausrufezeichen gesetzt. Um 1360 verfasst er die „Messe de Notre Dame“. Es ist die älteste uns bekannte Vertonung des liturgischen Mess-Textes eines einzelnen Komponisten. (Musik hoch!) Sprecher: Komponisten wie Machaut oder Perotin verbindet eines: Die Art und Weise, wie sie komponieren. Sie denken nicht, wie wir heute, in vertikalen Akkorden, sondern horizontal. Das heißt, die Meister der Polyphonie schichten Linie über Linie. Grundlage ihrer Werke ist der so genannte Cantus, eine vorgegebene Melodie. Diese Melodien, es sind meist bereits gebräuchliche liturgische Gesänge, werden zunächst nicht im Original übernommen. Die Notre-Dame-Schule ve…

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    Begeisterung - kindlich, kostbar, intensiv Oct 01, 2024
    Show notes

    Für Kinder ist sie das Normalste der Welt: Begeisterung! Neugier und große Hingabe an kleinste Dinge gehört zur Grundausstattung der Kindheit. Es sind die Triebfedern, mit denen sich kleine Kinder durch unsere Welt bewegen. Wie können wir diesen kostbaren "Dünger fürs Gehirn" ins Erwachsenenalter retten! Von Anja Mösing (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Anja Mösing
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprach: Hemma Michel
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Im Interview:
    Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, ehem. Prof. Uni Göttingen
    André Stern, Autor, Komponist, Freibildungsexperte, Frankreich

    Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast
    Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.
    ZUM PODCAST

    Literatur:

    Stern, André: Begeisterung. Die Energie der Kindheit wiederentdecken, Elisabeth Sandmann Verlag, München 2019 (Sensibilisiert mit zahlreichen Beispielen für den verletzbaren kindlichen Alltag der Begeisterung. Sehr ansprechend gestaltetes Buch!)

    Stern, André: Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben, Elisabeth Sandmann Verlag, München 2020 (Sensibilisiert mit vielen Beispielen und Fotos für eine vertrauensvolle Sicht auf spielende Kinder. Sehr ansprechend gestaltetes Buch!)

    Hüther, Gerald: Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011 (Spannend geschriebenes wissenschaftliches Basiswissen zur Frage, wie unser Gehirn arbeitet und welche Rolle die Begeisterung dabei spielt.

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

    Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | Radiowissen
    JETZT ENTDECKEN

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Verwüstung - Wenn der Boden nutzlos wird Sep 30, 2024
    Show notes

    Weltweit geht in jedem Jahr eine Fläche an nutzbarem Boden verloren, die halb so groß wie die EU. Geht es so weiter, wie bisher, drohen zwei Drittel der Landfläche in den nächsten Jahrzehnten unfruchtbar zu werden. Die Desertifikation schreitet in fast allen Ländern dieser Welt voran. Sie ist ein globales Umweltproblem. Von Dagmar Röhrlich (BR 2021)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Dagmar Röhrlich
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Christian Baumann, Rahel Comtesse, Andreas Neumann, Johannes Hitzelberger, Gudrun Skupin
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Professor Roland Baumhauer, Universität Würzburg;
    Professor Barron Joseph Orr, UNCCD;
    Dr. Ibrahim Thiaw UNCCD;
    Dr. Alisher Mirzabaev, ZEF

    Linktipps:

    Seite der Deutschen Gesellschaft für Zusammenarbeit zum Weltwüstentag 2021:
    EXTERNER LINK | https://www.desertifikation.de

    Weltatlas der Desertifikation, European Commission: Joint Research Center:
    EXTERNER LINK | https://wad.jrc.ec.europa.eu

    Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation:
    EXTERNER LINK | https://www.unccd.int/sites/default/files/relevant-links/2017-01/German%20%28including%20all%20annexes%29.pdf

    Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.


    RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
    ARD Audiothek | RadioWissen
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    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


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