Show notes
Eigentlich sollten sie höchstens zwei Jahre dableiben, arbeiten und wieder gehen - "Gastarbeiter" eben. Dass sie "Türkentum und Nationalgefühl hochhalten" war das Erste, was im umfangreichen Verfahren getestet wurde, das die deutsche und die türkische Regierung im Jahr 1961 mit dem "Anwerbeabkommen" beschlossen hatten. Aber wie bemerkte der Schriftsteller Max Frisch einmal: "Wir riefen Arbeiter, und es kamen Menschen". Bettina Weiz erzählt die Geschichte von dieser "Menschwerdung". (BR 2011) CreditsAutorin dieser Folge: Bettina WeizRegie: Bettina WeizEs sprachen: Ruth GeiersbergerRedaktion: Brigitte Reimer Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ATMO (Nähen) darauf ERZÄHLERIN: Anzüge, Westen, Herrenhemden auf Maß: All das näht der Schneider Ethem Kocer bis in die 60er Jahre hinein in seinem Heimatdorf mitten in der Türkei. Musik: C127867/007 ERZÄHLERIN: Sein Geschäft läuft auf Pump: Er borgt sich Stoffe und Nähseide von Großhändlern, gibt wiederum seinen Kunden Kredit. 1. Zsp. / Ethem Kocer „Im Jahr zweimal zahlen die dann. Die Bauern, wann Getreide verkauft ist.“ Nochmal ATMO (Nähmaschine). Darauf 2. Zsp. / Ethem Kocer „64 es hat nicht geregnet. Leider kein Getreide geworden. Wir haben dann Zuckerrübenernte gewartet. Hat auch nicht geworden: wenn es nicht regnet, dann wird der net. Dann hab ich pleite gemacht.“ ERZÄHLERIN: Da beschließt er, nach Deutschland zu reisen. Musik aus 3. Zsp. / Ethem Kocer „Ja ohne zu denken! Ohne zu denken. Einfach kommen und arbeiten, etwas Geld machen, wieder zurückgehen.“ Musik: CD54790/006 ERZÄHLERIN: 400 Kilometer weiter östlich in der Türkei lebt zur gleichen Zeit Makbule Kurnaz in einem Bauernhaus mit Garten, zwei Kühen, Katzen, Hunden und Hühnern. Ihr Vater fährt jeden Morgen mit dem Motorrad in eine Zuckerfabrik und arbeitet dort als Aufseher. Musik aus 4. Zsp. / Makbule Kurnaz „Eine Diktatore. Wie Pascha. Wie Harem Pascha.. ERZÄHLERIN: Er hat nacheinander drei Frauen und fünf Kinder, das älteste ist ein Sohn, der einzige Junge in der Familie. 5. Zsp. / Makbule Kurnaz „Deswegen meine Vater wollte, der ist nach Deutschland zum Studieren gehen. Er ist Jahre 70 nach Deutschland gekommen, hat dort gearbeitet. Hat gleich deutsche Frau gefunden, Auto gekauft, ganz elegant angezogen, „aha„, hab ich mir gedacht, „Deutschland ist gut wie hier“. Lacht. ERZÄHLERIN: Als er so hübsche Fotos aus München schickt, ist Makbule 21 - und verliebt. 6. Zsp. / Makbule Kurnaz „Jemand wollte mit mir heiraten, Vater hat nicht erlaubt. Bei uns Anatolien solche Geschichte viele. Ich darf nicht in meine Herz wer ist, Vater hat entschieden, dass ich mit jemande unbedingt heiraten müssen. Ich wollte nicht, hat Vater gesagt, „ja, meine Tochter, du kannst auch gehen. Entweder heiraten oder Deutschland gehen“. Ich hab gesagt „dann gehe ich Deutschland. Bitte, bitte, bitte schick mich nach Deutschland“. Musik: C127867/13 ERZÄHLERIN: Geldnot, der Wunsch nach Qualifikation, das Streben nach Freiheit von strikten Familienoberhäuptern, vielleicht Abenteuerlust: Die persönlichen Gründe, weshalb sich seit den 60er Jahren weit über eine Millionen Menschen aus der Türkei auf den Weg nach Deutschland gemacht haben, sind vielfältig. Alle hoffen auf ein besseres Leben. Kreuzblende zu: 6108376 7. Zsp. / Ethem Kocer „Vor uns von Italiener, Griechen, Spanier sind gekommen.“ ERZÄHLERIN: … um Berge abzuschürfen, Elektroschalter zu montieren oder Autos zusammenzuschrauben. Seit Mitte der 50er Jahre hatten deren Regierungen mit der Bundesrepublik sogenannte Anwerbeverträge geschlossen. Ein bewährtes Vorgehen, erklärt der Historiker Christoph Rass von der Universität Osnabrück. Musik aus 8. Zsp. / Christoph Rass „Die Anwerbeverträge sind als Institution entstanden schon nach dem I. Weltkrieg, mit einem Anwerbevertrag, den Frankreich und Polen im Jahr 1919 geschlossen haben, und seitdem entwickelt sich diese Institution auf der internationalen Bühne, wird vor allem in Westeuropa genutzt, auch Deutschland ist Ende der 30er Jahre schon über einen solchen Vertrag beispielsweise mit Italien verbunden.“ ERZÄHLERIN: Die Anwerbeverträge regeln, dass und wie das deutsche Arbeitsamt in einem fremden Staat Leute rekrutiert. Auch die türkische Regierung möchte einen solchen Vertrag abschließen. 9. Zsp. / Christoph Rass „Die Türkei selbst hat im Rahmen ihrer Wirtschaftsentwicklungspläne begonnen, sehr stark auf den Export von Arbeitskraft zu setzen.“ Musik: CD54790/006 ERZÄHLERIN: Denn die Wirtschaft kriselt. Die Regierung ist schwach. 1960 putscht das Militär. Die anderen NATO-Staaten schauen besorgt auf das Mitglied am strategisch wichtigen Südost-Ende des „Eisernen Vorhangs“. Es herrscht Kalter Krieg. Seit 1959 stationieren die USA in der Türkei Mittelstreckenraketen. Atomwaffen. MUSIK AUS ERZÄHLERIN: Es trifft sich, dass viele bundesdeutsche Firmen Arbeitskräfte suchen - wegen der neu eingeführten Fünftagewoche, weil die Ausbildungen länger werden, weil die geburtenschwachen Kriegsjahrgänge ins Berufsleben einsteigen. Wegen der Mauer ist der Strom von Übersiedlern aus der DDR abgeebbt. 10. Zsp. / Christoph Rass „Zugleich hat aber Deutschland, als auf diplomatischem Wege angetragen wurde, ob die Anwerbung von Arbeitskräften in der Türkei in Frage käme, zunächst reserviert reagiert. Denn man hat einen internen Grundsatz verfolgt: keine Arbeitskräfte aus sogenannten „nichteuropäischen Staaten„ anzuwerben, und hier wertete man die Türkei als einen nicht-europäischen Staat. Man hat sich auf deutscher Seite immer überlegt, was man der deutschen Gesellschaft zumuten kann an fremdländischen ArbeitnehmerInnen. Und das zählte zu den Motiven, die Deutschland dazu bewogen hat, keinen Anwerbevertrag abzuschließen, sondern auf dem diplomatisch niedriger angesiedelten Wege des Notenwechsels eine Anwerbevereinbarung abzuschließen.“ ERZÄHLERIN: Viele Regelungen der Vereinbarung vom 30. Oktober 1961 sind anders als in den Verträgen etwa mit Italien, Griechenland oder Spanien. 11. Zsp. / Christoph Rass „Während es also in der Regel bei Anwerbeverträgen so war, dass die Arbeitsverträge im Prinzip immer wieder verlängert werden konnten, war es so, dass bei der 1. Fassung des deutsch-türkischen Abkommens eine Höchstverweildauer von 2 Jahren eingeplant war. Dass kein Familiennachzug vorgesehen war.“ ERZÄHLERIN: Das Folge-Abkommen von 1964 hebt diese Einschränkungen teilweise auf. Aber das Ziel bleibt: 12. Zsp. / Christoph Rass „Man wollte auf jeden Fall sicherstellen, dass es nicht zu einer Niederlassung türkischer ArbeitnehmerInnen in Deutschland kommt.“ ATMO (Nähen). Darauf ERZÄHLERIN: Anfang der 60er Jahre sitzt der türkische Schneider Ethem Kocer im Zug, erst nach Istanbul, dann quer durch Bulgarien, Jugoslawien und Österreich bis München. Im Sechserabteil, zwei Nächte und drei Tage lang. 13. Zsp. / Ethem Kocer „Natürlich! Sitzend schlafen. Der Zug ist angekommen. Gleis 11. 15. Zsp. / Ethem Kocer „Mich dann mein Freund abgeholt. Er war schon Deutschland, hier Jura studiert, und die wollten dann Export aufmachen.“ ERZÄHLERIN: Statt als Gastarbeiter nach der Anwerbevereinbarung ist Ethem Kocer mit eigenen Kontakten eingereist. 16. Zsp. / Ethem Kocer „Ich war so eilig, ich wollte da unbedingt hingehen! Als Tourist bin ich gekommen, als Tourist hab ich dann normal Pass bekommen. Mit 800 Mark durfte man ausreisen. Hab ich dann von Bank 800 Mark Devisen gekauft in der Türkei, als Tourist darfst du dann 3 Monate bleiben mit das Geld damals.“ ERZÄHLERIN: Aus dem Export-Geschäft des Freundes wird nichts. Einen Arbeitsvertrag darf er als Tourist auch nicht unterschreiben. (Da meldet er sich - das geht - als landwirtschaftlicher Helfer in Niederbayern. 17. Zsp. / Ethem Kocer „Ich hab mein Chancen versucht, irgendwie hier. Und dann von Ergolding, also 3 Monat später wollte Anmeldung machen in München. Haben sie mir dann net erlaubt, also mein Pass haben sie dann zurück stempelt,) ich musste wieder nach Türkei.“ MUSIK: C54790/006 ERZÄHLERIN: Wäre er nicht auf eigene Faust gekommen, sondern mit Hilfe der Anwerbevereinbarung, hätte er mehr Sicherheit gehabt. Christoph Rass. 18. Zsp. / Christoph Rass „Anwerbeverträge minimieren die Risiken und die Kosten der Migration für alle Beteiligten. Die beteiligten Staaten erhalten Zugriff auf Migrationsströme und können versuchen, diese in gewissen Grenzen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und die MigrantInnen selbst erhalten vielfältige Hilfestellungen und vor allen Dingen verbriefte Bedingungen in den Arbeitsverträgen, dass ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeiter, die im Rahmen einer solchen Anwerbung auf den Arbeitsmarkt kommen, gleich behandelt werden wie inländische Arbeitnehmer.“ Musik aus ERZÄHLERIN: Makbule Kurnaz geht 1971 den offiziellen Weg. Sie bewirbt sich erst in der Hauptstadt ihrer Provinz, bekommt dann einen Termin im fernen Istanbul. Ihre erste große Reise. Der Vater und sie logieren bei Bekannten und im Hotel und besuchen immer wieder die Außenstelle des deutschen Arbeitsamtes. 19. Zsp. / Makbule Kurnaz „Eine Woche lang Untersuchung gemacht, von Kopf bis Fuß, alles, alles. Blut, Urin, alles. Viele Menschen, allererste mal war ich alleine, Vater war draußen, ich war drin, kontrollieren, eines immer hat mich gestört, dass ich ganz nackig müssen.“ 20. Zsp. / Christoph Rass „Grade diese Gesundheitsuntersuchungen, die auch sehr intime Bereiche berührt haben, die sind als ganz massive Eingriffe in die Intimsphäre der ArbeiterInnen empfunden worden vielfach, und das hat die Wahrnehmung und die Geschichte dieser Anwerbung sehr geprägt.“ ERZÄHLERIN: Augen, Gebiss, Geschlechtsorgane: Makbule Kurnaz wird durch und durch getestet - und für zu leicht befunden. 21. Zsp. / Makbule Kurnaz „Hat gesagt, „gesundheitlich haben Sie Probleme„. - „Was denn?„ - „Blutarm. Wenig Blut im Körper, und Sie sind schlank wie 50„. Ich muss unbedingt 50 sein, ich war 48, ganz dünn, junge Mädchen.“ ERZÄHLERIN: Sie reisen wieder zurück in ihre Provinz - und der Vater sucht zwischen Istanbul, Ankara und dem Schwarzen Meer nach frischem Blut. 22. Zsp. / Makbule Kurnaz „In Samsun Blutspende gefunden, von eine Militär habe ich eine Blut bekommen. Mehr wie Pfund, Kilo hat gesagt, Vater hat das gezahlt, Blut gegeben, hat mit der Ernährung bisschen besser: Honig, Butter, Milchprodukte, Joghurt und so.“ ERZÄHLERIN: Ein Jahr vergeht. Makbule Kurnaz, die keinen Schulabschluss hat, macht einen Schneiderkurs: 23. Zsp. / Makbule Kurnaz „Nochmal nach Istanbul gefahren, „Oh, hat gesagt, ok, gesundheitlich ok, die Zeugnis hilft was, aber wir haben eine Angebot, dass Sie vielleicht mal, wenn Sie gescheit sind, nach eine elektrische Firma, egal, Grundig, Saba, irgendwo, Siemens braucht dringend mehr Leute, junge Frauen unter 25.„ Da hab ich Glück. Da hab ich gesagt „Vati, ich kann das machen“. In eine Zimmer, 20 Mädchen, wie Universität Prüfung, haben wir Prüfung gemacht. Irgendwelche Farbe, Linie, mit die Figuren, jetzt wie Kinder, Puzzle und so was, habe ich alles perfekt gemacht, null Fehler und geschafft. Ok, hab ich gleich von der Siemens die Einladung bekommen, in 2 Tage, hat er uns noch 10 Wörter gegeben: „ja, nein, ok, falsch, richtig“ - so was, die muss mer auswendig wissen, dann hat alles geklappt, hat gesagt „ok, Sie sind die Erste für Siemens, Mitarbeitervertrag wird 1 Jahre.“ MUSIK: Z9382937/010 ERZÄHLERIN: Wie viele angeworbene Türkinnen in den 70er Jahren kommt Makbule Kurnaz mit dem Flugzeug nach Deutschland. Eine freundliche Dolmetscherin und ein Bus stehen schon bereit, und im Bunker unter dem Münchner Hauptbahnhof, dem Ersten, was frisch Angeworbene nach ihrer Ankunft zu sehen bekommen, gibt es Brote, Wurst und Käse. 24. Zsp. / Makbule Kurnaz „Mit Vertrag ich bin garantiert, holte mich jemand, gibt immer mit Programm, geführt. Ok. Angekommen, dort abgeholt, mit Liste, so wie Tourist-Organisation.“ Musik aus ERZÄHLERIN: Sie kommt in ein Wohnheim direkt gegenüber vom Werkstor, teilt das Zimmer mit den Stockbetten und die Küche mit drei anderen Frauen. „Mädchen“, sagt sie. 25. Zsp. / Makbule Kurnaz „Mädchenwohnheim. Unter Kontrolle gekommen. Haben wir Vertrag, auch Heim-Vertrag, durften wir nicht irgendwann von Wohnheim weggehen, 4 Jahre alleine dort gewohnt. Bis 10 Uhr muss man zurückkommen. Pförtner sitzt da.“ ERZÄHLERIN: Mit der Arbeit kommt sie klar. Ihre Vorarbeiterin ist selbst Türkin. Der Bruder, der auch in München lebt, nimmt sie in die Disco mit und Weihnachten mit zum Urlaub ins Heimatdorf. Seine Verlobte – eine Deutsche - ist auch dabei. Das gefällt dem Vater nicht. Er verstößt seinen Sohn. MUSIKAKZENT: C54780/006 ERZÄHLERIN: Makbule Kurnaz fasst den Entschluss ihres Lebens: sie bleibt in Deutschland. 26. Zsp. / Makbule Kurnaz „Ich wollte nur ein Jahr, aber doch: Mein Bruder da, mir alles gefallen, ich bleibe. Dann hab ich Vertragverlängerung unbefristet bekommen. Von Siemens. Natürlich von der Kreisverwaltung wird auch verlängert, alles hab ich, längere Jahre bekommen. Dann bin ich geblieben. Voll zufrieden.“ Musik aus 27. Zsp. / Christoph Rass „Tatsächlich zeigen alle Beispiele, die wir kennen, dass Anwerbeprozesse nie rein temporär bleiben. Der größte Teil der ArbeitnehmerInnen, die während der Anwerbephase, also zwischen 1955 und 73, nach Deutschland gekommen sind, haben Deutschland wieder verlassen. Aber es sind eben auch etwa 4 Millionen ArbeitnehmerInnen und ihre Familien in Deutschland zurückgeblieben und haben sich für einen längerfristigen Verbleib, gar für die Niederlassung, für eine Einwanderung, entschlossen.“ ATMO (Nähen). Darauf ERZÄHLERIN: Auch Ethem Kocer, der türkische Schneider, kommt wieder - und bleibt. Er hat in Deutschland sofort seine Liebe gefunden. 28. Zsp. / Ethem Kocer „Sonntag bin ich gekommen, Montag hab ich dann mein deutsche Frau kennengelernt. Deutsche. Wir haben da Kaffee gemacht, Kaffee und Kuchen, dort habe ich sie kennengelernt.“ ERZÄHLERIN: Vier Monate nach seiner Rückkehr in die Türkei findet sein Münchner Freund eine Arbeit für ihn als Trambahnschienenputzer. Ethem Kocer erhält eine Aufenthaltsgenehmigung und setzt sich ein zweites Mal in den Zug nach Deutschland. 29. Zsp. / Ethem Kocer „So weitergegangen, also Freundschaft, und dann - 71 geheiratet wir sind dann.“ ERZÄHLERIN: Sie bauen sich ein Haus im Vorort Gröbenzell. Er gründet sein eigenes Schneider-Unternehmen. MUSIK: Z9382937/010 ERZÄHLERIN: Viele Arbeitskräfte aus der Türkei kommen und gehen. Manche arbeiten ein Jahr in Deutschland, um das Geld für ein Moped zusammenzubekommen und gehen dann zurück, kehren später aber wieder, etwa um auf ein neues Hausdach hinzuarbeiten, retour in die Türkei und so fort. Im Herbst 1973 ist es damit aus. Die Ölkrise macht den Westeuropäern Angst. Und rechtfertigt die Anwerbestopps, die die Regierungen der klassischen Zielländer für ausländische Arbeitskräfte erlassen: Frankreich, Schweiz, Großbritannien, Schweden, auch die Bundesrepublik. Die Folgen der Stopps sind unerwartet: Es kommen mehr Menschen. Musik aus 30. Zsp. / Christoph Rass „Als die Anwerbung ausgesetzt wird, da entscheiden sich ganz viele MigrantInnen, zunächst mal in Deutschland zu bleiben. Denn sie wissen: wenn sie jetzt das Land verlassen, ihre Arbeitsstellen aufgeben, dann können sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurückkehren. Und…
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