Woher stammt die “Quarantäne”? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de
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Warum ist die Krim für Russland so wichtig?
Feb 04, 2022
Show notes
Sewastopol auf der Krim: eisfreier Hafen, strategisch günstig gelegen
Das ist nicht erst seit Wladimir Putin so, sondern im Grunde schon seit dem 18. Jahrhundert, als Russland die Halbinsel im Krieg mit dem Osmanischen Reich unter seine Kontrolle brachte und 200 Jahre lang behielt.
Die Krim ist für Russland deshalb so wichtig, weil der dortige Hafen Sewastopol einer der wenigen eisfreien Häfen Russlands ist – zumindest auf der europäischen Seite.
Das ist kaum zu glauben, wenn man auf der Karte dieses Riesenland betrachtet und der Küstenlinie folgt. Aber tatsächlich: Da ist St. Petersburg an der Ostsee – die friert in der Gegend gelegentlich zu. Außerdem käme eine russische Flotte von dort im Zweifel nicht weit, denn um bis in den Atlantik zu gelangen, müsste sie durch die Meerengen bei Dänemark und Norwegen – beides NATO-Staaten.
Im Norden gibt es den Hafen Murmansk. Er liegt im skandinavischen Teil Russlands und ist dank des Golfstroms eisfrei, aber sowohl militärisch als auch handelstechnisch gesehen sehr weit ab vom Schuss.
Weiter im Osten grenzt Russlands Norden ans Arktische Meer. Das ist über große Strecken im Winter – zumindest noch – vereist, auch wenn durch den Klimawandel die eisfreien Tage zunehmen.
Richtung Sibirien wird es immer eisiger. Im Osten befindet sich der große Hafen Wladiwostok. Auch vor dem treibt im Winter Eis, sodass es ein gewisser Aufwand ist, ihn freizuhalten. Außerdem liegt Wladiwostok nicht am offenen Pazifik, sondern am Japanischen Meer. In den Pazifik geht es von dort durch Meerengen, die von Japan und Südkorea kontrolliert werden. In Friedenszeiten ist das kein Problem, aber Russland hat schon viele Kriege erlebt und denkt einen möglichen Kriegszustand immer mit bei seinen strategischen Planungen.
Sewastopol: militärisch und wirtschaftlich für Russland von großer Bedeutung
Deshalb ist die Krim für Russland so wichtig: Ein großer ganzjährig eisfreier natürlicher Tiefwasserhafen in relativer Nähe zu den Städten, in denen die meisten Russen leben. Militärisch ist die Lage zwar suboptimal, denn ins Mittelmeer kommt man von dort nur durch den Bosporus und der wird vom NATO-Mitglied Türkei kontrolliert. Und die kann im Kriegsfall die Meerenge sperren, was sie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auch getan hat. Aber immerhin hat Russland im Kriegsfall von der Krim aus eine perfekte Kontrolle über das Schwarze Meer.
Östlich der Krim gibt es noch den Hafen Noworossijsk. Er ist der vom Umsatz her wichtigste Handelshafen Russlands. Moskau hat ihn auch militärisch ausgebaut und einen Teil seiner Schwarzflotte auch dorthin verlegt. Aber er ist deutlich kleiner und hat Grenzen. Er ist kein natürlicher Tiefwasserhafen – Tiefwasserhäfen werden für Tanker aber auch für Flugzeugträger benötigt. Militärisch dient er deshalb vor allem als Unterstützung von Sewastopol, ist aber kein gleichwertiger Ersatz. Der übrige Teil der russischen Schwarzmeerküste ist dann immer weiter im Osten und hat ein gebirgiges Hinterland, beides Faktoren, die aus russischer und logistischer Sicht große strategische Nachteile bedeuten würden.
Ukraine stürzt 2014 den russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch
200 Jahre lang gehörte die Krim zu Russland; die Zaren siedelten zunehmend ethnische Russen auf der Halbinsel an – eine Praxis, die Stalin fortsetzte und die zu einer insgesamt prorussischen Bevölkerung auf dem Halbinsel führte. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Nikita Chruschtschow die Krim zu einem Teil der Ukraine. Die war damals Teil der Sowjetunion, daher war das für Russland zunächst kein Problem. Auch nicht, als die Sowjetunion zerfiel und die Ukraine eigenständig wurde, denn die Regierungen in Kiew haben sich bis 2014 gut mit Moskau arrangiert und Russland konnte auf der Krim seinen Hafen in Sewastopol weiter betreiben.
Erst durch die Unruhen 2014, dem Sturz von Viktor Janukowitsch und der Hinwendung der Ukraine Richtung EU und vor allem Richtung NATO ist aus russischer Sicht die Sicherheit des Hafens und des Stützpunkts nicht mehr garantiert. Deshalb ließ Putin die Krim annektieren. Denn die ist für ihn weitaus wichtiger als das Völkerrecht.
Wenn es also um die Ukraine insgesamt geht, mag Putin zu manchen Kompromissen bereit sein. Aber zu keinem, bei dem Russland riskiert, die Krim zu verlieren. Dies machte er spätestens bei seiner Rede nach der Annexion 2014 deutlich.
Es gibt ein sehr lesenswertes Buch von Tim Marshall – er ist Außenpolitikexperte bei der BBC. Das Buch heißt "Die Macht der Geographie". Dort werden diese Zusammenhänge sehr schön dargestellt, auch der historische Kontext.
Hinweis: In einer früheren Fassung des Artikels gab es missverständliche Formulierungen hinsichtlich der ökonomischen Erwägungen in Bezug auf die Häfen. Diese wurden entfernt. Aufgrund mehrerer Nachfragen wurde außerdem ein Abschnitt über Noworossijsk ergänzt.
Kurkuma und Chili bei Arthrose: Helfen Nahrungsergänzungsmittel?
Feb 01, 2022
Show notes
Kommt auf einen Versuch an – aber nicht bei fortgeschrittener Arthrose
Die Studienlage ist sehr heterogen und nicht wirklich schlüssig. Teilweise widersprechen sich die Studien zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und Arthrose sogar. Wir sind daher oft in der Zwickmühle, wenn solche Fragen an uns herangetragen werden. Ich würde das empfehlen – aber in Abhängigkeit des Artrosestadiums und keinesfalls in fortgeschrittenen Arthrosestadien.
Studien widersprechen sich, Fachgesellschaften sind sich uneinig
Die Studienlage ist also widersprüchlich. Es gibt viele Patienten, die durchaus eine Linderung erfahren durch die Einnahme dieser Substanzen. Aber eine einheitliche Bewertung gelingt nicht einmal den Fachgesellschaften. Ich habe in Vorbereitung der Sendung die Empfehlungen der amerikanischen, der englischen und der deutschen Fachgesellschaften miteinander verglichen. Und selbst da gibt es widersprüchliche Empfehlungen.
Das ist also eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist. Es kommt möglicherweise tatsächlich auf einen Versuch an.
Wann sollte man bei Arthrose einen Arzt aufsuchen?
Feb 01, 2022
Show notes
Arthrose: Befund bedeutet nicht automatisch auch Leidensdruck
Häufig korreliert der röntgenologische Befund nicht unbedingt mit den Beschwerden.
Wir sehen in unseren Sprechstunden immer wieder Patienten, die relativ weit fortgeschrittene röntgenologische oder kernspintomografische Befunde haben, aber bei der Erhebung der Anamnese sagen, dass sie keine ausgeprägte Symptomatik und keinen Leidensdruck haben.
Bei Unsicherheit und Fragen: Facharzt aufsuchen
Das tritt genauso umgekehrt auf. Wir haben Patienten, die sich mit Schmerzen in den Gelenken in der Sprechstunde vorstellen, ohne dass wir mit der konventionellen Bildgebung, also dem Röntgenbild, verschleißbedingte Veränderungen sehen, die über das Altersübliche hinausgehen.
Da der Patient das selbst nicht einschätzen kann, gehören diese Fragen in die Facharztsprechstunde. Wenn Sie also verunsichert sind, suchen Sie den Facharzt auf.
Wann ist bei Arthrose eine OP nötig?
Feb 01, 2022
Show notes
Kriterien für eine operative Arthrosebehandlung
Im Fall eines fortgeschrittenen Arthrosestadiums prüft man, ob die Kriterien für eine operative Arthrosebehandlung vorliegen – das muss keine gelenkersetzende Behandlung sein.
In der Regel setzt eine Operation eine über mindestens drei, besser sechs Monate erfolglos verlaufende konservative Behandlung voraus. Außerdem müssen die klinischen Untersuchungsbefunde mit den röntgenologischen oder kernspintomografischen Befunden übereinstimmen sowie mit der Vorgeschichte.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt und entsprechende Einschränkungen der Beweglichkeit, Gelenkschwellungen etc. gegeben, dann sprechen wir mit den Patienten über die Möglichkeit einer operativen Arthrosetherapie.
Falsche Diagnosen im Zusammenhang mit Arthrose
Es kommt häufig vor, dass Patienten, die arthrotische Veränderungen im Hüftgelenk haben auch verschleißbedingte Veränderungen in benachbarten Gelenken aufweisen – dazu gehören die Wirbelsäule oder die Lendenwirbelsäule.
Nicht selten wird eine Hüftarthrose typischerweise erstmal behandelt wie ein Hexenschuss oder wie ein harmloser Kreuzschmerz. Wir sehen es nicht selten, dass Patienten in der Sprechstunde vorstellig werden mit einer endgradigen Hüftgelenksarthrose, wo der Knorpel komplett zerstört ist, die Patienten jedoch bis dahin unter dem Verdacht eines Bandscheibenvorfalls behandelt wurden.
Zudem gibt es Erkrankungen in Gelenken, die zwar bezüglich der Vorgeschichte und der Beschwerden zunächst anmuten wie eine Arthrose, jedoch andere Ursachen haben. Dazu gehören zum Beispiel ein Knochenmarködem-Syndrom oder eine Durchblutungsstörung am Hüftkopf bis hin zur Hüftkopfnekrose. Das sind Erkrankungen, die häufig erst im Kernspintomogramm diagnostiziert werden können.
Was kann man bei Arthrose an den Händen oder Handgelenken machen?
Feb 01, 2022
Show notes
Leider gelingt es an keinem Arthrosegelenk, die Arthrose zu heilen oder die Gelenke in einen Zustand zu bringen, in dem sie in der Jugend waren.
Aber es gibt bei der Fingergelenksarthrose und an den Handgelenksarthrosen sowohl konservative als auch operative Maßnahmen, die dem Patienten eine Linderung verschaffen. Der therapeutische Ansatz unterscheidet sich nicht von der Arthrose der großen Gelenke wie zum Beispiel dem Kniegelenk oder dem Hüftgelenk.
Operative und konservative Behandlung bei Arthrose
Man würde auf jeden Fall versuchen, zunächst eine konservative Therapie zu versuchen. Bei ausbleibender Linderung und auf dem Röntgenbild sichtbaren Fortschreiten der Erkrankung kann man mit dem Patienten über eine operative Behandlung der Arthrose sprechen.
Bei den Fingergelenks- und Handgelenksarthrosen gibt es neben den gelenkerhaltenden Verfahren auch gelenkersetzende und gelenkversteifende Verfahren, die durchaus eine hohe Erfolgsrate mit sich bringen. Es besteht also kein Grund zu verzweifeln und zu denken, dass man gar nichts machen kann.
Wie wichtig ist Bewegung bei Arthrose?
Jan 27, 2022
Show notes
Der Knorpel wird durch die Gelenkflüssigkeit ernährt, die im Gelenk gebildet wird. Das geschieht durch die Gelenkinnenhaut, der sogenannten Synovialmembran.
Durch Bewegung gelangen Nährstoffe an den Knorpel
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, Patienten zu Bewegung, Sport und körperlicher Aktivität zu raten. Denn nur durch Bewegung im Gelenk ist gewährleistet, dass die Nährstoffe tatsächlich in Kontakt mit dem hyalinen Gelenkknorpel kommen – insbesondere die Hyaluronsäure, die ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit ist.
Prinzipiell rät man bei einer konservativen Arthrose-Therapie zu sportlicher Aktivität und Bewegung. So kann die Arthrose-Entstehung bzw. das Fortschreiten verlangsamt werden. Stoppen kann man die Arthrose nicht. Aber es ist wichtig, dass die Gelenke bewegt werden, damit die Nährstoffe in Kontakt mit dem hyalinen Gelenkknorpel kommen.
Welche Medikamente helfen bei Arthrose?
Jan 27, 2022
Show notes
Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol können Schmerzen lindern
In erster Linie zu nennen ist die Gruppe der sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika oder Antiphlogistika. Das sind entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison-typisches Steroidgerüst aufweisen. Ich nenne als Beispiel ein paar Wirkstoffe, wie zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol.
Das sind Medikamente, die nicht ganz so starke Nebenwirkungen, aber auch eine weniger starke entzündungshemmende Wirkung an den arthrotischen Gelenken aufweisen.
Einsatz zur Behandlung der Symptome, nicht der Krankheitsursache
Dabei handelt es sich um keine Kausaltherapie, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung, die den Entzündungsreiz der Schmerzen lindert und die Beweglichkeit verbessert.
Vorsicht bei kardiologischen Vorerkrankungen
Auch die nichtsteroidalen Antirheumatika haben natürlich entsprechende Nebenwirkungen, in erster Linie im Magen-Darm-Trakt. Diese beginnen bei relativ harmlosen Magenschleimhautentzündungen und reichen bis hin zum Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Auch Nebenwirkungen am Herzen sind zu nennen, sodass sie insbesondere bei Patienten, die kardiologische Vorerkrankungen haben, mit großer Vorsicht eingesetzt werden müssen.
Medikamenteneinnahme ärztlich begleiten lassen
Beim Einsatz muss das individuelle Nebenwirkungspotenzial mit Blick auf den Patienten berücksichtigt bleiben. Man darf also nicht kritiklos über Wochen oder Monate Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen, ohne dass das nicht in irgendeiner Form ärztlich begleitet wird.
Arthrose und Arthritis/Rheuma – Was ist der Unterschied?
Jan 27, 2022
Show notes
Das ist durch die Namensähnlichkeit durchaus verwirrend: Die Arthrose ist tatsächlich der Gelenkverschleiß und die Arthritis – wie alle medizinischen Termini, die auf -itis enden – ist die Gelenkentzündung.
Die rheumatoide Arthritis ist quasi eine Gelenkentzündung auf dem Boden einer Autoimmunerkrankung, die aber wiederum in eine Arthrose münden kann.
Letztendlich also zwei verschiedene Krankheitsbilder, wo jedoch die Arthritis in die Arthrose münden kann.
SWR 2022
Was ist Arthrose?
Jan 26, 2022
Show notes
Unter Arthrose versteht man eine primär verschleißbedingte Gelenkerkrankung, die prinzipiell alle Gelenke betreffen kann und verschiedene Ursachen hat.
Chronische, schmerzhafte Veränderungen im Gelenk
Der Arthrose gemein ist ein Missverhältnis der Tragfähigkeit und der aktuellen Belastung des Knorpels. Dieses Missverhältnis führt im weiteren Verlauf zu Knorpelabrieb, zu einer Entzündung im Gelenk.
Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der zu einer Beteiligung des ganzen Gelenks führt – nicht nur des Knorpels, sondern auch des darunterliegenden Knochens, der Gelenkkapsel und der Muskel- und Sehnenansätze.
Die Veränderungen im Gelenk sind chronisch, schmerzhaft und führen zu einer Funktionsbehinderung.
Sind Häuser aus dem 3D-Drucker nachhaltig?
Jan 10, 2022
Show notes
Flexibel in der Gestaltung, optisch Geschmackssache
Die Industrie verspricht es jedenfalls. Worum geht es? Gemeint sind Häuser, die man wirklich ausdruckt. Also eine Zementmasse, die eine Maschine in der gewünschten Form ausspuckt, immer in Schichten von ja 15 Zentimetern, bis alle Mauern stehen.
Ein Verkaufsargument ist vor allem die Flexibilität: Man kann die Formen des Hauses nach Belieben gestalten, auch abgerundete Ecken in den Innenräumen lassen sich viel leichter erzeugen. Solche Häuser gibt es schon. Optisch sind sie Geschmackssache, aber da wird es sicher noch eine Entwicklung geben.
Materialverbrauch: nur so viel wie tatsächlich nötig
Aber die Frage war ja die nach der Nachhaltigkeit und tatsächlich kommen diese Häuser mit einem Öko-Versprechen. Gegenüber einem herkömmlichen Massivbauhaus verbrauchen sie zum einen weniger Material. Das liegt daran, dass das Druckmaterial direkt vor Ort angemischt wird, und zwar nur so viel, wie benötigt wird. Im konventionellen Bau fahren Lastwagen den Beton zur Baustelle, der wird verarbeitet, und dabei bleibt immer sogenannter Restbeton übrig. Es wird also beim klassischen Massivbau mehr Material verbraucht; in dem Punkt schneiden 3D-gedruckte Häuser besser ab.
Recycling: möglich, aber ausbaufähig
Ein zweiter Pluspunkt gedruckter Häuser ist, dass das Material recycelt und zum Beispiel als Füllmaterial im Straßenbau verwendet werden kann. Die Hersteller arbeiten bereits daran, die Recyclingmethoden zu verbessern. Das Ziel ist, aus alten Häuser direkt neue zu machen. Wenn das mal klappen sollte, wäre das ein Fortschritt.
Verbrauch von Zement und Sand: ökologisch problematisch
Trotzdem: Auch wenn das Material effizienter genutzt oder gar wirklich recycelt wird, besteht es eben zu einem erheblichen Teil aus Zement; ökologisch gesehen ist das ein Haken an der Sache. Der lässt sich nicht beziffern, weil sich die Hersteller bedeckt halten, wie sich das Druckmaterial, also der Baustoff, zusammensetzt. Die meisten Firmen verwenden dafür einen speziellen Mörtel des Unternehmens HeidelbergCement. Dieser Mörtel besteht aus Zement, Wasser und Sand – die genauen Anteile sind geheim. Zement und Sand – das sind zwei problematische Stoffe.
Zement ist relativ schlecht fürs Klima, weil dafür Kalkstein gebrannt werden muss. Dabei werden pro Tonne Zement 600 kg CO₂-Emissionen frei. Und Sand zu verwenden ist auch nicht optimal, denn wegen der weltweit massiven Nachfrage nach Sand für die Bauindustrie werden Küsten und Flusslandschaften zerstört – mit massiven Folgen für die dortigen Ökosysteme.
Fairerweise muss man aber sagen: Beim herkömmlichen Massiv-Hausbau sind die Probleme mit Zement und Sand mindestens genauso groß. Wenn sich 3D-gedruckte Häuser effizienter bauen und besser recyceln lassen, dürften sie ökologisch einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Massivbauten haben – immer mit der Unsicherheit, dass das Material nicht in allen Einzelheiten bekannt ist.
Material und Emissionen des 3D-Druckers einberechnen
In die Berechnung einbezogen werden müsste auch noch, was der Bau der Maschinen, also des riesigen Druckers samt Stahlgerüst und Elektromotoren, an Material und Emissionen verschlingt. Dazu gibt es aber noch keine seriösen Zahlen, weil es darauf ankommt, wie lang der hält und wie häufig er zum Einsatz kommt. Je mehr Häuser mit einem Zementdrucker gebaut werden, desto weniger fällt dieser Ressourcenaufwand ins Gewicht.
Fazit also: Gut möglich, dass 3D-gedruckte Häuser ökologisch besser sind als klassische Massivbauten. Ganz außen vor gelassen habe ich in dem Vergleich Holzhäuser, die, was Sand und Zement betrifft, viel besser sind und die sogar CO₂ speichern können. Aber es wäre falsch, Holzhäuser pauschal als besser hinzustellen; da kommt es auf manche Details an. Zum Beispiel, wie lange so ein Haus hält. Dazu gehört nicht nur, wie stabil es ist, sondern auch, wie lange Menschen darin wohnen möchten. Das ist ebenfalls ein Faktor bei der Nachhaltigkeitsfrage und bei den Häusern aus 3D-Druck gibt es hierzu noch zu wenige Erfahrungswerte.