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    Latest Episodes:
    Stechmücken - Das geheime Leben der sirrenden Sauger Jul 12, 2024
    Show notes

    Stechmücken sind lästige Plagegeister und zählen, wie die Zecken, zu den Tieren, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Aber wie leben sie? Welche Rolle spielen sie im Ökosystem? Darüber spricht die Autorin u.a. mit der Mückenforscherin Dr. Doreen Werner. Von Christiane Seiler Credits Autorin dieser Folge: Christiane SeilerRegie: Eva DemmelhuberEs sprachen: Burchard Dabinnus, Ruth GeiersbergerTechnik: Roland BöhmRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Dr. Doreen Werner, Entomologin, Zentrum für Agrarlandforschung; Dr. Helge Kampen, medizinischer Entomologe, Friedrich Löffler Institut; Mandy Schäfer, Biologin, Friedrich Löffler Institut; Nadja Pernat, Biologin, Zentrum für Agrarlandforschung Linktipp: Mückenatlas Deutschland: Fangt Mücken für das Bürgerforscher-Projekt! ARDalphaJETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: AT1: Pernat: Jetzt kommt wieder der spannende Moment, (auf dem Friedhof, Klappern und Wassergluckern). Sprecher (auf AT1) Ein romantisch verwildertes Familiengrab auf dem Alten Zwölf Apostel Kirchhof mitten in Berlin; im Gebüsch neben dem Einfassungsmäuerchen des Grabes macht sich eine junge Frau mit Pferdeschwanz zu schaffen. Sie hebt einen schwarzen Plastikbecher, gießt den Inhalt in eine durchsichtige Plastikkanne um, untersucht den Inhalt. Ein Friedhofsgärtner kommt näher. Was macht sie da? OT1 Pernat: Mücken!, ja, ... Sprecher (auf ATMO IN OT2) Sie fängt Mücken, sagt die Biologin Nadja Pernat, und erklärt weiter: OT1 weiter Pernat und Friedhofsgärtner: Also das hier, das sind die Fallen für die Mücken, da legen die Mücken ihre Larven rein (Gärtner: ja). Und dann nehme ich die mit, ans Leibnitz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und da bestimme ich, was das für Arten sind. Mann: also nur, um praktisch Zuwanderer zu identifizieren, ja? Pernat: unter anderem. Aber auch um zu gucken, welche Arten gibt es eigentlich in Berlin, das hat seit Jahrzehnten keiner mehr gemacht. Sprecher Mücken in der Stadt - dass es sie gibt, davon weiß sicher jeder aus eigener leidvoller Erfahrung zu berichten. Was aber gefällt den Blutsaugern ausgerechnet an Friedhöfen? Eine Antwort hat Dr. Helge Kampen, medizinischer Entomologe, also Insektenforscher, am Friedrich Löffler Institut bei Greifswald: OT2 Kampen Wenn ich Mücke wäre, ich würde mir immer einen Friedhof aussuchen. Viele Friedhöfe sind hier sehr pflanzenreich, bebaumt, bebuscht. Da finden die Mücken schattige Plätze, um sich auszuruhen. Dadurch sind auf Friedhöfen auch häufig viele Vögel Eichhörnchen, kleinere Nager etc. Und natürlich die Menschen, die als Blutwirte dienen können und dann haben die Mücken eben durch die Blumenvasen, Vogeltränken etc. jede Menge Brutmöglichkeiten. Musik: hohe, sirrende Violinklänge oder elektronische Musik Sprecherin Die Stechmückenforschung erlebt in Deutschland seit einigen Jahren eine Renaissance, nicht zuletzt durch die invasiven, also zugewanderten Arten, von denen auch der Berliner Friedhofsgärtner bereits gehört hat. 2011 wurden in einer Falle an der A5 bei Weill am Rhein die ersten Weibchen der Asiatischen Buschmücke und der asiatischen Tigermücke gefunden. Die Buschmücke, die aus einer ähnlichen Klimazone stammt, hat sich seitdem bei uns breitflächig etabliert. Aber auch das Wissen über die heimischen Arten ist lückenhaft. Wo welche Arten in Deutschland in welcher Menge leben, welche Krankheiten durch diese Mücken übertragen werden könnten — das sind Fragen, an denen Entomologen forschen. Seit 2012 zählen sie dabei auf eine wachsende Schar von Amateurforschern. Der „Mückenatlas“ des bei Berlin gelegenen Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, kurz ZALF genannt, ist eins der großen Citizen Science Projekte Deutschlands und dient der Kartierung der Stechmücken. Citizen Science, das ist Wissenschaft unter Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, und der Mückenatlas gehört zu den erfolgreichsten dieser Projekte. Sprecher Auf der Internetseite www.mueckenatlas.com wird erklärt, in welchem Zustand und mit welchen Angaben zu Fundort und Finder die Mücken eingesendet werden sollen. Jede Einsendung wird beantwortet, bis Mitte 2018 waren es über 20.000. Welche Mücken sind dabei eigentlich gefragt? Dr. Doreen Werner, Biologin am ZALF und Initiatorin des Mückenatlas, erklärt, dass längst nicht alle Mücken stechen: OT3 Werner Wenn jemand mir die Frage stellt, was ist eine Mücke, dann geht natürlich die ganze Bandbreite auf. Wir haben in Deutschland 28 verschiedene Mückenfamilien, …. Die morphologischen Ausprägungen, also wie eine Mücke aussieht, können schon sehr vielgestaltig sein. Es gibt zB viele Menschen, die Trauermücken in ihrem Wohnumfeld haben, das sind die kleinen schwarzen Viecher, die aus den Blumentöpfen beispielsweise rauskommen. Oder jeder kennt vielleicht die Schnaken, die groß und behäbig im Frühjahr über die Wiesen fliegen, auch das sind Mücken. Zum anderen gibt es noch verschiedene andere Mückenfamilien, die zB in Abflussröhren leben oder im Komposthaufen sich entwickeln. Aber alle diese Mücken sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Mundwerkzeuge haben, die nicht zur Aufnahme einer Blutmahlzeit befähigen. Und wir haben in Deutschland vier verschiedene Mücken-Familien, die das können, das sind zum einen natürlich die Stechmücken, die jeder kennt, zum anderen sind es aber auch die Kriebelmücken die Gnitzen und dann eine ganz kleine Gruppe innerhalb der Schmetterlingsmücken. Sprecherin Kriebelmücken und Gnitzen können ebenfalls sehr lästig sein, sogar gefährlich. Die Blauzungenkrankheit, eine tödliche Tierseuche, wird beispielsweise von bestimmten Gnitzenarten übertragen. Für den Mückenatlas sind aber nur die Stechmücken relevant: OT4 Werner Weil wir davon ausgehen, dass die meisten Menschen Stechmücken erkennen können, in ihrem Umfeld mit bloßem Auge erkennen können, und auch in der Lage sind, diese einzufangen. Bei den anderen drei blutsaugenden Familien ist es so, dass die eine sehr kleine Körpergröße haben, die sich so zwischen 2-4 mm bewegt. Und der Laie ist nicht wirklich in der Lage, diese Mückenfamilien von anderen Mückenfamilien oder sogar Fliegenfamilien zu unterscheiden und wir natürlich darauf angewiesen sind, nicht nur Beifang zu bekommen, sondern wirklich auch Material, was wir verwerten können … AT2: Schublade wird aufgezogen, Werner: Wir bauen eine deutschlandweite Referenzsammlung auf … Sprecher Im Wandschrank der Forschungsgruppe Mückenatlas liegen gut erhaltene Fundstücke nach Art sortiert in Insektensammelkästen, säuberlich genadelt und mit Schildchen zu Fundort und Finder versehen. Nur vollkommen intakte Exemplare finden Eingang in die Sammlung. Unter dem Mikroskop lässt sich erkennen, warum. Mückenflügel zum Beispiel sind mitnichten so glatt, wie es mit bloßem Auge betrachtet scheinen mag: OT5 Werner Da sind Härchen und Schuppen drauf, und die sind wichtig für uns. … Deshalb brauchen wir die nicht so totgeschlagen, man macht ja meistens so (klatscht) dann ist die Mücke zerstört, selbst wenn sie noch da ist, für uns ist sie unbrauchbar für die Bestimmung, also für die morphologische Bestimmung. Sprecher Deshalb sollte man die Mücken lebendig fangen, im Gefrierfach einfrieren und in einem Schächtelchen nach Müncheberg schicken. Woran erkennt man aber eine Stechmücke? Sprecherin Stechmücken haben einen Stechrüssel, mit dem sie die Haut ihres Opfers durchstechen können, um Blut zu saugen. Daran kann sie auch der Laie gut von ähnlich aussehenden Mückenarten wie etwa den weltweit in Massen vorkommenden Zuckmücken unterscheiden. Diese Zuckmücken haben keinen Stechrüssel und nehmen auch kein Blut zu sich. Musik: Elektronisches Sirren Sprecherin Mücken gehören, wie die Fliegen, in der Klasse der Insekten zur Ordnung der Zweiflügler. Von den knapp eine Million bis heute beschriebenen Insektenarten stellen die Zweiflügler rund 160.000. Ein Flügelpaar ist zu den sogenannten Schwingkölbchen umgebildet, die es der Mücke gestatten, die Flugrichtung zu halten oder sehr schnell zu ändern. Sprecher Stechmückenarten gibt es weltweit rund 3.500, in Deutschland kommen über 50 davon vor. Und wo leben diese Stechmücken - außer auf Friedhöfen natürlich? OT6 Werner Stechmücken sind typische Lebewesen, die verschiedene Lebensräume besiedeln, das heißt, für ihre Entwicklung brauchen sie den aquatischen Bereich, das Weibchen legt ihre Eier ab, entweder auf der Wasseroberfläche oder in der Nähe einer Wasseroberfläche. Und wenn die Eier mit dem Wasser in Berührung kommen und bei einer bestimmten Temperatur schlüpfen die Erstlarven. Die ernähren sich dann von Algendetritus, verschiedene Bestandteile, die sie eben in ihrem Medium finden, häuten sich drei Mal, das heißt wir durchlaufen vier Larvenstadien. Das sind Fressstadien, weil die Mücke natürlich auch wachsen muss. Sie muss Energie anhäufen, dann geht sie in das Puppenstadium über. In diesem Puppenstadium findet die komplette Metamorphose statt, das heißt, das Insekt wandelt sich um und aus dieser Puppe schlüpft dann letztendlich die flugfähige Mücke, die dann wieder in der Lage ist, sich durch die Kopulation, Befruchtung also fortzupflanzen, weiterzuentwickeln. AT3: Tür schlägt zu, Schritte im Gang Sprecher Das Friedrich Löffler Institut auf der Insel Riems bei Greifswald widmet sich seit 1910 der Erforschung von Tierseuchen und ihren Übertragungswegen. Und seit einigen Jahren auch Krankheiten, die von Mücken auf Menschen übertragen werden. In einem hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Labor werden hier Mücken zu Versuchszwecken gezüchtet: OT7 Mandy Schäfer Hier zB culex pipiens molestus, ein Biotyp unserer Hausmücke … Sprecher Erklärt Mandy Schäfer, die am FLI an Mückenarten, die als Krankheitsüberträger infrage kommen, forscht. Sie nimmt ein kleines, mit einer ziemlich trüben Brühe gefülltes Aquarium aus dem Regal. OT8 Schäfer Hier sieht man ja, es sind große und kleine Larven dabei, Autorin: Die Larven sind diese zappeligen Tierchen, die sich da an die Oberfläche hängen!? Schäfer: Genau, die hängen sich wieder an der Oberfläche, mit dem Hinterteil nach oben, da an dem Hinterteil ist ein Atemrohr, das sie an die Oberfläche anhaften und dadurch atmen … die atmen atmosphärischen Sauerstoff. Sprecher Leere Puppen schwimmen auf dem Wasser, einige geschlüpfte Mücken sitzen bereits am Beckenrand. OT9 Schäfer Man sieht so ein bisschen, die haben so ganz buschige Fühler. Genau, und das sind die Männchen. Die warten auf die Weibchen, um sie zu begatten. Musik: Elektronisches Sirren Sprecherin Betrachtet man eine Mücke unter dem Mikroskop, dann kann man Details genau erkennen: den langen Stechrüssel, der sich lanzettartig ineinanderschieben lässt, und die buschigen Fühler der Männchen. Einen Rüssel haben sowohl Männchen als auch Weibchen, aber nur die Weibchen gebrauchen ihn zum Stechen und Blutsaugen. Die Männchen leben strikt vegetarisch und ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Sie leben auch viel kürzer, besteht doch ihr Lebenszweck einzig darin, ein Weibchen zu finden und zu begatten. Dr. Helge Kampen: OT10 Kampen Mückenweibchen werden nur einmal im Leben befruchtet, und zwar ziemlich am Anfang ihres Lebens, ziemlich bald nach dem Schlupf aus der Puppenhülle. Und die haben dann, wie übrigens viele Insektenarten, die haben dann Spermataschen, da bewahren sie das Sperma für den Rest ihres Lebens auf und befruchten dann die Eier daraus. Männchen und Weibchen müssen nicht oft aufeinandertreffen. Sprecher Warum aber dieser Blutdurst der Stechmückenweibchen? Haben sie einfach einen extravaganten Geschmack, oder gibt es noch einen anderen Grund dafür? Zur eigenen Ernährung brauchen sie das Blut nicht, führt Helge Kampen aus. Sie brauchen Proteine, also Eiweiß, damit sich die Eier entwickeln können. OT11 Kampen Die Mücken haben die Möglichkeit, Blut einzudicken, wenn sie saugen. Es gibt Mückenarten, da kann man beobachten, dass sie noch während des Blutsaugens am Hinterende, also an der Analöffnung, so ne Art Serum, eine Flüssigkeit abgeben, die ist viel heller als das Blut. Also das Blut, bzw. die Blutproteine, werden schon während der Blutaufnahme konzentriert in der Mücke und die werden dann in der Mücke umgebaut in die Eiproteine - und der Eiproduktion zugeführt. Musik: sirrende Elektroklänge Sprecherin Stechmücken stechen Tiere und Menschen. Es gibt Arten, die bei ihren Blutwirten nicht sehr wählerisch sind und andere, die nur bei sehr ausgesuchten Opfern Blut saugen. Es ist übrigens ein Irrglaube, dass Mücken besonders süßes Blut oder eine bestimmte Blutgruppe bevorzugen. Sie finden ihre Opfer durch das CO2 in der Atemluft und bestimmte Duftstoffe im Schweiß. Auch durch Licht werden sie nicht angelockt, sind doch die meisten Stechmücken dämmerungs- oder nachtaktiv. Sprecher Culex pipiens, die Hausmücke, kommt in zwei Biotypen vor. Der bereits erwähnten Culex pipiens molestus etwa schmeckt besonders das menschliche Blut, die eng verwandte culex pipiens pipiens saugt am liebsten bei Vögeln. Den Namen Hausmücke trägt das Insekt nicht umsonst. Und die Menschen sorgen oft selbst dafür, dass diese Mücken sich besonders gut vermehren können: OT12 Werner Das sind also Mücken, die sehr gerne künstliche Bruthabitate aufsuchen. Wie z.B. Regentonnen, Blumentöpfe, Vasen, Gießkannen, irgendwelche anderen Container, die sich vielleicht im Gartenbereich befinden oder … Überall kann sich Regenwasser sammeln, selbst in den kleinsten Coladosen oder in Papierkörben. Das heißt, die Mücken schlüpfen und ihnen wird ein gedeckter Tisch geboten, und der Weg von der Regentonne in den Schlafzimmerbereich oder Wohnbereich ist meistens nicht sehr weit. Sprecherin Weibchen dieser Art überwintern in Hauskellern und anderen warmen, unterirdischen Habitaten wie U-Bahn-Tunneln oder der Kanalisation und sie können das ganze Jahr über stechen, egal ob in Innenräumen oder im Freien. In der New Yorker Upper Westside kam es 2011 zu einer regelrechten Invasion dieser Stechmücken, die aus Kellern und der Kanalisation heraus in die Wohnungen fanden. In London ist dieselbe Mücke als U-Bahn Moskito berüchtigt. Sprecher Stechmücken sind lästig, ihre Stiche jucken und führen zu Hausschwellungen. Gefährlich werden sie, weil sie mit dem Stich Krankheitserreger übertragen können. Die Mücken fungieren als Vektoren, das heißt, sie beherbergen Erreger, die sie mit dem Blut eines Wirts aufnehmen und sie transportieren diese Erreger mit dem Speichel in den Blutkreislauf ihres Opfers. Speichel fließt reichlich beim Mückenstich: Er verdünnt das Blut und enthält eine leicht narkotisierende Substanz, damit der Blutwirt erst nach dem Stich etwas merkt und erst zuschlägt, wenn die Mücke sich bereits in Sicherheit gebracht hat. Sprecherin Krankheitserreger können Parasiten sein, etwa im Fall der Malaria, die durch die Anophelesmücke übertragen wird, aber auch verschiedene Viren, die gefährliche fiebrige Krankheiten auslösen wie das Gelbfieber, das Dengue Fieber oder das West-Nil-Fieber. Letzteres kann auch von der Hausmücke übertragen werden, braucht aber Vögel als Zwischenwirte. In einigen südosteuropäischen Ländern und in den USA kommt es seit den 90er Jahren regelmäßig zu Ausbrüchen des Westnil-Fiebers, das gelegentlich tödlich verläuft. Entscheidend dafür, ob eine Mücke ein Virus übertragen kann, ist die Umgebungstemperatur. Je wärmer und feuchter es in dem Habitat der Mücke ist, desto schneller vermehrt sich das Virus in der Mücke, ausgehend vom Verdauungstrakt. Erst wenn das Virus in den Speichel der Mücke gelangt ist, kann es auch übertragen werden. AT4 Riems: Nerviges Sirren der Tigermücke Sprecher Hier im Hochsicherheits-Labor des Friedrich Löffler Instituts auf der Insel Riems sirrt außer der Hausmücke eine weitere Mückenart in ihrem Käfig mit Gaze-Wänden: die Asiatische Tigermücke, aedes albopictus. Im Labor vermehrt sie sich hervorragend. D…

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    Schauspielschulen - Weinen auf Kommando! Jul 11, 2024
    Show notes

    Performances, Chorgesänge, Kameras auf der Bühne: Das Theater der Gegenwart verändert sich ständig. Wie reagieren Schauspielschulen darauf? Was müssen die jungen Talente lernen? Trends von heute können bereits von gestern sein, bis die Studierenden ihren Abschluss haben. Eines hat sich aber nicht geändert: Schauspielschulen verlangen ihren Studierenden vieles ab. Von Anna Küch (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Anna Küch
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger
    Technik: Roland Böhm
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Im Interview:
    Emma Floßmann;
    Max Faatz;
    Annika Molke;
    Sebastian Berchtold;
    Barbara Gronau;
    Ramin Anaraki;
    Anne Knaak

    Eine besondere Empfehlung der Redaktion:

    Knallhart - Der ARD Thriller Podcast
    Düstere Psychothriller, abgründige Mindfucks und bizarre Bluttaten: Der Krimi-Podcast mit Triggerwarnung, für hartgesottene Binge Listener, Herzkasper-Junkies und Liebhaber des gepflegten Grusel-Kicks. Hard-boiled auch mal ohne Happyend - und garantiert nichts für schwache Nerven!
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    Emma Goldman - Anarchie, Freiheit und Frauenrechte Jul 11, 2024
    Show notes

    Die radikale Aktivistin Emma Goldmann hat für Anarchie, Freiheit und Frauenrechte gekämpft. Sie gilt bis heute als Ikone, deren Konterfei sogar auf T-Shirts gedruckt wird. Von Ulrike Beck (BR 2022)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Ulrike Beck
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Anne-Isabelle Zils, Stefan Merki, Beate Himmelstoß
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Thomas Morawetz

    Im Interview:
    Frank Jacob, Historiker und Autor, Professor für Globalgeschichte des 19. und 20.Jahrhunderts an der Nord Universitet, Norwegen
    Antje Schrupp, promovierte Politologin und Publizistin, Frankfurt am Main

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:

    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
    DAS KALENDERBLATT
    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.


    Ameisen - Staatenbildende Insekten der Superlative Jul 10, 2024
    Show notes

    Die Verhaltensvielfalt im Reich der Ameisen ist einzigartig, kaum eine andere Insektenfamilie besiedelt so viele Lebensräume. Gärtnerei, Kriegsführung und Staatsgründung gehören zum Leben der faszinierenden Krabbeltiere. Von Christiane Seiler (BR 2020)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Christiane Seiler
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Rahel Comtesse, Thomas Birnstiel, Clemens Nicol
    Technik: Robin Auld
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Im Interview:
    Christina Grätz, Diplombiologin, Nagola Re, Jänschwalde;
    Susanne Foitzik, Professorin für Evolutionsbiologie, Universität Mainz;
    Shahin Tavangari, Reviertierpfleger, Zoo-Aquarium Berlin

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Geschichte der Badeanstalten - Eine Kultur für sich Jul 10, 2024
    Show notes

    Schon die alten Griechen und natürlich vor allem die Römer pflegten eine ausgefeilte Badekultur. Selbst im Mittelalter ließ man sich die Lust am öffentlichen Badehaus nicht nehmen. Die Reformation beendete das alles. Erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Kultur der Badeanstalten. Von Martin Trauner (BR 2022)

    Credits:
    Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner
    Es sprachen: Rahel Comtesse und Carsten Fabian
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

    Hier gibt es eine weitere informative/ hörenswerte Folge von radioWissen:
    Römische Thermen - Badekultur und Herrschaftsanspruch
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    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Literaturtipps:

    Brödner, Erika: Römische Thermen und antikes Badewesen, Darmstadt 2011
    Kiby, Ulrika: Bäder und Badekultur in Orient und Okzident, Köln 1995
    Stankiewitz, Karl: Badelust in München und Oberbayern, München 2017


    Griots in Westafrika - Musiker, Historiker und Ratgeber Jul 09, 2024
    Show notes

    Sie sind und waren die Historiker der oralen Kultur in Westafrika, aber ihre Rolle geht weit darüber hinaus: Griots und Griottes sind Schlichter und Vermittler bei sozialen Konflikten und bemühen sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Angesichts von politischen Konflikten rufen viele von ihnen zu Frieden auf. Von Bettina Rühl (BR 2022)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Bettina Rühl
    Regie: Martin Trauner
    Es sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann, Gabi Hinterstoisser, Clemens Nicol
    Technik: Susanne Harasim
    Redaktion: Susanne Poelchau

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.


    RadioWissen hat noch weitere spannende Folgen zum Thema:

    • Warum Menschen erzählen - Geschichten und Sprachverwendung
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    • Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie
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    • Afrikas Ubuntu - Die Philosophie der Menschlichkeit
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    Die Erfindung von Währungen - Bancor, Terra, Globo Jul 05, 2024
    Show notes

    Ideen für internationale Währungen gibt es immer wieder. Heute macht der Bitcoin Schlagzeilen. Historisch ist der Bancor das bekannteste Beispiel. Er sollte nach dem 2. Weltkrieg eingeführt werden, scheiterte aber am Widerstand der USA. Warum konnte sich bislang keine Weltwährung durchsetzen? Autorin: Maike Brzoska

    Credits
    Autorin dieser Folge: Maike Brzoska
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Katja Amberger, Peter Lersch
    Technik: Daniela Röder
    Redaktion: Andrea Bräu

    Im Interview:
    Tobias Heidland, Professor für VWL an der Universität Kiel und Leiter des Forschungszentrums „Internationale Entwicklung“ am Institut für Weltwirtschaft
    Philipp Degens, Sozialwissenschaftler an der Universität Hamburg.
    Stephan Schulmeister, österreichischer Wirtschaftsforscher und Publizist

    Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
    ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
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    Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
    EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte

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    ARD Audiothek | Radiowissen
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    Saß beim Schach - Der D-Day in der Literatur Jul 04, 2024
    Show notes

    Am 6. Juni 1944 landen alliierte Truppen in der Normandie - das Schicksal von Nazi-Deutschland ist besiegelt! Etliche Schriftsteller, darunter Ernest Hemingway, Stefan Heym, Thomas Mann und Jean-Paul Sartre berichten über diesen folgenschweren Tag. Autor: Joachim SchollCreditsAutor dieser Folge: Joachim SchollRegie: Frank HalbachEs sprachen: Irina Wanka, Christian Baumann, Caroline Ebner, Stefan MerkiRedaktion: Andra Bräu Quellenhinweise finden Sie im Manuskript Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATOR Achtung, Achtung, hier ist die BBC London. Wir senden nun Mitteilungen in französischer Sprache: (kurze Pause) – „Les anglots longs de violons de l’automne / Blessent mon coeur d’une langue montone...“ / Atmo stehen lassen, darauf Sprecherin) SPRECHERIN „Les anglots longs de violons de l’automne / Blessent mon coeur d’une langue montone...“ – „Das lange Schluchzen herbstlicher Geigen / Die mein Herz mit langweilender Mattigkeit verwunden“ – an einem Dienstag, in der Nacht zum 2. Juni 1944 erklingt im britischen Rundfunk französische Poesie. Nur die ersten beiden Zeilen von „Chanson d’Automne“, aus dem Gedicht „Herbstlied“ von Paul Verlaine. Aber das genügt, die Empfänger reagieren wie elektrisiert. MUSIK ENDE Es ist eine literarisch verschlüsselte Botschaft an die Résistance, die Widerstands- bewegung im besetzten Frankreich. Jahrelang haben die Untergrundkämpfer auf diese Verse gewartet, die jetzt nur eines bedeuten: Innerhalb der nächsten 48 Stunden beginnt hier, auf dem Kontinent, der große Angriff – die Invasion! SPRECHER Noch einmal wird die Geduld der Résistance auf eine harte Probe gestellt. General Dwight D. Eisenhower, der amerikanische Oberbefehlshaber der alliierten Landungstruppen, hat den Invasionstermin auf den 4. Juni gelegt. Drei Millionen Soldaten sind an der südenglischen Küste zusammengezogen. Mehr als 5000 Schiffe drängeln sich in den Häfen am Kanal. 7000 Kampf- und über 2000 Transportflugzeuge stehen bereit. Doch dann schlägt das Wetter um, Sturm kommt auf. Die erste Welle an Schiffen, die bereits unterwegs ist, muss umkehren. Das Warten wird unerträglich. MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:47 ZITATOR In der ganzen Welt fragten sich die Menschen, wann es soweit sein würde, und nicht wenige beteten. Aber nirgends war die Spannung größer als ins London. Hier fühlte man das Drama, auf beinahe schmerzend körperliche Weise. Es war so nah, nur eine Stunde entfernt, bis zur Küste im Süden. MUSIK ENDE SPRECHERIN (auf Musik) Der kanadische Kriegs-Korrespondent Lionel Shapiro in seinem 1956 veröffentlichen Roman „The 6th of June“, „Der 6. Juni“: MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:23 ZITATOR Die Menschen gingen in die Pubs, um die endlosen Abende zu verkürzen. Hier war es am schlimmsten. Die Lokale waren voll und trotzdem tödlich still. Warum nur? Es ist diese verdammte Warterei, sagten die Leute zu sich, aber es war der Tod an den Stränden, an den sie in Wahrheit dachten. MUSIK ENDE O-Ton engl. BBC-Kriegsberichterstatter 0’57 / mit Voice over „The Canal troops are landing, they are landing all around me, as I speak, red and white parachutes fluttering down, in perfect formation…” SPRECHERIN Am 6. Juni ist „D-Day“, Decision Day, der Tag der Entscheidung. Ab 1.00 Uhr nachts landen 18.000 britische und amerikanische Fallschirmjäger im Hinterland der normanischen Küste zwischen Sainte-Mère-Église und Caen. Sie treffen auf einen völlig überraschten Gegner. Niemand bei der deutschen Heeresleitung hat den Angriff zu diesem Zeitpunkt erwartet. Auch nicht der Schriftsteller Ernst Jünger, der als Offizier im Generalstab von Paris stationiert ist. Zwei Tage nach der Landung schreibt er in seinem Tagebuch: ZITATOR Am gestrigen Tag bei General Speidel in La Roche-Guyon. Wir fuhren gegen Mitternacht zurück. Auf diese Weise verpassten wir um eine Stunde das Eintreffen der ersten Meldungen über die Landung. Sie wurde am Morgen bekannt und überraschte viele. Die ersten abgesprungenen Kräfte wurden nach Mitternacht festgestellt. Zahlreiche Flotten und mehrere tausend Flugzeuge traten bei den Operationen auf. Es handelt sich ohne Zweifel um den Beginn des großen Angriffs, der diesen Tag historisch machen wird. SPRECHERIN Und Adolf Hitler? Der „Führer“ weilt in Berchtesgaden und verschläft den Vormittag. Seit 5 Uhr 30 rollen die Angriffswellen gegen die Strände der Normandie, um 10 Uhr 15 traut man sich endlich, Hitler zu wecken. Im Morgenmantel empfängt er die Nachricht. Dann verstreichen entscheidende Stunden, der selbsternannte Oberbefehlshaber der Wehrmacht zögert, die bereitstehenden Panzer-Divisionen in Marsch zu setzen. MUSIK privat Take 005 “The Winter Soldier”; Album: Captain America The Winter Soldier (Original Motion Picture Soundtrack); Label: Hollywood Records – D0001911602; Interpret: Gavin Greenaway; Komponist: Henry Jackman; ZEIT: 00:35 Generalfeldmarschall Rommel, der Oberkommandierende der deutschen Truppen in Frankreich, fleht Hitler förmlich an. Am Nachmittag, viel zu spät, gibt er endlich den Befehl. Erst am späten Abend wird die Invasion in Deutschland bekanntgemacht. MUSIK hoch SPRECHER Als Ernst Jünger in der Nacht zum 6. Juni durch Paris fährt, hätte er zwei französischen Schriftstellern begegnen können: Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. MUSIK ENDE Sie kommen gerade von einer Party, es wurde getrunken, gesungen, gelacht, Albert Camus hatte wie wild getanzt. In ihrer Autobiographie schreibt Simone de Beauvoir: ZITATORIN Wir gingen mit Olga und Bost zur ersten Metro und begleiteten die beiden bis zum Montparnasse. Die Place de Rennes lag verlassen im fahlen Licht der Morgendämmerung. Plakate an der Bahnhofsmauer verkündeten, dass der Zugverkehr eingestellt sei. Was ging vor? Ich schlief fünf oder sechs Stunden. Als ich erwachte, drang die Stimme eines Radios durch mein Fenster. Sie sagte lang erwartete, unglaubliche Dinge, ich sprang aus dem Bett. Die anglo-amerikanischen Truppen hatten in der Normandie Fuß gefasst! Die Tage, die nun kamen, waren ein einziges Fest. Die Leute lachten einander zu, die Sonne strahlte – und wie fröhlich waren die Straßen. SPRECHER Jean-Paul Sartre zeigt weniger Enthusiasmus, er fühlt sich unschön abgelenkt. hat nur Sinn für sein neues Theaterstück „Huis Clos - bei Geschlossene Geellschaft“, das in diesen Tagen Premiere feiern soll. – Viele tausend Kilometer entfernt, im kalifornischen Exil, ist ein anderer Dramatiker von Weltgeltung ebenfalls ganz auf seine Arbeit konzentriert. Genau am Invasionstag vollendet Bertolt Brecht den „Kaukasischen Kreidekreis“. Dann geht er ins Kino. In seinem „Journal“ verzeichnet er diesen Eintrag: ZITATOR 6. Juni 1944. – Ich kam mit Homolka und Karin aus dem Film „Memphis Belle“ – der Flug einer Flying Fortress nach Wilhelmshaven – und saß schon wieder beim Schach, als Hanns Eisler telefonierte, die Invasion in Frankreich habe eingesetzt. Das Radio spie Nachrichten, ein Augenzeuge sprach schon von der Normandie aus. (( Barbara sagt, dass die Lehrerin für Social Science die Invasion nicht mit einem Wort berührt hätte, auch Steff hörte nahezu keine Äußerungen an der Universität. Winge berichtet, ein Mann hätte zu ihm gesagt: „Da regen sich nur die Fremden auf und die, die Verwandte drüben haben bei der Armee.“) ) SPRECHERIN In Brechts Nachbarschaft wird die Nachricht mit größerem Interesse aufgenommen. Der berühmteste Schriftsteller des deutschen Exils, Thomas Mann, feiert ausgerechnet am D-Day Geburtstag. Am Abend notiert er in sein Tagebuch: ZITATOR Pacific Palisades, Dienstag, den 6. Juni. – Mein 69. Geburtstag. Stand halb neun Uhr auf. Während Katja mir ihre Geschenke zeigte, rief Mrs. Meyer aus Washington an, von der ich, bevor ich die Zeitung gesehen, erfuhr, dass die Invasion Frankreichs bei Caen, Calais, Le Havre begonnen hat. Eigentümliches Zusammentreffen. Beim Frühstück die Zeitungsnachrichten. Die Meyer erklärte, befriedigende direkte Nachrichten aus dem Kriegsministerium zu haben. Spannung auf koordinierte Aktionen der Russen. Telephon mit den Franks. Man erwartet eine weitere Ansprache des Präsidenten. Regie: O-Ton / Amerik. Nachrichtensprecher (In OF: ab 12‘36) „Ladies and Gentlemen, the President of the United States…” SPRECHERIN Tags zuvor hat Franklin D. Roosevelt im Rundfunk den Einmarsch alliierter Truppen in Rom verkündet. Nun wendet sich der amerikanische Präsidente erneut an sein Volk: Regie: O-Ton / Roosevelt TC 12:36-13´42 My fellow Americans! Last night when I spoke to you about the fall of Rome I knew at that moment that troops of the United States and our allies were crossing the channel.” DARÜBER ZITATOR Liebe Mitbürger. Gestern Nacht, als ich zu Ihnen sprach, über den Fall von Rom, wusste ich in diesem Moment bereits, dass Truppen der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten den Kanal überquerten. Bis jetzt waren wir erfolgreich. Und so bitte ich Sie, in dieser kritischen Stunde, mit mir zu beten... SPRECHERIN Genau zu dieser Zeit arbeitet Thomas Mann an seinem Roman „Doktor Faustus – Die Geschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde“. Serenus Zeitblom heißt der eher furchtsame, brave Chronist, und in die Rekapitulation der tragischen Biographie Leverkühns mischt der Erzähler aktuelle Beobachtungen und Reflexionen. Am 23. Mai 1943 setzt der Roman ein, an diesem Tag beginnt Thomas Mann mit der Niederschrift. Im Juni 1944 befindet er sich im 33. Kapitel. Und die sensationelle Nachricht aus der Wirklichkeit diktiert ihm die Fiktion. MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:48 ZITATOR Die Invasion Frankreichs, als Möglichkeit längst anerkannt, hat sich vollzogen – eine mit vollkommener Umsicht vorbereitete technisch-militärische Leistung ersten oder überhaupt neuen Ranges, und bald waren es der zu Strande gebrachten Truppen, Tanks, Geschütze und jederlei Bedarfe mehr, als wir wirder ins Meer zu werfen vermochten. Cherbourg hat nach heroischen Radiogrammen des Kommandierenden Generals an den Führer kapituliert, und seit Tagen schon tobt eine Schlacht, deren Streitgegenstand die normannische Stadt Caen ist. MUSIK ENDE Regie: O-Ton / Dt. Kriegsberichterstatten 0’15 (In OF: 21’08) „Hier hart an uns vorbei heulen die Granaten der englischen Artillerie, sie beschießt den Dorfrand hinter unserem Rücken, wo man anscheinend Fahrzeug- bewegungen erkannt hat. In der Talsohle vor uns sind die grauen Ruinen und zerfetzten Baumstümpfe eines total, bis auf das letzte Haus heruntergebrannten Dorfes zu sehen. . MUSIK „Hydra“; ZEIT: 02:03 SPRECHER Um 3.30 Uhr hat der Feuerschlag begonnen. Tausende von Schiffsgeschützen beschießen die deutschen Befestigungsanlagen. In der Luft ist die gesamte Bomberflotte im Einsatz. Noch warten die über 4000 Landungsboote im sicheren Schutz der Geleitschiffe. Die alliierte Führung hat den 30 Kilometer langen Küstenstreifen in fünf Landezonen eingeteilt. Im Abschnitt „Utah“ und „Omaha“ landen amerikanische Soldaten, und in einem Boot vor „Omaha Beach“ sitzt mitten unter den durchnässten und frierenden G.I.s der weltberühmte Romancier Ernest Hemingway. Als Kriegs-Korrespondent hat er schon zuvor von vielen Fronten berichtet. Die Invasion sollte die Krönung für den Boxer, Stierkampf-Liebhaber und notorischen Macho sein. Seinen Wunsch, gleich in der ersten Angriffs-Welle mitzufahren, lehnt das alliierte Presse-Ministerium entsetzt ab – den ersten Lande-Einheiten werden wenig Überlebens-Chancen eingeräumt. Man rechnet mit 10.000 Toten, eine Zahl, die sich als realistisch erweisen sollte. Hemingway darf in die siebte Welle! ZITATOR Wir näherten uns der Küste im Morgengrauen. Das Landungsboot war sechsundreißig Fuß lang und sah aus wie ein Sarg. Er nahm viel Wasser über, das in grünen Schauern auf die Stahlhelme der Soldaten prasselte, die Schulter an Schulter hockten, in der steifen, ungeschickten, ungemütlichen, einsamen Genossenschaft von Männern, die in die Schlacht gehen. Unter der Back des stählernen Boots lagen Kisten voll TNT, mit Gummischwimmwesten umwickelt, um in der Brandung zu schwimmen, und Bazookas in Haufen und Kisten voll Bazooka-Raketen, und alle diese Munitionspacken steckten in wasserdichten Plastikhüllen wie die College-Girls, wenn’s regnet. Voraus war die französische Küste zu sehen. MUSIK ENDE SPRECHERIN Der Reporter Hemingway war auf „Omaha Beach“ gelandet; im südlichsten Abschnitt „Utah“ liegt der einfache Gefreite Jerome D.Salinger im Sand. Der spätere Verfasser von „Der Fänger im Roggen“ wird nur ein einziges Mal in seinem Leben von diesem Tag erzählen, leicht angetrunken, auf einem Veteranentreffen, sonst hätte die Welt nie davon erfahren. SPRECHER Dort, wo die Einheit von Jerome D.Salinger gelandet ist, trifft sie auf den heftigsten Widerstand der Deutschen. Hier sind die Verteidigungsanlagen am besten ausgebaut. Minenfelder, Sperrhöcker, Stacheldraht und in den Sand getriebene Balken machen die Landung von Panzern und Fahrzeugen schier unmöglich. Diese Balken heißen im Jargon der deutschen Landser „Rommelspargel“. Sie liefern, bald 15 Jahre später, dem Schriftsteller Günter Grass den Anlass für ein satirisches Gedicht in seinem Roman „Die Blechtrommel“. Im Sommer 1944 ist der Held Oskar Matzerath Mitglied in einer Fronttheatertruppe. Man gastiert in Frankreich. Während eines Picknicks auf den Betonbunkern des „Atlantik-Walls“ wird spontan gedichtet. Künstlerin Kitty sagt die Verse auf: Regie: Blechtrommel-Wirbel MUSIK „Golden arrow“; ZEIT: 00:53 ZITATORIN Noch waffenstarrend, mit getarnten Zähnen Beton einstampfend, Rommelspargel Schon unterwegs ins Land Pantoffel, Wo jeden Sonntag Salzkartoffel Und freitags Fisch, auch Spiegeleier: Wir nähern uns dem Biedermeier (Trommelwirbel) ((Noch schlafen wir in Drahtverhauen Verbuddeln in Latrinen Minen Und träumen tags darauf von Gartenlauben, Von Kegelbrüdern, Turteltauben, Vom Kühlschrank, formschön Wasserspeier: Wir nähern uns dem Biedermeier! (Trommelwirbel) Muss mancher auch ins Gras noch beißen Muss manch ein Mutterherz noch reißen Trägt auch der Tod noch Fallschirmseide Knüpft er doch Rüschlein seinem Kleide Zupft Federn sich vom Pfau und Reiher Wir nähern uns dem Biedermeier! )) Blechtrommel-Wirbel SPRECHER Anderntags ist der Spaß vorbei, wird das Künstlervölkchen vom Angriff der Alliierten überrascht, Oskars Freundin Roswitha von einer Granate getötet. SPRECHERIN Tausende Kilometer entfernt, tief im Osten, empfängt ein weiterer späterer deutscher Literatur-Nobelpreisträger die Nachrichten aus der Normandie. Seit fünf Jahren, vom ersten Tag des Krieges an, marschiert der Infanterist Heinrich Böll durch den Schrecken. Er wird schwer verwundet und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Die Landung der Alliierten lässt Böll hoffen. Sehnsüchtig schreibt er gleich am 7. Juni aus einem ungarischen Lazarett an seine Frau Annemarie: ZITATOR Gestern Abend erfuhren wir alle mit großer Erregung und Erwartung von der Invasion im Westen. Das ist ein unglaublich wichtiges Ereignis, diese Invasion, das kann wirklich zur Entscheidung des Krieges noch in diesem Jahr führen; wäre es nicht toll, wenn uns endlich einmal ein Zeichen vom Beginn des Endes leuchten würde, ach, dieser wahnsinnige, verbrecherische Krieg muss bald zu Ende gehen! Regie: O-Ton Winston Churchill (In OF: 33’41) “We tried again and again to prevent this war... ZITATOR „Immer wieder haben wir versucht, diesen Krieg zu verhindern“, hat der britische Premierminister Winston Churchill im November 1939 gesagt. Regie: O-Ton kurz hochziehen „...which should not have happened… ZITATOR 1 “Aber jetzt sind wir im Krieg, und wir warden Krieg führen, und wir warden ihn solange führen, bis die andere Seite genug davon hat. Regie: O-Ton kurz hochziehen „...until the other side has had enough of it.“ SP…

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    Die Landung der Alliierten in der Normandie Jul 03, 2024
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    Gedenkveranstaltungen zum D-Day gehören für die Bewohner der Landungsstrände in der Normandie zum Jahresablauf. Staatsoberhäupter reisen an, Veteranen werden geehrt. In diesem Jahr zum 80. Mal. Sie feiern die Befreiung Frankreichs von deutschen Besatzern. Bei der Invasion der Alliierten wurden auch viele normannische Orte komplett zerstört. Ein Drittel aller getöteten französischen Zivilisten im 2. Weltkrieg kam während dieser knapp drei monatigen "Operation Overlord" ums Leben. Wie denken Franzosen heute über den D-Day? Ein Besuch im kleinen Ort Courseulle-sur-mer in der Normandie. Von Andrea Burtz CreditsAutorin dieser Folge: Andrea BurtzRegie: Ron SchicklerEs sprachen: Katja Bürkle, Ron Schickler, Andreas Neumann, Hemma MichelTechnik: Robin AuldRedaktion: Andrea Bräu Im Interview:Romain LeChartier, PensionswirtSamuel LeVasseur, FriedhofsgärtnerMathieu, SurferCorinne Vervaeke, FremdenführerinPhilippe Vervaeke, FremdenführerEric Tabaud, Karussellbesitzer, Fotosammler Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN (flüsternd) TON 1 Ich habe immer dasselbe Gefühl, wenn ich das Alter dieser Soldaten lese. Ich bin jetzt 30, die meisten sind jünger als ich. Der Älteste, der hier begraben ist, war 34. Ich habe Mitgefühl, wenn ich mich in ihre Lage versetze, mir ihre Lebenswege vorstelle. Was wohl im Moment der Landung in ihren Köpfen vorgegangen ist, und als sie sich entschlossen haben, herzukommen. Sie hatten keine Wahl. Auf Friedhöfen herrscht immer diese Stimmung von Ruhe und Gelassenheit. Atmo Friedhof SPRECHERIN Es ist ein sonniger Morgen in Bény-sur-mer (benie sür mär). Romain (Romˈɛ̃ː) ist der einzige Besucher auf dem kanadischen Soldatenfriedhof. Er stammt aus dem Nachbarort Courseulles (kúrsöll)und betreibt dort eine kleine Pension. Sein Blick schweift über die einheitlichen Grabsteine der 2.049 jungen Kanadier, die in den ersten Wochen der Normandie-Invasion im Juni 1944 gefallen sind. Auf jeder weißen Stele sind unter einem Ahornblatt Name, Rang und Todesdatum eingraviert. Dazwischen blühen Narzissen, Iris und rote Tulpen. SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN, TON 2 Es ist unvorstellbar. Jetzt sogar noch mehr. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass sowas heute nochmal passieren könnte. Dass Menschen sechstausend Kilometer auf einem Schiff oder in einem Flugzeug hinter sich bringen, um ein Land zu retten, das sie gar nicht kennen. Ich glaube, wenn man heute Leute zwischen 20 und 30 fragen würde, ob sie in der Lage wären, das zu tun, würden 99% „nein“ sagen. Es ist unvorstellbar, und das macht das Ganze noch stärker. ATMO Friedhof FREISTEHEND, SAMUEL LEVASSEUR, TON 3 Je suis jardinier. Ca fait 30 ans que je fais le travail pour le cimetière. SPRECHERIN Samuel Levasseur (samüäl lövassör) ist seit 30 Jahren der einzige Gärtner des Soldatenfriedhofs. Im Ort heißt es, es sei der schönste der Region. Denn Samuel sorgt dafür, dass er ganzjährig blüht. Im Juni, zum Jahrestag der Landung, setzt er Klatschmohn. Damit schmückten schon die Einheimischen im Frühsommer 1944 die Gräber. Dem Gärtner ist es wichtig, den Gefallenen jeden Tag aufs Neue seine Ehre zu erweisen. SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG SAMUEL LEVASSEUR TON 4 (Samuel, ov) Am Ende bleiben nur ihre Gräber. Ich bepflanze sie, damit sie hübsch aussehen, und um ihnen zu huldigen. Ein wunderschöner Tribut, den ich zollen kann. In diesem Jahr ist es vielleicht das letzte Mal, dass wir den Gedenktag mit Veteranen begehen. Zum Glück konnten wir die Andenken dieser Männer bewahren, ich habe einige gesammelt. Sie sollen nicht vergessen werden. MUSIK Moonbow 01:00min SPRECHERIN Manche Angehörige hinterlassen Hochzeitsfotos, handgeschriebene Nachrichten und sogar Schmuck auf den Gräbern. Nach einer Weile entfernt Samuel Levasseur die verwitterten Gegenstände, damit der Gesamteindruck der Gedenkstätte nicht gestört wird. Aber er hebt all diese Dinge auf und beantwortet Besuchern Fragen. Die 30 Jahre Arbeit zwischen den Grabsteinen junger Soldaten haben ihn geprägt. SPRECHERIN OV ÜBERSETZUNG CORINNE VERVAEKE; TON 5 Er ist ein Poet! Seine Verse sind sehr bewegend, er schreibt wunderschöne, schlichte Gedichte, besonders über die Kanadier. Wenn er es mal wagt, seine Gedichte anderen vorzulesen –Samuel ist sehr schüchtern! – dann weinen alle. Sie sind so schön, dass alle in Tränen ausbrechen. SPRECHERIN Fremdenführerin Corinne Vervaeke (Corinn Fövaake) hat mit Besuchergruppen schon oft den Soldatenfriedhof Bény und seinen Gärtner besucht. Sie kennt seine Gedichte. SPRECHERIN OV ÜBERSETZUNG CORINNE VERVAEKE, TON 6 Sie sind sehr kurz, nur wenige Zeilen. Er erzählt zum Beispiel vom Soldaten, der seine Familie in der Ferne zurücklassen muss, der das Meer überquert, auf normannischem Sand fällt und schließlich für immer in der Erde der Normandie schläft, weit entfernt vom gelobten Land. SPRECHERIN An manchen Tagen kommen bis zu sechs Touristenbusse zum Soldatenfriedhof Bény,(Bénie) der auf einer Anhöhe liegt. Drei Kilometer Luftlinie vom Küstenabschnitt Juno Beach (engl. Aussprechen, beide Wörter) entfernt, wo die 3. Kanadische Division am 6. Juni 1944 landete. Vom Friedhof kann man in der Ferne das Meer sehen. Die winzigen bunten Punkte am Horizont sind Segel von Surfern wie Mathieu.(Matjö) Atmo WIND MEER SPRECHER 1 OV, ÜBERSETZUNG SURFER MATTHIEU TON 6 Je nach Windrichtung ist es ein besonders beliebter Spot für alle Windsurfer. Wenn wir auf dem Wasser sind, sehen wir das große Kreuz dort, das sorgt für eine besondere Atmosphäre. Wir können wirklich relativ weit sehen, vor allem das Lothringerkreuz. Es dient uns als Orientierungspunkt, denn bis dorthin müssen wir kommen… , ah der Wind ist heute stark….)) MUSIK GBE3A2123420 The Tide Of Fear 00:45min SPRECHERIN 18 Meter ragt das Lothringerkreuz am Strand von Courseulles in den Himmel. Es wurde 1990 zu Ehren des ehemaligen Generals und Staatspräsidenten Charles de Gaulle errichtet. Am 14. Juni 1944, gut eine Woche nach dem D-Day, war de Gaulle am Juno Beach in Courseulles an Land gegangen - vier Jahre nachdem er vor dem Vichy Regime und den nationalsozialistischen deutschen Besatzern nach London ins Exil geflohen war. Das Doppelkreuz erinnert an seine Rückkehr. Die Freien Französischen Streitkräfte hatten das Symbol aus dem Mittelalter übernommen - als Gegenstück zum Hakenkreuz der Nationalsozialisten. Fremdenführerin Corinne Vervaeke packt ihre Tasche für die große Familientour zum D-Day: Original Lebensmittelkarten, Helme und Pullover von US Soldaten, ein Feldtelefon. 60 Kilo Anschauungsmaterial aus der Zeit der Besatzung und Befreiung. Die Kinder dürfen alles anfassen und ausprobieren. SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE TON 7 Das kratzt und piekt, das Feldtelefon ist schwer. Die Kinder dürfen es auf dem Rücken tragen… Damals sind die Soldaten mit ihren großen Rucksäcken ins Wasser gesprungen, sie hatten wirklich Gewicht! All das werden die Kinder ihr Leben lang nicht vergessen. Dinge anzufassen, das spricht die Sinne an und bleibt im Gedächtnis. SPRECHERIN Corinne Vervaeke hat ihr Haar mit kleinen Kämmchen zurückgesteckt, so wie es in den 1940er Jahren Mode war. Auch ihr Rock, Bluse und Schuhe stammen aus der Zeit. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, hat die Sportlehrerin sich ihren großen Wunsch erfüllt, noch ein Geschichtsstudium anzuhängen. Seither macht sie Führungen in Courseulles. Corinne stammt aus der Region und kennt den Ort. Sie betont, dass es wichtig sei, zu unterscheiden: Zwischen den großen Festlichkeiten zum Jahrestag der Landung als Dank an die Veteranen. Und dem, was französischen Zivilisten damals während der Befreiung widerfahren ist. SPRECHERIN OV, ÜBERSETZUNG CORINNE TON 9 Das war sehr schwer für die normannische Bevölkerung. Viele Häuser waren zerstört und ein Teil der Zivilisten durch die Bomben der Alliierten ums Leben gekommen. Heute muss man das alles ein bisschen vergessen, ein bisschen glätten und sich daran erinnern, dass wir dadurch heute in Frieden leben können. Passiert ist es der Generation unserer Eltern. Für uns war die Befreiung dann ein großes Glück. Für uns ist eine Erinnerung - keine gelebte Realität! SPRECHERIN Corinnes Mann Philippe (Filiep), nach 37 Jahren in der Armee nun im Ruhestand, definiert den D-Day ganz klar: SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG PHILIPPE VERVAEKE TON 10 Für uns ist die Landung tatsächlich der erste Tag eines neuen Europa. Eines friedlichen Europa. Das ist nicht der 8. Mai. Der 8. Mai markiert das Ende des Krieges. Aber der entscheidende Faktor war für uns die Landung. Hier wurde klar, dass wir aufhören müssen, ständig Kriege zu führe, und dass wir Europa schaffen müssen. MUSIK Moonbow 00:30min SPRECHERIN Interesse an der eigenen Geschichte zu wecken und Völkerverständigung zu unterstützen, ist für Philippe Vervaeke unerlässlich. Heute macht sich der Rentner für Städtepartnerschaften stark und unterstützt seine Frau bei ihren Führungen am Juno Beach. Auch er passt seine Kleidung dabei an die 40er Jahre an. Der Hobbysammler kann aus seinem eigenen Fundus schöpfen: Er trägt Uniform und Schiffchen eines Kriegsberichterstatters bei US-Armee. SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE TON 11 (Reportagig) Da ist Philippe. Wir sind am Strandabschnitt der Kanadier, aber Philipp trägt keine kanadische Uniform… SPRECHER 2 OV Übersetzung Philippe: Also Kinder – wie bin ich gekleidet? … Es steht auf der Tasche wie bei einem Camembert aus der Normandie… Ich bin ein Journalist…)) SPRECHERIN Familien aus ganz Frankreich sind mit ihren Kindern gekommen, um beim Strandspaziergang zu erfahren, was sich hier im Jahr 1944 zugetragen hat. Wo genau der bekannte Panzer einen Bombenkrater füllte, damit nachkommende Fahrzeuge über ihn hinwegfahren konnten. Warum es wichtig war, all die kleinen Brücken über dem Flüsschen „Seulle“ zu schützen und wie klein die Provianttasche eines US Soldaten war. Nachdem die Kinder noch einen restaurierten Panzer bestaunt haben, geht es direkt aufs Dach eines Bunkers – auf den sogenannten „Atlantikwall“. SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE, TON 12 Also – sieht das so aus wie eine Mauer? Stehen wir auf einer Mauer? – (Kinder im Chor, FREI STEHEN LASSEN) NON! – Tatsächlich nennt man es Atlantikwall, weil es als Schutz diente. Eigentlich besteht er aber aus vielen einzelnen Bunkern. 13.O-TON: Trompetenstoß, Fliegerlärm SPRECHERIN Philippe bläst zum Appell. Zufällig schießt am Himmel ein historischer Flieger über die Köpfe der erstaunten Besuchergruppe hinweg. Am Ende gibt es noch ein Quiz: Philippe zieht Soldatenhelme aus einer Tasche, die Kinder sollen das Land seiner Herkunft erraten. SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG PHILIPPE TON 14 Ja, das ist einfach – ein deutscher! Es ist das einzige Objekt meiner Sammlung, das nicht historisch ist. Der deutsche Helm gehört zum Kostüm des Films „Saving Private Ryan“, es ist eine Filmrequisite. Denn heute sind deutsche Sammlerstücke sehr, sehr teuer. SPRECHERIN Nach der zweistündigen Tour sind die Kinder beeindruckt. Was ein Soldat beim Sprung ins Meer mit sich führte und wie klein seine Essensration war, werden sie nicht vergessen. ATMO STRAND/MEER SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG SURFER MATHIEU TON 15 Es gibt hier ja direkt das Museum – aber wir schauen uns das nicht ständig an. Wir leben in Courseulles, einem Ort, der für Wassersport wie geschaffen ist. Unter den heutigen Bedingungen ist es großartig! SPRECHERIN Surfer Mathieu rollt das Segel aus, um schnell raus aufs Meer zu kommen. Am Strand kennt man sich hier unter Wassersportlern. SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG SURFER MATHIEU TON 16 Ganz ehrlich? Ich habe keine Zeit, um mir all das anzuschauen, was hier sich hier zugetragen hat. Ich bin zu sehr mit meiner Arbeit beschäftigt. Die Gedenkveranstaltungen sind immer besonders, wir erleben dann die Geschichte ein bisschen noch einmal. Für uns Einheimische ist es gar nicht so leicht, da einen Platz zu bekommen. Aber es zieht Touristen an– das ist gut für die Region! ATMO Meer SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 17 Hier am Strand gibt es auch eine Surfschule, die Leute haben hier Spaß, und ich gehe dort schwimmen. Ich denke nicht an die Landung, wenn ich meinen Hund ausführe. Manchmal vielleicht, aber nicht täglich. MUSIK Sad News Story 01:27min SPRECHERIN Pensionsbetreiber Romain liebt seine Heimat, die Normandie. Die satten Wiesen, die vielen Pferde, die blühenden Apfelbäume im Frühling und natürlich das Meer. Häufig wird er von seinen amerikanischen Gästen gefragt, ob er an dem Strand wirklich baden geht, an dem so viele Soldaten ihr Leben lassen mussten. SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 18 Dann antworte ich, dass ich nicht daran denke. Das mag manchem verrückt erscheinen. (…) Ich sage den Leuten dann, wenn man an jedem Ort aufhört zu leben, an dem sich etwas Schlimmes ereignet hat, egal ob ein Krieg oder etwas anderes, dann könnte man nicht mehr leben. Besonders in der Normandie. Wir haben viele solcher Orte. SPRECHERIN Seit drei Jahren betreibt der 30jährige die kleine Pension in seiner Heimat Courseulles. Ein 4000 Seelen Ort, der im Sommer von Badegästen lebt und im restlichen Jahr von Geschichtstouristen. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert hat Romain im Bewusstsein renoviert, künftig Gastgeber für Menschen aus aller Welt zu sein, die an der Normandie vor allem die berühmte Landung interessiert - weniger ihre Landschaft. Kanadier, Engländer, Amerikaner. SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 19 Natürlich kommen auch Franzosen. Für viele ist es so eine Art „Pilgerreise“, als müsse jeder Franzose einmal in seinem Leben die Landungsstrände besucht haben. Viele Eltern waren schon als Kinder hier. Egal, ob es 10, 20, 30, 40 Jahre her ist – sie sagen: „Ja, ich war mit meinen Eltern hier, ich erinnere mich!“ Der Vorteil hier ist, dass sich nicht viel verändert hat. Was vor 40 Jahren hier war, ist es auch heute noch. SPRECHERIN Touristen wollen Gräber entfernter Verwandte besuchen oder ganz speziellen Fragen nachgehen. Romain hat durch seine Gäste viel Neues über die Region erfahren, obwohl er hier aufgewachsen ist. Schon als Kind hat er all die Erinnerungsstätten und Museen mit der Familie oder Schulklasse besucht; viele Anekdoten gehört, die hier von Generation zu Generation weitergetragen werden. Die meisten Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben. MUSIK Hidden Story Pulse 01:11min SPRECHERIN Romains Großvater beschrieb oft den unvorstellbaren Lärm der Detonationen in der Nacht des 6. Juni 1944, den er noch in Flers (flär) hören konnte. Einem Ort, der im Landesinneren 70 Kilometer von der Küste entfernt liegt. Oft erinnerte er daran, wie quälend lang die Befreiung war - der D-Day war nur der Anfang. SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 20 Caen (kɑ̃) ist im August befreit worden. Die Alliierten sind aber schon Anfang Juni gelandet. Das muss man sich mal vorstellen: Sie haben Monate gebraucht, um diese 20 Kilometer vorzudringen. Es gab unerbittliche Kämpfe, dabei wurde Caen zu 90% zerstört, 3000 Zivilisten kamen ums Leben. Die Großmutter einer Freundin erzählte immer, dass sie während der Befreiung Caens durch die Alliierten fast alle Schulkameraden verloren hatte. SPRECHERIN Im Herbst 1944 saßen noch drei Kinder in der Klasse. Ein Bild, das sich bei Romain eingebrannt hat, obwohl er es nie gesehen hat. SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC, TON 21 Das Foto da wurde am 14. Juni 1944 aufgenommen, eine Woche nach der Landung. Das ist de Gaulle, dort wo das Rathaus ist … MUSIK Moonbow 00:52min SPRECHERIN Eric Tabaud (Eriq Taboh) ist stolz auf seine Sammlung. Über 10.000 Fotos hat der 63jährige Hobbyhistoriker bereits von Courseulles gesammelt und digitalisiert. Die Interessantesten präsentiert er auf seiner Internetseite. Das Museum, das sich mit der langen Geschichte Courseulles beschäftigt hat, ist sei…

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    Schmetterlinge - Die mit den Füßen schmecken Jul 02, 2024
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    Das Leben eines Schmetterlings beginnt als Ei. Aus dem Ei schlüpft eine Raupe. Manche fliegen bevorzugt bei Tag, andere lieber nachts, einige sind bunt, andere einfarbig - Schmetterlinge gibt es in vielen verschiedenen Farben und Formen. Weltweit gibt es 180.000 Arten - viele sind inzwischen bedroht. Von Claudia Steiner (BR 2022)

    Credits:
    Autorin dieser Folge: Claudia Steiner
    Regie: Susi Weichselbaumer
    Es sprach: Katja Schild
    Technik: Susanne Harasim
    Redaktion: Bernhard Kastner
    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
    Hier gibt es weitere spannende Folgen zur Welt der Insekten und Tiere:
    Tiere in der Pubertät - Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig
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    Ameisen - Staatenbildende Insekten der Superlative
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    Hornissen - Die Falken unter den Wespen
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    Für Schmetterlingskundler empfehlen wir außerdem die Plattform Lepiforum e.V.:
    EXTERNER LINK | LEPIFORUM e.V.

    Unsere Empfehlung für Naturinteressierte:
    Wilde Winkel. Bayerns Natur-Podcast
    „Wilde Winkel“ nimmt Dich mit auf Entdeckungstour in Bayerns wertvollste Natur. Jeden Monat geht’s in einen anderen wilden Winkel Bayerns zwischen den Alpen und der Rhön, dem Nördlinger Ries und dem Fichtelgebirge.
    EXTERNER LINK | SPOTIFY.COM | WILDE WINKEL.
    Literatur:
    Der Kosmos Schmetterlingsführer: Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen: Schmetterlinge, Raupen und Nahrungspflanzen, Heiko Bellmann und Rainer Ulrich, 2016



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