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    Latest Episodes:
    Gotische Bilderwelten - "Völlig losgelöst von der Erde" Jul 16, 2025
    Show notes

    "Es werde Licht, es geht immer weiter aufwärts", so könnte man einen Stil umschreiben, der sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchgesetzt hat. Die sogenannte "Gotik". Die Gotik brachte, um es ein wenig salopp zu sagen, ein wenig Licht ins vermeintlich dunkle Mittelalter. (BR 2023) Autor: Martin Trauner CreditsAutor dieser Folge: Martin TraunerRegie: Martin TraunerEs sprachen: Irina Wanka, Johannes HitzelbergerRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Prof. Heidrun Stein-Kecks, Department Medienwissenschaften und Kunstgeschichte - Institut für Kunstgeschichte Erlangen;Dr. Matthias Weniger, Bayerisches Nationalmuseum Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Die Geschichte der Glasarchitektur - Durchlässig für Licht JETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSENSkurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: MUSIK und evtl. Atmo ZITATOR (Goethe) Als ich das erste Mal nach dem Münster ging, hatte ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntnis guten Geschmacks. Auf Hörensagen ehrte ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen … SPRECHERIN Schreibt im 18. Jahrhundert der damalige Jurastudent Johann Wolfgang Goethe. Er war Anfang zwanzig, einigermaßen gebildet und er war zum Studieren in Straßburg gelandet. Also wollte er, wie man das halt in einer neuen, fremden Stadt so macht, er wollte sich die Kirche, das Münster anschauen… Die Kirche war schon damals vor langer Zeit, für Goethe muss das wohl im finstersten Mittelalter gewesen sein, im sogenannten „gotischen Stil“ erbaut worden… ZITATOR (Goethe) Ich war ein Feind der verworrenen Willkürlichkeiten gotischer Verzierungen. SPRECHERIN Diese Verworrenheit hätte der junge Goethe, der ja auch in seinen jungen Jahren schon alles wusste, natürlich sofort auf den ersten Blick erkannt, aber zur Sicherheit hatte er in einem damaligen Wörterbuch, also einer Enzyklopädie 18. Jahrhunderts nachgeschlagen. Da stand freilich nichts Gutes drin über die Gotik… Das Wörterbuch schreibt (von …) ZITATOR (Goethe) … von Unbestimmtem, Ungeordnetem, Unnatürlichem, Zusammengestoppeltem, Aufgeflicktem, Überladenem… SPRECHERIN Also: Von aufwändig gestalteten Gewölben und von Spitzbögen; von viel zu großen, und viel zu bunten Fenstern; ja: und alles strebt in die Höhe, alles irgendwie vertikal… Alles zusammengewürfelt. Scheußlich. Oder nicht? - Goethe überlegt tatsächlich, ob er das Straßburger Münster überhaupt betreten soll… MUSIK und Atmo aus SPRECHERIN Kurz mal eine Pause. Verlassen wir mal Goethe in Straßburg. – Begeben wir uns - wie der spätere Großdichter Goethe - auf eine Spurensuche und fragen mal bei heutigen Experten nach. - Was eigentlich bedeutet heutzutage der Begriff „Gotik“? 001 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) (Stöhnt) – Schwieriger Begriff, weil er eine lange Geschichte hat und weil er, einerseits, sehr bekannt ist, weil jeder was mit Gotik anfangen kann… aber doch das Ganze differenzierter gesehen werden muss.. SPRECHERIN Sagt Heidrun Stein-Kecks, Professorin für Kunstgeschichte… Wobei? Erkennen wir auch heute noch – so wie Goethe damals – erkennen wir Gotik auf den ersten Blick? 002 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Ja, auf den ersten Blick erkennt’s man freilich an den Spitzbögen und an dem Gewölbe, an den Dimensionen, an der Höhenentwicklung, am bestimmten Vertikalismus, an den Glasfenstern, also alles solche Dinge, die man sehr leicht erkennt und die auch allseits bekannt sind… Aber das alleine bedeutet nicht den Unterschied zwischen Gotik und Romanik SPRECHERIN Nochmals zum Begriff der Gotik. Das klingt ja schon irgendwie nach den Goten? - Gotik und Goten, gibt’s da eine Verbindung? 003 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Also es stimmt tatsächlich, dass der Begriff der „Gotik“ von den Goten abgeleitet wird. Das geht zurück auf einen Autor des 16. Jahrhunderts … SPRECHER (ZITATOR) Auf Giorgio Vasari. Der war ein Italiener. Aus dem 16. Jahrhundert. Er schrieb Künstlerbiographien. Und er teilte die Welt der Kunst in „Stilepochen“ ein. Also erfand er Begriffe wie „Manierismus“, „Renaissance“ oder auch die „Gotik“. Die Gotik oder die Goten, die mochte er freilich nicht. Die Goten, das waren die Deutschen… Er glaubte… 004 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) …dass die Goten diejenigen waren, die das römische Reich zerstört haben. Und zugleich aber auch alles damit Verbundene in der Architektur, also alle antike Architektur im Römischen Reich zerstört haben, in den vielen Kriegen, die sie geführt haben (…) Und niemand wusste mehr, wie man gut baut. Also das Wissen um eine gute Architektur ist vollständig verloren gegangen. Durch den Einfall der Goten und der Zerstörung des Römischen Reiches. MUSIK und ATMO (Straßburger Dom) SPRECHERIN Aber jetzt nochmals zurück zu Goethe, zu dem Moment, als er in das Straßburger Münster reingehen will: Die Goten, die waren also halbwilde Halsabschneider, das dachte auch Goethe seinerzeit. Die Kunst der Gotik, die Kunst des Mittelalters, die muss folglich – Giorgio Vasari hatte es ja so geschrieben - barbarisch gewesen sein… ZITATOR (Goethe) Ich war nicht gescheiter als ein Volk, das die ganze fremde Welt barbarisch nennt. Es hieß alles „Gotisch“, was nicht in mein System passte. Also: „Ganz vom Zierat erdrückt.“ SPRECHERIN Vielleicht kann man Goethes Eindrücke am besten mit Musik nachvollziehen. Eine so alte Kirche wie das Straßburger Münster, die hätte Goethe gerne im Sinne der Romanik gesehen, also die Kunst aus der Zeit vor der Gotik... Dunkel, ein paar Kerzen, bescheiden, gregorianische Choräle, natürlich einstimmige Musik … Also in etwa so… MUSIK „Sederunt“ – „langweilige“ Gregorianik SPRECHERIN Und dann betritt Goethe das Straßburger Münster. Eine „neue Musik“ empfängt ihn, die Kunst der „Ars Nova“. Es ist die Kunst der, ja, nennen wir sie einfach mal so, die Kunst der Gotik. - Mehrstimmige Musik. Die war extra für den gotischen Kirchenraum komponiert worden … MUSIK „Sederunt“ - Perotin SPRECHERIN Es werde Licht! 005 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Es war schon das Gefühl der ganzen Epoche, was sich auch in der Musik natürlich fortgesetzt hat (…) ZITATOR (Goethe) Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte … SPRECHERIN Der Baumeister des Münsters, erkannte Goethe, muss ein Genie gewesen sein. Denn er brachte den Himmel auf Erden… MUSIK hoch und aus 006 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Mit der Gotik kommt ja Licht in ganz anderer Form in die Kirchen hinein. Und das sieht man den Kunstwerken natürlich auch an. Romanische Kirchen waren sehr dunkel oft, hatten nur kleine Fenster (…) in der Gotik werden die Wände geöffnet, durch die riesigen Fenster. SPRECHERIN Sagt der Kunsthistoriker Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum in München… ATMO Bayerisches Nationalmuseum 007 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Also, wir stehen jetzt hier im Kirchensaal des Bayerischen Nationalmuseums mit viel gotischer Kunst… SPRECHERIN Der sogenannten Kirchensaal sieht aus wie eine kleine gotische Kirche, also halt so mit Spitzbögen und Rippengewölbe, aber voll mit Bildern, Skulpturen und Grabplatten aus der Zeit der „Gotik“… 008 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Man wollte einfach den Gegenständen aus dem christlichen Mittelalter einen entsprechenden Rahmen geben und hat deshalb so eine kirchenartige Halle um die Figuren herumgebaut, die dann tatsächlich als Kirchensaal bekannt ist, nicht nur innerhalb des Hauses … SPRECHERIN Der Kirchensaal, erbaut in den 1890er Jahren in einem neugotischen Stil, hat keine Fenster, ist aber hell erleuchtet, durch Lichtspots an der Decke… 009 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Wenn Sie einmal die Möglichkeit hatten, sich gotische Kunstwerke in gotischen Kirchen ohne künstliches Licht anzuschauen, dann werden Sie merken, wie das Licht spielt… und das geht verloren, wenn Sie da mit Spots drauf leuchten, dann verliert das alle Tiefe und verliert auch alles Leben… MUSIKAKZENT SPRECHERIN Was nun heißt „gotische Kunst“. Bedeutet das mehr als ein paar Verspieltheiten in der Architektur? - Erstmal zurück auf Anfang. Wo hat diese mittelalterliche Kunst ihren Anfang gefunden? 010 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Ja. Entstanden ist das, was wir heute „gotische Architektur“ bezeichnen, als „Stilepoche“, als eine Epoche mit einer bestimmten Stilzuschreibung, das beginnt tatsächlich in Frankreich. SPRECHERIN Also nicht bei den vermeintlichen Goten in Deutschland. Sondern in Frankreich. 011 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Da hat man sogar zeitweise von französischer Kunst gesprochen, was ja auf eine gewisse Weise auch stimmte, weil es wirklich aus Frankreich kam… SPRECHERIN Die Kunsthistorikerin Heidrun Stein-Kecks ergänzt… 012 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, in den elfhundert 30er und 40er Jahren. Und zwar nicht in Frankreich, man müsste schon differenzieren, es beginnt tatsächlich in Paris, und in den Kronlanden, also in er Krondomäne des französischen Königtums … SPRECHERIN Krondomäne oder Krongut, das waren und sind schon wirklich sehr spezifische Begriffe für mittelalterliche Herrschaft, also, das was wir heute unter Gotik verstehen, begann in der Nähe von Paris, in Saint Denis. Die Stadt Saint Denis grenzte nördlich an Paris…l 013 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Als man 1140 in Saint Denis den Chorumgang gebaut hat, Abt „Suger“ oder „Suscher“, die Geburtstunde der, was wir heute als Gotik so verstehen, da war hier noch tiefste Romanik, und da war noch hundert Jahre lang Romanik, also noch als die Gotik in Frankreich ihren Höhepunkt erreichte, in Reims, da war immer noch Romanik in Bayern, bei uns. SPRECHERIN Die Kathedrale von Saint Denis wird zum Vorbild für viele neue Sakralbauten. Plötzlich wollten viele Fürsten in ihren Städten solche prächtigen Kathedralen, etwa in Köln, Regensburg oder Straßburg. Denn die Kathedrale ist ja nicht nur Ausdruck der göttlichen Herrschaft, sondern auch ein Zeichen der weltlichen Macht. MUSIK SPRECHERIN Und die Gotik zeigt sich nicht nur in neuen Kirchenbauten … 014 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Gotik bedeutet ja nicht nur die Architektur, sondern das ist ja ein Gebilde aus verschiedenen Künsten, die sich in der Architektur und gemeinsam in der Architektur zusammenfinden… ATMO Nationalmuseum SPRECHERIN Im Bayerischen Nationalmuseum stehen wir vor einer bärtigen, langhaarigen Figur, die sich scheinbar um einen Stock wickelt, auf den Schultern trägt der Wilde, ein Kind… 015 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Also Extravaganz ist sicher ein Aspekt, der wichtig ist, dieses tänzerische, dieses Extrovertierte… SPRECHERIN Aber wer ist jetzt dieser extrovertierte Tänzer? 016 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Das ist der Heilige Christophorus, der wirkte natürlich besonders wild und urtümlich… MUSIK ZITATOR Christophorus ist ein sehr spezieller Heiliger. In der Kunst wurde er als bärtiger Riese dargestellt, der ein Kind auf seinen Schultern über einen Fluss trägt. Der Legende nach soll er zum dem Kind gesagt haben, du bist mir immer schwerer geworden, so als hätte ich die Last der ganzen Welt auf den Schultern getragen. Das Kind habe geantwortet: Du hast sogar den Schöpfer der Welt auf deinen Schultern getragen. Ich bin das Christuskind…. MUSIK aus SPRECHERIN An der Holzfigur des Christophorus im Museum fällt sofort das kunstvoll gestaltete Gewand auf… 017 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger) Es ist vor allem immer in der Anlage der Gewänder… Also, was wir noch als Kunstgeschichtsstudenten etwas merkwürdig fanden, wenn unsere Lehrer immer nur über die Gewandbildung und über die Falten und über die Schüsselfalten und über die Muldenfalten und über die Röhrenfalten geredet haben… Aber man merkt, dass sich diese Generationen doch darüber definiert haben und dass das doch im Zentrum der künstlerischen Beschäftigung stand. Das kann man halt an den Zeichnungen und den Zeugnissen der Zeit ablesen… SPRECHERIN Der aus Lindenholz gefertigte Christophorus stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. – Also weit nach der Zeit der Begründung der Gotik in den Parisern Vororten… Und dann stellt sich doch die Frage, wie lange dauerte eigentlich die „Gotik“ – 018 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Das, was man als Gotik bezeichnet, erstreckt sich über ein halbes Jahrtausend. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wenn man so möchte, den Beginn in der französischen Gotik des 12. Jahrhunderts bis hin zur spätesten Gotik nördlich der Alpen… SPRECHERIN Gotik zeigte sich in vielen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten. Etwa in England, aber auch in Italien oder Spanien. Und auch in Bayern. Doch man muss wegen des großen Zeitrahmens vorsichtig sein, meint Heidrun Stein-Kecks 019 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Deswegen komme ich auf diese zeitliche Differenzierung. Wir haben in der Frühzeit Beispiele in Regensburg mit der Ulrichskirche, eine erste Übernahme von gotischen Formen in einer Kirche neben dem Dom und dann natürlich den Dom selber, der ein schönes Bespiel französischer Gotik in verschiedenen Elementen zeigt… MUSIK ZITATOR Mit dem Bau des Regensburger Doms wurde 1275 begonnen, nachdem die alte Kirche abgebrannt war. Angeblich war der damaligen Bischoff von Regensburg bei einer Reise nach Frankreich auf ein Kirchenkonzil in Lyon von der dortigen Bauweise so beeindruckt, dass er seine neue Kirche im Stile der französischen Gotik bauen wollte… SPRECHERIN Wohl eine Legende, sie erklärt aber sehr schön den Einzug der Gotik nach Bayern. Aber auch der Bischoff von Regensburg durfte damals schon gewusst haben, die Fertigstellung seiner Kirche wird er nicht mehr erleben… 020 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Die Lebensspanne eines Baumeisters ist bei Gott nicht der angemessene Rahmen für die zeitliche Spanne eines solchen Auftraggebers, es sei eines Königs oder Bischoffs oder die wie auch immer… Also wenn es um ein Projekt geht, wie bei einem solchen Kathedralbau oder eine große Abteikirche… Dieser Bau dient nicht nur der Versammlung der Menschen zum Gottesdienst. Sondern diese Architektur ist ja selbst ein Ort, in dem „Gott Wohnung nimmt“ SPRECHERIN Also etwa nach der Apokalypse, wenn die Welt zu Ende geht, wenn der Herrgott wiederkehrt. Wenn alles den Bach runter gegangen ist… 021 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Dann braucht es hier Bauten, die als Wohnstatt Gottes dienen können SPRECHERIN In einer gotischen Kirche, die vielleicht als Abbild des himmlischen Jerusalems dienen könnten? 022 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Sagt sich so leicht dahin, Abbild des himmlischen Jerusalems, aber es ist tatsächlich eben ein Ort, in dem Gott Wohnung nimmt, da gelten andere Spannen als eines menschlichen Lebens. SPRECHERIN Und dieses Denken beeinflusst auch Bayern weiter… 023 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks) Was wir dann in Bayern natürlich auch haben, ist aus der Spätgotik die Nürnberger großen Pfarrkirchen, Sankt Sebald und Sankt Lorenz, also die Chöre an diesen älteren Kirchen oder in Sankt Lorenz eben auch das ganze Langhaus. - Also, wir haben durchaus Beispiel, die zur gotischen Architektur zu zählen sind. MUSIKAKZENT SPRECHERIN Die Kunst, die heute unter der Rubrik Gotik überliefert ist, scheint dann doch sehr stark…

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    Traumkulissen - Die Bilderwelten Ludwigs II. Jul 15, 2025
    Show notes

    Exzentrisch, verschroben, verrückt - so erschien der bayerische König Ludwig II. schon vielen seiner Zeitgenossen. Sie staunten und stritten wegen der exotisch anmutenden Bilderwelten des jungen Monarchen. (Lernmaterial unter http://www.radiowissen.de)


    Geschichte der Landschaftsarchitektur: Wie kam das Grün in die Stadt? Jul 15, 2025
    Show notes

    Stadtgrün ist Lebensraum, Erholungsort und Klimaschützer. Doch wie kam das Grün in die Stadt? Wie hat sich die Bedeutung von Parks, Alleen und Grünflächen mit der Zeit verändert? In der Geschichte des Stadtgrüns spiegelt sich auch ein Wandel der Gesellschaft. Von Susanne Hofmann (BR 2025)Credits Autorin dieser Folge: Susanne HofmannRegie: Kirsten BöttcherEs sprachen: Maren Ulrich, Johannes Hitzelberger, Heiko RuprechtTechnik: Moritz HerrmannRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview: Professor Stefan Schweizer, Honorarprofessor am Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wiss. Vorstand der Stiftung Schloss und Park Benrath und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V.PD Dr.-Ing. Sylvia Butenschön, Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin Professor Klaus K. Loenhart, Institut für Architektur und Landschaft der TU Graz Podcast Tipp: Wir helfen Garten-Anfängern zu echten Auskennern zu werden. Egal ob gepachteter Kleingarten oder das erste Hochbeet fürs eigene Gemüse am Häuschen – wir haben die richtigen Tipps und Ratschläge für Euch! ZUM PODCAST Diese hörenswerten Folgen von IQ - Wissenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren: Schwammstadt - Architektur der Zukunft Enge in der Stadt - Alltag und Gesundheit Klimawandel - was soll ich allein schon dagegen tun? Klimarisiken - Wie können wir Europa retten? Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Für praktische Tipps wie Gärten Insekten-freundlich gestaltet werden können empfehlen wir Ihnen Summende Gärten Linktipps: Traktat von Karl Gottlob Schelle „Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen“ aus dem „Deutschen Textarchiv“ HIER geht es zu Website Christian Cay Lorenz Hirschfeld 1785, Theorie der Gartenkunst HIER geht es zur Website Literatur: A. Thumfart, B. Hollstein, S. Tänzer (Hg.), Gärten – Von der Naturbeherrschung zur gesellschaftlichen Utopie Ira Diana Mazzoni, 50 Klassiker Gärten und Parks, Gerstenberg Verlag, 2005 Jessica Jungbauer, Urban Oasis, Parks and Projects for a Greener Future, teNeues Verlag, 2023 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ZITATORIN – werbend gesprochen Ihr neues Zuhause wartet! Schmuckes Appartement in Altstadtnähe, nur wenige Schritte zu den grünen Oasen der Stadt mit naturnahen Freizeitmöglichkeiten. Lassen Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen! ERZÄHLER Städtisch und dennoch im Grünen – das beschreibt für viele Menschen die ideale Wohnlage. Die moderne Stadt ist eine grüne Stadt. Das städtische Grün gilt fast schon als Allheilmittel – gegen die Klimakrise, für die Volksgesundheit, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nicht zuletzt steigert das Grün auch den Wert von Immobilien. Man spricht von grüner Infrastruktur – also vernetzten Grünflächen, die für eine Stadt lebensnotwendig sind. Davon ist auch die Landschaftsarchitektin Dr. Sylvia Butenschön von der TU Berlin überzeugt: 1. ZUSPIELUNG Butenschön 3.05 Heute ist es ein wichtiges Element, um die Städte zu strukturieren, Grün- und Freiraum in die Stadtquartiere zu bringen. Und es ist natürlich aus ökologischer Sicht oder aus naturschutzfachlicher Sicht ein wichtiges Element der Stadt: Wir profitieren von der Frischluftentstehung oder der Kaltluftentstehung in den Grünflächen, davon, dass es großen Raum für Biodiversität in der Stadt bietet, also für Tiere und Pflanzen. Ja, und dann eben in der Folge als Lebensraum, als Aufenthaltsraum, als Erholungsraum für die Bevölkerung geeignet ist. ERZÄHLER Und doch ist die grüne Stadt aus historischer Sicht ein recht junges Phänomen, sagt der Kunsthistoriker Stefan Schweizer, Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sein Spezialgebiet ist die Gartengeschichte ab dem 17. Jahrhundert. 2. ZUSPIELUNG Schweizer 2.00 Das ist eigentlich eine Anomalie städtebaugeschichtlich seit der Frühneuzeit…. Bis 1600, vielleicht doch bis 1700 und mit den befestigten Städten bis 1800, ist die Stadt eigentlich genau das Gegenteil gewesen von Natur und das Gegenteil von Landschaft. Es war quasi die Ausgliederung von Natur aus dem urbanen Raum. (2.50) Wenn Sie sich historische Altstädte ansehen, … wenn sie an Siena denken oder Arezzo, die hochmittelalterlich geprägt sind, dann werden Sie … mit einer Enge und Dichte konfrontiert, die überhaupt keinen Raum ließ für öffentliches Grün. Musik 2: Begegnung mit Barbarossa - – 1.02 Min+ Atmo Schafweide, später Atmo Wiese ERZÄHLER Natur und Landschaft fanden sich im Mittelalter überwiegend außerhalb der Städte. Auch die Allmenden, also unbebaute Flächen, die allen gemeinsam gehörten – daher der altdeutsche Begriff - , lagen für gewöhnlich außerhalb der Stadtmauern. Man ließ Schafe und Rinder dort weiden und sammelte dort Brennholz. In der Stadt, verborgen hinter Mauern, befanden sich zwar durchaus grüne Oasen: Sorgfältig gepflegte, geometrisch um einen Brunnen angelegte Klostergärten zum Beispiel. Doch zu ihnen hatte das Volk keinen Zugang. Ebenso wenig wie zu den privaten Stadtgärten der besseren Gesellschaft. Die hatte selbst in der dicht besiedelten Stadt ihr eigenes Grün, oft in Form begrünter Innenhöfe. Man konnte sie von der Straße aus nicht einmal sehen. Begrünte öffentliche Plätze oder auch nur Bäume in der Stadt waren rar in Mittelalter und Renaissance, sagt der Kunsthistoriker Stefan Schweizer: 3. ZUSPIELUNG Schweizer 4.30 Kurz nach 1600 beginnen dann die Diskussionen darüber, weil die Städte sich vergrößern, weil die Städte sich verdichten, weil die sozialhygienischen Bedingungen immer prekärer werden, auch für die Oberschicht prekärer werden, also auch die Oberschicht ist vor Pandemien oder Epidemien eben nicht gefeit. …Und daraus lernt man natürlich: Die sozial-hygienischen Bedingungen in der Stadt müssen verbessert werden. Musik 3: 3. Satz: Sarabande en rondeau - CD492710 103 – 1:02 Min ERZÄHLER Man lechzte nach mehr Raum in den engen, überlaufenen Gassen. Auch nach frischer Luft - Schmutzwasser, Küchenabfälle und Fäkalien landeten schließlich oft in offenen Abwasserrinnen und sorgten für einen entsprechend strengen Geruch in der Stadt. Natur wurde dem gemeinen Städter erst peu-à-peu zugänglich gemacht, im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts. In London waren einzelne königliche Parks öffentlich, der St. James’s Park beispielsweise. Mit der Öffnung für das Volk wollte sich der damalige englische König Charles II. als großzügiger Herrscher präsentieren. Ebenso öffentlich zugänglich war in Paris der barocke Garten am Palast der Tuilerien. Dort residierte der Sonnenkönig Ludwig XIV. Bei dem königlichen Garten handelte es sich um eine streng symmetrische Anlage, mit Alleen, Zierbrunnen, Skulpturen, Blumenarrangements und penibel gestutzten Hecken. 4. ZUSPIELUNG Schweizer 9.50 Dort wird so ne Art Stände-übergreifende Nutzung eingeübt, was auch interessant ist, weil Gärten damit überhaupt zu eminenten Orten der bürgerlichen Partizipation auch werden und der Emanzipation. … Also in Kirchen sind sie separiert, in Rathäusern sind sie separiert – überall wird segregiert und separiert, und in Gärten passiert es eben nicht. ERZÄHLER Später bekam das öffentliche städtische Grün sozusagen Schützenhilfe, und zwar aus unerwarteter Richtung: der Waffentechnik. Die Weiterentwicklung der Artillerie führte dazu, dass sich die Art der Kriegsführung grundlegend änderte. Da Kanonenkugeln jetzt Bastionen durchdringen konnten, wurden diese militärisch wertlos. Deshalb baute man ab dem 19. Jahrhundert die Festungen sukzessive zurück und hatte damit auf einmal Platz, viel Platz rund um die Städte. Und den konnte man gut gebrauchen, viele platzten schon aus allen Nähten. Musik 4: 1. Satz aus: Sinfonia concertante (Haydn) – R0115330101 – 55 Sek ERZÄHLER Auf den eingeebneten Festungsringen entstanden großzügige Grüngürtel sowie breite Straßen, Boulevards – ein Wort, das sich aus dem niederländischen Begriff für Bollwerk ableitet. Die Boulevards waren von Bäumen gesäumt. Auch grüne Wege für Fußgänger entstanden rings um die Stadt, sogenannte Promenaden. Zum Beispiel in Wien. Da vermeldeten die Wiener Nachrichten am 14. September 1859: ZITATORIN Die dreißig Klafter ERZÄHLER also gut 50 Meter ZITATORIN breite, mit doppelten Baumreihen besetzte Straße, welche nach dem Stadterweiterungs-Plane gleich einem regelmäßigen Gürtel um die Stadt gezogen werden wird, erhielt den officiellen Namen Ringstraße. Musik aus, Wechsel in Atmo Parkanlange, Schritte, Tauben ERZÄHLER Oder der Leipziger Promenadenring, mit Sitzbänken und Raum für eine neue Kulturtechnik: Das Spazierengehen. ZITATOR Oeftere Spatziergänge im Freyen erhalten den Sinn für die Natur und geben ihr auf das Gemüth wohlthätigen Einfluß. Jeder nicht unedle Mensch fühlt sich im Freyen reiner und menschlicher gestimmt. Alles Gute seiner Natur entfaltet sich da. … Die großen und freyen Ansichten der Natur entfesseln von den kleinlichen Verhältnissen des städtischen Zwanges. ERZÄHLER So lobt der Schriftsteller Karl Gottlob Schelle 1802 in seinem Traktat „Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen“. Stefan Schweizer: 5. ZUSPIELUNG Schweizer 26.55 Das Promenieren ist nichts, was der Bürger des 16. Jahrhunderts als normal angesehen hätte, der hat seine Zeit mit wichtigeren Dingen zu verbringen, als zu promenieren. (27.22) Dazu brauchen sie ein gewisses Mindset, … und das hat auch sehr viel mit Freundschaftskult zu tun, der dann in der Romantik eben aufkommt, also unter Freunden gemeinsam in die Natur zu gehen. Und das ist übrigens dann auch eine politische Sache, in Teplitz besucht Goethe Beethoven, diesen schroffen Kerl, der ist da auf Kur und Goethe will sich mal mit ihm unterhalten, und dann gehen die an dem Tag spazieren, außerhalb der Stadt, an dem auch die Kaiserin dort aufschlägt. Und Beethoven und die Kaiserin gehen auf einen schmalen Pfad sich entgegen, und Beethoven weicht nicht. Und Goethe: Um Himmels Willen, Sie müssen doch der Kaiserin Platz machen! Nein – sie muss es für uns tun. Musik 5: Beethoven: Allegro vivace – M00113027Z00- 45 Sek ERZÄHLER Das Erwachen des bürgerlichen Selbstbewusstseins zeigt sich in dieser Kulturtechnik des Promenierens. Der Spaziergang wird zu einem wichtigen Teil der städtischen Freizeitkultur. Die Landschaftsarchitektin Sylvia Butenschön: 6. ZUSPIELUNG Butenschön 7.05 Und dann kommt eben von Hirschfeld Ende des 18. Jahrhunderts erstmal die Idee, zu sagen, wir brauchen eigentlich was Größeres, was Flächenhaftes, wo sich die Leute ausbreiten können, wo man sich erholen kann, wo man andere Leute treffen kann, was wirklich so ein Gegengewicht quasi zur dicht besiedelten Stadt bildet. ERZÄHLER Christian Cay Lorenz Hirschfeld, seines Zeichens ordentlicher Professor der Philosophie und der schönen Wissenschaften auf der Universität zu Kiel, formuliert es 1785 in seiner „Theorie der Gartenkunst“ so: Musik 6: Mozart: Oboenkonzert – 1:21 Min ZITATOR Eine ansehnliche Stadt muss in ihrem Umfang einen oder mehrere große offene Plätze haben, wo sich das Volk in gewissen Zeitpunkten der Freude oder der Noth versammeln und sich ausbreiten kann, wo eine freye und gesunde Luft athmet, und die Schönheit des Himmels und der Landschaft sich wieder zum Genuß eröffnet. Diese Plätze machen eine vorzügliche Zierde der Städte, wenn sie mit Rasen, mit Springbrunnen, mit Bildsäulen geschmückt, und von Baumpflanzungen und den schönern Gebäuden umkränzt sind. ERZÄHLER Die Idee des Volksgartens ist geboren, der Vorläufer des Volksparks und des späteren Stadtparks. Der Gartentheoretiker Hirschfeld zeigt sich in seinen Formulierungen ganz als Kind seiner Zeit, der Aufklärung: ZITATOR Diese Volksgärten sind… als ein wichtiges Bedürfnis des Stadtbewohners zu betrachten. Denn sie erquicken ihn nicht allein nach der Mühe des Tages mit anmuthigen Bildern und Empfindungen; sie ziehen ihn auch, indem sie ihn auf die Schauplätze der Natur locken, unmerklich von den unedlen … Arten der städtischen Zeitverkürzung ab, und gewöhnen ihn allmälig an das wohlfeile Vergnügen… Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu freuen. (S. 68 Theorie, Band 5) Musik 7: Walzer mit Trio – 23 Sek ERZÄHLER Wenig später, 1789, folgt der Theorie die Praxis. Auf Geheiß des Kurfürsten Karl Theodor wird in München ein riesiger Park angelegt, der Karl-Theodor-Park. Der Volksmund nennt ihn schnell den Englischen Garten. Denn er entspricht in seiner Gestaltung dem englischen Landschaftsgarten, ein Gegenentwurf zu den geometrisch angeordneten, übersichtlichen französischen Herrschaftsgärten der Barockzeit.. 8. ZUSPIELUNG Butenschön 7.40 Es war noch so ein Top-Down-Produkt, wo der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz ja in Anbetracht der Ereignisse in Frankreich, also der französischen Revolution, den klugen Rat bekommen hat, seinem Volk irgendwas Gutes zu tun … und gesagt hat, okay, wir machen einen großen Park für die Stadtbevölkerung direkt vor den Toren der Stadt und hat diesen Englischen Garten als Stadtpark angelegt, in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Das ist in zwei Jahren gebaut worden, am Anfang mit Fackelbeleuchtung in der Nacht, damit es möglichst schnell geht und damit man also möglichst schnell was präsentieren kann und was zeigen kann. Aber ganz klar das Motiv von dem Herrscher, der seinem Volk irgendwie was Gutes tun wollte, um die ruhig zu halten, sag ich mal so platt. ERZÄHLER Statt auf die Barrikaden zu gehen, sollte das Volk lieber flanieren. Dafür bot der Englische Garten mit seinen über 370 Hektar viel Platz. Er gehört noch heute zu den größten innerstädtischen Parks weltweit. Der erste Volksgarten, den eine Stadt selbst in Auftrag gab, unabhängig von einem adeligen Regenten, entstand in Magdeburg, genauer: unmittelbar vor der Stadt: der Klosterbergegarten. Alle Grünflächen rund um die Festung waren während der napoleonischen Kriege dem Erdboden gleich gemacht worden – damit auch das Stück Natur, zu dem die Magdeburger sonntags gerne strömten. Da beschloss die Stadt: 9. ZUSPIELUNG Butenschön 10.00 Das geht so nicht weiter, wir müssen irgendwie Grünflächen anlegen, weil um die Stadt rum ist alles öde und trist und in der Stadt ist es dicht bebaut und wir haben riesige Festungsanlagen um uns rum. Und 1824 hat dann die Stadt den damaligen Landschaftsarchitekten oder Obergärtner in Preußen, nämlich Peter Joseph Lenné, gebeten, einen Entwurf für einen Stadtpark vorzulegen für die Stadt Magdeburg. ATMO Garten, Schiffshorn ERZÄHLER Am Elbufer, südlich der Altstadt von Magdeburg, legte der Gartengestalter Peter Joseph Lenné den Volksgarten an, auf großzügigen 35 Hektar. 10. ZUSPIELUNG Butenschön 15:00 Er findet total richtig, dass dieser Park ein Ausdruck dessen sei, dass die Stadt sich so etwas leisten könne und wolle. Und damit hängt auch zusammen, dass nicht nur in seinem Stadtpark, sondern dann eigentlich in den meisten Stadtparks des 19. Jahrhunderts, dass immer ein Blick auf die Stadt geboten wird aus diesen Parkanlagen, also von den Spazierwegen. Das Bild der Stadt, die Silhouette mit den Türmen, dem Rathaus ist immer einbezogen und gerne der Ort, wo das Geld verdient wird. Das ist in Magdeburg die Elbe. Also der Blick auf die Elbe, wo die Schiffe fahren und wo der Handel getrieben wird. Das ist ein Bild in diesem Park, was man sehen soll, weil das quasi die Grundlage dafür ist, dass sich die Stadt so eine Anlage leisten kann. Musik 8: Der Tod aus Metropolis – 36 Sek ERZÄHLER Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchsen die urbanen Zentren. Zu Hunderttausenden drängten die Menschen, vor allem Arbeiter, in die Städte, die gar nicht so schnell Mietskasernen hochziehen konnten, um sie alle unterzubringen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner hausten in Hinterhauswohnungen ohne Luft und Licht und ohne Grün. Etliche Mieter mussten sich sogar schichtweise eine Schlafstelle teilen. Seuchen b…

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    Gedächtnisleistungen beim Tier - Was sich Tiere alles merken können Jul 15, 2025
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    Eine rasant wachsende Anzahl von Studien offenbart erstaunliche kognitive Fähigkeiten von immer mehr Tierarten. Auch bislang unterschätzte Tiere wie Fische oder Insekten zeigen intelligentes Verhalten. Was bedeutet das für den Menschen und sein Selbstverständnis? Von Marko Pauli (BR 2023) CreditsAutor dieser Folge: Marko PauliRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Hemma Michel, Julia FischerTechnik: Robin AuldRedaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Lars Chittka, Biologe, Entomologe, Sachbuchautor, Professor für Sinnes- und Verhaltensökologie an der Queen Mary University, London;Ludwig Huber, Verhaltensbiologe, Kognitionswissenschaftler, Sachbuchautor, Professor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien;Kristina Horback, Professorin für Tierverhalten an der Universität von KalifornienDiese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Regenerationskünstler - Wie Tiere sich selbst heilenJETZT ANHÖREN Queere Tiere? Alles Natur!JETZT ANHÖREN Warum Tiere singen - Alles NaturJETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:WirTier. Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier.WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und lassen uns teilhaben an ihrem Wissen über Tiere. Denn auch Forscherinnen und Forscher wissen zunehmend: Tiere haben Gefühle, Intelligenz und ein Sozialleben. Und auch Vici und Julius, die Hosts von WirTier, verändern sich durch diese Begegnungen – und stellen sich vielfältigen Herausforderungen auf der Weide, im Garten oder auch in freier Wildbahn. Literaturtipps: Lars Chittka "The Mind of a Bee", erschienen bei Princeton University Press, ab März 2024 auch auf Deutsch unter dem Titel "Im Cockpit der Biene":EXTERNER LINK | https://press.princeton.edu/books/ebook/9780691236247/the-mind-of-a-bee Ludwig Huber, "Das rationale Tier", erschienen beim Suhrkamp-Verlag:EXTERNER LINK | https://www.suhrkamp.de/buch/ludwig-huber-das-rationale-tier-t-9783518587713 Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wild Wild Web - Geschichten aus dem InternetHier findet ihr Geschichten aus dem Internet, die ihr so noch nie gehört habt.Heute: Orcas spielen Schiffe versenken - und das Netz macht sie zu Kämpfern gegen Klimawandel und Kapitalismus. Aber was steckt hinter den Orca-Begegnungen? Und warum lieben plötzlich alle Killerwale? Meme-Lord El Hotzo hilft uns bei der Suche nach Antworten:ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Atmo Biene(n) oder Hummel(n) Musik: Evolutionary science A 0‘37 Sprecherin In aller Welt entdecken Wissenschaftlerteams bei immer mehr Tierarten intelligentes Verhalten. Für Aufsehen sorgen etwa die Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe von Lars Chitttka [ch wie im Wort "richtig" ausgesprochen], Professor für Sinnes- und Verhaltensökologie an der Queen Mary University in London. Der deutsche Biologe und Entomologe beschäftigt sich seit den 90er Jahren mit den geistigen Fähigkeiten von Bienen und Hummeln. O-Ton 01 Chittka Also, einer der frühen Versuche, die wir so als mehr oder weniger Witz-Projekt während meiner Doktorarbeit gemacht haben, war die Frage danach, ob Bienen zählen können. Sprecherin Bei solchen Forschungsfragen geht es immer auch um menschliche Intelligenz, denn es müssen zunächst die dafür passenden Versuche erdacht und kreiert werden. O-Ton 02 Chittka Und da haben wir große pyramidenförmige Zelte aufgestellt in einer Serie zwischen ihrem Stock, dem Bienenstock und einer Futterstelle. Sprecherin Die Bienen lernten, dass dazwischen eine bestimmte Anzahl von Zelten, von Hindernissen liegt. O-Ton 03 Chittka Und wenn wir mehr aufgestellt haben, sind die Bienen im Schnitt früher gelandet. Und wenn wir weniger aufgestellt haben, sind sie über das gelernte Ziel, über die gelernte Entfernung herausgeschossen und sind weitergeflogen als normalerweise. Und da zeigte sich also tatsächlich, dass sie auf die Zahl dieser Landmarken reagiert haben. Und das hätte damals also in den 90er-Jahren eigentlich noch niemand für möglich gehalten. Musik: Busy concentration 0‘40 Sprecherin Bienen und Hummeln - Insekten insgesamt -, hat man vor dieser Zeit nicht viel mehr zugetraut als automatisiertes, roboterartiges Verhalten. Das Zählen der Hindernisse jedoch war der Start für einen Perspektivwechsel im Denken der Menschen, dem weitere Versuche zur Erforschung der geistigen Fähigkeiten von Bienen und Hummeln folgten. Heute ist Lars Chittka davon überzeugt, so schreibt er in seinem Bestseller "Mind of a Bee", dass jede Biene ein Bewusstsein hat, dass sie ihre umgebende Welt wahrnimmt, dass sie die Folgen ihrer Handlungen abschätzen kann, dass sie über Intelligenz verfügt. O-Ton 04 Chittka Und es haben mich immer wieder auch mal Studenten gefragt, wenn die denn so schlau sind, haben Sie denn auch Gefühle? Und das kam mir immer nach einer etwas absurden Fragestellungen vor und einer Fragestellung, bei der ich dachte, das ist eigentlich gar nicht erforschbar. Und deswegen habe ich das immer so abgetan. Musik: Fearful tearful 0‘41 Atmo Hummeln Sprecherin Doch dann hat das Team um Lars Chittka einen Versuch entwickelt, der eigentlich dafür gedacht war, herauszufinden, ob Hummeln lernen können, bestimmte Fressfeinde zu erkennen und sie in Zukunft zu meiden. Dafür haben die Wissenschaftler Krabbenspinnen nachgebaut - Spinnen, die in der Natur die Farbe von den Blüten, auf denen sie lauern, annehmen. Zwei Arme der Plastikspinne waren mit kleinen Schwämmen versehen, mit denen die Hummeln kurz festgehalten und dann wieder losgelassen wurden. Die Hummeln verhielten sich im Anschluss an diese Erfahrung auffällig. O-Ton 05 Chittka Sie waren also sichtbar nervös, haben vor jeder einzelnen Blüte auch noch Tage nach solchen Attacken sehr lange hin und her gescannt, bevor sie sich entschieden haben, dass das ja sicher sein könnte. Aber was ganz besonders erstaunlich war, war dieses Verhalten von so genanntem False-Alarm, also falschen Alarmen, wo sie eine komplett sichere Blüte inspiziert haben und dann weggeflogen sind. Und das sah uns tatsächlich so aus, als ob da, naja, zumindest schlampig formuliert, so etwas wie eine posttraumatische Stressbelastung vorlag. Nun war das noch keine formelle Diagnose von so einem Phänomen. Aber das deutete in die Richtung einer Art Gefühlswelt. Sprecherin Diese Erkenntnisse zählen wohl zu den vorläufigen Höhepunkten dessen, was Menschen Tieren kognitiv zutrauen. In der Wissenschaft beschäftigt man sich seit mehr als 100 Jahren mit der Erforschung der Intelligenz von Tieren - zunächst, ohne vor dieser großen Respekt zu haben. Musik: Plan of the animals 0‘54 Bevor Jane Goodall in den 1960er Jahren zeigte, dass Schimpansen Äste so bearbeiten, dass sie mit ihnen nach Termiten stochern können, dass sie also in der Lage sind, Werkzeuge zu schaffen und zu nutzen, haben Menschen den Tieren in Sachen Intelligenz so gut wie nichts zugetraut. Intelligenz war - so das vorherrschende Denken - allein dem Menschen vorbehalten. Doch die Schimpansen haben die Türen geöffnet: Heute weiß man, dass viele Tiere Werkzeuge nutzen - diverse Affenarten, aber auch Krähen, Oktopoden oder Delfine, die Schwämme aufsammeln, und sich auf die Schnauze legen, um damit den Meeresboden zu durchpflügen und kleine Tiere aufzuscheuchen. Immer mehr Tierarten bestehen auch den Spiegeltest - seit gut 50 Jahren ein Standard in der Erforschung tierischer Intelligenz: Tiere, die zeigen, dass sie sich im Spiegel erkennen, sind sich ihrer selbst bewusst, so die menschliche Theorie. Raben, Elefanten und manche Fischarten haben im Spiegel Flecken auf ihrem Körper entdeckt und versucht, diese zu entfernen. Zuletzt ist in der Forschung immer mehr in den Fokus gerückt, dass Tiere einer Art sich individuell verhalten - das gilt für große wie für kleine. Atmo Bienen Und damit zurück zu den Bienen und Lars Chittka: Die erste Frage, die ein menschliches Gehirn sich zusammendenken könnte, ist vielleicht: Wie schaffen es Bienen, intelligent zu agieren, trotz ihres - bei allem Respekt - ja eindeutig kleinen Gehirns. O-Ton 06 Chittka Es ist ja so, dass diese Gehirne zwar klein sind, aber das ist natürlich alles sehr, sehr elegant miniaturisiert. Wenn man sich die Struktur anguckt, hat jede einzelne von diesen Nervenzellen mitunter eine so fein verzweigte Struktur wie eine komplette Eiche, nur halt sehr viel kleiner. Und jede dieser Nervenzellen hat bis zu 10.000 Kontakte mit anderen Nervenzellen. Jede einzelne dieser Kontaktpunkte ist zumindest theoretisch erstmal plastisch und kann sich verändern durch Erfahrungen. Und wenn man sich dann die Komplexität dieser Verdrahtung zumindest in Ansätzen vor Augen führt, wird klar, warum wir als Wissenschaftler immer noch keinen kompletten Zugang dazu haben, wie komplex das gesamte Verdrahtungsdiagramm eigentlich ist. Musik: Leaping electrons (reduced) 0‘19 Sprecherin Ein verdichtetes Wunderwerk, geschaffen in Millionen Jahren der Evolution. Davon zeigt sich auch Ludwig Huber begeistert, Professor für vergleichende Kognitionsforschung an der Universität Wien. O-Ton 07 Huber Und das sind vielleicht die aufsehenerregendsten Befunde überhaupt, weil man hier ja auch mit Lebewesen zu tun hat, die nicht nur sehr weit von uns in der Verwandtschaft sozusagen entfernt sind, sondern weil sie auch ganz andere Gehirne haben als wir. Sprecherin Ludwig Huber ist Autor des Sachbuchs "Das rationale Tier", in dem er mit einer vierstelligen Anzahl von Zitaten aus wissenschaftlichen Studien nachweist, dass man auch nichtmenschlichen Lebewesen Rationalität und Bewusstsein in einem anspruchsvollen Sinn zugestehen kann. O-Ton 08 Huber Das ist das Zentrum des Buches, dass sie auch in einer gewissen Art und Weise rational sind, dass sie also Entscheidungen treffen, die effizient sind und die ihr Überleben fördern, also eine Art von praktischer Rationalität. Und dass dabei auch das Gefühl, die Emotion eine Rolle spielt. Musik: Animals playing catch 0‘25 Sprecherin So ein Tier ist auch der Oktopus. Oktopusse gebrauchen Werkzeuge, planen ihr Verhalten, täuschen Artgenossen, spielen gerne und können zählen. Sie gelten als die intelligentesten Weichtiere, verfügen allerdings über kein zentralisiertes Nervensystem, ihre Neuronen befinden sich hauptsächlich in den Armen. O-Ton 09 Huber Ja, also mit der Zentralisierung ist das so eine Sache. Wir wissen, auch in der Neurobiologie des menschlichen Gehirns, dass diese, wenn Sie so wollen, Rechenoperationen nicht in bestimmten Zentren, kleinen Gebieten lokalisiert sind, sondern dass fast überall ein großer Teil des Gehirns beteiligt ist, also ein verteiltes Nervensystem innerhalb eines kompakten Gehirns. Und wenn man an dieses verteilte Rechnen denkt, dann ist es so nicht so weit hergeholt, dass sich in einem Kraken, in einem Oktopus, das auch in die Arme verteilt und dieses Nervensystem im einfach nicht sagen morphologisch Kompakt ist, sondern eben auch anatomisch etwas verbreitet verteilt. Musik: Little fish 0‘56 Sprecherin Mit Intelligenz in Verbindung gebrachtes Verhalten im Tierreich endet nicht bei den Weichtieren. Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat Lernverhalten bei Quallen festgestellt. Die untersuchten kleinen Würfelquallen pulsieren normalerweise auf der Jagd nach Wasserflöhen durch trübe Gewässer mit Mangrovenwurzeln. Diese Umgebung wurde in einem Versuchsbecken simuliert. Die Quallen stießen zunächst gegen die vermeintlichen Wurzeln, doch schon nach wenigen Minuten vergrößerten sie den Abstand zu ihnen und prallten durch eine Anpassung der Schwimmrichtung nur noch halb so häufig dagegen. Das kann als assoziatives Lernen bezeichnet werden, d.h. Ursache und Wirkung sind der Qualle unbekannt, doch sie lernt durch Konditionierung. Zwar verfügt diese Qualle über 24 Augen, ein Gehirn aber hat sie nicht. O-Ton 10 Huber Natürlich, wenn wir vom Menschen ausgehen, dann sind wir sehr gehirnlastig unterwegs. Wenn man an wirbellose Tiere denkt, dann schaut die Sache anders aus. Aber es ist ein Nervensystem, das ist das Entscheidende. Es ist ein Nervensystem, es sind Neurone. Die chemisch-physikalische Arbeitsweise dieser Neurone ist sehr, sehr ähnlich wie der unserer Neurone, von daher ist der Unterschied nicht so groß. Aber im Netzwerk, in der Anordnung dieser Nervenzellen gibt es einen großen Unterschied. Musik: Genetics 0‘52 Sprecherin Die kognitiven Fähigkeiten und das damit zusammenhängende Verhalten von Tieren lässt sich allerdings nicht verallgemeinern. Die Forschung heute erkennt immer mehr, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Individuen innerhalb einer Art und innerhalb einer Population gibt. Selbst der Amazonenkärpfling, der Amazon Molly [englisch ausgesprochen], ein kleiner Fisch, der sich selbst klont, bei dem das Genom der Nachkommen, dem der Mutter entspricht, zeigt Individualität. Vom ersten Tag an sind einige der Klone aktiv und sozial und schwimmen weit weg auf der Suche nach Nahrung, andere bleiben lieber ruhig an einem Ort und schnappen dort nach herumfliegendem Futter. Ein Erklärungsmodell ist, dass der genetische Code nur eine Komponente dessen ist, was von den Eltern mitgegeben wird, hinzu kommen weitere unzählige Moleküle, die mit unseren Genen interagieren, die Epigenetik. Diese könnte eine größere Rolle bei der Entwicklung auch des menschlichen Verhaltens spielen, als Wissenschaftler bisher angenommen haben. Individualität hat Lars Chittka jedenfalls auch unter Bienen und Hummeln feststellen können. O-Ton 11 Chittka Also bei allen psychologischen Lernversuchen, die wir gemacht haben, zeigt sich, dass sich unterschiedliche Individuen oft ganz unterschiedlich verhalten. Das bezieht sich auf die Geschwindigkeit, mit der sie Dinge lernen und behalten, aber auch in Bezug darauf, wie offen sie gegenüber neuen Gegenständen sind, die sie noch nicht gesehen haben. Sprecherin Wenn den Bienen beispielsweise neue Blüten präsentiert wurden, zeigten manche Individuen Neugier und steuerten diese an, andere waren vorsichtig und blieben auf Abstand. Atmo Schafe Musik: Building the horse 0‘29 Sprecherin Auch Tiere, die in diesem Sinne für den Menschen lange nicht von Interesse waren, zeigen intelligentes und individuelles Verhalten: die sogenannten Nutztiere. Kristina Horback, Professorin für angewandte Verhaltensforschung an der University of California, Davis, untersucht deren kognitiven Fähigkeiten. Schafe zum Beispiel werden aus ihrer Sicht unterschätzt, zu Unrecht in die belämmerte Ecke gestellt. O-Ton 13 Horback Sheep are often a joke ... makes sense that this type of a social identification has evolved. Overvoice weiblich Über Schafe wird oft gescherzt, dass sie einander immer bloß folgen und sonst nicht viel los ist, aber die Forschung zeigt anderes: Schafe können z.B. die Gesichter von bis zu 50 anderen Schafen erkennen und zwischen einem bekannten und einem unbekannten Schaf unterscheiden. Und sie können sich diese 50 Individuen mindestens zwei Jahre lang einprägen. Das Gesicht ist für Schafe sehr wichtig. Außerdem können sie anhand des Gesichtsausdrucks erkennen, ob sich das andere Schaf in einem gestressten oder in einem ruhigeren Zustand befindet, z. B. anhand der Haltung der Ohren oder der Anspannung der Muskeln um die Augen. Man kann also sagen, dass bei Schafen eine Menge subtiler sozialer Intelligenz im Spiel ist. Dass das überraschend ist, liegt daran, dass Schafe eine bisher ziemlich übersehene Spezies sind. Dabei sind sie sehr gesellig, ein soziales Wesen zu sein ist wichtig für sie. Es macht also Sinn, dass sie diese Fähigkeiten entwickelt haben. Sprecherin Tiere wie Schafe, die in einem komplexe…

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    Berghütten früher und heute - Schutzhaus in luftiger Höhe Jul 14, 2025
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    Nur drei Tage brauchte der Hubschrauber, um die neue Olpererhütte im Zillertal zu errichten, Muli-Karawanen waren es beim Becherhaus im Stubai. Bis heute ist es eine Herausforderung, ein Schutzhaus unter Extrembedingungen zu errichten und zu bewirtschaften. Felsstürze und Trinkwasserprobleme machen es zusätzlich schwer. Von Georg Bayerle (BR2024) Credits Autor dieser Folge: Dr. Georg BayerleRegie: Sabine KienhöferEs sprach: Thomas BirnstielTechnik: Josef AngloherRedaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Gabi Braxmaier, Hüttenwirtin Kemptener HütteChristine Denk, Hüttenwirtin Augsburger HütteEm. Professor Dr. Hermann Kaufmann, Holzbau TU MünchenRobert Kolbitsch, Ressortleiter Hütten & Wege DAVProfessor Dr. Michael Krautblatter, Hangrutschungen TU MünchenPeter Mani, Hüttenreferent SACErich Pichler, ehem. Hüttenwirt Becherhaus Mehr Storys, Infos & Tipps vom Berg: Der Instagram-Kanal von BR Berge. Einfach abspeichern und rausgehen!https://www.instagram.com/br_berge/ Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Geschichte der Bergführer - Vom Nebenjob zum Profi JETZT ENTDECKEN Bergsteigerinnen - Unbekannte Heldinnen JETZT ENTDECKEN Philosophie der Berge - Von Höhen und Tiefen JETZT ENTDECKEN Bergsturz - Bedrohte Berge JETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLER: Mit gespannter Aufmerksamkeit beobachtet Dietmar Berchtold, wie Holzbauteile von Dach und Wänden von den Lastwagen entladen werden. Er koordiniert den Ladeplatz am Schlegeisspeicher im Zillertal. Männer in greller Warnkleidung und Helm wie er, stellen die Bauteile in einer festgelegten Reihenfolge auf. Atmo Hubschrauber Dann schwebt der Hubschrauber heran mit langem Steilseil, sekundenschnell befestigen sie ein meter-langes Wandstück, das jetzt schaukelnd in die Luft gehoben und auf den Berg zur Baustelle geflogen wird. 1.Zsp NO 0.14 Na sollten schnell die ganzen Wände hoch, dass wir bis zum Abend fertig werden. Cirka 50 - 60 Flüge haben wir heut und wenn’s Wetter wärmer wird, haben wir ein Problem, weil der Hubschrauber nicht mehr so viel lupfen kann, drum müssen wir am morgen früh gleich ‚wähla‘. ERZÄHLER: In pausenlosem Pendelflug geht es jetzt so weiter. 600 Höhenmeter weiter oben beobachtet der Architekt dieser Extrembaustelle, Professor Hermann Kaufmann, wie das am Hubschrauber hängende Bauteil gleich an der richtigen Stelle in das Holzskelett des Hüttenbaus eingesetzt wird. 2.Zsp OH 2.16 Das ist wie ein Puzzlespiel. Das muss genau passen und in einer sehr schnellen Taktfrequenz auch, damit das Ganze muss so vorbereitet werden, dass in der Taktfrequenz wie der Hubschrauber heraufkommt, dass es wirklich passt. Die haben keine Zeit, da lange herumzusägen, herumzubasteln. Atmo: sägen ERZÄHLER: 350 Einzelteile sind es, bis zu eineinhalb Tonnen schwer. Sie wurden in der Zimmerei vorgefertigt. Als fliegender Lastesel des 21.Jahrhunderts funktioniert der Hubschrauber dabei gleich als Kran auf der Baustelle in 2400 Meter Höhe. Zimmerleute turnen über die Holzkonstruktion, fangen die schwebenden Holzplatten und passen jedes Teil zentimetergenau ein. 3.Zsp NO 0.42 So etwas habe ich noch nie gemacht. So mit der Dramatik an der Baustelle. Das ist etwas Unbeschreibliches. Musik: Schnelle Schritte (reduced 1) 0‘40 ERZÄHLER: Hermann Kaufmann ist damals Professor für Holzbau an der Technischen Universität München. Die neue Olpererhütte im Zillertal entsteht im Juli 2007 in nur drei Tagen an derselben Stelle, wo die marode, 100 Jahre alte Berghütte, vorher abgerissen worden war. Der Neubau ist etwas vollkommen Neuartiges und stellt aus heutiger Sicht einen historischen Meilenstein dar: die neue Hütte soll so effizient wie möglich gebaut wer-den und besteht praktisch zur Gänze aus Naturmaterialien. Das Vorbild hatte der Architekturprofessor in seiner Heimat, dem Bregenzerwald gefunden: 4.Zsp NO 1.54 Man kann’s vergleichen mit einem altem Blockbau, der ja auch als Blockbau damals gebaut wurde, weil Holz ein Dämmmaterial ist und wir erwarten im Prinzip eine ähnliche Atmosphäre wie bei den alten Blockbauten, die ja im Sommer ein ganz angenehmes Klima haben. Solange das Dach ist, wird das Haus nicht verrotten, es hat einen Schindelpanzer an der Außenseite, solange diese Schindeln dicht sind, wird also auch diese ganze Konstruktion ewig überdauern. ERZÄHLER: Oder sie könnte, weil auf künstliche Isoliermaßnahmen verzichtet wurde, einfach an Ort und Stelle verrotten. Die über Jahrhunderte praktizierte Holzbauweise der Tradition eignet sich als Vorbild für die Anforderungen des 21.Jahrhunderts. Für Robert Kolbitsch, den Ressortleiter für die Hütten beim Deutschen Alpenverein, hat der Münchner Holzbauprofessor damit den Weg vorgegeben: 5.Zsp 001/3.20 Das hat der Kaufmann damals schon erkannt, dass wir bei reinen Sommerhütten schon Einiges reduzieren können. Dass wir die üblichen Baustandards, die wir vom Tal kennen, reduzieren können. ERZÄHLER: Es fängt bei der Hüttenarchitektur und den Baumaterialien an und geht bis in die Details der Installation. Klima, Umwelt und Bewirtschaftungsweise werden hier zusammengedacht. 6.Zsp 001/4.40: Es geht darum, Energieaufwände zu minimieren. Der größte Energieverbraucher ist die Küche, wir wollen dort auch den Aufwand reduzieren, indem wir sagen, wir müssen nicht mehr so viele Speisen anbieten, ich brauche auch weniger Personal, wir haben weiniger Personalunterkünfte, ich habe auch weniger Kühllagerung und das alles hat Auswirkungen auf den Energiebedarf. Musik: Hinter dem Nebel (reduced 1) 0‘46 ERZÄHLER: Das Beispiel zeigt die besondere Komplexität, die in einer Berghütte mit ihrem extremen Umfeld steckt. Wo nichts einfach vorhanden ist, Ver- und Entsorgung mit großem Aufwand verbunden und die Belastungen durch Wind und Wetter extrem sind. In der ersten Blütezeit des Alpinismus, Ende des 19.Jahrhunderts, war den Hüttenbauern kein Hindernis zu hoch, um ihre Schutzhäuser an die aberwitzigsten Stellen zu setzen. Nach einfachsten Anfängen wie der Alten Prager Hütte mit einem Raum und einem Dutzend geschlechtergetrennten Schlafplätzen, wuchsen die architektonischen Träume schnell in die Wolken. Buchstäblich: 3195 Meter hoch steht das Becherhaus als höchste Schutzhütte Südtirols auf einem Berggipfel. Erbaut wurde es vor 130 Jahren von der Alpenvereinssektion Hannover, die Material und Inventar mit Mulis über den sechsstündigen Aufstieg aus dem Tal heraufschaffen ließ. Erich Pichler hat die Hütte so lange wie niemand sonst bewirtschaftet: 7.Zsp BE 0.19 + 1.22 1800 Höhenmeter, das ganze Material hochbringen, hier auf den Gipfel. Erst einmal die Idee zu haben, hier oben eine Hütte hinzustellen. Nicht eine normale Hütte, sondern ein Prestigehaus, weil das sind Mauern mit einem Meter und Korkplatten und Moose und haben es mit roten Samtteppichen ausgelegt. ERZÄHLER: Das bürgerliche Milieu des Alpenvereins verpflanzte die städtische Lebenskultur gleich mit ins Hochgebirge. Dazu gehörte damals auch eine eigene Kapelle: 8.Zsp BE 3.10 Wir sind hier ausgerüstet, wir haben da das ganze Messgewand, das wir können anziehen, Altartuch, alles, was man braucht. Weil 30 Bergführer hier stationiert waren und die mussten sonntags in die Kirche gehen und so wurde die ganze Kirche dazugebaut. Musik: Weiter Blick 0‘39 ERZÄHLER: Ein Bauwerk wie das Schutzhaus auf dem Becher steht am Höhepunkt der Erschließungsphase der Alpen. Von 8 Hütten zur Zeit der Gründung der Alpenvereine um 1870 wuchs die Zahl auf über 300 im Jahr 1914 vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Großbürgerliche Salonkultur mit Ölbildern und roten Teppichen auf der einen Seite, die Einfachheit des modernen Blockbaus auf der anderen Seite: größer könnten die Gegensätze kaum sein. Und dabei müssen sich die Hütten in den Wetterextremen bewähren, so wie sie die Wirtinnen und Wirte oft im täglichen Wechsel erleben. Christine Denk bewirtschaftet die Augsburger Hütte, auf 2300 Metern in den Lechtaler Alpen: 9.Zsp AH 0.27 Ich finde es einfach übermächtig; und man merkt, man kann es nicht beeinflussen, also du kannst dir noch 15 Mal den Wetterbericht anschauen, es stimmt oft nicht, man ist immer ausgesetzt und muss es so nehmen wie es ist. Das ist richtig schön da heroben, finde ich. Musik: Ein neuer Tag (reduced 2) 0‘27 ERZÄHLER: An diesem Tag ist das Wetter schlecht. Es kommen wenig Gäste. Zeit für die Hütten-Chefin, Dinge zu tun, die sonst liegenbleiben. Auch die Augsburger Hütte ist historisch, sie stammt aus dem Jahr 1885 und wurde mehrmals renoviert und umgebaut. Zuletzt 1992. Aus dieser Zeit stammt auch die Toilettenanlage. Die Behälter, in denen die Fäkalien die ganze Saison über gesammelt werden, müssen regelmäßig ge-tauscht werden. Christine steigt über eine Außentreppe in einen Kellerraum; beim Öffnen der Tür schlägt ihr eine Gestankswolke entgegen, dann dreht sie den Plastik-Behälter zur nächsten leeren Kammer. 10.Zsp AH 1.10 Ich hab gottseidank eh einen schlechten Geruchssinn; so, das ist jetzt gedreht. Ich werde oben im Anlagenbuch aufschreiben, dass ich auf die Zahl vier gedreht habe. Und nächstes Jahr, wenn ich es ausleere, schau ich, wie voll die waren und ob man noch hätte warten können oder ob’s überfällig ist. ERZÄHLER: Aber es gibt keine Abwasserleitung, hier, über 1000 Höhenmeter über dem Tal. Und die Zeiten, in denen alles einfach in die Landschaft gespült wurde, sind lange vorbei; die Exkremente werden also in den Behältern gesammelt. Musik: Secret proofs 0‘16 Jedes Jahr im Juni, kurz vor dem Saisonstart muss Christine Denk die unangenehmste Arbeit des Jahres verrichten: das, was die rund 2000 Gäste im Vorjahr hinterlassen haben, muss ins Tal: 11.Zsp TR 16.35 Bei uns ist es baulich leider so, dass es große Behälter sind, die ich nicht nach außen fahren kann, sondern wir schaufeln das aus. Mit so einer kleinen Gartenschaufel steht dann einer vor der Luke und der nächste schüttet es in einen Bigpack. wir sind alle in Schutzanzügen und mit Mundschutz, dauert einen halben Tag und dann schaufelst du die Hinterlassenschaften von einer Saison Hütte aus. ERZÄHLER: Alltagsdinge, über die sich die meisten wenig Gedanken machen, werden auf 2300 Meter Höhe zur Herausforderung. Hier oben kommt das Wasser auch nicht einfach so aus dem Hahn. 12.Zsp TR 17.20 Wir sind eine Hütte, die nicht viel Wasser hat. Wir sind abhängig vom Oberflächenwasser, also Schmelzwasser; Gletscher gibt’s fast nicht mehr, also Schneewasser und dann Regenwasser. Erstes Thema ist, überhaupt zu vermeiden, Wasser zu verbrauchen. Das Ziel ist am Ende, eine Hütte bewirtschaften und dem Gast eine gute Zeit zu bringen, in den Bergen Zeit zu verbringen. Und am Ende musst du mit den Strukturen zurechtkommen, die dir das Umfeld dort bietet. Und wenn du nicht viel Wasser hast, ist eine Trocken-WC-Anlage auch eine Konsequenz daraus. ERZÄHLER: Über einen Schmelzwasserbach, der von einem Gletscher gespeist wird, 500 Höhenmeter weiter oben, war die Augsburger Hütte jahrzehntelang mit Wasser versorgt. Inzwischen ist der Gletscher durch die Klimaerwärmung praktisch verschwunden, in trockenen Sommern ist der Wasserzufluss in den vergangenen Jahren wochenlang ganz versiegt. In der Hüttenabteilung des DAV laufen die Problemberichte bei Robert Kolbitsch zusammen. Auf vielen Hütten müssen Lösungen für den Wassermangel gefunden werden. 13.Zsp 001/5.20 Das ist ein Thema, das uns immer stärker betrifft. Verursacht durch den Klimawandel im Gebirge, das spüren wir da oben zuallererst. Das heißt wir wer-den dort die jetzigen Spültoiletten auf Trockentoiletten umstellen und werden dadurch den Wasserverbrauch um 70% reduzieren. Weil ohne Wasser kann ich die Hütte nicht betreiben. Musik: Handicraft work 0‘19 ERZÄHLER: Die Folgerung liegt auf der Hand; aber gerade das Beispiel Augsburger Hütte zeigt, wie komplex das Thema Trockentoiletten ist. Erst seit kurzem sind Unternehmen richtig aktiv geworden und entwickeln Lösungen für Trockentoiletten auf Berghütten. 16.Zsp 001/6.20 Da tut sich extrem viel. Es gibt in der Schweiz keine neuen Hütten mehr, ohne Trockentoilettensysteme und wir werden die jetzt auf unseren Hütten adaptieren. Es gibt derzeit mehrere Projekte, wo wir Hütten auf Trockensysteme um-stellen. Wir werden die gebauten Beispiele evaluieren, und dann den Sektionen Hilfsmittel zur Verfügung stellen, wie wir künftig die Trockentoilettensysteme auf den Hütten umsetzen können. Musik: Testing procedure (reduced) 0‘41 ERZÄHLER: In der Organisationsstruktur des Alpenvereins sind jeweils die Sektionen die Betreiber der Hütten. Aber die Herausforderungen sind inzwischen zu groß für einzelne Alpenvereinssektionen. Denn der Wassermangel ist nur eines der Symptome des Klimawandels, der in den Alpen doppelt so schnell abläuft, wie im Flachland. Hier ist die Durchschnittstemperatur gegenüber 1880 bereits um 2 Grad gestiegen. Nicht nur Gletscher verschwinden rasend schnell wie über der Augsburger Hütte. Auch der Grund, auf dem Hütten stehen, wird instabil, weil der Permafrost im Fels auftaut. An der TU München erforscht Professor Michael Krautblatter die geologischen Prozesse im Gestein und steigt im Auftrag des Alpenvereins auch auf die Berge. Eines der Sorgenkinder ist die Landshuter Europahütte auf 2700 Meter Höhe über dem Brenner. Mit einem Netzwerk aus Sensoren und elektrischen Leitungen hat Michael Krautblatter durch die Messung der Leitfähigkeit im Untergrund Veränderungen im Permafrost erforscht. 17.Zsp 76/1.55 + 2.50 Bei der Landshuter Europahütte gibt’s sehr massive Setzungen. Und das sind sehr unterschiedliche Setzungsraten innerhalb der Hütte, das heißt, der bisherige Hüttenbau ist nicht zu erhalten. Und wir haben eine neue Fläche vorgeschlagen. ERZÄHLER: Während an dieser Stelle die alte Hütte nicht mehr zu retten ist, konnte Michael Krautblatter für die Stüdlhütte am Großglockner eine einfache Lösung finden: es ging darum, dass das Schmelzwasser vom Dach nicht mehr direkt neben der Hütte in den Boden einsickert und dadurch andauernde Frost- und Tau-Prozesse auslöst, die die Felsen aufsprengen. 18.Zsp 76/0.20 Die Stüdlhütte war für uns ein gutes Beispiel, es geht ja bei Alpen-vereinshütten auch darum, mit geringem Aufwand viel bewirken zu können. Und das ist ein Fall, wo wir gesehen haben, das warme Dachwasser, das in die Permafrost-Nordflanke fließt, ist die Hauptursache. Man hat einen begrenzten Eingriff, man führt dieses warme Dachwasser weg, und hat damit gleich eine ziemlich gute Wirkung. Musik: New discovery 0‘17 ERZÄHLER: Inzwischen greift der Klimawandel massiv in die Schutzhütten-Infrastruktur der Alpen ein. Der Deutsche Alpenverein steht vor einer gewaltigen Herausforderung, sagt Robert Kolbitsch, der Hüttenchef: 19.Zsp 002/2.45 + 4.09 Wir werden uns die Hüttenstandorte sehr genau anschauen, wir werden Risikobeurteilungen machen: wie schaut die Wasserversorgung der Hütte künftig aus, die Murengefahr auf den Hütten, Muren werden zunehmen. Wir müssen die Standorte sehr genau anschauen, macht der Erhalt des Standorts wirklich Sinn, wir müssen über Alternativen nachdenken und darüber nachdenken, einzelne Standorte schließen. ERZÄHLER: Der Schweizer Alpenclub SAC ist in diesem Bereich bereits weiter: durch die größeren Höhen und das extremere Relief treten hier die Klimawandelfolgen noch drastischer zutage. In einer großangelegten Untersuchung wurden gerade alle Hütten auf ihre Klimasensitivität untersucht. Ergebnis: jede dritte Schutzhütte ist vom Klimawandel bedroht, erklärt Peter Mani, Experte des SAC: 20.Zsp 81/1.32 + 2.24 Die Britanniahütte hat Probleme mit dem Zugang, weil der Gletscher dort weggeschmolzen ist. Früher war das ein einfacher Hatsch, heute dis-kutiert man dort, eine große Hängebrücke reinzutun, weil man durch das Gelände nicht mehr kommt. Bei der Oberaletschhütte ist das Problem beim Tourenangebot, die Hochtouren werden dort w…

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    Die Benin- Bronzen Faszinierende Kunst und koloniales Unrecht Jul 11, 2025
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    Sie sind nicht nur beeindruckende Kunstwerke, sie sind das Gedächtnis eines ganzen Volkes in Westafrika. Was sie genau zeigen, ist allerdings noch nicht vollständig entschlüsselt. Und nach einem Raubzug der britischen Kolonialmacht sind tausende Benin-Bronzen in der ganzen Welt verteilt. Wie soll die Rückgabe ablaufen? Autor: Linus Lüring (BR 2023)CreditsAutor/in dieser Folge: Linus LüringRegie: Martin TraunerEs sprachen: Thomas Birnstiel, Hemma Michel, Jerzy May, Katja SchildTechnik: Ursula KirsteinRedaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Dr. Stefan Eisenhofer, Leiter Leiter der Abteilungen Afrika und Nordamerika im Museum Fünf Kontinente, München;Dr. Oluwatoyin Sogbesan, nigerianische Kulturhistorikerin, Lagos Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Pickelhaube und Kokosnuss - Deutsche Kolonien in der SüdseeJETZT ANHÖREN Frantz Fanon - Vordenker des antikolonialen BefreiungskampfesJETZT ANHÖREN Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion: Paula sucht Paula Das Tagebuch der jungen Undercover-Journalistin Paula Schlier gibt uns heute, 100 Jahre später, einen seltenen Einblick in die Anfänge des Nationalsozialismus in München. Aber wer war diese Frau, was hat sie motiviert, war sie überhaupt eine Heldin? Die BR-Reporterin Paula Lochte begibt sich auf Spurensuche.Paula sucht Paula | Folge 1/4 | Alles Geschichte - History von radioWissenJETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHER Die afrikanischen Verteidiger sind chancenlos gegen die gewaltige Armee, die sich Anfang des Jahres 1897 an der Westküste Afrikas formiert hat. Rund 1200 schwer bewaffnete britische Soldaten, Begleittruppen und hunderte Träger machen sich auf den Weg ins Landesinnere. Ihr Ziel: Das Königreich Benin und deren Hauptstadt, Benin-City. Als einziges Gebiet in der Region ist es noch nicht von einem europäischen Staat unterworfen und zur Kolonie erklärt worden. SPRECHERIN Zu groß ist die Übermacht der Europäer, die mit Maschinengewehren vorrücken. Nach zehn Tagen ist der Kampf vorbei und Benin-City wird eingenommen. Bevor die Briten die Stadt anschließend niederbrennen, durchsuchen sie systematisch den Palast des Oba, des Herrschers von Benin. Dabei machen sie einen überraschenden Fund. Der britische Marineoffizier Reginald Bacon erinnert sich später so: ZITATOR In den Lagerhäusern war jede Menge Krempel. Alte Uniformen oder hässliche Schirme. Aber in einem Haus befanden sich - bedeckt von Schmutz - einige hundert einzigartige Bronzeplatten - wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs. Es waren wirklich hervorragende Güsse. Die Vielfalt der Details war fantastisch. SPRECHER Zum damaligen Zeitpunkt ist den britischen Soldaten nicht wirklich klar, was sie da vor sich haben. Erstmal nehmen sie alles mit, was sie finden können. Mehrere tausend Kunstwerke werden verschleppt. Vor allem Platten und Güsse aus Bronze und anderen Legierungen, aber auch Schnitzereien aus Elfenbein oder Holz. Für all diese Stücke setzt sich der Sammelbegriff "Benin-Bronzen" durch. SPRECHERIN Als die ersten Stücke nach Europa kommen, lösen sie eine gewaltige Begeisterung aus. Vor allem unter den Museen beginnt ein Wettlauf um die Benin-Bronzen. Ein Mitarbeiter des Königlichen Museums für Völkerkunde in Berlin telegraphiert an den deutschen Konsul in Westafrika, er solle von den erbeuteten Dingen “was immer erreichbar und ohne Rücksicht auf den Preis” kaufen. SPRECHER Etwas später kommen Bronzen auch nach Bayern. Die Münchner Neuesten Nachrichten melden im Dezember 1898: ZITATOR Sämtliche größere Museen Europas, Amerikas, ja selbst Australiens sind alarmiert und haben sich teilweise arm gekauft. Auch in unserem Münchner Ethnographischen Museum ist eben die erste derartige Sendung eingetroffen und wird demnächst zur Ausstellung kommen. SPRECHER Mehr als 120 Jahre später geht der Ethnologe Stefan Eisenhofer die imposante Haupttreppe im Museum Fünf Kontinente nach oben, wie das Ethnographische Museum heute heißt. Er ist Leiter der Abteilungen Afrika und Nordamerika. Sein Ziel: Die ausgestellten Benin-Bronzen in der zweiten Etage. Er bleibt vor einer der Vitrinen stehen. Darin ein Kopf aus dunklem Metall, etwa 30 Zentimeter hoch… ZUSPIELUNG 1 (Eisenhofer Beschreibung Kopf) Also hier sehen wir so einen typischen Ahnen-Gedenkkopf wie er auf den Ahnen-Altären im Reich Benin gestanden ist. Das ist ein menschlicher Kopf, sehr stark stilisiert, Sie sehen um den Hals diese Ringe, sind Korallen, Ketten, Perlenketten, die Ausweis der Majestät und des hohen Ranges des Königs waren. Und da oben auf dem Kopf, sehen Sie so diese Öffnung, da steckte ein Elefantenstoßzahn drin, der in der Regel dann eben noch beschnitzt war mit mythischen oder tatsächlichen Szenen aus der Vergangenheit des Reiches. SPRECHER Etwa 20 Objekte, die zu den Benin-Bronzen gezählt werden, umfasst die Sammlung im Münchner Museum. Ein vergleichsweise kleiner Bestand. Das Ethnologische Museum in Berlin verfügt über mehr als 500 Exponate. Die meisten Benin-Bronzen finden sich in britischen Museen. Und sie alle verbindet die Frage, die Stefan Eisenhofer stellt, als er vor dem kunstvoll gestalteten Kopf aus Bronze steht. ZUSPIELUNG 3 (Eisenhofer Frage) Ja, es ist tatsächlich die die Frage – wo gehören diese Ahnen-Gedenkköpfe hin? In die Museen der Welt, in Museen in Nigeria, in den Königspalast in Benin City, in ein Nationalmuseum von Nigeria oder zu anderen Familien, die vielleicht auch solche Köpfe besessen haben? SPRECHERIN Wie soll man umgehen mit den Benin-Bronzen, die zum großen Teil geraubt wurden und jetzt in Museen und privaten Sammlungen weltweit verteilt sind? Diese Debatte wird seit einigen Jahren hochemotional geführt. Vor allem in Nigeria, dem Staat, in dem sich das Gebiet des Königreich von Benin heute befindet - nicht zu verwechseln mit dem Staat Benin, der weiter westlich liegt. Die Nigerianerin Oluwatoyin Sogbesan [sprich:Olluwateun Schóbessahn, Aussprache auch im Digas-File, wo Frau Sogbesan ihren Namen einspricht] ist Kunsthistorikerin und Spezialistin für Fragen des kulturellen Erbes Afrikas. Die Benin-Bronzen sind für sie nur ein Beispiel für ein größeres Problem. ZUSPIELUNG 4 (Toyin - Afrika ist von außen leichter zu studieren als von innen ) Overvoice weiblich Es ist leichter, afrikanische Kultur in Museen auf der ganzen Welt zu erleben, als in Afrika. Alles wurde geplündert. Wie sollen wir unsere Geschichte zusammenfügen und verstehen? Denn das sind ja eigentlich Dinge, die die Kreativität und Fähigkeiten unserer Vorfahren verdeutlichen. So wird klar, was wir waren und wer wir sind. SPRECHER Es geht also bei der Diskussion um die Benin-Bronzen darum, wie Unrecht aus der Kolonialzeit wieder gut gemacht werden kann und auch um die Frage, wie sehr kolonialistisch geprägtes Denken bis heute wirkt. Auf der Suche nach Antworten muss man erstmal zurück an den Anfang. SPRECHERIN Denn schon im Jahr 1897, kurz nach dem britischen Raubzug, sorgen die Benin-Bronzen für Diskussionen. So heißt es im Bericht der Münchner Neuesten Nachrichten damals weiter: ZITATOR [Es] wurden Bronzegüsse aufgedeckt in einer Größe und in einer Vollendung… SPRECHER … wie man sie den Schwarzen niemals zugetraut hätte. Die Kunstwerke stellen alte Gewissheiten in Frage. Ja sogar die Argumentation, die der Unterwerfung des afrikanischen Kontinentes zugrunde lag, gerät ins Wanken, als die Benin-Bronzen nach Europa kommen. ZUSPIELUNG 5 (Eisenhofer Kolonialkritik) Der Tenor war ja, wir müssen Afrika kolonisieren, um die an die höheren Weihen der Zivilisation heranzuführen. Und jetzt stieß man auf diese tollen Kunstwerke, und das brachte die Befürworter des Kolonialismus in Erklärungsnot. Und kolonialkritische Kreise hatten halt gesagt, ihr erzählt uns immer Afrikaner, sind ohne unsere kolonisierende Hand ja nicht fähig, großartige Sachen zu schaffen. Wie erklärt ihr uns das jetzt? Und es wurden dann sehr schnell Erklärungsmodelle geschaffen, indem es hieß ja, das ist ja auch nicht von Afrikanern geschaffen worden, sondern wahrscheinlich von Arabern, die irgendwie aus dem Norden da waren, oder vielleicht von Europäern, die dort an Land gingen und dort blieben. SPRECHER So erklärt sich auch die Deutung des britischen Offiziers Reginald Bacon. Er war schnell von ägyptischem Einfluss ausgegangen. Aber es werden nicht nur die Fähigkeiten der Künstler des Königreiches von Benin angezweifelt. Es wird auch verkündet, man müsse die Benin-Bronzen nach Europa bringen und damit “retten”. Würden sie vor Ort in Westafrika bleiben, wären sie bald zerstört und damit Kunst von Weltrang unwiederbringlich verloren. Eine Sichtweise, die überheblicher kaum sein könnte. SPRECHERIN Dass die Benin-Bronzen tatsächlich vor Ort hergestellt wurden, wird inzwischen von niemandem mehr angezweifelt. Die Kunst der Bronze-Guss-Technik wird bis heute in Benin-City in Handwerkerfamilien von Generation zu Generation weitergegeben. SPRECHER Während die Herstellung der Benin-Bronzen also sehr konkret beschrieben werden kann, ist die Antwort auf eine andere Frage komplexer - nämlich warum die Kunstwerke geschaffen wurden. SPRECHERIN Dies ist eines der Schwerpunkte in der Forschung von Oluwatoyin Sogbesan. Die Kulturhistorikerin möchte dabei zuerst ein Missverständnis aufklären. ZUSPIELUNG (8 Toyin – mehr als Kunst) Overvoice weiblich Was oft als afrikanische Kunst bezeichnet wird, sind eigentlich Objekte, die eine wichtige Funktion haben. Sie werden genutzt für rituelle Zeremonien, für traditionelle Verehrung. Für die Menschen in Benin waren Sie ein Zeichen für die Macht des Oba, des Königs. Sie waren heilig, weil sie die früheren Könige ehrten. Viele der Benin-Bronzen stellen einen verstorbenen Oba dar. Sie galten als ein Medium, durch das der amtierende Oba mit seinen Vorfahren kommunizieren konnte. [Auch deshalb mussten sie so hochwertig ausgearbeitet werden.] Nochmal: Die Benin-Bronzen waren viel mehr als nur Kunstwerke. SPRECHERIN Die Benin-Bronzen sollten also vor allem durch ihre prunkvolle Gestaltung die Macht des Oba, also des Herrschers über das Königreich von Benin, symbolisieren. Aber die Objekte hatten noch eine zweite Funktion. Denn während in europäischen Kulturen Ereignisse seit Jahrhunderten schriftlich festgehalten wurden, gab es diese Tradition in den meisten afrikanischen Gesellschaften nicht. Daher spielen die Benin-Bronzen eine besonders wichtige Rolle, vor allem die Reliefplatten. ZUSPIELUNG (9 Toyin - historical recording) Overvoice weiblich Sie waren auch Objekte der Geschichtsschreibung. Das ist sozusagen die Art und Weise, wie Afrika schreibt. Jede Platte ist damit wie eine Seite in einem Geschichtsbuch. Man kann zum Beispiel Leoparden sehen, also Tiere mit denen die Menschen früher zu tun hatten. Die Benin-Bronzen waren also für die Menschen eine Möglichkeit, Ereignisse festzuhalten. SPRECHER Im Münchner Museum Fünf Kontinente erklärt Stefan Eisenhofer, der Kurator der Afrika-Abteilung, wie das konkret aussehen kann. Er zeigt im Ausstellungsraum einer dieser Bronzeplatten. Darauf sind unter anderem portugiesische Seefahrer zu sehen. ZUSPIELUNG 10 (Eisenhofer Portugiesen) Die Portugiesen erkennt man an diesen geraden Haaren, an diesen Schnittlauchhaaren und den sehr geraden Nasen. Also Europäer wurden von den Gießen in Benin sehr stereotyp dargestellt. Lange, glatte Schnittlauchhaare und eben sehr spitze, lange Nasen, während sie die Einheimischen mit sehr breiten Nasen dargestellt haben. Sie sehen hier auch zwei Würdenträger dargestellt auf dieser Benin-Platte. SPRECHERIN Die Erforschung der Benin-Bronzen ist enorm kompliziert. Es ist nicht nur oft schwer zu deuten, was genau auf den Platten zu sehen ist oder wen ein Ahnenkopf darstellen soll - auch eine genaue Datierung ist meist nicht möglich, weil eben weitere Erklärungen oder schriftliche Ergänzungen fehlen. Es wird davon ausgegangen, dass die ältesten Bronzen aus dem 12. Jahrhundert stammen. SPRECHER Dass so wenig bekannt ist, liegt auch daran, dass die Briten 1897 den Palast des Oba weitgehend zerstörten und auch viele Würdenträger ermordeten. Diese gaben oft historisches Wissen mündlich an folgende Generationen weiter. SPRECHERIN Die Folge ist für Oluwatoyin Sogbesan eine Wissenslücke zwischen den Generationen - bis heute. ZUSPIELUNG 12 (Toyin - Gap) Ohne Overvoice SPRECHERIN Gerade weil die Benin-Bronzen so zentral sind für die Geschichtsschreibung eines ganzen Volkes und damit auch für dessen Identität, wurde der Raubzug zu einem zentralen Beispiel für koloniales Unrecht. Die Debatten um eine Restitution, also die Rückgabe, wird international verfolgt. SPRECHER Ein Rückblick: In den 1930er Jahren fordert der Hof von Benin erstmals offiziell von der britischen Krone die Rückgabe der Kulturgüter. Der Erfolg ist gering. Doch der Wunsch bleibt bestehen. 1960 wird Nigeria 1960 unabhängig von Großbritannien. Das Königreich von Benin ist nun Teil dieses neuen Staates. Der traditionelle Herrscher, der Oba, übt wieder großen Einfluss aus. SPRECHERIN 1972 wird in Benin-City ein Museum geplant, in dem auch Benin-Bronzen ausgestellt werden sollen. Nigerianische Diplomaten bitten darum, einige Stücke als Dauerleihgaben aus Deutschland zu bekommen. Sie stützen sich damals auf den Internationalen Museumsrat. Das Gremium hat empfohlen, geraubte Kulturgüter den noch jungen afrikanischen Staaten zurückzugeben. So soll ihnen ein besserer Zugang zur eigenen Kultur ermöglicht werden. SPRECHER Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin lehnt die Anfrage aus Nigeria damals allerdings umgehend ab. Sie besitzt die zweitgrößte Sammlung von Benin-Bronzen weltweit. Das Land habe keinen „moralischen Anspruch“ auf die Objekte und die Erwerbungen der Berliner Museen seien “von jedem Makel frei”. SPRECHERIN An dieser Haltung wird sich in den folgenden Jahren wenig ändern. Es entsteht das, was die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy eine “Sperrmauer der Institutionen” nennt. Währenddessen blüht der internationale Markt für die Benin-Bronzen weiter. SPRECHER Noch 2007 ersteigert ein privater Bieter beim Auktionshaus Sotheby`s einen bronzenen Kopf aus Benin für fast fünf Millionen Dollar. Eine Versteigerung ähnlicher Stücke einige Jahre später muss dann allerdings gestoppt werden. Die öffentliche Kritik ist zu groß geworden. SPRECHERIN Auch auf Ebene der Wissenschaft tut sich etwas. 2010 wird in Deutschland die Benin-Dialogue-Group gegründet. Es geht um eine engere Zusammenarbeit zwischen deutschen, britischen oder niederländischen Museen, die Benin-Bronzen besitzen, und Einrichtungen in Nigeria. Die Restitution ist dabei erstmal kein Thema. Stattdessen soll der Austausch von Informationen zu Sammlungen oder einzelnen Objekten intensiviert werden. SPRECHER Nach und nach tritt auch die nigerianische Seite deutlicher auf. Sie bittet nicht mehr. Oluwatoyin Sogbesan und andere fordern die Rückgabe mit Nachdruck ein. ZUSPIELUNG 14 (Toyin Fliegen) Overvoice weiblich Menschen machen sich von Nigeria aus auf den Weg, um die Benin-Bronzen in Museen überall in der Welt zu sehen. Warum können nicht Menschen aus aller Welt nach Nigeria reisen? Ihr könnt ja Kopien haben. Und wenn ihr das Original sehen wollt, dann müsst ihr eben nach Nigeria kommen. Lasst uns den Spieß umdrehen! SPRECHERIN Eine Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron Ende 2017 beschleunigt dann die Entwicklung. In seiner fast zweistündigen Rede vor Studierenden in Burkina Faso verkündet er ein Umdenken: ZUSPIELUNG 15 (Rede Macron) Overvoice männlich Ich kann nicht hinnehmen, dass sich ein Großteil des kulturellen Erbes vieler afrikanischer Staaten in Frankreich befindet. Es gibt historische Erklärungen dafür, aber keine wirkliche Rechtfertigung. Das Erbe Afrika darf nicht nur in privaten Sammlungen und europäischen Museen zu finden sein. SPRECHER Da…

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    Die Pest in Oberammergau - Von der Seuche zum Passionsspiel Jul 11, 2025
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    Es ist die Nacht vor dem Kirchweihfest 1633. In der Dunkelheit schleicht sich der Oberammergauer Kaspar Schisler von Eschenlohe aus in sein Heimatdorf. Bringt er damit die Pest in den Ort? - Das Unglück vor nahezu 400 Jahren hat die weltberühmten Passionsspiele hinterlassen und eine Menge fromme und skurrile Geschichten. Von Markus Mähner (BR 2024) CreditsAutor dieser Folge: Markus MähnerRegie: Anja ScheifingerEs sprachen: Franziska Ball, Benedikt Schregle, Frank ManholdTechnik: Adele Meßmer, Lorenz KerstenRedaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Viola Schenz, Journalistin und Autorin des Buches "Ein Dorf begeistert die Welt: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele"Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die Pest im Mittelalter - Europas demographische Katastrophe. Von Ulrike Rückert / Artikel Dorit Kreissl (2010 / 2015)JETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: SPRECHERIN Es ist der 11. September 1880. Ein Pferdefuhrwerk quält sich den steilen Ettaler Sattel aus dem Loisachtal kommend empor. Auf seinem Bock: Der lutherische Theologe Alexander von Oettingen von der Universität Dorpat im deutschsprachigen Estland. Neben ihm: Der äußerst gesprächige Murnauer Kutscher, der weiß auf was es bei der Oberammergauer Passion ankommt: ZITATOR 1 Die Hauptsache bei die Gschicht sei, daß viele Wagen voll Bierfässern dort versoffen würden. Ja, die verstehn´s dort halt. SPRECHERIN So Alexander von Oettingen in seinen "Erinnerungen eines Pilgers nach Oberammergau" von 1880. Und tatsächlich: M ARD-LAbelmusik Tradition (Länge: 1´15´´) unter: Die Reise zu den inzwischen weltberühmten Oberammergauer Passionsspielen ähnelt eher einer Pilgerreise als eines Kulturausflugs. Denn links und rechts ist die Straße gesäumt von schier zahllosen Fußgängern, die sich keine Kutsche leisten können. Alle wollen sie nach Oberammergau, dem verschlafenen bayerischen Dorf, wie es in Disneyland nicht schöner stehen könnte: Umrahmt von kecken Berggipfeln und sprudelnden Ammerquellen, präsentiert es sich mit Lüftlmalereien und Herrgottsschnitzern an jeder Ecke, "abgeschieden und weltoffen", vor allem dank seiner Passionsspiele, von denen der offizielle Passionsführer von 1880 schreibt: ZITATOR 3 (od 2) Am Mississippi wie an der Spree, an der Donau wie an der Themse, an der Seine wie am Rhein lautet das Losungswort: Nach Oberammergau! Tausende eilen auf Bahnen und Dampfern nach dem sonst so stillen Gebirgsdorfe und scheuen selbst die Beschwerden und Mühseligkeiten und Gefahren einer mehrwöchigen Seereise nicht, um dem alten Mysterium beizuwohnen. SPRECHERIN Doch woher stammt es, das "alte Mysterium"? Der Gründungsmythos der Oberammergauer Passionsspiele ist so bewegt, wie seine nun bald 400jährige Geschichte. M Dakryon (Länge: 1´00´´) SPRECHERIN Es ist das Jahr 1633. In Bayern sieht es düster aus: Vor einem Jahr überquerte der Schwedenkönig Gustav Adolf mit seinen Truppen den Lech und brachte damit den Dreissigjährigen Krieg auch nach Bayern. Das tägliche Leben ist geprägt von Missernten und Hungersnöten, von Inflation und Hexenverfolgung. Galileo Galilei schwört in diesem Jahr in Rom vor der Heiligen Inquisition von seinem besseren Wissen ab. Das Klostergericht Ettal, zu dem Oberammergau gehört, lässt keine Hexenverbrennungen zu. Aber es fallen immer wieder "feindliche Räuber" - wie es in der Dorfchronik heißt - in Ettal und Oberammergau ein und zerschlagen dort den Kirchenschrein. Zu allem Übel grassiert auch noch der Schwarze Tod: Die Pest - im Ammergau glücklicherweise nicht so schlimm wie im Flachland. Musik Bitter intrigues (reduziert) (Länge: 0´53´´) SPRECHERIN Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als der Oberammergauer Tagelöhner Kaspar Schisler Sehnsucht nach seiner Frau und seinen Kindern bekommt. Es ist der Abend vor Kirchweich 1633. "Der Schisler" hat sich von Eschenlohe im Loisachtal, wo er sich als Knecht verdingt, auf den Weg über einen Bergsattel ins heimatliche Oberammergau gemacht. Überall sieht er Pestwachen. Niemand darf ins Dorf, denn bis jetzt verlief die Pest hier harmlos. Schisler aber stiehlt sich in der Nacht an den Wachen vorbei und bringt das Unglück mit: Innerhalb kurzer Zeit sterben... ZITATOR 2 ...binnen eines Jahres dahier 84 Personen, darunter zwei Pfarrer bald nacheinander. In dem großen Leidwesen traten die Vorgesetzten der Gemeinde zusammen und machten das Verlöbniß, die Passionstragödie alle zehn Jahre zu halten, und von dieser Zeit an ist kein einziger Mensch mehr gestorben, obgleich noch etliche die Pestzeichen an sich hatten. SPRECHERIN So die gut 200 Jahre später verfasste Dorfchronik. Ein Wunder? Schenz 1a Man mag jetzt an ein Wunder glauben, man mag es aber auch nicht. SPRECHERIN Viola Schenz, Journalistin und Autorin des Buches "Ein Dorf begeistert die Welt: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele" Schenz 1b Wahrscheinlich ist eben einfach, dass zu dieser Zeit, als dieses Gelübde ausgerufen wurde: die die an der Pest erkrankt waren, einfach schon gestorben waren und die diese überlebt hatten, eben resistent waren, sodass eben weil auch niemand mehr in den Ort gelassen wurde, sodass es einfach keine weiteren Pestfälle mehr gab. Das hat einfach eine rein medizinische, virologische Erklärung. SPRECHERIN Doch war es wirklich der Schisler, der die Pest brachte? Immer wieder tauchten Zweifel auf. Manche meinen, es sei eine Dienstmagd mit dem Namen Agata Lindenauer gewesen, die die Pest mit aus dem benachbarten Kohlgrub brachte. Natürlich können es auch Schwedische Soldaten gewesen sein, wie in vielen anderen Gebieten Bayerns. Fakt ist: der Name Schisler ist im Oberammergauer Pfarrmatrikel aus diesen Jahren nicht unter den Verstorbenen verzeichnet. Schenz 2 Aber es wurde eben diesem Schisler zugeschrieben. Und dass er eben nicht mehr in diesen Todeslisten verzeichnet ist, das kann ein Zufall sein oder ein Versehen oder auch ein bewusster Akt. Das weiß man heute nicht mehr. Aber klar ist: jemand hat die Pest gebracht. Es gab viele Tote, der Rest des Ortes war dann resistent. Die, die erkrankt waren und gestorben waren, waren eben eh tot und insofern fiel eben das Gelübde und des Ende dieses Pestbefalls sehr günstig zusammen. M Achlys (Länge: 0´25´´) unter: SPRECHERIN Bereits ein Jahr später, 1634, findet das erste Oberammergauer Passionsspiel statt. Auf dem Friedhof, wie in vielen anderen Orten Bayerns auch. SPRECHERIN Zurück ins Jahr 1880, knappe 250 Jahre nach dem Gelübde, zu Alexander von Oettingen: ZITATOR 1 Gottlob, das alte Gelübde bringt es mit sich, daß nur alle zehn Jahre gespielt werden soll. Sonst würde die Sache, wie sie schon heuer es zu werden drohte, zu einem lukrativem Geldunternehmen im neuesten Stil. Es war eben Mode geworden, jene "Pilgerfahrt" zu machen. Eine viertel Million Mark soll die Einnahme dieses Jahres betragen haben. SPRECHERIN Die ganze Welt drängt nach Oberammergau. Die Passion ist ihrem Dorfspiel auf dem Friedhof entwachsen. Und, wie so oft, bringt der Erfolg auch viele Trittbrettfahrer mit sich, wie Alexander von Oettingen 1880 aus München zu berichten weiß: ZITATOR 1 Auf meine Erkundigung in den "Vier Jahreszeiten", wo man, wie es hieß, in solider Weise die Vermittlung der Fahrangelegenheit, der Einlaßkarten und der Wohnung übernähme, war der Preis, auch wenn man auf die ersten Plätze verzichtete, 70 bis 80 Mark à Person! Nein, das konnte und wollte ich nicht. SPRECHERIN Die Organisation überlässt der Theologe dann einem Alois Mössl, der im Bierkeller zum Pschorr seine Kundschaft mit einem Preis von 25 Mark ködert - inklusive Fahrt und Eintrittskarte für den zweiten Platz. Zuerst schaut er sich aber noch das gerade erschienene Volkschauspiel "Die Herrgottsschnitzer von Oberammergau" an. 10 Jahre später, 1890, wird der Stoff als Roman von Ludwig Ganghofer dem Ort für immer sein Bild aufdrücken. 1952 bringt ihn Winnetou-Regisseur Harald Reinl ins Kino. M ARD-LAbelmusik Tradition (Länge: 0´44´´) unter: SPRECHERIN Am Morgen des 11.September 1880 verlässt der Zug München Richtung Murnau - die Bahnstrecke ist vor einem Jahr erst eingeweiht worden. Es ist neblig, wie so oft hier im Herbst. Erst am Starnberger See, an dem Halt für eine Dampferrundfahrt gemacht wird, klart es auf und ein prächtiges Alpenpanorama empfängt den "Passions-Pilger". Oberammergau hat zu dieser Zeit 1200 Einwohner. Und man kann sagen: Das ganze Dorf ist mit den Spielen beschäftigt, denn schließlich dürfen nur Einheimische mitspielen. Genauso wie heute. Viola Schenz: M Passionsspiele Oberammergau (Länge: 1´18´´) Schenz 3 Gut die Hälfte des Dorfes steht irgendwann über die Woche verteilt auf der Bühne, und der Rest ist sowieso auch irgendwie dabei: Wir haben die Feuerwehr, wir haben den Notarzt. Wir haben natürlich - ganz wichtig - den Chor und das Orchester. Die sind natürlich auch groß besetzt. Über hundert Mitglieder. Und wir haben die ganzen Garderobieren, wir haben die Einlasser. Und dann gibt es das ganze Drumherum noch. Also es ist eigentlich, es gibt kaum jemanden in Oberammergau, der nicht oder die nicht berührt wäre von diesen Spielen. Alle sind in irgendeiner Form involviert. SPRECHERIN Aber auch Auswärtige verdienen am Spiel. Sei es die Bahn, die Kutscher oder die Schifffahrtsgesellschaften, die die Besucher aus Übersee bringen. Ja, 1880 hat sogar der englische Geistliche Thomas Cook als erster Reiseveranstalter der Welt ein Büro in Oberammergau eröffnet. Die Aufführung dauert 8 Stunden. Bänke gibt es lediglich ohne Lehnen. Und wie heute sind es bereits 5000 Zuschauer pro Aufführung. Das macht bei 23 Aufführungen vom 17. Mai bis zum 26.September gut über 100.000 Zuschauer. Und das bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 1200! M Passionsspiele Oberammergau (Länge: 0´52´´) SPRECHERIN Gut einhundert Jahr zuvor sah es allerdings weniger rosig für das Passionsspiel aus: Die aufklärerischen Tendenzen in der bayerischen Regierung mochten dem "religiösen Jahrmarkt" einen Riegel vorschieben und verboten 1770 die Passion. Szenen, wie jene aus der Oberammergauer Barockpassion, in der kleine Teufelchen dem toten Judas die Gedärme in Form von Straubengebäck aus dem Magen reißen und sie genüsslich verspeisen, kamen nicht gut an in München. Man solle... ZITATOR 4 (od. 2) "...doch heimgehen und sich das Leiden Christi von ihrem Pfarrer predigen lassen. Das sei besser, als wenn sie den Herrgott auf ihrem Theater herumschleppen." SPRECHERIN Doch nach einer Überarbeitung von Text und Inszenierung bekam Oberammergau als einziger Ort für seine Passionsspiele eine Sondererlaubnis. Damit verblieb man der letzte Spielort einer Passion in Bayern! M Passionsspiele Oberammergau (Länge: 0´24´´) SPRECHERIN Und so gingen die Oberammergauer Passionsspiele in ihre nächste Phase: Die des internationalen Ruhms und - ja man kann es nicht anders sagen - die des Massentourismus: 1830 untersagt zwar der Dorfpfarrer Alois Putz das Spielen auf dem Friedhof, doch da... Schenz 4 …hat man dann das vom Friedhof verlegt, auf einen eigenen Platz im Nordteil des Ortes. Da war eine große freie Wiese. Die hat damals übrigens noch dem Ettaler Kloster gehört, also die hat man den Ettalern quasi abgekauft und hat dann dort erst Vorläuferbauten und dann das endgültige Passionstheater errichtet. M Passionsspiele Oberammergau (Länge: 0´42´´) SPRECHERIN Ein Vorteil davon: Nun hat man deutlich mehr Platz für die Heerscharen, die alle zehn Jahre nach Oberammergau strömen. Bereits 1840 reisen selbst der Kronprinz Maximilian von Bayern, und der König und die Königin von Sachsen in das malerische Gebirgsdorf. Für Oktober hat sich sogar Ludwig der Erste angekündigt, doch früh einsetzender Schnee lässt die Reise nicht mehr zu. Für die Passion zehn Jahre später wird eine eigene Pferde-Bus-Direktlinie von München nach Oberammergau eingerichtet. Auch die Passion 1870 scheint wieder alles Vorangegangene zu übertreffen, da kommt just während der achten Vorstellung am 17. Juli die Nachricht: Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt! SPRECHERIN Dafür kommen bei den nachgeholten Aufführungen im Jahr 1871 umso mehr Zuschauer, besonders auch aus England und den USA. Das Deutsche Kaiserreich und somit ein vereinigtes Deutschland hat sich nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich am Anfang des Jahres gegründet und präsentiert sich nun auch im Bergdorf Oberammergau stolz der Welt. Doch der unablässig zunehmende Tourismus bringt auch absurde Nebenwirkungen mit sich. Schenz 5 Es gab also etliche Vorfälle, dass das Publikum einfach zwischen Darsteller und seiner Rolle nicht mehr unterscheiden konnte. Und das tatsächlich dann in der großen Pause oder auch am nächsten Tag - das Publikum war ja dann oft mehrere Tage im Ort -, dass dann eben der Judas-Darsteller, wenn er blöderweise auf der falschen Straßenseite ging, niedergeschimpft wurde von irgendeinem Passionsspielbesucher und ausgeschimpft wurde, weil er doch hier Jesus verraten habe. SPRECHERIN Selbst Ludwig II., der 1871 einer Privataufführung beiwohnt, geht es da nicht anders. Schenz 6 Unser Märchenkönig, der ließ es sich nicht nehmen, die Hauptdarsteller alle mal zu einem großen Diner einzuladen. Und zum Ende dieses Dinners hat er allen einen silbernen Löffel als Andenken in die Hand gedrückt. Nur der Judas-Darsteller bekam einen Löffel aus Blech einfach als Missbilligung seiner Rolle und für das, was er Jesus angetan habe. SPRECHERIN Dennoch schenkt er der ganzen Gemeinde auch noch das damals größte Steindenkmal der Welt, eine Kreuzigungsgruppe, die auf einem Hügel oberhalb von Oberammergau errichtet wird. Gleichzeitig beginnt er auch mit dem Bau von Linderhof. M ARD-LAbelmusik Tradition (Länge: 1´15´´) unter: Doch nicht nur der König, auch eine breite Bevölkerungsschicht entdeckt zunehmend die Faszination für die Alpen und den dazugehörigen Charme des einfachen, ländlichen Lebens - als Gegenentwurf zur sich industrialisierenden Großstadt. GERÄUSCH Vogelgezwitscher SPRECHERIN Auch Alexander von Oettingen, der inzwischen in Oberammergau angekommen ist und sein Quartier bezieht, lernt ihn kennen, den "Charme des einfachen Lebens": ZITATOR 1 Mir war gesagt worden, die Interieurs dieser Häuschen seien in ihrer "Armseligkeit voll poetischen Reizes". Mir fehlte offenbar der Sinn dafür. Zur Poesie gehört auch Luft und Licht. Diese höchst ursprünglichen Dorflagerstätten kosteten, obwohl für vier Menschen nur zwei Handtücher disponibel waren, á Person 4 Mark für EINE Nacht! Das "Geschäft" spielt jedenfalls auch bei der gastlichen Nachtunterkunft eine große Rolle. (((SPRECHERIN Auch im Wirtshaus nebenan kommt wenig Entspannung auf: Es ist so voll, dass es kaum etwas zu Essen gibt. ZITATOR 1 Glücklich wer ein Glas Bier erobert. Die Mehrzahl durstet und sehnt sich vergeblich darnach. Eine Flasche Wein läßt sich schon eher erreichen. Die lohnt eben mehr! ))) SPRECHERIN Der auch heute immer wiederkehrende Vorwurf, die Passionsspiele würden schon lange nicht mehr des Gelübdes wegen aufgeführt, sondern einzig, um Geld in die Dorfkasse zu spielen, ist also schon gut 150 Jahre alt. M Passionsspiele Oberammergau (Länge: 0´46´´) Dafür bekommt allerdings der Zuschauer auch Einiges geboten. Die Massenszenen und die "Lebenden Bilder" - die recht originalgetreue Nachstellung klassischer Gemälde, die Szenen aus der Bibel zum Thema haben - sind einzigartig. Da befinden sich gut und gern mal mehrere hundert Menschen auf der Bühne – die alle Oberammergauer sind! Und das geht von Babys bis zu 100jährigen. 2020 hat ein Bauer sogar seine Hühner für die Händlerszene im Tempel angemeldet - alles echte Oberammergauer! Die übrigens ab Aschermittwoch ein Jahr vor der Aufführung dem sogenannte…

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    Priming Effekte: Wie unabhängig sind wir in unseren Entscheidungen? Jul 11, 2025
    Show notes

    Werbung und Produktpräsentation im Supermarkt nutzen den Priming- Effekt schon lange: Durch äußere Reize wird unser Gehirn und daraufhin unser Verhalten beeinflusst. Die Eiswerbung im Kino ist nur ein Beispiel dafür. Wir alle werden viel öfter vor - beeinflusst als wir glauben. Von Daniela Remus (BR 2024) CreditsAutorin und Sprecherin dieser Folge: Daniela RemusRegie: Christiane KlenzTechnik: Stefan OberleRedaktion: Susanne Poelchau Im Interview:Prof. Hans-Peter Erb, Sozialpsychologe, Helmut-Schmidt-Universität HamburgProf. Andreas Glöckner, Sozialpsychologe, Universität KölnDr. Katrin Rothmaler, Sozialpsychologin, Universität Leipzig Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie PodcastWie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.ZUM PODCAST Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: ERZÄHLERIN Kennen Sie das? Sie stehen in einem Mode-Laden und überall hängen rote Preisschilder. Dazu die Plakate: „Nur noch heute, super Rabatt Aktion!” Irgendwie fühle ich mich davon angezogen, fast jedes Mal, ich kann es auch nicht richtig erklären. Ich gehe hinein und gucke durch die Regale und Kleiderständer, ganz unverbindlich, denke ich wenigstens. „Kann das sein, kostet der Pulli jetzt wirklich nur noch die Hälfte? Und diese sommerlich gemusterte Bluse aus Leinen, die ist ja auch noch heruntergesetzt, meine Güte, was für ein Schnäppchen..” Eine Verkäuferin kommt dazu, nickt und sagt, „da haben Sie aber Glück, dass die noch da ist. Eine ganz außerordentliche Qualität und das zu dem Preis. Nur noch heute.” Es ist schon später Nachmittag, ich muss also schnell sein, will ich mir das Schnäppchen sichern. Also kaufe ich! MUSIK 2 De-Phazz – Nia en bun om 0’33) ERZÄHLERIN Zuhause bin ich irgendwie ernüchtert. „Eigentlich trage ich doch keine bunten Blusen, und Pullis habe ich auch schon genug. Ich ärgere mich über mich selbst: Warum falle ich immer wieder auf diese Rabattaktionen herein?” Warum kann ich mich nicht gegen das Gefühl wehren, das sei eine super Gelegenheit? MUSIKENDE ERZÄHLERIN Mir ist schon klar, dass ich nicht die einzige Person bin, der das passiert, aber trotzdem wundert es mich. In anderen Situationen nehme ich mir doch auch die Zeit abzuwägen, sorgfältig zu entscheiden. Was führt zu meinem Verhalten? Lasse ich mich von den Rabatten beeinflussen? Mir fallen Berichte ein, dass Menschen, die im Kino eine Eiswerbung sehen, in der Pause häufiger Eis kaufen als ohne Eiswerbung. In der Psychologie heißt dieser Effekt Priming. Die Eiswerbung weckt bzw. stärkt das Bedürfnis ein Eis zu essen. Wirkt der etwa auch bei mir, der Priming Effekt, wenn ich bei einer Rabatt Aktion zuschlage? Um dieses Phänomen zu verstehen, habe ich recherchiert und mich mit Psychologinnen und Psychologen verabredet. Damit sie mir erklären könne, warum ich mich so verhalte und was das eigentlich ist, Priming. TAKE 1 (O-Ton Erb) L: 0, 20 Priming ist ein Begriff aus der Gedächtnispsychologie ursprünglich und auf deutsch würde man vielleicht als Bahnung übersetzen. Es gibt alte Publikationen, wo das noch so genannt wird, aber heute haben wir diesen englischsprachigen Begriff. MUSIK 3 De-Phazz – Mr. Minky 0’26) ERZÄHLERIN Erklärt der Sozialpsychologe Hans-Peter Erb, als ich ihn in seinem Büro in der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg treffe. Er forscht seit vielen Jahren zu diesem Phänomen, weil es ihn fasziniert, wie das Gehirn äußere Einflüsse aufnimmt, verarbeitet und wie es darauf reagiert. Das klingt sehr theoretisch, ist es aber nicht, wie ich im Gespräch mit ihm erfahre. TAKE 2 (O-Ton Erb) L: 0, 35 Das kann man sehr leicht demonstrieren. Wenn ich z.B. sage Butter, dann sagen Sie… D.R. Brot. E: Wunderbar es hat geklappt, ich hätte 10 Euro gewettet! Das klappt nicht immer, aber sehr häufig. Wenn man sagt, Werkzeug, dann kriegt man Hammer und wenn man Stuhl sagt kriegt man Tisch usw. Das bedeutet nichts anderes, als dass bestimmte Begriffe im Gedächtnis nah beieinander liegen …und wenn sie nah beieinander liegen, dann sind sie irgendwie verknüpft miteinander. Und wenn das eine aktiviert wird, dann wird das andere gleich mit aktiviert. So ist das bei Butter und Brot, bei Tisch und Stuhl. MUSIK 4 De-Phazz – Mr. Minky 0’02) ERZÄHLERIN Priming ist also, nüchtern ausgedrückt, ein Reiz-Reaktions-Schema. Wir nehmen einen Reiz wahr, wie in meinem Fall eben das Wort Butter, und unser Gehirn hat sofort verwandte Begriffe dafür parat. Bei mir war es Brot, bei anderen Menschen kann es der Butterpreis sein. Mein Gehirn hat also auf den gegebenen Begriff mit einer dazu passenden Assoziation reagiert. Diese Verknüpfung wird aber nicht nur sprachlich durch Wörter oder Begriffe ausgelöst. Auch Geräusche, Gerüche, Bilder oder der Geschmack bestimmter Nahrungsmittel können Erinnerungen, Assoziationen oder Stimmungen auslösen, erklärt der Sozialpsychologe. Am eindrücklichsten beschrieben hat das der französische Schriftsteller Marcel Proust. MUSIK 5 Snorri Hallgrimsson – Avant-dernières pensées: I. Idylle 0’42) ERZÄHLERIN In der weltberühmten Madeleine-Szene. Der Autor des Romans beschreibt, wie er ein Stück Madeleine, das in Tee getunkt ist, in den Mund nimmt und sich durch diesen Geschmack spontan in seine Kindheit zurückversetzt fühlt. Unwillkürlich steigen Erinnerungen in ihm auf und auch das wohlige Gefühl, das er damals in seiner Kindheit empfand, wenn er ein solches Gebäckstück aß. MUSIKENDE ERZÄHLERIN Duft und Geschmack der Madeleine funktionieren in dem Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit also als Priming Effekt. Die Madeleine weckt Erinnerungen, die damit verknüpft sind. Welche Assoziationen ein solcher Priming Effekt hervorruft, kann allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Sie hängen von den Vorerfahrungen ab. Wenn ich beispielsweise klassische Musik höre, dann denke ich unwillkürlich an die Sonntage meiner Kindheit zurück. An diese ganz besondere Stimmung, wenn meine Eltern entspannt und ruhig im Wohnzimmer saßen, Musik hörten und einen Tee dazu tranken. Andere Menschen, die diese Erfahrung so nicht gemacht haben, denken bei klassischer Musik vielleicht eher an den Musikunterricht in der Schule. MUSIK 6 John Lennon – Imagine 0’54) ERZÄHLERIN Und noch ein Beispiel: Bei Imagine von John Lennon fällt mir sofort die erste Party ein, die ich besuchen durfte. Mit 14, in der Turnhalle der Schule, mit Engtanz und ersten Verliebtheiten. MUSIKENDE (Imagine) ERZÄHLERIN Ob Gerüche, Bilder, Geräusche, einzelne Satzfetzen oder Wörter, alles kann also ein sogenannter Prime sein. Ein Reiz, der mein Denken, meine Erinnerung und manchmal sogar mein Handeln beeinflusst. TAKE 3 (O-Ton Erb) L: 0, 30 Im Grunde werden ja ständig irgendwelche Konzepte geprimt bei uns. Sie sehen hier ein Buch liegen, dann ruft das bei Ihnen etwas auf, was mit dem Buch verwandt ist, dagegen können Sie gar nichts tun. Jetzt könnte ich natürlich auch gemein sein und Ihnen bestimmte Primes geben, so nennt man diese Stimuli, mit deren Hilfe man andere aufrufen kann, Primes geben und dann erwarten, dass bei ihnen bestimmte Inhalte aufgerufen werden. MUSIK 7 Henrik Schwarz – Gymnopédie No.3 0‘54) ERZÄHLERIN Im Alltag sind wir solchen Reizen durchgehend ausgesetzt, sagt Hans-Peter Erb. Ob wir mit anderen Menschen reden, ob wir Filme anschauen oder Nachrichten hören. Manche dieser Priming Effekte nehmen wir bewußt wahr, die meisten aber wohl nicht. Ein Prime, der mir schon lange bewußt ist: Ein Krankenwagen mit Sirene fährt laut an mir vorbei. Sofort denke ich darüber nach, wie krank oder schwer verletzt derjenige ist, der damit in ein Krankenhaus gebracht wird, ob die Zeit reichen wird, damit dieser Mensch gerettet werden kann. Diese Situation ist bestimmt schon X-Mal passiert, aber in meinem Kopf läuft trotzdem jedes Mal dasselbe Muster ab. All das sind Priming Effekte, sagt Hans-Peter Erb. Und die können sogar unsere Stimmung beeinflussen. TAKE 4 (O-Ton Erb) L: 0,30 Könnte ihnen z.B. Urlaub sagen, dann denken Sie hoffentlich an einen schönen Urlaub zurück im letzten Sommer oder so. Dann könnte sich etwa Ihre Laune verändern, dass sie gut draufkommen, weil ich Urlaub gesagt haben. Sie können schlecht draufkommen, wenn ich sage, Wurzelbehandlung vielleicht? Da könnte ich damit auch Ihre Stimmung beeinflussen, das funktioniert. ERZÄHLERIN Um zu überprüfen, ob das stimmt, empfiehlt er mir, mich selbst zu beobachten und einzelne Situationen bewußt wahrzunehmen. Und so habe ich nach dem Besuch bei Hans-Peter Erb bemerkt, dass nicht nur ein Gespräch über den nächsten Urlaub meine Stimmung hebt, sondern auch das Lob meiner neuen Frisur oder der zufällige Blick auf Spielzeug, das meine Kinder bei ihrem Auszug bei uns gelassen haben. Dass alle Menschen durch Priming beeinflusst werden, konnte auch in psychologischen Testreihen und Untersuchungen festgestellt werden, erklärt Andreas Glöckner, Sozialpsychologe an der Universität Köln. TAKE 5 (O-Ton Glöckner) L. 0, 25 Der Hintergrund dazu ist die Idee, dass das Gedächtnis nicht so funktioniert wie eine Bibliothek, also dass es so ist, man kann einzelnen Wissensinhalte rausziehen, wie ein Buch, sondern es funktioniert eher wie ein Netzwerk …Sie ziehen also an einem Ende des Netzes und viele Dinge, die damit zusammenhängen, folgen dann mit. MUSIK 8 Manuel Scuzzo: Fliegen 0’53) ERZÄHLERIN Da das Gehirn wie ein Netzwerk funktioniert, kann es gar nicht anders, als bei einem Reiz, an ähnliche Begriffe oder Situationen zu denken. Seit ich mich für diese Sendung mit dem Priming Effekt beschäftige, fällt mir das im Alltag ständig auf: Egal was ich im Laufe eines Tages mache, ob ich dusche, aus dem Fenster gucke, arbeite, Interviews führe oder Fahrrad fahre, permanent werden meine Gedanken angestoßen, umher zu schweifen. Ob ich vom Regen naß werde, mit der Kollegin Mittag esse oder mich auf den Kinobesuch am Abend freue. Aber trotzdem merke ich nicht immer, wie und wovon meine Stimmung oder meine Gedanken angestoßen werden. Viele Impulse sind unterschwellig. MUSIKENDE ERZÄHLERIN So ist es vermutlich auch den Studienteilnehmern gegangen, die an einem der berühmtesten Experimente zum Thema Priming teilgenommen haben. In den 1990er Jahren sollten sie in den USA aus Wörtern wie „Bingo”, „alleine” oder „weise” Sätze bilden. Diese Begriffe waren speziell ausgewählt worden, um Gedanken über das Alter und Altersstereotype anzuregen. Denn die Netzwerkarbeit des Gehirns fördert nicht nur Erinnerungen zutage oder beeinflusst Entscheidungen, sondern prägt auch das soziale Miteinander, zum Beispiel durch das Aufrufen von Stereotypen und Vorurteilen. MUSIK 9 Manuel Scuzzo: Traum 0’36) Als die Studienteilnehmer ihre Aufgaben beendet hatten, liefen sie einen langen Flur entlang, um das Labor zu verlassen. Was sie nicht wussten: Dieser Weg gehörte zum Experiment dazu. Dabei wurde nämlich ihre Gehgeschwindigkeit gemessen. Und tatsächlich soll das Tempo von denen die durch die Aufgaben dazu angeregt worden waren, über das Alter nachzudenken, deutlich langsamer gewesen sein, als bei der Kontrollgruppe, die diese Aufgabe nicht erhalten hatte. MUSIK 10 Gold Panda – New Days 0’20) ERZÄHLERIN Seither haben Psychologen und Psychologinnen in verschiedenen Experimenten untersucht, ob es tatsächlich so einfach ist, Menschen in ihrem Verhalten zu beeinflussen. Aber nur die wenigsten der aufsehenerregenden Experimente ließen sich in den folgenden Jahren replizieren. TAKE 6 (O-Ton Glöckner) L: 0, 25 Das war in der Tat eine große Problematik, in den 2010er Jahren gab es eine große Initiative, an der wir auch mitgewirkt haben, in der eine Vielzahl von Studien noch einmal durchgeführt wurden, um zu überprüfen, ob dasselbe Ergebnis nochmal rauskommt, unter idealen Bedingungen. ERZÄHLERIN Aber: Nur ein Drittel der Studienergebnisse ließ sich durch diese Initiative bestätigen, zwei Drittel nicht. Sozialpsychologe Andreas Glöckner erklärt mir das so: Die aktuellen wissenschaftlichen Standards, , sind heute höher als vor 30 oder 20 Jahren. Das erkläre zumindest einen erheblichen Teil dieser Abweichungen. Aber eben nicht alles. TAKE 7 (O-Ton Rothmaler) L: 0,30 Ich muss zugeben, vor ein paar Jahren hatte ich so einen Moment, wo ich dachte, ach das ergibt doch alles keinen Sinn, wenn sich das alles nicht replizieren lässt, und die eine Studie sagt das, die andere das, was machen wir denn hier eigentlich alle? Dann hatte ich eine ganz tolle Betreuerin, die gesagt hat, du musst dir das große Bild angucken, the big picture. Es ist nicht die eine Studie, sondern es sind viele, viele, viele Studien und wenn man auf alle Studien guckt, …dann ergibt sich schon ein großes Bild davon. ERZÄHLERIN Erklärt die Sozialpsychologin Katrin Rothmaler von der Universität Leipzig. Wenn man sich also die Mehrzahl aller Studien anschaue, die zum Thema Priming erstellt worden sind, dann seien die Erkenntnisse eben doch eindeutig: Es gibt Priming Effekte! Auch wenn sie vielleicht nicht immer so spektakulär ausfallen, wie bei der beschriebenen Alters-Studie. Und noch etwas gibt die Psychologin zu bedenken: Menschliche Reaktionen und Verhaltensweisen lassen sich, selbst bei identischer Versuchsanordnung, nicht immer eins zu eins miteinander vergleichen. Denn jeder Mensch reagiert anders. Der kulturelle Hintergrund spielt dabei eine Rolle, Geschlecht und Alter, aber auch Bildung oder Kindheitserfahrungen. TAKE 8 (O-Ton Erb) L. 0, 35 Das steht fest, dass Leute unterschiedlich beeinflusst werden, das lässt sich pauschal nicht unbedingt sagen, die sind leichter beeinflussbar als die, da würde man darauf gucken, was ist der Einflußeffekt? Und auf manche Effekte sprechen manche Leute besser an als andere. Manchmal gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie sie beeinflusst werden können auf welche Art und Weise, z.B. in sozialen Situationen sind Frauen leichter beeinflussbar, weil ihnen das wichtiger ist, die sozialen Beziehungen, so im Durchschnitt gibt es eine Tendenz… MUSIK 11 Gold Panda – New Days 0’30) ERZÄHLERIN Priming Effekten ist also jeder Mensch ausgesetzt, sagt Hans Peter Erb, aber zu welchem Denken, Urteilen oder Verhalten sie führen, das kann stark voneinander abweichen. Was aber sicher ist: Die Gehirne aller Menschen lassen sich durch Priming aktivieren. Und das ist nicht nur negativ, sondern zu einem gewissen Grad sogar hilfreich im Alltag, erklärt Andreas Glöckner. TAKE 9 (O-Ton Glöckner) L: 0, 35 Das hilft ihnen immens weiter. Sonst müssten sie bewußt alle Informationen extern sammeln. Das heißt, im Internet stundenlang nach Informationen suchen, selber nochmal drüber nachdenken, was sie noch alles darüber wissen, das dann alles vielleicht im Computer mit einem komplizierten Modell zusammenrechnen. Und dann hätten sie für jede Entscheidung vielleicht drei Stunden gebraucht, um die zu fällen. Aber im täglichen Leben treffen sie einfach Tausende von Entscheidungen jeden Tag und das System hilft ihnen, sehr schnell recht gute Entscheidungen zu treffen. ERZÄHLERIN Priming Effekte beeinflussen mich also nicht nur, sondern sie helfen mir auch ganz konkret, mich im täglichen Angebot möglicher Entscheidungen und Handlungen schnell zu orientieren. Zum Beispiel wenn ich im Supermarkt vor einem Regal stehe und entscheiden muss, welchen Jogurt ich kaufen möchte, welche Zahnpasta oder wenn ich überlege, welches Shampoo besonders pflegend ist, sagt Hans-Peter Erb: TAKE 10 (O-Ton Erb) L: 0, 35 In dem Augenblick laufen bestimmte Automatismen ab, was ja auch garni…

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    Chromosomen - Bausteine des Lebens Jul 11, 2025
    Show notes

    In den Chromosomen sind alle Erbinformationen gespeichert. Mehrere Tausend Gene stecken in ihren Zellkernen. Das ist bei allen Lebewesen so. Der Mensch hat insgesamt nur 46 Chromosomen - eine Krabbe bringt es auf 254. Was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Autorin: Veronika Bräse (BR 2023)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Veronika Bräse
    Regie: Sabine Kienhöfer
    Es sprachen: Rahel Comtesse
    Technik: Christiane Gerheuser-Kamp
    Redaktion: Bernhard Kastner

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

    Interviewpartner/innen:
    Prof. Frank Sprenger, Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie an der Universität Regensburg
    Dr. Astrid Wasmann, Biologin, einst Studienleiterin für Pädagogik in der Lehrerbildung

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    Literaturtipps:

    Cleghorn, Elinor: Die kranke Frau - wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen, kiwi-Verlag, 2022.

    Wasmann, Astrid: Biologie Begreifen: Genetik, 12 anschauliche Modelle zu Chromosomen, DNA und Gentechnik, AOL-Verlag, 2020.

    Uhlenbrock, Karlheinz: Fit fürs Abi: Biologie Oberstufenwissen, Westermann-Verlag, 2018.

    Tariverdian, Gholomal: Chromosomen, Gene, Mutationen: Humangenetische Sprechstunde, Springer-Verlag, 2008.

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    Der Kuss - Biologie einer Liebkosung Jul 11, 2025
    Show notes

    Küssen ist wunderbar. Es kann aber auch irgendwie eklig sein - jedenfalls, wenn man daran denkt, dass man dabei Speichel austauscht. Doch Küssen ist sogar gesund. Das sagen zumindest Kussforscher, sogenannte Philematologen. Ein Training für das Immunsystem, die Muskeln und - die Nerven. Autorin: Yvonne Maier (BR 2018)

    Credits
    Autorin dieser Folge: Yvonne Maier
    Regie: Christiane Klenz
    Es sprachen: Laura Maire, Shenja Lacher, Christian Baumann, Clemens Nicol, Jerzy May, Peter Weiß
    Technik: Winfried Messmer
    Redaktion: Nicole Ruchlak

    Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

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    Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.
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