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    Slow German

    In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.

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    Copyright: © Annik Rubens

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    Latest Episodes:
    SG #065: Senioren Aug 20, 2011
    Show notes

    Tam aus Pennsylvania hat mich gefragt, wie es den alten Menschen in Deutschland geht. Ich werde versuchen, einige Antworten zu geben. Alte Menschen nennt man in Deutschland Senioren. Sie bekommen Ermäßigungen bei verschiedenen Einrichtungen. Das heißt, sie können zum Beispiel ins Museum gehen und müssen weniger Eintritt bezahlen. Alte Menschen sind in Deutschland in der Regel noch sehr fit, sie sind gesundheitlich im Vergleich zu vielen anderen Ländern gut versorgt, aber natürlich gibt es auch hier Probleme. In Deutschland hören ältere Menschen normalerweise auf zu arbeiten. Man sagt dann, jemand geht in Rente oder er geht in Pension. Die meisten Menschen hören auf zu arbeiten, wenn sie zwischen 60 und 65 Jahre alt sind. Angenommen, ein Mensch arbeitet 45 Jahre lang in Deutschland. Dann zahlt er jeden Monat Geld an die gesetzliche Rentenversicherung. Und die Firma, bei der er arbeitet, tut das auch für ihn. Wenn er dann zum Beispiel 45 Jahre lang gearbeitet hat, dann kann er aufhören zu arbeiten – und bekommt trotzdem weiterhin Geld. Er bekommt seine Rente jeden Monat ausbezahlt. Das ist vor allem deswegen wichtig, weil die Struktur der Gesellschaft sich verändert hat. Früher lebte man in einer Großfamilie. Mehrere Generationen lebten unter einem Dach. Also lebte die Oma gemeinsam mit ihrer Tochter, dem Enkel, der Tante oder den Onkeln oder anderen Familienmitgliedern zusammen. Das hatte viele Vorteile. Die Oma konnte beispielsweise auf die Enkel aufpassen, wenn die Eltern arbeiten gingen. Dafür versorgten die Eltern die Oma, wenn sie alt wurde und Pflege brauchte. Heute leben aber nur noch wenige Deutsche in einer Großfamilie. Vor allem in den Großstädten. Durch die Rente können sie sich auch im Alter das Leben finanzieren. Wer gesund bleibt, der kann auch im hohen Alter alleine leben. Weil das natürlich alles schwerer wird, wenn der Körper langsam alt wird, kann man sich Hilfe holen. Man kann sich zum Beispiel Essen liefern lassen, zum Beispiel über einen Dienst, der „Essen auf Rädern“ heißt. Oder Zivildienstleistende helfen der alten Person im Alltag. Zivildienstleistende sind junge Männer, die nach der Schulzeit einige Monate bei sozialen Diensten arbeiten. Es gibt auch das so genannte Betreute Wohnen. Hier hat der alte Mensch seinen eigenen Lebensbereich gekauft oder gemietet, ein Zimmer oder eine Wohnung. Je nachdem, welche Hilfe er im Laufe der Zeit braucht, wird ihm diese gewährt. Das kostet natürlich Geld. Eine andere Alternative sind Altenheime. Hier leben alte Menschen zusammen und werden betreut, jeder von ihnen hat aber weiterhin sein eigenes Zimmer. Auch in Deutschland werden die Menschen immer älter, und viele von ihnen haben Krankheiten wie Alzheimer. Gerade diese Personen können oft nicht mehr in ihrer eigenen Familie betreut werden, sondern brauchen Fachpersonal, das sich um sie kümmert. Es gibt verschiedene Versicherungen, die die Kosten für diese Betreuung übernehmen. Fast jeder Deutsche zahlt in die Rentenversicherung ein und in die Pflegeversicherung. Gepflegt wird man, wenn man alt und krank ist. In Pflegeheimen sieht es eher aus wie in einem Krankenhaus – oft liegen hier mehrere Menschen in einem Zimmer. Wir wünschen uns jedenfalls, dass wir alle möglichst gesund alt werden und das Leben genießen können. Oder? Und die deutschen Senioren scheinen ziemlich fit zu sein – zumindest sind viele von ihnen im Internet – man nennt sie auf Englisch Silver Surfer. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg65kurz.pdf


    SG #064: Ferienjob Aug 02, 2011
    Show notes

    Marie-Françoise ist Lehrerin aus Belgien. Sie hat mich gebeten, über Ferienjobs zu sprechen. Also werde ich das heute machen. Viele Schüler und Studenten arbeiten in ihren Ferien. So verdienen sie Geld und machen neue Erfahrungen. Schüler unter 15 Jahren dürfen in Deutschland nicht wie ein Erwachsener arbeiten. Es gibt ein Gesetz, das Kinderarbeit verbietet. Eine Ausnahme gibt es aber: Wenn es die Eltern erlauben, dürfen Kinder schon ab 13 Jahren arbeiten. Aber nur zwei Stunden pro Tag und nur tagsüber. Und natürlich nicht während der Schulzeit. Anders ist es in den Ferien. Hier dürfen Schüler zwischen 15 und 18 Jahren maximal vier Wochen im Jahr arbeiten, höchstens aber acht Stunden pro Tag. Beliebte Jobs für Schüler sind zum Beispiel Babysitten, Zeitungen austragen oder Nachhilfe geben. Babysitten ist klar – da passt der Schüler auf ein kleineres Kind auf und bekommt von dessen Eltern Geld dafür. Zeitungen austragen bedeutet, dass Schüler mit dem Fahrrad oder zu Fuß von Haus zu Haus gehen, und kostenlose Blätter für einen Verlag ausliefern. Sie stecken also in jeden Briefkasten ein Exemplar und werden dafür bezahlt. Wenn ein Schüler Nachhilfe gibt bedeutet das, dass er einem anderen Schüler hilft, der in einem Schulfach schlechter ist. Sie lernen also zusammen, und die Eltern bezahlen den Nachhilfelehrer dafür. In der Regel gibt ein älterer Schüler einem jüngeren Schüler Nachhilfeunterricht in einem Fach, also zum Beispiel in Mathematik oder Englisch. Wer nur in den Ferien arbeitet, der macht meistens einfache Saison-Arbeit. Zum Beispiel kann ein Schüler als Eisverkäufer arbeiten. Dann verkauft er Eis an Kinder und Erwachsene. Er kann auch als Pizzabote arbeiten. Dann liefert er Pizza an Menschen, die diese per Telefon bestellt haben. Wer sportlich ist und gut schwimmen kann, kann nach einer speziellen Ausbildung auch als Rettungsschwimmer arbeiten. Dann sitzt er an einem See oder in einem Schwimmbad und passt auf, damit niemand ertrinkt. Studenten arbeiten im Sommer gerne als Animateur in einer Hotelanlage. Das heißt, sie leben selber im Ausland, in Spanien oder Italien zum Beispiel, und arbeiten im Hotel. Sie machen mit den Gästen spezielle Programme, meistens ist das Sport. Sie arbeiten oft aber auch in Restaurants oder Cafés als Kellner oder Kellnerin. Sie bringen also Getränke und Essen zu den Gästen. Warum Schüler und Studenten arbeiten? Natürlich denkt man bei dieser Frage sofort an Geld. Und das ist bestimmt für viele die Hauptmotivation. Mit etwas mehr Taschengeld kann sich ein Schüler vielleicht die Computerspiele, Bücher oder Musik kaufen, die er sich sonst nicht leisten könnte. Ein Student kann mit dem zusätzlichen Geld vielleicht hin und wieder einen Cocktail trinken gehen oder mit Freunden ins Kino. Es gibt aber noch einen Grund, warum Ferienarbeit sehr gut ist: Schüler lernen dadurch, was es bedeutet, zu arbeiten. Sie müssen pünktlich am Arbeitsplatz sein, sie müssen eine Aufgabe erfüllen und viele Stunden etwas tun, was ihnen wahrscheinlich nicht so viel Spaß macht, wie mit den Freunden Zeit zu verbringen. Und bei manchen Ferienjobs lernen die Schüler und vor allem Studenten schon etwas für ihren späteren Beruf. Ich selber habe in den Ferien und nach der Schule immer bei einem Radiosender gearbeitet und dort viel gelernt. Vielleicht hätte ich ohne diesen Ferienjob nie angefangen, zu podcasten! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg64kurz.pdf


    SG #063: Kinderarzt Jul 20, 2011
    Show notes

    Heute werde ich über Kinder sprechen. Jack lebt in New York und ist Kinderarzt. Ihn interessiert, wie es in Deutschland den kranken Kindern geht. Fangen wir mit den ganz kleinen Kindern an. In der Regel werden Kinder in Deutschland im Krankenhaus geboren. Kaum sind sie wenige Tage alt, bekommen sie auch schon ihre eigene Versichertenkarte. Eine Versichertenkarte sieht aus wie eine Kreditkarte. Sie ist klein und aus Plastik. Auf ihr sind viele Informationen gespeichert. In diesem Fall geht es darum, dass das Kind ab der Geburt krankenversichert ist. Wenn es also krank wird oder sogar ins Krankenhaus muss, zeigt man diese Karte, und die Ärzte wissen, wer die Untersuchungen bezahlt. Natürlich muss nicht das Kind bezahlen, sondern die Eltern. Sie bezahlen jeden Monat einen Geldbetrag an die Krankenkasse. Dafür sind viele Untersuchungen und Operationen dann kostenlos. Natürlich hoffen alle Eltern, dass ihre Kinder nie krank werden. Wenn es aber doch passiert, oder sich das Kind verletzt, gibt es spezielle Kinderärzte. Ihre Praxen sind meistens so eingerichtet, dass Kinder sich dort wohl fühlen und keine Angst vor der fremden Umgebung haben. Alles ist bunt und es gibt viel Spielzeug dort. Auch die Ärzte haben meistens keinen weißen Kittel an, wie sonst, sondern bunte Hemden. Jedes Baby und jedes Kind muss regelmäßig zum Arzt. Denn es wird dort bei den U-Untersuchungen kontrolliert. Die Ergebnisse dieser Kontrollen werden in ein kleines Heft eingetragen. So sieht der Arzt, ob sich das Kind gut entwickelt, ob es groß genug und schwer genug ist und ob es gesund ist. Die Kinder werden beim Arzt natürlich auch geimpft. Die Impfungen erfolgen in einem vorgegebenen Zeitrahmen, also in bestimmten Abständen. In den ersten Lebensmonaten wird das Kind sehr oft geimpft, später dann weniger. So soll es geschützt sein vor vielen Krankheiten wie Mumps, Masern oder Röteln. Wer Kinderarzt werden möchte, muss zunächst Medizin studieren. Das dauert meistens sechs Jahre, also zwölf Semester lang. Das letzte Jahr ist allerdings ein Praktikum in einem Krankenhaus. Hier arbeiten die jungen auszubildenden Ärzte also schon mit. Nach dem Studium geht die Ausbildung weiter mit der Facharztausbildung. Das bedeutet, dass sich die Studenten auf ein Fachgebiet spezialisieren. Diese Ausbildung zum Kinderarzt zum Beispiel dauert noch einmal fünf Jahre lang. In dieser Zeit verdient man allerdings schon Geld und wird Assistenzarzt genannt. Nach der Ausbildung hat man zwei Möglichkeiten: Man arbeitet entweder weiter in einem Krankenhaus, oder man arbeitet in einer Praxis. Eine Praxis ist sozusagen das Büro eines Arztes. Wenn ein Kind sehr krank ist, muss es in eine Kinderklinik. Das sind Krankenhäuser speziell für Kinder. Kinderkliniken gibt es vor allem in größeren Städten. Meistens können die Eltern bei ihren kranken Kindern bleiben – es gibt auch Stiftungen wie die Ronald McDonald-Stiftung, die spezielle Häuser für die Eltern gebaut haben, damit diese auch bei ihren Kindern bleiben können, wenn diese schwer krank sind und lange im Krankenhaus bleiben müssen. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg63kurz.pdf


    SG #062: Umgangssprache Jun 20, 2011
    Show notes

    Ich habe auf der Facebook-Seite von Slow German eine Umfrage gemacht. Dort habe ich Euch gefragt, welches Thema ich als nächstes behandeln soll. Mit großer Mehrheit habt Ihr Euch für die Umgangssprache entschieden. Ich muss aber sagen, dass es gar nicht leicht ist, über die Umgangssprache zu sprechen! Was ist eigentlich Umgangssprache? Natürlich hat jede Region bestimmte Wörter, die man nie geschrieben sieht, sondern nur gesprochen hört. Aber das ist doch dann eher ein Dialekt, oder? Das wollte ich hier also eigentlich nicht zum Thema machen, um Dialekte wird es in einer anderen Episode gehen. Dann gibt es Anglizismen, die auch in der Umgangssprache vorkommen – aber dafür gibt es ja schon die Folge über Denglisch. Nach langem Überlegen dachte ich mir, ich werde Euch einfach ein paar Beispiele für Umgangssprache nennen. Also für Wörter, Sätze oder Formulierungen, die in der Schriftsprache eigentlich nie auftauchen, die man aber hört, wenn man in Deutschland Menschen belauscht. Angenommen, wir sind in einer U-Bahn. Es ist Samstag, später Abend, und viele Leute sind unterwegs. Da sagt eine junge Frau: „Ich werde heute nicht mehr alt.“ Das klingt eigentlich so, als würde sie Selbstmord begehen, oder? Aber nein, keine Angst. Was sie sagen will ist: Ich bin müde, ich gehe bald ins Bett, ich halte nicht mehr lange durch heute. Dann hören wir zwei Teenagern zu. Einer sagt: „Willst Du noch eine Runde daddeln?“ Damit will er seinen Kumpel fragen, ob er noch ein wenig computerspielen möchte. Der andere sagt: „Nee. Was kommt denn heute in der Glotze?“ Nee ist umgangssprachlich für Nein. Und die Glotze ist der Fernseher. „Ich will heute Abend glotzen“ heißt also: „ich will heute Abend fernsehen“. In manchen Regionen sagen die Menschen übrigens nicht fernsehen, sondern fernschauen. Oder noch schlimmer: Fernsehen schauen. Wir lauschen weiter den Menschen in der U-Bahn. Ein Mann sitzt betrunken in einer Ecke. Da hören wir eine junge Frau zu ihrer Freundin sagen: „Schau mal, der ist total blau“. Obwohl seine Gesichtsfarbe natürlich ganz normal aussieht. Wenn die Freundin nicht versteht, was das bedeuten soll, sagt die junge Frau: „Du stehst aber ganz schön auf dem Schlauch“. Das heißt, es dauert zu lange, bis sie es versteht. Die Frau findet das nicht nett, sie hält ihre Freundin für verrückt und sagt: „Du hast eine Meise“. Wenn sie aber nur schlechte Laune hat, ohne Grund, dann ist sie vielleicht mit dem falschen Fuß aufgestanden. Das sagt man so. Das ist eine Redewendung – aber auch darüber müssen wir in einer anderen Folge mal ausführlicher sprechen. Es gibt einige Ausrufe, die typisch sind für die Umgangssprache. Boah ey zum Beispiel. Das ist ein Ausdruck des Erstaunens, der hauptsächlich von Jugendlichen zu hören ist. Sehr gebildet oder klug klingt das übrigens nicht. Als Bestärkung kann man sagen: „Das gefällt mir eh nicht“. Das „eh“ steht dabei für sowieso. Oder ein Fragewort, das vor allem in Süddeutschland oft gebraucht wird: „Es ist schön heute, gell?“ Das „gell“ heißt so viel wie „nicht wahr?“ oder „meinst Du nicht auch?“. Typisch in der Umgangssprache ist es natürlich auch, neue Wörter zu finden. Aus dem Hund wird ein Köter oder eine Fußhupe. Aus der Katze ein Stubentiger. Aus Brüsten werden Möpse, aus Geld wird Kohle. Wer lernen muss, der paukt. Obwohl das nichts mit der Pauke, also einer großen Trommel, zu tun hat. Wer schnell viel isst, der mampft. Das ist ein schönes Wort, finde ich, da es sich so anhört wie jemand, der mit vollen Backen kaut. Mampfen. Und weil man in der Umgangssprache zu faul ist, lange Wörter auszusprechen, werden sie einfach abgekürzt. Die Lokomotive wird zur Lok, das Abitur zum Abi und die Mathematik wird zu Mathe. Natürlich verändert sich die Umgangssprache über die Jahre. Wer früher, also vor 50 Jahren, etwas gut fand, der sagte dazu dufte, prima oder famos. All diese Wörter verwendet heute leider niemand mehr. Ein Teenager war damals ein Backfisch. Schön, oder? Heute ist etwas eher cool oder toll. Oder geil. Das ist ein Wort, das die Jugendlichen alle benutzen – die älteren aber zucken zusammen, weil es früher einen sexuellen Kontext hatte. Welchen? Das müsst Ihr selber nachlesen. Das war Slow German für heute. Weitere Informationen findet Ihr unter slowgerman.com, dort könnt Ihr die Texte zu den Folgen als PDF herunterladen, dazu noch Lernmaterial, und alle alten Folgen, und dort findet Ihr auch die Links zu Facebook und Twitter – und Informationen, wie Ihr diesen Podcast unterstützen könnt, damit ich noch mehr Episoden produzieren kann. Viel Spaß beim Deutsch lernen! Eure Annik Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg62kurz.pdf


    SG #061: Dating Mar 13, 2011
    Show notes

    Herzlich willkommen bei Slow German. Nanci hat sich das heutige Thema gewünscht. Tja, und ich habe diese Folge Dating genannt – obwohl das ein englisches Wort ist. Wir verwenden es auch in Deutschland. Aber es gibt natürlich auch deutsche Begriffe. "Sich verabreden" zum Beispiel – aber das kann viel mehr bedeuten. Ich kann mich auch mit meinem Vater verabreden oder mit einem Arbeitskollegen – das ist dann noch lange kein Date. Bleiben wir also beim romantischen Date. In Deutschland gibt es keine so festgelegten Rituale des Datings wie beispielsweise in Amerika. Hier lernt man jemanden kennen – beispielsweise auf einer Feier oder bei Freunden – und verabredet sich. Mutige Menschen gehen gleich beim ersten Date zum Abendessen aus. Mutig deswegen, weil man beim Abendessen natürlich viel reden muss – und das ist schwierig falls man merkt, dass der andere Mensch gar nicht sympathisch ist. Besser ist daher ein Kinobesuch – da redet man kurz vorher, und dann schaut man in Ruhe den Film an. Wenn man danach noch Lust hat, geht man etwas trinken – wenn nicht, geht man nach Hause. Unverbindlicher ist auch eine Verabredung zum Kaffee trinken. Das dauert höchstens eine Stunde und man kann sich beschnuppern. Das heißt nicht etwa, dass man schnüffelt, ob der andere gut riecht – sondern ob man sich mag. Viele Menschen versuchen mittlerweile auch, die große Liebe im Internet zu finden. Es gibt Kontaktbörse, bei denen Singles – wir sagen Alleinstehende – Beziehungen suchen. Oder Flirts. Oder Blind-Dates. Ihr merkt schon, beim Thema Liebe haben wir viele Wörter von den Amerikanern und Engländern geklaut! Natürlich gibt es auch bei uns mittlerweile das so genannte Speed Dating. Das sind Veranstaltungen, bei denen an kleinen Tischen jeweils eine Frau sitzt. Die Männer haben jeweils fünf Minuten Zeit, mit jeder Frau zu sprechen. Am Ende können die Männer und die Frauen auf einem Zettel ankreuzen, wen sie sympathisch fanden – wenn beide sich nett fanden, bekommen sie ihre Telefonnummern von der Organisation. Es gibt übrigens einen schönen deutschen Film, der genau diese Sache thematisiert, er heißt "Shoppen". Nach einigen Dates ist es dann beschlossene Sache: Man beginnt eine Beziehung. Teenager sagen dann: Wir gehen miteinander. Später sagt man nur: Ich habe einen Freund. Das ist natürlich missverständlich, denn "ein Freund" kann natürlich auch einfach nur ein guter Freund sein. "Mein Freund" ist dann aber immer der Mann, mit dem ich in einer Beziehung bin. Leider haben wir keine Begriffe wie "Girl-Friend" oder "Boy-Friend". Viel mehr kann ich zum Dating gar nicht sagen – es gibt keine festen Regeln, es gibt kein festgelegtes Vorgehen. Und das finde ich auch gut so. So bleibt es spannend, die große Liebe zu suchen! So, ich hoffe Ihr habt wieder viele neue Wörter gelernt! Wenn Ihr Lust habt, folgt Slow German auf Facebook oder Twitter. PDFs zu allen Folgen gibt es auf slowgerman.com, dort findet Ihr auch noch viele andere Informationen und die Links zum Lernmaterial. Und es gibt eine App für‘s iPhone. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg61kurz.pdf


    SG #060: Schwangerschaft und Geburt Feb 18, 2011
    Show notes

    Herzlich willkommen bei Slow German! Ich habe eine lange Pause gemacht, und das hat einen Grund. Ich habe nämlich einen kleinen Sohn bekommen. Daher heute mal das Thema: Kinder bekommen in Deutschland. Nach dem Schwangerschaftstest hat eine Frau viel zu tun: Sie sollte jeden Monat zu ihrem Frauenarzt gehen und kontrollieren lassen, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist. Baby ist eigentlich ein englisches Wort, wir verwenden es aber auch in Deutschland. Der korrekte Ausdruck für ein Neugeborenes ist eigentlich Säugling. Später ist das Kind dann ein Kleinkind. Bei den regelmäßigen Untersuchungen wird das Gewicht der schwangeren Frau gemessen. Oft wird ihr Blut abgenommen, um verschiedene Werte zu kontrollieren. Sie muss auch eine Urinprobe abgeben. All das ist nicht besonders angenehm, aber die Belohnung ist dann eine Ultraschall-Untersuchung. Bei dieser Untersuchung können Arzt und Patientin sozusagen in den Bauch sehen und das ungeborene Kind beobachten. Recht früh kann man dabei auch schon das Geschlecht des Kindes feststellen – wenn man das möchte. Gegen Ende der Schwangerschaft wird man an ein CTG angeschlossen, das ist ein Wehenschreiber. Das sind zwei Gurte um den Bauch der Schwangeren – angeschlossen an einen Monitor. Dort sieht man dann, wie das Herz des Babys schlägt – und ob die Frau bereits Wehen hat. Neben den ärztlichen Untersuchungen nehmen viele Frauen die Hilfe einer Hebamme in Anspruch. Sie nimmt sich viel Zeit, beantwortet Fragen und hilft der schwangeren Frau in dieser Zeit. Um zu wissen, was bei der Geburt alles passiert und welche Möglichkeiten es gibt, werden viele Geburtsvorbereitungskurse angeboten. Sie sind keine Pflicht, aber ein freiwilliges Angebot. Hier lernt man zum Beispiel verschiedene Atemtechniken. Viele Kurse werden von der Krankenkasse unterstützt, das heißt man muss nicht den vollen Betrag bezahlen. Ab sechs Wochen vor der Geburt beginnt der Mutterschutz. In dieser Zeit kann die Frau arbeiten, sie muss es aber nicht mehr. In den acht Wochen nach der Geburt darf sie nicht arbeiten, wenn sie sich an diesen Mutterschutz hält. Damit sie trotzdem Geld bekommt, bezahlt ihr die Krankenkasse rund drei Viertel ihres Gehaltes weiter. So kann sie sich voll und ganz auf ihr neugeborenes Kind konzentrieren und gleichzeitig selber wieder fit werden. Davor aber kommt die Geburt. Sie kündigt sich mit Wehen an. Das sind große Schmerzen, die regelmäßig auftreten und immer stärker werden. Die Mutter entscheidet sich schon vor der Geburt, wo sie ihr Kind bekommen möchte. Es gibt die so genannte Hausgeburt, da bleibt die Frau bei sich zu Hause und wird von einer Hebamme unterstützt. Dann gibt es noch Geburtshäuser, auch hier hilft eine Hebamme, aber die meisten Frauen bekommen ihr Kind in einem Krankenhaus. In der so genannten Entbindungsklinik. Denn ein Kind zu bekommen heißt auch, zu entbinden. Im Krankenhaus hat die Schwangere auch Unterstützung von einer Hebamme. Wenn die Frau das möchte, bekommt sie eine PDA, das ist eine Spritze, die ihr die Schmerzen nimmt. Es gibt in vielen Kliniken auch die Möglichkeit einer Wassergeburt. Dafür ist die Frau dann in einer großen Badewanne, das warme Wasser soll entspannend wirken. Eine normale Geburt nennt man in Deutschland Spontangeburt. Auch wenn sie oft viele Stunden lang dauert. Wenn es Komplikationen gibt, kann das Kind entweder mit einer Saugglocke oder mit einer Zange auf die Welt geholt werden. Oder mit einem Kaiserschnitt. Der Kaiserschnitt wird immer häufiger angewendet – dabei wird das Kind durch eine Operation aus dem Bauch der Frau geholt. Wenn ein Kind übrigens zu früh geboren wird, wird es Frühchen genannt. Zum Glück ist die Medizin mittlerweile so weit, dass viele zu früh geborene Kinder trotzdem eine große Überlebens-Chance haben. Gleich nach der Geburt darf das Kind bereits an die Brust der Mutter – wenn diese das möchte. Sie kann das Kind stillen. Falls sich die Frau für eine ambulante Geburt entschieden hat, darf sie wenige Stunden nach der Geburt nach Hause. Wenn nicht, bleibt sie einige Tage in der Klinik. Die Kinder werden nach der Geburt ausführlich untersucht, und der Papa darf die Nabelschnur durchschneiden. In den ersten Wochen zu Hause hat man die Möglichkeit, eine Nachsorge-Hebamme in Anspruch zu nehmen. Diese Hebamme hilft der jungen Familie und zeigt ihr auch, wie man das Baby wickelt und badet. Das Angebot wird von der Krankenkasse bezahlt. Die ersten sechs Wochen nach der Geburt nennt man das Wochenbett. Auch danach stehen für das Baby viele Untersuchungen beim Kinderarzt an – die U-Untersuchungen. Sie sind durchnummeriert. U1 ist gleich nach der Geburt, U2 wenige Tage danach, U3, U4 und so weiter. Beim Kinderarzt wird das kleine Kind auch geimpft, damit es keine schlimmen Krankheiten bekommt. Eine Impfung ist in Deutschland allerdings nicht Pflicht, die Eltern dürfen entscheiden, ob ihr Kind geimpft werden soll oder nicht. So, ich hoffe Ihr habt wieder viele neue Wörter gelernt! Ich hoffe, dass ich wieder häufiger Slow German-Episoden aufnehmen kann. Wenn Ihr Lust habt, folgt Slow German auf Facebook oder Twitter. PDFs zu den älteren Folgen gibt es auf slowgerman.com, dort findet Ihr auch noch viele andere Informationen. Und es gibt eine App für‘s iPhone. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg60kurz.pdf


    SG #059: Studieren in Deutschland Sep 17, 2010
    Show notes

    Joanne und viele andere von Euch haben gefragt, ob ich etwas über die deutschen Universitäten erzählen kann und darüber wie es ist, in Deutschland zu studieren. Das werde ich heute machen! Wer in Deutschland studieren möchte, der braucht zunächst einmal die so genannte Hochschulreife. Das bedeutet, dass man einen guten Schulabschluss braucht und eine bestimmte Anzahl an Jahren in die Schule gegangen sein muss. Die allgemeine Hochschulreife ist in Deutschland das Abitur, es gibt aber auch die Fachhochschulreife. Es gibt feste Regeln, was man mitbringen muss, um studieren zu dürfen. Das ist unterschiedlich von Fach zu Fach und von Universität zu Universität. Außerdem ändert sich derzeit das gesamte System in Deutschland: Es wird umgestellt auf die international anerkannten Abschlüsse des Bachelor und Master. Daher ist es gerade alles etwas chaotisch. Angenommen, ich habe also das Abitur. Und ich möchte studieren. Dann gibt es trotzdem noch ein Problem: Manche Fächer sind so beliebt, dass zu viele junge Menschen diese Fächer studieren möchten. Dann kann die Universität einen so genannten Numerus Clausus einführen. Das ist Lateinisch. Es bedeutet: Nur wenn ich einen bestimmten Abitur-Notendurchschnitt habe – also besonders gute Noten im Abschlusszeugnis, darf ich studieren. Jetzt sage ich Euch kurz, wie es früher war und heute manchmal noch ist – da gab es nämlich das Diplom. Diese Diplomstudiengänge werden fast alle verschwinden, weil sie durch den Bachelor und Master abgeschafft werden. Aber ich sage Euch trotzdem, was das war: Zunächst mal hat man zwei bis vier Semester studiert, das war das Grundstudium. Ein Semester ist ungefähr ein halbes Jahr lang. Dann gab es eine Vorprüfung, das so genannte Vordiplom. Danach hat man nochmal vier bis sechs Semester studiert im Hauptstudium, und am Ende gab es die Diplomprüfung. Ein Diplom ist eine Urkunde, also ein wichtiges Zeugnis. In vier bis fünf Jahren konnte man also ein Diplom machen. Ihr habt das vielleicht schon einmal auf Visitenkarten gesehen: Es gibt in Deutschland viele Diplom-Ingenieure. Ich selber habe einen Magister Artium. Das ist so etwas ähnliches wie ein Diplom. Aber einen Magister gibt es nur in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern. Dabei studiert man meistens ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich hatte als Hauptfach Amerikanische Kulturgeschichte gewählt, als Nebenfächer Politik und Völkerkunde. Der Magister-Studiengang ist sehr frei, man kann sich seinen Stundenplan frei zusammenstellen, und das hat wirklich Spaß gemacht. Am Ende musste ich Prüfungen ablegen, mündlich und schriftlich, und ich musste eine Magisterarbeit schreiben, also ein Dokument zu einem bestimmten Thema, 120 Seiten lang. Es gibt auch unterschiedliche Arten von Veranstaltungen in einem Studium. Typisch sind Vorlesungen. Das bedeutet: In einem meist sehr großen Saal steht ein Professor oder Dozent vorne an der Tafel und erzählt eineinhalb Stunden lang etwas über sein Thema. Die Studenten schreiben die Informationen mit und lernen sie später zu Hause. Manche Vorlesungen sind Pflicht – es muss also jeder Student dieser Fachrichtung in diese Vorlesung gehen. Das wird kontrolliert. Oft gibt es auch am Ende eine Prüfung. Andere Vorlesungen sind freiwillige Angebote – der Student kann hingehen, muss aber nicht. Dann gibt es noch Seminare – das sind dann Veranstaltungen mit weniger Studenten. Während in Vorlesungen oft gleich hunderte von Studenten in einem Saal sitzen, sind in manchen Seminaren nur zehn Studenten anwesend. Hier wird Wissen vertieft und genauer auf ein Thema eingegangen. Die Studenten müssen auch oft Referate halten – sich also auf ein Thema besonders gut vorbereiten und dann vor den anderen Studenten darüber einen Vortrag halten. Studenten untereinander nennen sich übrigens Kommilitonen. Wenn das Semester vorbei ist, hat man als Student aber noch keine Ferien, denn zunächst beginnt die vorlesungsfreie Zeit. In dieser Zeit soll man zum Beispiel Hausarbeiten schreiben – Arbeiten zu einem bestimmten Thema über ungefähr 20-30 Seiten. Referate und Hausarbeiten werden benotet. Und dann sind endlich Semesterferien. Wer Hilfe braucht, der kann bei seinem Prof – das ist die Kurzform für Professor – in die Sprechstunde gehen. Die meisten Dozenten haben eine bestimmte Zeit in der Woche, in der sie für die Studenten zur Verfügung stehen. Dann kann man Fragen stellen und sich Hilfe holen. Jetzt nochmal kurz zur derzeitigen Situation: Diplom und Magister wird es also nicht mehr lange geben. Stattdessen den Bachelor – der also ähnlich dem Grundstudium ist, und den Master, der das Hauptstudium beinhaltet. Es gibt noch eine Besonderheit in Deutschland: Das Staatsexamen. Wer zum Beispiel Jura oder Medizin studiert, der muss am Ende staatliche Prüfungen ablegen. Dies soll dafür sorgen, dass die Qualität unabhängig und gleichbleibend ist. Was kann ich Euch noch zum Thema Universität und Studieren in Deutschland erzählen? Es gibt einige sehr große Universitäten, wie zum Beispiel die in München. Hier habe ich studiert. Ich habe in einer eigenen Wohnung gelebt – andere leben im Studentenheim oder in Wohngemeinschaften, so genannten WGs. Ein Campusleben gibt es in München nicht, weil jedes Institut in einem anderen Gebäude untergebracht ist, und viele dieser Gebäude sind über die Stadt verteilt. Es gibt also keinen zentralen Platz für alle Studenten. Andere Universitäten wie Tübingen sind kleiner und daher vielleicht auch besser geeignet für internationale Studenten. Denn hier lernt man die anderen Studenten eher kennen. In großen Universitäten ist es oft sehr anonym. Ich werde oft von Euch gefragt, was Ihr tun sollt, wenn Ihr in Deutschland studieren wollt. Ich kann es Euch leider nicht sagen, weil ich selber nie in der Situation war! Ich empfehle Euch daher, im Internet zu stöbern und gute Tipps gerne auch bei SlowGerman.com auf die Homepage zu schreiben. Jede Universität hat eine Studienberatung und diese kann Euch genau sagen, welche Voraussetzungen Ihr für ein Studium in Deutschland braucht. Ich wünsche Euch dafür jedenfalls viel Erfolg! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg59kurz.pdf


    SG #058: Humor Jan 20, 2010
    Show notes

    Andrew und Xavi aus Barcelona haben mich gebeten, über deutschen Humor zu sprechen. Darum geht es also in der heutigen Folge. Das erste, woran ich beim Thema Humor denke, sind Witze. Witze sind kurze Geschichten, die sich Menschen erzählen, und die ein lustiges Ende haben. Diese Witze verbreiten sich von Mensch zu Mensch wie eine Lawine, und manche von ihnen kennt fast jeder. Es gibt interessanterweise immer Phasen, in denen eine bestimmte Art von Witzen sehr beliebt ist. Als ich ein Kind war, waren das die Häschen-Witze. Ein Häschen ist ein kleiner Hase. Wir haben uns also immer Witze erzählt, in denen ein kleiner Hase in ein Geschäft kommt, um etwas zu kaufen. Ich werde jetzt keinen dieser Witze erzählen, aber Ihr könnt sie euch wahrscheinlich vorstellen. Aus heutiger Sicht waren sie nicht sehr lustig. Eine andere Phase waren unter Erwachsenen die Blondinenwitze. Darin machte man sich über blonde Frauen lustig und stellte sie als besonders dumm dar. Auch Menschen aus verschiedenen Regionen machen sich gerne über andere Regionen lustig. In Deutschland veräppelt man oft Ostfriesen, das sind Menschen die ganz weit im Norden leben. Veräppeln ist übrigens ein anderes Wort für "sich über jemanden lustig machen". Man kann auch sagen: Veralbern. Natürlich gibt es auch in Deutschland Menschen, die davon leben, lustig zu sein. Ich meine jetzt nicht Clowns, sondern Comedians und Kabarettisten. In Deutschland wird gerne eine Grenze gezogen zwischen diesen beiden Berufen. Comedians gibt es eigentlich erst seit gut 20 Jahren in Deutschland – das sind Menschen, die sich meist ganz alleine auf eine Bühne stellen und lustige Dinge erzählen. Kabarettisten gibt es schon viel länger hier – sie haben meistens einen politischen Hintergrund oder sind sehr gesellschaftskritisch. Daher ist es oft schwer, ihren Humor zu verstehen – wenn man die Hintergründe nicht genau kennt. Ich möchte Euch heute einige Spaßmacher vorstellen. Im Moment ist ein Mann in Deutschland regelrecht berühmt, weil er unglaublich viele Zuschauer hat. Er hat es sogar geschafft, 70.000 Menschen in das Berliner Olympiastadion zu locken, um ihnen seine Geschichten zu erzählen. Damit steht er jetzt sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Sein Name ist Mario Barth. Er stammt aus Berlin und macht vor allem Witze über die Beziehung zwischen Männern und Frauen. Ich muss gestehen, dass ich über seine eher primitive Art von Humor überhaupt nicht lachen kann – aber er wird von vielen Deutschen gemocht. Es gibt einige lustige Menschen, die jeder Deutsche kennt, weil sie schon so lange in Deutschland aktiv sind. Otto zum Beispiel, oder Mike Krüger, oder Karl Dall. Sie alle mag ich auch nicht – es tut mir leid! Ich kann Euch aber auch Menschen nennen, die ich lustig finde. Von den Pionieren ist das zum Beispiel Loriot. Loriot ist ein Mann, der eigentlich Vicco von Bülow heißt. Vor vielen Jahrzehnten fing er an, die Menschen genau zu beobachten. Dann hat er Szenen aus dem Alltag aufgeschrieben und sie so bearbeitet, dass sie lustig wurden. Sie sind lustig, weil jeder schon einmal etwas ähnliches erlebt hat. Zum Beispiel wie es ist, wenn dem Menschen im Restaurant gegenüber eine Nudel im Gesicht klebt – und man sich nicht mehr auf das Gespräch konzentrieren kann. Schaut Euch mal Loriot-Sketche bei YouTube an, ich bin gespannt, ob sie Euch gefallen. Welche Comedians ich empfehlen kann? Da gibt es viele. Zum Beispiel Dieter Nuhr oder Michael Mittermeier. Momentan ist auch Eckart von Hirschhausen sehr beliebt – er ist ein Arzt, der zum Beispiel sehr amüsant darüber spricht, was das Glück für die Menschen bedeutet. Und Kaya Janar hat sich als Thema vor allem die multikulturelle Gesellschaft ausgesucht – wie also zum Beispiel Deutsche mit Türken im Alltag umgehen. Zu den großen Kabarettisten gehört Dieter Hildebrandt, der mittlerweile über 80 Jahre alt ist und immer noch sehr aktiv. Ich fürchte aber, dass er für Euch schwer zu verstehen ist, weil er sehr schnell spricht. Mein großer Liebling ist aber Hagen Rether. Ich habe ihn schon zwei Mal live gesehen und im Juni werde ich ihn wieder sehen. Er ist groß und dünn, hat einen Pferdeschwanz und sitzt immer an einem Flügel, also an einem großen Klavier. Sein Auftritt dauert drei Stunden – und jede Sekunde ist kostbar. Er kritisiert die derzeitige politische Situation sehr genau. Nach der Vorstellung denke ich noch viel über seine Worte nach. Es gibt im Deutschen eine Redewendung, die sehr gut zu Hagen Rether passt. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Das bedeutet, dass man im ersten Moment anfängt zu lachen, dann aber merkt, dass es eigentlich schockierend ist, was er gerade gesagt hat. Es ist eine eher sarkastische Art von Humor. Wenn es Euch interessiert – es gibt zwei Kabarettsendungen im deutschen Fernsehen. Die eine heißt Satiregipfel, die andere "Neues aus der Anstalt". Ich fürchte aber, dass das noch zu kompliziert für Euch ist. Vielleicht habt Ihr auch Lust auf deutsche Comedy, dann schaltet doch den "Quatsch Comedy Club" ein. Zum Schluss noch Musik von einer deutschen Band namens "Ich und mein Tiger". Der Song heißt "Bahnhof" – mehr davon unter:www.ichundmeintiger.de. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg58kurz.pdf


    SG #057: Halloween Oct 30, 2009
    Show notes

    Die Deutschen feiern gern. Das merkt man auch daran, dass sie Feste aus anderen Ländern gerne übernehmen. Ein Beispiel dafür ist Halloween. Halloween ist kein deutscher Brauch. Es wurde ursprünglich in Irland gefeiert und von den Iren nach Amerika gebracht. Dort ist es mittlerweile ein sehr wichtiges Fest geworden. Hier in Deutschland gibt es keine Halloween-Tradition. Dennoch wird Halloween von vielen Deutschen seit den 90er-Jahren gefeiert. Manche Deutsche veranstalten Halloween-Parties. Und manche Kinder gehen tatsächlich von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten. Manche Bars und Restaurants veranstalten ebenfalls Halloween-Parties, sie schmücken ihre Räume mit künstlichen Spinnweben und Skeletten. Halloween gehört einfach zum Herbst dazu, das merkt man auch an der Dekoration. Im Herbst machen wir eine Kürbissuppe und stellen kleine Zier-Kürbisse auf den Tisch, als Deko. Wir sammeln Kastanien und rote und gelbe Blätter von Bäumen und arrangieren sie zu einem schönen Bild. Manche Deutsche höhlen auch Kürbisse aus und stellen eine Kerze hinein – genauso wie in Amerika. Dennoch ist die Bedeutung von Halloween nicht groß in Deutschland. Wir haben andere Bräuche, die alt sind und aus unserer Region stammen. Ein Brauch ist das Martinssingen. Am 11. November ziehen Kinder von Haus zu Haus und singen Lieder – als Belohnung bekommen sie Süßigkeiten oder Früchte. Das ist ein katholischer Brauch, der dem von Halloween sehr nahe kommt – außer dass die Kinder an Halloween "Süßes oder Saures" rufen, anstatt zu singen. Beim Martinssingen tragen die Kinder selbstgebastelte bunte Laternen mit Lichtern darin. Das sieht im Dunkeln besonders schön aus. Das bekannteste Lied ist "Ich geh mit meiner Laterne – und meine Laterne mit mir. Da oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir". Zum Martinstag am 11. November gehört eine Geschichte, die an den Heiligen Martin erinnert. Er hatte seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt. Ein anderer wichtiger Brauch ist Allerheiligen am 1. November. Aber davon habe ich Euch schon in einer anderen Folge erzählt. An Allerheiligen gedenkt man der Toten, daher ist es ein eher trauriger Feiertag. Deswegen sind Tanzveranstaltungen in katholischen Regionen verboten – ab Mitternacht. Halloween-Parties müssen also ab Mitternacht ganz still sein. Ich selber bin zwar auf zwei Halloween-Parties eingeladen, werde aber nicht hingehen. Ich werde mich an Halloween nicht verkleiden und keine Süßigkeiten an Kinder verteilen. Ich werde mich aber auf den nächsten Tag freuen und darauf, an Allerheiligen meine Familie zu sehen. Wie macht Ihr es? Wie feiert man Halloween in Eurem Land? Wenn Ihr Lust habt, schreibt in die Kommentarfunktion auf slowgerman.com – in Deutsch oder Englisch. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg57kurz.pdf


    SG #056: Jugendherberge Sep 22, 2009
    Show notes

    Eine Herberge ist eine Unterkunft, also ein Platz, wo man schlafen kann. Es ist so etwas ähnliches wie ein Hotel. Eine Jugendherberge ist wie der Name schon sagt ein Hotel für Jugendliche. Der Unterschied zu einem Hotel ist vor allem der Preis für ein Zimmer. Meistens sind Jugendherbergen viel billiger. Oft gibt es Mehrbettzimmer, also Zimmer mit mehreren Betten darin. Es gibt einen Speisesaal und meistens auch schöne Angebote für Familien, also zum Beispiel einen Spielplatz oder ein Schwimmbad. Noch ein Unterschied zum Hotel: Die Gäste müssen ihre Betten selbst mit Bettwäsche beziehen und vor Abreise wieder abziehen. Das macht im Hotel ein Zimmermädchen. Handtücher muss der Gast selber mitbringen oder in der Jugendherberge mieten. Wie ist dieses Konzept entstanden? Die erste Jugendherberge entstand vor genau 100 Jahren, und zwar am 26. August 1909. Der Lehrer Richard Schirrmann war damals mit einer Schulklasse unterwegs. Er wollte acht Tage lang mit den Kindern wandern. In der ersten Nacht schliefen sie in der Scheune eines netten Bauern. In der zweiten Nacht allerdings tobte ein Gewitter und sie fanden lange keine Unterkunft. Schließlich kamen sie endlich in der Dorfschule unter. Der Lehrer konnte nicht schlafen – also kam ihm die Idee, für andere Wanderer eigene Herbergen einzurichten. Wenig später richtete er die erste Jugendherberge ein. Die Idee setzte sich schnell durch: Schon 1932 gab es über 2100 Jugendherbergen. Damals hatten sie noch große Schlafsäle, in denen viele Kinder und Jugendliche zusammen in einem Raum schliefen. International werden die Jugendherbergen "Youth Hostels" genannt. Weltweit gibt es mittlerweile 4500 Jugendherbergen, in Deutschland sind es noch 550. Diese Jugendherbergen haben unterschiedliche Standards: Jugendherbergen der Kategorie 1 sind eher einfach eingerichtet, die Herbergen der Kategorie 4 bieten gehobenen Komfort, sind also besser eingerichtet und ausgestattet. Wichtig ist den Jugendherbergen, dass sie nicht nur eine Unterkunft sind. Sie stehen für Frieden. Sie wollen, dass Jugendliche und Kinder viel reisen, um andere Länder und andere Menschen kennenzulernen und dadurch Toleranz zu lernen. In einer solchen Herberge verbringt man oft Zeit mit anderen Gästen und lernt sich näher kennen. Oft werden Jugendherbergen genutzt, um mit einer ganzen Schulklasse zu reisen. Die Kinder dürfen zum Beispiel eine Woche lang Urlaub in einer Jugendherberge machen, anstatt in die Schule zu gehen. Dafür lernen sie vor Ort in der Jugendherberge mit ihrem Lehrer andere Dinge, zum Beispiel über die Umwelt und Natur. Der Leiter der Jugendherberge wird auch heute noch oft "Herbergsvater" genannt. Und ein Klischee für Jugendherbergen, das oft wahr ist, ist der ständig aus einer großen Kanne ausgeschenkte Tee. Wer in einer Jugendherberge übernachten möchte, muss nicht unbedingt ein Kind sein. Mittlerweile ist es möglich, auch als Erwachsener dort zu übernachten. Wichtig ist aber, ein Mitglied des Deutschen Jugendherbergswerk zu sein. Das ist die Organisation, zu der alle Jugendherbergen gehören. Das Deutsche Jugendherbergswerk, kurz DJH, ist übrigens ein eingetragener Verein. Über Vereine gab es schon eine Slow German-Folge, Ihr könnt sie gerne nachhören. Wer also in einer Jugendherberge übernachten möchte, muss Mitglied in dieser Organisation werden, und das kostet Geld, aber nicht viel. Momentan liegen die Beträge zwischen 12,50 Euro und 21 Euro für ein ganzes Jahr. Dazu kommt dann natürlich der Preis für eine Übernachtung, das Frühstück ist immer mit dabei. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg56kurz.pdf


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